Um toten See. Roman von RobertKohlrausH. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Also, das ist so g'wesen," begann Höhenleitner. „Ich war damals noch jung und g'sund und leichtsinnig und Hab's Leben nicht schwer g'nommen, nicht für mich und nicht für andere. Uno wie der Herr von Breitenbach den Meineid a'schworen hat. da Hab' ich mir denkt, das ist ja seine Sach'; das geht mich nichts an. Aber g'sagt Hab' ichs ihm doch einmal, tvas ich weiß, uird Hab' geglaubt, er schenkt mir vielleicht a bisserl was, damit ich's Maul um so fester halt'n tu! Das hat er denn auch getan, und mehr noch, als ich mir erwartet g'habt Hab'. Ein paar Tag' lang hat er's mit sich rumtrag'n, dann hat er mick. zu sich ins Zimmer kommen lassen und hat mir g'sagt, er Müßt' ja, daß ich ein Mädel hätt', wo ich gern heiraten möcht' — ich Hab' ihm nämlich davon schon erzählt g'habt — und ob ich nicht Lust hätt', nach Amerika zu gehen. Er wollte mir's Geld geben, und ich könnte drüben ein G'schüst anfangen, wo ich doch gelernter Schreiner war' von .Haus aus. Und ich bin sehr froh g'wes'n und Hab' ihm sehr gedankt, und Hab' mich trauen lassen mit meinem Mädel uno bin ab gedampft nach Amerika." „Das ist ja eine wundervoll romantische Geschichte," sagte Breitenbach. „Neugierig bin ich, wie sie weiter geht." „Das wissen S' bereits ohnedenl, Herr von Breitenbach, wie's weiter gegangen ist. Aber heut' soll's auch der Herr Staatsanwalt erfahren. Also: zu Anfang war's lauter Freud' und Seligkeit. Wir sind nach Milwaukee, wo's viele Deutsche gibt, und ich Hab' Stellung g'funden in einer großen Möbelfabrik. Geld g'nug Hab' ich verdient, so daß wir gut haben leben können, und ich Hab' nicht etwa weiter was gefordert von dem großen Herrn hier. Nicht etwa, daß ich ein Erpresser oder dergleichen g'wesen war', Herr Staatsanwalt, das ist nicht ait dem. Aber so gut wie's aufwärts 'gangen ist die ersten Jahr', so rasch ist's abwärts 'gangen hinterher. Die Fabrik, wo ich in Stellung war, hat Konkurs g'macht, und meine Frau ist krank worden und krank geblieben nach einer schweren Geburt, und so haben lvir's Ölend kennen g'lernt, Herr Staatsanwalt, was man so recht eigentlich 's Elend nennt. lind in der Zeit, so recht mitten aus der Not heraus, da Hab' ich denn einmal an den Herrn v. Breitenbach g'schrieben und Hab' ihn gebeten, ob er mir nicht helfen möcht' um Gottes willen. Ich Hab' nicht etwa gedroht oder gepreßt, das Hab' ich nicht getan. Gebeten Hab' ich nur mit so beweglichen Worten, wie mir 's Elend eingeben tät. Aber geantwortet hat mir der Herr von Breitenbach reicht, wo ich doch g'wußt Hab' aus Briefen von Augsburg, daß er noch lebt, und daß er sich hier dies schöne Rittergut gekauft hat. Zweimal, dreimal Hab' ich g'schrieben nnb Hab' die Brief' eing'ichriebeu a'schickt, damit er sie auch ja bekommt. und Hab' auf eine Antwort g'wartet wie ein Kind auf'n heiligen Christ, aber kein Wörtl hat er mir g'schrieb'n, der große Herr. Gedacht wird er sich haben: »Der ist gut aufg'hoben in Amerika, der kommt nimmer/ In Hunger nnb Kummer ist mir die Frau g'storben und mein einziges Kind, meine kleine Kreszenz, hinterdrein, und wie ich nun so ganz allein wieder dag'standen bin, da Hab' ich zu mir g'sagt: .Jetzt schaugst, daß du wieder 'nüberkommst aus eigener Kraft und red'st einmal ein Wörtl persönlich mit dem Herrn von Breitenbach/ Und ich Hab' g'sucht und gebettelt, bis ich eine Stell' g'funden Hab' auf 'nem Schiss als Kohlenzieher, und so bin ich denn glücklich bis nach Hamburg gekommen." Ein furchtbarer Hustenanfall unterbrach ihn für ein paar Minuten. Er zog ein schmutziges Taschentuch hervor, das er auf den Mund preßte, und als er es wieder fortnahm, war es rot von Blut. Er nickte vor sich hin und sagte leise: „Da haben wir's wieder, 's Blut. Ich kenws jetzt bereits, — mit mir geht's bald dahin. Aber ein anderer soll niit mir kommen, dieser da! Herr Staatsanwalt, so also ist's g'wesen: Mit dem letzten Geld, wo ich g'habt Hab', bin ich daherg'fahren und Hab' mich durch'n Park hereing'schlichen, weil ich mir g'sagt Hab, so, wie ich aus- schau, lassen die Diener mich doch nicht 'nein zum gnädigen Herrn. Und ich Hab' vom Park aus g'sehn, wie der Herr von Breitenbach allein hier im Zimmer am Schreibtisch g'sessen ist, und die Glastür da ist ofseng'standen. Da bin ich 'nein zu ihm und Hab' mich zu erkennen gegeben, und Hab' noch einmal gebeten, daß er mir Helsen soll. Er hat mir's abg'schlagen, rund und hart, und da ist mir die Wut gekommen lind ich Hab' ihm g'sagt, was ich von ihm weiß und von ihm denk', und daß er sich hüten soll vor mir. Und ich bin heftig g'worden und hab's laut herausg'schrien, und auf einmal ist noch ein zweiter Herr int Zimmer g'standen, wo auch vom Park hereiugekommen ist, und hat g'fragt, was es gibt und wer ich bin. Da hat den Herrn von Breitenbach eine ganz rasende Wut gepackt, und er hat die Hundspeitsche vom Nagel 'griffen, wo da hängt, und hat g'schrien: „Ein Bettler ist's, ein Unverschämter! 'naus aus meinem Hause, 'naus aus meinem Zinrmer!" Ich aber Hab' ihm noch zugerufen: „Besser ein Bettler als wie ein Meineidiger" — und bin fort in den Park 'naus." „Und wer soll der Herr gewesen sein, den Sie hier gesehen haben wollen?" „Das ist der Herr Baron von Bassow g'wesen, wie ich aber hintennach erst erfahren Hab'. Einen Tag lang Hab' ich mich noch hier in der Gegend aufgehalten, und am andern Morgen hat mich der Herr Baron ganz zufällig angetroffen und hat mich eing'laden auf ein Glas Bier im nächsten Wirtshaus und hat mir auch was zu essen geben lassen, weil er wohl g'sehen hat, wie ausgehungert ich bin. Und er hat mich ausg'fragt nach dem Herrn von Breitenbach, und ich Hab' ihm g'sagt, was ich weiß. Und auch den Namen vom Fräulein Euaenie Neubeck Hab' ich ihm sagen müssen, und 110 wo s' ghvohnt hat in Augsburg. Und er hat Erbarmen mit mir g'habt und hat mir Geld geschenkt, daß ich nach Berlin fahren kann und mich umtun um eine Stell', und hat g'sagt, ich soll ihm schreiben, wenn's mir wieder schlecht gehen sollt. Und ich hatt' in Berlin auch wirKich eine Stell' haben können als Hausmeister, nur daß nran ein. Zeugnis von Mir hat haben wollen ans einem früheren Dienst. Und weil ich mir all die langen Jahr' das Zeugnis nicht aufbewahrt g'habt Hab', wo ich früher bekommen Hab' von Herrn von Breitenbach, da Hab' ich noch ein'.nal an ihü g'schriebeu und ihn gebeten, er soll mir doch wenigstens das Zeugnis noch einmal ausstellen. Aber wer wieder nicht geantwortet hat, das ist der Herr von Breitenbach g'wesen. Und vor lauter Wut und Aufregung bin ich krank worden, und sic haben mich ins Krankenhaus bringen müssen, und da bin ich drin gelegen ein paar Wochen lang. Mer mein Haß und mein ° Zorn ans den .Herrn von Breitenbach, die sind immer nur noch größer worden bei dem stillen Daliegen, und sobald ich wieder entlassen worden bin und meine Kraft' ein bisserl wieder b-eieinand' g'habt Hab', da Hab' ich den Revolver g'nommen, wo jetzt aiif dem Tisch da liegt, und wo ich mir noch ansbewahrt g'habt Hab' von Amerika her, wenn 's mit mir einmal zum Letzten kam, und bin zu Fuß gegangen von Berlin bis hierher —zum Fahren hat 's nimmer g'laugt — und Hab' mich wieder in den Park 'neing'schlichen, und Hab' am Abend zu der Tür da 'neing'schossen auf den Herrn von Breitenbach. Aber die Hand hat mir gezittert vor Aufregung und vor Schwäche von der Krancheit her, und ich Hab' il;u verfehlt, Gott sei's geklagt! Aber das kann ich sagen und beschwören, Herr Staatsanwalt, et ist ein herzloser und meineidiger Schurke und —" „Jetzt ist's aber genug! Herr Staatsanwalt, ich bitte und ersuche Sie, mich vor diesen Beschuldigungen eines Wahnsinnigen zu schützen in meinem eigenen Hause!" „Den Eindruck eines Wahnsinnigen macht mir der Äann hier nicht," eutgeguete Herr von Sieglitz auf Breitenbachs Ausruf mit merklich abgekühltem Ton. „Wer ich denke —" Der Staatsanwalt kan: nicht weiter; denn in diesem Augenblick ertönte an der Tür vom Korridor her ein kurzes, lautes Klopfen lvie ein einzelner fester Schlag, und gleichzeitig öffnete sich auch schon die Tür. Baron Bassow trat ein. Er hielt m der einen Hand ein zusammengesaltetes Maprer, in der anderen einen eingewickelten, unerkennbaren Gegenstand. Schon in der Tür begann er hastig und sloß- werse. zu sprechen. „Verzeihen Sie, Herr Staatsanwalt, — ich störe Sie, — ich dringe hier ungernfen ein, — aber es ist eme Sache von Wichtigkeit, — von höchster Wichtigkeit, — ich weiß jetzt, wer meinen Vetter ermordet hat." . ,/^ie wissen das?" fragte der Staatsanwalt und unterstrich das Wörtchen „Sie" durch einen ungläubigen, erstaunten Ton. „Ja, ich weiß es. Haben Sie die Güte, dieses Rapier hier anzusehen." ' Er hatte den Plan für den zu. erbauenden Pavillon aus ge breitet und legte das Blatt vor Herrn von Sieglitz ans den Tisch. a v „Sie zeigen mir da nichts Neues. Ich habe dies Papier bereits mehr als einmal gesehen." ¥ „Aber Sie haben doch etwas nicht gesehen." Bassow legte den Zeigefinger auf eine Stelle des Blattes, der Staatsanwalt schaute em wenig widerwillig dorthin „Ich linde hier nichts Besonderes." „Warten Sie, — das Papier muß anders zum Lichte liegen, wenn man es sehen soll. Darum hat es auch nie- mand früher bemerkt. So, - jetzt werden Sic cs auch erkennen tonnen." y . 3 bas Blatt mehr nach der Seite geschoben wo dav Licht vom Fenster her schräger darauf niederfies Der Staatsanwalt blickte mit Aufmerksamkeit hin, scküttelte den Kopf, schaute noch einmal und sagte: „Wirklich, - in Meier bem Papier einen merkwürdigen Eindruck. Da» Dmg hat eine Form, — eine Gestalt wie —" an- 'SL Va Jfc Herr Staatsanwalt? Ich möchte das gern an» Ihrem Munde Horen." y „®§ sieht «UZ wie ein Kreis mit einem Kreuze darin" Manche Herren tragen so geformte Gwmni- Hacken ihrer Stiefel, und hier ist auch der Stiekl, von dem dreser Eindruck stammt. Sie selten sie H rt . , nne Zcke und auf dem Abdruck fehlt ft J't? au .d«r gleichen «teile. Dies Papier aber ift in Begleitirng elnes Briefes — dieses BrieftAhier — erst am Nachmittage des zweiten Juli, au dessen Meud mein Vetter ermordet wurde, nach Garchim gekommen, das Papier hat auf dem Schreibtisch des Ermordeten gelegen, es ist vom folgeriden Morgen an beständig unter Verschluß gewesen, — dieser Abdruck muß also erst an jenem Abend ans das Papier gelangt sein. Ich vermute, das Blatt ist vom Tisch herab gestreift worden, der Fuß, der damals diesen Stiefel trug, hat unachtsam darauf getreten, und es ist hinterher wieder^ auf den Tisch gelegt worden. Und so behaupte ich, Herr Staatsanwalt, wir haben in diesem Abdruck die einzige besttmmte Spur des Mörders in Händen." „Warten Sie einmal, — Sie folgern zu schnell. Die Spur könnte auch vor Absendung des Planes durch den Fuß des Architekten selbst darauf gekommen sein, oder auch durch den Ermordeten, sofern er solche Stiesel getragen hat." „Beides habe ich bedacht, Herr Staatsanwalt, und habe sofort Erkundigungen eingezogen. Der Architekt so gut wie mein Vetter haben solch einen Stiefel niemals getragen." „Wirklich? Dadurch gewinnt allerdings die Sache ein anderes Gesicht. Vielleicht ist sie tatsächlich von der Bedeutung, die Sie, Herr Baron, ihr beilegen!" „Eins muß ich noch bemerken. Ich habe heute früh an die Gendarmeriestation telephoniert und angefragt, ob! etwa der Verhaftete hier solche 'Absätze unter seinen Stieseln trüge. Die Antwort lautete bejahend." „Nun also!" „Auch ich glaubte schon, der Schuldige wäre damit endlich aufgefunden. Aber ich wollte Gewißheit und bin daher sofort hinübergeritten, habe verglichen und gefunden: die Spur stimmte nicht." „Nein?" „Nein, — womit freilich nicht ausgeschlossen war, daß der Gefangene zur Zeit, als das Verbrechen in Garchiut verübt wurde, andere Stiefel getragen hatte, voir denenj der Abdruck stammen konnte. Aber weil ich noch einen anderen Verdacht hegte, habe ich den Herrn Wachtmeister gebeten" — der Bezeichnete machte eine zustimmende Bewegung —, „ein paar Stunden lang von meiner Entdeckung zu niemandem zu sprechen." „Das hätte nicht geschehen dürfen." „Ich weiß. Aber ich hatte fest versprochen, rechtzeitig hrerherzukommen, und Sie sehen, ich bin hier', um Ihnen zu sagen, was ich weiß." „Darf ich auch diesen wunderbaren Abdruck einmal sehen?" Es war Breiteubach, der die Frage tat. Er hatte bisher mit seinem immer gleichen, erstarrten Lächeln zugehört. Jetzt war er langsam an den Tisch he ran getreten. Der Staatsanwalt reichte ihm den Plan. „Hier ist es, h^er unten rechts. Nein, so können Sie es nicht erkennen, Sie müssen es mehr schräg znm Lichte halten." ' (Schluß folgt.) ^isöörcii. Von dem Nordpolsahrer Knud Ras m u ss en. Deutsch von Julia Koppel (Nachdruck verboten.) Weit draußen auf dem Packeis des Meeres' kam ein alter Bar angetrabt, die Schnauze dem Winde zu gekehrt und alle Sinne ae- schärst. Es war im März, gleich nach der Zeit, wo alle wandernden Raubtiere hungern, Jetzt oder war das Licht zurückgekehrt und die Jagden konnten wieder bei offenem Horizont beginne Vor kurzem hotte em Sturm gerast und tiefe Spalten ins Eis gerissen, die im Zickzack zwischen den Eisbergen liefen und in der sttllen Frostluft dampften. Hin und wieder dl üb der alte Bär stehen und verharrte mit wackelndem Kopf, gelb und riefen' vast in der flachen Landschaft, und schnüffelte mit erhobenen! Nüstern über die offenen Rinnen. Scharen von kleinen winterweißen Lummen hatten bereits angesange», längs der Keile, die der Sturm ins feste Eis getrieben batte, dein Lande naher zu rücken, und schwmitmm kreischend um- Il-r, ohne dem grotzcn, hungrigen Wanderer Beachtung zu schenken Sechunde kamen vom Meeresgründe in die Höhe qeief offeu und --Een die Oberslache mit ihren schwarzen S»X in etam Kranz von platzenden Blasem sobald sie aber Führte vonr Büren bekamen, erharrten ihre blanken Atrgen und indem sie ihren qan- zen Ooerkorper aus dem Wasser jagten, stürzten sie sich kopfüber fc“ 1 ?in die Tiefe. Dann leckte der alte Dar fwr betrübt das Maul; er war mager und schlotterig, hatte -s ^byreren ^agcn jurch-ts gefressen, und da loar es schtver/ sich mtt dem Geruch des Aschen, süßlichen Specks begnügen zu müssen. 111 Es Mar hart für ihn gewesen, durch die Zeit der Dunkelheit vir kommen, denn es ließ sich nicht Verbogen, daß er nicht mdjr ber große Jäger von einst war. Seine Zähne waren stumpf geworden, seine Korallen nicht mehr scharf wie Messer, und sein f mzer Körper besaß nicht mehr die tötende Schnelligkeit des ge- Meidigen Fleisches, wenn er sich aufrichtete, um sich auf eine .eilte Au stürzen. Vergeblich hatte er sich zu den: offenen Meer hinausbegeben, wo er früher so oft mit Erfolg gejagt hatte, wenn er, hinter einer Eisstauung versteckt, sich über Teehunde stürzte, Me aus dem Wasser kamen, um auszuruhen. Jetzt aber war er »u mager, um rrach dem kalten Bad wieder warm zu werden, und darum kehrte er zum Lande zurück, wo die Seehunde sich mit ihren Jungen aufzuhalten pflegten. Mitten in seinem gleichmäßig langsamen Trab begann er plötzlich von etwas Freßbarem in weiter Ferne Fährte zu bekommen. Er war so mager, daß er nicht leicht außer Atem kam, Und darum setzte er sich gleich in Galopp. Es dauerte nicht lange, brs er so iueit gekommen war, daß seine Augen die Nase unterstützen konnten, und da entdeckte er draußen auf dem flachen Eis emen Seehund, der anscheinend lag nnd schlief. Im selben Angenblick schmolz der Bär vollständig mit seiner Umgebung zusammen, breitete sich flach auf dem Eis aus, die Beine weit auseinander, und glich vollkommen einer Schneewehe vom Winter. Mit vorgestrecktem Kopf schob er sich darauf langsam und mutlos über's Eis, bis er sich! ärgerlich erhob und mit gesenktem Kopf^ beschämt und enttäuscht stehen blieb. Seme alten Sinne hatten ihn genarrt, die Beute, der er sich so vorsichtig genaht, bestand nur aus den gefrorenen Uebcrresten ernes Seehundes, den ein anderer Bär verspeist hatte. Aber feine mißglückten Jagdversuche erlaubten, ihn: nicht, wählerisch zu sein, Und so hungrig war er, daß er dennoch mit Appetit die übrig'-' gebliebenen Knochen zu kauen begann. Die gewaltigen Kiefer arbeiteten langsam und sicher, man hörte nichts als den mahlenden Laut von Knochen, die zersplittert wurden. Mitteir in der Mahlzeit aber läßt er das Gerippe los und richtet sich zum Winde auf, mit einer neuen Fährte in der Nase. Lange steht er, ohne sich! zu rühre::, bis er sich plötzlich fallen räßt und ebenso lüie vorhin aus der Umgebung auslöscht. Und so bleibt er liegen, ohne daß eine Bewegung verrät, daß er leben- drg:st. , Hinter einen: Eisberg, etwas weiter fort, kommt ein junges Bärenweibchen angegangen, gefolgt von seinem fetten, täpvischen Zungen, das hinter ihr hertrollt. Langsan: bewegt sich die Mutter vorwärts, um das Kleine nicht zu ermüden, das nicht größer ist als cn: !>albwüchsiger Hund. Sie kommen eben aus ihrem warmen Winterlager drinnen beim Inlandeis, und das Junge ist darum rwch ohne Uebung. Voll übermütiger Narrenstreiche springt es aus mle L-chneewehen, die von dem Eisberg abschräge::, und läßt sich auf fernem glatten, silberglänzenden Fell herunter rutschen. Der W:nd trägt in die entgegengesetzte Richtung, so daß keines von ihilen etlvas von dem alten Anverwandten und Feind gemerkt hat, der ihnen im.Hinterhalt auflauert. Die Natur, die so launenhaft sein kann, hat alten Bären den Nc-örderinftinkt gegeben, daß sie, wenn sie hungrig sind, ihre e:FLi:e Zucht als den größten Leckerbisseü betrachten. Vorher aber müssen sie furchtbare Kämpfe mit der Mutter bestehen, der es nicht fetten glückt, das Junge aus den furchtbaren Tatzen des Gatten zu retten. Nach der Schlacht aber pflegt ihr eigenes Fell ein Fetzen zu sei::, voll von tiefen Bissen und Rissen, die lebenslange Narben hinterlassen. Erst als Mutter und Kind ganz um deu Eisberg herum- Mkommen waren und auf dem flachen Eis standen, erhob der alte Bandit sich langsan: und knurrte den Nichtsahnenden unheilschwanger entgegen; er hatte keine Eile, denn er wußte ja, daß das Junge, das noch kein Schnelläufer >var, seinen Hunger bald stillen würde. Erft aber mußte mit der Mutter gekämpft werden. Tas kleine, ausgelasfene und sorglose Junge ivar gerade auf euren Eisblock hinaufgekrochen, um sich auf seinen: Hinterteil hernnterrutschen zu lassen, als die Mutter den uuerioarteten Feind von: ebenen Fleisch und Blut entdeckte. Einen Augenblick sta:ch sie Ivie gelähmt, ohne die Kraft zu haben sich von der Stelle zn rühren, und starrte den Alte:: unverwandt an, der mit grinsenden Zähnen auf sie zugettottet kam. Dann aber sammelte sie sich; ihr Lanzer gewaltiger Rücken wurde ein einziger gespannter Bogen von Muskeln, ihr Hals reckte sich vor, lang und vor: straft bebend, und ihre kleinen schroarzen Angen leuchteten vor Haß und Angst; denn sic lvußte, daß ihr Junges gefressen werden würde, wenn sie selbst deil Kampf aufgab. Es war keine Zeit mit stummer Verblüfftheit zu verlieren; sie Znnßte :hr Juuges zum Eisberg hinüberretten. , Mit einen: angstvollen Gebrüll erhob sie sich aus de.u Hinterbeinen und war m:1 einem Satz bei dem Jungen, das noch nichts entdeckt hatte. er Instinkt des Kleinen war sofort gewebt; der biofce Anblick der Mutter erzählte ihm, daß irgendeine Gefahr im Anzuge sei, u:td jetzt ging es so schnell wie irgend möglich auf den Eisberg zu, von wo s:e gekomnreu waren. Die Mutter niußte den Rücken sre: und das Junge ans dein Wege habe::, wenn sie in einigen bekunden ums Lebe:: kämpfen sollte, und sie wußte eine Grotte, wo ne das Kleine verstecken konnte. Llber das J:rnge, was sowohl dick wie kurzbeinig ivar, kam nur vangfam vorwärts, und da der große Kinderränber immer näher kam, griff die verzweifelte Mutter schließlich zu dem -Ausweg, daß s:e das Junge tvie einen Ball vor sich herfegte, der über den Schnee rollte. Der Verfolger hatte sie beinahe eingehott, als sie de-: Eingang erreichten und das Kleine mehr tot als lebendig, mit einen; letzten Schlag der Pfote in bie_ Höhle gerollt wurde. Tie Mutter folgte blitzschnell nach, ohne daß der Alte, der langsamer in seinen Bewegungen war, sie daran zu hindern vermochte. Die Oeffnung zur Grotte war schmal und niedrig, gerade groß genug, daß ein Bär sich hindurchzwängen konnte; tiefer drinnen aber erlvetterte sie sich zu einem großen, dunklen Raum, wo der Kleinere und Behendere alle Vorteile aus seiner Seite hatte/ Das sah der Alte ein und fühlte keine Lust, näher zu kommen, er mußte seinen Gegner etwas in Abstand haben, um fein Körpergewicht und den Schlag seiner gewaltigen Tatzen richtig auszunützen. Daruni blieb ar ganz ruhig draußen stehen, seine boshafte Fratze vor der Höble, die Zähne fletschend und so tief und grimmig brummend, daß das kleine Bärenjunge, das ahnte, daß es geholt werden sollte^ stöhnend und unbefveglich in: hintersten Winkel lag. Der Alte, der als erfahrener Jäger an Warten gelvöhstt war. nahm an, daß er sich Zeit lassen könne; einmal mußten sie ja doch heranskommen, wenn der Hunger sie trieb. Aber hierin irrte er sich. Die Bären mutter hatte keirwswegs die Absicht, sich ausbungern zu lassen, denn sie wußte, daß der Alte seine Beute nicht aufgab und daß es darum das Beste sein würde, den Kampf aufznnehmen, solange sie noch all ihre Kräfte beisammen hatte. Sie ermahnte ihr'Junges instäiüng, unbefveglich dort liegen zu bleiben, wo es lag, und näberte sich darauf wieder der Grottenöffnung. < Diese war gerade so groß, daß sie mit einem Sprung hinauskommen konnte, und da sie wußte, daß es auf eine Überraschung ankam, bedachte sie sich keine:: Augenblick. Wie ein mächtiges? Projektil kam sie mit raser:der lKraft aus dem Eisberg herausge- flogeu. und bevor der Wte sich noch ganz klar darüber war, was sie für ein Manöver beabsichtigte, >hatte sie sich an seiner Kehle festgebissen und ihn nmgeworfen. Im selben Augenblick, ass er zappelnd auf dem Rücken lag, -überrumpelt und verwirrt, ließ sie seine Kehle los, hob :hre 'rechte Tatze und ließ sie wie einen schweren Hammer auf seinen Kopf herabfallen.' Damit aber hatte sie sich verrechnet. Ein alter Bär hat einen soliden Gehirnkasten, und der Schlag chatte darum nur eine ganz' vorübergehende Betäubung zur Folge. Tas ^anze dauerte nur wenige Sekunden, dann schüttelte der Räuber die verzweifelte Mutter von sich ab und erhob sich in seiner ganzen Größe, vor Wut und Schmerz schnaufend, bereit, ohne Schonung drauf losU zu gehen. < Gewiß, er war alt und nicht mehr zu Jagden fähig, wo er auf die blitzartige Geschwindigkeit ankam, mit der Seeh:u:de überrascht rverden müsse::. Mer als 'Körper war er unermeßlich, und das arme Bärenweibchen, das jetzt 'mit ihm kämpfen sollte, glich einen: erbärmlichen Jungen neben einem ausgewachsenen Bare::, wie sie sich jetzt gegenüberstanden. Einen Augenblick verharrte sie ganz still, ohne daß eine Bewegung verriet, lüie der Angriff beginnen sollte. Ta aber sprang der Bär mit einem Satz ans die Hinterbeine und stand wie rinl Berg von furchtbaren Kräften da, -bereit, sich auf das elende Weibchen lwrabfallen zu lassen, das gelvagt hatte, ihm Widerstand zn leisten. Dieses blieb auf alten 'Vieren stehen, ohne de:: Versuch zu machen, sich zu erheben, 'denn es lvußte, daß es in aufrechttv Stellung viel zu schwach sein 'würde, dem Gewicht zu widerstehen. Inden: der Bär jetzt beide Vordertatzen hob, sperrte er das Maul weit auf und ließ sich 'herabfallen. Gerade das hatte das schlaue'Weibchen berechnet: denn es flog geschickt zur Seite, statt den Angriff entgegenzunehmen, so daß der Gegner blind durch die 'Luft schlug und das Gleichgewicht verlor. Im selben Augenblick war bas Weibchen über ihm und bohrte seine Zähne tief in seine Ärmliöhle, indem es ihn: gleichzeitig beide Flanken mit seinen scharfen Krallen anfriß. Ter Mte rollte über den Schnee vor Raserei und Wut, und dann ging er wieder auf das Weibchen los, diesmal über das Eis kriechend, die eine gewaltige Tatze zu einem zerschmetternden Scblag erhoben. ' Das Weibchen versuchte zu parieren, aber sein Arm war zu kurz, und der Schlag traf es mit solcher Wucht, daß es hintaumelte. Ein rotes Äch gähnte auf ihrer Brust, und mm: hörte das Zusammenklappen der schweren'Kiefer. Tie arme Mutter leistete keinen Widerstand mehr. Als der alte Bär aber gerade ihre Kehle durchbeißen wollte, hörte er einen Laut, der ihn vor Entsetzen erbeben ließ, nnd er blieb unbeweglich auf seiner Beute liegen. In der Ferne erti'-nle Hundegebell, und das bedeutete, daß der Mensch, sein aller- 'chlimmfter Feind, Jagd auf ihn machte. Mit einem Sprung war er auf den Beinen, lies witternd hin nnd her, um sich klar darüber zu werden, wohin er flüchten sollte; da er aber keine Führte bekommen konnte, galoppierte er aufs Land zu, um sich hinter das hochgetürmre Packeis des Jnlandseises zu retten. Er nmßte nicht, daß der Jäger ihr: bereits gesehen hatte und ihm mit einen scheltenden Hunden cnigegeufuhr. Mitten auf einer gewaltigen, glatten und schneefreien Eischolle wurde er eingeholt und von beu ersten Hunden gestoppt, )ie einen Ring um ihn schlossen nnd an der Stelle fefthielten, bis der Jäger herankam und ihm das Herz mit seiner schnüren Harpune durchbohrte. iiB Der AZkimo aber, der oben von seinem Ausguck zwei Bären gesehen batte, sammelte schnell seine Hunde und setzte die Jagd in den Spuren des gefällten Bären fort. Als er den Eisberg erreichte, von wo aus der Bär geflohen war, sah er zwei Spuren, die zum Meer führten. Man konnte im Schnee sehen, daß es ein Weibchen mit seinem Jungen war; sie waren. aus allen Kräften gelaufen, und die dTLutter hatte starr geblutet. Der Bärenjäger trieb seine Hunde in die Spuren und raste im Galopp hinter den FLüchtl'ngen her. Das offene Meer aber war zu nah, und er kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie die Mutter und das Junge sich ins Meer warfen und mit starken, schnellen Schlägen auf das Leben und die großen Weiten zuschwammen. wohin kein Eskimo ihnen zu folgen vernrochte. vermischter. 'Oester reichliche Eindrücke englischerKranken- schwester n. Die folgende Schilderung des Wiener Lebens zur Kriegszeit stammt von der Tochter des englischen Parlaments- Mitgliedes Henry Chaplin, die als Krankenschwester den serbischen Auszug mstniackle, voll den Oesterreichern nach Wien gebracht wlirde und nach dort verlebter Wartezeit rvieder liach England entlasie»! »vurde. Schwester Chaplin lind ihre Kriegsgefährtinneu sprechen sich in einem au hervorragender Stelle wiedergegebenen ausführlichen Artikel der „Daily Mail" sehr lobend über die ihnen in Oesterreich zuteil gewordene Behandliilig aiis. „Aus der Reise voii Seinlin", heißt es tu dem Bericht, „kamen wir mit anderen Krankenschwestern ans Serbien zusammen. In Wien durfte ich mich sehr frei bewegen. Die österreichische Hauptstadt ist fröhlich und guten Mutes wie nur je, zweifelsohue viel lebensvoller als Lorrdon; alle Theater spielen und sind gut besucht, das GeseNschaits- Icbeit entwickelt sich wie inl Frieden. Abgeseheii von bcn vielen Soldaten, die nian erblickt, von der in den Lokalen eingesiihrlen Polizeistunde u»ld einer Einschränkung des Milchverkaufs, merkt mmt kaum etwas, das an Krieg denken läßt. Die Preise tu den Hotels sind lischt höher als im Frieden, und an Lebensinikteln ist fein Mangel. Tie Neutralen, die ich in Wien sprach, waren mit ganz welligen Ausnahmen der Ansicht, daß die Alliierten nicht mehr einen richtigeii Sieg erringen können.' Eine anoere englische Krankenschivesier, Tr. Alice Hutchmston, schildert die österreichischen Soldateii: „Als wir in Serbien in die Hand der Oesterreicher kamen, wiirden wir in ein Blockhaus geführt, in dem eine Menge Soldaten hallsteil. Sie gaben uns sofort voll ihrer Brotration und behandelteil uiis in jeder Beziehung witadelig. Zu Weihnachten verlebte,l wir sehr hübsche Feierlage. Wir wurden auch stets so behandelt, daß man uns nach Möglichkeit vor peinlichen Empfindungen bewahrte. Man sah in uns stets die Frau, und wir haben keinen Grund, u,ls über das Benehmen der Soldaten zu beklagen.' • Eine Rundreise der G e b tl r t s h ü t t e L i n c o l n s. Eine eiger,artige Pietät, die schon nahe an Fetischismus grenzt, wird augenblicklich in den Vereinigten Staaten gegenüber dem vom Schauspieler Boolh seinerzeit inl Theater erschossenen Präsidenten Lincoln geübt. Es hat sich ein Konlitee gebildet, das die Ge- bnrtsstätte Lincoln- i,n Triurnph burct) die Hauptstädte von Ainerika nach einem genau festqetegtell Prograulnl führt. Zunächst kommt natürlich New Port an die Reihe. Von New Hort geht die Reise nach Louisoille. In jeder dazwischen liegenden Stadt wird auf der^ Durchreise dr^i Stunden Aufenthalt ge- llvminen, und in jeder Stadt wird ein Kon'ilee voil Bürgern die Feierlichkeit leiten. Bürgermeister und Stadtverordnete Hallen Ansprachen, und die „dreien" Amerikaner erhalten aus diese Weise Gelegenheit, das Geburtshaus des Präsidenten zu sehen. Bemerke!,swert ist aber für die amerikanischen Verhältnisse, daß niemand näher als zehn Fliß an das Haus herankomnlen darf, damit die „Andenken-Jäger' keme Berste machen köirnen. 'Wie halte ich mich gesund? In der französischen Fremdenlegion in Algier existierte früher bei jeder Kompagnie ein Buch, das Vorschläge der Gesundheitspflege enthielt. Man ging dabei offenbar von der sehr gerechtfertigten Annahme aus, daß die aus aller Herren Länder zugeströmten Legionäre mit den Ersordernisien des Klimas nicht Bescheid wußten. Tic Vorschriften wurden beim Appell verlesen. Eine dieser Vorschriften nun hatte, wie der „Soldatenlreund" vom Jahre 1850 mitteilt, folgenden Wortlaut-: „Um sich dauernd bei guter Gesundheit zu erhalten, muß der Soldat in Algier die Verwundung durch Flinteukugeln und Säbelhiebe ver,neideu, da diese bei dem heißen Kli,na leicht gefährlich werden.' vüchertisch. — Die Kriegskostendeckung und ihre Quellen. Von Alfred Lansburgh, Bank-Verlag. Berlin. (Preis 2Mk.) Vier Quellen sind es nach Lansburgh, aus denen die Volkswirt- schnfr im Kriege schöpft: Erstens die beiben Vermögens-Reserven, "ber welche die einzelnen Länder in sehr verschiedenem Maße verfügen, nämlich der nationale Barbestand und der Vorrat an international verwertbaren Forderungen und Effekten; sodann der Ueber- . chub, den die laufende Produktion über ihre unmittelb aren Selbstkosten und über den Verbrauch der Produzenten hinaus läßt, und der wieder in zivei Teile zerfällt, nämlich in den verfügbaren Reingewinn und in die Differenz zwischen diesem und dem Bruttogewinn, die man ktlrz als „Amortisalionsguote" bezeichnen kann. Auf diese letztere, vierte Quelle der KriegSkosten- veckung wird von Lansburgh unseres Wissens zum ersten Male hm- gewiesen; wie denn überhaupt sein Buch dazu beiträgt, die im ersten Augenblick verblüffende Tatsache zu erklären, daß daS deutsche Volk im Zeitraum eines einzigen Jahres 25# Milliarden Mark zu Kriegszwecken hat erübrigen können. DaS Buch gewährt sehr interessante Einblicke in die Struktur des Wtrtschastü- und Geldwesens. Es führt nicht nur den theoretischen Nachweis, daß und warum die gewerbliche Tätigkeit im Kriege nach ganz bestimmten Gesichtspunkten „umgestelll" werden muß, sondern zeigt auch in konkreter Weise, welche Momente diese Umstellung erleichtern, und welche sie erschweren. Dabei geht der Verfasser auch auf die Rolle ein, die das Geld bei der wirtschaftlichen Umstellung spielt. Er kommt zu dem sorgfältig begründeten Ergebnis, daß das Wirtschaften mit ungedecktem Papiergeld in größerem Umfange als es durch die Thesaurierilng von Währungsgeld gerechtfertigt ist, keine Erweiterung, sondern im Gegenteil eine Verstopfung der Quellen bedeutet, aus denen die Barreserven des Landes sich immer wieder füllen. Das Verständnis für den technischen Vorgang der Kostendeckung eines so gewaltigen Krieges, wie es derjenige ist, in den sich Deutschland heute verwickelt sieht, wird durch das Buch ganz wesentlich gefördert. - Der „V ö l k e r k r i e g" (Herausgeber Dr. C. H. Baer, Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart, der eine Auswahl der besten Quellen zu einer einheitlichen Gefalntdarstellung verarbeitet, gibt in dem soeben erschienenen Heft 63 mit dem Aufsatz „Vom deutschen Volk" eine herzerquickende Würdigung dessen, was daS deutsche Volk in allen Altern und Berufskreisen im Krieg leistet. Wieder kommen die flottesten Federn zum Wort, reizvolle Einzelheiten werden gegeben. Der Abschnitt „Am Ende des ersten KriegSjahreL" bringt in zuverlässigen höchst wissenswerten Zahlen eine Abrechnung über das erste Kriegsjahr. — Es trifft sich gut, daß der „Völkerkrieg' in diesem und dem folgenden Heft 64 zu den Ereignissen an der Westfront von Mai bis August 1915 übergeht; denn aufs neue wendet sich alle Spannung mehr und mehr der Westfront zn. Jene Kriegsschauplätze, von denen ivir im Anschluß an die großen Kampfe der letzten Frühjahrsoffensive eine eingehende Schilderung und genaueste Plankärtchen, auch vorzügliche photographische Landschaftsbilder (z. B. von der hochinteressanten Gegend Souchez—Earency) bekommen, ziehen von neuem die Augen der Welt aus sich. Vor allem aber wird der Leser durch die gründliche, zuverlässige und ausführliche Darstellung der französisch-englischen Anqriffskämpse in Flandern und zwischen Lille und Arras über die Vorbereitungen, die Mittel, die Ausführung und das Ergebnis jener Kämpfe in einer Weise unterrichtet, die ihn instand setzt, den Ereigniffen mit außergewöhnlicher Sachkenntnis zu folgen. — Lohnender Gemüsebau. Von H. Schlegel, Gartenverwalter, Oestrich a. Rh., langjähriger Mitarbeiter der „Geisen- heimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau". Mit vielen Ab- bildungen. Preis 1 Mk. Verlag von Rud. Vechtold & Comp., Wiesbaden. (Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.) — Das vorliegende Büchlein gibt gediegene und praktische Anleitung zum Anbau und zur Pflege aller bekannten Gemüsearten. Die Grundlage des Merkchens ist jahrelange praktische Tätigkeit, und dieses ist es. ivaS ihm einen ganz besonderen Wert verleiht, so daß jeder, der durch Anbau von Gemüse im vaterländischen Interesse zur Volksernährung sein Teil beizutrageii gesonnen ist, Gelegenheit findet, jetzt seinen Will-ra zur Tat nmzusetzen. Das Büchlein enthält viele Abbildungen, ist leichtverständlich geschrieben, gibt Anleitung, wie man Geinüse pflanzt und pflegt, empfiehlt ferner Gemüsesorten, die sich ans Grund praktischer Tätigkeit zum Anbau bewährt haben, behandelt das „Düngen", allgemeine „Feinde der Gemüse', „Schnecken, Engerlinge und sonstige Würmer", ferner die „Gemüse- treiberei", „Das Aufbewahre,i der Gemüse im Winter" rc. Zum Schlnß enthält das Büchlein noch einen Moiiatskalender, in welche,n angegeben ist, welche Arbeiten in jedem Monat zu verrichten sind. Sitatenratsel. AuS jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. ES fürchte die Götter das Menschengeschlecht. 2. Das ist die schwere Zeit der Not. 3. Geduld! Geduld! Wenn't Herz auch bricht k 4. Zu kühn wird mir dies Gaukelspiel. 5. Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurücke. S. Frei geht das Unglück durch die ganze Erde. 7. Drei Worte nenn' ich dir inhaltsschwer .... 8. Leicht wird ein kleines Feuer ansgetreten. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummert „Sitzen bleiben!" Schriftleitung: Aug. Goetz. - Rotatioiisdrilck lind Verlag der Brnhl'schen UntversitätS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-