Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) l„Es ist An eiltem angenehmen Borrecht für mich geworden," antivortete er, „bei Ihnen die Wahrheit nicht mit einem niedlichen Mäntelchen bekleiden zu brauchen. Aber wenn ich heute währ sein will, kann ich Ihnen nur sagen, daß Sie unbeschreiblich reizend sind." „Ach, lieber Gras, lassen Sie doch Schmeicheleien, die Sie liicht gewohnt sind und mich durchaus fremdartig berühren! Es ist mir schon lieber, Die bleiben bei Ihrer alten Ehrlichkeit." „Da habe ich's. Jetzt wünschte ich Ihnen einmal etwas Nettes zu sagen, unib inut mache ich's wieder nicht recht. Mer im Ernst, Fräulein Grete: Sie sind anhaltend aus dein Wege der Besserunjgi." „Sehr verbunden, mein Herr." „Sie kehren sozusagen zur Natur zurück. Das könnte Blödsinn sein, aber es liegt doch Vernunft darin. Sie haben sich bisher zu sehr für die Etalage präpariert, für das Schaufenster dieser Welt. Da konunt das äußerlich Hübscheste hinein, der Glanz und Gleiß, der lockende Flitter' die Gediegenheit liegt weiter hinten im Laden. Die holen Sie nun langsam lvieder vor. Das Hübsche bleibt natürlich, aber es bekommt doch die rechte Füllung." „Das ist allerdings eine Zweifelhafte Schnreichelei, Sie schrecklicher Graf, aber ich nehme sie Ihnen trotzdem nicht übel. Sie haben eine eigentümliche Virtuosität, den harmlosen Nebenmenschen mit Grobheiten zu füttern — immer lächelnd und sreundlich und imnrer mit gespitzter Zunge. Also bisher hat mir die „Füllung" gefehlt — wenn ich Sie recht verstehe, die Natürlichkeit. Das bestreite ich aber. Was mir gefehlt hat, ist die rechte Erziehung. Bitte, keinen Einwnrf — ich möchte gern eininal ausreden. Ich wollte mich zwar aus ausgedehntere Erwiderungen nicht einlassen — aber nach längerer und mit Konsequenz fortgesetzter Schuhriegelei fühle ich doch das Bedürfnis dazu." „Vortrefflich; ich bin ganz Ohl'." „Als Sie mich kennen lernten, steckte ich noch in Holzpantoffeln. Geistig und auch so, und die sollten nach Mutters Willen bleiben Bei den Herrnhutern kam ein grobes wollenes Röckchen dazu, mit dem rauhen Futter der Demut und dem Besatz des rechten Glaubens. Aber die weltliche Seele blieb dock) immer in der Mitte und wollte ihr Teil haben. Und als nun die Mutter starb und Vater das strenge Gleichgewicht verlor, schnappte die weltliche Seele über. Ich bevorzuge diese realistische Darstellung, damit Sie klarer sehen Eitel war ich ja immer ein bißchen und gern oben. hinaus; nach der Kindererziehung, die sich zwischen Stall und Betsaal bewegte und der Freiheit der Persönlichkeit wenig Spielraum gab, wurde der kleinliche Instinkt zum treibenden Faktor. Wiederum realistisch ausgedrückt: das leidlich nette Mädel wurde zur dämlichen Pute." „Jetzt erhebe ich energischen Widerspruch!" rief Artorn. „Ich protestiere mit Eifer, ich führe Klage und schreie laut — ich lasse meine Freundin Grete nicht schnöde beleidigen!" „Selbsterkenntnis ist keine Beleidigung. Sie ist freilich auch nicht das höchste der Gefühle, siutemal sie gewöhnlich mit Bitternis gernenget ist, aber sie hat doch ihre praktischen Seiten. Und sehen Sie, lieber Graf..." Greto warf den Rest ihrer Zigarette in das Kantinfeuer .. daß ich bei den erwähnten Mängeln meiner Erziehung einen so gestrengen und zuweilen auch rücksichtslosen Präzeptor gefunden habe, das ist mir trotz alledeni eine große Freude ... ja, das Trotzalledem gehört auch dazu. Und deshalb verzeihe ich Ihnen alles, heimliche Kränkungen und verletzte Eitelkeit und sonstiges Dunnne, und reiche Ihnen hiermit meine Hand . . Sie gab ihm die Rechte, und er nahm sie und drückte sie herzhast, während der Abglanz eines frohen Glücks auf seinem hübschen offenen Gesicht lag. „Liebe Grete," sagte er, „in meinem ganzen Leben ist mir nicht so vergnüglich zu Mute gewesen toiie in diesem Augenblick Ich bin zwar Hofchef, aber kein Diplomat. Ich rede im allgemeinen frisch und frech von der Leber lvegi, und da glaq'be ich schon, daß ich Ihnen inanchmal ein klein wenig wehe getan habe. Böse gemeint war es nie — nein, immer gut. Auch nicht vom hohen Prüzeprorenstandpnnkt ans — Gott bewahr' mich, zum Erzieher eigne ich mich gar nicht.Sagte ich Ihnen zuweilen: das gefällt mir an Ihnen und das gefällt mir nicht, so sprach immer bloß das Herz ans mir. . . . Das Herz. . er stockte „. . ja, nämlich, das Herz — es ist eine verzwickte Geschickte . . . seien Sie so gut und gucken Sie mich eininal zwei Minuten lang nicht an, sondern schauen Sie in die Flammen . . . da grade niemand weiter int Zimmer ist, möchte ich Ihnen etwas sagen —' und weil ich kein bedeutender Rhetoriker bin, geniert nlich Ihr Auge — sonst nicht, aber letzt . . ." Es war gut, daß das Kaminsener so lebhaft ihr Antlitz überstrahlte. Sie hätte auch gar nicht den Mut gehabt, ihu in diesem Augenblick anzusehen; unwillkürlich neigte sie den Kops und senkte die Lider und hielt fast den Atem an. Er tat das nicht: im Gegenteil, er schöpfte tief und vernehmlich Atem, als wolle er sich zu einer heroischen Tat vorbereiten und begann sodann : „Alsoj, liebe Grete, nämlich was ich Ihnen' sagen wollte . ." Doch er kam nicht weiter. Max trat ein und brachte ein Telegramm. Artern riß es ihm wütend aus der Hand; noch fluchte ec innerlich, als er aber die Aufschrift las, fluchte et laut: „Herr von Velten, hier ist eine Depescl>e für Sie —* Mm Kreuzmittionendonnerwetter! . . " 310 Velten eilte verwundert heran. „Warum fluchen Sie denn dazu so erschrecklich?" fragte er. Jetzt wurde Ariern verlegen. „Es ist Gewohnheit," meinte er, „eine schlechte. Bet Telegrammen fluche ich immer." Inzwischen hatte Velten das Papier ausgerissen und ' Erblaßte. „Was gibt's?" fragte Jost. „Etwas Unverständliches," erwiderte Velten. „Lies!" Und der Prinz las vor: „Bitte Sie herzlich und drin- QC7ib, sofort zu mir zu kommen. Habe Wichtiges mit Ihnen zu besprechen. Drahtantwort, wann ich Sie erwarten darf. Annemarie." „Was soll das heißen?" fragte Otto kopfschüttelnd. Auch ihn packte auf einmal eine grimmige Angst. Woher kam sie? Er wußte es nicht. Er starrte Velten in das fahl gewordene Gesicht. In beider- Augen laa das gleiche Erschrecken. Jost lachte. „Tut mir die Liebe!" meinte er sorglos. „Ein Scherz von der Annemie. Was soll denn passiert sein? Am Mittag haben wir sie noch fidel und munter vor uns gesehen. M) bah! . . ." Velten schaute nach der Ansgabestundc des Telegramms: „Sieben Uhr fünf Minuten abends." Gegen Fünf am Nachmittag konnte Annemarie mit ihrem Gatten erst in Berlin eiugetrofsen sein. Auch Grete und Artern faßten die Nachricht keineswegs beängstigend auf. Wer Velten blieb unruhig. „Wann geht der nächste Zug?" fragte er. Otto hatte ein kleines Kursbuch in seiner Paletottasche, holte es hervor und sah nach. „Der Schnellzug drei Minuten nach Mitternacht," sagte er: „Sie erreichen ihn noch bequem und sind etwas nach vier Uhr früh in Berlin." „Gut," erwiderte Velten/„ich fahre." „Jahr los," meinte Jost heiter: „grüß mir die Annemie und sag ihr, sie tauge noch immer nichts." „Und hören Sie, Velten," fügte Otto hinzu und zog ben finster brütenden Mann etwas abseits, während er selbst die Stimme dämpfte, „ich folge mit dem Morgenzug nach. Sie wissen, wo ich wohne —i falls Sie meiner bedürfen!. . ." . Am Kamin schaden Grete und Achtern. 'Er schaute ihr ties in die Augen und sagte Milz leise, so daß es wie ein Flüstern klang: „Eh' wir auseinandergeh'n, höre: kleine Grete, ich liebe dich. Nun fürcht' ich auch dein Auge nicht mehr, aber ich spreche dennoch nicht weiter. Morgen komm' ich und hol' mir dein In. Süßer Schelm, du liebst mich ja auch!_" „Grete," rief Otto, „wir wollen anspannen lassen. Es . ist spät geworden, und ich muß früh heraus." Ein Funke sprang blitzend aus dem Kamin und aus den Kleidsnunr Gretes. Artern stürzte in die Küiee und drückte den Junten ausj. Sie sah den geliebten Mann zu ihren-' Füßen, mit) es rieselte wonnesam durch ihr Herz — wie eine warme Quellenflut, wie ein lauer Frühlingsregen, der über durstige Erde taut. Aber da war er nicht der Graf aus altein imb stolzem Geschlechte mit dein biblischeii Bor- iiamen, der sich weniger durch «Schönheit als durch vornehmen Raritätswert anszeichnete — da war er wirklich nur der Mann, beit sie Wer alles liebte, ohne den törichten Drang der Eitelkeit — aus schlicht einfältigem Herzen . . Sae nickte ihm freundlich zu und sagte ein „Danke" und gab ihm die Hand ziim Abschied. Am Drucke der Hand fühlte er daß er ihres Jaworts sicher war. Er hätte auch nie daran gezweifelt. „O diese Annemie!" rief Jost ärgerlich. „Wollt ihr mich wirklich alle verlassen?" Es half nichts. Velten hatte sich schoii empfohlen. Eva wandte sich mit einem bittenden Wort an Artern „Lieber Gras," sagte sie, es stürnit, weht und regnet und die Nacht ist finster. Das alles tut nrir nichts. Aber da Sie doch auch nach dein Schlosse müssen — wollen Sie mich geleiten?" „Wird mir eine ganz besondere Ehre sein," erwiderte Artern. . Er machte dazu ein beglücktes Gesicht; das lvar nur ein Reflex der Jubilstimmung in seiner Seele, aber es störte Jost. „Zwei Begleiter sind besser als einer," sagte der Prinz; „man weiß nicht, von welcher Seite der Wind weht; ich komme gleichfalls mit. ..." So brachen alle auf. Der Burgmüller hatte ein Coups geschickt, über dessen Eleganz Otto seine Glossen machte Noch an der Hochzeit des Fürsten Bolko war man zu Fuß nach Hause ge,gangen: Vater in seiner weißen Weste, Grete mit geschürztem Rock, Lackschuhen und blaue,: Strümpfen, Mutter in ihrem guten Seidenkleide — immer durch die Wiesen, auf denen der Tau glänzte. Heute stand ein Eoup6 vor der Tür, der Kutscher lvar galoniert und faßte respektvoll an die Krempe seines blanken Hüts. In der Halle wickelte Jost Eva in Jacken, Plaios und Kapuze; Wern stand dienstwillig daneben und wagte sich doch nicht zu beteiligen: hier hatte oer Prinz die Vorhand. Dann marschierte man los. Es stürmte gewaltig; es regnete auch wieder. Aber der Sturm fing gewissermaßen die Regentropfen auf und peitschte sie in regellosem Wirbel quer durch die Luft. Ganze Schauer von losgerissenen Blättern und brechendem kleinem Geäst prasselten herab; es ächzte und stöhnte in den Wipfeln. Eva schritt zwischen den beiden Herren tapfer fürbaß. An ihren Röcken und Hüllen riß der Wind; aus der Kapuze schaute nur die äußerste Spitze des. Naschens hervor. „Bist du auch warm?" fragte Jost. Sie nickte stumm. Aber das schien dem Prinzen nicht zu genügen. Er schob seine .Hand unter ihren Arm. Da war wirklich alles warm. Es pochte auch etwas — er spürte einen raschen Schlag wie den eines Uhrwerks. Und gar zu gern hätte er bei Sturm und Wetter gefragt: für wen klopft denn das? — Aber es ging nicht. Artern schritt nebenan, leicht vornübergeneigt und gegen den Wind ankämpfend, doch in guter Haltung — durchaus Hosches. l *. nupiiei. Ein Glück ans fliegendem Sande. Velten fuhr durch die Nacht. Er hätte eß sich im Bahn- coupe bequem gemacht, doch er schlief nicht. Der Gedanke, was Annemarie von ihm wollte, beschäftigte ihn unausgesetzt. Sicher war es möglich, daß es sich nur um eine harmlose Kinderei handelte; aber Velten war schwerblütig und plagte sich mit allerhand trüben Ahnungen. Er hatte sich auf den Polstern ausgestreckt und rauchte. Doch die Zigarre schmeckte ihm nicht. Er sprang empor, riß das Fenster auf und warf sie hinaus. Draußen psisf dev Sturm. Velten blieb am offenen Fenster sitzen; der Wind fuhr in das Coupe und zerzauste sein Haar, der Regen sprühte in sein Gesicht. Er merkte d3 kaum. In schwarzen Linien glitt der Telegravhendraht draußen vorüber, auf- und absteigend, und zwischendurch flatterte, in zerrissenen Gebilden, der weißgraue Dampf der Lokomotive. Dieses Auf und Ab und dieser zerflatterude Rauch, das schien Velten wie ein Mbild des eigenen Lebens. Aber er hatte niemals sich selbst beklagt. Und ob das, Ideal, dem er diente, einer Lebensarbeit wert lvar, auch darüber grübelte er nicht. In seiner übergroßen Selbstlosigkeit war alles in ihm hingebende Freundschaft; in seiner Liebe für Jost und Annemarie e n sichln mm e rte das Ich. Es gibt nicht viele solcher altruistischen Naturen, wie Velten es war — und das mag gut sein, denn der Wunsch, sich selbst und seine Persönlichkeit dnrchzusetzeu, bleibt die Basis für das Fortschreiten der Menschheit. Mer es lag in dem Empfinden dieses Mannes doch auch wieder jener große und zugleich rührende Zug, der die Helden des Rittertums, stark sein ließ in ihrer steten Todesbereitschaft: das Fest? bleiben in der Treue. — Ueber die Felder und Wälder der Mark dämmerte grau und trübe der Morgen herauf. Noch immer saß Velten am Fenster seines Eoupös und starrte in die vorüberhuschende Landschaft, die im fahlen Licht des neuen Tages ihre kargen herbstlichen Reize zeigte. Den Mäzen Himmel verhängte dunkles Gewölk, nur im.Osten lag ein hellerer Streifen über dem Horizont, ein gelber Strich über mattem Schwarz Unaufhörlich pfiff die Lokomotive. Züge braustell vorüber, die Stationen rückten näher aneinander, in der Ferne tauchte die Großstadt auf, ein brauendes Meer, von Lichtpunkten durchsetzt, darüber der tiefhängende Himmel, wie die Soffitten über eiirer Bühnendekoration. Velten begab sich vom Bahnhofe ans in das nächst- gelogene Hotel, uahni ein Bad und ein hastiges Frühstück und wartete dann die Stunde ab>, zu der er meinte bei Annemarie vorsprechen zu können. Gegen Acht hielt ihn seme Ungeduld nicht länger zurück; er warf sich in eine Droschke und fuhr nach der Boßstraße. (Fortsetzung folgt.) 311 Die Seeschlacht -es Kapitänlcutnants Iwan Gabrilow. Von Alfred Br at 1. (Nachdruck verboten.) Tie erste Seeschlacht, die der kaiserlich-russische Kapitänleutnant Wan Gabrilow mitmachte, war auch seine einzige. Ein zweites tal dürfte Herrn Gabrilow kaum Gelegenheit geboten werden, an einem Gefecht aktiv teilzunehmen. Das heißt — in Rußland kann man ja nichts mit Bestimmtheit wissen .... Wie die Angelegenheit, die an den offiziellen Stellen streng geheim gehalten wurde, dennoch durch die Indiskretion einiger Kameraden Iwan Gabrilows in russischen Marinekreisen bekannt wurde, brauchen wir nicht näher aus zu sichren, da ioir nicht ebenso geschwätzig sein wollen, wie die besagten Herren. Darum nennen wir den Helden auch Iwan Gabrilow, trotzdem er in Wirklichkeit einen anderen Namen trug. Das Abenteuer an sich erscheint uns aber psychologisch interessant und auch bezeichnend genug, um in Kürze wiedergegeben zu werden. Iwan Grabilow entstammte einer ziemlich angesehenen, nicht sehr vermögenden Familie in Südrußland. Seine Mutter war eine Petersburg erin, eine Vertreterin jenes Frauentyps, dessen Herkunft mit einen: ebenso geheimnisvollen wie nicht ganz reinlichen Schleier umgeben zu sein pflegt. Sie hatte Locken von jener mild leuchtenden blonden Farbe und Angel: von jenem sanften Blau, wie man es manchmal bei Großstadtkindern findet, deren, Blut und Seele von den schreckhaften Berührungen mit der Tiefe dunkler Borstadtviertel angesteckt wurden. Aber der schöne Gre- gvrjewitsch Gabrilow, Iwans Vater hatte sich in dieses Mädchen verliebt Und sie ohne lange Ueberleg:mg geheiratet. Ter frühe Tod der Frau veranlaßte Gregorjewitsch. in seinem Beruf als Seeoffizier in den Wirren des russisch-japanischen Krieges Vergessen zu suchen. Er fuhr mit dem berühmten Geschwader des Admirals Rosch- destwcnsky aus unb blieb wie die meisten seiner Unglücksgenossen auf ewig in den unergründlichen Gewässern des fernen Ostens. Iwan war zu jener Zeit noch ein Knabe und besuchte die russische Marineladetten-Schule. Mit dem schwermütigen Gemüt des Vaters !u. dem verderbten, durch Proletariergenerationen geschwächten Blut der Mutter behaftet, ging Iwan schweigsam und schwäch- lich den herköinmlichen Weg. Er war der letzte seines Stammes, Und das furchtbare Ende seines Vaters schwebte wie ein Gespenst v»n schreckhafter Vorbedeutung über seinen: Haupte. Ms mit Kriegsansbnich ein Regen ebenso dringlicher wie leichtfertig vorgenommener Beförderungen die russische Marine beglückte, kam auch Iwan über Nacht auf der Rangstaffel vorwärts. Er nahin dieses Ereignis, wie er eigentlich alles im Leben nahm: gleichgültig, ohne sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen, mit einen: befangenen, fast furchtsame:: Lächeln. Mit einer Anzahl gleichaltriger Kameraden nach der russischen Kiistenfestnng X versetzt, durchlebte Iwan Monate bangen Harrens, deren nervenzersetzende Einförmigkeit durch anstrengende Trinkgelage nur noch empfindlicher gemacht wiikde. Man war in ständiger Erwartung des Feindes, man schoß aus Molken,' die man für Luftschiffe hielt, und auf Schifferfahrzieuge, in denen man feindlich Patrouillenboote zu erkennen glaubte. Tie ganze Besatzung der Festung war durch das einige Warten, durch Alkohol, Weiber^ ein schlechtes Kommando und das bohr eiche Geflihl der Unsicherheit in eine nicht gerade vorteilhafte Verfassung des Körpers und Geistes geraten. Nach sechs dieser Art durchlebten Monaten ward Iwan die Ehre zuteil, als kommandierender Käpitänlentnant ai:s ein kleines Torpedoboot ältester Konstruktion zu kommen. Eine Anzahl von Offizieren hatte sich durch gute Verbindungen von derlei Befehlei: zu schützen gewußt, außerdem war das Boot ivie gesagt, alt und nicht gerade mehr sehr kostbar. . . So war die Berufung Iwan Gabrt- loivs durchaus nichts Erstaunliches. Zuerst legte Iwan in seiner neuen Stellung einiges Interesse an der: Tag. Ms er aber die Mannschaft besichtigt und den lästerlich traurige:: Zustand des Bootes festgestellt hatte, fiel er in seine gottergebene Stumpfheit zurück. Doch bei bei: einsamen und int flatternden Nebel schauerlichen Streiffahrten, die er nunmehr Nacht für Nacht unternehme:: Mußte, begann eine ganz seltsame Empfindung sich seiner zu bemächtigen. Gr ward Voi: einer Art gespenstischer Erregung ergriffen, die durch die unablässig bohrende Erinnerung an seine hohle Jugend immer heftiger wurde. Und dann kam noch etwas: wenn Iwan nachts auf der Kommandobrücke staiw, um sich die alles verhüllende, lauernde Dunkelheit, über sich den geisterhaft zerfetzten Wolkenhimmel, unter sich die Planken des aus betrügerisch morschem! Miaterial gefügten Schiffes, glaubte er die unsicher verschwimmende Gestalt des Vaters vor sich auftauchen zu sehen. Unb eines NachA begriff er, daß diese Visionen bedeuteten, daß er als ein Opfer seines Blutes und der herrschenden Käste wehrlos einem furchtbaren Ende preisgegeben sei. Von da ab hielt Iwan sich noch verschlossener und in Dumpfheit befangener als je zuvor Er sah sein «ganzest Leben als ein Symbol: er selbst, der Letzte einer Hoffnungsleeren Rasse, war das russische Volk, das zu stumpf gelben ist, um sich anfzulchnen: der Krieg, das ivar das Verhängnis des M:ches: und das von der Geivinnsucht schwindelhafter Lieferanten zerzauste Boot war das Sinnbild des herrschende,: Geistes In dieser Stimmung fuhr Jivan eines Abends ans, um eine befohlene Erkundung durchzuführen. Von ungenannter Stelle war die Nachricht gekommen, daß der Angriff einer deutschen Flottille zu errvarten sei. Das russische Geschwader blieb gefechtsbereit im Hafen. Iwans Boot und noch drei andere Torpedoboote wurden in die brausende See hinauZgesandt, um das Herannahen des Feindes ausznspüren. _ > Tie Nacht war von Wolken durchjagt, von Regen durchsprüht, voi: Sturm durchheult. Hohe Wellen warfen das Boot hti: und her, daß es in seinen brüchigen Fugen krachte. Ter Nebel wurde dicht wie ein Tuch und lieh nicht oie Hand vor den Angen er- kennen. Ter Mond verkroch sich hinter dunklen, gezackten Ungetümen. Und aus jedem sausenden Sturmton glaubte man ein drohendes Signal zu vernehmen, in jedem Mrsserherg von Gischt und Schann: glaubte miau bei: gefürchteten Mfaßlichen, unerforsch- lichen, verderbenbringenden Feind zu erblicken. Ter Kapitänleutnant Iwan Gabrilow tappte auf dein Boot umher, um ordnungsgemäß zu inspizieren. Tie Mannschaft ivar stumm wie er selbst. Die Gesichter waren unnatürlich bleich, iuv- wirklich und verzerrt. Man ahnte Flüche, ohne sie zu hören. Tie Geschütze waren feuerbereit. Tie Lichter waren abgeblendet. Der Ä'male Rumpf des Bootes rollte schwer: bald schien er nach Steuerbord, bald nach Backbord zu kentern, richtete sich jedoch stets wieder auf unter dem treibenden Truck der Maschinenkraft . . . Im Kesselraum, in dem die Lust vor Hitze sichtbar zu stehen schien, schwangen fettriefende Kolben um rottierende Radachsen, der Hochdruck steigerte die Energien bis zur Grenze der gewaltsamen Entladung, die Glühkohlen stürzten lohend zwischen die Eisenplatten der Heizwände, die Verschlußschrauben, Rohre und Ventile sangen von gesättigten: Widerstand. Es sang überall aus diesen von' Feuerreflexen und Oelgestank umdunsteten Metallteilen: ans den: Wirbeln der Achsen, dem Aneinandergleiten polierter Eisenteile, ans dem explosiven Schnauben in dem Dampfbehälter, aus dem Prasseln in den Kohlenfängen: aus allen Ecken, Tiefen und Fugen des stöhnenden Schachtes tönte und sang es. Aber es war kein ftoher, wild-heißer Gesang: es war mehr ein Rütteln, Zischen :md Röcheln, der Sackg einer schlechten, ungepflegten, fehlerhaften Maschine.. . Iwan Gahrilvw war wieder auf Teck geklettert und stand auf dem durch die heftige Schlingerbewegung schwingenden Kommändo- steg. Ter Luftzug zerrte an seinen: Oelzeug und fegte sein Haar unter der Mütze hervor. Eiseskälte sprühte ihm ins Gesicht und blieb wie taufend spitze Splitter in der Haut stecken. Er hatte die Arme gegen eine Eisenstange gestemmt und starrte in die Brandung, die das Boot hoch warf und dann einen gärgelnden Abgrund aufriß, um es in die Tiefe zu schlingen. Stunde um Stunde verging. Ter Sturm blieb Sturn:, die Gischtkämme blieben schäumendes Wasser — der Feilid war nicht zu sehen. Mer je mehr die Zeit verrann, je unduxchdringlicher der Nebel wurde, desto bestimmter meinte Iwan Gabrilow die todbringende Nabe des Feindes zu verspüren. Tie wirxen Gedanken zuckten wie Schwefelblitze in seinem gepeinigten Hirn, er witterte, und wußte nicht was. Er ließ den Kurs ändern, fuhr' kreuz und quer, bis vom Steuermann zum' letzte:: Maat niemand mehä- Bescheid zu wissen schien. Es war, als'stampften sie führerlos, wehrlos durch die Unendlichkeit. Und da begann Iwan plötzlich nachzudenken. Es war lange her, daß er dies nicht so kaltblütig mrd logisch getan hatte. Er dachte an die Eltern, an den ertrunkenen Vater, an das verzehrte, erstarrte russische Volk, an sich selbst ar: Bord des Bootes, und er schüttelte stumm den schmerzenden Kopf. Und dann packte ihn jäh der heiße Wunsch, jetzt, gerade jetzt der erivarteten Gefahr zu begegnen, um zu käntpfen und zu sterben, um nur einmal in seinem Leben wirklich etivas zu tun. Und in: nächsten Augenblick schon tauchten aus der Nacht schwache Licht- streifen auf. Jetzt... jetzt ist's so weit, dachte Jwair mit einer Art selbstmörderischen Triumphes. Und er glaubte köstlich berauscht zu sein, als er den ersten Befehl zum Feuern gab. Es war ein heftiges, ununterbrochenes, biatterndes Fechten. Das Boot wurde mehrmals getroffen und begann zu sinken. Und Iwan bebte in seinem Rausch, als es sank. Tann aber ertönte aus der gegnerischen Seite eine donnernde Explosion. Und in der Feuergarbe, die zum Hin:Mel emporstieg, erkannte Iwan das brennende Yldmiralschiff des russischen Geschwaders, den russischen Hafen.'... Aus Jrrtvegen zurückgekehrt, hatte er die eigene Macht für den Feind gehalten, und der Ge-- schwaderbesatznng war es ebenso gegangen. Wieder tauchte alles in Dunkel, n::d als Iwans Körper das Wasser berührte, hatte er zum ersten Male das heiße Bewußtsein, ein lebender Mensch z:: sein. ... Ter merkwürdige Kaiirpf Rußlands gegen Rnßlaiid batte mit dem Untergang des Torpedobootes und mit einer schiveren Explosion an Bord des Admiralschiffes geendet. Iwan Gabrilow aber war es nicht beschieden, unterzngehen. Er wurde gerettet und kam vor das Kriegsgericht, das ihn in den Kerker nach Schlüsselbnrg schickte. Und als die Türe der Zelle in der düsteren Schlüssellmra hinter Iwan zuftel, seufzte er erschöpft und befreit auf, in dem Gefühl, endlich von der Welt geschieden zu sein, die er niemals verstanden hatte und niemals verstehen ivürde. .. 312 Farnkräuter. Als> nach den ersten Schöpsungsta-gen das grobe, lebenspendende Licht die Nebelhülle durchbrach, schloeblen lÄigel, beladen nftt Blumen, ai[$ eiltet anderen Welt herab auf die junge, von frischem Grün geschmückte Erde. Jeder Baum und Strauch, ein jedes Kräutchen und Grashälmchen empfing als Patengeschenk einen Mütenschmuck mit auf den Weg zum neuen Erdendasein. Die auf den hohen Bergen wohnten, wurden, weil sie dein Himmel am nächsten waren, zuerst beschenkr. Vielleicht sind darum die Bergblumen heute noch so unendlich frisch und rein in der Farbe. Ueber Matten und Täler, Wiesen und Wälder schwebten die G-ottesboten und streuten ihre Gaben mit vollen Händen aus. Der Kirschbaum erhielt ein weißes Gewand, der Kastanienbaum seine Blütenrerzen. Dem Tausendschön ward ein Kränzchen auf das goldige Köpfchen gescßt und das Wunder Veilchen bekam außer seinem hellblauen FrühlingMeide noch ein grünes Sommerkostüm. Ja die Wiesen- rannel durfte sich rühmen, deren vier zu besitzen, ein iveißeS, rotes, violettes und blaues. Aber immer noch ivaren die Korbe fast randvoll. Da griffen die Engelsbände tiefer in die duftigen Gaben und streuten Purpurglöckchen über die Heide, bis sie in der Farbe des Abendrotes erglühte. Nachdem Mich der letzte Vorrat an die Herbstfluren verteilt worden war, wandten die Engel sich wieder der himmlischen Heimat Zu. Als sie aber nach der blumengeschnückten Erde zurückblickten, zerflossen im hellen Sonnenschein die Reste der Nebelschleier, die bisl-er noch im tiefen Dunkel der Wälder und in den feuchiten Schluchten und Schrunden der Berge hängen geblieben waren und eine große Menge taufrischer Pflanzen mft zierlich geschlitzten, zum Teil schneckenförmig eingerollten Wedeln kam zum Vorschein, die bei der Blumenspende übergangen worden war. Erschrocken über ihre Unachtsamkeit traten die Engel weinend vor den Thron des Allmächtigen. Er aber sprach tröstend zu ihnen: Jene Krauter, die ich oor eueren Augen verborgen hielt, bedürfen des Blüten-« schmuckes nicht Ich habe ihren Zweigen die Anmut der zarten Blüte, ihrem Wuchs die Schönheft der Palme gegeben. Wenn ich den Menschen schaffen werde, wird er mein Werk auch an diesen Gewächsen erkennen und preisen. F. Rehnelt. Vüchertisch. — Unter dem L 11 e l „D i e Fünfzig Bücher- erscheint im Berlage Ullstein & Eo., Berlin, eine neue Bücherreihe, zierliche Bändchen, mit künstlerisch abgestimmtem, farbigem Umschlag, der ein nach dein Inhalt wechselndes Bftdmotiv trägt und die Freude jedes Bücherliebhabers erwecken soll. (Preis je 50 Pfg.) Sechs bis sieben Bogen Text haben die Werke, die hier geboten werden. Versprochen wird eine Auswahl dichterischer Prosa, Neudruck von Briefen, Tagebüchern, Memoiren, eine Bibliothek des Schönen und Denkwürdigen aller Zeiten. Neben dem Ernst des welthistorischen Geschehens will die Sammlung den Humor betonen, neben den großen Angelegenheiten des Staates das rein Menschliche der Einzelpersönlichkeiten und des gesellschaftlich-kulturellen Lebens. Deutschland und Deutsch-Oesterreich mit der Vielfältigkeit seiner Sonderarten und der nahe Orient werden bevorzugt sein. Den Anfang macht ein Bändchen „Paris 1 3 70/71", das, in den Tagen des Weltkrieges reizvoll aktuell, Stimmen aus der von den Deutschen belagerten Hauptstadt Frankreichs wiedergibt. Es enthält die Berichte der vornehmsten Geister, wie Victor Hugo, Zola, Goneourt, über die nationale Katastrophe, und es läßt erkennen, wie sehr das Geschlecht von 1870 in seiner Fähigkeit, durch trügerische Illusionen der gallischen Eitelkeit zu schmeicheln, den Franzosen von heute verwandt ist. Zwei Herrscherbildniste schließen sich an : „Der junge Fritz in Rheinsberg", eine entzückende, aus den originalen Briefen an Voltaire, Grumbkow, die Markgräsin Wilhelmine u. a. zusammengesetzte Darstellung der glücklichen Welt, die der Kronprinz Friedrich von Preußen in seinem Rheinsberg sich schuf, und aria Theresia", geschildert durch den Abdruck ihrer zärtlich sorgenden Familienkorresvondenz, ihrer Briese namentlich an Marie Antoinette und den Kaiser Joseph, mit kleinen Szenen vom Wiener Hof und auS Schönbrunn als Hintergrund. In dem Bande „Berliner Novelle n" sind drei der berühmtesten Erzählungen von E. T. A. Hoffmann vereinigt; sie zeigen das phantastische Dichtertum des preußischen Romantikers und das von seiner schrullenhaften Laune heraufbeschworene, altväterisch-philiströse Berlin zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Band „Oesterreich i s ch e Novelle n" enthält vier Meisterwerke, Grillparzers „Armen Spielmann", Friedrich Halms „Marzipänlise", Stifters „Bergmilch" und Kürnbergers „Braut des Gelehrten"; gemeinsam ist ihnen die poetische Stimmung, die österreichische Landschaft, gemeinsam die hohe Kultur der sprachlichenForm. Aus dem H e r o d ot stammen die „Orientalischen Königsgeschichten, die ewig jungen Sagen aus dem Kindesalter der Völker, in denen Märchen und geschichtliche Wahrheit rätselvoll zusammenfließt. Jeder Band hat eine Einleitung; die Vorworte zu diesen sechs ersten sind versaßt von Karl Scheff'ler, Walter von Molo, Stefan Großmann, Franz Leppmann, Felix Salten und Paul Erust. — Waldemar BonselS: Die Heimat des Todes. Empfindsame Kriegsberichte. Verlag Walter Schmidknnz, München, 1916. In Umschlag von Paul Neu. Mk. 1.—. - Deutscher Wille (K u n st w a r t). Erstes Juniheft 1916. (Kriegsausgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3 Mk- Verlag von Georg D. W. Eallwey, München.) Das Heft wird mit einem Pfingstanfsatz von Professor D. Friedrich Niebergall über daS uralte Thelna „Wiedergeburt" eingeleitet. Der zweite Aufsatz „Und immer wieder: Wucher" von Dr. Wilhelm Stapel untersucht, wo eigentlich die Triebkräfte des Wuchergeistes stecken. — Wolsgang Schumann nimmt in einem Aufsatz „Inm Kampf uni das Gymnasium" Stellung zu der viel umstrittenen Bedeutung der alten Sprachen für unsere allgemeine Bildung. Den Schluß des vorderen Teiles des Heftes bildet eine Auseinanderseßung von Bonus mit der Deutschen Christlichen Studeuteuvereinigung und von Stapel mit dem Evangelischen Preßverband, beider unter dem Titel: Christliches und „Christliches". - Die Weltliteratur, die jeden SamStag einen der besten Romane und Novellen aller Zeiten und Völker für 10 Pfg. in guter Ausstattung bringt, hat zu ihrer letzten Veröffentlichung Nr. 25 die für Adalbert' Stifters Kunst besonders bezeichnende Novelle „Der Waldsteig" geivählt. Die Weltliteratur, die ün Verlage der Weltliteratur, München, Färbergraben 7, erscheint, ist jedermann zu empfehlen. - Der siegreichen Seeschlacht gegen die englische Flotte vor dem Skagerrak ist die neueste Nummer 3807 (Kriegsnummer 99) der Leipziger „I l l »l st r i e r t e n Z e i t u n g" (Verlag I. I. Weber) gewidinet. Claus Bergen zeigt Matrosen eines deutschen Großkampsschiffes beim Sammeln von Granatsplittern während der Gefechtspanse, ferner Offtziere eines deutschen Großkampsschiffes aus der Kommandobrücke bei der Beobachtung des Unterganges englischer Schiffe. Eine bemerkensiverte Schöpfung hat derselbe Künstler mit der doppelseitig wiedergegebenen Zeichnung geliefert: „Die deutschen Großkanipfschiffe gehen während der Tagesschlacht am 31. Mai bei HornSriff in Kiellinie znm Angriff vor." Professor W i l l y Stö w er ist mit zwei wirkmigsvollen Blättern „Deutsche Panzerkreuzer im Kamps mft englischen Schlachtkreuzern" und „Der deutsche Torpedoangriff aus das Gros der englischen Schlachtschiffe am Abend des 31. Mai" vertreten. R. Schmidt-Hamburg zeigt deutsche Kleinkreuzer zu Beginn der Seeschlacht beim Verfolgen englischer Kreuzer der „Calliope"-Klasse, Felix Sch worin st ädt das Lecksegelziehen aus einem havc^ rierten deutschen Torpedobootzerstörer, sowie die Rettung von Mannschaften eines untergegangenen englischen Schiffes durch ein deutsches Torpedoboot. Kurt H a s s e n k a in p führt in Streubildern unsere blauen Jungens an Bord mährend des Gefechts vor. Des allgemeinen Interesses sicher ist auch eine Zeichnung, aus der die Ausstellung der deutschen und der englischen Streitkräfte am Nachmittag des 31. Mai ersichtlich ist. — In der Nummer finden wir »veiter ein Porträt des Kaisers als Schöpfer der deutschen Flotte in Tiefdruck, die Porträts von Admiral Scheer (neueste Ausnahme) und der Großadmirale von Tirpitz und von Köster, Abbildungen der vernichteten englischen Schiffe, Aufnahmen von der Beerdigung der Gefallenen in Wilhelmshaven und vom Empfang der Skagerraksieger dilrch den Hamburger Senat. Aus der Höhe des bildlichen Teils der Nummer sieht auch der textliche. „Englands Prestigeeinbußen während des Weltkriegs" behandelt Gras E. Reventlow. „Die Schlacht vor dem Skagerrak" schildert Kontreadnilral z. D. Schlieper. Einen interessanten Vergleich zwischen „Trafalgar, Tsuschima und der Maienschlacht vor dem Skagerrak" bietet Kapitän zur See z. D. v. Kühlwetter. Ueber „Die Seeschlacht von heute" plaudert Kapitän H. Mcftdeyer. LogogrLph. Umwandlung, Werden und Entsteh'«, Verderben oder Untergeh'n, Kurz, was auch immer sich ereignet, Man diwch ein Wort mit „g" bezeichnet. Wirddrin^l „r" zu finden sein, So ÄH“ ou’S wohl den Damen ein; Und soll ich dir Thalia zeigen, So muß mit „h" es aufwärts steigen. (Auflösung in nächster Nummer) Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer i Im Hause, wo die Gattin sicher ivaltet, Da wohnt allein der Friede, den vergebens Im Weiten du da draußen suchen »nagst, Unruh'ge Mißgunst, grimmige Verleumdung, Verhöhnendes, parteiisches Bestreben, Nicht wirken sie auf diesen heil'gen Kreis. Vernunft und Liebe hegen jedes Glück, Und jeden Unfall mildert ihre Hand. Goethe. Schrlstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen.