Donnerstag, den 9. März Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Otto hatte erzählt, ldaß Fürst Bolko mit iAnr im gleichen Zuge gefahren sei, und- das brachte von unge>ühr die Unterhaltung auf die Gotterneggs. „Eine plötrige Gesellschaft," sagte der Burgmüll-er und paffte stark; er saß wie in einer Wolke; „wenn man denkt: was waren sie einmal und hatten an hundert Güter anher der großen Herrschaft, und in der -Schatzüammer.aus dem Götzen sollen die schlesischen Groschen, das tvar damals viel Geld, in hohen Säcken verwahrt worden sein, und regierten souverän. Und heilte sitzen sie auf dem Bettel sack." „Während doch keiner sagen kann," benlerkte der Kantor, „wer von ihnen sie dahin gebracht hat. Es ist ein Werden und Vergehen auch mit ben alten Geschlechtern. Aus die Zeit der Blüte folgt das mähliche Verdorren. Da ist es ganz gut, wird ein frisches Reis ausgepsvopft, so wie der Fürst es will." „Ist recht," meinte Reschke; „ist auch meine Ansicht. Es ist ein komisches Bild : so berühmtes Geschlecht und kann sich kaum durchfuttern. Man kann verarrnen; aber passiert es unsereinem, da ist schwer Hilfe oder gar nicht. Ein armer Fürst braucht bloß die Hand auszu st recken, und es sitzt ihm an jedem Finger eine Millionärin. Sehr vernünftig, daß der Bolko es tat." „Greulich finde ich es," sagte Grete und verzog die Lippen. Die Mutter sprach: „Gans! Was verstehst dü?" mrd Otto rief: „Laßt sie? Sie hat auch das Recht der freien Meinungsäußerung. Zudem ist Gaus uicht gebräuchlich im Parlament, Mutter. Ob Bol kos Wahl gut und verständig, ist schließlich, seine Sache. Auch, ob die andern von der Familie etwas von den Millionen haben werden, was noch zweifelhaft ist. Jedenfalls ist die Braut so schön, daß man auch ohne die Mitgift die Wahl verstehen könnte." „Also kennst du sie, Otto?" „Ja. Ich sah sie aus einem Wohltätigkeitsfest; da hatte auch meine Professorin mitzuwirken, und ich ging pflichit- gemäß hin. Da sah ich Miß Simpson zwischen ihrem V-ater und Bolko. Der Vater unansehnlich und schlecht rasiert, mit einem Gesicht wie ein Schauspieler; die Tochter pi-achtvoll wachsen, in köstlicher Toilette, mit rotblondem Haar und an gen wie Milch und Blut; dazu einen Mund wie reife Erdbeeren in der Farbe." „Donnerwetter?" rief der Burgmüller, nahm die Pfeife aus dem Munde und schaute seinen Sohn voller Verwunderung an. „Du wirst ja ganz begeistert! Du redest wie ein Gedichtbänd!" Otto errötete .nnmerklich, utib Grete kicherte leise in sich hinein. Aber Fürbringer nickte wohlgefällig, nahm eine Prise und sagte: „Es gefällt mir. Es ist hübsch, wenn sich die männliche Jugend an fraulicher Schönheit zu begeistern vermag. Ick) habe auch selber einmal versucht, meinen Göhren in oer Erziehung zur Schönheit den Blick zu weiten. Dja bin ich freilich he rein ge fallen. Es war in meiner ersten Stelle, oben in Ostpreußen. Da hatten wir ein Sckwckzimmer mir vier kahlen Wänden; es sah-eher als wie ein Gefängnis au& Und nun schnitt ich denn aus illustrierten Zeitschriften, Probeheften und Prospekten, die nur der Buchhändler schenkte, massenhaft Bilder heraus: meist von Statuen und dergleichen, und es waren freilich auch Verrusse dabei nud sterbende Fechter und griechische Tänzerinnen in ihrer zcit- nnd landesüblichen Tvachtpdas alles klebte ich -an die Wände der Schnlstnbe und freute mich darüber, weil es hübsch crns- sah und heiter, und es ergötzte das Auge. Aber da kam eines Tages der Schulrat und schlug die Hände iiber dem Kopf zusammen und ein paar Wochen später hatte ich einen, gehörigen Wischer weg; die Schnlstnbe wurde tapeziert und mit der Erziehung zur Schönheit war es auf diese Weise nichts. Vielleicht hatte der SckMrat recht; vielleicht auch ich. Ich lasse 'die Frage offen . . ." Der Kantor trank seinen Krug ans und wischte sich den Mund mildem großen roten Taschentuch. Er hatte viele solcher Geschichten auf Lager aus der Zeit, da er noch oben in Ostpreußen die Jagend gelehrt hatte. Aber das Interesse wandte sich am heutigen Abend doch mehr der Ankunft des Fürsten Bolko und seiner Verlobung zu als vergangenen Zeiten. Es war nur natürlich. Mit diesem Fürstenhanse war man ans das innigste verwachsen. Die Mten hatten sich gekannt, und die Jungen waren gemeinsam groß geworden. Man schimpfte auseinander urrd hatte sich dennoch gerir. Bauernhochmut und