Montag, den 5. April äs SAASA O 1 Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.'» (Fortsetzung.) Der Besuch der 'Bibliothek schloß den Rundgang ab. Sie .nahm drei große Zimmer des Erdgeschosses ein, in Venen an zwanzigtausend Bände untergebracht worden waren; weitere Tausende sollten nach Meldung von Beyfuß noch in Kisten verpackt auf dem Boden stehen, sie hatten hier unten keinen Platz mehr gefunden. Und dann ging es immer weiter hinab, iu das Souterrain. Da mußte Frau Beyfuß die Laterne anzünden, die sie bei sich trug, und Annemarie begann in oer kühlen Luft zu frösteln. Bolko rief ihr 31 t, sie möge vor dem Portale warten, aber das wollte sie nicht: dazu war sie zu neugierig. Denn auch hier unten war es interessant: große Gewölbe taten sich auf, eine Küche von riesigen Dimensionen, ganze Fluchten von Kellern mit eisernen Wandregalen, mächtige:: Schränken und eingeinauerten Kesseln, dann wieder Zimmer für die niedere Dienerschaft und heizbare Vorratsräume — und endlich blieb Beyfuß vor einer ersenbeschlagenen Türe stehen. „Die Weinkeller," sagte er, nicht ohne Feierlichkeit im Ton; dazu hatte er selbst die Schlüssel; „Euer Durchlaucht zu Gnaden; auch bis hierher wollte die Administration Vordringen. Der Weinkeller ist abgeschätzt worden, es war eine hohe Summe, auf die man ihn Laxiert hat, uud es sind einige Sorten darunter, die sollen geradezu Raritäten sein. Da meinte der Rentmeister, es sei eine Verauktionie- rung des Weinbestandes das Zweckmäßigste. Da aber, Euer Durchlaucht zu Gnaden, trat ich dazwischen. Ich habe mich auf die alten fideikommissarischen Urkunden berufe::, und da heißt es, die Weinkellereien sind geradeso wie die Bibliothek Majoratsbesitz, und es gibt nichts zu versteigern und zu verkaufen. So blieb es denn, und ich konnte wenigstens den Weinkeller retten. Durchlaucht, es liegt alles noch geradeso da, wie es beim Tode des hochseligen gnädigen Herrn gewesen ist. Nur zwischen den: Ungarwein ist eine kleine Lücke entstanden; da hat sich die Madame zuweilen eine Flasche erbeten, wenn Seine Durchlaucht, der Prinz Jost, einmal etwas Kräftigendes gebrauchten." Bolko nickte mit finsterem Gesucht. „Beyfuß, das ist selbstverständlich, ich brauche es kaum erst zu sagen: was drüben gebraucht wird, steht ohne weiteres zur Verfügung. Ich will nicht, daß da gedarbt wird, während ..." Er verschluckte den Nachsatz, er war ärgerlichund befahl mit harter Stin:me, den Keller zu öffnen. Man stieg ein paar Stufen hinab und trat zunächst in eine kleine Trinkstube mit hoher Kreuzwölbung und lustigen bunten Schildereien an den Wänden, allerhand bacchische Szenen darstellend. Auf dem Gesims der Täfelung standen Pokale, Gläser und zinnerne Humpen,. Tische und Stühle aus festem Eichenholz unter dem schräg in das starke Mauerwerk eingelassenen, eisenvergitterten Fenster. Ein paar Bücher lagen auf einem pultartigen Gestell, schwere Foliobände mit kunstvollen Beschlägen und Krammen, das eine das Weinverzeichnis, das andere eine Art Fremdenbuch, in das sich die Gäste, die hier mit dem Schloßherrn geprobt hatten, einzutraaen vflegteu Bolko warf einen Blick in dies eigentümliche Gastbuch; es ging weit zurück; 1701 hatte es ein Markgraf Ludovicus Brandendurgiensis mit dem Spruche „Hie ist gutt seyn" eröffnet. Bekannte Namen aus der preußischen Geschichte tauchten in diesem Kneip- büchlein auf, deren Träger in den Manövern, zu Kriegszeiten und bei Jagdbesuchen ihrer Fürsten im Schloß gewohnt hatten: die Grafen Kolbe-Wartenberg, Dohna, Finckenstein, die Minister Ilgen und Marschall, „maitre de plaisir“ von Besser, der „Grand maitre de la garderobe“ von Kainecke; da standen ferner die Unterschriften eines „prince Thurn-Taxis" und des Lord Marishal Gg. Keith, der zierliche Namenszug des Baron de Pöllnitz, daneben in derber Handschrift „Quintus Jcilius, Obrist"'. 1776 hatte sich der Großfürst Paul von Rußland eingetragen, der auf der Reise von Petersburg nach Berlin in Gottcrnegg übernachtet hatte, und am 18. Julius desselben Jahres „Henri prince de Prusse“, der den: Großfürsten entgegengereist war. Ein Graf zu Neuwied stand neben zwei Stolbergs, darunter der einfache Name „Wöllner", und wieder kan: ein Finckenstein (wohl der vielgenannte Freund der Rahel) mit dein Grafen Hoym, dem Vizekönig von Schlesien. Berühmtere Namen folgten: Blücher, Pflug, Prinz Louis Ferdinand mit dem Permerk ,.OId finest Port Wine, das Best was sein"; 1838 hatte sich eine große Jagdgesellschaft eingetragen, und dann kan: die neuere Zeit mit einem königlichen Herrn, mehreren Prinzen und zahlreichen Generälen und Hofchargen. Es war ein vollständiges Autographenalbum, es legte auch Zeugnis davon ab, in welchen Ehren die weinfrohen alten Gottermeggs bei ihren Landesherren gestanden hatten. Inzwischen hatte Beyfuß die weiteren Keller geöffnet, und Annemarie sprang wieder voran. In drei hohen Gewölben lagen Tausende von Flaschen wohlgeordnet auf eisernen Gestellen, im letzten Keller auch ernige Fässer. Ein eigenartig schwer betäubender Odem zog durch diese Räume. „Uuuy," ries Annemarie, „hier wird man ja von der Luft bekneipt!..." Bolko schüttelte den Kopf; er war vor dem Champagner stehen geblieben und las einzelne Etiketten, Marken, die so aut w:e verschollen waren und die man kaum noch kannte, neben erlesenen Seltenheiten neuerer Zeit, wie den vierundachtziger Pomery, dem Clicquot doux vom gleichen Jahre unö den dreiundachtziger Cuvöe des Hauses Roederer. Dann lachte Bolko. „Beyfuß, ich taxier^ wir sind zu solide gewesen," sagte er; „dahier wird mancher Schaum nicht medr schäumen wollen, es wird Zeit, daß mau im Schlosse wieder t>en Becher schwkngtt , . ." Er giuH weiter. Bei den Bordeaux standen Namen und Jahrgänge 190 in verblaßter Schrift auf Elfenbeintafeln, die an den Gestellen mit Draht befestigt waren. Das gute Fahr achtundsiebzig war in den besten - Schloßabzügen vertreten, zum Teil in Doppelslaschen, aber auch mancher frühere Jahrgang harrte noch'der durstigen Lippe, so ein neunuudsechziger Vquem und ein Burgunder von achtuiü)fünfzig, ein prachtvoller Chambertin. Drüben lagen die Mosel, die der verstorbene Fürst besonders liebte, Auslesen der berühmtesten Berge wie Tropfen da und Rauenta heimer vom Kieselberg unb köstliches Förster Freuird stück ans den besten Jahren. „O Bacchus/' rief Annemarie, „Bolko, komm an die frische Luft, ich bin total benebelt!" Bolko nickte, es ging ihm ähnlich. Er warf noch einen Blick nach links: da lagerten die heilen Weine aus Spanien und Portugal, der Ungar, der Kognak, die Liköre und sonstigen Spirituosen, auch ein Fäßchen Früh-Whisky, aber er hatte genug. Er bezeichnete Behfuß ein paar Flaschen für das Diner am Abend, schlang seinen Arm um den Hals Annemaries und ging. Mit Wonne atmeten beide die erquickliche Herbstluft ein: Annemarie jauchzte taut auf. „Behfuß," sagte Volke, „ich sehe, es ist alles im Schlosse soweit imstande, tute es nur sein kann. Ich bin außerordentlich zufrieden mit Ihnen und ich hoffe, daß Sie mir auch weiterhin, in so Gott will besseren Zeiten, ein treuer Beamter sein werden. . . ." Damit gab er Behfuß die Hand. Der knickte wie ein Fedennesser zusammen. Er war auf das Höchste beglückt, es zog auch etwas wie das Ahnen eines jungen Frühlings durch feine hoffende Seele. Freilich, als alter Legitinnst hätte er es schon lieber gesehen, es wäre eine aus deutschen! Fürstenadel als neue Herrin ins Schloß gezogen. Aber immerhin, in Amerika gab es so wie so keinen Adel — und dann das ungeheure Geld.... Die Zeiten des alten gnädigen Herrn konnten wiederkchren, es konnte wieder die Sonne aufgehen über Gotternegg, und vielleicht nicht lange mehr, da mußte Mutter das Stanniolpapier von der Stickerei der Jntendantcnuniform vorsichtig ablösen und die gedrückten Schöße neu ausbügeln. . . . „Mutter," sagte Behfuß zu seiner dicken Frau, als Bolko und Annemarie sich verabschiedet hatten, „ich hält' es ja gar nicht mehr geglaubt. Ich hatte ja schon abgeschlossen und war darauf vorbereitet, zuguterletzt noch einmal von meinem Zivilver- sorgungsLhein Gebrauch zu machen: dann hätten wir vielleicht als Chäusseegeldeinnchmer oder als Museumsportier oder auch als Logenschließer an irgend einem Hoftheater den Nest unserer Tage verlebt —' und, mein Gott, es war' auch gegangen. Aber so lohnt sich mein Anshalten — nein, es lu i rb sich erst lohnen. Ich glaube nicht an Ahnungen, aber mir schwnmmert von Großem. Es soll an das Uebernatürliche grenzen, das Geld, das die durchlauchtigste Braut mite bekommt. Dagegen habe ich nichts: doch aus eins kannst du dich verlassen, Auguste, je größer der Reichtum, nur so niehr werde ich hier die hohe Würde walten lassen. Das bin ich meinem verstorbenen gnädigen Herrn schwdig, und was an nur liegt: es soll kein demokratischer Zug in die Hausordnung von Gotternegg kommen. Nämlich, solange ich auf me mm Posten verbleibe. . . . Sei so gut, Mutter, und hole Zumal meine Uniform heraus; ich habe immer Angst, die Galons an den Hosen könnten schwarz geworden sein . . ." jmb Plötzlich siel er im Uebermaße seines Hoffnungsjubels semer behäbigen Gattin um den Hals und rief: „Ach, Alte, welche Seligkeit, wenn ich diese Uniform wieder aulegen darf! Ich kann nlich ja fügen — wir haben /ianches Bittere durch- aemacht und ertragen, aber das Schlimmste war doch immer, du lieber Gott, der Mangel an rechter Etikette: denn du und ,ch, wir gehören nun einmal zum Hofe . . ." erwiderte Frau Behfuß kopfnickend, „wenn rnan von äugend auf an das Parkett gewöhnt ist, dann fällt es einem schiver, sich in den niederen Sphären zurecht- zusinden. . . ' Inzwischen waren Bolko ulid Anneinarie über einen Wieieupsao hinab zum Dorfe gegangen. Den Pastor Fre- femus fanden sie im Garten der Pfarrei, wo der alte Herr, einen riesigen, etwas ungefügigen Strohhut aus dem Kopfe, Mit einem Spaten ein Blumenbeet nmgrub. „Herr, du mein ott. vtef er, und wischte sich die Hände an einem roten wschentuch ab, „ist es beim die Möglichkeit . . . Bolko — Durchlaucht — guäbiger Herr . . Er hatte die drei xnrstenkinber getauft und eingesegnet, er führte auch den Titel eines Schloßpfarrers zu Gotternegg und durfte sich sogar — aus alten Zeiten her — Propst nennen, wenn er wollte, eigentlich „Bnrgpropst zunr Götzen": aber das tat er nicht. Die Gotzenburg lag in Trümmern, und in der Schloßkapelle war seit langen Jahren nicht mehr gepredigt wor- den; die Administration hatte die Zulage zu seinem Gehalt gestrichen, sie strich, ivo sie konnte. Da lebte der kinderlose und verwitwete Alte denn in unendlicher Bescheidenheit in seinem kleinen Hanse, bebaute seinen Gürten eigenhändig und war auf seine Weise ein glücklicher Philosoph. Er hatte nur einen einzigen Feind ans der Welt: und das war das Konsistorium. Mit dem lag er ewig in Hader; grobe Briefe kamen und gingen zurück. Nie stimmten die Abrechnungen, der Pfarr- und Kirchenkasse, denn in seiner weichen Gutmütigkeit verborgte der Pastor häufig Gelder an arme Leute, die das Zurückgebeü vergaßen, und beließ Hypotheken, die zweifelhaft waren. Er tat das im Namen Gottes und mit des Hinnnels Segen, aber das Konsistorium verlangte reale Unterlagen und klingende Zinsen, und so riß denn der Kampf nicht ab. Schließlich blieb Fresenius nur noch im Amte, weil Fürst Herrfurth zuweiten ein gutes Wort für ihn einlegte und weil man das hohe Alter des Pastors berücksichtigte. Man ging im Garten auf und ab; Bolko hatte erklärt, er hätte Fresenius nur die Hand drücken wollen, er könne sich nicht lange aufhalten, er wolle auch noch Fürbringev und den Burgmüller besuchen. In Wahrheit fürchtete er etwas die Geschwätzigkeit des alten Herrn, der sich gern in Erinnerungen erging und die Satzwendung bevorzugte 3 „Gott, wenn ich noch daran denke, wie damals..." und dann iam eine höchst gleichgültige Geschichte aus den vierziger oder fünfziger Jahren mit langatmigen Einzelheiten. Einen großen Wunsch hatte Fresenius: er hoffte noch Annemarie konfirmieren und den Durchlauchtigsten Fürsten trauen zu dürfen; dan'n wollte er gerne sterben. In Bezug auf die Eilisegnnng Annemaries gab Bolko ohne weiteres seine Einwilligung; er hoffte auch, seine Braut werde mit der Trauung in der Gotternegger Schloßkirche einverstanden sein, und fügte hinzu: „Vielleicht kann man beide Feiern verbinden. . ." Da jubelte der alte Pastor förinlich und seine verblaßten Angen wurden lichter, während er die Hände über der Brust faltete und anhub: „Gott, Durchlaucht, wenn ich, noch daran denke, luie damals . . ." Aber Bolko hatte durchaus keine Zeit mehr, die Geschichte anznhören. Er wollte weiter. Fresenius begleitete die Geschwister noch bis ans die Dorfstraße und schaute ihnen lange ilach. Er sah wehmütig aus und sein Blick war umschattet: dann seufzte er, ging in seinen Garten zurück und murmelte: „Dasselbe kecke und frische Gesicht, wie der Selige in seinen jungen Fahren. Gott, wenn ich noch daran denke, wie damals. . ." Und er griff wieder nach seinem Spaten, aber seine Lippen bewegten sich immer noch, als erzählte er sich heiinlich Geschichten und Erinnerungen. — * Das Haus des Kantors lag etwas zurückgebaut von der Straße. Eine alte Akazie stand vor der Tür und trug iit den höchsten Zweigen einen Starkasten. Zur Schulstube führte der Weg über den Hof. Es war da ein schmaler! Pfad, förinlich blank getreten von den Hunderten von kleinen Füßen, die ihn alljährlich benützten. Ein bissiger Gänserich schnatterte Bolko in giftigem Eifer an; ein gurrendes Taubetipaar saß auf dem Dache deö Schlages. Der Kompost- hänfen hatte bereits seine Bestimmung erfüllt. Auf der Steile seines Entstehens unb Werdens befand sich jetzt eine fortifikatorische Anlage: eine Auftürmung von gelbem Sand mit Befestigungslinien im Zickzack; vor dem Eingang zur Schul st übe stand ein roh gezimmertes Schilderhaus, nur für zehnjährige Wachtposten berechnet. Es war unbesetzt; eine dicke gelbe Henne lief gackernd davon; sie hatte im Schilderhaus, wo sie sich unbeobachtet wußte, ein Ei hiuter- lassen. Den militärischen Zuschnitt in diesem Lehrgebäude bekundete noch mancherlei. Im Hausflur au der Wand hing eine große Garnisonskarte des preußischen Kriegsheeres von 1834; Fürbriuger hatte sie einmal vom Oberförster Jannasch zum Geschenk erhalten, der sie wiederuin bei sich auf dem Boden gefunden hatte; die untere Ecke rechts war von den Mäusen abgeknabbert worden. Die Tür geradeaus trug ern Pappschild mit der Aufschrift „Zur Waffenkam- iner"; auf eine Kellertür hatte des üantofs Hand mit Kreide geschrieben „Kasematten". Es herrschte hier ein soldatischer Geist. (Fortsetzung folgt.) 191 3m Schützengraben. (Nachdruck verboten.) Seit bald zrvei Jahren lese ich die Schilderungen in, ans und UM den Schiitzengraben, und nun, wo ich endlich als aktiver Hckiützengrabenmensch mich von der Wahrheit des Gesagten überzeugen kann, sehe ich, daß alles anders ist. Es gibt vermutlich Jo viel Schützengräben, wie Bewohner solcher lind Länge in laufenden Metern vorhanden. Nehme ich! nur die paar hundert Schritt, auf die sich unser Abschnitt erstreckt, so kommen schon die verschiedensten Bilder heraus. Bei dem einen Teil herrscht die deutsche Ordnungsliebe, die die Bauleiter auszeichnet, daneben paart sich diese beim Soldaten selbstverständliche Genauigkeit im Ausführen des Befehls mit einer gewissen graziösen Genialität, sei es auch im Rhythmus der aufeinander geschichteten Rasenstücke. Ter nächste Teil des Gaabens zeigt eine erstaunliche Mannigfaltigkeit, erstaunlich aber nur dem, der nicht weiß, daß den Führer dieses Llbschnittes der unerbittliche Tod heimholte, che er seinen Plan vollführen konnte. Nun baut der neue Herr nach neuen Gedanken. Manchmal ist es auch vorgekommen, daß die feindliche Arttllerie den Lehrmeister spielte und ein Grabenstück einriß, das für unüberwindlich galt. Auch die Natur hilft nach. Das Wasser, das aus den Schneemassen herausdringt, ersäuft die Unterstände, sprengt frierend Wände auseinander mtb macht aus dem Graben eine Festung. Tie Sohle muß höher ^gelegt werden und damit Bor- und Rückendeckung ebenfalls steigen. Kunstvolle Entwässerungsalllagen werden gebaut, um der Frühjahrsüberschtoemmung vorzubeugen. Mitten zwischen den sich abwechselnden Schlitzen ständen mrd Schulterwehren bocken wie bösartige kleine Raubtiere unter ihren bombensicheren Verschalungen die Muschineugewehre. .Hundertmal sind die Höhleuwohnnugen geschildert worden, aber dennoch, ist gerade die, wo ich jetzt schreibe, durch kein Klischee belegbar. Sie sieht nicht viel anders aus wie eine Dachstube in einem Bauernhause. Nur daß es hier nicht reinregnet, sondern reinquillt. Morgens schöpfen fleißige Hände zahllose Eimer voll Wasser heraus, um das wir des Nachts bereichert sind. Ein Pfosten tragt die Decke, die sich höhnisch den feindlichen Granaten. entgegenbläht. Da unser Raum annähernd zwei Meter hoch ist, so trieben wir mit 16 Kubikmetern Luftraum für, zfvei Mann eine grenzenlose Verschwendung, wäre die Luft hier so selten wie Butter in Berlin. Die Hälfte des Zimmers dient zum Schlafen. Die Lagerstatt ist stehengebliebene Erde, darauf Bretter und darüber Stroh, das Federbett des Feldsoldaten, mit seiner Seltenheit willen - ans Flaschenhülsen ergänzet, aber auch stets bereit, bundweise in den kunstvoll gemauerten Ofen zu verschwinden, um dem. nassen Holz die erste Feuchtigkeit auszutreiben. Dieser Ofen ist schön. Treppen- förmig ist sein Oberteil abgeschlossen und bestimmt, eine Klaviatur aus geleerten Wein flaschen aufzunchmen, falls die Einwohner nach Musik dürsten. Die macht er im übrigen allein, sobald sich ein fleißiger Dragoner herbeiläßt, ihn zu heizen. Tann kann er' fick) nicht genug tun an Fauchen und Zischen und Knattern, daß es klingt wie fernes Maschinen gewehrfeuer. Aber sobald der dienende Geist mit den blasenden Backen verschwindet, sinkt me Glut in sich zusammen und die mühsam erwärmte Luft begibt sich in den Weltraum. Die Wände sind mit einer äußerst geschmacklosen Tapete überklebt, deren Vorhandensein zu berechtigter Begeisterung Anlaß gibt. Mit Reißzwecken sind allerhand Reproduktionen daraus befestigt, meist au Stellen, wo man- sie nicht erwartet, wahrscheinlich war dann dort vorher ein Loch im Wandpapier. Das Gemöbel besteht aus einem „Tisch, einer Bank, einem Scheinet und ein paar Kisten, die sich bei näherem Zusehen als gefüllt mit Reservemuuition erweisen. Aber man sitzt auf diesem Vulkan ruhiger, als matt aus dem richtigen tanzen dürste. Auf einem Waubbreit und vor dem Festster steht allerhand Eß- und Trinkbares, vermischt in lieblicher Gemeinde mit Sprengstoffen wie Tabakspäckchen. Der Ofen hat eine Eiseitplatte. Dort brodelt im Kochgeschirr das lehmgraue Wasser, aus dem so sehr leicht mit wenig Bohnen ein tiefschwarzer, baumstark erscheinender Kaffee gebraut wird. Zur sinkenden Sonne kommt die Feldküche in erreichbare Nähe. Tann gibt es warmes Essen und Post und allerhand Genießbares. So ist des Menschen äußere Umgebung int Schützengraben meines Begriffs!reifes. Sich selbst umhüllt mau ntif allerhand Tüchern und Pelzwerk, bemüht sich aber, möglichst. Unauffällig! zu bleiben. Denn drüben am Waldrand steht der sagenhafte russische Kriegsfrei-, willige Lausislaus mit seiner Fernrohrbüchse, au die inan glauben lernt, wenn so ein Singvögelchen fröhlich und ganz dicht an uns vorbeizwitschert. Siehaben ganz verschiedene Laute. Einntal klingt es wie das Meißen eines Telephondrahtes, ein andermal, als würfe ein Junge einen Stein auf eine Eisfläche, und die dritte Sorte zischt wie eine Schlange. ^ Anders loirb es mit der Tonfolge, wenn die größeren Kaliber etnfetzen. Daun faucht es und jaucht daher; man sucht mir den Mugeu den Schallerreger, aber er ist ja schneller als der Ton, und darum ist es ein Unsinn, sich zu bücken, ivenn die Grattateu über uns fortsausen. Sie sind schon längst wo anders, hört man sie. Denn träfe sie uns, hörten jgir sie nicht vorher. Aber sie halten! sich noch imnter an das alte Lied. Selbst der oben erwähnte! LausislauS schießt meist vorbei, gestern sogar zweimal recht dicht an mir, weil ich das Rot meiner Mütze nicht bedeckt hatte wie nrir nachher klar wurde Dies „Nachher" gehört auch zu den subjektiven Schützen- grabenempsindungen. Ich habe gegenüber den Schießversuchen ein ganz objettives Gefühl der interessierten Neugierde, ein tech^- nisch physikalisches Einpfinden, vergleiche Licht- nud Schall- geschwindigkert, berechne Entfernungen, versuche zu wissen, ob ein Geschütz schwer oder leicht ist, und will den dumpfer: Klang des Russeusämsses von unserem peitschenähnlich Hellen unterscheiden. Geradezu imponierend ist es, wenn unsere Artillerie ihre schweren Geschosse losschießt. Das klingt tatsächlich wie ein D- Zug, der riicht einmal übermäßig schnell durch die Lust rumpelt und dann Rache und Feuer speiend irgendwo zersplittert. Nachher pflegt es von daher abends einen schönen Feuerschein zu geben. Ein Ding, das ich« Ar: den Zeitungsenten verweisen rnöchts, ist die Langeweile im Schützengraben. Zu solcher müßte man Zeit haben. Aber die Ungewißheit über das, was der Feind vorhat, läßt uns nie zur Ruhe kommen. Die Wacktätigkeit Tag und Nacht nimmt soviel Schlaf, der in den freien Stunden nachgeholt werde,: muß, die Arbeit am Graben selbst hört nie auf, weil wir ja versuchen, uns unser Heim so wohnlich und sicher als möglich zu gestalten. Zum Lesen und Schreiben in dem oft vorgegebenen Umfange komntt es auch nicht. Selbst wenn uns die feindliche Artillerie aus der: Gräber: in die Unterstände schickt und wir unfreiwillige Muße genießen, dam: stört das enge Zusammen- sein mit so vielen Menschen. Unzutreffend wäre es, wollte mau von dem Ernst einer Lage, der Gefahr eines Zustandes auf eine Vertiefung der Empfindung schließen. Zunächst, sobald wir uns im Unterstände bei beginnender Beschießung zusam-uensinden, wird die Sicherheit des Raumes erwogen und daß, wenn nun doch ettva eine Schlvere durchschlüge, cs immerhin noch lange nicht gesagt wäre, daß dann alle tot seien. Eine gewisse Erregung, die wegzustreiterr Feigheit wäre, weil sie eben rein körperlich» ist und nicht im entferntesten mit Augst etwas zu tun hat — an die mark sich in diesem Krieg zu gewöhirer: Zeit und Gelegenheit gehabt hat — macht sich bei jedem besonders bc- merklich. Der eine beginnt zu schreiben, aber es wird ein Durcheinander, weil die Gedanken der andern sich Unterhaltenden hmcinkrc-uzen. Denn ein gewisses Vielsprechen ist sowohl Zeichen der Erregung selbst wie ein Versuch sie abzulengnen. Der dritte greift zum Buch, aber er wird nicht viel davon haben. Am vernünftigsten sind jene, die das Strohlager aufsuche,: und wirklich schlafen. — Im Unterstand fällt jetzt das Technische fort, das mein Interesse draußen al'lenkt; beobachte sch mich so unbefangen wie möglich. so stelle ich fest, daß ich nicht stärker fühle als bei einen: Gewitter, uw auch jeden Augenblick der Blitz einschlagen kann. IN beiden Fällen sind die Wahrscheinlichkeiten vielleicht gleich groß, nur daß hier die Bosheit mrd Absichtlichkeit deS Verfahrens kränkt. Oder es ist wie im Schnellzuge, früher im Lärche Frankreich, wo man gar nicht sicher war, heil arrzukommen. Da saß man gottergebet: drin und freute sich daun doppelt, wenn die Reise fertig war. Zumal sie hättfig in einen: schönen Fleckchen Erde endete. Auch bei schwererr: Sturm auf Sec ist es ähnlich. Mär: kam: nicht auösteigei: und muß stillhaltcu. Dies absolute Muß, sei es nun Physisch oder moralisch, ist etwas .Hervorragendes, und das Mort vor: den gottgewollter:' Abhängigkeiten gewinnt in diesem Kriege neuen Wert. Dem: endlich! hält jeder Zug, jedes Schiff und jedes Artilleriefeuer hört auf. Für manchen zwar, mit Charons Nachen zu besteigen, aber für die Mehrzahl glücklicherweise, um aus Dem Unterstand ins Freie zu treten urw sich au der schonen Sonne zu freuen, die ,vir jetzt die letzte Zeit in Rußland hatten. Möge sie Uns aller: bis zmu fröhlichen Sieg und Frieden leuchten! Vermischtes. * D e r N a m e H i n d e n b u r g. Von verschiedenen Seiten hat inan den Namen unseres großen Volksbclden Hindenburg in verschiedener Weise gedeutet. Daß aber auch schon Jakob Grinm: sich zn der Streitfrage geäußert bat, dürste doch überraschen. Professor Franz .iknntze macht im letzten Heft der „Neuen Jahrbücher für das klassische Altertum" darauf anßnerksam, daß unser bedeutendster Sprachforscher in seiner Vorrede zr: Liebrechts Uebersetznng des Pontamerone folgendes sagt: ..In Panzer und Helin geschlossen schläft sie (Brunhild) auf einen: flammenumgebenen, unnahbaren Saal des Hindar siall (Berges der Hindin, wie es noch in Westfalen eine Hinninbnrg, Äindinbnrg gibt)/ Als Hnfchbura, eigentlich Hirfchknhburg. iß also der Nanre Hindenburg zu erklären Er hängt weder mit dem altdeutschen „Hund'', den: alten Wort für Hundert, zusammen, noch ist er etwa mit einer Burg des Hunno oder Hindo in Beziehung zu bringen; auch die Gleichung Hinden- bnrg-Hinterbnrg ist falsch. Ebenso hat der Hauptname der Familie „Benackendorff" nichts au tun mit dem alten Wort „Ben", Haken» Galgenhaken, an dein der Sünder, der „Bengel", gehängt wurde, und „Ecke"-Eiche, so daß der Name also die Geigeneichc bedeutete, unter der die Edlen ihres Amtes walteten. Er ist nichts anderes als die niederdeutsche Kurz- oder Koseform für Benno; dies Wort wiederum für Bernhard und Bernward. * Wie sieht eine Milliarde aus? Seit dein Ausbruche des Krieges haben alle daran beteiligten Völker sich mehr und mehr daran gewöhnt, mit Milliarden gti rechnen. Dabei bedeutet eine Milliarde eine Größe, die man sich im Grunde gar nicht mehr vorstellen kann, und vollends ein Betrag wie der, der bei unserer vierten Kriegsanleihe zusammengekommen ist, reicht ganz in das Gebiet des Unvorstellbaren. Nur vergleichsweise kann man sich deutlich machen, wie eigentlich eine Milliarde aussieht. Eine schweizerische Zeitung hat dies unlängst aui recht hübsche Weise versucht. Nehmen wir an. daß eine Familie bei Christi Geburt eine Milliarde besessen und sie in einer ungeheuren Truhe ausbewahrt hat, ans der sie, ohne Zinsen zu erhalten, in jeder Minute einen Franken (80 Pfennig) entnommen hätte. Da aus diese Weise in der Stunde 60 Franken und täglich 1440 Franken vom Kapital abgehen, so müßte sich der Jahresverlust aus 018 400 Franken belaufen. Da nun von Beginn der christlichen Zeitrechnung bis zum Zi. Dezember 1915 1 524 000 Minuten vergär,gen waren, so würde diese Familie erst kürzlich bankerott geworden sein. In reinem Golde würde eitle Milliarde 320 500 Kilo wiegen; um sie hoch- znheben, müßten 6000 Menschen zusammentreten. Würde man die Summe in Zwanzigfrankenstücke,, aneinanderlegen, so würde eine Milliarde eine Strecke von 1v50 Kilometern bedecken; übereinander- gelegt würden die Goldstücke eine Säule von 33 000 Metern Höhe Hilden und mithin etwa achtmal höher aufragen als die Jungfrau. Nur sich des Ergebnis der vierten Kriegsanleihe zu vergegenwärtigen, muß man sämtliche genannten Maße mit 10,6 verviel- fältigen; die znsammengeflosfene Summe würde also rund die 80fache Höhe der Jungfrau darstellen l * Ein Sprung ans 3500 Metern Höhe! Die gewaltigen Kämpfe um Verdun werden voraussichtlich auch in der Geschichte der — Fatlschirmtechnik fortleben. Wie nämlich aus Paris berichtet wird, ist es einem französischen Beobacht,mgsosfizler geglückt, sich mittels eines Fallschirmes aus einer Hohe von 3500 Metern in die französischen Linien herabzusenken und dort unversehrt den Boden zu erreichen, lieber den Vorgang wird der französischen Presse folgendes berichtet: Es war bei Malancourt, ein Artillerieduell von unerhörter Geivalt zerriß die Luft, als ein französischer Fesielballon mit einem Offizier aufstieg, der von oben das Schießer, der französischen Batterien leiten nnd gleichzeitig Aufnah,neu der deutschen Linien machen sollte. Alle Blicke folgten der immer höher steigenden Bronzewurst, die eirre ganze Zeitlang in ruhiger Stetigkeit am Himmel schwamm, bis sie plötzlich eine Erschütterung durchlief, der ein bedenkliches Schwanken und Tiefergeher, folgte. Das Tau, das den Ballon an, Boden festhielt, war von einem Geschoß durchschnitten rvorden. Dabei wehte ein heftiger Wind und dieser Wind trieb der, Ballon den feindlichen Linien immer näher, wo ihn heftiges Feuer empfing. Der darauf befindliche Offizier schien verloren, als sich plötzlich ein durrkeles Etwas von dem Balkon ablöste, der sich in einer Höhe von etwa 3500 Mtr. befand und langsam tiefer sinkend zrr den französischen Linien zurück - trieb. Wirklich war es den, Beobachter gelrrngen, einen Fallschirm zu entfalten und mit dessen Hrlfe sich zrr retten. Während der Ballon verschwand, näherte sich der Offizier immer mehr den französischen Stellungen und zrvanzig Minuten später konnte er landen. * Ein Appell gegen den Kleiderverbrauch in England. Der im Verein mit dem Wachsen der Kriegsausgaben fortwährend steigende Geldmangel in England verarr- laßte das „Komitee der Natiorralorgamsation zur Sparsarnkeit im Kriege* in London zur Herausgabe einer Liste neuer Sparsam- kertsgebote. Unter den Dingen, die arrf diesen Listen, deren Abzüge in allen Straßen an oen Häusermauern angeschlagen sind, als überflüssig und darum unpatriotisch bezeichnet werden, stehen an erster Stelle die Privatautonrobile und Privatmotorräder. Das zweite Gebot warrrt davor, in der Hauswirtschaft mehr dienstbare Geister als unbedingt nötig zrr beschäftigen, damit noch mehr weibliche Arbeitskräfte zur Tätigkeit in der, unausgesetzt an Personal- rnangel leidenden Munitionsfabrikei, frei werden können. Besonders eifrig aber wird in der Londorrer Gesellschaft das dritte Gebot besprochen, das neue Kleider und Anzüge auf den Index der unerwünschten, rveil gegenwärtig höchst unpatriotischen Anschaffungen setzt. „Kaufet niemals," heißt es, „neue Arrzüge oder Kleider, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Denkt endlich daran, daß es in Krie^szeiten durchaus keine Schande ist, die alten abgetragene,» Kleider zu tragen, so lange sie noch Halter,. Auf diese Weise werdet Ihr Geld ersparen, das für die weitaus dringlicheren Kriegszwecke nötig ist, und wenn Ihr mit guten, Beispiel voran- geht, werden Euch bald alle folgen. Denket daran, daß das Land die Hilfe, die Ihr ihm auf diese Weise zuteil werden lasset, auch zu belohnen wissen wird." * Der neue Stahlhelm des englischen Infanteristen. Je weniger die Franzosen in ihrem verzweifelten Kampf an der Westfront von der Gegenwart der englischen Arnree verspüren, in je größerer Zurückhaltung die To,n,nies verharren, desto mehr sucht die englische KriegSleituna mit Hilfe der Londoner Presse von ihrer hervorragenden Tätigkeit von sich reden zu „rachen. Während die Franzosen bei Verdun eine Division nach der anderen in daS mörderische Feuer schicken, während sranzösische Zeituiwsleiter wie Clemenceau immer dringlicher „ach dem britischen Verbündeten rufen, begnügt sich John Bull in seiner angeborenen Bescheidenheit damit, die Ausrüstung seiner Soldaten durch kleine Neueinführungen zu verbessern und sein eigenes Loblied zu singen. Die neueste Tat des englischen Kriegsamtes besteht in der Einführung eines Stahlhelnrs für die Infanteristen. Die französischen Truppen bluten auf heimatlichem Boden, und die englischen Krieger setzen sich kühn den neuen Stahlhelm aus. Und selbst hierin sind die Briten bloß Nachahmer ihrer Genossen aus dem Kontinent, denn der französische Stahlhelm ist längst lm Gebrauch, während der englische erst jetzt ins Feld versandt werden soll. -Aber -- sagt der „Daily Telegraph" — der englische Helm ist in jeder Beziehung unvergleichlich besser und sinnreicher als der französische. Ja, er ist mit Hilfe des MunitionSministeriumS, deS Kriegsamtes und einer Schar von Ingenieuren, Zeichnern und anderen Sachverständigen so großartig geworden, daß er in der ganzen Welt nicht seinesgleichen hat. Die militärischen Kritiker — die englischen natürlich — beschreiben diesen Helm als das wissenschaftlichste Kopsschutzmodell, das jemals ausgearbeitet wurde. Der Helm, der die Form einer runden Kappe hat, ist aus besonders gehärtetem Stahl, mit einem schmalen Schildrand über Stirn und Hinterkopf. Die Kopfform ist viel niedriger als die sranzösische. Die Form ist außen überall rund und glatt polrert, damit keine ebene Fläche oder breite Kante den Projektilen ein ebenes und darum leicht durchdringliches Ziel biete. Besonderer Wert wurde auf den geringen Umfang der Kopfform gelegt. Einer der Hauptfehler des französischen Helmes soll darin bestehery daß infolge seiner hohen Form die Luft zwischen Kops und Helmoecke bei kühlem Wetter ein unbehagliches Gefühl von Kälte erzeugt, und daß zugleich das Gewicht des Helmes sehr fühlbar wird. Der englische Helm ist mit einem dichten Filzbelag gefüttert, über den eine Schicht Watte gepreßt ist. Zwischen Filz und Watte befinden sich Pfropfen ans Gummi, die eine Erschütterung abschwächen sollen. Die Watteschicht rst mit einem desinfizierenden Mittel getränkt und soll, falls ein Schuß durch den Helm dringen könnte, blutstillend und zugleich antiseptisch wirken. Bisher sollen 100 000 dieser neuen Helme fertiggestellt worden sein. * Welcher Gustav? In Stockholm geht zurzeit ein hübsches Geschichtchen um. Lebte da ein eifriger, zeilenhungriger Zeitungsberichterstatter, dein zu Ohren gekommen war, daß ein königlicher Lakai demnächst seinen soundsovielten Geburtstag feiere und der alsbald den Gedanken faßte, diesen denkwürdigen Tag durch eine Zeitungsnotiz gebührend bekannt au machen. Er ging also zum Fernsprecher und rief beim Königlichen Schloß an, um eine „Aufklärung für die Presse" zu erbitten. ES entspann sich folgende Unterhaltung: Hallo! Ist dort daS Kgl. Schloß? — Ja. — Ist Herr Kammerherr dort? — Nein, aber worum handelt es sich? — Ja, es handelt sich um Hoslakai Blomsterkvist, der in diesen Tagen. . . aber mit wen, habe ich denn die Ehre zu sprechen? Ist es vielleicht Herr Blomsterkvist selbst? — Nein. — Entschuldigen Sie, es ist wohl nicht der Herr Hofmarschall? — Nein. — Na, wer ist es denn? — Es ist Gustav. — Welcher Gustav? — Gustav der Fünfte. — Euer Majestät . . . Euer Majestät ... ich bitte untertänigst um Entschuldigung ... — Ja, ja, aber was wollten Sie denn nun ? — Es war . . . eS war Ew. Majestät . . . Euer Majestäts Herr Blomsterkvist ... der vollendet . . . hm . . . — Wollen Sie bitte warten, ich hole Blomsterkvist.* Silbenrätsel. dir, by, tur, cn, cus, del, e, en, gel, bam, her, hol, i, I, ka, la, len, ming, na, ne, nie, liier, no, no, noe, ra, ro, ror, spie, schach, se, sos, to, tris, nrn, zer. AuS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen els Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines nordischen Dichters und den Titel eines seiner Werke bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Eine durch Elementargewalt vernichtete Stadt. 3. Held eines bekannten Volksbuches. 3. Musikalische Bezeichnung. 4. Stadt an, Bodensee. 5. Altgriechischen Sänger. 6. Eine Truppengattung. 7. Aeußerung des Spottes. 8. Englische Stadt. 9. Altägyptischen König. 10. Eine Muse. 11. Hauptbestandteil der nordischen Wälder. (Auflösung in nächster Nummer.). . t j ) Auflösung der Charade in voriger Nummerr Fischotter (Fisch, Otter). Schriftleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.