Donnerstag, den 10. Februar AnkchaÜmigsblaltM I ZichmerA^eiger lAeueml-Anzeiger) *+*?*<.- Um toten See. Roman von RobertKohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Vielleicht war es in Breitenbachs Auftrag geschehen, um die gefährlichen Aufzeichnungen aus der Welt zu schaffen. Vielleicht, — wenn die Freundschaft zwischen den beiden Männern echt gewesen war. 2lber nun meinte Bassow dre Worte der Baronin^ wieder zu vernehmen, die sie von ihres ermordeten Mannes Werbung um die jetzige Braut Breitenbachs gesagt Hütte. Mit besonderem Ausdruck, hatte sie diese Worte gesprochen, ihn aufgefordert, über sie nachzudenken. Es war gewesen, als wenn sie den Schlüssel des ganzen Geheimnisses darin gesucht und vermeintlich gefmiden hätte. Und wenn der Vetter sich nicht in Breitenbachs Auftrag bemüht hatte, dann waren die beiden auch keine Freunde gewesen. Gegen einen Freund sucht man kein Belastungsmaterial Wenn aber an Stelle der Freundschaft vielleick>t gar bittere Feindschaft heimlich geherrscht hatte zwischen den beiden Rivalen um die Liebe derselben Frau, wenn der Verstorbene diese Aufzeichnungen als eine Waffe gegen Breitenbach hatte benutzen wollen, dantz — Bassow blieb stehen, von einem jähen Erschrecken vor seinen eigenen Gedanken sür einen Augenblick an dre Stelle qebamrt. War es denn möglich? Durften seine Gedanken diesen dunklen Weg gehen? Er machte eine Bewegung, als wenn er sie von sich abschütteln müßte, doch sie kamen wieder und blieben. Da war der Abend, an dem dre beiden Männer nach Breitenbachs eigener Aussage noch miteinander zusammengewesen waren, der letzte in seines Vetters Leben. Sie hatten sich an diesem Abend - zufällig, wie Breitembach behauptete, — auf der .Heimfahrt im Eisenbahnkupee getroffen, waren im Gespräch gegangen aus einem Wege, der in der Nähe des toten Sees vorüberführte, und am toten See war der Vetter ernrordet worden. Ein wunderbarer Zufall hatte seinerr Hilfeschrei zum Schlosse, zu den Ohren seiner Frau hinüberdringen lasten. Es war Brerten- bachscher Grund und Boden, auf dem er gestorben war. Der einsam Grübelnde legte die Hand vor die Augen, als wenn er wilde Phantasiegebilde fortscheuchen mußte. Doch ließ er sie gleich wieder sinken und hob den Kopf, laut, mit fester Stimrne dabei sagend: „Nein, ich will den Dingen ins Auge sehen. Ich will die Spur verfolgen, dre sich nur bietet. Wenn ich schwach gerrng gewesen bin, den Glauben an eine Schuld von ihr — von ihr! — mir ernflustern zu lasenn, so will ich jetzt auch Mut genug haben, um nrcht Halt zu machen vor diesem Verdachte, weil er auf einen Edelmann fällt." 11. Kapitel. Der erste Zug, der am nächsten Morgen dorthin ab ging, brachte Bassow nach Garchim zurück. Es war chm, als wenn er dort etwas versäumte durch sein Fernsern, als wenn wichtige Dinge auf ihn warteten. Uneingestandene Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der Haronrn arbeitete mit, ihn vorwärts zu treiben, und unerträglich langsam erschien ihm die Fahrt. Es war erst neun Uhr vorüber, als er wieder in seinem Arbeitszimmer am Fenster stand, an diesem Fenster, das er liebte, weil es ihn zum arideren Flügel des Schlostes hinüberblicken ließ, wo die Baronin wohnte, und wert er von )ier aus einen großen Teil des Parkes übersehen konnte. Die Gewohnheiten seiner zugleich nahen und fernen Hauv- renossin waren ihm jetzt bekannt genug, daß er sie häufig