Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltttz. (Nachdruck verl»otenK ^Fortsetzung.) ^ r Wirst Bnra-eddin bewohnte hier die erste Etage eines eleganten Hanfes. Der Portier fixierte Velten, befragte ihn «aber nicht. Oben öffnete auf das Klingelzeichen ein Diener ünd nahm Velten die Karte ab. Man schien ihn erwartet zu haben, denn der Diener führte ihn ohne weiteres in einen großen dreisenstrigen Salon mit prunkvoller, aber frostiger Einrichtung. Velten war kaum eingetreten, so erschien auch Annemarie, hi einem Schlafrock von bläßblauer Seide mit zerkntillten Spitzen 'und Schleifen, häs Gesicht sehr blaß, die Züge schlaff, die Augen verweint. Mit einein wilden Aufschlnchzen warf sie sich an die Brust Veltens; sie wollte sprechen, aber ichre Stimme erstickte immer wieder in dem krampfhaften Weinen, däs ihre Glieder beben ließ. IVelten strich mit der Hand über ihr lvirres blondes Haar. „Annemarie — liebes Kind," sagte er zärtlich, „nur Ruhe — Ruhe . . . ein Freund ist bei Ihnen, ein guter freund, dem Sie Ihr Herz ansschütten können. . . Es ist ja nicht das erstemal..." Aber es währte lange, ehe die Ruhe wirklich iiber das verstörte junge Weib kam. Rur allgemach konnte sich Velten ein Pild voir dem entwerfen, nms geschehen tvsir. Bei seiner Rückkehr nach Berlin von dem Begräbnis des Herzogs hatte Fürst Kola ein Telegramm vorgesunden. Er erbrach es in Gegenwart seiner Man und tuuvbe kalkig weiß. Aber er beherrschte sich: eine unliebsame Nachricht von seine;! Gütern, so sagte er zu Annemarie, zwinge ihn lrwchszu einigen Geschäftsgängen. Doch! er ging nicht sogleich. !Er riegelte sich zunächst in seinein Zimmer ein; Annemarie merkte später, das; er Papiere verbrannt hätte. Gegen sechs Nhr verabschiedete er sich herzlich von seiner Man — und kan: nicht wieder. Annemarie siel es auf, daß Kola den Weg über die Hintertreppe und durch den kleinen Garten wählte, der wiederum mit dem gegen; Hause in Verbindung stand, dessen Frontseite leimiger Matz tyu erhob. Kaum eine Viertel b erliegen den ich nach dein tunde später enen zwei Mitglieder der russischen Botschaft, der Bot- ; Militär ' “ ‘ ~ tphtger < rschienen kn chasiSrat Baron Hänel und der Militärattache Graf Lov. agin, in Begleitung zweier Polizetkommissare in Zivil, entschuldigten sich höflich bei der jungen Frau, fragten nach Mola und begannen sodann sein Zimmer, sowie einige Schränke der Wohnung unter Siegel zu legen. Während Aras Lovjagtn ziemlich kurz angebunden war, versuchte Herr Von Hänel, ein Deutscher aus den Ostseeprovinzen, die verängstigte Frau zu beruhigen; er erklärte ihr, es handle sich Kllerdmgs um eine sekrete Angelelgenheit, ließ aber doch dnrchblicken, daß auf dev Botschaft wichtige Papiere abhanden gekommen seien und daß eine Berdachtsspur auch bis zu Kola führe — eine Spur im übrigen, die noch keineswegs aus eine Mitschuld des Fürsten 'hindeute... Es schien den Herren außerordentlich angenehm zu sein, daß Kola nicht im Hause war; sie empfahlen Annemarie an, auf den Schutz der Siegel zu achten, und verabschiedeten sich ebenso höflich, wie sie sich eingeführt hatten. Und nun kam das,! was Annemarie am ;neisten erschreckt hatte. Baron Hänel hielt sich mit Absicht ein wenig zurück, während die andern vorangiixgen. Halb gedeckt durch die Tür, zog er hastig Annemaries Hand an die Lippen und flüsterte: „Ausgepaßt, Durchlaucht: ich glaube tzwar nicht, daß Kola zurückkehren wird —. aber geschieht es dennoch, so soll er vorsichtig sein. Geheimpolizisten halten das HauS umstellt. . Das war es, was Betten erfuhr. Und jetzt fiel ihn: auch ein, daß z;vei Herren von der andern Trottoirseite aus die Straße Überschritten hatten, als er das Hans betreten, und daß ihn auch der Portier in ausfälliger Weise fixiert hatte. Das konnte Zufall sein, aber vielleicht auch mehr. Annemarie saß auf einem mit grüner Seide überzogs- nen Diwan ititb starrte in das kalte Licht hinein, das den unbehaglichen Raun: mit srostigen: Main erfüllte. Sie ;var so erschöpft, daß sie fast zusammenbrach. Ihre Augen brannten in der roten Umrandung, in dem armen blassen Gesicht zuckten die Muskeln. Sie hatte nur abgebrochen erzählen können, gewissermaßen stoßweise. Sie hatte nachtsüber natürlich kein Auge geschlossen, sich in tausend Mulmas-nn- gen zerguält und zermartert und dabei immer mit lauschendem Ohr auf die Rückkehr Kolas gewartet. Sie begriff nicht, was geschehen sein konnte. „Herr Gott im Himmel," schrie sie, Belten, Belten — Kola ist doch kein Schurke!" Er suchte nach begütigenden Worten; sie fruchteten wenig. Da schlug er einen herberen Ton an. „Annemarie," sagte er, „Sie 'haben :nich hergerufen, damit ich J-Hnärz nötigenfalls Helsen, damit ich Ihnen beistehen kann. Das war verständig von Ihnen; Jost würde Sie wahrscheinlich Nur noch mehr aufgereat haben. Aber Sie müssen nun auch verständig bleiben. Wir bringen kein Licht in die Wirrnis» wenn wir uns nicht bemühen, klar und folgerichtig z:q denken. Beantworten Sie mir bitte die Fragen, die ich Ihnen vorlegen werde. Haben Sie in der Zeit Ihrer Ehe gemerkt, daß Fürst Nikolaus irgendwelche geheime Verbindungen unterhielt?" Sie war Lanz verwundert. „Aber nein," antwortete sie, „was denn für geheime...? Ah, — Sie ineinen politischer Art! Gott bewahre — ich weiß wenigstens nichts davon. Wir politisierten nie miteinander — was verstehe ich denn von all dem! Kola arbeitete viel — er brachte sich zuweilen Akten von der Botschaft mit, um sie hier zu erledigen; er sagte, ans ihm, dein zlveiten Sekretär, laste eine riesige Arbeit; was den andern zu langweilig sei, überlasse man ihrn..." 314 „Ging er häufig allein cnis?" „Nein — o doch... anfänglich nicht, aber später. Das inachte sich so. Er hatte seine Herrenabende im Klub unb da und dort_Einmal habe ich auch eine anonyme Warnung bekommen, einen Brief, in dem hieß es, Kola habe ein Verhältnis 'mit einer jungen Russin, die hier lebe — das habe -ssr schon lange und auch nach der Heirat nicht abgebrochen. Ich zeigte Kola den Brief — da hat er gelacht und gemeint, solche Wische gehörten in den Papierkorb oder besser noch rns Feuer..." „Haben Sie von den Papieren, die Ihr Gatte allem Anschein nach verbrannt hat, kein Schnitzelchen mehr gefunden?" „Ich habe gar nicht danach gesucht, Velten — aber,ich spürte den Geruch verbrannten Papiers in seinem Zimmer/' Sie nestelte an ihrer Tasche. „Nur das fand ich im Kor-j ridor und steckte es ein — das Telegramm, das Kola er* halten hatte und das er verloren haben muß. Ich habe es den Herren gar nicht erst gezeigt — ich kann es auch nicht lesen, ich glaube, es ist Russisch . . Sie reichte Vellen die Depesche, der sie sorgfätig prüfte. „Das ist nicht Nüssisch, Fürstin," sagte er, „das ist irgend eine verabredete Geheimschrift. . . . Liebe Annemarie, ich fürchte, wir kommen auf diesem Wege nicht weiter. Sie erzählten, der Botschaftsrat von Hänel sei liebenswürdig zu Ihnen gewesen; wissen Sie, wo er wohnt?" „Ich kann ans seiner Visitenkarte Nachsehen, wir haben in seinem Hause verkehrt. Wollen Sie zu ihm gehen?" „Vielleicht gibt er mir Aufschluß — vielleicht_Liebe Freundin, wir müssen auf alles vorbereitet sein. Ich fürchte, die Politik streckt ihre Fangarme auch bis in Ihr Heim hinein — und wo dieser gräßliche Polyp sich regt. . ." Er brach ab. Er sah, daß Annemarie mit den Händen an ihr Herz griff und die Auaen schloß — und da sprang er auf und umfaßte sie. „Um Gotteswillen, Annemarie," rief er ängstlich, „so seien Sie doch stark — es ist ja noch nicht alles verloren! . . ." Ihr Gesicht verblich noch mehr, sie rang nach Atem und lag schwer in den Armen Veltens. „Liebes Kind," sagte er, „ich bitte Sie herzlich: legen Sie sich zu Bett — Sie werden mir krank — und wer weiß, ob Sie nicht Ihre Kraft brauchen . . . darf ich Ihren Arzt rufen lassen?" hauchte sie, „ich will ihn nicht — ich kann ihn nicht leiben..." Ein glücklicher Gedanke schoß Velten durch den Kopf. „Horen Sie, Annemarie: ich werde zu Otto schicken. Er praktiziert zwar nicht, aber er ist immerhin Mediziner und wird den Arzt ersetzen. Und er ist Ihr Freund, vor dem Sie nichts zu verbergen nötig haben. Das gewährt auch mir eine Beruhigung — ich weiß Sie dann wenigstens in sicherer Obhut. Darf ich?" Sie nickte, ergriff seine Hände und sah ihn dankbar an. Sre war so schwach, daß sie kaum sprechen konnte. „Gut, sligte sie leise, „lasseii Sie Otto kommen. Ich verspreche Ihnen auch, ich will mich niederlegen. Und Sie gehen zu Herrn von Hänel und fragen ihn, was er über Kola weih. Ich gebe Ihnen eine Zeile mit, die Sie legetr- mreren wird. Mein Gott, man kann mich über das Schicksal mernes Mannes doch nicht im Ungewissen lassen! Und wenn er nun überhaupt nicht wieder kommt! Soll ich denn Mutter werden ohne daß mein Kind. . Sie sprach nicht zu Ende schluchzte auf und preßte ihr Gesicht in die Kissen des (Losas. Velten atmete schwer. Also auch das noch. Die arme Fran erwartete ein Ktnd, das vielleicht niemals seinen Vater sehen sollte. Es war ein Verhängnis, das über das Unglückshaus hereinbrach. Annemarie richtete sich wieder auf und tupste mit ihrem Löschentuch die Tranen aus den Augen. Sie wurde ganz Plötzlich gefaßter und ruhiger, befragte den Diener nach der Adresse des Barons Hänel und gab Velten eine Visitenkarte folgenden Inhalts: „Annemarie Fürstin Bura-eddin, ge- xorene Prinzessin von Gotternegg, bittet den Baron Hänel, ^ " . berbrmger dieses, Doktor Freiherrn von Velten, einen Freund ihres Hauses, vorlassen und auhören zu wollen." jeder Stunde für Sie zu sprechen, Velten," Otto belieben sollte, mich in zu steckeii, lass ich Sie in mein Schlafzimmer führen. .Suchen Sie mit aller List herauszubekommen, was Kola verbrochen haben soll — gehen Sie nötigenfalls aus die Polizei und melden Sie sein Verschwinden an. Ich will aus den Ungewißheit heraus! . . ." Velten brach auf. Die Herren, die sich für sein Kommen interessiert hatten, sah er auf der Straße nicht wieder. Er. nahm sich eine Droschke und fuhr zil dem Botschaftsrat von Hänel. Die Karte Annemaries gewährte ihm Einlaß. Baron Hänel war ein liebenswürdiger älterer Herr mit gutmütigem Lebemannsgesicht und kleinen freundlichen, beständig zwinkernden Augen. Er aab sich anfänglich etwas reserviert, wurde dann aber offener. „Details weiß ich nicht, Herr von Velten," sagte er. „Ich weiß nur, daß der Verdacht auf dem Fürsten Bura-eddin ruht, der internationalen Propaganda wichtige Papiere ausgeliefert zu haben. Daß der Fürst verbrecherische Verbindungen unterhalte, mutmaßte man längst. Hätte es in der Hand des Botschafters gelegen, die Heirat mit der bedauernswerten Prinzessin zu verhindern, es wäre geschehen. Aber er durfte nicht sprechen. „Pardon, Herr Baron." warf Velten ein, „halten Sie es denn für ganz unmöglich, oaß der Verdacht auf einem Irrtum beruhen kann? Welcher Grund soll für einen lebenslustigen jungen Mann wie den Fürsten Kola Vorgelegen haben, sich in nihilistische Umtriebe verwickeln zu lassen? Er machte doch keineswegs den Eindruck eines politischen Fanatikers — ich habe ihn immer nur für einen harmlosest Viveur gehalten. . ." Herr von Hänel zog die breiten Schultern hoch. „Verehrtester," entgegnete er, „auch darauf kann ich Ihnen keine bestimmte Antwort geben. Ich habe nur Mutmaßungen. Die Verhältnisse des Fürsten sollen total brouilliert gewesen sein — sein eigener Bruder wußte nicht mehr, aus welchen Quellen er schöpfte. . . . Im übrigen — mein bester Herr von Velten, werden Sie auf oer hiesigen Polizei wahrscheinlich genauere Auskunft erhalten können'als durch mich. Die Polizei ist uns sehr gefällig und hat auch gewisse Wünsche der Botschaft respektiert. Es ist erklärlich, daß man dem Fürsten den Weg nach Sibirien ersparen wollte. Da hat uns die Polizei denn benachrichtigt, daß er nach der Schweiz zu flüchten beabsichtige. Tatsächlich ist Kola aber gestern abend vom Hamburger Bahnhof abgefahren. . . . Ich will nicht klarer werben, Herr von Velten. Die Verhältnisse liegen eigenartig. Preußen kann nur ausliefern, nicht verfolgen und inhaftieren. . . Velten nickte. „Vom Hamburger Bahnhof," wiederholte er. „Da liegt also die Wahrscheinlichkeit nahe, daß er nach Amerika flüchten wird." „In der Tat, das ist das Wahrscheinlichste. Es wäre auch das Beste. Drüben wird er verschwinden, wird unterstehen. Ich möchte Ihnen eine Wette proponieren: er wirb' eines Abends in einer Matrosenschenke von New Dork in einen Streit mit betrunkenem Gesindel verwickelt und totgeschlagen werden. Ich wette darauf." Herr von Hänel sagte dies mit freundlichem Gesicht und' vergnüglich zwinkernden Aeugelchen. Velten war entsetzt, ^ilm Gottes willen," stieß er hervor, „sein armes — armes Weib! . . ." Nun wurde der Botschaftsrat ernst, sehr ernst. Er setzte sich Velten gerade gegenüber und aus seinen Zügen schwand der lächelnde Ausdruck. Aber doch nicht völlig. Es bliev ein Zucken um die Mundwinkel zurück, das häßlich war: grotesk und cynisch zugleich. Er sagte: „Herr von Velten, ich bemitleide die Fürstin von Herzen. Ich wünschte, der Zusammenbruch ihres Mannes wäre schon vor Jahresfrist erfolgt, denn schon damals sahen wir ih.n kommen. Trotzdem: es ist noch immer ein Glück, daß das Wetter jetzt über Kola hereinbrach, ehe die Schande größer wurde. Finalementr dieser junge Bursche, der einem der edelsten Geschlechter Sstdrußlands angehört, ist — ich wäge das Wort — ist eine infame Kanaille. Je eher er seinem unglücklichen Weibe entrissen werden konnte, um so besser für diej Aermste— Ich möchte noch etwas anfügen. Es wird nicht zu verhindern sein, daß die üble Affäre wenigstens arst, deutungsweise in die Zeitungen kommt; greifen Sie da nicht niit Berichtigungen und dergleichen ein. Es wird gut sein^ daß Kola Bura-eddin so bald als möglich vergessen wird; schon der armen Frau wegen, die vielleicht ihren Mädchen- Namen wieder aNntinmt — aber auch um des Fürsten; Iazik willen, dem der Zar stets außerordentlich gewogen war... (Fortsetzung folgt.) 316 GId England. Eine groteske Geschichte von Rudolf (Nachdruck verboten.) i cha el. Nachdenklich, langsam 'mit gepreßten Lippen wanderte Thomas Upper an der grauen, dunklen Muserfront entlang. Bon fernher brandete durch die Straßen wie durch einen Hohlweg der rauschende und kreischende Lärm der inneren Citv. Hier war es stiller und milder. M' war, als? fldsjsen alle unruhigen Wasser Londons dort in einen wirren Strudel zusammen. Aw dunklen Himmel stand der rötliche Widerschein der großen Stadt. Thomas Upper ballte die Fäuste und stemmte sie in die Taschep des leichten Sommermantels-, den er trotz Herbst und Nebel noch imchwr Mg. Mein Gott, von 90 Shilling oen Honat kann man sich nicht zu jeder Jahreszeit einen neuen Rock kaufen. Das muß doch ein Prinzipal einiehen. Na, und auch der Herbst war rücksichtslos genug, brummte Thomas. Der fragte nickt imch Ultimo und Vermögeil. Der war einfach dg mch kom-mändiertO! So, nun zieh den 'hellen Plunder aus. Ich bin fürs Grane. Erschrocken schaute Thomas gegen die blendende Höhe. Eine blutrote Hand schrieb gegen die graue Hauswand in rtesigsn, grell«: Buchstaben: enlist now! contry neöds hon! Da sah Thomas Upper wieder nieder zur Erde und tat, alß schäme er sich. Aber innerlich grinste er doch. Hahaha! Weim die Deutschen mit Gummipfropfen schössen, weNn's Hungern und Frie- ren mcht gar so arg aus die gute Stimmung wirkte, Wem: — schließlich, je, iüern oder Gallipoli für das Wrack des englischen Ruhmes ficht. Ellen, tapfere Frau! Thomas, tapferer Diener deines Vaterlandes! Lachend saßen sie zu Hanse in den: kahlen, schmalen Zimmerchen und drückten sich die Hände über den Tisch hinweg. Ein paar Tage später- bekam auch Thomas Upper seinen Werbelohn aiosbezahlt als Dank für das giwße, freie Herz, das er auf den Tisch des Werbebureaus fürs Vaterland niedergetegt hatte. Me zähtz fühlten sich die paar Scheine an! Thomas ließ das ungewohnte Papier- durch die zitternden Finger gleitew „Liebste Men," ries er und drückte sie an siäh „Bon nun an nenne ick dich Nur noch nrsirren kleinen Minister. Nicht wahr?" Sie hüpfte vor Veranitgen. Sie sah das Meer pnter sich schaukeln und Englarck loie einen dunklen Schattenickß hinter sich tn der Ferne verschwinden. Nun ging's nach Amerika. Und dock. „Wenn sie dick aber aar so schnell hälen, Thomas?" fragte sie zaghaft und schien plötzlich wieder allen Mut verloren zu haben. Er fiel wieder in das qualvolle Nachdenken zurück. Was? Sie ivolsten ihm nun England sperren? Und er wollte doch hinfahren in den Dieirst des Vaterlandes. Nein, die Sache war itttov noch nicht ganz klar. Das fiihtlte er tnieder, als' bohre ihm ein Tischler Schranblöcher in die Schläfen. Es war tvieder Albend. Das Lachen war in dem kleinen Zimtnsr lviedei- ganz still geworden nick hatte sich irgendwo in eine drmkle Ecke velckrocken. Die beiden faßen sich schweigsam gegenüber-. Thontäs Upver fühlte, wie bäßlick es im Leben mit Geld und mit den guten Gedanken eingerichtet sei. Bon fernher ans der großen Dunkelheit kam ein anschwcllendes Rauschen gegerl die Stadt lote eine Flirt, die langsam gegen der: Deick anrollr. ThämäS stand auf und horchte. Wer noch dfye er sich gewiß rvurde. was es sein könnte, liefen schreiende Signale durch die Straßen, die Lichter verlöschten, fetn ani .Himjntel erstarb Plötzlich der grelle Widerschein der lärmenden Stadt. Eine Sterbensrnhe kam über das große, graue Häuserm'eer. Das Rauschen des deutschen Luftschiffes wurde voller und lauter. Thmnas sprang ans Fenster und lehnte sich hinaus. In weißlich flimmernden riesigen Kegeln stürzte sich- da-'- Licht der Schiünwerfer gegen den düftetti Himni'el von allen Enden der toten Stadt. Es tvar ein atemerstickendes Licbtevsvicl. Thiomas sprang zurück ins' Zimnier, packte Men ickl> bei der Hand und zerrte sie mit hinunter in den Flur des Hauses. Schon und lüstern zugleich schauten sie durch die staubigen Fenster über die Straße und gegen den Himmel m!it seinen flatternden Lichtbändern. llnd plötzlich begann ein Küattern und Heulen dn- Schrapnels, ein Aufzischen und Pfeifen der Geschosse, daß Ellen sick ängülick an Thomas drängte. Ihr war, al - müsse sie aus dem Hause springen, das Freie atmen. Da brüllte es irgendwo dumpf in der Dunkelheit 1 ]M I Die erste Bombe. ' Hell zischten djagegcn die englischen beschösse. Flimmernd gossen die Scheinwerfer ihr Licht >üdör das schivarze Tuch des Himmels. Wieder ein dumpfes Brüllen. Ellen wurde ruhiger. Die Sinne gewöhnten sich schnell an den Schreck. Eine Weile Stille. Nacht und Stille. Da schlug ein Geschoß von oben krachend und berstend in das Neben- und eigene Ha-uS, in denr Thomps und Ellen wohnten'.: Voll jähen Schreckens sprangen sie ins Freie. Hinter und Über ihnen krachte und brach das rollende Gestein, das splitternde Holz. Sie rannten eine Strecke weit und scheuten dann aufgeregt! zurück. ES war nur wemg durch die Dunkelheit zu sehen. Eine Zeitlang rauschte dort oben das unsichtbare Schiff. Dann wurde sein Flüaelschlag leiser ititb ferner. Und dann war wieder Nacht, stille Nacht. Die Polizei sperrte die Straße. Thomas und Ellen irrten durch die nächtlichen Straßen. Langsam kam wieder Ruhe in ihre Kerzen. Sie konnten noch nicht alles begreifen. War es Glück, war es Unglück? Ellen griff jäh nach Thomas' Arm. J£u, jetzt sollten wir fahren! Nicht wieder zurück Mch dort!" Thomas begriff die Worte mit Blitzesschnelle. Ja! So ging es. Alles drängte sich in ihm zusammen. Mut, Stolz, Furcht. Dann legte er den Arm um Ellen. „Komm, mein kleiner Minister. Die glauben, wir liegen da unter den Steinen. Du, wir beide. Verstehst Du's nicht? Hahaha." Er sah auf in die Nacht, alls müsse er dem feindlichen Vogel da oben ein paar dankbare Worte sagen. „Du, Ellen, morgen fahren jvir. Komm." Am andern Morgen trug die beiden der Zug aus der Halle des Ba'dnhof- westwärts nach Liverpool. Als sie über die eiserne Brücke fuhren, winkte Ellen lachend mit dem Taschentuch hinunter. Da unten auf dein großen Platz spielten die Straßenmusikanten lärmend das. alle, stolze Lied: „Rule Britannta". vlichertisch. - Ein Reger- Gedächtnisheft bietet die Neue Musik- Zeitung (Karl Grüninger, Stuttgart) ihren Lesern im soeben erschienenen 18. Hefte des 87. Jahrganges, das zwölf hervorragende literarische Arbeite,l und Dichtungen enthält. Wir nenneil unter diesen die herrliche Würdigllng des großen Künstler-, die Generalmusikdirektor Prof. D. Dr. Wolfrum am Sarge Negers gegeben hat, eine Abhandlung des Neger-SchülerS Joseph Hag- über die formale Seite in des Meisters Schaffen, eine Arbeit von H. Keller, einem anderen Schüler des Heimgegangenen, über die Orgelmusik, einen Essay L. Riemann- über die Tonalität Negers, die Rede, die der Schriftleiter des Blattes. Prof. Dr. W. Nagel bei der öffentlichen Trauerseier im Kgl. Konservatorium in Stuttgart gehalteil hat, eine Abhandlung Adalbert LindnerS tu Weiden, die um deswillen ganz besonderes Interesse beanspruchen darf, weil Lindner der erste Lehrer Negers neben dessen Vater war, jahrelang im engsten Verkehre mit dem Meister stand und in Neger- BildungSgeschichte ,vie kaum ein Zweiter eingeweiht ist. Diese bei weitem nicht crschöpseilde Inhaltsangabe nlöge geilügeil, um einen kleinen Begriff voll dein überaus reicheil Inhalte des HesteS zu geben, das eine crstnlals veröffentlichte Komposillon und 82 Abbildungen Negers und der Stätten seines Wirken- sowie eine vollendet ausgeführte Kunstbeilage (eine der letzten Ausnahmen des Meisters) enthält. Der Preis betrügt nur 50 Pf. — „Weltkrieg u n b Schaub ü h n e" betitelt sich eine Kriegsschrist de- bekannten elsässischen BühnenfchriftstellerS Dr. Artur D int er (Deutsche Erneuerung Bd. 1, drosch. Mk. 1,—, München, I. F. LehinannS Verlag.) Mit rücksichtsloser Offenheit legt Dtnter die hinter ben Kulissen liegenden Ursachen dar, die verhindern, daß der mächtige Geist der Erneuerung, der hellte das deutsche Volk durchseelt, micf) au\ der Schaubühne zum Ausdruck kommt. Er weist nach, daß diese dein breiten Publikum lind atlch dem gebildeten Theaterbesucher völlig uilbekannten Ursachen in einem Theaterklüngel verkörpert sind. Nur uon bcn staatlichen Organe,l Reglern,lg lind Reichstag könne die Lösung dieser wich- tigen ZuknnstS- und Lebensfrage des deutschen Volkes altsgehen, wenil sie in höherem kulturellen lind nicht blos in rein wirtschaftlichem Sinne ersolgeil soll. Diese Lösung muffe von der Einsicht ausgehen, daß ein nur höheren Zwecken dienendes lind arten seinen Angestellten ein menschenwürdiges Dasein sicherndes Theater niemals ein Gewinn abiverieildes Unternehmen sein kann, sondern notgedrungen eine Zuschuß erheische,lde Kultureinrichtung sein muft, genau wie die Schulen, Itnincrfitaten, Akademien und Museen. Q(f . c Schwalbe sang. Geschichten für Jung und Alt von I. E. Heer. 1.-12. Auflage. Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlui'.g Nachfolger, Stuttgart und Berlin. Geheftet Mk. 2,50, gebunden Mk. 8,50. - Heitere, von Humor durchwehte Bilder über- wlegen m diesen zwanglosen kleinen Erzählungen des beliebten Schiveizer Dichters. Erinnerungsbilder sind es, geschöpft auS dem wechselreichen Leven eine- Mannes, der sich aus engen Schramm herausarbeitete und eiilporstieg durch eigene Kraft. — Der Krieg 1914/16 in Wort und Bild. 8 1. bis 83. Heft (Preis je 30 Pf.) Deutsches Verlagshau» Bo,lg & Co., Berlin W. 57, Potsdamer Straße 83. — „The Daily Graphic" und die „S ch ,v e i z e r I l l u* strierte Zettuu g". Wir haben an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiesen, daß die „Schiveizer Jlllistrierte Zeitung" trt ihrer unparteiischen Haltung wohl als die beste Wochenschrift der Neutraleil in deutscher Sprache gelten dürfte. Dafür liefert de« „Berliner Lokal-Anzeiger" in seiner Nummer vom 11. Juni einen ftrfjtbrreit Beweis,- indem er ein und da-selbe Bild doppelt wieder- gibt, das eininal der „Schiveizer Illustrierten Zeitung" entnominen wurde, wo es als Atifnahme vom italienischer: Kriegsschauplatz bezeichnet war, während die zweite Wiedergabe der „Daily Graphic" entstammt, die es zu einer Ausnahme von: ivestlichen Kriegsschauplatz steinpelt und es z,i einen: Angriff ans die deutsche KriegS- sührung benutzt. ES zeigt dies, rvie ivertvoll es gerade tu gegeu- wärtiger Zeit für jede,: :st, der die Zeitereignisse nnt Interesse verfolgt, der „Schiveizer Illustrierte,: Zeitung" seine besondere Beacht:n:g zu scheiiken. Der Bezug de§ Blattes durch deiltsche Postanller ist gestaltet. Aber auch alle Bnchyandliingen könne,: die „Schiveizer Illustrierte Zeitung" liefern. Einzelnummer 25 Pfg. Abonnementspreis Akk. 5,— halbjährlich. — „D i e „F l i e g e n d e n B-rätter" (Verlagsbuchhandln,:g Braun Li Schi,eider ii: Atünchen) Habei: während der zivei Jahre, die nun der Weltkrieg bald dauert, ihr Programin, das sie bei seinen: Beginn anfnahinen, getreu durchgeführt. Der Huinor sollte bewahrt iverdei:, mochte:: die Zeiten auch ,:och so schwer und trüb sein, denen wir entgegen gingen. Diese Ausgabe ist den „Fliegenden Blättern" im Kriege auch noch babutcf) leichter und lieber ge- lvorden, daß die unvergleichlichen Erfolge unserer Truppen und unserer Verbündeten die Begeisterung stet- von ,:enem entflammten und so die Stimmung hochhielten und den: Humor zugänglicher inachten. Dies sehe«: ,vir anS den: Bande der im laufenben Halbjahr erschienenen „Fliegenden Blätter", die in ihren: literarischen und bildlichen Inhalt den Ereignissen ivürdig gefolgt sind. — Bauet Gemüse! Eii: Weckruf für daheiin und draußen. In: Aufträge der Palme,:garten-Gesellschast Frankfurt a. M. bearbeitet von August Siebert, König!. LandeS-Oekoiwmierat, Kgl. Preuß. Gartenbandirektor, Betriebsdirektor der Pal:nengartei:-Ge- sellschast. 32 Seiten mit fünf Vollbildern. Preis 25 Pfg. Gietzener Hattsfrauen-Berein» W o ch c n - K tt ch e n z e t t e l. Sonntag: Erbsmehlsuppe mit Schnittlauch, Schinkenoms- lette, Spargeln, Kartoffeln. Montag: Gerstengrützsuppe mit Spavgelbrühe, Nieren- ragout, ausgeschöpfte Kartoffelklöße. Dienstag: Buttermilchsuppe mit geriebenem KommiSbrot, K a r to fs el pfa n n ki tchen, R ha da r be r kv nrpo tt. Mittwoch: Sauerampfersuppe, Grünkernbratlinge, Römisch- kohlgemüse, Kartoffeln. Donnerstag: Kartoffelsuppe mit Möhren. Kirschen- michel *). Freitag: Bohnensuppe, Kabeljau, Kartoffeln, Senftunke. Samstag: Sanerkraut, Kartoffelbrei mit Speck- und Zwiebelwürfeln. *1 K ir sche n m i chel mit Kartoffeln: (6 Personen.) 3 Eigelb, 7* Pfund Zucker, gut aerütnt, •/* Pfund gekochte geriebene Kartoffeln, Schale einer Zitrone (oder getrocknete Apfelsinenschale, Eierschnee und 1 Backpulver unb 17s Pfund Kirschm mit den Steinen durchgemengt und gleich gebacken. *) Kirschenmickel mit Brödchen. (6 Personen.) 6 Brötchen werden abgerieben, das Innere in Milch geweicht mch ansgedrückt, 50 Gramm Zucker mit 2 Eiern gerührt, Zimt mch einige geriebene Mandeln, 1 Backpulver und 17s Pfand nicht entkernte Kirschen darunter und gebacken. ,, JP ® ir f df) e u tu i c() e I mit Grie st. 2 Liter Magermilch, V 2 Pfiuch MaiSgriest wird ziern'lich lauge gekocht, 50 Gramm Butter, 2 Eigelb, einige geriebene Ädandeln, Ziutt und Nelken, geriebene Zitronenschale, 7i Pfund Zucker, 1 Backpulver, zuletzt dm Schnee und 17« Pfund Kirschen darunter gerührt mch gleich gebacken. _ Erganzungsratsek M .. n .. ch e .. e S .. g . d . ü .. t, N . m. u . s. e. d .. L .. d .. ch a . n . . u . ü . l . t . S d . l. g . t . n, .. st . et. . ei.. f. r .. r v . cf.! Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des LogoaripHZ in voriger Nummer. Vorgang, Vorrang, Vorhang. Schristleitung: Aug. Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'icben Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen,