MM MM Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ ^Fortsetzung.) >,Auch das ist nur bedingt richtig, Herr Graf. Es ist zweifellos, daß das Majoratswesen allein unsrem Adel leine Unabhängigkeit und Selbständigkeit wahrt; in der Regel werden aber die jüngeren Sohne so gestellt, daß sie dem Staate dienen können. Wo das nicht der Fall ist, da mag man dem Adel entsagen, wie ich es getan habe. Ja, Herr Graf, ich bin ein Verteidiger der Fideikommisse, doch nicht der Vererbung des Adels auf alle Söhne des Geschlechts. Sie werden wieder über meinen „Liberalismus" lächelnd die Achsel,! zucken: aber ich kann ,nir nicht helfen, der alte Rothe hat recht, es gibt bürgerliche Berufe, die sich mit einem adligen Namen nicht vertragen wollen und können; da kann das Wappen Zum satirischen Spottbild werden. Ich würde es nnr recht und billig, nur zweckentsprechend finden, wenn sich der Adel lediglich ans den Äeltestgeborenen, ans'den Majoratsbesitzer, vererbte." „Das wären englische Zustände." „Gewiß. Schon Montesquieu rühmte den Adel Englands. Ueberall ist das Gute das Vorbild. Auch wir in Deutschland hatten einmal eine Peerage, die Reichsstände, in denen sich der Grundsatz der Selbstverwaltung in großartigstem Maßstabe entwickelte. Mer ich sehe wohl ein, daß sich die Sitte der Adelsfähigkeit in unserer Aristokratie nicht von heute zu morgen abschasfen läßt; den verarmten Edelleuteu, die tiefer steigen nrüssen, um sich ihr Brot zu verdienen, bleibt daher nur der Ausweg, den Adel abzulegen_" Nun erhob sich auch Graf Harro, stäubte die weiße Asche seiner Zigarre durch das Kamingitter und neigte den Kopf wie lauschend zur Nebentür. Dann trat er au Belten heran, legte seine Rechte auf dessen Schulter und sagte: „Verehrter Freund, es ist viel, was wir ablegen nli'kßten. Es wäre gut, wenp wir uu.s völlig und ganz und gar vom Banne der Vergangenheit frei machen könnten. Im Glauben an die Vergangenheit sind wir großgezogen worden, im Glauben an tausend Fälschungen. Durch Generationen hindurch hat ,nan uns mit lächerlichen Lügen aufgefüttert, man schuf Heiligtiimer und stellte Götzen auf, man verband uns die Augen, man nahm uns das Licht. Immer zur Ehre des Höchsten: ob es die Kirche war oder der Thron, ob das Vaterland oder ein einzelner Held — immer wurde das Höchste zum theatralischen Popanz, den hob man auf den Altar, und zu ihm beteten die geknechteten Seelen. Was wir ablegen müßten: alles ist es, alles und altes, jede snetät- volle Erinnerung, jeden Gedanken an die Vergangenheit. Die Sozialdemokraten sind aus dem falschen Wege, ihr Zukunstsstaat ilt ein Nonsens. Das Einzige, was unsrer Welt helfen kann, ist ein anarchistischer Brand, eine Sintflut, die die Gesellschaft von heute von dannen schwemmt — bis auf den Letzten. Neu denken muß die Menschheit lernen!..." Velten schaute den Sprechenden mit großen Angen an. Das Gesicht des Grasen schien sich merkwürdig verändert zu haben, es versteinte sich gewissermaßen,^es wurde hart und grausam; das starke, etwas viereckig geformte Kinn, schob sich vor, die Lippen öffneten sich und zeigten breite weiße Zähne, das Auge bekam einen Hellen und durchsichtigen Glanz. Mer ein rasches Lächeln fuhr wie mit iveicher Hand über die Züge, und der brutale Ausdruck schwand wieder. „Warum rauchen Sie nicht, Herr von Velten?" fragte Gras Harro; „nehmen Sie einmal eine von meinen Londoner Zigarren; ich beziehe sie durch Vermittlung meines Freundes direkt aus Havanna und kann sie empfehlen." Er hatte sein Etui aus der Tasche gezogen und präsentierte es Velten, über dessen Schulter hinweg nach der Tür zum Nebenzimmer schauend, in der die mächtige Gestalt des alten.Herzogs sichtbar wurde. — Drei Tage später standen wiederum die Schlitten vor dem alten Hause in Gotternegg. Die Ferienzeit war vorüber, von neu ein Hub die Arbeit an. 10. Kapitel. Eine kleine Studentin tritt auf und ein russischer Fürst kehrt wieder Mas ein Kuß vermag. In der „Büffelzeit" des Studiosus Jost klopste es einst- mals, es war schon zur Dämmerstunde, an die Budentür. Jost hatte es sich bequenr gemacht; er saß int Schlasröck und in Morgenschuhen, auf dem Kopf einen türkischen Fes mit schwarzblauer Quaste, vor seinem Arbeitstische, förmlich eingeschachtelt und eingebaut in Bergen und Stapeln von Büchern. Das Klopfen störte ihn; er wurde ärgerlich. Er glaubte, es sei Klans Zielen, der Mediziner, der ihn zur, Kneipe abholen wollte; er hatte deshalb abgeschlossen und ries mttt mit brummiger Stimme: „Wer es auch sei, ich bin nicht zu .Hause! —" „ ^ „Weiß ich," antwortete draußen Velten; „du büffelst, ich wollte es auch. Aber Damenb'esuch empfängt matt dennoch, Es ist eine Dame hier." „Wenn es die Käthe ist, sage, ich ließ sie grüßen. Wenn es die Rosa ist, sage, sie möge mich ungeschoren lassen. Wenn es die Eenzi ist, sage ihr, ich verehrte sie sehr, aber ich bedauerte lebhaft, ich hätte zu arbeiten." Eine kleine Pause entstand, !nan hörte draußen Stintmen zischeln, auch etwas wie ein leises Lachen. Dann Hub Velten von neuem an: „Jost, du bringst mich in eine arge Verlegenheit. Was erzählst du mir da von Käthe, Rosa, Eenzi. Du träumst oder du delirierst. Ich kenne diese Mädchen nicht. Es ist eine fremde Dame hier, Fräulein Eva Storm aus Berlin, sie bringt dir schöne Grüße von Otto Reschke. Also öjfne." 258 — ' Nun sprang Jost auf. „Einen Augenblick!" rief er. Er fuhr in Stiefel, Weste und Jakett, riß den Fes vom Kopf üno strich bürstend über sein Haar. Dann schloß er die Tü r a.u f. Draußen, im gemeinschaftlichen Salon, standen Velten Und ein junges Mädchen. Das junge Mädchen war sichtlich befangen. Jost tonnte nicht recht erkennen, war sie hübsch; aber es schien so. Im Wohnzimmer brannte keine Lampe, es herrschte ein trübes Dämmerlicht. „Tausendmal Vergebung," sagte Jost; „ich dachte — ich dachte Unsinniges. Ich steckte in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, da achtete ich der Gegenwart nicht. Gnädiges Fräulein sind eine Bekannte meines Freundes Reschke?" „Ja, Durchlaucht," cnsizegnete die Angeredete mit etwas zager Stimme, wie verschüchtert; aber die Stimme klang Jost anmutig intb gefällig ins Ohr. „Doktor Reschke verkehrt im Hause meiner Eltern. Mein Vater ist erster Assistent am anatomischen Institut. Ich bringe auch einen Brief des Herrn Doktor M'schke. Verzeihen Euer Durchlaucht, daß ich störe. Ich bin eben erst angekommen und wollte... ich will aber gern noch einmal vorsprechen, wenn Euer Durchlaucht erlauben, morgen oder übermorgen." „Nein," sagte Jost, „bleiben Sie nur. Ich habe um Verzeihung zu bitten. Ich delirierte. Velten, mach Licht. Licht in lmfcre fürstlichen Salons! Zünde den Kronleuchter an und sämtliche Lampen und die Lichter auf dein Kamin. Oder klingle dem Mädel." „Ich tu' cs schon selbst," entgegnete Velten. Die Gasflammen feuchteten auf. Nun sah'Jost: sie war wirklich recht hübsch, die Befucherin. Sie hatte ein niedliches ovales Ge- tchtchen mit braunen Angen und feinen dunklen Brauen mrüber, rechts von dem runden Kinn ein winziges' Leberteckchen; sie war klein und zierlich und adrett gekleidet. Jost hätte ihr einen Sessel zugeschoben. „Bitte sehr, gnädiges Fräulein... darf ich, den Brief lesen? —" Er riß das Kuvert auf. Otto schrieb: „Lieber Jost! , * ,/Jch stelle Dir hiermit Fräulein Eva Storm vor, dritte Tochter (von sieben, o Allmacht!) des Professors Karl Storm Und seiner liebenswürdigen Ehefrau, geborenen von Brenn tTochter des früheren Ministers, also umganaswürdig für (Üü. Durchlaucht). Fräulein Eva ist eine höchst begabte junge Dame, hat auf dem Mädchengymnasium in Karlsruhe ihr Ablturmm mit Glanz beftanbcn, wünscht Dr. phil. zu werden, und da sie vernommen hat, daß in Euern: gesegneten, Göttingen jauch Kurse für Damen gehalten werden,'hat sie die väterliche Erlaubnis erwirkt, sich ebendaselbst für einige Ueit tnederlassen zu dürfen. Ich habe dein Professor versprochen, re Euch ans Herz zu legen (bitte nicht wörtlich zu Ut mir die Liebe und bekümmert Euch ein bissel um chr bei -der Installation, seid ihr ein ritterlicher S Schlrin und bej.de allerschönstens gegrüßt von Euerm getreuen -Otto." „Bon, sagte Jost. „Also, gnädiges Fräulein, da tvären .c^ie NM m Göttingen, haben Sie schon eine Wohnung?" „Nein, Durchlaucht, ich wohlle im Hotel." -Dw Bilde tunt Quentel steht frei," warf Velten ein. „Gleich nebenan, Fraulein Storm, ein solides Bürgerhaus, eine Treppe hoch, ein Theologe bewohnte das Zimmer " „Wir werden es morgen besichtigen," sagte Jost. „Reschke ersucht uns tru Nanien Ihres Herrn Vaters, Ihr Schuß und Schirm zu sein. Das soll geschehen." „Es soll geschehen," wiederholte Velten, die lebten Lichter auf dem Kamin in Brand sehend. Fräulein Eva errötete und neigte ein wenig den Kopf „Die Herren sind von großer Liebenswürdigkeit — ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank. Aber — aber ich will Sie UM .über die Gebühr in Anspruch nehmen; ich bin ziemlich selbständig —" 1 „Das gibt es nicht!" rief Jost. „Das gibt es nicht," wiederholte Velten. „Da Sie uns ^ oblen wordeli sind, nlüssen Sie schon gestatten, daß wir nach Kräften für Sie sorgen —" jawohl," sagte Jost, „und so frage ich denn: haben Sie schon Abendbrot gegessen?" , - , 6 errötete abermals und erwiderte: nein, das hatte sie Nicht, aber sie sei auch noch nicht bei Appetit. „Er wird schön kommen," erwiderte Jost. „Dürfen wir Sie zu einem Butterbrot einladen?" „Und einer Tasse Tee," fügte Velten hinzu. „An Ar- beitsabendeii wird Tee getrunken. Giiüdiges Fräulein, sagen Sie nicht liein, sagen Sie ja. Ich bin Ihr Schuhs dieses Prinz ist Ihr Schirm. So hat es unser Freund Reschke ge-, wünscht. . . ." Niiii zierte sich Fräulein Storm nicht länger uiid half Velteii, den Teetisch decken. Es ging ihr rasch von dev Hand; es inachte ihr auch sichtlich Vergnügen, in dieser Studentenwirtschaft tätig sein zu können. Jost fragte, was das Souper bieten werde. Es war nicht mehr viel da, mailt mußte an neue Einkäufe denken. Das Mädchen der Wirtin! sollte sortgeschickt werden, aber dagegen wehrte sich Velteii. „Sie versteht nicht einznkanfen," sagte er, „sie kennt auch die Quellen nicht. Die beste Gänseleberwurst gibt es beiDamm- h'uder, iind Mitter Giesecke hat die settesteil Rollmöpse. Ich werde schon selbst gehen—" Schließlich gingen alle drei. Ein paar Kommilitonen begegneteir ihnen. Sie saheil die! Dame und zogeil schweigend ihre Mützen und streckten sie steifarmig rechts von sich ; es galt dies für vornehm. Dann steckten sie die Köpfe zusammen und zischelten. Inzwischen wunderten die drei zu den Kanfteuten, und Belten gab den Erklärer ab. Er weihte Fräulein Eva in das Quellen- studium der Meiidbrotversorguug ein. Sein harmloser Humor brachte die junge Studentin den beiden rasch näher. Ihre Schüchternheit schwand, Uiid als man daheim beim Tee saß, war es, als sei man schon längst gut Föeund! miteinander. Die gleichen Neigungen taten ein übriges. Auch Fräulein Storin brachte der Bibliothekswissenschaft ein lebhaftes Interesse entgegen. Hie und da all den großen staatliche!» und vor allem städtischen Büchereien waren bereits welb> liche Bibliothekare angestellt worden. Aus eine solche Stellung hoffte auch Eva. Aber ihre Zukunftspläne schwankten noch. Ihr Wunsch war zunächst, sich „selbständig," zu machen. Die Eltern lebten in glücklichen Vermögensveryältnissen. Doch Professor Storm war zum dritten Male verheirate^ und im väterlichen Hause wimmelte es von Kindern. Der Storch bevorzugte dies Gelehrtenheim sichtlich, und die Nachkommen aus den drei Ehen führten zuweilen Krieg miteinander. Die soziale Frage spielte in das turbulente Familienglück hinein. Zuerst hatte der Professor eine reiche Jüdin geheiratet, in zweiter Ehe seine Haushälterin und nach deren Tode eine Dame Oon altem Adel. Dieser Mangel an gesellschastlicher Gleichheit rächte sich ah den verschiedener! Sprößlingen. Die jungen Storms vergaßen dann unbi wann den gemeinschaftlichen Vater, wenn das mütteL- liche Blut regsanrer zu pulsieren begann. Es war nicht so, wie es sein sollte — üich da hielt Eva es für klug, ans-, zuweichen. Die drei wareu vou nun ab viel beisammen. Eva nahm die Queutelsche Bude im Nachbarhause. Theologischer Geist wehte durch die beiden kleinen Stuben; die Vermieterin war eine Kousistorialratswitwe; es wohnten sonst nur verheiratete Leute im Hause; es war auch ein Portier da, der die Haus- tür um zehn Uhr abends schloß. Die Front war dunkelgrün angcstrnhen, nur der Dachstuht war weiß. Das ganze Gebäude sah wie eine Nonne in weißer Ftügelhaube aus: es gab sich sanft und friedlich und hatte auch etwas Gediegenes'. Die Kameradschaft der Studentin mit Jost und Velten wurde ansanglich viel besprochen. Ein dummer Klatsch schloß' nut einer Mensur, bei her Jost abgeführt wurde und infolge- dessen eln paar Tage das Bett hüten mußte. Eva war uit* glücklich darüber: es sollte ihr nichts gesagt werden, aber es kam ihr dennoch zu Ohren. Sie hatte eine ernsthafte Aus? spräche: nut Belten; sie bat ihn, den gegenseitigen Verkehr gänzlich auszugeben. Auch ihrem Vater hatte ein hämischer Bube eine anonyme Warnung geschickt (es stellte sich später heraus, daß der Bube Weiberröcke trug und brennende Eifersucht lh^li die Feder geführt hatte). Zum ersten Make sah Velten Traiien in den braunen Augen der kleine!: Freundin. Er tröstete, so gut es anaing; aber mehr als sein Trost vev- mochte die Bitte Josts. Jost schrieb auch selbst an den Professor und gab chm eine Erklärung über die Vorgänge. Daraus schrieb die Mutter Evas zurück. Seine Durchlaucht seien sehr gütig, und fugte auch jjmft noch viel Schmeichelhaftes für Seine Durchlaucht hinzu. Sie war einnial Hofdame in Rudolstadt gervesen. (Fortsetzung folgt.) Zur Organisation der Zahngesundheitspflege besonders in den Schulen des «reifes Gietzen. T\ ; Gießen, den 9. Mai 1916. Tie Veröffentlichung des Herrn Gey. Medizinalrats Professor f r. Sommer unter obiger Ueberschrist irr Nr. 85 der „Gießener amilienblätter" ist insofern als sehr erfreulich zu begrüßen, als dariir die Allgemeinheit auf die außerordentliche Wichtigkeit einer rationellen Zahnpflege im allgemeinen und insbesondere in den Schulen ans sozial-hygienischen Gründen von ärztlicher Seite aufmerksam gemacht wird. Ter Unterzeichnete Verein der Zahnärzte in Gießen kann aber die Ansicht des Herrn Geheimrat Sommer, daß das erstrebte Ziel auf dem von ihm in Aussicht genommenen Weg erreicht werden könne, nicht teilen, »vie auch mit der-, schieden«: Ausführungen in obigem Aufsatz nicht übereinstimmen kann. Es sei uns deshalb verstattet, in Nachstehendem aus die Bedenken, welche dem von Herrn Geheimrat Son:M«er vovge- schlagenen Projekte u. E. entgegenstehen, hinzntoeisen. 1. Es ist an sich recht dankenswert, daß Herr Geheimrat Sommer in Gemeinschaft mit den: Schularzt des leises Gießen die Begutachtung über die Art und Werfo der Regelung der Zahnpflege für die Schulkinder übernommen hat. Es wäre aber doch wohl angebracht, oder richtiger gesagt, notwendig gewesen, zu dieser Begutachtung auch einen für die hier in Betracht kommenden Fragen in erster Linie sachverständigen Zahnarzt zuzuziehen. 2. Herr Geheimrat Sommer führt in seinem Gutachten mit Recht aus, daß die 'Zähne nicht nur als Kauwerkzeuge in Betracht kommen, sondern daß sie auch für andere Funktionen, besonders! die Sprache, von Bedeutung find. Es muß hier beigefügt werden, daß die Zähne vor allem für den anatomischen Bau des Schädels und seines normalen Wachstums von weittragendster Bedeutung sind. Der Zustand der Zähne ist Nicht nur für die ganze Be-' schaffenhei tder Mundhöhle, sondern auch speziell für die Beschaffen-- heit der oberen Luftwege von großer Wichtigkeit, — ein Moment, der früher vielfach übersehen wurde (vergl. Danziger, Mißbildungen des Gaumens und ihr Zusammenhang mit Nase, Auge unS Ohr). Ein schlechter Zustand der Zähne gibt eine gute Brutstätte für spezifische Krankheitserreger ab, die von hier aus die Luftwege und! damit den G«esamtorganismus befallen können, während! andererseits durch pulpitische (nervkranke) Zähne Me direkte Infektion fcer Blut- und Lymphbähn en statt finden kann. 3. Herr Geheimrat Sommer sagt in seinem Artikel mit Recht, daß frühzeitiger Zahnverlnst eine indirekte, sagen wir sogar richtiger. auch eine direkte Störung der Verdauung (Mundverdauung) zur Folge hat. Nicht richttg ist dagegen, daß der Ersaß ans zahn- technischem Wege nur für einen beschränkten Teil der betroffenen Bevölkerung zugänglich sei. Sfrt der heiligen Zeit in der fast alle minder Bemittelte»: für sich und ihre Angehörigen Mitglieder von Kassen sind, kann vrelmehr auch diesen mit ganz geringen Kosten fraglicher Ersaß geschaffen werden, während Person«:, die der Kasse Nicht angehöre::, die Mittel besitzen, daß sie jederzeit auf ihre Kosten zahnärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können. 4. Eine systematische Behandlung der Schulkinder, wie sie Herr Geheimrat Sommjer erstrebt, ist gewiß notwendig, sie kann aber ans dem von ihm in Aussicht genommene!: Weg nicht erreicht werden, da Herr Verfasser nur etue Schillzahnklinik in Verbindung mit einen: Universitätsinstitut in sehr beschränktem Maße schaffe!: will. Turch ein solches Institut kani: aber eine systematische zahnärztliche Behandlung nach den Grundsätzen der modernen Zahnheilkunde uniuöglich bei der außerordentlich! großen Zahl der in Betracht kommenden Kinder erreicht »verde»:. 5. Ganz recht hat der Verfasser, wem: er ans eine frühzeitige Behandlung der Schulkinder drängt. Eine solche kam: aber für Las spätere Alter nur dann von segensreichen: Einfluß sein, wenn die Kinderbehandlnng von der praktisch geschulten Hand eines er- sahrenen älteren Zahnarztes und nicht von «Studenten und jungen Assistenten ansgeübt wird. Nun ist aber der Dozent für Zahnheil- knnde an der Universität, der täglich feine Vorlesungen zu halten, der täglich einige Stunden poliklinische und daneben demonstrative und operative Tätigkeit auszuüben hat, unmöglich in der Lage, selbst auch die regelmäßige Untersuchung einiger tausend Schulkinder, verbunden mit den außerden: voi: dem Verfasser vorgesehenen Reisen, selbst vorzunehm«:. Tie Kirrder würden also von jungen Assistenten oder gar Studierenden behandelt werden, während es doch wohl nicht angäi:gig ist, die Schulkücher als Matc- r:al für die Ausbildung von noch nicht geschulten Studenten zü verwende!:. 6. Das von dem Verfasser erstrebte Ziel könnte also nur dann frrercht werden, wenn ein großes zahnärztliches Institut mit einem Direktor und einem oder mehreren Ltbteilungsvorständen errichtet würde, wie solches iit der neuen Universität Frankfurt eingerichtet Ut und wie ein solches mit Rücksicht aus die für oas zahnärztliche Studrmn bestehende Prüfungsordimna (Dreiteilung des Nnterricklls) auch »mbedmgt crrichitet werden Müßte. Ei»: solches Institut tvill ^er der Verfasser .Nach seinen Ausführungen offenbar nicht. Die vm: :HM vorgesehener: Mittel würde»: dazu auch nicht entfernt ausreichen. Wenn der Verfasser des Artikels glaubt, daß durch die Schaffung eines zahnärztlichen Insttttrts des von ihm geplanten Umfangs der Landesumversität eine größere Anzahl vo»: Stilbenten z'ugeführt werben könnten, so dürften diese Vorstellungen ebenso illusorisch sein, :vie es ein Irrtum des Herrn Verfassers! ist, wenn er angibt, daß infolge der neuen zahnärztlichen Prüfungsordnung wegen Mangels eines Instituts an: hiesig«: Platze eine irgend nennensrverte Anzahl von Studenten weggefallen sei. Es sei hierbei darauf hingewiesen, daß auf der hiesigen Universität niemals mehr »vie zehn Studierende der Zaynyeilkunde gleichzeitig imwatrikuliert waren. , . Daß durch die Schaffung eines zahnärztlichen Instituts :N deM geplanten Umfang und nur mit einem« Dozenten wohl kaum! irgend welche Studierende veranlaßt würden, dahier ih>re Studien zil absolvieren, mag daraus hervorgehen, daß in Würzbnrg, Freibürg, Heidelberg und Marburg, wo größere mit sehr erheblich«: Kostei: errichtete Institute mit mehreren Dozenten und reiche Lehr-- Mittel Vorhände:: sind, von München, Frankfurt a. M. (W.-S. 1915/16 13 männliche 5 weibliche Studierende der Zahn heil künde, von Rothschild'sche Sttftung Carolinum«), Berlin, Breslau, Leipzig, Kiel, München mit ihren großen Speüalktiniken ganz abgesehen- sich nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von Studierenden der Zahnheilknnde befinden. 8. Tie von Herrn Geheimrat SomMer geplante sehr «mfachei Beschaffenheit des zahnärztlichen Instituts würde trotz, vorzüglichen Ausbans der benachbarten medizinischen Schwester gebiete den Anforderungen einer Moderne:: zahnärztliche!: Ausbildung der Studierenden absolut nicht genügen; dem: der Schwerpunkt der Ausbildung liegt nach wie vor auf spezialisttsch'-zalMärztlichem Gebiete. Nach alledem kann das von Herrn Geheimrat Sommer erstrebte Ziel, die unbedingt notwendige gründliche Zahnpflege für alle Schulkinder herbeizuführen, durch eine Verbindung der zahnärztliche»: Untersuchung, Behandlung der Kinder mit der einfachen ©r« rtchtung eines Lehrstuhls an der Landes Universität nicht erreicht werden, indem hierzu eilt Institut von solcher Msdehunng erforderlich wäre, für welches die Mittel ii: absehbarer Zeit oder! gar jetzt während des Kriegs sicherlich nicht beschafft werden können. Notwendig wäre vielmehr die Schaffung der Stelle eures Kreis^ schulzahnarztes. in: Hauptamt ohne Privatpraxis, wre solche in! Preußen in einer Reihe von Kreisen bereits besteht. Der Verein Gießer:er Zahnärzte E. Y. Vermischtes. ^EineSchatzgräberexpedition. — Bon allerlei seltsamen Expeditionen im 20. Jahrhundert, u. a. einer Sckmtzgrüber- expeditton erzählt «Friedrich Otto im neuesten Band der Biblco- thekderUnterhaltungunddesiMissensl (Union, Deutsche Berlagsgesellschaft, Stuttgart): „Abertteuerreiche Expeditionen wurde:: auch in unserem Jahrhundert, deM Zeitalter der ^echmk und Aufklärung, »roch rmternomimen. So fand vor kurzer:: erst eine Sckatzgräberexpedition ihren Abschluß, die nach« einer Irrsel an der brasilianischen Miste führte. Ueber dieses Unternehmen veröffentlichte eine brasilianische Zeittlng folgende Einzelheiten: Angeblich ruhen auf der einsamen Felseninsel Trrnidade, von Seeräubern stammend, nnerMcUiche Schätze, die schon mehrfach das Ziel merkwürdiger Expedittonen waren, so 1885, 1911 und jeht wieder. Di« letzte Reise' stützte sich ans eilt in London erschienenes Buch, daS dt« Reichtümer beschrieb und auch ein altes Schriftstück enthielt, das fein Geringerer als der Piratenanführer Zulmiro selbst verfaßt haben sollte. Selbst der Merkst«::, der Angelpunkt der Erfolge, den die frülffren Schatzgräber vergeblich gefircht hatten, war i:: dem Werk abgebildet. Um Geld für das Unternehmen zu beschaffen, wurden Aktien im Betrage vo»: hundert Näark al^gegeben und dem Inhaber be: Hebung des Schatzes 150 000 Mark für den Llnt«l-i schein in Aussicht gestellt. Auf diese Weise kam das nötige Geld rasch zusammen, mtb der Dampfer , Caroline" konnte bald die Anker lickten. Ueber den Schatz selbst schreibt Hauptmann Zulmiro: „Der Schatz ist aus einer Insel namens Trinidade, 648 M«eile:r von der brasilianischen Küste entfernt, an zwei verschiedenen Stelle»: verborgen. An der ersten liegen Goldstaub, Münzen verschiedener Länder und kostbare'Steine von hohen: Werte. Diese Niederlage ist fünf Millionen »oert. Das andere Versteck ist größer, aber nicht so reich; es enthält Knnstarbeiten i»: Gold N:id Silberbarren und ist das Ergebnis jahrelanger Seeräuberei." Noch ausführlicher wird dann das reichere Versteck geschildert, allerdings schon in einem Stile, der Finem phantastische»: Märchenerzähler ans TaUseM und eine Nacht Ehre gemacht hätte. Die Schatzgräber fa:ll>en jedoch nichts als Fische, Schildkröten, Krebse, eine nuangeuehme, scharfe Brandung Und cinei: Berg bei der Insel, der angeblich wieder im Meer versank. Da die Expedition rnno 300 000 Mark kostete, so haben die Unternehmer u>enigst«:s einige Schätze aus den Taschen jener gesammelt, die nicht alle werden." Nene Nebelsignale für die Schiffahrt. So vortrefflich die modernen Signalnuttel bei ruhigem Wetter arbeiteten, so unzureichend erwiesen sie sich, sobald ungünstige Wittcruuä etntntt mrd dichter Nebel die Sichtweite der Leucht türme herab- nttudertt Die Wissenschast hat sich denn auch zur Ausarbeittmg neuer Sigrmlvvrrichttulgen entschlösse»: und dabei vor allem die Entfache in Rechnung gezogen, daß steil in die Höhe gehende Lichtstrahlen 'unter Ulnftänden besonders gute Sichttoeite in: Nebel bellen, zumal, da dieser meist in so geringer Höhe über den: Wasser liegt, bafc Man von den Masten gröberer Schifte darüber hmweg'- sehen kann. Da es nun aber 51t umständlich u»tb vostspiettg Ware, alle Leuchttünne mit senkrechtem Feuer zü versehen, so hat man andere Versuche mit Lenchtsignalen gemacht, die anscheinend guten Erfolg versprechen. Wie der bei Otto Spamler in Le»pz»g crsche:- nende „Prometheus" berichtet, ist an der schottischen Küste bei Gourock eine von der Marconigesellschaft hergestelltc Azetylenkanone erprobt worden, die mit Hilfe eines drahtloser: Empfangsapparates geleitet »vird und 400 Stunden lang in firder Minute drei Knallschüsse »md drei LeuchtsigMe abgeben kann. Tie damit vorgenommenen Versuche ergaben eine sehr große Trag- und Sichtweite der Signale und eine wesentliche Verbesserung gegenüber den bisher üblichen Leuchtfeuern und Schallsignalen. Allerdings entstanden zunächst Schwierigkeitei: dadurch, daß die Kanone durch zufällige drahtlose Signale vorüberfahrender Schiffe in Betrieb gesetzt wurde; diesem Uebelstand ist aber nach weiteren Versuchen abgeholfen worden, und gegenwärtig läßt sich die Einrichtung nur durch ganz bestimmte drahtlose Signale in Betrieb setzen oder abstellen. Voraussichtlich wird sich der Apparat derartig Vervollkommnen lassen, daß Schiffe durch bestimmte drahtlose Signale bei Entwickelung von Nebelschichten die mit Azetylenkanone versehenen Stationen selbst einschalten, so daß ein etwaiges Versehen der zuständigen drahtlosen Landstation automatisch beseitigt werden kann. Falls die Anlage nicht zu teuer ist, dürfte sie einen entschiedenen Fortschritt des Signalwesens beeilten; eignet sie sich doch namentlich für abgelegene, gefährliche Stellen, wie einsame Inseln und Klipper:, wo die Einrichtung eures Leuchtturmes schwer möglich ist. * Die „grüne Gräfi n". Wie in der englischen Presse berichtet wurde, nahm an der: Aufständei: in Dickstin auch eine angeblich polnische Gräfin Markievitz führenden Anteil. Wenn auch bisher Einzelheiten über die Persönlichkeit und die Geschichte dieser Frau, die unter den revolutionären Iren durch ihre Energie und Tapferkeit hertwrragte, ausstehen, so hat doch schon die Tatsache ihres Auftretens in den Straßenkämpfen sie zu einer ebenso geheimnisvollen wie romantischen Erscheinung gestempelt, über deren Wesen das englische Publikum sich den Kopf zerbricht. Der einzige genaue Bericht über die Gefangennahme der Gräfin Mar- kievitz stammt von dem nach Irland entsandten Sondermitarbeiter der „Daily Mail", der folgende Schilderung des Vorganges gibt: „Die Einzelheiten der Gefangennahme der Gräfin Markievitz, die sich mit einer Gefolgschaft von 120 Rebelleu ergab, nachdem sie an deren Spitze das königlich ärztliche Institut besetzt hatte, wurden mir von einem Bürger Dublins, der Augenzeuge war, genau beschrieben. Die Gräfin verteidigte das von ihren Leuten besetzte Gebäude mit beispiellosem Vtut. Es war eine der letzten im Besitz der Rebellen befindlichen Oertlichkeiten, die zur Uebergabe gezwungen wurden. Endlich, als der Kanlpf völlig aussichtslos geworden war, lieh die Gräfin die Flagge der Rebellen von den: Gebäude herunterholen wtb eine weiße Flagge hissen. Dies geschah um 8 Uhr morgens. Hierauf wurde eine Abordnung zu dem das angreifende Militäraufgebot befehligeirden Offizier gesandt, die ihm mitteilte, daß die „Garnison" sich um 11 Uhr vormittags übergeben würde. Genau zur festgesetzten Zeit verlieh die Gräfin das Gebäude, gefolgt von ihren Leuten, die zu zwei und zwei in Reih und Glied hinter ihr marschierten. Die Gräfin trug ein kurzes grünes Kleid, einen grünen Hut mit einer grünen Feder, alles an ihr war grün, selbst das Leder der Schübe. Es war der seltsamste Anblick, den man sich überhaupt vorstellen kann. Sie führte ihre Mannschaften zu den britischen Triippen, salutierte vor dem rommcmdierendeN Offizier und küßte ihren Revolver, bevor sie ihn abgab. Daun sagte sie schlicht und kurz: „Ich bin bereit." Seit diese Schilde- oeruna in dem Londoner Blatt erschien, wird die geheimnisvolle Rebellenanführerin, deren Persönlichkeit und Schicksal noch der Aufklärung harren, in England allgemein die „grüne Gräfin" genannt. ' D ie Flucht der a n: e r i k a n i s ch e n P r i e st e r auf d i e V a r i öt 6 b ü h n e. Daß auch in dem goldstrohenden Amerika das Geld »licht auf der Straße liegt und sogar manche Berufsgattung, die schon ans ethischen Gründen vor materiellen Sorgen geschützt sein sollte, den: Kamps um daT tägliche Brot unter alles weniger als günstigen Bedingungen ausgesetzt ist, können ain besten die amerikanischen Geistlichen bezeugen. Ein ausführlicher Artikel in der New Porter „Times" le»»ft von neuem die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses sehr große Kreise treffende Hebel. Ten Anlaß hierzu bot die viel besprochene Tatsache, daß wieder einmal ein amerikanischer Prediger aus der Kirche austrat, um durch Siirgen aus Varistebühnen ein besseres 2Xu§fommen zu erlangen. Alts die diesem Geistlichen gemachten Vorhaltungen ent- gegnete er, daß er es für moralischer halte, durch ehrliche Arbeit auf der Varisttbühne Geld *it verdienen und so seine Schlildeil zu bezahlen, statt Psalmen zu singen und die Schar feiner hoffnungslosen Gläubiger andauernd zu vermehren. Tatsächlich ist feine Berufsgattung in den Vereirngten Staaten schlechter bezahlt als der Predigerstand. Weniger als 2 Prozent der amerckanischen Kirchcngeilleinden zahlen ihren Geistliche»» 3000 Dollar iin Jahre, die Halite der Gemeinden zahlt bloß 1090 Dollar, ein Viertel sogar nur 500 jährlich. Hieraus ergibt sich für den amerikanlschen Prediger ein Durchschnittsgehalt vo,» nicht mehr als 600 Dollar in: Jahre. Dies sind, wie die New Porker „Times" betonen, keine genügeichen Gehälter für Geilte, die ernste Studien und den Besuch der geistlichen Schule hinter sich haben müssen, um überhaupt erst ihren Berus ausüben zu können. Hier sei dringende Aendernng nötig, damit es nicht zu einer regelrechten Flucht der Geistliche»» aus der amerikanischen Kirche komme. * N a h r n n g s m i t t e l t e u e ru n a i»» Paris. Nach Mit- teil»»,»g des Pariser Berichterstatters der Londoner „Sunday Times® vo»n 30. 4. kostet in Paris ei»» Kilo Z»»cker jetzt 1,30 Francs, ei»: halbes Kilo Butter hingegei» schon 4 Frcs. Kohle — das heißt, ein merkwürdiges Gemengsel von etwas sch,varzer Materie »nit viel Steine»» — ist selbst zu 140 Frcs. pro Tonne schwer zu erlange»». Alles andere scheint den»entspreche»»d teurer z»» fein. Sowie aber jemand einen sausten Protest dagege»» zu erhebe»» »vagt, »vird er sofort a»» den Krieg vo,» 1870 erinnert, »vo man froh war, für 1 Frcs. ein Ei zu beFommei» und sich an Ratten gütlich tat. Das genügt gewöhnlich, dem Murre»»den die Lippen zu schließen und sie ihre»»» Schicksal danken z»l lasse»», daß die »»»elfte»» zu»n Leben notwendige»» Dinge überhaupt noch erhältlich sind. Und de»»»»och — der Hafen von Havre ist so vollgepfropft »nit Eßivaren jeder Art, daß, »vein» es nur »nöglich »väre, sie »»ach Paris zu schaffen, sofort ei,» Ueberfluß an Nahrungsmitteln vorhanden sein n»üßte. Jnzrvischei» »vird es täglich schwerer, sich durchznschlagei». Vüchertisch. — Heber die Nation alliberalePartekliteratur 3906 —1Q16 hat die Schriftenvertriebstelle der natl. Partei (Berlin IV 35, Lützowstr. 89 90) einen gedruckten Verlagsbericht beraus- gegeben, der gegen Einse»»d»u»g des Portos von 10 Psg. bezogen »verde»» kan»». — „Hebe r Land und M e e v.® Das Bestreben der Schrist- leitnng der illustrierte»» Zeitschrift „Heber Land »»»»d Meer" (De»»tsche Verlags-Anstalt, Stuttgart), nicht die gleiche»» Bilder und A»»ssätze zu bringe»», »vie »vir sie in anderen ähnlichen Blätter»» finden, zeigt sich wister in de»» neueften vier Nummern 29 bis 32. Hm dieses Ziel zu erreiche»», hat der Verlag seine Eigenen Zeichner und Maler, die an? bei» Kriegsschauplätzen für ihn schaffen, hat er feine Mitarbeiter, die ihn» die Texte liefern, die andere Hnternehiner »licht haben. Blätter»» »vir flüchtig in den neuen Nummern, so fallt »ms ein Aufsatz über Portugal und die Portugiese»» aus, ein Artikel, der überaus reich illustriert ist. Das Gedicht voi» Rudolf Herzog: Verwundeteu-Transport, zählt zu den »vertvollste»» Beiträgen. Der Artikel: Der Krieg und die Mode unserer Feinde, »vird »vohl an» »»»eiste»» die Frauen fesseln, die es nicht mehr lieben, das nach- zuäffen in ihre»» Kleidern, was von» Ausland koinint. Ein neues Kapitel z»» den große»» Schlachte»» des Weltkrieges finden »vir ans der Feder des Majors v. Schreibershofen. Nach Bagdab-Basra führt uns Dr. I. Wiese. Beinerkensivert sind ferner gute Gedenkartikel vo,» Shakespeare u»»d Cerva,»tes. — Griebens Reiseführer. Band 61: Bad E»ns und daS Lahntal. 15. Auflage. Mit z»vei Kartei». Mk. 1,20. — Band 71: Bad Kissingen und Umgebung. 17. Auflage. Mit z,vei Karten. Mk. 1,20. Verlag vo»» Albert Goldschmidt, Verli»» W 35. - Die Weltliteratur (München 2, Färbergrabe»» 24) erscheint jeden Samstag zun» Preise von 10 Psg. und bringt die beste»» Ron»ane und Novellen aller Zeiten »,nd Völker in vornehmer Aufmachung. Nr. 20 bringt E. T. A. Hoffma»»»»: Doge u»»d Dogureffe. — S t a»»»»n b a u m der Insekten. Vo»» Wilhelm Bölsche. Mit Abbildungen »»ach Zeich»»m»gen voi» Prof. Hei»»r. Harder u»»d Rud. Oeffinaer. Preis geh. Mk. 1,—, gebd. Mk. 1,80. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Geschäftsstelle Franckh'jche Verlagshandlung. Causchrätsel. Magd — Enkel — Mund - Elba — Vase — Tiger — Alster —-Band — Gunst - Sichel — Saul — Raub — Asche - Gabe. Die A»»fa,»gsbuchstaben vorstehender Wörter ftnb mit anderen Buchstaben derart 311 vertauschen, daß man ebenso viele >»eue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines Astronon»en ergeben. (Auslösung in nächster Nummer.) n Klufiösung des KreuzrätsÄZ in voriger Nummer 1 E A S d n 0 e a h Edel t anno A n a t 0 1 i e n Schalotte n i t net e n e Schriftleitung: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühllschen UniverfttätS-Buch- und Stetndruckeret, R. Lange, Dicken- 1 t Samstag, den 20. Nai Tffirgjg Die arme Prinzessin. vornan vov Fedor von Zobeltitz. .(Nachdruck verboten.^ ^Fortsetzung.) An einem fröhlichen Märztage erhielt Jost eine GcLurts- vnz-eige. Sein Bruder zeigte in Schwabacher Lettern an, daß die Fürstin Lilian von einem gesunden Mädelchen glücklich genesen sei. Jost gratulierte in einen: herzlichen Briefe, in dem er indessen kein Hehl aus seinem Erstaunen machte, nur mit einer gedruckten Anzeige bedacht worden zu sein, wo er als einziaer Bruder ein Telegramm hätte erwarten können. Umgehend erfolgte die Antwort Bolkos, und zwar überaus charakteristisch. Sie war auf drei köstlichen Briefbogen geschrieben, Quartformat mit dem Gott-erueggschen Wappen, und nahm doch nur ein paar Dutzend Zeilen ein: Bolko hatte sich eine riesenhafte Handschrift angewöhnt, steil, mit gigantischen Buchstabet:, ohne Jrtterpunktion, aber mit vielen «Gedankenstrichen. Er schrieb unter andern:: „Entschuldige, inrein Junge — aber es geht jetzt alles Hals über Kopf. Erstens die Geburt von Dina — übrigens ein dicker Kerl mit fürchterlicher Kommandostimme — aber warum kein Junge? -— Zweitens war Lilian nicht ganz ohne Lebensgefahr — der Hausarzt ein Esel, der Chirurg ein Heupferd, die sage- ■femme ein Ka«elweibchen — Lilian ist dieu merci aber jetzt wieder total wohlauf. — Drittens dieser entsetzliche Merger beim Negi:nent! Kennst du meiner: Rittmeister —? Es ist der dicke Baron Grellrng mit der ewig verstopften linken Nasenöffnung — er malträtiert mich auf eine scheu- sälige Weise, so daß ich neulich einmal sacksiedegrob geworden bin. Darauf Anzeige dein: Kommandeur — darauf ein heftiges Intermezzo — daraus Audienz beim Kriegsminister mit der Bitte um Versetzung — darauf kühlschuäuzige Ablehnung — daraus schlankweg hiugesetzt und meinen Abschied eingereicht. Was sagst Du dazu? Ich habe ihn bekommen! „Bewilligt" — ohne Orden, ohne Beförderung, ohne alles! — Ist mir schon recht — wenn die Armee durchaus dezimiert werden soll — ich kann's nicht hindern. Wir siedeln in: Sommer nach Gotterucgg über — ich will die Verwaltung selber übernehmen. Ich freue mich ordentlich darauf — da ist man doch mal sein freier Herr und braucht nicht ewig die Faust in der Tasche zu ballen. Apropos, frage dock u:al iDeinen langen Velten, ob er nicht zu uns konnnen will. Lilian Meint, als Bibliothekar oder Archivar oder so was. . . ." . . Willst du anuehmeu?" fragte Jost den Freund. „Ich sage nichts, aber ich bitte dich: überlege reiflich. Es gibt ein glücklicheres Lebensende, als im Archiv von Gottern- egg zu versauern." „Liebster," entgegnete Velten, ,,'aU das Ende denke ich vorläufig noch nicht, wohl aber an die nächste Zukunft. Und da ist es für mich ziemlich gleichgültig, ob ich zwischen den Bückern in Gotternegg oder in irgend einer staatlichen Bibliothek sitze. Ich muß sogar sagen, ich würde Gotternegg vov- ziehen... vorziehen — ja, denn ich habe dann doch die .Hoffnung, dich m\b die Annemarie — zuweilen wiederzusehen ..." Er sagte dies letzte etwas zögernd und mit eine« Weichheit im Ton, die ihm sonst fremd war. Jost siel ihm stürmisch um den Hals. „Das sieht dir ähnlich!" ries er. „Du denkst nie an dich selbst —" „O doch," warf Velten lächelnd ein, „viel zu sehr!" „Nein — immer nur au uns! Auch jetzt wieder. Ich bin ein riesig unpraktischer Mensch, aber so gescheit bin ich immerhin, zu wissen, daß du in der Staatskarriere huickert- mal rascher vorwärts kommen wurdest. Du hast un^ doch schon Jahre und Jahre geopfert... urein Gott, Fritz, toas hast du an uns?" „Die Jugend," antwortcle Velten. „Ich selbst habe keine gehabt. Und noch mehr: die Familie. Ich habe immer allein gestarcken. Und was mir das meifte gilt: eine Fremckschaft, die dauern wird.... Jost, nrein Junge, laß uns nicht serUi- :ne,:tal werden. So ist es und nicht anders. Schreibe deinem fürstlichen Bruder meinen ehrerbietigsten Dank, und ich würde mir erlaubet:, aus seinen Vorschlag zurückzukonv- men, weru: unsere Studienzeit erst beendet ist. Bis dahin weiche ich nicht vor: deiner Seite — und solltest du mich zur Vordertür hinausloerseu wollen, so kannst du sicher sein, daß ich zur Hintertür wieder Here itnnarschieren würde. Ich habe Aesprochen — und nun mit Beschleunigung an die Büffelei, my old boy, dem: wir haben Zielet: zugesagt, uns wieder einmal auf der Kneipe zu zeigen, und in der: Geruch allzu hartnäckiger Streberei wollen 'wir nicht geraten!..." Die Zeit ging weiter. Frack, schwarze Beinkleider und weiße Weste schlummerten saust ir: den Liefen des Kleiderschranks. Belten und Jost zogen sich gänzlich von der Geselligkeit zurück. Der Klatsch über die Intimität mit dev Studentin wollte nicht zur Ruhe kommet:; man tuschelte auf den: Tennisplatz und tuschelte in den Salotts. Das ärgerte den Prinzen, und Velten war es ganz recht, als jener eines Tages erklärte, Visitenpatrouilten und Jours aufgeben zu wollen. Auch Velten war anfänglich ein wenig in Sorge gewesen über den sich immer kameradschaftlicher gestaltenden Verkehr mit der niedlichen Eva. Er sagte nichts, aber er hatte seine Bedenken. Er begann die beiden nun schärfer zu beobachtet: — und da wurde er allgemach ruhiger. Es tag hier in der Tat einmal der nicht häufige Fall einer aufrichtigen Freundschaft zwischen Jüngling und Mädchen vor. In ihren Augen war nichts von Begehren; ihre Wangen röteten sich nicht lebhafter, wem: sie einander sahen; es gab kein heimliches Sehnet: zwischen ihnen, das ihren Odem beschleunigt und ihr Herz hätte schneller klopfet: lassen. Mau war gut Freutld geworden ruck blieb es. Es war ein frohes und glückliches Mb enein ander lebe::, nick vielleicht war es gerade deshalb so haru:los, weil ihm jede Prüderie fehlte. Eva war Gast bei Jost und Belten, mrd da war ihr Schutz die natürliche Ritterlichkeit der beide«. 262 Sie fühlte das auch ohne weiteres. Es lag zudem in ihrem Wesen eine gewisse Sprödigkeit, die sie wie mit einem Unsichtbaren Panzer umgab; die sich nicht in zieriger Reserviertheit äußerte, sondern mehr in dem Srlbstoewußt- sein ihres bei aller Weiblichkeit des Empfindens doch ausgeprägt Persönlichen. Die drei waren auch Studiengenossen, sie wären auch Arbeitsfreunde. Zwar schritt ein jeder auf seinem besonderen Wege dem Abschluß der Universitätszeit entgegen; während Velten sich als klassischer Philologe mit den Vorarbeiten einer Studie über die verlorenen Satyrdramen des Euripides beschäftigte, und Jost auf Grund eines neu entdeckten Memoirenwerks sich in die Straßburger Zeit Goethes versenkte, befaßte Eva sich angelegentlich mit Schillers Sturm- und Drangperiode und versuchte, in die Wirrnis der ersten „Räuber"-Drncke ntit ihren aus geschalteten und wieder ersetzten Bogen klärendes Lickt zu bringen. Gemeinsam aber fanden sie sich immer wieder auf dem Gebiete der historischen Bibliothekographie, diesem weiten Felde der Wissenschaft, das der unermüdliche Eifer und der Forschergeist des Professors Dziatzko gewisseren aßeil neu eröffnet hatte. Für Eva hatte der Bilderkreis der ersten deutschen Volksbücher, feine Abstammung und seine all- nüihliche Entwicklung ein besonderes Interesse, wie sich denn ihre Neigungell überhaupt mehr nach der ikonogra- phisckeu Seite hin ausdehnten. Jost dagegen führte seine Vorliebe tief in die Anfänge der Druckergeschichte hinein, und seill Grübeln galt jener geheimnisvollen Periode im Leben Gutenbergs, der Periode seines nicht nachweisbaren Aufenthalts, die den Ersinderansprüchen Hollands Gelegenheit ju allerhand phantastischen Hypothesen gab. — Die Zeit ging weiter. Sie verging unter ernstem Tagewerk und frohen Erholungsstunderl, unter Stürmeil und Sonnenschein. Nach Gotternegg kam man nicht wieder. Aber Briefe trafen ein und meldeten dies und jenes, was das« Fceundespaar interessierte. Einmal schrieb Madame Bal- four: daheim entfalte sich ein großes Leben; stattlich halte man Hof im Schlosse und es sei ganz erstaunlich, wie die junge Fürstin zu repräsentieren und doch auch mit klarem verständigem Kopse zu schalten und walten wisse. Das „alte Haus" sei von Grmnd aus neu eingerichtet worden.: aber ev bleibe stir die Durchlauchtell Jost und Annemarie reservlert uild führe nunmehr den offiziellen Namen „Das Prlnzenhaus". So schrieb Madame Balfour. Auch sonst spurten die Frermde in Göttingen, daß über der Heimat wieder eme leitende Hand Wache hielt. Es trafen von Mt zu Zeit erfreuliche Sendungen aus Gotternegg ein: M e ? Würsten, gebratenem Geflügel und allerlei weiterem Guten. Davei tag gewöhnlich ein Skriptum Wv b w'Ä an r b r be§ a s }. ten kurz nur gefaßt und in hS k ^ oxtc enthaltend: „Auf hohen Be- hurchlauchtigsten Frau Fürstin in tiefster Unter- . Beyfuß, Fürstlich Gotterneggscher Schloßinten- .)ant. Einmal hatte auch Graf Ariern ein paar Zeilen dar- * als und fröhlicher und weniger steif wäldern^ank ÖU b * n Hnrzgeruch in den Tannenwäldern auf den Höhen am Nutheufer. den letzten Ferien dachte man an eineii aenlein- wittiätenÄ^ Rhein. Wer hie Eltern Evas bc- % U natü"m- iÄ 3ro ? te ' nut Velten fand Mfnr ff 3 vor, persönlich bei dem Bro- Stnnn zu laufen Und dann statt der Rheinfahrt eine Radtm.r chuer durch das märkische Land zu unter ebmen Kr man denn nach Berlin. Am Bauhöfe e«va?tete ^ verständigte Annemarie das Trio c>ost winkte ,h,r ans dem CoupSfenster eniaeooo- .S' bie ^ nut r e Velten. In seinem ernsten Gesicht waren die Augen groß geworden und verwundert. War das denn e? ®nie 3ofe ftcmb hinter ihr; die Zofe war klein Weu die schlanke und elegante Gestalt der Prinzessin über es war doch Annemarie. Es war noch ibr Mmfv ^^brgesicht mit den lachenden Augen und dem fnth 1Ö .8 l $ ntU ' 8d £ tUl ^i ’ l6er 6em zierlichen Oval der Ohren es war auch notf, ihre Helle, lustige SiinrmV, als sw L-k'L" «i.'LSr «... I* gellte sich heraus, daß Belten sich getäuscht batte sie nttT t0a i °'",Grafenkind, und da Belwn ^ MM Vor sichsah, erumerte er sich auch des hübscken WnT^aL Berkuyn, die bei der f'L tichen Ausnahme von ihm und Jost rn das weibliche Korps Berlinia-Elisabethirla eine der Zeuginnen gewesen War* Aber die Pforten des Elisabethstifts hatten sich bereits hinter den jungen Damen geschlossen; sie waren beide zu! Hof- und Ehreudameu der Prinzessin Irene ernannt worden und wohnten in dereir Palais, einern kleineii Barockschlößchen bei Potsdain. Doch waren sie jetzt Herrinnen! ihrer Zeit, denn Prinzeß Irene weilte aus VerivandLeii-, besuch am Hofe des Zaren und hatte nur eine alte Dame d’honneur aus ihrem Gefolge mit nach St. Petersbiirg ge- nommen. Es war ein fröhliches Wiedersehen; es iiiischte sich auch heimliche Neugier hinein. Jost hatte zuweilen von seiner Freundin Eva .geschrieben; das war Annemarie sehr komisch vorgekonimen. Jost hatte eine Freundiii: hinter dieser Tatsache schienen ihr allerhand Fragezeichen zu lauern. Sie wußte nicht recht, welcher Art; sie war größer geworden und weltklüger; sie fragte sich sogar einmal: o'alle ihr; Himmlischen, ist das etwa seine Geliebte? — Aber sie sagte sich auch, daß das unmöglich sei, denn Jost hatte inj seinen Briefen davon gesprochen, er freue sich, die Fremi- diu mit der Schwester bekannt zu machen. Nun war sie da, und Annemarie gab ihr die Hand. Annemarie verbarg ihre Neugier nicht. Sie schaute ihr forschend in die Augen, rasch nur, aber die Blicke verstanden sich. Das war keine Studentenliebste — und kräftiger drückte Annemarie die Hand der andern. Im Wartezimmer wurde Beratung gehalten. Velten erklärte: man wolle beim Professor ©tonn Besuch machen und ihn: feine Eva zu einem Ausfluge abschmeichelu. Annemarie schüttelte den Kopf: es gäbe keinen Profe sor, der so etwas erlauben würde. Doch wußte sie Rat. „Ich Hab's!" rief sie. „Ich gehe mit zu dem Professor, Ich fliege mit aus!" Hierauf schlug sie mit der in weißem Glac6leder steckenden Hand auf die Tischplatte und fuhr jubelnd fort: „O Jost, o Velten, das werden ein paar himmlische Tage! Wo wollen wir hin? Es wird eine echte und rechte Studentenfahrt! ^ch lege mein Band um, das Baiid der Berlinia-Elisa- bethlna, Schwarz-Weiß finb die Farben; zwar ist die Verbindung aufgehobeii worden, aber es schadet nichts, die große Erinnerung wird wieder wach! Hede, und du---, du koinmst auch mit!..." Sie wäre es gar zu gern, die hübsche Komteß mit dem Schelmengesicht und dem kleinen Leberfleckchen auf dein runden Kinn; aber sie fürchtete die Oberhosineisterin, der sie von ihren Eltern besonders anempfohlen worden war. „Aiinemarie, ich möchte schon, aber ich kann nickt" antwortete sie und verzog betrübt den Muiid; „ach, ich mochte natürlich gar zu gern, urrd es ist auch wirklich nicht- dabei, zu Funfeii und unter dem Schutz der Herren — dock denke an unfern Oberdrachen, was soll ich dem saaen? Du hast es besser- du schickst einen Zettel zu ihr imd be- urlaubst dich auf drei Tage nach Gotternegg — aber ich, ach du lieber Gott, wenn die Gräfin Knigße erführe..." hab's!" rief wiederum Prinzessüi Annemarie, und Jost fiel ein: „Annemarie, schrei niäyt so laut - es sind *2 ^eseni WarteziniNier, unb die bic $' £en - ~~ ^llner, bringen Sie so viel Sie wollen, und danii mnkreisen Sie Nicht fortwährend unfern Tisch." wiederholte Annemarie leiser und beiiats E^A..Vo^,,Mmlich - Hede, wir schnurren beides ^k ? 0 "Uge ist keine Luge, und wernl sie doch eine ist — ich belaste damit mein Gewissen. Wir nehmen beide Nr- aub nach Gotternegg. Den kann uns die Änigge nicht vor- isrÄsf i B S KÄS --'-'S SÄ Storm schaute etiväs vPriMndert zu denr vrin« ^manoptan und allen sonstigen projektierteri wissen; aber ich erkläre: wenn ihr Urlaub bekomm? sorge ich mit Belten dafltr. daß euch^ auf unsere Ton« niemaird etwas zuleide tut und daß ihr fteit unb «Ä ivteder in Potsdam abgeliefert w-erdü . lFortsetzung folgt.) — 263 Ihr Liebster. von Gustav Schröer. - (Nachdruck verboten.) . In der stillen Mendelstraße, im allerstillsten Haüse wohnt Dante Angelika. Sie hat nur ein Stübchen mit einem Schlaf- tämmerlein nnd eine Küche, nnd alles hat etwas Puppenstuben Haftes. Luise Model, ein vor der Zeit altgewordenes Mädchen, Vommt alle Tage, die gröberen Arbeiten zu tuu und die Einkäufe W besorgen, im übrigen ist Tante Angelika allein. Tas mar immer so. Es gab eine Zeit, in der des öfteren flinke Kinder-- sübc die Treppe herauf eilten und, wenn Tante Angelika nicht ganz rasch war, in das blitzsaubere Stübchen hereinpolterten, ohne draußen die Kokosmatte benutzt zu haben. Nun, die Tante sagte ja zwar auch dann nichts, aber sie hatte einen traurigen! Zug um den Mund, der wahrhaftig auch danr kleinen Sünder weh tat Es geschah auch, daß Tante Angelika einen Lappen nahen, sich blickte und das Kinderfüßchen mit zwei Strichen rasch abwischte. Tann kam es wie ein Schämen in die Kinderarigerr. Tas tat wiederum der Taute weh, und sie Hub air zil trösten, zu scherzeri, zn plaudern, bis die jungen Äugen wieder blank waren. Tie Zeiten sind vornüber, ach! ja. Schwester Lisbeth, die Frau Stadtbaumeisterin, ist gestorben, hernach! der Schwager, die Kinder find, ausgeflogen, aber Tante Angelika ist geblieben und ist ganz allem, allein mit ihren Erinnerungen. Weiß jetzt keines mehr in wx Straße, wie sie eigentlich heißt. Nur das Meldeamt könnte ca allenfalls Auskunft geben. Dafür ist sie allen und voran den Kindern als Tante Angelika bekannt. , c Stück nm Stück des bescheidenen Hausrats hat seine Geschichte. Es sind alte, gediegene Möbel, die da stehen. Wes Mahagoni, dmrkelrot nnd glänzend. Tie Servante, die Kommode, der runde Tisch nnt den geschnitzten Füßen, die geschweiften Stühle Aus der Kommode steht Unter einer Glasglocke das Schmuckstück, die Standuhr. Sie ist wie ein Dempelchen. Bier Lllabastersäulen Mit verzierten Füßen und Kapitalen hüten eine Halle, deren! Rückwand eingefaßte Spiegelscheiben bilden. Davor schwingt der Perpendikel mit der glänzenden Scheibe rastlos hin und her Tas nnche Zifferblatt ist umgeben von Arabesken, über denen sich Uvei Gemen die Händchen reichen. Und wenn es zwölf schlägt, tritt ern tvuiiderliches Frgürchen zur Seite ans dein Uhrgehäuse heraus. §2® sE der Tod sein, aber er hat in seiner Buntheit soviel Freudiges, daß man nicht vor ihm erschrickt. Er wackelt bei JaTr . >kae . J> iu und her, und wenn seine Zeit abgelaufen W' kehrt er wieder in seine Kammer zurück und klappt das Tlir tzu. Er meint es mit seiner Mahnung nicht gar ernst. . „ 8Siill6e « runde Bildchen, schwarze Silhoüet- k„ und feui gemalte Mmraturen. Tas sind die Leute, denen ‘Li™ 9 ! 1 £ v°r limgen, langen Jahren begegnet ist. Viele von ihnen haben der Welt Tinge zu sagen gehabt, deren man m wo« annehmen Mjrfte, und ihr Leben hallt noch nach, schon sre selbst lange Staub geworden sind ^Hrt imm-er wieder. Es ist ein ernstes Männer-, antlitz. Wallende Haare rieseln ans die Schultern herab, die Augen liegen tief unter einer breiten Stirn, der Mund ist nicht eben klem. Friedrich Rückert! Und da ist das schlichte Gutshaus Neuseß mit seinen -wer Giebelfenstern, über denen auf Peru Ober vodeu noch ein drittes m das Coburger Land hinaus schaut. Y - 3? dent Hause ist Taute Llngelika vielhundertmal die Treppe hmauf und hurab gesprungen. Sw ist lange Jahre bei dein alten gewesen, hat ihm zugehört, ihm oft über die gehüteten Locken gestrichen und hat ihm viele, viele Gedichtleiu aus den Taschen, des Hausrockes gestiebitzt. Tenn geschrieben hat der alte Herr alle Tage etwas, und ioenn es nur vier Zeilen waren von den ungezählten Sprüchen oder ein Liedlein. Aber er ? ür ^rÄchatzt, Und. wenn nmn da nicht dahinter! }??*' man solch ein Papierchen eines Tages zerknüllt vom Boden Mflesen oder fand gar nur Schnitzelchen davon. Herr ein, für immer. Angelika ^öHcrin,.öfter e£ ist ihr nichts so wsert, als des alten Pro ^^ors Frühstückstasse. Tw steht voran in der Servante n Jr/* FackA ziemlich starke Sck)ale mit Mer! großer Untertasse. Auf der Tasse steht irr Goldschrift: Zur Erinnerung Taruber und darunter sind zwischen grünen Blättern hellrote V orgenten und feine, rote und blaue Bergiß mein- ^chlt. Da-nnschen überall goldene Ranken mit goldenen Blatt-rn das Bäumlein getragen haben mag, das and^e Blätter haben wollte. Im Innern hat die Tasse einen breiten Goldrand. Ter äußere Rand von Ober- und Untertasse ist ver- ^ Gold bemalt und mit herausgehobenen, goldenen Blättern und Arabesken geziert. Auch die Untertasse ist reich ^»Mprts vrit Gold auäge flott et. wenn inan sie ihr mit Gold füllt. n ö 9 THf JrJju 1 in i bcr ^Kgcu, großen, schnell lebenden Zeit ist Tante Geschehnisse branden kaum, in die stille Straße. Angelika tragt zwar auch schwer unter deui Kriege aber 5? ^'bhr ein dumpfer Truck. Nur selten kommen ihr Not und vottni Mi'ilerT' ,lltb dann weint fic und gibt mit Ta tritt der Krieg in ihr Stüblein. Feste Schritte Hallen auf lder Treppe Draußen putzt sich jemand sorgfältig die Schuhe ab, und dann tritt einer herein, der den rechteil Arm tu der Binde hat und am grauen Waffenrock die schönste Zier unserer Zeit, das Eisenkreuz trägt. Seine Augen blitzen, um den schnurrbartüberschatteten Mund liegt ein fröhliches Lächeln, der Säbel mit dem silbernen Portepee klirrt leise Sttlbcken ^ t[n @tront ömt ^ben in das zart lavendelduftendch Tante Angelika steht mitten im Zimmer, hat große, ver- wumerte Augen und knickst verlegen vor dem jungen Offizier, öenrrt haben muß. Der aber lacht, tritt näher r-W X r tr- .Aiigelika den gesunden Arm um die Schulter, M ^Zukauf die Stirn und ruft lustig: „Ich wette, du kennst mich mcht Tante Angelika." — „Tante Angelika", — das sageir sw alle, LarauS kann man gar nichts schließen. Wer sollte zu ihr kommen aus dem Kriege? Sie ist ganz rot geworden und hat em Gefühl, als streichle der Schnurrbart noch über ihre Stirn, so daß sie wahrhaftig nahe daran ist, darüber zü wischen f Leutnant aber, lacht nur lustiger. „Na, Tante, es ist lange her, daß du nur die Füße mit dem Lappen abgewischt hast, aber ganz aus dem Sinne wird dir dein Großneffe, der Fritz Rainer, doch wohl nicht entschwimdeii sein." suchst nftch ?"^ aTlte Angelika leise, „ach Gott, Fritz. Du be- Tante und jetzt sag' wenigstens: wiMommen." ..Willkommen, ikber, lieber Fritz!" Tabei hat sie silberne geworben ’* und auch der junge Offizier ist ernst Nun aber ist Angelika geschäftig. Sie wuselt hin und her und macht vor lauter Eifer alles zweimal, legt die Offiziersmütze auf Me Kommode, hernach auf den Tisch, dann Mf einen Stuhl. Bio Frrtz Ramer ruft: „Nee, Laute, Ruhe. Komm, setz dich da ich! wiedm" e^, mt mUm ein ^enig plaudern, hernach gehe -Aber, ich Muß doch erst Kaffee kochen, Fritz!" ,Nem, Laute, das mußt diu nicht " ^ ,Aber Fritz.... Kaffee!" - w üanz lvas Schönes, aber ich bin her gekommen, um zu plaudern. Bi.te, Tante, ich muß wieder gehen, wenn ich dich so ans aller .Ordnung hinauswerfe." 0 ^ nicht, Fritz. Ich freue mich ja so unmenschlich. Mich besucht ja niemand mehr, niemand. Für alle bin ich gestorben." „Gott. Tante, sieh 'mal, das is Nu so . . . „Ja doch>, Fritz, ich mache auch niemand einen Vorwurf Ich werde überstandig, aber das erlebte ich doch noch gerne, daß die Friedensglocken lauten. Wie wird unser Land hernach! fein?" „Groß, Tante, es geht durch eine schwere Zeit, aber es rvird groß daraus hervorgehen." „Tn bist verwundet, Fritz?" mp ' «iu ©weuatr^itter, aber es heilt gut. Ich deuke, in sechs bis acht Wochen kann rch wieder hinaus." ,T'u fteust dich! darauf?" ,9lber natürlich, Taitte. Gott, Freude ist vielleicht nicht ganz W 1 ?'-Ä mx l l geht gern, ehrlich: gern. Weißt du, das ist jetzt wirklich, mehr als dre erste, rauschende Begeisterung " Lvs Eiserne Kreitz hast du auch?" Fa. von Grodtk her." ..Wie War das, Fritz?" "Was soll man da viel erzählen, Tante?" Aber er ntuß doch allerlei erzählen, und Tante Slngelika hak ^aude gefaltet, sitzt da Wie in der Kirche und kann vor lauter Herzklovsen kaum Atem holen. . Ja, bei Grodek! Sieben russische Schiltzengräben hinterediaii-. der. Sieben! Dre Artillerie belegt den ersten Graben, dann den zweiten Und so immer weiter. Das Gelände ist wellig ES geht hugekem und hllgelan. Tann tollen sie in den deutschen Gräben die sturnikolonuen cm. Trei Wellen ivird die Komvianie haben, Fritz Ramer gehört zur ersten. Das Krachen der Geschütze ist nie so NnhemüE, gewesen. Ta gab es wirklich „och Pulvenvolken wie m früheren Kriegen. Und zwischen die wchmden Wolken, die Blitzen zerrissen wurden, sprangen die Stürmer himm. Etwa sechzig Mann die erste Welle. Ta raste aus dem rus>»chen Graben em wildes Feuer auf. Tic Stürmendeil mimten ub^Mugen sich Die zivrite Welle schob sich em, me dritte. Der erste Graben war genommen. Tie nächstm fünf mochten wenig Arbeit, aber der letzte wieder. So wurd-Äi die Russeii hmausgeworfen Als es Mend nur. da suchten sich die Kameraden. Bon der -ersten Welle fanden sich, noch drei zusammen. Lie reichen jich dre Hände und waren still. Alle andern lageitz tot oder wmld auf dem Schlachtfelde. Ja, die deutschen Siege sind teuer^erkauft, aber sie sind groß und herrlich. V LXh üuuwr still neben bm jungen .Kriege!-, j| Ll . ^ tc ßveichielt verstohlen nnd leise seinen kranken Arm. ES die AZangei^ Liebkosen, und die Tränen rinnen ihr ül>er dann zagIxift. „ich mochte dir etlmrS £jp tun. Wirst du mrch auslachen? Sieh', Schätze halw ich ja 264 k,Wer Dante, ,« bitte dich. . ." „Dw lachst mich nicht aus?" „Dante, du bringst mich wirllich in Verlegenheit." „Nein, Fritz, -es ist ia such nichts für einen Krieger, aber Lch habe nichts, das mir lieber wäre." Da ist sie auch schon an der Servante, nimmt mit spitzen Fingern vorsichtig die Rückecttasse heraus und stellt sie auf den Tisch. Fritz Rainer ist erschrocken, „Dante, um Gotteswill-en, das ist doch die Rückerttasse! Bor der haben wir schon als Kinder in Andacht gestanden. Taute!" „Ich habe nichts Besseres. Sie gehörte einein großen Manne. „Tante, du beschämst nnch, wie komme ich dazu?" „Es ist nur ein kleines für einen Helden, aber, iiiinni's, Fritz. Es täte mir weh, wenn du mein Gosch-enk ansschlügst." Fritz Rainer hat sich erhoben. Seine Augen sind ernst und feucht. „Tante, dein Bestes mir! Ich will's — draußen verdienen.'" Da Umschlingt ihn Darrte Angelika, reckt sich und küßt ihn duf beu Murch. „Freut's dich, Fritz?" „Za, wie rnein Eisern Kreuz." Ms der junge Offizier zur Bahn geht, schneitet Tante ?lngelika stolz neben ihm. Fritz Rainer aber trägt in zarter Sorgfalt das Kästchen mit der Reliquie. Er hütet -es auf der Fahrt und daheim. Es ist sein Schatz geworden. .Tie .Tasse bedeutet ihm ein liebes, gutes, altes Herz. Tante Angelika aber steht daheim Vor der Servante, in der ihr Liebstes fehlt. Sie lächelt. Wer ihr gesagt hätte, daß sie sich einnial unv s-o gerne von der Tasse trennen würde! Vermifchjes. "Ein französisches Charakterbild des Präsi- d e n t e n Wilson. Da die Ereignisse der letzten Wochen die Gestalt Woodroio W>lsons wieder eine Zeitlang in den Vordergrund des internationalen Interesses stellten, bemüht sich die ,Renaissance", ihren Pariser Lesern in knappen Umrissen ein Bild der Persönlichkeit Wilsons zu entwerten. Wenn auch diese Charakteristik sranzöftfch und darum fraglos einseitig ist, so sei sie doch wiedcrgegeben, well sie in konzentriertester Weise, in einer Art Telegrammstil sozusagen Einzelheiten ans dein Lebensgang Wilsons wiedergibt: „Sein Blut: irländisch-schottisch. Seine Mütter: eine vornehine, künstlerisch veranlagte Frau. Sein Vater: ein 9tiese mit edlem Löweukopf, Prosesjor der Theologie, Presbyterianer. Seine erste Kraut eine Schouh.it ans denl Staate Georgia, von rassiger Abstammrmg, die ihnr drei Töchter schenkte. Seine zweite Frau: der letzte Abkömmling eines indianischen Häuptlings- geschlechtes. Sein Verstand: scharf und schlagfertig. Sein Charakter: hartnäckig lmd trotzig. Sein eigentlicher Berns: ein tüchtiger Gelehrter der historischen Wissenschaften und Forscher der modernen politischen Gesetzgebnng. Sein wesentlichster Entwicklungsgang : Professor der Politik, Präsident der Universität von Pnncetou, Gouverneur des Staates New Jersey, Präsident der Vereinigten Staaten von Nordanrerika. * Türkische Kasernen. Kein Land der Welt kann sich, was die Kasernen anbetrtfft, mit der Türkei messen. In Konstan- ttnopel sieht man die geräumigsten und schönsten Kasernen der Welt. Es sind wahre Paläste, die allen Forderungen der Hygiene in beivunderungswürdigem Maße Rechnung tragen und mit allem Komfort ansgestattet sind. Wenn die türkische Militärbehörde eine Kaserne erbauen will, so wählt sie stets einen hochgelegenen luftigen Banplatz aus. Und so kommt es, daß man schon »aus der Ferne, bevor inan die Tore von-Konstanlinopel betritt, die Kasernen von Haidar-Pascha, von Pera und andere erblickt, die die Aufmerksamkeit eines jeden Fremden erregen, der zum erstenmal die türkische Hauptstadt besucht. Diese stolzen Bunten sind von großen Gärten umgeben, und jeder besitzt eine herrliche Moschee, wecke Hole und Terrassen. * Wie Höchstpreise vor 700 Jahren wirkten. So unerhört in der ganzen Weltgeschichte die gewaltige Ausgabe der Organisation der Ernährung eines ganzen Volkes ist, an deren Löstmg Deutschland jetzt seit mehr als anderthalb Jahreir arbeitet, so behält doch der gute alte Rabbi Akiba mit seinem „Alles schon dagewesen" auch hier überraschend oft recht. Man erinnert sich des merkwürdiges Vorganges, daß. sobald ein Höchstpreis für irgend ein Lebensmittel emgeführt wird, die betreffenden Waren plötzlich aus dein Verkehr verschwinden, um alsbald wieder zu erscheinen, wenn die -Preise entsprechend erhöht werden. Der Vorgang ist durchaus nichts Neues. Eine englische Chronik auS dem Jahre 1199 berichtet ganz Aehnliches aus der Negierung des Königs Johann von England. Dieser setzte nämlich damals Höchstpreise für Weine fest, wonach kein Faß Wein ans Poitou teurer verkauft werden durfte als für 20 Schilling für die Gallone, während für die Weine aus Anjou als Höchstpreise 24 und 20 2 / s Schilling festgesetzt wurden. König Johann bestimmte außerdem zugleich auch Höchstpreise für den Emzelausschank: der Schoppen Poitomveiu bitrfte nicht teurer Schrrftleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Berlaa der Brüh- verkauft werden als für 4 Pence und Weißwein für 6 Pence. Die Folge war genau dieselbe, wie wir sie jetzt so oft beobachten konnten: die Kaufleute erklärten die Preisbemessung für unzureichend, streikten und der Wein aus Poitou, wie der aus Anjou verschwand aus d,m Handel und den Kneipen. Da mußte König Johann nachgeben r er erteilte die »Lizenz". den Schoppen Rotwein mit 6 Pence und den Schoppen Weißwein mit 8 Pence zu berechnen - und alsbald war der Rote wie der Weiße wieder zur Stelle, und, wie dir Ehromk schalkhaft hur§ufügt, sogleich war das Land erfüllt von ^.rmkstoff und von Trinkern*. Gießener Hausfraue«-Verein. ^ Wochen-Küchen Zettel. v Sonn 1 ag: Dowakensuppe, Omeletten, Spinat, Kartoffeln'. . „ Montag: Ger st cn flocken suppe, Rotkraut (Törrgenrüse), Kartoffelbrei. ^A,i.Enstag: Erbsensuppe von grünen getrockneten Erbsen mit Klößchen, Buttermilch speise (Rezept von Frau Laih), Vanilletunke. r dRittwoch: Gebrannte Mehlsuppe, Grünkvrnbratlinge, Hop- sengemüse *), Kartoffeln. Donnerstag: Spargelsuppe, Kopfsalat, Leineweber**). . Kerbelsuppe, gekochten Fisch, Kaperntunke, Kartoffeln. ^ „ ö , m ^ la g: Bohnensuppe, wenn möglich mit effvas Dörrfleisch oder Wurst. *) Man sammelt an den Hecken die jungen qkiinm Spitzen des Hopfens, zerbrecht diese in singcrgliedlangc Stücke, kocht sie in d^^lvaster wenige Minuten ab und gibt eine Spargeltunke darüber. > Bei diesem Gericht finden übriagebliebene Kartoffeln gute Jeriverwung, welche in kleine Würfel geschnitten mit stwas Fett in emer Pfanne angeröstet und mit einenr Pfannknchenteig über- gossen, zu emein recht sättigenden Pfannkuchen gebacken werden. * Eirilnacheu ohne Zucker. Es ist, wie der, „Nachrichtendienst für Ernährnngsfragen" unter Hrmvels ans dre Onotisiernng der Zuckerbezüge hervorhebt, ern Irrtum, zu glauben, daß Znckerznsatz für die Erhaltung der fruchte unbedingt notwendig sei. In konzentrierten Lösungen wirkt Zucker konservierend (z. B. bei kandierten Früchten). Ver- düniite Zuckerlosimgen sind «Her eine Gefahr für die Haltbarkeit vei fruchte, denn fi>te ungenügende Sterilisiermig führt leicht zum Sauerwerden. Auf die Sterilisierung kommt es au, sie ist die Voraussetzung der Haltbarkeit der Früchte. Tie Marmeladen- sabriken wissen das längst; sie stellen zur Zeit der Obsternte ihre Dauer.oare zunächst ohne Zucker als „Halbware" her und erst beim- Abfnllen in Glaser zum Versand wird Zucker zugesetzt. Diese Erkenntnis sollte auch im Haushalt verloertet werden. Auch der ein- Pache Haushalt- kann seine Früchte und seine sonst üblicherweise mit ^uckcrznfatz genossenen Gemüse (Rhabarber) konservieren ohne Zucker ^n heißen Ländern ist das das übliche Verfahren. Tie Sterilisierung und Aufbetvahrung ohne Znckerzusatz erfolgt am besten nach feem Appertschen Verfahren, sei es in der Form von Weckapparaten oder irgend eines der anderen, teillveise älteren: Systeme Es genügen auch aut verschließbare Glasaefäße wie Wein- Bcerflasck^r und ähnliches. So ist es niöglich, wde schnell verderbliche oder für den Danerverbrauch bestimurte Frucht gefahrlos zn konservieren ohne jeden Zuckerzusatz. Die Befürchtung, datz m eingemachten Früchte später den Zuckerzusatz nickst mehr annehmcn, ist irrig; es muß nur die Zuckerung 3 bis 4 Stunden vor dem Genuß, vielleickst unter neuem tzlufkochen, erfolgen Aus Mangel an genügenc^em Einmachzucker darf also in DeutschlauÄ reine Frucht und kein Gemüse verderben. Sollte später Zucker zur Süßung Nn-rklich iricht in ausreichender Menge vorhanden sein, io würde es doch wohl sicher nicht an der Freigabe genügender Viengen künstlichen Süßstoffs fehlen. Rätsel. Ich gleiche des Aufruhrs durchlöcherter Fahne, 4 Du liehest mich nagen mit gierigeni Zahne, Das Haupt mit öcm düsteren Schleier gekrönt; Und doch Hab' ich oft dir das Dasein verschönt. An's Liedchen, an's traute, gemahne ich dich, Du nennst sie mit selbigem Namen wie inich. Wenn aber mein Haupt unb mein Fuß mir entweichen. So bleibt dir der Unschnld und Schüchternheit Zeichen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer: ^agd — <-nkel — kilund — - Nafe — öliger — ÜAster —« " Wand — Ltunst — Lichel — L*anl — k.anb — Lsche — Labe Johannes Kepler. 'schen Universität8-Buch- und Steindruckerei, N. Lanae. Gießen.