Adelsstolz platzten zuweilen hart zu- samnren, und Armut und Reichtum erwiesen sich Reverenz. Es war ein seltsames Nebeneinanderleben; Fürst und Müller schauten von oben herab sich an, prozessierten -auch wohl einmal eines Grenzstreits wegen, schrieben sich Griefe, in denen es an injuriösen Wendungen nicht mangelte, und doch ließ keiner aus den andern etwas kommen. Da war der verstorbene Fürst gewesen, ein eigener Herr; von dem erzählte der Bnrbmüller, indes er die Pfeife nachstopfte und den Tabak mit dem flack>en Daumen fest drückte. „Ja," sagte er, „er hatte seine Mucken. Aber er war doch ein großer Herr und wußte zu leben. Da ist denn auch nichts übrig geblieben; es ging unter ifym schon ans bir Neige, und er starb sozusagen zur rechten Zeit. Er starb an seinem Geburtstage: als ec Sechzig wmrde. Sein Kammerdiener fand ihn am Morgen tot im Bette; und an diesem Tage hatte er einen Wechsel über rund huuderttauselrd Atark zu bezahlen. Das weiß ich von dem kleinen Jsaatsohn, der sozusagen zu seinen Agenten gehörte. Da hat man beim allerlei gemunkelt von Gift und so etnms. Aber es hat niemand beweisen können. Er lebte nicht wüst; das kann 136 man nicht sagen; er lebte nicht in das Gelage hinein. Aber er lebte vornehm —" „Er lebte wie ein Grandseigneur, oder was die Franzosen so nennen," fügte Fürbringer hinzu; „er hatte immer eine offene Hand; er hat mir ein neues Schnlhaus gebaut; er hat der Kirche die Glocken geschenkt; er Mr ein gütiger Herr." „Ja, das war er," bestätigte der Burgmüller. „Er hatte auch in seinem Wesen etwas Großes. Doch der Untergrund hielt nicht. So etwas Großes muß feste Fundamente haben. Die waren nicht da. Mber Bolko wird neue schaffen." Nun nahm Otto das Wort. „Das ist es eben," sagte er; „er wird es nicht können." „Warum nicht, Junge? Bei den Millionen der Braut?" „Er wird es nicht können. Ich weiß, wie die Verhältnisse liegen. Er kann nach dem Familienrecht nicht Fürst bleiben und nicht Senior des Geschlechts. Und- darum geht jetzt der Streit. Sollen die neuen Millionen den Gotterm eggs den alten Glanz wiedergeben, so müßte Bolko auch Titel und Stellung behalten dürfen. Das möchte er — und auch, seine Braut — natürlich." „Natürlich," wiederholte Frau Tilde. Sic strickte einen Strumpf an und zählte halblaut die Maschen und sah sehr ernsthaft aus, mit einer Hornbrille auf der Nase und gerunzelter Stirn. „Und du meinst," fragte der Burgmüller, „wenn er nun wirklich den Fürstentitel ablegen müßte, da würde von den Millionen für die andern, für Jost und die Annemarie, da würde nichts übrig bleiben?" „Wie schade!" warf Grete bekümmert ein, und Otto sagte: „Nein, Vater, nichts. Das ist doch verständlich. Ich weiß ja nicht, welchen Namen Bolko annehmen tvird. Aber sei^s der oder der: mit diesem Augenblick hört für ihn, wenn auch nicht die Verwandtschaft, so doch die Zugehörigkeit zu dem Fürstenhause auf." „Es ist närrisch," meinte Reschke und schüttelte den Kopf. „Es ist. sehr närrisch." „Und dennoch," setzte F-üroringer hinzu, „man ma»g sagen, was man will: es liegt etwas Feines darin und etwas Apartes. Es ist nicht wie überall. In der heutigen Mode verlacht man die Tradition. Aber auch das Ehrwürdige hat seinen Zauber. Ich habe ein altes Durnierbuch. darin lese ich oft. Das Alte dünkt nrich zuweilen frischer als das diene. Es hat vielfach noch seine Farbe behaltän; und in der Gegenwart tuscht man nur noch mit grau." „Reaktionär!" schimpfte der Burgmüller und lachte. „Ja," sagte der Kantor, „so nennen mich auch dies KUollegen, die mehr für den fobenanutcn Freisinn sind, und werfen mich zu. den Junkern und Pfaffen. Und gerade, die so sprechen, rennen weder Junker noch. Pfaffen oder doch nur die Karikatur von beiden. Aber es ist mir schon! gleich: ich bin, wie ich! bin . . ." Er prieste und trank. Nun Lun man auf Politisches. Es war hier unten ein Winkel der gemäßigten Anschamm,gl. Die Junker waren frei.Ionservattv und die Pfaffen nicht schwarz. Pastor Fresenius halt sogar einmal einen Katholiken auf dem protestantischen Kirchhofe beerdigt; das war keine Heldentat und kein außergewöhnliches Geschehnis; nichtsdestoweniger gab es in der Folge Auseinandersetzungen mit der Behörde. Auch der Burgmüller wählte frei- konservativ; aber er gebärdete sich doch gern, als stehe er eigentlich weiter links, und folge nur schlechter Gewohnheit. Er