Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltttz. (Nachdruck verboten. > (Fortsetzung.) 6. Kapitel. Fürstliche Gnaden revidieren Park, Schloß und Weinkeller, besuchen die Honoratioren des Dorfes und schauen von der Höhe des Götzen auf das Land höchstderer Ah-nen herab. Es war ein Gewitter im Hochsommer. Eine schwarze Sturmwolke flog über die Landschaft; zehn Minuten lang raste der Orkan rm Parke, Donnerschläge fielen, als stürzten unter ungeheurem Getöse Felsmassen übereinander, Blitz auf Blitz strich flammend über das Firmament, dann prasselte der Regen herab. Binnen einer Viertelstunde war das Wetter gekommen und tveitergezogen. Der Anblick der aufgerührten Natur war von so einiger Schönheit, daß die Insassen des „alten" Hauses unter em vorspringenden Portikus vor der großen Flurhalle testen geblieben waren. Den Eintritt slankierten zwei teinerne Bänke, aus der eieren saßen Otto und Jost und neben ihnen kauerte Annemarie mit hochgezogenen Beinen: gegenüber saß Bolko, während Velten in der Tür stand und tiefer hinein die Madame. Von einem Fenster der Halle aus beobachteten Beyfuß und Max das interessante Schauspiel. Gesprochen wurde nicht viel. Zuweilen ries Bolko ein Wort der Bewunderung oder bei einem grellen Blitz schrie Annemarie einmal leise aus; aber das Fauchen des Sturms und das Rollen des Donners verschlangen jede Aeußerung. Velten Hand wie angewurzelt in der Tür der Flurhalle; er rührte sich nicht. Er schaute in die Blitze hinein, ohne mit der Wimper zu zucken. 'Er war ein großer Mann, fast vierschrötig, mit starken Schultern und hochgewölbter Brust. Doch er war schön gewachsen und seine Haltung stattlich; seine Bewegungen hatten immer etwas Ruhiges und Ausgeglichenes, es lag eine gewisse Plastik in ihnen. Nur dem Profil fehlte die fein« 'Linie; das Gesicht war hart, Stirn! und Kinn eckig, die Mise groß und kräftig der Mund; immer fiel das schwer zu glättende blonde Haar strähnig in die Stirn. Aber das schöne graue Auge beherrschte so völlig das Antlitz, daß die Disharmonie der Linien zur Nebensache wurde. Es war ei» Aares, blankes, stählernes Auge, ausdrucksvoll undi leuchtend von Intelligenz, leicht einmal verhängt vom Schleier schwärmenden Sehnens; gut und milde und wie phosphoreszierend >im Zorn. Dies Auge war der Mann, der unter Hunderten ausfiel; er hob sich überall aus der Menge hervor; man hätte ihni nachschanen mögen wegen des Ungewöhnlichen seiner Erscheinung, die srch doch nicht ohne lveiteres bestimmen und deuten ließ. Er trug sich in seiner Kleidung wenig weltmännisch; nichts saß ihm so recht, weder der lange schwarze Rock, noch die falsch geknöpfte Weste, noch die zu kurzen Beinkleider. Es war altes grob gearbeitet und vertragen, der schtvarze Schlips schlecht gebunden, und die Schäfte der Stiefel zeichneten sich unter dem Beinkleid ab. Bei einem andern hätte diese vernachlässigte Kleidung lächerlich wirken 'können, so grotesk tote bei der typischen Karikatur des deutschen Hauslehrers. Aber es war merkwürdig, daß nl-an der Belten über diese sonst auffälligen Aeußertichkeiten hinwegsah. Unter einem gewaltigen Donnerschlaae hatte sich der Regen entladen. Er toste mit prasselndem Geräusch zur Erde, aber die volle Wucht ließ fast im Augenblicke wieder nach und pus dem klirrenden Sturz wurde ein sanftes gleich- mäßiges Rauschen. Es plätscherte von den Bäumen herab und rann i'rber den Kies des Vorplatzes, Hunderte von blinkenden Laci)eu bildend, die von der durstigen Erde schnell aufgesaugt wurden. Ueber oen jgrünen Wipfeln ging wieder die Helle auf, die Sturmwolk^n verflogen, der Donirer wurde rollender und klang immer entfernter. Durch das Geäst der Kastanien und Platanen flimmerte ein Sonnenblick, die Vögel trauten sich von neuem hervor, urrd in der lauen Treibhausluft baute sich in verfließenden Umrissen das sclstllernde Farbenspiel eines Regenbogens auf. „Geehrte Herrschaften, nun ist «es vorbei!" rief Annemarie lustig und sprang von der Bank, schürzte ihr Kleid und hüpste ins Freie. „Was machen wir jetzt? Madame, liebe Madame, es wäre eine Sünde wider die Natur, wollten Sie mich abermals an den Arbeitstisch schmieden. Es wäre auch eine Sünde wider die geschwisterliche Liebe, denn Bolko ist doch arur heute hier, und ich verspreche Ihnen, ich^lerns morgen die verdoppelte Portion und übersetze drei Seiten mehr. Kann ich mich nick/t heute einmal meiner jungen Freiheit erfreuen?" Ja," sagte Bollv „also sei es. Madam?, ich bin Fürsprecher für diesen ungebärdigen Pony. Morgen mit dein! Frü^uge reise ich wieder ab, heute lassen Sie uns die Freiheit schönen Menschtums genießen, blinder, entwerfen wir ein Programm! Die Sonne lacht wieder und alle Wetter sind fort. Velten, kommen Sie her, wir wollen überlegen, döach dem Frühstück wird auch die Erde wieder trocken sein; vielleicht können wir doch rvoch in den Wald." „Ach ja!" jubelte Annemarie. „In den Wald! Wir nehmen Butterbrote mit und eine Flasche mit Milck." „Pfui Geier," meinte Bolko. „Nein, es wird anders. Madame, wo ist die Anschütz? Ich wünsck>e zu acht Uhr ein Verlobungsdiner. Nach alten Regeln der Kunst, mit Finessen und Delikatessen; wird das möglich sein?" Annemarie bekam glänzende Airgen. Bolko gab ihr einen Klaps und sagte, sie sei ungeheuer verfressen. Aber die Madame wurde verlegen; ihre Härrgelöckchen hinten trübselig herab; sie knickste und erstattete Bericht. Es sei ein sctlwie- riges Ding urn das altergnädigst befohlene Diner. Indessen, sie wolle nach der Burgmühle schicken, man hoffe auf Karpfen blau; auch sei noch ein Hirsch rücken da, und ein Allstauf könne das Menü beschließen. Gegen den Hirschrücken protestierte Annemarie mit Lungenkrast wie im allgemeinen 182 gegen jegliches Wild; der Auftauf wiederum gefiel der fürstlichen Durchlaucht nicht. Es kam aber zu einer Einigung; Enten und Mustorte (eine Spezialität der Anschütz wie der berühmte Speckeierkuchen- schlugen die versöhnende Brücke zu allgemeiner Zufriedenheit. Nun mußte Beyfnß antreten. Bolko wollte dem Majoratskeller einen Besuch abstatten; Rheinwein solle die Tafel zieren, ein feiner Bordeaux und als Würze der Feier ein gut gekühlter Champagner. Bef diesem Befehl wurden Annemaries Augen sehr blank, und sie spitzte die Lippen. „Mie, sei nicht so namenlos materiell/' ries Bolko; „wenn man von Essen und Trinken spricht, kommt es wie Verklärung über dich. Das ist äußerst unl- fein. . . ." „Ach Hab' dich man nicht," erwiderte die kleine Prinzessin, seinen Gefühlen Zwang antun, ist Heuchelei und nod) schlimmer. Man sollte dich einmal bloß ein halbes Jahr lang hier einsperren, dann würdest du auch ein ver- klartes Gesicht machen, wenn Mustorte und Champagner in Aussicht stehen. . . Daraufhin sprach die Madame ein ernst mahnendes Wort, und der Programmentwurf wurde fortgesetzt. Bolko wünscht« für den Nachmittag eine große ' Revision: Spaziergang durch den Park, Besuch des Schlosses, Fahrt nach dem Gotzenberg und dann durch die Felder bis zum Vorwerk Himmelsleiter; dies war der Sitz der Administration, und Bolko gedachte sich dort einmal zu zeigen. Es schwebte ihm das als nötig vor oder wenigstens als an-- gemessen; der Rentmeister pflegte sich seinen Telegrammen um Geld stets außerordentlich unzugänglich zu erweisen, und tm hatte der Fürst ein Lächeln für ihn in Vorbereitung. < 1 lrmr ^ent Programm allseitig einverstanden; auch ^ost traute sich die Spazierfahrt nach dem Götzen zu, UA Otto sollte anr Nachmittag GnL des Hauses bleiben. „Versteht ftch, antwortete Bolko leutselig, und Annemarie schrie: ,,^zch hol' mir die Grete! Bolko, darf ich die Grete holen? . . ." _ f entgegnete der Fürst abermals mit großem Wohlwollen, und nicht nur das, ich werde dem Burgmuller^ ich werde Ihrem Vater, Herr Reschke, einen feierlichen Besuch abstatten. . . primKiS! 1eilte §^ße Freude sein, Durchlaucht," erwiderte Otto ehrlich „und wenn ich einen Vorschlag hinzufügen dars: sprechen Euer Durchlaucht bei dieser Gelegenheit doch auch gleich bei Pastor und Kantor vor — ich glaube die^ beiden alten Herren würden sehr glücklich darüber ^ .„,^?brsteht sich/' sagte Bolko zum dritten Male, und heimlich dach.e er: „daß dich das Donnerwetter. . . vied- Karte ÄgebenO^ ^ en Nusgedingeweibern meine bcr er blieb heute populär. Nach deni zweiteri Frühstück ging er nut Annemarie nach dem Schlosse hinüber. Die i^'^^ssln lvar glücklich. Sie setzte einen weißroten Helgo- ivtts Rrük,?? Kopf und hiUji sich NN den Arm 1ÄV . § ' ^"brend ne »nt ihm die grohe Platnnenallee chm'i,^ als sei ein Geheimnis zwischen $ benn'mm alt % n " fa,,0e " über,nÄe!/"E^k' i. DC 'Ä e l* s ift We Hauptschwierigkeit »ertm La re* an ^ 8 r l elDcf I n ' unb oor allem jotueii. x >o|t ist nur das Echo dieses großen Mannes Wkis Velten lagt, sagt Jost auch. Nun müssen wir d m König WffÄfW 1 ich denke das wi>-d m?t Hilfe -^ukel Herrfurthv nicht allzu schwer werden" „Und wann heiratest du dann?" „Vielleicht mt Winter, vielleicht erst im Frübiabr Mbe eine Imtge Brautzeit wenig schön. Aber da sprechen Wechergeschichten mit: der Trousseau Lilians muß erst fertig l,t beine Lilian schön! Laß mich doch mal nach Berlin kommen, damit ich sie kennen lerne!" wann'istO^ine Konfirmation?'"^^'' kleine. Sage mal. ftift ^^rn, und dann soll ich gleich in das Elisabeth-. |]LfÄ ann Onkel Herrfurlh ja die Idee mit der uns B^ol?o H?kdame haben möchte. Unter «ra paßt mir wenig. Denke mal, wie ich mich als Hofdame ansnehmen werde. Ich werde keine alärnende Roiel spielen. Ich vermute, ich werde da ungefähr unserm U^ahuenund überall Falten schlagen, auch im GeL >)ch weiß auch gar Nicht, wo ich das Geld dazu herkriegen soll; als Hofdame hat man doch allerhand Feste mitzrü- machen und Pracht und Herrlichkeit zu entwickeln." „Das wird sich schon finden," sagte Bolko, dessen Blicke rastlos umherschweiften. „Weißt du, Maus, unser Park ist doch herrlich. Der wird Lili-an gefallen. Mer erst niutz Ordnung geschafft werden. Das! sieht Mer toll aus. Na, wartet man. Ich fahre dazwischen. Habt ihr denn gar feinen Gärtner?" „Wir hatten drei, aber der Rentmeister hat sie entlassen. Der Gemüsegarten ist verpachtet, wir kriegen immer nur ein Deputat, aber wenn du denkst, Artischocken und sonst was Feines, irrst du dich. Salat zu Hausen und grüne Bohnen und sehr viel Kvhlrüben. Damit rann man mich lagen." „Und der Obstgarten?" „Ist auch verpachtet. Wes, was Geld abwirst, ist verpachtet. Der Rentmeister ist ein Ungeheuer. Ich habe einmal eine Melone entführt, die ess' ich so gern. Gleich kam eine Beschwerde und gleich ein Schreiben vom Rentamt: die Pachtungen müßten respektiert werden. Das Ende war eine Rede von Madame. O ihr Götter! Dabei war schließlich die Melone noch madig." „Na," sagte Bolko und hieb mit seinem Spazierstock eine ^erz durch die Luft. Weiter sagte er nichts, aber es lag viel rn dem Ausruf. Der Rentmeister war ein überaus pflicht- getreuer Mensch. Aber Bolko haßte ihn, er haßte besonders fernen kurzen, knappen, despektierlichen Stil und- am meisten ferne brevi manu*&enterfttngen: „zurück mit der gehorsamsten Meldung, daß die Kassen leer sind" oder „gehorsamst zurück mrt dem Bedauern, daß über die ein gelaufenen Gelder bereits verfugt wurde". Der Rentmeister hatte eine kleine zrerlrche Handschrift, und in jedem Buchstaben sah Bolko bte verkniffenen Augen 'des alten Rechenknechts und in sedem. Haarstrich eine boshafte Falte und in jedem Komma den grinsenden Mund. . . . Aber nun kamen ja andre Zeiten Gotternegg war zweifellos ein schöner Som- mersch. Bolko baute schimmernde Lustschlösser. Aus dem Park war mit geringer Mühe ein Paradies zu schaffen. Ein Putzend fleißiger Gärtnerhände konnten hier Wunder vollbringen. Auch der viereckige Schloßkasten hatte ziveifel- loy etwas Imponierendes. Er war durchaus nicht schön aber nicht ohne eine gewisse eckige Würde, die steife Gram dezza der Zopfzeit. Einen Augenblick blieb Bolko zu Füßen der großen Freitreppe stehen. Die Sandsteinlöwen rechts nnd lims sahen freilich arg mitgenommpn aus; Zeit und Regen hatten ihnen jedwede Majestät geraubt, in den weit aufgerl,jenen Maulern wucherte Unkraut, die verwaschenen Zuge erinnerten an Oberländersche Karikaturen in den „Fliegenden Blattern". Und auf der mittelsten Stufe der Treppe trieb lustig ein junger Ahorn zwischen den Steinen hervor und sprengte auseinander, was sich seiner kräftigen fügend wldersetzen wollte. Annemarie war behende die Stufen hinaufgesprungen, ihre Stieselchen raschelten im noch regenfeuchten Laube, das der Sturm über die ganze Treppe verstreut hatte, und auf einmal ries sie und deutete nach oben: „Sieh, Bolko, wie häßlich! Sieh diesen Sprung!" (Fortsetzung folgt.) Modeschau - Wohnungsschau. Von Paula Messer-Platz. Paß wir Deutsche es fertig bringen, nahe am „Zerschmettert"-, em, beinahe „ausg h mgert" noch eine Modewvche nut Au st l nna Vorträgen und praknAen Hebungen zu veranstalten,*) wird unfern Feinden em neuer Beweis unserer Barbarei" oM ^Modehäuser werden mit tiefstem Mißbehagen °uf dies völkerrechtswidrige Treiben blicken, denn es ist dock offensichtlich r h r „Recht", den Geschmack! und die Kleidung der wutschen Frau zu beherrschen. Wir aber freuen uns, wie man ich über die ersten Gehversuche seines Lieblmas rmit unb wir fühlens: wo so viel Eifer, da steckt auch eine Krait da- ^ tc äUT1 / ^kommen wird. Immer weiteren Kreisen ist ?° rben ' biner selbständigen Mode aus ^ - Politischen, ästhetischen und ethischen Gründen nrcichm Een'' ^ ° ^butschc dics Ziel auch zu. Haben wir unsere Kleidernwde bis jetzt aus Paris entlelmt I^^o-^^u^Eunst aus^ England. Und damit Mbt sich? zweites Ziel hnaus, tvert, fester ins Mrge gefaßt zu werden. Ter Wille^nach Selbständigkeit auch ans diesem Gebiete ist nicht erst *) In Frankfurt a. M. 2.-9. Februar 1916. 183 fctutdj den Krieg entstanden. Das beweisen die vorhandenen Ostungen unserer Ranmkünstler. Aber die hohe, innere Bedeutung dieser Bewegung ist noch viel zu wenig ins Mg em ein bewußt sein, yedrungen, der Einfluß der Umgebung auf die Seele des Menschen ist bei uns noch viel zu wenig gewürdigt und vielleicht wird erst der Krieg es vermögen, diese Würdigung durchgusetzen. Krieg bedeutet ja nicht bloß Errtbehrungen des Leibes, sondern auch der Seele. Mit eurem wahren Hunger nach Stille. Einfachheit, Harmonie und Schönheit werden Tausende in ihr Heim zurückkehren, und dies geliebte dies bedrohte, dies gerettete Heim vor allem wird es sein, f lhre Sehiisuchit zu stillen berufen ist. Vermag es das? Sind unsere Wohnräume erfüllt von jenem schlichten, kraftvollen und vornehmen Geist, von jener Selbstverständlichkeit des Zweckmäßigen, von iener Liebe zu deutscher Art, selbst wenn sie Eigenart iß, me unserer Heimkehoenden würdig genug wäre? Ein gesteigerles^Bewußtsein der eigenen Persönlichkeit sollte ^ in Zukunft unmöglich machen, einem fremden Land beherrschendem Eiiifluß auf die Ausgestaltung unseres Heimes zu gewähren. Aber nicht genug damit. Es muß auch bei uns wieder die Zeit kommen, wo nicht der ,,Dekorateur" unsere Norm verkörpert Und unser künstlerisches Gewissen. Mich in dieser inneren Frage dürfte das Motto lauten: nach Osten! In Teppichen, Stoffen, Schmuck und Kleidern fügen nur uns willig orientalischein Ein- flnß. Aber,wenige halten es für wert, darüber nachzudenkeü, ' £; an ™ wrr nicht nwhr dasselbe Feingefühl für Farben und Linien, ftir Gleichgewicht und Rhythmus besitzen, ivie sie z. B. die Sticke- ^ren einfacher, anatolischer Frauen bekunden. Hier gilt es vom Osten zu lernen, nicht bloß von der äußeren Erscheinung seiner Kunst uns anregen zu lassen. Es muß wieder die Zeit kommen, wo auch bei uns der ante Geschmack und damit die Sicherheit und der Mut zum selbständigen Wählen ein Allgemeinbesitz wird: wo es als Selbstverständlichkeit gelten wird, seine Wohnung sich selber anzupassen, der Besonderheit der äußeren Erscheinung, der Eigenart seines geistigen Wesens. Es darf jene innere Zu- sammengehörrgkeit nicht fehlen, die besteht, wenn beide, Menschen Und Möbel, Kinder einer Zeit sind. Das hohe Lied der Gegenwartsliebe, wo wird es heute schon hell genug gesungen? Der ^^sl^rischen Gegenwart! Ich spreche nicht von jenem kritiklosen Anbeten des ' Nochniedagewesenen, von jenem tradi- nonslosen Verhimmeln des Heute. Doch- wenn gerade die Stillen und Rerfen. sich dem Gestalten unserer Tage entziehen, woher soll es dann MgeWrtheit nehnien? Richtige Geschmackspflege wird aber zur Quelle feinster Freuden und damit zu einer Lebens- sorderung uitb* Erhöhung: sie kann zu tieferer Gesiltting erziehen, ste kann so nationale Pflicht und Vaterlands dien st werden. Ter niodernc Stil braucht Nachdenken und will nicht von. außeii her betrachtet werden. Das alte „stirb und werde" läßt si-w! atich hier verfolgen und ein verloren gegangener Instinkt will als bewußte Anwendung ästhetischer Gesetze Auferstehung i^l.crn. Der Grundgedanke der neuen Wohuungskunst ist die Zweckmäßigkeit in weitcsteni Sinne geirau wie bei deni konstruktiven Ausbau des Einzelmöbels, -ohne daß die Zivecknotwendigkeit in L?l.Ealr!trsches N u r - Zweckmäßiges zu versinken braucht. Jmmvr bleibt der Mensch Zweck und damit Hauptsache, und dies egozcn- ttische System ward die Kraft haben, alle Räume, ob sie der Ruhe, -vvvr* ^der der Erholung dienen, zu einer Einheit zusammen zuschließen. Man denke sich etwa ein Schlafzimmer, jenen Raum, der dem am frühesten das zielbewnßte Einrichten sich durchgesetzt hat. Hier muß absolute Ruhe herrschen und zlvar nicht bloß für das Ohr. Kerne phantastischen Tapeten, deren Linienwirrwarr bis in die Träume hinein grinst. Höchstens ein einfachs- bnntes Blumenmuster, dessen warmer Grund ,'anst überleitet zu der Heiterkeit weißer Möbel. Möbel mit stillen Formen, mit ausgeglichenen Verhältnissen, ohne Kanten und Ecken. Keine Stoffmud Dragieruiigsorgien an Tür und Fenster. Licht und Luft sollen überall Zntntt haben. Helle Vorhänge seien da aus hartem Gewebe, lang, herabfallend-, dahinter ein schwerer Tiefblauer, der aufgerollt wird mit dem Mantel der Nacht draußen und die dunkle Note und Ergänzung zu diesen! tickten, ruhevollen Lied gibt. Ein ernzrgcs Bild in schmalem Rahmen! Es werde aber nicht bloß verwendet als Farbfleck oder Raumgröße, sondern seine Einsamkeit muß gerechtfertigt erscheinen durch künstlerische Bedeutung und Inhalt, es must ein seelisches Erlebnis des Bewohners verraten und damit die Beziehung zu diesem als das Letzte und Wohltuendste des ganzen Raumes empfinden lassen. Nicht jedes Zimmer verlangt solche Zurückhaltung, obwohl ein Zuvrel an Kunstgegenstanden, Bildern, Nippsachen und Möbeln Uiw letzt noch weiiiger vornehm erscheinen wird als früher. Auch ist der moderne Mensch fthr sensibel für Massenemdrücke geworden und eine Hausung der Werte schlägt leicht über in eine Vermint deruim der Genußfähigkeit. Wenn aber irgend ein Ort, so soll dm- Zuhause wieder die Insel der Seligen" für den gehetzten heute werden,. die Zuflucht, wo sich der Wider« rlÄ mLÄ etliei i K^^bbens zwischen Erziehung zu möglichster Gleichheit und höchster Einzelrudividualität löst. Tiefes glückliche Geborgensein imrd sich in einem gut ein- gerrchteten Wohn- oder Arbeitszimmer bAnürs geltend ^ spüren: hier wird gearbeitet, hier wird abei auch ans Leben und Arbeit Genuß gezogen. Das ist eine Errungenschaft, so selbstverstärrdlich es klingt: denn arbeiten haben wir gelernt, aber genießen, schön, ruhig und bewußt genießend Man drängte nur vorwärts und „erledigte". Man scheute sich eine Minute zu verlieren und versäumte dabei das Leben. Auch hier werden wir durch den Krieg lernen. Bestätigt hat er uns die Notwendigkeit höchster Kraftanspanming und höchster Arbeitsleistung. Aber zurückrufen wird er uns von einem Weg des Ha,tens und Setzens, des Amerikanismus, des Aufgehens in Geschäft, Umtrieb und Arbeit. Wir werden wieder mehr nach Stunden der Selbstbesinnung verlangen, nach Mitteln, um uns und der kommenden Generation nicht nur materielle Werte, sondern klare freudige und gefestigte Menschen zu geben. In solch ein Arbeitszimmer gehören feste, entschiedene Möbel, die sicher aus den Füßen stehen, ohne sich deshalb ins Plumpe zu verlieren. Ms Grundfarbe herrsche etwa das wohltuende, gedämpfte Grün. Tie Stimmung wird noch vertieft durch dunkles, charaktervolles Holz, das ui ferner Verarbeitung die Schönheit des' eigenen Materials ohne sremden Schmuck und Ueberslüssiges zur Geltung bringt. Ein fröhlicher Farbfleck, vielleicht eine kräftig grüne Divandccke, nimmt die Gefahr des Niederdrückenden, Düsteren. Ein buntgemustertes r Vi eTl? Allerlei daraus, und Ernst und Heiterkeit wird in einem solchen Raum harmonisch ineinanderklingen. Besondere Sorgfalt muß wie immer der Wahl der Tapete zu gewandt werden. Sie soll so selbstverständlich ttiirken, daß sie , -IP? üepierkt zu werden. Hier das Richtige zu treffen, bleibt herkcl wie das Räalen eines guten Porträthintergrnnds oder der Kwuf eines neuen Hutes. Immer ist ein Stückchen Gluck und Zufall dabei. Die Klarheit und Ordnung, die das Lebenselement jeder Arbeit bildet, soll auch die Austeilung der vertikalen Fläche beeinflussen. Die Bilder seien nicht etwa staffelweise aufgehängt, sondern ein Wechsel von Verlangen und Erfüllung biete sich in der Verteilung der Schwerpuntte, ein großzügiger, klarer Rhythmus gehe über Möbel und Bilder und verbürge sich mit dem Gedanken an hm-monisches Vorwärtsschreiten, dem das^Arbeitszimmer geweiht ist. Eine lustvolle und damit das Wohlsein fördernde Umgebung ist vor allem auch fiir das Eßzimmer geboten, wenngleich seine Bestimmung em anderes Gepräge heischt als der Arbeitsrauni. Der große, runde Tisch mit beguemen Stühlen stehe behäbig und einladend da als Mittelpunkt, dessen Alleinherrschaft höchstens ou^'ch eilt gemütliches kleines Kaffeeeckchen gemildert werden darf. Da?, ^tto heiße hier: appetitlich! Darum keine allzu dunklen Mobei, keine düsteren Stoffe. Etwa ein graues matt glänzendes Holz, dessen Kühle das Element der Sauberkeit im Raum uoch verstärke Dazu müßten satte, orangefarbene Bezüge mit ein wenig schwarz wundervoll stimmen. Und welch' kösllicher Fries ,ollte dies Zimmer schmücken? Ein Kranz von sommerlich nachdenklichen Landschaften oder — schöner noch —: Büfett und sonstige Möbel, die eng an die Wand gerückt sind, mögen mit derselben zu eineni organischen Ganzen verbunden werden durch Einteiliing der Wände in Felder. In diesen aber blühe die Märchenwelt unserer Kindertage ans. Abenteuerlich schimmernde Vogel, icltfame Blumen und Früchte sieht man da, und feine Ornamente und Linien ziehen sich hindurch wie SchlinggewäcUe au> alten Waldbäumen. Eine geistreiche Stilisierung mit ihrer gesetzmäßigen Wiederholung würde die künstlerische Wirkung steigern. Denn nur jene Naturformen, die durch den menschlichen Geist ui Maß und Rhythmus gebannt ivurden, werden uns auf Dauer nicht langweilig. Je höher die Zeichnung hinan; gebt, desto lichter und leichter muß sic werden, bis sie ein gutes Stück unterhalb der Decke mit einem energischen Abschluß ganz dem V.ees; der Wand weicht. llmspielt wird dies alles von goldenem Sonnenlicht, denu das einzige, sehr breite Fenster ist nur verschleiert, Nicht verfinstert. Und stände noch ans seinem Sims eiu * Reche farbiger Hyazinthen in gleichartigen hohen Gläsern, wahrlich, dann liege sich in diesem Zimmer fröhlich und behaglich yr iimuuu uus auf, der int Hause der Geselligkeit und geistigen! Erholung vorbehallen ist. Er sei aber ja nicht jene berüchtigte -chute Stube" unserer Großmutter, die so selten wie das „gute Schwarzseidene" benützt wurde und so steif, kalt und feierlich war wie dieses. Er werde wirklich bewohnt: und die Stiminung, die über seinen Linien und Farben, über der Verteilung seiner Lichter und schatten, seiner Kunstwerke und Kostbarkeiten liegt, erzähle von seltenster Geschmacks Pflege und von einer Persönlichkeit, die Feste zu feiern versteht — nicht bloß, meint der Kalender sie an. gibt, sondern wenn Talent, Liebenswürdigkeit und Geist das Zusammensein znm Feste gestalten. Schon der Raunt an sich der rm Gegensatz znm Eßzimmer vielerlei Sitze, Nischen und Blander eckchen enthalten soll, muß in seinen Verhältnissen aufs feinste abgewogen sein Hat doch die experimentelle Psychologie fest- Usteltt, daß das Auge gerade für Proportionen besonders emp ftndlick is.. Wie für ledes Zimmer, suche man auch hier zuerst eme Grundfarbe, deren Gefühlsbegleittmg zusammeugehe mit dem "wem deo Raumes. Fast, unbegrenzt läßt sich dann dies Haupt motiv m Variationen ausschuueu. und schließlich bleibt nixi; die Ueberr-afchung der Komplementärfarbe für eine Vase. Stublbezug oder Lampenschirm ausgespart. Alles muß ausprvbierk. abge ändert und irneder ausempfunden iverden, bis es dastebt als eine innere Befriedigung für den zmu künstlerischen Sck-anen Erzogenen — 184 — und sowohl durch sein gefühlsmäßiges wie durch sein intellektuelles Werturteil bejaht werden kann. Was mir für ein Gesellschaftszimmer vorschwebt — aristokratisches Maßhalten selbst in jubelndster Lebensfreude — das ließe sich etwa in der Reserviertherrk einer lila Tapete und in dem Feuer dunkler, bei uns mit Recht bevorzugter Mahagonimöbel ausdrücken. Sie würden das gleichmäßige Deckenlicht in berückendem Spiel der Reflexe wiedergeben, sie müßten von innen und außen technisch vollkommene Qualitätsarbeit sein. Tie Stoffe und Teppiche sollten ein stilles Glül-en in sich tragen wie von Schönheits- und Lebensfülle. Hier wäre Raum für reizvolle Exklllsivitäten, für Gegenstände, die die Freude an der reinen Form ohne Berücksichtigung des Zweckgedankens erzeugt hat. Hier würde sich willkommen die aktuelle Tendenz auf's Exotische und Bunte einfügen, und hier ließe sich am besten die Einheit des Zeitgeistes mit Kunstform und Kleidung aufweisen. Einmal auf die tieferen Bindungen und Bedingungen der Mode hinzuweisen, ist notwendig. Sie wird von vielen verachtet wegen ihrer scheinbaren Zufälligkeit und ihres ewigen Wechsels. Diese sehen nicht, daß ihre geheimste Triebkraft in Verbindung steht mit ber ganzen Denk- und Arbeitsrichtnng der Zeit, und daß Fluß und Wechsel ein Gesetz der dllrtur ist. Wer in Geschmacksdingen nur nicht allzu unbeweglich ist. der wird auch hinter dem Schleier des oft Absonderlichen die Züge der Schönheit entdecken, der wird eine neue Freude darin genießen, zu beobachten, wie ein! neuzeitlich eingerichtetes Zimmer der voll kommen sie Rahmen für eine modern gekleidete Frau wird; für die heutige Mode mit ihren orientalischen Reminiszenzen urä> ihrer einfachen Linie, die sich in der edlen Schmucklosigkeit der neuen Möbel wiederftndet. Ter Salon ist das schönste, zugleich auch das gefährlichste Zimmer. Nicht bloß, well hier mll Mund und Augen am meisten geplaudert wird, sondern weil der Raum selber redet. Er verrät! am schnellsten die Leb«isauffassung der Bewohner, verrät, ob sie wählerisch zu sein vermögen bis zum äußerstem, oder ob für sie über die Schönheit eines Raumes das ausgewendete Geld, nicht der aufgewendete Geist und Geschmack entscheidet. Dieser Raum zeigt am deutlichsten, wie weit das geistige Niveau dessen, der ihn geschaffen hat. über der Durchschnlltsbildung steht. Ost findet man z. B. einen Reichtum, ja Luxus der Möbel, aber an Plastik oder Malerei ist nicht ein einziges künstlerisches Original zu entdecken. Kann aber Uebereinstimmung nicht ermöglicht werden, so sollte das Verhältnis lieber umgekehrt sein. Mit all den' heißen Bemühen um ästhetische Erziehung smd wir noch nicht so weit wie das Deutschland vor kaum hundert Jahren. Dort lebte selbst in der einfachsten Bürgerfamilie die Sechrsucht, die meistgeliebten Manschen in guten Bildnissen zu verewigen, und man legte sich Opfer auf, um diesen Wunsch verwirklichen zu können. Mit Recht galt solch ein Besitz fast als Zeuge für die geistige Kultur einer Familie, denn der Hunger nach Schönheit ist auch ein Blldungs, maßstab. Uns Menschen der Gegenwart kehrt nur langsam das Verständnis dafür zurück, daß der Mensch nicht allein vom Brote lebt, sondern daß Kunst, daß Schönheit überhaupt Lebensbedürfnis sein kann. Eine Art innerer Schönhell, ein gewisses Beherrschen und Darüberstehen ist es auch, was den Reiz richtig gestellter Möbel bildet. Schrank oder Tisch darf nicht als Einzelnes, ohne Zusammenhalt mll dem übrigen sein, sondern muß mit anderen Gegenständen, oder mit der Wand ein Ganzes ausnrach-en. Etwa durch ein Blld, dessen Form und Anordnung plötzlich Geschlossenheit in die scheinbare Willkür bringt. Tenn wie das Denken nach Komplexbildung strebt, so auch die Anschauung. Das modern geschulte Äuge liebt Gruppen und durchsichtigen Aufbau, wie der geschulte Intellekt, ja das Genie sich darllr bekundet, daß es überall Zusammenhänge entdeckt, daß es Welt und Leben zu einer geistigen Einheit verbindet. Die Synthese, das große Gesetz des Geisteslebens, ist der gemeinsame Grund von scheinbar Verschiedenstem: von der uralten Freude am System, vom Suchen des Menschen pach seinem Platz im Weltganzen jund — von der Befriedigung, die eine harmonisch geschlossene Möbelgruppe gewährt. vermischte». * D er Apotheken- Patriotismus in Frankreich. Nun sind auch die französischen Apotheker von der Epidemie des Kriegschauvinismus gepackt worden. In dieser Zeit der blinden Deuts cheniemdlichkeit sind die französischen Apotheker auch wirklich in einer besonders peinlichen Lage: man bedenke, daß die meisten, beliebtesten und unentbehrlichsten pharmazeutischen Erzeugnisse deutschen Ursprunges sind! Muß es einem patriotischen Pariser Apotheker nicht das Herz brechen, daß er gezwungen ist, sich solcherart mit Produkten zu beschäftigen, die sozusagen im Lande der Boches geboren wurden, Früchte der Geistesarbeit deutscher Gelehrter sind? Von diesen Erwägungen ausgehend, faßte die Pariser Apothekergilde sich nach langem Nachsinnen endlich ein Herz, um auch ihrerseits vor der Oeffentlichkeit das Bekenntnis ihrer schrankenlosen Franzosentreue, will heißen bis zur Unsinnigkeit gesteigerten Deutscheuseil,dschait, abzulegen. Die in Paris erscheinende „Ehronique pharmaceutique" bringt also den Vorschlag, die in Deutschland erfundenen oder gemischten Medikamente durch Abänderung ihrer Namen in französische Endungen zu jener Würde und Löblichkeit zu erbeben, die sie dem französischen Bürger ihrer Meinung nach erst richtig genießbar machen soll, ohne daß ihm ein bitterer Nachgeschmack auf der Zunge zurückblerbt. „Was ist einfacher/ schreibt die geistig scheinbar völlig aus dem Gleichgewicht gekommene Redaktion des Apothekerblattes, „als die Endsilben dieser Medckamenten- namen, der Zeit entsprechend, auf echt französische Weise um- zuwandeln? Weg mit den Worten Veronal, Sulsomal, Helmitbol! Von nun ab sollen sie nur noch Verofrance, Sulfofrance, Helmi- ftance heißen l Dies soll genügen, um sie für unseren Gebrauch zu reinigen, und es wird nicht schwer sein, diese neuen Bezeichnungen dem Gedächtnis etnzuprägen und so in dre Aerzte- und Laienwelt einzubürgern" . . . Dieser weise Vorschlag ist das neueste Symptom einer psychologischen Erkrankung, die der Krieg in Frankreich hervorgerufen hat. ES ist ein Leiden, das nran sinngemäß als die Buchstabenepidemie bezeichnen könnte. Die Krankheit begann mit dem Buchstaben ,K". Nachdem eS den französischen Philologen geglückt war, festzustellen, daß die in Frankreich berühmt gewordenen deutschen Worte „Kultur" und „Kolossal" mit einem „K* beginnen, wurde diese Entdeckung von den Zeitungen, Schriftstellern, Revue- Verfassern, Brettlsängern nach allen Richtungen ausgebeutet. Schließlich kamen besonders pemltdje Patrioten auf den Einfall, daß man in den wenigen französischen Worten, in denen ein „K" vorkommt, dieses durch ein „QL" ersetzen müßte. Selbst bei den Nainen der berl'chmten französischen Generäle Kellermann und Klsber wollten diese Fanatiker sich nicht beruhigen. Nun werben auch die Endungen „al" und „ol" der pharmazeutischen Bezeichnungen auf den Index der Barbareien geschrieben, um durch „irance" ersetzt zu werden. Wahrhaftig, die Franzosen scheinen wirklich stärkender Medizin zn bebürfei, ! - vüchertlsch. — Die Septemberschlacht 1916 in der Champagne bildete einen der bedeutsamsten Abschnitte in dem zähen Ringen an der West-, front, das in dem gsgenwärtigen Kampf um Verdun offenbar seinem Höhepunkt entgegengeht. Wie ein als Kvmvagnieführer mitten im Schlacytgetösc stehender Kunstmaler diese grandiosen Kämpie gesehen hat, geben drei in der neuesten Nummer 3795 (Kriegsuunv, mer 86) der Leipziger Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber) farbig reproduzierte Momentbilder wieder, die der Urhcker uirmittelbar unter dem Eindruck de- gewaltigen Geschehens gemalt hat. Einen trotz ausgiebiger Vorbereitung mit tagelairgem Trommelfeuer glänzend abgeschlagenen französischen Sturmangriff schildert, ebenfalls auf Grund eigenen Erlebens, ein unter dem Decknamen Hans Horsten schreibender deutscher Major in einer packenden Plauderei „Zwischen den feindlichen Gräben". Der Zeichner Fritz Grotemeyer bringt reizvolle Motive von: Kriegsschauplatz in Flandern, Josef Correggio aus Russisch- Polen. Richard Asgnann, der den serbischen Fesdzng mitgemacht hat, führt uns eine Szene aus den Straßenkämpfen in Belgrad vor, Albert Gartmann, der gsgenwärtig als Sonderzeichner in Maze^ donien weilt, ist mll einem eindrucksvollen Bilde vom Babuuapaß,' sowie mit Genreskizzen aus Sosia vertreten. Felll Schwormstädt verrät seine Mjeistersck>aft in einer lebendigen Zeichnung „Auf dem Gefechtsverbandsplatz eines Linienschiffes". Auf allgemeines Interesse dürfen auch fünf farbig wiedergegebene Kriegsbildcr nach Gemälden der Prinzessin Mathilde, der Schwester des Königs von Sachsen, rechnen. Kurt Hassenkamp zeigt ein deutsches Unterseeboot im Kampf mit einem bewaffneten feindlichen Handels- oampfer. Zum Wechsel in der Leitung des ReichsmarineamtS nimmt Kontreadmiral z. D. Schlieper in einem Artikel Stellung, der mit vorzüglichen Porträten von Tirpitz und Cchielle ausge- stattet ist. Dem zehnjährigen Bestehen des Kaiserin Friedrich- HauseS in Berlin ist ein illustrierter Bellrag gewidmet. Die historischen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Balkan würdigt Professor Dr. Felix Rachfahl. Wie es „unter der Front" aussieht, d.h. bei den Minierern, schildert fesselnd Oberleutnant Hans Schoenfeld. Eine anziehende Novelle vo« Berta Freifrau von der Goltz, in der der Austausch der Schwerverwundeten mit feinem Emzfnden behandelt wird, v« vollständigt den re chen Inhalt) der neuen Nummer. - Zahlenratsel. 128456789 10 10 Deutscher Osterwunsch. 2 6 10 2 Ein Vogel. 8 6 7 7 10 9 4 Feindliches Land. 4 8 2 7 4 2 6 Stadt in Deutschland. 6 3 6 2 Ein Gefäß. 8 2 8 1 2 6 Körperorgane. 7 2 4 9 6 Französische Stadt. 8 9 7 9 6 Ein Vogel. 93426626 Ein Gebirge. 10 5 6 9 Eine Göttin. 10 9 b 7 Ein Ungeziefer sL 8.) (AuflZn nächst. 0k.) Auflösung der Königspromenade iit voriger Nummer r Wie rühm' ich diese beste Welt von allen? So rühm' ich sie, daß sie erschaffen sei So schlecht als möglich, ohne zu zerfallen; Um ein Haar schlechter, und sie ging entzwei. Rückert. Schnstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck »nb Verlag der Bruhllchen UniversitätS-Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen.