Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobelttß. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) - Cr stand auf und verneigbe sich, indem -er Ungleicher Zeit Velten die Hand reichte. Velten sah ein, das; jede weitere Frage überflüssig sein würde und empfahl sich mit einent Dankwort. Als er wieder auf der Straße stand, grrsf er mit einer unwillkürlichen Bewegung an seine Stirn. Was chatte er nun erreicht? Was sollte er Annemarie sagen? Nur eins war sicher: Kola lvar in der Tat ein Nichts würdiger. Daß er ein gewissenloser Bude war, das hatte sein eigener Bruder ausgesprochen, das hatte auch Herrfurth gewußt. Aber den Schurkenstreich, den er verübt, umgab noch ein Dunkel; vielleicht lag es im Interesse der Botschaft oder der russischen Regierung oder auch der Berliner Polizei, daß dies Dunkel blieb. Velten hatte das Gefühl, als gehe- aus den Worten des Barons gältet hervor, daß man mit der Aufdeckung des Verbrechens absichtlich bis heute gezögert habe; es Mußten bestimmte Gründe dafür vorliegen. Aber welche? Lieber Gott, es war schließlich gleiche e . Das Unglück brach mit erdrückender Wucht über narre herein und war iiicht abzuwehren: was fruchtete es noch, nach Gründen und Ursachen zu forschen! — Belteri überlegte, ob es zweckmäßig sein würde, nach den: Polizeipräsidium zu fahren. Er entsann sich, daß Annemarie ihn: den Namen eines der beiden Kommissare ge- nainit, die Herr,: von Hänel und den Grasen Lovjagin in die Wohnung Kolas begleitet hatten; es war ein Herr von Gamisch. Er entsann sich auch, daß er mit einem gewissen Edgar von Gamisch, der später Offizier geworden war, das französische Gymnasium in Berlin besucht hatte; vielleicht war der jetzige Polizeikommissar der Freund von der Schulbank. Er sah nach der Uhr: es ging aus Elf. Kurz entschlossen fuhr er nach dem Alexanderplatz und fragte im Palast des Polizeipräsidiums nach Herrn von Gamisch. Man wies ihn in dessen Bureau, wo er über eine Stunde warten mußte, da der Kommissar zu seinem Abteilungschef besohlen worden war. Die Zeit schlich gleichsam aus bleierner Sohle vorwärts. Bel teil saß auf einem Stuhl in dem kleinen Zrmmer, hörte auf das Ticken der Wanduhr und starrte auf die große Karte Europas ihm gegenüber, auf der eingezeichnete rote Linien sich kreuzten. Um seine Gedanken zu sammeln, versuchte sick) Velten, über den Zweck der Ein- zeichnnng klar zu werden; aber die roten Linien tanzten vor seinen Angen und verschoben sich; das Wort „Berlin" auf der Karte wurde plötzlich ungeheuer groß und schrumpfte dann wieder zu einem Nichts zusammen; das Ticken der Wanduhr wurde unhörbar und gleich daraus zu einem tosenden Dröhnen. Belten schüttelte sich wie im Fieber. Er sah plötzlich das blasse Gesicht Annemaries vor sich, ihre angstvoll fragenden Angen, ihre nervös zuckenden Lippen. Und wie durch einen Zauber sah er sie wieder schmerzgebeugt über dem Kinde, das sie erwartete und auf dessen schuldlosem Haupte die Schande des Vaters ruhte. Da sprang er auf, trat an das Fenster.und schaute auf den Hof hinaus, über dem in einem sechseckigen Ausschnitt das,' Blau des Himmels sichtbar wurde- „Mit wem habe ich die Ehre?" fragte eine Stimme hinter ihm. Velten erkannte ans der Stelle den Schulfreund wieder, legitimierte sich und wurde herzlich begrüßt. Er erzählte in kurzen Worben von seinem Verhältnis zum Hause Gottern> egg und von der Depesche Annemaries, die ihn nach Berlin gerufen hatte, von seinem Besuche bei dem Baron Hänel und seinem Wunsche, nach Möglichkeit Klarheit in die unselige» Angelegenheit bringen zu können. Noch ivährend er sprach, hatte Herr von Gamisch ein; paar Zeiten aus ein Papier geworfen und dieses durch einen Diener fortgeschicrt. Der Diener kam mit der Meldung zurück, Kounnissar Elvert sei nicht mehr im Hause. „Das ist bedauerlich," sagte Herr von Gamisch. „Lieber Freund Velten, wären Sie eine Stunde früher gekommen, dann hätten Sie selbst den traurigen Auftrag für Ihre Fürstin übernehmen können, mit dem nunmehr ein Kollege betraut worden ist. Fürst Bolko Gotternegg, der Bruder der Fürstin, ist heute früh, wie wir annehmen müssen, im Zweikampf erschossen worden—" Belten schrie nicht auf, aber er taumelte. Sein Gesicht wurde so unheimlich blaß, oaß Herr von Gamisch erschrak. „Um Gottes willen," rief er, „so fassen Sie sich doch!" — Ergoß aus der Karaffe, die unter der Wandkarte stand, ein» Glas voll Wasser und reichte es