Um toten Lee Roman von Robert Kohlrausch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) otwas Falsches gedacht, Beckmann," sagt, sie dann. „Wenn die Sache so wäre, müßte mein Manr dort gleich neben dem Stuhk zu Boden gestürzt sein. Ueber- yaupt sehe ich hier Zeichen der Unordnung, die ich nicht verstehe. Das Fell unter dem Schreibtisch ist verschoben die eine Schublade, in der die Schlüssel stecken, steht hall offen und sieht aus, als wenn man darin gewühlt hätte 'V rie f e . ^ ie J uns dem Tisch liegen unordentlicher, als ich sie hergelegt habe gestern abend. Wenn ich wüßte, — haben Sie schon nachgesehen, ob nichts von den Sachen fehlt, die mein Mann bei sich zu tragen pflegte?" „Nein, nein, Frau Baronin, wie hätte ich mir das her-' ausnehmen können!" „Aber jetzt müssen Sie's tun. Ich kann es nicht, kann ihn nicht berühren! Sehen Sie nach — in seinen Kleidern, m seinen Taschen. Sind Uhr und Portemonnaie noch vorhanden?" Er gehorchte und untersuchte mit vorsichtigen Händen die Gewandung des Toten. Auch die Baronin trat nahe zu ihm heran, und bald hatten sie herausgefunden, daß Brieftasche, Uhr und Portemonnaie nicht mehr vorhanden waren. Weiter umhersuchend, erkannte die Baronin, daß auch ein goldenes Falzbein fehlte, womit sie die Papiere auf dem Schreibtisch am Abend vorher beschwert hatte. Nun musterte sie mit erneuter und erhöhter Aufmerksamkeit auch Gesicht und Körper ihres Mannes, um plötzlich mit halblautem Schrei zurückzufahren. „Es ist ein Mord, Beckmann, kejn Schlaganfall! Sehen Sie her. Sehen Sie diese blutunterlaufenen Spuren an seinem Hals? Einem gemeinen Raubmord ist mein Mann zum Opfer gefallen." „Um Gottes willen!" „Gehen Sie sofort und setzen Sie die Gendarmerie in Kenntnis. Gehen Sie, gehen Siek" m e M ifl 'L?chte der Gärtner sich auf den Weg, um den Befehl der Baronm auszuführen, und sie blieb allein bei der stummen, regungslosen Gestalt auf dem Diwan. Lange Zeit blickte sie starr daraus nieder, um dann den Kopf langsam ein paarmal zu bewegen, als wenn sie dem STiotoü zunickte; leise sagte sie dabei vor sich hin: „Also vorbei für immer."- Eine halbe Stunde später ungefähr hörte sie ein vor: sichtiges Räuspern an der Glastür. Aus ihrer tiefen Versonnenheit schaute sie empor auf diesen Ton. „Was gibt es, Rosa?" fragte sie rasch. „Ist jemano von der Gendarmerie gekommen?" „Nein, Frau Baronin. Wer eben sprengte ein Reiter ilr den Hof. Es ist der Herr von Breitenbach und er fragt, ob er die Frau Baronin sprechen könnte. Und weil er doch der nächste Gutsnachbar ist —" Die Baronin wiegte den Kopf ungeduldig hin und her. „Ich möchte jetzt niemanden sehen." „Ich habe gleich gesagt, daß ich nicht glaube, Frau Baronin würden ihn empfangen können. Er ist aber in so großer Aufregung Und läßt sagen, er hätte der Frau Bei dem in seinen hellgrauen Augen ein eigentümlicher, harter Stahlglanz auflenchtete, Mckte Brertenbach ihr ins Gesicht. Eine Sekunde lang chwieg er, als wenn er ihr plötzliches Verstummen um so deutlicher hervorheben wollte; dann erst folgte seine Frage: „Baronin, Sie haben einen Verdacht?" „Nein, nein, keinen Verdacht. Warum sagen Sie das?" .Ganz rasch, mit wenig Atem kamen ihre Worte hervor. * ff "Fw* ? ic £ cn Satz, den sie angefangen hatten, unvollendet ließen." „Ich bin unruhig, zerstreut, ist das ein Wunder an diesem furchtbaren Morgen? Und immer kommt noch nie- maiid von der Polizei! Würden Sie den Mann, dem Sie begegnet sind, wiedererkennen?" fügte sie dann unvermittelt hinzu. k ff "F ci r Gesicht, nein. Aber seine Figur mit ihrer ausfallenden Haltung ist mir deutlich im Gedächtnis geblieben. Und wenn ich etwas dazu beitragen könnte, den Schändlichen zu ermitteln, der mir den liebsten und nächsten Freund ermordet hat —" Sie unterbrach ihn. ..Ist in Ihrem Gespräch mit meinem Manne nicht irgendein Mort gefallen, das auf eine Spur leiten könnte?" „Nein, wir haben lediglich über unser Geschäft gesprochen, das nicht zum Abschluß kommen wollte und auch tatsächlich noch nicht zum Abschluß gekommen ist. Ich glaube, daß er den Mann, der uns begegnete, kaum beachtet hat." „Ich spreche nicht von diesen: Manne, der meiner Ansicht nach nichts mit der Sache zu tun hat." „Aber Baronin!" „Nehmen Sie an, daß ich meine Gründe habe, um das zu sagen, daß ich sie aber vorläufig noch nicht aussprechen! möchte." Sie hatte jetzt volle Sicherheit in Ton und Haltung wiedergefunden und stand mit ihrem bleichen Gesicht ganz ruhig vor ihrem Besucher. Und mit gleicher Sicherheit fügte sie nun hinzu: „Nein, ich frage, ob nicht gestern! oder sonst in letzter Zeit mein Mann irgend ettvas gesagt hat, was für die Nachforschung nach dem Mörder nützlich werden könnte. Früher ist er öfter mit Bettelbriefen belästigt worden — vielleicht — hat er von etwas Derartigem nicht gesprochen." Mit immer schärferer und nachdrücklicherer Priifung hatte Breitenbach seine Blicke auf ihren: Gesichte ruhen lassen, und immer stärker war der Stahlglanz in seinen Augen geworden. 2lber auch seine Stimme war ganz ruhig, als er nun antwortete: „Nein, davon hat er niemals mit mir gesprochen, weder gestern, noch früher." „Und wo haben Sie sich von ihn: getrennt?" „Ich bin bis zu der nächsten Tür im Parkgitter mit ihn: gegangen und habe mich dort von ihm verabschiedet." „T:e Tür war verschlossen?" „Gewiß. Er zog den Schlüssel hervor und öffnete." „Und schloß er sie hinter sich wieder ab?" „Das ist meines Wissens bei dieser Türe nicht nötig. Sie fällt von selbst ins Schloß, wenn man sie zuziehi." „Ja, das ist richtig. Und Sie haben Hinterher nichts mehr gehört? Keinen Ton, keinen Schrei?" Nein — nichts." Sie öffnete die Lippe:: zu einer Antwort oder $u einer weiteren Frage, doch wurde sie durch unerwartetes Erscheinen Rosas in der offen gebliebenen Glastür verhindert, sie auszusprechen. Halblaut meldete das Mädchen: „Der Herr Wachtmeister von der Gendarmerie ist eben äuge kommen." ^:e Aaronin. befahl ihr, den Mann sofort heremzu- sühren, und als das Mädchen wieder gegangen war, trat Breitenbach ans sie zu. „Gestatten Sie mir, mich zu verabschieden, Baronin, und zugleich etwas nachzuholen, was :ch nn Schrecken und in der Unruhe dieses Tages bisher leider versäumt habe." Seine Mienen hatten sich verändert, rmd er sprach wieder in den: weichen, vibrierenden Tone, !vie bei seinen: Eintreten: „Ich habe versäumt, Ihnen; merne tiefste, herzlichste Teilnahme bei diesem großen, jähen Verluste anszusprechen." Mit einer energischen Bewegung richtete sich die Ba^ ronrn aufj die Linien ihres Gesichtes wurden fest und hart. „Lassen Sie das, Herr von Breitenbach> wir wollen keine Komödie miteinander spielen. Es weiß niemand besser als Sie, sein vertrauter Freund, wie mein Verhältnis zu meinen: Manne sich seit einem Jahr ungefähr verändert hat. Sre wissen, daß wir einander geliebt haben, schwär- merrsch, leidenschaftlich, — Sie wissen aber auch, daß diese L:ebe m uns gestorben ist. Nicht erst heute habe ich meinest Mann verloren. Me sehr ich den Lebenden betrauert habe :st meine Sache. Sie meinen es gut, und ich danke Jhnem, aber ich bitte Sie, sprechen Sie wir nicht von Teilnahme " Emen Augenblick schien Breitenbach nach einer Antwort zu suchen, dann'aber verbeugte er sich tief und sagte nur: „Me gnädigste Baronin befehlen." Damit ging er durch die Glastür in den Park hinaus. * (Fortsetzung folgt.) Rückblicke auf das welttriegrjahr ix. Balkankämpfe. 1. Stand am Jahresbeginn. Äm 2. Dezember 1914 hatten die Oesterreicher Belgrad ein- genommen. Am 14. mußten sie es wieder aufgeben und auch das übrige Serbien wieder räumen, nws nicht ohne Verluste an Meiri lö schen und Kriegsmaterial aLging. Zum Teil haben zu diesem be- dauernsiverben Ereignisse ziveifeüos Umstände mitgewirkt, die nun einmal in jedem Kriege Vorkommen können. Z. B. wurde der Nachschub an Truppen, Munition usw. infolge unerwarteten Witterungs- Umschlages über die Vorberechnung hinaus schwierig, wodurch die am weitesten vorgedrungenen Truppen in eine üble Lage kamen. Zum Teil haben aber auch recht bedauerliche Vorgänge! uit österreichischen Heere, wie Unzuverlässiakeit slawischer Regimenter und ähnliche Vorkommnisse, die noch wenig bekannt siird, sich im übrigen aber auch der Erörterung entziehen, beiaetragen« Glücklicherweise konnten die Serben den ihnen wohl selbst unerwarteten Erfolg wenigstens nicht aus nutzen. Nicht nur hatten die Waffen der Oesterreicher ihre Reihen gewaltig gelichtet, sondern infolge schlechter Verpflegung waren auch Nervcnfieber, Fleck- typhus und Cholera bei ihnen eingezogen. Auch fehlte es ihnen an Munition: kurz, ihr ganzes Heer war zerrüttet. Da nun auch die Oesterreicher ihre verfügbaren Truppen an anderer Stelle notwendiger gebrauchten, erlosch der Kampf auf diesen: Kriegsschauplätze mit Ende des Jahres; beide Gegner beschränkten sich fortab auf .Grenzbeobachtung. 2. Die Eroberung Serbiens, a) Ausbruch der Feindseligkeiten. Das Kanonenfeuer deutscher Artillerie, welches in der Gegend von Semendria am 19. September vom nördlichen auf das südliche Donauufer hinüberspielte und die Serben aus ihren dortrgen Stellungen vertrieb, leitete einen neuen wichtigen Kriegsabschnitv ein, und die zwei Tage später, am 21. September, erfolgte Mobilmachung Bulgariens gab diesem Vorgehen erst seine volle Bedeutung. Erschreckt fuhren unsere Feinde auf, und am 30. September erschien der Oberkom- Mandierende der französisch-englischen Dardanellenstreitkräfte, General Hamilton, in Saloniki und kündigte bevorstehende Truppenlandungen an. Der sofort erhobene und mit steigendem Nacl)druck mehrfach wiederholte Einspruch Griechenlands, welches am 24. September ebenfalls mobil gemacht hatte, blieb unbeachtet. Die Truppenlandungen, zunächst Franzoserr, denen Engländer bald folgten, begannen am 5. Oktober. Die ganze Art und Weise aber, wie diese bewerkstelligt wurden, zeigte auf das deutlichste, in wie hohem Grade unsere Feinde überrascht worden waren. Am 13. Oktober, als die Deutschen und Oesterreicher schon mit ihrer ganzen Truppenmacht in Serbien standen, waren erst 40 000 und auch am 15. November, nachdem auch Bulgarien schon lange in den Kampf eingegriffen hatte und weit über die Hälfte Serbiens im Besitz der verbündeten Deutschen, Oesterreicher und Bulgaren Ivar, immer erst 80 000 Mann gelandet. Im vollen Gegensatz hierzu stand das ebenso wohlvorbereitete wie nachdrückliche Vorgehen der "Deutschen und Oesterreicher. Unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls v. Mackensen waren zivei Armeen bereitgestellt worden. Eine aus deutschen Truppen bestehende unter General v. Gallwitz, die andere unter dem Befehl des österreichischen Generals v. Kveveß, meist aus österreichisch-ungarischen Truppen bestehend, aber mit deutschen Truppen durchsetzt. Diese ganze Macht beginnt in breiter Front in der Nacht vom 6. zum 7. Oktober den Uebergang über Donau und Save zwischen Drina-Mündung und Eisernem Tor und hat ihn am 12. beendet. Schon am 8. Oktober aber kommt Belgrad und am 10. Oktober auch Stadt und Festung Semendria in den Besitz der Verbündeten. b) Letzte diplomatische Notversuche unserer Feinde. 4. Oktober. Russisches Ultimatum an Bulgarien. 13. Oktober. Griechenland lehnt es trotz aller Drohungen ab, den Bündnisfall mit Serbien als gegeben zu betrachten. _. Stöber. Beginn des offiziellen Kriegszustandes zwischen Bulgarien einerseits. Serbien, Rußland, Frankreich und .England anderseits. Rumänien bleibt unbedingt fest, hält die Hetzer im eigenen Lande zurück und entwaffnet bald darauf einige russische Kriegsschiffe in der Donaumündung.. 20. Oktober. England bietet Griechenland für seinen Eintritt rn den Kampf die Insel Cyperi: an, was dieses unter Beharren auf seiner Neutralität entschieden zurückweist. c) Das Eingreifen Bulgariens. 11. Oktober. Die Serben greifen die Bulgaren in der Gegend von Btelogradschik an; sie werden zurückgetrieben, worauf die Bulgaren ihrerseits angreifend Vorgehen. 15. Oktober. Die Bulgaren sind schon so weit in Serbien emgedrungen. daß dieses im Osten und Norden von jeder Verbindung mit seiner! Verbündeten abgeschnitten ist. 22. Oktober. Negotin wird von den Bulgaren besetzt: am folgenden Tage auch Uesküb. 27. Oktober. Die russische Schwarze-Meer-Flotte bombardiert Mit geringem Erfolge den bulgarisck)en Hafen Warna. Die bulgarische Küstenartillerie bringt zwei russische Kriegsschiffe der Tri- ^otttcha-Klasse zum Sinken (je 13 500 Tonnengehalt und 740 Mann Besatzung). Dre russische Flotte zieht sich zurück. .. Eine bulgarische Offiziers-Patrouille stellt die Verbindung zwischen den deutsch-österreichischen und den bulganschen Truppen her. 6) Weiteres! schnelles Vordringen in Serbien. 31. Oktober. Kragujcwac wird von den Deutschen genommen. Für die drei ersten Kriegswochen, also fyß Ende Oktober, wird schon eine Anzahl von 33 000 gefangenen Serben ermittelt, außer-* dem haben sie inindestens schon ein Viertel ihrer Artillerie verloren. 5. November. Tie Bulgaren besetzen nach dreitägigen schweren Kämpfen die serbische Hauptstadt Msch, die Deutsckien am selben Tage Kraljewo und am folgenden K'ruschewatz, wo sie reiche Beute machen. Gleichzeittg gewinnen die deutsch-österreichischen Streitkräfte dirette Gefechtsfühlung mit den Bulgaren; die serbischen Gefangenenzahlen stieaen schnell und ilst Rückzug wird fluchtartig. Etwa am 9. und 10. November bedingte die Regelung des Ver- pflegungswesens eine Verlangsamung des Vorgehens; dann aber wurde es wieder in voller Schärfe aufgenonimen. Mitte Novenibcr wurden die blutigen Verluste der Serben schon auf 70 000 geschätzt, ebenso hoch war die Zahl der ihnen abgenommenen Gefangenen, so daß in der ersten Novemberhälste etwa 40 000 hinzugekommen sind. Zu diesen insgesamt 140 000 Mann Verlusten ist noch eine nicht zu kleine Zahl von Versprengten, Ueberläusern usw. hinzuzufügen. 'Mßerdem haben die Serben schon fast ihre ganze schwere und die Hälfte ihrer Feldartillerie verloren. e) Erste Kämpfe gegen die Franzosen. Diesen Ereignissen, welche die Kampffähigkeit der Serben fast völlig vernichteten, gleichzeittg aber auch den Tonauweg, sowie den Landweg durch Serbien nach Konstantinopel und Kleinasien frei machten, sahen unsere Feinde — gezwungenermaßen — fast völlig teilnahmslos zu. Tie Festigkeit des griechischen Königs, oer eine Teilnahme am Kampfe mit wachsender Entschiedenheit ablehnte, hatte alle ihre Pläne über den Hansen geworfen. Sie suchten zwar durch falsche Meldungen die Zahl der von ihnen gelandeten Truppen stark zu übertreiben, machten damit aber keinerlei Än- druck. Am 21. Oktober nahmen Franzosen und Bulgaren erstmalig Fühlung. Am 31. Oktober erlitten sie — welche int übrigen in ihren cmitlichcn Bekanntmachungen immer nur von Siegen ihrer „Orientarmee" sprachen — bei Prilep eine erste Niederlage.' Auch am 5. Noveinber wurden die, dieses Mal durch eine kleine Abteilung Engländer unterstützten Franzosen auf etwas breiterer Front bei Prilep, Kriwolok und Strumitza unter Verlust von Gefangenen und Kriegsmaterial zurückgeschlagen. Noch ernster tvav die Mederlage der Franzosen am 12. November bei Gracko. So konnten unsere Gegner den Zusammenbruch Serbiens nicht: einmal verlangsamen, geschweige denn verhindern. f) Serbiens Untergang. Immer enger und vernichtender legte sich von Mitte November ab dör eiserne Ring der deutschen, österreichischen und bulgarischen Truppen um die ohnehin schon auf das äußerste erschöpften Reste der serbischen ArNiee herum. Jmüner größer wurden die serbischen Verluste an Land, Kricgsgerät und Mannschaften. Am 28. November konnte der deutsche Heeresbericht den Mschluß der Operationen großen Stiles melden. Ganz Serbien war von seinen eigenen Streitl'räften geräumt. Die ivenigen noch übrig gebliebenen! Zehntausende von Streitern irrten in zersprengten Gruppen, ohne einheitliche Führung, schlecht bewaffnet und -bekleidet, ohne Artillerie, vielfach auch ohne Nahrung, hilf- und planlos in den montenegrinischen und albanesischen Bergen umher. g) Schwere Niederlage der Franzosen und Engländer. Die Vernichtung der letzten serbischen Widerstandskraft auf dem Amselfelde bei Pristtna brachte die inzwischen mit einer Heeresmacht von etwa 150 000 Mann in Mazedonien eingedrungenen Franzosen und Engländer (diese letzteren die kleinere Halste) in die übelste Lage. Hilfe konnten sie schon deshalb nicht mehr bringen, weil niemand mehr da war, dem noch zu helfen gewesen wäre. Daß sie selbst den ganzen, inzwischen verfügbar gewordenen bulgarischen Heere nicht gewachsen waren, wußten sie wohl. Dennoch wagten sie ihres polittfch-anilitärischen Ansehens halber keinen kampflosen Rückzug. Da griffen die Bulgaren ihrerseits an. In den Kämpfen vom 7.—11. Dezember wurden Franzosen und Engländer derart vernichtend geschlagen, daß sie in aufgelöster Flucht in das befestigte Lager von Saloniki zurückströmten. Am 12. Dezember machten unsere Freunde, die siegreichen Bulgaren, vorerst an der griechischen Grenze Halt; einstweilen der Diplomatie den Vortritt überlassend. 3. Stand am Iahresschluß. Mitte Dezember war die Zahl der Balkan-Gefangenen auf fast 200 000 gestiegen. Fast alles Serben, nur wenige Montenegriner, Franzosen und Engländer darunter. Tie unbedeutenden montenegrinischen Streitkräfte erwiesen sich für den reinen Feldkampf als wenig brauchbar. Die Entwickelung des Kleinkrieges in den albanischen und montenegrinischen Bergen bleibt der Zukunft Vorbehalten. Ebenso die Beanttvortung der Frage, ob die Italiener ein beioaffnetcs Eintreten auf dem Balkan wagen lyerdcn. Erst reckst bleibt die Frage in der Schwebe, ob die Engländer und Frau- Hosen nochmals zum Angriff schreiten, oder vorziehen, sich in ihrem Lager in Saloniki ruhig zu Verhalten, so lange sie nicht etwa selbst angegriffen werden. In beiden Beziehungen wird die Haltung Griecheularrds von großem Einfluß sein, wenngleich schon jetzt mit voller Sicherheit angenommen werden darf, daß es auf keinen Fall mithcmdelnd auf die Seite amfeter Feinde treten wird. vermischtes. m \ß *J5. e e durch Deutschland tu den „Daily t!-c V r S ’ ^ News" veröffentlichen an führender Stelle me folgende Schilderung einer Deutschlandreise durch einen neutralen Mitarbeiter: „Bereits beim Einlcnllen meines Zuges an der deutschen Grenze empfing ich einen starken Eindruck der Sicherheusmaßregeln zur Ileberwachnng des Reiseverkehrs. Die Kontrolle über die ankommenden und fortfahrenden Reisenden ist bis u ! ^ie letzte Einzelheit ausgedacht »urd ausgearbeitet. Ich glaube Nicht, daß es möglich ist, »"lberhaupt iioch eine restlosere Ueber- prustrngsorganisation ins Werk zu fetzeil. Alle Passagiere wurden Offizieren, Grenzbeamten und Soldaten zum Verhör iNid ziir Durchsuchung gegenübergestellt. Die ganze lleberprüstuig nahm ungefähr 1 l 2 ötnnben in Anspruch. Alles ging in Ruhe imd nach geordneten Regeln vor sich. Ich mrlß gerechterweise feststellen, daß das Benehmen sämtlicher Bean,te,i und Militärpersoneri ben Reisenden gegenüber tadellos war inid daß zwischen be'utfeben und neutralen Personen kein Unterschied in der Behandlung geinacht wurde. Nie- maiid wurde mehr belästigt, als die Umstände tu solchen Zeiten es erfordern. Als ich schließlich in dein deutscheil V-Zug saß, stellte ich inr Gespräch mit meinen Abteilgenossen fest, wie einheitlich die Stimmung des Pllblikunis ist. Jeder, mit dem tcl) sprach, war felsenfest davon uberzeilgt, daß Deiitschland ails dieseni Kriege siegreich hervorgeheu werde. Sie halten alle ihr Vaterland für unbesiegbar uiid lasseri fick) nicht im geringsten durch die feindliche Presse beeinflussen. Der Bahnverkehr ist ausgezeichnet. Die Züge verkehren M allen Richtungen mit hervorragender Püliktlichkeit. Für die Soldaten, dre in Zivilistenzügcn reisen, werden eigene Abteilungen lten. Meist aber werden sie in besonderen Militärzügen befördert. Die Zahl der Soldaten, deneii man beim Reisen auf Öen H^^'telleii begegnet, ist lingeheiler. Die gewaltigen Mengen vortrefflich aussehender Soldaten, die ich in Deiitschland erblickte, machten mir den Eindruck rinerschöpflicher Reserveii. Trotzdenr werden alle öffentlicheii Einrichlmigen itnb Aemter in alisreichender Wege durch männliche Beamte besorgt. So z. B. arbeitet die Post ohne jede Störung, und die Zahl der Eiseubahnbeamteu ist so groß, daß man nirgends Stockrulgen begegnet und überall ohne Schlvie- ngkeiten Gepäckträger usw. vorsilidet. Die fleischlosen Tage erregen im bublikuni. keinerlei Mißbehagen, itub alle Kriegsvorschrllten werden mit patriotischem Eller erfüllt. An Fischen ist kein Mangel, und viele Frauen äußern sich mit 93c?riebtgimg über die Speise- Vorschriften, die eine größere Abivechslung bringen. In allen Speisewagen der V-Zlige erhält nian ein ausgezeichnetes Mittags- mahl für 3 Mk. Die Theater und Kiiios sind in vollein Betrieb. Ueberhaupt gipfelt der Gesamteiudruck einer Reise durch Deutsch- land im letzten Kriegsmouat darin, daß das gegenwärtige Leben sich von dem m normalen Zeiten nicht wesentlich unterscheidet." *. D e r f r a n z ö s i s ch e K r i e g s st o ck. Der moderne Krieg, der eine Unzahl neuer Waffen u.rd Kriegswerkzel.qe erstehe,, ließ hat üfolchzeltlg ailch bi^e ältesten, scheinbar vergessenen Apparate und webrauchsgegenstande zu nenem Leben im Felde erweckt. Die Stahlhelme der srai,zösischen Infanteristen erinnern an dasMittel- alter, die ziim Werfen von Bomben verwendeten Schlender- Maschinen gemahnen sogar an die Wnrfapparate der klasstschen ?omer uiid Griechen. So ist auch der Stock, der gute, alle, iried- liche >Lpazierjtock, kriegerisch geworden und t,is Feld gelangt, ,vo f, c ^ ^ Arm een der Alliierten einer außerordentlichen Be- £ ,c S^cke sind, wie tu einer zeitgemäßen Plauderet des »Temps ausgelührt wird, in England und uun- mehr auch in Fra.ikrelch der Mobilisation auf die Dauer nicht entgangen. Aber nn Gegensatz gu seiner bisherigen Bestimmung deutete das Er,che».,en des Stockes nicht dahin, daß die Armeen unausgesetzt marschierten, er begarrn im Gegenteil bei den Franzosen erst eine Rolle zu spielen, als der ruehr oder iveniger un- bewegllche Stellungskrieg zu seinen daner.iden Rechten kaiu. Von der Küste im Norden bis gu ben Vogesen hielt der Stock seinen Emzug in den französischen Schützengraben. Da die Offiziere in den Stellungen meist teure Säbel tragen, uub da der Ausbail der Linien mehr ein Hermnklettern als ein Gehen erforderlich macht des Stockes immer allgemeiner. Die Sol- f“/" ^lgten dem Beispiel ihrer Vorgesetzten, und so sieht man ieöt in Paris die beurlaubten Krieger mit den Stöcken umhergehen die un Felde ihre Begleiter sind. Die Stock.node in der ^^ostschen Armee scheint aber »veniger auf die Eigenart des Ith! itl 6ra auf eine Rachahmnrig des englischell Wi ! f r tsi! rl f^ e en ' ? a5 bekanntlich auch im Frieden statt mit Sr, L? ltenfle T (, f ullt Spazier- und Rrntstöcken einh?r- ^ dieser Zusammenhang tm „Temps" in Ab- ^ ro,r ?' geschieht dies ivahrscheinlich ails guten Grün- b/n- "'"Herbergen, daß die we.iig geübten und wenig soldati- !4^-!/'wlrscheii Luxnstrilppen einen immer deutlicher iverdenden Negmm,Süden? n,ilj!äri!che Disziplin ihrer französischen — Zwei bedeutsame Kunstausstellungen — die eine der modernen. die andere der älteren KlUistrichtulig — führt unS daS soeben erschienene Januarheft der „K n n st", Zeitschrift für freie ilnd angewandte Kunst (F. Briickinann, A.-G., München) in Wort und Bild vor: Die in der Galerie Heinemann in München veranstaltete „Allsstellung von Werken der Münchener Malerei 1860 bis 1830* und die „Ausstellung der Berliner Sezession". Ein dritter Aufsatz behandelt das Schaffen Albert Weisgerbers, durch befseii tut Frühling v. I. in Flandern erfolgten Heldentod dem Münchener Kunstleben ein großer Verlust entftanbeit ist. Bon Max Ktmger sehen wir eine Anzahl vorzüglicher Wiedergabeii ans dem soeben erschienenen Werke „Zwanzig Zeichnungen". — Die Ballten von Ludwig Rufs-Nürnberg zeigen uns einen vielseitigeil Architekten, dessen Schöpstlngen ben ganzen Vorzug und Reiz wahrer Heimats- kunst aufweisen. Zuiii Schluß siiideu wir Goldschiniedearbeiteu > von Joseph Wilm-Berlin, Abbildungeii voii Zminiereinrichtnngen > von der Kölner Werkbund-Ansstellmig alls den, soebeii erschieneneli ' Jahrbuch des Deutscheri Werkbundes 191b, u,id endlich ans der befreundeten Doilailnionarchie reizvolle Eiltwüne für Besilchs- und Straßenkleider, sowie Seidenstoffe der Wiener Werkstätte. — „93 e c f e f) r mit Lebens- und Futtermittel n", Verordnungen des Bundesrates über ben Verkehr mit Lebens- imd Flittermitteln und über Höchstpreise, von Ministerialrat v. B r a u n, München. Ladenpreis broschiert Mk. 2.40, dailerhaft geblUiden m"'t?'T* Das Buch euthält im erstell Abschiutt die allgemeinen Vorschriften, wie Erniäßigungsgeseh, Höchstpreisgesetz, bann die Verordnungen über Vorratserhebililgen, Maßnahiiien gegen Ueber- teuenmg, Errichtung von Preisprüfungsstellen, die BestiliiNiNl,ge>i über Beschränkmigeil des Haiidels, Erntesicherimg, Schlachtverbote usw.; int ziveiten Abschnitt die Vorschriften über Verbranchs- regelmig imd Höchstpreise für die eittgeltteit Nahrungs- und Fntter- mittel, insbesondere Brotgetreide, Gerste, Malz. Haler, Saatgilt- verkehr, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Oelsrüchte, Flltterniiuel, Zilcker, Reks, Milch, Oele lind Fette usw. Es bildet also einen vollständigen Ueberblick über das geltende Recht auf deni Gebiete des Verkehrs und der Preise für Nahriliigs- und Filtterinittel. An Hand emes genaueii Jnhallsverzeichnlsses tmb ausführlichen Sachregisters findet man sich sofort in. der übergroßen Anzahl aller diesbezüglichen Vorschriften zurecht. Die noch zu erivarteliden Vorschriften solleii itt t)on Zeit zu Zeit herailszugebenden Ergänzungsheltcii crscheilien. Gietzener Harrsfranen-Berein. , Sonntag: Geröstete Griesmehlsuppe, Hammetbratm mit j eingemachten Bohnen und Salzkartoffeln. „Montag: Brotsuppe, Wellfleisch mit Sauerkraut und Kar- toffewrei. Dienstag: Kartofselsuppe. Reis mit Aepfet. Mittwoch: Gebrannte Mehlsuppe, Hackbraten mit Erd- kohkraben und Kartoffeln. Donnerstag: Fteischbrühsuppe mit Gerste, Rindfleisch mit Senftunke und Kartoffeln. Freitag: Hafersifl)pe, Kabekjaii mit Kaperntunke und Kartoffeln. Samstag: Bohnensuppe mit Nindswürstchen. * Eiweißersatz: Einige rohe Kartoffeln werden recht sauber gewaschen und gebürstet, 20 Minuten in frisches Wasser gelegt, darauf dünn abgeschält und fein zerrieben. Alsdann gießt man frisches Wasser darüber und läßt die Vtasse sich setzem Nun wird das m der Oberfläche stehende gelbbraune Wasser abgegossen wieder frisches aufgeschüttet, gut umgerührt imd wieder sich setzeit lassen Dies Verfahren wird so oft wiederholt, bis das Wasser ganz klar bleibt. Das kalte Wasser wird jetzt nochmals sorgfältig abgegossen und an dessen Stelle so viel kochendes Wasser unter ständigent Umrühren darüber gegossen, als die Masse der Kartoffeln selbst be- ber Topf mls das Feuer gesetzt und fortrvährend umgerührt, bis dre Masse dem Kochen nahe ist, kochen darf sie nicht. Hieraus laßt man dieselbe abkühken und drückt sie dann dilrch ein leinenes Tuch. Das Herausgedrückte bildet eme gallertartige Masse und kann wie Eiweiß verivendet werhen. Es einpfielstt sich bei jedesmaligem Bedarf die neue Bereitung. (Flugschrift zur Volksernäh- nmg.) verfteckratsel. Man siiche ein Sprichwort, deffeu einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer- Schmorbraten - Magenbitter — Slundisten — Edel- wild — Schatzgräber - Goldsischchen — Schwimmlehrer - Munterkeit - Oldenburg. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer: Wenzel. Schriftleitung- Aug. G°°tz. - R°tati°u«druck und Bcrlag d°r Bnihllchen Univ-rsitäkS-Buch- und"S.°i„drucker°i. R. Lang«. Wichen.