Die arme Prinzessin. Noman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Bolko sah sich den Mann naher an. Der Rentmeister tvvr klein und schmächtig und hatte ein winziges gelbes Gesicht: die verkniffenen Augen standen wie Striche unter der Stirn, und als dritter Strich markierte sich der schmal- üppige Mund. Das graue Haar lag glatt auf dem Kopfe und rollte sich vor den Ohren in zwei Neunen auf. Der Fürst setzte sich. „Ich kann mir denken, daß Sie sich hier nicht gerade wohl fühlen, Kappstein," sagte er. „Oh — im Gegenteil, Fürstliche Gnaden," versetzte der Rentmeister lebhaft: „ich habe mich in meinem Leben nicht so wohl gefühlt. Was will ich denn mehr! Ich bin doch nun einmal eine lebendige Rechenmaschine. Ich denke eigentlich nur in Zahlen. Ich stehe morgens mit einer Addition auf Und lege mich abends mit einer niedlichen Subtraktion zu Bette. Und wenn man auf mich schimpft, das freut mich nur. Das freut mich furchtbar. Wenn man sagen würde: der Kappstein ist ein höchst anständiger Mensch, dann täte ich meine Pflicht nicht. Man nennt mich Knappstein statt Kappstern, weil ich immer knappse. Man nennt mich auch manchmal einen infamen Filz. Wenn ich das höre, reibe ich mir vor Vergnügen die Hände. Ich bin ein gräßlicher Geizhals." Bolko lachte. „Im geheimen Hab' ich das auch inanchnial gedacht." „Das ist eine hohe Ehre für mich, Fürstliche Gnaden. Es kann mir nichts Besseres widerfahren. Nun ja — dann und wann überschleicht mich ja auch das Gefühl, daß weniger knappsen zweckmäßiger sein würde. Ich möchte diesen und jenen der Leute besser stellen, die Pferderatiouen erhöhen, neue Maschinen beschaffen, möchte freigebiger sein in der Bewilligung von Reparaturen und auch etwas Glanz in das Aeußere bringen. Aber wie? Solche Regungen unterdrücke ich rasch wieder: ich mache einen Klecks auf ein sowieso verschmiertes Papier, das beruhigt mich Ich sage mir: das geht nicht. Fürstliche Gnaden sitzen zu Berlin und brauchen Geld. Fürstliche Gnaden sind der Glanz auf dem Aeußeren, da haben wir ihn hier nicht nötig. Und ob ein Ackergaul kuh- hessig ist oder eine Ramsnase hat, was tut's? wenn er man zieht. Aber es wird ja nun bald zu Ende sein mit der segu68tratio volnntaria; ich denke mir, Euer Durchlaucht werden Auchebung ^beantragen nach Hochdera Hochzeit. Und dann bin ich ja überflüssig und Fürstliche Durchlaucht brauchen nicht mehr auf mich alten Geizkragen zu schimpfen." „Hm... lieber Rentmeister, eigentlich bin ich hergekommen, um gehörig zu schimpfen. Aber ich habe es mir anders überlegt. Ob ich nach meiner Hochzeit ganz nach Gotternegg übersiedeln werde, um mich selber um die Verwaltung zu kümmern, das weiß ich noch nicht, das hängt von mancherlei ab. Doch so oder so: einen Rentmeister muß ich ja doch wieder haben — wollen Sie nicht in meinen Diensten verbleiben?" Das schien dem kleinen Kappstein außerordentlich überraschend zu kommen. Er neigte sich zu einem rechten Winkel. „O Durchlaucht," sagte er, „o Fürstliche Gnaden... Ich bin ja freilich nur ein zweibeiniges Exempel, bin nichts als eine Rechenmaschine, aber zeitloeilig überkommen mich doch gewisse Ambitionen. Rechnen ist gut, nur darf es nicht immer bloß das kleine Einmaleins sein. Wenn es mit Gottes Hilfe anders wird, und ich kann mich wohlgemut in große Zahlen stürzen, so Hals über Kopf hinein wie ein Frosch in den Teich... da sollen Durchlaucht einmal sehen, wie der infame Filz zu disponieren versteht, Hand auf und Hand wieder zu, anziehen und nachgeben wie bei der Dressur einer jungen Remonte, und auch an den notwendigen Glanzlich- tern würde es dann nicht fehlen. Gnädigste Durchlaucht, ich bitte nicht für mich: aber das eine möchte ich mir doch submissest zu sagen erlauben: einen treueren Verwaltnngs- beamten würden Fürstliche Gnaden schwerlich finden, auch keinen pflichteifrigeren_ Wann soll denn die Uebergabe stattsinden, wenn ich fragen darf?" „Sobald ich die Mittel in der Hand habe, Kappstein. Ich will ersuchen, Gotternegg wieder in die Höhe zu bringen. Ich will ein großes Kapital opfern." „Gradatim, Durchlaucht," rief der Rentmeister und hob den Zeigefinger seiner Rechten, von dem niemals ein ur- ewiger Tintcnschatten wich. „Ach, Durchlaucht, ich habe ja so viel aus dem Herzen. Dies verdammte Geld. . . Pardon. Da sind zwei Leutehäuser, sie hängen nur noch in den Spanten, da sind die Maschinen in der Brennerei, da will der Brauer neue Kessel haben, da räsoniert der Kantor —" „Und wie," sagte Bolko. „Und wie," wiederholte der Rentmeister. „Er kommt zuletzt an die Reihe; er hat seinen Taubenschlag erstürmen lassen, es sollte der Malakofs sein, urrd an seinem Ziegenstall hat er den Jungen gezeigt, wie man in den Kreuzzügen die Mauerbrecher verwendete. Seine kriegerische Lust ruiniert Scheune und Haus, er kommt zuletzt an die Reihe, es muß Strafe sein. Aber sonst — sonst Hab' ich noch viel. Ein großes Kapital, haben Euer Durchlaucht gesagt. Wieviel, Fürstliche jGnaden? Mit einer halben Million, sagt der Oberinspektor, ist aus Gotternegg eine Musterwirtschaft 311 machen." „Es kann auch mehr sein, Kappstein." Der Rentmeister erschrak. „Gradatim, Durchlaucht. Durchlaucht, ich nehme ihr gnädiges Anerbieten an. Gerade hier, gerade hier wird es mir doppelte Freude sein, einmal zu zeigen, was ich leisten kann. Der Kappstein wird dannl nicht immer der Knappstein sein, er wird zum Berappstein avancieren — Fürstliche Gnaden verzeihen huldreichst das kalauernde Wortspiel, es taugt nicht viel, aber es ist sinnfällig. Geizig sein kann schließlich jeder, am leichtesten ist es, 206 mit ft man eS fein. Aber in der Fülle wirtschaftlick-c Spar- fnmlcit zu entwickeln, so daß auch eine anscheinende Verschwendung'zinsreiche Früchte tränt, dazu muß man eben ein alter Rcchenknecm sein, als welcher und solcher ich mich Fürstlicher Gnade nochmals untertänigst empfohlen halte. Befehlen Euer Durchlaucht einen Rnndgang durch das Gehöft? —‘ f . ... Vollo war damit einverstanden. Aber eine sonderliche Freude lvar es tym nicht. Gr sah wohl, daft die Wirtschaft mit Verständnis und Umsicht geführt ivurde, sah aber auch, wie sehr e;- überall fehlte. Die Nachricht von seiner An- kirnst hatte sich schnell verbreitet Der Oberinspektor Riesen- tahl fand sich ein, ein riesiger Mann in hohen Schmier- tieseln; vor dein Maschinenschnppen standen noch zwei Jn- pettoren und ein junger Volontär von geschniegeltem und gebügeltem AeuHeren mit- einem Knciser aus der Nase. Alle folgten dem Fürsten wie eine Suite: Riesenstahl schaute finster drein, er sprach kurz und abgebrochen, und die Wendung „E< könnte mehr geschehen" lehrte häufig wieder; iür den Rentmeister hattt er nur Blicke der Verachtung. Zuiveilcu ivars Bolto eine Frage aus. Die Schlempewagen erschienen ihm vorsündslntlich; „der Herr Rentmeister gestalten keine neuen," antwortete Riesenstahl „Wie wird die Kartoffelernte?" fragte Bol so. „Ausgezeichnet, Euer Durchlaucht," entgegnere der Ober- Inspektor, „aber die Hälfte kann mir in der Erde versauten; ich habe zu wenig Leute, ich habe keine Ausroder, ich habe keine Sortierer; ich wollte eine neue Münstersche Maschine anschaffen, der Herr Rentmeister sagte nein. . . Nun wurde Riesenstahl lebendiger. Ueberatl brachte er seine Wünsche an. In der Brauerei fehlte es an Kühlapparaten, der Meier hatte gekündigt, iveil die alten Röhrenkessel zur Futterberettung nicht mehr brauchbar waren, ein Dutzend Äckerpserde war für den Schinder reif, die Zugochsen hungerten, die Lokomobile lieft sich nicht mehr reparieren, die Düngerstreuer waren veraltet, cs mangelte an Pflügen, mit der Drillmaschine ivurde die Arbeit nur erschwert, da sie infolge verfehlter Konstruktion alle Stunden versagte, der Schloeinemäster wollte davonlausen, iveil seine dürren ! Ferkel ihn jammerten. So ging das Klagen fort. „Wohin oll ich mich irrenden, Euer Durchlaucht?" fragte Ricsen- tahl: „ich habe an die Ritterschaft geschrieben, sie verlvies niich an den Herrn Rentmeister, und der Herr Rentmeister hat nie Geld für uns...." Das infame Geld! Mit Falten auf der Stirn kletterte Bolko wieder in seine große Viktoria. So sah es hier' mrs, und da wollte man ihm vorwersen, daft er sich eine reiche Miß heimznholen gedachte! — Beim „Verlobnngsdiner" nm Abend batte er seine Laune wiedergesnnden. Madame Balfour und die An schütz hatten ihr Möglichstes getan, nm ihn zufrieden zu stellen. Der Tisch lvar hübsch gedeckt und mit Blumen geschmückt; der grüne Max half bei der Bedienung: er ließ einen Teller fallen und glitschte einmal auf dem Teppich aus; sonst machte er seine Sache brav. Bolto war wohlwollend: das Ganze kam ihm sehr kleinbürgerlich vor, aber es lvar alles gut gemeint: er