/ Samstag, den 22. Januar Am toten See. Noman von NobertKohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ,,Jch muß die gnädigste Baronin bitten, das zurück- zunehmen. Ich bin nicht unwahr, niemals! Manchen Fehler mag cch haben, -aber diesen nicht. Es ist ein Bedürfnis meiner Natur, immer wahr zu sein." „Darm bin ich neugierig, wie Sie mir den Gegensatz in ^chreu ergenen Worten erklären motten. Sie haben mir vorhin gesagt, Sie wüßten nicht, was der Staatsanwalt mit nrrr gesprochen hat." ,,Es ist genau, wie ich gesagt habe. Sie aber haben danach jetzt auch nicht gefragt. Sie wünschten zu wissen, was der Staatsanwalt mir über Sie mitgeteilt hätte, — das ist ein Unterschied. Und auf diese Frage muß ich die Antwort schuldig bleiben. Ich lüge niemals, — ich schweige, wenn ich nicht antworten will." Mit ihr ging eine merkwürdige, rasche Veränderung vor. Der Ausdruck der Heftigkeit wich aus ihren Zügen, ern werches, freundliches Lächeln flog darüber hin. Ebenso weich und freundlich war auch die Stimme, womit sie nun sagte: „Sie sind irrt Recht, wie ich sehe. Die Logik hat mich ernen Augenblick im Stich aelassen, — das darf uns Frauen ja mitunter passieren. Und ich bin von starkem Tempera- meut. Sie wissen, ich war beim Theater, wo ja das Temperament als Tugend gilt. Seien Sie mir nicht böse darum, ich lvollte Sie nicht kränkeu. Uuö wenn Sie die Wahrbeit lieben, so glaube ich, wir werden gut miteinander auskom- men. Auch ich liebe die Wahrheit von ganzem Herzen." Einen Augenblick war es ihm, als wenn er ihre Hand ergreifen und küssen müßte, als wenn es an ihm wäre, sie -um Verzeihung zu bitten. Aber sein sich immer neu verwirrendes Empfinden mack)te feine Lippen auch jetzt wieder stumm und ließ ihn ungeschickt, verlegen vor ihr stehen. „Wollen Sie mir nicht verzeihen ?' fragte sie nach einer kleinen Pause mit nervös zisiammengezogenen Augenbrauen. Da siegte in ihm das warme Gefühl. „Doch, jdoch, Baronin, — uub seien Sie mir auch nicht böse, daß ich heftig war." „'Gewiß nicht. Lassen wir die Sache ruhen. An dem allen ist ja nur dieser Staatsanwalt schuld. Er hat uns beide aus dem Gleis geworfen. Mir hat er unerhörte Drnge gesagt und Ihnen hat er Mißtrauen gegen mich, in das Herz gelegt. Ich weiß, und fühle das, ohne daß. ich es von Ihnen höre. Er hat mich bei Ihnen verlästert, r-i jawohl, verlästert! Glauben Sie mir, dieser Herr hat sich in ferne juristischen Theorien verrannt und verfolgt eine vollkommen falsche Spur. Der Sänger, den er für den Mörder hält, ist ebenso unschuldig an der Tat wie Sie. Er rst ein Unglücklicher, der tiefstes Mitleid verdient. Er war ein großer, echter Künstler, — wie oft hat er als Wotan neben mir auf der Bühne gestanden, wenn ich die Brünhilde sang! Aber die Künstler verstehen selten,' in die Scheuern zu sammeln, wenn Erntezeit ist. Auch er hat es nicht gekonnt. Nun kam sein Schicksal, er verlor die Stimme, und ans dem gefeierten Sänger ist ein armer, elender, hilfloser Mensch geworden, der sich eines Tages heimlich, schamvoll zu mir schlich und mich um Hilfe bat. Ich mußte ihn wiederbestellen ans ein anderes Mal. Denn ich wollte nicht nur eiu Almosen geben, ich lvollte ihm helfen, sich ente neue, wenn auch bescheidene Existenz zu gründen.- Da^u reichten im Augenblick meine Mittel nicht aus. Ich schrieb ihm dann, als ich sie mir verschafft hatte, und bestellte ihn in den Park, weil er in seiner Abgerissen-- heit sich scheute, von andern Menschen gesehen zu werden. Das ist alles, und ich meine, daß dies Tun mir keine Un- ehre macht. Der Herr Staatsanwalt aber, konstruiert daraus einen Schuldverdacht gegen den Unglücklichen und un-- erhörterweise auch gegen mich selbst. Erst heute hat er die Stirn gehabt, mir gegenüber das anzndenten. Mein Trost ist aber, daß niemand außer ihm an diese Fabel glauben kann und glauben wird!" Sie hatte sich immer mehr hinein gesprochen in die Leidenschaft und ging jetzt mit raschen Schritten zum Feyster, an dem sie einen Augenblick von ihm abgewandt stehen bljeb, als wenn sie sich fassen und beruhigen lvollte. Dann, da er stumm an seinem Platze verharrte, kehrte sie sich plötzlich wieder zu ihm um und kam hastig ans ihn zu. „Sie schweigen, Baron, — warum schweigen Sie denn?" Er sirchte nach Worten. „Was soll ich sagend „Habe ich mich getäuscht? Gibt es außer diesem Herrn von Sieglitz noch ehren zweiten Menschen, der mich eines gemeinen, heimtückischen Verbrechens für fähig hält? Hat er wirklich Gehör bei Ihnen gesunden, urcd sehen auch Sie nun in mir die hinter den Killiffen Ränke spinnende Au- stisLerin eines Mordes? Ist das möglich? Antworten Sie mir, — ich verlange das von-Ihnen!" In furchtbarer Verwirrung stand Bassow ihr gegenüber. Vertrauen, Zweifel, Fragen wogten wild in ihm durcheinander und verschlossen seine Lippen in ihrem Widerstreit. Er fand keine Antwort, als ein vieldeutiges Achselzucken, als eine unsichere Bewegung der Arme. „O, ich verstehe Sie auch ohne Worte! Sie haben vorhin gesagt, wenn sie nicht lügen wollen, schweigen Sie. Nun weiß ich, was Ihr Schweigen bedeutet, mm weiß ich, daß auch Sie, dessen Namen ich trage durch meinen Mann, mich eines abscheulichen Verbrechens für fähig haltew" „Lassen Sie mich Ihnen sagen —" „Ich habe nichts inehr mit Ihnen zu sprechen. Verfassen Sie mich aus der Stelle. Nur das ehre noch: ich sprach vorhin von meinem Bleiben hier im Schlosse für das rrüchste halbe Jahr. Davon kann jetzt keine Rede lnehr sein, obwohl es mein Recht ist. Sie reisen morgen, und wenn Sie zurückkomm-en, werden Sie mich nicht mehr hier finden." „Ich hvsse, Sie werden sich das noch überlegen, Baronin. Lassen Sie uns beiden Zeit, uns zurechtzufinden. Man hat uns beide aus unserm Gleis geworfen, wie Sie selbst vorhin sagten. So vieles spricht für Sie, aber — verzeihen Sie — auch manches gegen Sie. Lassen Sie mich überlegen, zu Besinnung kommen! Unter normalen Verhältnissen werden wir alles, was geschehen ist und zu geschehen hat, ruhiger betrachten und erwägen können." „Ich habe nichts mehr mit Ihnen zu sprechen. Verlassen Sie mich." Er zauderte noch einen Augenblick, dann aber ging er mit stummer, tiefer Verbeugung hinaus. Sechstes Kapitel. Wohl noch niemals hatte sich Bassow in solcher tief- inneren Verstörtheit und Unsicherheit befunden wie an diesem Tage. Zuerst freilich, nachdem er die Baronin verlassen hatte, nberwog der Eindruck ihrer Persönlichkeit alle anderen Einflüsse und Gedanken. Ueberzeugend wie die Wahrheit selbst hatte sie vor ihm gestanden. Kein Ton, kein Wort war unecht und berechnet erschienen. Er hatte Momente, in denen er sich sagte: „Du bist ein Lump, wenn du an dieser Frau zweifelst!" In denen es ihn trieb, wieder zu ihr hinüberzustürmen und sie anzuflehen um Vergebung. Je mehr aber der schöne Glanz ihrer Augen, der tiefe Klang ihrer Stimme in seiner Vorstellung ermatteten, um so größer? Macht gewannen die klugen Auseinandersetzungen des Juristen über ihn. In, niemand hatte, soweit sich's erkennen ließ, ein größeres Interesse am Tode seines Vetters gehabt, als diese Frau, deren Liebe schon längst erkaltet war. Den Raubmord konnte der Täter geschickt fingiert haben; der wahre Zweck war es dann gewesen, die Vollendung des neu geplanten Testaments zu verhindern. So redete sich Bassow nach und nach wieder in Mißtrauen und Zorn gegen sie hinein und kämpfte damit gegen ein häßliches Mißbehagen über sein eigenes Verhalten gegen sie. Und indem er sich das alles in den dunklen Stunden einer abermals beinahe schlaflosen Nacht immer wiederholte, fand sein Mißtrauen eine seltsame Bundesgenossin an einer weiten Frauengestalt. Ein Ereignis, das zu vergessen er eit Jahren gekämpft hatte, wachte wieder auf und bedrängte ihn aufs neue. Es war die große und nach seinem Glauben einzige Liebe seines Lebens, die mühsam unterdrückte Qualen in dieser Nacht erneuerte. Bassow hatte wenig in der großen Welt gelebt. Nur die Militärdienstzeit, ein paar S-emester auf der Universität und zwei Reserveübungen bei seinem früheren , Regiment in Breslau hatten das gleichmäßige Leben auf der heimischen Scholle mit bunteren Farben unterbrochen. Bei der letzten Reserveübung war es gewesen, als er sich in eine Wagnersängerin des Stadttheaters mit einer plötzlichen, stürmischen Leidenschaft verliebte. Bis dahin hatten die Frauen kaum eine Rolle in seinem Leben gespielt. Nun sah er sich fortgerissen von einem reißenden 'Strom. Was an Romantik im tiefsten Grunde seiner stillen, auf vraktische Werte gerichteten Natur geschlummert hatte, wachte damals auf. Es war ein kurzes, großes Glück, und eine zerschmetternde Enttäuschung. Maßloses Vertrauen, grenzenlose Verehrung wurden mit frecher Treulosigkeit vergolten. Und als er bebend vor Zorn und Schmerz vor der Sängerin stand, immer noch in der unsinnigen Hoffnung, sie könne sich mit ein paar Worten rechtfertigen, da sagte sie lachend': ^Zweierlei mußt du beim Theater nicht suchen: Treue und Wahrheit. Unser Beruf ist das Täuschen und Lügen, es wird teden Abend aufs neue von uns verlangt. Da machen wir's auch im Leben wie auf der Bühne, — wir alle." Diese Worte — mühsam nur halb vergessen — klangen mit lebensvoller Grausamkeit wieder an sein Ohr. Aber sie kamen aus ernem andern Munde. Das Frauengesicht, dessen Anblick für ihn die größte Wonne und der größte Schmerz des Lebens gewesen war, hatte sich verwandelt. Er sah nur noch das Antlitz der Baronin. Und von ihren Lippen klang es cbm entgegen: „Wir lügen alle, — wir vom Theater." Es kiel ignt ein, daß dies tief in seine Seele gepflanzte Mißtrauen gegen die Bühnenmenschen es auch gewesen war, was ihn abgehalten hatte, die Frau seines Vetters früher schon keimen zu lernen. Seine übrigen Verwandten halten sie aus anerzogenem Vorurteil abgelehnt, er nicht. Im Gegenteil, — was an Idealismus und Romantik auf dem Grunde seines Gefühlslebens lag, war aufgewacht in der Berührung mit dem Theater. Aber niemals war et ühex die große Täuschung hinweggekommen, die seiner tiefeingewurzelten Wahrheitsliebe zuteil geworden war. Seit jener Stunde hatte das Theater für ihn die Lüge bedeutet. Die ganze Bitterkeit wachte wieder in Bassow auf, und als der neue Dag angebrochen war, hatten Zorn und Mißtrauen abermals gesiegt. In der'Frühe des Morgens trat er an ein Fenster seines Zimmers, das in denr einen Flügel des Schlosses lag, schaute über die lange Terrasse- weg nach dem andern Flügel hin, wo die Baronin hauste, und flüsterte aufs neue sein drohendes: „Hüte dich vor mir!" Zugleich aber stand er lange Zeit am Fenster und wartete^ ob nicht der Schatten einer Frauengestalt sich dort gegenüber zeigte. Dann trat er seine Reise an, ohne ihr noch einmal! begegnet zu sein. Von Stunde zu Stunde wuchs die Entfernung zwischen ihp: mrd ihr, und als er das heimatliche Gut erreicht hatte, lagen viele Meilen zwischen ihnen. Aber es war seltsam: je größer die Entfernung sich ausgedehnt hatte, um so geringer waren Bitterkeit, Mißtrauen und Haß in ihm geworden. Im Anblick der weiten, friedlich daliegen- dcn Welt schien seine Seele sich gesund zu baden. Es war ihm, als wenn er aus einem Krankenzimmer herausgetreten wäre in gesundes Leben, wo man die Dinge mit andern Augen sieht. Als er nun in der altgewohnten Umgebung in gewohnter, angespannter Tätigkeit war, da kam ihm der Verdacht gegen die schöne Frau mit jedem Tage mehr wie ein wüstes Traumgebilde vor. Wo war denn ein Beweis, ein wirklicher, schlagender Beweis gegen sie für solch ein abenteuerliches Verbrechen? Er fragte sich's immer häufiger, und zugleich begann etwas anderes, das er selbst noch nicht verstand, oder sich nicht eingestehen mochte, stärker und stärker in ihm zu arbeiten. Eine bohrende, nagende Sehnsucht war es, vor der festgesetzten Zeit von zehn Tagen wieder nach Schloß Garchim zurückzukehren. Er redete sich ein, seine baldige Anwesenheit sei nötig aus der großen Besitzung, er könne die Leute bei ihrer Tätigkeit am besten beobachten, wenn er unerwartet wieder unter sie träte. Aber diese Gründe konnten das Klopfen seines Herzens nicht erklären, das er fühlte, sobald er an Garchim dachte. Und er dachte bald nichts anderes mehr als das. Er arbeitete ein paar Nächte durch, um zeitiger abreisen zu können. Und als er dann wirklich zwei Tage vor dem bestimmten Termin im Zug saß, da hob ein tiefer, befreiender Atemzug seine Brust. Er hatte sich nicht angemeldet und ging zu Fuß von der Station zum Schloß. Ueberall traf er die Leute'bei fleißiger Arbeit; offenbar hatte die Herrenhand nicht gefehlt in seiner Abwesenheit.'Als der Verwalter ihn überrascht grüßte, tat er ein paar Fragen über den Stand der Arbeiten, um dann hinzuzufügen: „Ist Frau Baronin schon abgereist?" Und als die Antwort kam: „Nein, soviel ich gehört habe, will sie übermorgen fahren," sagte Bassow mit erkünstelter Gleichgültigkeit: „Sie braucht es noch nicht zu wissen, daß ich zurück bin. Niemand soll es ihr sagen." Dann ging er eiliger vorwärts. Es war ein heißer, schöner Nachmittag; ein Duft von reifendem Getreide schwebte in der Sommerlust. Warme Freude beflügelte Bassows Gang, die er als Herrengefühl beim Anblick des reichen, ihm vom Schicksal zugeworfenen Besitzes deutete. So kam er zum Schloß, gab auch dort Auftrag, von seiner Ankunft vorläufig nicht zu sprechen, und betrat sein Zimmer mit einer heißen, unverstandenen Unruhe im Herzen. Sobald er sich notdürftig wieder eingerichtet hatte,' ging er zum Fenster, das nach dem andern Schloßslügel hinübersah, und spähte, hinter dem Vorhang verborgen, lange nach jener Seite. Doch blieb alles ruhig und unbelebt, (Fortsetzung folgt.) Die Spionin. Skizze von Alex, von B o s s e. ' Im Sommer 1912 war es, am Strande von ScheveningeN. Sie waren allein in dem weißen Zelt. Agni van der BraachL bohrte mit der Spitze ihres weißbekleideten Füßchens ungeduldig im Sande und erwartete voll Spannung Rüdiger von Seekens Liebeserklärung. Warum zögerte er so lange damit? —- Agni van der Braacht. die Tochter des Kakaokönigs, war es nicht gewöhnt, daß inan sie warten ließ. Ihr Herzchen pochte schnell'und heiß, und so gern wMte sie glauben, daß nicht dem Krönen der Millionenerbin, das über ihrem goldlockigen Köpfchen schwebte, sondern ihrer Lieblichkeit allein Rüdiger von Seekens 7 47 Verehrung galt. Noch keinem war sie je so weit entgegengekommen, wie gerade ihm, aber noch immer sprachen nur seine Angen aus, was sie so gern in Worten von ihm zu hören wünschte. Und in drei Tagen lief sein Urlaub ab, er mußte zurück zu seinem Regi- Zn^ent, nach Deutschland.-— Den Tag zuvor war eine Dame, die sich zu weit ins Meer hinausgewagt, beinahe ertrunken, aber von einem Herrn noch im letzten Augenblick gerettet worden. Daran anknüpsend, fragte jetzt Agni mit kindlich herausforderndem Lächeln: „Soll ich das auch einmal machen, damit Sie mich retten können, Herr von Seeken?" „Nein, machen Sie das lieber nicht," erwiderte er. „Warum nicht?" „Weil ich Sie nie in einer Gefahr sehen möchte, die Leben für Leben forbert!" „Warum nicht?" fragte sie noch einmal und blickte mit ihren dunkelblauen, von seidigen Wimpern umschleierten Augen schelmisch zu ihm auf. Da wurde sein dunkelgebräuntes Gesicht um noch einen Schein dunkler. In seinen grauen Augen flammte es auf, und endlich kam, was sie so lange ersehnt. „Weil ich Sie liebe, Agni!" sagte er leise, und sie triumphierte. Ruhig hörte sie zu, als er weitersprach und sie bat, die Seine zu! werden. Ja, das wollte sie von ganzem Herzen gern, aber in jugendlichem Uebermut beschloß sie, ihm den Sieg nicht zu leicht zu machen, auch ein bißchen strafen wollte sie ihn für sein langes Zaudern, und so fragte sie neckend: „Wissen Sie denn, daß Papa geschworen hat, mir keinen Heller Mitgift zu geben, damit ich nur ja nicht einem Mitgiftjäger in die Hände falle?" „Das wußte ich nicht," gestand er errötend, „aber das ist auch einerlei, denn ich . ..." „Sie pfeifen auf die Mitgift — ja?" unterbrach sie ihn lachend, aber er blieb ernst. „Jedenfalls lege ich keinen Wert darauf, denn zum Glück bin ich in der Lage ..." „Ihrer zukünftigen Frau eine bescheidene Existenz an Ihrer Seite zu bieten, nicht wahr?" unterbrach ihn abermals Agni und lachte, wie über einen guten Witz. „Wie meinen Sie das?" fragte er tonlos, und der Teufel trieb das verwöhnte Kind an, ihn noch ein bißchen mehr zu verletzen'., Agni wollte nachher alles wieder gutmachen. „O, ich meine," erwiderte sie heiter, „das wäre nichts für mich, denn ich habe immer entsetzlich kostspielige Wünsche, und Papa sagt, ich dürfte nur einen Mann heiraten, der mindestens ebenso reich sei, als er selbst es ist." Seeken erhob sich, stand nun in seiner ganzen Größe vor ihr. Sein Gesicht war blaß geworden, und seine Augen blickten so ernst auf sie herab, daß es Agni ganz bange ums Herz wurde. „So reich bin ich allerdings nicht," sagte er kalt, doch mit Wärme fügte er hinzu: „Nicht Millionen, aber ein Herz voll treuer und tiefer Liebe biete ich Ihnen, Agni!" „Und wie hoch taxieren Sie das?" fragte sie keck. Ta schoß das Blut gleich einer Flamme über sein Gesicht, und seine Augen blitzten sie voll zorniger Verachtung an, als er rasch erwiderte: „Jedenfalls hat es keinen Heller Wert für Sie, wie ich sehe! Verzeihen Sie, daß ich es überhaupt erwähnte!" Eine kurze Verbeuglmg, und ehe Agni van der Braacht sich von ihrer Verblüffung erholt, war er gegangen. Sie sah ihn auch nicht wieder, denn noch am gleichen Tage verließ er, ohne Abschied von ihr zu nehmen, Scheveningen. * Es war im Kriegsjahr 1915. Im Speisewagen des von Osten nach Berlin eilenden Zuges war es voll von Offizieren, die von der Front kamen, diun kam der kleine Ulanenleutnant Branden sporen- ttirrend herein und nahm an dem Tischchen Platz, an dem sein Regimentskamerad Rittmeister von Seeken soeben ein saftiges Len- denstück mit Bratkartoffeln verzehrte. Sie waren beide seit Kriegs- beginn zum erster Male ans dem Wege zu kurzem Heimaturlaub. Branden trug das schrvarzweiße Ehrenband im Knopfloch, Seekens .Brust aber schmückte auch das schlichte Efferne Kreuz Erster Klasse. „Tu, Seeken, in meinein Mteil sitzt eine Spionin!" sagte Branden mit wichtiger Miene, denn auf ihn hatte der rote Anschlag im Wagengang, mit der Warnung vor Spionen tiefen Eindruck gemacht. „Ist sie wenigstens hübsch?" fragte Seeken und schenkte sich gleichmütig Bier ein. „Reizend! Darum um so gefährlicher!" „Na, verlieb dich nur nicht, mein lieber Junge!" „I wo! Allerdings, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß sie eine Spionin ist, dann . . „Also überzeugt hat sie dich schon davon?" ,,Na — wie die mich cucsgefragt hat! Erst wollte sie wissen, welchem Ulanen-Regiment ich angehörte, und wo ich überall gekämpft hätte, dann interessierte fie sich plötzlich rasend für die Deter Ulanen." „Mein altes Regiment!" fragte, ob viele Offiziere dieses Regiments schon ge- sallen wären, wo es zurzeit kämpfte, welchem Armeekorps, welck)er AXvftion und Brigade es angehöre. Na — nun wurde mir die Fragerei verdächtig, und ich sagte, daß ich leider nicht in der Lage wäre, ihr darüber Auskunft zu geben." „Und dann?" „Ja, daraufhin bat sie mich ganz naiv, ich sollte nrich doch bei meinen im Zuge anwesenden Kameraden: erkundigen und ihr dann die gewünschte Auskunft geben." „Spricht sie denn Deutsch wie eine Deutsche?" „Nicht ganz, wenn auch fließend, aber ich weiß nicht, welcher Nationalität sie angehören könnte. Jedenfalls ist sie weder Engländerin, noch Französin." „Vielleicht Belgierin oder Holländerin?" „Nach 'ner Holländerin sieht sie mir nicht gerade aus. Sie hat jedenfalls ganz wundervolle, dunkelblaue Augen nnt prachtvollen Wimpern, die von Zeit zu Zeit wie Schleier herabsinken." Jetzt rief ein älterer Offizier, der eben heremgekommen war- Branden an. und dieser ging zu ihm, ihn zu begrüßen. Kurze Zeit blieb Seeken an seinem Tisch allein, trank langsam seine Tasse Kaffee aus und steckte sich nachdenklich noch eine Zigarette an. Wundervolle dunkelblaue Augen mit prachtvollen Wimpern, die wie Schleier herabsinken! Solche Augen hatte er einmal gekannt, und was er darin zu lesen geglaubt, war Mge gewesen. Als herzlose kleine Kokette hatte er sie erkannt, diese süßekleine Agni van der Braacht, und doch — konnte er sie nicht vergessen. Noch immer nicht! — --- Branden kam zurück. „Du, Seeken, komm doch mal mit, sieh dir meine Spionin! an!" Mechanisch erhob sich Seeken und folgte dem jüngeren Kameraden zu dem Halbabteil, in dem die Gefährliche sich befand. Branden öffnete die Türe, und hinter ihm stand, ihn überragend, Seeken. Da erfolgte ein zweifacher Ruf der Ueberraschung, und verblüfft wendete Branden sich zu dem Fremden herum: „Wie — du kennst sie?" Aber Seeken antwortete nicht, denn schon stand die junge Dame in der Tür, streckte ihm eine zitternde Hand entgegen- und rasch übersah Branden die Situation, zog sich diskret zurück. Rüdiger von Seeken stand in dem kleinen Halbabteil Agni van der Bracht gegenüber. „Sie in Deutschland, Fräulein van der Braacht?" ftagte er, nur um etwas zu sagen. „Ja, endlich!" erwiderte sie. „Sie wissen gar nicht, wie schwer das zu machen war! Papa ließ mich nicht fort, und ich mußte mir heimlich alle nötigen Papiere verschaffen, mußte heimlich nach Deutschland entfliehen!" „Aber warum das?" ,^Jch mußte Sie suchen!" „Mich-?" „Ach, Herr von Seeken, Sie wiffen ja nicht! Seit der Krieg begann und das große, entsetzliche Sterben, machte mich der Gedanke fast wahnsinnig. Sie könnten getötet werden, ehe Sie mir vergaben! Ja —« ja!" fuhr sie hastig fort und faltete die Hände. „Und jetzt, wo ich Sie endlich gefunden habe, jetzt sagen Sie mir: Können Sie vergeben, was damals ein eitles, übermütiges Kind sprach, das settdem längst erkannte, was es damals noch nicht gewußt hat?" Sie schwankte, und unwillkürlich erfaßte er ihren Arm, sie zu stützen, sah ihr dabei in die flehenden blauen Augen. „Was haben Sie erkannt, was?" ftagte er. „Daß keine Millionen der Walt es aufwiegen können, das Herz voll treuer und tiefer Liebe!" rief sie, dann sank sie auf den Sitz nieder und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Nur einen Moment noch zögerte er, dann setzte er sich neben sie, umfaßte sie, zog sie an sich. „Agni!" sagte er weich, und sie sah durch Tränen, aber mit einem Anflug ihres alten schelmischen Lächelns zu ihm auf. „Kann ich es noch haben?" ftagte sie zitternd, und er küßte sie auf die ftagenden Lippen. „Mein Herz wohl, Agni, aber — die anderen kostspieligen Wünsche, die . . „Sttll!" unterbrach sie ihn und schlang ihre Arme fest um! seinen Hals. „Ich habe ja nur noch einen Wunsch! Dich — Rw, diger!" * Vier Wochen später war der kleine Leutnant Branden Zeuge der Kriegstrauung zwischen seinem Freunde, dem Rittmeister Rü* diger von Seeken, und Agni van der Braacht, der reizenden .-=» Spionin! _ Der Nelkenstrauß. Von Paul Alexander Schettler. Am Tage nach ihrer Hochzeit trennte sie der Krieg, der wahllos in die verschwiegensten Nester griff, die sich das Glück gebaut hatte. Mit einem Kuß, in dem noch die bräutliche Scheu glühte, nahm sie von ihm Abschi^>, mit einem Lächeln um den Mund, in das die Augenwimpern salzigen Tau tröpfeln ließen. Als sie vom Bahnhof heimkam, stand ein frischer Nelkenstrauß auf ihrem Tische. Sre erschrak. Plötzlich entsann sie sich. Er hatte ja noch in den letzten Tagen sie nach ihren Lieblingsblumen ge- 48 fragt. Sie hatte heimlich gelacht ob seirrer Fxage. Nun verstand sie. Er hatte ihr einen heimlichen Gruß gesandt, der Blick und Kuß, überdauern sollte. Sie stand vor den Blüten, die sie wie ein lebendiger Gruß von ihm vertrant anlachelten, und kostete noch einmal die letzten kurzen Augenblicke des Zusammenseins mit ihm. Die Blumen standen blühend Tag für Tag und füllten ihr Zimmer mit schwerem süßen Atem. Sie betraute sie mit ängstlicher, mütterlicher Sorge. Als sie welk wurden, sammelte sie j^es verdorrte Blütenköpfchen zärtlich wie ein heiliges Andenken. Eines Morgens trat sie ins Zimmer und erschrak. Ein frischer Nelkenstrauß mit prallen leuchtenden Blütenkerzen stand auf ihrem Tisch. Das Mädchen berichtete achselzuckend, daß er abgegeben worden sei. Sie nickte und lächelte. Ihre -bleichen Wangen färbten sich, mit einem zarten 9%ot vtor Glück und Erregung. Obwohl sie ihn fern in Flandern wußte, war ihr doch, als weile er bei ihr in diesem Zimmer. Sie empfand durch sein Blumengeschenk seine Nähe körperlich und seelisch und Sorge und Angst wich still von ihrer Seele. Sie hegte die Blumen mit doppelter Sorgfalt, denn daß es ein Grnß von ihm war, wußte sie mm, da er es ihr brieflich nicht geleugnet hatte. Sie ivar kaum überrascht, als nach Monatsfrist wieder ein frischer Strauß ihr Zimmer schmückte, und dennoch war ihrs wie eine Bestätigung ihres GlüM, sie nahm es als süße, lebendige Kunde von ihm, der nun schon lange, so traumhaft lange von ihr fern war. Seine Briefe las sie mit dürstender Seele, nrit innerer Verzagtheit und schmerzendem Mitleid. Sie waren so anders als er. Oft war ihr, als habe sie eine fremde Hand geschrieben. Seine Blumen aber, die ieden Monat kamen, begrüßte sie mit innerem Jubel, als habe er jede Blüte selbst für sie ausgewählt, und war doch fern, tief in Feindesland. Mit einem Male blieben feine Briefe aus. Sie wartete iwn Tag zu Tag. Nächte hindurch wachte und meinte sie. Die Blumen welkten im Glase,' wie, wenn er keine frischen mehr senden würde. . . Und mit fiebernder Spannung erwartete sie den Tag, an dem sre auf seinen^ lebendigen Gruß hoffen dursie. Durfte sie denn, Uoch hoffen? Sie lächelte bitter über ihre kindische «Erwartung. Seit anderthalb Monat war keine Zeile von ihm gekommen. ^ Müde schlich sie zu ihrem Zimmer. Als sie die Tür öffnete, blreb sie mit bebenden Knien am Pfosten gelehitt. Da stand ein frischer Strauß von ihm. Sie strich sich über die Augen. Sie betastete wie im Taumel die Blüten. Wie ein Zauber lüsten sich Schmerz und Qual von ihrer Seele. Mit sieudezitternden Fingern druckte sie die Blumen an ihre Brust. Das Bewußtsein des sicheren glücklichen Ueberwindens schlug in ihr Wurzel. Noch Lebte er, noch grüßte er sie. Mochte er nicht schreiben, sie wollte nicht fragen, warum. Dennoch, er lebte. Sie war seiner sicher. . . Sie war seiner sicherer als je. Sie hörte nicht das Raunen! tun sich, 006 sich nun um sie erhob. Sie sah nicht die verhärmten Gesichter der Mutter, der Verwandten, sie hörte nicht die wvhl- mmnenden Trostworte der Freunde. Fernsichtig war ihr Geist geworden. lebt," lächelte sie sieghast, aber sie verriet nicht das Geheimnis ihres Wisiens, sie gab es nicht preis. Genügte es nicht, daß sie es wußte? Nelkenstrauß, der inzwischen wieder im ge- schliffeMn Mast wie von selbst erblüht war, schien ihr zuzulächeln: mcht beirren, glaub uns, nicht ihnen S-e br-ubtm ihr die V-rluArsten. Ta st-nd sein Name, sein Regiment und dahinter: gefallen. Sic schüttelte den Kopf. Sie wußte es besser. yy ****** ** fre, ßhwarze Kleider anzulegen. Sie ließ sie alle lächelnd gewahren. ' m l packender seine zu Anfang des Krieges unter der b n % I^onageverdachts vollzogene Gesaiige.niahme m Sg? ™ e V t %8lT\^ ? e ‘, ,ri s rf,en ? h “ terä iaI)rclnn « ?°w,rk. Srr'cr cn ,S £* "6 ln oelde. Heuere und ernste Kriegs- erlebniße. Bon Oskar Kilian. 2. Band. (IGO S.) Inhalt • Prosit Neuiahr l Der erste Treffer. Der Spio.i. Kameradschaft «W! freiwillig. Zrvischen den Feuerlinien. Burschenwitze. Auf Vorposten. Maulwurfsarbeit. Auf Urlaub. — Nr. 5314. Berichte aus d e in Großen Hauptquartier 1914/15. Heraus- gegeben von Karl Wilke. 3. Band. (101 S.) — Nr. 5815. Musiker.Biographien. 34. Band. Zelter. Von Georg Richard Kruse. Mit Zelters Bildnis. (99 S.) Der Berliner Altmeister, tiiisterblich geivorden durch den Briefwechsel mit Goethe der Lehrer einer ganzen Mnsiker-Genercrlion, ans der Mendelssohn,' Meyerbecr, Otto Nicolai besonders hervorragen; der vorbildliche Organisator der Singakademien und Liedertafeln und der Schöpfer zahlreicher zum Teil noch heute in seiner Komposition volkstnm- licher Goethe-Lieder, entbehrte bisher einer znsainmensaffenden Lebensbeschrelbimg. - Nr. 5816. B er n h m t e Kriminal- falle. Nach dem Neuen Pitaval und anderen Quellen. Herails- gegeben von Dr. Max Mendheim. 10. Band: Ter Pfarrer und Magister Turms. ein Raubmörder aris Büchersammelwut. Bearb. von Ernst Arnold. (96 S.> — Nr. 5817. Die Heidelerche ! i ü? A n ö rv e f e , heitere Geschichten. Von Maria Stona. (101 S.) Inhalt: Die Heidelerche. Der sterbende Tarda. Ter Lanzer. Die Fräillln Fintschl aus Kleppersdorf. Großmutters Geburtstag. Das erste Bad. Das Modell. Diese buMorislischen Erzählungen spielen zumeist in der österreichisch-schlesischeii Heimat der durch ihre Lyrik bekannteri Verfasserin. — Nr. 5818. Der ^ E 0 1914/15. GesaniNielie Berichte von Geiieralinajor v. Loebell. 2. Band: Von der Einnahme von Lodz bis zur Be- sreunrg vo.i Le.nberg, (92 S.) - Nr. 5819. P n p v e n t h e a t e r. Fon Sranz Poeci. Mit einem Vorwort und Fiirgerzeigen für die Aiiffilhrmig herausgegeben von Max Eickemeyer. 3. Band: Kala- strts, die Lotosbliime, oder Kasperl in Aegypten, und Kasperl in der surfet (44 8.) — Nr. 5820. D i e schöne C u r z o l a n e r i n. Novelle. Von Adolf Gerstmanii. (96 S.) Die von den blauen Fluten der Adria umspielte Insel Ciirzola, das dalmatinische Küstenland und der Bord eines öüerrerchlsch-uiigarischelt Panzerkreuzers — das sind die Schauplätze dieser Novelle. Gietzener Hausfrauen-Bereirr. ^Der Verein beabsichtigt von nächster Woche an Koch- vorfnhrungen rm Hanse Neusäa-dt 61 zu veranstalten. Es soll zunächst das Bruten ohne Fett in der Düte gezieicst Näheres wird bekannt gemacht an unseren Anschlagtafeln und im Anzeigenteil des „Gießener Anzeigers^. Wachen-Küchenzettel. Rindsbrate«, Gelbe Rüben mrt M-pknnü BOn ben ^'^n°chen, gedickt mit Sag«, Dienstag- Erbscnsuvve. Kartoffelpsaankuche«. Aepfelbrei. , ^"ttmoch: Ftelichbriibiupte mit Reis, Ochscnfleisch, Wciü- kr-autgemuse (znbereitet wie Wirsing», Kartossela Bokmenbraten, nad) Frau Priesters Koch- wtwei ung, Rotkraut, durchgedrückte Kartoffeln, Milchreis (im Brätchen gebacken ).*} SÄl* ton gekochte» KarFfftln i^Äs iZt^ enfUm ' 9t&a *“ e &&er ' Seßfatot ' Kochanweisungen. ? rc lr? liebacken): In eine mit etwas Fett JoAllanschussel kowult eine Obertasse Reis mit m ^ l } e ( ^ CIC v' v' Simile, stellt diese, nicht zugedeckt, m den Bratofen und laßt, den Reis 1—1^ Stunde aufziehen, hellbraun ^ckMst"Ob^da'l« reiche ^ ^ ® eMBt fattn malt ‘) Siehe Kochanweisung. Charade. Das Erste hat stets kaltes Blut, Doch schätzt man seine schwarze Br>it. Das Tritt' und Ziveile nach Hader utrb ^anf Begrüßt der Gerechte mit innigem Dank, Dagegen zu freveln hat Mancher geivagt, Doch bitter hat er sei,: Schicksal beklagt. Zinn inindesten ward er zu gnlertetzl Mit „Eins-zwer-drei" vo, die Türe gefetzt. (Auflösung in nächster Nummer.). Auflösung des Magischen Qiradrats in voriger Nu min er: Schrrftleituna: Aug. Goetr. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl 11 A H N A ß I E H I R T N E T Z sehen UnlverNtäis-Buch- und Skemdruckeret. R. Lange, Gießen.