Die arme Prinzessin. Vornan von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Wie ein Sturmgesell kam Bolko einmal nach Gotlern- ogg. raste zwischen Ariern und V.chfuß im Laufschritt durch den Park, Schloß und Marftall, jagte nach der Himmelsleiter, fuhr ltaclr Dombach *unt Herzog und dampfte am nächsten Tage wieder nach Berlin zurück. Es war alles in Ordnung, nun konnten die Einladungen zur Hochzeit verschickt werden. Sie flatterten durch Laude und Städte, auf edlem Büttenpapier gedruckt und lauteten wie folgt: „Bolko Fürst von Gotternegg, Wild- und Burggraf zum Götzen, Graf Uuu Isen, Freiherr von Hohenstein und Kempten, auch Herr zu Gtauen sowie der niederen Grafschaft Otting, gibt sich geziemend die Ehre, znm Tage seiner Vermählung rnit Liliau Freiin von Dornau, einzigen Tochter des Colonel John Francis Simpson Esqn. auf Streatham und Somers- cock, zu laden. Die Feier findet am 8. Mai mittags zwölf Uhr in der Schloßkapelle zu Gotternegg statt. U. 2t. w. g." „F je," sagte Fürst Herrsnrth, als er diese Anzeige erhielt, „nun ist der Dollarmann aus einmal zum Colonel avanciert. Ob er in Uniform kommt? 2lber es klingt alles volltönend und rasseecht. Wer den Rummel nicht kennt, kann sich einbilden, die Frei in sei eine junge Witwe. Ich bin neugierig, ob Emil znsagen wird und ob mein Kaukasier auch geladen ist...'" Der Kaukasier war der Fürst Jazik Bura-eddin-Bep. der Schwiegersohn Herrfurths, der mit seiner Frau und einem reizenden Zwillingspärcheu von Töchtern in Emskirch bei dem Erbprinzen Emil zu Besuch weilte. Er war geladen, wollte aber absagen. Es verbreitete sich, das; vom Hockadel des Landes nur wenige gesonnen wären, der Einladung Folge zu leisten. Das ärgerte wiederum den Herzog, ob"- schon er selbst ein Gesicht schnitt, wenn er an die Hochzeit dachte und an freu Colonel aus Amerika und die neue^Freiin. Wenigstens sollte die Verwandtschaft vollzählig vertreten sein, und so bat er denn den Kaukasier, die Ladung anzn- nehmen.und telegraphierte auch noch nach London an seinen zweiten Sohn Harro, er möge sich ein paar Tage Urlaub geben lassen und an; 8. Mai pünktlich zur Stelle sein. Das war ein wundervoller Tag. Der Lenz war früh ins Land gekommen, und dieser Mai glich schon dem ersten Sommermond, und.'vollends sommerlich sah es im Parke von Gotternegg ans, wo die Gärtner aus den Treibhäusern alle«, was Blüten trug, in die Erde verpflanzt hatten, auf die Gefahr hin, daß ein Nuchtfrvst da es große Blichen unbarmherzig töten könne. Aus den Büschen der Pfingstrosen leuchteten purpurne Ballen, vom Grün der Rasenflächen hoben sich die Violenbeete in schillernden Farben ab, schneeweiß, gelb, violett, schwarzblau mit Silbersäumnng, Petunien und An 1 ^-blu entfalteten ihre Knosven, scharlachrot unb tieforange ) stand bic Lychnis in der Rabatte, es dufteten die Balsa- nnnen, und am Wasser blühte das Vergißmeinnicht, Auch ow Orangerie war entvölkert tvorden; zu seiten der Freü« treppe reckten die Palmen ihre Kronen unter Lorbeer, Museo, Riesenpauf und Gummidäumen; die Teppichbeete dehnten sich in farbiger Pracht, durch die perlweißen Cinerarien gr.ug em sachtes Zittern. Das war nicht mehr der verwildert-e Zauvergarten und war auch nicht mehr das verwunschene