Donnerstag, den 2». Januar tsm Um toten Lee. Noman von NobertKohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) nU h,ur J )e rot . r Bo ^ Acrger. fast mehr noch über sich, für fas ܰAe ja doch selbst nach Beweisen nun^/di^ 3 '“ ul flucht und gefragt, und ^? nmbe Segen s,e von kundigster Sette ein ihm unverständliches Gefühl ihn zum rr nrrf n 4 barlnn fcft tn bie Zügel nehmend, zwang süs?üb?r»ur Ruhe. „Jurist und Nichtjurist werden ^chtrgtert eines persönlichen Eindrucks immer schwer einigen, gab er mit möglichster Gleichgültigkeit zu- '&f ben ? aI P liegt mir nur an voller Wahrheit, und Aber tarnt, h«« bQ iL U * e ?l^ ett ' bi " iä > Ihnen sehr dankbar. Lre nicht, was es für eine Dame vom .Beater bedeutet, durch eine Heirat in die gute Gesellschaft ^geführt zu werden, ein sorgenloses, in diesem Falle sogar Dasein mit einem unsteten Zigeunerleben zu verrauschen. Und «all das soUte nnnmrt einemnval m Cm de sein. das Ehepaar stand vor der Scheidung. Aber das wissen Sie vielleicht noch nicht, daß der Baron'die Absicht hatte, ein früher zugunsten seiner Frau gemachtes Testa- ^bnt, das ihr im Falle seines Todes sein ganzes, sehr be- rrachtliches Privatvermogen sicherte, durch ein anderes zu &iaateamvaU?“ mtn ' to0 * cr Sie ba5 erfahren haben, Herr . 7?^ r cn öet ^- ? er Verstorbene hat mit einem Rechts- anwalt in Be^in darüber konferiert, und von ihm ist dem Gerichte diese Mitteilung geworden. Noch wenige Tage, und dav neue Testament hätte bereits existiert." . war stehen geblieben mid starrte vor sich auf den Boden, wo „der Sonnenschein die Fenstersprossen ab- zelchnete. L>eiN Körper bewegte sich ungeduldig hin und her, scheuUch^br den Zähnen murmelte: „Es ist ab- ,Mas meinen Sie, Herr Baron?" „Verzeihen Sie wenn ich auch ihm um und kam ihm entgegen. Seine kühle, steife Verbeugung schien sie kaum zu bemerken, sondern sie begann gleich zu sprechen, ein wenig hastig und aufgeregt. „Ich danke Ihnen, daß Sie zu rnir kommen. Setzen Sie sich. Wir werden manches miteinander zu bereden folgte der Aufforderung, und sie setzte sich ihm schräg gegenüber auf ein Sosa von Heller Erdbeerfarbe, von dessen lichtem Grunde sich ihre schwarze Trauerkleidung finster abhob. Eineti Augenblick sah! er ihr schweigend ins Gesicht; alles, was der Staatsanwalt über diese Frau gesagt hotte, ging int Fluge wieder durch seine Seele. Sein Ausdruck wurde noch kälter bei solchen Gedanken. „Ja, Ba- rvnin," gab er darin zurück, „wir haben wohl allerlei geschäftliche Dinge zu besprechen." Sie machte eine ablehnende Bewegung. „Ach, das Ge- schästlick)e lassen wir lieber für ein andermal. Ich bin heute sehr zerstreut. All der Schrecken und cckl die Unruhe der vorigen Tage^ — und dann — vor einer Stunde war der Staatsanwalt bei mir. Dieser Herr von Sieglitz!" „Er hat es mir erzählt." „Hat er Ihnen auch gesagt, was er mit mir gesprochen hat?" „Nein, das nicht." „Me rücksichtsvoll! Ueberraschend rücksichtsvoll in der Lat!" ©ie sprach mit schneidender Bitterkeit. Ihre Augen blitzten, und Bassow fühlte anfs neue, wie schön diese Frau war, trotz mancher Unregelmäßigkeit in ihren Zügen. Das goldige Haar, die feine, weiße Haut und die dunkel schimmernden, manchrnäl schwarz leuchtenden Augen bildeten einen wundervollen Farben ge gensatz. Plötzlich machte sie eine leichte Bewegung, als wenn sie etwas von sich abschüttelte, urtb fand mit überraschender Leichtigkeit nun den unversönlichen Ton der Dame von Welr. „Wir werden jetzt eine Zeitlang Hausgenossen sein, Baron. Das Testament meines verstorbenen Mannes bestimmt, wie Sie vielleicht wissen, daß ich noch für ein halbes Jahr nach seinem Tode bei# Recht habe, hier im Schlosse zu wohnen." „Ja, sein Testament." Es war ihm zuwider, von dem Testament sprechen zu hören, das diese Frau zu dem ge- rnutmaßten Verbrechen getrieben haben sollte, und seine Antwort klang rauh. Sie aber fuht säst ohne Unterbrechung! fort: „Ob ich die ganze Zeit hier bleibe, kann ich freilich! noch nicht sagen. Sie werden es verstehen, datz es nckr bisher nicht möglich war, einen festen Entschluß über mein Lukünftiges Leben fassen. Die schreckliche Katastrophe ist so jäh hereingebrochen —" Sie schwieg einen Augenblick, aber Bassow fattbi keine Antwort. So wechselte sie abermals den ernster gewordenen Ton und fragte: „Haben Sie schon über Ihr Hierblciben entschieden, Baron'? Müssen Sie noch einmal nach Schlesien zurück, oder —" „Ich muß nach einmal zurück. Schon morgen mutz ich fort. Ich bin so Hals über Kvps ab gereist, daß ick) vieles zu ordnen habe, bis ich hierher übersiedeln kann." „Das läßt sich begreifen. Werden Sie lange fortbleiben?" „Ich rechne auf zehn Tage ungefähr." „Nun, hier läuft die Maschine wohl auch ohne Herrn ihren gewohnten Gang. Das Personal ist gut, and wenn Sie es wünschen, sehe ich auch noch ein wenig .nach' dem Rechten." „ , ich habe Ihnen ZU banken, Baron. Dafür, daß. ich kein Wort konventionellen Becke« von Ihnen gehört habe. Sie wissen als nächster Verwandter des Toten ohne Frage, wie hier die Dinge lagen in letzter Zeit." Er machte wortlos eine zustimmende Bewegung. „Sie wissen, daß wir vor der Scheidung standen. Aber das ist Ihnen doch vielleicht nicht bekannt, — meines Mannes Verwandte haben die Dame vom Theater ja. mit großem Nachdruck abgelehnt, — daß wir zwei Jahre lang in sehr, sehr glücklicher Ehe gelebt haben. Dann ist es anders geworden. Meine Schuld ist es aber nicht gewesen, ich glaube das kühn behaupten zu können." Ihr Gesicht hatte sich leicht gerötet, ihre Augen leucht teten in einem besonderen Glanz. Sie war noch schöner als zuvor, aber Bassow fragte sich doch im stillen, ob Ton und Bewegung echt seien. Das Komödiespielen war ihr Berus gewesen, — vielleicht war auch dies nur Komödie. Da er wieder nicht antwortete, sah er, wie sie stutzte, von seinem Schweigen betroffen. Dann fragte sie rasch mrd kurz: „Was hat Ihnen der Staatsanwalt über mich gesagt?" Er zauderte einen Augenblick, aber gleich hob! er den Kopf und sah ihr fest in die Augen: „Ich möchte das' nrcht wiüierholen, Baronin." „Indem Sie das sagen, weiß ich, was er gesprochen hat. Aber ich weiß dadurch auch! etwas anderes noch: Sie sind vorhin unwahr gewesen gegen mich!." Sie war plötzlich aufgestanden; die Hände, die ein wenig, zitterten, fest auf den Tisch gestützt, stand sie ihm gegenüber. Unter ihren Worten aber verwandelte sich auch fein Wesen. Er sprang empor gleich ihr, ein Beben dnrchlref auch seinen Körper. Das verwunschene Schlößchen. Von M. Jankowski. Langsam rüstete sich die Sonne zum Scheiden. Eigentlich führte sie nur noch ein Scheinregiment. Der Winter, der gestrenge, machte ihr die Herrschaft streitig. Heute aber hatte fte noch einmal den Sieg davongetragen — heute hatte fte noch einmal verschwenderisch all ihr Licht, ihren Glanz ausströmen können über das friedliche Städtchen. Nun beim Scheiden schien ste sich von dem alten Bau, den der Volksmund das „verwunschene Schlößchen" getauft hatte, gar nicht trennen zu können. Hier tropfte es herunter von Gesims zu Gesinrs wie flüssiges Gold — umspann den mit unzähligen Giebeln und Türmchen verzierten, schloßartigen Bau mit magischem Zauber. Just wie ein verzaubertes Schloß sah es auS, das alte Haus, das lange, lange^Jahre ilnbewohnt gestanden, und seiner fast stets verschlossenen Fensterladen, seines urwaldigen Parkes, den fast nie ein menschlicher Fuß betrat, seinen Beinamen verdankte. Die Eigentümer lebten außerhalb, nur ganz selten öffneten: sich die Fenster, schritten durch die dichtbewachsenen Wege die hohe Gestalt der Besitzerin des „verwunschenen Schlößchens", Frau von Felden, und ihr Sohn. Er studierte Jura und die Mutter begleitete ihren Sohn von Universität zu Universität —-• nahm seinetwegen ein richtiges Nomadenleben auf. Sie hatte nur den einzigen — das erklärte alles. Nun hatte auch ihn das Vaterland gefordert; über ein Jahr kämpfte er draußen gegen eine Welt voir Feinden. Und sie, die Mutter, hatte ihn fortziehen lassen — ohne daß ihr, wie sie zuerst glaubte, das Herz darüber gebrochen wäre. Ja, sie lebte weiter und aß und trank, während Heinrich vielleicht Tage um Tage mit seinen Kameraden hungerte —i und sie saß in warmen Zimmern, wahrend ihr Kind dort draußen zur gleichen Stunde sich vielleicht frierend an seinen Nebenmann drückte. — um nicht zu erstarren in der eisigen Kälte. Und nichts konnte sie tun, als beten — beten. Doch — noch etwas anderes konnte sie tun — und deshalb gleißten und funkelten heute die vielen Fenster des verschwundenen Schlößchens. Frau von Felden hatte schon längst ein Lazarett mit vielen Betten einrichten lassen. An nichts durfte es hier den Verwundeten fehlen, sie kam selbst, um hier und da nach dem Rechten — 43 — tu sehen — aber sie konnte beruhtet sein. Sr-e hatten es gut, die Tapferen! Dafür sorgten schon die mildtätigen Schwestern — dafür sorgten die jungen Helferinnen, die so treu und unermüdlich ihre schweren, freiwillig aufgenommenen Pflrchten erfüllten. Wie sie sie bewunderte, di-else jungen Heldrnnen — die bis, vor kurzem nur die Sonne im Leben gekannt! Denen sorgsam iedes Steinchen aus dem Wege geräumt war— die noch vor kurzer Leit — und doch, wie ferne tags dem heutigen Denken im Ballsaale sich schmiegten und wieaten! Deren weihe Händchen keme schwere Arbeit kannten und die nun Mit denselben Händen.loch"' ten und scheuerten, Verbandzeug und die blutige Wasche wuschen, o- und so lind die Wunden pflegten — heilige Hände! An einem der hohen Fenster lehnte AN umaes Mädchen, das blütenweiße Häubchen ließ nur gerade einen Streifen des goldenen Scheitels sehen, daß eS aufteuchtete auf der weißen Stirne wie gesponnenes Gold. Nun war sie bald ein Jahr im.^azarett- bienst tätig. Nach dem abgelegten Examen, das, wie Vetter Leuthold neckisch sagte, jedem Mediziner zur Ehre gereicht hatte — schmückte sie nun die Schwester >i-Haube, war sre Rote-Kreuz- Schwester. Wie viele Helden hatte sie hier einziehen — aber auch viele — dem Leben neugeschenkt — wieder fortziehen sehen Von E endlichem Leid — aber auch von unendlichem Glück raunten alle :se Räume. — Dort in dem langen Saale sah sre noch immer s bleiche Geschöpf liegen, das nicht glauben wollte, daß ihr Glück wirklich tot sei. Aber in jenem ZimMer, an lenem Bette hatte eine alte Mutter und ein junges Mädchen gekmet — da war trotz allem Leid strahlende Sonne. Niemand hatte mehr an das Aufkommen des jungen Pionievs geglaubt, dem eine Granate das linke Bein abgerissen — und nun war er dem Leben neugeschenkt! Mutter und Braut durften ihn nritnehmen. Das waren lichte schöne Augenblicke, die man nie, nie Ehr im ^ben vergaß. Und mit Liselott Werner durfte sie nun Huer die Kranken hegen und pflegen — mit derselben Liselott, mit der sie gemein- fmu von klein auf die gleichen Bänke des Lyzeums gedrückt Mtt. 8aS gleiche Laufanner Pensionat hatte ihre lustigen Backsftch- streiche gesehen — und Seite an Seite halfen sie letzt dem Tod manch braven Krieger abttotzen. ^ . rj .. .. r a . ^ -Was war es nur — seit einiger Zeit schien etwas Fremdes zwischen sie und Lisolott getreten zu sein — etwaS dem Eva keinen Namen geben konnte. Trug auch Liselott ein Leid — wovon sie ihr nie gesprochen? _ Den breiten Weg herauf kam ihr Vetter, der junge Doktor Leuthold. Kameradschaftlich gina ihnt Eva entgegen — und erstattete ihren Krankenbericht, mit dem der Arzt recht befriedigt schien. Aber etwas zerstreut schien er zuzuhören, so, als bedrücke ihn eine Sorge. Besorgt fragte ihn Eva. „Hast schon recht gesehen, Everl, — na, raus muß es doch — geht dich zunächst an. „Ja, was hast du denn, so red doch, rebe!' „Ich komme von Frau von Felden." Ern leiser, banger Aufschrei: Heinrich! entschlüpfte Evas Lippen. Den Schrei horte Li e- lott nicht, die soeben aus dem Operationssaal kam — aber sie sah — wle Doktor Lerrthold besorgt über Evas tiefgesenkles Köpfchen fuhr. Ein weher Zug trat in Liselottes liebliches Gesichtchen.^ Jäh zog sie sich zurück — hätte Eva das lerdzuckende Antlitz sehen können — so wäre ihr der Grund der Entfremdung klar ge- ^°^Iverl, faß dich, Heinrich ist nicht M — allerdings schwer verwundet. Aber denk, das große Glück in allem Unglück — er kommt her — ist schon unterloegs. Wenn es deine Hett erlaubt, möchtest du nachher %u Frau von Felden kommen — \a, ja, kleine Geheimniskrämerin — tum sind Eure Schandtaten offenbar geworden. Vielleicht darfst du ihn sogar pflegen — de men Liebsten — aber nur, wenn deine Nerven nicht mit dir durchgehen, Kleine. Ta geschah etwas Unerhörtes — die schlanke, blonde Schweftkw fiel jubelnd dem jUiigen Arzt um den Hals — gut, Liselott, daß du dieses nicht zu scharren brauchtest! — Am Schmerzenslager eines schwer leidenden Unteroffiziers! zeigte Eva, wie sehr sie ihre Nerven in der Geivalt hatte. Obgleich alle ihre Gedanken zu dem Liebsten flogen — ob gleich sie fiehernd die Stunde herbeisehnte, da sie zu Heinrichs Mutter eilen durfte, hielt sie tapfer aus in deni süßlichen Nar- koseraum. Ohne Zittern irnd Zagen reichte sie dein Arzte Skalpell und 9tadel, Nähseide, Wcktteurrd Verbandzeug — ohne sich einmal zu irren — ruhig und sicher. „Bist doch 'ne tüchtige Schwester, Everl, meinte nachher Leuthold, als sie nebeneinander den laugen Korridor durchschritteii. ,,Du mit deinen lieben geschickten Fingern pflegst dir auch sicher der: Liebsten wieder gesund!" Züge — wenn auch dem Leben, dem Ein helles frohes Lachen flog über Evas die Angst da war — die Zuversicht, Heinriu- uem ^cucu, wiu Glück wrederzngeben, war viel stärker. Hastig verabschiedete sie sich und Lentholt trat nun in Liselottes Reich. Ein helles Weißes Zimmer — sechs schneeweiße Betten, trotz des nahenden Winters Blumen in Vasen und Schalen. Ja, Liselott und Eva verstanden es — Licht und Sonne an den Schmerzenslagern zu verbreiten. Ihr ganzes Taschengeld opferten sie willig dafür — und wo dieses nicht ausreichte, mußte Vater und Mutter viel, recht viel zusteuern, und alles wurde für ihre „lieben großen Kinder" verwandt. Die dankten es ihnen gber auch. Das zeigten die leuchtenden Blicke, die immer und überall den schlanken eleganten Gestalten der jungen Pflegerinnen folgten. Nur einer aus Liselottes Schar konnte den Samari- terinnen nicht mit den Angen folgen — ein Auge hatte er bei einem Sturmangriff verloren — das andere war so stark in Mitleidenschaft gezogen, daß der Arzt an der Erhaltung des kostbaren Gutes zweifelte. Eine Binde lag über beiden Augen des jungen Gelehrten — und das war ihm das Schrecklichste, nicht mehr lesen können — nicht mehr lesen ... Er murrte und klagte nicht. Aber Liselotte sah seine Seelenqualen. Zart und lind tröstete sie ihn; widmete ihm ihre ganze freie Zeit. Las ihm wissenschaftliche Werke vor — und die Briefe seiner Eltern und seiner Braut, die alle heiß und in,na den Dag herbeisehnten, der den Mlen Dulder wieder in ihre Mitte führen sollte. Auch heute fand Doktor Leuthold Liselott am Bette des jungen Philosophen. Aus Spengers Autobiographie hatte sie ihm vorgelesen. Sie waren bei der Stelle angelangt, da er bekennt, daß auch die synthetische läßt als je. Bang auf Philosophie das Welträtsel _ . seufzte der Kranke — das Rätsel, das ihm das Leben jetzt gab, erschien ihm augenblicklich noch weit schwerer. Was sollte aus ihm werden? In diese düsteren Visionen klangen Liselottes Worte plötzlich wie Sphärenstimmen: „Herr Doktor Hausrvald, wissen Sie denn auch, was Professor Wichmann vorhin gesagt hat? Ich alarrbe, er wollte es Ihnen erst morgen sagen — fürchttt vielleicht die freudige Aufregung — aber ich verrate eS doch schon: Die Besserung Ihres Auges hat bedeutende Fortschritte gemacht — und hoffen dürfen wir! Er hat wirklich gesagt — hoffen." Dankbar tastete der Kranke nach des Mädchens Hand: „Wenns wahr wäre, Schwester, wenn's wahr wäre . . . Inzwischen war Dr. Leuthold zu den anderen Betten getreten. Jetzt wandte er sich wieder Liselott zu: ..Wenn ich ferttg bin, nehine ich Sie mit; Eva ist schon fort, ist bei Frau von Felden." Wild klopfte Liselottes Herz. Das erstemal, daß sie mit Leuthold allein gehen sollte. Bisher waren die beiden Mädchen stets yusammengegangen; ab und zu begleitete sie Leuthold, der ganz m der Nähe der beiden wohnte. „Sie verwöhnen Hauswald zu sehr, Liselott, das sollen Sie nicht. Sie dürfen sich nicht so sehr überanstrengen," llang besorgt seine Stimme. Verwirrt schaute Liselott auf, warum sprach er so lieb zu ihr, er hatte ja Eva! „Ach, das bissel Lesen ist Erholung nach der körperlichen Arbeit am Tage — und Eva strengt sich genau so an..." Der junge Arzt hörte Die leise Eifersucht heraus. Gerührt schaute er aus daS junge Diirg, das so mutig neben fremdem Leid noch — sein eigen"s trug. Das würde ja eine ganz prächtige Doktorssrau? Doch zuerst mußte er die kleine Eifersüchtige beruhigen — und staunend hörte Liselott, daß auch Eva ein Geheimnis still getraaen. „Ja, ja, der große Weltbrand zeigt uns, was in den Nachfolgerinnen der biblischen Eva steckt — zeigt uns, was für herrliche stille Heldinnen die deutschen Frauen sind. Auch du. süße, herzige Liselott, bist solch eine stllle Dulderin gewesen — aber nun sag es mir, Liselott, willst du Mein Frauchen werden — mein-" Da geschah das Unerhörte zum zweiten Male am gleichen Tage — wieder flog eine liebliche Schwester dem jungen Arzt um den Hals. Aber diese wollte er schier nicht mehr loslassen — das war die Rechte! Noch eine glückliche Stunde verlebten sie oben bei Liselottes Eltern. — Lange aber blickten heut vier selige Mädchenaugen zu den Sternen und segneten das „verwunscheue Schlößchen", in dem sie ihr Glück gefunden. _ Russische Gymnasiastinnen im Rarpathenfeldzuge. Im russischen Hauptquartier ist kürzlich von der Front ein sechzehnjähriger, mit dem Georgskreuz geschmückter „Korporal" eingetvoffen, der dem schüneu Geschlechte angehört und 14 Monate im Felde gestanden hat. Er heißt Zoe Smirnowa und sieht mit seinen kurz geschorenen Haaren wie ein Knabe aus, verrät sich aber durch den Klang seiner Stimme. Zoe Smirnowa war Gymnasiastin in Moskau, als der Krieg ausbrach: die große Begeisterung des Angerrblicks erfaßte sie, sie fand Kameradinnen, und Ende Juli verließ sie mit 11 weiteren Gymnasiastinnen das Eltern-, haus, um in das russische Heer einzutreten. Da die Flucht der kriegslustigen Schülerinnen bald bemerkt worden wäre, wenn sie in Moskau einen Militärzug bestiegen hätten, so fuhren sie erst gemeinsam nach der nächsten Station, um sich dort Uniformen zu verschaffen. Tie Gelegenheit tvar günstig; cs gelang ihnen, sich einem gerade im Bahnhof haltenden Truppentransport anzuschließen, und, von den Soldaten bewillkommnet, bis nach Galizien zu gelangen. Ms der Bormarsch auf Lemberg begann, bekam der Major ihres Regiments von dem ?lben teuer Wind: er traf Anstalten, um das Dutzend Gymnasiastinnen in die Heimat zurückzubefördern, dann aber fühlte er ein menschliches Rühren und gestattete den jungen Amazonen die Teilnahme am Feldzuge unter der Bedingung, daß sie sich die Haare nne ordentliche Soldaten kurz scheren ließen. Natürlich bedeutete diese Operation ein schweres Opfer von feiten der Zwölf, aber nach heftigen Tränenergüfleu 44 — Willigten sie doch ein, ünd so konnten sie, die abgeschnitten ett Flechten im Tornister verborgen, am Vormärsche gegen Lemberg teilnehmend Sie zogen dort mit ein, sie drangen mit den Russen in Galizien vor, mit ihnen erklommen sie die Hänge der Karpathen. Eine Ausnahmestellung anzunehmen, weigerten sie sich: alle Strapazen, alle Entbehrungen mit ihren männlichen Kameraden zu teilen war ihnen Ehrensache. Daß sic sich im rauhen Tone des Kriegs- und Lag erlebend allmählich aus jungen Damen zu richtigen Rekruten verwandelten, daß sie, mit der Zeit männliche Namen annahmen, läßt srch denken. Dann kamen die Tage der deutsch- österreichischen Karpathenoffensive: in zähem Ringen wurden die Russen geworfen, sie mußten immer weiter zurück, die Karpathen mußten wieder geräumt werden. Und daniit brach über die kleine Amazonenschar eine Zeit schwerer Prüfung herein. Eine der Zwölf, die 15jährige Sina Morosoff, wurde von einer Granate zerrissen: ihre Freundinnen begruben sie am Wege, in der Nacht wrirde weiter marschiert und heute weiß Zoe Smivnorva kaum, wo ihr Feldzugskamevad gebettet liegt. Mehrere andere wurden verwundet, Zoe selber erhielt einen Schuß ins Bein und einen in die Seite: beide Male war die Verwundung so schwer, daß sie ohnmächtig auf dem Schlachtfelde liegen blieb und nur zufällig von Krankenträgern aufgefunden wurde. Nach ihrer letzten Verwundung mußte sie eilten Monat rm Lazarett znbringen: fcnim geheilt, zog fte aber wieder ins Feld. Sie fand jedoch ihr altes Regiment nicht mehr wieder und diese unvorhergesehene Tatsache brachte sie so aus der Fassung, daß sie sich niederließ und zu weinen begann. Der Anblick eines Korporals, der, mit dem Georgskreuz und der Ancgsmedaille geschmückt, so jung und zart aussah und dabei schluchzte, setzte den ganzen Schlüßen graben in Erstaunen: als aber em paar Soldaten teilnehmend herantraten und sich allmählich alles aufklarte, wurde das Eis gebrochui und die Kameradschaft, dre Hoe mit ihrem alten Reginrent verknüpft hatte, auch hier her- gestellt. Immerhin hatte das Leben im Felde nun für sie seinen Reiz verloren: sie entschied sich, die Front zu verlassen, und nun Pt sie m eurem Lazarett, hinter der galizischeu Front beschäftigt, was aus ihren Kameradinnen geworden ist, weiß sie nicht: wahr- schEch stchen sie noch an der, Front, vielleicht sind sie aber auch Mittlerweile, nach Hause geschickt worden, wie jene Maria Mi- < /"irische Truppen von der mongolischen Grenze bis ^^dolen begleitete und dort an den Gefechten teilnahm, bis sie in Warschau entdeckt und hcimgeschickt wurde. klanglich sind, zumindest geeignet ist, die rein medizinische Beschleun unterstützen und so die Besserung zu be- vermischtes. U r\ m , euglischenVolksleben. Jr** b,€ sch^^sten Antialkoholgesetze und die patriotischsten Ermahnungen den whiskyfreundlichen Briten den Verbrauch be- • 7lid 2 t abzugewöbnen vermochten, geht auS emer Rede hervor, die m der letzten Versammlung der Studien- rommi,ston der Londoner Universität von dem Londoner Arzt Dr. gehalten wurde. Das Laster des Trinkens, erklärte ^ m r? onch öeute noch der dunkle Punkt im Leben des eng. H en J° ' e % die dem Volke die Augen über den Ernst der Lage geöffnet haben, nach 17 Monaten eines angestrengten Alkoholfeldzuges im Lande, nach 17 Monaten alkohol- feindlicher Gesetzgebung steht England in der Alkoholfrage ungleich tieier als die Kölker der anderen kriegführenden Nationen Di? aab^'^k wMenschastlichen und statistischen Untersuchungen e,- qr } ie ß nn ^ me der Kindersterblichkeit in England seit Ausbruch des Krieges fast ausschließlich auf den Umstand -nruckzufuhren ist, daß selbst die Mütter eine bedrohliche Sympathie das Franke an den Tag legten. So werde das Geld, das die Nation den Frauen der rm Felde stehenden Männer zur prahle, dazu verwandt, um die Zukunft iru ®£ Ife§ schlimmste zu gefährden. Dies sei ein unsinniges Vorgehen, das die Kraft der Bevölkerung lähme. Auch im Heere fe rt rw ,erf "k^^n, daß die verminderte Verwendbarkeit zahlreicher ,^8»» auf die schädlichen Folgen des Alkoholgenusses ihrer Väter Ä Kindersterblichkeit und der sie ünb Iss ^ Eob.olgemiß find Gefahren, die nicht minder bedenklich sind als der Krieg und seine Wirkungen. ^ . Hypnose zur Heilungvon Nervenstörungen Nachdem in einzelnen Fällen von im Felde ver- sachten Nervenchoks — wobei meist Explosionen in Betracht im7aemaLt^7 erfolgreiche Versuche mit hypnotischer Behand- I b( : n waren, werden, wie der englische Major L Harles Myers m der Zeitschrift „The Lancet" berichtet nun. ^rz llch'ana?lv?I^ou Newenstörungeli systematisch mit den Mitteln ^ ^ Hypnose behandelt. Die Fälle, uni die es sich ^urch, I n,?; Verlust des Sprachvermögens, krankhafte Reflexbewegungen und Verlust des Gedächtnisses. Von ren bisher mrt Hypnose behandelten nervenkranken Soldaten 26 wurden wesentlich SwiifrVrr PJ 03 . euptefen sich als unempfänglich für hypnotische reagierten auf die Hypnose, ohne daß dil be J! eV f t, i* ..Rach den bisherigen Ergebnissen ist nian m englischen Aerztekreflen der Ansicht, daß die Hypnose bei allen Personen mrt Nervenstörungen, sofern sie überhaupt hypnotisch vgchertisch. m^ux X r JL 1 '*' c g Eines der spannendsten poli- ^bleme dieses Krieges, ja überhaupt der neueren Ge- schichte ist das.Verhalten Italiens vom Beginn des Krieges bis zu fernem eigenen Eintritt m den Krieg- Ist auch der langsmne Ecks!,w^Ks^ol^iahsich recht deutlich gewordeii, ist auch der bas Ergebnis einer unvergleichlicheir Mache gewesen: k? 7 , hn erstaunlichen Drehung wollte sich mimerhm nicht darbicten. Diesen zu ver-