r Samstag, ve.r 3. Jum M Die arme Prinzessin. Komait von Fed or von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Betten verneigte sich nur, er antwortete gar nicht. Der Reis um den Kopf war gewichen, aber eine heimliche Faust saß ihm an der Kehle. Annemarie zeigte Belten dies und das: den zierlichen Schreibtisch mit seinem Bric-ä-brac, ein kleines Pastell an der Wand, ein Tabuvett mit schöner Perlmutterinkrusta. Dann setzten sie sich: Belten auf einen der niedrigen Fauteuils, die für Pygmäen berechnet schienet: und ihn in Verlegenheit brachten, was er mit seinen Beinen anfanaen solle - Annemarie auf die Chaiselongue. Wer sie blieb nicht lange sitzen; sie streckte sich aus und zog eine Decke aus Rohseide über ihre Füße. „Nun los," sagte sie. Und da er wiederum zögerte zu antwortet:, fuhr sie rascher fort: „Velten, was gibt es? Es gibt etwas? Ich kenne Sie, Ihr Gesicht, Ihr Auge, beit Ton Ihrer Stimme. .Hab' ich eine Dummheit gemacht? Sie waren bei Onkel Herrsnrkh. Hat man mich etwa bei ihm verklatscht?" „Nein," erwiderte Velten aufatmend; „aber es war jemand bei ihm, der — der um Sie geworben hat..." Sie hatte die Hände unter ihrem Kopfe gekreuzt. Nun warf sie den Kopf herum, so daß sie ihr Gesicht Velten voll zuwandte. Das Gesicht war ganz blaß. Der Nosenschimmer verging, laue Schatten stiegen auf. Die Bukette aus dem Teppich wurden zu mattdunklen Mecken. Die Blütenfarbe der Wände wurde weißlich. Annemaries Augen waren weit geöffnet; die Augen fragten, aber auch ihr Mund sprach. Sie sagte ganz leise, es war kaum zu hören, es war gleichsam ein .Hauch: „Kola —?..." Velten nickte. Da kam es wie eine Raserei über das Kind. Annemarie glitt von der Chaiselongue, lag auf den Knien, griff in die Kissen und preßte ihr Gesicht hinein. Sie schluchzte, sie jubelte. Ihr Körper bebte, es ging ein Wiegen und Zittern durch ihre Glieder, es war wie eine Ekstase. Dann auf einmal .sprang sie uns; ihre Brust iwogte .noch, aber sie senkte den Kopf; sie schämte sich. „O Velten," flüsterte sie, „was müssen Sie denken!..." und lauter, wie unter einem seligen Schauer: „Ich bin ja so glücklich!..." Er hatte aufstehen und gehen können. Seine Mission War beendet. Aber er blieb. Er stützte den Kopf in die Hände und schaute auf die Rosenbukette des Teppichs, die schwarz-geworden waren, mit verschwimmenden Umrissen. Er wagte nicht, in ihr strahlendes Antlitz zu schauen. „Prinzessin," sagte er, und nun befremdete ihn selbst der Ton seiner Stimme, die einförmig klang und wie gebrochen, „Durchlaucht Fürst Herrfurth hat Bedenken gegen Ihre Wahl. Ich sollte mit Ihnen darüber sprechen..." Annemarie wurde ängstlich. Sie setzte sich wieder. „Er tvill nicht?" fragte sie hastig. „Doch nicht. Die Entscheidung bleibt "schließlich bei Ihnen. Aber er läßt Sie warnen." „Warum?" „Ich — ich muß es aussprechen: er hält den Fürsten Buraeddiil für — für keinen zuverlässigen Charakter: er halt den Fürsten für leichtsinnig, verschwenderisch und... er hält den Fürsten für — schlecht.. Annemarie lächelte. „Ist das alles?" fragte sie. „Lieber Freund, wenn Sie mir das Bild Kolas ganz grau in grau malen wollten — es würde mich nicht stören. Schlecht, sagen Sie — oder sagt Onkel Herrfurth. Das glaube ick nicht. Leichtsinnig und verschwenderisch — das ist möglich — es wird anders werden. Ganz Kind bin ich doch nicht mehr. Ein wenig Einfluß trau' ich mir immerhin zu. Was ist schlecht an ihm?" „Ich weiß es nicht..." Er lvnrde lebhafter, hob den Kopf und sah Annemarie an. „Und wüßte ich es auch wirklich - Sie würden mir ja doch wieder sagen: ich glaube es nicht. Wenn Sie ihn lieben, Annemarie — wirklich lieben —" „Ich liebe ihn," antwortete sie; aber das klang nicht mehr weich, sondern fast zornig, und in ihren sonst so sanften blauen Augen funkelte es wie trotziger Eigenwille. „Gut. Doch es gibt auch etwas, das Liebe scheint uitb keine i st. Verzeihen Sie mir, Annemarie. Sie sind kein Kind mehr, gewiß nicht. Aber auch ein achtzehnjähriges Mädchen kann sich in seinem Empfinden täuschen. Ich will Ihnen keine Vorlesung halten. Ich möchte Sie nur herzlich bitten, sich selbst zu prüfen, ehe Sie —" er richtete sich im Sessel auf — „ehe Sie ja sagen. . . ." Sie streckte ihm ihre Hand entgegen. „Velten, haben Sie Dank. Der Onkel hat wieder einmal das Rechte getroffen, als er S i e beauftragte, mit mir zu sprechen. Sollen Sie ihm auch meine Antwort bringen?" „Ja." „Dann sagen Sie ihm: ich habe nicht gewußt, daß Kola um mich werben würde. Ich habe es nicht einmal gehofft. Um so glücklicher bin ich nun! lind sagen Sie ihm auch, daß ich fest bleiben würde. Ich stehe noch unter seiner Vormundschaft. Er kann mir die Heirat verbieten. Vielleicht wacht dann auch in mir der Leichtsinn auf. . . Beider Blicke trafen sich. So batte Velten Annemarie noch nie gesehen. Die Dämmerung hatte sich in das Gemach geschlichen, aber noch immer zitterten feinrosige Töne durch das sich ausspinnende Grau. So hatte Velten Annemarie noch nie gesehen. Sie schien ibm mit einemmal größer geworden zu sein und reifer und voller. Es lag etwas unbeschreiblich Verlangendes in ihrem Auge und auf der Wölbung der Lippen. Sie war kein Kind mehr, sie war Weib geworden. 282 Ihre Hände ballen sich noch. Velten spürte den leisen Druck ihrer Finger und hyrte wie im Traume, das; sie sagte: „Würde es Sie denn nicht auch freuen. Sie glücklich zu wissen? . . .. Er sank zu ihren Füßen nieder, küßte ihre Hände und sprach mit leiser, aber von Leidenschaft durchbebter Stimme: „Ja, Annemarie, es würde mir eine Herzensfreude - sein, wenn ich das wüßte. Ich möchte alles Glück der Welt auf Ihren blonden Scheitel häufen, ich würde in Ihrem Glücke selbst glücklich sein. Aber ich sorge mich — ich weiß nicht warum. Ich kenne Ihren Auserwählten nicht, ich habe ihn nur ein einziges Mal in meinem Leben gesehen. Auch die Meinung des Fürsten Herrfurth sagt mir nicht viel: Leichtsinn kann sich wandeln, und Ihre feste kleine Hand wird seine Torheiten zügeln. Und doch sorge ich mich. Es dünkt mich fast kindisch, daß ich hier zu Ihren Füßen liege, als sei ich selbst ein Liebhaber und bettle um die verschmähte Gunst. Lachen Sie über den großen Narren — es tut mir nichts. Der Narr hat Ihre Kindertage behüten helfen —■ auch er hat Rechte an Sie. Annemarie, ich bitte, bitte, bitte Sie: lassen Sie sich Zeit, durchforschen Sie Ihr Herz, fragen Sie es tausendmal, fragen Sie es immer wieder! Fürst Herrfurth sagte mir, er habe Bura-eddin um eine Bedenkfrist ersucht; di- schützt sie. Bitten Sie Ihre Prinzessin um Verlängerung Ihres Urlaubs und bleiben Sie hier. Sie werden hier Ruhe finden, und die wird Ihnen auch Klarheit bringen. Wollen Sie mir das versprechen? ..." Sie schaute mit eigenem Ausdruck im Blick auf den erregten Mann, ein wenig starr, und wirklich gingen ihre Gedanken weiter und sie dachte daran, daß so auch Kola zu ihren Füßen liegen werde. Sie fühlte wohl durch die raschen Worte der Angst hie verhaltene Liebe zittern, aber wieder war es Kola, der ihr von seiner Liebe sprach, und sie glaute im tiefer sich verdüsternden Abendschein sein Gesicht zu sehen — und es stieg wie ein Durst in ihr auf, die Wange zu küssen, die sie geschlagen hatte. „Was Sie verlangen, Velten, ist zu viel — ich kann es nicht," sagte sie ruhig. „Und frage ich tausendmal mein Herz, es wird tausendmal dieselbe Antwort geben. Bedenkzeit — lieber Gott, was soll ich bedenken? Wär' er hier, ich würde ihm um den Hals fallen... ich w a r te ja nur auf ihn!.. Da verbeugte sich Belten stumm und ging. Er hörte hinter sich kein Geräusch, nicht einmal das Rascheln ihres Kleides. Sie mußte bewegungslos sitzen geblichen sein. Er hoffte auf ein letztes Anrufen, auf ein Schlußwort, einen Dank oder ein Adieu; aber sie schwieg. Er schloß leise und vorsichtig die Tür. Ein schwaches Lächeln aing über seine Mge; ihm war, als schlösse er auch fejijrf Leben ab. Das Lächeln blieb. Was wollte er denn? Wem batte seine Jugend gegolten? Wenk galt die Arbeit seiner Mannesjahre? — Als noch die Minnehöfe blühten, gab es ritterliche Herren, die weihten ihr ganzes Leben der Dame ihres Herzens. Als noch das Königtum von Gottes Gnaden war, starb des Landes Adel für sein Idol. Für Golgatha bluteten Millionen. Und welche Opfer forderte die einfache Freundschaft! . . . Veltens Schritte durchhallten den Korridor. Er lächelte nicht mehr: es war aber auch nichts Bitteres auf seinem Gesicht. Er sah hell und klar in die Zukunft. „Führ es zu Ende, du romantischer Narr," sagte er sich. 12. Kapitel. Wie man den Herzog Rübezahl zur ewigen Ruhe geleitet und lme es in der modernisierten Burgmühle ausfieht. „Verwandten und Freunden und allen, die ihn gekannt haben, geben wir hiermit geziemend Naclwicht von dem am 12. ds Mts nachmittags 2 Uhr erfolgten Hinscheiden unsres geliebten Vaters, Großvaters und Schwiegervaters. Seiner Durchlaucht des.Herzogs zu Emönrck Otto Fürsten von Herrsnrtb, Grafen und Herrn der Stadt und Grafschaft B-eiffel. Frei Herrn von Groditz, auch Herrn auf Bura-Ellern nebst Dombach. Königlich Preußischer General- ma;or z. D.. Seiner Majestät Oberschenk, Ehrenkonnnendator des Johanniterordens, Doctor theologiae honoris causa und Ritter höchster Orden. „Die Beisetzung erfolgt am 15. d. Mts. in der Familiengruft zu Emskirch Emil Herzog zu Emskirch Fürst von Herrfurch. Johanna Herzogin zu Emslirch Fürstin von Herrfurth. , gab. Gräfin von Parslin Waldegg. . ' Harro Gras von Herrfurth-Beisfei. ** Jazik Fürst Bura eddin. Elise Fürstin Bura eddin, geb. Gräfin von Herrfurth- Peissel. Diese in etwas preziösem Stil abgesaßte Todesanzeige wurde im Herbst des folgenden Jahres verschickt. lieber ein Jahr lang hatte der alte Herzog gegen den grausamen Würger gekämpft. Aber als wieder die Blätter zw fallen begannen und der Sonne Strahl blasser lvurde und die ersten kälteren Winde kamen, da merkte der greise Sonderling, daß es mit seinen Tagen zu Ende ging. Das Herz wollte nicht weiter. Das Wasser in den armen geschwollenen Beinen stieg; auch das Gift des Fingerhuts bewährte nicht mehr seine heilende Kraft. Und dann kamen die letzten Stunden. Das war an einem Tage, an dem dem sterblichen Menschenleibe das Scheiden schwer werden konnte. An einem Tage voll Glanz und Sonne, an dem die Herbstwinde schwiegen und die Lust so lau war wie zur Junizeit, ganz erfüllt von heiterem Glitzern und von den wehenden weißen Flocken des Altweibersommers; an dem der Himmel hoch stand und im reinen Blau sich eine schwimmende Architektur milchiger Wölkchen aufbaute, die allmählich zerfloß wie ein Feenschloß. Das war der Tag, an dem Herzog Rübezahl starb. Er war regen Geistes bis zuletzt. Er hatte sich auf die Veranda tragen lassen — von Bozenhardt und dem Kammerdiener. Aber der letztere mußte abtreten; er röche nach Karbol, hatte der Alte geäußert. Doch es war das ewig besorgte Gesicht des Mannes, das ihn heute mehr ärgerte als je. Von Emskirch war der Herzog mit seiner Gattin herübergekommen; Graf Harro weilte, telegraphisch berufen, schon seit acht Tagen in Dombach. Die drei saßen seitwärts des. Greises, Bozenhardt stand hinter dem Fahrstuhl. Ueber die unförmlich gewordenen Beine des Herzogs'/ die schwer wie Blei toteren, lag eine Pelzdecke. Die Lodens joppe trug; er noch in der Stunde des Todes, und erj lächelte, als sein Mick auf das verhterschte Aermelgrüw steh als freue sich sein philosophischer Geist, sinnfällig dokumentieren zu können, wie nichtig des Lebens Aeußer> lichksit sei. Weit über die Brust herab wallte der weißej Patriarchenbart. Die Augen waren tief in ihre Höhlen gebettet, und im Blick lag schon etwas von einer leisen! Perdunklung, von den erstell Schatten jener schwarzen Fittiche, die ihn lautlos und Unsichtbar umrauschten. Die beiden Aerzte hatten sich mit dem Kammerdiener Und der barmherzigen Schwester schweigend in das Lor- f 'inmer zurückgezogen. Sie hatteil sich nicht gegen den unsch des Kranken gesträubt, in dieser sonnigen Stunde i Freien sitzen zu dürfen. Sie wußten, daß dre Erlösung nahe war, daß ein Lungenödem den Tod beschleunigen würde, und hatten auch den Söhnen gesagt, daß er überraschend plötzlich eintreten könne. Mer während Ennil und Harro den Mut fanden, anscheinend harmlos mit dem Alten zu plaudern, verging die Prinzessin fast unter ihrer Seelenfolter; sie konnte'kein Wort sprechen, war kalkweiß im Gesicht und mußte die! Zähne zusammenbeißen, um nicht in nervöses Schluchzen äuszub rechen. Der Herzog sprach laut und deutlich — von allerlei. Er stagte den Erbprinzen, wie die Ernte gewesen sei, undi Harro, wie man in London über die chinesische Frage denke. Dann fragte er weiter nach Annemarie und nickte befriedigt, als Emil ihm erzählte, sie lebe noch immer in seligen Flitterwochen. Auch auf Gotternegg kam die Rede; .Harro war vorgestern drüben gewesen; man habe neue Kohlen- lager entdeckt, aber ihre Ausbeutung werde die Begrürv- dung einer Gesellschaft nötig machen, da große Kapitalien erforderlich seien; Bolko sei noch in Venedig, schreibe selten, und wenn er schreibe, klage er über seine Nervosität; die Fürstin sei wohl und rührig wie immer; von Josts Anwesenheit merke lnan im übrigen nicht viel, er sitze tag- nber mit Velten und seiner kleinen Freundin in der Bibliothek und alle drei arbeiteten an einem gemeinsamen Werke — über was, wußte Harro nicht ganz genau. „Ich glaube, über irgend einen neu aufgefundenen Frühdruck," sagte er. Doch das war es nicht, !vas den Herzog interessierte, Cr hörte auch nur noch halb zu. Seit einiger'Zeit fühlte er ein seltsames Summen im Ohre. Aber der Ausdruck „kleine Freundin" war ihm doch ausgefallen. „Ist das dies — Doktorfränlein?" stagte er, ohne den Kopf zu berregen. Benebst den Kindern." iTMetzung sylgt.) 263 Sur Laubheuberellung. Man begegnet hin und wieder noch Zweifeln, ob Laubheu ober Reisigsutter, wie man es nemten will, wirklich als ein Ersatzmittel für Wiesenhen dienen kann. . ^ „ Gutes Wiesenbeu enthält an verdaulichen Nährstoffen 5,4 Prozent Rohprotern, davon 3,8 Prozent verdauliches Eiweiß, 1 Prozent Rohfett und 25,7 Prozent stickstofsreie Extraktstoffe. Gutes L a u b h e u enthält im Mittel 6,2 Prozent Rohprolein, davon 3,7 Prozent verdanlick)es Eüveiß. 2,4 Prozent Rohsett und 32,5 Prozent stickstosfreie Cxtraktstofse. Das Ulmenlaub enthält sogar 11,6 Prozent Rohprotein, davon 8,5 Prozent verdauliches Eiweiß. p „ Das Laubheu oder Reisigfutter steht also dem Mesenheu an Nährstoffgehalt nicht nach und bietet auch ein Futter, welches von Ziegen unb Sckxrfen wie auch von Rindvieh gern gefressen wird, vorausgesetzt, daß es zur richtigen Zeit und sorgfältig gewonnen wird. Mit Entwicklung der jungen Knospen und Triebe an Bäumen und Sträuchern wird neben anderen Nährstoffen Eiweiß erzeugt und Eiweiß ist gerate der in den Futtermitteln so wichtige und wertvolle Nährstoff. Das Gras der Wiesen ivird zu Heu, der grüne Klee wird getrocknet. Weshalb sollen sich die grünen Teile von Bäumen und Sträuchern nicht trocknen und getrocknet verfüttern lassen? Die Gewinnung dieses Reisigfutters' ist vielfach unbekannt, sie ist aber gar nicht so schwierig, und man soll deshalb dieses Futter nicht gedankenlos verwerfen. Am gehaltvollsten ist Reisigsutter oder Laubheu, ivenn es im Frühjahr sogleich nach der Blattentwicklnng in den Monaten Mai und Junr gewonnen wird. Schneidet man nur die diesjährigen grünen jungen Triebe mit dem Blattwerk ab, so muß das Trocknen sorgfältig, das Wenden mit einer Gabel vorsichtig geschehen, ähnlich wie man jungen Klee oder Luzerne trocknet und wendet, damit das Blattwerk nicht abfällt und beim Trocknen verloren geht. Sobald das Laubbeil genügend abgetrockuet, das Blattwerk welk ist, legt man es am Abend rechtzeitig, vor der Taubildung, oder, wenn Regen droht, in kleine Haufen, in gleicher Weise ivie jungen Mee oder Luzerne, die ja auch, genügend äbgetrocknet in Haufen gesetzt, in den Haufen später nachtrockneu. Sobald solches Laubheu genügend durchgettocknet ist, wird es Unter Dach gebracht. Hat man luftigen Haus- oder Scheunenboden, wo es lose und locker gelagert werden kann, so kann man es schon dorthin bringeil, wenn es auch noch nicht so vollständig durchgetrocknet ist. Es ivird dann der Einwirkung des Wetters entzogen. Es ist sogar gut, wenn es lairgsam Ulld an nicht zu sonniger Stelle trocknet. Es darf dann aber aus den: Boden nicht sogleich hoch und fest gelagert, sondern es muß dünn, leicht und locker auseinander gelegt und auf den Boden mit einer Gabel nochmal geivcntet werden, damit es dort noch weiter nachtrocknet. Alsdann kann man es auf dem Boden locker höher aufschütten. Es empfiehlt sich nicht, das' aus diese Weise gewonnene Laubheu im Bunde zu binden, weil es dann leicht MUfffg oder schimmelig wird. Djas so gut gewonnene Laubheu ist ein ganz vorzügliches Ziegenfutter. Zu Häcksel fein zerschnitten und mit niederen Stoffeil aus Küche und Garten, wie z. B. Kartoffelschalen, Runkeln oder Rüben usw. gekocht oder gedämpft, wird es auch von Schweinen gern geftessen. Eine weitere Art der L a u b h e u g e w i n n u n g. Eine andere Art der Gewinnung von Laubheu ist die, daß man nicht nur die diesjährigen jungen, grüneil Triebe, sondern die kleinen Zweige mit den vorjährigen Trieben abschnetdet. Diese Zweige dürfen aber höchstens V 2 Zentimeter stark sein. Danil nennt mail das Futter „Reisigfutter". Die abgeschnittenen kleinen Reiser werden 1 bis 2 Tage ans- einandergelegt, damit die grünen Triebe uub das Blattwerk etwas abtrockneil und welk werten. Dann bindet män sie in ll^ine 30 bis höchstens 40 Zentimeter starke Bündel, ähnlich wie Getreide- garben, oder ivie ntrnt den ersten Schnitt Luzerne in Heine Bündel bindet, die Reiser mit dem Mschnitt nach der einen Seite, das Blattwerk nach der andereil Seite. Tie Bündel dürfen beim Binden nicht zu fest zusammen gedrückt werden. Zum Binden kann man kleine Buchen , Birkero- oder Weidennilen benutzen. Die Reisigbündel werten in kleine Stiegen, ähillich ivie Getreidestiegen, zu 6 bis 8 Bündel auftecht gegeneinandergestellt oder auch alllehnend an Baiirnstämme um diese herumgestellt. Das Anffsellen der Reisig- stiegen soll nicht an sehr sonnigen Stellen, möglichst unter Halb>- schatteu geschehen, damit das Blattwerk nicht zu grell trocknet. In scharfer Sonne getrocknet, verliert es an würzigem Geruch, die Blätter fallen leicht ab und die Tiere fressen es dann nicht so gern. Je nach dem Wetter wird man die Stiegen einmal umstellen nnffsen, dainit die Bündel gleichmäßig gut austrocknen. Sind sie gellügend auSgetrockner, ivas bei günitigem Wetter in 6 bis 8 Tagen geschehen sein Faun, so bringt man das Reisigsutter in troefene l listige Schuppen oder Scheu neu unter Dach, am besten ans lustigem Haus- oder ischennenbaden. wo es nachtrocknen Faun. Wie Wiesen- imb Kleeheu nach dem Einernten nachschivitzt, so ist es auch beim Futterreisig unk Laubheu. Die Reisigbülldel dürfen deshalb beim Einernten in Schilpten oder auf denl Boden nicht zu dicht und fest anfeinaitdergcpackt, sondern sollen ntoalichst locker und luftig gelagert werten, damit das Futter sich nicht erwärmt Upd nicht st ockig pnd schimmelig ivird^ Für ten Futterwert des Lanbheus spielt die Jahres- und Tageszeit eine Rotte. Das im Mai und Imri geschnitteire Lmtbheil ist nährstoffreicher wie das im Juli nrrd ?(ngust geschnittenr, utLb das am Abend geschnittene ist gehaltvoller wie das am Morgens geschnittene. In den Blättern der Bänine und Sttäncher wird mit Hilfe des Sonnenlichtes Stärke gebildet, und die Blätter sind am stärke- reichsten in den Abendstunden. Währerrd der Nachtzeit ivird die Stärke in ten Blättern in Zrrcker umgewandelt und im Sast!- strome nach dem Stamme und ten Wurzeln hingeführt. Äm> Morgen sind daher die Blätter am nährstoffärmsten. Mit dein weiteren Wachstum verholzen die jungen, grlinen Triebe nno, verlieren dadurch an Nährwert. Die zu beachtenden Hauptgesichtsplinkte bei der Gewinnung von Laubheu oder Neisigftitter sind teinnach: 1. rechtzeitiges Schneiten, im Frühjahr, Mai und JUui, 2. vorsichtiges Trocknen im Freien, 3. sorgfältige, trockene, luftige Lagerung unter Dach. vermischt«». ’ Sjnmadjen von Kürbisse 11 . Uns ivird geschrieben : ,Jch mache in meiller Obst-- uild Gemnse-Einkochtliche viel die verachtetste deutsche Frucht, den Kürbis ein. Die Erfolge waren gilt. Es wäre aiich noch nicht 51 t spät, wenn jetzt gleich alle Landratsämter eine diesbezügliche Weisung erhielten. Der Kürbis, dem jeder Sehnmtzhailfen zum Allbail genügt, nimmt ja keiner Feld- und Gartenfrneht einen Zoll Boden fort. Collie das Obst in diesem Jahre wider Erioarten mißglücken, so wäre er Goldes rvert, aber and) im günstigen Falle ist es wohl iür die nliilderbenlittelte Bevölkerttng möglich, sich eher Kürbis für Marmelade zu Faulen — als Obst. Am besten lmd härtesten im Fleische ist der längliche Melonerlkürbis. Er eignet sich vor allein au Gemüsezwecken (z. Volksküchen usiv.f hervorragend, dann zri Mus.' Auf 1 Zentner Kürbis rechnete ich 10 Psiind Süßäpsel — also die wertlosesteii, 10 Pfund geriebene Möhreii. Zucker ist nicht nötig. Dieses Mus kocht 12 Stunden. Der Kürbis hält sich in frischem Zustaiide bis Anfang Februar. Ich glaitbe, Kürbis ivürds sich, gerieben, vorzüglich zur Streckung von Weißbrot, und Kuchen eignen. Doch daS müßte man ansprobierenck * Ein machen ohne Zucker. Das Berderbeu ter Früchte wird hauptsächlich durch Pilze verursacht, deren Keime überall in der .Lust herumfliegen. Mlan kann die Früchte dadurch vor dem! Verderben schützen, daß man Salizylsäure zu fügt, ditrch die die Pilze vergiftet werden. Der Mensch ist nun zivar widerstandsfähiger gegen Salizylsäure, als ter Pilz, aber schließlich ist auch für ihn der dauernde Genuß salizylsäurehaltiger Früchte nicht unbedenklich. Auch dadurch kann man die Früchte vor dem Ber-terben schützen, daß man sie sehr stark einznckert, teuu auch in starkev Zuckerlöfpng gedeiheir die Pilze nicht. Wenig oder garnicht verzuckerte Früchte kann man erhallen, wenn nian die darin befindlichen Pilze tötet und dann durch einen keimsicheren Verschluß das! Hinzutreten neuer Pilzkeime verhindert. Aus diese Weise arbeiten die Konservenfabriken und die sogenannten Frischhaltungsverfahren Rex, Weck usw. Den Minterbenvittelten sind diese Verfahren zu teuer wegen ter dazu nötigen Spezialgiäser und der Gummiringe. Der hohe K'riegspreis des Gnnimis läßt jetzt auch den Bemittelten nach einem billigeren Ersatz ausschauen. Es gibt ein einfaches, billiges und gut ansprobiertes Verfahren, Früchte ohne Zucker einzumachen, es ist nur noch zu tvenig bekannt. Nötig sind dazu weder teure Spezialgläser noch Gummiringe. Ein gewöhnlictes billiges Glas, ein Stück iveißes Papier, etwas Kleister, Verstand und Sorgfalt: weiter ist nichts nötig dazu. Wer darüber verengt, kann sein Obst im eigenen Hanse und mit ten Mitteln, die sich in jedetti Hanse finden, ausnntzen. Man kocht die Früchte als ganze Frucht, als Mus, Marmelade mit oder ohne Zucker, ganz nach Belieben, füllt sie kochend heiß in die ganz remen Gläser, taucht eine Papierscheibe (2 Zentimeter größer als die Glasmiindnng) in dünnen Stärkekleister, der mit einer Spur Salicylsäure vermischt ist, und klebt damit das Glas zu. Wenn alles tadellos sauber qebandhabt wird, so ist die Frucht haltbar. Die Gläser dürfen ater nie an feuchten Orten anfberoahrt werden. Wer Einmachgläser nach dem System W!eck, Rex nsw. hat. den alten Gummiringen aber nicht mehr trank, ter mag ten Verschluß sichern durch lleberkleben mit Papier auf die oben beschriebene Art. * 2 B i e Benjamin Franklin d i e Sommeqnt e n t- Zeckte. Anläßlich bcr nun auch für England akmellen Sommer- Zeit wird in den englischeti Blattern daran erinnert, wie schon Benjamin Franklin sich für die wahre Würdigung des Tageslichts einsetzte. Da er sich hierbei aber über dte datnalige Unsitte des langen Morgenschlates der Pariserinnen luftig machte, iand er viele Widersacher. Er versieberte ben Pariser Damen ironisch, er babe die bedeutsame Entdeckung gemacht, »daß die Sono.e Licht svcndet, sobald sie ansgegangen ist. tvovon ich ntick, selbst durch Anziehen der Fettslervorhättge nl erzeugt habe!" Diese Ironie aber vnrds dadurch bestraft, daß man crividerte, auch der große Franklin icnne sich irren: er habe beim Oeffnen der Vorhänge näntlicb nur da4 Dnnkjl hinattDgelassen! . . , 284 Vüchettisch. — Prof. D. Schian, Gießen, hat seinen, bisher in fast 100 000 Exemplaren verbreiteten „H a u s a n d a ch t e n für die Kriegszeit" jetzt in der Reihe der „Volksschristeu zum großen Krieg" (Verlag des Evangelischen Bundes, Berlin W 35) ein viertes Heft (10 Pfg.) folgen lassen, das der fortgeschrittenen Kriegslage Rechnung trägt und in der Hinsicht eine willkommene Ergänzung zu den drei früheren Heften ist. -Deutschland. T a t s a ch e n u n d Z i s f e r n. So betitelt sich eine soeben bei I. F. Lehmanns Verlag in München erschienene Schrift von D. T rie ts ch. (Preis: Mk. 1.20). Der Verfasser hat in dein kurzen Vorwort diese neueste Arbeit »eine statistische Herzstärkung" genannt. Das ist sie in der Tat. Ein rechtes „Buch zum Mutmachen". In gedrängter Kürze und einer höchst übersichtlichen Form, die durch farbige graphische Darstellungen noch weiter verdeutlicht ist, wird eilt Vergleich des „barbarischen" Deutschland mit den beidett großen „Kulturnationen" Englaitd und Frankreich geboten. Mit großer Meisterschaft wird in einem reichlichen Dutzend kurzer Kapitel gezeigt, wie die drei Länder sich hinsichtlich Ktilturhöhe, Leistungen auf allen Gebieten, Wohlstand und friedlichem Fortschritt zueinander verhalten. Das Ergebnis, von dem gleich eingangs auf zwei knappen Seiten eine Art Auszug zusammen gestellt ist, wirkt verblüffend. Obgleich die wohlverbürgten Ziffern eigentlich int einzelnen gar nicht unbekannt sind, ist inan versucht zu zweifeln; so ungewohnt wirkt das Gesaintbtld. Aber jede Zeile hält der Prüfung stand. — „Der Tr eubruch Italiens". Mit Benützung amt- licher Urkunden. Von Stadtrat F e r d. Grüner, Trautenau (Böhmen). I F. Lehmanns Verlag, München. Preis Mk. 1,20. — Grüner bringt in seiner Schrift insofern neues Material, als er entgehend schon in der Vorgeschichte auf die innere Unwahrheit der italienischen Forderungen bezüglich jener Gebiete hinweist, welche die Jrredeittisten schon zur Zeit des Dreibundes leidenschaftlich forderten. Ziffernmäßig wird ttachgewiesen, daß die Vevölkeruugs- zahl der Italiener auch in jenen Gebieten, die sie auf Grund »völkischer" Berechtigung verlangten, die große Minderheit ist gegenüber der anderssprachigen. Es ivird ferner daraus hingewiesen, daß auch die italienisch sprechende Bevölkerung, zmnal der Südtiroler Gebiete, mit Ausnahme einer kleinen Zahl von Fabrikanten, Juristen, Aerzten :c., nichts von einem Anschluß an Italien wissen wollte. So unerhört wie der Verrat Italiens, schreibt Grüner, so muß die Sühne sein. Ter Gerichtstag wird kontinen. .Die Geschichte wird ihn mit eisernen Griffeltt in ihren Blättern verzeichnen und eine Warntmg aufrichten für Staatsmänner und Könige, daß Treue und Glaubett Eigenschaften sind, die gehalten und erfüllt werden muffen, weil sonst die Welt zerschellte an der Untreue. — Krieg und R a s s e n h y g i e n e. Tie bevölkerungs- poliusch-n Aufgaben nach dein Kriege. Unter diesem Titel veröffentlicht der bekannte Rassenhygienuer und Verfasser des Werkes »Die Raffenhygiene in den Vereinigten Staaten", der k. u. k. öst.° ung. Konsul in Berlin G. v. Ho ff mann, eine beachtenswerte Schrift (I. F. Lehinanns Verlag, München). — Leo P e r u tz und P a u l F r a n k, Das Mangobauin- wunder, Eine unglaubwürdige Geschichte. Umschlagzeichnung von Olaf Gulbransson, Einbandentwurf von Felger. Preis geheftet 3 Mark, in Leinen gcbtmdett 5 Mark. Verlag von Albert Lattgeit in München.— Leo Perutz, der mit seinem schwerwiegenden Prosa- Epos »Die dritte Kugel" eilten so starken und ehrlichen Erfolg errang, zeigt sich in diesem neuen Roman, zu dein er sich mit'dem bekannten Wiener Schriftsteller Paul Frank zusainmengetan hat, von einer ganz neuen Seite. Eine »unglaubwürdige" Geschichte nennen die beiden Verfasser ihr Buch; und gewiß handelt es von sehr merkwürdigen Dingen, die keineswegs jeden Tag Vorkommen, die sich vielmehr wahrscheinlich tveder in dem Wien unserer Tage, noch sonst irgendwo jemals begeben haben dürsten. Aber der große Vorzug des Romans ist es gerade, mit welchem Geschick' uud welcher, inan darf wohl sagen Kunst das alles „glaubwürdig" ge- macht ist. Keine sogenannte kritische Vernunft koinmt dagegen euch — diese Geschichte reißt einen mit, während des Lesens überzeugt einen all das Seltsame, Abenteuerliche so stark, daß es wohl nicht viel Leute geben wird, die sich vott dein Bttch wieder werden losreißen können, bevor der ganze Knoten entwirrt uud das letzte Blatt gewendet ist. Einem Buch, so spannend auf der einen, so witzig auf der anderen Seite, dürfte wohl ein großer Erfolg sicher fein. — Alt-Flandern. Brabant, Artois, Henne- g a tt, L ü 1t 1 cf), N a nt u r. Bilderband in Großquart mit rund 200 pholographischen Aufnahmen von Städtebildern, Baudenkmälern leder Art und Jnnenraumen aus Belgien und Französisch-Flandern. Mit einer dtirch alte Städtekupfer gefchutückteu ttinstgeschichtlichcn Emwbnmg und eingehenden Aitinerkttngen herausgegeben von Profenor Dr. Richard Grau, Direktor des stä'di. Kunstgewerbemuseums in Leipzig. Mk. 2.20 kart., 3.30 gebd. (Dachau, Roland- Verlag). — Band Rr. 1664 von Kürschners Bücherschatz: D e r M o h r von