Die arme Prinzessin. Vornan bon Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) > Ordnung/- sagte die kleine Peinzessi, V^J“ 6e bt ' f Sache angenommen und meine! ibn.w /7 geltend gemacht. Er liebt sie und ich wil! < irf,eo 7 s ? f t ficft.'' Ei;tflegucte Grete sinnend. „Eine Unglück dmb'aekeke E entsesrlrch. Ich habe einmal ein Roman M&r 9 Ä'hf b 'f ld ' m! , e P«nr-ssin in ihren Sanö- atc flohen, und der alte Fürst lief; sie ver folgen. Dicht an der Grenze wurden sie eingeholt. Da nahm Wfl! 1 ' 1 selnengeladeneu Revolver und richtete ihn nR rief sprang der alte Kutscher vor «Ä,,!^rs "Halt! erst tote mich, Verwegener!" Da ging der N^inlem^ tC - §"'g. durch den alten Kutscher und durch die Prinzessin „inten in beider Herzen. Und dann erschoss s,ch der Hauslehrer. U.id ald der alt/Fürst dies sah packte ihn wilde Verzweiflung und er erschoß sich auch Es ist ein Mulles Buch, ich würde es di' gerne leihen aber Ich geschlossen" können. Nun hat es Vater ein c? denn?" fragte Annemarie. Erete dachte nach. „Ich glaube, es ncifjt Tie Opf?r iif!* “ b spi-lt m Rußland. Es sind lauter ei,?zkln" Hefte m,t Bildern. (* schwenkte seine Mütze, vorn saß Velten, schaute den Kutscher von der Seite an uiib kam zu der kleberzeug nng. daß er niemals ein größeres Schafsgesicht gesehen halte als das unter der zu kveiten betreßten Mütze. Tie Pferde trabten, solange der Weg eben war. Abe» als er am Fuße des Gotzenbergs anzusteigen begann, ver- mochtet! lveder Zuruf noch Peitsche sie über ein mühseliges Borwärtsschreiten hinansznbrittgen. Eine' Weite ließ man sich das gefallen. Daun sprang zuerst Otto ab: Velten folgte i98 mit einem gewaltigen Sprunge; dann ertönte aus dem Fond der Karosse ein vierstimmiges brüllendes „Haaau . Der Schneckenzng war nicht mehr zu ertragen; man wollte zu Fuß ans den Götzen; man kannte Seitenpfade durch die Taimen imb kleine schmale Wege, die das rinnende Rcgen- wasser gebildet hatte, und die die Fahrstraße abschnitten. Die beiden Mädchen waren allen voran, sie wußten am besten Bescheid. Sie kletterten tapfer und unter ihren derben Snefelchen sprang das Geröll bergab; sie bogeii die Zweige zur Seite und schlüpften unter ihnen durch, und glitten sie einmal aus den trockenen Tannennadeln am Boden aus unb fielen hin, dann fuhren sie mit fröhlichem Lachen wieder empor und eilten weiter; sie waren die Wegweiser. Der letzte war Jost; er stieg geniächlicher, er atmete auch schwerer^ seine Wangen erhitzten sich. „Geht es noch, Prinz?" fragte Velten, stehen bleibend. „Soll ich Otto rufen? Wir kreuzen die Hände und Sie setzen sich auf unsre Arnie wie in eineni Lehnstuhl_" „Fällt mir nicht ein, Belten// entgegnete Jost; „es muß gehen, es geht auch, es ist lächerlich. Die verdammte Verpimpelung rächt sich Ich bitte Sie: rufen Sie Otto nicht, ich schäme mich; ich komme schon allein! vorwärts_" Velten schwieg, aber er blieb dicht hinter Jost und ließ ihn nicht aus den Augen. Sein Blick hing voll Zärtlichkeit an dem Knaben, aus dem er doch noch einen ganzen Mann zu entwickeln hoffte — wenn ihm die .Hände frei blieben. Ein schallendes Hurra der Mädchen kündete an, daß sie den alten Burgzingel erreicht hatten. Das verfallene, geborstene und zerbröckelte Manerwerk des ehemaligen Um- e ungsringes lag heute mitten im Walde. Die schwarzen te der Tannen umschatteten es, junge Schößlinge sprießten zwischen den Steinen hervor, Ginster hing vorn Rande herab, und auf dem Gestein bildete das Moos große grüne Hauben. Noch sah man hie und da die Ueberreste der Wart- nirme; es war altes zertrümmert, nur die mächtigen Fundamente aus Feldsteinen hatten standgehalten. Aber die Trümmermassen waren weithin durch den Wald verstreut; Regen und Schneewasser hatten sie fortgeschwemmt, sie hatten starke Stännne gebrochen und junge Kiefern entwurzelt. In einer Bogenlinie umzog der Zingel den Berg. Oben auf der Höhe machte der Waldwuchs halt. Da stand nur eine alte Eiche mitten im Burghof, die mochte noch gesehen haben, wie brandendes Leben hier oben herrschte, loie sich die Reisige sammelten, wenn der Türmer ins Horn stieß, und vielleicht hatte sie ihre Zweige schon über der Leiche jenes Gotzeneck gebreitet, den der schwere Mehlsack des leibeigenen Reschke erschlagen, da des' Grafen höhnende Stimme ihm zugerufen hatte: „Reschke, bu bist grau geworden, aber die Esel sind es auch und bleiben doch fest im Buckel!". . . Hier oben tonnte man ziemlich genau die Bauart der alten Burg verfolgen, die in ihrer Ursprünglichkeit sicher unter den ersten Ottonen entstanden war. Ter Zingel, der Umfassungswall, 11111^0^ vor allen: den Burgsried, den mächtigen Schutzturm, der noch in halber Höhe stand, auf riesigem viereckigen Sockel, oben ausgefranst vom Sturme der Zeiten, wie zerrissen, mit nackten Mauersplittern; er stand allein und ein Kranz hoher Farcen umgab ihn. Unweit davon starrten aridere Mauern, empor; das mochte der Palas gewesen sein, die Halle des Burgherrn, im Anschluß an die Kemenate der Hausfrau, und davor hatte der innere Hof sich gebreitet, wo unter der Eiche wohl auch Gericht gehalten worden war. Ueberall sah man Spuren von Nachbesserung; noch der verstorbene Fürst hatte für die Erhaltung der Ruine viel getan, hatte die Gelvölbe neu stützen und ausmauern lassen und den Burgfried in Eisenschienen gelegt. Aber die Administration ließ stürzen, was stürzen wollte; der Blitz hatte den Turm getroffen und hie e:ne Seite gespalten; sie klaffte auseinander, ein Eisenband war geschmolzen und hatte schwarze Tropfen über die Mauern gestreut. Ein Chaos von Geröll füllte die offen liegenden Kellergewötbe; der Ansatz einer Steintreppe war geborsten, Lebermoos kletterte über einen Säulenknauf, im Hof wucherte die Erika. Es war herrlich hier oben. Das fand auch Bolko. Seit seinen Kindertagen halte er nicht mehr den Götzen besucht. Nun stand er, Mann gclvorden, ans der Stätte, da sein Geschlecht erblüht war. Er war ein schlvacher Charakter, war auch keine geistige Größe, aber es, lebte viel Stimmungs- empfinhen in ihm; es beschlich ihn ein eigenes Gefühl, da er aus diesem heiligem Boden stand, der den Vorfahren Kraft verliehen hatte und der: großen Namen: der,,Götzen" war ein „Eck" des Deutschtums gewesen, als die slawnche Sturmflut das Land überschwemmt hatte. Unten dehnte, das ^nl sich aus. Es war ein schönes Stück Erde. Es lag am Ausgang der heimischen Mark, doch es war e:n .fruchtbarer Winkel in der Sandbüchse des weiland römischen Reiches deutscher Nation. Jii schönen Linien nmkränzten btc waldgeschmückten Hänge die Niederung: zwischen Feld und Wiese blitzten blaue Wasser auf, am Rain blühten Hagerosen und reiften die Brombeeren. Ein wonniger Duft stieg aus der Tiefe empor, frischer Erdgernch und das Harzaroma der Tannen. Velten trat nebei: den Fürst, während die Bdädchen mit Jost und Otto zu einer Entdeckungsreise in die Burgkcller rüsteten. „Sie sind still geworden, Durchlaucht," sagte der Kandidat, „aber ich meine, das Herz spricht um so lauter. Bolko nickte. „So ist es, Velten. Ich begreife nicht, das; mich nicht längst die Sehnsucht nach der Heimat gepackt hat. Aber sie blieb fern; ich konnte nie ein Gefühl des Unbehagens los werden, wenn ich an Gotlernegg dachte^ Vielleicht, weil dann die Sorgen in mir ausstiegen — doch uem, Sorgen Hab' ich mir nie gemacht — aber mich belästigte das Empsiiiden, n:ich gegen den Verfall unseres Besitztums nicht wehren zu können, tyic Ohnmacht brachte das Unbehagen. Ich dachte immer, ich müsse ein Fremder- sein :n der Heimat." „Durchlaucht, auch die Alten wurden zuweilen der Heimat fremd. Es drängte sie in die Welt, aber immer waren sie klug genug, sich das Siedelrecht zu wahren. Das ist auch Ihnen geblieben. Ein großer Teil dessen, was Sie vor nch sehen, gehört Ihnen, ist Ihr Eigentum und könnte Ihnen nur unter ungünstigen Umständen genommen werden; auch die Majoratslehen find altgermanische Uebcrlieferung. Ich habe nicht mitzusprechcn, ich fühle niich nur als Freuud Ihres Hauses und als solcher möchte ich mir ein ratendes Wort erlauben. Ich weiß nicht, ob Ihrer gnädigsten Braut Wunsch ist, daß Sie im Dienste verbleiben. An Ihrer Stelle, Durchlaucht, würde ich durchzusetzen versuchen, die Verwaltung der Herrschaft in eigene Hand zu nehmen. Das Admini- strationsversahren wird ja sowieso sein Ende erreichen. Aber ich halte es für gut, daß das Auge des Herrn wieder icher den Besitz wacht. Durchlaucht, Sie haben eine große Mission vor sich, vergessen Sie das nicht. Inimer lag die Quelle der Kraft unserer alten Geschlechter iin Landbesitz; in der Berührung mit der Mutter Erde faiiben sie wie Antäus sich stetig crucuerude Stärke. Die Quelle war im Versiegen, aber Sie sind in der Lage, ihr neue Zuflüsse zuznführen: Sie allein. Die Ahnen haßten die Städte, die „Gräber, die mit Netzen umspannt siud", sie kannten ihren Verjüngungsquell. Durchlaucht, läg' alles aiiders, ich würde uicht so sprechen. Nicht, daß Sie die Krone retten, bewegt mich. Die meine lvarf ich von mir, da ich sie nicht mehr mit Würde tragen konnte. Ich habe zi: starkes historisches Empfinden, um mich der Einsicht zu verschließen, daß der Adel ruif materieller Macht fußen inuß, wenn er in geschichtlichen: Sinne den Nest seiner Selbstständigkeit wahren will. Der arme Adel n:nß resignieren. Das brauchen Sie nicht. Für Sie hört auch die Kastenfrage auf; es gilt nicht mehr, das adlige Blut zu hüten, sondern beu adligen Besitz. Es ist das letzte Band, das Sie mit der großen Vergangenheit verknüpft; die andern rissen. Durchlaucht, hinter Ihnen schallt das Lachen Ihrer Geschwister. Die sind Ihres Blutes, aber nicht Jnnker- schlag wie Sie. Sie [mb der letzte Junker Ihres Geschlechts; wollen Sie, daß die Gotterneggs ihre bistorische Tradition auch in die Zukunft tragen sotten, so vteiben Sie auf dey Scholle. • . (Fortsetzung folgt.) Der Ztulphandschuh. Skizze von Georg von der G a b e l e n tz. (Nachdruck verboten.) Ich war iu Marchais, dem Schloß des> Fürsten von Monaco, einquartiert, und zwar in einem der Türme, die an die Seitcn- ftügel schlosse::. Eines Tages hatte mich mein Bollblntsuchs spat erst vom Ordonnanzritt heimgelragen, und als' ich in mein dunkles Zimmer tappte, fand ich es zu meinen: Erstaunen von einem fremden Mohlgeruch erfüllt, als l)abe es sich in das Boudoir einer Dame verwandelt. Ich machte Licht und sah nrich um. Mles war noch, wie ich eS au: Morgen verlassen. Nur auf den: Tisch, dal lag eü: kleiner, gelber Stulphandschuh, kvic Dame»: ihn beim! Reiten tragen, und ihm entströmte der feine, doch starke Geruch. 199 Wie mochte der Tameuhaudschwh da hingekounnen sein? Lediglich wir Soldaten lagen ja feit Wochen im Schloß, und nur m Erdgeschoß hauste ein >närrischer, alter Förster, rd er die NMtUeye Jagdmeute verpflegte. Nun gleich, ich ließ, den fremden Handschuh liegen, las noch einige Sttinden und begab mich dann zur Rüge. Ehe ich aber das Licht löschte, trat ich noch einmal ans Fenster, nach dem Hinrmel au sehen, denn ich wollte am anderen XciO.urf unfetu Mittagstisch ein paar Fasanen schießen und Nirchtete euren Wettern mschlag. Aber der .Himmel hatte sich entivölkt, Sterne flimmerten von oben und leichte Nebel zogen über bie Wiesen des Parks. Das Schloß lag schweige-id und duulel mtt leinem Hof, den hohen Tüchern und eseubewachsenen Rundtürmen. Es war unendlich still draußen, nicht einmal ferner Kanonendonner störte luic sonst die Mhe, tein Anfolitzen ferner Leuchtraketen. Befriedigt warf. id) mich aufs Bett. Ich mochte eben erst eingeschlafen sein, als »nich Hundegekläff ivcckte Man wird im Kriege mißtrauisch und vorsichtig und gibt auf alles acht. Ich stand auf und öffnete die Fensterladen. Nanudie gelbe Mseute des Fürsten tummelte sich drunten im Schloßhof. Aber der Alte hatte doch ausdrücklich! den Beseht bekommen, die Hunde nicht hernmlausen zu lassen, und nun^ hatte er sie sogar uackts befreit? Plötzlich wurden auch ötc tfaiUer des Seitenflügels drüben durch Lichter erh-llt, die htnter ihnen die Gänge entlang huschten, das Portal össncte sich, aber was war das? Keine Feldgrauen erschienen, sondern eine Reihe Damen unb Herreit hastete heraus auf den Hof. Es mochten etwa zwanzig sein. Sic trugen rote Jagdröcke und wurden bei ihrem Erscheinen von rotgekleidelen Hundewärtern. nnt Fanfaren empfangen. Aus der Richtung der Stallgcbäude füh'ten nun Mit einmal Diener Pferds hierbei, und die ganze Jagdgesellschaft saß auf. Voran liefen die Hunde, die.Piköre hielten sie unt Hetzpeitschen zusammen, dahinter setzten sich die Rotrocke in Bewegung. ^ . .. . - ' Wer war diese fremde Jagdgesellschaft, die m der sternklaren Nackt hinritt? Und wer hatte sie zu uns ms Evst von Märckais geladen? Warnim sah ich keinen unserer Leute iinter ihnen, warum trat keiner ins Portal oder bog sich aus den Fenstern? Das Jaulet! der aufgeregten Meute, die Fanfaren der gelben Hörner, das Pferdetrappeln, und all das fröhliche und lebhafte Treiben mußte sie doch so gut aufwecken wj>* mich. ' Jetzt tummelten sich die Reiter unter Meinem Fenster. Ich sah sie deutlich, erkannte jedes einzelne Gesicht. Meine Blicke hafteten schließlich ans einem j'.ingen Mädchen, das inmitten einiger Herren ritt. Gn frisches, junges, bildhübsches Ding mit kastauienfarbeuem Haar. Es hielt die Zügel in der von einem gelben Stulpl'ändschuh bedeckten Linken, sck^aute unter mrr nnt einmal lackend emvor. sah' mich an, und warf nur Mit der bloßen Rechten eine Kußhand herauf. Daun »veudete die Kleine sich wieder zu ihren Begleitern. Als ich niit den Augen an der Gestalt der Tavoureitenden l-crabglitt, sah ich, daß sie emen Fuchs ritt, zmu Teufel, inein Pferd! Mein Fuchs wars mit dem weißen Stern zwischen den Augen, dem schlanken Hals, dem laugen Schsveif, den iveißeu Fesseln. Jeder Laie mußte das Tier unter 5mlndcrten herauskeunen. Es schimmerte so Helles Licht, das; ich mick nicht täuschen konnte. Das ivar denn doch zu arg, hatte das fremde Mädel für die Jagd sogar mein Pferd aus dem Ltall gezogen! Doch ehe ich mich von meinem Staunen erholt, waren die Jäger hinter der nächsten Baumgruppe.im Park verschwunden. Vom Wald her hörte ich noch einmal die lnsftgeu Jagdhörner klingen, danii schallte das Kläffen, der hetzenden Meute, dann verschluckte die Ferne den Lärm. . , . .. Ob ich hinabgiiig, nach meinem Pferde suchte? Ob ich die Kameraden, meinen Burschen lvcckte? Ich überlegte einen Augenblick. Ach, morgen war aiich ein Tag, und ich! hatte die Neber- zeugumq, daß die andern mich auslachen, niich gar für emeit Gespcnsterseher halten würden. Hub doch, — es war etwas nicht richtig, nein, da war etwas nicht richtig. Jetzt würde ich nicht hinabgehcn. Ich mürbe den Tag abwarten. Und so legte ich mich wieder hin unb schlief gegen Morgen endlich ein wenig ein. Zeitiger als sonst klopfte mein Bursche an die Tür. Er trat mit aufgeregtem Gesicht zu mir. „Herr Leutnant, der Fuchs muß krank sein." — „Wieso?" — „Er ist klitschnaß, und ich Hab' ihn doch gestern abend noch ganz trocken gerieben. An der Sattel- stclle hat der Schweiß die Haare zusammcgeklebt, und am! Widerrist ist er gedrückt. Aber unser Sattel reicht gar nicht so weit. Da mstß die Nacht einer einen fremden Sattel draufgelegt haben." Ich wußte, lver den Fuchs' geritten^ Das Erlebnis der Nacht stand mit einmal wieder vor mir. Schnell fuhr ich in die Kleider und eilte nach dem Stalle. Der Fllchs stand abgehetzt, als sei er die Nacht stundenlang geritten worden. Ich fragte meinen Burschen, ob er den nicht vom Kläffen der Meute ausgemacht sei, nichts von den roten Jägern gesehen habe. Er sah mich groß au und wollte voll der Jagdgesellschaft nichts bemerkt Haben. Hundekläfseu, das allerdings sei möglich. Ich fragte meine Kameraden. Sie leugneten, etwas Außergewöhnliches^ vernommen oder gesehen zu haben, nur ungewisse Geräusche, wie fie jede Nacht mit sich bringt. Einer allein! hatte halb im Schlaf Schritte auf dem Flur und das Wiehern eines Pferdes gehört. Wir nahmen beu alten Förster ins Gebet, dsr aber schwor hoch und teuer, die Hunde seien auch nicht mit der Na»enftutze aus dem Zwinger gekommen. ^ , Belog uns der K"erl? Er hätte ein gefährliches Spiel getrieben. Ich suchte auf dem frisch geharkten Kies des Hecks, in der braunen Erde der Wege nach den Spuren, die der Refter- truvp und die Hunde hinterlassen haben mußten. Nicht das geringste war zu entdecken. Das war doch sonderbar. So hätte ich am' Ende doch nur geträumt? Wovon in aller Welt aber war dann der Fnchi im Stall so naß geworden? Als ich in mein Zimmer zurücktrat, traf mein Blick den kleinen, gelben Stnlvhändschuh aus meinem Tische. Ich betrachtete ihn näher. Die Reiterin gestern nacht, hatte sie nicht seltsamerweise nur an dsr linken Hand einen Handschuh getragen- Und dies da war der dazugehörige rechte, kein Zweifel, bei: Stulphandschuh jener Fremden. Aber wer hatte ihn mir auf den Tisch gelegt? Hatte etwa vor unserm Einmarsch die Jägerin das Zimmer bewohnt- Ich nahm den .Handschuh auf, ich zog den zarten Wöhlgeruchi ein, und es war mir fast, als riefe ich damit jenes schöne Kind an meine Seite, als fühlte ich ihre körperliche Nähe. Wie hätte ich den Handschuh von mir tun können? Ich bewahrte ihn zur Erinnerung an die mutwillige, junge Jägerin, die ich, ach leider me gekannt und gesprochen habe. Und heute, wahrhaftig, ich frage mich zuweilen ob das Abenteuer in jener Nacht wirklich gewesen ist, oder ob ich es nur träumte, weil ich zu lange den feiner! und unzerstörbarer Wohlgeruch jenes fremden. Da men Handschuhs einatnE Er liegt in einem japanischen Lackkästchen im Fach meines Schreibtisches. _ Vermischtes. * Aus dcr Tod esstnndc des Hilfskreuzers „Kar> Trafalga r". Bor bau. Londoner Admiralitätsgerichtshvfe hat kürzlich eine Verhandlung sto.ttgefunden, die den hingehenden Opfermut unserer Flotte wieder eiumal hell beleuchtet: vor den schranken deS Gerichtes erschien Kapitän Lowell Grant, der seinerzeit den britischen Hilfskreuzer „Carmaniä" befehligt und damrt den deutschen Hilfskreuzer „Kap Trafalgar" zum sinken gebracht hat. Es bandelte sich um die Feststellung der Prämie, die der „Carmü- nia" für ihre Tat nach britischem Seerechte zusteht, und bei dieser Gelegenheit gab Grant eine vollständige Schilderung des Geseckstcs, das er geleitet hatte. „Am 14. September 1914 war ich auf einer Kreuzfahrt begriffen," erzählte er, „als ich „Kap Trafalgar" sichtete; zwei Koh.ckndampser lagen neben ihr, fte war gerade dabei, ihre Bunker neu zu füllen. 2lls. sie mich, erblickte, brach sie die Arbeit ab und eutferute sich. Wir folgten ihr utid eroffneten das Feuer, als sie wendete. Nun antwortete sie, und bald wurde «das Gefecht allgemein. Wir manöverierteu ein tveuig, und da dampfte sic, nach Steuerbord geneigt, von uns weg. Auch wir waren schwer getroffen. Wir trieben sie nach links; beide Lchtffe standen in Flammen, wir selber mußten ebenfalls nach Lee wenden, um ein Wachsen der Feuersbrunst zu verhindern. Sie war sckmeller als ich und war mir beinahe schon entkommen, als sie plötzlich kenterte und unterging. Hatten wir uns in einer Entfernung von annähernd 7300 Metern entdeckt und hatten »vir uns zeitweilig am etwa 2500 Meter genähert, so waren wir einige 9000 Meter von einander entfernt, als sie uirterging. Im ersten Teil des Gefechtes näherten wir uns, dann drehte ich von ihr ab, »veil sie Maschinengewehre hatte und »vir nicht, und »veil ich auch hoffte, daß fte nnr folgen würde», da ich! sie dann mit fünf, statt mit vier Geschützen! hätte bestreichen können. Sie kam mir ein wenig nach und drehte dann nach Südost ab>, so mußte ich vollständig nach Steuerbord »vendsn und hinier ihr herdampfen!, und das vergrößerte den 'Abstand zwischen uns imMer mehr. Der ganze Kämpf dauerte etwa eindreiviertel Stunden." Dem besiegten Gegner hat Kapitän Grant die vollste Achtung belvahrt: als der Richter fragte, ob Kav Trafalgar" während des Kampfes die deutsche Kriegsflagge führte, erwiderte er respektvoll; „Jawohlk, und mit wehender Flagge nt sie untergegangen." Da die Besatzung des uutergegangeneu Hilfskreuzers auf 423 -Mnu geschätzt wurde, »ourde her Besatzung der „Carmania" eine Prämie im 2115 Pfund zugesprochen. Beiläufig ein kennzeichnender Zug englischer Denkweise, die auf den rm ehrlichen Kämpf unterlegenen Gegner Prämien nach Kopfzahl zur Verteilung bringt. * Vorboten der S o m in e r m o b c. Der Weg, den die Sommermode dieses Jahr wandeln will, wird bereits aus den Vorbereitungen und Neuheiten der Wiener Sommermoden erkenn- bar, über die der „Konfektionär" einiges ausplandcrt. Es wird eine wunderlich-reizende Mode werden, in der verschiedenartige Bestandteile sich zu einer Harmonie vermählen. Den Grnndton bildet der Biedermeierstil. und die Schönen dieses Sommers dürsten stark an die Gestalten aus Urgroßmütterchens Jugendzeit erinnern. Aber in diesem alt-neuen Stil sind viele Anregungen und Motive türkischer und bulgarischer Herkunft eingegangen,^ durch die die Sommermode an die großen Ereignisse der Zeit erinnert. Kennzeichnend für sie wird ihre starke Jarbenirendigkeit sein. Farben, Blumen rmd ungezwungene Linien: das ist die Möge der kommenden Sommermonate. Gemusterte Stoffe werden bevor- fOO Kigt' Kleider auS ganz verschiedenen Stoffen und in ungewohnten tfcu-ten ,uei6«i, zusanunengestellt: die Aermelformen sind ab- «vechslinigSreich, bic Halsganiistrren mannigfach, uub durch einen rächen Aufwand an Taschen, Bändern, Ruschen, Falteuziehuugen und Raffmigeu suchet die Phantasie in der neuen Somniermode ei>: ivcues Feld. Ganz kennzeichnend fiir den Biedermeiergefchinack m). B. ^ine ge,vis,e Vorliebe sür braune Seidenkleider. Das erwähnte Fachbtatt nennt unter den neuesten Modellen ein Kleid aus brauner Leide mit Blumen in roten, blauen und grünen Schattierungen ganz besät, welches in seiner originellen Farben zusammenstettuug sehr hübsch wirken soll, llnd zu diesem farbenreich kecken Modcsiile passen auch die Hochsonnnerhüte, die ganz besonders duslig, zart und echt sommerlich zu ,verden versprechen. ^,e zeigen groye, malerische Formen mit ,reiten, schwungvoll und aununig gebogenen Krempen: in Stoff und Schmuck sind sie durch- aus le,cht gebatten, und sie bevorzugen zarte Pasielsiarben. Besonders zahlreich versprechen die Robhaariormei, zu werden, die federleicht und durchsichtig sind und deren Ständer von selbst in ivelligen anmutigen Linien sollen. Schleier, Spitzen und Tüll ,verden reich- lichn vern'andt, mit Band nnrd geradezu Berschrvendung getrieben, und lange, wallende Schleier in Hellen Farben werden das heiter- sotnmerliche Bild der diesjährigen Blöde glücklich vervollständigen. * El » e langt e b i g e Seifenblase. Die Knrztebigkclt rer Seifenblase ist bekamulisi geradezu sprichwörtlich geworden, altem es i,t jetzt den, bekannten englischen Chemiker Sir James Dewar getmlgen, den Nachweis zu erbringen, datz die kurze Lebensdauer oen Eerfenblasen nicht notlvendig anhastet, sondern nur aus ge- wlpen Mangeln bei ihrer Herstellung herrührt. Sir James Deivar hak nainsich dieser Tage irr einer Sitzung der Royal Institution eme Lenenblase vorgesührt und in einem Vortrage erläutert, die berelts mehr als einen Monat alt ist. Sie wurde näin- m, ,V 17 * ^ebruar gemacht und ist jetzt noch so tadellos ivie im Angeubllcke ihrer Entstehung. Diese klassische Seifenblase zeigt die re ca« utte ichnnmernde Kugel von irlsierender Farbe, und es ist an ihr kern Zeichen von jener „Dunkelheit- wahrzunehmen, ivelche Zusauune,«lalle der Seifenblasen vorauszugehen pflegt. Der Physiker ^'ord Raylergh, der diese merkwürdigste aller Seir'cn- blaseu wiederholt beobachtet und studiert hat, stellte sest, daß diese auberordeulltche Langlebigkeit sich davon her schreibt, dasi die Lenenblafe nnt durchaus reiuer Llift hergestellt wordcu ist, die so wohl von Stäubchen wie von kleinen festen (Bcifeiiteilcljcn vollkommen frei war. Diese festen Teilchen scheinen nämlich die eigentliche Uriache des schnellen Platzens der Seifenblasen und da nnt threr Kurzlebigkeit zu fein. Die Mrtuug in der Luft fchiveben den Stoffes m der Erzeugung des Nebels ist wohl bekannt, wahrend merkwürdigerweise der parallele Fall dieses EinflnffeS auf dre Dauer von Seiler,blasen noch niemals erkannt worden ist. Man sieht dag auch hrer d»s alte Wort Geltung hat: .ES liegt em treser^Sinn nn kmd'schen Spiel" - das altbekannte Kiuder- Problem ^"'enbiase birgt zugleich ein lttdeutendes physikalisches vüchettisch. r , ®* at, L r '" Dieses ttnlernehinen, das sich zur Ausgabe gestellt hat, dem Lchuud und dem seichten aber oft recht teueren UmerhaltungSstoff entgegenzuarbeiten, hat wä'brend der kurzen Zeit feines Bestehens bereits außerordentliche Erfolae *u verzeichnen „D.e Welt-Literatur" brachte bisher ausschlieblich Me, er,verte deutscher Dichtung ,vie Heinrich v. Kleists Michael Kohlhaas: Eduard Morickes MozartS Reife „ach Prag- Josef v. Eichendor-ffS Ans dem Leben eines Tange»,ichts. Bon Nr 13 ab er-schenlt „Die Welt - Literatur", vielfachen Wünschen ihrer Abonnenten entsprechend, in einer bequeineren und kleineren Aus- gäbe, nn.Format der „Jugend". Ans besseren, Papier und in befferen, Dnick. Der Preis (die Nr. 10 Pfg.) bleibt — trotz der wesentlich erhöhten Kosten — derselbe. Jedes Quartal wird ein bZ..twe i von bekannten Künstlern illustrierte Nummern bringen. ^.' 5 .^Literatur'' stellt die billigste und zugleich wertvollste Reiselekinre dar. Ganz besonders eignet sie'sich zur Versendung ms Mtb. Bisher brachte die „Welt-Literatur- folgende Werke I de Nummer ein abgeschlossenes Werk: 1915 Nr. 1 ü. v Kleisi' Michael Kohlhaas. Nr. 2 I. v. Eichendorff: AuS dem Leben eines Laugenichts. Nr. 3 E. T. A. Hoff«>raun: Das Fräulein von 8cu- m '?^r,fien-. - 1916 Nr. 1 E. X. A. Hoffman,,: Klein Zaches. Nr. > Goethe:: Kampagne m Frankreich 1792. Nr. 3 Wilhelm Haig«: DaS Bild des Kaisers. Nr. 4 Heinrich v. Kleist: Die Marguisc von Q / Der Zweikampf / Der Findling / Das Erdbeben lu oyrlr. Nr. 5 Daudet: Tartarin von Tarascon mit zahl» rercken Ze-ch.mngen von Emil Preetorius. Nr. 6 Heinrich Heine: De Harzreise/Bus den Aren,orren des Herrn von Schuabclewopski. Nr. 7 l m Girllparzer: Das Kloster bei Sendomir / Der alte Spie!» *'■ ^Möricke: Mozart aus der Reise nach Prag/ Lucie b.c-lmelotu . Gedichte. Nr. 9 Iwan Tnrgenieiv: Das Abenteuer, 91i 1 ^ Lädier / Eine seltsame Geschichte. ( ° ( gebrich Schiller: Der Geisterseher. Nr. 11 Jean Paul: ^'^ 'b"berger6 Bad-Reise. Nr. 12 Heinrich Zjchokke: Kriegerische A q , . FUedfertigen / DaS blaue Wunder. Nr 13 E. Nr ^14 A ^banta'lsiche Geschichten / Zeichnungen von A. Knbin. o V,* 4 ‘ ' 1 * ^^uuffo: Peter Schleust hl s wundersame Geschichte / Zerchnunge,! von Emil Preetorius. ^ Gietzener Hausfrauen-Berein. > .. ^ Wochen -Küchen zettcl. ifÄa*. Supp.«ln. 3t)if9f(eier, Spinat. Wontag: Apfelfnppe *), Gemüsemischgericht *), Kartoffeln Trenstag: Kartoffelsuppe, Nudeln, gekochtes Dörrobst Mittwoch: Gekochtes Hammelfleisch, Suppe von der Brühe mit Gerstieneinlage, Lalzbohnen, Kartoffeln. ^a^^Eerstag: Grießsuppe, Leberklöße, Kartoffelbrei und Sauer- sÄlwlÄT >?raftu,firWn mit 9lfü ' buch S^este^o' ^ ften ^ w?e ' Weiutaltschale (Siehe Gelatine Koch- *) Siehe Kochauweisung. Kochlmtveisungkn. , - ?p'kel sur'vc: Hierzu werden die Schaleu der tags zuvor f,t K 9 Ie f Td . benutzt, ivelche man gut weicht kocht in reichlich hl ,kt buVÖ L k“= % cb nibn ' Mucker, Zitrone, etwas Apfelwein koll-n läfstind *** ^ aJ,4C nut etnci ' Einlage von Logo dicttich mu/e-Mi schg er ich L: Eine lleine Dose Bruchspargel und etm Ham* > oje Karotten Bon Spluatreffeu (Gemüse) bereitet mau unter Zugabe von Salz, Pfeffer, Muskat, 1—2 Löffeln geriebenen Kar.-sselu, Mehl oder geriebener Semmel eine Masse nia ? ^offch'N formt, die in Salzwasser abgekocht tverden.' ^parge und Karotten :verden gut erwärmt, dann eine helle mit T b ^roffbruhe glatt verkochte Einbrenne bereitet, und. diese übet da^ gut gemachte Gemüse und Klotz' gefüllt. Rezepte von Frau Laih: 1 L r * an e ^ en: . I 1 /* Pfund Fisch tvcrden abgekocht -md durch die Ma,chme getrieben, ebenfalls ein vorher in etivas 9 0 *«f% m ! oe c!f c \ AE.--,-Zil dieser Masse gibt ,nan nun l 5 a rtlifwlmchl, etwas Latz. Pfester, seingehackte Zwiebel, e.waS^.kaggl, und kiietet dies alles gut durcheinander. Nun formt man ^rikandetleir daraus n;id backt -eine «nach der anderen in trefs!ich"^'"^b^ Kartoffelsalat dazu gegeben, schmeckt vor- K ä Je a u f (a uf: 1 Pfund mehlige Kartoffeln jverden gerieben, verrührt diese mit 50 Gramm Putter, 3 Eigelb, 150 Gramm genebenen Katt L-alz, Muskat, 3 Estlössel voll Milch. Das Ei- 5U lttschlagen. .In eine mit Butter ausgeschmierte matenttmk" lind \- 2 Ltnnde im Ofen gebacken. Dazu To- Rösselsprüng. wird . gend > trug I I ! re Kro» ter mit I niß ge ^schwe-! sie > Ju- j Mur- dasi benS Al- auf dient I Bür- . des | * ne Zeug- hält feins lan- von zum er de ries Le- ver- ! den 1 Da- de nur des recht durch wer sem Loh- Leben gibt sei- ge- schö- rech- sie und j j Haupt | Halt dem da- auf- alt ne ten der -nein ^ noch ! ein geben Auflüsilng in nächster Nnmme., Auflösung des Magischen Quadrats in voriger NuiiiUier: 8 1 0 |o 0 D 0 L L o L ! A 0 Lj A F Sch«Ill-itu,ig: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und B-rlaa der Brüh,Ich-» U„ioerfit«ts-Buch- und Sl-ittdrückerei. R. Lang«, Gi-b.