schloß. Von der Höhe herab wehten Banner und Fahuen, das Portal lvar geöffnet, man sah in die werte Halle hinein, dm der Sonnenschei-a bis in Ecken unb Winkel Füllte. Vor- Kbcv tvar der Dornröschenschlaf: ein Schwarm von Lakaien glitt diensteifrig hin und her, auf der Terrasse, auf den Rasenstachen, zwischen den Bosketts, auf Weg und Steg schwirrte der Strom der Gaste: zahlreiche Offiziere, Herren ui schon sommerlich lichten Kostümen, in Smoking und und dunklem Ueberrvck, Danren in hellfarbigen Toiletten — inifr wie lustig klang das Plaudern und Lachen, tvie summte die Unterhaltung, wie Flogen die Phrasen herüber und hinüber, deutsch, französisch, englisch, auch einmal in gutturalem Tone eine russische Wendung. Viele waren bereits zum Polterabend eingetrofsen, aber dle aus der Umgegend kamen erst am Vormittage zur Feier. Dce Wage;; rollten die Dorsttraße herab, meist schwere Equi- vageil, hin und wieder ein Viererzug, auch Leiterwagen mit Bauer.! imb Tagelöhnern aus den Vorwerken und den Dörfern der Nebenherrschaft. Ehrenpforten und Girlanden bildeten eine Via triumphalis, die sich von der Burgmühte im weiten Bogen bis zur Parkeinstchrt hinzog. Es flatterten die Fähnchen und Wimpel und bunten Bänder, es wehte auch eine Flagge in den Farben der Gotterneggs hoch oben auf dem Bnrgsried des Götzen. Um elf Uhr sollte zunächst die Konfirmation der Prinzessin Annemarie und zugleich die ihrer kleinen Gefährtin, der Grete Reichte, stattfinden. Auch in der Schloßkapelle, die vollständig renoviert worden war, mit bunten Scheiben, Wandmalereien und schwerem Gestühl. Es war die Parole ansgegeben worden: nur die Familie nimmt an dem heiligen Akte teil. Das war den meisten Gasten recht: man spielte draußen die Tennispartie zu Ende, besichtigte die Fohlen- koppel, konnte in Ruhe an die Tvikette gehen. Derweilen brauste durch die Schloßkirche der Orgelklang. Fürbringer spielte mit allem Gefühl, dessen er fähig war: er war gerührt und begeistert, feucht waren seine Augen, und die Brrlle beschlng: zuweilen, griff er daneben, aber niemand achtete auf den falschen Ton: sein Sängerchor umgab ihn, die Mädelchen trugen weiße Kleider -Madame Balfour hatte da;ür gesorgt), die Jungen gleichfarbige drurkle Jacken mit blauem Kragen (das war Veltens Werk). Sie fangen frisch , ein hohes Lied; sie sangen nicht wie der Domchor, aber es klang dennoch zu Herzen, und der alte .Herzog wischte sich eine Träne von der Nase. Er faß massig und breit, in roter: Jobanniteruniwrm mit allen seinen Orden, in der ersten 222 Reihe des Gestühls, rechts von ihm das MrstliKe Braut^ paar, daneben der Burgmüller und Frau -i!loe. ^av hatte der Hofchef so angeordnet, und Bolko hatte ohne werteres zugestimmt; ja, noch mehr, er wünschte, die Insassen der Burgulühle sollten auch zur Hochzeitsfeier und zum Dmer geladen werden. Es war das wieder cm hubscher Zug oe» Fürsten: es war nicht nur Gretes wegen, die neben Annemarie vor dem Altar kniete, es sollte dadurch gewrswrmaven auch das jahrhundertelange gute Verhältnis zwischen Zurg- mühle und Schloß, zwischen den Sprossen des Fürsten- geschlechtes und den des nachbarlichen Bauernhauses dokumentiert werden. Und des Bnrgniüllers, alle Wetter, man brauchte sich heute des Mannes nicht zu schämen. Er trug einen neuen Frack unb eine weiße Weste; sie riitmjtc zuweilen etwas in die Höhe und lvar Herrn Gottlieb nnbe- guem, aber gab ihm doch, etwas Feierliches; er sah wie ein alter Gentleman aus mit dem breiten, glattrasierten Gesicht, in dem die Lichter spielten, die durch das^buute Fenster sielen, er sah viel vornehmer aus als 'Jahn Francis Simpson Esqu., er sah warhastig aus wie ein Lord aus dem Pee- rage von England und hielt sich auch so. In der zweiten Gestühlreihe saßen Prinz Jost, der Erbprinz Emil von Emstirch-Herrsurth mit seiner blassen Frau und einem zwölfjährigen Jungen, ferner der Bruder des Erbprinzen, Graf Harro Herrsurth, Sekretär bei der deutschen Botschaft in London, und der kaukasische Fürst mit seiner Gattin und seinem Zwillingspärchen. Noch eme Reihe tiefer hatte ein junger Mann Platz genommen, der cm Apoll an Schönheit war: ein schlanker, sehniger, sem- gliedriger Mensch Mitte Zwanzig, mit einem ovalen Gesicht von reinrassigem Adel, leicht dunkel im Ton, mit prachtvollen Angen, einer klassischen Nase und einen! schwarzen Bärtchen über den blühenden Lippen. Es lvar ein Bruder des Fürsten Jazik, der Fürst Nikolaus Gawrilowitsch Bura- eddin, der erst vor kurzem zur russischen Botschaft nach Berlin kommandiert worden und vom Herzog noch in letzter Stunde zu Fest und Feier befohlen worden war. Tenn „wenigstens die Familie sollte dabei sein". Ein paar Stuhlreihen hinter dem Fürsten blieben frei, dann kamen die Inwohner des alten Hauses: Velten, die Madame, das englische Fräulein Miß. Ringens und Josts Repetitor Herr Tiesand. Dort saßen auch Bestfuß und Gattin und dort hatte auch Otto Ncschle Platz genommen, da ihm kein anderer angewiesen worden lvar; er war erst mit dem Nachtzuge von Berlin gekommen, direkt vom Scziertisch, nur der Einsegnung seiner Schwester beiwohnen zu können. Weiter hinten drängte sich das Dienstpersonal: die Anschütz, der grüne Max, mehrere aus dein Schloß; man sah da auch den Rentmeister Kappstein und den Oberinspektor Riefenstaht, den Förster Jannasch mit seinem Jungen, dem langen August und seiner Tochter Karoline; einige bäuerliche Verwandte der Frau Tilde und an der Tür verschiedene Eindringlinge wie den lahmen Christian und den kleinen Jsaaksohn, der eine rote Velvetweste trug und mostrich- sarbene Beinkleider, dazu im rotblaugetüpfelten Schlips ein Katzenauge; er hatte sich sein gemacht. Vor dem Altäre knieten Annemarie und Grete, Hand in Hand, beide ganz weiß, beide mit tropfenden Augen; die Blonde ausgelöst in gläubigem Enthusiasmus uiid süßer .Herzenseinfalt, der Schwarzkopf mit ringelnden Gedanken, die von der Weihe des Augenblicks zur Faltenlage des neuen Kleides und dem Sitz der Korsage ab irrten. Und vor ihnen stand in tiefer Rührung der alte Fresenius mit über der Brust gefalteten zitternden Händen und sprach von dem Glück seiner Greisentage, daß er heute zwei aus dem Ge- schlechte der Gotterneggs an heiliger Statt segnen dürfe.. Eine Stunde später wandelte sich das Bild. Da lvar die Schloßkirche bis auf Ben letzten Platz mit einer glänzenden Gesellschaft gefüllt, und die mit eisernen Bändern und Ornamenten beschlagene Pforte stand weit offen, und auch draußen noch drängten sich die Zuschauer. Es war ein wunderschöner Anblick. Nun ja, der Hochadel fehlte bis auf die- Hcrrsurths; die Magnaten jenseits der nahen Grenze, die Schoddstn, die Plettens, die Wesenstein, die Hochburgs, auch viele vo»! Hose hatten sich mit Telegrammen begnügt. Aber das machte nichts, es tat dein Glanze des Bildes keinen Abbruch, daß es deyr Mosaik an echten Steinen mangelte. Die Farben feuchteten dennoch. Das ganze Ofsizierkorps der vierten Gardenlanen war anwesend, manche Freunde von der Garde du corps, den Kürassieren, den Königsdragonern, den Leibgardehusaren. Es flimmerten die Uniformen, die kav- moisinroten Rabatten der Ulanen mit der Goldauslage der Fangsckmüre, das helle Dragonerblan mit der Silberstickerei des Kragens, das Weiß und Lichtblau der Kürassieöe, die, ziegel- und burgunderrotcn, spinatgrünen und tabakbraunen verschnürten Attilas der Husaren. Ein paar Kammerherrn trugen ihre goldgestickten Fracks und weiße Kaschmirhosen mit breiten Goldgalons, ein Malteserritter erschien in großer Ordensuniform, ein Deutschritter in dein weißen Koller mit schwarzem Balkenkreuz der Ballest Utrecht. Die Orden der .Halsdekorationen, die Miniatnrkreuzchen auf den Frackans- schlügen, die breiten Bänder, .Hüftenschleisen und Crachats flimmerten und glitzerten; es gleißten auch die Brillantsterne und Nivieren, Gehänge und Halsketten des schönen Geschlechts, und in die lichten Farbentöne von Weiß, Hellblau und Rosa mischte sich der Damast- und Brokatglanz, das Rubin-, Flieder- und Erdbeerfarbene und satte Gelb in den Toiletten der älteren Damen. Gras Ariern hatte sein erstes größeres Werk als Ho>- chef vollendet; es klappte alles. Der Zug war vortrefflich arrangiert, die Tafelordnung tadellos, die Gäste waren je nach Stand, Rang und Würde einquartiert worden. Der Gras stand, eingekeilt zwischen einem kleinen Husaren und einem dicken Gutsbesitzer, an der Querwand der Kirche und sah abgespannt ans. Teufet, das hatte Mühe gekostet! Die Hitze Afrikas, der Kolonialdienst, die Stechfliegen, das Fieber, die schwarzen Biester — was war das alles gegen diese Schinderei! Und unten arbeitete man schließlich für König und Vaterfand, hier für einen kleinen Fürsten und seine — hm! — seine Gattin von drüben. ... Aber das stand fest: sie war eine königliche Erscheinung mit ihrem herrlichen rotblonden Haar und dem stolzen Prosit, den blühenden Farben im Antlitz und den grünen Augen unter der dunklen Braue. Sie war wie eine Juno gewachsen, tannenschlank und voll Ueppigkeit; eine geschlossene Krone aus Brillanten hielt ans den: Haupte den mit Myrte durchwehten wallenden Schleier, und zwei niedliche kleine Mädchen mit Kränzen von weißen Rosen im Haar trugen die Schleppe. „Sie sieht wie eine schöne Schauspielerin aus," sagte sich Jost. Zwei sengende Augen ruhten aus ihr; der Blick öes jungen Fürsten Bura-eddin urnfaßte sie gleich einer auflodernden Flamme. Es züngelte zuweilen etwas wild Leidenschaftliches aus den Augen des Kaukasiers, ein sprühendes Ausblitzen; aber es erlosch wieder schnell und machte dein Ausdrucke behender Liebenswürdigkeit Platz. Selten sah man zwei so ungleiche Brüder wie die Fürsten Jazik und Nikolaus (Kola wurde er genannt). Jazik, der ältere, war ein großer schwerfälliger Mann mit Silberfäden im dunkeln Vollbart und einem breiten, ein wenig gedunsenen, äußerst gntmüti- gen Gesicht; inan sagte, er lebe in unendlich glücklicher Ehe mit der einzigen Tochter Herrfurths, die er in Karlsbad kennen gelernt, als diese einst ihren Vater zur Kur begleitet hatte. Kola war der geschmeidige Halbba'rbar; eine Panther- katze an sehniger Kraft, gleichwie immer zum Sprunge, bereit, mit einem heimlichen Lauern in den schönen Augen, von vollendeter äußerer Form, hinter der Jähzorn und die Brutalität des Drauflosschlagens sich zu bergen schienen. Als Fürst Jazik seinen Bruder dein alten Herrfurth vorgestellt, hatte er gesagt: „Väterchen, dies ist inein Bruder Nikolaus Gawrilowitsch; er reitet dir wie ein Kosaken- hetman, er schießt wie ein Cowboy, er verführt die Mädel lvie Don Juan selig, macht Schulden wie Casanova und ist auch sonst einer der größten Lumpen unter der Sonne...", (Fortsetzung folgt.) Der lebendige Shakespeare. Znm 300. Todestage. 23. April.) Bon Julius B ab. (Nachdruck verboten.) Weil sie aus den! schönen Bedürsuis zu danken staunut, ist von allen Torheiten der modemen Gesellschaft vielleicht die liebens-i würdigste jene Gewohnheit, an das Datum des Todestages die Lebensfeier der Unsterblichm zn knüpfen. Weil William Shake-, speare ain 23. Lipril 1916 300 Jahre tot ist, entsinnt sich die Menschheit mit besonderer Deutlichkeit, lvie sehr er ihr lebt, und so leidenschaftlich wird derber das Gefühl ihrer Dankbarkeit, daß, mitten im Weltkrieg die Shakcspearcfeier als eine vereinendA Welle durch alle Kulturländer der Erde flutet. Tie Dankbarkeit gegen diesen Dichter, die von Zeit zn.Zeit in leidenschaftlichen Persönlichkeiten, auch ohne allen kalendarischen Anlaß wahrhaft fanatisch hervorbricht, ist ein merkwürdiges Problem für all jene, die das Leben wesentlich durch den Verstand zu betrachten iurd nach erreichten, logischen Klar Hellen zu schätzen gewohnt sind. Von Voltaire bis zu Tolstoi, „in Franlreich, oft, aber auch zuweilen in Deutschland, haben sich immer wieder Menschen erhoben, die dem Shatespearerult verstandnmtos gegenüberslanden, ihn für eine närrische Schwärmerei, wenn nicht gar für den Ausdruck roher Unbildung hielten. — Und dann haben immer wieder die größten Genien jeder Generation, ganz besonders in Deutschland und vor allen anderen Goethe, bekannt, dag lw keinem anderen Dichter und Weisen auf der Welt so Mel verdanken wie Shakespeare — Und dabei ist, was nne entrüstet und diese begeistert, doch ganz in Einem gegründet: ^arm, daß Shakespeares Weltanschauung und Weltaestaltung sich aus keinerlei logischem Grunde erhebt, in gar keine Formel, i.un systein des r cnkcns rü bringen ist. Wer Ordnung und Form nur als dav klar Gewachte, bas lief e': Ansprechbare zu begreifen vermag, der wird in shaie- spcare immer ivieder-ein wüstes Chaos, eine sinnlose Unordnung seine Angehörigen mit einer großen Summe loskaufen konnten. Mehrere Fluchtversuche mißlangen; auch sein^ver- weg euer Plan, mit den anderen Kriegsgefangenen sich der Stadt Algier zu bemächtigen, schlug infolge Verrats fehl. Nach der Heim kehr schrieb Cervantes einen Roman „Galatea", der nie fertig wurde. Ende 1584 heiratete er: doch hielt es der unruhige Manu in dem Dorf seiner Frau nicht taniK ans. ließ sich als KriegSbeschä- 224 drgier eine Art Ztvilver,orgung geben und gini int Aufträge des König; nach Süchpamen, um bovt Getrei.de und Oel einzutreiben, für fte gegen England ansznrnstende fti-otte. Bal> danach harte 9 er an der Spitz? ran Gericktsoo'ckziehertt rückständige 2t:\i'n\ ein »usiehen. Bei dtesen Geschifren !-at er wohl zu viel auch an sich techft ged ach : denn dreimal mnßt-e er ins Gefängnis tvandrn. dreier umrerwilligen Mutze nun gewannen die' räftlich-u Ge stalten won Onijotes und Sanso Panjas ihr Leben für die Ewig- teil. Gerade als der erste Teil des Buche-, das sogleich das größte ?lns,chen erregte, erschienen war, wurde Cervantes noch einmal seckge;etzt, weil er in eine höchst bedenkliche, nie ganz ausgehetlte Sach? venvtckelt war. Ter zweite Teil des Meisterwerkvs wäre wahrtcheinllch ungeschrieben geblieben, wenn nicht ein anderer eine Wl-ch-e ^ortwtztcng verösseutltcht hätte. Ta fühlte sich der Dichter der inzwischen seine zwölf „Musternovellen" heranSgegeben hatte, ivch genötigt, das Buch zn Ende zii führen. Cine Reihe ucyt -er amen und Zwischenspielen, sowie Gedichten hat Cervantes autzcr- be.»k. verfallt, ^em Roman „Tie Leiden des Perfiles und der ^tgtsmunda" ijt erst nach chinem Tode erschienen; ins Dentsche ljat ihn ^ndivig Tiecls Tochter Torothea übertragen, während wir cnetem -vichter selbst eine wrtresfliche ttebersctznng des „Ton Quijote" verdanken. _ Versnischses. ~ co* l l e l }}. erkIvttrdige Ofterfeier in R n Ni änie n. mumalueu ist es Brauch, dag der König in der Osternacht die Kasernen besucht. Wenn andere Sterbliche der rumänischen Laudes- jttte gemag nach der Auferstehuugsfeier in der Nacht vom Oster- Samstag zum O,ter-Sonutag sich zu Tische setzen, um gegen 3 Uhr dev Morgens bei Speis' und Traut sich's qernüUich sein zu lassen, so kann der Koiug allein nicht solch behaglicher Ofterseier sich hin- gebeiu Er mich mit der brenuende»i Oftcrkerze vo»l der Kirche zu ^en Soldaten. Eine Kaserne nach der anderen besucht er in der ^.'Iteinacht und eröffnet uaefj langeni Fasten persönlich die erste secke Mahlzeit seiner Soldaten. Dabei wird danrl das runränische Cierspiel auch erprobt.. Jeder Soldat erhält zivci bmite Ostereier, der König auch, und daun wird durch Aneiuailderkinpen die Härle der schalen erprobt. Wer die Schale bricht, muh das Ei abgeben, ^vrotz der großen Strapazen, die oieser Brauch für-den König mit Nch brmgt, hat der verstorbene König .Karl bis ins hohe Alker hinein daran festgehalten. * Kostbare Ostereier. Auch die Sitte des OsterKer- IcheufenS artete zu verschiedeiren Zeiten in Uebertrribuug aus und rn einer anssührlrck>m Geschichte des Luxus mühten auch die kojtvarsten O,teveter erwähnt »ein, die von einer besonderen Liebhaberei Zeugnis ablegen. Die Mode, das einfach: Osterei iir eine extravagante Kostbarkeit-umzmvandeln, kam besonders im zweiten Kaiserreich in Frankreich ans. Sv sch?ulte ein französischer Kammer- einer vor ihm verehrten Pariser Schauspielerin ein gewaltiges etfornnges Kostergehanse, aus dessen blauer Samtbelleidnng zahllose, von einem Pfeil durchbohre Herzen in Goldstickerei leuchteten. ^ drews Me,enn nicht in die Wohnung der Künstlerin gebracht werden konnte, mußte es im Hof geöffnet ioei-den In eem Ei aber befand sich eine kleine Equipage mit zwei' an- geschirrten Pomihs lund emem jungen Kutscher, der auf dem Boa sah. Am gleichen Tage erhielt die glückliche Schausoielerin noch ein anderes Osterei: dieses war zwar sehr klein, aber es besland aus G-old und barg em Halsband aus Perlen und BrillantenWerte, von ungefähr 80 000 Mark. Ostereier im Werte von 5000 10 000 oder 20 000 Mark gehörten im zweiten Kaiserreich, ducchau- mcht zn den Seltenheiten. Auch in England wurde ,n dieser Beziehung ein großer Luxus getrieben. So schickte um das Jahr 188 c eme englische Dame dem PcM ein ans Elfen- bem verfertigtes Osterei, in dem sich eine Golddose mit einem Rubin NN Werte von 40 000 Mark befand. Die englische Schauspielerin Queeme Letghton erhielt ein Ei, das zivar nicht besonders verrvoll, dafür aber umso origineller ivar, als es das leb-mde Exemplar eines Singvogels enthielt. Auch im 20. Jahrhundert ww. m England, besonders rn London, ein großer Luxus mit K'i'e.eleru,getrleben,^und eine Firma im Londoner West End muwe haung solche Geschenke im Werte bis zu 20 000 Mark hec- fit'ilcit. Besonders beliebt sind Elfenbeineier, die von Künstlern manatt iverden und oft bis zu 2000 Mark kosteten. Natürlich s'iii. cne -ltte^der kostspieligen Ostereier ganz besonders in Ameri- ]h ^ a l x ß- ^'chenkte vor einigen Jahren ein Kaufmann in fr-' w re—- ie eut Elfenbemei von drei Fnh Umfang da-. Er ostnete, ertönte von einer verborgenen Stelle umn ,ah ein zweites Ei, in dein ein Grammophon n» ^igibracksl war. Auch dieses Ei, das Schmuckstücke enthielt Mark gekostet haben. Ein amerika- \ mertwürdiges Ci her, dessen Hülle au.' r.-sa^ kandierten Mumeiiblattern bestand, die an einem über 9K hohen Drahtgestelle gefestigt lvare-i. Dieses von 200 . bestrahlte Ei, war mit kostbaren goldenen fc.-'- r n -^= au s h r Il V l * altth die Geschichte eines ameri- bei ' seurer Gattrn ein Osterei zum Ge- besand ^' ^ em ""Oeheurem Bau sich ein Lnxusautomobil Vilchertisch. . . ~ ® * l * 51 n r f eh ü t; von i’U Y 'vcö B o cf. FeldauSgabe. Preis biojcf). 0,o0 Nik., geb 1 Mt. Verlag Egon Fleifcbel L Co., Berli>r. Clnein geschmackvollen, handlichen und ziun Versand ins Feld U 0 N fertig eingerichteten Bändchen lsi jetzt bei Egon Fleische! der Zliiitzgritz von 'Alfred Bock erschienen. Die ivie tu einem sichtigen -oerbsllnge dahinschreitende Fl ii'rschützengestakt iliiseres Land ltub stinke so sem beobachtenderi lind mit nrarkigen Strichen zeichnenden helmlschen Richters iviid in dieser neuen, leicht erschwinglichen Tt r?*'-■ n ^ ren Z'-'eiindeii sicher neue hinzngeiviiineii. Das Werk ist lraniger und bodenstäudiger 2lrt. Die Feldgranen iverden eS vayer ganz besonders zri schätzen ivissen. Gietzcrrer Hattsfrancu-Berein. W o ch e n - K ü ch -e n z e t t e l. o o it n tag: Reissuppe, Schmorbraten ohne Fett in d^r Tüt« und in der Kochkiste bereitet. Kartoffeln. Montag: Grießsuppe, Pfannkuchen mit Spargel (Rezch-t von ^-ran Laih, 18. März». Dienstag: Haferflocke: Kartoffeln. Senstunk'^ ^ o Nudelsuppe, Suppenfleisch mit Kartoffeln und io Donnerstag: Kartoffelsuppe, Fischauflauf (Rezept vom 18 . Tezember). Freitag: Brotsuppe,,Kartosfeltlöße und Obst. Samstag: Erbsensuppe mit Sauerkraut, Karamel-Speise.*) m suppe, Spiegeleies, Spinat und 0 ,. mel-- 2 perse: ' t —1.. Pfund Zucker wird gebräunt, ein ^tter Much hinzu, anrkochen lassen nrtb 10 Blatt Gelatine hinein- geben. Nilhren, bis die Gelatine ganz aufgelöst ist. Hauswirt,'chaftlichc Ratschläge für die Kriegszeit. Ersavmij.tel für Seife. .in den Frühjahrsmonaten findet üblichenveise die Reinigung der Wohnungen von Staub, Schmutz, Rust usw. statt. Ist nun auch Die^oeire knapp und teuer ge.vorderr, so gibt es doch unter den U'vch- immer erhältlichen Reinigungsmitteln eine Anzahl, die sehr Wohl als lvertvoller Ersatz dienen können. So werden alle iveitz- lackierten Möbel, Türen, Fenster, Fensterbretter, weiße Tonösen u?w ohne große Anstrengurig tadellos sauber, rvenn sie mit Schlemmkrerdewasser von milchiger Bsischasfenheil abgewaschen tver- de», dem man ans 5 Liter einen gehäuften Eßlöffel voll in einer Ä.as,e lochendem Wasser aufgelösten Borax beifügt. Bei Verwendung der viel billigererk, ungereinigten Schlemm kr erde über- gietze man diese mit heißem Wasser, quirle sie auf und lasse sie durch ein chchtes Lementuch laufen, um sie dann erst mit dem übrigen Wäger zu verdünnen. Für andere hell- und dunkellackierte Gtooel, Tieren, ^yensler und Oe len v r,vende nian dagegen eine ^.olnng rwer Abkochung von Seifenrinde, auch Pauamaspäne oder LlUillapannde genannt, die eine vorzügliche Reinigungskraft besitzt und namentlich settigen Rupansatz rasch beseitigt. Weiter ist reines Boraxwasser, Salmiak und Sodawasser zn nenuen, das ebenfalls, entsprechend stark verdünnt, ruß- und schmutzlöfend lvirkt, ohne dw Farbe, bez>o. Lack usw. anzugreifen. Das Reinigen der Gar- oinen, das von erfahrenen .Hausfrauen seines großen Seifenver- branchs wegen stets gefürchtet war, muß heute unter dem Dimck der gebotenen Sparsamkeit fettreich r Seifen ebenfalls in veränderter Form bewirkt werden. Sie iverden zunächst zur Lösung des Staubes tu ent rerchlich.s, oft zn wechselndes Wasserbad gelegt, dann m em lauwarines Bad von Salmiak- und Sodalvasser unter Zniatz von recht heißem Wasser gelegt, in diesem möglichst rutiTm ausgewaschen und geschwenkt, .vieder mit klarem Wasser gespnlt^und dann erst mit kochend heißem, fettem Seifenwasser' ubergoften und weiter behandelt, wie üblich. Rätsel. Es gibt kein Entrinnen für dich und Entlveichen Wenn uns're Umarmung gefangen dich halt. Doch nimmst du hiniveg unser vorderstes Zeicheit . So^ siehst du uns bis in die Wolken schier reichen' Als mächtige Ketten der nelken Welt. Auflösung in nächster Nummer. Auslosung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abknrznnqeit: U -- Treff, p -- Pique, c = Eoenr, cr,r -- Earreau ^Treff-Bude. p.^. Piqne-Aß, ov Eoenr-Dame nsw. Int 'Lkat liegen kr9 und earv. Mittelhand erhielt - trö p8 cB, carB, pS, tri). tr8, tr7, car9, car8, Hinterhand den Rest. Ber- (auf des Spieles: 1- B. p7 M. p8 H. trA = — J1 2. Di. trß H. carZ P. p 9 = _ 12 3. M. pB H. trZ V. pv = — 15 4. M. cB H. trK V. pX — — 10 5. Dt. earB H. carK V. pZ = — 16 Die übrigen Stiche bekomntk dev Spieler, aber die Gegner haben bereits 64 Augen erhalten. . ; 6ctn(“eflu"a: SIu«. (üoeö, - Rotationsdruck und Verlaz der Brkihl'schen Um°°rsi!«!S-B,.ch. und SieiudruL-rei. N. ilcmae, ©ieHcu'