M6 — Nr. 31 Die arme Prinzessin. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Heber die große Schleuse, durch die das Wasser des Brachsees an der Muhle vorübergeleitet werden konnte, führte nur ein schmaler Steg, ein Bohlenbrett, auf das man treten mußte, um die Krappen Ku öffnen. Dichtes Gebüsch umrahmte den Schlensenwinkel Und wuchs ans der Böschung des Grabens: wilde Brombeeren, Berberitzen und Pfaffenhütchen, die schon ihre braunroten Blüten entfalteten. Das Wasser stand hoch und schoß und sprudelte über das Schleusenbrett hinüber und näßte daZ Venushaar an der Ummauerung, so daß alle die zarten, zitternden grünen Hälmchen tropften. Seitwärts hinter den Brombeeren lagen tzwei Paar Schuhe, feste und derbe, ab sie auch klein waren, und zwei Paar Strümpfe. Das eine Paar, ein braunes, war sorgfältig znsammengelegt, und die beiden andern, die schwarzen, ringelten sich liederlich im Grase. Es waren die, denen sie gehörten, ganz in der Nähe: zwei Kinder, zwei frische Müdelchen, vielleicht vierzehnjährig oder kaum, ein blondes und ein brünettes. Sie hießen Annemarie und Grete und waren Gespielinnen, obschon die Blonde ein Prinzeßlein und die Dunkle nur das Müllers- tind war. Die beiden saßen auf dem Stegenbrett der Schleuse, hatten die Röcke geschürzt und hielten die nackten Füße in das Wasser. Das war wonnig. Das sprudelnde Wasser kühlte so angenehm, es lief ein köstlicher Schauer über die bloße Haut. „Sieht uns auch niemand?" fragte Annemarie. „I wo," antwortete Grete. Aber da fuhr sie zusammen, und ihr Siegesbewußtsein verlor sich im Augenblick. „Anne- Mie, jetzt rühr dich nicht. Wie du mich fragtest, ist der Vater in die Sägeholle getreten. Entdeckt er uns hier, so krieg' ich Meine Strafpredigt oder vielleicht auch einen Klaps, und Morgen weiß es die Madame." „Guckt er denn her, Grete?" „Mir ist so... ach nein, jetzt tritt er hinter die Sägen — und jetzt dreht er sich 'wm. Nun herunter vom Brett, Anne- mie, und hinter die Büsche! . . Sie waren schon ans und davon und kauerten sich kichernd hinter die Brombeeren und ließen die nassen Füße in der Lust trocknen. Hinter ihnen wölbte die grüne Hecke sich seit und dicht. Eine Eidechse schlüpfte an ihnen vorüber, und Annemarie zog die Beine an. „Gott, hist du furchtsam," sagte Grete. „Nur vor so kleinem Getier, sonst nicht. Ich gehe hir um die Mitternacht oben in die Ruine oder auch auf den Kirchhof. Ich habe schon einmal einen toten Hund ungefaßt. Ich könnte mich ans einen Sarg setzen, wenn es darauf ankäme. Aber das kleine Gekrabbel, das kann ich nicht leiden. Jost geht es ebenso; es liegt uns im Blut." „Den sieht man ja gar nicht mehr, den Jost!" „Ach, der arme Junge!" . . . Annemarie zog sich die Strümpfe an. . . . „Jnyner im Frühjahr und so um diese Zeit, wenn es Herbstelt, hat er das Fieber. Und kommt er heraus, wird es nur schlimmer, und am schlimmsten ist es, geht er über die Wiesen. Da bleibt er lieber im Zimmer und rührt sich nicht." „Und Bolko?" fragte Grete weiter. „Oder vielmehr Seine Durchlaucht der Fürst? Ob ich's noch lerne, Annemie? Aber ich w erd's schon. Wann wird er denn heiraten ?" Das Prinzeßchen schob die Unterlippe vor und zuckte mit der rechten Schulter. ,>Jck) weiß nicht, Grete. Ich weiß von nichts. Er ist in Berlin und ich hier. Er schreibt nicht einmal oder höchstens eine dumme Karte." Grete war neugierig. Sie schlüpfte nun auch in ihre Strümpfe und streifte sie langsam, wie kosend, über ihre Beine. ,,Sage mal, Annemie, seid ihr denn wirklich alle mit ihm zerfallen?" „I bewahre," entgegnete die Prinzessin, „das ist Unsinn. Er kann ja doch heiraten, wen er will. Natürlich kann er das. Und seine Engländerin soll sehr hübsch und vornehm sein. Stammt aber nicht von hohem Adel, verstehst du, und das ist eben das Schlimme." „Aha," sagte Grete. „Ra j*a, und nun heißt's abdanken, und das will er nicht. Das ist nämlich so die Bestimmung. Wenn er seine Miß heiratet, verliert er die Herrschaft und ist ckicht mehr der Chef des Hauses und muß sogar den Fürstentitel oblegen. Und das will er nicht, oder vielmehr, er meint, das brauche er nicht und zankt sich nun mit dem alten Herrfurtch herum." — „Mit eurem Vormund —" „Ja, mit dem . . ." Run hatte Annemarie sich auch die Schuhe au gezog en und schnürte die Bänder zu. Tabei^siel ihr Blick auf den Riester am linken Schuh, einen dreieckigen Flicken von des Dorfschusters Hand. „Nun sieh bloß." sagte sie, „so mutz mau herumlaufen und ist eine Prinzes>iii,"Elrä- fin und auch Freiin, mit einem ?iamen, der sechs Zellen im Hoikalender einnimmt, und gehört zum ältesten Uradel. Es ist doch eigentlich ein Skandal. Ich bin nur neugierig, ob im Elisabethstift so nwitergehen wird. Hier sieht's schließlich keiner, wie mau herumläust; aber in Berlin haben die Leute hellere Augen, llird nachher soll ich auch noch zu Hofe. Onkel Herrfurth möchte mich zur Hofdame der Prinzessin Irene machen. Da werd' ich mich gut ausnehmen — ach du lieber Himmel! . . ." Aber sie lachte bei diesen Worten. Sie hatte ihre Armut noch nicht als Last enrpfunden und in den Glanz ihrer hellen Kinderaugen hatte die Entbehrung noch keinen Schatten geworfen. Doch Grete sah ernster aus. Die grübelte gern, und daß Unter einer Fürsten kröne auch die Not ihren schwarzen Mantel aufhängen könne, das wollte ihr nicht zu Sinn. Sie hatte sich längshin in das Gras gestreckt, auf den Rücken, und die Hände unter das dunkle Geflecht des Kvpfes verschränkt und starrte wie träumend in den verblassenden Glanz des Himmels hinein. „Vater sagt," so begann sie, „dein Bruder Bolko herrate nur, weil seine Brarrt so reich ist. Sie soll unmenschlich viel Geld haben. Da sagt Vater, das sei sehr vernünftig. Aber icb finde: nein. Nein, Annemie, ein Fürst soll nicht nach Gelb heiraten. War' ich ein Fürst, ich würde nur eine Prinzessin nehmen und am liebsten eine Königstochter . . ." Sie seufzte lies auf. . . . „Ach, Annemie, ich wollte, wir könnten tauschen — ich meine bloß so. . . Ich will mich ja nicht beklagen — aber ein Müller, ist's nun ein Burgmüller oder ein Windmüller oder was sonst und noch so reich: ein Müller ist doch immer etwas Gewöhnliches. Wenn ich wenigstens adlig wäre! Das Schicksal ist schrecklich ungerecht. Ich jv-ollte, ich wäre adlig — da würde ich mir Mühe gebe::, einer: Grasen zu kriege::, und kriegte ihn auch schon. Aber so! Bei einer Müllerstochter denkt man immer gleich an Mehl und an gebackenes Brot. Das ist beinah so schlimm, als wenn Vater ein Fleischermeister wäre! . . Sie schwieg u:ü> verzog das Mäulchen. Ter Wasserschwall, der über das Wehr stürzte, plätscherte laut. Da hörte man nicht das Leben hinter der Hecke, ein Bewegen und Rascheln und ein leises Auslacheu. Aber plötzlich erschraken die Mädchen. Sie sahen über sich an einem Stock eine Mütze schweben: zweifellos eine männliche Mütze, ein Stürmer, wie ihn die Studenten tragen, weiß mit farbiger Borte, und dann hörten sie eine Stimme, die konnte aus dem Buschwerk kommen, und sprach vernehmlich und wie im Prophetenton: .Margarete Reschke, hör, was ich dir sage. Es g-ibt viele Schafe in deines Vaters Hause, aber kein Prachtschaf als wie du. Es gibt auch viele Kamele im Orient, aber aus beiden Seiten des Aequators kein Kamel, das sich rühmen könnte, ein größeres zu sein als wie du. Margarete Reschke, du wirst niemals einen Grafen heiraten, sonder:: einen Müllerburschen mit weißer Jacke und ewigem Mehl auf den großen roten Händen. So sage ich dir, denn also ist es beschlossen von: Schicksal . . ." Und nun bewegte sich die weißbunte Mütze am Stocke noch einmal, u:rd die Mädchen schrien leise ar:f, und dann erhob sich jemand im Rücken der Brombeeren und Berberitzen: ein langer junger Mensch, der sagte höflich: „Guten Abend, Durchlaucht — guten Dag, bedeutende Schwester . ." Grete fiel ihm um den Hals u\ü> gab ihm einen Küß. „Otto, du Nichtsnutz.! Otto, wo kommst du denn auf einmal her? Und beschleichst uns tückisch und hinterrücks wie ein J:rdianer auf dem Kriegspfade unid> brauchst Vergleiche aus der Tierwelt, die für die Begleiterin einer gnrftin von Geblüt zum mindesten unpassend sind! Annemie, schau ihn an. Kennst du ihn überhaupt noch, wieder? . . ." Annemarie errötete ein wenig und stellte den Fuß zurück, an dem der Schuh mit dem Flicken saß, gab Otto die Hand und entgegnete freundlich: „Auf der Stelle Hab' ich ihn wiedererkannt. Aber was sind Sie lang geworden, Herr Reschke!..." Vor zwei Jahren hatten sie sich :roch du genannt. Das war nur möglich unter den eigentümlichen Erzieh uuAsver- hältnissen in Gotternegg und weil der alte Fürst Herrsurth, der Vormund Annemaries und des Prinzen Jost, die Madame Balsour schalten und walten ließ, wie sie wollte. Fürst Hemfurth kokettierte auch selbst zuweilen mit seiner Neigung zu einem gemäßigten Liberalismus, und so schafften Freiheit und Armut ein freundliches Idyll, in dem die Standesunterschiede sich verflüchtigten und beim Spiel auf der Parkwiese das Müllerstöchterlein die Prinzessin und der Prinz, der Räuberhauptmam: war und beim Haschekützchen das fürstliche Blut nicht respektiert wurde vom bürgerlichen. Aber die Zeit der Spiele und der Märchenträume in umschatteten Winkeln verrann, u:ü> man wurde größer. Man wuchs und giirg mächtia in die Länge wie'Otto, der ganz verwundert auf die Leiden Mädchen herabschaute, die ihm noch wie Kinder vorkamen, indes ein blonder Flaum schon auf seiner Lippe sproßte. Grete war die Entwickeltere mit ihrer runden Brust und den kräftigen Gliedern; die kleine Prinzessin die Zartere, und war sehr niedlich gern lächelnd, mit aschblon- vem Gelock um Strrne und Wangen, die so rosig tvaren wie weißer Schnee im Widerschein der Morgensonne. Aber sah sie auch noch kutdlich aus: ein Kind war sie doch nicht mehr, und die Kinderfreundschaft mußte zu Ende gehen wie dis Zeit der Spiele und Märchen. Da sagte Otto denn Durch taucht, Und sie schien das auch-ganz in der Ordr:u::g zu finden und nannte ihn Herr Reschke und Sie. „Durchlaucht," antwortete er (er brauchte die Titulatur ziemlich oft, gleichsam als wolle er viel Versäumtes nach holen), „das mit der Länge ist bloß äußerlich und vielleicht kommt einmal Vaters Breitenmaß dazu. Aber nun will ich auch wohlerzogen um Eutfchultpgung bitten, daß ich mir den Scherz der Ueberraschung erlaubt habe. Ich bin mit dem Abendzuge gekommen, ohne Anmeldung, weil :ch den Eltern eine Freude n:achen wollte —" Grete jauchzte auf und schlug in die Hände. „Wir gehen hinten herum," fiel sie ein, „über den Wirtschaftshof, undi du versteckst dich hinter dem Steinsarg vor der Tür. Dann ruf' ich die Eltern und sage: Seht bloß, es sitzt wer hinter dem Steinsarg, schaut einmal nach ob ihr ihn kennt „Nein," meinte Annemarie, „es ist hübscher, ihr wartet bis zum Abendbrot, und auf einrnal klopft es, und er tritt he reu: —" „Nein," sagte Grete, „da ist es weit besser, er klopft ans Fenster. Das klingt noch geheimnisvoller, und keiner weiß> was da klopft." Otto nickte belustigt. Es war zu niedlich, dies plappernde Mädchenpaar. „Also ja: ich klopfe," stimmte er bei, „undi werde nur noch überlegen, wo. Aber erst möcht' ich einmal ausreden. Ich bin durch die Wiesen zu Fuß gegangen und wollte über die Schleuse. Und drüben von der Höhe aus sah ich etwas Weißes und Buntes. Das waren zwei, die auf dem Schleusenbrett saßen unb —" „Herrgott," fiel Annemarie ein, und das Rosenrot ihrer Wangen wurde ganz dunkel, „da haben Sie uns gesehen?" „Jawohl," entgegnete der Student, „aber es war sehr von weitem, und der Eiirdruck verwischte,sich sozusagen. Es war wie ein Genrebild am Ende einer langen Zimmerflucht und durch sechs offene Türen gesehen. Aber ich dachte mir doch, wer die beiden Mädchen sein könnten und pirschte mich sacht heran, immer den Feldbusch entlang, und duckte mich^ hinter die Hecke und konnte nun meine Freude haben an dem ruhmreichen Blödsinn, den meine Schwester zum besten gab. Ich bin überzeugt, Durchla:uhl: hätte ich nicht meine Stimme erhoben, so würden Sie Grete die rechte Antwort gegeben haben . . ." „Hu, tust du dich groß!" rief Grete und schaute doch mit liebender Bewunderung zu dem Bruder empor, an »dessen Arm sie sich gehängt hatte. «Aber Annemarie antwortet nicht. Daß der Student sie barbeinig, mit schlenkernden Füßen int Wasser, gesehen hatte, war ihr ein unangenehmer Gedanke. Sie entsann sich: früher, da hatte man oft genug Sck)uhs und Strümpfe ausgezogen und war barfuß über die Wiese gesprungen und durch die Gräben gepatscht. Aber fri'cher, das war nicht heute. Sie hatte das Gefühl, als müsse sie ihre Füße unter dem noch halblangen Kleide verbergen: u:ü> nicht nur wegen des Flickens am Schuh. (Fortsetzung folgt.) Lin „übergelaufener" Rektor. Skizze aus dem ersten Kriegswinter von Minna von Heide. (Nachdruck verboten.) Petersen ging zu all seinen Lehrkräfte,:. Zu jeder einzeln. Mit fast allen stand er bestens kameradschaftlich, und bei den paar Ausnahmen ließ er sich das Gegenteil auch nicht merken. Ferdinand Petersen war Rektor an einer Mädchen-Volksschule. Und trotz peinlichster Gewissenhaftigkeit ein äußerst gemütlicher Mensch. Er neigte ein wenig zur Behäbigkeit und wurde heimlich „unser dicker Ferdinand" genannt. Wobei aber kein Mensch an Laschheit oder gar Trägheit dachte. Im Gegenteil, wenn auch wohl noch niemand Ferdinand anders als im Spazierschritt gesehen hatte, war doch, erst recht keiner da, der ihn auch nur dev allergeringsten Unpünktlichkeit hätte bezichtigen können. So etwas von Glockenschlag war nicht leicht znn: zweitenmal da. „Spinkel", der jahraus jahrein seine liebe Not hatte, noch halberlei zurechtzukommen, tat einmal im Lehrerzimmer mit einem tiefen Seufzer den Ausspruch: „Nur eine wirklich zuverlässige Uhr wurde in Gang gebracht in dieser unzuverlässigen Welt, schade, daß die Schöpfer dieses M>eisterwerks ausgerechnet die Eltern unseres dicken Ferdinand sein inrußten!" Das ist schon einigermaßen ein Bild von Ferdinant) Petersen. Und doch, wie wenig kennt man selbst die Mutschen, mit denen 123 man Tag für Tag denselben Göpel tritt. Samt und sondern war man verwundert, wie so viel Ruhe und so viel Begeisterung unter den gleüHen Hut zu bringen gewesen war. Ais nämlich der Krieg ausbrach, ftand Ferdinand Petersen mit einer Belt.mm heit in der vordersten Reche der Freiwilligen, das; jede Einwendung seiner Vorgesetzten glatt abprallte. Ferdinand sagte einfach — und sagte es mit einer Unerschütteclichleit, in der sich das Deutschtum. selbst verkörperte —: „Nel.en meinem Vaterland gibt es für Mich nichts. Auch dann noch nicht und dann noch nicht." „Aber Sie sind aus dem Jahrgang, Petersen, und kommen vorläufig gar nicht in Betracht. Einstweilen haben wir Gott sei Dank Soldaten jgenug, leider jedoch nicht Rektoren Ihres Schlages !" Das Schmeichelhafte hörte Ferdinand gar nicht he ans. „Was heißt aus deni Jahrgang, Herr Geheimrat? Ich bin ein guter Fünfziger! Und ich wünschte. Sie könnten mich einmal zielen und schießen sehen! Aber ganz davon ab-geehen — ich würde hier in Atemnot geraten mit meinen zweihundert Pfund!" Der Geheimrat freute sich doch. Da war etwas in den Augen dieses Rektors, das einem alten Manne das Herz warm machte bei dem Gedanken an den anschrvellenden Sturm. „Und wenn man Sie einfach nicht beurlauben würde?" fragte er lächelnd. ,'Tann würde ich um meine Entlassung bitten.". — So kam es, daß das Haupt der dritten Mädchen-Volksschule zu K. sehr bald von Tür zu Tür gehen konnte in seiner Schule. Zuletzt klopfte Vetersen bei Fräulein Spreckelsen an. Und er hatte eine Zeit gewählt, ftp er sie sicher allein wußte. Er wollte ihr noch ein gutes Wort geben zum Llbschied. Emma Spreckelsen war nach und nach so ziemlich die letzte und einzige, mit der der Rektor fast nie in die gleich Meinung kommen konnte. Sie war die älteste der -lehrenden Damen an seiner Schule. Schn ziemlich stark angegraut und verschrien für bissig. (Im Grunde kümmerte Emma sich um niemanden und schließlich ließ man auch sie links liegen.) Aber ihre Klasse liebte sie abgöttisch. Als ihr Chef bei ihr- eintrat, schon von Kopf bis zu Fuß in feldgrau, packte sie eben einen Hausen Hefte zusammen. Er streckte ihr gleich die Hand entgegen. „Also nun heißt es Abschied nehmen, Fräulein Spreckelsen. Und nochmals Tank sagen." Das ältlich Fräulein sah den Vorgesetzten auf eine Arr an, daß Ferdinand sich den Blick nicht rech deuten konnte. Tie Worte, die sie dazu sagte, klangen freilich in der Tat nicht anders als bissig. „Das wäre wohl nicht nötig, Herr Rektor, den letzten Ailgenblick noch mit Hohn zu füllen. Ich weiß ja, welcher Art Ihr Dank für mich ist!" „Aufrichtig," sagte Petersen mit voller Ruhe und großer Trockenheit. -Aber da drehte das Fräulein ihm mit einer Heftigkeit den den Rücken, daß auch er sich ärgerlich umwandte. „Hätte doch nicht gedacht," sagte er im Gang kopfschüttelnd vor sich hin, „eine im Grunde durch und durch tüchtige Person und so ein verrücktes Frauenzimmer!" Und damit war die Sache abgetan. — Inzwischen hatte der Weltbrand weiter gelodert, und der ehemalige Rektor und jetzt Kompagnieführer trug büde Eiserne auf seiner breiten Brust. Aber