Mittwoch, den KO. Mai Dis arme Prinzessin. föontan von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.'» (Fortsetzung.) „Sie werden uns nicht verraten, Durchlaucht," sagte sie, „'Mir bilden ein Korps, Fräulein von Wallroden ist erste Chargierte, Prinzeß Berleberg hatte eine Flasche Portwein gekauft, da haben wir einen Salamander auf gute Freundsthaft gerieben. . „Daß du den Mund hältst, Jost," sprach Annemarie, „es ist eine gehenue Verbindung, aber hält aus Ehre und Zucht, es sitzt Schneid darin . . ." Die Komteß Berkuhn, eine niedliche Brünette mit frischem Schelmengesicht, hatte sich an Velten gewandt: „Mein Herr, es tut uns leid, daß Sie Mitwisser unserer Mysterien geworden sind. Doch haben Sie nichts zu fürchten, tmr müssen wir selber iut3 schützen. Kommilitoninneu, ich proponiere: wir machen diese beiden Herren zu Ehrenmitgliedern unseres Korps und nehmen sie unter Eid, dann fiub sie unlöslich mit uns verbunden und dürfen nicht plaudern." Mseitiger stürmischer Zuruf erfolgte. „Ich frage Sie, Prinz Gotternegg," sagte die Prinzessin Berleberg, „nehmen Sie unsere Wahl an'?" Jost verneigte sich. „Es wird mir eine besondere Ehre sein, Prinzeß, einer so ruhmreichen Verbindung, wenn auch nur sozusagen als auswärtiges Mitglied angehören zu dürfen." „Ich schließe mich dem Hevrn Vorredner an," fügte Belten in tiefstem Ernste hinzu. „Wohlan," rief Fräulein von Waltroden lebhaft, „so be- aiiuie der Akt! Hede, riegle die Tür ab! Stichle herbei, Annemarie? Schriftwart, die Urkunde und die Insignien. Aufstellung nehmen!" ' Jost und Velten wurden ersucht, auf zwei Stühlen nebeneinander Platz zu nehmen. Sie taten dies mit Grandezza^' Die Mädchen umgaben sie in Kreisform, die Hände über der Brust gekreuzt, Weihe int Antlitz. Hierauf las die Prinzessin Berleberg die Stiftungsurkunde des Korps Berlinia Elisa- bethina vor. Als der Name ausgesprochen wurde, flüsterte die kleine Berkuhn: „Sie inüffeu ausstehen?" — Jost und Velten schnellten empor. „Wieder setzen!" ries die Berkuhn. Jost und Velten ließen sich nieder. Aber sobald der wahn- fiituige Name Berlinia-Elisabethina genannt wurde, erscholl das Stichwort „aufstehen!" Die beiden Herren fuhren rhythmisch ans und nieder. „Eine gesunde Bewegung," murmelte Belten. „I, du Donnerwetter," murmelte Jost. Schließlich kam der furchtbare Schwur. Die Novizen mußten sich verpflichten, niemals das Geheimnis des großen Bundes zu verraten, treue Freundschaft zu üben „bis über das Grab hi^ aus" und noch einiges ebenso Wichtiges. Dann hieß es: „Diesen Eid besiegeln wir durch..." da aber stockte die Vorleserin einen Augenblick und schloß endgültig: „durch feierlichen Handschlag." Jost empfand, daß hier irgend etwas nicht in der Ordnung sei. „Ich bitte um Entschuldigung." sagte er, auf- stehend, „ist der Handschlag alles?" „Er genügt," erwiderte die Berleberg, und die Kommiti- Loninnen erröteten jäh_ „Mir genügt er nicht," sagte Belten, und erhob sich gleichfalls, „ich habe das Gefühl, als verlange der bindende Eid eine stärkere Form urt'o als sei solche auch vorgeschrieben, ich bitte um Einsichtnahme in das Dokument..." „Es ist dies nicht angängig," entgegnete Fräulein von Tempel sehr.verlegen, aber die kleine Kornteß Bertuhu erklärte, den Schalk im Auge, das sei zu verlangen. „Ha," rief Velten, „so bestehe ich also auf meinern Schein!" — „Ich auch," sagte Jost voll Energie, „ich muß es, ich will, daß der Vorschrist vollkommen genügt wird, ich will nicht gegen die andern zurück stehen, ich kann fordern, daß sich meine Aufnahme in das Korps unter den üblichen Normen vollzieht; wir wollen nicht nur geduldet sein, wir stellen uns auf den Boden des Gesetzes." Die Häupter neigten sich, man^ trat zueinander, die Stirnen zeigten dräuende Falten, man beriet. „Was tun?"' a terte die Waltroden, „wir können doch nicht — es geht ,.t — ich schäm' mich zu Tode..— „Sie wissen alles," wisperte Tini Erdmann, „sie ahnen es, wir hätten diese harten ALänner gar nicht hinzuziehen dürfen..." — „Es ist Annemaries Schuld," erklärte die Berleberg, „sie war zu voreilig..." — „Annemarie ,nuit löffle die Suppe aus, die du uns eingebrockt hast," ries die Berkuhn leise; „die Männer sind in ihrem Recht, nun hilf!..." Da richtete Annemarie sick stolz empor. „Es sei," sagte sie, „ich werde ein Opfer bringen; der eine ist mein Bruder, bei dem andern mack' ick die Augen zu, es wird mich nicht töten. Also hört.. /1 Wiederum neigten sich die Häupter, das Blondhaar, Lclpi>arz- haar und Braunhaar ob den Stirnen erzitterte, es wurde gezischelt und geflüstert, es war ein heimlicher Rat und ein schwerer. Endlich umudte sich die erste Chargierte zurück au die beiden Novizen und gab zur Kenntnis: „Die Form schreibt vor" — sie stockte — „schreibt vor. es folge dem Treueid" — sie stockte von neuem — ,,ihnr folge der TreU- kuß. Die Statuten berechtigen in jedem Falle zur Stimmenübertragung. Der Vorstand hat beschlossen, auch bei der Aufnahme der beiden Ehrenkommilitonen davor: Gebrauch zu nrachen; die Ausübung der Funktion wurde der Prinzeß Annemar ie zuge sp rochei i." ,Zch protestiere," rief Jost; „ein Prokuraknß hat nichts Bindendes für mich.. „Sei still," sagte Annemarie, „es bleibt bei dein Beschlüsse, es ist nicht daran zu rütteln.. ." Velten sah die Prinzessin an, verbeugte sich und spracht „Was hohe W. beit im Rate der sechs für genügend er- — 246 — achtet, das soll auch uns heilig sein. So erkläre ich denn und! gebe kund: ich füge in ich Willig und dienstbar..." Man nickte, diesen Ausspruch hielt man für gefällig und schön. Nun rüstete Annemarie zu der Handlung. Es ging rasch bei Jost; es sei doch nicht das Rechte, sagte dieser, es sei eine Umgehung der Vorschrift und eigentlich eine Nichtachtung. Velten stand da und wartete; ringsum standen die Korps- mädchen von der Bcrlinia-Elisabetchina nnd waren sehr neugierig. Annemarie sagte : „So binde ich dich durch diesen.. dann brach sie ab, wurde purpurrot und ries: „Nein, so geht es nicht, man must ihm ein Tuch um die Augen legen!" — Die Szene spitzte sich dramatisch zu, der Konflikt schürzte sich; aber da löste eine Großtat Veltens die Spannung, Er nahm Annemaries Hand, beugte mit Grazie das Knie und sagte: „Prinzessin, so binde ich mich durch den Kuß der Treue," uub küßte ihr die Hand. Man fand das sein und ritterlich; die blonden, schwarzen und kastanienbraunen .Häupter neigten sich zustimmend. „Abgemacht!" ries Annemarie, froh ausatmend, „nun gehört ihr zu uns, das Geheimnis ist gewahrt. Jost, um wieviel Uhr fahren wir?..." Die Darnen schwirrten durcheinander, die Tür wurde wieder entriegelt, Komteß Erdmann nnd Fräulein von Wallroden empfahlen sich, auch die übrigen stürzten eilends an ihre Koffer. Neben denr gemeinschaftlichen Wohnzimmer der vier jungen Damen lagen rechts nnd links zwei Schlafräume; Annemarie schlief! mit Hede Berkuhu zusammen, die half ihr beim Packen. So war die kleine Prinzessin schnell reisefertig; es gab noch eilt paar Dutzend Küsse und Umarmungen, und daun ging es hinaus in die Freiheit. Erst in der elften Abendstunde brauchte mall auf denr Bahnhöfe zu sein, mall hatte also noch einige fröhliche Bnllrmelstunden vor sich Velten und Jost hatten sich mit Otto zum Mittagessen im MonopoWotel verabredet; das wgr eine ftdele Sitzung. Alluemarie kam sich ganz studentisch vor, sie war von jubelnder Ausgelassenheit und zeigte gewaltigen Appetit. Und was gab es nicht altes zil erzählen! Rasch verrannen die Stunden; man fuhr nach dem Bahnhof, mall fuhr die Nacht hindurch im klappernden Zuge, und am frühen Morgen konnte das schlaftrunkene Auge die schneebedeckte Heimat grüßen. — O selige Ferienzeit! Es war gar zu herrlich. Zuerst hieß es ausschlafen. Man schlief weit in den Tag hinein. Die Freunde vom Schloß nnd aus der Vurgmühle kamen und mußten in der Halle auf die Schlafmützen warten: Graf Ariern das Ehepaar Beyfuß und Grete: Grete frisch, rund und rosig, mit den Füßen stampfend vor Ungeduld, stöhnend und schimpfend „Bei den Herrnhutern," sagte Graf Aicker», man, so hör' ich, Mäßigung lernen nnd feine Benerr- schung. Sehe ui, <3 te aber, Fräulein Befehle, so dringt bei mir die Ueberzengung durch, daß nach dieser Richtung hin dle Erziehung eine verfehlte war. , ,,Sehe ich S i e, Herr Graf," antwortete Grete, , so bnngt das meinen Bildungsgang ins Stocken nnd die ganze Verfeinerung „t futsch. Fürstlicher Hofchef und einen Pelz- Segen den man die Lodenjoppe des Herzogs von Emsi- ?ouveaute de Paris bezeichnen muß. Bon den mttttg * ,er " 9ai Ulä>t äU ^"chen. . . ." Ariern lachte gut- der Jagd, ich bin auch rustikal ge- Aber ^hnen zu Ehren will ich wieder städtischer werden, der elegante Mann soll zum Durchbruch kommen ?^^Ä'.ll freue ich mich, daß das Sektiererwesen in Neu>- raubt ta™ 1 md ^ t ^ l)re originelle Kratzbürstigkeit ge^ 9 S n ^ kreppe herab, es war ein großes ®l e /t ^gelang an. Es waren frohe Ferien. Zwischen dem alten Hause, dem Schlosse und der Bnrgmüble war enr breite r Weg durch den Schnee geschippt Man lief yerüber und hinüber. Das Weihnachtsfest feierte mall ae- melnsanr. Auch der Burgmüller war dabei, alt geworden und einell müden Zug mit den Mund, vereinsamt und still dabei stürmischer Zärtlichkeit für seine Grete. Er beschenkte sie eingekauft, übertriebene Koübar- mjihk ungebührlichen Schmuck für ein laum ertoachsenes ÄL- versprach ihr ein Reitpferd und einen kleiner! ^tbwahrer, erue neue Zimmereinrichtung und einen Lawn I^splatz; er char wie verwandelt seit dem Tode der Frun. Kar tn seiner sorglosen Fröhlichkeit der alte Mürd^als^Ho^klü^f ^ . Einsamkeit. „Mit meiner Ltüu.roe als Hofchef ist Z freilich nicht wett her," sagte er gelegentlich zu Velten; „dafür hat man mir die Oberaufsicht über die Verwaltung aufgepackt. Also mehr Herrschastsdirek- tor als Hofchef. Aber es macht mir Spaß. Was ich nie für möglich gehalten hätte; ich habe rechnen gelernt, Kappsteiu ist ein Waisenknabe gegen mich. Doch wer am besten rechnet, das ist die Fürstin. Ja, sie, Velten, die Lady von drüben, sie ist auch der Geist über den Wassern. Es sitzt ein Sekretär in Berlin, der tippt die Korrespondenz mit Gotternegg und! zeichnet immer im Aufträge des Fürsten. Aber ich glaube,, nichte r diktiert und gibt Direktiven, sondern sie. Ich glaube, daß diese Frau von mtgewöhnlicher geschäftlicher Tüchtigkeit Hch glaube auch sonst noch allerlei. Mit der Hoffnung auf Glanz und Gleiß und üppigste Prachteutwicklung ist es anscheinend nichts; doch Gotternegg wird sich entwickeln: wir wollen uns einmal wieder sprechen. . . Das stand fest: Es war frisches Leben in die Verwaltung der Herrschaft gekommen. Riefenstahl und Kappstein hatten sich vertragen. Kappsteiu war noch immer der Rechenknecht, aber er brauchte nicht mehr zu filzen. Was nötig und zwech- mastig war, das wurde bewilligt. Es wurden neue Leute-' Hauser gebaut, iieue Ackerpferde und Zugochsen angeschafft", der Maschinenpark wurde vervollstälidigt, was schlecht war, zuiii alten Eisen geworfen, man kaufte nur noch das Beste, man feilschte nicht. Der bucklige kleine Jsaaksohn, der Aller- weltsagent rieb sich vergnügt die HänÄe; er verdiente eist schönes Stück Geld. Er war der Leibjude des Hofchefs geworden, den er immer nur Exzellenz nannte; Artern hielt etwas aus ihn; Jsaaksohn besuchte für ihn die PferdeaukLio- neu und die Gehöfte, er kaufte junge Bauerngäule auf, die neu der Gras sureiten und ein sah reit und verhandelte sie sie weiter. Jsaaksohn vergötterte Artern; „Gott," sagte er, „das ist ein Mann, ein Kavalier, ein Edelmann, er handelt, aber er laßt unsereins auch was verdienen, er läßt sich nicht beschummeln von Blumenfeld, er hat den Bernstein vor die E gesetzt, er protegiert Jsaaksohn: ich weiß einen Teckel, 6ule Rasse, den kriege ich billig, den will ich ihm schenken? vielleicht kriege ^ich ihn umsonst, der Lehnschulze in Dombach mochte ihn los fein. ..." Graf Artern langweilte sich nicht mehr. Anfänglich hatte ihn dann uiid wanil die Sehnsucht nach der Großstadt gepackt, nach einem fröhlichen Bumniel nnd einer ansgelassenen Nacht; all, an gl ich hatteer sicharuh zuweilen gefragt: Sapper- lot, was soll ich hier als Hofchef. wo alles Höfische fehlt? Hü es ein Ruheposten und mein fürstliches Gehalt nichts als' eine auskömmliche Pension? — Aber er sich bald ein: ein muyep osten war es nicht, und mit der Arbeit kaut auch das wachsende Interesse. Da war der Marstall in Ordnung m bnngert und das Gestüt zu reorganisieren, beides von ans; es bedurfte umfassender Vorbereitungen und tüchf- tigec Kenntnis. Die Jagd lag darnieder, die Fasanerie sollte Ä^ ^lUüerichtet, ein Kreuznngssystem mit ausländischem Hute versucht werden. Auch um die Landwirtschaft hatte sich Artern zu kümmern; neben der neu gegründeten Fabrik für Steingut uub Ton waren wurden andere industrielle Anlagen geplant, unweit der Braunkoh-lengruben beim Vorwerk Himmelsleiter sollte eilte Brikettfabrik angelegt werdest. Alle Anweisungen, Rechnungen, Quittungen, Änsstel- lmigen, Kalkulationen, eine Wut von Papieren, gingeit zunächst out cf) Artens Hano. Da war Beyfuß in seinem Ele- t'c war wirklich Arterns rechte Hand, er war uuer- mir h?' „Manchmal schimpfte Kappsteiu: „rechnet Beyfuß mir vor, meinte er „so brauch' ich nicht nachzurechnen ick fL n J ^ gen Aich nberfäissig—" Gotternegg war auch die schule für die Dienerschaft; hier wurden die Neuli'-ge öeietnt, der Koch probiert, die Reitknechte in Dressur ae- nommen; hier vollendete der grüne Max seine Ausbildmm und wurde etu brauchbares Mitglied i,n Doniestirenstaat."^ (Fortsetzung folgt.) HneÄrrch Gerftäcker. Zu seinem 100. Geburtstage, 10. Mai. w Kiedrich Gerstäcku- hat seine Stellung als einer der Meister a-pUi Rseromans bis heut behaupten können. Weil ich sieht ec Mi Kllhnheit und Originalckäl Charles Sealsfield uacBL Junten und, fesseln durch eine gesunÄ wwi uuu/ iinru !-euuge ue er nt seinen beüelr Ülontaittit wcch etwas wu jenem ZauLer, der Gerstäcker einst so Srcge verholfM hat. Lehe» imd, Wert dioses nierÄrdä ge» Manneo smp zu »nlösiichw Einheit verschmplzen. zeige» Heike 247 blas gleiche, bunt bewegte, ja abenteuerliche Bild-. Von seiner frühesten Jugend an, wo er seinen Vater, der ein berühmter Tenorist war, Mif seinen Kunstreisen begleitete, bis in die letzten Jahre seines Lebens hat Friedrich, Gecstarker nur für kurze RuheMusen den Wanderstab ans der Hand gelegt. Mit Jagdtasche uni> Büchse durchstreifte ec als Gl 1 mndzwanzigjähriger gairZ Nordamerika und verlor auch nicht den Lebensnmt, als bittere.Not ihn zwang, sich bald als Koch, bald als Heizer, bald-als Schmied, ja sogar als Medizinmann beiden Nothauten sein Brot zu verdieilen. In behaglicherer Weise lernte er spater Australien, Aegypten, Abessynien die westindische Inselwelt kennen; auch wurde er vor allem iir Südamerika heimisch. Alles, was Gerstäcker auf seinen Reisen mit seinem wis- sensdnrstigen Auge geschaut httte, das gab seine Feder in kühnen, rasch hingeworfenen, farbenprächtigen Bilden: lvieder. Bereits seiire erste größere Neisebeschreibnng, die , Streif- und Jagdzüge in den Vereinigten Staaten Mordamerims", machte ihrr mit einem Schlage zu. einenr bekannten Schriftsteller. Seine keck zy- greifende Art, sein flottes Teniperam,ent ließen ihn in jener literarisch Und politisch gleich öden Zeit besonders willkommen erscheinen. Aber mehr noch als seine ReisebeschrÜbungen wirkten seine Ronmne, die den Leser in wirbelndem! Fluge durch alle Länder Und Meere führten. Ob er in: „Busch," den verbpchlichen Rausch schildert, der sich Australiens nach dm ersten Goldfunden bemüch^ tigte, oder mit grausiger Realastik einen Tooessturz von jäher Felswand in den Blauen Bergen erzählt, ob er im , W rack des Piraten" das Paradies Chiles vor die Seele des Lesers zaubert oder in seinen Minsterromanen, dm „Regulatoren i in! Ar- k a n s a s" und den „F l u ß> p i r a t o n d e s M i s s i s s i p p i", be- benSwarme Bilder ans den Vereinigten. Staateil zeichnet: immer weist seine schnell gestaltende Phantasie in den fremdartig reizvollen Rahmen eine spanneiide Handlung m fügen, die bis zur letzten Seite die Aufmerksamkeit fesselt. Was er voll einem seiner Helden sagt, das paßt auch auf ihn: „Mit alleil Ländern der Welt^war er besannt, von den am entferntest liegenden Teilen der Erde sprach er so, daß ruan stets deitken mußte, er rede von: feiner Heimat. Freilich, wenn er das ihur besonders liegende Feld des Reiserom ans verließ, wie in dem Sittenromaiie „Eckfenster", so zeigte er eine wenig glückliche Hand. Als Journalist hatte er sich vor allem die Ausgabe gestellt, den deutschen Answandererst in ihren: Elend, das er vielfach, persönlich vor Augen gehabt hatte, zn Helfen, nnd in ioarmherzigec Beredsamkeit suchte er dahin zu wirren, daß Deutschland auch dann noch feilte Kinder machtvoll schütze, wenn sie die Heimat verlassen hatten. Als Mensch war Gorst ücker dieselbe urwüchsige, vollblütige Persönlichkeit wie als Schriftsteller^ Trotz seines Ruhmes War er beschleiden und harmlos lute ein Kind, nnd derselbe sonnige Humor, den er seinem prächtigen. Kapitän Becker im „Busche" lieh, machte auch ihn zu einem liebenswerten Gesellschafter. So herrschte allgemeine Trauer, als am 31. Mar 1672 eine plötzliche Erkrankung dem Leben des so rüstig scheinenden Mannas ein jähes Ende setzte. „Ms Mensch war Ger- stmker redlichi und treu, als Mann eifrig dem Lichte und dein Fortschritt Ungetan, ein Weltbürger im guten, schönen Sinne des Wortes und ein ehrliches, treues Herz gegen alle, die seine Teilnahme und seine Liebe gewonnen hatten": mit diesm Worten hat Friedrich Ratzel damals den Tahin gegangenen trefflich! gekennzeichnet. Der Drückeberger. Jean Baptiste Loriot ans dem Dorfe Ponligon in der Bretagne hatte den Krieg überdrüssig. Er sah nicht ein, warum er -Noch cm weiteres Jahr im Schützengraben liegen sollte und sich die Kugeln der Boches um die Nase pfeifen lassen; wie leicht konnte eurer so ungeschickt sein und ihn treffen, wie den Pierre Thvbanld ans dem Nauchardorfe. Dann war es aus mit ihm und mit seiner Sa-rdmenfischerei und er würde auch seine brave Celestine nicht Wiedersehen. Darum beschloß Jean Baptiste, sich zu drücken. In allen Bettungen stand täglich zu lesen, wie die seinen Herrschen in Paris es verstanden, hinter der Front zu bleiben und als Embus- ques emen guten Tag zn leben, warum sollte er, zwar mit weniger Geld begnadet — und um das wäre es ihm viel zn schade gewesen — aber doch sicher ebenso schlau wie solcher Pariser Zuckerbengel, nicht auch seine Haut aus der Affäre ziehen können? Schon den gleichen Wend nach dieser sehr ernsthaften Erwägung imldete sich te Sergeant Jean Baptiste Loriot krank. — Zwar PfU ihii der Sergeant-Major tüchtig mr und redete von Blagne und Drückebergerei, aber weil er das ja gerade wollte, so tat ^ecur Baptiste umso gekrankter. Er bewies denk Vorgesetzten! onrch dstir iAng^ischerrr, daß er nicht einen Fuß vor den andern setzen KW er schließlich auf der ersten Fahrgelegenheit wach hinten befördert. Im Feldlazarett pfiff ihn der Medicin- Uam seinerseits an, nms ihn nicht weniger kalt ließ, aber auch hlm verrret er alle Zeichen emes heftigen Rheumatismus. Dafür xntecefiierte sich der Arzt nicht und schickte ihn weiter. So kam! er rns Reserve azarett im alten Kloster bei Boulvgne. Da behiel- ^ F %. Erst lag er m enter der eisigen Zellen des Erdgeschosses, Wmd aeradestoegs qus dem bescheidenen Gärtchen Innern' ra/r ir ^chchi lange vertriebenen frommen Brüder emst Ui bcsts,-,nb<»s7 VrsmßschLss. R i ch a r d s II. K i n n b a ck e n. Der Kinnbacken des eng- tischen Königs Richard 1I-. (der in der Westininster-Llbtei begraben ist) war einmal in Gefahr, dttrch die Land eines Knaben verloren zu geben. Hierüber berichtet das „Chnrch Family Netvspaper" die folgende, btslaiig tvohl mtbckamtte Geschichte: Vor 19 Jahren grub ein Schüler der Westmitister-Schnle, die nnntittelbar neben der Abtei liegt, unter der Saiidsteinmauer hindtirch. J»i der Höhlung fühlte er ein Skelett, und es gelang ihm, einen Knochen davon zu entfernen, der sich als menschlicher Unterkiefer heratis- stellte. Er nahm ihn nach Hanse, und fein Vater kam zu der Ueberzengung, das; sein Sohn das Grab Richards II. beraubt hätte. Der Knochen wurde in der Familie anibeioahrt nnb galt als Kinnbacken Richards II. In den letzten Negiermigßjahren des Königs Edtiard sandte der dantalige Besitzer ihn an den König mit einem erklärenden Begleitbriefe. Nach vielen Fornralitäten schritt man zur Oesfnung des Königsgrabes, nnd tatsächlich stellte sich heraus, daß der Unterkiefer Richards II. fehlte. Daraufhin nmroe der Unterkiefer zti den übrigen Gebeinen gelegt und anßcrdenr verschloß man eine Pergameninrkunde mit den Üeberresleri des Königs, in der der Sachverhalt beschrieben ist. ^ * Die Vierzig i rn t ü rkis ch e n M ü r ch e n. Die Zahl 40 spielt im Märchen der Türken eine atissastend große Rolle. Vierzig Tage werben als Frist zur Lösung schwieriger Ausgaben gewahrt. Vierzig Zstnmer befinden sich in den Zciuberpalästen, "vo ihrer vierzig erscheinen häufig die Feen soivohl als die Räuber und die unhennlichen tetlsiifcheu Gsstalteli der menscheiisressenden ,'pkws . Ja, ivir hören sogar voii vierzig Prinzen, die von einem Vater und eurer Mutter abstaninren, rrnd die auch nur vierzig "Lchrveslern heirateri solleri und rvollen, die gleichsalls vom selben Vater und derselben Mutter das Leben geschenkt erhielten. Als die Brüder nur 39 solcher Schwestern entdecken können, verzichten sie auf die Heirat, wandern hinaus in die weite Welt und forschen von neuem nach. Dem Jüngsten gelingt eS auch, auf den: Grunde eines Zauberbrunnens die vierzig allein passenden Halsten zu finden. Auch die Hochzeiten, die das glückliche Ende von allerlei Abenteuern bilden, werden im türkischen Märchen vierzig Tage und Nackte lang gefeiert. Und ebenso spielt diese Zahl eine Rolle bei bem Strafgericht, das männliche wie weibliche Missetäter zuletzt ereilt. Ihnen bietet dann gewöhnlich der Padischah ein „Geschenk" an, indem er sie fragt: „Was wollt ihr lieber haben, vierzig Messer oder vierzig Maultiere?" - »Die Messer," so lautet die Antwort, „gönne ich meinen: Feinde, dessen Brust sie durchbohret: mögen! Die Maultiere möchte ich haben." Daraufhin werden die Betreffenden an den Schweis von vierzig Maultieren gebunden, vo«: diesen herumgezerrt und zerrissen. In gleicher Weise wird auch die Wahl zwischen vierng Stöcken ru:d vierzig Maultieren oder zwischen vierzig Säbeln und vierzig Rossen freigestellt.! * I st d i e S e i f e z u m R a s i e r e n notwendig? In Anbetracht des zunehmenden Seife nmangels ist eine Betrachtung, die der englische Wissenschaftler A. Stephens in der „Nature" über die Frage, ob das Einseisen eine unerläßliche Vorbedingung des Nasierens sei, veröffentlicht, von aktuellem Interesse. Das Einseifen ist bei allen Barbieren in Europa zu einer selbstverständlichen Gewohnheit geworden, und man ist geneigt, anzunehinen, daß das Rasieren ohne Seife überhaupt nicht möglich sei. Dieser Ansicht tritt nun Stephens energisch entgegei:. Er erinnert daran, daß nach den bis ans unsere Tage erhaltenen Berichten die klassischen Römer und Griechen sich rasierten, trotzdem sie keinerlei Seife herstellten. Auch in Japan und Chü:a rasiert n:an heute noch den Bart ohne Seifenschaum. Warum sollte also uns unmöglich sein, was den alten Griechen und Röinern gelang, den modernen Japanern und Chinesen möglich ist? Stephens ist der Ansicht, daß das Einseisen nur dazu diene, die Bartstoppeln durch die Feuchtigkeit geschineidig zu nmcheu und so den Strich des Rasiermessers über der Haut zu erleichtern. Um dies zu erreichen, würde eS aber vollkommen genügen, gewöhnliches Wasser ohne Seife zu verwenden, wie dies ja schon lange im Orient der Fall ist. Es käme also nur auf de«: Versuch an, sich dieses einfachen Mittels zu bedienen ; jedenfalls wäre die hierdurch gebotene Möglichkeit, große Menge«: von Seife zu sparen, gegenwärtig äußerst vorteilhaft. vLchertisch. — Dem deutschen Kronprinzen, der an: 6. Mai d. I. seinen 34. Geburtstag im Felde beging, ist die neueste Nummer 3801 (Kriegs - Nummer 92) der Leipziger „Illustrierte,: Zeitung" (Verlag I. I. Weber. Leipzig) zun: großen Teile ge- widmet. Das Leben des Kronprinzen an der Front, sein liebenswürdiges Wesen, seine«: vor«:ehmen Charakter schildert Rudolf P r e s b e r in der die Nummer einleitende«: feinsinnigen Würdigung „Der deutsche Kronprinz im Felde". Sie ist durchaus a««s persönliche«: Eindrücken aufgebaut, die Presber bei wiederholteinAus- enthalt in: Kronprinzliche«: Hauptquartier in vertraute««: Umgang mit dem Kronprinzen zu gewinnen.Gelegenheit hatte. Gute Bilder und eine Fülle photographischer Aufnahinen vernnttel«: «veiter die lebe«:sgetreue Anschauung vo«: der Tätigkeit des Kronprinzen im Felde. Weiter enthält die Nummer noch künstlerisch hervorragende Zeichnungei« vom östlichen Kriegsschauplatz vo«: Josef Correggio („Munitionstransport in: Gianatseuer") und von K««rd Albrecht (»Vergebliche Vorstöße der Russen an: Narocz-See"), von: Balkan vo«: Albert Reich, vo«: der Marine vo«: R. Schinidt-Ha««:burg („Vorstoß i«: die Nordsee"), aus Tirol von R. Kargt („Patrouillcngesecht in: Hochgebirge"), eine mit mehreren Zeichnungen der Kriegs- teilnehiner W. Partke und Carl v. Dombrowski ausgestattete Plauderei über „Pinsk, die Stadt der Sün:pse" vou Dr. V. Tornius, eine humorvolle Erzählung aus der Kriegszeit „Tie Spionin" vo«: Siegfried Naetzer, einen aktuelle«: Beitrag über „Fleischversorgung in: Kriege" vo«: Professor Dr. Alfred Manes und noch vieles andere. — U n s e r D e u t s ch. Einführung in die Muttersprache von Professor Friedrich Kluge. Dritte Auflage. (Wissenschaft und Bildung.) 11.—15. Taufend. 151 Seiten. In Leinenband Mk. 1,25. Verlag vo«: Quelle & Meyer in Leipzig. — 10 61. Band der bekannte«: Roinan- und Novellen- fammlung Kürschners Bücherschatz (Hermann Hillger Verlag, Berlin- Leipzig): „Streitende Mächte, Roinan aus de«: Berge«: und a««dere (beschichte«:", vo«: Hele««e R a f s. Preis 20 Pferniig. — „Die Feldbücher" nennt sich eine neue Sammlung vo«: Werke«:, die im Verlage Egon Fleische! « weite«: Kreisen des In- und Auslandes lebhaftes Interesse erweckt, sie ist daher auf «nehrfache Anregungen hin inS Deutsche übersetzt «vorden und trägt de«: Titel: »Der Krieg und daS Recht". Aus dem Spanischen übersetzt von Aug. Strube. — »Die deutschen Ostseeprovinzen Rußlands* behandelt der neueste Band von Velhagen & Klasings Volksbüchern (Leipzig; Preis 60 Psg.), den Alfred Geiser schrieb. Die Kenutnis von dem Uinfange und der Verbreitung des deutschen Volkstuins, von der Bedeutilng und Eigenart der Vor- und Außenposten des deutsche«: Volkes im freinde«: Laiide ist bei uns im allge«nei«:en recht gering. Hier «nöchte diese kleine Schrift nusklärend und belehrend eingreisen. Sie gibt in großen Strichen ei«« Bild von Land und Leuten in den Ostseeprovinzen Rußlands, die durch die Eroberung Kurlands durch unsere braven Truppen eine für uns bisher ungeahnte Bedeutung erlangt haben. Der Text erfährt eine anschauliche Erläuterung durch bunte und einfarbige Abbildungen. — Novellen und Legende«: aus verklu««genei: Zeiten. Von Professor Dr. Th. B i r t. 316 Seiten mit 6 Tafeln. Gebu«:den Mk. 3,—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Das Buch der Liebe. Roinan von Marie Eugenie belle Grazie. Preis 3 Mark (Kro«:en 4.50). Ullstein L Co. Berlin- Wien. Das Werk der Wiener Dichterin belle Grazie hat Anmut und Innigkeit, es hat gedämpfte Formen und ist doch erschütternd in seinen: reine::, beseelte«: Ton. Voll r«nd weich si«:d seine Stimmungen, die froinlnen Glauben und ba«:ge Sehnsucht umfasse«:, Hingabe und Heimiveh, den Jubel und den Schinerz der Mutter- schaft, Trauer und «:eues Hoffen und ans de«:: lies empfundene«: Roman einer Ehe hinüberführen in die Zeit. Der Silbergln««z weißer Blüten ruht auf de«: bräutlichen Szene«:, das Silberlicht des Mondes überflutet den Garten der Villa, die, an: Ha««g des Wiener Waldes gelegen, das verschwiegene Glück des jungen Paares umfängt. Mit zartsinluger Andacht malt belle Grazie die Schönheit der sommerlichen Natur, mit künstlerische«,: Geschmack jede Einzelheit a««s der häusliche«: Welt des Weibes: ei«: Kristallglas, in dem Rose«: stehen, ei«: Gemach, in den: ein schwacher Dust liegt, Kleider und Schmuck, Bänder und Spitzen. Harmonisch ab- gestimmt ist die sprachliche Forrn dieses Frauenromans, der in alle««: die hohe Kultur der österreichische«: ErzählungSkunst aufweist Schach-Aufgabe. Schwarz. Auflösung in nächster Nummer. .Auflösung des Rätsels in voriger Nummert Freilich, tzreiltcht. Schristleitung: Aug. Goek. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindruckere:, 9i. Lange, Gießen.