Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz'. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) 3. Kapitel. . Von den letzten drei Gvtterneggs und ihren Getreuen im „alten Hause". Der junge Fürst lag noch im Bette, schlief aber nicht mehr. Er hatte sonst nicht über Schlaflosigkeit zu klagen, er war eine recht gesunde Natur, schlug sich wohl #em einmal eine Nacht um die Ohren und bummelte durch, doch die Nerven waren in Ordnung. Aber in letzter Zeit da war ihm so, als sollte er kennen lernen, was es heiße, nervös zu sein. Da war ihm, als machten ihm seine Gedanken zu schaffen, und zuweilen ertappte er sich^beim Grübeln, und zuweilen lagen Falten aus seiner Stirn, Und dann "lind wann verlor er mitten in fröhlichster Gesellschaft die Stimmung. Es ging ihm manches durch den Kops; es war nicht wie früher in der Zeit ungebundener Sorgen- losigkeit, zwischen Clicquot und Rennplatz, dem Dienst und der Schäferstunde bei Feinsliebchen, zwischen halbem Ernst und ganzem Leichtsinn, einem Donnerwetter vor der Front und lustigem Liebesmahl. Der Leutnant Fürst Gotternegg war nachdenklich geworden, seit er sich mit Miß Lilian Simpson verlobt hatte. Es gab allerhand, was des Nachdenkens wert war. . . . Er war schon in früher Stunde. ertvacht, und der Schlummer wollte nicht mehr kommen. Unter seinem Fenster hatte sich ein Sängerschwarm $u einem lebhaften Früh- Vonzert zusammengefunden. Das grüne Gehänge einer großen Kastanie schlug gegen die Scheiben, und in den Testen sah ein Vogelovchester und lärmte laut. Es piepte, zwitscherte und tirilierte; ein dicker Spatz saß mit auf- geplusterteu Federn draußen aus dem Sims und schaute neugierig in das Zimmer. Das war das Fürsteuzimmer; es war das beste im „alten Hause". Es war ein großer Raum und neu tapeziert: mit einer lichtroten Tapete, aus welcher kleine Chinesen unaufhörlich über kleine goldene Brücken gingen, und dazwischen standen burgunderrvte Reiher auf einem Bein und hielten ein Fijchlein im Schnabel. Dies Fürstenzimmcr war mit Mobiliar aus dem Schlosse ausgestaltet worden. Es war recht behaglich, auch in seiner Unordnung. Bolkv hatte weder seinen Kammerdiener noch seinen Burschen bei sich; die waren sonst die Ordner im Chaos. Nun fehlte die ordnende .Hand. Vor dem Waschtisch ftarüd eine Badewanne aus Gummi; kein Wasser darin, aber drei Oberhemden und darauf eine Nagelfeile und eine Schnurrbardbiude. Und daneben auf dem Teppich ein geöffneter Handkoffer, der Inhalt durchwühlt und umhergestreut: Taschentücher, farbige Unterjacken, ein paar Lackschuhe, ein großer Schwamm, schwarzseidene Socken, wildlederne Handschuhe, ein Bündel Krawatten. Ein Fauteuil schob sich mit seinen geschnitzten Eichenholzbeinen in den Wirrwarr hineiu, und auf ihm war das dem Koffer entnommene Necessaire anjgeschtagen, dessen Kristallfläschchen mit den vergoldeten Kapseln der Morgensonne Gelegenheit zu einem freudigen Funkenspiel gab. Die Sonne quoll gelb und gleißend in das Zimmer hinein. Sicher hatte Bolko selbst das Rouleau vor dem Fenster niedergelassen und war mit etwas ungeschickter Hand zu Werke gegangen: die Zugschnnr hatte sich verschlungen und das Rouleau hing nun in schiefem Winket herab. Im Ausschnitt sah man hinter der Fensterscheibe vas bewegte Grün der Kastanie und ihre gefiederte Bevölkerung und das Helle Sonnenglitzern, das in das Zimmer sprühte. Es sprenkelte auch goldige Flecken auf die verblichene blaue Seide der Plumeaus im Bette Bolkos. Es war dies das Fürsteubett, das hierher gehörte, das Bett des seligen Herrn: ein luxuriöser Koloß ans Ebenholz mit silbernen Einlagen, gedrehten Pfeilern und hohem Baldachin, ein kostbares Möbel. Doch die Zeit hatte es nicht verschont; der blaue Samt der Vorhänge war hell und streifig geworden und die Silberstickereien zeigten eine rötliche Farbe; mit Lastender Hand war die Zeit über den Prunk gefahren. Bolko sah das nicht. Er lag mit wachen Augen im Bette: ein blonder Kops, ein hübsches und vornehmes Gesicht mit gerader Nase und sensitivem Munde, der weißliche Schnurrbart gesträubt und die Härchen durcheinander gewirbelt. So lag er da; trug einen Nachtrock aus Rohseide, vorn offen, und ein Unterjäckchen aus weiß-rot gestreifter Seide. Er sah niedlich aus und sauber und frisch in seiner hübschen Jugendlichkeit. Seine Taschenuhr lag neben ihm auf dem Nachttisch, dabei auch ein Monokel und aufgeschlagen ein Safsianportefeuille mit der Photographie eines sehr schönen Mädchens. Bolko dachte an vielerlei; seine Gedanken flogen. Er dachte: „Die verdammten Spatzen, sie lärmen, daß man glicht schlafen kann. Heut' kommt Onkel Herrfurth, da geht er los, der Tanz. Ich gebe nicht nach, ich ivende mich an den Kaiser. Ich'kann es Lilian den Teufel nicht verdenken, daß jie gern Durchlaucht sein möchte.-Wo krieg' ich Geld her? Versuch' ich's noch einmal bei Onkel Herrfurth? Er ist reich, er ist geizig, er wird mir wieder eine Predigt halten. Auf die Predigt pfeif' ich, aber er wird auch nichts 'rausrücken. Pump' ich die Vettern an? Emil ist wie sein Vater, und Harro sitzt in London. Jfaaksohn ist stur geworden, es bleibt noch der Burgmüller. Was ist die Uhr? Gleich Sieben. Diese rote Tapete ist wahnsinnig; lauter kleine Chinesen, die über lauter kleine Brücken laufen, das kann einen nervös machen. Bleibt noch der Burgmülter. Die Berliner Juden, das ist zu gefährlich. Auf die Hochzeit hin kriegte ich Geld wie Heu; aber die .Bande ist indiskret; erfährt das der Uankee, dann... Nein, das paßt mir nicht. Der Burgmüller \mx immer ge- 146 fällig, er kriegt auch noch 'was. Mer nicht viel. Es ist ein Kreuz. Die Blumen für Lilian kosten ein Vermö-gen Meine süße blonde Li-lian! Eigentlich ist sie rot, tizianrot — es ist sicher echt. Aber der Vater? Aber der Vater! Warum ist er immer so schlecht rasiert? Sein Geschäft ist anständig — Stahl und Eisen, das klingt, das ist anständig. Es hätte schlimmer sein können. Der Schwiegervater von EgonRaczyn macht in Schmalz, der von Karl Leuchsenring ist Hanpt- aktionär von Monte Carlo. Wenn Onkel Herrfurth nur vernünftig sein wollte! Es gehr ja gar nicht anders. Jost als Chef des Hauses ist undenkbar. Diese rote Tapete macht mich noch verrückt — und gestern abend: das dünne Bier zu dem Zitronenauflauf! Der Auslauf war auch klütrig; die' An schütz kocht miserabel . . . ." Er fuhr nnt beiden Beinen aus dem Bett, aber zog sie rasch wieder unter die Plumeaus. Es klopfte an der Tür; »wer kleine Fäuste hämmerten dagegen, und draußen rief Annemarie: „Bolko, Faulpelz, bist du noch nicht aus?!" „'Morgen, Mie!" rief der Fürst heiter zurück. „Kann ich herein, Grashupfer?" Bolko antwortete nicht gleich, sprang aus denr Bette, nahm den Badeschwamm, tränkte ihn mit Wasser, hielt ihn vorsichtig in den Händen und schlüpfte wieder in die Kissen. „Komm nur herein, Mie," sagte er, „und zieh das Rouleau auf. Es ist mir verunglückt, es hängt verquer." So trat Annemarie denn ein. Aber sie war noch auf der Schwelle, da sauste der Schwamm heran, und das feuchte Projektil traf. Es traf mit nassem Klatsch die rechte Wange der kleinen Prinzessin, imb ein kaltes Gerresel lief über ihren Hals und tropfte fröhlich, weit'er. Annemarie schrie auf und schrie „Huhi" und schlidderte sich. Dann erwachte der Rachedurst in Ihr. „Na warte man!" riet sie; „Wurst wider Wurst!" — Behende bückte sie sich, nahm den zur Erde gefallenen Schw-amm und sprang an das Fürstenbett und hielt ihn drohend über Bolkos Haupt. „Bei drei drücke ich," sagte sie, „und befehle: Verschwinde! Wetten wir, daß du parierst? Eins, zwei, drei: verschwinde!" — Richtig — Bolko verschwand, er fuhr schleuniast mit dem Kopf unter die Bettdecke, und es wurde ein dumpfes Fluchen vernehmbar. Dann tauchte er vorsichtig wieder auf. „Mie, laß den Blödsinn. . . ." „Eins, zlvei, drei: verschwinde!" schrie Annemarie, und wieder zeigte sich der nasse Schwamm dräuend über Bolkos Gesicht, und wieder tauchten Seine Fürstliche Gnaden unter oas Blau der Plumeaus. „Schockschwerenot," wetterte es voll unten herauf, „nun ist's genug. . „Willst du um Verzeihung bitten?" fragte Annemarie, i „Ja doch!" „Sage laut: ich bin ein Esel." „Ich sage laut: du bist ein Esel." ,,J ch!" schrie die Prinzessin, und es tröpfelte zwischen ihren Fingern hindurch. „Ich!" schrie der Fürst, und abermals fuhr er unter die Decke. Annemarie triumphierte. Sie legte den Schwamm fort und lachte. „Siehst du, großer Bruder," meinte sie, „so rächt sich alles auf dieser Erde. Kommst du mir albern, ich verstehe mich auch darauf. Du solltest dich schämen: Mrst, Gardelentnant unb Bräutigam, und schmeißt mit einem nassen Schwamnre! Mein Gott, wie sieht es hier ans!" — Sie schaute sich um. „Wie soll es denn anssehen?" antwortete Bolko. „Malerisch. Ich habe weder Burschen noch Diener zur Hand; kann denn der alte Beyfuß nicht antanzen?" „Bolko, es ist eine Schande," sagte die Schwester altkln, „Du brauchst wahrhaftig noch eine Kinderfrau. Beyfuß i' nicht dazu da, dir den Koffer auszupacken; du bist verwöhr tote eme Primadonna vom Theater. Wenn man dich scho srevt. . . . Das seidene Nachthemd und drunter auch Seit und den Krunskram ringstun. Frage 'mal Madame, toi me t n c Wasche beschaffen ist; überall Einsätze und gestopf: Strümpfe und manches läßt sich gar nicht mehr flickei Natürlich, eine Schnurrbartbittde!" ... Die hob sie au ^at vor den Spiegel und legte sie sich um und schnitt ei .Gesicht dabet. Bolko beobachtete sie. „Du könntest auch schott lano Kleider tragen," sagte er. „Warum?" fragte sie und tmmdte sich um. „Weil es besser aussehen würde; frage nicht so dumm! ^Bittte schön ,schenke mir längere Kleider, älterer Brude: ich habe nichts dagegen. Glaubst du, es macht mir Spaß, wie ein Bauernmädel herumznlanfen? Mer du bist ein leichtsinniger Strick, sagt Onkel Öerrsurth, und verlodderst dein Geld, un6 wir können hier sitzen und znseh"n, wie wir uns durchfüttern —" „Saat Onkel Herrfurth." „Er sagt noch ganz 'was anders. Du wirst dich wundern. Du kannst dir gratulieren. Er wird dich ein bißchen in die Beichte ttehmen, wenn er herkommt, mein alter Junge. Schivnppdiwnpp wird dir dein Fürsteutitel abgezwackt, und Durchlaucht werden ein Herr Baron." „Mach bloß, daß du 'raus kommst!" rief Bolko wütend. „Lege meine Schnurrbartbinde hin! Krame nicht in meinem Necessaire herum!" „Das ist Parfüm," sagte Annemarie und roch an einem der KristaUslacons. „Das ist wieder Parfüm. Das ist für das Waschwasser. Das ist Nägelcreme. Das ist Puder. Mie ein altes Weib: pfui Deibel!" „Annemarie, ich sage dir, ich werde grob, wenn du dich nicht schleunigst drückst!" Sie hob die seidenen Socken auf. „Seide für die zarten Füßchen," rief sie. „Und so feine Hemdchen! Und ein Dutzend Schlipse, einer immer bunter wie der andre! Das ist wohl schon dein Trousseau, Bolko?" Bolko wies nach der Tür. „Bitte! Entferne dich endlich! Ich werde mich bei Madame beschweren. So etwas Unerzogenes und ganz Gewöhnliches ist tnir noch nicht vorgekommen. Ich werde mich mit Onkel Herrfurth über dich aussprechen, meine Tochter. Ms Aeltester der Familie habe ich and) noch etwas zu sagen. Ich lasse dich in ein Waisenhaus sperren, verstehst du?" Mer auf diese erschreckliche Drohung hörte das Prinzeßdien gar nicht. Sie hatte die Photographie aus dem Nachttisch entdeckt. „Ist das Lilian?" fragte sie und nahm das Portefeuille. „Da sieht man dock) endlich einmal ein Bild deiner Braut! O, ist die sck)ön! Sie muß eine wundervolle Figur haben, Bolko. Und rotblond, nicht wahr? Bolko, da gratuliere ich noch einmal. Und welche Toilette! Bolko, ist sie wirklich so ungeheuer reich?" . . . Er nickte. Sein Unmut war geschwunden; so, wie die Situation für ihn lag, konnte er auch die Kleine als Mithelferin brauchen. Er richtete sich halb im Bette auf und reick)te Annemarie die Hand. „Setz dick) einmal neben mich, Mie," sagte er herzlich, „dahin, auf den Stuhl. Ich möchte ganz ernsthaft ein paar Worte mit dir sprechen. Du bist ein kluges und verständiges Kind; du kannst mir eilten großen Gefallen tun.". Annemarie setzte sick) und faltete die Hände im Schoße; diese Anrede gefiel ihr. „Sieh einmal, Mie," fuhr Bolko fort, „ich bin doch bei meiner Verlobung wirklich nicht töricht und unüberlegt vorgegangen. Es ist wahr: Lilian ist nicht von Adel; es ist attch wahr: ihr Vater ist Kaufmann drüben in Amerika. Aber hätte ich mick) in eine arme deutsche Prinzessin verliebt, das wäre noch schlimmer gewesen. Wovon hätten wir leben sollen? Und was wäre daün aus eud) geworden, aus dir und Jost? Mein Schwiegervater ist ungeheuer reich; Lilian bekommt acht Millionen mit, und da sie die einzige Tochter ist, so fällt ihr nack) dem Tode des alten Herrn mindestens noch einmal so viel zu. Denke, welch' Mammon! Und denke, in welche schauderhafte Dekadenz wir gekommen sind! Es ist nicht zir sagen: es ist ja das reine Proletarierdasein, es ist viel schlimmer. Die Mitgift Lilians hilft uns allen wieder auf die Beine; ick) kann die unerträglich gewordenen Verhältnisse von Gotternegg wieder in Ordnung bringen, tid* kann für dich und Jost sorgen. Aber — versteht sich von selbst, nur dann, wenn ich Titel, Rang, und Herrschaft behalte. Ms Tepossedierter bin ick) machtlos. Begreifst du das, Annemarie?" „Ja," sagte sie nachdenklich Ihr rosiges Gesickstchen, das sonst ein Abbild des Frohsinns zu sein schien, war ernst -geworden. Die ersten Schatten fielen, nnd es strich ein unsicheres Gefühl durch ihre Seele. Freilich: den Druck der Armut hatte sie noch nickst empfunden, weder harten Fron noch bittere Entbehrung, lieber den Riester am Stiefelchen lachte sie, und über die unvermeidliche Rehkeule ans den R chen Wäldern konnte sie höchstens einmal schmollend innd verziehen. Sie war nie verwöhnt worden. Mer sie war doch auch hellhörig. Sie vernahm, wie matt hier und da darüber sprach, daß die Mministration von Gotternegg alle Ueberschnsse nach Berlin schickte, daß es daheint aut X 147 > Nötigsten gebrach, während dem jungen Fürsteil das Gold Unter den Fingern zerrann. Bitter aeinachl Hütte sie das nicht; sie wußte nichts von trüben Gedanken; sie konnte nur vlücklia) lachen, und kein Wölkchen stand still auf ihrer sonnigen Kinderstirn. (Fortsetzung folgt.) Die letzte! S§m heiteres Bild aus den Kriegsleiden cineZ englischen Junggesellen. Von Alex, von Bosse. (Nachdruck verboten.) Ter sehr ehrenwerte Herr Henry Bullhead machte sich nichts daraus, daß er nur ein jüngerer Sohn seines Vaters war. Im Gegenteil. Von einer Tante hatte er eine ganze Menge Geld geerbt, und damit konnte er die in den Augen seiner Kreise angenehmste und geachtetste Lebensart eines Gentleman-Junggesellen führen. Er war nicht verpflichtet, für Nachkommenschaft zu sorgen, wie sein ältester Bruder, der Lord John Blackbeetle. Uno so empfand er es als die angenehmere Lebensaufgabe, mit den jungen Mädchen zu flirten nach Laune und Herzenslust. Als der Weltkrieg entbrannte, berührte das den sehr ehren-, werten Herrn Henry Bullhead wenig, nur verspürte er'anfangs emc Art angenehmes Mitleid für das arme Teutschland, das nun von Russen und Franzosen erdrückt werden würde. Einfach zerquetscht, wie ein Mann, der zwischen die Puffer zweier Eisenoahrr- wagen geraten ist. Als es sich aber zeigte, daß der Mann stärker war als di« Puffer erqrtff Henry Bullhead, gleich den meisten seiner Landsleute, zunächst ein verblüfftes Staunen, das er jedoch schnell wieder überwand. „Well," stellte er fest, „dann wird eben England etwas mehr Soldaten nach Frankreich schicken, als es zuerst beabsichtigte. Warum auch nrcht? Es gibt ja so viele Kanadier, Indier. Irländer, Australier, Zulukafseru und — dumme Buren, die sich mit Vergnügen für England Lotschießeu lassen wollen. Das Vergnügen können ne haben!" ^..^^bäter las er mit Behagen vdn den tapferen Taten dieser Volker, die für Englands Ruhm kämpften. Und stolz fühlte er sich als ein Engländer, wie er das schon immer über alle Maßen getan. Henry Bullhead und seine Freunde lebten ihr angenehmes Leber: als Gentleinen weiter, angelten in Irland, gingen in Schottland aus die Jagd, hetzten auf den Besitzungen des Lord John hinter den Hunden, uud waren sie in London, so spielten sie Bridge in ihrem Klub, besuchten Theater und Singspielhallen und freuten sich ihres Lebens. Plötzlich kam eine ungemütliche Zeit. London wurde dunkel. Mpelme! Schauderhafte Erfindung dieser verdammten Deutschen! Bei Tag aber liefen verrückte Suffragetten in Londons Straßen herum Mid fragten jedeitchüugeren und gesund aussehenden Mann: „Warum sind Sie noch nicht in Khaki?" Henry Bullhead war aesund und stark. Aber hätte er das bisher stets als einen besonderen Vorzug empfunden, so bedauerte er es letzt zum ersten Male in seinem Leben, daß er ilicht irgendein' bequemes klemes Leiden aufzuweisen hatte. Was — sollte er wegen dieser „damned GerMans" sein angenehmes Leben als Gentleman aufgeben, um in einem schmutzigen flandrischen Schützengraben sich neben Indern, Irländern, Kanadiern und ähnlichem Gesindel zum Krüppel oder gar totschießen zu lassen? . . . Das wäre ja . . . Und so gewöhnte er sich daran, stark zu hinken, sobald ein verdächtiges werbliches Wesen in Sicht kam. Wurde er trotzdem angehalten uiid gefragt: Warum sind Sie noch nicht in Khaki? wies er Mit traurigem Blick auf sein linkes Bein. Das half nicht lange, weil so viele gesund alis sehen de junge Leute jetzt hinkten. Die aufdringlichen Weiber lachten ihU aus, wenn er auf sein Bein wies, und sagten: „Ach, das bißchen Hinken tut nichts, denn im Schützengraben brauchen. Sie Ihr Bein nicht anzustrengen. Gehen Sie gleich und lasses Sre sich anwerben!" Das tat Henry Bullhead aber nicht, vielmehr begab er sich zu eincin Opttkerladeu uiid kaufte sich eine tiefschwarze Brille. Es war aber ganz merkwürdig, tvie viele starke junge Leute man letzt m London schwarzvebritlt sah. Eine neue Augenkrankheit! Vornehmlich befiel sie gesniide junge Männer, mid diese Unglück- 1 Vy e J t — sagte man — saheii, WMN sie keine Brille trugen^ mleL — lchwarzweistrot gestreift. Man denke! Eine jedem Briten vis m die Seele zuwidere Farbenzusammenstellung! Die Krank- verbreitete sich in allen Städten Englands, und sogar auf veni Lande konnte man schwarzbebrillte junge Männer sehen, die nun — die Aermsten! — darauf Verzichten mußten, sich für Kitche- ners ruhmredige Armee anwerbeir zu lasseil! Abex dann kam das Entsetzliche! Die Bill für Zwangs- rerrntlerung für Unverheiratet stieg gleich drohendem Gewölk am früher so heiteren Himmel aller englischen JnnggeseÜen auf. Der sehr ehren werte Herr Henry Bullhead war ganz verstött, als man tm k ernsthaft über diese Bill zii Parlamentseren begann, 4lno dann lies er — er vergaß zu hinken und vergaß sogar feind schwarze Brille auszusetzen. — zu seinem Bruder, dem Lord John, der natürlich ParlaTnentsnritglied war und für diese Bill mitverantwortlich. „John, was soll ich tun?" überfiel Henry Seine Lordscliaft. „John, ich lasse mich, als freier Engländer, nicht zwingen, Soldat zu werden!" Well — nrelde dich freiwillig!" gähnte Johil. Aber ich bin grundsätzlich gegen jä>e Art von Militarwmns! Und ich will nicht Soldat werden!" heulte der sehr ehrenwerte! Herr Henry Bullhead. Lord John starrte mit seinen weißlichen Fischaugen zehnMinu-. teit lang ein Loch in die Luft, dann gähnte er gefühllos: „WM — heirate!" Henry mußte ziemlich lauge rrachdenken, bis er zwischen seinem Notschrei und Johns Ratschlag einen Zusammenhang entdeckte. Es dauette immer lange, bis Henry etwas begriff, doch dafür konnte er nichts; denn seine Vorfahren waren alle immer schwer von Begriff gewesen. „Ae — oh!" sagte er endlich geistreich, und sein Mund blieb offen, so staunte er über Johns Klugheit. Sein Mund stand immer noch offen, als er eine Stunde später wieder in fernem behaglichen Jnnaaesellenheim landete. Als er ihn endlich schloß, hatte er den Entschluß gefaßt, Johns Rat zu befolgen; denn da die Bill eine Zwangsrekrittierung aller Unverheirateten forderte, mußte uran eben verheiratet sein, um von ihr nicht berührt zu werden. Heiraterr! das war jetzt die Rettung! Gleich verfaßte Henry Bullhead eine lange Lifte von allen jungen Mädchen, mit denen er im Laufe der letzten Jahre geflirtet hatte, und die seines Wissens sich noch nicht verheiratet hatten., Aber rroch wartete er. Manchmal schien e§, als sollte noch der bittere Kelch an der englischen Junggesellenwelt vorübergehen. Dann wurde es mit einem Male brenzlich, und viele Klnbsreunde Henry Bullheads, eingefleischte Junggesellen, wie er selbst, heirateten plötzlich und unerwattet. Gleichzeitig schmolz seine Liste bedenklich zusammen, und Henry sah ein, daß er sich dazuhalten mußte, wenn er überhaupt noch eine Frau erwischen wollte. Die Jüngsten und Schönsten waren bereits fortgeschnappt. Er entschloß sich jetzt eilends für Milly Baker. Sie war zwar Suffragette und von etwas kratzbürstigem Charakter', aber — in der Rot frißt der Teufel Fliegen! .Er warf sich in sein Lluto und sauste zu ihr. Miß Milly Paker war zu Hause. Henry nahm sich gar nicht 'Zeit, ihr guten Tag zu sagen, sondern fragte gleich atemlos: „Liebe Miß Baker, wollen Sie meine Frau werden?" „Oh — — —!",' sagte Miß Baker, „gestern wollten fünf meiner Freunde mich zur Frau haben, heute sind Sie der sechste, aber ich habe schon Dostrmy Asher versprochen. Ihn zu heiraten." Henny stürzte sott und zunächst zu Anny Haal, die allerdings schon fünftlnddreißig Jahr alt und auch schon vor 10 Jahren nicht schön gewesen war. Hier empfing ihn Annys alte Mutter, bei der er sofort um die Hand der Tochter anhrelt. „Oh-!", sagte Adrs. Haal, „tut mir leid, aber Anny hat gestern Herrn William Jenktns geheiratet!" Und das Unglück verfolgte Henry Bullhead weiter, bis er am Ende seiner Liste angelangt lvar, überall, wohin er kam, hatte sich die Heiß begehrte eben verheiratet oder war im Begriff, es zu tun. Ein wahres Heiratsfieber schien alle Junggesellen Londons dahin- zuraffen und mit den unverheirateten Damen aufzuräumen? Henry war so verzweifelt, daß er bereits zu überlegen begann, ob ec sich nicht ein Bein abnehmen lassen solle. Mit einem Bein kannte man ganz gut als Gentleman leben, und vielleicht war das weniger! schlimm, als — heiraten! Ta erinnerte er sich plötzlich an eine Base seiner Mutter, die in ärmlichen Verhältnissen im Osten Londons lebte und mit fünf unverheirateten Töchtern gesegnet war — hoffentlich no ch war! Auf — zu ihr! Bereits war die Bill im Oberhaus angenommen, also höchste Zeit! Das Auto flog, denn wenn Henry auch dieses Mal zu spät kam, daun — dann war er rettungslos dem Khaki ausgeliesert. Tie Cousine eurpfiug ihn ein wenig erstaunt, weil .Henry sich sonst nie bei ihr sehen lieh. Er aber begrüßte sie sehr herzlich' tmd erkundigte sich gleich liebevollst nach Dolly, der Jüngsten. „Oh, Dolly hat sich vor zehn Tagen verheiratet!" sagte gleichmütig die Cousine. Henry /fragt nach Maud. „Oh, Maud hat sich vor fünf Tagen verheiratet!" Er ftagte zitternd nach Ellen. „Oh, Ellen hat sich vor. . . . ." „Und Daily?-—", fiel Henry der Cousine mit brechender Stimme ins Wort. „Taisy heiratet morgen!" antwortete sie kaltblütig, und ganz fassungslos starrte Henry die glückliche Mutter so vieler Bräute an. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er mit versagender Stimme zu fragen wagte, wie es Lucy ginge. „Lucy wird sich sehr freuen, Dich zu sehen, lieber Henry," erwiderte die Cousine. „Soll.ich sie rufen?-" „Ja — bitte!" stöhnte Henry Bullhead Und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Lucy war ein bißchen schief geioachsen und schielte, und Henry wagte gar nickst, nachzurechnen, tote alt sie schon war. Einerlei! Sic war die Letzte, für ihn also die einzige! 148 Ms Lucy kam, drückte Henry Bullhead entschlossen Kerbe Augen Kn. wie einer, der in eine sauere Frucht beißen muß, dann sagte er ihr. daß er sich schon lange danach gesehnt habe, sie wieder-, Kuschen, und daß er schon längst die Absicht gehabt, sie zu fragen, ob sie seine Frau werden wolle. . „Oh-mein geliebtester Henry !" rres Lucy und schielte zärtlich an ihn» vorbei: dann fiel sie ihm um den Hals. Und die britische Armee hatte einen tapferen Rekruten verloren. vermischtes. * Der An ti -Lärm -Schutz in ann. Den ersten und bisher einzigen Anti-Lärm-Schutzmann der Welt besitzt die amerikanische Stadt Baltimore. Bisher hat bereits in verschiedenen Ländern die moderne Anti-Lärm-Bewegung zur Grünling von besonderen Vereinigungen geführt, die allerdings wenig praktische Erfolge anfznweisen hatten. Der Ruhm aber, den ersten offiziellen Anti-Lärm-Schutzmann angestellt zu haben, gebührt den scheinbar ebenso cnevaUrf)eu wie lärmseindlichen Bürgern von Baltimore. Diese glückliche Stadt kann sich nnnn»ehr ungestörter 9lachtruhe erfreuen, da der Anti-Lärm-Schutzmann die Straßen und Plätze dilrchstreift, uni seines ivohltätigen Amtes zu walten. Die Einführung dieser ueuen Stellung ist. wie das »Eivio Elub Bulletin" erzählt, da« Ergebnis einer großen Anti-Lärm-Bewegung deS städtischen Aerztevereins von Balti,nore. Eine Ru,»bfrage an die Bevölkening ^ührte zur Kenntnis aller Personen und Einrichtungen, die den anscheinend überstüssigen Großstadtlärm verursachen. Als Haupttärmguellen wurden aiigegebeii: das Krähen von Hähnen und Gackern von Hühnern in den Vorstadtgärten; Katzen und Hunde; schlecht erzogene Schulkinder; Neger; Milch- unb Bäckerwagen in den frühen Morgenstunden: Straßennillsikanten; Grammophone: Rollschuhläufer: die Klingeln der Straßenbahnen: schlecht geölte Wagenräder; Zeitungsverkäuier. Diese Liste wurde dem Anti-Lärm-Schutzinaii,i übergeben, uiid er ging danach so sachgemäß vor, daß daS Viertel, in dem daS Stadthofpital sich be- fmbet, bald von jederlei überflüssigem und vermeidlichem Geräusch gesäubert war. Der Anti-LArm-Schutzmann hält geräuschvolle Gefährte an, um die Räder zu untersuchen und, falls dieselben nicht ordentlich geschmiert sind, den Kutscher z»,r Berantwortuug zu ziehen. Jeder Verkäufer, der sein Geschäft mit zu großein Stimmaufwaud betreibt, erhält eine Ermahnung. beim zweiten Male wird ihm eine kleine Geldstraie auferlegt. Die Besitzerinnen von Kotzen werden augehalteu, dieselben nicht ins Freie zu lassen; Zuwiderhandlullgen werden dnrch Wegllahille der Katzen bestraft, die Tiere werden bcm Tierschuhverein übergeben. In den Expe- dttionsräumen der Zeitungen wllrden Plakate angebracht, die den Zeitungsverkäufern ucvbietcn, ihre Nachrichten mit« gellender Stimme auszuschreien. Der erste Anti-Lärm-Schutzmann hatte so großen Erfolg, daß auch in andereil Städten Amerikas die Frage erörtert wird, die Einrichtung nochzuahmeil. Während viele der aus dein Lande der unbegreilzten Möglichkeiten gemeldeteil „Neuheiten" im alten Europa als übertrieben und Zwecklos erscheinen, kann man den» Anti-Lärm-Schutzmann nicht seine posirive Bedeutung ab- fprecherl. Vielleicht wird auch bei uns einmal die Zeit kommen, da die Akustik behördlich kontrolliert m,rd. Vorläufig aber führen, allen lärmfeindlichen Vereinen zllm Trotz, in Ellropa die Kanonen das große Wort. Und ihnen gegemiber ist selbst der strengste und scharfsinnigste Anti-Lärin-Schutzinailn hilf- l»nd machtlos. Büchertisch. — Der Golem. Roman voll Gustav Meyrink. Leipzig, Kurt Wolfs. 501 S. 4,50 Mk.. gebllllden 6 Mark. - Gi.stav Meyrink, der burcf) eine Reihe eigenwilliger Novellenbücher: „Der heiße Soldat", „Orchideen", bekannt gewordene Prager Neu- roinantiker, der ebenso, lvie der Englällder Wells, wie der Rheinländer HanS Heinz Ewers die däinollische KlUlst E. T. A. Hoff- mannS und Edgar Allan Poes dl,rch eine auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufgeballte Phantastik sortsetzt, hat zn»n erstell Male ein größeres episches Werk erscheinen lassen, den Roinan „Der Golem". Macht Wells mehr die Technik zu seinem eigensten Gebiete, und Ewers, wenn auch ziemlich äußerlich und grobstofflich, die dllnklen Zufannne,»hänge zwischen religiösem FanatisinuS und Sinnlichkeit, die Zwangsvorstellungen jeglicher Art, so beschränkte sich Meyrillk von jöher auf seelische Dämnlerzllstäilde, auf das Uferlose zwischen Wachsein lind Traum, in das klare Beivußtheit nur wie seltene kahle Inseln hineiilragell. Das ganze Buch „Der Golem" ist ein solch uferloses Blich, desseil Grenzen über die Jähr- tallsende hinaus verschwimmen, Sinnliches, Uebersinilliches lind — Unsiimliches zu eine>n großen, ln,entwirrbaren Gefüblskomplexe zusanlmeilfassen. Was an Gegeilsätzlichkeiten erdacht »verden mag, Seele, Leib, Geist, Natur, Idee, Erscheinul,g, Göttliches, Menschlicher, Begriffliches, Anschauliches, Jutelligibles, Phänomenales, ist hier in feiner Wesenheit vertauscht oder zusammengegosseil. „Der Golem", nichts anderes als eine periodisch schiviilgeilde Massensuggestion des Prager Ghettoviertels, ist die symbolische Gestaltung des ewigen Wiedererwachens aller latenteil Kräfte, Ströillungen, Menschheitsregnngen. Diese ewige Wiederkehr zli veranschaulicbe»», wankt in der grellen Beleuchtung des Hetldlinkel eine mlübersehbare Reihe von WiUenslosen, Verbrechern, Fanatikern des Hasses und jeglicher Leidenschaft, Schwärmer, Dirnen, Menschheitsaposteln und gespenstgewordenen Ideen und kabbalistischen Vorstellungen durch dieses Buch. Gerade die Kabbala nimmt mit ihren wenigen ge* läufigen Begriffen einen allzu breiten Raum ein und verdunkelt das Licht, das über den Geschehnissen liegt, statt es zu erhellen. Man wird daher nicht restlos klug aus deln mystische»» Sinne de» Ganzen, aber man wird gepackt von dem Wirrwarr der Er- scheinllngen, Gedanken und Gefühle, die in diesem überwältigend großen Traumbilde in moilumentalem Aufbau übereinander auf- getürmt sind. — Unsere Soldaten im Feld haben außerordentlich lebhafte» Verlangen nach gutem Lesestoff. Die handlichen und inhaltsreichen Bände der Bivliothek der Unterhaltung und des Wissens (Union Deutsche Verlagsgesellschait, Stuttgart) sind als Feldpostsendungen sehr empsehlenswert. Der neueste Band hat folgenden Inhalt: Flaggenschwindel. Ein Erlebnis zur See von Wilhelm Hille. Mit Bildern von Rolf Winkler. — Das ehern« Hausgesetz. Roman aus reichsunmittelbaren Kreisen von Horst Bodemer. — DaS höchste Ziel. Roman von Reinhold Ortlllann. — Wohin fteuevt unsere Volkswirtschaft? Von Franz Anton Bechtold. — Kanada. Von E. E. Weber. Mit 8 Bildern. - Die lachende Azhischiange. Don Th. Seelmann. — Fernsprecher in den serbischen Bergen. Von Ernst Trebesius, südöstlicher Knegsschau- platz. — Eitle'Null zu wenig. Aus den Erinueruugetl eines Tierarztes. Von A. Oskar Klaußinanu. — Der Wellkrieg. Achtzehntes Kapitel. Mit 10 Bildern. — Voll tierischen Sclwdlingen der Zimmerpflanzen l,nd ihrer Bekämpfung. Von Emu Gienapp. — Mauigsctttlges. König lind Derwisch. Wttde als Spurensticher. Ueber ben Ursprung der Russen. Das Opfer. Die Mackensen höhle lltld Mackensenschlucht in der Zolleralp. Mit 3 Bildern. Eislauf und Geigenspiel. Alerander von Serbien. Romanhaftes aus der Geschichte der Sparkasse»». Berühmte Drltckiehler der Biedermeierzeit. Wie man Herrenkleider behandelt. Der Krieg als zufälliger Förderer der Wissenschaft. Mit Bild. In» Goldzuge. Die Maiglöckchenstränße. — Ein neuer Zeit r o m an der A n >» y Wothe auf dem Gebiete de» Unterste-, Flug- und Lllftkampfes, spielend nnter dem Titel „Schwarz-Weiß-Rot", Verlag von Gebrüder En och, Hamburg, Prei» broschiert Mk. 4.—, geb. Mk. 5.—. Hat Aimy Wothe schon in ihren ersten Kriegsromanen „Deutsche Frauen" uild „Alls tieier Not" gezeigt, daß sie nicht nur eine Meisterin des Morres, solldern auch eine vorzügliche Kennerin militärischer Verl-ältnisse und kriegerischer Erlebnisse ist, so versetzt uns in dieseul Ronlan die Schttderllllg des Uiltersee-, Flug- lind Lustkampfes in atemlose Spa»»- nllng. Die große Zahl der Verehrer Wotherscher Schritten »verde»» diese nelie Gabe der beliebten Erzählerin mit Entzückerl begrüße»!. Das Wert eignet sich besonders als Geschenkbuch für jedes Haus, für jede Bibliothek, wie zum Versenderl ins Feld. — JmWasgenwald Ein Jäger- und Kriegsrvman aus dem Grenzland. Bon Ferdinand von Raesfeld. Neudamm 1915. Verlag von I. Ne um ann. Preis geheftet 3 Mk., gebunden 3,50 Mark. Der Verfasser führt in ein Grenzgebiet, das uns Deutschen besonders am Herzen liegt, und das dank seiner historischen Vergangenheit lvie seiner nalleren politischen und sozialen Verhältnisse den dankbarsten Boden für die Darstellung spannen-« der Ereignisse mrd ürteressanter Menschen bildet. Mit größter Anschaulichkeit, die offenbar auf eigener Beobachtung beruht, schäl-« dert Raesfeld »ms die eigenartigen Verhältnisse, wie sie sich nach mehr als vierzig Jahren immer noch in den Reichslanden finden. Er führt uns in die einsamen Forsthäuser in den deutschen Vogesen, gibt uns ein Bild von der: andauernden Krämpfen zwischen den pflichttreuen reichsdeutschen Beamten mit den von jenseits! der Grenze kommender» Wilderern, von denr Schmng gl erleben^ das noch in reger Blüte steht, von dein lichtscheuen Betrieb in der verrufenen Grenzschenke. In der Schilderung der Entwickelung eines mutterlos Heranwachsenden Försterstöchterleins uno ihres Verhältnisses zu ihrem Vater, das sich durch äußere Einflüsse von dritter Seite zeitweise in eigenartiger Weise ändert, erweist sich, der Verfasser als tiefer Kenner des mensch! icl-en Seelenlebens. Ganz besonders aber tritt feilte Gestaltungskraft zutage in seinen Schilderungen der kriegerischen Ereignisse, die in die Erzählung hineillspielen. -- Scherz-Lharade. Wenn Hinz und Kunz auch kein Talent besitze»», Tie Kraft der beiden Ersten auszunühen, So spürten sie doch lebhaft das Verlangen, Des öfter»» gute Bissen zu empfangen. Sie spielte»» meist den Kranken, ächzten kläglich Und speiste»» selbst beim Glitsherr,» gratis täglich. Da gab es jüngst das Ziveite, ein Gericht, Ganz nahrhaft zrvar, doch schn»eckt es ihrien nicht. Sie wollten's in des Gutsherrn Stiefel schütten, Da »var's bei dem mit der Geduld am Dritten. Er rief voll Wut: „Ihr Llimpen seid das Ganze! Hiilaus! Euch bring' ich auf den Schwlmg mit Glanze!• (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer r Keine Ant»vort ist auch eine Antwort. Schriftteituilg: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts°Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gieße»».