trotz seiner glühenden Vaterlandsliebe hatten diese hohen Auszeichnungen ihm nicht so viel Freude gemacht als eine schlecht gestrickte und im höchsten Grade unförmliche Leibbinde. Denn was seine Pflicht anging, die tat er stets und überall eben ihrer Erfüllung wegen und nicht um sich Auszeichnungen zu ergattern. Aber mit der Leibbinde war das eine ganz andere Geschichte. Die dankte er einem gar zu löst licken Zufall. Also die Leibbinde war von Fräulein Spreckelsen. Und er. Ferdinand Petersen, tvar sicher der letzte, dem sie sie zngedacht hatte. Sie hatte sie ganz einfach, wahrscheinlich mit anderen Gaben, an das Rote Kreuz gehen lassen, und das Ungeheuer von Wollgebinde fand unter den Tausenden, an die der Transport ging, gerade den Einen mrd Unrechten heraus. Tenn daß etwa „Spinkel", der überall zu sein pflegte, wo man ihn nicht wünschte, die Hand im Spiel gehabt haben konnte, nmr wohl so gut wie ausgeschlossen. Wie sollte das ohne einen besonderen Vermerk möglich gewesen sein! Einerlei w-ie das nun auch sein mochte, an der Tatsache gab es kein Drehen ^md Deuteln, denn die Handschrift verriet die, Spenderin. Ter beigefügte Brief lautete: „Lieber deutscher Soldat! Hier hast Du eine Leibbinde. Drücke nur ein Auge zu. Der Wille war so gut wie die Maschen unregelmäßig. Und warm halten wird sie Dich doch, denn die Wolle ist gut. Ich hätte doch ohne jede eigene Mühe eine fertige kaufen können, aber es hat mir eben so viel Freude gemacht, mich auch einmal ein bißchen ranzukriegen. Das kannst Du mir nämlich glauben, ich habe mich ehrlich daran geplagt. Ich habe meiner Lebtage eine wahre Angst vor Stricknadeln gehabt, aber jetzt rvollte ich nickst zurückstehen. Was Dich nun bei der Sache angeht, kann ich Dir die Versicherung geben, daß Tu immerhin noch Glück gehabt hast. Erst habe ich nämlich verwegenerweise einen Kopfschützer gestrickt und mit dem wärest Du schlimmer daran gewesen, darauf kannst Du Dich verlassen. Uebrigens habe ich eine Rechtfertigung: Es sitzen ein paar ehrliche Wünsche in dem wenig ansprechenden Geschenk. Bitten an unfern Herrgott tvie die Kinder bitten und die noch was helfen. Wenn man keinen Menschen sonst hat auf der Welt, zu dem man gehört, ganz allein steht, kann man wohl eine wunderliche verschrobene alte Jungfer sein, aber sich trotzdem oder vielleicht erst recht darum sein Herz warm halten in der Brust. Ihr alle da draußen erbarmt mich, daß das klare Wasser mir beim stricken immer über die Backen in die Wolle gelaufen ist. So etwas rührt unfern Herrgott. Ich keime ihn. Man muß es nur ehrlich meinen. So nimm denn nun meine bescheidene, unscheinbare Gabe als ein Stück von einem lebeirdigen Herzen und sei gefeit, wenn Tu sie trägst! Eine alte deutsche Lehrerin." Ferdinand Petersen meinte erst zu lachen, daß ihm die Tränen über die Backeil liefen. W>qc er fing immer tvieder von vorne an mit dem Brief, und zuletzt wußte er nicht, was für ein wunderliches Naß es loar, das er ein übers andere Mal mit dem Handrücken abivisckste. Jedenfalls, als er nächsten Tages allein in seinem Unterstand ioar, stand er mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt und schrieb auf lauter Notizbnchblätter: „Liebe Emma, warum soll ich Sie sagen, wenn Tu du sagst! Das würde keinen Sinn für mich haben. Was nun die Leibbinde betrifft, wirst Du schwerlich leugnen können, idaß sie für mich bestimmt war. Ihr Umfang hat Dich verraten! Mir jedenfalls genügt dieser Indizienbeweis, chaß Dir wenigstens so außen rum ein Mensch von meiner Sorte vorge- schwebt hat. Außerdem, wenn ich mir jetzt bei Tageslicht alles besehe/ muß ich wohl sagen, daß dieser Brief von einer deutschen Lehrerin all einen deutschen Soldaten ein sprecherld ähnliches Bild von Dir ist. Genau so bist Du-! Ein totguter Kerl. Der sich im persönlichen Verkehr allerdings nicht selten eifrig bemüht, Stacheln nach außen zu kehren. Oder wollen wir ehrlich sein, Enlma? Wollen nur es rein! heraus eingestehen, daß die ganze Krakehlerei mit uns beiden nichts war als ein bißchen Schamhaftigkeit unserer grauen Haare! Man kann es ja nickst anders sagen, sie war berechtigt. Schließlich wirst Du fünf- oder sechsnndvierzig sein, und ich drciundsünfzig. Wie sollten wir dem Vaterland jetzt noch jcmge Soldatenzuführen! Und haben «es sonst beide gleich genau genommen mit unseren Pflichten. Also Ursache die Masse, uns vor einander zu schämen. Tas ist es gewesen und sonst nichts! Darum waren wir kratzbürstig. Es war Vertu scher ei! Mir hatte der Kaiwnendvnner schvn halbwegs die Augen ausgemacht, warunl ich 5u Dir zuletzt ging damals beim Abschied. Und warum ich eine Zeit abpaßte, wo eine Störung nicht so leicht zu befürchten gewesen wäre. Wenn ich fünf Minuten später auch, statt mir beit Mund nach Deinem Aoschiedskuß zu lecken, etwas in den Bart brummte, das wenig schmeichelhaft für Dich zu hören gewesen wäre. Aber so geht es, Emma, es ist wie mit den Kindern. Sie wissen nickst, daß sie ani Wasser spielen. Erst wenn eins hineinfällt und prustet. Hier meine Hand, Emma, ich glaube an die Wunderkraft der Bitten, die in dem Wollgewinde sitzen. Unter all den Brüsseler Spitzen hier wüßte ich lein schöneres Gemasch.- In acht Tagen habe ich Heimaturlaub. So lange hast Du Zeit. Wenn bis dahin' nicht Du selbst mich davon abhältst, hält eine ganze Welt mich nicht davon ab, den vorbildlichsten Frieden; zu schließen und mich mit Dir kriegstrauen zu lassen! Tein „übergelaufener" Rektor _ Ferdinand Petersen.^ vermischtes. • D i e Reichs-Speisekarte. Wie aus Dresden berichtet wurde, machte der Vorsitzende des dortigen Gastwirtsvereins, Artt. seinem Verein davon Mitteilung, daß zwischen den großen Gastwirlsverbändcn Verhandlungen schweben, um eine für ganz Deutschland einheitliche Sveisenkarte einzickuhren. B.ei der Ver- fcknedenheit der Bezeichnungen in den einzelnen Landesteilen sind allerdings, wie die nachfolgende kleine Probe zeigt, manche Schwierigkeiten zu überwinden. In Berlin und Norddeutschland iagte man bis vor kurzem wenigstens Bouillon, in Wiesbaden ,Fleischbrüh" und in München „a Rindsfuvp'n". In Berlin heißt Roastbeef, was in Wiesbaden Ochsenbraten und in München a Rinder- bratl ist Das norddeutsche Ranchsieisch bezeichnet der Bager und Österreicher als ,a Ge'elchl's". Was in Berlin Sahne heißt, ist in Ostpreußen und in Mitteldeutschland Schmand, in Obersranken Rahm und in Bayern und Oesterreich „Obers". In einer Berliner Posse erregte es jedesmal größten Jubel im Znschauerramn, wenn da ein im Salzkanunergnt reisender Berliner Rentner Giesecke im österreichischen Gasthaus die Bezeichnungen ,Jungsernbraien", „Schwemelenden". ..Ribisel" nsw. ani der Speisekarte nicht ver sieht und sich schließlich ein „Beuschel" be eilt, welches Gericht lieh dann als das ihm besonders verhaßte Lungenhachö entpuppt. Was sind Ribisel? Was sind „Hetschepetfchen" ? Was ist „Kren' ? Die österreichischen Ribisel Heiken im Reiche JohaimeSbeeren, „Hetschepetschen" sind Hagebutten und „Kren" ist Meerrettich. Bemerkenswert ist auch, daß das. was num in Norddeutschland „ftttfleler Rippespeer" nennt, tu Kassel vollkontinen tutbefamtt ist. Die norddeutschen „Pellkartoffeltt" trennt man in Franken geguelUe Grnndbeerstt und in Bayern „g'solUn Erdapi'l mit d'r Schonl'n". Dian steht also, das; es der einheitktchen Speisekarte nicht ganz leicht fein wird, sich durchzusetzen. * Der Z tt k u n f t s f l n g von RewVor k tt a ch Enrop a. Wem; trotz der außerordentlichen Entwicklung der FIngKUigiechnik noch uicnxanb beit Atlantischen Ozean überflöget; hat, so liegt dies tlicht an tmserent Uttvermögen, sondern lediglich an dctt kriegerischen Verhältnissen, die derlei Atisflüge gegenwärtig nicht sehr er- tvünscht erscheinen lassen. Wenigstens ist dies die Meinung des amerikanischen Fliegers und Flugzeugkonstrukteurs.G. H. Eurtiß, der sich eiuein Mitarbeiter der New Yorker „World" gegenüber über das Problein des Fluges über den Atlantik äussprtcht. Euriist, der, wie inan weiß, sich t er iis tnehrinals zun; Fttig von Amerika nach Europa vorbereitet halte, ist der Ansicht, das; der erste Flug dieser 2U't zivar ein Wellereignis, aber bei den heutigen Mitteln durchaus kein Wunder sein wird: „Weint der Friede tvieder hergeskellk unb das Interesse sür derartige tragen wie e lebendig sein wird, ivird eines TageS der erste Mensch in den L-n'len über den Atlantischen Ozean reisen. Der erste Fliig wird höchstwahrscheinlich von Neiv Port aus veraitstaltet tverden. Er ivird seinen Weg über Neufundland und die Azoren ttehtnen, um im Notfälle eine zweimalige Landung zu gestalten. Der zweite Fl»ig ivird sicherlich bereits ohne Unterbrechung ausgesührt tverdett. Tie Tech- «tik ist iveit genug, alles atidere wird von dee Fähigkeit des Fliegers adbängeu, und die Maschine wird mit Leichtigkeit all das mit'sich tragen können^ ivas man tvährend einer solchen Reise braucht. Zur Uebung für den großen Flug ivird die hierzti gebaute Maschine in aliSgedehuten Flügeu voit Neiv Port entlang' der Küste ans- vrobterk iverde». Wenn der Flieger fähig ist, 750 Meilen ohne Nebermüdung zu dnrchmeffcn, >verden alle Schivierigkeiten überwunden sein/ Die Erfahrung, inetnt Cnrtist, ivird lehren, daß der Hydroplan das schnellste ttitd sicherste Verkehrsmittel über See ist. Ler europäische Krieg habe eine außerordentliche Steigerung der Widersiaiidskähigkeit und Atotoreiikralt der Flugzeuge bewirkt. Alan hrbe gelernt, die Angriffs- und Verteidigtutgsinöglichkeiteu des Flugzeuges in hervorragender Weise auszubeuteit. „Für Amerika", fährt Eurtiß fort, „ist dies von höchster Bedeutung. Wir haben viel zu wenig Aiaschtneit und Flieger, llnsere ganze Küste sollte mit einem Cystein von Flugzengstaktonsn versehet; werden. Der neueste grobe vydroplan kamt sich weit hinaus m die offene See »vagen, auf das Wasser niedergehen und, iventt nötig, tagelang so ausharren. Auch wird er sich als das einzige Mittel zur Bekämpfung von ttitlerseebooteit erweisen. Noch wichtiger als die -Zt,nähme der Ataterialstarke und der Größe ist für den Hydroi la>; der Zukuust dte Mafchinenkraft. Der Apparat, auf dem die Reise von Amerika nach Europa ansgeführt iverden soll, tvird zwei 160 kS-Mororcn habett, also eine Motorstärke voit 320 Pserdekrästen." * T a s st il r tu r e t ch ft e L a n d der Erd e. Nach den Beobachtungen mtd Auszeichnungen der attstralisehen Südpol- expeottioit, die in den Jahren 1911—1914 ftaüfmiö, soll das sturm, retehste Land der Erde das ttt der Antarktis gelegene Land Adelte sein. Tort beträgt, wie in der „Meteorologischen Zeitschrift" berichtet wird, die mittlere Windgeschwindigkeit nicht weniger als 80 km auf die Stunde während des ganzen Jahres. Die Jnftru-' ntente geinten nicht selten durchschnittliche Slundengeschwiudigkeiten bis zu 160 km und noch mehr. Die Winde kanten aus südlicher Richtung von dem 3350 w und höher liegenden Plateau des antarktischen Festlandes her. Ihre Richtung war so 'beständig, das; das Wehen der Wiitde aitstelle des Kompaßes, der wegett der Nähe des magnetischen Südpols nicht ntehr zuverlässig war, zur Orientierung der Richtmtg bet deit Märschen im arktischen Halbdunkel gewählt tverden konnte. Ein großes Vergnügen muß es aber nicht ntacheit, in solch einem windigen Lande längere Ans- singe ztt uttlernehtnen. - vüchertlsch. -- Das literarische Echo. 5)albmonatsschrift für^Ltte- rakunretmde. Verlag: Egon Fleischel nMo., Berlin SB. 9 Das 1. Mctr-Heft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Theodor vcuß: Tie Politisterung des Literalen: Ernst Lissauer: Ina Ina Seidel: Drei Gedichte: Fritz Himzikec: Die Neue O. Walze!: SckFcksale des lyrischen Jchs II; T Eche) der Zeilwngen — Echo der Zeitschris- m"; . v.^ D ^^dlttslandes. — Kurze Atrzeigen. — Notizen. — Nachnchten. — Der Bück-ermarkt. hlg e ’WonfttSbeft des „Wieland", Nr 42 E.-" lWieland-Verlag, G. in. b. H Berlin W. 9, LennLstr. 4 , V'tni, - 1' bvn i nt - cc Fistle literarische und ffmff- unb © v hvt?titetter ' tcc Rutscher und österreichischer Künstler Univerfal-Bibliv-' JiL- (i ■ rc ° 821- ^ Edtchte. Bon Karl Stieler. Mit mtd Mreerver-eichnisfm heraus- Otflk ui.t von Fritz Gundlach. 1. Band: Bcrgbleamln. Gedichte in oberbayrischer Mundart. (80 S.). — Nr. 5623. Dokumente zur Geschichte des Krieges 1914/15. 5>eransaegeberr von Wichelm v. Massow. Band IV: AnS dem englischen Weißbuch. (96 S.). In Leinen 60 Ps. — Nr. 5823. Finale Dra- mattsche Dichtung in einem Aufzug. Bott Albert Geiger Musik von Alfred Lorentz. Dollständiges Buch mit der szenischen Ein-. rtchtung des .Karlsruher Hvftheaters von P. Dumas. Herairs- gegeben und eingeleitet vvu (Rwrg Richard Krirft. (Opernbücher 82. Band). 98 S. — Nr. 5824--Ö827. Kriegsgesetze des Datschen Reiches. 2. ErgänznnMcft. Abgeschlossen am 1. November 1915. Textansgabe mit kurzen Anmerkungen und Sachregister. Herausgegeben von Karl Pannier. (455 S.). Ist Leinen 1.-20 Mk. — Nr. 5828. Der R;t f d e s Vaters. Novelle. Von Maria Brie. (80S.). — Nr. 5829. Kr ieg s ka le n de.r 19 15. Eine überstchkliche Zusammensteltunq der gleichz-eitigen Erelgntsse ans den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Bearlteilet vmr Generalleutnant z. T. Metzler. Teil II vom 39. Mai bis zur EiR- nähme von Breft-Litowsk, 26. Ang. (95S.). — Nr. 6890 Feldgraue Humoresken. Bon Gustav Hochftetter. (86 S.). Inhalt: Die Brotkarte. Dev Lebensretter. Der Spion im Speisewagen. Tie Kriegszwillinge. Was heißt Lifnba? Italienisch.- Nacht. Reimt sich was ans Htndenburg? Der Tüchtigste. Meier tvill Urlaub. Die „Goldene Palme der Neittralen". Die Wtederherstellungsanstalt. Berg- und Talgespcnster. Verwundete im Theater. Ein bißst-ett Musik. Reklamiert. Die Kuchen-Gräfin. Kriegsklein. T i e Kriegsfahrten unserer Zeppeline, die Minen Taten der deutschen Luftschiffe und ihre Erfolge hat ein Leipziger Redakteur, Arnold Jünke, in einem Buche „Zeppelin, tm Weltkriege" zusammengestellt, das soeben im Umfange von 226 Seiten zum Preise von 1 Mark iin Verlage von Abel und Vcüller in Leipzig erschienen ist. . ^ Historisch-politische Jahresübersicht für 1915. Bon Gottlob Egelhaaf. Gelieflet Mk. 2.75, in Leinen gebunden Mk. 9 50. — Carl Krabbe Verlag Erich Gustmann in Stttttgart. — Dieses kleine Jahrbuch, welches jetzt in seiirem 8. Jahrgang vorliegt, hat sich als ein überaus brauchbares Hilfsmittel zur Orientierung in der allerneuesten OHschichte bewährt. In kurzer, aber doch klarer und erschöpfender Weise reiht der Der- fasjLr alle bemerkenswerte Vorgänge des abgelausencn Jahres aneinander tntd läßt uns noch einmal im Fluge eine drangvoll bewegte Zeit durchleben. Der vorliegende Jahrgang ist besonders auch dadurch inertvoll, daß er eine zusammenhängende Schilderung des bisherigen Verlaufs des Weltkrieges bietet. Den Schluß des Buches bilden wie immer eine AttKahl für die wichtige Tokumoirte. Anzahl für die Zeitgeschichte , - A tt b n tt und D ü n g u n g der K a r4 o i s e l n wahrend des Krieqes. Unter diesem Titel ist soeben als Flngblatt^ Nr. 17 der Gesellschaft zur Förderung des Baues -tuid der wirtschaftlich zweckmäßigen Verwendung der Kartoffeln etne Arbeit des Vorstehers des Kaiser Wilgelm-Jnstilnls für Landwirtschaft tn Bromborg, Prot. Dr. G o r l a ch erschieiten, die in allen landivirtschaitlichen Kreisen mit großer Frettde begrüßt tverden wird. Tie Bedenktmg der Kartoffeln für die Ernährung des dentscheit Volkes ist ja während des Krieges so klar hervorgelretcn, daß das Bestreben, ihren Anbatt in diesem Frühjahr mit allen Mitteln zu fördern, allgenteines Verstäitdnis finden wird. Das erwähnte Flugblatt behandelt nun in leicht verständlicher Weise alle Fragen, dte für die diesjährige Kartoffelbestellmtq in Betracht kmNinen, tvie Bodenbestellung ttnd -Düngung, Sorteitattswahl, Pstanzzeit und -?lrt unter besonderer Berürkstchtignng der durch den Krieg gegebenen wirtschastlichen Verhältnisse. Die beste Düngnngsart ii'lr die Kartoffel,; ist, tvie in dem Flugblatt hervorgehoben, die Stallinistdüngung. Da aber in diesem Frühahr in manchett Wirtschaften der anintalische Düttger sehr knapp stn tvird. so tvird vielerorts die animalische Düngung durch die koinetttriert«; künstlichen Düngemittel ersetzt oder ergänzt werden müssen.^ Ergibt daher auch das Flugblatt sicherlich wiltkontntens Ratschlag« für die verschiedensten Bodenarten, für Ergättzung der Stallntisldüngtmg, für Ersatz der Stallmlskdüngtmg und bet Grün- )nngtmg. Schließlich gibt das Flugblatt noch eine Zusmmnen- teNnng derjenige, Karlosselsörten, die als sehr erkragSreich gelten, an Stärkegehalt besriedigteit und die in den letzten Jahren eine gute Haltbarkeit aufwieseit. Das Flugblatt ist gegett Einsendtmg einer 10 Pfennigittarke bei der Geschäftsstelle der vorher erwähntet; Gesellschaft, Berlin IV. 9, Eichhornstrabe 6 II, erhältlich. palindrom. Als Wurzel dien' ich zmn Verspeisen, Rückwärts bin ich eilt Netz von Eiset^ (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Tiamant-MtscH in voriger Nummer, F ö je Walls Goller S p e e t Erz t ©cov.mdtima; Aug, (So, 8 . - SKotano.Hötuc* und üetlaa der Brüyl'Ich-,, Unioerfttms-Buch. u»d Sieu.druÄe»,. R. Lanae. ..v«r,.e.u