Mittwoch, drn 22. März j : 5r : ► ifr * *» .Ml ' ln Lq -g Q «krgBfc fj RA? \ Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (.Fortsetzung.) Eine gewisse Verlegenheit zeigte sich auf Bolkos Gesicht. „Onkel," erwiderte er mit unsicherer Stimme, „so war es nicht. Ich habe mich vorhin wohl nur falsch ausgedrückt. Nicht von der Fürstenwürde sprach ich, sondern von dem Titel Durchlaucht. An der „Durchlaucht" liegt meinem Schloiegervater. Das konnte ich beruhigt versprechen. Verstehst du?" Der Herzog nickte; seine Züge wurden hart. „Ich glaube zu verstehen, .Bolko. Dir hast dich ein wenig gewunden aus gedrückt. Du wähltest deinem Herrn Schwiegervater gegenüber eine rabulistische Umschreibung. Er meinte den Titel Fürst und d u sprachst von der Titulatur Durchlaucht. Doch das ist deine Sache und seine. Wir müssen zu Ende kommen. Ich stelle mich auf den Boden des Gotteru- eggschen Hausgesetzes; das nruß ich als Vormund Josts. Darüber, daß du eine unebenbürtige Ehe zu schließen im Begriffe stehst, ist kein Wort mehr zu verlieren. Mer es ist richtig, Laß du hich mit Jost einigen kannst und daß der Kaiser zweifellos in Anbetracht der Verhältnisse diese Einigunjg sanktionieren wird. Wie denkt Jost über diese Frage, Herr von Velten?" Der Kandidat erhob sich. Sein Blick traf Bolko und glitt über ihn fort durch das Fenster und durch das sich färbende 'Grün des Ahornbanms. Es lag ein eigener Ausdruck in diesem Blick, etwas Weltsremdes und Schwärmendes. Aber es war doch nur ein rasch verfliegender Glanz, ein Reflex der Seele, der im Augenblick wieder erlosch. Mit schwerer Stimme antwortete Velten: „Durchlaucht, ich hätte dem Prinzen Jost gern ein persönliches Eingreifen in diese Verhandlung erspart, ich kenne seine leichte Erregbarkeit. Mer so wie die Angelegenheit liegt — und nach den Aufklärungen Seiner Durchlaucht des Fürsten Bolko traue ich mich nicht, eine Entscheidung für den Prinzen abzugeben. Gewiß — er hat mich autorisiert. Wir haben oft genug über den Gegenstand gesprochen. Wir haben unsere Ansichten ausgetauscht, Uiid ich weiß auch, wie der Prinz denkt. Trotzdem möchte ich gehorsamst bitten, ihn persönlich hören zu wollen . . Der Herzog schaute Velten mit großen klugen Augen an: es war, als forsche er in dessen Gesicht, als suche er nach einer verständigen Antwort auf eine heimliche Frage. Dann erhob auch er sich iind reckte die vonl Sitzen steif gewordenen Glieder. „Einverstanden," sagte er kurz: „haben Sie die Güte, Jost zu benachrichtigen. Herr von Velten. ..." 5. Kapitel. Von einem Fürskwsohn, für den die Krone zu schude ist, und von näher gerückten amerikanischen Hoffnungen. Der Besuch des Herzogs hatte die Hausordnung etwas verschoben. Während Anne-Marie an Stelle der fälligen Klavierstunde unter der Obhut von Madame ein Kapitel aus einem englischen Jugendroman übersetzte, war Jost den Vormittag über frei und konnte sich Otto widmen. Die beide« hatten sich in Josts Studierzimmer zurückgezogen, das dicht unter dem Mansardendach lag: eine „Studentenbude , wie der Prinz sagte, ein großes behagliches Gemach, die Wände bis zur halbschiesen Decke hinauf mit Büchern tapeziert und das dreiteilige Fenster tief eingebaut. Hier stand der Arbeitstisch des Prinzep. „Komm her, Otto, und schaue hinaus," sagte Jost. „Ist das iiicht ein famoser Arbeitsplatz? Früher wohnte ich unten, nebeir dem Zimmer Aunemtes. Mer enttveder grölstte die Mie, das heißt sie sang Lieder, und du fälltest nur hören, wenn sie singt: jede Note falsch und dabei mit entsetzlicher Lungenkraft — oder sie lief alle Augenblick zu mir herein, um inir eine Dummheit zu erzählen, oder sie deklamierte. Das war die Höhe der Schrecken. An die Gedichte vom alten Frnndsberg und von Kaiser Karl in St. Just kann! ich gar nicht mehr denken, ohne daß es mir ka.lt den Rücken hinunterläuft. Da habe ich mich denn hier obeii festgesetzt. Hier habe ich Ruhe und schöne Aussicht. Ist der Rundblick nicht wundesvoll?" . ^ rj .. Otto trat an das Fenster. Der Prinz hatte recht: die Aussicht war ganz prächtig. Die Mansarde war hoch- Unten dehnte das wogende Wipfelmeer des Parks sich aus. Hre und da waren schon blaßbunte Farben über das Gri'ni gesprenkelt: das Rot der Blutbuchen leuchtete in dunkleni Rubin; die schwarzen Donglaskiefern reckten ihre Spitzen, über den Btantannen lag es wie Frühfrost, wie ein Schillern von Reif. Vom Schloß war nur eine graue Ecke zu sehen mit einem rotglühenden Fensterauge. Aber weiter- t)tu tat das ganze Tal sich auf: drüben der Götzen irn Kranze des Nadelwaldes mit den Ruinen der alten Burg: das dunkle Band der Tannenforst im Halbkreis gezogen und lichtgrün punktiert, da wo Birken die Lisiere einfaßten: die blaue Flüche des Brachsees und das steife Ziegeldach der Bnrgmülste, dahinter das Dorf in langer Kiirve bis an den Fuß des Gotzenbergs. Und über dem Ganzen ein lachni- des Blau, ein strahlender, sonnenheller Himmel, die köstliche Lust eines klaren Herbsttages. „Fein," sagte Otto. „Ach, du — ich wollte .mein Berliner Studierzimmer böte eine ähnlick)e Aussicht! Du bist eigentlich zu beneiden, Jost. Dil sitzest in einer wnndervotleit Natur, und höchstens ein Fink stört deinen Frieden oder ein lockender Pirol. Du kann lnan scholi arbeiten! Und bu arbeitest zn viel, sagt die Prinzessin-Schtvester. Ist das wahr? Annemarie sagt das nicht allein; auch Seine Gestrenaen Herr Behsuß behaupten es. Soll es mm wirklich ins Abi- turiunt gehen und dann kopfüber in die Germanistik?" 166 ,,Fns Abiturium ja. Otto, es ist die höchste Zeit für Mich; ick hätte es schon vor zwei Iahten hinter mir haben sollen. Aber man verpimpelt mich bodenlos, auch Velten. Da heißt es immer, ich dürfe nicht stundenlang am Schreibtisch sitzen, und Velten reißt mich mit Gewalt in den Park und läßt mich im Walde Kiefernluft schlucken, und oft oars ich tagelang nicht an die Arbeit denken. Und schließlich, was habe ich weiter am Leben als die Freude am Studium? MH elender Knirps kann nicht Soldat werden, und wenn ich überhaupt die Universität besuchen darf, werde ich vom Vivat Academia wohl herzlich wenig kennen lernen. Otto, e§ ist greulich. Wenn ich nicht Belten hätte! Ich zittere bei dem Gedanken, daß er einmal fahnenflüchtig werden könnte." „Das wird er nicht. Cr hängt viel zu viel an dir — an euch allen." „Ja — er ist un§ ein lieber Freund, Otto. Mer — mem Gott, soll er denn sein Leben bei uns vertrauern? An seine eigenen Studien kann er gar nicht mehr denken; seine Tage gehören mir und der Armemarie. Und was bieten wir ihm dafür? Ein jämmerliches Gehalt, und ich taxiere, auch das. ■ Er brach ab und sprach den Satz nicht ans. Er stieß das Fenster ans. rückte «inen Lehnstuhl an die Nische M>d bat Otto. Platz zu nehmen, wählend er sich selbst aus jÖ n * Ecke des Schreibtisches setzt«. „Ach, Otto, das verfluchte M d!" fuhr er fort. „Unten sitzen Onkel Herrfurth, Belten, , 0 L!?, konferieren darüber, ob eS angängig ist, für unsere Mtrstenkrone neuen Goldglanz aus Amerika zu holen. Wie mich das anwidert! Ich habe Velten erklirrt, er möae an meiner Statt r»en; ich will von dem Schacher Bolkos nichts wissen; ich will nicht — bis an den Hals heran steigt mir der Ekel vor dieser Heirat!" . . £9° schote ernst in das sich fiebrig färbende Gesicht deS Prinzen und schüttelte dabet langsam den Kopf. ‘ ' übertrethst Jost," sagte er. „Der Zufall hat Nih Simpson in Berlin kennen lernen lassen. Sie ist eine o große Schönheit, daß ich die Neigung deines Bruders ver- in Fehler?" ^ ^ch ist: was schadet das? Ist daö 1 8ch weiß, wie jammer- Verhältnisse liegen. Ich kenne die äiröHe unseres ^Naße Jost. Verzeih mir; aber wäre ^.ber Fall, dann würde dich die Verlobung Bolkos wahrscheinlich weniger aufregen." ' Ä1 ,a "^bber Freund, du urteilst von deinen: Standpunkte aus. Was würdest du sagen, wenn deine Schwester Grete einen verkommenen Aristokraten heiraten wollte, nur um Lich Frau Baronin nennen zu können?" iä > «ntschieden dagegen fein, das ist selbst- tinfn an- rL**” ?? ^ nnte r ^ id> aud) ereignen, daß Met« einen Aristokraten lieben lernt, der ihrer würdig ist; und i« ÜAm Falle würde ich, käme es auf meine Enischeiduna "e.ln sagen, um einen Trumpf auf mein demokraiö *** Mp?*- Biellieber Fast, ich glaube, sich LÄ' dich so aewalng entrüstet. Es ist d?,s Gefühl, daß «2 *° r ei S C K tei ki "Bernunftehe" schließen könne. Er verkauft 4^5 Hatz" bU b t ' ® U b€nfft - nid>i dar»", daß er auch ein asÄ« fers» OTtfel Herrsurth weiß Bescheid." //Soft, ich will dir nicht widersprechen. Ick denke nnrg YZ daran, den Leichtsinn Bolws zu verÄdigen We^ itb bu J\ ur ba§/ lö ' a ^ bn gelegentlich höirst. Im übrigen — lieber Himmel, du sagst ja selber daß dir eure traurige Vermögenslage bekannt ist! Tatsache ist daß euve Verhältnisse Ini t ff B M.Essern wenden würde. Ich denke darin ganz küßt ^m^ n -A ttr ?. ^£^lfen. An deiner Stelle, Jost ^wtirde sff Tbemm\f b en,^ VMUna Luders Äen statt ^ Der .Preßte einen Augenblick die flachen Hände als wolle er einer anfsteigenden Mi- arane wehren. „Freuen — nein, Otto, das kann ick nickt btTt kern Narr der Pietät, aber ich hänge dock, mit taufend Faden an der Neberlieferimg. Verlache das, du hast das Recht dazu. Wer ist diese Miß Simpson? Viel- letcht begann ihr Vater seine Laufbahn als Setzer junge! ^?^o,n-Bennett oder als Stiefelputzer wie V ander- bilt; vielleicht ist ihre Mutter irgendwo hinter dem Zaune geboren worden!" gleicht," antwortete Otto. „Jost, mir ist in diesem Augenblick, als tue sich eine weite Kluft zwi chen w ^^^he dich nicht. Hättest du gesagt: vielleicht stch Mr. ^wmpson sein Vernrögen durch einen Sclnir- kenstreich erworben — ich würde kein Wort entgegnet aben. Mer daß du, der du selber die Arbeit liebst,'mit sprichst, das dünkt mich ebenso unbegreiflich, alv hättest du die Armut geschmäht, wo mich du arn: bist und weißt es und fühlst es> ]h Jost sprang empor und streckte Otto die Hand entgegen. Es flannnte e:n helles Licht in seinen Augen auf. „Verzeih xu ^rzeih mir, Otto," rief er mit vibrierender Stimme, ich bin so nervös, daß ich.Ach, Liebster, könntest du nur m meine Seele schauen! Nein, ich verhöhne die Arbeit nicht: ich eta sie in jeder Gestalt — aber ich ehre sie nur, wenn lle Ehre verdient. Versteh mich doch recht! Kennst du den ... kwEungsgang der meisten dieser amerikanischen Milliardäre? Gewiß, auch ihnen ist die Arbeit alles — sie arbeiten jedem Nerv; ihr nugeheurer Fleiß ist ihre größte Tugend. Mer ihre Arbeit ist keine ehrliche — hundertmal nein! In einem halben Menschenleben lassen sick Millionen aufhänfen, wem: man nicht 'k?Aellos dabe: zu Werke geht. Und so erklären sich auch die maichenhaften Reichtümer aller dieser Leute; ihre Skrupel- lostgkeit slchert ihnen den Erfolg; sie bilden Truste und rui- Wohlstand Tausender, um die eigenen Taschen zu fte sllehen rhven Nutzen aus dem Ungllick der Neben- ?)buschen, ihre Lllbert ist die der Parasiten,^ die in: leben- das ss Sichst du. Oito, das ist's, was mir das Herz beschwert. Bolko m seinem Leichtsiiin denkt rcicht darüber nach, woher das Gold der Simpsons stammen könne- er nimmt nur. Ich bin schwerblütiger, ich grüble gern, ich 8ÖL EM k^alen Gedanken nicht aus dem Wege. Und das Bewußtsein, daß die Gotterneggs eine neue Blüte ibres Hauses spekulativem Yankeeraffinement verdanken sollen, machen?" mid> wahrhaftig, das kann mich verrückt Er stand mit roten Wangen vor Otto und knirschte mit .Otto sah ihn an und überlegte: ist diese leichte Erregbarkeit wirklich ll:ankhaft oder nur ein. Mauaei Beherrschung— Er nahm wieder die Hände Josts, die ""d he*ß anfühlten, und erwiderte mit seinen blwdringlich klingenden StiNime: „Jost du mußt dich nicht so gehen lassen, du mußt mehr Selbstdisziplin it so ganz auf dich allein angewiesen bist" ' ® „Ich habe Velten." (Fortsetzung folgt.) Auf dem vrilnshofe. SkiM von Alfred Manns (Bremer,). (Nachdruck verboten.) . ste dageftanden," berichtete der alte ^^?ing, ^d-er Briefträger, jebem im Tors, der es wissen „ordentlich Unheimlich ist ncir das gewesen, aber aemniit AiläE A^btig resolutes Frauenzimmer ist das."' H' a l?/ ant Sophie war Lürking Vater oer erste ^ark denn Behagen des Erzählers besonders ^.nsbä?l?in^ Cme nm ^ Mutterlchwester per hier kam der Hiohsbote nicht auf seine Kosten Die Alle brach keineswegs in Janimern und MMagen aus, une 107 bU lange Reihe der Unbeteiligten. Die sagte nm: „So," und m Itibn ihre lange Hackemmse noch krauser als sie ohnehin schoir ttm, während in ihren Angen ein Zug spielte, den man niM ohne weiteres als Trauer ansprechen konnte. „So, der B-rün Bruns Ist gefallen." „Weiter sagst da nichts zu?" warf der Briefträger ein klein wenig entrüstet em. „Was soll ich da groß sagen. Lürking .Vater? Sterben müssen wir alle, Und wenn einer das für sein Vaterland tun kann, dann ist das was Gutes." Ter Postbote zuckte die Ach,sehr und ging. Er war ärgerlich, venn was dre Alte sagte, waren genau die Worte, mit denen er sre hatte trösten wollen. Tant Sophie aber begab sich schnurstracks aus den Brunshof. mnge kraftvolle Bruns Anna hantierte umher, als ob nugts geschehen ser. Nur ein aufmerksamer Beobachter mochte eine Stergeruna des der Bäurin eigenen stillen Ernstes bemerken k leicht auch noch etwas wie eine suchende, unsichere Nach- bwflidjfett, die sonst nicht # 1 : ihrem Wesen gehörte. Tant Sophie fah sich Um, und als sie die Gewißheit hatte, i-ofci niemand sonst in der Nähe war, w'crrf sie die Maske ab. . „Ich Hab' ihm das gewiß und wahrhafttg nicht gewünscht, Srwtn Teern, aber nun, wo der HimM'el das so gefügt hat, sag' ich daß- er das gut mit dir meint." Tie Bäurin aiitwortete nicht, sie arbeitete Weiler. Tie Alte beobachtete sie scharf. , -Mußt dich nicht verstellen, Anna, vor mir nicht, ich weiß, wie das m drr ausfteht." Erregung und Zorn roten Wangen drehte sich die Bäurin hastig um. „N^ürlich!, das sollst du wohl wissen. Bor der Hochzeit Hab' M-s Michr ja gesagt, daß ich den Brün Bruns nicht heiraten kann Mer weil ich noch ein Kind-war und ohne Eltern, da hast du Uno OHUi Gerd mich Hern mgekr legt. Brüii hat Vater mal aus fchlinimer Not geholfen, habt ihr gesagt, und Vater hat geiuollt, M '^"^uii heiraten, und ernem toten Vater muß n:an gehorchen. Ja das habt ihr gesagt und ihr habt euch nicht an meine Tränen geehrt. Ich weit; nicht, ob das wahr ist mit Vater, aber daß euch darnals mächtig viel daran gelegen war, daß ich den reichen Brün Bruns heiratete, das weiß ich jetzt nachgerade für gewiß " Tant Sophie lachte halb verlegen, halb vertraulich. Aer"; da tust du uns unrecht. Wir hielten das dauials Ktn Glück, wir konnten ja nicht wissen, daß Brün Bnins so mir schlechter Mensch ist." T« Müg die Bäurin mit der Faust auf den Tisch, baß die Tassen klirrten. „Und wenn du auch meine Tante bist: das lügst du. Brün ist Nie em schlechter Mensch gewesen " wurde auch' die Alte falsch. Sie stemmte beide Hände in die Hüften. „So? Na, dann bist du wohl schuld daraii, daß du so Unglücke LZ ^worben bist denn wenn er so ein Prachtkerl war, Hütte sich das bißchen Lrebe wohl gefunden. Oder nullst dein Unglück ableugnen? Sieh mir mal in die Augen und dann sag' mal, daß du ihn wieder lebendig, daß du ihn wieder hier Haber: ruächtest " Mnas Zorn war verflogen. Wie ein Mchlgespenst huschten die wer langen trostlosen Jahre ihrer Ehe an ihren: Geiste vorüber. Ern Schauder ergriff sie. „Nein, nein, nicht wieder," murmelte sie, wie zu sich selbst - r mL5 0p ^w C urcht im entferntesterr daran dachte, die ^lchie ernstlich zu erzürrren, stieß sie schmunzelnd in die „ wohl, jetzt bist du schon wieder vernünftig, Und dann weiß noch lemand, der sich über Brün Bnms seinen Tod auch zu trösten weiß-- —" ein unsagbarer Ekel an, aber sie war so niübld Aotzlichl, so kraftlos an Leib und Seele wie noch nie im Lebe:: Sie wollte heftig werden, aber sie konnte es nicht ,,. # f«/ „tu mir die Liebe an und geh' letzt uuch HailÄ.^ Grete fall dir em Pfund .Butter geben " Tiie Alte Nickte zufrieden und verständnisvoll. „Ja, ja. ich geh In so was da muß sich eins erst fhrden." . XL, ^ rt tvar setzte sich die Bäurin und stützte dei: Kopf in die Hand, dann holte sie ans der Tasche den Brief hervor und las: ~-riß ihm das Bein ab. Sterbend verließen wlr chn wir konnten ihn nicht mitnehmen, da >vir vor lieber -1 Mattst eilig zurück mußten. Biele unerschrockene Männer hat die Kompagnie, aber eine derartige Todesverachtung, wie sie Brüii Bnins vom ersten Gefecht an zeigte, ist doch selten-" ilima ließ das Schreiben des Oberleutnants finfen M bu«h.chr Hirn. Sie fühlte sich unsagbar Ä. 1 filt de» ">os!.-n, willens-, Irf rar &v r!” 1 ,?aßte da änch' gar nicht. Tas war ihr In ^ Za"« nichts zu tun nnt der Erinnerung Äilif !!! sie an Brüns Seite geführt hatte. ^ |T 1ie ' es so kam. Sie hätte Ml Brüns Rückkehr nicht ertragen, sie wäre fortaeaanaen irgendwohin, vielleicht in den Tod. Nein, es loar gut so. Aber dieses sonderbare yeAbeklemmende Gefühl? War «S dav natürliche G«rauen vor der Näh^ des Todes? — — _ . /ölenden Tage gina Anna still und unstät umher. Ter sollst so fleißigen Banrm wollte keine Arbeit von der Hand gehen Ml 'ah sre Nicht, wenn hier oder dort eine der Mägde einest Fehler oder Nachlässigkeit beging. Tav war etwas Besonderes, und das Gesinde schüttelte per- den Kvpf. Mle wußten, daß der Bauer und sein Weib Nicht miteinander, sondenl nebeneinander gelebt hatten, wenn es auchl Niemals Streit zwischen den beiden gab. Böse Zungen munkelten allerlei, aber Tatsächliches wußte der Wüsste ‘mb Undlgste nicht. Weder Brün noch 2» lie Rt .l lc 5'- etruciS M schulden kommen, das irgend jemand zu einem verständnisvollen „Llha" veranlasse konnte Zwei Wochei: waren seit dem Eintreffen der Todesnachricht .vergangen und nichts hatte sich in dem träiimerischen W«eseii de Baunn geändert, es schien sich im Gegenteil noch- vertieft zu haben. , . Tsmt Sophie, die ihre guten Gründe hatte, sich nicht allziioft in me Tinge der Nichte emzumischen, hielt es nun nicht länger ans. „Hör mal, Anna," sagte sie, ,',der Unfug, der muß jetzt ein Ende nehmen. Bis soweit ist das gut. Ein bißchen Trauer spielen, das gehört-sich so, das verlangen die Leute, aber allzu schlimm mUtzt du das Nicht treiben, denn alle wissen, wie du nirt Brüst gestanden hast. Mir ist das zu nahe, wenn sie dich als Komö-t orantin angucken. Und das soll wahr sein, wenn ich nicht mehr wußte als all die airdern, ich tät selbst irre werden, so gut spielst du deine Trauer." Mit weit aufaerissenen Augen starrte Anna die Alte an Ans ihrer ganzen Haltung sprach ehrliches Staune::, so daß Tant Sophie ernstlich- verwundert den Kopf schüttelte. „Tu kommst mir wirklich so vor, als ob du selbst nicht weißt, was alle Leute schon und was deine eigene Tante —" Weiter kam sie nicht. Ein hohes Rot färbte die Wangen der lUngen Bäurin. „Alle Leute sollen sich- um ihre eigenen Sachen bekümmern, alle, verstehst du das," rief sie n:it zornbebender Stimme. Eilig lenkte nun die Mte em. „Na, na, mein Teern, mußt dich nicht ärgern, ich mein's doch gut mit dir, wollt' dich nur cukfmerksani machen. elber »vir wollen nicht lveiter darüber sprechen." Tant Sophie wartete auf eine Entgegnung. Ms diese ausblieb, , nahmen ihre eckigen Züge wieder den Ausdruck lustiger Pfiffigreit an, der bei ihr etwas Heinttückisches lwtte. Währeiid ilste Augen blinzelten, warf sie beiläufig hin: ' „Weißt du, daß Jmmo Briilkmaim auf Urlaub ist. Das ist eigentlich, ein mächttg stattlicher Mann, ec ist auch schon Feldwebel. Ich Hab' mich da immer drüber wundern müssen, daß er nie geheiratet hat." Mina zuckte leicht zusammen. Dann wandte sie sich ab und irgendeiner gleichgülttgen Arbeit zu. Tie plötzliche Bewegung war der Mten nicht entgange::. Beruhigt schniunzelte sie und begann von häuslichen Angelegenheiten zu reden. Anna hoffte, daß Jmmo nicht konnnen würde, aber am Uattiften ^age erschien er doch. Indessen, sonderbar, hu Au gen- m:a e , wo er ein trat, lvar die junge Bäurin ruhig, merkioürdig rutstg, so sehr wie sie sich vorher gefürchtet hatte. Imino Brinkniann war in der Tat ein selten hübscher Mensch, dem die Gutmütigkeit aus den Augen schaute. Mit unverkennbarer Verlegenheit legrünte er Anna. Klaube jetzt, ich Härte wegblerben sollen. Zu dem Todesfälle, da weiß ich nichts zu sagei:-" Tie iunge Frau gab den: Soldaten freundlich di»' Hand. „Ich habe dir einmal wehe getan, Jmmo. Ich glaubte damals, 1 /1 r e • neckst aüders handeln. Meine Verwandten, die wußten mich so bei der Ehre zu packen. Ganz ehrlich sind sie da wohl nicht de: gewelen, und glaub' mir, Jnimo. mir loar das danial^ ebenso hart." . Ter junge Mann blickte erstaunt aus. Die Freiiniitigkeit nnt der Mn:a das Vergangene besprach, inutete ihn eigenartig an, aber ferne Augen blitzte::. . „Ja, hart ist mir das geivesen, Anna, aber ich habe gesehen wie du dich quältest, und ich habe keinen Zorn auf dick "gestabt'. Hetzt, wo Brün erst c:n paar 'Wochen tot ist. ist das ja nicht di- richtige Zeit — nein, laß nur, ich weiß — aber, wenn der Krieg -ti Ende, oder übers Jahr-" Freundlich unterbrach sic ihn. bilt ein guter Mensch, Jmmo, und ich lvill auch ganz offlii zu dr: fern. Ich brn Mtt nieineui Mann nicht glücklich lodunglücktich- lnn ich gewesen." in Verzn»eiftnng 'IT p oe sdch, Nieder, — „ob es nun darum ist, ich iveiß ^ nich? h'Zr*™ aber eins weiß ich: heiraten kann ' auch dich nickst Jmmo Ich muß dir nun schon |n!u'" 1 m tm> ° &ei 60 ^ lvoht b's,er, ioenn ich dir das gl.-iw Eine geraume Weile bwrsttstc Sckuvaigen. Unverivandt sah der jnnatte sich in ihre Stube zurückgezogen. Hier saß sie an einer Näharbeit, während das Gesinde bereits zur Ruhe gegangen war. , r . Plötzlich schlug der Haushund wütend