chon auf einem Gange durch den Park heimlich hatte beob- rchten können. Bei jedem Wetter pflegte sre zu fester Stunde regelmäßig diesen Gang zu machen, — er stand, er wartete, and richtig, dort war sie! Aber heute hielt er es auf fernem stillen Beobachtungsplatze nicht aus; er nahm erlrg fernen Hut und ging hinunter in den Park. Sie war offenbar überrascht, ihn zu sehen. Ein leichtes Rot stieg in ihr Gesicht empor, das meist noch rmmer btercy rvar nach der schweren, aufregenden Zeit. Einen freudigen Abglanz weckte dies 9tot auch auf seinen Zügen, und fröhlich rief er: „Ja, Baronin, da bin ich schon wreder. „Ich bin überrascht, Sie zu sehen. Aber ich freue mich. Sie so heiter zu finden. Sie sttahlen ja wie ern Sreger. - „Beinahe fühle ich mich auch so. Mer meine Haupt- freude —" „Warum sprechen Sie nicht weiters Ich darf das nicht sagen, will es nicht sagen. Und eigentlich sollte ich Ihnen anch von dem Resnltat meiner Fahrt nichts erzählen, — ebensowenig wie Sie mich hinern- blicken lassen in Ihre Geheimnisse." „Sie wissen ja, weshalb ich noch schweige. Doch wir, weil ich bisher nicht beweisen kann, was ich glanbe." Er trat ein wenig näher zn ihr heran nnd sprach mit leiser Stimme: „Sie brauchen es mir nicht mehr zu sahen, Baronin. Ich weiß es auch ohne das, — ja, rch kenne jetzt Ihren Verdacht:" , . <. „Wirklich? Täuschen Sie sich mcht?" . „Ich will Ihnen sagen, wo ich gewesen brn, — urteilen Sie dann selbst. Ich war in Berlin bei der Krankenpflegerin Barbara Zinsmeifter nnd habe die Auszeichnungen der unglücklichen Eugenie Neubeck in letzter Nacht gelesen. „Sie kennen diese Schrift? Ader sie ist ja rn meinem ,Das Original, ^ gewiß.^ Eine Abdrift hat sich die . vor sich ict, uuiui ivuyw. |w — "7 denken Sie? ..Wahrhaftig, es wird mir schwer, Fhrren daraus zu S6 antworten. Ich frage mich noch immer: Ist es denn möglich?" Sie lächelte ein wertig: „Bei inir h-aben Sie das nicht gefragt, lieber Baron." „Doch, doch! Hundertmal, tausendmal habe ich mich's gefragt. Und Sie dürfen mir's glauben, seit ich Sie ein wenig mehr kennen gelernt habe, hat jeder. Verdacht gegen Cie mir weher getan, als er Ihnen w-ehe tun konnte. Und jetzt, — jetzt kann ich innner wieder nur bitten: Verzeihen Sie mir, ich habe unrecht an Ihnen getan!" Sie sah ihm, den Kopf erhebend, voll ins Gesicht. „E: ist schon vergeben, das müssen Sie doch fiihlen. Wie Sie's angefangen haben, ich weiß es selber nicht. Ich glaube, einem Menschen mit so freundlichen Augen rann man nicht böse sein." „O, Baronin!" ^ Er griff nach ihrer Hand, um sie zu küssen, aber fast rn.i selben Moment empfand er, wie sie zurückznckte, und hörte, wie sie ein wenig ärgerlich fragte: „Was gibt es denn wieder?" Ihren Blicken folgelid, wandte Bassow sich um und sah den D-rener Franz hastig vom Ausgang des Schlosses herunterkommen. Er war bereits nahe, so daß er die Frage vernommen hatte und antworten konnte: „Der Herr Gen darineriewachtnieister ist eben auf den Hof geritten gekommen und hat gefragt, ob er die gnädigsten Herrschaften sprechen könnte. Er hätte wichtige Dinge zu melden." Der Gendarm war schon aus der großen Tür auf die Terrasse herausgetreten, kam, rot im Gesicht und laut atmend wie gewöhn.ich, mit militärischem Gruß auf sie zu. r ,"Are Herrschaften verzeihen, wenn ich so früh schon störe. Aber ich hielt es für meine Pflicht, gleich zu melden, oatz wir dem Urheber des hier begangenen Verbrechens jetzt endlich auf der Spur und." „Und wer ist es?" .."3a, Frau Baronin, wie er sich nennt, kann ich vorläufig noch nicht sagen. Aber die Sache stimmt, ich möchte memen Kopf darauf wetten. Eine solche Ähnlichkeit in der Ausführung des Verbrechens, — es ist nämlich gestern abend gegen elf Uhr ein Mordversuch auf den Herrn von Breitenbach auf Lünzin verübt worden." - fragte mit einem erstaunten Blick auf die Baronin: „Ist Herr von Breitenach verletzt?" „Nein, Gott sei dank nicht!" . „Erzählen Sie uns in Ruhe, wie sich der Vorfall ereignet hat. m ich tun. Also: Der Herr von Z^^nbstch ist gestern abend erst nach zehn Uhr" in sein Arbeitszimmer gegangen. Und sein Arbeitszimmer, das liegt ^^de so wie das hier vom seligen Herrn Baron zu L"» Erde nach dem Park hinaus. Ra. und wie nun der Herr^von Breitenbach so vor seinem Schreibtisch sitzt und M* kr ^ das Buch gezeigt, worin er gelesen hat — ai ^ Einmal ein Geräusch, so ein scharfes Pfeifen ^Eelbar an seinem Ohr, und im selben Augenblick auch Und^er firiZt e ZTrf^ a)U J fC ‘ einem Revolver, meint er Ä ^ ÖU J- ~ r ctn Parker, mutiger ^ ^ an die osseristehende Tür und in den Bark hinaus, aber da ist nichts mehr zu sehen und zu hören und tu LnÄ dre Dienerschaft gleich l,era„sg°?rommeL uud ste haben lange den ganzen Park durchsucht, aber nichts gefunden, genau so, wie damals hier. Aber in Lünzin ist es ir C irhf l fn bCQ f ie ^ ieV ! ÜX ^ e ^? rren Schurken, weil doch der Park mcht so gut eingefriedigt ist. Und es ist mir immer noch ein daM?will^ bü§ - ba S af t *? ier J at p^ffieren können. Aber H r . r ?? ^ m . eme Hand ms Feuer legen: wenn wir den den Mn>^ b ' den von gestern abend, dann haben wir auch '-^?rder vom seligen Herrn Baron." ^ „, ä feft auf bn Sa9fc naäl 'dm- Soner f «n? ^ fa6r ' ? ,e er aussleht. Der Gendarm beaeanet da- e-n°m verdächtigen Individuum Dkser Gendarm » 6011 Lünzin herumgelungert hat. ^Jiejer tVerwarm ist erst vor ein paar Tagen hierher versetzt ^ch jung und unerfahren. Darum hat uchlasstgkett begangen und hat den Menschen nicht 8e chreibUn/t^ ^^en Papieren befragt. Aber die Person^. macht die stimmt ganz genau auf den Menschen, dem damals der verstorbene Herr Baron im Wrrtsbaus hat zu essen geben lassen." „Mein Mann?" „Jawohl, Frau Baronin, und wir wollen uns nun alle Mühe geben, den Kerl unschädlich zu machen. Ich bin nur eben rasch herübergeritten, weil die Herrschaften doch Anspruch darauf hatten, um die Sache zu wissen, aber jetzt mutz ich gleich wieder auf die Station zurück." Mit militärischem Gruß entfernte sich der Gendarm und schritt sporenklirrend über die Terrasse davon. Franz, der sich, durch Neugierde festgehalten, während seines Berichtes nicht entfernt, sondern von weitem ein wenig zugeschaut, wenn auch nicht gehorcht hatte, öffnete ihm die Tür und verschwand mit ihm. Schweigend, in Gedanken verloren, standen die Baronin und Bassow noch eine Weile und starrten hinab auf den sonnebeschienenen Kies. Jnl selben Augenblick aber hoben sie dann die Köpfe, und ihre Augen trafen sich. „Was denken Sie?" Bassow lachte leise, mit einem Beiklang von Bitterkeit. „Garchim chcheütt's an sich zu haben, daß man hier niemals aus den Zweifeln herauskommt. Mich wenigstens haben sie gequält vom ersten Augenblick an, seit ich seinen Boden betreten habe. Gerade war mir's, als wenn sich das Dunkel em wenig lichten wollte, als wenn ich einen sicheren, offenen Weg vor mir hätte, und nun zeigt sich's, daß es nur der Eingang zu einem neuen Irrgarten war." . iief nachdenkliche Ausdruck war unverändert auf dem Gesichte der Baronin geblieben. „Man braucht sich nicht in die Irre führen zu lassen," sagte sie langsam. "Nem, Sie haben recht. Und ich wehre mich auch dagegen. Aber Sie müssen doch zugeben: Dieser neue Zwischenfall gibt unseren Kombinationen einen Stoß." f u /iuen argen Stoß. Es ist eine große, auf- sallende Ähnlichkeit m der Ausführung der beiden Verbrechen, die sich im Laufe weniger Monate auf zwei Nachbar- gutern ereignet haben, und wenn es wirklich richtig sein sollte, daß der Menich, den man augenblicklich verfolgt, derselbe ist, - den man damals mit meinem Manne zusammen gesehen hat, — es ist^noglich, daß die Polizei recht hat, wenn sie denselben Tater in beiden Fällen vermutet." (Fortsetzung folgt.) Die Liebe höret nimmer auf. . . Kriegsnovelle von Marta Jankowski. (Nachdruck verboten.) Muß i denn — muß i denn — zum Städtele naus — Hellund frohgemut klang das Lied von den frischen Lippen der Jugend- ZK, der dre Elwe zuteil geworden war, die ins Feld ziehelwenr Soldaten bis zum Bahnhof zu begleiten. . Die Töne drangen auch in die fülle kleine Straße, wo an ernem Fenster ein blasses, junges Mädchen lehnte und traurig sinnend den ferner werdenden Klängen lauschte. Wie oft — seft dem 4. Augiust des großen heiligen Jahres 1914, an dem Karl Bertram ausgezogen - hatte sie diese Klänge gehört, die den l n ^g und Tod Ziehenden das letzte Geleit gaben. Und das bunte Bild stand wieder vor ihren Augen — die mit Blumen rcichgeichmuckten Soldaten und die sie begleitende Menge Junge Braute und grauen gingen mitten im Zuge, Seite an Seite mit Obsten um noch bis zuletzt ihre Zugehörigkeit zu ihm zu betonen um ihn bis zur letzten Minute bese,sen zu haben immer ^ ^ bem ^^erlande abtreten mußten — vielleicht für .. ^ 0 da war's damals nicht vergönnt gewesen, Hand in Hand r t dem Liebsten zu gehen, nur von ferne konnte sie ihm folgen Nk.ben ihin — da schritt snn Vater, 5er stolze, reiche Handelsherr — da durfte fte, die kleine Musiklehrerin, keineii Teil haben an ö^/ xe mar ia uur seine heimliche Braut. — f, - orÄ- ■ ü er hon Magda heißecsehnte Tag. der sie zu seinem Weibe machen sollte. Ernst und feierlich lauteten dis Glocken Magdas Hochzeitstag ein, der Himmel blaute über den beiden, die Hand in Hand zum Altar schritten. Fest mrd aufrecht ß;ng der Bräuttgam, kaum merklich war die Führung durch die blasse holde Braut. Ter alte Geistliche, der die beiden fast vom ersten Kinderschrei an kannte, sprach lieb und gütig zu ihnen von der Liebe, die nimmer aufhört und alles überwindet. In seligem Verttauen drückte Karl Magdas Hand, als er die Verheißung Hörste: Ich will dein Stecken und Stab sein, ich, dein Gott — und durch mich das tteue Weib an deiner Seite. vom Soldalenhumor. Und dann hatte er sie erkannt — sein Lieb, seine Magda — ?b,?r ^se abtoehrend hob er die Arm«: Geh, geh. Liebling, das sollte ja der Vater gerade verhindern, ich wollte dich nicht mehr ~ ach, lehem — Er schwieg — aus Magdas Augen aber lautlos getoeihte Tropfen. Sie kniete an seiner Seite nieder, l i>Iar } fen ^ände — und unaufhaltsam rieselten Ä? rQ ^ J 0 ? ..ua^wen fort Jammer und Graus — Und all das Glend, das sich m seiner Seele ausgespeichert hattü und ,re langsam vergiften wollte. * ^ ^ «n^ Ub 0a Jl r ! ife ^ heimlich fing es in seinenr Innern an zu fe^wn schonen Tagen, in denen es auch ftir ihn *53^ f 0m lr ge&en - Sonne, die das Glück in seine arnien lichtlosen Augen gießen würde. — ? ic r>er starke, kräftige Körper reckte sich decken S h!! 1 ^ en merkte man sein Ge^ vrecyen an dem schwalchenden Gang, der aber von Taa an SVm I^stützt, wüststen % pn? getollt und gejubelt hatten. E^annKarl Bertram wieder LebmÄmtt zu sck>öpfen ^ er war ja auch nicht zur Untätigkeit verdammt — dfe Hände Von dem heldenhaften Soldatengeist, der unser gewaltiges Heer beseelt, ist der kernige Soldatmhumor unttennbar, der sert leher im Leben und in der Sprache unserer Krieger zu Hause gewesen ist und von dem uns der jetzige Krieg wieder so manche Probe erbracht hat. Nirgends findet man eine solche Fülle von humoristischen Ausdrücken und Bezeichnungen wie in der Sprache unserer Landesverteidiger und keine andere Armee der Welt reicht nur im entferntesten in dieser Be- ziehung an das deutsche Heer heran. Es gibt bei diesem wohl kaum einen^ einzigen Truppenteil, der nicht mit einer muhe treffender Spitznamen bedacht worden wäre. Die Infanteristen heißen Fußlatscher, Sandhasen, Rotkragem Kar- toffelhopser, Kilometerschweme, Feldratten: in Oesterreich nennt man sie gar Fußlappenindianer: bei der Kavallerie nennt man die Ulanen Kvsaken, Paddmstecher oder gar reitende Laternenanzünder. Nach,dem auch die übrigen Kavallerieregimenter mit Lanzen versehen worden sind, ist dieser schöne Name auch zu den Tragonmn und Kürassieren gewandert. Die Kürassiere nennt man auch noch wegen der weißen Waffenröcke, die sie in Frieden s- ^tten tragen, Mehlsäcke, und wegen des Panzers, den sie im Frieden nur bei Paraden anlegen, Klempner oder Btechpuppen: kne Husaren ftihren wegen der reichen Verschnürungen, die ihre Uniforrnen aufweisen, den hübschen Namen Bindkadmjungm. Die Artilleristen nennt man Bomben schm elfter, die Feldarttlleristen insbesondere Knalldroschkenkuffcher, die Fußartilleristen Wattrutscher. Für die Jager hat der Soldat hübsche Vergleiche aus dem Tierreich zur Hand: er nennt sie Grünschnäbel, Grünspechte, Grashupfer ^er Laubfrösche: die Pioniere heißen Maulwürfe, die Menbahner W^emckFeber oder Schwellenträger. Die nreisten Spitznamen hat wohl der ^.rain, der ungerech-tfertigterweise immer noch nicht von den Arigen Truppenteilen für voll angesehen wird. Er heißt u a. tue Kolonne Prr, die veilchenblaue Garde, Veilchendragoner ? Kolonne, Veilchen nach der veilchenblauen Uniform, dieZwie- backftttscher, Müllkutscher. In Oesterreich hat man für den Train den schönen Namen Peitsckelhusarm: im Felde nennt man sie auch Ghau;seeemehmer, weil die marschierenden Kolonnen ihnen ans- weichen müffm. Weil der Train keine Fahnen führt, neckt man me Trarnsoldaten, damrt, daß sie auf die Wagendeichsel ver- eidigt wurdeii. In eurem Soldatenliede heißt es gar: „Ter Train, der Train, Tor trägt den Säbel nur zuni Schein. Und zieht er ihn einnial in Nöten, lt So steht darauf: „Tu sollst nicht töten!" Uliter Verdrehung>des Namens nennt man dm Train bisweilen auch schweres Getränk... Kein Regiment ohne Svitz- namm. ^asienige Regiment würde wohl nicht für voll angesehen werden, das nicht seinen besonderen Spitznamm besäße. Zur Keiinzeichnuug des Humors, der irr diesen Regimmtsspitznamcn zum llusdruck komntt, seien die folgenden Bezeichnungen wieder- gegeben: ^.as Garde-Füsilicr-Regimmt in Berlin führt bekamnt- lich den Spitznamen „Maikäfer" seit der Zeit, als das in Potsdam wid Spandau garnstoniermde Garde-Reserve-Bataillon, aus dem das Regiment hervorgegangen ist, alljährlich um die Maikäfer- ^ rü den Paraden nach Berlin gekoninren ist. Die M'^nbahner m Scltonebem heißen wegen des Buchstabeiis E auf ihren Achscl- "avpen, „Schoneberger Engel". Das Garde-Grmadier-Regimcnt „Königin Elisabeth" in Charlottenburg führt wegen der Krone mrt emmi darunter beftndlichmi E, die es auf dm Ackselllavpcn hat, den wenig lckmeichelhaftm Namen „Kronmesel": das fünfte Garde-Grenadier-Regimeiit in Spandau trägt lmt Bezug auf ^ sZüialm altpreußischm Gardelitzen am Ki'ageii, hie 'drneii der VoWoten ähneln, den Beinamm „Briefträger": die Lmte JL Regiment werden wegm ihrer roten Äckstlklappen gS r^ir 11 !^ 11 er ^ ie 4 ' ^arde-Regiinmt wegm der blauen k D^ltl>eu" genannt Die Maniischaftm der Scebataillvne frifeu „Tümmler", die 85 er in Rendöbura und 88 «et NvtkeUchen", die 118 er weam rlyrer gelben AchMappar SncnciiDiVier Das sächsische Infanterie-Regiment dir 107, das triili'T in der Pleißenburg in Leipzig lag, führt den Namen WEliäE", der Name verblieb ihm, als es ferne neuerbante schöne Kaserne in Gohlis biogen.hatte. Aus der Unmenge van Spitznamen, die der Soldat für ferne Vorgesetzten auf Lager hat, seien die folgenden hervorgehoben: Neben box Siegellackbuchsen des Generals finden die karmoUinvergnügten Beine des Generalstm>- to*, dessen Himbeerhöschen oder Jntelligenzstrerfen besondere Be- ae ist der Himmelsfähnrich, der Mrlr- tärgerichtsrat der Oberverdachtsschöpfer, der Adjutant ist der Feder- fuä'scr, Trntenspion oder gar der berittene Trntenlpwn. Der Reserveleutnant wird gewöhnliche Sommerleutnant, bei der chcarine Badegast genannt. Obermolch heißt der Küchennntevoftrzrer, bex das Kommando iiber die Molche, die Kiichenmannschastm, fuhrt, für die es noch viele andere schöne Bezeichnungen wre Bouillonköpfe, Speckhengste und Küchenhammel gibt Der.Kammerunteroffizier ist der Kammerjäger, Kameruner, Ndottenhernrich, Je otten- fänger, Mottenkönig oder Mottenniaior. Es gibt noch mancyen anderen Major beim Militär, der iu Wirklichkeit keiner ist: der Drvr- sonsintendant führt den Tttel Grmipenmaj or und der Futtermeriter bei der Kavallerie ist der.Häckselmajor. Kein Gebrauchsgegenstand, keine Waffe, kein militärisches Kleidungsstück entgeht fernem Spitze namen. Das Kommißbrot ist dem Soldaten der Komimstfchrnlen, die Königstorte oder Kaiser-Wilhelm-Torte, den Tornister nennt er Dachs, Affe, Kasten, Bnndeslade, den Helm Dunstkiepe, Hurra- hut, Gewittertulpe, das Gewehr Kuhfuß Schinken, Knarre, Spr^e die Platzpatrone Knallbonbon die Stiesel Trittchen. Große Stiefel werden Oderkähne oder Elbkähne genannt; man begegnet diesen Namen sogar bei süddeutschen Regimentern und kann also daraus ersehen, wie solche Namen wandern. Es braucht nur noch an die jedem bekannten Bezeichnungen .chicke Bertha' und „Gulasa^ kanone" erinnert zu werden, um zu zeigen, daß der deutsch« Soldatenhumor auch in diesem jetzigen Weltkrieae tn hervor» ragendem Maste schöpferisch tätig gewesen ist. Man kann nur aufrichtig tvünschen, dast Freunde des deutschen SoÜ>atenhnmors es sich angelegeri sein lassen, alle neuen Albdrücke, die der Humor unserer Feldgrauen in dem gegenwärtigen Feldzuge geschaffen hat, zu sammeln und der Nachivelt zu überliefern. Vüchertisch. — Die unerhörten Gewaltakte Englands und seiner Verbündeten gegen Griechenland und die kleineren neutralen Staaten bilden fortgesetzt den Gegenstand internationaler Erörterungen. Von höchstem Interesse ist es daher, das Urteil einer Autorität auf dem Gebiete des Völkerrechtes wie Professor Philipp Zorn kennen zu lernen, der in der neuesten Nummer 3788 (Krieasnunrmer 79) der Leipziger „Illuftrierten Zeitung" (Verlag I. J^We- ber) m einem Artikel „Der Vierverband und die neutralen Staaten" das Vorgehen der Entente von hoher Warte aus behandelt und dabei die Regierung des Präsidenten Wilson an die von ihr feierlich proklamierten Pflichten mahnt. Von nicht geringerem allgemeinen Interesse ist der weiter in der Nummer enthaltene Aufsatz „Ein Jahrtausend bulgarischem Geschichte" vor Hofr t Dr. Wckh. R u l a n d , aus dem hervorgeht, daß zwischen Bulgarien und dem Deutschen Reiche schon in den Tagen des Frankenkönigs Ludwigs des Deutschen und auch später unter König Arnulf ein Bündnisvertrag bestand. Sehr beherzigenswert sind die Ausführungen von Dr. Max Unger über „Sprachreinheit als Kulturmerkmal". Spannende Kampfschilderungen enthält die Plauderei „Minenkamps. Ein Tag aus dem Kriegstagebuch eines Artilleristen" von Hans Horsten. Hinter dem textlichen Teil des Heftes steht der bildliche nicht zurück. , ri — „Die S chönhert". Moderne illustrierte Zeitschrift mit Beiblatt. ,^Licht, Lust, Leben". (Verlag der Schönheit, Rich. A. Giesecke, Tresden-A. 24.) In den 13. Jahrgang ist die bekannte Monatsschrift „Die Schönheit" eingetreten, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, einen lauteren Kampf für wahre Kultur und Bildung, für gesunde Natürlichkeit und eine reife, sonnige und beglückende Weltanschauung zu führen. Das jetzt erschienene, vornehm ausgestattete erste Heft des neuen Jahrgangs beginnt mft einer bisher unveröffentlichten Dichtung von Bruno Wille. Es folgt ein Aufs atz von Albert Giesecke über Kriegsdenkmünzen mit Abbildungen von Güssen, die im Aufträge der neugegründeten Gesellschaft zur Pflege der Schaumünze angefertigt worden sind Uno unsere hervorragendsten Heerführer feiern. Das Streben nach Schönheit in der Theaterkunst behandelt der Dramaturg und Spielleiter des Dresdner Kgl. Schauspielhauses, Dr. V. Eckert, in einer interessanten, reich illustrierten Arbeit. Zur Ausschmückung dieses Aufsatzes find u. a. Linnebachs Bühnenbilder zu „Jedermann" und „Der Wächter auf den Bergen" und Wun- dertvalds Bühnenbild Ku „Die armseligen Besenbinder" wiedergegeben. Eine Novelle von Karl Nenrath, Gedichte, verschiedene kürzere Abhandlungen und eine Anzahl Naturaufnahme^ bilden den übrigen Teil des Heftes. Außerdem besitzt „Die Schönheit" das zwanzig Seiten starke, illustrierte Beiblatt „Licht, Luft, Leben", dessen Inhalt sich insbesondere auf die praktische Gesundheits-, Körper- und Schönheitspflege richtet. Der Bezugspreis der Monatsschrift mit Beiblatt beträgt für das Halbjahr 5 Mark. . . - Die .Fichte-Gefellschakt von 1914» erlaßt m der von Wilhelm Kiefer herausqeqebenen Monatsschrift für das deutsche Kunst- und Geistesleben ü h n e und W e l t", deren Januar- heil soeben erschien, einen von flammenden Anklagen und starkem Willen zur Tat erfüllten Aufruf. Diese bedeutsame Kundgebung ist von hervorragenden Persönlichkeiten unterzeichnet. Den übrigen Inhalt des Heftes bestreiten Abhandlungen von Rudolf Eueren, Adalbert Luntowski, Willy Schlüter, Hans v. Wolzogen. Ernst Kämpfer f, Karl Langbein, Fritz Droop ; Gedichte von Em. v. Bod- mann, Georg Stammler und Eberhard König. — besonders reichhaltig ist der Bildertest, der, wie der literarische Teck, Arbetten eines gefallenen Künstlers, des Hamburger Malers Friedrich Lttz- mann, bringt, und außerdem eine Fichte-Federzeichnung von Kart Äauer. — Georg Wasner, ^Studiosus Heym. Kürschners Micherschatz. (.Hermann Hillger, Verlag, Berlin-Leipzia.) Doppel- band ju. 1046/47. Mit der ihm eigenen Erzahlerkunst führt uns hier der Verfasser das Lebet: und Streben ei,res Studenten :n wirkungsvoller Weise vor Augen. Ganz besonders aber find dem Dichter die Schilderungen des studentischen Lebens und Treibens gelungen. Das Buch ist zum Preise von 40 Pfennrg rn allen! Buchhandlungen vorrätig. _ ^ -< — Kriegspshchologisches von Dr. Magnus Hrrsch- feld, Berlin. (Deutsche Kriegsschriften, Heft 20.) Aers 80 Mg. A Marcus L E. Webers Verlag (Dr. jur. Albert Ahn) rn Bonn. In dieser neuen Kriogsschrift untersucht der Verfasser, „nicht wer schuld, sondern was schuld" am Kriege ist. Er steht die Missetäter nicht in Eigenschaften u,rd Leidenschaften, welche der Mensch hatte, sondern welche den Menschen hatten. Des werteren wird auseinandergesetzt, wie nach dem seelischen Pendelgesetz auf den Kriegsrausch die Ernüchterung, auf die Anspannung die Abspannung folgt. Je unreifer ein Volk ist, um so leichter laßt es sich täuschen und enttäuschen, je reifer es ist, um so mehr tritt an die Stelle anfänglichen Ueberschwangs Stetigkeit und Festigkeit. Wir Deutsche haben es in dieser Hinsicht allerdings wesentlich besser als unsere Feinde, da es für das Nervensystem keine belebendere Ladung mit Starkstrom gibt als erfolgreiche Betätigung. — Die eiserne Front imWesten. Aus der Mappe eines Kriegsberichterstatters im deutschen Großen Hauptquartier. Von Julius Hirsch. Leipzig 1916, Hesse L Becker Verlag. Kartj. 1 Mk. - Vor kurzem machten wir unsere Leser auf dre von: Verlage Lorris Oertel in Hannover heransgegebene Sammlung „E uropa- i f cf) c Volkshymnen und Hei matslieder" aufmerksam. Heute können wir mitteilen, daß ein Textbuch zu den Liedern deutscher Zunge aus dieser Sammlung m schmucker Ausstattung zum Preise von 20 Pig. erschienen ist. — Gebet um Frieden. Ein Lied des rheinischen Komponisten Fritz Fleck. Innigkeit ohne Sentimentalität charakterisiert diese schlichtwürdige Weise, die sich zu glaubensstarker Empfindung emporschwingt. . ^ — Die Kosaken des Zaren. Selbsterlebtes rn den Krieqsjahren 1914/15. Mit Beitragen von H. Dreßler, Dt. Schade. Pfarrer Salemski, Plärrer Juck, Amtsvorsteher Graap u. a« 192 Seiten Texr mit einem farbigen Titelbild auf Kunstdruckkarton und 60 Originalzeichnungen im Text. Preis nur Mt. 1. - . In allen Buchhandlungen vorrätig. Verlag der Vaterländischen Verlags- Anstalt Wilhelm Köhler,'Minden i. Wests. Skat-Aufgabe. Da Mitteiha,ld bis Treff-Solo reizt, spielt Vorhand Grand aus folgende Karlen: v o o o^o o ❖ Wonnen, ohne baß die Gegner aus dem Schneider kommen. — Wie sind dre Karten verteilt und wie wurde gespielt? (Aufl. in nächst. Nr.). Auflösung des Kreuzratsels in voriger Nummer: V 8 A i c d t h e t e 1 h 1 o s V i S c A d IQ« s e r erg SchrisUettung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen.