Um toten See. Noman von RobertKohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) gese^n°'uL^^che^'" ****“”* ^en wir einando» mir in loyalster Weise Mr Wer- «ff cn .. t Fünftes Kapitel WoiiÄÄr’’“?«' 9 ," 1 dieser Nacht geschlafen, war den Sof un, ^heH 3e [ ta k^ e n un himmtergegangen auf Ex batte bol hifc? b J e Leute bei der Arbeit waren. . \ 't oann oic Anwesenden um sich her an treten s^sspn U'-d ihnen eine kleine Ansprache gehalten in d^r er h " ^"gste, unverbrüchliche Pflichterfüllung auf die Seele ge- tn 1 «tb rtnen gletdje Pflichterfüllung von seiner Sette £,*-'S?en -i" "» -«>-> b"' --.^Den ."eiteren Vormittag hatte Bassow mit allerlei Schrerbercien zugebracht und saß jetzt in seinem Zimmer dem SSÄW> ^l-enüber. der »chmittag V 2 b Trauerferer teilgenommen und ihm acsaat ev ° m I°l 9en &. cn Morgen wieder auf das Schloß ^nnuskommen würde. Tatsächlich war er denn auch schon zeitig erschienen, hatte noch einmal das Arbeitszimmer des Ermordeten mit äußerster Sorgfalt besichtigt mW sodann eine Unterredung mit der Baronin gehabt. Nun sprachen miteinander" b “ mnner fd)on < ine ---raume Zett eincr Kaufe sagte Bassow, scheinbar mit einiger Ueberwindung: „Sehr dankbar wäre ich Ihnen HerrStaats- w^n -yre mir nun ganz genau darlegten, was in Mnnf! l die Wltwe meines Vetters verdächtigt. Dieser Punkt beschäftigt mich - offen gestanden - so sehr dak rch davor die Nacht nicht Habe schlafen können." *' 0 8 s,. 7 ?brr von Sieglitz nickte nach gewohnter Art *ur Deck? hinauf und schien durch- seinen goldenen Kneifer die Worte dre er sprach, dort oben L-ukesL. „Sehr gern! Herr iaron ist eine leider noch ungeklärte Sache, — die Schuld der Baromn steht rm engsten Zusammenhänge mit der dieses früheren ^rnaers,- Theodor Wichnrann mit Namen. Wird schuldig erkannt, so dürfen wir auch die Baronin P a t er mehrere Zusammenkünfte mit ihr gehabt auch Geld von ihr bekommen hat, - und zwar knr^ vor der Ermordung Ihres Herrn Vetters, - ist nn beding er- wresen, wird auch von ißr nicht bestritten. Die Frage bleibt Wir'witten^^^hbmalrge Sänger der Mörder oder nicht? Wir wissen, daß er sich am Tage des Mordes hier mif- gehalten hat. Er ist nach Aussage des Stattonsvorstehers aus dem Bahnhofe nachmittags uni vier Uhr zehn Minuten ^r^?^?okommen und nachts um zwölf Uhr viernnd-miantta binma?^gesehen ^vor^ Kreits?" Brertekibach, ~ Sre kennen den Herrn f und Mir einige wichttge Ausschlüsse gegeben. Er ist ja der letzte, uns Bekannte, der den Totent einem jähen Ende gesehen hat. Und in dessen Gesell ist er am Abend einem Manne begegnet, dessen Beübung an den Sänger - einen großen Mensen mtt dem ^ einwandfrei paßt. Die Frage nach von l 1? . l l un .^gleich eure Zeitfrage. Der Herv nenn^hr^?^ ^ wit Ermordeten zusaminen um! iwun Uhr dreißig auf der Station eingetroffen. Lanasanr, „ ^ Gespräch sind sie zu Fuß nach Hause gegangen ,€ltc Begegmrng mit dem AngeschEgteiv ^epabt. Nach Herrn von BreitenbachL Aussage muß diese ^egegnung etwas nach neun Uhr stattgesunden haben. Die beiden Herren sind noch bis elf Uhr ungefähr zusammen- um eine geschäftliche Angelegenheit zu besprechen. Sie haben ftch darauf an der einen Parktür getrennt, zu der ^zhr Herr Vetter einen Schlüssel bet sich trug" ,D-er Park war also verschlossen?" m < pgs, das ist ein rvichtiger Punkt. Es war fvfce ^L?? r€U K ll r ^ arb Uhr verschlossen wurden^ geschah " ^ erwiesen, daß es auch an dem fraglichen AbenZ „Wenn aber die Herren den: Sänger nach, Lehn llhte ^n, wie soll er irach elf Uhr wieder in den verschlossenen Park hineingekommen sein?" Doi-dreht sich die Untersuchung in der Tat. Denn es ist kern Zweifel, daß der Mord im Arbeits- Kimmer des Bavons vollführt worden ist. Ec muß also in el [ geschehen sein, wie auch der Herr« der^ Totenstarre vermutet. Sonach ist ff V Vr ’-tLf / ' ~vvw l( nu.HL. WUlll Erzählung der Baronin von einem geheimnisvollen tb elf Uhr gehört . ,L'iu; oer rzavei zu ve, " : Dienerschaft sogleich den Park abge gesunden, sich selbst also Lügen gestraft. Nein,' diese "Sache Schrei unter ihren Fenstern,' ten ste'um Mb ^uben will, ins Bereich der Fabel zu verweisen. Sie hat mit aller Dienerschaft sogleich den Park abgesucht und nichts ist absichtliche Fiktion oder nervöse Täuschung? gelomn^Sr 1 ^ ® ä " 9er in *** hinein- r war Nicht so schwierig. Vor ein paar Monaten hat hier ern Windbrnch stattgefunden, und die stürzenden Baume haben das Gatter des Parkes an melieren Steilen beschädigt. Man hat sich offenbar mit der Wiederherstellung' fnickreir^m^b^s' r^nfalls htaben wir zwei Punkte aufge? fnnden, wo das Gatter- noch, ein Hineindrinaen aestattetj Wer eine dieser Stellen benutzte, mußte freilvch dre^^Orts- Versönl^j h f n T l cnnc r n ' ~ o^er im Schloß eins Persönlichkeit haben, die darüber Aufschluß geben konnte" - „Sie memen die Baronin?" ' ^sage nicht mit Bestimmtheit, daß ich sie meine manches ans sie hin. Der Sänger ist früher ui bev Geaend nre gesehen worden. Wenn er der Schuldige' 38 War, so muß er notwendig im Schloß einen Helfersyelfeä gehabt haben. Mit der Baronin, und mit sonst niemandem, hat mau ihn im Gespräch betroffen. — Sie müssen mir rüge stehen, es gibt gewisse logische Notwendigkeiten, denen man sich' schwer entziehen kann." Bassow nickte nur, ohne zu antworten. Der Ausdruck seines Gesichtes war noch ernster und gespannter geworden. „Leider sind ja," fuhr der Staatsanwalt fort, „alle möglicherweise im Park vorhandenen Spuren durch das Unwetter der Nacht vollständig verwischt worden. Wir haben dort außer den beiden Oeffnungen im Gatter auch nicht den leisesten Anhalt gefunden. Wenn aber der Mord bald nach der Heimkehr des Barons, also bald nach elf Uhr ausgeführt worden ist, kann der Sänger der Zeit nach sehr wohl der Täter sein. Die Entfernung zur Station beträgt eine Stunde, so daß er den Zug unr zwölf Uhr vierundzwanzig recht gut noch erreichen konnte." „Und er selbst — der Sänger — wo will er sich zwischen elf und zwölf Uhr aufgehalten haben?" „Er behauptet, aus einer Bank an dem in der Nacht sehr einsamen Wege zur Bahn gesessen und bis zur Abfahrtszeit des Zuges dort gewartet zu haben, behauptet auch, daß ein Mann, der vom Dorfe her gekommen sei, ihn dort angesprochen und nach der Zeit gefragt habe. Das wäre für ihn entlastend, weil das um halb zwölf gewesen sein soll. Die Bank aber ist vom Schlosse zu weit entfernt, als daß er die Tat nach elf Uhr vollbracht und bis halb e schon dorthin hätte kommen können. Der fragliche i war jedoch bisher nicht zu ermitteln." „Und wann will denn die Baronin den fragwürdigen Schrei gehört haben?" „Um halb elf Uhr fast genau. Die Zeit hat mit Sicherheit sestgestellt werden können." Bassow schüttelte den Kopf; seine Stirn batte sich in scharfe Falten gelegt. „Ich meine doch, daß dieser Punkt zu ihren Gunsten spricht. Hätte sie wohl die ganze Dienerschaft alarmiert, wenn sie gewußt hätte, daß der Mörder eben auf dem Wege zu seinem Verbrechen war?" Der Staatsanwalt lächelte ein schlaues Lächeln; er machte den Mund so spitz, als wenn er ein Stück Zucker zwischen den Lippen hätte. „Und konnte sie nicht absichtlich die Dienerschaft aus oem Schloß entfernen, weil sie wußte, daß dort ein Verbrechen verübt wurde? Könnte das nicht die gan^e, seltsame Komödie niit dem Schrei erklären?" Bassow fuhr zurück, als wenn ihm jemand einen leichten Stoß versetzt hätte. ,,Wenn das wäre, wenn das wirklich so wäre, — aber nein, es ist unmöglich, wenigstens ungeheuer unwahrscheinlich!" „Ich kann das nicht finden. Gewagt wäre die Geschichte freilich in mancher Hinsicht aewesen, aber mir sind noch kühnere Sachen in meiner Praxis vorgekommen." Bassow schüttelte lebhaft den Kopf. „Nein, nein, die Zeit widerspricht. Um halb elf Uhr hat sie die Leute alarmiert, und nach elf Uhr ist ja mein Vetter erst heimgekommen. Ja, wußte sre denn überhaupt um seine Rückkehr an diesem Llbend?^ „Bewiesen ist ihr das nicht, aber sie konnte sehr wohl darum wissen. Sie hat an dem Tage ein paarmal telephoniert. Und was die Zeitdisferenz anlangt, — auch Verbrecher können sich einmal irren. Wenn der Zug des Barons um halb zehn Uhr ankarn, so war seine Heimkehr um halb elf zu erwarten. Daß er den Herrn van Breitenbach im Zuge treffen und sich dadurch verspäten würde, konnte die'Bäro- nin unmöglich vorherschen. Die Tat konnte sehr wohl auf die Zeit zwischen l .lb elf unb elf Uhr verabredet sein, und die Affäre mit dem Schrei wäre dann zu einem sehr bestimmten Zweck eben um diese Zeit in Szene gesetzt worden " „Ich kann es nicht-glauben!" „Ma ' . r? glaubt manches nur schwer. Aber wenn die Baronin unschuldig ist, wie wollen Sie mir folgendes erklären? Als der Park vollständig abgesucht war, ist auf Anraten des alten Kutschers — merken Sie wohl, nicht auf Befehl der 5\2?rr n auc ^ Eine Durchsuchung aller Zimmer im Schlosse vorgenommen worden. Das Arbeitszimmer ihres Pr? nne fm a ^ er Öot fie unter einem Vorwand nicht öffnen lassen. Warum sollte sie dies vermieden haben, wenn sie nicht glaubte, daß der Mord bereits vollführt worden sei?" „Hat sie das getan?" „Das hat sie getan. Und noch mehr: sie hat selbst ausgesagt, sie sei kurz vorher in diesem Zimmer gewesen und habe bie Läden an der Tür zum Garten und an den Fenstern fest geschlossen. Darum sei das Betreten des Raumes überflüssig. Kann dieses Abschließen der Oeffnungen zum Park nicht ebensowohl in der Absicht geschehen sein, der alarmierten Dienerschaft jeden Einblick nt das fragliche Zimmer von außen her zu verwehren? Wenn sie glaubte, daß der Mörder dort um jene Stunde am Werke sei, war die Sache nicht so übel ausgedacht, wie mir scheint." Bassow war aufgesprungen, schon während Sieglitz noch' sprach, und ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. * „Wenn ich Sie so höre, — Sie verstehen es, einen von der Schuld eines Menschen zu überzeugen. Aber trotz alledem' wird es mir schwer, in diesem Falle daran zu glarlben." „Es handelt sich eben um eine schöne Frau," sagte der Staatsanwalt maliziös. „Bei häßlichen Menschen glauben wir leichter an ein Verbrechen." „Das dürfte bei mir keine Rolle spielen," entgegnete Bassow mit hochmütigem Ton. „Allerdings hätte ich mich nicht nur an die juristischen Beweise, sondern auch an den Eindruck der Persönlichkeit. Und er scheint mir bei dieser Frau solch einem Verbrechen zu widerstreiten. Sie hat einen so stolzen und offenen Blick, sie hat sich gestern bei der Trauerfeier ohne jede Theatralik — obwohl sie ja beim Theater war — so taktvoll und würdig betragen —" „Ja, sie ist eben eine sehr schöne Frau," sagte der Staatsanwalt mit maliziöserer Betonung als vorher.. (Fortsetzung folgt.) Aus der Zlucht. Von Franz Re in hold Zenz. Wie die Frühlingswasser des Pripjet in die Niederungen des Poljesje einbrechen und alles überschwemmen, so der rückwärts! flutende Strom des geschlagenen Russenheeres und die von ihm mitgespülte Bevölkerung. Endlos wälzt sich der Strom. Regiment auf Regiment zieht vorbei. Kolonne auf Kolonne. Altes in Unordnung und Wirrnis,« Die Soldaten stumpf, die Führer mit hängenden Köpfen. Zwischen ihnen her die Flüchtlinge. Panjewägelchen, hochbeladen mit Hausrat. Frauen und Kinder, bepackt wie Lasttiere. Wer nähme das Liebste nicht mit, wenn er von Heim und Hof muß? Wer kennt im Augenblicke der einen Gegenstand, der ihn: nicht ans Herz gewachsen ist? Lieber sich tot schleppen, als ein Stück Gerümpel seitab vom Wege werfen. Und sie müssens doch! Endlos ist das Sumpfgebiet der Poljesje. Blei stumpf lastet der Himmel. Unabsehbar dehnt sich die'.Ebene — farblos, eintönig. Bis zum nächsten Giebeldach in unberechenbarer Entfernung zieht sich eine graugrüne Fläche. Kleine Erdwölbnngen geben ihr den Anschein eines Meeres, ans den: Eine steife Brise liegt. Weh dem, der vom Wege abgerät! Die graugrüne Ebene ist nur ein dicker Pflanzenwnlst über zähem Schlamin. Bei jedem Schritt schwingt diese Schicht wie Gummi. Darunter schluckt und gurgelt es. Ein Schritt daneben und der gefräßige Sumpf hat sein Opfer gefaßt, saugt es mit hinterlistiger Grausamkeit unendlich langsam in sich hinab. Da heißt es auf dem Wege bleiben, leinen: beschottertenj Knüppeldamm, der jede Schwingung weitergibt, wie eine Hängebrücke. Ueber diesen Damm wälzt sich die Flucht zweier Heere, der geschlagenen Russen und der entwurzelten Bevölkerung. Greise, halbtot vor Angst und Erschöpfung, -Mütter, denen durch Entbehrung die Brust versiegte, um die ein wimmernder Säugling klagt. Kinder, wie eine Herde stumpfsinniger Hümmel vorwärts getrieben. Dazwischen die Wagen mit Hausrat, obenauf die Siechen und die Kranken. Dazwischen eine magere Knh> die nach Weide brüllt. Eine russische Kolonne jagt vorbei. Die Kuh reißt sich los und rennt in den Sumpf: Versackt mit den Vorderbeinen, reißk sich nochmals hoch, sinkt wieder. Ter Sümpf hält sie fest, zieht sie unerbittlich hinab. — Zwei Stniwen später ragt nur inehr das Gehörn seltsam aus einer Bodenwelle. Weiter. Eine Sotnie Kosaken stürmt auf die Flüchtlinge ein. Peitscht die Erschlafften mit der Knute vorwärts. Ein Pferd scheut, der Wagen schlägt um. Nasche Schnitte. Ein Kosak zieht das Pferd am .Halfter mit sich fort. Der Panjewagen steckt bis über die Radachsen im Sumpst Wer soll ihn heransziehen? — Eine Familie von neun Köpfen heult auf und bejammert ihre Habe. - Sie kann nicht einmal stehen bleiben und zusehen, bis sie versunken ist. Weiter. Ter Führer der Sotnie hält sein Pferd. Seitab, auf eiitetrt größeren Hügel steht eine armselige Hütte, magerer Ackerboden! ringsunn Er deutet Mt der Reitgene darauf. - assili grinst Lnd reitet daraus z'ü.' geht auf Abend. — Häuser sind güte Fackem. ... der Stickluft des nie gelüsteten -Zimmers hockt Sergej iager seines SohneS. Fedor wälzt sich im Fieber, und der zieht ihm immer wiä>er die Kecke bis über den Kopf, das kann helfen und die Heiligen. Ml ihre Bilder hat er Fedors Lager versammelt. Mit teilnachmlosm Gesichtern, flicken sie auf den Fiebernden. , _ , Im offenen Kamin liegt ein Feuer. ' Rauch füllt die Stube! 'UUd läßt die kahlen Wände noch enger zusammenrücken. Sergej hetet für seinen Sohn. Nun liegt er schon vierzehn Tage und das Fieber will nicht Nachlassen. Unter dem schmutzigen Verbände, der Fedors Kopf umhüllt, eitert eine Wunde, die er sich in den Karpathen geholt hat. Sie hatte:: ihn als geheilt aus dem Lazarette entlassen und er hat sich durch gebettelt, bis er wieder zu Hause war. Nun fiebert er vom Kampf mit Gebirgen und Menschen. Sergej betet. Auch er weist nicht, was draußen vor sich'geht. Er weiß vom Kriege nur durch das Fortgehen seines Sohnes und aus den wilden Sätzen seiner Fiebertraume. Aber einen Hast hat er aus ihnen gelernt gegen jene, die seinen Sohn so zugerichtet haben: die Deutschen. Da fliegt die Türe auf. Wassili steht auf der Schwelle. Er flucht: „Raus mit euch Pack! Wollt ihr warten, bis' euch die Deutschen Mit Haut und Haaren aufgefressen haben? Raus, sonst brennt euch das Dach überm Kopfe zusammen." Sergej starrt ihn stumpfsinnig an. Er versteht nicht, was der .Andere will. Wassili wird ungeduldig. Er geht auf den Kamin zu und mit der Säbelscheide wirst er die Gült nach allen Seiten ins Zimmer. Eine flammende Kohle fällt auf Fedors Bett. Da stürzt Sergej dem Kosaken zu Füßen: „Schon uns, schon uns, wir sind ja keine Inden. Fedor, mein Sohn, hat gekämpft, wie du." Wassili grinst übers ganze Gesicht. Kleine Flämmchen züngeln überall hoch. Brandgeruch steigt auf. „Weiß ich, Väterchen, muß aber sein," höhnt er. „Sieh nur zu, daß dein lieber Sohn nicht verbrennt. Seine Decke stammt schon. Mein ichs nicht gut mit ihm, .Väterchen?" Mit einen: wiehernden Gelächter geht er hinaus und schwingt sich auss Pferd. Sein Werk ist getan. Sergej reißt in wahnsinniger Angst die brennenden Decken von seinem Sohne weg, zerrt ihn hoch und schleppt ihn aus der Hütte. Hinter :hnen prasselt das erste Holzwerk. Fort sollen sie, wohin? Fedor ist durch die Flammen ins Delirium geraten. • Er steht in der Schlacht. Er sieht Deutsche und will auf sie zu. Er ringt mit seinem Vater — aber er ist so schwach. . . Als die beiden im Strom der andern Flüchtlinge untertauchen, steht eine Flammengarbe mehr am Abendhimmel. Ein Hügel mit verkrüppeltem Waldbestan.de trägt drei, Vier- Hütten. Bei dieser kleinen Siedlung haben die Flüchtlinge Halt gemacht. In den Hütten liegen die Kosaken und ihre Pferde. Sie haben kaum Wachen ansgestellt und braten am offenen Feuer das Fleisch einer Kuh, die sie den Bauen: weggenommen. Die Deutschen sind ihnen zwar nahe aus den Fersen, aber bei dem Gelände werden sie zur Nacht nicht angreifen und morgen, noch vor Tagcsanbruch geht es weiter. Der Duft des gebratenen Fleisches breitet sich behaglich aus. Und die Kinder der Flüchtlinge wimmern nach Brot. Die Gichtbrüchigen stöhnen. Mte Weiber hocken um einen sterbenden Greis und sprechen laute Gebete. Das Elend und der Jammer haben bei diesen: letzten Trupp alles Mast überstiegen. Die meisten finden keine Klage mehr und starren stumpfsinnig vor sich hm. Sergej hat seinen fiebernden Sohn gebettet, so gut er konnte. Er kauert neben ihn: und betet. Da setzen sich drei Männer in seine Nähe. Zwei sind Bauern, der dritte ein verkrüppelter Sttldent aus Warschau. Der bengt sich zu dem Kranke:: und schüttelt den Kopf. Er zeigt auf den Soldatenrock und fragt: > „Ist die Wunde neu?" ' ' „Oh, Panje, er hat sie aus den Kartrathen heimgebracht. So haben sie ihn ans dem Lazarett heimgeschickt. Oh, die verfluchten Deutschen." Der Student schüttelte wieder den Kopf. 1 „Die Deutschen sind nicht so schlimm, wie diese Hunde, diese Kosaken und die oben bei der Regierung. Die Deutschen hätten deinen Sohr: gepflegt. Mer diese Mordbrenner vernichten ihr eigenes Volk, stecken ihren Brüdern das Haus überm Kopfe in Brand und lassen ihre Soldaten im Elend verkominen. Brüder, ich sage euch. gut, daß ich dieses gesehen habe. Ich gehe nach Moskau Und werde der Kläger eurer Not sein. Diesmal haben sie sich selbst das Hans überm Kopfe in Brand gesteckt. Diesmal werden sie die Flammen der Revolution nicht ersticken, wie 1905. Dafür will auch Ich sorgen." Und in den sch warzen Aug en des Studenten glühte der Widerschein des Lagerfeuers wie eine Feuersbrunst, .die sich langsam aus der Tiefe heraussrißt. Sergej hatte nur den Anfang seiner Rede begriffen. Er nimmt den Studenten bei den Händen und beschwört ihn: „Panje, ist das wahr, daß die Deutschen meinen Sohn pflege:: würden?" „Es wäre sein Glück, wenn er in ihre Hände siele, aber es müßte bald sein." , Sergej küßte die Hände des Studenten. Sergej kennt den Sumpf weit unb breit. Er ist in ihm groß geworden. Er hat auch eine Richtlinie: seine brennende Hütte, die ihre Funken bis in den Himmel hinein stiebt. Sergej läuft auf einem schmalen Pfade. Manchmal versinkt er bis über die Knöchel ::nd leine gelbe Brühe spritzt ihm bis über den Kopf. Er setzt über Wasserlache:: hinweg, stolpert über Schlinge- Pflanzen. Mer er komntt Wetter. Der Sumpf gluckst und murrt, ' Sergej treibt die Angst um seinen kranken Sohn. Ta täuscht ihn keine Nebelschwade imb keine falsche Fährte. Fedor soll gerettet werden. Und wenn der Kosack dabei seine Strafe findet, so ist es ihm recht. Ihn haßt er jetzt mehr, als den Deutschen. . , Hans Weber, ein Rheinlandssohn, reißt sein Gewehr an die Backe und ruft: „Halt!" Tie schwankende Gestalt im Nebel kommt jetzt langsamer heran. Als sie ganz nahe ist, wirft sie sich auf die Knie und fleht:! „Oh, Panje, Panje!" Hans Weber kann kein Russisch. Er ruft einen Kameraden- herbei, der führt den Mann zum Leutnant. Waffen hat er nicht bei sich, aber es könnte ein Spion sein. Bor den Russen ist mau nie sicher. Ter Leutnant kann ein wenig russisch, im übrigen httst der Dolmetscher nach. Beim Scheine einer Taschenlaterne geht das Verhör vor sich. Sergej erzählt von seinem Sohne, seinem eingeäscherten Hause, von der Flucht, den Kosaken und wieder von seinen: Sohne. Daß er Hilfe braucht, um wieder gesund zu werde:: rmd daß die Hunde, die Kosaken, ihn elend sterben lassen. Scharfe Frage:: werden ihm vorgelegt. Wo die Kosaken liegen, wieviele es sind, und ob der Weg durch den Sumpf gangbar ist. Der junge Leutnant, mit seinem weichen Herzen, hat all das Elend der Bevölkerung mit ansehn n:üsseu, er war ja der nächste an: Feind. Galle hatte er geschluckt und Wut, wenn er an den sinnlos niedergebrannte:: Heinlstätten vorbeikam und -an jedem Halteplatz der Flüchtlinge die frischen Gräber der Frauen und Kinder sah, die an Not und Entbehrung eingegangen. In seinen Mgen flackerte wilde Entschlossenheit. „Hierher hören!" Alsbald hatten sich seine Leute Um ihn versammelt. Leute, dieser Mann kon:mt zu uns, zu seinen Feinden und fleht um Hilfe. Die Kosaken haben ihm und seinem Sohne, einem Soldaten, der in ehrlichem Kampfe Mtt uns verwundet wurde, die elende Hütte emgeäschert und sie hinaus getrieben, wie eine Herde Vieh. Die Brandsttfter und Mordbube:: Liegen nicht viel mehr als zwei Kilometer vor uns. Der Mann weiß einen Weg durch den Sumpf, der einen Teil von uns ihnen in den Rücken bringen kann. Tie andern greifen von vorne an. Wer wagt den Weg durch den Sumpf? Freiwillige vor!" Das hätten keine Rheinländer sein müssen, wenn sie sich nicht alle gemeldet hätten. „Ich danke euch. Vizefeldwebel Hahn. Nehmen Sie die Hälfte und führen Sie. Halten Sie den Mann scharf im Mlge." Ter Leutnant gibt Verständigung nach rückwärts und geht langsam auf der Straße vor. Beim ersten Hurra der andern will auch er nrit seinen Leuten vorbrechen. Indessen schwankt ein Zug schweigender Gestalten über die Sumpfdecke in den brodelnden Nebel hinein. Sergej geht voraus. Htttter ihm Vizefeldwebel Hahn mit gespanntem Revolver, dann der Dolmetscher und ganz ant Schluß der Kriegsfreiwillige Hans Weber. Fedor greift sich taumelnd hoch und stiert freund um sich her. Das Stöhnen der Flüchtlinge erinnert ihn an das nächtliche Wimmern der Verwundeten in den Drahtverhaue::. Wo ist er doch? Durch die Zweige leuchtete ein zusammengesunkenesj Lagerfeuer. Schüttelfrost hat ihn befallen. Er friert. Das Feuer wird ihn wärmen. Langsam müht er sich darauf zu. Es ist verlassen. Kindisch stößt er mit einem Scheit in die Glut und wirbelt sie hoch. Da fällt ein Schein auf etwas Blinkendes. Er kriecht hin, e# ist eine Karabinerpyramide. Einen davon nimmt er mit einem glückseligen Lächeln. Ein Soldat darf doch nicht ohne Gewehr sein. Er entsichert eS und legt es neben sich. Tie Mteilung Hahn hat nach :nühsamcr Wanderung jenseits der Siedelung dm Knüppeldamm wieder erreicht. Sie sichert nach dem abgezogenen Russenhoeve zu und schleicht dann lveiter vor. Eine russische Pferdervache bemerkt sie und gibt einen Alarm- schuß. „Nun Hurra und drauf!" ruft der Feldloebel. Ganz aus der Ferne ertönt das Hurra des Leutnants und seiner Leute. 40 Die ersten Kosaken, die auT den Hatten springen, falten Betroffen zu Boden. Tie andern werfen sich den Angreifern! entgegen. A?m Lagerplatz kommt es -Ml Zusamimenpralh Fedor ist beim ersten Schutz aus seinen Fieber- trau men emporgeschnellt und späht nach den Deutschen. . Als Vizefeldwebel Hahn in die Lichtung tritt, reißt Fedor fem Gewehr cur dre Backe und zieht es ab. Das Geschoß geht dem Feldwebel durch den Aernrel. Wütend, seinen Mann gefehlt zu haben, springt Fedor auf. Mit geschwungenem Kolben stürzt er aus den Gegner los, aber ehe der Hieb srtzt, hat er eine Revolverkugel in der Brust und schlagt mit wildem Aufschrei aufs Gesicht. In dem Augenblicke kommt Sergej hinzu, der sieinen Sohn dort gesucht, wo er ihn hingebettet hatte. Aufheulend wie ein Tier, das sein Junges verteidigt, rennt er nach dem Feldwebel, packt ihn mit den Eisenklammlerrr seiner Bauernfäuste am Halse und würgt ihn, bis sie beide zu Boden fallen. Das hat aber der Kriegsfreiwillige Hans Weber gesehen, der nun hmzuspringt und mit einem Kolbenhiebe Sergejs Schädel zerschmettert. — . Bizeseldwebel Hahn richtet sich mühsam auf. Er schluckte em Paar Mal, betastete seinen Kehlkopf, und als sein Blick auf Sergej fallt, memt er: -War d^ nicht der verfluchte Muschik, der uns hierher geführt h^t? Was fällt dem Kerl em, mich auf einmal abzu- wurgen?" Ta schiebt sich ein verkrüppelter russischer Student heran. set ^. t /S 11 ' oedor Und sagt mit seinem gebrochenen Deutsch nur zwer Worte: „Sein Sohn." „Weiß Gott/' meinte der Vizefeldwebel, „meine Schuld ist das mcht, aber weh denen, über die all dieses Blut kommen muß" rx 'ft nickt und in seinen Augen loht der düstere Wwerschern der Revolution, wie das beklemmende Morgenrot eines neuen Tages. entkommen, schien aber halb betäubt, und wurde immer wieder ^^ebracht. Endlich fing sie an, sich langsam um sich selbst zu drehen. Ein Bekannter Forrers, der als Beobachter diesen Vor- den Inder, was er getan hätte, wenn der Schlange es gelungen wäre, ihn zu beißen, und erhielt die Ant- wmt daß er em sicheres Hellmittel immer bei sich führe und darum mn»V U habe. Mehr scherzhaft als im Ernst gemeint, bot .??? ^"f Rupien, wenn er sich von der Kobra beißen ließe. Sofort steckte der Inder dem Nepttl einen Finger in den Rachen, fi; , ei ’ "M zuruckzog, waren zwei leicht blutende Punkte auf der >^,aut zu sehen. Er gab die Schlange seinem Gefährten, der sie in emem riorb barg, brachte ein Stückchen verbrannten Knochens, den s® L. ^"^enstein" bezeichnete. aus der Tasche und hielt ihn ^wzer Zeit nahm er de,' Stein weg und er- larte, daß alles Gift aus der Wunde gezogen sei. Dann warf er oen "Schlangenstern« tu eine Schale voll Much, au? deren Ober- §4 kleme Tropfen einer öligen, strohgelben Flüssigkeit zeigten. Horners Bekannter holte ein junges Huhn, brachte ihm eine gerin» sugige Schenkelwunde bei und bestrich die blutende Stelle mit der gelvnchen Flüssigkeit. Das Huhn starb nach zehn-Minuten unter Belglttungserfcheimmgen. „Und doch", schreibt Dr.Forrer, „konnte wy meinen Bekannteil bald überzeugen, daß .er von den beiden ^noern getauscht worden war/ Wie das zuging, wird in dem kürzlich erschienenen 5. Band der „B i b l i o t h e k der Unter- vsltung und des Wissens" (Union, Deiilsche Verlags- ge ellsihait, Stuttgart) erzählt, die außer Romanen und Erzählungen beliebter Schriftsteller allch größere und kleicrere Beiträge alls allen Oetneken menschlicher Forschung unb Erfahruiig und viele Ab- bitdungeu enthält. Jeder der vierwöchentlich erscheinenden Leinen- bande kostet nur 75 Pfennig. Die Sotnie Kosaken ist kot oder Der Weiler ist genommen, gefangen. rtn Morgen flutet schon der Heereszug der Deuten Korber. Der Kiiüppeldamm ächzt unter der ehernen Wucht der Regimenter und Batterien sich mit den kleinen Erdwölbungen stette Brfie stcht ^ ^ ßinB,ftl cin Meer, Über dem eine Und ein feiner Regen sickert unaufhörlich herab. . vermrschtes. ^ üEseler - Geschicht 2 . Graf H a e s e l e r der des Drin^en^-^0. Jahre^ alt rvird, war Hauptmann im Stabe ß P ,;. r ‘jf Fnedrrch Kars der nach Beendigung des siebentägigen imbfn L! 0C ^ r D s° n p^ußüchen Truppen besetzten Böhmen blieb Kaisers ftram Sfij ec ?i \ n Aiigust, am Geburtstage des ^ ^sef, fuhr der Prinz mit einigen Herren seines Z^olges nach dem Baumgarten, den sich weit hinstreckenden mSSfSS!!* 0 ®-» 1 er H^^wtstadt Böhmens, wo die Kapelle eines preußischen GarderegmientS spielte. Das Zahlreich bnrt s,, ’s, &s fei n &o„u„s^ dastehenden Kapellmeister den Befehl des Vrinren TO*,* wieder den bo g J ^ » Äa Nationalhymne erhalle Franz den Koffer' wL w'L diese Sie % « wenigsten von einer preußischen Kapelle erwartet Feki erst feife LL«. &Ä* »**“«-- EMMM UMKMMW srSSftSi |sä tek ^ fei. ä‘.ä*s §äS“ 3 :ä Vücherttsch. — Unter dem Titel eutscher Militarismus und Englands Schuld am Kriege" ist eine Broschüre, versaßt von Krug von Nidda, Wirkt. Geh. Rat in Darmstadt, in ^arl Heymanns Verlag in Berlin (Preis 1 Mk.) erschienen. Der schon aus dem Titel ersichtliche sehr aktuelle Gegenstand ist in paulotlschem Geiste als eine Verteidigung gegen den Verleumdungs- lelozug unserer Feinde behandelt. Die bekannten Lügen wegen an- gevtlcher Exzesse in der deutschen Kriegsführung werden widerlegt F; oas Ergebnis der durch fortgesetzte Kriegsführung und als a Ergebnis der durch fortgefetzle Niederlagen gesteigerten Wut oezelcynet. Der immer wiederkehrende,t Phrase von deutschem ultausmus und dem Mangel deutscher Kultur wird ein iu- tereisantes Material gegenübergeßellt über die Friedeustäligkeit in Deutschland und über die vielfachen in der Zeit des Friedens übereinstimmenden kriuschenLobsprüche unserer Feinde über den Charakter oer deutschen und deren Leistungen auf den Gebieten der Kuttur- arvelr. Als ein besonders schwerer Vorwurf wird die Verleumdung Deutschlands an dein jetzigen großen Weltkrieg be- und in historischem Zusanunenhang die Schuld Englands und dessen mhrelange Einkrcisungspolitik gegen Deutschland dar- 0C e • 7i l .P? r k. en Allssprüchen von Shaw, Tolstoi. Björnson rc. wird die ^.atitzkeit des demokratlschen Klubs in England besprochen, welcher entschiedene Opposition gegen die eigene Regierung erhebt Ulf rJ 111 den „englischen Militarismus" mit semer die Weuherrschaft beansprucheudeu kriegerischen Politik verantivortlrch ^^e Teit der Schrift behandelt die belgischen Gesandt- fcha tsberrchte aus den Jahren 1905—1914 als gewichtiges Beweis- lnaterlal snr Deutschlands Frledenspoluik und Englands Schuld, unter Mittellung von AuSzügeir ans den offiziellen Bekanntmachungen über die erwähnten Berichte. Gkeichttang-Ratsek. Als Zugvogel durchreise ich Wohl manchen Teil der W.lt. Als Krankheit bin zu heilen ich Oft nicht für schweres Geld. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummerr Abkurz^noen: tr -- Treff, p = Pique, c = C Tr fLrreau ‘ B (tT» rA = P'a»°-Ab, cD = Coeur-Tome u m Mittelhand toitvmevt trA und findet noch rA ■ ' pZ 'S 5 rl- ~r? as Spie- aeliVZel' 0 * ° A ’’ ^ bn,cft "UN den Nesp ^e/iei.'w'urde L°kde°nw°ß7n - ^ i. V. cK M. cA H. trK = — 19 1 1: cd k m. T ©' toD 7 = i xs' refcte!? ShÄ '^ a " b ' "Nch aber noch den 10 M. cH b. pA V o9 — _ 11 Stc Gegner hoben somit «I Augen erhalten. e»r9