sagte der Madame ein paar freundliche Worte. Ihre Ohrlöckchen zitterten vor innerer Freude. Grete und Annemarie tranken zu viel. Beim Cham pagner kamen sie aus dem Kichern nicht heraus. Als Velten sich erhob, um ein Hoch ans Seine Durchlaucht und die gnädigste Braut auszubringen, begann Annemarie zu schluchzen. Grete weinte mit. und der Madame tropften dicke Tränen über die Wangen. Die Anschütz, die am Büfett stand und die Teller wechseln half, stieß merkwürdige Laute aus und fuhr mit der Schürze über ihre Angen. Dann'begaun auch der grüne Max zu heulen»; die Tränenperlen rannen bis in die Falten seiner Livree. Das wurde Bolto zu viel. „Gott bewahre," rief er. „was ist das für eine entfesselte Wasserleitung! Wir feiern doch kein Begräbnis. Nun stoßt allesamt noch einmal mit mir an! Aus eine frohe Zukunft! Weg mit den Tränen! Herrschaften, lacht! Es lebe die Freude am Sonnenschein!" — Grete schaute begeistert zu ihm auf. Sie fand Bolko immer entzückender. Ihr vierzehnjähriges Herzchen hämmerte. Sie lvar ganz verliebt. £>o einen wie diesen ioünschte sie sich einmal zum Mann, so einen vollendeten Kavalier, dem das Leben ein Blumengarten war, darin lacht nur immer die Sonne. Und so einen vornehmen. Döenschen; blond mußte er sein, und ganz hellblond der Schpurrrbart, die Erscheinung sein und geschmeidig, die Toilette immer exquisit, namentlich die Stiefeln; und einen glänzenden Namen mußte er tragen, Freiherr sein oder noch lieber Gras. So waren Gretes dumme Gedanken; aber rauh fegte der Brir- der mit brutaler Wirklichkeit die Phantasien davon. „Prost, Müllermädel," rief Otto ihr zu und hob sein Glas. „Prost, Mültermadel," wiederholte der Fürst und leerte seinen Kelch. DaH klang ganz anders, es klang so, daß sich in Gretes Wangen ein heller Blutstrom ergoß. Er nickte ihr dghei freundlich au. Er war so lieb zu ihr. war wirklichem lieber Mensch. Er trank auch alls ihres Vaters Mohk.. „Auf getreue Nachbarschaft," sagte er. Es sah gut aus, wenn er sein Glas leerte. Er trank eigentlich nicht; er setzte den Kelch an die Lippen und tippte ihn aus. Es sah so schneidig aus. Grete gab sich große Mühe, recht sein zu sein. Sie handhabte Messer und Gabel mit Zierlichkeit, sie vergab sich nichts. Sie hatte sich auch schön geputzt, trug das Kleid mit de.n lila Einsatz und streckte die Lackschuhe vor. Sie wollte gefallen. Jost war schweigsam, war auch ein wenig bleich. Velten fürchtete, der Prinz werde, sich auf der Partie nach dem Götzen übernommen haben. Aber er wagte nicht, danach zu fragen. Jost schäumte auf, wenn von seiner Zartheit die Rede iuar. Im übrigen bemühte er sich sichtlich, zu Bolto herzlich zu sein; doch nie nannte er den Namen seiner künftigen Schwägerin. Als Velten den Toast ans sie ansbrachte, stand er aus und trank schlveigend sein Glas leer. Gegen zehn Uhr verabschiedeten sich Otto und Grete. Sie gingen über die Wiesen und an der Schleuse vorüber nach der Bnrgnnihle zurück. Aus dem feuchten Grase stiegen die Nebel aus. Es lvar Mondschein, und silbriges Licht durchflutete den weißen Dampf. Es ging ein seltsames! Rieseln über die Flur, ein geheimnisvolles melancholisches Ranscheu. Es war nicht allein das schäumende Wasser, es lvar wie ein klingendes Tropfen, das von irgeudlooher kam, man wußte nicht, ans der weißen Lust oder heraus aus der Erde. Stark war der Tan gefallen; er hing glitzrig all Halmen und Rispen, er 'legte auch seine Demanten in das lichte Geivebe des Altweibersommers, das sich um die Hecken spann. Im hohen Grase schaukelten sich die hellen Fäden; der Mond schien darauf, darüber glitt bläulicher Tunst. Otto pfiff leise ein Studentenlied. Grete, war melancholisch. Sie dachte, es -müsse doch sein? Reize haben, unglücklich zu lieben. Dann wandert man viel inr Mond en- licht, man greift in die loildcn Blumen hinein und zerpflückt sie, man steht schlveigend am stillen Wasser und sehnt sich danach, dort unten zu ruhen in der kühlen Flut. Sie seufzte schmerzt ich aus. Otto setzte das Pfeifen aus. „Was stöhnst du denn, Grete?" fragte er. „Ist dir etwas? Diu hast zu viel gegessen, mein Kind, du hast dreimal Ntustorte genommen, Donnerwetter, was hast du für einen gesegneten Appetit!" „Laß mich, in Ruhe!" ries Grete ärgerlich. „Pfui, du bist ein gräßlich prosaischer Mensch, mtb wie wundervoll ist die Nacht! Schau lieber zu den Sternen empor, als daß du von Muctorte sprichst. Ich habe übrigens nur zlveimal genommen und Annemarie dreimal; das hast du verwechselt." N „Gretelein, das ist möglich ich bitte mich geneigtest entschuldigen zu wollen. Ich sah nur, daß es 'dir schmeckte, aber wenn Fürst Bolko dich zufällig anschaute, tatest du, als sei alles Materielle dir greulich. Dann spitztest du das Mäulchen, und zuweilen lächeltest du niedlich, und nahmst du das Glas, so spreiztest du den kleinen Finger, als woll- test du ihn davonfliegen lassen. Gretelein, ich merke mit Bedauern, daß sich deine Natur verkehrt hat; du bist gierig geworden." Da bleichte sich Gretes Wange vor Aerger. „Ich verbitte mir das, Otto," antwortete sic. „Ich gierig, — haha! Ich habe keine Studenteninaniercn, "ick) flegle mich nicht so hin, ich lache nicht, daß es schallt; ich benehme mich wie ein gut erzogenes junges Mädchen. Und du sagst gierig — haha!" „Ich wiederhole-das sogar — haha! Ich weiß gar nicht, wo du das herhaft. Annemarie ist cs doch ivahr hastig nicht —" „Ihre Durchlaucht die Prinzessin ist das für dich! Verstanden! Du hast mit ihr noch lange nicht Brüderschaft actrunlen. Nenne du deinen Prinzen mit Vornamen und duze dich mit ihm, aber Annemarie ist meine Freundin!" (Fortsetzung folgt.) Die vrsnjebiifte. Bon Julius Knopf. (Nachdruck verboten.) Es war in den ersten Augusttagen des zweiten Kriegsjahrcs, als die Berliner scharenweise in die städtischen Santtnelstellen für Kupfer-, Nickel- und Messinggeräte strömten^,um gewaltige Mengen davon abzulicfern. Auch für den Rentier Steinke war es ein Akt der Selbstverständlichkeit, sich an dieser metallenen Mobilmachung -u beteiligen und seinem Patriotismus dadurch Ausdruck zu gebem daß er das entbehrliche Gerät, das aus diesen Metallen, acfcrttgt war. auf dem Altar des Vaterlandes opferte. Er konnte cs sich schon leisten, alles unentgeltlich herzugeben. „Minna," sagte er zu seiner Stütze, die schon viele Jahre, seit dem Tode seiner Frau, den Haushalt betreute, „Minna", wiederholte er, „wir »vollen auf beu Boden gehen und raussuchen, was wir fürs Vaterland an kupfernen und messingenen Sachen und an Nickelzeug entbehren können. Aber erst wollen wir mal in der Küche nachsehen." Minna sträubte sich zwar anfänglich, von ihrem Küchengerät auch nur das geringste fortnehmen zu lassen, aber Herr Steinke war diesmal ausnahmsweise energisch. Und wenn er sich auf seine Energie besann, was allerdings höchst selten vorkam, dann war mit ihm nichts auzufangen. Das wußte Minna aus Erfahrung. Das erste, was Herr Steinke mit Beschlag belegte, war ein Sanwlvar, der in der Küche ein müßiges Dasein führte, da er seit Frau Steinkes Tode nicht mehr gebraucht wurde. Minna wehrte sich gegen die Konfiskation. Wie die Löwin ihre Jungen, so verteidigte sie diesen Besitzstand ihres Reiches. Sie behauptete, daß Frau Steinke niemals den Samowar hergegeben hätte, und wenn er das tüte, so wäre es doch eine direkte Rücksichtslosigkeit gegen die selige Frau — sozusagen eine große Mißachtung. Aber es half ihr nichts. Herr Steinke hatte sich mit der Verewigten sowieso nicht gut gestanden und so verfehlte dieser Einwurf die beabsichtigte Wirkung. Er knurrte: „Samowar ist russisch, und alles, was russisch ist, muß daran glauben," und bemächtigte sich des schätzbaren Kessels. Nun vollzog sich das Weitere ohne Umstände, da die kluge Minna die Nutzlosigkeit jedes ferneren Widerstandes erkannte. In wortloser Ergebenheit fügte sie sich. In der Küche uub auf dein Boden raffte Herr Steinke zusammen, lvas ihm entbehrlich und für den patriotischen Zweck geeignet erschien. Nach Verlauf einer Stunde betrachtete er wohlgefällig den gefüllten Waschkorb, der das Ergebnis seiner Sammlung barg. Sie bestand aus dem Samowar, fünf unbrauchbaren Ofentüren, einer uralten Petroleumlampe mit Kupferfuß. der allerdings nur eine dünne Oberschicht von Kirpfcr aufwies, denn es war nur sogenanntes cuivre poli, vier durchlöcherten Kasserollen, einer alten Pfanne, einen: Messmgmörser, und einem großen Kessel, dessen Boden nur noch zur Hälfte vorhanden war. Alle diese Gegenstände hatten für ihn keinen Gebrauchswert mehr, aber immerhin, wenn sämtliche Berliner so viel ablieferten »rne er, so dürfte Deutschland mit der Reichshmiptstadt zufrieden sein. Von seiner treuen, aber geknickten Minna gefolgt, durchwanderte Herr Steinke noch einmal die Zimmer seiner geräumigen Wohnung, um. weitere Neberflüssigkeiten, die aus den gewünschten Metallen hergestellt waren, zu entdecken. „Haha!" ries er plötzlich triumphierend. Minna erschauerte, ihr schwante Entsetzliches. Das „Haha!" hatte getönt wie liegreiches Trompetcngcschmetter. Herr Steinke stand vor der Bronzebüste seiner seligen Frau Klara. Die selige Klara hatte einmal, als sie einen großen Gewinn in der preußischen Klassen-Lotterie gemacht hatte, von einem ihrer vielen Neffen, der behauptete und sich sogar einbildete, Bildhauer »u sein, eine Bronzebüste von sich anfertigen lassen. In Lebensgröße. Sie prangte im Salon auf einer massiven Säule aus Ebenholz. Seine Frau war keine schöne Frau gewesen, niemand hätte es behaupten können. Aber eine derartige Häßlichkeit, wie sie diese Büste zur Schau trug, hatte sie denn doch nicht besessen. Die Büste zeigte seine Klara mit hervorspringenden Backenknochen und Wulstlippen, als ob sie den: Negerlaiche Liberia entstammt wäre. Und sie war doch eine waschechte Berlinerin ge- wesen, deren Wiege am Wedding gestanden hatte. Dieses abscheuliche Kunstwerk aus talentloser Nesfenhand war Herrn Steinke stets ein Dorn im Auge gewesen, aber seine Klara hatte genreint, das teure Geld sei nun einmal äusgegeben und zudem sei die Büste ans Bronze, und somit ein Kunstgegenstand. Und Kunstgegenstände gehören in den Salon. Was Klara wollte, das geschah stets, denn sie besaß eine stark ausgeprägte Herrschsucht, die dem Bewundernswerten manche bittere Stunde bereitete. So blieb denn ihr bronzenes Konterfei eine Unzicrde der guten Stube, auch nach ihrem Tode, denn Herr Steinke war zu lässig gewesen, um es zu entfernen. Aber jetzt — jetzt war die günstige Gelegenheit gekommen, sich dieses herrlichen Kunstwerks von seiner seligen Klara Gnaden zu entledigen und gleichzeitig eine patriotische Tat zu vollbringen. Er wandte sich an die Haushälterin: „Minna," er sagte es in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete, „Minna, die Büste packen wir zu deni anderen Krempel. Herunter mit ihr!" Minna schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „.Herr Steinke, Sie machen doch man bloß Spaß?" fragte sie, hvchrot vor Erregung. „Nee, in diesem Falle nid)! Die Büste wird dem Vaterland jejeben. Gott sei Dank, daß ich das Scheusal los bin!" Ta brach die treue Minna in Tränen aus: „Herr Steinke, Sie wolle:: die schöne Büste mang's alte Eisen nehmen?" „Mang de Bronze," verbesserte er. Sie hörte nicht darauf. „Die selige Frau ins alte Eisen! Herr Steinke, wenn se das hört — die arme Frau dreht sich ja noch in: Grabe herum. Wo sie doch so ville auf das schöne Stück jehallen lwt, was de janze jute Stube schmückt." Und feierlichen Tones beschwor sie ihn: „Herr Steinke, so wahr ich hier stehe, das werden Sie nick) tun!" Aber Herr Steinke tat es dockj. Herr Steinke war nun einmal so. Und er ließ ben Waschkorb von seinen: Hauswart auf dessen Kinderwagen zur Saimnclstelle der Markthalle fahren. Er selbst begleitete ihn. Denn ihm lvar geradezu festlich zu Mute und er wollte die Uebcrgabe der Spende persönlich besorgen. Lange mußte er warten, bis die Reihe an ihn kam. „Ick) jebe alles jratis und franko," sagte er stolz. „Das ist schön von Ihnen," lobte der Beamte und nahm einen Gegenstand nach dem anderen entgegen. Als er die Büste sah, stutzte er. „Was, diese kostbare Bronzebüste wollen Sie auch hergeben?" fragte er erstaunt. „Kunstgegenstände brauchen nicht abgeliesert zu werde::." „Schad' nischt, ick) liefere se dock) ab," schmunzelte Herr Steinke. „Das is nämlich nu'ine selige Olle und aus die können Sie 'ne wunderschöne Kanonenkugel machen." Wohlwollend belehrte ihn der Beamte, daß aus Bronze keine Kanonenkugeln gemacht, sondern Kanonenrohre gegossen würden. Herr Steinke zeigte sich etwas enttäuscht. „Schade, schade! Und ich hatte mich schon so darauf gefreut, wie meine selige Klara als Kanonenkugel mang die Franzosen fährt, daß es man so kracht, gleichwie sie zu ihren Lebzeiten mit mir gekracht hat." Vermischte». * Das Gebet- und Gesangbuch des Kaisers. Kaiser Wilhelm führt zurzeit ein evangelisches Gesang- und Gebet- buch mit sich, das ans der Hinterlassenschaft seines Vaters, des Kaisers Friedrich, stannnt, lind das dieser als Kronprinz auf allen seinen Feldzügen bei sich hatte. Den: Büchlein in Klcinoktavsormat sind illehrere Schreibpapierblätter vorgebllnden mit eigenhändigen Anfzeichnmigei: des Kaisers Friedrich. Dieser bemerkte dort: Bei mir gehabt lvähreild des Feldzuges in Schleswig-Holstein und Jütland Februar, März, April, Mai 1864 Friedrich Wilheln, Kronprinz. — Z. heiligen Abendmahl in: Hauptquartier Schloß Graven- stein im Herzogtum Schleslvig, 25. März 1864. Großer Dankgottesdienst nnd) den: Siege u. der Erstürmung der Düpp. Schanzen am 1.8. April 1864 in Schanze 4 in Mitten versammelter Division an: 24. April 1864. — Bei iniv gehabt während des Feldzugs gegen Oesterreich in Böhmen nnd Mähren, Juni, Juli 1866. Friedrich Wilheln:, Kronprinz, Oberbefehlshaber der 2. Armee. — Während des FeldzngS gegen Frallkreich voll: August 1870 bis zum März 1871 bei mfr geführt, namentlich bei bcn Gottesdiensten in der Schloßkirche zu Versailles. Friedrich Wilheln,, Kronprinz des deutschen Reiches unb von Preußen. Oberbefehlshaber der 3. Armee. Wicderyerstellung vo>: Kaiser ln:d Reich an: 16. Januar 1871 t»n Schlosse zu Versailles." Es ist erklärlich, das; Kaiser Wilhelm dies crinnerungsreiche Gesangbuch ivähltc zur Erbauung in so bewegter Zeit. * Tie Post i m Dreißigjährigen Kriege. ,Jm Dreißigjährigen Kriege giilg's — Ter Post oft miserabel* heißt es in eitler gereiluten Postchronik. In der Tat war in jener schrecklichen Zeit die Beförderung von Postsachen das unsicherste Ti,lg der Welt. „Tie Briefschaften," sagt Köllig in seiner Geschichte der deutschen Post, .bewirkten zum größten Teile Leute, die sich dnrch- schlagei, mußten, lind reitende Feld- und Heerbooten." Tie Mah- nung, das Anvertraute unter keinen Umständen in: Stich -zu lassen, war natürlich sehr ai:gezeigt, und mm: versäumte damals nicht, sie auch >:och auf der Sendling selbst in recht anschaulicher Weise a;i» zubringen: Ans die Außenseite des Briefes uralte inan nämlich Galgen und Sranpbesen und drohte auch »loch deutlichen Wortes nlit „Leib- und Lebensstrafe" für ben Fall, daß der Auftrag nicht gut besorgt würde. Mit der folgenden enldringlichen Ermahnung versah nran z. B. Berichte, die an: 7. Mai 1638 von: Generalmajor Tauben an die Kolnmrssäre in der Mark Braildenblrrg abgesandt wurden: „Inliegend untertänigster Bericht, daran sehr hoch nnd viel gelegen, soll alsobaldter oi Verordenter Post von hier auf Potsdam nach Berlin gebracht, in die Churkürstliche Branden- burgische geheimbte Eanzley daselbst überantlvortet ulld hiervon jedes Ortes so Tags so Nachts bei Leib nnd Lebel:Sstrasf nich» verabsälnnt werden/ Daneben mit der Feder hingezeichm. wäre», Galgen nnd Staupbcsen. Uebrigens schrieb man, um zur Eile anzuspornen, auf wichtige Briese auch gern sechs eito und?in citissime. 208 * Nach den f r a n z ö s i s ch e n H 1 1 m c n der französische Schild. Allen beschönigenden Berichten der Pariser Presse zum Trotz scheint die bei Verdun entwickelte Angrissskrast der Deutschen, namentlich der schweren deutschen Geschütze, das Sicherheitsgeiühl der französischen Soldaten in hohem Grade er- schütte:t zu haben. Durum macht Maurice Barras im „Echo de Paris" den Vorschlag, die französischen Infanteristen nach Art der Kämpfer zur Ritterzeit zu bewaffnen. Wie rnan weiß, tragen die Franzosen schon lange den mittelalterlichen Hel,::. „Wann," ruft Barres aus, „werden wir dem Helm auch das übrige, dazu gehörige Rüstzeug hinzufügen? Soldaten, die Helme tragen, dürfen logischerweise auch auf Brustpanzer und Schilde Anspruch erheben. Kampfer aus der Front haben selbst den Wunsch nach Schilden nur gegenüber atlsgesprochen. Fürchtet man etwa, daß eine solche Rüstung den Angriffsgeist der Soldaten eindämmen konnte? Heute, da die wtlnderbarsten militärischen Eigenschaften vor der niederschmetternden Wucht der Artillerie wertlos sind, gibt es nichts, was wichtiger wäre als die ausgedehntesten Schutz- maßregeln." Dieser Ruf nach der Rüstung gleicht nur allzu sehr euer Bestätigung der Erfolge der deutschen Angriffskraft, die schon weit stärkere Hinderniffe überwunden hat, als Helme und mittelalterliche Schilde. * Gießkannen als Kriegsgerät. Unter der von - derttschen Truppen im Deutsch-Französischen Kriege 1870 eroberten Bagage der Franzosen fanden sich auch zahlreiche Gießkannen. Mair wußte erst nicht recht, welchen Zweck diese merkwürdigen Kriegsgeräte