Schicksale. Noman von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) (Amerlkanische; Copyright by Tarl Duncker 1914 ) (Fortsetzung.) Marguerite Varrel stand vor der jungen Marquise von St. Chamant Um die Stunde des Diners lvar sie eingetrosfen — gerade, als die Herren des Hauptquartiers der XI. Armee sich durch den Park vom Kavalierhaus her zuni Schlos; begaben Deutsche Offiziere! . Hätte das junge Mädchen nicht sich zur Seite den alten Frederic gehabt, der sie zur Hausfrau geleitete - sie wäre wohl entsetzt geflohen Denn deutsche Offiziere in diesem Schloß, das ihr für ^ange Monate zur Wohnung dienen sollte . . sie verstand das nicht. Sie sah ihren Begleiter unwillkürlich ent- etzt fragend an. Doch der zuckte nur die Achseln : „Das ist schon fast seit drei Wochen so, Mademoiselle. Uber unbesorgt was uns da unsere Leitungen für Bären aufgebunden haben über die deutschen Hunnen — wir hier auf St. Chamant merken davon nichts. Ich kann nur sagen diese Deutschen sind vollendete Kavaliere und benehmen sich tadellos. Vielleicht kommt es daher, weil ja auch unsere gnädige Frau selbst von Geburt eine Deutsche ist." Da fühlte die junge Pariserin zum zweiten Male, wie ihr jahex Schreck ans Herz griff. Eine Deutsche, in deren Dienst sie sich begab, von deren Willen sie abhängig sein sollte! Was mochte wohl Alphonse nur bezweckt haben, als er sie hierherschickte? Und dann stand sie vor der jungen Schloßherrin. Ins '.Ankleidezimmer der Marquise war sie geführt worden, wo die erste Kamnierzofe gerade mit der Dinev- toilette ihrer Herrin fertig war. Ein vorsichtig mit Spitzen verbrämtes Seidenkleio trug die junge Marquise. Herb, fast streng wirkte das harte Stahlblau der Farbe, kontrastierte seltsam gegen das an- mukig schöne Gesicht, gegen das gütige Lächeln, das um die Lippen der jungen Witwe lag, als sie Marguerite die Hand zum Kuß reichte. „Das also ist die Marquise von St. Chamant!".. . . dachte das junge Mädchen, während sie zu einem tiefen Knicks zusammensank . . das also ist Alphonses Cousine! Eine Deutsche von Geburt! llud wie schön sie ist — tute» wunderbar schön! Nie sah ich in Paris Frauen von solcher Schönheit - von solcher gütigen gelvinnenden Schönheit!" Und während sie sich tvieder hochrichtete, kam von drüben eine etwas verschleierte mitleidige Stimmer „Mein Kind — .Herr de Marsillargnes schrieb mir voll Ihrem schweren Schicksal. Ich weiß, was es heißf, beide Eltern so unvermittelt und in so kurzer Zeit verlieren zu müssen. Da bedarf es vieler Monate, um einen solchen Schlag zu überwinden „Herr de Marsillargnes hat mich gebeten, mich Ihrer anzunehmen. Ich will es von Herzen gern tun, Marguerite Varrel; wenn ich Ihnen auch nicht das Elternhaus ersetzen kann, so sollen Sie doch für die Dauer dieses Unglücke seligen Krieges bei mir ein Heim und eine Zufluchtsstätte gefunden haben." .' ' Und mit welchem herzlichen Interesse dabei die gütigen Frauenangen auf dem Gesicht des jungen Mädchens ruhten - Marguerite Varrel fühlte, wie die Sck>am in ihr bitter hochquoll. Mit einer Lüge hatte sie sich hier eiugeschlichen. Mit einer Lüge hatte sie das Mitleid dieser hochherzigen schönen Frau errafft Mit einer Lüge würde sie ihr-jeden Tag von neuem unter die Augen treten, würde sie j«de Wohltat annehmen müssen! Wozu hatte sie sich all die Jahre seit dem Tode ihres Vaters ehrlich und bescheiden in Paris dnrcbi- geschlagen, lvenn das alles nur dazu nutze gewesen, daß sie jetzt eine Frau belog, die ihr von der ersten Stunde an mit Güte und herzlichem Mitleid begegnete?! Und in ihrer Stinnne zitterte unwillkürlich etwas von diesen quälenden Empfindungen, als sie leise erwiderte: „Gnädigste Marquise sind zu mir sehr gütig." Die junge Witwe schüttelte den Kopf: „Ich bin nicht gütig, mein Kind — ich erfülle nur eine Pflicht der Mchsteuliebe. Dafür brauchen Sie mir nicht zu danken. Und wenn Sie mir dennoch einen Dank abstatken zu müssen glauben, dann tun Sie es dadurch, daß Sie den Platz ausfüllen, aus den ich Sie hier stellen null." „Ich werde Tag und Nacht an nichts anderes denken, gnädigste Marquise." Die junge Witwe ließ noch immer ihre Augen vrüfeud aus der sausten liebreizenden Schönheit Marguerite Varrels ruhen. Ersichtlich kämpfte sie mit einem Entschluß. Dann hatte sie sich entschieden und versetzte: „Es gibt hier aus St. Chamant keinen Posten, der nicht schon hinreichend mit Dienerschaft besetzt wäre. Etwas Der artiges käme also für Sie nicht in Frage. Aber ich macl)je Ihnen einen andern Vorschlag, Marguerite: — ich bin ge zwnngen, ein großes Haus zü führen und vielen zur Verfügung zu stehen. Es ist eine ständige Unruhe aus St. Eha mant, aber in all dieser Unruhe finde ich doch hin und wieder eine Stunde Muße — eine Stunde, die ich oftmals gern mit einer Vertrauten verplaudern würde. Mit einem Menschen, auf dessen Diskretion und Taktgefühl ich mich verlassen kann. Mit einem jungen Mädchen, das mir Gesell- schasterin und Vertrante zugleich sein müßte. Würde es Sie freuen, Marguerite, eine solche Stellung in meinem Hause einznnehmen?" Margnrite Varrel schlug das Herz hoch oben in der Kehle. „Ich würde mich sehr glücklich schätzen; aber gnädigj-c Marquise haben mich noch nie vorher gesehen. Ich weiß nicht, ivelchem Umstande ich diese große Auszeichnung zu verdanken habe/'. „Meinem Vetter, Herrn de Marsillargues, der Sie mir so anaelegentlich empfohlen hat. Und keine Angst, Sie verschüchtertes Kino, daß diese Stellung an Ihre Fähigkeiten unerfüllbare Ansprüche stellte. So ist es nicht. Sie sollen nur stets daran denken, daß Sie in mir für die Zeit Ihres Hierseins eine Gönnerin besitzen. Und wenn irgendein, Kummer oder irgendeine Sorge Sie bedrückt, bann kommen Sic zu mir und sprechen Sie offen. Ich werde stets Zeit für Sie haben. Und nun, Marauerite, soll der Diener Sie auf Ihr Zimmer führen. Vielleicht, daß Sie mir noch heute abend eine Stunde zur Verfügung stellen — ich weiß es noch nicht. Jedensalls würde ich mich freuen, wenn die Zeit Ihrer Anwesenheit auf St. Chamant für Sie zu einer glück- lichen würde." f m leises entlassendes Kopfneigcn; eilt Klingeldruck: am'.nerzose trat ein. „Frederic soll Mademoiselle auf ihr.Zimmer führen." Und dann stieg die junge Pariserin hinter dem alten Frederic her die rnächtige imposante Freitreppe zur ersten Etage hinauf und d'urchwairderte lange Gänge und durch^- querte Entrcchnmbres. Und stand endlich in einem mittelgroßen, entzückend behaglichen Giebelzimmer, dessen Fenster über die Part- Lämne hinweg weit ins Flachland hinaNssahen. Lautlos war hinter ihr die Tür zu gezogen worden. Tiefes Schweigen ringsum. Marguerite Varrel war mitten in dem Gemach stehen geblieben, sah mechanisch aus ihre Heiden Koffer, die in der Ecke standen, schaute mit leerem Blick auf die Möbel ringsum, auf die zierliche Frisiertoilette, aus die weiche, mjt einem schönen Fell überdeckte Ottomane. Und dann legte ße Mut und Mantel ab, tat ein, zwei Schritte, fanf auf das Puhebett. Der Länae nach lag sie da, das Gesicht zwischen den Armen. Lag reglos wie im Schlummer und atmete schwer. , 3J> C war so bange zu Mute; so verstört; so ratlos und hilflos und verloren. Sie hatte die Empfindung, als stände hinter ihr etwas unheimlich Drohendes — ein Gespenst — ein riesiger erdrückender schatten. Vorhin unten im Ankleidezimmer der jungen Marquise von St. Ehamaiit war ihr der Gedanke durch'das .Hirn gezuckt, oaß sie ja die Verlobte Alphonse de Marsillargues sei, daß er uuir sein Wort ciuzulösen braiichte und sie würde die Verwandte dieser großeil Dame, dieser schönen eleaanten Frau lverdeu! Dieser Deutschen! Sie, Margucrite Varrel — Marquise voii St. Ehanrant! Das war ihr vorhin diirchs Gehirn gezuckt. Aiich jetzt wieder, wahrend sie stumm nnb reglos dalag. Auch etzt wieder dachte )te daran. ' * w Machte daran wie au eine groteske Unmöglichkeit. Sie eine Verwandte der vornehmen Frau da unten es war Irrsinn. ' * ' Sie hatte nichts davon gewußt, daß Alphonse de Mar- Ziehungen besäst ,lluftre ^rwnndtschnfiüche Bc- Aber er liebte sie doch und hatte es ihr doch zahllos Eiden geschworen. Idast sie sein Weib werden sollte. Und sic halte auch jdaran geglaubt — bodtngslos, wie an ein Evangelium. . nur jetzt nicht mehr? Warum nur plötzlich hatte sic dies gualend? Gefühl, als lege ihr jemaich eine E^^O'Hand an f das Herz? Warum erschien ihr jetzt bizarr ^aSu ? m ' mas icbc ® t,n ' bc ^ "J.*"!“! all dieser sich überstÄrzenden, sich hetzende,, sich erschlagenden Gedailkeu - imnitteu all btefei- gualenden Zerrissenheit. . . immer und immer wie? der wie ein entehrendes Brandmal das Bewußtsein: „Ich bin mit Gute und herzlichem Mitleid von einer b^m/ocnominen worden, die ich belüge, Mit einer Lüge habe ich mich hier c,umschlichen! Mit einer Lüge muß ich meimn Zlatz behaupten! Mit einer Lüge werde ich ihr ihre Wohltaten zu daukeu haben!" die Cousine der jiiugeil Wie eine unbeheuerliche Schmach, brauute dies Bewußtsein in ihr. Stand es finster und ehern nnd^ unerschütterlich. in all der drängenden wogenden Flut ihrer Gedanken und Befürchtungen und Grübeleien. Eben, als sie wieder an d,ie große Lüge dachte, ging ein krampfartiges Zucken durch ihre Glieder. Jetzt aber lag sie wieder ganz still. Reglos; wie hingemäht; wie erschlagen. Und um sie sang das lautlose Schweigen der sonNner- lichen Mittagsstunde mit tausend, mit Millionen feiner geisterhafter Sümmchen. Und die Sonne zog quer durch das Zimmer ein breites, schimmerndes Lichiband. Und draußen irgendwo int Gewühl der Baumkronen schluchzte eine Amsel. * t Ganz kurios sah der Doktor Darragon zu dieser Mittagsstunde aus, wie er mitten in Alphonse de Marsillargues Eßzimmer an dem großen ausgezogenen Speisetisch saß. dicke Bücher wälzte und sich hin und wieder mit der Hand durch die wirren Haarsträhnen führ. Draußen aus den Straßen des entvölkerten Paris brannte die Septembcrsonne unbarmherzig. Kein Kncittern eines vorübcrjagenden Autos, kein Rumpeln eines Omnibusses — höchstens, daß hin und wieder mol im schläfrigen Trabe eine Mietskntsche vorüberrollte. Und dann war es wieder für lange Zeit still. Ganz unwahrscheinlich still — iu dieser sonst von Lärm und Leben und Lachen und Lust erfüllten Riesenmetropole an der Seine. 