Am toten See. Nomon öoit NobertKohlraus ch. (Nac^rruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Staatsanwalt begann sogleich die Erfüllung seiner amtlichen Pflicht, indem er sagte: „Gnädigste Baronin wer- den verzeihen, wenn ich nur mit kurzen Worten meine Teilnahme ari dem traurigen und bisher unaufgeklärten Vorfall ausspreche, der mich hierher geführt hat. Möglichste Eile ist immer geboten, wenn sich's unr Ergreifung eines Verbrechers handelt. Ich darf daher wohl bitten, mich sogleich in den Raum zu führen, wo die Sache sich abgespielt hat." „Gewiß." Ohne Zögern ging die Baro'nin voran über den Korridor und öffnete mit einem Schlüssel, den sie bei sich führte, die Tür zu dem ehemaligen Arbeitszimmer des Toten. Mit raschem, geübtem Blick überflog der Staatsanwalt nach allen Richtungen hin den Raum, um an der starren Gestalt auf dem Diwan haften zu bleiben. „Hat man den Toten in dieser Stellung aufgefunden?" „Nein, er lag in dem Sessel vor seinem Schreibtisch. Weil ich Hilfe zunächst noch für möglich hielt, ließ ich ihn dorthin tragen, um dem Körper eine bequemere Lage zu geben." Mißbilligend und ungeduldig bewegte der Staatsanwalt seinen hintenübergebogenen Kopf hin und her, wobei er, jedoch laut genug, um auch von der Baronin verstanden zu werden, vor sich hinmnrmelte: „Daß in solchen Fällen auch immer wieder dieselben Dummheiten gemacht werden!" Er fügte sodann lauter hinzu: „Nun, jedenfalls lverden Sie und oie anderen Zeugen mit Genauigkeit an geben können, in welcher Lage man den Körper gefunden hat." „Gewiß." Mi (..einem Ausdruck von kaltem Stolze blickte die Baronin auf das Gesicht hinab, das auch zu ihr beim Sprechen emporschauen mußte. Herr von Sieglitz besichtigte nun sehr sorgfältig in Gemeinschaft mit dem Arzte die Spuren des Verbrechens am Halse des Toten, die verzerrten Züge des Gesichts, aus dessen stummen Lippen auch jetzt noch'ein vergeblicher Hilferuf zu schweben schien, den Anzug des Ermordeten, dessen Taschen fast völlig ausgeleert waren. Er ließ, während Referendar Widutind sich dije nötigen Bemerkungen für Aufnahme des Protokolls notierte, alle fehlenden Gegenstände, solveit sie bekannt waren, vorläufig aufzählen und sagte dann: „Herr Kreisphysikus, ich Mächte Sie nun bitten, die Sektion so rasch als möglich vorzunehmen." „Die Sektion?" Es war die Baronin, die mit einem Tone des Abscheus oder des Erschreckens die Frage tat. Erstaunt sah der Staatsanwalt sie an. „Allerdings. Haben Sie etwas dagegen einzuwenden?" ,/Jch — es ist mir zuwider. Und er, — ich weiß, daß er den Wunsch hatte, nach seinem Tode nicht seziert zu werden." „Ich bedauere, unter diesen Umständen ans den Wunsch des Verstorbenen keine Rücksicht nehmen zu können. Ich handle nach strengster Vorschrift. Ist ein Raum in der Nähe, in dem die Sektion vorgenommen werden kann?" Mit ans die Unterlippe gebissenen Zähnen stand ihm die Baronin schweigend gegenüber. Sie schien entschlossen, ihm keine Antwort zu geben. An ihrer Stelle nahm der Arzt in beschwichtigenden! Tone das Wort: „Ich möchte für diese leider unvermeidliche Vornahme das nebenan gelegene Schlafzimmer des Barons Vorschlägen. Ich kenne den Raum als geeignet. Und Sie, liebe Baronin, darf ich wohl bitten, ein paar Männer von Ihrem Dienstpersonal zur Hilfeleistung zu bestimmen." Es war, als wenn ihre hart gewordenen Züge anf- tauten unter seinen freundlichen Worten. Sie bewegte den Kopf nach ihm und sagte: „Wenn Sie es für nötig halten und wünschen, gewiß." Damit ging sie selbst nach der Tür und rief durch den Ton der elektrischen Glocke den Diener herbei, der kurz darauf in Begleitung des Kutschers wieder hereinkam. Sie schoben den Diwan, der aus Rollen lief, durch die weitgeöffnete Tür in das Nebenzimmer. Ein dumpfes Geräusch, ein Wiederschließen der Türen, und verschwunden war das Opfer des Todes aus dem Zimmer, das es mit seinem Schrecken erfüllt hatte. Zu dem Kreis- physikus, der dem Diener folgte, sagte der Staatsanwalt noch: „Mit bem Herrn Referendar komme ich nachher bin- über, um das Ergebnis der Sektion zu hören und das Protokoll darüber aufzunehmen. Vorläufig haben wir hier noch zu tun." Und er fügte, sich au den Referendar Wü>u- kind wendend, hinzu: „Setzen Sie sich dorthin, Herr Kollege, um zunächst hier zu protokollieren. Nein, nicht an den Schreibtisch: er muß unberührt bleiben. Aber am Fenster steht noch ein Tisch. Das Tintenfaß können Sie dort hin- übernehnren. „Auch Sie bitte ich, sich zu setzen, Frau Baronin." „Ich stehe lieber." Ein kurzer, halb erstaunter, halb mißtrauischer Blick des Staatsanwalts war die Antwort aus ihre Worte. Dann schob er stumm einen Sessel für sich zurecht, in dem er sich niederließ. „Ich schreite nun zu der eigentlichen Zengenverneh.- mung. Sie, Frau Baronin, werde ich zunächst unbeeidigt vernehmen, doch muß ich Sie darauf Hinweisen, daß Ihre nachträgliche Beeidigung jederzeit beschlossen werden kann." Sie beugte den Kopf nur ein wenig znm Zeichen des Verständnisses, und nun begann die vorgeschriebene Feststellung der Personalien. Auf die Fraae nach ihrem Mädchennamen antwortete die Baronin, daß er Holstedt ge- lautet habe. „von Holstedt?" „Nein, — bürgerlich. Karoliue Mathilde Holstedt." Die Fragen nach Eltern und Geburtsort folgten i—* die Baronin war in Danzig geboren worden — und nun fragte Herr v'. Sieglitz: „Haben Sie bis' zur Ihrer Verheiratung immer in Danzig gelebt?" „O nein. Von dort bin ich schon mit achtzehn Jahren fortgegangen. Ich war in Posen, Dresden, Berlin, Wien, Budapest —" „An so vielen, verschiedenen Orten? Wie erklärt sich! das?" „Ich war Künstlerin." „Künstlerin?" „Ja, Sängerin." „Konzertsängerin jedenfalls?" „Nein, beim Theater." „Ah!" Tie helle Stimme des Staatsanwalts wurde vor Ueberraschun^noch heller und schärfer, und von diesem Augenblick an veränderte sich fast unmerklich der Ton seiner Fragen. Er wurde ein klein wenig herablassender und ein klein wenig vertraulicher. Dem feinen Ohr der Baronin aber entging diese Veränderung nicht, und sie stellte ihr eine wachsende Kälte gegenüber. Das fortschreitende Verhör bezog sich auf den Zustand, in dem Körper und Zimmer des Toten gefunden worden waren, doch wußte die Baronin ihren früheren Angaben etwas Neues in dieser Hinsicht nicht binzuzufügen. Die nachweislich fehlenden Gegenstände wurden im Protokoll verzeichnet, die durch den umgeworsenen Stuhl, die verschobene Decke unter dem Schreibtisch, die auf dessen Platte liegenden Briese bezeugte Unordnung im Zimmer genau vermerkt. Um diese Papiere zu betrachten, hatte der Staatsanwalt sich erhoben und war an beit Schreibtisch herangetreten. „Hat der Verstorbene diese Briefe selbst noch hierhergelegt?" „Nein. Er war drei Tage verreist, und sie sind in seiner Abwesenheit eingelaufen." „Sie sind, wie ich sehe, zum Teil noch verschlossen, zum Teil erbrochen. Wie erklärt sich das?" „Tie unerbrochenen sind Geschäftsbriefe, die an meinen Mann adressiert waren und bis zu seiner Heimkehr liegen zu bleiben pflegten. Die beiden offenen waren an mich gerichtet, und ich hatte sie nur meinem Manne zur Einsicht hierher ge legt." x „Sie selbst persönlich?" „Ja, gestern abend." „Um welche Zeit?" „Um neun Uhr unaefähr." „Damals also war der Baron sicher noch nicht zurückgekehrt?" „Nein, sicher nicht." „Sie waren bei Licht hier im Zirnmer?" „Ich habe das elektrische Licht angedreht, es war tageshell." „Waren die Fenster verschlossen?" „Nein, die Tür zum Park und beide Fenster waren offen, — der Abend war ja sehr warm. Ich habe sie dann selbst geschlossen und überall die Läden vorgelegt, weil ein Gewitter am Himmel stand. Auch die Tür zum Korridor habe ich abgeschlossen. Mein Mann hatte, wenn er unvermutet heimkam, zu beiden Türen den Schlüssel." „Sonst niemand?" „Außer mir niemand. Es ist ganz unmöglich, daß nack meinem Hiersein und vor meines Mannes Ankunft irgend wer noch dieses Zimmer betreten hat." „Aber der Mörder könnte sich vorher durch die offen, Tür vom Park her eingeschlichen und irgendwo versteck haben. Waren Sie nebenan im Schlafzimmer?" „Nein, das nicht." Er schwieg nachsinnend einen Augenblick; die Brief, aus dem Tisch fesselten aufs neue seine Aufmerksamkeit. „-sie sagen, daß diese Papiere hier anders liegen alt gestern." „Ja, zweifellos. Mein Mann war von großer Orb nungsliebe. Ich selbst bin es von Haus aus nicht in gleiche: ^^rse, habe mich aber nach ihm gewöhnt. Ich hatte darun Papiere wohlgeordnet hier auf die rechte Seit, des Tisches gelegt und sie mit dem goldenen Falzbein beschwert, das ja zu den fehlenden Gegenständen gehört." , ^./'?lber es wäre doch möglich, daß Ihr Herr Gemah selbst beim Nachhausekommen die Briefe durchgesehen hatte/ Sie hob die Schultern und verzögerte die Antwort einer Augenblick um dann zu sagen: „In diesem Falle wären doch auch wohl die Geschäftsbriefe an ihn selbst erbrochen." „Das ist richtig." Mit vorsichtigen Fingern, um ihre Lage so wenig als möglich zu ändern, blätterte der Staatsanwalt in beit Papieren. „Unter den offen daliegenden Sachen hier ist auch ein Plan, eine Zeichnung. Was bedeutet sie?" „Dieser Plan befand sich bei dem einen der an mich gerichteten Briefe. Wir hatten hier vor zwei Monaten einen heftigen Sturm, der außer vielen Bäumen bei uns und auf dem Nachbargute Lünzin auch einen Pavillon hinten im Parke zerstörte.. Mein Wunsch war es, ihn wiederhergestellt zu sehen; ich beauftragte daher gleich damals einen Architekten in Berlin, mir eine Zeichnung für einen neuen Pavillon zu liefern. Die Sache hat sich hinausgezögert. Wenn die Ausführung des Planes nun für mich auch keinen Zweck mehr hatte, so wollte ich meinen Mann doch von dem Eingang der Zeichnung in Kenntnis setzen." „Keinen Zweck — wieso?" Sie tat einen tiefen Atemzug, bevor sie sprach, sonst aber veränderte sich nichts an ihrer Haltung. „Weil wir die Absicht hatten, uns voneinanoer scheiden zn lassen." Referendar Widukind warf einen bewundernden Blick zu der Frau hinüber, die so ruhig und stolz von solches Dingen sprach; er hätte gern als Anmerkung ins Protokoll geschrieben: „Ein königliches Weib!" Der Staatsanwalt aber ließ ein zweites „Ah" der Ueberraschung hören, so hell und grell, daß es beinahe wie ein Krähen klang'. „Sie standen vor der Scheidung? Das war' mir unbekannt." „Wir hatten auch bisher nur persönlich und mit unseren fceiberfeitigeit Rechtsbeiständen darüber verhandelt. Einer der beiden Briefe, die dort geöffnet liegen, bezieht sich darauf." Nachdenklich^zerrte der Staatsanwalt an dem ihn: gebliebenen Reste seines zur Hülste abgeschlagenen rechten Ohres. „Garchim ist Majorat, soviel ich weiß?" „Ja, Majorat." „Sind Kinder aus Ihrer Ehe vorhanden?" „Nein." „Wissen Sie, ob ein Testament Ihres verstorbenen Gemahls vorhanden ist?" „Was hat diese Frage mit meines Mannes Tode zu tun?" „Ich muß bitten, es mir zu überlassen, welche Fragen ich für nötig halte." „Fragen Sie." „Ich warte noch auf eine Antwort." „Es ist ein Testament meines Mannes vorhanden; vor drei Jahren, bald nach unserer Verheiratung ist es aufgesetzt worden. Das Majorat fällt selbstverständlich an den nächsten männlichen Verwandten meines Mannes, einen Vetter von ihm, der jetzt in der Nähe von Breslau sein Gut hat. Mir ist eine sehr ansehnliche Jahresrente ausgesetzt, außerdem die Berechtigung zugesprochen worden, ein halbes Jahr nach dem etwaigen Tode meines Mannes noch hier auf Garchim wohnen zu bleiben." „So, — und Baron Bassow hat jetzt, wo Sie doch vor der Scheidung standen, nicht etwa die Absicht gehabt, ein anderes Testament zu machen?" Sie preßte die Lippen fest aufeinander, und ein dunkles, zorniges Blitzen kam aus ihren Augen. Aber sie beherrschte die Stimme auch jetzt. „So viel ich weiß, hat er das beabsichtigt; er hat Aeußerungen darüber getan. Aber zur Ausführung ist sein Plan bisher wohl kaum gekommen." (Fortsetzung folgt.) Rückblicke auf dar Veltkriegrjahr J9|5. XII. Allgemeine Weltlage, Verhalten und Stimmungen der Neutralen, innere Vorgänge in den kriegführenden Ländern. 1. Stand a nr I a h r e s b e g i n n. Rückschauend kann man unumwunden zngeben, daß, zur Zeit der vorigen Jahreswende die allgemeine Weltlage gegenüber dem Zustande bei Kriegsausbruch für uns nicht günstiger geworden war. Es war uns noch nicht gelungen, die Flut von Verleumdungen, mit welcher unsere Gegner die ganze Welt überschwemmt hatten, wesentlich einzndämmen. Amchi die Kriegslage lvar noch ungeklärt. Unseren unbestreitbare): Erfolgen im Westen gegenüber stand die Bedrängnis unseres treuen österreichischen Bundesgenossen. Der Wert unserer neuen Bundesgenossenschast in der Türkei war noch durchaus nicht in volles Umfange erkennbar geworden. Andererseits konnten unsere Feinde damals noch hoffen, von Japan weit wirksamere Hilfe zu erhalten, als sie ihnen zuteil geworden ist. Die Wahrscheinlichkeit, daß Italien auf ihre Seite treten werde, war schon recht groß. Bei den Neu- tralen war die Hinneigung des griechischen und rumänischen Volkes zu der: Entente-Mächten unverkennbar (dank deren Lügen- und Bestechungssystems), und es" mußte fraglich erscheinen, ob die weiterblickenden Regierungen dieser Länder stark genug sein wür- den, gegenüber dem Treiben der aufgehetzten Leidenschaften int eigenen Lande den Standpunkt der Vernunft aufrecht zu erhalten. Ueberwiegend waren die Sympathien unter denjenigen Staaten, welche eine an sich durchaus korrekte Neutralität beobachtetem für uns wohl nur in der Schweiz und in Schweden.' Aber auch da sogar kan: das Geschrei der welsch-schweizerischen Presse und die^ Rücksichtnahme Schwedens auf die russische Nachbarschaft wesentlich in Betracht. ■ Die Stimmung bei unseren Feinden war im allgemeinen wirklich zuversichtlich. England war unserer Auslandskreuzer, unbeschadet des unvergänglichen Ruhmes, den diese sich erworben hatten, Herr geworden, und den U-Booten gegenüber konnte man das wenigstens noch hoffen. Rußland pochte auf die Eroberung fast ganz Galiziens und konnte immer noch hoffen, durch den Truck ungeheuerer Massen die Uebeclegenheit der deutschen Heeresleitung einigermaßen auszugleichen. Bei den sanguinischen Franzosen war das lähmende Entsetzen, welches Regierung und Volk "n den ersten Septembertagen ergriffen hatte, als unsere Reiterei n den: Vorgelände von Paris umher schweifte, schnell gewichen, als ünser Vormarsch auf Paris unterblieb und sogar eine strategische Rückwärtsbewegung um einige Dutzend Kilometer durchgeführt wurde. Als dann sogar Anfang Dezember die nach Bordeaux geflüchtete Regierung wieder nach Paris zurückkehrte, schlug die vorher fast verzweifelte Stimmung, dem Volkscharakter entsprechend, schnell in ihr Gegenteil um. Sogar die Phrase von der „Aushungerung Deutschlands" fand noch immer Gläubige. > 2. Vorgänge im Ja h r e 1915. Glänzend im Vergleich hierzu ist unsere Lage ein Jahr später. Den schlauen Japanern ist es garnicht eingefallen, ihre Haltung! durch andere als ihre eigenen Interessen bestimmen zu lassen. Der verräterische Uebertritt Italiens in die Reihe unserer Feinde hat diesen keinen Nutzen gebracht. Hingegen ist unser Bündnis mit der Türkei zum Angelpunkt des ganzen Krieges geworden. Nur dadurch wurde ein weiteres Bündnis mit Bulgarien möglich. Und beides gab uns die Möglichkeit, England auf dem Landwege zu bedrohen, in einer Weise zu bedrohen, daß man sich dort keinerlei Mühe niehr gibt, die Größe der Gefahr vor dem eigenen Volke zu verbergen. Tft Fülle der Macht, die wir aber damit erlangten, ffob uns volle Sicherheit gegenüber den beiden noch neutral gebliebenen Balkanstaaten. Der erzwungene Rücktritt des Kriegshetzers Venizelos, die Entschlossenheit, mit welcher der griechische König die unbotmäßige Kammer auflöste, die Entwaffnung russischer Kriegsschiffe im rumänischen Donauhafen Kruja, die mit immer größerer Sicherheit auftretenden Gerüchte betreffs diplomatischer Uebereinkünfte zwischen Bulgarien einerseits und Griechenland sowie Rumänien anderseits sprechen eine nicht mehr mißzu- verstehende Sprache. Die innere Lage in den mit uns kriegführenden vier europäischen Großmächten ist trotz aller Ableugnungsversuche auf das schwerste erschüttert. In dem ganzen Verhalten Italiens kommt die Reue über das Geschehene iit deutlichster Form 'zum Ausdruck. Seine Unentschlossenheit im allgemeinen, und in der Dardanellenangelegenheit ini besonderen ist nicht anders zu erklären. 1 In England gab schon die Umformung des Ministeriums (25. Mail zu denken. Tie Ereignisse im Spätherbste aber, der Rücktritt Carsons und Churchills, sowie die Entsendung Kitcheners nach dem Orient (gleichviel ob Aegypten oder Indien) sind nicht mehr umzndeuten. Dabei kann es völlig nnerörtert bleiben, ob hierzu in höl.erem Grade innere Krisen oder die Furcht vor den kommenden Ereignissen im nahen Orient mitge.virkt haben. Auch in Indien geht unbedingt allerlei vor, was zwar nicht offiziell Und in vollen! Umfange bekannt wurde, zweifellos aber den leitenden Männern in England schwerste Sorge verursacht. Erst recht gibt in Frankreich die Ministerkrise zu denken; ohne schwerwiegende Gründe hat man den bösen Geist Frankreichs, Deleasse, sicher nicht kaltgestellt, wobei man freilich bedauern niuß, daß dieser Mann seiner Verantwortung für die Zukunft entlastet wurde. Und trotzdem genügte das noch nicht einmal: auch der Ministerpräsident mußte lveichen. In Rußland zeigte die Absetzung des Oberkommandiercnden, des Großfürstcu Nicolai Nicolajewitsch den Grad der inneren Zersetzung Deutlich genug; danach mußte acht Tage später (am 15. Septembers auch noch die Reichsduma vertagt werden, um nicht die Klagen des russischen Volkes vor aller Welt laut werdet: zu lassen. Trotzdem aber wäre cs vielleicht noch ganz anders gekommen, wenn nicht gerade in diesem kritischen Augenblicke der Druck unserer Heere - anderweitiger und wichtigerer Unternehmungen halber — Rußland gegenüber etwas nachgelassen hätte. Ohnehin konnten ernste Unruhen in Moskau nur durch Verhängung des Belagerungszustandes unterdrückt werden. Wie so ganz anders ist demgegenüber unsere innere Lage.' Mehr wie 25 Milliarden Mark hat das deutsche Volk'gerne und freudig, ja mit Begeisterung seiner Regierung zur Verfügung gestellt, während unsere Feinde die ganze Welt anborgen mußten. Unsere Kriegsbedürfnisse konnten wir bis zur letzten Gewehrpatrone selbst Herstellen, ohne, wie unsere Feinde, dem Auslande tributpflichtig zu werden. Der einzige dunkle Punkt in unfern inneren Verhältnissen, die Preissteigerung im allgemeinen und für Nahrungsmittel in: besonderen, lallte sich sofort auf, als die Regierung mit starker Hand eingriff (Mitte und Ende Oktober). Fast zur gleichen Zeit erfolgte der Durchbruch durch Serbien, der uns reiche Hilfsmiitel aus dem Osten zuführte. Damit war die von vornherein verlogene Phrase von der Aushungerung Deuts chla nds zur reinen Lächerlichkeit geworden. Tie Gesamtheit unserer Feinde aber bot gerade in dieser entscheidenden Ze:t ein Bild vollendeter Hilflosigkeit. Nicht einmal ein Versuch konnte gewagt werden, diese Entwickelung zu stören. Der ganze Jammer einer Koalition mit iveit auseinanderstreben- den Interessen trat klar zutage. Gewiß, groß und schwer sind die Opfer an Gut und namentlich an Blut, die wir bringen mußten; aber groß und herrlich ist auch, was wir erreicht haben. Unser und fast auch unserer Verbündeten Boden ist vom Feind-e frei, während wir selbst Landstriche beinahe in der Größe des Deutschen Reiches vom Feinde besetzt halten. Deren Verluste an Menschen sind aber selbst dann noch mehrfach so groß wie die nnsrigcn, wenn wir die Scharen der gefallenen Ganz- oder Halbwilden, die uns entgegengestellt wurden, abrechnen. Kitcheners Millionenheere sind Fabel geblieben; Rußlands angeblich unerschöpfticher Menscbenreichtum hat sich sehr wohl als erschöpfbar, ii: noch höherem Grade aber als nur teilweise verwendbar erwiesen. Die Folgen der furchtbaren Blutopfer des ohnehin so menschenarmen Frankreichs werden sich erst nach den: Kriege übersehen lassen. Das Zahlenverhältnis der verfügbaren Streitkräste ist für uns ganz ungleich günstiger geworden, als es zu Anfang des Krieges war. Erst recht günstiger geworden aber ist ftir uns die gesamte Lage durch die den Feinen abgenommenen Unterpfäude, durch Nufere technische und artilleristische Ueberkegenheit, unsere geschlossene Einheit, der eine ebenso große Zerfahrenheit im Lager der Feinde gegenübersteht, und nicht zum mindesten auch durch unsere moralischen Eroberungen. Diese Erkenntnis zeichnet uns deutlich unsere Pflicht vor: Durchhalten! Fast in jedem großen und lange dauernden Kriege tritt ein Zeitpunkt ein, wo auch den: Sieger durch die unvermeidlichen Opfer der klare Blick für die Höhe des Erreichten getrübt wird. Ein berühmtes Beispiel hierfür bietet ein Vorgang aus den Freiheitskriegen. Am 9. November 1813 — also 3 Wochen n a ch der Schlacht bei Leipzig — boten die in Frankfurt a. M. versammelten verbündeten Monarchen Napoleon den Frieden zu folgenden Bedingungen an: „Frankreich beschränkt sich auf seine natürlichen Grenzen, den Rhein ( !!), die Alpen und die Pyrenäen; in Holland kann weiterhin ein Napoleonide auf dem Throne bleiben." Was wäre wohl geschehen, wenn Napoleon dies wunderbare Angebot angenommen hätte? Sehr wahrscheinlich hätte dieser bald darauf abermals Krieg angefangeu und Deutschland erneut zu großen Blutopfern gezwungen, sowie ihm den größten Teil seines Sicgesprcises entwunden. So aber bedurfte es nur mehr der verhältnismäßig unbedeutenden Ansttenguugen des Jahres 1814, um einen wenigstens erträglichen Frieden zu erkämpfen. Zwar ist cs im allgemeinen nur sehr selten ratsam, Begleiche zwischen geschichtlichen Vorgängen verschiedener Zeiträume anzustellen: in diesem Falle erscheint ein solcher aber doch durchaus möglich und lehrreich, und dann kann die Lehre uns nur erneut auf die Pflicht, hin weisen: vurchhalten! vermischter. * Erweichung verhärteter Narben. Wie der Krie§ auf den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft zu erfreulichen Erfindungen augespornt hat, so hat auch die Erweichung großer, verhärteter, bindegewebiger Narben bedenkende Fortschritte gemacht nnd neuerdings zur Ausarbeitung von zwei Verfahren geführt, über die der bei Otto Spanier in Leipzig erscheinende „Prometheus* berichtet. Das erste Verfahren ist vorrviegend technischer Natur und besteht in der Heranziehung der Elektrizität in For»n gs- dänipfter Hochfreguenzströnie jjuv Erzielung eines starken lokalen Blittandranges. Die Narbenflachen werden mit der Pinselelektrode behandelt, dabei konnnen nur Spannungsströme zur Anwendung und zwar lediglich die feinsten Puschelendigungen, die der Plusek- elektrode entströnien. Funken werden nach Möglichkeit vermieden, da sie schmerzhaft sind und außerdem die Haut reizen. Das Per- sahreu luivft so schonend, daß nur ausuahnisweise eine Hautrötung austritt. Was die BehandliNigsdailer anbetrifft, so wechselt sie nach der Größe der zil erweichenden Narbe. Sehr hartnäckige Narben- ivucherungen verschwanden z. B. erst nach 40 Sitzungen von je 5 bis 10 Minuten Dauer. Schlägt das Verfahren an, so äußern sich die günstigen Einsiüsse bereits nach einigen Tagen. Unangenehm ist bei der Behandlung nur die starke Ozoncntwickelung. die man a audi beim RöntgenverfDhren hat und die vielleicht die Heilung noch offener Wunden ungünstig zu beeinflussen vermag. Dr. Ferd. Becker m Franifurl a. Rt, der das Verfahren zuerst anwendete, behandelte bisher 33 Verwundete damit; bei zivei Leuten blieb der Erfolg aus, vier mußten vor Abschluß der Behandlung entlassen werden. In oÜeii übrigen Fallen trat aber die geiviinschte Gavebs- erweichung ein und beschleunigte sich, ivo Massage und llebu.ngen uacbhalseu. Das ziveite, von deui Berliner Privatdozauen Dr. I. Frankel beschriebene Ben fahren besteht in der Eilispritzung eitles chemischen Mittels. nämlich von 5 bis 30 eem einer zweipivzeutlgeil Ehotinchloridloillng in die Nachbarschaft des z»l erivelchenden We» ivebes. Me Tierversuche betviesen, hat das Eholinchlorid eine so hochgradige gefäßerweiternde Eigenschaft, daß dadurch eine geradezu entzündungsartige Blulznfnhr zn dem Narbengeivebe angeregt ivird. Diese Blutzn?uhr. che durch Heißluftduschen noch verstärkt ivird, beivirkt mm durch die nilüösende Kraft deS Blutes eine Eriveichnng des harten geschrumvsteu Äewebes Auch dieses Verfahren wird llach Atögllchkeit durch Massage und Hebungen unlersiügt, besonders aber, iveuu es sich z. B. um Behebung von (ttelenkversteisuugeu handelt, durch abrveehselude Beuge- lurd Streckverbände. Das Verfahren u't schmerzlos und^wgefährlich. Nebenerscheinnngeit wurden außer mässigenl, schnell vorübergehendem Schivindelgefühl bei einigen Personen nicht beobachtet. Die Erfolge der Behandlung mit Eholinchlorid sind ausgezeichnet, alleiii 204 Handverstennngen ivnrden danilt behandelt lind günstig beciuflujjt. Leider ist das Verfahren vorläitsig lioch recht kostspielig,, imb so dürfte sich seine Amvendiing erst dann enipsehlen, rvenn jede andere BehaiidtiNig versagt hat. _ Büchertisch. — Gustav Pfarin ni aller: L u b w i g Wilhelin L lt ch s, Pfarrer und Ehromst von Wolfskehlen, ein Freund Friedrich HebbelS. H e s s l s ch e V o l k s b ü ch e r. Oerausgegeben von Wilhelm Diehl. Band 24. Friedberg 1915. 96 S. Brosch. 60, geb. 90 Pig. - Der vorliegende Band der Volksbücher führt uns ganz abseits von den großen Tagesereigiussen in die Stille des Torfes Wolfskehlen bei Groß-Gerau und schildert in den beide»! Trägern des dorngen Psarranits von »1795—1881 zivei originelle Persönlichkeiten. Der jüngere von beiden, Ludwig Wilhelm Luchs, Pfarrer vou 1844—81, ein gemütvoller, ivarmherziger Mensch, lernt ztisällig Friedrich Hebbel kennen und veranlaßt durch feine Versuche , auf diesen religiös emzunurkeu, interessante Briefe des Dichters, die liefe Blicke in dessen Weltauschauuugeu tun lassen. Der ältere, Johann Karl Gotilieb Lnnz, Pfarrer 1795 -1842, ist für Hesien noch wichtiger als Begründer der ersten hessischen Industrieschule. Seine Ansichten über den Plan und Betrieb solcher Schulen sind sehr gesund und praktisch und verdieueu der Vergessenheit entrissen zu werden. Auch heule noch können sie Anregungen geben. So müssen wir dem Verfasser für seine Mühe Dank ivlssen und wünschen dem Heftchen viele Leser. Deutscher Wille (Kn nst w a r 1). Z >v e i t e s D e z e m b e r h e i t. (Kriegsausgabe zum ernläßigten Preis. Vierteljährlich 3 Mk. Verlag vou Georg D. W. Eallwei), Ätüuchen.) Das Weihuachlsheft des „Kunstwarl" beschäftigt sich den Themen und der Stnninung nach vonviegend mit den Kindern. Der Leit- ailfsatz „Kinder" behandelt die Frage der Bevölkerungspolitik: Wie ist es möglich, die Kinderzahl unseres Volkes zn erhöhen? Alle Reizmittel von der Art der Mutterschaft Prämien werden abgelehnt. Es gilt vielmehr, den Familien Lebensrauni zn schaffen, dann werden auch Kinder da sein. Daher Wohnungs' und Bodenreform, soziale Lohnpolitik us,v. Don dem verstorbenen Jugendrichter I- F. Landsberg enthält das He't einen tief ergreifenden Aufsatz über Fürsorgeerziehung. Landsberg schildert an Bei vielen den erzieherischen Wert der Knnstpflege in der Fürsorgeerziehiing. Sehr wichtig ist ein Aufsatz des Reichsrarsabgeordneten Franz Iesser „Wir Tenlsch-Oesterreicher", gerichtet an die Reichsdeutschen. Er will ein gesünderes inneres Verhältnis der Deutschen hüben und drüben Herstellen, als es bisher bestand. W. Schumann bringt ci"e Besprechimg von Naumanns „Mitteleuropa". Wilhelm Michel gre s m dem Aufsatz „Eine vauptgeiahr für ^uuser Knnslgeiverbe" eineu muudeu Punkt des deutschen Kuustgeiverbes au: das ueuer- diugs immer mehr zuuehiueude Historisieren, deu um sich greifenden autiguarischen Geist. Dem Veit vorgesetzt ist die Wiedergabe eines Farbeuholzschilittes vou Karl Thieinauu „Holzgarlenstraßc in Dachau". Ferner enthält das Heit eine» Holzschnitt von Dorothea Milde „Die Glocke" und Wiedergaben von Holzschnitten ans einein alten Kinderbuch. Die umfangreiche Rolenberlage bringt: Reissiger, Es t|i ein Ros' entsprungen; Dlozart, Aveveram eorpus; Stephani, Heilige Saat; Hans Hamn, Attacke. — Die Zeitschrift der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen „Der Burgwart" beschließt das Jahr 1915 mit einer bedentiamen und durch köstliches Bildertnaterial ivertvolleu Nummer. In dein Aussatz „Daniel Speckle, ein deutscher Dü iner des Wehrbaues, und seine H ö ch st p r e i s e i m 16. Iah r- hundert" von dem St dte- und Burgeubauer Bodo Ebhardt wiro das Wirken und Schaffen eines echt deutschen Baukünstlers dargesiellt. In dem Abschnitt „Verkünder der Schönheit deutscher Lande" und in den Zeichnungen des Meisters Otto U b b c l o h de rverden deutsche Naturschönheiten und Bandenkmale unseres Vaterlandes, ans deffen Werken „A l t - M a r b u r g" und „B u r g e n il n d Städte an d e r L a h n" vorgeführt. — B li l g a r i e n . w a s e s i st nnd was es wird. Ein vom Könlul. Bulgarischen Konsulat zn Berlin herausgegebenes handliches Büchlein, welches dag! bestimmt ist, das deutsche Publikum mit Bulgarien näher bekannt zn machen. (Prels 20 Pfg.) Die besten Kenner des Landes sind in der Schrift mit Beiträgen aus ihrer Feder vertreten. Auch der bulgarische Ministerpräsident Dr. Radoslavoff, der bulgarische Finauziuinister Toutscheiv und der bulgarische Gesandte in Berlin, Rizow, erscheiyen unter beu Blstarbeitern, vou denen mt&crbem Proieffor Euckeu, Jena, Professor Köhler, Berlm, Professor Heck, Professor Kaßuer, Professor Strauß, Professor Hoetzsch, Gehe nur at v. Fleischmanu (der Erzieher des Königs), Herr v. Mach, der langjährige Balkniivertreter der „Kölnischen Zeinmg". ferner E. v. Hosse-Wnrtegg genannt seien. — Herzog Johann Albrecht zu Bleckleuburg, der gegenwärtig auf bau Balkan weilt, hat der Schritt ein Geleitwort mit aus den Weg gegeben. und der Präsident des Tentsch-'n Reichstages, Exzellenz Dr. Kaempß sowie der Präsident der Berliner Handelskammer, Herrenhausmitglied Herr Franz v. Meudelssohu nndSee(>andllmgs- prälideut a. D. Freiherr v. Zedlitz, Mitglied des Abgeorduelen- hauses, begleiten dys Erscheinen der Schrift mit herzlichen Worten. Der Ertrag ist für wohltätige Zwecke bestimmt. Zii habeli ist das Büchlein tu allen Buchhandlungen. — Tie Nachrichten aus dein Orient lassen sich auf keiner Karte besser verfolgen als auf der KriegSkarte „D e r O r i e u t* ails dem Verlage von Velhageii & Klasiug in Bielefeld lind Leipzig. Sie vereinigt auf 11 Karten reichsten Inhalt, prachtvolle Ausführung, größte Zuverlässigkeit, große Maßstäbe, ein vollständiges Nameusverzeichilis zu den» billigen Preise vou nur 1,50 Bit. — Dr. Hugo Kehrer, Tie Kunst des Greco. Brosch. 6 Mark, gebunden 8 Mark, numerierte Liebhaber-Ausgabe 30 Mark. Hugo Schmidt, Verlag, München. Am 7. April rüstet sich Spanien zum feierlichen Begehen des dreihundertsten Todestages eines seiner größten Söhne, eines der größten Maler aller Zeiten, el Gi^cos. Es ist viel über den Meister diskutiert worden, aber was den Wesenskern seiner Knnst ausmacht, wurde bisher noch nie so feinsinnig und tiefgründig dargelegt wie in dein Merke des bekannten Münchener Kunsthistorikers. Was diesem Buche volle Anerkennung erwerben ivird, ist der Umstand, daß sein Verfasser, der durch Wort und Schrick das Verständnis für Greco durch sein bestimmtes und nilbeirrtes Auftreten wesentlich 'gefördert hat, sich von der üblichen Methode der Bildzuschrcibung und Aufzählung äußerer Stilsymptome frei macht, daß er dagegen die gesamteil psychologisch?!! und ästhetischen Fragen zu lösen versucht. Asus eine rein genetische Erklärung also kam es ihm nicht au, vielmehr hat den Verfasser der Greco interessiert, der sich selbst findet und anfängt, sein Werk nach eigenen! Gesetzen aufzu.ba.ueu, der Greco, der dem bloß Materiellen seine Existenz nimmt und es durch seine Seele, durch das Licht der Unwirklichkeit und die Wunder seiner Palette verklärt. Greco wird als Renegat aufgefaßt, dessen Weltanschauung zwar in mittelalterlichem Boden wurzelt, der aber rücksichtslos vorwärts stürnct, wo immer sich ihm neue Probleme der Kunst aufdrängen. Der Verfasser gliedert seinen Stoff so, daß er nach einer kurzen Darlegung der Lebensgejchichtc sofort die Hauptwerke der tote- dänischen Frühzeit analysiert, um den Loser auf die Probleme des neuen Stiles, auf die Probleme von Licht und Farbe vorzubereiten, damit er um so deutlicher in den Spätwerken Grecos die moderne Tendenz erkennt. Das Buch zeichnet sich durch Selbständigkeit der Auffassung aus und wird ohne Zweifel bewirken, daß die Kunst des Toledaners, die man bisher doch mehr äußerlich interpretierte, in ihrem wahren Sinne erkannt wird. Die Ausstattung des Buches, das in der bekannten Buchdruckerei Hesse & Becker in Leipzig sorgscnnste Drucklegung fand, ist vornehm und außerordentlich gelungen. Ter Preis des Buches ist im Verhältnis zur Darbietung äußerst mäßig. Dieses selten schöne, gute Werk kann nur bestens empfohlen werden. G!eichklang-Rä1se!. Eiil Neutrum aus Brettern, schließt abends man spät, Damit nns kein Fremdling belästigt; Als MaSculmnm hals nur ein Brett, Doch das ist solide befestigt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummer: C 8 H A L E C R H ISCHL S 0 TITUS 0 8 PUPPE II R Schnstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brüht'fchen UniversitätS-Bnch- und Steindrlickerei, N. Lange, Gießen.