Die arme Prinzessin. Roman von'Fedor von Zabeltitz. (Nachdruck verboten.'» (Fortsetzung.) Er schonte aufmerksam in das sinnende Gesicht Bolkos. Der antwortete nicht; er stand hinter einer noch wohlerlwl- tenen spitzwinkligen Mauerwehr und nickte nur stumm. Velten trat näher an ihm heran und legte seine Hand auf den Arm des Mrsten. „Ich will noch ein paar Worte sagen: es trifft sich gut, daß wir gerade zu zweit sind. Ging es'bergab mit den Gotterneggs, so war die Schuld die Aufgabe ihrer persönlichen Freiheit. Als sie hierher kamen und dies feste Schloß bauten, waren sie Herren. Sie gehörten, zu jenen stolzen Feudalen, in denen das Naturgesetz der gottähnlich geschaffenen Persönlichkeit noch mit so elementarer Kraft lebte, daß sie zum .Herrschen geboren schienen. Die siegende Kraft dieser reinen Persönlichkeit hatte ihren Voreltern die in Sachinteressen erstickende römische Welt unterworfen, sie siegte auch über die Slawen. Sie teilte sich ihnen mit, und verschmolz sich der alte deutsche Adel so ganz mit dem slawischen, daß wir heute in vielen Fällen kaum noch Nachweisen können, ob germanischer, ob wendischer Extraktion, so lag dies sicher an der sittlichen Kraft ihres persönlichen Ehrbegriffs, den sie aus ihren Wäldern auf ihre ersten Burgen nt retten verstanden, und der eine stärkere Macht war als das Kreuz und eine wirkungsvollere als das Geld. Er wurde das Ferment, das den Adel zu einem Stand ab- schtoß, der dem Vaterland vielhundertmal mehr gedient hat als der Mammon der Bourgeoisie. Lächeln Sie, Durchlaucht, ick weiß, was Sie denken. Sie denken: das sagt der, der seinen Adel hinwarf wie einen abgetragenen Rock, und der sagt das, der aus seiner freiheitlicheil Weltanschauung niemals ein Hehl gentacht hat. Aber, Durchlaucht, im alten Adel steckte weit eher ein demokratischer Zug als ein im modernen Sinne aristokratischer, und eilte der besten Wahrheiten meines geliebten Fontane ist die Behauptung, daß der echte Junker immer liberal nt seinem Empfinden ist — nein, nicht ist, sondern war, denn der echte Junker ist aus gestorben. Seine eigenen Fürsten haben ihm das Grab gegraben. Sie entzogen ihn der Scholle, in der seine Stärke Wurzel schlug, sie trieben ihn in den Materialismus hinein; an die Stelle des Feudalen setzten sie den Konservatismus, den Herren machten sie zum detreßten Lakaien, den Junker zum aouveruementalen Regierungsrat. Früher hieltUnser Mel den Kops hoch, jetzt krümmt er den Buckel, früher lvar er der Freie, jetzt ist er ein Knecht. So zogen sie auch bia Gotterneggs hinab; die waren allezeit treue Vasallen ihrer Könige, aber sie blieben doch in ihrer Freiheit. Roch bis iu das sechzehnte Jahrhundert hinein war ihre Burg ihr Leben; hier faßen sie und saßen fest. Dann kan: die Höslingszeit; man teilte sich; nran .wq zürn Kaiser nach Wien, matt zog. Mtn, Kurfürsten nach Cölln an der Spree. Was der Ernte- schnitt brachte und Wald und Wiese und Mühle, das blieb draußen hängen, und draußen die Pracht sollte auch ihren Abglanz finden daheim. Die Burg wurde zum Schloß, man hielt selber Hof: Verwalter lvurden eingesetzt, die Einkünfte sollten vermehrt werden, die Leibjuden kamen. Da ging der Adel dahin und es blieb nur noch der glanzende; Aristokrat. Und was als Rest verblieb, Durchlaucht wissen es: die Notwendigkeit einer reichen Heirat." Bolko fuhr heftig auf. „Herr Veltett," rief er, „ich bitte..." Sein Auge blitzte, er biß sich auf die Lippen, und plötzlich lächelte er wieder. Er hatte mit der Rechten in den Schlehenstrauch gegriffen, der an der Mauer wuchs, und sich die Hand geritzt. Er saugte das Mut mit den Lippen ans und wehrte Velten ab, der ihm ein Taschentuch um die kleine Wunde binden, wollte. „Lassen Sie — ich danke... Sie haben recht: das verblieb_Aber Ihr Gedankengaugl trifft dennoch tticht das Rechte.... Warum versuchen Sie nicht den Fürstentitel für Ihren Lieblin.g zu retten? Warum stimmten Sie ohne weiteres meinem Vorschläge zu?" „Ach, Durchlaucht, was fragen Sie noch? Es geschah zu Ihrem Besten und auch zu Josts. Forschen Sie nicht erst und seien Sie froh, daß keine weiteren Agnaten da siitd, die Ihnen die Heirat erschweren. Ich bin feilt Tor, ich klag« nicht darüber, daß die Gotterneggs ihre Rassereinheit verlieren. Als nach dem Wiener Kongreß sich di-e armen Adligen zu einer „Adelskette" zusammenschtossen, um die Verbindmrgl mit „wohlhabenden Töchtern des höheren Bürgerstandes" als ein Gesetz der Klugheit zu verteidigen, folgten sie nur der Vernunft. Warum nicht? Es sprachen die gleichen Bernunft- gründe mit, die mich veranlagten, meinen Adel abzulegen; ich freilich. . er stockte, stieß mit der Stiefelspitze eilt Steinchen fort und fügte dann schnell hinzu: „das ist persönliches Empfinden, ist Sentiment — ich würde die Titel- losigkeit der Infusion aus einer Goldader vorzieheu. Nein, Durchlaucht, fahren Sie iticht wieder auf! Es sollte keine Bissigkeit sein. Mau sagt, das .Herz habe bei Ihnen gesprochen, oder vielleicht unterstützte es die Vernunft. Es steht mir nicht an, darüber ztt rechten. Ich bleibe beim Faktum. Und da wiederhole ich meinen Rat: schlagen Sie Ihr Standquartier in Gotternegg auf, werden Sie wieder der Landedelmann, der der Vorfahr war— Ich träume zuweilen, ich male mir Zukunftsbilder. Der Landbesitz ist die ökonomische Basis unsres Adels. Aber Macht und Unabhängig- feit ist heute nicht mehr allein im Besitz gegeben; sie liegt auch in der Geistesbildung. Ich hoffe, Jost tvirü ein tüchtiger Gelehrter werden. Dann kann eine neue Blüte über die Gotterneggs kommen.... Sie werden mich verstehen, Durchlaucht. .. /' Bolko nickte wieder. Er war unmutig geworden. Er fand, daß Velten die Vertraulichkeit zu weit trieb. Aber immerhin: er wollte nicht zürnen; Velten hatte die Cntsclreidung herbeigeführt, er war ihm zu Dank verpflichtet. 202 „Gewiß verstehe ich Sie," antwortete er; „ginge'es allein nach mir, dann wäre mein Entschluß gefaßt. Aber tu) denke, auch meine Braut wird einverstanden sem. Wo Uno die Kinder? Wir wollen uns auf den Heimweg machen: ich lade Sie am Muß des Berges ab und will dann noch nach dem Rentamt fahren...." , , , , - Q Man hörte das Joho Annemaries hoch :n der ^usr. Velten stieß einen leisen Schreckensruf aus: er sah die Prinzessin oben auf der Mauer des Turms und neben chr Jost. Jost winkte mit seinem Taschentuch. '„Bin ich ein Schwächling, Velten?" rief er lachend herab; „ich suhle keinen Schwiiidel, ich bin wie eine Gemse geklettert. Bolko, komm herauf zu uns — hier ist die Aussicht herrlich...." Der Fürst wetterte. Er schimpfte: immer sei Annemarie die Anführerin bei allen Dummheiten. „Schert euch herunter!" schrie er. Aber das war nicht so leicht. Bruchig gewordene Steine lösten sich uiid polterten in die Tiefe; die schmale, halb verfaulte Holzleiter, die im Innern des Burgsrieds an der Wand lehnte, zitterte unter jedem Tritt der Kinder. . , r Velten tvar froh, als er Jost wieder, neben sich sah. „Sie haben mich erschreckt, Prinz," sagte er leise; „Sie müssen nicht so unverständig sein—" Jost nickte eifrig. „Doch, Velten." entgegnete er, ,,ie mehr Sie mich verweichlichen, um so unverständiger bin ich; ich gebe Ihnen mein Wort darauf...." Velten lächelte. „Gut, daß ich das weiß; ich werde mich mit meinem neuen Regime darauf einrichten," erwiderte er. „Was für ein neues Regime?" „Naturphilosophie und Schneebäder, Kneippsche Wassergänge, Pantheismus und spartanische Spiele, Ringkämpfe, Kathedervorträge im Sturm, Kniegüsse und nackte Promenaden im Sonnenschein. . Jost schaute Belten verwundert an; aber der sah ganz ernst aus. „Alle Medizinen gießen wir künftighin aus dem Fenster," sagte er kopfnickend. Annemarie schrie auf. Sie war bei einem kecken Sprunge an einem Dornbusch hängen geblieben und hatte sich ihr Kleid zerrissen. Da kniete Otto vor ihr nieder und steckte den Riß zusammen; die Stecknadeln trug er in einem Besteck bei sich. „Eine chirurgische Operation, Durchlaucht," meinte er, „halten Sie ganz still—" Und sie hielt still, sie rührte sich nicht. „Me Mann zum Wagen!" rief Bolko und klatschte in die Hände. Annemarie sahchich ihr Kleid an; so ging es, die Operation war geglückt. Sie sprang an die Seite Gretes, umfaßte sie und flüsterte ihr ins Ohr: „Hat vor dir schon einmal ein Mann gekniet? Es sieht zu komisch aus!..." 7. Kapitel. Wie einem ernsten Tage ein fröhlicher Abend folgt. „Wie heißt du?" fragte Bolko beit Kutscher mit dem Schafsgesicht unter der zu weiten betreßten Mütze, als er die übrigen am Fuße des Gotzenbergs abgesetzt hatte. Der Bengel bekam einen Schreck, klappte erst ein paarmal den großen Mund auf, ohne zu sprechen, und erwiderte hierauf ängstlich: „Grumpelt, gnä' Harr!..." „Hör zu, Grumpelt: Du wirst mich nach der Himmelsleiter fahren. Dauert es länger als eine halbe Stunde, dann soll dich das Donnerwetter... bist du früher da, schenk' ich dir einen Taler. Nun los! Aber du fährst hinter dem Park herum und hältst erst einmal bei den Ställen." Er winkte den andern einen Abschiedsgruß zu und warf sich mißmutig in die hart gewordenen Polster zurück. Grumpelt aber peitschte gewaltig auf seine mageren Mähren los, so daß sie mit rollenden Schweifen todesmutig davonstürm- Len und die mageren Flanken zitterten. Die Bewirtschaftung der Herrschaft war immer von einen: der Vorwerke aus geführt worden; der Erbauer des d Schlosses hatte von dem Spektakeln der Knechte und dem Blöken des Viehs nichts wissen wollen. Nur der Marstall lag in der Nähe: ein weitläufiger Gebäudekomplex, der den Park nach der Ostseite zu abschloß. Hier hielt die Viktoria, und Bolko lehnte sich aus dem Fenster. Es herrschte das Schweigen des Todes zwischen den Baulichkeiten. Alle Tore waren verschlossen, über den blinden Fensterscheiben hingen Spinneweben, auf der Winterreitbahn lag ein Storchennest. „Fahr weiter!" rief Bolko dem Kutscher zu. Es ging zwischen den Feldern hindurch, durch ein kleines Birkengehölz, das ehemals der Fasanerie gedient hatte, am Brachsee vorüber und wiederum durch die Felder. Da regte sich geschäftiges Leben. Noch tvar die Körnerfrucht nicht vollends emgebracht worden; hie und da schnitt man noch, in langen Reihen standen die Mäher, und die Sensen glitzertet: und hoben und senkten sich rhythmisch: es ging flott wie mit der Maschine. An andern Stelle:: riß schon wieder der Pflugs die Stoppeln auf; Mägde verstreuten die Dunghanfcn, ein seltsam konstruierter Wagen fuhr langsam über das Feld und pulverisierte die Erde mit Thomasschlackc und Kainit. Grumpelt wollte sich seinen Taler verdienen; er fuhr forsch weiter. Bolko schaute bald rechts, bald links aus dem Wage::. Die Kartoffeln standen hoch; ein fetter Hase tauchte in ihnen auf und sprang schen über den Weg. Dann kam ein Rapsfeld und eine ausgedehnte Kleebrache; endlich begannen die Koppeln, aber sie waren unbesetzt. _ Die sogenannte .Himmelsleiter war das größte Vorwerk der Herrschast. Kein Mensch wußte, woher der seltsame Name kam; man sagte, vor langen Zeiten habe sich hier einmal einen: alten Schäfer der Traum Jakobs erneuert. Aber das sagte man nur. Ein fron:mcr Gotternegg hatte den Namen verboten und in Brach-Vorwerk umgewandelt; doch als er starb, blieb es wieder bei der Himmelsleiter. Das Vorwerk war ein kleines Dorf, aber es bestand nur ans den Katen der Taglöhner. In der Mitte lag das Gehöft: das Verwal- tungShaus, zugleich das Rentamt, ein großes, schönes, fast herrschaftliches Gebäude, ringsum, in drei Höfe geteilt, lagen die Stallungen, Remisen und Scheunen. .Bolko sprang aus de?n Wagen. Der kleine Rentmeister kan: ihm schon entgegen, diei:erte tief und beehrte sich, Seiner Durchlaucht seine alleruntertänigste Gratulation zu Höchstdero Verlobung auszusprechen. Die Landschaft hatte ihn eingesetzt, als es mit der Zinszahlung für die ritter- schaftliche Grundschuld zn hapern begann; er sollte die Fmanzverhältnisse wieder in Ordnung bringen. Das tat er auch, er war ein brauchbarer Mann, aber er schuf sich nur Feinde. Von Bolko an uitb dem Oberinspektor bis hinab zu dem Gänsehirten schimpfte alles auf ihn: einen so unerhörten Knauser hatte die Welt noch nicht gesehen. Bolko trat in die Amtsstube. Er reckte sich. „Meine Glieder sind wie zerschlagen," sagte er; „lieber Herr Kappstein, hatten Sie denn keinen andern Wagen für mich, alA dies Monstrum?" Der Rentmeister entschuldigte sich. Ja, es wären noch bessere Wagen da, aber sie ständen in: Marstall; und man hätte keine Zeit mehr gehabt, dorthin zu schicken. „Gut," sagte Bolko; „aber die Pferde! Es sind keine Pferde, es sind zwei uralte Katzen. Ihre Knochen starren, sie sind kuhhessig und spatlahm, alle Gebresten der Tierarzneischute lassen sich an ihrem Leibe studieren; sind das fürstliche Karossiers?" Kappstein wagte zu lächeln. „Das schlägt in das Gebiet der Inspektoren, Fürstliche Gnaden," antwortete er, „aber die Inspektoren werden erwidern: das ist Kappsteins Werk. Alles Niederträchtige bin ich, Durchlaucht. Ich bin so niederträchtig, daß ich das letzte Halbblut verkaufen ließ. Ich ließ die Zucht eingehen, denn es fehlte an Betriebskapital. In meiner Niederträchtigkeit habe ich so viel ersparen können, daß nicht nur die Zinszahlungen pünktlich erfolgen, sondern daß sich auch Ueberschüsse ermöglichen ließen. In ineiuer Niederträchtigkeit ließ ich von diesen Ueberschüsse::, was ich verantworten konnte, an Euer Durchlaucht gehen. Da haben die Inspektoren wieder geschimpft. Ich weiß, auch Fürstliche Gnaden haben geschimpft. Es gibt innerhalb der Grenzen von Gotternegg kein lebendes Wesen, das nicht auf mich schiinpfte. . (Fortsetzung folgt.) Zur Organisation der Zahngesundheilspflege besonders in den Schulen des ttreises Gießen. „Ter Unterzeichnete hat in seiner Eigenschaft als Mitglied deS Kreistages die Aufgabe überrwmmen, sich im Einverständnis mit dem Schularzt des Kreises Gießen darüber gutachtlich zu äußern, in welcher Weise in: Nahmen der Kreisorganisation sozial-hygienische .Aufgaben gefördert, u. a. besonders die Zahnpflege der Schulkinder in rationeller Weise aiMebildet werden können. Der letztere Punkt bezieht sich auf einen in: Kreistag schm: im Jahre 1913 gestellten und 1914 wiederholten Antrag. Die allgemeinere Fassung der Aufgabe beruht auf der von dein Unterzeichneten im Anschluß an die Berichte des Schularztes bei der gleichen Gelegenheit gegebenen Anregung. Im folgenden greife ich zunächst den auf die Zahnpflege bezüglichen Teil meines Gutachtens herauf 203 Bei der Beurteilung der Zahnkrankhcitcn vom sozial-hygienischen Standpunkt muh man von der physwlogischeu Bedeutung der Zähne ausgehen, die bei den Menschen fast ausschlleßlich als Kauwerkzeuge in Betracht kommen, jedoch auch für andere ^unk- lionen, besonders die Sprache, von Bedeutung sind. Ihr Zustand Ijot eine sehr wesentliche Bedeutung für die ganze Besch affen hell der Mundhöhle, so daß Krankheiten dieser ost mit Zahnkrankheiten im Znsaminenhange stehen. Frühzeitiger Zahnverlust bedingt sehr häufig indirekte Störungen der Verdauung und Ernährung, da der Ersah auf zahntechuischem Wege mir für einen beschränkten Teil der betroffenen Bevölkerung zugänglich ist und rn der Regel einen vollwertigen Ersatz für eigne gute Zähne nicht bieten kann. Tie Erhaltung gilt er Zähne ist daher jedenfalls von sozial-hygienischer Bedeutuiig, und gerade wahrend des letzugen Krieges hat sich vielfach Gelegenheit geboten, die Wichtigkeit Meies f ünftes zu crkenlien. Dabei kommt in Betracht, daß erkrankte ahne vielfach zum Ausgangspunkte von weiteren K r a n k - hciten. besonders Wurzelhautentzündung und Kiefervereiterung werden können, wodurch die Arbeits- nnb Erwerbsfähigkeit einer großen Zahl von Menschen zeitweise völlig aufgehoben imrd. Geht man von diesen Voraussetzungen ans, daß unter allen Umständen die Erhaltung guter Zähne in den weitesten Kreisen unseres Volkes eine wichtige und gerade zur Beförderung der K r i e g s t a u g l i ch k e i t notwendige Aufgabe ist, so fragt eS sich, aus welchen Ursachen die außerordentlich häufigen Zahn- kraiikheiteu entspringen anb wie diese Ursachen beseitigt oder möglichst eingeschränkt werden können. Auf die Einzelheiten der Behandlung voii Zahnkrankhciten und die technische Seite der Lache kann hier nicht eingegangen werden. Die Ursachen der Zahnkrankheiten sind, vom Standpunkt der allgemeine:! Ursachenforschnng int biologischen Gebiet betrachtet, dreierlei: 1. Endogene, das heißt durch angeborene Anlagen bedingte. 2. Exogene, das heißt durch äußere Schädigungen verantaßte. 3. Durch ein Zusammentreffen von endogener Anlage mit äußerer Schädigung hervorgerufene. Angeborene Abnormitäten der Zähne finden sich vielfach in Bezug auf Stellung, Bauart und Strukturbeschaffenheit auf dem Bodell hereditärer Verhältnisse oder vererbter Krankheiten. Tie Ursachenforschnng kommt hierbei häufig auf das Vorhandensein von Infektionskrankheiten, besonders z. B. Syphilis bei den Vorfahren, das heißt wiederum auf Bedingungen, deren Bekämpfung in das Gebiet der Sozial-Hygiene gehört. In vielen Fällen äußert sich die Mangelhaftigkeit der angeboreneil Anlage bei den Zähnen nur in einer leichteren Verwundbarkeit der Zahnmasse mit daran! sich anschließender Zahnkaries (Zahnfäulnis), so daß hier im Sinne von Nr. 3 eine Kombination von inneren und äußeren Ursachen vorliegt. Ich halte es jedoch für zweifellos, daß eine sehr große Zahl voll Kindern gesunde Zähne behalten könnte, trotz angeborener Weise nicht sehr guter Zahnanlage, wenn für eine geregelte Zahngesundheitspflege während der Schulzeit -unter denr beratenden Einfluß des Schularztes gesorgt würde. Hierfür spricht auch der Umstand, daß eine große Zahl von Kindern mit von Geburt völlig normaler Zahnanlage durch mangelnde Mund-Hygiene schwere Zahnkaries bekommen und frühzeitig ihres ursprünglich normalen Gebisses zum größten Teile beraubt werden. In diesen Fällen handelt es sich! im Sinne obiger Einteilung um rein exogene Erkrankungen, die vom sozial-hygienischen Standpunkte durch frühzeitig einsetzende systematische Zahnpflege bekämpft werden müssen. Auch! bei dein Zahnvcrlust im mittleren Lebensalter handelt es sich, vielfach um Störungen, die durch rechtzeitige Fürsorge vermieden oder lange Zeit hinausgeschoben werden können. In dieser Beziehung wird zweifellos von vielen Menschen manches Notwendige unterlassen, da sie nicht rechtzeitig zum Zahnarzt gehen und dies erst dann tun, wenn sie Schmerzen oder Eiterung bekommen. Sicher ist, daß Me Zahnpflege auch vom sozial-pathologischen Standpunkt aus zeitig, das lreißt schon lv ä h r e n b , soweit als möglich sogar vor der Schulzeit cinsetzen muß. Tie Kinder, die während der Schulzeit von einen! Schularzt in richtiger Weise auf die Bedeutung dieser Tinge hingewiesen und eventl. rechtzeitig in Behandlung gebracht worden sind, werden auch später die gesundheitliche Bedeutung guter Zähne int Auge behalten, ja sogar, wie sich das in anoercu Punkten vielfach gezeigt hat, eine bessere Zahupflege in die Familien hineinbringen. Es kann also über die allgemeine Notwendigkeit, vom sozial-hygienischen Standpunkt aus für Zahnpflege zu sorgen, kein Zweifel sein; es fragt sich nun, in welcher Weise die Krcis- organisation zur Lösung dieser Aufgabe beitragen kann. Dabei ist zu bemerken, daß 1. in der Stadt Gießen die Zahnpflege der Schulkinder schon durch Bestellung eines besonderen Arztes für diese Zwecke in Angriff genommen worden ist. 2. Daß an der Universität Gießen seit längerer Zeit Verhandlungen lvegen Einrichtung eines zahnärztlichen Institutes im Gauge gewesen sind. Die Lösung der innerhalb der Kreis org ani sation gestellten Aufgabe muß im Zusammenhänge mit den unter 1 und 2 genannte n E i n r i ch t n n g e n u n d B e st r e b n ltg en g e s n ch t w e r - de n. Es läßt sich nämlich eine zahnärztliche Kontrolle und Behandlung der Schulkinder int Kreise Gießen meines Erachtens nur im Zusammenhänge mit der Einrichtung eines lvenu auch nur ganz bescheidenen zahnärztlichen Institutes in Gießen, ami besten im Zusammenhänge mit der schon bestehenden Einrichtung in der Stadt und mit bemi für die Universität dringend notwendigen zahnärztlichen Unterricht lösen. Eine einheitliche Behandlung der ganzen Aufgabe durch den Kreis und die Stadt Gießen, sowie den Staat im Rahiuen der Landes-Universität würde allen Seiten gerecht werden, ohne dabei jeden einzelnen der drei Teilnehmer zu sehr zu belasten. Ichstmß hierbei besonders auch die außerordent- lief: ungünstige Lage der Landes-Universität in Bezug aus den zahnärztlichen Unterricht hervorheben, der zurzeit bei Mangel eines Institutes infolge der Fassung der Prüfungsordnung völlig unmöglich ist. Universität und Stadt Gießen haben also d i e f r ü h c r v o r h a n d e n e n S t u d e n t e n d e r Z a h n Heilkunde s c i t I a h r s n völlig verloren, was für beide eine Schädigung bedeutet. Wäre im Zusammenhiang mit der Universität ein auch nur einfaches poliklinisches Institut für diesen Zweck vor- lMnden, so würde die Zahl der Studierenden der Zahnheilkunde nach meiner Schätzung bald auf 50—60 steigen, was^ nicht nur für die Universität als solche, sondern auch für die Stadt einen; beträchilichen Vorteil bedeuten würde. Es kommt dabei in Betracht, daß auch bei einer sehr einfachen Beschaffenheit des eigentlichen zahnärztlichen Institutes die Studien-Bednrgungen für Zahnärzte infolge des guten Ausbaues der benachbarten medizinischen Fächer in Gießen ebenso viele Vorteile bieten, wie sich solche für das Studium der Veterinäre trotz einer relativ nicht seht ausgedehnten Beschaffenheit der eigentlichen Veterinär-Medizinischen Institute ergeben haben. Z. B. wird das Vorhandensein einer gut eingerichteten Klinik mit Poliklinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten die Möglichkeit gewähren, die angehenden Zahnärzte durch besondere Kurse über die Erkrankungen der Mundhöhle und deren Nachbarorgane zu unterrichten. Ebenso ließe sich sicher ein Unterricht über diejenigen inneren Krankheiten organisieren, die für die Beschaffenheit und die Erkrankungen der Zähne indirekt eine Bedeutung haben. Ebenso könnte wahrscheinlich für den Unterricht über den anatomischen Bau und die Entwicklungsgeschichte der Zähne gesorgt werden. — Es handelt sich also darum, die schon jetzt vorhandenen Unterrichtsmöglichkeiten durch eine besondere zahnärztliche Einrichtung zu ergänzen. Ich möchte daher zur Lösung der gestellten Ausgabe ein Z u- f a tu m enw irk e n von Kreis und Stadt Gießen mit denr hessischen Staat in Verbindung mit den Universitäts-Einrichtungen Vorschlägen, das sich vielleicht am einfachsten in folgender Weise gestalten würde: 1. Die Stadt Gießen gibt, innerhalb der bisher schon gemachten Aufwendungen für Zahnpflege der Schulkinder, geeignete Räume mit Installation für Wasser und elektrisches Licht, bestellt wie bisher einen praktischen Zahnarzt für die Zahnpflege der Schulkinder und gibt einen Beitrag zu den Betriebskosten. 2. Der Kreis Gießen zahlt zu Metern Institut einen jährlichen Zuschuß zu den Betriebskosten. 3. Der hessische Staat richtet, wie dies nach den während meines Rektorates geschehenen Verhandlungen zu hoffen ist, einen Lehrauftrag für Z a h n h e i l k u n d e an der Landes-Universität ein, für den von ssiten der medizinischen Fakultät geeignete! Vorschläge zu machen wären. Dieser Dozent hatte zugleich die Funktionen eines Schularztes für Zahnpflege flirren Kreis Gießen in! Einvernehmen mit dem schon vorhandenen Schularzt für den Kreis zu übernehmen. Eventuelle Reisekosten würden von dem Kreis getragen. Es wäre dadurch für den zahnärztlichen Unterricht an der Landes-Universität zugleich ein sehr wichtiges Ambulatorium gewonnen, das mit denr polillinischen Betriebe au dem Institut leicht in Verbindung gebracht werden kann. Auf diesem Wege ließe sich durch ein Zusaminenwirken der drei Körperschaften eine Einrichtung schaffen, die sowohl für die Erweiterung des Unterrichts, als für die sozialhygienischen Aufgaben im Gebiet der Zahnpflege von großer Bedeutung sein, andererseits durch Vermehrung der Studentenzahl auch einen Vorteil für Me Stadt Gießen bieten würde. Ich möchte daher zunächst Vorschlägen, daß die in Betracht kommenden Behörden (Käeis Gießen, Stadt Gießen, Großherzogliches Ministerium und Landes-Universität) je einen Vertreter zu einer gemeinsamen Verhandlung der Angelegenheit bestimmen. Es könnte sich noch darum handeln, ob die ganze Angelegenheit bis zum Schluß des Krieges vertagt werden soll. Ich ulöchte redoch gerade auf Grund der Erfahrungen in diesen! Krieg, welche die Wichtigkeit der Sozial-Hygiene in allen ihren Teilen verdeutlicht haben, Vorschlägen, daß die Angelegenheit bald in Angriff genommen wird, so daß jedenfalls zunächst ein llares Programm ausgestellt werden kann, das entweder schon vor oder bald nach denk Ende des Krieges' in Kraft treten könnte." Das vorstehende Gutachten habe ich der Stadt ^Gießen zur Kenntnis und Stellungnahme zugehen lassen, und die Stadtverord- neten-Bersammlung hat darauf einstimmig beschlossen, den Plan von seiten der Stadt durch Bereit stelle!! von^ Räumen asm. zu fördern. Nachdem nunmehr auch der Kreis Gießen auf Antrag des Herrn Kreistagsmitgliedes Beckmann beschlossen frat, für bicfe Zwecke 2000 Mk. in den Voranschlag 1916/17 einznstellen, ist zu hoffen, daß auch der dritte Faktor, nämlich der hessische Staat, in geeigneter Weise bei der Lösung der gemeinsamen Aufgabe mit nnrkcn wird. ^ Geh. Medizinalrat Prof. Dr. S o m m e r. 204 yessenkraft. f u dem Tagesbefehl des deutschen Kronprinzen as 18. Armeekorps: „Tenn wo die Hessen Schlagen, da hält kein Franzmann stund!" Umringt von Banzerfeften, Geschirmt von Stein imt> Stahl, Gespickt mit schweren Mörsern Und Truppen ohne Zahl, So droht in diesen Tagen Verdun in welschem Land, Doch io» die Hessen schlacken, Da hält kein Franzmann stand. Deutsche Haubitzen brüllen Und speien Not und Tod, Das Tal der Maas verhüllen Jetzt Nebel blutigrot. Die Panzerlverke brachen. Versenkt in Schutt und Brand, Denn ivv die Hessen schlagen, Da hält kein Franzinann stand. Und über Minenfelder Durch Stacheldraht, Verhau, Dg naht's in langen Wellen Gespenstig, rasch und grau, Und schäumt in kühnen! Wagen Bis an des Waldes Rand, Denn ivo die Hessen schlagen. Da hält kein Franzmann stand. Der Hessen Mut und Treue Ist allen längst bekannt, Um ihre Stirn auf's Neue, Sich Siegeslorbeer nxrud. Sei ruhig au diesen Tagen, Mein teures Vaterland. Denn wo die Hessen schlagen, Ta hält kein Franzmann stand. R. Lang ermann. vermischres. * London i in Sturm. Tie Londoner iverden seit einiger Zeit nicht nur von den Zevpelinen, sondern anch vom Wetter heimgesucht, das einen Krieg mit Wind imb Schnee führt, wie man ihn cm der Themse seit Jahren nicht erlebte. Ga»,z außerordentlich aber scheint der letzte (Sturm gewesen zu sein, der in der vergangenen Woche über London dahinbrauste. Sämtliche Blätter betonen, daß man sich in England kaum einer ähnlichen Wetterkatastrophe zu entsinnen vermöge. Besonders arg nnirden die von, den reicheren Klassen bewohnten Straßen des Westend mitgenommen. In der belebten, geschäftsreichen Regenstreet wurden zahlreiche Leute buchstäblich von der Gewalt des Sturmes zu Boden geschleudert. Die Windstärke nahm bei Sonnenuntergang noch zu, und in den Abendstunden wütete ein wahrer Orkan. Bäume wurden mn- aeworfen, Parkgitter ans dein Boden gerissen, Radfahrer und leichte Gefährte vermochten nicht mehr vorwärts zu konnnen. In der verkehrsreichen Kensmgton Road ivnrde ein hoher Baumstamm quer über die Straße geschleiidert, und währeiid zivei Stiinden ivar der Wagenverkehr gesperrt. Selbst die schweren Autobusse iuu vben hin und her geschleudert. Zwischendurch siel Schnee, so daß es unmög- lich ivar, geradeaus zu blicken. Schaufenster ivnrden eingedrückt nub eine große Zahl der Beleuchtungskörper in der City ivnrde zerstört. Zahlreiche Unfälle mit lödlichem Ausgang und die ver- schiedenartkgüen Verletzungen ivnrden der Polizei gemeldet. Ans vielen Häusern stürzten die flnuunc ein. Am nächsten Morgen ivaren ganze Stadtteile von London mehr oder weniger mit Trümmern bedeckt. Die Stürme in England, die sich in letzter Zeit mit außerordentlicher Heftigkeit und ungewöhnlich starkem Schneetreiben wiederholten, bilden auch für die britische Laiidivirtschast den Gegenstand zlinehmender Sorge. Bei dein großen Mangel an Arbeits- kräiten fürchtet man eine Katastlophe für den englischen Ackerbali, dncn Bedentnng durch die Höhe der Einfuhr-Frachtraten i»och bedenklich gesteigert ivtrd. ..Wie eine Ordonnanz i u st rniert w i r d. Ein Kap'.nn.ileutnant, Kommandant eines Kanonenbootes, berichtet, daß Ci einmal das folgende Gespräch, das dicht vor seiner Kabinentür gcsnhrt wurde, mit angehört habe. Seine bisherige Ordonnanz unterweist den zu ihrer Ablösung kommandierten Matrosen über etile Obliegenheiten: .De Sack i? just nich gefährlich, paß np — he ,vard nu gliecks ropen: Ordonnanz! Denn gehst du herin und seggsl- Ich melde mir zur Stelle? Tenn seggt he: Rusen Sie mir mal in einen Bi-rschen ! Zn Befehlt seggst d», magst kort Kehrt ,in marschecrst ivedder af. Wenn du denn so en gode Tid lang htr buli.it vor de Töhr tänivt Heft, denn geist dn ivedder herin uit stellst - nielde, daß er uar,ne,ls (nirgends) zu finden ist! Denn knurrt he älver den Burschen, to di äioers seggt he: Ich danke Ihnen. Nu denn geihft bn ganz vergnäugt ivedder as. Snh, — dat is bat ganze!• vücherttsch. _ — »Der Wille zum Sie g." Schauspiel in drei Akten von Jakob Linck. Verlegt bei W. Härtel & Eo. Nachf. in Leipzig. — Daß historische Drama scheint einer neuen dynamischen Verschiebung zu nnterliegen. Das Heldendrama eines Fitger, Bnllhaupt, Wil- braiidt ivnrde abgelöst von dein Historiendramn des NatnraliS,nus, das den Helden in die Masse zmückdrangte (Haiiptmanns „Florian Geyer"). In der solgenden Eiitivicklnng bildete die Historie nur den stimmungsvollen Hintergrund, ans den seelische Zerrissenheiten projiziert wurden (Maeterlink, Ernst Hardt) und jetzt scheint sich der Kleis wieder dahin zu schließen, daß der Held und sein Gegenspieler die Träger einer Weltanschauung iverden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das neuefte Schauspiel von Jakob Linck „Der Wille zmn Lieg". In diesem dramatisch ungeheuer lebendigen Werk, das in nun,eher Hilisicht an Victor Hiigos Eroinwell gemahnt, steht der Hohenstcmsenkaiser Friedrich II. als Vertreter der in einer starken Persönlichkeit gipfelnden Monarchie. In seiner Hand sind die widerstrebenden Reichsglieder geeiistgt, und um dieser Einheit einen festen Rückhalt zu verleihen, schafft er mit seinem Kanzler Peter von Binea das Gesetz der Hohenstaufen. Das Gesetz muß hart sein lind erheischt Härte in seiner Aussührnng. Unter den Unbotmäßigen schürt die päpstliche Macht, die den verirrten Traum der Hohenstaufen zu nichte machen inöchte. Als Weltanschauung steht aber noch eine andere Macht gegen de» Kaiser alif: die gottergebene Entsagung, die Loslösung von Besitz und Gesetz, die aus der vailtbelstischen Gotteslehre des rührenden Heiligen Franz von Assisi hergeleitet ivnrde. Der Schöpfer des Hohenstansen Rechtes, Peter von Vinea, ivendet sich als Erster von ihm ab und tritt an die Spitze der ih>n gegensätzlichen Be- ivegnng, um ein Reich Gottes auf der Erde z»l errichte»,, beffeu Statt- balter er sein ivill. Alle- fällt vorn Kaiser ab, der nur mehr einen Narren imb einen stelzfüßigen Krieger zu feinem Gefolge zählt, vlber ihm lebt ein Hohenstansensproß, Manfred, dessen Znknnft gesichert iverden muß. Der Wille zum Siege reißt den verlassenen Kaiser wieder empor, und seine gewaltige Persöulichkeit führt ihn zmn Siege. Mit dieser apologetischen Berherrlichnug der Monarchie greift das Werk in unsere Zeit über, die iviedcrmn diese StaatS- forin als die gesündeste nub stärkste erwiesen hat. Spricht anS dein Schauspiel auch noch kein ansgereifter Dichter, so ist es doch eine starke Versprechung. Ein edler, sittlicher Gehalt und die ungeheure Fülle drainatischen Lebens, die allerdings einen ziemlichen Apparat beansprucht, iverden dem Werke eine gute Bühnenwirksam- keit sichern. Eine weise Regie der Massen wird allerdings erfordcr- lieh sein, damit die schärfer charakterisierten Personen von ihr nicht verschlungen werden. Unter den mit ivenig Mitteln klar geprägten Gestalten nimmt ein Narr eine Sonderstellnng cin. Diese neue Variante des Narren ist vielleicht die bedeutungsvollste Neu- schöpfmig dieses Werkes, tu dem sich der Willen zmn Siege einer starken dramatischen Begabung kundgibt. Zz. — Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra. Kriegs aus gäbe. Alfred Kröners Verlag. Preis geheftet 2 Mk., gebunden 3 Alk. Wie dringend das Bedürfnis nach einer Kriegsausgabe von Nietzsches .Also sprach Zarathustra" ivar, läßt sich durch die statistisch festgelegte Tatsache beweisen, daß die bei Kriegsausbruch ins Feld Zieheudeu neben dem Testamente und Faust dieses Werk am häufigsteu mitführten. ES gibt ,vohl kein Buch, das in gleicher Weise berufen ist, die Seele des Mannes zmn Kampfe zu stärken, unb man wird vielen da dralißen keinen besseren dienst eriveisen können, als ivenn man ihnen Nietzsches Hammerphilo- tosophie m die Hand gibt. Die KrieaSansgabe, 120.-130. Tausend, der bekannten Taschenausgabe istiu blaue stei'e Pappe gebunden und stellt ein ebenso handliches, inte vornehm wirkendes Bändchen dar Eingeteitet ist sie durch Nieysche-Wo»te für Krieg und Frieden, kraftvolle Worte, von denen ivir eines ansühren wollen : Ehrwürdig und heilbringend wird der Deutsche erst dann den anderen Nationen erscheinen, ,venn er gezeigt hat, daß er fnrchlbar ist und es doch durch Ailipaunung seiner höchsten und edelsten Kunst- und Kullnr- krafte vergessen machen ivikl, daß er furchtbar ivar. Scherzrätsej. Süß war mein Liebchen mit „b", da hatt' ich einmal niich verschrieben Malt' in der Eile ein „V brr! wie das garstig jetzt schmeckt. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Ein schönes Akter ist des Lebens Krone; Nur den,, der sie verdient, wird sie zmn Lohne! Wer lange trug des Daseins schivere Bürde Und alt sei», Hanpt noch aufrecht hält mit Würde, Gibt dadurch Zeugnis, daß er seinem Leben Von Jugend ans den rechten Hall gegeben. Badenstedt. Sch,. Weitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univevsitäts-Buch- imb Steindrnckerei, R. Lange, Gießen. *