Velten. Der wehrte dankend ab. „Vergebung," sagte er, „es war nur der erste Anaelv- blick... ich bin wreder völlig ruhig... Erzählen Sie!... Also, Fürst Bolko ist - tot?..." „Ich kann nur referieren, Velten. Man hat heute snch um sieben Uhr unweit des Städtchens Nauen die Leiche eines jungen Mannes gefunden; aus seinen Papieren ging hervor, daß es der Fürst Gotternegg ist. Er ist gestern abend tu Begleitung einer Dame in Nauen eingetroffen und nn „Hotel znm König von Preußen" abgeftiegeit; die Herrschaften erwarteten mit einem späteren Zuge einen zweiten! Herrn und soupierten zusammen. In aller Frühe unternahmen die drei einen gemeinsamen Spaziergang, von dem sie nicht zurückkehrten! Alles Handgepäck, nur Wäsche und Kleidungsstücke enthaltend, blieb im Hotel; aus dem Tische des Zimmers fand man einen Hundertmarkschein zur Be- gleichun^ der Zeche^ j ra ^ tc Velten in mühsamer Beherrschung, „war der Fürst Nikolaus Bnra-eddin — ?" Herr von Gamisch nickte. „Es ist nicht zhu bezweifeln. Er ist gestern abend mit dem Zuge um neun Uhr fünfmtbi zwanzig vom Hamburger Bahnhof abgereist und um zehn 318 Uhr öierjeljit in Nauen eingetroffen. Ich kaug Jchnen auch sagen, wer die Dame War, nur derentwillen es wahrsch-eiw- tich zü dem — zeugenlosen Zweikampf der beiden Herrew gekvipmen ist. Es war dies ein Fräulein Natascha Lazanski, eine junge Russin, die seit zwei Jahren in Berlin lebte, angeblich Sprachunterricht erteilte und sich literarisch beschäftigte und in der vornehmen Lebewelt unter dein Svitz'- nanreu „Goldrnaus" bekannt war — sie hatte wunderschönes goldblondes Haar_" „Und nun?" fragte Velten und erhob sich. „Hat man das Paar nicht verfolgen lassen?" .Herr von Gamisch trat an feilten Schreibtisch, nahm ein stählernes Lineal in die Hand und bog es. „Selbstverständlich" entgegnete er; „die Hamburger Behörden sind benachs- richtiat. Aber..." Der Kommissar legte das Lineal wieder auf den Tisch zurück und beschäftigte sich, während er weitersprach damit, die Federhalter in eine schnurgerade Reihe zu legen— „Mer ebenso selbst verständlich ist es, daß es im Interesse der Familie liegen würde, wenn.. .'3 Nun hatte Herr von Gamisch das Spiel auf dem Schreibtisch beendet und schaute Velten ernst in das Gesicht_„Lieber Freund," fuhr er fort, „ich bin nicht berechtigt^ Ihnen weitere Mitteilungen zu machen. Es schwebt auch noch mancherlei in der Luft. Die Annahme eines Zweikampfs liegt nahe; es kann beim Fürsten von Gotternegg aber auch du Selbstmord vorliegen. Man sagt, er sei sehr'nervös gewesen_" Belten verstand. Er dankte dem Kommissar und ging. Ein Selbstmord, verübt in einem Augenblick geistiger Trübung^ vielleicht war es gilt, man hält an dieser Version fest. Eine völlige Klärung der dunsten Angelegenheit erfolgte tatsächlich nie. Wohl stieg in Velten der Geoanke auf, daß die russischen Behörden die Natascha Lazanski endgültig zu ihre m Werkzeug gemacht haben könnten, um den Fürsten Kola um so sicherer verschwinden zu lassen. Es war auch Kola im Hafenviertel New Yorks von einem betrunkenen Matrosen erschlagen worden sei. Nun war er tot, und das Gespenst der Schande deckte in fremdem Lande das Leichentuch. Doch der vernichtende Sturm, der das Haus Gotternegg in seinen Grundfesten erschütterte, legte sich erst, als der Nanie erlosch und aus den noch lebenskräftigen Wurzelndes a&ftcrbenben alten Baumes neue Schößlinge in die Zukunft zu sprießen begannen, ein neues Geschlecht, das nicht mehr den Fürstenhut trug, aber das Wappenschild der Vorfahren reiner zu halten wußte als die, die dahingeganaenl waren.... Velten saß wieder in der Droschke und fuhr nach der Vvßstraße zurück. Die Gedanken durchwirbelten seinen Kopf; er sah wieder Annemarie vor sich, sah, wie sie den fremden Kommissar empfing und >vie sie unter der Gewalt des neuen Schreckens zu Boden brach.... Hätte er nnr dem Manne zuvonommen tonnen! Ueberlegnngslos beugte er den Kopf aus dem Droschkenfenster und rief dem Kutscher zu: „Fahren Sie schneller, Mann — Sie bekommen ein gutes TrinL- geld! ." Und dann fiel ihm, der erschöpft in die Kissen jurucksank, wieder ein, daß auch das schnellste Fahren verlorene Muhe war, denn schon zu dieser Stunde mußte Annemarie erfahren haben, daß sie mit dem Gatten zugleich den Bruder verloren hatte. Armes Weib — arme Kleine! — Velten flüsterte das nltt bebender Lippe. Eine Träne trat in sein Auge, heiß und schwer und glänzend. Sie galt iiicht dein leichtsinnigen Manne, ben inan in dem Heilten havelländischen Städtchen, erschossen anfgefunden, sie galt auch nicht denl Untergänge dieses Fürstengeschlechts, dem seines Lebens bester Teck zw- gehvrt hatte, Lote galt einer Liebe voll stiller Zärtlichkeit, einer trauteil und heimlichen Neigung, die sein Herz inj warmen Sonnenschein getatlcht und es gleichsam in die ttcrre Reinheit seines Kinderalanbens zurückgeführt hatte Sie aalt nicht einnkal dem Weibe, sondern einer holden Göttin die ihm anbetungswürdig erschienen war, ohne daß er sie begehrte: als Idol seiner sehnenden Seele. — ^ r .?i l Voßstraße trat ihm der Diener mit verstörtem Gesicht entgegen. Das sagte chm alles; aber eö mußtck fragen. Der Diener berichtete: Vor etwa einer Stunde war . ü‘^3? ^F^vesen, der von der Fürstin empfangen worden wgw Mgn hatte im ersten Salon einen gellenden Aufschrei gehört; dann war der Herr hdausgestürzt und hätte gerufen, man möge umgehend zum Arzt schicken, Ihre Durchlaucht sei ohmnächtig geworden. Mer ein Arzt wär schau; auf dem Wege: Doktor Reschke; die Fürstin war zu Bett gebracht worden, und hierauf hatte Doktor Reschke an einen Chirurgen und einen zweiten Arzt telephoniert. Nun weilten die drei Herren im Schlafzimmer der Fürstin. Velten ließ sich inr Sälon nieder. Der Kopf brannte- ihm, eschämmerte in seinen Schläfen. Er winkte dem Diener und hielt ihn am Aermel fest; er wollte ihür einen Auftrag erteilen, aber die Kehle war ihin wie zugeschnürt. Endlich sprach er: tvenn einer der Domestiken den Doktor Reschke sehe, möge man ilM fageu Herr Velten sei hier und warte. Gr wartete geduldig. (& wandelte auf dem schweren mattgrünen Teppich geräuschlos auf und ab, setzte sich wieder und -Prang von neuem empor, um aberin als das Gemach zu durchqueren. Er hatte seit sieben Uhr früh nichts ge? riossen, doch er spürte keine:: Hunger. Er betrachtete die Bilder an den Wänden und wußte kaum, was sie darstellten. Er trat an das Fenster uno zählte die vorubersahreiiden Droschken, sah den Sonnenschein über den Häusern gegenüber verblassen und die Straßenlaternen ansleuchten. Der Tag verging, und er. wartete noch immer. Er dachte an tausenderlei: an die Unglückliche nebenan, an den flüchj- tigen Verbrecher, an den Toten, an die russische Dirne, die wie aus mystischem Dunkel aufgetaucht war, nnr ihr Vernichtungswerk zu vollenden — er dachte an Jost. Aber es wax kein ruhiges, kein logisches Denken mehr; es war eine Flucht von Gesichtern, die an ihm vorüberhnschten.... Der Diener trat wieder ein, um das elektrische Lichh anfzudrehen. Zn gleicher Zeit erschien Otto Er drückte Velten stark die Hand. „Wir müssen auif das Schwerste gefaßt sein," sagte er, und durch seine Stimme bebte di/e verhaltene Angst; „Annemarie sieht einer Fehlgeburt entgegen. ..." Belten verstand nicht sogleich. „Da känre das Kind, das sie erwartet, tot zur Welt?" fragte er. „Ja, Velten... aber wenn wir nur ihr Leben retten können!..." Sie ftanben sich Hand in Hand gegenüber und schauten sich an. Ihre Gedanken trafen sich. Dieses seeteiv- lose Wesen, das im Mutterschoße noch ohne eine Regung lebendigen Odems schlummerte — was kümmerte es siel War es nicht eher ein Glück, wenn Kola ohne Nachkommen! blieb, wenn sich das Blut des Verworfenen nicht weiter vererbte'?— Aber das Weib, das mußte gerettet werden! Das arme Geschöpf, das noch zu jung war, um au den Sünden des Mannes zu sterben — das sollte die Haiid des Arztes dem blühenden Leven wiedergeben und vielleicht auch einem Glück, das fester stand und dauernder war als das wie auf fliegendem Sande erbaute und wie ein Lnftgebildq zerronnene_ (Fortsetzung folgt.) Kirschen. Kulturgeschichtliche Skizze von Franz Pflüger. Es war im Jahre 64 v. Ehr. Gcb., Luknll, der siegreiche Feldherr, war eben aus dem Orient zunickgekehrt und hielt in den Straßen Roms seinen Triumphzng. Ein sechs Fuß hohes goldenes Kolossalbild des von ilM bezwungenen König Mirhri- dates von Pontns, viele massiv goldene Bcitcn, zahllose goldene und ulbcrne Gesäße, annähernd drei Millionen Drachmen aus dem Rücken von hundert Maultieren u. a. m. führte er als Glanzstücke seiner Beute den staunenden Römern vor und mit 100 000 Hektolitern griechicschen Wcienes bewirtete er zur Feier des Taaes die Bewohner der Tiberstadt. Neben diesen glänzenden Beutestücken aber hatte er aus der -wüschen Sin owe und Trapeznnt liegenden, von ihm zerstörten Ätadt Cerasns