Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz» (Nachdruck verboten.'» (Fortsetzung.) „Merci,“ antwortete der Herzog, „es geht ihm ja wohl i^anz gut..." Dann schwieg er eine kurze Weile, zupfte lund nestelte an seiner Joppe herum und lachte plötzlich laut und bitter aus — „Velten," rief er, „man macht schon so seine Erfahrungen! Man wird alt wie 'ne Kuh und lernt immer noch dazu! Da Hab' ich nun zwei Jungen. Habe sie gut erziehen lassen und habe sie 'ranwachsen sehen. Habe mir immer eingebildet, Emil, der älteste, der schlage eigentlich mehr nach der Mutter, und der Harro sei meines Bluts. Prostemahlzeit! Sie haben Harro ja kennen gelernt, als er das letztemal hier war. Aber was Sie nicht wissen, ist die Tatsache, daß er ein glänzender Diplomat ist und daß ihm der Gesandtenposten in Madrid so gut wie sicher itmr! Mas geschieht? Eines Tages kriege ich einen zwölf Seiten langen Brief aus London, in dem mir mein .Herr Sohn an- eigt, er habe den Dienst quittiert, weil er längst fühle, daß ie' Eigenart seiner Begabung und auch seine persönlichen "Interessen sich nach anderer Richtung hin bewegten. Da ist er denn um gesattelt. Und wissen Sie, was der Graf Harro Herrfurth geworden ist — der Sohn des Fürsten Herrfurth- Herzogs von Emskirch? ... Koofmich!..." Der Alte stieß dieses Wort grimmig hervor mtb stieß zugleich mit der Eisenspitze seines Krückstocks so heftig aus die Fliesen des Fußbodens, daß ein klingender Ton laut Würbe. „Ich ahnte derlei," sagte Velten. „Daß Graf Harro keineswegs passioniert für seinen alten Beruf war, hat er mir nicht verhehlt. Im übrigen verstehe ich durchaus, daß sich Euer Durchlaucht über den Berufswechsel Ihres Herrn Sohnes ärgern; aber —" „Aber," fiel Herrfurth ein, „es gibt eine Masse „Aber", Und ich weiß schon, was Sie sagen mtb einwenden wollen! Ich bin ebensowenig ein verbohrter Feudaler wie Sie — im Gegenteil, ich schmeichle mir, mit leidlich gesunder Vernunft begabt zu fein — ich bin — zum Schockschwernot, solange ich Volksvertreter war, auch kein blindwütiger Reaktionär gewesen, habe unter den Freikonservativen gesessen und den Nationalliberalen näher gestanden als der Rechten! Aber — nun kommen wieder die „Aber" — ist es denn nötig, daß ein Herrfurth unter die Geldwechsler geht? Der .Harro ist Teilhaber der Firma Levis F. G. Mackall geworden —" „Eines bet v größten Bankgeschäfte Englands," warf gMten ein. „Meinetwegen! Und wenn auch die Leute ungezählte Milliarden umsetzen und wenn sie auch..." Er svrach nicht Mts; er stampfte wieder mit bem Krückstock den Boden, und ein leises Stöhnen quoll über seine Lippen, als salle es ihm schwer. Luft zu schöpfen. Sein Gesicht war finster, die buschigen Brauen berührten sich ,^Herdmnmto Krämer» baude", murmelte er. Wen meinte er? Den Kaufmannstand oder das gewerb- tätige England oder die Firma Mackall? — Me vielleicht — und Velten fiel ein. was chm Graf Harro einmal im Rauchzimmer dieses Hau^eS über den „liberalen Adel" gesagt, dev immer auf der Goenzscheide zweier Weltanschauungen stehen bleibe, und was er selbst geantwortet hatte. Daß der waf bei seinem ausgeprägt radikalen Empfinden früher oder später genötigt sein werde, einen Beruf aufzugeben, der ihn häufig in Widerspruch mit seiner Ueberzeugnng bringen mußte, war erklärlich; Belten begriff nur nicht, warum Harro bei seiner Liebe zum Vater nicht wenigstens den Tod des alten Mannes abgewartet hatte. Aber vielleicht lagen gewichtige Gründe für ihn vor, schon jetzt seinen Entschluß in die Tat umzusetzen — wer konnte das wissen. Der Herzog War still geworden. Er starrte die Parkallee hinab, starrte in die Ferne. Ueber das graue verwttlerto Greisengesicht ging ein weicher Ausdruck; im Eck des linken Auges sammelte sich eine Träne unb rann langsam über die bager gewordene Wange in den Wirrwarr des Zottelbarts hinein. Velten fühlte sich eigentümlich erregt. Es drängte ihn nach Gotternegg zurück. Er war froh, daß Herrfurth keinen Einspruch erhob, als er bat, sich verabschieden zu diirfen. Diesmal fuhr nicht Bozenhardt, sondern ein jüngerer Kutscher, der kerzengrade mtb stumm vor Velten aus dem Bocksitz saß. Auch Velten sprach nicht; kein Scherz kam von seinen Lippen wie ans der Herfahrt; er war sehr bloß, und ans seiner Stirn lag eine schwere Falte. Als der Wagen in das Nnthetal einbog, gleißte die Sonne im Untergang. Ueber den Bergen und ihrer dunklen Tannenkrönung baute das Abendrot eine leuchtende Gralsburg auf, und von dem flammenden Heiligtum inmitten schossen goldene Strahlen durch (den zur Hiiümelshöhe immer matter getönten Purpurbrand dieser großen Glorie. Es war im dlbendsonnenschein noch immer das stille Tal, und der Götzen hielt Wacht, und der Burgsried Und die Umfassungsmauer der alten Feste standen oben ans der Höhe ans ihrem alteil Fleck. Aber unten im Dorf, das sich in sanfter Biegung und lauggezogen wie eine Mrven- linie am Fuße des Gotzenbergs erstreckte, da hatte sich manches verändert. Wo war die' Mühle? Ja, sie stand noch, die Burgmühle mit ihrer offenen Sägehalle, über deren Ge- tänber Efeu kroch und das Gespinst wilden Weins — doch sie lag nicht mehr frei am Flusse und am Rande der Wiesen, durch die das Wasser sprang, um sich widerstrebend, sprudelnd und schäumend am Wehr zusannneuzudrängen; ein hoher Zaun umschloß sie wie ein Gürtel der Scham. Ein seltsamer Zaun, sehr kunstreich gefügt, ans eng aneinander gereihten Planken, die weinrot gestrichen waren. In regelmäßigen Abständen verbanden viereckige Pflöcke die Bretterlagen, mit merkwürdigen Schnitzereien und l-erbeinschnitten und einer grinsenden Fratze als Krönung. Kam man von der 278 Höhe, so sah dies säst ans wie die mit Mut getünchte Umfassung eines afrikanischen Ncgerdorses; aber der Kantor Mrbringer, der Gott sei Dank noch am Leben war, wußte es besser: es lvar „altirischer Stil". In das Burglehn war der Stil eingezogen. Der Stil halte den Holzplatz Vertrieben, wo einst die gefällten Baumstämme am Wasser lagen, die Bohlen und das Schlegelholz aufgetürmt waren, wo die Hühner spazieren gingen und die rote Kaste ihr bestes Mäuserevier besaß und wo Mrbringer aus Hobelspänen und Kieferscheiten beim Kampsspiel um die böhmische Königsmaid die Wlastabnrg hatte errichten lassen. Schloß Gotternegg, dessen hohes Dach hinter den: Wipselmeer des Parks verschwand, hatte einen Nebenbuhler bekommen; Grete hatte das neue Haus Monrepos getauft, aber die Leute nannten es das Müllerschloß. Ein Berliner Architekt hatte es erbaut und zwar (laut Fürbringer) iin „schottischen Kastellstil". Es stand allein in dem neu angelegten Park; das gaiue alte Gehöft war abgetragen worden; die Stallungen nndWemisen lagen jetzt unten am See und bildeten ein regelrechtes Viereck von einstöckigen Gebäuden, die nach Fürbringers Angaben in „strengstem französischen Prüfekturstil" gehalten waren. Ja, der liebe alte Mrbringer lebte noch. Aber er war emeritiert worden. Er vertrug sich mit dem neuen Pastor nicht, dem Pastor Doktor Justus Freitag, der längere Jahre auf Missionen tätig gewesen war und nun direkt aus Ostafrika kam. Graf Ariern hatte ihn unten kennen gelernt, war aber über seine .Herkunft nicht sonderlich freudig überrascht, da er in ihsn eine ungebührliche Kontrollierung seiner eigenen afrikanischen Erzählungen sah. In der Tat erwies sich Pastor Freitag als ein wenig zugänglicher Mann auf dem Gebiete des Humors; er war eine herbe und strenge Natur, das ganze Gegenteil seines Vorgängers Fresenius', ein Eiferer mit flammenden Augen und einer gewaltigen Stimme. Mit dem spartanischen Mrbringer und seiner Erziehungsmethode konnte er sich, durchaus nicht befreunden. Da geriet Mrbringer in helle Wut und gedachte, nach Argentinien auszuwandern. Es hatte kein Mensch herausgebracht, wie er gerade aus Argentinien verfallen war; es kam auch nicht zum Aus wandern; der alte Reschke wies ihm eine freistehende Gedingewohnung an unb in die zog er mit seinen Büchern und Landkarten und arbeitete fortan an einem Werke, das den Titel führen sollte: „lieber die WhärtunI unserer Jugend durch gymnastisch-militärische Freilnftspiele. Nebst einem Anhang: Die neue Generation. Ein Wort an Eltern, Lehrer und Erzieher über die Erweckung des wahren Patriotismus in unfern Kindern." Die Jugend von Gotternegg aber lehrte fürder ein andrer, ein braver junger Mann, der viel an Zahnschmerzen litt und ein leidenschaftlicher.Imker war. Nur war es nicht die alte Lehre; es kam auch hier Stil hinein. Der Wagen Vellens fuhr nicht durch die große Parkein- sahrt. Auch auf Gotteneggschem Gebiet waren Veränderungen vor sich gegangen. Der das „alte Haus" umgebende Teil des großen Parks war abgetrenut und von einem lustigen Eiserigitter umgeben worden. Mer es war nicht mehr das „alte Haus", es war das „Prinzenhaus": das Altenteil für Jost und Annemarie. Die Fürstin wollte nicht, daß die beiden sich in der Heimat als „Gäste" betrachteten: das Prinzenhaus wurde als ihr Eigentum grundbuchamtlich eingetragen. Lilian selbst ordnete auch den inneren Umbau an; der eine Flügel wurde für Jost, der aridere für Annemarie eingerichtet. Und gerade Annemarie war tief gerührt, als sie sah, mit welcher Liebe ihre Schwägerin an das Werk gegangen war; in der Ausstattung der Zimmer lag s? viel persönliche Intimität, daß die Prinzessin ganz glücklich war unb mit doppelt schwerem Herzen an die Rückkehr in das Barockschlößchen bei Potsdam dachte Als der Wagen vor dem Parkgatter hielt, hörte Velten hinter der Fliederwand und der Rosenhecke fröhlich lärmende Stimmen. Auf dem großen Rasenrnudell vergnügte sich die kleine Feriengesellschaft mit Reisenspiel. Mle waren dabei: Annemarie, Hede Berkühn, Eva, Jost — auch Grete, die sich zu einer Schönheit von stark brünettem Typ nnd pikanter Eigenart entwickelt hatte. Znr Seite stand der grüne Mar seligen Angedenkens, um fehlgehende Reifen wieder einzu- fangen. Die Gichnhett lag in der Vergangenheit; Max war Nu forscher Jüngling geworden; das Schlottrige war ae- wichen wie der grüne Rock, er trug Gotterneggsck-e Haüs- ttvree, vielt dre Hacken zusammen und drückte die Brust heraus (das wirr die Erziehung Ariern S). Ein Hallo entstand, als Velten sich zeigte. Man ließ die Reifen liegen und umringte ihn. „Was macht Onkel Rübezahl?" schrie Annemarie und bürg sich an Veltens Arm. Grete hielt sich etwas zurück. Belten gegenüber spielte sie gern die Dame von Welt'; sie Zerpflückte ein Akazienblatt und tat ein wenig sinnend. „Was wollte denn der Alte?" fragte Jost. „Hundert Fragen stellen, mein Junge," antwortete Velten, „wissen, wie es uns allen geht — nichts weiter_" Die Abendschatten fielen. Es war zu spät geworden, weiterzuspielen. Auch erschien Madame Balfour im Portal; die frisch gedrehten Hängelöckchen zitterten wohlgefällig, sie knickste und fragte, ob die Durchlauchtigsten Herrschaften hier zu speisen gedächten oder das Souper drüben im Schlosse nehmen würden. Darüber entspann sich ein lebhafter Wortwechsel; aber Jost entschied. „Drüben," sagte er; „das sind wir Lilian schuldig. Sie freut sich. Telephonieren Sie, Madame—" Madame knickste wieder und ging an das Telephon. Es war beim Umbau angelegt worden und führte hinüber in die Wohnung des alten Beyfuß. Madame Balfour gab das Klingelzeichen. „Sind Sie selbst da, Herr Schloß- intendant?" fragte sie. „Jawohl, Madame," tönte die Antwort zurück. . . . „Die durchlauchtigsten jungen Herrschaften mit hochdero Gästen lassen sich bei Ihren Durchlaucht znm Tee anmeld-en^" trompetete die Balfour in das Schallrohr hinein, und ihre .Hängelöckchen wogten dabei geschmeichelt. „Werde es sofort Ihren Durchlauchten anmelden lassen," gab Beyfuß zurück; „wird uns eine hohe Ehre sein. Bitte einviertet nach Acht präzise.. .".Man fühlte förmlich, wie sich Beyfuß bei dieser Meldung vor dem Telephon verneigte. Die Balfour knickste wirklich. Sie hatte sich das angewöhnt. Daß sie den Rest ihrer Tuge in so vornehmer Behaglichkeit verleben könnte, hatte sie sich nie träumen lassen. Alle Sorgen waren vorüber,- die Rechenkünste^ brauchten nicht mehr probiert zu werden; Annemarie war Hofdame, Jost studierte fleißig — sie selbst war gewissermaßen Herrin im Prinzenhanse und las tagüber französische Romane und teilte sich mit Mamsell Anschütz, der noch immer das Kücheudepartement unterstand, in dem Gefühl wohliger Faulhert. In der schon erleuchteten Halle verabschiedete sich die junge Gesellschaft. Jost ging auf sein Zimmer, Eva wollte ihren Eltern eine Grnßzeile schreiben, Grete zeigte der Komteß die Hundegräber im rückwärtigen Garten. Velten hatte leicht Annemaries Hand berührt nnd fragte in gedämpftem Tone: „Können wir ein paar Minuten' miteinander plaudern, Prinzessin?..." „Wer gern," antwortete sie. Sie schaute etwas befremdet zu ihm auf; ihr schien, als gehe ein leises Beben durch seine Stimme; auch die Frage berührte sie seltsam. „Kommen Sie mit in mein sogenanntes Boudoir, Velten,"- ftlyr sie fort, „das haben Sie noch gar nicht gesehen. —- Ja — nun habe ich mein eigenes Boudoir, lieber Freund, nnd Lilian hat es ganz reizend einrichten lassen. Es ist viel hübscher als mein Zimmer in Potsdam: das ist Empire nnd alles Ecken und Kanten nnd rechte Winkel — aber hier herrscht die Rundung vor und mollige Weichheit..." Sie sprang voran, die Treppe hinauf. Ihr lichtes Kleid schimmerte durch das Halbdunkel wie eine Rauke aus weißen Rosen. Mit schweren Schritten folgte Velten. Ein Ring lag uni seine Stirn; er fühlte, wie der unsichtbare Eiseureis seine Schläfe preßte. Annemarie hatte eine Tür geöffnet. Eine Garbe roten Lichts strömte Velten entgegen. Das Boudoir lag nach der Meudseite hinaus. Da schwamm noch ani Horizonte der Widerschein des Sonnenuntergangs, eine vielschichtige Farbenskala, vom zart verblassenden Rosa bis zum satten Rot einer aufgebrochenen Kirsche, und alles mit Gold staub! übertaut, und das Licht füllte auch das Zimmer, dessen Wände mit pfirsichblütenfarbiaem Stoff bespannt waren, wahrend die Polster ein kräftigeres Rot zeigten und die Rosenbukette im Teppich langsam zu verbleichen schienen. Mitten rm Boudoir stand Annemarie, von den Lichtern umspielt, die über ihr weißes Kleid huschten und sich in ihrestr Haar versingen, breitete die Arme aus und sagte feierlich- -Mein Herr, dies ist mein Reich Schätzen Sie es als eine besondere Ehre ein. daß ich Sie hier empfange, zumal Sie das erste männliche Wesen sind, dem ich mein Bondorr offne." (Fortsetzung folgt.) 279 Robert prutz, ein Vorkämpfer k>er Deutschtums. (Zu seinem 100. Geburtstage am 30. Mai 1916.) Bon Jp eins .91 nt e I lt n g. Ein mächtiger Trieb zur nationalen Einheit schien sich 1840 im deutschen Volke kundzugeben, als der französische Minister Thiers kriegerische Töne gegen die deutschen Staaten anschlug, lveil die vier Großmächte den Sultan in Schutz nahmen gegen den von Frankreich begünstigten Vizekönig von Aegypten. Damals brauste, Wit Begeisterung ausgenommen, Max Schneckenburgers Ruf wie D-onncrhall durch die deutschen Saitbe: „Fest steht und treu die Wacht am Rhein!'' .Ernst Moritz Arndt erhob noch einmal seine kräftige Stimme zu den: Kriegslied gegen die Welschen mit der Losung: „All-Deutschland in Frankreich hinein!" Und Nikolaus Kecker entzündete alle deutschen Herzen mit seinem Rheinlied; alle schwuren mit ihm: „Sie sollen ihn nicht haben, dm freien deutschen Rhein, ob sie wie gier'ge Raben sich heiser danach schrein!" >vch mit der Kriegsgefahr verflüchtigte sich mehr und mehr auch wieder die nationale Stimmung: der große Moment fand noch ein kleines Geschlecht, die deutschen Stämme blieben noch für ein Menschenalter gespalten. Da ließ ein junger Dichter, dessen Verse schon vorher hatten aufhorchen lassen, die Mahnung erschallen: Euch 'gilt, mein Ruf, ihr Fürsten und Vasallen, In deren Händen unfer Schicksal liegt! Euch Deutschen gilt er, nah und fern, euch allen, Soweit ein Hauch von deutschem Munde fliegt: Mit euch zuerst müßt ihr den Kam pf^b eg innen! . . . Sei deutsch, mein Volk! Verlern' den krummen Rücken, An den du selbst Unwürdig dich gewöhnt! ^ Mit freier-Stirn, grad aufwärts mußt du blicken, Bom eignen Mut gesittigt und verschönt. So wirds erreicht! Und wenn in küust'gen Tagen, ' Das stolze Fßankreich unfern Rhein begehrt, Mir werden es mit Lächeln dann ertragen, Dann ohne Lieder, doch die Hand am Schwert. Ms es drei Jahrzehnte später wirklich galt, den deutschen Strom gegen die Begehrlichkeit der Franzosen mit der Hand am Schwert zu verteidigen, da erwachten auch jene Lieder von Becker und Schneckenburger zu neuem, kräftigen: Leben unb halfen mit, die deutsche Freiheit und Einheit zu begründen; gehört doch nach Bismarcks Urteil „des deutschen Liedes Klang zu den Imponderabilien, die den Erfolg unserer Einigkeitsbestrebungen verbreitet und erleichtert haben". Ter Dichter aber, der eben wicdergegebenen Verse, der sich schon seit seinen Jünglingsjahren kraftvoll eingesetzt hatte, für die Erweckung und Stärkung des Deutschtums, für Freiheit Und Wahrheit, sah noch das Ziel seiner patriotischen Wünsche erreicht, zu dessen Erlangen er an seinen! Teil mit beigetragen hatte; er konnte sich noch der Waffenerfolge der verbündeten deutschen Heere und der Errichtung des deutschen Kaiserreichs freuen, bevor er dm 21. Juni 1872 in seiner Heimatstadt Stettin die spitze Feder niederlegte und die redegewandten Lippen für immer schloß. Bei jeder für das deutsche Volk bedeutungsvollen Gelegenheit ist Robert Prutz in Schrift oder Wort öffentlich hervorgetreten, ratend, wegweisend, inahncnd oder tvarneud; stets hat er'leidenschaftlich Partei ergriffen, denn Kamps war ihm Lebensbedürfnis, War ihn: Lcbcnselenient. Gebt Raum, ihr Herrn, ich bitte! Laßt ü: des Lebens Mitte Mick stürmen siegesfroh: Mich will's zu Tatei: treiben, Ihr mögt sie dann besckweiben, Das paßt uns beidei: so! Zu Taten freilich hatte das Schicksal ihn nicht ausersehen, nur im Kampf der Geister konnte er sich in die vorderste Reihe stellen. ITiesem Streit ist er nie ausgewichen, in ihm hat er ausgeharrt bis z un: .Ende. So sei's denn Krieg! Nicht zwischen mir und ihnen Soll Friede sein, die abgehgrmt und bleich, Beximntei: Auges, kranken Mägdlein gleich Dem falsche:: Ruhm der Aftermuse dienen! Dieser „Aufforderung" ist er treu geblieben; allem Schlechten und Ungesunden in der Literatur ging er rücksichtslos zu Leibe. In der Literatur — denn auf diesem Gebiete konnte er seiner Veranlagung Und seiner Vorbildung nach die größte Wirkung erreichen. Seine,: Standpunkt, den er bei der Betrachtung der Entwicklung unserer Literatur gewonnen hatte, sprach er kuez im Schlußwort semer 1859 erschienenen Schrift über die deutsche Literatur der Gegenwart dahm aus, daß eine erneute Blüte iunserer Literatur nicht möglich sei ohne eine Erneuerung unseres gesamten volkstümlichen Daseins. Literatur und Leben gehören also seiner Ueber- zeugUiig nach zusammen. Danach richtete er sich in seinen eigenen dichtenschen Arbeiten auch insofern, als er die Stoffe zu seinen Romanen (Das Engelche:!, Die Schwägerin, Felix, Der Musikanten-, türm, Helene, Oberndorf) größtenteils deni sozialen Leben entnahm; vor Gustav Freytag noch dem er in vielem wesensverwandt war, suchte er das deutsche Volk bei seiner Arbeit auf Daneben; nahm aber auch die lyrische Dichtung einen beträchtlichen Rauni in seinem Schaffenswerk ern. Seine erste Gcdickstssamnilung erschien 1841 MS reifer Mann erlebte er iwch eine zweite Periode lyrischen .Schaffens; wie em von den Entzückungen der ersten Liebe ergriffener Jüngling sang er die Lieder, die er 1858 in dem Bande „Ander Heimat" vereinigte. Und dem wiedererschlossenen Quell entströmten weiter die in den SamUtlungen „Aus goldenen ^agen" (1861), „Hcrbstroseu" (1864), „Buch der Liebe" (1869) z::- sammengefaßten Gedichte. Manches davon ist heute noch lebendig, so die Liebeslieder „Warum duften doch die Rosen so viel schöner bei der Nacht?" und das andere „Was die Liebe kann begehren, Liebe darf es frei gewähren", oder die Frühlingslieder „O Herz, du mußt dich fassen", sowie das vielgesungene „Studentenherz, was macht dich trüb?" Nicht unerwähnt bleiben dürfen bei diesem Ueberblick die Dramen Karl von Bourbon, Moritz von Sachsen, (H'ich XIV. der Bauernkönig. Den größter: Erfolg aber gewann stiobert Prutz 1845 mit seiner satirischen und witzigen Komödie „Die politische Wochenstube", die in ihrer Art ein unübertroffenes Meisterstück ist. Für die Stimmung, die infolge der Enttäuschung der Hoff n un ge. l in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herrschte und immer weiter um sich griff, gibt es kaum ein bezeichnenderes Literaturdenkmal als diese mit Anspielungen auf tausenderlei Tinge Und Verhältnisse vollgepfropfte Komödie. Uebcr alles, was dem Dichter in der Politik uiü> Verwaltung, im öffentlichen und bürgerliche:: Leben, in der Literatur unb in den Wissenschaften schädlich oder veraltet, zopfig und erneuerungsbedürftig zu sein schien, schwang er mit aristophanischer Ausgelassenheit, aber mit deutlich durchfühlbarem Ernst die Peitsche. Das Werk erregte bei seinem Erscheinen außerordentliches Aufsehen, hatte für Brutz aber auch die unangenehme Folge, daß ihm der Prozeß wegen Majestätsbeleidigung gemacht wurde. Da wandte sich der Dichter mit würdigen Worten unmittelbar an den König, der großherzig genug empfand, das Verfahren niederzuschlagen, ja sogar die Erlaubnis zu literarhistorische!: Vorlesungen in Berlin erteilte. Das Ivar ein großes'Entgegenkommen gegen einen Mann, der wegen seiner ungescheuten politischen Betätigung den Behörden stark verdächtig war. Aus Jena, wo Prutz eine Professur zu erlangen hoffte auf Grund einer vortrefflichen Untersuchung über den „Göttinger Dichterbund", hatte man ihn sogar ausgewiesen. Rasch bekannt gemacht hatte er sich schon vorher als eifriger Mitarbeiter der .Halleschen Jahrbücher: damals schon, seit 1839, suchte er dahin zu wirken, daß sich die Literatur dem nattonalen Gedanken annäherte und ihn in sich anfnahm. Die Poesie —. so forderte er später — solle aufhören, nur inimJer zu jubeln und zu drohen, zu jauchzen und zu klagen, sie solle mit Hand anlegen zum Aufbau unseres Vaterlandes, nur dann werde sie aus einer Poesie der Jünglinge und Weiber zi: einer Poesie der Männer werden. In diesem Sinne schrieb er selbst seine politischen Gedichte. Drum, was die Neunmalweisen Auch predigen und preisen. Wir dulden ihren Spott. Wir streuen doch zu Taten, Zu künftigen, die Saaten — Nun mag die Frucht beraten Der allerhöchste Gott! Wie alle die politischen Dichter jener Zeit, dje Herlvegh, Hoff- mam: von Fallersleben, Kinkel, Dingelstedt, Gottschall, so beherrschte auch Prutz die Ucberzeugung, daß sein Wirken in Poesie und Prosa ein ivahrer Dienst am Vaterlande sei, ein Bauen am Freiheits- und Einigungs.ver? Deutschlands, ein Fördern dec nationalen Erziehung unseres Volkes. Biele Samenkörner, die damals ausgestreut wurden, sind erst in unserer Zeit aufgegangen: die Bedeutung so mancher Frucht, die damals gepflanzt worden, haben voir jetzt erstr-echt erkannt. Robert Prutz war einer der eifrigsten JWegebereiter der deutschen Zukiinft. Das Ziel hatte er stets un- verrückt im Auge; uneigennützig strebte er ihm zu. Eine Anerkennung tour de ihm zuteil, als ihn die deutsche Schillerstiftung unter ihre lebenslänglichen Pensionäre anfnahm. Wahre Triuniphe feierte er auf seinen Vortragsreisen. Als öffentlicher Redner übte er ja eine unvergleichlich größere Wirkung aus, als sie ihm als akademischer Zehrer beschieden sein konnte. Nur wenige Jahre bekleidete er das Amt eines' außerordentliche!: Professors für Literatnrge- schichte in Halle. Noch wichtiger und nachhalttger als durch seine Reden wivkde er aber durch seine höchst fruchtbare Tätigkeit als Schrisftteller :tnb Journalist. Das „Deutsche Museum", das er 18o1 in Verbindung mit Wolfsohn begründete, machte er rasch zu einer der angesehendsten und beachtetsten Zeitschriften. Seine vielseitige Bildung, sein Unabhängigkeits- und Freiheitsgefühl, sein festes Vertrauen auf die deutsche Zukunft, sein regsamer, schnell auffassender Geist — all das befähigte Prutz wie wenige andere, in lener uebergangszeit ein Führer und Berater zu sein. vermischtes. , * Rationelle Hühnerzucht. Die Hühnerzucht wird :n sehr vielen Fällen immer noch nicht so betrieben, daß die bestmögliche Ausnutzung des Eier- uiü) Fleisch er träges erzielt würde, Und das ist in der jetzigen Zeit um so mehr zu bedauern, als auf der einen Seite durch den Russeneinfall in Ostpreußen und durch die Futtermittelknappheit ein nicht unbedeutender Rückgang des deutschen Geflügelbestandes eingetrelen ist, auf bcc andern aber die Einfuhr aus dem Auslande, die fttiher stattfand, größtend-iks in Fortfall kommt. Der PajuM-chler, der von vielen Züchtern gemacht wird, beruht «ich mangelhafter Kontrolle des Kerert vages. Man läßt die Hühner häufig zu alt werden und fitttert sie noch zu einer Zeit weiter, w-o der abnehmende Eievertvag die Kosten nicht mehr lohnt und auch das Fleisch sich verschlechtert. Um dies zu verhüten, ist eine sorgfältige Kontrolle des Alters der Tiere durch iFlußrrng'e n. dergl. !und des Eierertrages durch Gebrauch von Fallennestern nötig: auch hat man ans Beschaffung der geeignetsten Rassen, guf richtige und nicht zu reichliche Ernährung, auf Aussonderung aller kranken Tiere, auf Vermeidung der Inzucht, aus Reinhaltung der Ställe, Sihstangen und Nester sorgsam zu achten. Wir bezogen vor dem Kriege jährlich große Mengen von Kern und Schlachtgeftügel aus dem Allslande' — int Jahre 1913 mußten allein für Eier und Eigelb etwa 200 Millionen Mark an das Ausland gezahlt werden: wird die Geflügel-, besonders die Hühnerzucht- überall rationell bei uns betrieben und nach Möglichkeit erweitert, so sind wir zweifellos imstande, lins darin vom Auslaitde unabhängig zu machen. Welche Bedeutung das gerade jetzt für die Volks- ernährung haben würde, liegt attf der Hand. * Wrang el als Diplomat. (Sine wenig bekannte Wrangel-Geschichte zeigt ims den alten preußischen Haudegen als eilien Mann, der geschickt diplomatische!: Schwierigkeiten auszu- weichen wußte. Es war im Jahre 1864, wo ganz eigenartige Verhältnisse in Holstein herrschten. Die deutschen Bundesstaaten hatten Holste:,: besetzt, während die allierten Oesterreicher und Prenßen Schleswig eroberten und von da auch später in Jütland eindranßen. So kam es, daß diese,: eil: Teil der Festung Rendsburg gehörte, während die eigentliche Stadtbefestigung in: Besitze der Bundes- truppen verblieb. In deren Besitz wären auch die Pulvermagazine, und die preltßischel: Offiziere, die nach Rendsburg kamen, um Munitionsvorräte zu beschaffen, waren gezwui:gen, erst die Schlüssel bei den Bul:deStruppen abzuholen, was mit allerlei Unzuträglich- keitei: verknüpft war. Vergeblich hatten die Offiziere den Feld- nmrschall um Abstellung dieses Uebelstandes gebeten, er möge ein Machtwort sprechen. Wrangel hatte dies immer verweigert, da er alles vermeiden wollte, was die Bundestruppen verletzen könnte. Eines Tages meldete ihn: eil: sehr energischer Offizier, der schon öfters den schwerei: Gang zum Magazin hatte machen müssen, er habe den Schlüssel behalten u::d trotz Mahinlngen des Bundes- komnmndeurS diesen: erklärt, er werde ihn nur herausgeben auf ausdrücklichen Befehl seii:es Ober-Kommandos. „Der Schlüssel wird wieder abgegeben!" befahl Wrangel. Darob allgemeiner Univillen bei den Herrei: des Stabes. „Mein Sohn, das verstehst Du nicht," sagte der Feldmarschall, „ich habe zwar besohlen, der Schlüssel wird abgegeben, ich habe aber — inzwischen ein anderes Schloß am Magazin anbringen lassen, und den Schlüssel davon behalten wir natürlich! - * E i n m e r k w ü r d i g e s wissenschaftliches Ver- m ä ch t n i s. Es sind jetzt 83 Jahre her, seitdem Graf Alexander Arakjef, ein Freund des Zarei: Alexander I., der staatlichen Darlehnskasse die Snn:me von 50 000 Rubeln mit einer merkwürdigen Bestiinmung übergab: es sollte diese Summe unangetastet bis zur hundertsten Wiederkehr des Todestages Alexanders I. liege:: bleiben, so daß sie sich durch Zins und Zinseszins gewaltig vermehrte. Die Riesensumme, die alsdann vorhanden ist, solle dem zusallen, der die ausführlichste und trelleste Geschichte der Regierungszeit Alexanders I. versaßt hätte. Die »Times" ist es, die auf d:ese eigenartige letztwillige Verfügung zu einem wissenschaftlichen Zwecke htnwetst; sie ist auch iu der Lage, weitere Einzelheiten über das Testament anzngeben. Die Akademie der Wissenschaft ur:d Kunst ist es, der die Manuskripte zur Prüfung vorzulegen sind; bis zum 12. Dezember 1925 muß die Entscheidung getroffen werden. Alsdann sind den: Preisträger etwa 800 000 Rubel in'Metallgeld auszubezahlen, und der Rest des angesammelten Geldes wird für die Veröffentlichung des Geschichtswerkes verwandt. Dieses soll nämlich breiten Volksschichten dadurch zugänglich gemacht werden, daß 10 000 Exemplare zum Herstellungspreise verkauft werden; außerdem soll de: Rest der Sun:n:e dazu dienen, unter den gleichen Bedingungen Uebersetzungen zu verkaufen, und zwar eine französische und eine deutsche. * Engliscke Feld Herrn geh älter einst und jetzt. Lord Kitchener bezieht in seiner heutigen Stellung ein Jabresgehalt von 120 000 Mk., und ein junges Parlamentsmitglied hat dagegen eingewandt, daß die Dienste des Feldmarschalls etwas hoch bezahlt feien. Demgegenüber betont nun die englische Presse, daß im Vergleiche zu den Gehältern, die englische Feldherren früher bezogen, die Entschädigung Lord Kitcheners, besonders in Anbetracht der Verdoppelung und Verdreifachung des Geldwertes seit Anfang des 18. Jahrhunderts, geradezu lächerlich geringfiigip sei. Zum Beweise werden die Sunnnei: initgeteilt, die der berühmte Sieger von Vlenheim und Malplcrquet, der Herzog von Marlorough,' bezog. Marlborough erhielt gleichzeitig als Bevollmächtigter der Königin Anim 140 000 Mk., als Oberbefehlshaber der englische!: Streitkräfte 200 000 Mk., als „Master of the Orbnance" 60 000 Mk., als Oberst der Leibgarde 40 000 Mk.; dai:eben bezog er von den nieder- ländischen Generalstaate,: jährlich 200000 Mk., eine Pension von 100 OoO Mk., Neisespesen in Höhe von 26 700 Mk., Tischgelder in Höhe von 20 000 Mk., alles in allen: also 785 700 Mark. Damit nicht genug, bekam ^seine Gemahlil: als Oberhofmeisierir:, Ver- ' walterin von Windsor, Garderobetntendantin und Schahmeistevtn jährlich 150 000 Mark. Die beiden Marlboroughs kosteten England mithin jährlich 935 700 Alk., und dabei waren die Einkünfte und der Wert der großen Besitzungen Woodstock und Blenheim nicht miteingerechnet, die dem großen Feldherrn als Krondodation verliehen worden waren. vllHertlsch. — Der „V ö l k e r k r i e g." AuS den eingehenden Dar- stellunaen in Heft 77 und 78 der bekannten Zellschrtft „D e r Jö ö I f e r f c i e ß" (Herausgeber Dr. C. H. Baer, Verlag JuliuS Hoffmann, Stuttgart) geht hervor, welch genaue, klug berechnete und mit glänzenden Mitteln auSgeführte Vorbereitungen diesem denkwürdigen kriegerischen Dardanellen-WagniS der Engländer gewidmet wurden. Was die unter schrecklichen Opfern vollzogene Todesfahrt der englisch-französischen Flotte vom 18. März 1915 nicht erreicht hatte, sollte durch eine gelandete Armee erzwungen werden. Der .Völkerkrieg" erzählt in spannenden, meist aus englischer und französischer Feder stammenden Berichten von den Schwierigkeiten und den außerordentlichen Verlusten der Landungen. Gewöhnlich ließen die Türken die Landungsboote nahe heran- kommen und eroffneten dam: aus völlig gedeckter Stellung ein unheimliches Gewehr-und Maschinengewehrseuer. Es kam also alles darauf an, eine möglichst große Truppenzahl so rasch als rnöglich an die Küste zu werfen. Zwischen Kap Helles und Sedd-ül-Bahr wurde zu diesem Zweck ein eigenartiger Versuch gemacht. Drei Kompagnien der Dublin-Schützen sollten in Booten das Land erreichen, dicht gefolgt von dem Kohlendainpfer River Elyde, der ganz mit Truppen angefüllt war. Gleich hinter den Kompagnien der Schützen wollte man das Transportschiff am Strande anflausen lassen und die vom Schisse mitgeführten Leichter sollten eine Brücke zum Landei: bilden. Dieses klug ausgedachte Verfahren lieferte gleichwohl ein sehr geringes Ergebnis. Die ersten Kompagnien wurden durch einen Wirbelwind von Stahl und Feuer fast völlig vernichtet. Eine starke Strömung macht es fast unmöglich, die Leichter in die richtige Stellung zu brii:gen. Als auch dies schließlich gelungen war, überlebten unter eineln Hagel von Geschossen nur wenige die kurze Entfernung bis zum Strai:de. Bald gab die Schiffsbrücke der Strömung nach, die Leichter gerieten in tiefes Wasser, und viele, die den Kllgeln entgangen waren, ertränke,:. Ein englischer Berichterstatter, der soäter diesen Strar:d besuchte, fand „einen gewaltigen Schiffsrumpf, schwarz und rot bemalt, mit dem Kiel in den Sand gebohrt, verlassen und unbeweglich .... ein Gespensterschiff, das langsam von bei: Wellen zerfressen wurde, von Tag zu Tag mit mehr Schußlöchern besät, alles Schutzes entblößt: so lag er da, dieser gestrandete Rumpf, ber die ersten Krieger barg und den die Soldaten „Trojanisches Pferd" nannten." — Walter Goetz, Deutschlanbs geistiges Leben im Weltkrieg (Perthes' Schriften zum Weltkrieg Heft 11). Preis 1 Mk. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha. — Im Gegensatz zu manchen anderen Veröffentlichungen über Teilgebiete der Geistesarbeit im Kriege, die viele Wünsche und be- geisterungsvolle Lobsprüche, aber wenig Neues und Unbekanntes bieten, unternimmt diese Schrift vom Nachfolger Karl Lamprechts zum erstenmal den Versuch, an der Hand von Tatsachen und bisweilen von Zahlen gewissermaßen die Sumine unseres geistigen Schaffen? objektiv aufznzeigen. Die Gesamtheit unserer Kriegsleistung in Schule und Kirche, Universitäten und öffentliche,: Instituten, Literatur und Kunst, Presse und Buchhandel usw. wird fesselnd dargestellt und gewürdigt. Für den späteren Historiker wird diese Schrift eine reiche Fm:dgrube sein; für uns Zeitgenossen ist sie das erste rein sachliche Zeugnis unserer geistige,: Leistung, das von allen denen, die zu diesem Schaffen beigetragen haben, mit Freude ausgenommen werden wird. lireuzrätsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaabbdddeeeeeeff ifgg hh jj 11 mnnn o o r rrr ssssuuüti derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Nördliche- Sternbild. 2. Feierliche Handlung. 3. Einen Minnesänger. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Waidmann) Waldmam:. Schriftleituna: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühlffchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gienen