Mittwock. den 2. -eevruar 1916 — Nr. 18 Km toten Lee. Roman von RobertKohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jetzt waren beide wieder an dem Punkte angelangt, von dem sie ausg-egang-en waren; die Dunkelheit wuchs rasch und beängstigend um sie her. In tiefem Sinnen blieben sie gleichzeitig stehen. „Kann ein Tier so geschrien haben?" fragte die Baronin halblaut, als wenn sie sich vor dein Klang ihrer eigenen Stimme fürchtete. „Nein, nein, so schreit kein Tier. Es war eine menschliche Stimme." „Sie war es auch damals — es war seine Stimme." „Heute klang es wie die eines Kindes. Wir aber haben uns überzeugt, daß kein Mensch in der Nahe war. An etwas üebernatürliches kann ich nicht glauben, also —" „Also?" „Es gibt Ohrentäuschungen, wie es auch Augentaw schlingen gibt. Unter besonderen Umständen kann man Töne ganz aus der Nähe zu hören meinem wenn sie auch in Wahrheit aus ansehnlicher Entsennmg kommen. Ich weiß das als Jäger, ich habe ein paar sonderbare Fälle dieser Art erlebt."' „Sie meinen, wir hätten weiter umhersuchen sollen?" „So ganz ohne weiteren Anhalt wäre das wohl allzu schwierig gewesen. Mer durch die Ermordung Ihres Gatten hat sich der Ton erklärt, den Sie damals gehört haben, vielleicht erklärt sich auch dieser." Schweigend standen sie einander einen Augenblick in der steigenden Dunkelheit gegenüber; keiner vermochte mehr die Züge des anderen genau zu erkennen. Dann begann die Baronin langsam: „Jetzt will ich Ihnen auch sagen, weshalb ich nicht sortgehen kann von hier, — an deuten wenigstens. Was mich hält, ist der Wunsch und Wille, den Mörder meines Mannes aufzufinden um jeden Preis. Ich muß dies Ziel erreichen, meiner selbst wegen fast noch mehr, als um des Verstorbenen willen, der in Frieden schläft. Ich brauche reine Lust, um atmen zu können." „Und Sie meinen, von hier aus Ihr Ziel am besten erreichen zu können?" „Ja, das meine ich." „Sie haben einen Verdacht?" Den Bruchteil einer Sekunde zögerte sie mit der Antwort, aber dann kam sie fest und klar Herbor: „Ich habe einen Verdacht." „Wollen Sie mir nicht sagen, gegen wen?" „Nein, heute noch nicht. Verdacht ist kein Bewe^, und erst wenn ich einen solchen fest in meinen Händen halte, darf und werde ich sprechen. Gegen Sie zuerst." „Und bis dahin kann ich gar nichts Um, um Ihnen beizustehen?" „Sie können mir helfen. Lassen Sie uns gemeinsam zu ergründen pichen, woher die rätselhaften Töne gekonr- men §ind, damals und heute. Wenn wir das erst wissen^ dann sind wir des Rätsels Lösung um einen großen Schrrtt näher." , ! i „Ich werde suchen." . . „Für heute lassen Sie uns hineingehen, — es ift Nacht geworden. Und halten Sie bei Ihrem Suchen das eure fest: von derselben Stelle, von wo der schreckliche Ton damals gekommen ist, kam höchstwahrscheinlich auch der heutige Schrei. Und wenn wir die Stelle keimen, dann wissen wir damit auch: an diesem Platze wurde mein Mann ermordet/ 9. Kapitel. Bassows Gefühle waren plötzlich verwandelt. Sobald sich Schrecken und Aufregung ein wenig verloren hatten, füllte ein immer mehr steigender Jubel sein Herz. Das befreiende Lachen der Baronin bei seiner eifersüchtigen Behauptung, sie liebe Breitenbach, hatte schon eine schwere Last von ihm genommen. Und jener geheininisvolle Ton — so schrecklich und erschütternd an sich — bedeutete doch für ihn eine weitere, mit Heller Freude begrüßte Befreiung. Denn dieser Ton war der Beweis dafür, daß die Baronin damals nach ihres Mannes Ermordung die Wahrheit gesagt hatte. Aus dem einen Wahrheitsbeweis aber schöpfte Bassows nach Vertrauen so sehr verlangendes Herz eine Rechtfertigung für ihr ganzes Wesen, einen frohen Glauben an die Zuverlässigkeit all ihrer Worte. Wieder und wieder flüsterten seine Lippen an diesem Abend: „Ich darf ihr jetzt glauben — sie hat nicht gelogen!" Frieden und Ruhe senkten sich mit dem ersehnten Vertrauen zugleich auf ihn herab, und er schlief zum ersten Male, seit er in Garchim hauste, einen tiefen, traumlosen Schlaf. In der Frühe freilich war er zeitig wieder wach, und seine Gedanken wunderten weit umher, um einen Punkt zu finden, von dem aus er seine Bemühungen im Sinn und im Interesse der Baronin beginnen konnte. Wider alles Erwarten kam ihm dabei der Zufall zu Hilfe. Der Diener Franz, der ihm gewohntermaßen den Kaffee um sechs Uhr auf sein Zimmer brachte, dehnte seine Anwesenheit ein wenig länger als nötig aus; es hatte den Anschein^ daß irgend eine Neuigkeit ihn drückte, die er gern losgeworden wäre. In seiner guten, aufgefrischten Laune tat ihm Bassow den Gefallen, zu fragen, was es gäbe, und nun kam Franz Mit seiner Wissenschaft heraus. „ ^ „ „Ein Unglück hätt' es beinahe gegeben, Herr Baron." „Ein Unglück?" „Ja, drüben in Lünzin, am toten See. Der älteste Junge vom Vorarbeiter Nissen —' er hat so seine zehn Jahre, der Junge, — wäre da um ein Haar ertrunken." „Um welche Zeit?" „So zwischen acht und neun Uhr gestern abend soll es gewesen sein." „Sagen Sie mir genau, was man Ihnen erzählt hat. „Ja, das ist so gewesen. Der Junge hat mit seiner Schwester, die so um zwei Jahre jünger ist, noch draußen 7G u ? herumgespielt, und dabei sind sie — Jugend hat ja nun cinnral keine Tugend — fortgelaufen bis nach dem toten See. Und auf dem Wasser da liegt ein altes Boot, angekettet natürlich, damit kein Unfug damit getrieben werden kann. Na, und die beiden Kinder, wie nun Kinder einmal sind, wären gern hinausgefahren auf den Teich, aber das ging Nicht wegen der Kette. Da sind sie denn so hineingestiegen, und der Junge hat angefangen zu schaukeln und hat immer wilder geschaukelt, und das Mädchen hat Angst gekriegt uiid 'bat sich aus den Boden vom Dopte niedergekauert und jat um Gottes willen gebeten, daß er doch aufhören soll. Er aber hat es nur immer toller getrieben, bis er aus einmal das Gleichgewicht verloren hat und ins Wasser gefallen ist. Da hat er denn furchtbar geschrien, und das Mädchen hat geweint, aber dann hat es doch Besinnung gehabt und M ans Land gesprungen und ist fortgelaufen, um Hilfe herbeizurufen, weil es doch selbst nicht hat helfen können. „Hat man den Jungen gerettet?" ,,Ja, Herr Baron. Zum Glück ist ein Holzarbeiter des Weges gekommen, und das Mädchen hat ihn gerufen, und er hat auch wirklich den Jüngen aus dem Wasser gezogen. Der ist schon ohne Bewußtsein gewesen, aber sie hüben ihn doch wieder ins Leben znrückgebracht, und sein Vater soll N^i^nterher noch eine gehörige Tracht Prügel gegeben ! rt 0ut ' a Gesuchte hat mich sehr >^e^sstert — aus bestimmten Gründen. Ich danke Ihnen." , Mfcc sich noch nicht zum Frühstück nieder-gesetzt, sondern stehend aus des Dieners Bericht gehört, um Frxmz dre Frage zu überraschen: „Wissen Sie, was ftir W-rnd wir heute haben?" J^L r . rf° genuu kann ich das nicht sagmi. Das heißt, nach der Wette rfabüe habe ich nicht ae- ^hen. über es muß tvohil so dersetbe Wind sein wie gestern. Zum Regrieii ist es nicht gekommen in der Nacht: es hat wn tüchtig gestürmt, und heute ist noch dieselbe schwüle Ä 7~c hw> % n a den hier einmal mitnehimen." vr weckte aufs neue des Dieners Verwunderung. indem er nabn^nn^ Wasfenschraiik an der Wand einen Revolver nalstn und ihn auf den Tisch neben sich legte. wvÄL 1 Ä1L 6enau acht " sagte Bassow dabei. eÜl ^SjßWMden, in zehn Minuten SLft hllnunter in den Park und r !* r dtmk unter den Fenstern der Frau' Baromn auf und warten Sie, bis ein Schuß fällt" ^ „Jawohl. Mit Revolvern pflegt maii zu schießen, und hrcr liegt cm Revolver. Also dort warten Sie, — vorher aber gehen Sie zu der Frau Baronin hinauf und sagen ihr TwnhJrrf IUrf>t e l d>re(fcn ' wenn geschossen würde Cs l>andle sich um einen Versuch. Haben Sie verstanden?" „Jawohl, Herr Baron." „Dann ist es gut. Gehen Sie." , - .Der Men verschwand, und Bassow nahin eilia sein gs L s-Nch mraKs vwl leicht kam nun aiich die Lösung des alten An ihr M^elten zu können, mit freiem Herzen einem bestimmten $ o*. ^"!^enulstreben, der Baronin dienen und nüben chr durch die Tat abbttten zu können, was er in Gedanken K^nbigt Batt^ das weckte iieues Lebens- und Freiidegefuhl in ihm. Er fühlte fein Selbst wieder sein lirsprungliches, natürliches Wesen, das nach energisckur Be- hei?veAangte^^ ^'gebung ohne Geheimnis und Ursiicher- Mn,-f^!V^?olver zu sich steckend, ging er hinab in den und überzeugte sich, daß Franz bereits auf dem angewiesenen Posten wartete. Er prüfte, unrherblickend iiock ^iatwn. Geradeaus vor ihm in der Ferne ™/L be f l n l 0t £ (5ce; das Gatter des Parks hemmte^ den Jvrf' ^ daß man die Wasserfläche von hier unten aus ^icht erblicken konnte. Geradlinig, von festen Heckenwänden auf beiden Seiten begrenzt führte der Weg dort hinüber Ein Ton, von jener Seite her klingend, mußte wenn der Wind aus derselben Richtung wehte, eingeerngt Und fest- LAalt^ werden von den Laubwünden, wie ^urch eirwn Sck!lws)^«< ifl ^ Und an der M-mer des Lchlo,ses fand er dann einen Resonanzboden, der ihn zurück- warf. So koniite sich erklären, Mas unheimlich Mid Unbegreiflich erschienen war. ' Wetterlage schien günstig für einen Versuch. Ter heiße Wmd vom vergangeiien Tage, nur noch von größerer Heftigkeit, kam dem Hastigschreitenden gerade entgegen und weckte zischende, mitunter zum heulenden Rauschen anwachsende Töne rn den Bäumen und Hecken. Im Gehen zog Bassow den Revolver hervor, um seinen Versuch über die Tragweite des Klanges gleich anzustellen, sobald er zum toten See gekommen war; aber abgerissene Laute von Menschenstimmen, die bei seinem Näherkommen von dort herüberdrangen, lenkten ihm die Gedanken für den Augenblick von seinem Vor- haben ab. Sobald er das Gatler des Parkes passiert hatte, dessen Tür bei Tage nicht verschlossen war, sah er denn auch, daß em Boot auf der Fläche des Sees umherschwamm, voii zwei Männern mit ein paar Stangen mehr vorwärts gestoßen als gerudert. Ein bald schmaler, bald breiter Schils- rranz umjaumte überall das vom Winde gekräuselte Wasser, und in dem hohen Schilfe schienen die Männer aufmerksam umherzusuchen. r .. Gedanke, daß des Dieners Erzählung von der glücklichen Rettung des Knaben doch vielleicht unrichtig gewesen sei, und daß die Männer die Leiche des Ertrunkenen zu bergen suchten, ließ Bassow mit größerer Teilnahme auf ihre Bewegungen achten, als er es wohl sonst getan hätte, Sn-,* k r '0 [ e ^ r Ul ihr Süchen vertieft waren, daß kein Blick den Herankommendcn traf. Um sie anzurufen und aus- fragcn zu können, waren sie augenblicklich zu weit entfernt. Nahe beim Ufer aber ftnnb eine alte, mächtige Eiche, die allein dem Windbruche getrotzt hatte, dem ringsumher alle anderen Baume ziim Opfer gefallen - waren. Auch sie war zer- und zerschlagen, und an ben Bruchstellen abgebrochener Riefte schimmerten helle Flächen gleich Narben, aber sie war doch aufrecht stehen geblieben und bewachte, nun selbst bereits halb gestorben, den toten See. Ihr Stamm, der dem heißen, voller Kraft wehenden Winde wehrte, bot Bassow Tecrung vor ihm und erneu guten Beobachterposten, um das Tun der Leute auf dem Wasser zu verfolgen. Zuweilen klang auch ein vereinzeltes Wort von ihnen zu ihm herüber. ,„ fS » a 'c r cd r? n ' bo */ rief jetzt einer der beiden Männer, nun W»' wre der andere mit seiner Stange im Schilf umherarbeltete und schließlich nach allerlei vergeblichen r?^c-"e h Andres hört zu . . . Vieles versteht er nicht, - ^ ll 8rt ^Mite gerade so gut Chinesisch oder Potokudisch sprechen. Aber manchnral, da trifft ein Wort sein Herz. Tann ant- rZ ’ agt/ kft „dem Langen" oft genug auch botv-i chlnesich, - wenn's schon leidlich deutsch ist. Aber auch ihn tnfst dann manchmal so ein Wort ins Herz. /L on den Sternen weiß „der Lange" höchst merkwürdige TS « tiaS? Planeten, die ewig wandern, von Fixsternen, die ewig feststehen, von Monden und Sonnen. Ganz wirbelig wird's vem Andres Hamm dabei zumute, besonders wenn er bedenkt, daß Ünsere gute alte Vtutter Erde mich so ein Planet ist und mit den andern wandert durch den unendlichen Raum; wenn er in hellen Sternennächten sieht, wie das ganze Sternengewimmel da herauf r kangfanl langsam über ihn wegzieht, über ihn, den Andres Hamm, tausend, hunderttansendmal. . -> n * m r ein wenig die Sternbilder. Vor allem M größte und schönste, den Orion. Er weiß die'seltsame Ge- schlchte vom Orion, der em Jägersmann war, — der 'größte uiid schönste Mann, so groß, daß er von der Erde in die Wolken reichte. Äne der Herdengöttinnen verliebte sich in ihn und wollte Ä ?Jw Wa Ür\ zuletzt bekam sie ihn doch nicht, er wurde! auf seltsame Art getötet, und der oberste Heidengott versetzte ihn fa™* fernem Hmid als Sternbild an den Himmel. Da kam er nun Ä^bendftch hmter der zerschossenen Kirche herauf, strahlend schön. Der Andres Hamm kannte rhn wohl, — seine zwei funkelnden Schultersterne, den Gürtel aus drei Sternen, das Wehrgehänge die glanzenden Sterne seiner Schuhe. ' . . Dies Mes hat „der Lange" dem Andreas erzählt. Aber eins werß er nicht. Nicht, warum „der Lange" den Orion so besonders gern hat Denn er ist nicht dabeigewesen, als am Abend vor dem Ausmarsch zwei junge Menschenkinder in bitterem Abschiedsschmerz ^^bftln ftlben Orron aufgeschaut haben. Als ein schönes junges Geschöpf seine Arme um den &aB „des Langen" gelegt und mit tranenvoller Sttmme ihm das letzte Lebeuwhl gesagt hal Und hat ihre letzten Worte mcht gehört: „Und wenn du den Orion siehst, daun frvTTff a s.i ^nn's dich zieht, zu ihm aufzuschauen^ ^ du-wchen, daß ich> letzt airch zu ihm aufsehe und an t r ft‘ P ? a :£^ ^nen Achselstern schau ich, - damit ruf ich dich. Du wirst es choir merken, wenn rch dich rufe." Wenn Andres ^ würde er sich nicht mehr wundern, wenn „der Lange halbe stunden lanc; dir hinauf guckt. Und manchinal ganz verklärte Augen macht. Er würde dann wisseri daß ^ der JJni ÜbIt/ äbdf>en zum Orion aufschaut/tote " .§anz genau fühlt. — So rst's auch 'diesen Mend gewesen «re™ „Ter Lange" ist draußen gewesen, obgleich der Franzmann sich recht ungebärdig benimmt. Ein paarmal ist schon allerhand grobes Zeug, sehr in der Nähe herunkgepokterk, -- mMii J- 1 (/k - Utsd hui—i—i—i! Und während man ganz g» Pellkartoffeln gekocht und Speck dazu gebraten, hat es Kn’= a| K t!1 gekracht, - — aber der Mensch gewöhnt sich an alles. ?a auch ungemütlich wird, dann muß nran steh halt ver- LM eluen KUonieter werter zurück oder so, - na, heute abend wird s in so schlimm nicht werden! , Der ~~ bs Wird wftd-er still Schlafenszeit wär's auch. — Der Andre-, macht Anstalten, ins Stroh zu kriechen. Mer auf springt „der Lange" auf, als wenn ihn was gebissen hätte IM "wen Augenblick ganz verdöst da, - schreit ettoas, ^s L dm 9 i?!nn lll ^u er beißt aber: „ich komme," springt ist^nnd sttttzt' hinaus^ ^ Strohschütte um, die dagegengcstellt Der Andres ist einen Augenblick ganz verdutzt. Mer dann ut!x n l ,n x b ™ te V bni brem. — halb ärgerlich, halb erschrocken, — und die drei andern, die noch in dem Unterschlupf staken, glauben, l cnv r ^r^ b btwas pasftert und laufen auch hinterher. ^ .Wre sre etwa zwanzig Schritte weiter unter den Bänmen ins Freie kommen, steht da „der Lange", guckt den Himmel an und ist ganz erstaunt, wie die andern hinterdrein stürzen. Und weiß nicht, sre denn so zornig sind. — Ja, warum sind sie ihm denn nachgekoinmen? Er hat sre ja nicht geheißen.- *1 ungemütlich werden. Der Mensch will doch einmal ferne Ruhe Huben. Wenn denn „der Lange" schon verrückt ist und zu nachtschlafender Zelt den Himmel anglotzen will, dann sott er wenigstens ruhig aus der Bude rauskriechen und den andern auch ihre Ruhe gönnen. Mer in diesem Augenblick kommt etwas durch b Z ~~ A^-i-l-r, hu-u-i-i-i-! Und einen Schlag -W'E fei er dicht neben ihnen. !— Und ctin Krachen und Reißen und Drohnen, als wolle die Erde unter ihnen sich auftun. ft.-,** ftch Nieder» und Erde und Baumzweige und Holz- stucke klatschen auf sre. Und wie sie nach einer Minute, die so lang scheritt wre eure Ewigkeit, aufspringen und nach ihren Unterschlug zu rucklaufen, da stehen sie wie gelähmt. Ein Loch ist da, wo er war, ein wüster Haufen Erde, Holz- truivmer, Splitter. ^ ^ 3 ... And wenn sie nicht hinter „dem Langen" drein gewesen! waren, da Ware ^etzt unter der Erde und Holztrümmern auch noch das was die Granate von fünf Menschen übrig gelassen hätte. Viel war's wohl nicht! , Den andern Abend aber schaut sich der Andres Hamm den ^rron mit besonderen Gefühlen an. Denn „der Lange" hat ihm erzaUt, wre das gewesen ist gestern abend. Wie er ganz deutlich die Sttmme gehört hat, die ihn gerufen hat, seines Mädchens Stimme: „Komm - komm!" - so deutlich, so dringeud, so hell, daß er heraus hatte gemußt, und wenn's in den Dod gegangen Orion ~* )nTaUg in ^ b'nie, den Himmel sehen, den Achsejftern im „Zu denken daß man nun nicht mehr da säße, wenn du nicht da oben standest," - denkt der Andres kopffchüttelnd. Und was einem bloß all in so einem Krieg passiert! Vermischtes. ^ ' Eine „Ku nstausstellu „ g" an der Westfront. Schon mancherlei wllrde über den Huinor unserer feldgrauen Offi- ziere und Soldaten berichtet, nichts aber zeugt in unterhaltsa.nerer Welse von der guten Laune und Lebensfreudigkeit unserer Krieger mr Felde als die „Kunstausstellimg", die der württemberqische Seupln an der Westfront errichtete. Diese Sehens- Würdigkeit, die den stolzen Namen „Knnstausstetliliig Scupin" träat beftnoet sich nach einer Schilderi.ng des Zeichners und Schriftstellers Er,ist L. Oliermayer i,n nächsten Hell der bei der Deutschen Verlags-Anstalt m Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „lieber Land After , in einer sonst für Kiinstansstellungen nicht gerade gewöhnlichen Uingebimg. Das Gartengelände ist in einem äußerst ^allstllchen Natnrznstand, die Bäume sind von Geschossen arg zer- pfluckt und der Boden zeigt eine Anzahl jener >nodern gewordenen Ausbuchtungen, die man Granatentrichter nennt. Die zerschossenen und teilweise abgebrannten Ruinen, die über die Mauern lugen und die letzten Reste eines französischen Dorfes. Eine über eine,! Schützengraben gelegte Brücke führt in das Ausstellungsgebiet. Die Ausstellung selbst ist ebenso niodern wie international. Gleich hinter dem aus Ban,nstäm,neu zurechtgehaueuen Eingauqstor er- hebt sich am erner Ziegelanhäullma das erste Schallstück der Galerie gekennzeichnet durch eine Tafel: „Wilson der Neutrale". Der Kops Wlllons ist hier aus einem bei den Schanzarbeiten ziilage aesör- deeten Kre^e^sen ge,„eißelt, mit Brille und zie,nlicher Porträt- ahnlichkeit. Eine Anzahl von Blindgängc n und Ausbläsern von Granaten und Schrapnells amerikanischer Herkunft bilden den Sockel. Die beiden anderen Büsten der amerikanischen Gruppe - Roosevett und der Stahlkoutg Charles Schwab - sind noch nicht fertig. Es Heißt, daß noch nicht genügend Kreideselseii gefördert wurden, um diese beiden Männer in ihrer ganzen Größe anshauen zu können. Die afrikanische Abteili.ng birgt zwei Glanzstücke? Sie zeigt den englandtreuen Burengeneral und einen farbigen englischen Streiter für Zivilisation und Kultur, der zwar noch nach wilder Sitte emen machtigeii Nasenring trägt, dafür aber bereits mit dein auf dem schwarzen Bauche angehefteten Hosenbandorden geschmückt ist. Hieraus folgt die Schreckenskamnier. die den entsetzlich mageren 72 — und bleichen Mr. Grey zeiat, einsam aus semem Postament thronend. Neben ihm befindet sich ein Abbild Vcktor Emanuels mH der Aus- schritt: „Ehre c\ab ich für Geld!" Diese aanze Abteilung ist umso stimmungsvoller, als der sie bergende Raum früher den Dorf- schweinen als Stall diente. Auch künstlerische Münzen sind m dieser Galerie nicht vergessen : eine Dopvelvlnkette zeigt in Wilhelm Busch* Manier Peter von Serbien und Nikolaus von Montenegro, ote bösen Bnbett vom Balkan. Darunter liest man den schönen Vers: „Wer Hammel stiehlt, gehört verhaun, auch kann ,nan dem dann nicht inehr traunDie „russische Dampfwalze" und em kunstvoll modellierter Japs ergänzen die Ausstellung, deren Abschluß ein leeres Mauerloch bildet, das als „Ruhestätte der Joffre-Ossizrere bezeichliet ist — iveil nichts dahiiiter ist. Neben diesen kunttlenschen Genüssen erfreut sich die Ausstellung aber auch einer „Boches-Brer- stube beiin borstigen Barbaren" uiid eines Ausstellnngscafes, das sich in Gestalt einer von neuem Grün umwachsenen Laube an o,e rauchgeschwärzte Giebelmauer eines TrüinmerhaufenS lehnt, ^ie Aiisstellungsniiisik ivird von den Geschützen besorgt, m deren donnerndem Bereich der ltuvenvüstliche deutsche Soldatenhumor ein so originelles Plätzchen gefunden hat. "Zur Geschichte des f r a n z 5 s i f ch e n S t a h l h eI m s - Die moderne Kriegführung hat nicht nur die neuesten Waffen uno Kainpfarten bedungen, sondern auch mancherlei Rustzeug zu erneuter Bedeutung gebracht, das bereits als altmodisch unb langst abgetan erschienen war. Besonders die Reche der im Weltkriege in Verwendung stehenden Verteidiguiigs- und Schutzmittel weist eine Anzahl voll Kriegswerkzeug auf. desseii Herkimit bis auf die Zeit des Mittelalters, ja selbst der klassische,i Röiner und Griechen zurückgeht. Hierher gehören die Panzerschilde, die vor den Maschinengewehren ausgestellt 'werden, die Brustplatten, die französischen Kürassierpanzer und - als die gebräuchlichste Neuerscheinung in der französischen Armee — der horizontblaue Stahl» helni der französischen Infanteristen, dessen abgerundete Form die Projektile, wenn nicht mckhalten, so doch in günstigen Fällen seitwärts abgleiten lassen soll. Eine Zusammenstellung der interessantesten Daten über den moderiien französischen Stahlhelm findet sich im Lalleiiu äes armSes. Der Helm, der 1 X A Kilogramm wiegt, besteht im wesentlichen in der Kopfform aus Aluniininm, die mit Tuch und Schafleder gefüttert ist, aus dem stählernen Ueberzug und dein Kinnband aus Ziegenhaut. Zur Herstellung des Helmes werden 52 verschiedene Werkzeuge gebraucht, die einzelnen Teile werden in drei Großen verfertigt, damit die Helme jedermann passen. Es wurden zahlreiche Werkstätten eingerichtet, die Arbeit wird zum Teile von Frauen besorgt. Tie Tagesproduktion soll sich neuerdings aus 50 000 Stück belaufen. Bisher wurden 3 600 000 dieser Stahlhelme fertig gestellt. Jeder Tell wird besonders verfertigt, und dann werden die einzelnen Teile zusauuneugestellt. Wenn der Helni auf diese Weise seine endgültige Gestalt erhalten bat, wird er in die Beumlungswerkstätten geschickt, wo man ihn mH graublauer Farbe anstreicht. Der Anstrich wird in einer Temperatur von 135 Grad innerhalb drei Stunden gehärtet und getrocknet. Bei der bisherigen Herstellung von 3 600 000 Stahlhelmen wurden 3 600 000 Kilogramm Stahl verbraucht, 36 000 Kilogramm Aluminium, 50 000 Kilogramm Farbstoff, 72 000 Ziegen- häute, 800 000 Schafhäute, 300 000 Meter Stoff, 400 000 Kilogramm Papier zur Verpackung. Wenn man die 3 600 000 Stahlhelme in eine Reihe legen könnte, fügt der „Temps" hinzu, würden sie eine Linie von 1!0O Kiloineter bedecken, was ungefähr einer Linie quer durch Frankreich von Calais nach Marseille entspräche. Das Leder würde, in Strecken geschnitten, aneinander gebunden ein Lederseil darttellen, das — wie der „Temps" mit einem Stoßseufzer bernerkt, von Paris nach Berlin und wieder zurück reichen würde. Zur Versendung der Helme au die Front waren 76 0OO Kisten erforderlich. Wenn diese Kisten aufeinander gestellt würden, müßte ihre Höhe der des Eiffelturms gleichkommen. . . Diese Ausführungen sind ebenso stolz wie interessant. Nur schade für die Franzosen, daß selbst der so ausführlich geschilderte Aufwand iucht imstande ist, die Erfolge der Deutschen, die sich ohne diese wunderbaren Stahlhelme behelfen müssen. zu verringern. * Eine U b r e n h e m m u n g aus dem 13. Jahrhundert? Als das älteste bekannte Beispiel einer llhr mit Gewichten gilt gegenwärtig allgemein der Mechanismus, den Karl V. von Frankreich gegen das Jahr 1370 sür sein an der Stelle des gegenwärtigen Justizpalastes in Paris belegenes Schloß ausführen ließ. Tie Hemmung dieser Uhr war eine mit dem Steigrade; sie stammte von einem Württemberger, und die Ehre der Erfindung der Hemmung der Uhrwerke wurde daher bisher immer den Deutschen zugeschrieben. Aberbei den Franzosen ist es jetzt geradezu zu einer Krankheit geworden, aus allen Gebieten danach zu fahnden, wie sie deutsche Lorbeeren zer-reißen oder beschmutzen können, und so erfüllt es denn den „Temps" mit großem Triumphgefühle, daß er von einer angeblichen Uhrenhemmung ans dem 13. Jahrhundert, dem Werke eines Franzosen, berichten kann. In der jüngsten Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften wurde nämlich eine Studie des Chemikers Ch. Frömont vorgelegt, worin entwickelt wird, daß sich ein Werk mit einer Henunnng bereits in einer französischen Handschrift deS 13. Jahrhunderts finde. Es ist dies das jedem Kunsthistoriker wohlbekannte Skizzeubuch des Baumeisters Billard de Honnecourt, worin dieser weitgcwauderle Künstler neben architektonischen Zeichnungen und Riffen auch allerlei Merkwürdigkeiten der verschiedensten Art, z. B. auch seltene Tiere, wie Papageien, und automatische Spielereien, mit dem Stifte festgehalten hat. Unter diesen Zeichnungen findet sich auch ein Mechanismus, der auf vertikaler Achse die Statue eitles Engels sich mit einer solchen Geschwindigkeit drehen ließ, daß der Engel seinen Finger immer gegen die Sonne gerichtet hielt; dies wird durch eine Inschrift in pikardischer Muiidart unter der Zeichnung angegeben. Die Konstruktion des Mechanismus ist nun aus der Zeichnung allerdings nicht erkennbar, aber Herr Frömont hat viel Mühe darails ver- lvendet, ihr Prinzip herauszusinden, und er glaubt nun Nachweisen zu könnei,, daß mau diese Konstruktion des Billard voll Honnecourt als die älteste Hemmung niifehen niüsse. Sollte dem so sein, so ist es nicht die Art der deutschen Wissenschaft, einem Erfinder seine Ehre vorzuenthalten; zunächst aber darf man wohl abwarten, daß die Studie des Hern: Frömont iiachgeprüst und die Anwartschaft des pikardischeii Küiistlers auf die Erfindung der Hemuuuig näher untersucht werde. - Bücherlisch. — DieKä mpf e der,Bulgaren gegen dieEntente- truppen sindeli in einem Artikel voii Paul.Otto Ebe eine in* tereffante Darstellung. Es dürste wohl sür jedermann von Jntereffe sein, diese Kämpfe der Bitlgaren kennen zu lernen. Der wohl» imterrichtete Autor versteht es, »ms, uiiterstützt von Bilder>r und Karten, über dieseii Kriegsschauplatz aicks beste zu unterrichten. Wir finden den Artikel in den nettesten Heften 60/62 von Bongs illustrierter Kriegsgeschichte „Der Krieg 1914 16 in Wort und Bild" (Deutschrs Verlagshaus Bong & Eo., Berlin W. 57, wöchentlich ein Hett zum Preise von 30 Pfg.). Es schließen sich daran .weitere Aussätze, wie „Die Hölle von Görz", „Die Flucht der Serben durch das Jbartal", „Tscherkessenübersall", „Im Auto aus Dampsersuche", „Wie schützen sich Kriegsschiffe gegen Angriffe aus der Lutt und unter Wasser?", „Verpflegungsrequisition in Kamerun", Während diese und ähnliche Aufsätze dem z,veiten Teile „Der Krieg in Einzeldarstellungen" entnommen sind, bringt die Hauptabteilung, „Die eigentliche Kriegsgeschichte", den Abschluß der Offensive im Osten aus der Feder Wilhelm v. Maffows. — Die soeben erschienene Nummer 3787 der Leipziger „Illustrierten Zeitung- ist offenbar als eine Art Fest- nummer ztlm Geburtstag des Kaisers gedacht. Darauf weist das wuchtige, einen kaiserlichen Standartenträger darstellende Titelbild Walter Hammers hin. Der bekannte Politiker Graf Ernst Reveutlow feiert den Kaiser als tatkräftigen Vertreter der hohen Ziele dieses Krieges: Freies Meer - Freier Orient! Theo Sommerlad kleidet den Dank des deutschen Volkes au seinen Kaiser in markige Verse, zu denen Haus Friedrich eine hübsche Umrandung geschaffen hat. Eine lebensvolle Szene aus dem Leben des Kaisers im Felde, die Verleihung des Ordens Pom lo m6rite au General von Stenben, den verdienten Führer in den verschiedenen Argouneu- kämpsen, schildert Professor Haus W. Schmidt in einer doppelseitigen Zeichnung. Auch sonst bietet das vorliegende Heft wieder viel des Interessanten, so eine Reihe Illustrationen von Olbertz von dem feldgrauen Leben und Treiben auf der Bühne des neuentstandenen Deutschen Theaters in Lille mit Begleittcxt von F. Merzenich, Faksimile-Wiedergaben au8 dem Argonucn-Skizzenbuch des Berliner Historienmalers Professor Georg Schöbet, Momentbilder aus einem deutschen U-Boots-Haseu von Karl Bössenroth u. a. m. -—-- Könfgspromena&e. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der Köllig ans dem Schachbrett — stets von einem Feld au« auf ein benachbartes übergeht. men» in sen ro ein wim als sam der zeit küm sam ver ver lie ein mern rosen ver alter ber küm mern zeit grö der weit im V0tl her- ßer leid in schetr men kein ze als Auflösung in nächster Nummer. Auflöfung des Sport-Silbenrätsels in voriger Nummer: Bennen - Ulnterrichtsloknl — Diplome — Ehrenmitglied — Begatt» — IVachzügler; Rudern, Radeln. Scbrittleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lanae. Gießen,