Am totrn Sre Vornan von NobertKohl rausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Auf der Station, wo die zahlreich gewordene Schar von schwarzen Gestalten den Zug verließ, wartete eine Reihe von Wagen, die sie nach Garchim hinnberführten. Unmittelbar vor Beginn der Trauerfeier trafen sie dort ein. Der Tote war in dem großen Gartensaal aufgeüahrt worden, in dem die Baronin die Herren vom Gericht empfangen hatte. Kronleuchter und Spiegel waren schwarz umhangen; der Flügel, der sonst hier stand, war entfernt worden, Grün und Blüten aus den Treibhäusern umgaben den Sarg, auf dem die Kränze hoch aufgehäuft lagen. Ein schwüler und scharfer Duft von welkenden Blumen und sterbendem Lorbeer füllte den Raum. Die Angekommenen betraten den Saal in dem gleichen Augenblick wie der Geistliche, der sofort auf die Baronin zuschritt. Sie hatte bisher stumm und regungslos unter anderen Damchr gesessen und ohne Tränen, aber mit ernstem, bleichem Gesicht auf den Blumenhügel hiuaeblickt, unter dem der Tote lag. Jetzt erhob sie sich und reichte dem Geistlichen die Hand. Er sprach ein paar Tröstungsworte zu ihr, doch zeigte sich aus ihrem Gesichte keinerlei Regung, die von Verständnis oder Eindruck seiner Worte gezeigt Hütte. Und mit gleich steinernem Ausdruck sah sie nun auf die Schar der Neuangekommenen, die nacheinander zu ihr herantraten, ihr die Hand reichten und halb nur verständliche, kühle Worte der konventionellen Teilnahme murmelten. Unter den letzten trat Bassow zu ihr heran; er hatte mit sich gekämpft, !vas er tun sollte. Der von Jonassou in seinem Herzen geweckte Verdacht lastete schwer daraus, und als er nun diese Frau vor sich erblickte, die — wenn jener Verdacht irgendwie begründet war — hier in ihrer Trauerkleidung eine unwürdige Komödie vor dem Sarge des Mannes aufführte, dessen Tod sie gewünscht oder veranlaßt haben sollte, da kam ein Gefühl beißer Empörung über ihn. Aber indem er sie anschaute und sah, mit welcher ernsten Würde sie dastand, indem er das blasse, schöne Gesicht unter der goldroten Haarkrone betrachtete, das unbewegt einem großen Schicksal ins Auge zu blicken schien, da regten Zweifel sich in ihm, die für sie sprachen. Zur Komödie hätten Tränen und Jammer gehört, hier aber war nur der Ausdruck einer maßvollen, ruhigen Trauer, wie sie auch die entfremdete Gattin dem Toten schuldete. Bassow fühlte sich angezogen und fortgestoßen im gleichen Armenblick, und er zauderte in diesem Widerstreit mit seiner Begrüßung so lange, daß er kaum noch Zeit für sie fand. Der Geistliche war schon an den Sarg heran- getreten, ba ftcutb auch er vor der Witwe und sah mit einem scharfen Prüfenden Blick tief in die fragend ans ihn gerichteten Augen. Bei seinem Nahen ivar eine leise Bewegung in das erstarrte Gesicht gekommen, ein Forschen in den unbekannten Zügen war dort erwacht. Me die wechselnden, widerstreitenden Gefühle der letzten Minuten wogten jetzt noch einmal in Bassow durcheinander: vergeblich suchte sein Mund nach einem der herkömmlichen Worte der Teilnahme, und er vermochte nichts zu tun, als mit einer tiefen, form* lichen Verbeugung den Namen zu nennen, den er trug; „Kurt von Passow". „Sie sind —" Sie brach ab; stumm sahen sie einander in die Augen. Sie hatte mit unwillkürlicher Bewegung die Hand ein wenig zur Begrüßung erhoben, er aber konnte sich nicht überwinden, sie zu ergreifen, and nun senkte sie sich langsam wieder hinab auf das Trauerkleid, wo sie ruhen blieb. Mit erneuter Verbeugung trat er zurück, aber sein Blick vermochte sich nicht losznreißen von der schönen, marmor- weißen Hand auf dem schwarzen Gewand, und es gab ihm gleichzeitig einen leisen Stich ins Herz, daß er sie nicht hatte fassen dürfen. Die Trauerseier begann. Der Geistliche beklagte den Toten, der so plötzlich und unvorbe" itet vom Licht hatte scheiden müssen, verfluchte den Ver^echer und rief das Gericht Gottes auf ihn herab. Von seinen Worten aber hörte Bassow nur einen geringen Teil. Ein Gefühl dev Unruhe, des Aergers über sich selbst, den er sich nicht zu erklären wußte, — war in ihm erwacht. Er empfand ein Unbehagen, daß er als zukünftiger Herr dieses Hauses am Sarge des Ermordeten stand, und konnte sich's doch zugleich nicht versagen, den schönen Raum, den weißen, vergoldeten Stuck an Decken und Wänden mit einem zwiespältigen Gefühl von Eindringling und rechtmäßigem Herrn zu betrachten. Aber dies Herrengefühl besiegte zuletzt seinen Aerger und sein Mißbehagen, indem es sich zugleich von der flüchtigen Besitzesfreude reinigte. Den Herrn des Hauses erwarteten Pflichten, die zu erfüllen waren, die eine, nächste Pflicht vor allem, den Mann zu rächen, der dort ermordet im Sarge lag, den Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen, der den Wehrlosen erwürgt hatte. Bassow achtete sich höher auf, der ernste Ansdruck seines Gesichts verstärkte sich. Nein, vor ihm sollte niemand Gnade finden, und wenn diese Frau — seine Augen suchten sie abermals, ein kalter, harter Blick flog zu ihr hinüber. Sie aber sah und erwiderte den Blick. Auch sie hatte die Augen erhoben von dem Blumenhügel auf dem Sarge und mit einem Ausdruck von gespanntem Interesse ans Bassow geschaut. Auch wandte sie den Blick nicht ab, als er sie nun mit den Augen suchte, doch war es, als wenn deren mißtrauischer Glanz einen Widerschein in den ihrigen erweckte. Auch in ihnen verschwand jener warme Schein; mit kühler, feindlicher Schärfe kreuzten sich ihre Blicke über dem Sarge des Toten. Dann begann der Abschluß der Trauerfeier im stillen Gebet, das alle Köpfe sich beugen hieß. „Und vergib uns unsre Schuld", kam es von den Lippen des Geistlichen, — Bassow meinte, daß er die Worte mit einer besonderen Betonung spräche. Noch ein allgemeines Schweigen, dann das Aufheben des Sarges. In der Familiengruft im Parke sollte die Beisetzung erfolgen, und langsam ordnete sich der Zug des Gefolges. Während sich die Teilnehmer noch durcheinanderschoben, trat ein hochgewachsener Herr an Bassow heran und sagte gedämpft: „Sie sind der neue Majoratsherr, wie ich höre. Mein Name ist von Breitenbach, ich bin der nächste Gutsnachbar von Garchim. Der Verstorbene war mir ein sehr lieber Freund, und ich würde mich freuen, wenn auch wir gute Nachbarschaft hieltet:. Ist es Ihnen recht, so gehen wir zusammen." Bassow verbeugte sich zustimmend, sie pellten sich nebeneinander im Zuge auf, und als dieser nun durch beit Park dahinging, dessen Grün in der Nachmittagssonne leuchtete, begann Breiteubach halblaut zu erzählen. Er sprach zunächst von seiner letzten Begegnung mit dem Ermordeten, kam dann auf die Verhältnisse der beiden Güter, nannte und charakterisierte verschiedene Teilnehmer im Zuge. Fast unaufhörlich sprach er, während Bassow nur ab und zu eine Bemerkung, eine Frage einwarf. Es lag ihm auf den Lippen, auch nach Breitenbachs Urteil über eine mögliche Schuld der Baronin an der Ermordung zu fragen, doch hielt ihn eine unbestimrnte Scheu davor zurück. Und nun waren sie auch schon an der Kapelle angelangt, in der die Familiengruft sich befand. Viel älter als das Schloß, wies dies ernste, graue Gebäude, um das finstere Tannen emporwuchsen, gotische Formten auf; eine spitzbogige Tür stand offen und zeigte einen matt von Kerzen umflimmerten Altar. Und indem der Zug einen großen Bogen beschrieb, sah Bassow etwas Unerwartetes^-Er hatte auf die Anordnung des Zuges nicht viel geachtet und bestimmt geglaubt, daß die Baronin sich nach oer Feier im Schlosse sogleich zuruckgezogen habe. Nun sab er sie plötzlich unmittelbar hinter dem Sarge stolz uno fest einherschreiten. „Wie schön sie geht!" war sein unwillkürliches Denken, aber gleich schalt er sich selbst im stillen, daß ihm kein anderer Gedanke kam, daß die Entrüstung über ihre mögliche Schuld nicht jedes andere Gefühl besiegte. An der Beisetzung selbst konnten in der engen Kapelle nur wenige Personen teilnehmen, und Bassow hielt sich absichtlich zurück. Obwohl er nun Herr war an diesem Platze, kam er sich heute doch noch wie ein Fremder vor. Er sah nur, wie die schwarze Gestalt der Baronin sich schattenhaft abhob vor der Helle des Altars. t Im Sonnenschein draußen waren die Gesichter der übrigen Teilnehmer um so deutlicher zu erkennen, und viele Augen suchten den neuen Majoratsherrn, dem ein Mord solch einen Besitz geschenkt hatte. Nach aufrichtiger Teilnahme und Ergriffenheit forschten seine Blicke vergeblich. Nur Breitenbach schien ernstlich bewegt. Er hatte ein Taschentuch hervorgezogen, das er in nervös bewegter Hand zusammenballte, doch kamen keine Tränen in seine Augen. Mit starker Selbstbeherrschung hielt er sie offenbar zurück. Jetzt war auch das letzte geschehen; ein Blumenhügel m der Kapelle bezeichnte die Stelle, wo der Tote ruhte. In Gruppen zusammengeschlossen, gingen die schwarzen Gestalten durch den Park zurück. Im Schlosse war für die auswärtigen Teilnehmer ein Imbiß hergerichtet worden, weil erst am Abend ein Zug die Station passierte, der sie wieder fortführen konnte. Die Baronin hatte die nötigen Anordnungen getroffen, aber sie blieb auf ihren Zimmern, und an Bassow war es, zum ersten Male den Besitz zu repräsentieren, der ihm unvermutet zugefallen tvar. Das freudige Herrengefühl von vorhin stieg wieder in ihm empor, als die Dienerschaft ihm die nötigen Meldungen machte, nach seinen Befehleil fragte. In fester und stolzer Haltung setzte sich Bassow auf den Herrensitz an der Spitze der Tafel. Der Verlauf der Mahlzeit aber weckte in ihm Unbehagen. Unter den Gästen waren verschiedene trinkfeste Herren, und bald nahm die Unterhaltung einen Ton an, den Bassow wenig passend fand in einem Trauerhause. Herr von Temmin vor allem, der eine Flasche Wein rasch hinuntergegossen hatte, fing in kurzer Zeit an, zweideutige Anek- doten zu erzählen, über deren Pointen er sein brüllendes Gelachter austimmte. . r ^Eow willkommen, als der Diener meldete, daß die Wagen zur Abfahrt bereit stünden, und als er dem letzten der Gäste die Hand gereicht hatte zum Abschied. Nun gmg er zunächst auf sein Zimmer, um eine bequemere Haus- kleidung anzulegen, dann aber trieb es ihn wieder in den Park hinunter ins Freie. So vielerlei Neues bestürmte ihn von allen Seiten, daß er sich's zurechtlegen mußte im einsamen Umherstreichen. Es war noch die lichte Dämmerung des Hochsommerabends, die nur wie- ein weicher Schleier die Gegenstände umhüllte, sie aber deutlich erkennen ließ. In dieser sanften Beleuchtung betrachtete Bassow seinen neuen Besitz und freute sich an ihm. Der Tote hatte sein Recht gehabt, nun kam der Lebendige. Kraftgefühl und Schaffenslust regten sich in ihm. Im langsamen Dahinschreiten durch die abgelegenen, stillen Wege des Parks aber blieb er plötzlich fast erschrocken stehen. Aus einem engen Laubgang hervortretend, sah er auf einer Marmorbank eine bewegungslose, schwarze Gestalt. Sie wandte ihn: halb den Rücken zu, so daß ihr sein Kommen verborgen geblieben war. Er aber hatte die Baronin sogleich erkannt. Ueber ihrem leuchtenden Haar lag ein schwarzer Schleier, die stolze, schöneLigur saß ungebeugt, nur in tiefes Nachdenken schien sie versunken zu sein. Einen Augenblick hatte Bassow Lust, heranzutreten und sie aus ihrem Sinnen zu wecken, dann aber kam ihm plötzlich die Erinnerung an das, was er auf der Herfahrt gehört hatte. Hier dieser Platz, neben dem eine weiße Marmorsigur stand, war vielleicht derselbe, wo die Baronin im Zwiegespräch mit einem Fremden überrascht worden war, wo sie den Plan zur Ermordung ihres Gatten sollte verabredet haben. Ein tiefer Widerwillen stieg in Bassow empor, und leise ging er wieder zurück. Eine irmere Erregung war in ihm nach diesem Augenblick, die nicht wieder weichen wollte. Ein Instinkt sagte ihm, daß diese Frau die Fähigkeit besaß, Macht über ihn zu gewinnen, doch er sträubte sich zugleich gegen dies Gefühl und kehrte das Mißtrauen gleich einer Waffe gegen sie. Ein un- erhörtes, niedriges Verbrechen sollte sie geplant ltrtb begangen haben. Durch ihre Schuld sollte der Ermordete jetzt in seiner Gruft ruhen. Es trieb ihn zu der Totenkapelle hin, um sich in ihrem Anblick anzufüllen mit Empörung, und nach einiger Zeit fand er den Ort, wo das graE Gebäude unter beit abendschwarzen Tannen düster und feierlich dastand. Ein leises Duften und Leuchten der Blumen auf der Gruft kam durch die geschlossene Gittertür 51t ihm her gleich einer Mahnung, des Toten zu gedenken, gleich einer Warnung vor unbekannten, im Verborgenen schleichenden Mächten. Bassow hatte die Furcht noch nie gekannt. In harten Kämpfen eines arbeitsreichen Lebens war er gestählt worden gegen solches Gefühl. Aber die Mahnung verstand er, die der frühere Herr dieses Erdfleckes an den iteueit richtete, und seine Muskeln strafften sich in leidenschaftlicher Energie. Sich umwendend, hob er drohend seinen Arm und flüsterte in die dunkler niedersinkende^Dämmerung hinein: „Hüte dich vor mir, wenn du schuldig bist!" (Fortsetzung folgt.) Die Pest. Von Alfred Bratk. Mit lausend im Meere erlöschenden Flaminenstrahlen per-- sank die Sonne in den Wellen der Tardanellenbucht. Der Horizont schwebte wie ein glühender Streifen über den: wogenden! Wasser. Tie warme Luft war erfüllt von dem Dunst des Tages! und dem brandigen Geruch des Pulverrauchs!: von Morgen bis' Mend hatte der Geschützkampf ohne Unterbrechung getobt. Mm war die große Pause eingetreten, die Panse zwischen Tag und Nacht, in der die Kanonen das Sterben des Sonneuballs durch ehrfürchtiges Schweigen ehren. Ueber der türkischen Artilleriestellung und den dahinterliegenden bombensicheren Hütten zogen noch die letzten Pulverschwaden weißlich-grau zerflatternd in dem atembeklemmenden Hauch des anhebenden Tropenwindes dahin. Tie Atmosphäre zitterte noch von dem plötzlich verstummten Gebrüll der Kanonenrohre, und die fächelnd ermattende Glut tanzte! in ihr wie Wolken winziger Staubsünkchen. Ans dem hoben sandigen Wall, der — weit vorgeschoben — hügelartig die Stellung schützte, standen drei Offiziere. Sie blickten abwechselnd! durch das auf einem stählernen Stativ drehbar angebrachte Be- obachtnngsglas nach dem welligen, öden Rücken der erbarmungslos den Angriffen des" Wetters preisgegebenen Halbinsel, die Gallipoli heißt. Sandig und nnbewachsen streckte sich die ferne, gelbe Landzunge dem Meer entgegen, dessen tiefes Bl.au sich mit dunklen Schatten bedeckte, ans denen breite Schanmkämm'e weis; dahinstrichen. Ganz deutlich konnte man auf der trostlosen Handfläche zwei Zeltlager unterscheiden, auf denen die englische .urtb französische Fahne flatterten. Das waren die Truppen der Mliierten, die Dag um Tag vor der Tardanellenenge verbluteten. Und jetzk erblickte nttoit durch das Fernrohr einen dunklen Punkt, einen zweiten und dritten, die sich von der Hellen Masse der Lager lösten und eilig landeinwärts glitten: die englischen Autos, die allabendlich in der Kampfpause das Gefechtsfeld befahren, um ihre Toten einzuholen. Die drei Offiziere blickten lange durch das Glas. Keiner: sprach ein Wort. Tann wandten sie sich stumm ab und schritten, lwch immer schweigend, nach rückwärts der Hütte zu, die ihnen als Nachtlager diente. Das bescheidene Essen war verzehrt. In dein! Dunkel des Hüttenraumes, das durch eine Lkmp'e zu erhellen der Befehl des Kommandanten strenge untersagte, glommen die Pfeifen, Und mit dem scharfen Tabakrauch stiegen rote Funken zur niederen Decke. Die drei Offiziere saßen in der Hütte, rauchend und schweigend, — ein Hauptmann und zwei Leutnants. Ter Hauptmann war groß und breit, mit sehnigen, muskulösen Schultern, einem grauen Bart und grauem Haar an den Schläfen. Er hatte sich in mehreren Feldzügen geschlagen, zicketzt im Balkan- krieg, und trug drei Ehrenzeichen auf denr fleckigen, pulvergeschwärzten Waffenrock. Der Leutnant neben ihm, jung, knabenhaft, schien kaum mehr als zwanzig Jahre zu zählen. In seinen vorübergehend von oer Pfeifenglut gestreiften Augen schwamm feucht die Hitze der Kriegserrogung. Er war blutjung, barmherziger Gott, wie jung war er doch, dieser Knabe, — in allen seinen Ben-egungen, im Klang seiner Stimme, im Blitzen seines Blickes war das Brennen der Jugend, die just erst die Feuertaufe erhalten hat. Er war der Jüngste der Batterie, urrdi darum nannte man ihn „das Kind". Ter Hauptmann und das „Kind" waren Türken: beide aus der Konstantinopeler Bri-. gade. Ter andere Leutnant, der dritte Mann in der Htitte, war ein Deutscher. Ein zäher Bursche aus .Haut und Knochen, ein schweigsamer Mann mit stählernen Nerven und stählerner Stirn. Er hatte der Schutztruppe in Teutsch-Ostafrika angehört Und dort die Kämpfe gegen die Uebermacht der englischen Kolonialstreitkräfte mitgemacht. Und als die Kolonie der Seinen in Ehren fiel, war ex als Einziger der Gefangennahme entgangen. Wie er sich durchschlug, wie er durchkant . . . das ist eine andere Geschichte, die ein andermal berichtet werden soll. Uebrignes! sprach er selbst nur selten darüber, und wenn er es tat, so faßte er das ganze Menteuer in drei Sätze. Er war, beim! Teufel, nicht mehr gesprächig, der deutsche Leutnant aus Afrika. Zerfetzt, einen Araberburnus auf denr hageren Schädel, mit ausgepumpten Lungen und einer bösen Wunde an der Schrrlter — so war er irr Konstantinopel angekommen. Drei Wochen lag er in dem deutschen Lazarett anr goldenerr Horn und fluchte so höllisch in feinen Fieberphantasien, daß selbst dem guten alten deutschen Qazarettpfarrer angst und bange wurde. Mer der ciserrre Körper des Leuttrants bielt durch. Uird als er kaum wieder das Pflaster treten konnte, das Pflaster von Konstantinopel, zog er eine türkische Uniform an und meldete sich bei denr Kommandanten der Dardanellenforts zum Dienst. Rauchend saßen die drei Offiziere in der niederen Hütte, während der Gluthauch des Windes durch die Bretterwände ein- strömte und den dünnen Flugsand irr die Ritzen der Pfosten fegte. Und der gekräuselte Rauch und das friedliche Feuer ihrer Pfeifen begann .die beiden Türken gesprächig zu machen. In halblauten, anspruchslosen Sätzen erzählten sie von den Abenteuern des Krieges, durch die ihr Leben gegangen ivar. Und der Leutnant aus Afrika hörte schweigend zu. Ter Hauptmann sprach Von den Balkankriegen, von Tagen, die der Pulverdampf der Geschütze verdunkelt hatte, und von Nächten, die hell aufgeloht waren vom Widerschein brennender Ortschaften. Er sprach von der Seuche, die daurals die serbische Bevölkeruug scharenweise hingerafft hatte, von Typhus und Cholera, und er senkte umvillkürlich die Stimme, als er vlon de!mi grauenhaften Gespenst der Pest erzählte. Und da geschah etwas Merkwürdiges : als der Hauptmann das Wort „Pest" ausgesprochen hatte, richtete der schweigsame Leutnant sich mit einem jähen Ruck aus seiner versunkenen Stellung auf und brach in lautes Lachen aus Es war ein seltsames Lachen, Unbeherrscht, hart und sinnlos, ein trockenes, anhaltendes Lachen, das die kleine Hütte mit den Tönen unerklärlichen Grauens! erfüllte. Ter Hauptmäun brach mitten int Satz ab, und das „Kind" beugte sich neugierig und scheu zugleich über seinen qualmendem Pfeifenkopf. Eine quälende Pause entstand. Der Leutnant hatte zu lachen aufgehört. Er räusperte sich nur noch mehrmals, als müßte er einen Reiz im Halse hinunterwürgen, zündete sich eine Zigarette, an und begann in der Art eines Mannes, der sich, bewußt ist, eine Erklärung schuldig zu sein: „Tie Pest... jawohl... eine eigenartige Waffe, wie? Ein Geschütz der Hölle, gegen das es keine Mw ehr und keine Deckung gibt. Die Pest ist schuld daran, daß ich — vielleicht für Lebensdauer — den gesunden Schlaf verloren habe. Daß ich Nacht für Nacht auffahre im Fieber, Schweiß und Atemnot. Der Pest verdanke ich, daß ich die blödsinnigste Nacht erlebt habe, die ein Mensch überhaupt durchleben kann..." Er hielt einen Augenblick inne. und blies den Rauch seiner Zigarette in dichten Wolken vor sich hin. Dann fuhr er fort: „Es war in Afrika, in der Zeit, da ich vergeblich gejagt wurde. Ich strich bei Nacht durch Gebüsch und Pflanzungen, jeden Augenblick gewärtig, einer englischen Patrouille in die Gewehre zu laufen. Bei Tag verbarg ich mich in verlassenen Gehöften oder! im Buschwerk. Zwei Wvchen war ich bereits umhcrgeirrt, meine Füße waren aufgesprungen und verschwollen, meine Hände entzündet, mein Kopf brannte wie zischendes Eisen. Na ja, mit einem Wort, ich war auf dem Punkt angelangt, wo einem alles vollkommen gleichgültig wird. Ich wünschte fast ein Ende herbei, so oder so. Wahrhaftig, es war eine interessante Zeit... An jenem Tage 'hatte ich mich in einer kleinen Eingeborenensiedlung verborgen gehalten. Und dort hörte ich zum ersten Male das Wort „Pest". In des Wortes wahrster Bedeutung ... bei Gott. Ich erfuhr also, daß in der Gegend mehrere Pestfälle vorge-' kommen waren, unter den Eingeborenen, und die Art. in der die Krankheitsfälle mir geschildert wurden, ließ nichts an Ausführlichkeit zu wünschen übrig. Als ich mich bei Einbruch der Nacht davonmachte, tönte mir noch die Warnung in den Ohren, kein verlassenes Gehöft zu betreten, weil die — Pest darin hausen könnte. Ich habe kein Talent zum Erzählen. Nur soviel: die Nacht, in die ich hinausritt, war fürchterlich — in jeder Beziehung. Ein Orkan peitschte das 'Buschwerk mit strömenden Regen. Es nurr so finster, daß ich 'die Hand vor den Augen nicht zu erblicken vermochte. Dabei raschelte, 'zischte und rumorte es überall in der verrückt gewordenen Wildnis.' Als seien die bösen Geister sämtlicher Schauergeschichten lebendig geworden.' Ich mochte mich so drei Stunden vorwärts gekämpft haben, als ich Geräusche vernahm, die mich nicht im Zweifel darüber ließen, daß diese Höllennacht'mir zu allem Ueberflnß eine englische Streif- truppe entgegenspie. Und bald sah ich den Schein von Fackeln, und ich erkannte, wo ich< mich befand. Ich hotte eine Lichtung erreicht. Der Boden war nicht zu sehen, denn er schwamm von schmutzigem Reg nwnsser. Knapp vor mir stand e ne kl ine Blockhütte, mit windschiefem, vornüberhängendem Dach. Unwillkürlich machte ich einen Schritt auf die Brettertüre zu, als die Erinnerung der Pestgefahr mich durchzuckte, von der die Eingeborenen gesprochen hatten. Mer in diesem Augenblick drangen die euglischen Soldaten, es mochten fünfunzwanzig Mann sein, durch das Strauchwerk auf die Lichtung. Es 'blieb mir keine Wahl. Ich trat dnrch oie angelehnte Türe, die 'ich sorgfältig hinter mir zuschloß. Das Blockhaus bestand aus einem einzigen Raum. Wenigstens glaubte ich dies feststellen zu können, als ich in der Dunkelheit die Wände entlang tappte. Es zog und wehte fürchterlich durch das schadhafte Dach. Ich bewegte mich vorsichtig weiter und stieß an etwas Hartes, das ich bald als ein Feldbett erkannte. Ohne Ueber- legung sank ich auf das Lager nteder. Ich hörte draußen die, Stinimeu der Engländer, abgerissen durch den Sturm. Jeden Augenblick war ich darauf gefaßt, daß die Türe sich öffnen und die vor- dem Unwetter schutzsuchenden Tommies geradenwegs zn mir hereinlassen würde. Aber nichts dergleichen geschah. Die Englcütder blieben vor dem Hause, unter dem breit überhängendcm Dachstück. Wahrscheinlich hielt die Angst, das Blockhaus verseucht zu finden, mir die Fünfundzwanzig vom Leibe. Und ich mußte, innerlich darüber lachen, während tun der Schlaf mit dumpfer Lähmung das Bewußtsein nahm ..... Ich weiß nicht, wie es kaut, wahrscheinlich hatte ich den Gedanken an die Pest in den Schlaf hinübergenonlmen. Ich weiß nur, daß ich von schwarzen Gesichtern und aufgedunsenen Lippen träumte und schließlich schweißgebadet auffuhr. Und da, während ich mich noch halb bewußtlos aufrichtete, — stieß 'ich den Körper eines Menschen. Und . . v und . . . dieser Körper war regungslos, tot! . . . Ich sagte schon, daß ich fein Erzähler bin, und lvenn ich das Folgende aufschreiben sollte, würde ich wohl kein geeignetes Wort dafür finden. Ich weiß nur, daß ich mit einem Satz aufsprang, von Kopf zu Fuß ein einziger Gedanke: die Pest! Der Mensch, der tot ans dem Feldbett lag, mußte ein Opstr der furchtbaren Krankheit sein! Ich stürzte zur Türe, im Begriff, den Riegel zuriickzustoßen, da hörte tch die Stimmen der Engländer, die vor dem Hause lagerten. Ich war eingeschlossen, wie eine Ratte in der Falle. Ich suchte meine Gedanken zn sammeln, und sagte mir, daß der Mann auf Idem Feldbett ja auch eines anderen Todes gestorben sein könne. Ich bewegte mich vorsichtig zu dem Lagler zurück und griff nach der letzten Streichholzschachtel, die ich in der Tasche hatte. Aber der Sturm, der durch die Balken fegte, löschte jedes Licht aus, bevor es noch richtig entflammt war. Schließlich als ich/ das letzte Streichholz in ben Fingern hielt, erwartete ich eine Pause zwischen den Windstößen. Und dann flackerte das Holz auf,' nur eine Sekunde, bamt erlosch es. Aber was ich gesehen hatte, ge,rügte, um mich zurücktaunreln zn lassen. Auf dern Feldbett lag ein Mann, den Körper bis znM Halse durch eine Pferdedecke verborgen. Aber der Kopf war frei, und das Gesicht ... In dem kurzen Flackern des-Streichholzes hatte ich dieses Gesicht gesehen: schwarz, vollkommen schwarz, mit aufgedunsenen Lippen. Das war die Pest, die Pest in leibhaftiger Gestalt! ... ' Tie Stunden, die nun folgten, die Stunden bis zum Morgen, vermag ich airch nicht andeutungsweise zu schildern. Ich entsinne mich nur, daß ich mich an die Türe lehnte, drinnen hinter mir den Pesttoten auf dem Lager, draußen vor mir die sünfun zwanzig feindlichen Soldaten. Und inein Revolver war schon lange leer. Bei Morgenanbrnch war das Unwetter vorbei. Ich hörte, wie die Engländer aufbrachen, und als ihre Schritte verhallt waren, öffnete ich die Tür und trat ins Freie. Die Luft war durchsichtig klar. Langsam, blendend, stieg die Sonne hinter dem Saum des Buschwerks empor. Und da. mitten in dieser friedlichen, reingebadeten Natur, wurden meine Gedanken seltsam scharf und ruhig. Ich sagte mir, daß ich. wenn der Mann in den: Blockhaus wirklich an Pest gestorben ist, doch rettungslos verloren sei. Und darum ging ich noch einmal in das Blockhaus zurück, um das Nachtgespcnst bei Tageslicht anzusehen." Der Leutnant machte eine kurze Pause. Dann sagte er, trocken und abgehackt: „Und wißt Ihr, was ich sah? Auf dem Feldbett lag die Gestalt eines Toten, jawohl, und sein Gesicht war schwarz, 'und seine Lippen waren dick und aufgedunsen. Aber es war ein Reger. Ein gesunder'Neger, sozusagen, der wohl bei einem Ge- sochK in der Gegend eine verirrte Kugel abbekommen hatte. -* Und man hatte ihn wohl ausgefunden und zum Sterben in das Blockhaus getragen/ Als ich die Decke zurückschlug, erblickte ich auf seiner linken Brust die tätliche Schußwunde. Und da, bevor ich wieder ins Freie trat, mußte ich mich an dein Türpfosten festhalten. Denn ein Lachen schüttelte mich, ein wildes, unbegreifliches Lachen, das mir wie Fieber aus dem Körper drang . . —- Der Leutnant warf den verglimmten Zigarettenstnmmel fort, erhob sich und stieß die Türe der niederen Hütte auf, so daß der heiße Wind mit Sand und Salzluft hereinströmte. Und schweigsam blickten der Hauptmann, der Leutnant und das „Kind" in die Dardanellenschlacht, durch deren tropisches Blau die Leuchtkugeln von den türkischen Stellungen nach Gallipoki flogen> wie Kometen in einem verzauberten Lande. Nerm'rschtss. * Ein E n o ch A r d e n des Weltkrieges. Die be kannte Dichtung des Engländers Tennyson, die von dein romantisch traurigen Schicksal des Seefahrers Enoch Arden erzählt, der auf einer Reise verscholl, daheim totgesagt umvbe und bei seiner Rückkehr seine Frau mit einem andern Mann verheiratet fand, ist im Weltkrieg in modernster Fassung zur Wirklichkeit wieder auferstanden. Gin solches modernes Enoch Arden-Schicksal, das einem englischen Soldaten widerjnhr, erzählt ein Mitarbeiter der „D a i l y Mail*. Es ist romantisch, ergreifend und wahrscheinlich auch häufig genug, um eine Wiedergabe zu verdienen. „Es war int Zuge von London zum Kanal", schreibt der Berichterstalter, „wo ich einem jener Männer begegnete, deren Schicksal dem des berühmten Enoch Arden gleicht. Er fiel mir auf, weil er so regungslos und still in seiner graugrünen Uniform dasaß, als wäre er eine seelenlose Puppe. Ein Reisender bot ihm Obst au, aber der einsame Soldat rührte sich nicht. Ein anderer sprach ihn mit einem Scherzwort an, aber der einsame Soldat erwiderte nichts. Ich füllte meine Pfeife und reichte sie schweigend dem Manne. „Danke", sagte er mit rauher Stimme, „das ist die einzige Mahlzeit, die ich noch genießen kann." Wieder saßen wir wortlos eine ganze Weile. Äußer uns war niemand in dem Abteil. Und plötzlich Hörle ich beit schweigsamen Soldaten zu mir sprechen. »Ich muß reden/ sagte er langsam und schwer, „sonst breche ich zusammen." Und daun errählte er: Er war ein gedienter Mann, Reservist, und wurde bei Kriegsbeginn in den aktiven Dienst geholt. Mit der ersten Erpeditionsarmee ging er nach Frankreich und kämpfte in der Schlacht bei Mons. Er hatte seine Frau und zwei kleine Kinder daheim zurückgelassen. Er wurde mehrmals verwundet und schließlich gefangen genommen. Nach langer Gefangenschaft, nachdem er endlich geheilt worden war, wurde er als dauernd dienstunfähig fretgelassen und wirf) England zurückgeschickt. Infolge eines Irrtums war sein Name in den britischen 'Verlustlisten mit der inhaltreichen Bezeichnung „vermißt" veröffentlicht worden. Ueber Holland kam er mit einem Transport an die Küste. „Wir kreuzten den Kanal bei stürmischem Wetter; aber ich wußte nichts von Wind und Wellen, ich dachte mir an das Wiedersehen, an Frau mib Kinder. In London mußte ich in einem Spital übernachten. Ich ging nicht aufs Telegraphenamt, denn ich wollte meine Frau überraschen. Endlich kam ich im abendlichen Dunkel in meiner kleinen Heimatstadt an. Ich fühlte mich unsicher ans ben Füßen und meine Hand zitterte, als ich die Tür meines Häuschens aufklinkte. Ich ging geradenwegs in die Küche." Hier schwieg der einsame Soldat und senkte den Kopf. Eine Minute lang blieb er stumm, und ivir saßen regungslos einander gegen- ft wahrend der Zug ratternd und klirrend dahiueille. Als der Soldat wieder aufblickte, waren seine Augen trocken, aber starr und hart wie Stein. „Herr." rief er ans, meine Iran, meine M"Hb.ymte wahrend meiner Abwesenheit geheiratet! Sie hielt 'Ulch Nw tot, sie murrte mich für tot hatten. Allein mit den Kindern um? der Wirtschaft, m der festen Ueberzeuguna, ich sei nicht mehr, ohne Halt, ohne männliche Stütze, fast ohne Mittel - wie sollte sie nicht heiraten ? Sie l't za noch so jung, und Jugend hilft sich weiter. hatte einen Zungen Mann kennen gelernt, sie hatten einander gefallen und geheiratet. Als ich emtrat, staiid er neben hr in der Küche. Ich tadle sie nicht/ fügte er heiser hinzu, „eine unge Frau mit Kindern ist ohue Mann ein armes Dmg. Ich e ""ch ihn nicht. Nach Beider Meinung war ich tot." Eine Pause, Dann fragte ich: „Was taten Sie'?" „Nichts," erwiderte er. „Was foimte ich tun? Ich eilte davon, ivie ich gekoiiimen war. Und nie ch'erde ich die Frau, die Kinder Wiedersehen. Ich fertig mit mir und der Welt . . / Vüchertksch -Sammlung v o n S ch r i i t e n zur Zeitgeschichte: 14. Band: Emil Ludwig, Die Fahrten bev Soeben u" d der Breslau. (2. Fischet, Verlag, Berlin.) Gebunden ^ Mark. — Emil Ludwig hatte au Ort und Stelle Gelegenheit, "ber diese berühmte, schon von Legenden umwobene Angustfahrt ' unserer Schisse und über alles Politische und Militärische, was sich daran schließt, wichtige und interessante.^Ausschlüsse zu erfahren. Er hat in seinem Buche diesen Teil der Kriegsgeschichte zum ersten Mal im Zusammenhang erzählt. - Wiking-Bücher: Bd. 13: K. H. Strobl, M adame i cm» 11 rt. (Verlag der Wiking-Bücher, Leipzig.) In Leinen «r . "“T 2" dem Buche des österreichischen Verfassers rvird die österreichische Landschasl geschildert, die sonneuflimmerude Küste von Abbazzia, die verträumte Schönheit Niederösterreichs, die wetteu verschneiten Hochflächen und schweigenden Wälder zur Winterzeitl Und hineingestellt in diese Landschaft, zugleich Fon- trastierend und doch seltsam mit ihr verwandt ein Weib — Wedekinds ßulit, aber angetan mit dem Geist der sportlich gestählten Anmut der „großen Dame". Um sie wirbelt ein bunter JU-etS österreichischer Typen. Das Buch ist auf alle Fälle sehr unterhaltsam. — Dein tsch e Hochs ch ulzeiN: ng. Sv betitelt sich nunmehr ein in der akademischen Welt bereits wohlbekanntes und gnt- eingeführtes' Wochenblatt, die bisherigen „D ents ch e n Ho ch - schulstimmen aus der O st m a r k", die sich nach siebenjährigem Bestände aus kleinen Anfängen zu ihrer jetzigen Stellung empovgearbeitet haben und seit dem 1. Oktober v. Js. von: „Deutsch-akademischen Berlage", G.in. b. H., Wien, herausgegeben werden. Den ZMünfen Rochnimg tragend, bringt diese akadeniische Wochenschrift ihr seit jeher vertretenes Programm mmmehr auch in ihrem Namen zum Ausdrucke. In dem uns vorliegenden ersten (Tioppel-) Hefte wird die Tatsache, daß die „Deutsche Hochschulzeirung" als erstes akademisches Organ den Aufstieg zu einer allgemeinen, in ihren: Bestände gesicherten Hochschulzeitung bewerkstelligt hat, in einem historischen Aufsätze behandelt, unter eingehender Berücksichtigung der älteren akademischen Presse. Dr. O. Hegemann untersucht in „Staat und Volk" das Verhältnis, in dem diese ausschlaggebenden Elemente der Gegenwart zu einander stehen und ob man wirklich von einem Verblassen des National ged a n ke ns, von einem Zurück- treten hinter den modernen Staatsaedanken sprechen könne.. Entgegen den von Rektor Dr. Menzel in seiner Wiener In- augurationsrede geäußerten Ansichten kommt er zum Schlüsse, daß von einem Abflauen des Wokksgedan7ens gar keine Rede sein kann, daß vielmehr nun erst recht das tragende Staatsoolk der modernen Mächte seinen Nationalismus pflegen und als wohl- berechtigte geistige Macht in die Wadschale der Entscheidungen werfen muß und wird. Vom sonstigen Inhalt des reich rund geschmackvoll ausgestatteten .Heftes erwähnen wir nur noch dichterische Beiträge von Mols Karl Seidl, Landsturmkadett, zahlreiche Mitteilungen von Tagesinteresse in den Spalten „Bon deutschen Hochschulen" (Allgemeines, Hochschulnachrichten, Wissenschaftliche Nachrichten, Personalnachrichten), „Von fremden Hochschulen", „Aus der Studentenschaft", „Sport und Körperpflege", „Akademische Standesfragen", „Akademische Kulturarbeit", „Umschau", „Schrifttum" (Zeitschriften) und „Kunst". — Der Bezugspreis dieser reichhaltigen .Hefte beträgt halbjährlich nur 6 Kronen (Mark). Probehefte unberechnet vom „Deutsch akademischen Verlage", Wien V., Wehvgasse 27. Skat-Ausgabe. Mittelhand tourniert auf folgende Karten: V*- * * M 0- o Kann daS Spiel verloren gehen, wenn Mittelhand Treff-Aß wendet und außerdem ein zweites Aß im Skat findet? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der 'Charade in voriger Nummer: Waldteufel. SchrlftleUung: Aug. Goeg. - Rotationsdruck und «erlaü der Brühl'ichcn UnwersitälS-Buch. und Steiuvruckcrei. R. Lange, Gießen.