'Alphonse de Marsillargues hatte hermetisch Türen mit* Fenster Uor der brüteilden Hitze geschlossen, sämtliche Vorhänge heruiitergelassen und dicht zugezogen und doch herrschte in der entzückenden kleinen Gar^onwohnnng der Rue Eastiglione eine erstickende Temperatur. Weshalb auch der Doktor Darragan sein Jackett ans- gezogen und Weste und Kragen in eine Sosaeckc geworfelt hatte. In Hemdsärmeln saß er da, schwitzte, wälzte seine dicken Lexika nnb Standardwerke, die sich anf dem Tisch häuften. — daß jedesmal, ivenn er eins dieser Bücher zn- schlng, feiner grauer Staub aufwirbelte. Und jedesmal inurrte er zwischen den Zähnen: . „Ich finde cs nicht, Alphonse. Tatsächlich, ich finbe es lucht." Ans einer halb int Dämmer liegenden entfernten Zunmereckc und aus dein kühlen knarrenden Leder cilles Klubsessels heraus kan: die kaltblütige Antwort: „Sie müssen es finden, Doktor!" Eilien neneii Band riß sich Iber kleine Herr heran. „Na bann vielleicht hier." Und schon wenige Minuten später unter Stöhnen und «ch nassen abermals: „Hier steht auch nichts drin." * .. "^er Tenerster geschichtlich verbürgte Tatsachen lauen sich doch ilicht ans der Welt schaffen." bürgt"istO"^ loi ff cn daß diese Tatsache geschichtlich ver- , .„"Weil ich Schilderungen dieses mißgllickten Attentates sebst iviedcrholt gelesen habe." „Aber dann müßte doch in diesem Buch oder in chesem hier oder in deni da drüben . . . irgeiidwo müßte doch irgendwas darüber stehen. Zumindest eine Notiz " .^.''Suchen Sie nur, Doktor - garantiert, daß Sie es schließlich auch entdeckelt." Stöhnen""^ müC ' ^ucherwälzcn, Schnaufen und „Diese verdammte, gottesjämmcrliche Hitze!" Aus dem Klubsessel kam keine Antwort. Und.dann plötzlich schlug der Doktor Paul Darra.wn mit der Faust mitten auf einen der teuren Halbfranzbände. „Zum Teufel Mit ^hrem Attcutat, Alphonse! Wer weiß wo Sie so etwas oefefen haben!" ' lULlü ' "2lber machen Sie sich doch nicht lächerlich, Kindchen." M lächerlich — ich mach mich bloß blödsinnig soweit ich das bei dieser Temperatur nicht ohnehin schon bni, Alphonse." F ^-Kennen Sie nicht das reizend ehrbare hausbackene deutsche Sprtchwort: „Ohiie Fleiß kein Preis?" (Fortsetzung folgt.) 367 Die ttirche von Nair. SkiWe von Hanns W o h l b o l d, Memmingen. (Nachdruck verboten.) Es war Sitte geworden, daß sich die Ansiedler zwischlen den großen Korasbepgen und der Kalabäri an: Brunnen .'fort Mis trafen, wenn sie eftimlst eftvgs zu beraten Hatten, das Milawir vre Muten m geschslossenem Stroms südwärts walzten. VoingZum gab cs Frischen wendigen uno steinigen Streifen, die Kie Spinnenbeine ans der Wüste lstrnbergpisseu. viel frnchLvaves Stepventand, und bald hatten ssth ein paar meinprehzüchter am! sich ein paar m f n des gttn zum erstenmal den Gedanken hbhen stsslnd Jicö Nivier ein K'irchlayr bauen, und es gelang mninen a^igesiedelt, zwei Rutsche stnd een Bur, die so viel Matz finden, daß keiner der Horden des andc-rn die Meide nan.n. Lje regten zum erstxnmial den ^danken an, mlckn solle über o-snr ihnen wider Erwarten schnell, damit bei den anderen Gehör zu finden. Ws ihren ^arnwn stellten die Leute weit im Umkreis, nachdem sie sich verständigt hatten, das Material her, das sie brauche ten, strichen Lieget und schnitten Balken ans Dornbnschholz. Tann, ill den heißesten Tagen, als es daheim auf den Feldern keine Arbeit gab, kamen sie mit schwer beladenen Ochsen wagen, jeder brachte so viel Arbeiter mit, als er zu Hause enitbehrcn konnte, und schnell rWets sich Stein aus Stein. Das Kirchlein wuchs Mls der Erde und war bald fertig. Wie ein Spielzeug stand es mit den geweißten Mauern, klein und niedrig zwischen hohen KUnteldornbänmen, und nur der schmale Turin, der fast zu hoch war für das Gotteshaus, reckie sich empor und schob das rote Ziegeldach über die struppigen Ban inwipfel hinaus, grüßte hinüber zu den! hol-en, zerrissenen Gipfeln der Korasberge, die verschleiert am Horizont standen, jenseits der glnthaiichenden Steppe mit ihren gelben, verbrannten Grasbüscheln. ^ Als die Regenzeit einsetzte, kam der Prediger, den sich die Bauern aus Deutschland oersclnieben hatten. Gr war ein kleiner, hagerer Mann, sehr jung noch, mit einem blassen Stuben gesicht und großen erstaunten Augen, die sich nicht satt sehen konnten an der endlosen Steppe, die jetzt wie ein grüner Teplpich aus sah, in den sich alle Blüten färben webten, und an dem weiten Nivier, in besten Grund ein leises Rauschen wwr von schmalen Massier^ adern, die aus deu Bergen kamen. Ter Pastor brachte die Glocke mit. Bis Kalkfontein hatte die Bahn sie befördert, dann schleppte sie der Ochsenwagen langsanr nach Norden herauf. Es war eine große, schöne Gloch, fast jir schoer für den schlanke,» Turm schien sie beit Bauern. Ein jeder ftrich^mit der harten Arbeitsliar?d über das blanke Metall, jeder las das Schillern'vrt. das der Glockengießer in den Rand gepreßt: Vivo 3 voee». mortuo8 ptantzo, tnl^rrra krun^o. Kleiner wußte, was das zu bedeuten hatte, aber als die Glocke an ihrem Platz hing, als sie zum crstcnmtal ihren hallenden Ruf weithin über die afrikanische Erde gesandt, und dann die Hauern mit Weib und Kind von ln either geritten kamen, uni in dem einfachen Raum die erste Predigt zu hören, da deutete ihnen Pastor Ohlsen den Sinn des lateinischen Satzes. Er legte ihnen die Worte so aus, wie sie es verstehm konnten, dainit kam er gut zurech.l, denn er war selbst eines Bauern Sohn und an der Nordseeküste zu Haus, wo sie mit Sturm und Wasser genau so ringen mnften wie in Sndwcst mit Sonnenbrand und Fieber zu kämpfen war. Er redete sich mit der ersten Predigt den Bauern üis Herz, und als er ihnen dann» sagte, daß seine Frau, die ec vor der Ausreise geheiratet, kommen wolle, so bald er ihr Nachricht geben konnte, daß sie hier ein, richtiges Dach über dem Kopf fand, da erboten sie sich,, ihm bei allenli zu bösen, so weit sie es nur vermochten. Zucr.st wohnte der Pastor noch in einem Hartebeesthans, das sie ihm provisorisch gelmut halten, dicht bei der Kirche Es war nur eine winzige viereckige Hütte aus Pfählen und Ftechtlm-rk mir Lehmbewnrs an den Wänden »nd einem! Grasdach, wie man sic eben nach dem Vorbild der Buren und Bastards im Lande zu vor' übergehender Unterkunft benutzt. Aber er- sollte ein richtiges Hans haben, und den Platz mußte er sich selbst aussnchen. Das tat cr gern, und Zn Fuß oder auf dem Reitochsen durchstreifte er wochenlang immer wieder die Gegend, denn die Wahl der Scholle, aus der er vielleicht sein ganzes Leben lang saß, mußte reiflich überlegt werden. Endlich war er mit sich einig. Iw Süden der Kirche von Kais fand er, was er ftichte. Hoch» bno-bert übers frcv Steppe, ans einem zerklüfteten Rücken lag die Stelle, an der sein Hans stehen sollte. Da koniite es sich zwischen die Felsen schniegeu, gedeckt gegen dre Glut der Mittagssonne, während sich nordwärts Buck in die endlose Ferne verlor. Himniel und Steppe, sonst sah dao Auge Nichts. Auch die Kirche war mit dcii l(einen Häusern, gj «Höftim standen, durch vorgeschobene Hügel verdeckt' Guten N^oen gab es genug ringsum, der Garten war das erste. >oa-l chastor x_ !>(feit ui Angriff nahm. Ilnd dann halsen ihm seine Bauern dao Haus aufzurichten. Es war nicht groß^ zlvei Stuben nur und eine Küche, aber E war ein schmuckes Haus, und dem jungen Pastor, den die Sonne braun gebrannt hatte und der so gesund aussah. >me vorher ule in seinem Leben, sachte des Herz, wünln er daran dachte, nnä ! slch die kleine Stritt Mauders — er nannte ske immer nc^ch der sich mit ihrem Mädchennamen, denn erst cmr Tage vor der Ausfahrt hatte er sie geheiratet — freuen würde, wenn sie das Hans sah. Seit er selbst oben wohnte, mußte Martin Ellis, ein Bastard, der setzt drunten neben der Kirche in seiner Lehmhütte ^nste, jeden Tag, ehe Me Dämme rmng siel, die Abendglwcke läuten, deren Gxssß weit hinaustönle m die stille Steppe. So sollte es immer kletben, für alle Zeiten, so lange eine Faust da it^r, die een Glocken strick ergreifen konnte. Das versprachen sie alte, die ^.vu.uiiuu uMMihLu ulirm- ttln ^im Kais. Um eines bangte sr wie um das andere. Eikölich lanr Lotm^Er schloß sie,in die ,Arme imd wftr Auen Augenblick AltMich. Man riet ihm, in Kalksontem zu bleiben, denn niemand r l - lf c , J? ,c c '' Ligentlia) an der Gnuize stand. Aber es wollte zu tti.icr ckeinen Gemein^. Und -stritt Mande^s wollte mit. Er ci ihr "ichr abrchlagen, wenn ihm auch das Hp-z schiveü !rar. ^hn inet rie Pflicht nach Kais lind sie hielt die gleiche Pflicht an seiner Lette. Daraus blieb sic bestehen. Zin der Stadt, in der alles durcheinander stob iuie in einem aufgestölck»n Bienenschwarm, Mang es Muni, einen tteia:en Magen für die Reise zu bekommen. rdf^'-.JUdllch war doch alles in Ordnung. Sie atmeten aus, als das Menschengetvirr hinter ihnen lag und die Einsamkeit der Steppe sie Aber es ivar nun alles anders, als sie gedacht hatten, .'.'nt Bangen sahen sie der Zukunft entgegen, und die Fahrt, die doch nur wemgc öage dauerte, erschien ihnen endlos, bis endlich dia pichen vor ihnen anftanchten, hinter denen, nordivärts, der Brünnen von Kais lag. Ter Tag war schon vorgeschritten, als sie am Südhang der Hügel ankamen, an deren Nordseite Pastor Ohlsens Haus lag aber ne gönnten ,ich keine Rast. Tie beiden schwarzen Treiber,' me sie aus Kalkfontein mitgeuommen hatten, ließen sie bein! Wagen zurück, sie ,e1bst eilten voraus, klopttnd-cn Herzens, unbeirrt durch den loh mden Sonnenbrand, der die Steppe verengt hatte und der aus die steine stammte, daß sie wie glühendes Eisen waren- ^.ie kleine Frau kam kailm noch weiter, der Pastor ttilg sie fast und als sie endlich die Höhe erreicht hatten, da ivnndeAen sie sich beide, daß es gelungen war. Sie hatten fast nichts gesprockvn auf dem ganzen schweren 'ckSeg: letzt sagte der Pastor, und keine Stimme klang ,roh und doch lag ein leichtes Zittern in ihikwr Ton: . ,'Laß uns noch dort um die Ecke gehen, Stinc, jenseits davon steht unser HanS." Hud sie gingen langsam Hand in Hand, bogen um den zer- Uliftctcn