haben sollten, dann erfuhr man von Franzosen selbst, daß instruktionsgemäß diese Gießkannen dazu dienen sollten, um auf dein beabsichtigten, aber glücklicherweise von drn Deutschen vereitelten Spaziergang nach Berlin in Gärten und Gehöften die Stellen zu entdeckelt, wo die Preußen ihre Schätze vergraben hätten. Tie Altwendultg diese? „Kriegsgeräts" haben die Franzosen von den afrikanlschen Truppe,: gelernt, wo das Mittel offenbar schon lange bekannt ,var. Im Jahre 1831 hatten die Türken die Stadt Mokka den Araber,: entrissen und sich darin festgesetzt. Einige Monate später stürmten die Asir-Beduinen die Skadt und plünderten nach Herzenslust. In einen: französischen Bericht des Feldzuges, den verschiedene französische Offiziere initinachten, heißt es: „Auf schlaue Weise wußten sie die Schätze ausfindig zu nrachen, welche die Bewohner vergraben hatten. In den Häusern nämlich, wo sie solche vermuteten, gossen sie auf den Lehmboden des unteren Stockes eine Ouantität Wasser. Wo dieses schnell eingesogen wurde, da mußte die Erde kürzlich aufgegraben worden sein, und an inehreren so ermittelten Stetten hatte ihre Rachsuchung den gewünschten Erfolg." * Das Paradies der Eieresser. Etwa 50 Meilen nördlich von San Francisco liegt eine Stadt namens Petaluma, die man mit Recht die Hühnerstadt nennen kann, da sie nicht weniger als 1 Million dieser Tiere beherbergen soll. In einem der vergangenen Jahre soll diese Gegend, wie die „Gazetta del Popolo" zu erzählen weiß, 120 Millionen Eier geliefert haben. Nicht weniger als 75 Prozent der inännlichen Bevölkerung des Ortes beschäftigen sich mit der Hühnerzucht. Auch die Familien in Petaluma, die sich nur e:n paar Hühner für den eigenen Hausgebrauch halten, tun dies mit einen: Nutzen von wenigstens 70Proz. Andere Züchter haben auch ganz klein anqesangeu, mit ein paar Hühner:: aus 2 Hektar Land, doch „ahn: ihr Unternehmen solch einen Aufschwlmg. daß sie ihren Bestand schon nach nicht zu langer Zeit auf 1500 Stück erhöhen konnten und die Tiere in regelrechten, horizontal geteilten Hühnerhäufern unterbringen mußten. Der obere Teil ist für den dauernden Aufenthalt bestimmt, während der untere dunkle Winkel hat, in denen die Hühner ihre Eier oblegen. Der Züchter hatte nur etwa 6000 Frs. Anfangskosten für das Unternehincn. Bereits nach einen: Jahr hatte er von jedem Huhn eine,: Nutzen von etwa 6% Frs., in: ganzen also von 11 750 Frs. Ein paar große Landgüter des hühnergesegneten Kreises halten sogar bis 15 000 Hühner. vüchertifch. — Vom Fürsten Bülow in Luzern, wie er zur Begrüßung'der invaliden deutschen Kriegsgefangenen eintrifft, bringt d,e soeben erschienene Nr. 15 der „Schweizer Illustriert e n Zeitung" ein wohlgelungenes Bild, und sie widinet ihm, wie auch unseren Landsleuten, die aus den französischen Gefangenenlagern nach den schweizerischen Kurorten beurlaubt wurden, warme Worte des Wiilkoinms. Naturgemäß steht aber das Ringen um Verdun :m Vordergrund, und, da die „Schweizer Illustrierte Zeitung" ja ein neutrales Blatt ist, so bietet sie auch von der Kon- ferenz u: Paris verschiedene Bilder und sehr interessante Aufnahmen aus den Kampsgebreten an der äqyptisch-tripolitanischen Grenze. Alles m allen: ist die „Schweizer Illustrierte Zeitung" ein sehr interessantes, vorzüglich redigiertes und schön ausgestattetes Blatt (Kupferl-s! druck), das bei uns viele Freunde finden dürste, zumal der Bezug durch deutsche Postämter gestattet ist. Aber auch alle Buchhandlungei: können die „Schweizer Illustrierte Zeitung" liefern. Einzelnummer 20 Pfg. Abonnementspreis Mk. 4,— halbjährlich — Mit Nr. 4 9/53, dem März-Heft, schließt der 1. Jahr» gang des „Wieland" ab. Das farbige Titelbild, ein reizendejunges Mädchen im Frühlingsgewand darstellend, ist von Ludwig K a i n e r gezeichnet. Das reichhaltige Heft enthält ferner interessante Originalzeichnungen. Der literarische Teil bringt ein Gedicht „Mahnung" von Lissauer mit einer Umrahmung von Mathey, außerdem Skizzen von Georg H i r s ch f e l d, Ernst S z s p (übersetzt von Stefan I. Klein), einen kunstgeschichtlichen Artikel von Dr. Wilhelm Bode, eine Novelle von P. P. G n j e d i t s ch usw. Preis des Heftes Mk. 1.—. (Wieland-Verlag G. m. b. H. Berlin, W. 8, Lennästr. 4.) — „Bühne und W e l t". Dje von Wilh. Kiefer herausgegebene „Bühne und Welt", Monatsschrift für das deutsche Kunst- iiho Geistesleben, bringt in ihrem Märzheft folgende zeitgemäße Abhandlungen: Deutsch und germanisch (Otto Hauser). — Staat, Volk und Raffe (Pros. Adolf Bartels). — Germanentum und Ehrsttentum in Hebbels Nibelungen (Prof. Dr. L. Huber). — Vision (Hans Freiherr v. Hammerstein). — Würde des Lebens (Kriegs- freiwilliger K.). — Germanisch-dichterische Monumentalkunst (Paul ^Gulze-Berghof). — Kleists Hermannschlacht und die deutsche Zukunft (Dr. Rudolf Werner). — Das gesprochene Wort ein Stiefkind deutscher Kultur (Rudolf Lorenz). — Künstlertum und Menschentum bet Hermann Daur (Dr. Friedrich Müller) und andere wertvolle Beiträge. r b “ Leipziger „Illustrierten Zeitung' stnd bisher 87 Kriegsnnmmern erschienen, die eine gute Chronik des großen Völkerrmgens bilden. Die soeben erschienene Nununer 3,96 enthält wieder eine Fülle interessanter Bilder und Texte. Richard Aßmann, der als Sonderzeichner der „Illustrierten Zettung' die große Balkan-Offensive von Anfang an mitgemacht hat, setzt mit drei weiteren Illustrationen seine Bilder-Serie „Von Belgrad bis Cetinje" fort. In den Torpedoraum eines Groß- kampischlffes führt die an Bord des Schiffes entstandene farbige Doppelsette „Laden eines Torpedos" nach einem Gemälde von Felix Schwormstädt. Weitere Bilder von der deutschen Marine von Karl Bössenroth und R. Schmidt-Hamburg veranschaulichen den anstrengenden Wachtdtenst der Torpedoboote in der Nordsee. Ueber die schweren Kämpfe der deutschen Gebirgstruppen im serbischen Hochgebirge berichtet eine interessante Zeichnung des Kriegsteilnehmers Albert Reich. An die Westfront führen Zeichnungen von Martin Frost, Max Pörschmann und Fritz Grotemeyer. Dem zuletzt genannte,: Künstler ist ein vierseitiger Beitrag aus starkem Karton gewidinet, der die Eigenart seiner vielseitigen Kunst am besten wiedergibt. Die hier reproduzierten Bilder sind während des vielnwnaligen Aufenthalts Grotemeyers an der Front in Westflandern eutiranden. Gegenwärtig bereist der beließe Künstler im Auftrag der Illustrierte,: Zeitung die türkischen Kriegsschauplätze. Bilder aus dem Osten sind in dieser Numiner ebenfalls reichlrch ■ vertreten. Neben «den Zeichnungen kommt auch die Kamera zu ihrem Rechtt Von den textlichen Beiträgen sei besonders auf den Artikel „T:e Neuschöpfung der deutschen Volkspersönlichkeit" von Professor Dr. Otto Gramzow, eine novellistische Skizze aus den Vogesen, „Das Blockhaus" betitelt, von August Hinrichs und die fesselnde Plauderei „In den Wäldern vor Verdun" von Hans Schoenseld hingewiesen. Den Eintritt Portugals in den Weltkrieg behandelt Dr. H. Diercks, ein genauer Kenner der Verhältnisse in Portugal, dessen beachtenswerte Ausführungen von einer Reihe von Bildern ans dem jetzt feindlichen Land begleitet sind. Eine interessante volkskundige Studie stellt der Artikel „Die Selbstständigkeitsbestrebungen des bulgarischen Volks im Spiegel seiner Literatur" von Dr. W. Busch dar. — Ein Kriegs Urlaub, Roman von Friedrich Werner van O e st s re ,:. Verlag Ullstein & C., Berlin-Wien 3 Mk. — Das neue Werk Oesterens hat dramatische Wucht, ein fortrewendes Tempo und einen Stoff, in dem sich persönlichstes Erleben mit einer aus der Zeit, geborenen Tragik verbindet. Eine alte Stadt Südtlrols, auf deren Gaffen und Gäßchen die Maisonne niedergluht, ist der Schauplatz. Ein jungverheirateter österreichischer Hauptinann kehrt aus kurzen Urlaub von der galizischen Front zurück, von seinem Weibe, einer schönen, dunkeläugigen Italienerin aus Vicenza, erwarte:. Als einen Helden hat sie in ihren durch sentimentale Liebesromane erhitzten Träumen ihn gesehen - doch schon beginnt ihre leidenschaftliche Spannung in den Haß umzuschlagen, der drüben, jenseits der Grenze, alle, die ihres Blutes sind, wie ein Fieber gepackt hat. Einem gewaltsamen Ausgang drangt dieser Ehekonflikt zu; mit unerbittlicher Kraft ist er von Oestören durchgeführt. Geographisches verschiebrätsel. Halle - Norwegen — Berlin — Ungarn — Posen — Bulgarien — Frankreich — Wien — Budapest. Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Auchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Narnen einer Insel ergibt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Scherzrätsels in voriger Nunimerr Sabine, Saline. ^ > Sch,. Weitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.