ein weit unscheinbareres Etivas mitgebrackü ein Kirschbäunichen, das im Frühsommer große, köstliche, wohlschmek- kendeFruchte trug. Die goldenen und silbernen Schätze Lnlnlls sind langst den Weg alles Irdischen gegangen, das kleine Kirsch- banmchen aber, das sich in seinen Gärten prächtig entwickelte sag gar bald m Italien eine zahlreiche Nachkommenschaft heranwachsen, inrd heute künden Tausende und Abertausende von Bäumen in den Landern Europas den, Rn hm des alten Miners. Die Kirschbäume ^freuten sich nämlich m kurzer Zeit der größten Beliebtheit. Biele Römer ließen -ich viele Sendungen von Bäuinen aus Asien kom- men, nian pfropfte einheimische wilde Bänme mit Edelreisern und zog eme Menge Abarten. So berichtet u. a. Plinins: „Unter den Kuschen sind die Apromanen die rötesten, die Lutatien die dnnkel-i Len, die Cacilignen dw rundesten. Die Junianen schmecken aln Vorzüglichsten, können aber fast nur unter den: Baume selbst genossen werden, da sie so zart such, daß sie das Mgbringen uM vectragen. Den Preis aber haben die Duracinen, welche man in 319 Campnta Plinianen nennt; int Belgischen sind eS die Lttsitanen, desgleichett am Rhein; ihre Färbung ist ein Gemisch von Dnnkel- rvt und Weiß, so daß sie stets wie halbreif anssehen. Seit weniger als fünf fahren hat man durch Propfen auf Lorbeer auch eine Sorte Lanrea hervorgebracht, die eine lischt unangenehme Herbigkeit hat. Es gibt auch makedonische von einem niedrigen Baume und einem noch kleineren Strauche, den Man EhamaikerasoS (Zwergkirsche) nennt. Der Kirschbaum rst dem Gärtner durch seine am frühesten reife Fruchst zuerst dankbar. Er liebt einen nördlichen, kühlen Standort. Die Frucht trockttet man auch an der Sonne und bewahrt sie wie die Oliven in Fässern." Man hat ja den Ruhm des alten Lukull znffchmätern gesucht, indem man nachwies, daß bereits in der Bronzezeit, also etwa 8000 Jahre vor Lukull, die Kirsche in Europa Amisch war. In den Pfahlbauten der Schweiz, Oesterreichsl und Norditaliens fand man vielfach Kirschkerne, die zweifellos belveisen, daß man lauge vor den Römern Kirschen in Europa aß. Das war aber die kleine Unscheinbare Frucht des Bogelkirschbanmes, und Lukull gebührt unzweifelhaft das Verdienst, die großfrnchtige Süßkirsche nach Europa gebracht und ihre Kultirr veranlaßt zu haben. Später lernte man m Rom auch die Sauerkirsche kennen und schätzen, auf zwei Wandgemälde Pompejis sind Kirschen abgebildet, die nach bent Zeugnis von Fachleuten als Sauerkirschen anzusprechen sind. Bon Italien aus wanderte der Kirschbauur weiter, und bereits 120 Jahre, nachdem Lukull den Bannt nach Rom gebracht, finden Wir ihn an den Ufern des Rheins, in Belgien und Britannien. Hier, ffr den ehemaligen Barbarenländern, trug der Baum sogar Noch aoomatischere Früchte als an den Gestaden des Mittelmeeres, wo ihm das Klima imter der Einwirkung der See zu gleichmäßig milde war. Mit dem Baum selbst übernahm man auch seinen Nicht etwa^die Obstbänme der Gegend von Cerasns ihren Namen ton der Stadt empfangen, sondern es war umgekehrt, die Stadt hatte ihren Namen nach der Hauptfrucht der Landschaft erhalten. Heute finden wir den Kirschbaum fast in ganz Europä, nno namentlich in Deutschland hat man sich seiner Pfteae mit ganz besonderer Liebe gewidmet. Der Oberrhein, das Alte Land gü der Elbe — Hamburg gegenüber —, Sachsen, Thüringen, die Mark ^Werder) tmd gndcre Gegenden sind ja rühmlichst bekannt durch ihre prächtigen Kirschen, ebenso gibt es in Tirol, der Schweiz, Frankreichs Holland und Dalmatien weitg'edehnte Kirschkulturen. Hier und da, namentlich in der Schweiz und im Schwarzwald, bereitet man aus ihnen auch das bekannte „Kirschwasser", den Kirsch- hranntwein, der in dem englischen Sherry Brandt, und im dalmatinischen Maraschini (benannt nach der Sauerkirsche: maraLen) be- sortders vornehme und bevorzugte Geführten erhallen hat. Tie Kirschernte ist natürlich übexall eine frohe Zeit, und in manchen Gegenden werden besondere Kirschfeste abgehalten. In der Schweiz galten die Kirschen, die auf den Bäumen auf dem Gemeindeland, der Mlmend, reiften, als Gemeingut der betresfendett Markgenossenschaft. Im Züricher Altstetten herrschte noch im vorigen Jahrhundert der Brauch, daß die Geistlichen in der Kirche an einem Sonntage, wenn die Kirschen reif waren, die sogenannten Kirschensegen sprachen. Ihr Amen gab als! Zeichen zur Besitzergreifung. Tie Leute eilten hinaus auf die