Schicksale. Noman von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) (Amertkanifches Copyright by Carl 'Dundur 1914.) (Fortsetzung.) Dröhnend" und donnernd brauste der deutsche Heilruf durch den schweren stickigen Prunk des französischen Bankett snales Unb einer nach dem anderen der Offiziere kam um den Tisch herum und trat zu der Marquise und klirrte die Hacken zusammen und streifte klingend sein Weinglas au dein ihrigen. Für Minuten ein Gewühl von feldgrauen Un.isormen deutsche Laute ringsum — deutsche scharfblitzende Augen deutsche Männer als Repräsentanten deutschen Heldenmutes. Und mitten dazwischen — in der Schönheit und der Zugend ihrer sechsundzwanzig Jahre — die Marquise de St Chamaut. Abseits aber vom Gewühl der Uniformen stand Alphonse de Marsillargues — blaß bis in die Schläfen: einen scharfen schwer zu deutenden Zug um die Lippen, als wolle er seine Kusine zwingen, die Augen von dem bunten klirrenden Wirrivarr loszureißen und zu ihm hinüberzusehen. Sie aber hatte in dieser Stunde ihren Pariser Vetter vergessen. * Alphonse de Marsillargues wanderte ruhelos in seinem diskret gehaltenen und doch behaglichen Arbeitszimmer auf und ab. Vor zwei Stunden erst ivar er nach Paris zurückgekehrt, hatte ein' Bad genommen, sich umgezogen und ein wenig gesrühstückt und nun wartete er. Eine entzückende Gareonwohnung stand ihm zur Verfügung tut vornehmsten Teil von Paris — in der tue Cast'gtione, zwischen der rue St. Honore und der Placke Vendome. Wenn er auf dem Baltou — eine unwahrscheinliche Ausnahme in Paris — hinaus trat, besaß er einen eu tz ückend en Ru ndblick Hub zu dieser somckgen Vormittägsstunde hätte es wohl manch einen gereizt, die erfrischende Prise, die von der Seine herüberwehte, einznatmen. Alphonse de Marsillargues aber hielt die Fenster geschlossen Er dachte nicht an die Sommersonne, die Paris übergoldete, er dachte nicht an die Seine und die Riesenstadt, die unter ihm atmete, deren Leben ihn sebst in der Stille seiner Gareonwohnung wie ein monotones, nie unterbrochenes, dumpfes Brausen von ferne umbrandete . . . die Unruhe trieb ihn auf Ein paarmal schon hatte er sich in den Sessel geworfen, um sofort wieder auffuspringen. Ein paarmal schon hatte er sich eine Zigarette angezündet. um sie nach den ersten Zügen in den Asckchecher zu werfen. Unrastvoll arbeiteten seine Gedanken. Tausend Pläne und Möglichkeiten erwog er und kant doch immer und immer wieder zu der einen einzigen Folgerung: — Margüerite mußte die Rolle übernehmen! Und gerade war er soloeit in seinem Gedankengange, als der kleine Groom, den er sich zur Bedienung hielt, an^ klopfte und meldete: „Monsieur te docteur Darragon!" Im selben Moment schon wurde das kleine Kerlchen beiseite geschob?ii und der Doktor selbst kam herein. Kam - nein, stürmte aufgeregt in das Zimmer. Aufgeregt, wie er stets nwr, der kleine korpulente Herr von unbestimmbarem Alter, dem der rabenschwarze Spitzbart und das ein toenig langmähnige verwilderte Haar el>er den Anschein eines Musikers als eines scharfsinnigen nüchternen Finauzberaters verlieh. Schnietterte die Tür hinter sich ins Schloß. feuerte seinen Schlapphnt in die Sofaecke, umarmte Alphonse de Marsillargues stürmisch und schnietterte mit seiner durchdringenden Diskantstimme: „Mphonse — hol's der Teufel, aber 's ist ein wahrer Segen, daß Sie endlich wieder hier sind. Wenn ich mal über den Pont de Solserino wanderte, dcnrn sah ich unten in den schmierigen Wellen der Seine alt die. Erinnerungen an unsere gemeinsam verlebten schönen Stunden davon- fchwimmen! Mann — Paris ohne Mphonse de Marsillargues ist ein Erbbegräbnis! Paris ähnelt sowieso in diesen Kriegszeiten einer schonen Frau, die den ganzen Kranz ihrer Verehrer verloren hat. Und toeim auch Sie, Alphonse. diesem Sündenbabel noch den Rücken kehren — also wie gesagt, ich verspürte schon alle Anlage in mir, ein Hypochonder zu werden! Den Teufet auch, Alphonse — ein Segen, daß Sie endlich wieder hier sind! „Und natürlich danke ich Ihnen auch tausendmal für Ihren Brief. Mann — Sie wissen ja gar nicht, wie neugierig Sie mich damit gemackü haben. Was ist denn los? Und warum sollte ich denn zum Teufel Ihnen nach St. Ehamand keine Briefe schreiben?" Das alles sprudelte er in beäugstigeirdenr Tempo über die Lippen, wobei er noch nach seiner alten Gewohnheit die Hälfte der Worte verschluckte. Der Kopf konnte einem wirr tverden, wenn man dem Doktor Darragon ein paar Minuten lang zuhörte. Aber Alphonse de Marsillargues kannte das schon. Er hatte sich mittlerweile wieder in dem Sessel niedergelassen und die ewige Zigarette angezündet, ohne die er nun einmal nicht leben konnte. So unvermittelt, tvie der Doktor Darragon losgesprudelt war — jo unvermittelt verstummte er auch wieder, warf sich aus ein Stuhl, saß vorgeveugt, die gefaltetetr Häirde ztvischen den Knien und musterte in fast kindlich wirkender Neugier das gelassen kühle Gesicht seines Kumpanen. ' • Der schlug nachlässig ein Bein ü,ber das andere. „Doktor — jjcfet fommt eine verdammt ernste Beratung, bei der ich unbedingt Ihrer Findigkeit und Ihrer Intelligenz bedarf. „Also ich rekapituliere noch einmal: — Wir, soweit wir ju den Führern der radikal-nationalistisch-en Partei gehören, sind alle mehr oder weniger Mitglieder der jeweiligen Hanssepartei an der Börse. Jetzt hat uns dieser Unglückselige, durch nichts erforderlich gewesene Krieg giiindlich das Konzept verdorben. Die Baissespekulation verdient goldene Berge. Je größer die Bedrängnis inr Lande wird, je mehr die allgemeine Beklommenheit um sich greift, je tiefer die Kurse sinken und das Selbstvertrauen auf die eigene moralische Kraft schlvindet... desto gesünder mticl)cn sich diese Leute." Der Doktor Darragon schnellte den vorgebengten Oberkörper ruckhast hoch, schlug sich mit der Hand klatschend auf den Schenkel. Seine Augen sprühten .und loderten; ^eine Stimme krälste. ,,Wahr — Mphonse! Tausendmal wahr! Die Baisse- spekulanten der französischen Börsen sind die Vampyre, die am Blut und am Mark des Volkes saugen! Verbrecher sind sie an nationalem Eigentum - flnchnnirdige Verbrecher. deren Ruchlosigkeit zum Himmel um Vergeltung schreit." darauf Alphonse de Marsillargues kühl und ruhig: „Sagen »vir, lieber Doktor — sie sind jetzt in .Kriegszeiten dieselben guten Geschäftsleute, die »vir im Frieden sind." Der Heine bewegliche Herr starrte ihn verblüfft und sprachlos an. Drnin spielte ein ganz seines kaustisches Lächeln mit seine Lippen. „Alphonse - Sie sind der entzückendste Mensch, der mir je begegnete. Sie haben den Mut einer ebenso reizenden »vie gefährlichen Offenheit! Sie haben eine Art, unter vier Angen die Dinge beim rechten Rainen zu benennen, die mich um meinen Verstand bringen »vürde, »v.enn mir dieser nicht doch noch einiges gälte und »venu ich bricht Ihr bester Freund tväre." Ter Hausherr streifte die Asche von seiner Zigarette. „Lieber Doktor - Sie nrüssen sich »virklich »vährend der letzten acht Tage recht einsam gesuhlt haben, das; Sie mir so Verzivrifelte Komplimente machen. Aber fahren wir »orl: ..Wenn Sie von Ruchlosigkeit und Verbrechen sprechen, so treffen diese Bezeichmingen in erhöbterem Grade nicht äns chL Leute voi^ver Börse, sondern aus die Herren vom. Miniitertisch zu. ^ehcn ^-ie, Doktor das nenne ich eine Rtedrigkcit des Charakters und eine Erbärmlichkeit der Ecsiiimmg Präsident von Frankreich zu sein und eine Schar von Ministern um sich zsu haben und hinter sich ein <.ano von nenn und zivanzig Millionen Menschen zu »visseit und dann nichts Eiligeres zu tun haben, als die äugt »lammte, dm eh Jahrhunderte glorreicher (^'schickste geheiligte Hauptstadt des Landes Hals über Kopf zu verlassen mid^nach Bordeaux zu flüchten!" ^ Der Doktor Darragon fühlte hier den dringenden ^)>vaug, eine zustunmende Bemerkung einzuschalten Aber 0»»anbar stet ihm keine ein, die verurteilend und ver- stnchend genug war. Und so begnügte er sich damit, drohend beldt Franste zu schütteln und blaß zu »verden. Mphonse de Marsillargues aber fuhr fort' runXu^"\~ ^ Tatsachen lässt sich nicht deuteln und rutlelit und so müssen nur uns notgedrungen mit dem Gedanken abflnoen, daß jetzt nicht mehr Paris, sondern Bordeaux der ^ltz der französischen Regierung ist .... "? ( | öll ,r: und vielleicht trifft es wirklich.'zu, daß diese bt'rtiFirr®i ran P c111 ’S b e t! iicrn der Sache nicht berührt, ja, daß sie »ogar der Regierung eine größere Verteidigung des Sandes ?rmög- stch. Jet) petlvnlkch kann nach den Eindrücken dieser von der tch soeben zurückkchre. von mir behaupten^ l-an reich emmntig und ernst entschlossen ist., den niA tffc! ^.udnuglmg bis zum letzten Hauch von Mann und Roß bi'.' zum letzten Blntstropsen zu bekämvsen bis der geheiligte Boden Frankreichs »viedcr frei vom Feinde ist " ..Bravo!". röchelte der Dolror Darragoii. ulso, lieber Doltor, sind ja nun Tatsachen die ÄÄÄH,“«' 6 “’ ■“» «. *'ä*s svskk itsre gegenwärtigen Zeitläufte glatt an die Waich Gedrückt zu werden! Jetzt rormnen wir als die Repräsentanten der traditionellen Finanzherrschaft, die Franki'eich über die Welt ansübt!" „Bravo!". . . röchelte der ffeiiic erregte Mann abcr> mals und schlug sich klatschend auf oen Schenkel. Alphonse de Marsillargues hatte mit einer ganz ruhigen Bewegung den Rest seiner Zigarette in den Aschbecher gelegt, ihn darin qnsaedrückt. Ein paar Herzschläge« verharrte er in dieser L-tellung, bis er sich seinem Be- sllcher wieder zu»vg»idte. Und auch jetzt »var in feinem kühlen konzeiftrierten (Gesicht keine Erregung m bemerke»:. "Querster Doktor — ^ie, di^ Hie hier vor mir sitzen und »ch, und all die anderen Führer der sogenannten radiläl-natjonalistischen Partei . . . »vir leben von der Börse und leben durch die Börse." . . einem Wort, Alphonse — wir existieren durch die Blödheit der großen Masse, die den Kitzel hat, an der Börse zu spekulieren!" Diese offenherzige Zusammenfassung klang trotz ihres brutalen Zynismus doch fast kindlich liebcnsivürdig, so harmlos treuherzig . . daß der andere nnwiltknrlich lächelte. Nennen Äie unsere Position und unsere Tätigkeit mit öcm Ausdruck, den Ihre augenblickliche Stimmung Ihnen 0 ui gibt, lieber Doktor. Meinettvegen. Mich jedenfalls freut c-o, bafc »vir beide uns »viedcr mal so restlas verstehen. Itiib »0 Faun ich ohne Umschlveife ans den Kern der Angelegenheit konnnen. i/uiuhii ,,. v ... uuv cu.^iju cmre oanuir, oie Baissespekulation in jeder Form und unter iedcr Bedingung zu belämpsen. Einfach, »veil cs dabei um unsere Existenz geht. Und so bleibt nichts »veiter übrig, als daß mir irgendwie versuchen, den trostlosen Eindruck der Flucht unserer Regierung nach Bordeaux durch cijic Tat wieder ivettznniachen, die deui Lande zeigt, daß trotz der Feigheit unserer Minister unsere Sache iroch keineslvegs verloren ist. Dann wird sich die Börsenspekulation ganz von selbst »viedcr ans sich selbst befinncu und mir sind gerettet Es müßte sich also um enie Tat hnndelii, die so kolossal ist, »vie Me Phantasie sie kaum auszlidenken wagt. Einfach gesprochen - die deutschen Truppen stehen an der Marne; unsere Armeen »iiid nicht rn der Lage, iynen einen vernichtenden Schlag bei- znbrmgen. Nim handelt es sich einfach für uns darum, Mittel und Wege zu finden, den Gegner trotzdem ins .Herz '?u. h J;P en - Gelingt uns ba£, Doktor - so können sie darauf blmdlings vertrauen, daß die unmittelbare Wirkung eines »olchen Erfolges sich sofort im Finanzleben unseres Staates zeigen »vnrde. Haben Sie verstanden, »vas ich nleine^" "Alphonse ich habe jedes Ihrer Worte wie eine Ossenbarnng in mich aufgenoinincii. Doch ich sehe trotz allen Ernbeliis und Denkens nicht die Möglichkeit, gegen die Deutschen einen derartigen vernichtenden Schlag zu führen " „Aber ich." ' ’ lächelte dabei den, kleinen Doktor kaltblütig in fvüjnh?^^^ gespannte Gesicht hinein, als er halblaut ,,, luli daß ich in St. Chaniant sitzt acht Tage alv Gast gctveilt habe. Dieser Besuch geschah aus privaten Onindcn, deren Erörterung sich erübrigt. Hier z»vischen u»rs Sv! öc ,^ hudelt es sich ja auch um etwas ganz anderes Auwuch - wahrend meines dortigcii Aufenthaltes erhielt ^-t. Ehamant Einguarticrung." ' „Einquartierung?" s p lieber Doktor. Das große Kavalierhaus das e.was abseits ,m «chloßpark von St.Chamant liegt' ist von oben bis unten besetzt." J "Durch wen denn, zum Teufel, Alphonse')" Offiziere, Teuerster. Und zwar handelt sich dabei inckst um irgend ein paar gleichgültige Front- l J S*t er ^»auptleute, sondern um". . ^ sein Lächeln verstärkte sich ettvas und zog in scharfen Linien um die de^L.Hnsichen 0mWa "‘ U,,b bc " ^'"-ralstab An/Lplwnsi'd?L^»'arg7es S fiötSnu a t« a«. n -_^ . • c ' sich erhoben. '^te betbe 11 Manger standen einander gegenüber; nnt Arines- lange uur getrennt; standen und starrten sich in die Augen und horjeir einer des anderen schtveren Ate»n. llnd ganz still »var es sonst un Zuirnier. (Fortsetzung sl?lgt.) — 366 - ver graue Spion. Novelle von Ludwig Beil. Nachdruck verboten.) Erdgeruch, gärender, fauliger Erdgcruch, wie in einem Keller, der nie gelüftet werden kann, lueiX er nur ein 'Loch nach draußen. Kat — nachM das unaufhörliche Getröpfel über einem, der unend- lrcl-e sästüpfrige Schlanrin tagsiiber, Wasser gibts genug, nur keinZ -um funken. . . . Und dann das einige Postenstehen und Ablösen. Wer gab einem zu rauchen? Wer erzählte etwas? Die drei Mann und ihr Unteroffizier — was holten die sich noch zu erzählen, lvcnn sie vier Wochen lang in demselben Erdloch kauerten und nichts erlebten, nichts sahen, als die eignen blöden, verstummten Angen in den kalkigen, erkrankten Gesichtern? Es ivar unfaßlich, ivas m, eisil L>ack für den arglos naheudei: Feind ^T^L^elt, in Patrouillen. Auch Flieger knatterten hoch über den Kopien des Postens. Endlich! Dupont telephonierte, er habe Patrouillen und Flieger gesehen. u J a Ruhig kommen lassen, war die Antwort. Stets in Deckung bleiben, nicht schienen. Ob er einzelne gefangen nehmen dürfe? ^^Zotteswilleil nicht,! Ruhig bleiben, nichts merken lassen! Nachts horten )\t tagende Schritte. Sck-leick)erschritte Aefte- ^lacken rm kleinen Wald dort, links'. Dupont schlief nicht. Ter Posten fieberte heittg urrd nrußte abgctöst werden. Dupont tele- phonierte iim eincii neuen Mann. Niemand schien dort zu versteht Ob an der lLntung ivas sei, fragte inan. — Nein, er- könne alles gut bf C m. Ä? ” ' r ° frürtCTP? “ So ' "«» mtntc £ D^r Ersatzmann fi’ir den Kranken tvurde bewilligt. Der Gewxhrkolben des Postens stieß dreimal auf die Erde — das verabredete Zeicksen. „Wäs ist deun nun schon wieder?" „Die graiie EKßtalt — dort — die grairc Gestalt —" „Welche graue Gestalt — Mensch, nun seien Sie nicht so wasch- lappm!" ' Doch, der Manu hatte recht: drüben, aus dem Wald mußt« tte gekommen sein. Mit bewegungslosem Oberkörper scbien sie lanq- w'» liber die Weile zu schreiten, plötzlich, mitten ans der großem flache blieb jf. stehen. Man unterschied einen Helm, einen Mantel, Joint nichts rlnheimlich war die Starrheit, mit der. sie nach den LJeidc'n hinzu sehen schien, denen das Herz im Leibe stockte. Dupont fühlte, wie er zitterte. Was war denn? Eiil fremder Posten, ein Spion vielleicht, weiter nichts. Er war kopstos. Er telephonierte flüsternd, er fwbe eine graue Gestalt gpjt ik 1 1 3mn Teufel ja, er sei nicht zu gebrauchen. Man werde morgen Soldat? fWen - ^"'er, der Gespenster sähe, das sei kein Er bat, man möge ihn noch belassen san,^nm-h!mn7^ ^Eicht. nun satte er sich aber zu- Der Posten, der eben abgelöst worden ivar, meldete, .die Gestatt sei wieder zurncigegangen. ^Wic - ziiriickgegangen?" ^. Solange rückwärts gegangen, bis sie an dein Wald war. Aber lmincr das Geiicht nach uns zu." ... « Unmöglich! Wie kann jemand m dem holperigen Heideboden rnmvarts gehen?" „Ich hätte die Gestalt doch einmal von der Sette, also für Angenbllcke ichnialer werdend, sehen müssen, ivenu sie sich iimgedreht hatte^tLie schien nberl-aupt nicht zu gehen, sie schwebte zurück'" .. Dupont sab dem Posten ins Gesicht, fragend, »wie ecfkrrrt. Ta m> otc Kerze um und erlosch. Dupont faßte den Mw^chei der: -chulter und llufterte tni ganz heiser ins Ohr: „Das in eine — Puppe!" (fr nahm sich vor, sie zu vernichten. Er mußte sie vernichten. Sie würde wiederkommen. Er konnte sich nicht erklären, was könnte, so weit von der französischen Front. Ob sie nur Uebungeu unt ihr anstellten? Daß etz eine List sein ronlitc, icmr a>Egeschlossen. Aber er mußte sie vernichten. Es war brne Tat gegen den Feind, wer konnte ihm die ver bieten? Er schoß in nicht und nahm auch keinen gefangen. Als der Posten in der nächsten Nacht meldete, nun sei sic wieder da, kroch Dupont acttost und gefaßt ans dem Unterstand. Sein, -.mi stand noch nicht klar vor ihm, aber was brauchte er da noch zu überlegen? Er nahm kein Gewehr mit, auch Koppel itnb Settenge-, wehr legte er ab. Der Wind wehte stark. Es war eine klare Mondnacht. Ein Geraschel war un fernen Walde, nur manchmal vom ©urteil und Zausen des Windes übertöut. Die Puppe stand ruhig und regungslos da, teveiß eilt jeder. Die wenigsteri aber können darüber Allskilnst erteilen, lvoher sie stammt. Ihr Schöpfer ist der iin Jahre 1810 geborene wohlbekannte Humorist und Satiriker Adolf G l a ß b r e n n e r, der eine gewisse Berliner Volksliteratur begründet hat. DaS betreffende Scherzwort fiiidet sich in einer dramatischen Szene, die sich »Ein Heiratsantrag in der Nieder- wallslraße" betitelt. ES hält da der Briefträger Börnicke beim Stubenmaler Kleisich um dessen Tochter an. Weil dem wackeren Briefträger »feine Silberjroschens sor die Briefe immer durch den Kopf jeden,* ist er in der Regel etrvas zerstreut. Kein Wilnder, daß ihm manchmal Wortverivechslungen beim Sprechen unter- Iaufcn. So jagt er z B., nachdein ihn der Schwiegervater über die Mitgift seiner Tochter an'geklürt hat, zufriederi: „Diese Dochter is ianz hinreichend. Ich heirate Ihre Mitgift." Und als ihm beim Abfchiednehmeu plötzlich einfällt<>dab die Leipziger Post schon ein- gegangen ist und die Briefe der Austragung harren, platzt er berauä. ^ES ist die allerhöchste Eisenbahn! Die Zeit ist schon vor drei Stunden angekommeii.* Nach Ferdinand Dieters Angabe wurde von einer älteren Berliner Generation das Scherzwort lisch in voller Kenntnis seines Ursprungs angewandt. Das Mittel der Worttnnstellung ist übrigens von Glaßbrenner öfters benutzt worden. »Saure Herren, meine Jurkenl* ruft bei ihm z. B. der Gurkenhändler, wenn das Umgekehrte keinen Käufer mehr herbeilockt. Wirkungsvoll angewandt finden wir dasselbe Witz,nittel besonders in unserer älteren Literatur, z. B. in den »Lügenliedern*, von denen eins behauptet: »Ein Dorf in einem Bauern faß, der gerne Milch und Löffel aß mit einem großen Wecke. Vier Wagen spannt' er vor sein Pferd, sein Küch' stund mitten in dem Herd, vier Häuser bat sein' Ecke.- * K r i e g 5 p r e i s e in Rumänien. Wie sehr die lange Dauer des Krieges die Lebenshaltung nicht nur bei den Krieg- führenden selbst, sondern auch bei den Neutralen erschwert und verteuert, geht von neuem aus einem Stimmungsbild hervor, da? der rumännche Berichterstatter des »Figar^ seinem Blatte auS Bukarest sendet: »Da das Thermometer in Bukarest nicht weniger als 36 Grad im Schatten zeigte, mußte ich mich trotz der bisher in den Geschäften gemachten, nicht gerade erfreulichen Erfahrungen aus den Weg machen, um einen der Jahreszeit entsprechenden Anzug zu erstehen. Der Schneider, den ich aufsuchte, zeigte mir einen höchst einfachen dünnen Stoff und wandte alle Künste der Beredsamkeit auf, um mir dessen Vorzüge zu rühmen. Als ich mich endlich entschlossen baue und beherzt nach dem Preis fragte, ent- qegnete er. »390 Frcs. !* Ich erlaubte mir die Bemerkung, daß diese Summe mir etwas übertrieben schiene. Aber da erhielt ich zur Antwort, daß ich anscheinend ein Fremder sei, da ich sonst wissen müßte, welches Glück mir durch dieses billige Angebot wider- ' ihre und daß schon am nächsten Tage die heutigen Preise für die .cione wieder erhöht werden würden. Tatsächlich kostete dieselbe Meuge dessettien Stoffes 24 Stunden sväter bereits 325 Frcs. Aber'da ich zu dem Sommeranzug auch einen Etrohhut brauchte, ging ich ir ciu Hutgeschäft: »Wie viel kostet dieser Hut?" »30 Frcs., mein Herr/ Ich kann versichern, daß ich niemals als Geizkragen bezeichnet wurde ^Trotzdem aber fand ich es sehr hart, für Einen höchn einfachen Strohhut bare 30 Frcs. hiulegeu zu muffen. Ein Paar ganz gewöhnlicher Handschuhe kostet 12 Frcs. Ein Paar Herreuichube 80 Frcs., ein gewöhnlicher schwarzer Schlips 6 FrcS es mit allen', mit dein Panier, mit Toilettearttkelu und mit Fleisch. Was selten ist, ist auch teuer — und hier ist heute bereits fast alles als selten zu bezeichnen." 'Ein Kattun-Edikt im 1 3. I a h r h u n d e r t. Die einschneidenden Maßregeln, die für die Bekleidungsmaterialten usw. bevorstehen, erinnern an Maßnahmen, wie sie in früheren Zeilen gar nicht selten vorkamen. Auch damals schon wurde der Stoffverbrauch eingeschränkt, bestimmte Stoffartsn wurden ganz verboten, andere nur für einzelne Kreise erlaubt, und zwar aus ganz verschiedenen Ursachen. So hatte Friedrich Wilhelm I. ein „bedrucktes Kattun- oder Zitz-Edikt* erlassen, nach dem niemand in Preußen dergleichen Stoffe tragen burfte. Das Edikt war in der löblichen Absicht erlaffen, dadurch die heimische Wolllabrikation zu heben. DaS Verbot wurde anfangs streng befolgt, geriet aber dann in Vergessenheit, und als im Jahre 1732 zum General-FiSkal Tobias Wagner ernannt wurde, bemühte sich dieser neue Beamte, dem daran lag, seinem sparsamen Monarchen recht viel Gelder in bte Staatskassen zu bringen, auS der Nichtachtung des Verbotes Kapital zu schlagen. Er ordnete sofort durch die Steuerbeamten eine General- Visitation im ganzen Lande an, alle Kisten, Kasten. Kommoden und Spinde sollten geöffnet werden Darüber erhob sich nun von Berlin aus durch ganz Preußen ein Wehegesckrei, das auch zu den Ohren de? Königs kam, und dieser ließ alsbald seinen General- Fiskal „insinuieren, er möchte mit dieser General-Visitation vorläufig innehallen, alleweile die Lenthe nicht chikaniret, sondern nur u einer regelmäßigen Steuer-Extraction angehalten werden sollten." luch die jetzigen Verordnungen sollen ja nicht chikanös, sondern, weil verständig, zur Anwendung gelangen. vücherrisch. - Emil Marriot, Der abgesetzte Mann. Roman aus der Zeit vor dem Kriege. 453 Seiten 8°. Geheftet 4 — Mk>, geb. 5.50 Mk. Berlin, G. Grote — Emil Marriot, die Wiener Dichterin, die jüngst ihren sechzigsten Geburtstag beging, führt auch in ihrem neuen Roman den Kampf gegen das übertriebene Frauenrechtleriuneutum, daS den Manu am liebsten absetzte, aus ihre seffelnde Art fort. Nicht teiidenziös, sondern mit dichterischer Kraft durch geschloffeiie Charaktere imd Lebensvorgänge aus der Wienel Welt. Die Jugelidentrvicklungen dreier verwaister Schwestern, in denen das ruhig-unruhige Bliit der Eltern unb LlHnen wallt, werden von einer Frau, die sich vollkomnien an die „Sache", die Frauenbewegung, hingegeben hat, beeinflußt und geleitet. Es ist nun von höherem Lebenswert zu seheii, wie die drei Schwestern sich je nach Temperament und Arilagen zu der Theorieu- welt der Tante stellen und wie jede schließlich doch ben durch ihre Natur vorbestimmten Weg geht: ins verstaudestolle Frauenrecht lerinnentum, in den leichtgeschürzteil Sängerinlienberils, in eine glückvolle Liebesehe. Mit dieser Haupthaiidliiiig hat die Dichterin voll reifer Kunst die Geschichte einer zugrunde gebeuben Ehe und einer unglücklichen Liebe verknüpft, immer als Verkünderin des Evangeliums vom reiiren Frauenwesen, das zuerst der Liebe und der Güte gehört. - Die Weltliteratur, München, Färbergraben 24. Jeden SamStag ein Werk zu 10 Pfg., enthält -die besten Romane und Novellen aller Zeiten imd Völker. Nr. 29: Heinrich Heine, Reise von München nach Genua. — Hochland. Inhalt des Jtiliheftes: Mitteleilropa Von Privatdozeut Dr. Goetz Briefs. — Eriuiieruugen Lilise Heusels au Katharina Emmerich. Bm, Dr. H. Eardauns. — Judith. Roman von Peter Dörfler. — Italienische Diffonali-en und Akkorde. Voii Hochschulprofessor Dr. A. Dürrwächter. — Kleine Bausteiiie: 9teue Wirtschafts- und Gesellschaftsprinzipieu und der Geist von 1914 Don Uuiv. Professor Dr. Jakob Strieder. - Einige kunsthistorische Eindrücke in Polen. Bon Johann Georg Herzog zu Sachsen — Franendienslosticht. Vorbedingungen Von Beriiarda von Nell. — Kritik: Clemens Brentano. Forschiingen und Ausgaben, gewürdigt von Direktor Dr. Wilhelm Schellberg — Rundschau: Kriegs- betrachtilng. — Jean Jatires. — Friedrich Wilhelui Foerster. — Berliner Theater. — Friedrich Wasmcmn über seinen Verkehr mit Clemens Brentano. — NeiieS vom Büchermarkt. — Unsere Kunst- beilagen. - Als Kriegs- lind Friede »iSkalender 1917 ist der P o l i t i s ch e V o l k S k a l e n d e r soeben in der Verlagsbuchhandlung »Uuitas", Bühl (Baden) erschienen und soivoh'. direkt vom Verlag selbst, als auch durch alle Buchhandlungen imd Buchbindereien elegant geheftet, 144 Seiten stark, zum Preise von 50 Pfg. zu beziehen Dieser Kriegskaleuder bietet gerade in diesem Jahre eine Fülle intereffanten Lesestoffes, lieber 190 Bilder veranschaulichen den Text. _ Logogriph Zähne Hab' ich genug, doch Hab' ich noch niemals gebissen, Tausche mein „51* gegen »L*, sagt man, ich wäre gar fromm. -Hast dii ein „D* mir besti'nmt als Zierde des ragenden Hauptes Bin ich ein künstlicher Bau, der dich vor Unglück bewahrt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Wer seine Wünsche nicht beherrscht, Der gleicht dem Schiffe, Das ohne Steuer treibet aus den Wellen. Um au dem ersten besten. Felsenriffe Hilflos und unerwartet zu zerschellen Schnftteituna: Aug Goetz. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Umversitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießen.