hat ihr ist eine Fräulein Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) >,Jawohl, Papa," entgegnete Harro. „Sie ,7.Eorexamell zugleich mit Jost Feinacht. Das ^b^udschast. Sie duzen sich alle, Vornamen^"' ^ elten ~ alles duzt sich und nennt sich mit „Hm," machte der Alte, „und doch — tipptopp?" y »er ja," sagte Prinz Emil und mußte unwillkürlich Schelm „Fräulein Storm giti als Gast Lilians und wohnt un Schlosse. Tipptopp durchaus. Idealste Beziehungen. Sie kennen nur den Weiheknß der Wissenschaft..." Er suchte nach entern Scherze. Plötzlich rückte der Herzog an feinem Stuhl. Beschwer- Uch wandte er den Kopf ein wenig im Nacken. Er hatte ein leise glucksendes Geräusch hinter sich vernommen und sah nun Bozen Hardt, der stramni hinter dem Fahrstuhl stand, Abr seiner Nahrung nicht mehr Herr werden konnte. Er Muate unaufhörlich, so daß der dicke Adamsapfel an seiner Kehle in ständiger Bewegung war; die Tränen liefen ihm über dre blaue Nase. der Herzog, „was jaulst du ^ozenHardt schluckte wieder und stammelte: „Ich tu' man bloß so, Euer Durchlaucht zu Gnaden.. fuhr der Me fort; „das ganze „Wisch dir die Nase, Halstuch betrippt dir ja ... .^horsam fuhr Bozenhardt.in die Tasche, sein Sacktuch er ^ ® ite nahm DcHerzog lachte. Dieses kurzen fröhlichen Lachens Irr? die zugegen waren, noch lange. Nun lachtt oet Alte nicht mehr. Er wurde plötzlich sehr ernst nü? s r?n ^ise vor sich hin, an keinen gewandt, wie zu sich selbst: „Der alte Büffel heult. Das gilt dir Otto. Meiner Durchlaucht gilt's. Die Klageweiber beginnen.. Er schwieg lange Zeit. Keiner sprach. Das Gesicht des Herzogs veränderte sich zusehends. Es wurde länger und sriedevoll. Das Auge blieb offen; es zogen ganze Bilder- ftan an “hi,' r ' l ‘ äui i tc ou§ der Jugend nahmen Ge- öie 3E lreb de Frau kain und küßte ihn, er trat an rhreii Sing und legte eineii Kranz von Teerosen auf das tÖL!?? ® r J aT; b i s Schlachtfeld vor sich und breit- zerstöbe?,rcht^uer derenFünkeitschleier im Dunkel der Nacht »Mucken des c,l,zischen Taurus nnten in gm natischen Türkei und die Morgensonne über den wieder^D^^^^ ar f üor ihm auf und verging wieder. Da stand er mitten rm brausenden Leben der Uni .^rsckat, schon an der Schivette des Greisenalters, aber noch von Eiferndem ewigen Geheimnis nachzuspüren, das seine fiebernde ^-eele bedrängte; da stand er wieder im Thron,- “ em kaiserlichen Herrn, und um ihn schinnnerte das Gold der Uniformen. Er ritt über die Felder im Maien, die Lerche sang und der Roggen grünte, und am ^ilege standen die Kjrschbäum« in weiß blühender Pracht: er Jazik am Brunnen in Karlsbad und sah Erröte» seiner Tochter Elise beim Anblick des stattlichen Russen; er hob den Stock gegen Bozenhardt, er weihte ein Johanniterhospital ein, er schwang die Prasi- dentenglocke rm Herrenhause:... Es waren Gesichte, die' kamen und gingen. - ^ Auf einmal hob er deit Kopf. „Das Testament", sagte er. Es klang gurgelnd. Einil sprang ans und gab ihm beit kleinen Band des Neuen Testa,nents, der aus dein Tisch lag. Es war eiir Lesezeichen darin, ein Stück Silberkanevas, ans das mit roter Seche ein Kreuz gestickt war: ein Geschenk der jüngsten Entelin an den Großvater. Der Herzog schlug mit zitternder pand die «eite ans, die bezeichnet ,var; Emit nahm das Testament und begann mit fester, lauter Stimme die Bergpredigt zu lesen. ö ?'-? !f ei > e » Wchen ging durch die Natur; ein schwacher Wind Hub an. Biint gefleckte Blatter flatterten durch die Luft; e,n leeres Vogelnest fiel von einem der großen Bäume vor der Veranda auf die Erde. Am Ende der Allee zelgte sich ein dunkler Punkt; es mar der Gärtner, der den Weg fe tte : ducken über die Birken, deren feines Geäst sich schon schwärm'" bl«"- vnnmel abzeichnete, zog ein Krnhen- bm nicht gekommen, aufzulöseii, sondern zu er- las Prinz Ein, . Da stockte er. Er fühlte die bcbende vand seiner Gattin auf seinem Arm. Sie deutete auf den verzog. Der Kopf des Alten war vornüber geneigt, die Brust Artete schwer und röchelnd. Plötzlich entsank ihm der Krückstock und fiel zil Boden. Entsetzt war Harro anfgesprun- ^^?wd wmkte den Aerzten. Sie traten herzu und winkten gleichfalls. Ev war kein Hoffen ineh'ck. Doch in einem hatten sie sich getäuscht. Nicht rasch kam der 2wd. Langsam , hatte der Alte den bitteren Kelch zu • Ein tiefes Schweigen herrschte. Man hörte nur das Röcheln des Sterbenden und hin und wieder ein Herbst rauschen nt den Blättern. Emil und seine Gattin lagen in den Knien., auch Bozenhardt; Harro stand aufrecht, das ernite Gesicht wie von Eisen, bewegungslos. Nur einmal erhob er die Hand. Am Fuße der Berandatreppe hatten sich Leute versammelt' das'Gesinde kam, den Herrn sterben zu ehen. Em innges Weib, eine der Küchendirnen, schluchzte w laut, daß Harro lote mahnend die Hand erhob. Kein Laut w lte Pen Todeskamps des Herzogs stören. Da fiel auch nnten olles in die Kme. * 286 ^Int Himmel zerrann das letzte Wolkcnweiß. 'Nun lag er in ungetrübtem Glanze über der Welt und die Sonne umspann ihn völlig mit ihren goldenen Reisen. Em Pfau schrie in der Ferne. * Das Begräbnis in Emskirch war vorüber, eine große Feier, von der man noch lange sprach. Vor dem Mausoleum, dessen grünes Eisendach mit dem goldenen Kreuz sich unter bcn Wipfeln der Schwarztannen versteckte, drängten sich die Menschen'— eine ungeheure Fülle, die sich von nah und fern eingefunden hatte, aus allen Gesellschastsschichten, der Vertreter des Kaisers, ein Prinz aus dem regierenden Hause, und das kleine verhutzelte Männchen, das in Dombach die Kühe auf die Weide trieb. Schulter an Schulter berührten sich die Gegensätze. Unter dem trüben Grau langschleppender Regenwolken schwirrte es bunt durcheinander: Offiziere aller Waffengattungen, Johanniter, Hofchargen, Professoren der Breslauer Universität, das gesamte Beamtenpersonal der Emskirchschen Güter, Leute in grüner Jägertracht, Bergknappen in schwarzer Kleidung, bäuerliches Volk, Tagelöhner, Damen der Hofgesellschaft und schlichte Arbeitsfrauen. Es hatte leise zu regnen begonnen. Schirme wurden aufgespannt, man warf die Mäntel über; ein dicker Gutsbesitzer versuchte im Schutze seines Hutes ein Streichhölzchen zu entzünden, um sich eine Zigarette anzubrennen; die schwarzen Schleier der Damen wehten im Winde; eine Kammerzofe kniete vor ihrer Herrin nieder und steckte ihr die Schleppe auf, die im. Gedränge abgetreten worden war. Man sprach in gedämpfi- tem Tone; das Stimmengeräusch schwirrte aus und nieder, als höre man es aus der Ferne; nur dann und wann erscholl ein lautes Wort, der Befehl an einen Diener, ein rascher Anruf bei unvermutetem Wiedererkenuen, eine lebhaftere Begrüßung. Von der Dorfkirche herüber erklang das Geläut der Glocken. Vor dem Parkeingang hielt eine endlose Wagenreihe. Gruppen vereinigten sich, man drückte sich die Hände und nahm raschen Abschied voneinander. Hier ging es lauter zu. Man rief nach den Kutschern; schimpfende Stimmen ertönten, die Pferde wieherten, es kläfften die Hunde. Der Regen fiel stärker. Die offenen, zum Teil mit Krepp ausgefchlagenen Wagen wurden hastig geschlossen; die Damen rafften ihre Röcke zusammen: galonierte Diener eilten hin und her. Eine Deputation der Königskürassiere trat unter dem Kommando eines baumlangen Leutnants mitten auf der Straße zusammen. Jost hielt Annemarie und Kola zurück. „Wollt ihr nicht wenigstens einen halben Tag in Gotternegg bleiben?" fragte er. „Es geht nicht, Jost," antwortete Kola, seinen Mantelkragen emporschlagend, „der verdammte Dienst . . ." Annemarie lächelte und neigte den Kopf mit dem von Schleiern umwallten Trauerhut zu Jost hinüber. „Es ist nicht so schlirmn," flüsterte sie; „ich glaube, Kola möchte ein Zusammensein mit Lilian vermeiden. Er hat noch immer eine kleine Passion für sie. Er ist ein lieber Taugenichts. Aber ich erziehe ihn mir..." Dann schaute sie sich suchend um. „Ist denn Velten nicht hier? Ick) hätte ihm so gern die Hand gedrückt!..." Er drängte sich soeben an einem Kreise jüngerer, vor einem sehr alten General salutierender Offiziere vorbei. Im Mausoleum hatte Belten nur flüchtig über die Schultern der vor ihm Stehenden hinweg das Gesicht Annemaries sehen können, von Tränen überflutet und halb unter dem schwarzen Schleier verborgen, der tief, über die Stirn siel und auch über das Kinn gezogen war. Jetzt suchte er nach ihr; er verzweifelte fast daran, sie in dem Gewühl der hastig ausbrechendeu Menschen noch zu finden, bis er plötzlich den grauen Kalpak mit dem Reiherstutz des in Uniform erschienenen Kola sah. „Fürstin!" rief er, Durchlaucht... o wie freue ich mich," und er beugte sich über die ihm entgegen gestrebte Hand und küßte sie. „Mein lieber Velten —" lieber Freund," entgegneto Annemarie herzlich, da kann ich Sie doch wenigstens ans einen Augenblick sprechen..." Es war wirtlich nur ein flüchtiger Augenblick und es waren gleichgültige Worte, die sich die beiden Menschen unter dem unaufhörlichen Hin- und Hersluten der Menge sagten. Velten hielt seinen Regenschirm über Annemarie; sein Herz klopfte stark und sein Auge versuchte in ihren Zügen zu lesen. Ihr Gesicht wär ein wenig blaß, die Lider waren noch von den Tränen gerötet, aber der ganze Ausdruck zeugte von .Harmonie und Zrt- sriedenheit. . . Fürst Kola drängte. „Dnschinka," sagte er, „fei mir nicht böse — wir müssen uns beeilen, wenn wir den Zug erreichen wollen..." Sie drückte rasch noch einmal Veltens Hand, neigte den Kopf ein wenig vor und slüsterte: „Ich bin so glücklich so glücklich, lieber Freund..." Das war das letzte frohe Wort, das er von ihren Lippen hörte. — Graf Harro hatte Lilian an ihre große und schwere Kutsche geleitet, von deren Verdeckecken lange Tranerslore herabsieleu, die der Regen gegen das lackierte Leder schlug. „Fährst du nach Dombach zurück, Vetter?" fragte die junge Frau. „Ja, Cousine. Emit und Hanna haben das Bedürfnis allein zu sein. Uebrigeus habe ich eine Bitte an dich. Kann ich mit dir über Gotternegg fahren? Ich habe nur einen. - offenen Wagen da, und der Regen scheint sich noch mehr ein- zuspiunen." „Aber gewiß < ich freue wich über die Begleitung," ent- geguete Lilian, während Harro seinem Diener einen Befehl zurief, sodann der Fürstin in die Kutsche half und selbst ihr gegenüber Platz nahm. Die Unterhaltung während der Fahrt war anfänglich ausschließlich dem Verstorbenen gewidmet, dem auch Lilian eine große Verehrung entgegeugebracht hatte. „Wir mußten uns erst nach und nach keuneu lernen," sagte sie, „es ging mir mit ihm wie mit der ganzen Familie: ich mußte gewissermaßen schrittweise versuchen, an .Terrain zu gewinnen. Und gerade bei dem .Herzog war das nicht so leicht. Er kam mir mit offensichtlichem Mißtrauen entgegen; diese — Geldheirat Bol kos paßte ihm durchaus nicht. Aber es war weniger die Mesalliance der Geburt, die ihn störte, als der Geoanke an das plebejische Geld." „Ja, er war eine seltsame Natur," erwiderte Harro nachdenklich. „Und daß er auch menschlich klein sein konnte, hat uns die Größe seines Wesens nur noch näher gerückt. Er-war selber ein sehr genauer Verwalter; aber er haßte im Grunde genommen den Geldmarkt — wie du ganz richtig sagst, als etwas Plebejisches — aus tief eingewurzeltem aristokratischem Bewußtsein, 5as er beständig bekämpfte und das doch herrschend in ihm war. Ich weiß, daß ich ihm einen großen Schmerz bereiten niußte, als ich den diplomatischen Beruf quittierte. Cmi! hat mir damals Mangel an Pietät vorgeworfen, und es fiel auch das Wort: „Hättest du nicht abu-nrten können!" — Das habe ich jahrelang, getan. Schließlich aber erschien mir dies Warten häßlich und unehrlich und wie eine Spekulation aus den Tod des Vaters. Papa hatte bei seiner Rüstigkeit bm Neunzig nahe kommen können — und auch ich wurde nicht jünger. Ich schleppte mich nur noch durch einen Beruf, der mir nicht behagte — und da sagte ich mir: auch du hast dein Leben — und tat den Schritt." „Und bereust ihn nicht?" „Nein. Ich habe von Jugend aus kaufmännische Neigungen gehabt. Ein gewisses Handelstaleut giu§> ja auch dem Vater nicht ab. Es mag im Blute liegen. Mein Urgroßvater hat für die halbe Kavallerie Friedrichs des Großen die Pferde geliefert — aber das darf inan heut ilicht mehr wissen. Ich sauge faktisch jetzt erst au, mich meines Daseins zu freuen — und auch meiner Freiheit. Es ist Unsinn, dem Geldverkehr den Makel krämerischer Kleinlichkeit anhasten zu wollen. Im Gegenteil, es liegt ein großer Zug in der Beherrschung des Mammons, den man zum" Sklaven und zum .Hörigen macht, wo er sonst überall in der Welt der Triumphator ist. Versteh mich recht: allein der Ruf der Firma, der ich angehöre, schließt aus, daß ich je an,wüster Agiotage Gefallen finden würde. Mer schon das geniale Spiel der Berechnung, die Mwägnng der Wahrscheinlichkeit im Verhältnis zum Risiko, die Aufstellung der Möglichkeiten und die Prüfung der tatsächlichen Faktoren — alles das hat einen eminenten Reiz. Es ist — bei aller klugen und kühlen Vorsicht — der Reiz kühner Wag^- . halsigkeit. Es ist etwas Eigenes..." Lilian hätte nicht selbst eine Kau fmaimst achter sein müssen, um das nicht begreiflich zu finden. Sie fühlte auch eine verwandtschaftliche HinneigUiig zu Harro, eine große Sympathie für diesen ruhigen, selostvewußten, sich immer gleich bleibenden Manu, dessen aauzes Sichgebeu ihrer eigenen Wesensart entsprach. und doch berührte es sie säst besrerndend, in diesem Sprossen einer altpreuhischen Adels- samilie einen so begeisterten Verteidiger des Handels zu finden. Sie sprach vas auch aus — mit einer gewissen Diskretion, aber ohne Rückhalt. „Es ist verständlich," antwortete Harro. „Sreh, Ltlian, die Sache liegt einsach. Seit ich in London brn, haoe rch nur einen echten Freund, den jungen Edward Mackall. Ein eigentümlicher Mensch, eine vollendete Herrennatnr ohne jene landläufige Gutherzigkeit, die nur erue Schwäche ist, aber dabei opferwillig bis zum äußersten, ein Mann von unerschütterlicher Gerechtigkeit und fast ver- leheirder Wahrheitsliebe — ein ganzer Gentleman. Nebenbei bemerkt, was bei seinem Reichtum und ferner Stellung vielleicht wunderlich berührt, ein enragierter Sozialist. Das ist mein Freund. Er sah, wie ich in meinem Berufe litt. Und da schlug er mir für meine Mußestunden eine unterhaltsame Abwechslung vor: ich sollte nrich in dre Kaufmannskarriere hineirrarbeiten... Ich bin nun niemals ein Pharisäer gewesen, ganz und gar nicht — aber den Amüsements unserer jungen und alten Lebewelt war rch immer abhold. Da reizte mich denn die Mwechslung, von der Edward sprach. Und merkwürdig genug, Lrlran, sre erfrischte mich auch. Die Zahl ist nicht trocken, sre rst leberrdig. Die Zahl ist rricht tot, sic spricht errre beredte Sprache. Diese ganze, anscheinend so öde Materre rn rhrer unendlichen Verästelung interessierte mich ungemern — und um so rnehr, als ich in Edward einer: glänzendes Lehrmeister fand. Er war es denn auch, der den Entschluß in mir, oen Beruf zu wechseln, endgültig zur Reife brachte." (Fortsetzung folgt.) Der große pftüger. Von Karl Ernst Knodt. 1. Ter Herrgott sprach: Es ist genug! Ich nehme selber nun den Pflug- Und pflüge mir mit eigner Hand Mein hart gewordnes Menschenland. 2. Gesagt? Getan! Ein einz'ger Tag Und ein gut Teil der Erde lag Schon als durchfurchtes Ackerland Vor uns, von Seiner Alimachthand. 3. Inr blutigroten Abendschein Warf Er als Saatkorn kurz hinein Dm Fürste:'. wie den Bauersmann) Und keins die Körner zählen kann. 4. Jedweden, wie Er ihn gewollt; Und mancher Gute, Beste rollt Als Ernte für das Deutsche Land In den zerwühlten Bodensand. 5. Und Tränen rinnen Tag und Nacht, Wie Regen, bis die Saat erwacht, Und Liebe, Heist, loie Sonnenbrand, In das erweichte Ackerland. 6. 0 großer Pflüger, halte ein! Es sei genug! So laß es sein Und laß aus Blut und Schutt und Brand Ersteh'n das neue Vaterland.- Ms: „Bausteine -zum neuen Deutschland" Feldpostausgabe 60 Pfg., Verlag von Friedrich Iansa in Leipzig. das geschah auch in fast allen Haushaltungen. Freilich war dic Kunst, in geschlossenen Blechbüchsen Nahrungsmittel aufzubetvahren, noch ganz unbekannt. Weißkraut (Sauerkohl), Gurken, ^.Strünke" (bic geschnittenen Stengel von Sommer-Endivien) und „Schnippel- hohnen" wurden mit Salz in großen Fässern eingemacht und fanden im Keller ihren Platz. Von Frnchtell wurden Kirschen, £etbel6eepi und Zwetschen in Gläsern und Flaschen eingekocht und in der Speisekammer aufbewahrt. Preißelbeeren galten für eilt sehr luxuriöses Obst und kamen in bürgerlichen Haushalten nicht vor." Mai: sieht, daß das Einkochen vor 100 Jahren bereits ähnlich,vor sich ging wie auch heute noch, nur daß daniäls, .sehr viel größere Vorräte angesammelt wnrdeil, um dem Winter mit Ruhe entgcgcn- gehen zu können. Jene „Delikateßhandlnngen", wie sie als em Zeichen der Zeit in den Gründerjahren überall anftauchten und Die von manchen Kulturhistoriken als Maß stab des zunehmenden Luxus« gekennzeichnet worden sind, gab es damals noch nicht. Wer etwas Gutes auf den Tisch haben wollte, mußte mit eigenen .Händen dafür sorgen und zur rechten Zeit seine Vorkehrungen treffen. Besonders die Kircher kainlen dabei auf ihre Rechnung. „Buttcrbröter" zu Frühstück und Äbeiidbrot loarcn iroch nicht üblich; überhaupt Jam u:an mit sehr wenig Butter aus. Tie „Pflaumenntusstulle", die sich heute wieder ihr Recht erobert hat, war aber vielen eine schönere Erinnerung au die Herrlichkeiten der Kindheit, als es unserer Generation die dickbclegtesten Butterbrote sind, und in Raabes Romanen wird die alte „Mnsstulle" direkt zum Symbol der ^versunkenen Gärten des Kinderparadieses". Fontane* trauert den „Syrup- semnieln" seiner Jugend als einer verschwundenen Delikatesse nach, und unsere Jungens sind mit Marmelade und Syrup, die der Krieg wieder an die Stelle der Butter treten läßt, sehr zufrieden. Das Einkochen boii Früchten und Gemüsen ist eine alte Kunst, die sich in der Literatur der Kochblichcr meit zurückführcn läßt und eine hohe Vollkommenheit erreicht hatte Das maßgebende Werk für die vornehme Küche, nach dessen Rezepten die Speisen in beu ersten Gesellschaftskreisen eingelegt wurden, ist der zuerst 1667 in Paris erschienene „Parfait Consiturier" des Franzosen Lavarenne oder', wie der vollständige Titel des Buches lautet: „Der vollkommene Einkocher, der über die beste Art unterrichtet, alle Sorten von trockenen und flüssigen Speisen, Kompotten, Früchten, Salaten, Gemüsen iind anderen Delikatessen schmackhaft und dauerhaft zu erhalten." Doch auch die deutschen Kochbücher blieben Nicht zurück. Der „Kurmaiuzische Mundkoch" führt 19 verschieden' Arten auf, um Nüsse, Amarellen, Birnen, Zitronen, Pomeranzen, Ingwer, Quitten und Pfirsiche einzulegeu. Andere Kochbücher, wie das Nürnberger und Salzburger, ziehen noch mehr Früchte in den Bereich ihrer Kunstfertigkeit, so Weinbeeren, Pflaumen, Stacks beeren, Hagebutten, Mispeln, Kalmus,, Wegwart usw. Der Konservierung voll Nahrungsmitteln im großen Stil ivandte man sich zuerst :n den Offiziersküchen der englischen Marine zu, wo ja ber weiten Seereisen die lange Haltbarkeit besonders notwendig war. Hier wurde zuerst in luftleeren Büchsen auch anderes als Gemüse und Früchte eingelegt, so frisches Fleisch ilud Fische. Diese Neuerung erregte solckies Aufsehen, daß Friedrich Wilhelm III. in Paretz ern Diner veranstaltete, bei den: der Merkwürdigkeit wegen nur Speisen ails solchen Büch sei: gereicht wurden. Es habe ja nicht schlecht geschmeckt, urteilte ein Teilnehmer, aber diese Surrogate ließen doch recht viel zu wünschen übrig. Der große Feinschmecker Baron Vaerst erzählt in seiner 1851 erschienenen „Gastrosophie" von c.nem Ga st um hl, das aus lauter Pulvern in Büchsen bestand. Man hatte die Ausnxihl aus hundert Suppen, indem inan aus hundert verschiedene!: Büchsen einige Messerspitzen Pulver in einen Teller mit heißem Wasser rührte. Auch für andere Speisen standen Essenzen und stärkste Extrakte in Bereitschaft, die man in kaltem oder heißen: Wasser verdünnte. Das Zeitalter der Nahrungsmittelchemie, das Justus von Liebig eröfsnete und in stimm vielgelesenen „Chemischen Briefen" sogleich volkstümlich machte, war angebrochen und damit eine neue wissenschaftliche Form des „Einkochens". Aus ber Geschichte des „Einkochens". Unsere Hausfrauen treffen in diesem Jahre besonders umfassende Vorbereitungen, nur durch Einkochen von Früchten und Gemüsen eine:: möglichst'großen Vorrat für die Speisekammer zu gelvinnen: sie kehren daw.jit zu den: alten Brauch ihrer Urgroßmütter zurück, für die das „Einmachcn" eines der wichtigsten Hanshaltungs- geschäste bedeutete. Wienn der SoiNnter sich mit seinem Segen in Garten und Feld eingestellt hatte, dann begann in früheren Zeiten in Küche und Keller ein reges Treiben. Dieser „Eininache-Feld- rüg" der Mütter, wie Jean Paul eiunral dies wichtige Ereignis nennt, spielt in den Jugenderinuerungen der Männer, die vor ilOO Jahren geboren wurden, noch eine große Rolle. „Eine kleine Revolution erschütterte dann das ganze Haus," erzählt z. B. Bogumil Golz. „Auf dem Herde brannten gewalttge Feuer; Töpfe, Flaschen und Gläser, Behältnisse in den verschiedenste!: und phantastischsten Formen, standen bereit, uub Jung und Alt schleppten die frische Ernte herbei, die nun zu dauerhafteren Vorräten verarbeitet tverhen sollte." Otto Bähr führt in seiner anschaulichen Kulturgeschichte einer deutschen Stadt ums Jahr 1825 dies Bild weiter aus: „Eingemachte Gemüse oder Früchte — die feinen und teuren Südfrüchte vielleicht ausgenommen — konnte inan nirgends in Läden kaufe::. Die Hausfrau mußte sie selbst einmack-en, und vermischtes. * B ien en s ü t t e r u!l g. Von -Gemeindewegen sollte darauf gesehen werden, daß die Bienen angemessen versorgt werden. In edler Miesse haben denn auch in vielen Orten die daheimgeblicbenen Imker sich der Arbeit ihrer ins Feld gerückten Genossen angeuom- rneit. Von Staatswegen wird ein derartiges Bemühen gern gefördert. So wird vor allem auch dafür gesorgt, daß den Bienenzüchtern eine angemessene Menge Zucker, und zloar steuerfrei, natürlich in vergällten: Zustande zur Verfügung steht, damit die Bienen nicht notleiden. Für ein Bienenstandvolk kommen dem Imker 5,25 Kilogramm vergällten Zuckers (entsprechend 5 Kilogramm reinen Zucker) zu. Der Imker hat sich nur zu verpflichten, daß er den verabfolgten Zucker ausschließlich an seine eigenen Bienen verfüttere. Bein: Gesuch, von der Steuer für Rohzucker befreit zu bleiben, muß die Micnge des benötigten Zuckers und die Zahl der Völker angegeben werden. Der Jahresbedarf ist tunlichst auf ein- uial zu beziehen und muß bis spätestens znm 1. August 1916 gedeckt sein. * D i e Bedeutung des Mondes f n r d i c Hcuernt e. Die Notwendigkeit, aiigesichts der Einschränkung der Lebensmittel mit aller Kraft aus der deutscküu Landwirtschaft herauszulwstm. loas sie bei sorgsamer Behandlung zu geben vermag, läßt rede An- 288 m«* ^t m Mer Hinsicht wlllkomimen erscheinen. l\ u ] u t mir 1 ' ,tre ng Mssenschaftlichen Beobachtungen verdienen VerunnctiNgung. es gibt aud) Gesetze, die auf Grund jahrtzunderte- . l . 'Uinmden layrrelmtelanger Erfahrung für den Landwirt im guinki^', . ^ !^benchte der letzten 20 Jahre für unabweislich. Dem .teunloird im ivruhiahr kommt in Verbindung mit dem ihm - v, ^^ "and des Mondes die Bedeutung zu, daß jedesmal der dolung die,er DtondUellungen die frühlingsmäßige Ent nuckln,ig einen erheblichen schritt vorwärts macht. Der erste Neu mond lam nach der Frühlings-Tag- und 'Nachtgleiche die Ent >klanzemvuchses kräftig ein'etzen, und mit dem zweiten °nb i 1 « l ? fruhlmgsmäßige Entwicklung voll- s7; r V si> 1 ‘ tn k öie §eu vom 21. Mft bis zumj A). Juni fallends 113 und Nachtgleiche bringt die Gras- SÄ V.f/tr, ? s!v 5* ^ d,nitt Ves Grases am besten gleich S?2 Ä k I 1 ®S lte vorgenomuren wird, nt bekannt. Da der Neunwndwoche.zur Eichen Halbkugel tiefer m w ? fü 1 *** ? CI J vom ersten Viertel bis zum Vollmond H eine ziemlich ununterbrochene Reihe schöner Tage bringt, emp- Isivi * i ld) a Ü^ ^ t>1T . börum ' diese Zeit zur Embriügnng des ^-unutzen, damit man vor der gewöhnlich hierauf nachfolgenden ungünstigen Witterungsperiode bewahrt werde Denn mit ^7- 7 „^vd treten fast stets Gewitterbildungen mit Niederschlagen ein, die die Emwhr schwer schädigen. Versäumt man dies und unternimmt den Grasschnitt erst, wenn der HochftaiL des ^^ U 5 b ^ letzt folgende erste sommerliche Neumond s^n^' 7 -s ^E^ ^ in dre Gckfahr, die Heuernte durch eins v""lchtet zu sehen. I n d i e s e m I a h r e follt-der dritte^ruhsahrsneumoud am den 31. Mai, der ihm nach folgende Hochstand des Mondes aus den 1. Juni, wes- volftr Blüte^M - bö: o in ersten Juniwoche in N-eht Da bieie Zeit aber amangs reichliche Nieder- schlLge er,varten lastt. wird es am besten sein, sich bis zum Beginn Nachlassen der Niederschlag? mit^sick würde, zu gedulden. Dieses erste Viertel fällt heuer aut Da bereits am 15. Juni der Vollmoird folgt, dürfte sondern Ä nh?r r l % ^nz bis zum ersten Viertel zu warten, sondern vom 5 oder 6^Jum ab mit dem Grasschnitt zu beginnen. tr ^ ^ v e n s m I t t e l t e n e r n n g in England Slhpnemffu 1 /! 6 ^ ® Iatte . vefvricht Professor Dr. Levy den Stand der ^Euernng m England. Der Verfasser stellt zuerst fest daß das Schweigen der englischeii Presse über diese Fragen kein in7'enaliscken’ Ut ^ie An'iahnie znlasse, daß Benn?uhigung J™ mW«* dolke vernneden und dem neritralen Aiisland Sand gestrei.t werden soll. Die Weizenpreise sind wie 'vird, trotz LNies Rückgaiiges in letzter ^eit höher als ili dluch der Mehl- und Brotpreis bleibt über dem Satz n Deutschland D.e Fleischpreise sind ebenfalls ganz wesentlich w^en!?i^ "*!!' 70 b, l 8 ? Dozent gestiegen. Milch ist schlecht und ^ ^^nrer. ^a- L.ler kostet in London 45 Pfennig. In I^Erinttteln herrscht Knappheit und Teuerung. Der Preis der Kartoffel, m ganz nngehei.er gestiegen. Diese Preissteiaerunaen L««-«- Lebensverhältnisse der arbeitenden Klassen stark ein- «5 «ndK ver.veisrn wird sich auf die Dauer nicht anfrechterhalten lassen. * r 9 < . * l e r 1 ^ 0 J * 1 f d) e t H u in o r. Georg, der vieriäbriae lromin.» und s,e>z biblische Satze im M nde suheeudni Großvaters, süirzt in das Zimmer mil^ dem ® COBOater > Gott hat die gescheckt- Kuh unserer v" [ ld) !' - „Mein Kiräulein." erklärt der ^ ,.aierd>rektor bei der Probe der Darstellerin der Hauptrolle «je kon-en ganz unmöglich in, zweite>, Akt dieses ebenso kur^-^vi- ■ü^ 1 “ Kleid trage,,!- .Aber, Herr Direktor, ' wehrt llch L'° ,^°r>re"er,n bele,d,gt, .es ist das „eucste Modell und hat sog ffl'!;. * inä , " ,a !3 7 >n - entgegnet der Direktor, „aber .ä.- am Höhepunkt des zweiten Aktes sagt: „Frau. a, s^Erb rgft ctwaS vor mir/ kann kein Mensch tin Publikum sich Swlr * T - ec meint." - Erster Reporter: .Der ?Enator B nuitz wahrhaftig als Riesenkind auf die Welt ge- Lrst^ '^'kee Reporter: „Warum glaubst Du das^?' ?T V füjfStlin \>V l[ ' 3 x h $'} ,ur '.nein Blatt ausfragte, erklärte er. er r,ave sein l.eeen al. ^ s,-,* Büchrrtisch- nrtn .® cn J t ?nOdt. Eine literarische Charakterskllre 3Hli ^ en 18?l f‘ff/on b'v%uli U ?3Ui‘^ e & m „eV Ul ’l U" . ^ (Stuttgart, Franckhlche Verlagshandlung., - Weh *t bald hoch bewundert, bald ties verdammt, ist immer noch Ür aar zu viele so gut wie unbekannt. Wohl geh « ne Reihe von ihm stammender bedeutsauier Stich, und Krastwörter - Uebermen ch vön'sIchun^Rltl/"'^ Menschliches, AllzumenschlicheS; JcnsellS SSS»I* Ut "Nd Böse u. a. — von Mund zu Mund, aber Wert und Bedeutung dieses modernsten Philosophen und seiner aSüen- M'da5 b b Ä p ift verhältnismäßig wenigen vertraut, vielen Friedrichs mühL! I Erschienene Buch von Dr. Julius Reiner fiSSSS&J L^nmoroltft und Antichrist" (Stuttgart, ALL Krs?= SÄS t'ÄZ'hb •ÄiSSi"* »»> X oT Rechtsverhältnisse der Vermißten nebst «! C rj?rc nbe§ra ci § 3 Verordnung über die Todeserklärung Krieas- mÄ^v^ener. Äom 18. April 1916. Von vr. jar. Waller Schmidt 80 Pf?nn?g ^ XaiH 93a ^ Cn in SerI{n W 9 ' Linkstraße 10. Preis — r ~ ^ e r K u n st s r e u n d. Zeitschrift der Vereinra»»^ Kunstfreund« Ad. O. Trott,ch, Berliu-Schöneberg 3. Jahrgang s * ^ u5 f5 cm P 2"ha^t: Walther Sturm, Katserbilduisse - In Schattenrisse.- Else Grütel, Künstlerische Ostereier, Riid. Hememann, Das befreite Fenster; Walther Schneider Rheinberg-SauSsouci i Eberhard Buchue^, Kriegs-ChLL?!! w ' G u st a v Meyrink, Des deutschen Spießers Wunde,-- Horn. Gesauimelte Novellen. In drei Bänden. Gehestet 6 Mk gebunden m Leinen 10 Mk., in Lalbiranz Ib Mk. Albert Langen Munc^n. Heute, wo man Gustav Meyrinks traun,hast pftantaftie L Z°n'°n .Der Golem' gelesen hat, wird man sich „ach einer Sanmilung seiner sruher erschienenen Novellen umschauen um d,e Quelle dieser Phantastik in den ersten geysirär äen Aus-' ,b^ch°»,k°w>°n i" lernen Diese Möglichkeit bietet die vom Per- i?°5 9en, fl München, Sammlung: „Des delitschen Wunderhorn , die jeder Kenner Meyrinks mit besonderem dKagen genasen wird, da trotz des uiierbittlichen Sarkasmus mit dem der Verfasser tu einigen Skizzen ihm unliebsame Gh-frfipi- murgen verfolgt, durch die Art, wie das geschieht, doch eigenartiae und reizvolle Kunstwerke entstanden sind ^ zudem ha, der Verlag der neuen dreibandrgeu Ausgabe ein ganz reizendes, apartes und M-nän?^m^??ond gegeben. Diese Gesamtausgabe von Gustav „.ff 1 "? Novellen enthalt aiißer unbekaiinteii Arbeiten die No- ^ l ^ er r ^^^chlenenen Bücher „Wachsstgurenkablnett" „Orchideen-, „Der heiße Soldat" und ,Jörn Uhl unb ffienfi *' bfc bei rhrein ersten Erscheinen vor einigen Jahren in aller Munde Originalität ist heute nicht iveniger ursprünglich iiiid künstlerisch, und ebenso wenig haben diese Novellen die Kraft der Wirkung verloren, die ihnen dank der bewundernswert!« oft atem- beklemmenden Phantasie und der köstlich unterhaltsamen'Sat hl wohl nie verloren gehen wird. Der .deutsche Spießer- oll sch diese uihaltsreiche und hübsche Gesamtai.sgabe kaufen - die anderen werden es auch ohne Auffordertmg tun. ^ Schach-Ausgabe. Schwarm. * b c d e f £ h * b o d e f g U an " Weiß. We-v z'eht rmd setzt in fünf Zügen Matt. Auflolung in nächster Nummer.