hatte persönlich viel Neigung für jedwede Opposition. Mitten im Gespräch hatte Fraii Tilde eine Masche fallen lassen, hob deii Kopf und- horchte auf. Draußen auf dem Flurgang wurden schlurrende Schritte vernehmbar, und auch Schnauzerl schlug in seiner Hütte an. Dann klopfte es sacht und mit Respekt an die Tür. „Nanu?" sagte der Burgmüller, unb Frau Tilde rief „herein", hinzusetzendi: „es wird Mauske sein . . Das war der Bogt, der um diese Zeit die Schlüssel zu bringen! pflegte. * ^ Dnh es war nicht Mauske, sondern Herr Beyfuß, der Schloßrntendaut. Er sah jetzt anders aus als am Nachmittag; trug nicht mehr den vielgefältelten Bratenrock und den Zylinder nlit dem Broiizeton, sondern eine Art Lodenjoppe und auch! eine Kappe aus Lodenftoss mit Schirm und auf- aebundencn Ohrenklappen, beide Kleidungsstücke von siM* sich hohem Alter. Er brachte eine Meldung, die er ernst und zeremoniös vortrug. Durchlaucht Prinz Jost hätten gehört, daß Herr Otto Reschke angenommen sei und' ließen doch sehr bitten, ihn zu besuchen; morgen vvrmittalg, so vielleicht gegen Elf. Aber als er diese Meldung erstattet und znsagendlL Antwort erhalten, ließ er seine Würde fahren und wurde sofort zugänglicher, gab jedem die Hand und nahm auch Platz, nachdem Grete einen Stuhl herbeigehvlL hatte. Frau Tilde wußte, wie sie den Alten zu bewillkommen hatte. Sie ging hinaus, und als sie wiederkehrte, brachte sie einen Teller mit, auf dem ein paar mächtige Brot-i schnitten lagen, mit Speck, Wurst und.Käse. „Bloß so ein Imbiß," sagtechie dabei; „das Bier schmeckt besser. . “> „Nein, Frau Reschke," antwortete Beyfuß, „ich. danke höf- lichst, aber wir haben schon soupiert. Es ist heute ein wenig später geworden von wegen der Ankunft des durchilau-ch- tigsten Herrn. Er karn unerwartet, und da ging es etwas drunter und drüber in Kirche und- Keller "und nicht in gewohnter Ordnung. Ich muß svirklich danken. Das Menü war so reichhaltig; es stellt sich immer inehr heraus, daß es kein Fehler war, den Koch zu. entlassen; die An schütz, hatte eine feinere Zunge. Ich muß wirklich danken. Aber ich will anderseits auch uiajt beleidigend fein, Frau Reschke. Das will ich nicht. Ihre Blutwurst habe ich, immer geschätzt. So sei mir wenigstens ein Kosthäppchen verstatteb . Und. dann kostete er, und. binnen zehn Minuten stand der Teller vor ihm leer. Alle an? Tisch wußten, daß, dass so kommen würde, und es lächelte keines. Reschke holte sogar die zweite seiner schwarzen Zigarren mit dem HavannaLänd- chen herbei, und Grete füllte den Bierkrng Beyfußens von neuem. Denl Beyfuß tat man gern etwas Liebes an. Im Winter brachte Fürbringer ihm Bücher, und ans der Mühle w änderte manche Speckseite und Wurst nach dem Schlosse- hinüber. Denn man wußte: ging es kärglich zu im „alten Hause", so wohnte ein graues Elend im Schlosse. Es war so ünd ließ sich nicht abstreiten: es kam vor, daß- Beyfuß. hungerte. Aber er dachte an seine große Vergangenheit, und da drückte der Hunger ihn nicht. Er war als Feldwebet- Leutnant im Kadettenkorps angestellt gewesen. Bei der Kompagnie, deren Kammern er zu verwalten hatte, stand danrals ein junger Graf Arteru, ein weitläufiger Vetter und Freund des Prinzei? Bolko Gotternegg. Nun hatte Beyfuß auch etwas Hohes geheiratet: eine ehemalige Kammerfrau der verstorbenen Fürstin Herrsurth, die 'in ihrem Hange für das sozial Auserwählte mtf den Gatten nicht ohne Einfluß blieb und in der täglichen Beschäftigung Beyfußens mit meist älteren Montur stücken fast etwas Würdeloses erblickte. Beyfuß selbst hatte Neigung für ein geregeltes Zeremonienweseu, was doch woyl auch wieder auf das ihm in Fleisch und Blut übergegangene Numcrie-- rungssystem seines Kammerdienstes zurückznführe?? war; und so einten sich denn verschiedene Strömunaen zu einer großen Sehnsuchtswelle, und der kleine Graf Artern wurde als Vermittler aller Wünsche und Hoffnungen erwählt, die dann durch, de?? Prinzen Bolko weiter bis zur Durchlaucht de?n Fürsten von Gotternegg getragen wurden. Der stand derzeitig auf der Höhe seines Seigneurdaseins und! war in seinem Souveränitätsgefühl immer gern, mit lockerer Hand und den? Wohltätigkeitsempfinden großer Nature??, zu helfen bereit, erfüllte zugleich, auch Bolkos Wunsch und engagierte Beyfuß als Schloßintendariten. (Fortsetzung folgt.) sein großer Cag. Skizze von Curt Kühns. (Nachdruck