Llllmend, und wem es gelang, als Erster einen Baum mit den Armen zu umfassen, dem gehörte dessen Ertrag. Am bekantttesten von allen Kirschfeslcn dürfte aber wohl das zu Naumburg sein. Tort ziehen noch alljährlich die Kinder mit rhren Lehrern und Eltern ins Freie, schmücken sich mit Grün, belustigen sich mit Spiel und Tanz und werden mit Kirschett bewirtet. lieber den Ursprung des Festes erzählt man sich bekanntlich eine hübsche Geschichte. Nach ihr kamen die Hnssiten unter ihrem Flihrer Prokop auch nach Naumburg, der die Stadt wegen ihres hartnäckigen Widerstandes mit Feuer und Schwert verheeren und keines Einwohners schonen wollte. Lange wehrte die tapfere Bewohnerschaft alle Angriffe der Hnssiten ab, schließlich machte aber der Manuel an Nahrungsmitteln alle Hosfnung zu schänden, man entschloß ftch zur Uebergabe, wenn Prokop Milde walten lassen wollte. Tiefer wiederholte aber seine Drohung, und alle Bemühungen, ihn umzustimmen, waren vergebens. Ta machte ein Schlosser, namens Wilhelm Wolf, den Vorschlag, die Eltern sollten ihre Kmder tn das Hussitenlager schicken, um durch ihren Anblick das Herz des grausamen Heerführers zu erweichen. Mit weißen Kleidern angetan, zogen bald darauf 238 Knaben und 321 Mädchen m Stadt hinaus, und ihren Bitten gelang es, das Unheil abzu- t^ndem Prokop nahm sie freundlich ans, bewirtete sie mit Kirschen, Schoten und Wein und erklärte, von eitler weiteren Bedrohung Naumburgs abseheu zu wollen. „Dem Prokopen tät' es scheinen, Kirschen kauft er für die Kleinen; Uog darauf sein langes Schwert, Kommandierte: Rechts um kehrt; Hinterwärts von Naumburg." Ans Freude über diese unverhoffte Rettung beschloß man in Nanmbltrg, ledes Jahr den Tag feierlich zu begehen. Tie Kinder rolltett alle Jahre an den Ort ziehen, wo das Lager der Hussiten gestanden und dort in eigens dazu errichteten Hütten mit Obst, Bier tmd Wein erfrischt werden, dann ein chahes bei der Stadt liegendes Schotettseld plündern und abends ihrett Rückzug mit klingendem Spiel, mit grünen Ztveigen in her Hand mw dem Rufe: „Hnssitensieg!" halten dürfen. . . . Die mit einer Menge von Einzelheiten ausgeschtnückte Erzählung hält freilich vor der ge- schichrtichen Forschung nicht stand, von einer Belagerung Naumburgs durch die Husfften ist nirgends hie Rede. Wahrscheinlich ist das Kirschenfest der Ueberrest einer alten Frühlingsfeier. _ In den Polksoränchen spielen sonst der Krrschbanm und seine Früchte keilte ajlzn bedeutende Rolle. Am verbreitetsten ist tvobl die Sitte, am St. Barbaratage (4. Dezember) Zweige vom Kirsch- banm zu schneiden uttd im Zimmer ztttst Blühen zu bringen. Ent- wickeln sich die Knospen schnell uttd reichlich, so gibt cs einen milbeit Winter tmd ein fruchtbares Jahr. Die jungen Mädchett brechen! diese Ztveige gern am Andreasabend, dem großett Schicksalstag aller Detratslnstiaen. Jeder Zweig wird einer bestimmten Person gewidmet. Ta§ Mädchen, deren Zweig am Weihnachtsheiligavettd die metsten Blüten trägt, heiratet zuerst. In Böhmen stecken die Torfschönen die Blütenzweige dann ins Mieder, um durch „Zauber" deit Burschen anzuziehen, den sie im stillen lieben. Der vrirg im deutschen tiinderreim. Wer heute auf den Straßen tutb im frischet: Grün dem Spielen tmd Singen unserer Kinder aufmerksamer folgt, der beobachtet^ daß auch in dieser so ftiedlichen, idyllischen Kleiuwelt das unge- heitre Geschehen des Krieges stch in zahllosen Einzelheiten spiegelt. Daß ttitsere Jungeirs Schlachtett schlagen tmd unsere Mädchen als Krankenschwestern ihre Puppen pflegen, ist ja selbstverstätldkich; aber auch in dev: Liedern der Kinder treten allerlei Anspielungen, zumeist mißverstandene oder naiv umgeformte Beziehungen aus die große Zeit hervor, die einst ein denkwürdiges Zeugnis baftlr ableg eu werden, wie die*Phantasie unserer Kinder durch diese Ereignisse erregt wurde. Zu alten Zeiten haben die großen Vorgänge der Weltgeschichte ihren Reflex in: Kinderlieb gesunden. „Wer je in politisch etregten Zeiten die Kinder aufmerksam beobachtet hat," sagt einer der ersten Sammler dieser politischen Kindecreime, Albert Richter, „der wird wissen, wie zahlreich politische Kinderreime in der Form von NeuschöpftlUgen oder in der von Umdichtungen auftauchen." Ans der Straße kann man sie etttstehen sehen und ihre Verbreitung verfolgen. Die Forschung, die Karl Wehrhan in seinem hübschen Buch „Kittderlied und Kinderspiel" znsammenfaßt, hat festgestellt, daß es sich bei diesen geschichtlichen und kriegerischen Erinnerungen im Kinderlted zumeist nicht um örtliche Einzelheiten handelt, wie sie doch eigentlich dem kindlichen Geist näher liegen, sondern daß nur die ganze Nation bewegende! tmd erschütternde Angelegenheiten einen nachhaltigen Widerhall in diesen kindlichen Dichtungen erwecken. So hat sich in einem vtelgesnngenen .Kinderreim eine Beziehung auf die Hermanns-' j ch l a ch t, die Befreiung per Deutschen von der römischen Fremdherrschaft, erhalten: „Hermen, sla lärmen, / Sla Pipen, sla Trumen, / Ter Kaiser will funtcn / Met Hammer mt Stangen, / Will Hermen uphangen: / Un Hermen flog lärmen, / Slog Pipen, uog Trumen, / De Fürsten sind kumen / Met oll ehren Mannen,/ Hätt Barns uphatigen." Eitte volkstümliche Figur, wie der von den Nürnbergern 1381 Hingerichtete Raubritter Eppcle von Gei- lnlgcn, lebte im Lied der Mrnberger Gasfenjnngen fort, wenn fte sangen: „Eppela Gaila von Tramaus / Reit allzeit zum vier- zehnt aus; / Ta reit der Nürnberger Feind aus, / Eppels Gaila fron Tramaus." Hier und da schimmert: im deutschen Kinderreim noch Einklänge an die Kreuz Züge hervor. Leicht war Jübel und Lpott der kleinen Schar geweckt. Als der aus dem Lande vertriebene Herzog Ulrich von Württemberg nach der Schlacht bet Laufen wieder in sein Reich einzog, da ließen, wie Steinhofers Chronik berichtet, „die Kinder auf der Gassen sich also vor Freude hören: „Bide, bide, bomp, / Ter Herzog kommt; / Er liegt nicht weit im Feld, / Er bringt einen Sack mit Geld." Andererseits verspotteten die Kinder in Basel 1474 deit gefangen genommenen, allgemein verhaßten Landvogt Peter von Hagenbach mit einem den: ältesten deutschen Ostergesang nachgeahmten Liedlein, das also begamt: „Christ ist erstanden, / Ter Landvogt ist gefangen: / Des sollend wir sro sin, / Siegmund sott unser troft jtn; /, Kürte eleison!" Tiefe Spuren l-aben die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges auch im Kittdcrrcim hinter- lanett. Besonders die Schweden und ihr Führer Oxenstierna tvnr- den geradezu zum „schwarzen Mann", mtt dem matt die Kleinen schreckte: „Bet, Kinder, bet! / Morgen kommt der Schwed, / Morgen kommt der Oxenstertt / Und wird die Kinder beten fern." Eilt anderer Schwedenspruch der Kinder lautet: „Ter Schwed tst gekommen, / Hat alles weggenommen; / Hat d' Fenster 'ncin- g'schlagen, / Hats Blei 'rausgraben, / Hat Kügeln draus gossen, / Hat., alles verschossen." Friedrich d. Gr. ist. ähnlich wie Luther und Napoleon, eine Lieblingsfignr der Kinderreime; lustig ertönt es aus deutschem Kindermund: „Und wenn der alte Fritze kommt / Und klopft nur auf die Hosen. / So läuft die ganze Reichwarmee, / Panduren und Franzosen." An die Franzosen zeit der napoleonischen Kriege erinnern Verschen. tote: „Natttplamlam, Papier argent, / Kein lumpger Geld als As- ftguat. / Qn'est-ce qn'il^ dit hat Hosen an, / Parlez vous hat Strumpfe an." Oder: „Hopp, Mqriannchen, hopp. Mariannchen, / Laß das Puppchen tanzen! / Gestern tvaret: die Preußen frier, / Heute smds die Franzen." Eine Verhöhnung der Eng- 330 länder mit ihren Galeeren enthält der Da,nziger Kirchekreim aus den Wer Jahren des 16. Jahrhunderts: „PiP, Blaurock, P«P, / De Gallersch geist du qniet: / Bim Lands kn)g bistu utFestegev, / Bim Holm do tzestu Schmer gekregen. / PiP, Maurock, prp, / De Gallersch bistu qniet." Zahlreiche Kinderreime singen von Napoleon I., und besonders beschäftigen sie sich mit dem gestürzten Kaiser: „Bei Geuappe, l>et Geuappe, / Da verlor er Hut und Mappe/' Oder: „Napoleon ist nickt mehr stolz, / Handelt jetzt mit Schüoefell-olz: / Er laust die Straßen auf und ab: / Wer kauft mir meine .Hölzlein ab?" Aus dem Beginn der Freiheitskriege leiste es: „Die Preußen haben den Sieg gewonnen, / Es werden ivohl bessere Zeiten kommen: / Jcht geht es nach Paris!" 1846 wird der alte Maikäserreim zeitgemäß unv- gedichtet: „Vögele, Vögele, flieg, / Der Hecker ist im Krieg, / Der Stcuve ist im Oberland / Und macht die Republik bekannt. Nach dem Kriege von 1859 sangen die Kinder: „Oesterreich ist so müde, / Oesterreich ist so matt, / Es macht mit Frankreich Friede, / Es hat den Krieg nun satt." Und dre Ereignisse von 1860 spiegelt sich in dem süddeutschen Kinderreim : „Leise, Kindlein, leise, ' Sonst kommt der böse Preuße, / Sollst kommt der Vogel von Falkenstein, / Jagt auch den Manbenff-el in' den Rachen hinein, l Ter Bismarck kommt dahinter / Und frißt die großen Kinder." __ vermischtes. * D i e Vergrößerung New Ports ins Meer hinaus. Einen einzigartigen Plan hat ein amerikanischer Ingenieur T. Kennard Thomson für die Erweiterung Nerv Ports äusgearbeitet. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres, als um die Geivinnung von 130 Quadratkilometer Land, das durch gewaltige Jngenieurbauwerke dem Meere» abgerungen werden soll. Nach der Durchführung dieser riesenhaften Pläne würde das neue Groß-New Port Raum für 25 Millionen Menschen bieten. Thomson- Vorschläge, deren Ausführung, wie wir den „Tecknischen Monatsheften", Stuttgart, entnehmen, durchaus im Bereiche.der Möglichkeit liegt, sehen die Gewinnung neuer Uferstrecken von rund 160 Kilometer Länge vor, die für Anlegeplätze, Docks u. dgl. nutzbar gemacht werden könnten. Zuerst käme eine Verlängerung der New Port City unb die Vorstadt Manhattan tragenden Halbinsel Manhattan durch Aufführung gewaltiger, parallel zueinander verlaufender Kastendämme in Frage, die bis in die Nähe von ©taten Island reichen sollen. Die äußeren Enden dieser Dämme müßten unter sich durch einen starken Querabschlußdamrn verbuilden werden, so daß man das dadurch vom Meere abgetrennte Gebiet auspumpen könnte. Diese Fläche wäre mit Sand auszusüllen, wobei unter den künftigen, gleich zu projektierenden Straßen sofort Tunnels für die notwendigen Untergrundbahnen, elektrische Kabel, Kanäle u. dal. aus geführt werden müßten. Ferner würde die Sandy Hook Bucht teilweise auSgefüllt und vor Staten Island zwei neue Halbinseln ausgeworfen. Außer diesen Bauten schlägt Thomson eine Ausfüllung des bisherigen Bettes des East River vor, an dessen Stelle ein geradeltnig ansgesührter Durchstich zur unmittelbaren Verbindung der Jamaika-Bucht mit der Flushing-Bay treten soll. Zusammen mit diesem neuen Flußbett wären die zur unterirdischen Ueberleitunq des Verkehrs von der Vorstadt Queens nach der Vorstadt Brooklyn erforderlichen Untertunnelungen zu erbauen. Zur Verwirklichung dieses gewaltigen Planes hält sein Urheber eine Bauzeit von einigen Jahren und einen Kostenaufwand von 2 bis 3 Milliarden Mark für erforderlich. Trotz dieser Riesensumme soll der Vorschlag wirtschaftlich sein, und Thomson ist überzeugt, daß ein solch neugeschaffenes Groß-New Port bald zum Handelsmittelpunkt der ganzen Welt werden würde. * Eine amerikanische Arche Noah für denAnt" werpener Zoo. Da der Tierbestand des Zoologischen Gartens in Antwerpen während der Beschießung im Herost 1.914 zum größten Teile vernichtet wurde, wandte sich der Direktor der Gesellschaft deS Zoologischen Gartens an die Direktion des New Porter Zoo, um auch in diesem Falle um eine Kriegsunterslützung zu bitten, die nicht in Geld, sondern in Tigern, Löwen, Leovardeu usw. besteht. In einer außerordentlichen Sitzung beschloß daraus die Gesellschaft deS New Porter Zoo, dem Wunsche der Antwerpener zu willfahren, und wenn man den amerikanischen Blättern glauben darf, wird gegenwärtig ein ganzes Schiff zu diesem seltenen Zweck ausgerüstet. Alle Schiffsräumlichkeiten werden als Käfige umgebaut, die mehr oder weniger wilden Passagiere auszunehmen, und so wird sich die Geschichte von der Arche Noah wiederholen, da das Schiff fast von jeder Tiergattung wenigstens ein Exemplar über das große Wasser bringen soll. Bis jetzt sollen 5000 „Passagiere" vorgcrnerkt worden sein. ' Eine Katze, die Ratten säugt. Seltsame Tier- sreundjchasten werden sowohl von den Zoologen wie auch vom Publikum bei den verschiedensten Gelegenheiten beobachtet, und die Fälle, in denen z. B. ein Kanarienvogel und ein Hund oder Hund und Katze, Katzen und Hasen enge Freundschaft schließen, sind längst nichts Neues mehr. Einen besonders interessanten Beitrag aber zum Kapitel merkwürdiger Tiersreundschasten liefert der ausgezeichnete Kenner des Tierlebend Franees Pitt in einer englischen Zeitschrift, in der er über eine Katze berichtet, dis das bei Tieren nach den verschiedenen Raffen instinktmäßtg auSgebildete Feind« fchastSgefühl so weit zu Überwinder« wußte, daß sie sogar eine Ratte an Kindesstatt annahm. Der Forscher, der jahrelang dem Studium der Tiersreundschasten systematische Arbeit gewidmet hatte und da- bei bemerkte, wie manchmal zwei Exemplare einander sonst nickt gerade sehr freundschaftlrch gesinnter Raffen zu Kameraden werden, unternahm den Versuch, einer Katze, die eben Junae geworfen hatte, eine neugeborene, noch blinde Ratte an Stelle ihrer Jungen unterzuschieben. Die Katzenmutter nahm auch, trotzdem sie oisläna eitle scharfe Ratten- und Mäusejägerin gewesen war, die Ratt« liebevoll aus und nährte sie mit ihrer Milch, als ob e» sich um ihre eigenen Jungen handelte. D«e Ratte entwickelte sich schnell bei dieser Pflege und schien sich auch sehr wohl zu fühlen, nur bereitete ihr anscheinend die Reinltchkeitsliebe ihrer Pflegemutter Verdruß ; aber die Katze zeigte sich in diesem Punkte unerbittlich und hielt jeden Morgen die quietschende Ratte zwischen ihren Vorderpfoten fest, bi» sie sie von der Schnauze bis zum Schwänze reingeleckt hatte. Dieses Zusammenleben dauerte zwei volle Jahre und erweckte daß Staunen des englischen Zoologen, die sich mehrmals persönlich von dieser ungetrübten und merkwürdigsten aller Tler- freundschasten überzeugten. Unter den anderer« Beobachtungen, die Franees Pitt auf diesem Gebiete machte, ist besonders ein Fall oemerkenswert, in dem ein wilder Dachs mit einem Hunde Freundschaft schloß und so lange treu an seiner Seite blieb, bis er selbst durch die Gewohnheit und ourch da? Beispiel des Hundes zu einem völlig zahmen Haustier wurde. Auch Freundschaften zwischen Schafen und Gänsen, Hunden und Schweinen wurden oft fest- gestellt; der Fall der Katze als Rattenmutter aber steht bisher einzig da. vacherttsch. — Kapitalabfindungsgesetz. Das vom Reichstage verabschiedete Gesetz ist ein Werk von höchster wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung, da es dazu beiträgt, dem nach den Schrecknissen des Kampfes heimkehrenden Krieger oder unseren Kriegerwitwen eine Existenz zu gründen oder zu erhalten und gesunde Leben?- bedingungen für sie zu schaffen. Welche«« Weg ein Antragsteller einschlagen muß, um eine Kapitalabfindung zu erhalten, welche Vorbedingungen erfüllt sein müssen für die Gewährung einer Kapitalabfindung und in welcher Höhe diese in den verschiedene«! Lebensaltern ge«vährt werden kann, darüber gibt das kleine Buch mit Gesetzeserläuterur«gen des Majors Meier von der Rentenabteilung des Kriegsministeriums eingehend Auskunft. (Wie erhalte ich als Kriegsbeschädigter oder als Kriegerwit«ve eine Kapital- adfindung an Stelle von KriegSverforgung. Verlag Gerhard Stalling, Verlag des Deutschen Offizierblattes, Oldenburg i. Gr. Preis 50 Pfg.> — Handbuch der Kunstwissenschaft. Mit zirka 6000 Abbildungen. In Lieferungen im Abonnement ü Mk. 1,50, außer Abonnement Mk. 2 ,—. (Akademische Verlagsgesellschaft, Neu- Babelsberg). Lieferung 26. Millich, Die Baukunst der Renaissance in Italien, Heft 2. In dieser Lieferung (der 2. dieser Abteilung) behandelt Profeffor Hans Millich die Baukunst der Renaissance m Italien. Was er über Paläste, Kanzeln, Klosterhöfe usw. sagt, tote er sich mit Donatello und der Florentiner Bildhauer-Architektur, mit Michelozzo di Bartolomeo auseinandersetzt und «vas er über die Ausbreitung des florentinischen Stiles über Italien zu sage»! hat, sollte jeder geistig Interessierte lesen. — Bühne und Welt. Ueber Michel Georg Conrad und Karl Henckell schreibt Fritz Droop im soeben erschienenen Juniheft eine«! sehr lesenswerten Aufsatz. Walter Dahms bringt darin einen Nachruf für Max Reger, in dem er einen Ueberblick über das Schaffen des dahmaegangenen Musikers gibt und auch zum Wesen seiner Kunst selbst Stellung nimmt. In diesem Heile beginnt sodann eine bedeutende Abhandlung Dietrich Eckarts über Ibsens „Peer Gynt". Das Hest ist zum Preise von 60 Pia., HalbjahrS- bezug 3,50 Mk., d««rch jede Buchhandlung, die Post und den Verlag von „Bühne und Welt", G. m. b. H., Harnburg 33, zu beziehen. — Baud Nr. 1068 von .Kürschners Bücherschah: Die Jugendsünde. Roman aus Australien von Stefan v. Kotz e. 111 Seiten Umfang. — Preis 20 Pfg. — Hermann Hillger Verlag, Berlin W 9, Potsdamer Straße 124/125. verfteckrätsel. Man suche ein Sprichwort, besser« eirrzelrre Silber« in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer*. Gartenhai«? — Beiteleisen — Samstag — Eitelkeit — Kriegslist — Diedenhoser« — Gabelfrühstück — Wüsteg iersdors — Schlothein« — Butterblume — Riesenfaultier. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr Wem« dich eine Sorge drückt, Nimm u>«« fren«des Leid dich an, Und du fühlst es bald getan, Daß das deine ferner rückt. M. Greif. Schrijlleitung: A«g. Goetz. - Notatiorrsdruck und Verlag der Brühl'schen U>«iverlitäts-Buch- und Steindruckerei, 9t. Lanae. Gießen.