verböte?!.) Endlos dehnte sich die Sch??eelaudschaft. lieber Hügel und Tal zog sich der breite Landweg hin, nur hier ??ud da "von niederem/ Gestrüpp begleitet. Und hier und da unterbrach ein Stückchen ^ >üelte mei & verschneit die hohen Zwischen den Stämmen eines der Gehölze klang Hufschlaa und leichtes Säbelklirren: eine Kürassierpatrouille, voran ein lungcr Osfizrer auf laug austrabendeni Goldfuchs, ritt heran- letzten Glrede der kleinen Stellung, ein Stückchen hurück^ bleibend, auf einem großen, etwas schwer schnaufenden Braunen ein Mann mit einem besonders freiNidlichcn und gutmüligm Gesicht, der Kürassier Dröhmer. „Wieder solch lahmer Klepper dazwischen," brummte der Leutnant durch die Zähne, mit einem' Blick über die Schulter, „und ,olch langsamer Reiter dazu!" 189 Dröhmer war tatsächlich, ein langsamer Reiter; mit Sporn Uitb Schenkel einen Gaul heranbringen, wir nicht seine Sache, aber es gab keinen besseren Pferdepfkeger. Darum bekam er auch immer die kaputtgerittenen Pferde, um sie zu schonen und wieder aufzufüttern. Auch der große Marbod, den er ritt, war sehr herunter und darum ihm anvertrant worden. „Na, — mal die Sporen, zum Donnerwetter!" rief der Gefreite Ballhorn, der Dröhmer ausgebildet hatte. „Ein alter Nussel- peter, der Dröhmer, zum Kuhfütterer besser zu brauchen als zum Leibkürassier. Mann, wann wirst du eigentlich deinen ersten Gefangenen ablicfern? Jeder aus nnserm Beritt hat schon einen Gefangenen gemacht, bloß der Dröhmer nicht. Bei dir muß man aber froh sein, wenn sie dich nicht fangen." Die andern lachten, aber Dröhmer, der ebenso langsam mit der Zunge war, wie zu Pserde, antwortete: „Ich, werde meinen Gefangenen schon noch bringen. Wartet's nur ab, ihr Klugschnäbel!" „Nana," meinte Ballhorn. „Wenigstens aber hat Dröhmer die Hoffnung noch nicht aufgegeben." Und die andern lachten nur noch mehr. „Zwei Verbindungsleute Zurückbleiben!" befahl der Leutnant Und winkte, wie selbstverständlich, dabei dem Kürassier Dröhmer zu. Diesem war der Auftrag mehr als recht. Er konnte so recht stillvergnügt für sich allein dahinreiten und brauchte nicht daS Gehänsel der andern .hören. Er verhielt sein Pferd, um den nötigen Abstand zu gewinnen. Ter Marbod erholte sich bei der gemäßigten Gangart: Drvh- mer zog die Zügel immer kürzer an, und an einer kleinen Steigung ließ er ihn Schritt gehen. „So — schön!" Er klopfte dem Braunen den Hals und freute sich seines leichter klingendes Schnaubens. Tie Steigung zog sich doch länger hiii; Dröhmer wurde etwas unruhig, aber er scheute sich, sein ausgepumptes Pferd hier antraben AN lassen. Er würde die andern schon wieder eirtfrkgat! So erreichte er die Höhe uiid sah sich um: drüben eine vereinzelte Baum gruppe, sonst verschneites Unterholz, - doch von seiner Patrouille nichts zii entdecken. Dröhmer richtete sich im' Sattel auf, um besser ausspühen zu können. Doch der Wind wehte so scharf, daß üym jdie Augen tränten, und zugleich verwandelte sich das leichte Schneegeriefel in einen dichten Sehneefall, der auch die letzte Aussicht nahm. „Na, was machen wir nun, Marbod?" redete Dröhmer seinen Braunen an, der mit gespitzten Ohren und geblähten Nüstern die Lust einsog. „Aber wo der Mensch nicht mehr weiter weiß, soll erL ruhig seinem Pferd überlassen. Geh, Marbod, wirst die andern schon wiederfinden." Damit gab er dem Braunen die Zügel frei, und mit langen Schritten stampfte der durch den Schnee, immer in der Richtung, die aiich nach Dröhmers Ansicht sein Leutnant eingeschlageu haben mußte. Eine gaiize Weile ging so dahin: der Abend sank, und die zunehmende Dunkelheit erschwerte! dasi.Neiten wie das Zurcchtfiuden. Der Braune hatte sich indes durch das lange Schrittgeben' erholt, unb als Dröhmer ihm! jetzt Leicht die Scheitel gab, schlug er eineu langgestreckten Trab an, der in kurzem nur eine Meile förderte. Rechts zog sich ein Sumpf hin, inan sah die blanken Eisaugen der leicht überfrorenen offenen Stellen zwischen dein verschneiten Krüppelholz und der trügerischen Schneedecke des Sumpfes, sonst nichts als stäubende Flocken und die Umrisse der wenigen, vom Winde schief gewehren Kiefern, die vereinzelt die Snmpffläche überragten. Sonst nichts, kein Haus, keine N'.eusch- liche Siedlung. Vorwärts gings im langen Trab. Ta wieherte der Braune leise auf; ein Licht blitzte auf und noch eins: ein Torf tauchte aus, eines jener unregelmäßig gebauten Haufendörfer, bestehend aiis elenden Blockhütten, die sich ohne feste Straßenordnung oder festen Plan hier in einer Gruppe hoher Rüstern versteckten, dort hinter einen: zerfallenen Plankenzaun verborgen. Tie spitzen. Weiß verschneiten Dächer, der treibend? Schnee, dazwischen der glostende Schein der elenden Lichtstümpfchen, die in den Stuben der Gehöfte brannten, gaben ein eigenartig malerisches Bild. Die Nähe von Menschen gibt sonst Mut und Ruhe. In diesem Falle nicht. Es waren feindliche Menschen, die hier hauste,:. Und er, der deutsche Kürassier, war allein! Dröhmer prüfte die Kammer seines geladenen Karabiners und lockerte die Lanze am Riemen. Sv ritt er in den Ort hinein. Hinter dein Plankenzaun des ersten Gehöftes stand in seinem landesüblichen Schafpelz der Bauersmann, die Pudelmütze auf dem bis aus die Schultern fallenden, ungekämmten Haar, und inlnsterte den deutschen Reiter- halb neugierig, halb mißtrauisch. iDröynrer batte sein Pferd in Schiritt satten lassen. „Sind Feurde hrcr?" fragte er, und als der Bauersmann Nur die Achseln ruckte, setzte er, mit einer bezeichnenden Gebärde auf die Gehöfte beuteiid, hinzu: „Rußkis?" Der Dauer hatte demütig seine Pudelmütze abgenommen Und schüttelte nur den sttuvpiaen Kops, indem er, aus sein eigenes! Haus deutend, beteuernd die Hände hob. Dröhmer nickte und ritt weiter. Unweit an einer Ecke lag .Kr etwas größere Anwesen. Aus dem Fenster der Rückseite fiel Lichtschein, und es klang ein lauter Gesang aus rauhen Kehlen in die Nacht. 2lha, dachte Dröhmer, das Gasthaus! Da wollen' wir mal einen auf die Lampe gießen und zugleich! nach dem Weg' fragen. Weiß der Teufel, er war durchgefroren, und die Zunge klebte ihm am Gaumen von der Aufregung, hier als Versprengter Au reiten. Er bog um die Ecke. Aus der angelehnten Haustür siel Lichtschein, draußen stand ein halbes Dutzend gesattelter Pserde, abgezäumt, einige Bündel Heu fressend, dabei eine dunkle, lehmgraue Gestalt, und drin in der Wirtsftube saßen vor dem großen, russischen Ofen — man sah sie genau durch das Fenster — 5. Kosaken, die Mützen schief auf dem Kopfe, Branntweinflaschen vor sich. Dröhmer wollte sein Pferd wenden, — viele Hunde sind des Hasen Tod. und sein armes Pferd hielt am Ende die wilde Jagd nicht ans. Zu spät! Ter Posten stieß schon einen schrillen Anruf aus. Dröhmer war kein Mann des schnellen Entschlusses, aber Not leht beten. Sv gings auch ihm. Die Pferde waren abgezäumt, so schnell kamen sie nicht in die Sättel, — denen mußte er eins aufbrennen. Er riß den Karabiner, den er aufs Knie gestemmt getragen, an die Backe, — ein KUall, und der Posten bei den Pferden stürzte mit dumpfem Laut zusammen. Drin ein lautes Gebrüll. Die Kosaken sprangen auf, stürzten heraus und-etwas Unerwartetes geschah-griffen nicht den an den Sätteln hängenden Karabinern oder Lanzen, son- dern^erhoben die Hände, um sich zu ergeben. Donnerwetter! dachte Dröhmer, der schon sein Pferd herumgerissen, die mußt du mitnehmlen! Aber wie sollte er allein fünf Mann entwaffnen und abführen? So langsam Dröhmer auch war, er war im Grunde ein pfiffiger Kerl, der sich nicht leicht iir Verlegenheit bringen ließ. „Alle Mann dort in die Scheune!" gebot er, indem er drohend die Lanze erhob und auf ein offenes Scheunentor deutete. Tie Kosaken verstanden bie^ Bewegung. Einer bat um Brot. Dröhmer überlegte, dann warf er ihnen sein Kommißbrot zu. Die Russen nahmen es gierig auf und trotteten mit einem gl eichg ästig gemurmelten „Nitschewo" in die Scheune, die der Wirt, wieder durch die.vorgehaltene Lanze freundlich aufgefordert, bereitwilligst hinter ihnen abspcrrte. „Na, die Kerls werden mir ja am Ende ausrücken," brummte Dröhmer durch die Zähne. „Das hilft nun nichts. Aber ich habe die Pferde und die Waffen." Er bedeutete dem Wirt, wieder mit der Lanze, die Pferde zu zäumen uird zu koppeln. Auch dies tat der Wirt bereitwilligst und erteilte durch Winke Auskunft über den Weg. Dröhlner nahm das erste Pferd am Zügel uird trabte so rasch als möglich mit seiner Koppel lediger Pferde zum' Dorfe hinaus. Klipp, klapp, ttipp klapp klang der Hufschlag. Wie ein Rittmeister. der mit seiner Schwadron ausritt, so fühlte sich Dröhmer. Aber die Richtung? Hatte ihm der Wirt auch den rechten Weg gewiesen? Immer nach Osten, denr aufgehenden Mvnd, der eben das schnell ziehende Gewölk durchbrach, entgegen. Es mußte schon stimmen. Da klang .Hufschlag aus einem Seitenwege. Dröhmer schlug das .Herz. Er verhielt sein Pferd, aber der Marbod griff mit schärfer aus und wieherte freudig, - er hatte seine Regimentskameraden gewittert. Es war die Kürassierpatrouitte, die aus dem Dunkel des Waldes auf die vom Monde hell bestrahlte Lichtung die Dröhmer eben erreichte, ritt. „Melde mich mit sechs Beutepferden zur Stelle!'' sagte Dröhmer, auf seinen Leutnant zureitend. „Die Kerls sitzen dahinten im nächsten Tprf. Ich habe sie so lange in die Scheune gesperrt." „Donnerwetter!" lachte der Leutnant, „das nenne ich einen Fang. .Hoffentlich sind Ihre Gefangenen aber noch da?" „Ich habe ihnen mein Kommißbrot gegeben," antwortete Dröhimer mit einem psissigen Lächeln. „Na^ und wenn ein Rußti zu fressen hat, rückt er so leicht nicht aus." „Sie sind in ein Mordskerl, Dröhmer!" lachte der Leutnant, „ein verkanntes Genie. Also los! Holen Sie Jhte Gefangenen." Im leichten Galopp jagte die Patrouille den Weg zurück, den Dröhmer gekonkmen. Stolz ritt dieser an der Spitze, neben dem Herrn Leutnant und zeigte den Weg.- Bald war das Dorf erreicht: vor dem Wirtshaus machten sie halt. Die Kosaken waren noch da! Ebeii hatten sie die letzte Krume Kommißbrot vertilgt. Im gemäßigten Tempo, ihre Gefangenen in der Mitte, ritten unsere Kürassiere dann zurück. Dröhmer zum Schluß. Still und stolz saß er ans seinem Braunen. Sechs Gefangene! Das war noch keinem gelungen. vermischter. * Die Kind er und die B üvcn. Was die Märchen erzählen, das geschieht manchmal noch heut im vollen Lichte der Wirk lichkeit. Ein solches echtes und rechtes Märchenabentener berichtet die Zeitschrift des schwedischen Jägerbundes. Schauplatz dieses Abenteuers bildete ein Saeter (Alm) in der schwedischen Provinz Darlekarlieu. Diese Alm bewirtschaften zwei erwachsene Frauen mit vier Kindern, von denen das älteste gegen zehn, das jüngste aber erst zwei Jahre alt war. Währe ich die eine Frau das Vieh hütete, besorgte die andere die Arbeit in der Älmyütte uzrd hatte zugleich die Aufsicht über die Kinder. Diese waren aber nach Kittderart nicht im Hause zu hatten, sondern sprangen ins Freie und spielten da auf eigene Hand. Plötzlich sielen ihnen außerhalb des die Almwiese umgebenden Zaunes ztvei schwarz braune Trere mS Auge. Tie Kinder hielten die Tiere für Kül-e, öffneten den Zaun und gingen zu ihnen hinaus. Wie die Tiere merkten, daß dre Kinder sich nahten, begann das größere unter ihnen das kleinste Kind auf eine Fichte zuzudrängen. Dort brachte es das Kind dazu, sich nreder- zulegen, während das Tier selbst sich in der Nähe wie ein Beschützer lagerte. Als das Kind sah, daß das Tier sich niedergelegt hatte, ging es zu ihm, legte seinen Kopf in seinen zottigen Pelz und begann es tüchtig an fernem Pelz zu zausen. Die anderen Kinder standen, während dies vor sich ging, ganz ruhig wenige Sa>rrtte entfernt, bis dem ältesten Kinde plötzlich der Gedanke kam, das mußten Bären sein. Natürlich bekam es einen großer: Schreck und lief von dannen. Das kleinste aber, das nach wie vor bei seinem Bären lag, blieb weiter ganz unbekümmert ans seinem Platz, Nach einer Weile erhob es sich und begann Blaubeeren zu psücken, die es dem großen Bären reichte. Der nahm auch ohne Bedenken die Beere,: aus der Hand des Kindes an. Das Kind brach sodann einen Zweig ab und reichte ihn den: Bären, der ein Stück davon abb:ß und den: Kinde den Rest reichte. Endlich kam nun die Frau aus der Almhütte herbei und sah mit Schrecken, was vor sich ging. Das Ende des Abenteuers war, das alle vier Kinder, ohne :rgend e:nen Schaden zu nehmen, zur Almhütte gebracht werden konnten. Frölich klingt die Geschichte ein ivenig nach den: bekannten Jägerlatein, aber n:anche Erlebnisse ähnlicher Art, die gut verbürgt sind, lassen das, was die schwedische Zeitschrift erzählt, als gar nicht so unglaubwürdig erscheinen. . . r . 'Wie der Krieg die englische Jug e n d verd : r b t. Die Ueberhanduahme von Jugendverbrechen ii: England ist charakteristisch für die zun: Teil höchst unheilvolle Wirkung, die der Krieg auf die Moral der ärmeren Bevölkerungsschichten Englands ansübt. In welch bedenklichen: Maße die Zahl vor: Vergehen Jugendlicher sich seit Kriegsausbruch in England — namentlich in London — gesteigert hat, läßt sich aus den: Bericht eines Lou- douer Polizeibeainten ersehen, dessen Anssührnngen in der »Daily Mail" veröffentlicht ,verden. „56 Verurteilungen von Kindern an einem Tage," erklärt der Beainte, „sind durchaus ken,e Seltenheit mehr. Und dabei nimmt die Zahl solch beklagenswerter Fälle fast täglich zu. Seit dein Beginn des Kruges haben die Berbrechei: und polizeiividrigen Vergehen Jugendlicher in Gro britannien um nicht weniger als 50 Prozent zugencnnmen. In den meisten Fällen handelt es sich um Kinder, deren Väter als Soldaten in: Felde stehen. Die Hauptursache dieser Zustände ist zweifellos die Zügellosigkeit und Trunksucht der Mutter. Vor: dem bändigenden Einfluß der Männer befreit, ergeher: sich die Frauen tu mehr oder weniger bedenklichen Ausschweifungei: verschiedener 'Art, und so überschreiten sie die Greiizeii, die sie in Anwesenheit ihrer Männer zu achte,: gezwirngen ivare,:. Die ständige Besorgnis, vorn Alaune überrascht zu werden, hält viele Frauen davor zurück, das Nippen an Wein oder Bier zn einer Gewoh,:heit iverden zu lasse,:, d:e n,it der Zeit schlinnne Forinen ainnnnnt. Heule aber sind alle Frauen unbeobachtet, sich selbst mit ihrer: Fehlern überlaßen. Dazu kommt noch, daß vielen Frauen, besonders m den Arbeiterkreisen, durch die staatliche»: Kriegszuschüsse jetzt n:ehr bares Geld zur Verfügung steht als früher. So verbringe,: sie den halben Tag mit Trinken, Schwatzen und Nlchtstilii. Der Haushalt ivird vernachlässigt lind die Ki,:der »verden von dieser schlechten Lebens,veise angesleckt. Völlig »»nbeaiüsichtigt, in verhärignisvoller Freiheit, treibt die Jugend sich auf den Straßen umher. Es entivickeln sich Vereinigungen, und ineist sind einige jugendliche Anführer für die Streiche der ganzen Baiide verantivortlich. Dabei handelt es sich bei den Diebstähle», durchails nicht bloß um Egwaren oder lltaschiverk. Meist suchen diese verdorbene», Kinder Geld zn stehlen, um sich Eintritt in die Kinematographentheater zu verschaffen. Hier sehen sie alle möglichen Abenteuer, Dramen und Gaunergeschichten, die sich in ihren Köpfen z,> gefährlichen Phantastereien entivickeln. Sie bewundern die Helden in den Detektivstücken und koinmen so iminer ,nehr an? die schiefe Bahn. Man ,nüßte eine strenge Filmzensnr einsetzei, und a,lch Frauen, die das Kindergeinüt an, besten verstehen, als Zensoreil anftelleu. Bisher ist es trotz aller Bemühungen noch nicht gelungen, den, bösen Treiben und der Entwicklung der Kinder zum Schlechten Einhalt zu tun. Tie Mütter sorgen sich nicht um sie, so werden sie dem Hanse entfremdet, leben auf der Straße und koinmen mit den schlechtesten Elementen in Berührung. Wenn nicht rechtzeitig und energisch eingegriffeu wird, können diese durch de», Krieg bewirkten traurigen Zustände allmählich zu einer bedenkliche,! Verschlechterung der Votksinoral führen. . * Der Kenner. „Kannst du dir mein Entsetzen yorstellen, als ich gestern in meine Wohnung koimwe, finde ich den siebenjährigen Sohn meiner Wirtin eifrig bannt beschäftigt, »neine selbstverfaßten Gedichte, die ich unborsichtiAerweffe auf meinem Schreibtisch liegen gelassen hatte, in winzige Stücke zu zerschneiden." — „Unglaublich!.. . Kann denn der kleine Franzose schon so gut deutsch?" (Liller KriegszciUmg.) * Der rechte Genuß. „Wenn doch endlich mal wieder anständiges W-etter wäre!" — „Warum denn? Jetzt, wo wir unfern Unterstand so fein hergerichtet haben, daß wir uns keine bessere Wohnung wünschen können, muß es noch viel toller regnen, dann hat man doch erst den rechten Genuß von seiner Arbeit." (Liller Kriegszeitung.) vüchertisch. — In das Reich des friedevollen Stillebens führt uns der Aufsatz über den Münchner Maler Rudolf N i s s l im Märzheft der „Kunst, Monatsschrift für freie und angewandte Kunst" (F. Bruck- mann A.-G., Münckien). Man mag über die Stilleben-Malerei denken wie man will, Nissls Bilder Haber: federn etivas zu sagen. Ob nun der Maler Schnitzereien und Skulpturen in: Bayerischen Nationalmuseum oder der Glyptothek in München schildert, oder aber sonnige Jnnenräume mit allerlei Hausgerät oder Getier gibt oder auch feine Akte vor schöngestimmten Hintergründen, aus allem spricht höchste künstlerische Kultur und starkes Können. Mit einem „Sesam öffne dich" beginnt sehr bezeichnend ein zioeiter Aufsatz, der Max Sie Vogt als Schwarzweiß-Künstler beha,:delt. In der Tat ist es eine Schatzkammer, die sich hier vor uns öffnet, in die — wenn man einmal eingedrungen ist — man immer wieder zu ausgiebigem Genießen zurückkehren möchte. Julius S e i d l e r , ein Münchener, Hausplastiker, betitelt sich ein weiterer, sehir reich illustrierter Aufsatz. Was wir hier sehen, ist eckte Münchner Kunst urwüchsig, humorvoll,' zu Herze:: gehend, und man bemerkt mir Vergnügei:, daß diese Kunst bereits weit über das Weichbild der Stadt München hinaus — sogar bis hinauf nach Bremen — gedrungen ist. Aus den: übrigen Inhalt des auch dieses Mal wieder außerordentlich reichhaltigen und anregende:: Heftes seien noch hervorgehoben: sehr lebendige Bilder von der Front von Arthur Kampf, ein monumentaler Fabrikbau von Hermann M u t h e - sius, das reizvolle Ausstellungshaus, welches die Keksfabrik Bahlsen für die Kölner Werkbund-Ausstellnng errichtet hatte, sowie eine Anzahl aus dieser Ausstellung gezeigter Erzeugnisse deutschen Kunstgewerbesleißes. deren Abbildungen dem Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1915 entnommen sind. — „D i e Heimkehr" (eine neue Halbmonatsschrift, Preis vierteljährlch 1,20 Mk., herausgegeben vom Fürsorgeverein für deutsche Rückwanderer, Berlin W. 35 Schöneberger Ufer 21) ist für unsere deutschen Brüder bestimmt, die unter der brutalen mosko- witischen Geivalt schon vor dem Kriege schwer gelitten haben und jetzt vollends dem Untergänge nah»>gebracht sind. Zum Teil könne«: mir sie jetzt nicht erreichen und werden erst nachher blutende,: Herzens erkennen müssen, ob nbecha:rpt und was noch von den einstmals blühende,: deutschen Kolonien im Innern Rußlands erhalten ist: zum Teil sind sie aber, dank dem siegreiche!: Vorsturm deutscher Heere im Sommer 1915, brüderlicher Hilfe erreichbar, sei es, daß der Russe sie ans Polen und Wolhynien nicht mehr mit fortschleppen konnte, sei es »das; sie kriegsgefangen sich in unserer Haich befinden. In welchem Kriege hätte bisher nicht deutsches Blut gegeneinander kämpfen müssen. Sehr wertvoll« Kräfte deutschen Volkstums, kernige deutsche Bauern, die sich seit Generationen ihre Eigenart inmitten fremder Völker bewahrten und sich in schwerer Arbeit behauptet haben, gilt es hier, wieder in die alte Heimat emzuwurzeln, sie als Bauer, Handwerker, Land- und Industriearbeiter anzusiedeln und sie mit deutschen: Leben :md deutschem Recht und Gesetz bekannt zn machen. Diesen Zwecke!, dient die neue Zeitschrift, die zugleich eine Verbindung Herstellen will zwischen den erwähnten Elementen und den mehr als 60 000 deutschen Rückioandrern, die schon vor Kriegsausbruch durch die Tätigkeit des Fürsorgevereins für deutsche Rückwandrer, der Ansiedl'ungs- kommission und anderer Gesellschaften eine neue Stätte in der alten Heinrat fanden. Wir verweisen besonders ans die in der ersten Nummer erscheinenden Aufsätze von Tr. P. Rvhrbach: „Die Auslands-' deutschen", von Professor Dr. Wygodzinski „Deutsche Landwirtschaftliche Gesetzgebung" und von dem .Herausgeber A. Borchardt „Tie Zukunft der deutschen Kolonisten in Rußland". Pastor Althansen und Lic. Fauve, die der „Heimkehr" das Geleitwort auf dem Wege gegeben haben, waren selbst lange Zeit — Pastor Alt- hausen fast ein Menschenalter — imter den deutschen Kolonisten Wolhyniens tätig. Ihre.Beiträge führen, ivie die treuherzigen! Berichte und Briefe der Ansiedler selbst, mitten in das eigenartige schlichte Leben dieser abgesprengten Deutschen hinein. — Kleingärten a l s Förderer der Krieger- Heimstätten von Harry Maaß. Sondcrabdruck ans dem Vortrupp, Jahrgang 1916 Nr. 4. Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit, herausgegeben von Dr. Hermann M. Popert und Hans Paasche. Verlag von Alfred Janssen, Hainburg. Logogriph. Billig «lnd nahrhaft mit L., auch durchsichtig, dann aber teuer: Wähl' ich zum Hauptschmuck ein B., siehst dn im Wasser mich stehn. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, o — Eoeur, car — Carreau trB --- Treff-Bube, pA = Pique-Aß, cD — Eoeur-Dame usw. In, Skat liegen p9 und carD Vorhand (V.): pA, pch cA, c9, c8, c7, carK, car9, car8, carT. Hinterhand (H.) erhielt den Rest. — Verlauf des Spieles: 1. V. oA M. cD H. carA - - 25 2. V. c9 Nt. cK H. p2 => - 14 8. H. trZ 33. pA M. trA = — 32 Sa. — 6l Augen. Schriftleitung: 3lug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen,