Nm toten See. Roman von R o b e r t K o h l r a u s ch. (Nachdruck verboten.) Erstes Kapitel. Hell und sauber war es, das Dienstbotenzimmer in Schloß Garchim. An den beiden im Augenblick weit geöff- uelen Fenstern gingen weiße Vorhänge schlaff herab, die Tische und Stühle waren aus ungestrichenem, reingescheuertem, weißem Holz: weiß leuchteten die Schürzen der Köchin und des Hausmädchens, weiß war auch der große, runde Blechschirm über der mächtigen Petroleumlampe, die von der Decke niederhing und ihr Licht über den weißen Raum ergoß. Die drei Persouen, die sich im Zimmer befanden, ruhten vom Tagewerk aus. Die Köchin hatte sich eine Brille . aufgesetzt und häkelte an einem weißen Wolltuch für Winterstage. Das Hausmädchen saß ganz untätig ihr gegenüber am großen, länglichen Mitteltisch unter der Lampe und wehte sich mit ihrer Schürze Kühlung zu. Dabei warf sie vergeblich lockende Blicke auf den hübschen, jungen Diener, der, in ein Zeitungsblatt vertieft, ein wenig abseits von ihr saß und sich durch ihr Augeuspiel reicht stören ließ. Er war ganz mit . seiner Lektüre beschäftigt und strich sich nur zuweilen den kecken, blonden Husarenschnurrbart, den er aus der Militärzeit mit Erlaubnis der Herrschaft in das gegenwärtige Dienstverhältnis gerettet hatte. So saßen die drei eine Weile: dann blickten sie gleichzeitig empor. Die weiße Tür zum Korridor öffnete sich — sie tat es mit jenem behaglichen Knarren, das alten Türen in altmodischen Häusern eigen ist, — und ein Mann trat herein, der sich mit einem roten, baumwollenen Taschentuch über das Gesicht fuhr. Es war der Kutscher Sürjahn, der nun mit knurriger Stimme ries: „Donnerwetter nochmal! Schockschwerenot nochmal! Ist das eine Bullenhitze heute abend!" Die Köchin schob die Brille auf die Stirn und sah darunter her mißbilligend auf den Nebelgelaunten. „Herr Sürjahn," sagte sie dann vorwurfsvoll mit spitzigein Ton: -,Wenn Sie die Bemerkungen über das Wetter nicht mit so abscheulichen Flüchen begleiten wollten, so wäre das meiner Ansicht nach gebildeter." „Ach was, gebildet! Wenn einem das Wasser den Buckel hinunterläuft, kann man nicht auch noch groß gebildet sein. So 'ne .Hitze ist mir hier überhaupt noch nicht vorgekommen, und ich bin doch nun schon beinahe dreißig Jahre im Schloß. Ein Wind weht heute, so schwül, als wenn er geradeswegs aus dem Backofen herauskäme. Der Herr Verwalter hat ihm auch einen besonderen Namen gegeben: es war was Ausländisches, ich habe mir's nicht behalten. Aber daß ich schlvitze, das weiß ich auch ohne den Namen." „Ich glaube, das, tun wir wohl alle," versetzte die Köchin mit unverminderter Würde. „Vom Fluchen wird das aber nicht besser." Der Kutscher horce nicht viel nach ihr hin, sondern setzte den eigenen Gedankengang fort. /,So ähnlich war es vor sechs Wochen, eh' wir den großen Windbruch hatten —" „So heiß war es nicht," widersprach die Köchin. „So herß natürlich nicht. Es war ja nach. Mai, und heute haben wir den zweiten Juli. So ein Wetter aber war's,, genau so war es damals. Dieser Wind —" '„Wir wollen hoffen," unterbrach ihn die Köchin, „daß wir heute nacht nicht wieder tvas Aehnliches erleben. Ein Gewitter gibt es, das fühle ich ganz deutlich in meinem rechten Bein, und wenn die Schmerzen so bis in die große Zehe hinuutergehen, dann kommt es tüchtig." „Das war eigentlich schrecklich damals mit dem Windbruch !" sagte das Hausmädchen mit einem Augenausschlag, den sie gern verwendete, wenn der hübsche Diener in ihrer, Nähe lvar. „Dies'Heulen und Pfeifen und Krachen, und am andern Morgen dann alle die schönen Bäume am Boden — wie um gemäht. Ach, und der Pavillon, den es auch mit zerstört hat! Vorigen Sommer haben wir dort manchmal abends gesessen, und Ihr Vorgänger, Franz, hat uns was erzählt. Er war sehr unterhaltend, Ihr Vorgänger." Der Diener, den sie also anzustacheln suchte, sah nur flüchtig von der Zeitung auf, in die er sich wieder vertieft hatte, und sagte mit beleidigender Kälte: „Wirklich? Na, wir können ja nicht alle gleich sein." Diese Antwort erfreute den Kutscher, der den Rock aus gezogen und sich in Hemdärmeln auch an den Tisch gesetzt hatte. „Bravo!" ries er. „Nur immer die Frauenzimmer abfallen lassen, nur nicht auf ihre schönen Redens hören! Tun Sie alles, Franz, aber lassen Sie sich nicht einsangen. Heiraten Sie nicht, heiraten Sie nicht!" „Ach, was verstehen Sie alter Junggeselle denn vom Heiraten?" fragte das Hausmädchen mit einer verächtlichen Kopfbewegung. „Gerade genug. Denn es hat ansgereicht, um mich davor zu bewahren. Uebrigens meine ich, daß man just hier im Hause keine große Ursache hätte, ein Loblied aufs Heiraten zu singen." „Das ist leider Gottes wahr!" gab die Köchin zu, die sich dabei zum ersten Male in Uebereinstimmung mit dem Kutscher zeigte. Das war Wasser auf seine Mühle, und er knurrte die Worte jetzt noch lebhafter hervor. „Ja, habe ich nicht recht? Haben wir nicht hier vor Augen ein Beispiel von einer unglücklichen Ehe? Müssen Sie mir das nicht selber bestätigen, Fräulein Sophie?" So als Autorität angerufen, stimmte die Köchin ihm zum zweiten Male bei, wenn sie auch gewohnten Widerspruch nicht ganz unterdrücken mochte. „Jawohl, recht haben Sie, Herr Sürjahn. Aber das 2 hat nichts mit dem Heiraten im allgemeinen zu tun, sondern nur mit dem Heiraten int besonderen." „Wieso meinen Sie das?" „Ach, das wissen Sie doch so genau wie ich selbst. Wenn der Herr Baron sich in seinen Kreisen eine Frau gesucht hätte, dann wäre die Sache gut gewesen. Aber warum hat er diese Theaterprinzessin heiraten müssen? Wenn der Herr Baron selig das wüßte, der den ganzen Tag nur über seinem Stammbaum und seinen Familienpapieren saß, der drehte sich tm Grabe um. Noch niemals ist es dagewesen — er hat oft mit mir gesprochen und von seinen Vorfahren erzählt — noch niemals, daß einer von ihnen aus seinem Kreise heraus geheiratet hat. Urtb das tut überhaupt niemals gut. Meine Mutter selig hat schon immer zu mir gesagt: ,Sophie, hat sie gesagt, wenn du mal heiraten willst, sieh nicht nach oben und nicht nach unten, sieh ans deinesgleichen' — " Der Kutscher hatte sich, nachdenklich geworden, auf dem Kopfe gekratzt. „Na, gegen die Frau Baronin an sich möchte ich doch nichts entwenden," warf er jetzt bedächtig ein, und gleich kam eine Zustimmung von den bcibeu jüngeren Dienst boten. Langsam die Zeitung! sinken lassend, hatte auch der Diener mehr unfr mehr auf das Gespräch gehorcht. Cr sagte jetzt und wurde ein wertig rot, indem er sprach : „Me Frau Baronin ist doch eine so schöne Frau! Und so vornehm und so gut—!" . o ist sie wirklich^" bestätigte das Hausmädchen, das froh war, den Diener jetzt reden zu hören. „Ich kann Mich gar nicht über sie beklagen. Bor drei Tagen erst hat fj e rr mt rr w^br eiue seidene Bluse geschenkt, ganz wie neu!. Hellgelb und mit Spitzen. Am nächsten Sonntaa will ich sie anztehen. Vielleicht bin ich dann schön genug für den Herrn Franz, daß er einmal mit mir ausgeht." Einer Antwort wurde Franz enthoben; denn die Köchin, die mit ausdrucksvoller Bewegung soeben einen Faden von ihrer Häkelei abgebissen hatte, nahm wieder energisch die Führung der Unterhaltung. „Das ist alles eins. Ich sage Nichts gegen die Frau Baronin. Wenn sie geblieben wäre wo sie hin gehörte da möchte die Sache wohl ganz in Ort/ uung sein. Aber gleich und Ungleich soll sich nicht gesellen/ „Solche Vorurteile kennt matt doch eigentlich heut- mehr." Das Hausmädchen tvarf sich in die ^ustals Vertreterin freidenkerischer Jugend, doch löschte die Kochin gleich ihr Kampfesfeuer. „Sie haben überhaupt noch gar nicht mitzureden. Wer nod) nicht länger als drei ^ahre hier tm Schlosse ist, hat den Mund zu halten. Herr Singahn und ich, die wir schon beim Herrn Baron selig fin Diensten waren, wir wissen es, wie hier die Sachen stehen." Kaz der Kutscher, „so ist es. Wir haben E alles mit angesehen wie es nach und nlach so .gekom- men ist. Zu Anfang, in den ersten beiden Jahren nach ihrer wese^ HW* lü0f;I 9an§l glücklich miteinander gje- .-öch sage das ungern, weil ich grundsätzlich qeaen is^ia'dann^s ^ ZUgeLen. Unb. hinterher t|t ja dann das Unglück auch ganz richtig gekommen - seit Äbmhawen ^ womit Sie die Frau Baronin dumm gemacht hat, junger Mann Sie können das eben noch nicht unterscheiden. Ich aber sage Ihnen: darum allein ist sie nach oben hinauf-' gezogen, weil sie da hübsch weit entfernt ist vom Herrn) Baron, der seine gewohnten Zimmer im Erdgeschoß, niemals aufgeben wird. Die Zimmer, wo schon' sein Vater selig und sein Großvater gewohnt haben. Ein Skandal ist sollte" öligen, ivas kein Menschen erfahren Das Hausmädchen zuckte rebellisch die Achseln. „Nun, ich kann es keiner Frau verdenken, wenn sie einem Manne Wege geht, der sie schlecht behandelt. Wie du mir, 0 .dir. scheiden ließe ich mich ohne weiteres von ih,n — imo sie will das auch, soviel ich neulich zufällig gehört habe, und wenn sie es einstweilen macht wie er und sich auch nach ha/—" rm umsteht unb auch ihre kleinen Heimlichkeiten , „Was für Heimlichkeiten?" Sophie hatte die Arbeit V ?}: en c , a ji ei1 und fragte mit strengem Ton, der aber zugleich lebhafte Neugierde verriet. „Wissen Sie was von Heimlichkeiten bet der Frau Baronen?" „Oh, ich will nichts gesagt haben." . . u '.'?P e c r . Sie haben etwas gesagt. Und wenn Sie dafür vielleicht die seidene Bluse geschenkt bekommen haben, damit Sie den Mund halten — " 'Ma,bk feü)ene Bluse! Die hätten Sie wohl selbst gerne gehabt, Fräulein Sophie?" > l$ ^. au t c ^uir, was ich brauche. Und ich ivürde mir ^'lauben, etwas zu tun, was denl Herrn Baron mißfallen konnte, tu dessen Diensten ich stehe. Und ich meine, daß e^ gerade genug ist, ivenn schon das Unglück über einem Hause hangt —" -, ^üh brach sie ab. Ein Heller Glockenton, dem iiach ganz kurzer Pause ent zweiter folgte, war in ihre Worte hinein- geklungen Der Kutscher warf einen Blick auf die runde Uhr an der Wand und sagte: „Das gilt Jhiien, Franz. Was lchon über halb elf?ba lünj *? ar bereits eifrig aufgesprungen und vertauschte ra ch einen blauwe.h gcstre.ften Drillichrock mit einer schwarzen Livree, die an einem Hakenbört hing. „Nein, das kommt » e7sa ZichV besonderes sem, Aber ich .D.amit ging er hinaus auf den Korridor, der das Ge- ganzen Längsrichtung von einer Schmalseite zur andern durchzog und ut der Mitte das geräumige Trep- Das Dienstbotenzimmer lag anr äußersten Korridor, und Franz wandte sich rechts hin auf das Treppenhaus zu. Dort brannte eine einzige, große N^beeiserne Laterne, die nur mattes Licht in die beiden Korridorhalften sandte. Bevor der Diener jedoch seinen Fuß auf die unterste >Ltnse der nach oben führenden Trevve ae- setzt hatte, blieb er in lebhafter Ueberraschung stehen. Denn ihm entgegen von oben herab kam die Baronin selbst und rief ihm schon urt Gehen eine Frage zu' Wo sind Sie nr- wesen, Franz? Haben Sie nichts gehört?." 1 ' ° e (Fortsetzung folgt.) * > Der alte Soldat. Bon Kurt Münz er. der Krieg Don 1870 ausbrach, war er ein Biib voü Jahren; und er konnte sich später njie auf diese Zeit besinnen/ geboren war. Er wurde früh Waise tat kleme Dienste kam zum Militär, wo sie dm Kerl gern behalten wollten, aber er hatte schon sein tttttftnusi UBT * 1 -«» Bfe, ;SS ^Ä'b^attoser Eisender! Und so kehrte er hciiu. Schau da ein Heck. Er hatte die Rettungsmedaille; eöimal'hatte er ein Liebes- »LLE, besten Segelboot gekentert war Aber nur dÄ Gerücht semcr Tat 'ging tm Städtchen um; er schwieg, davon. / — 3 — „ ^ So iSar er mit ^veiundzwauzig Jahren Gepäckträger am Bahrihof, fest an ge st eilt, schön, stark, mit guten blauen Augen, bald der beliebteste aller Kölle geil. Die Reisenden bevorzugten ihn, der Frohsinn seines Gesichts zog an. Und er liebte sein tätiges bewegtes Leben. - Freunde gewann er nicht, denn er liebte nicht ore üblichen Vergnügungen. Lieber wanderte er am Frei nachmittag über Land und freute sich der Natur. .,. .Aber an einem nassen windigen Abend ereilte ihn sein Mannes- schickial. Da fand er auf dem Bahnsteig ein ratloses Mädchen in bäurischer Tracht und erfuhr, daß sie eben Waise geworden, aus ihrem Dorf komme, um hier ihre Stelle als Tienstmagd anzutreten Gerade begannen seine Freistunden, und so führte er sie nach dem Haus ihrer neuen Herrschaft. Er erfuhr ihren Namen, aber so scheu sah sie zu Boden!, jdaß er sich später umsonst ihrer Augen zu erinnern suchte. Johanna hieß sie, Johanna . . * , YY "wer Wochen lang dachte er unaufhörlich an das stille angst- “ u “V.*S u P t lraf er sie. Aber da war sie schon nicht mehr schüchtern, lächelte ihn Mit braunen Augen an und war einverstandenem Sonntag mit ihm vor die Stadt zu gehen. , Da hatte er nun sein Erlebnis! Das erste, das auch sein einziges bleiben sollte. • Alle vierzehn Tage holte er sie zu einem Spaziergang ab. Sie chatte lieber getanzt, aber er konnte nicht tanzen. Sehnsüchtig ging -sie an den Wirtshäusern vorbei, aus denen Musikklänge ertönten.' .^.Gin Jahr später hielt er feierlich um sie an. Sein G-ehalt zwei. > Von seinen Ersparnissen konnte man sich Stube und Küche einrichten. Mebrigens hatte auch sie — was er gar nicht wußte — ein Sparkassenbüchlein. Sie erschrak, als er ihr seine Liebe gestand, sie lief davon! Sie liebte ibn ja nicht. . . Vielleicht haßte sie ihn damals Das Leben, von dem sie träumte, war ganz anders . . > dlber ftestaud allein auf der -Weit, und ihre Herrschaft redete chr zu Schließlich war er brav, nüchtern, gesund, sparsam. Und Wochen später als feine Frau mit ihm in die winzige hübsche Wohnung. . * • a X it'r F Riefet Enge, unausweichlich nebeneinander, gerieten fte ms Elend des Herzens und der Seele. Er liebte sie mehr von Dvg zu Dag. Und sie haßte ihn, mehr von Tag zu Tag. Sie war überhaupt nicht für Ehe und Mann geschaffen. Sie wollte Arbeit und dann Vergnügen, ein derbes harmloses Vergnügen: Bier Musik, Tanz; dann heimgehen, schlafen und erwachen zu Woche Arbeit. Zartheiten des Herzens, Schönheiten des Geftcht^log' ^ mX ^ ^äderliches, madonnenhaftes Aber sie war aufrichtig, sie gestand es dem Mann. Oder die Abneigung war zu groß, um verborgen zu werden. Nun saßen Ue beide m dem kteineil Sofa, jeder in einer Ecke, und starrten in das furchtbar verwickelte Leben. Er liebte sie doch! Mit jedem Tropfen Blut jeder Faser Fleisch und Nerv. Uiid sie schauderte vor ihm zuruck . . . - Unergründliches Rätsel! Es gab keinen bessere Mann, keinen treuer Liebenden — aber sie liebte ihn nicht ... Em Jahr lang schleppten sie diese Ehe mit sich. Endlich glaubte der Mann einen Hoffnungsschimmer wahrzunehmen: seine Frau veränderte sich — wenn sie Mutter würde? . . . Aber che er U..E) fragen oder es sicher raten konnte, war sie verschwunden. .Plötzlich, emes Tages, spurlos . . . h, tyFV 11 ? 16 9* achtete den Willen des Menschen. Sie wollte fort - also mußte er fte lassen ... Er wartete ein Jahr rn der kleinen Wohnung Tann gab er sic auf, verkaufte die Möbel SW™ 1 ' w o 2£ Schlafstelle bei alten, stillen, fast tauben Leuten. Uitb da? Leben, das nun wieder so emsetzte, tvie er es vor seiner Liebe geführt, ging fast dreißig Jahre ungestört dahin. Zweimal erschütterte ihn etwas. Einmal, zwei Jahre nach der Flucht semer Frau erreichte ihn das Gerücht, daß sie in einer nahen Stadt lebe Sie solle einem Kinde, einem Knaben das Leben gegeben haben, der nun schon anderthalb -Jahre alt sei, und sich Uno ihn durch Waschen und Bügeln erhalten } Ein Kind von ihm . Er erriet sie. Des Kindes wegen chm gegangen, fte wollte nichts mit ihm gemein haben Gewiß liebte fte das Kilid, und sie konnte es nicht mit dem Manne Ä”; Kuller arbeitete §ie allein dafür, nur nicht mit deni Ver- ^ßten zusanunenleben! - Er verstand das. Trotzdem fuhr er m die Stadt hinüber. Sie hatte seinen Namen nicht abgelegt Er fand ihre Spur, aber er hörte, daß sie unlängst die Stadt ve^> sifgm^daff?s^such"^^' mi>m fl£ fitf> flC ' ünnW - m mtt . Sein Kind! Er liebte es. Er liebte ja auch die Fraii noch erstand fern ***** Glück, das wahrhafte Leben - Und noch einmal, zehn Jahre später, erzählte ihm jemand aus der ^--tadt, er hätte in Berlin seine Fmu gesehen an der ^^cd emen großen schlanken Jungen, beide einfach, aber sauber gekleidet, mit frohen Gesichtern, wohlgemut und gesund. ood Ä» Nachten schlief er nicht. Er hatte das Recht Und du. .Nacht, beide zurückzuholen. Aber — ivußte sein S-Nn» überhaupt von ihm? Vielleicht hatte feine Mutter ifim erzählt fern r I ei Und gab es überhaupt ein Recht auf einen Menschen? Ist nicht jeder frei? Nicht einmal Liebe darf !reie^Wabl^und"A ^r Liebe mit) Gegenliebe, also föteixf 1 b ^Ebestlmmung darf zwei Menschen zusammen- Aber demnach fuhr er zweimal nach Berlin und ging durch die große ^tadt, irrte durch alle ihre Quartiere. Nur einen Schimmer der beiden sehen, die geliebte Frau, den unbekannten Sohn . Er traf fie niemals. Er kchrte heim. Aber den alten Frieden fand er nicht wieder. So alterte er. Er lvurde früh grau, aber er blieb gesund und stark, war immer freundlich, nur still tvurde er, ganz still, lebte für sich, grübelte Mel, las Bücher über Leben und Tod nrrd wurde em schöner, gütiger, alter Mann. Von Frau und Kind hörte er me mehr etwas. V «f fünfuNdfünzig Jahre alt tvar, brach der Kric^ aus. ausziehen, dreinschlagen! Sein Heldenblut erwärmte sich. Er hatte wie ein Held das Unglück getragen, nun wollte er auch sein Leben ausnützen, es hingeben als negen für die Heimat. ' a nad -> Berlin, wo der Sohn seines alten Hauptmanns nun selber Hauptmann war, im gelben Garderegiment. Zu dem drang er vor, wies seine starken Glieder, Mies errötend die Rettungsmedaille und -erreichte es, daß er sofort als Unter- offizier mtt hinaus konnte. Schon bei Lüttich war er dabei! Er tvar der älteste Unter- JJJff .Ff und der tapferste. Ein langer grauer Bart P„ U T r. überragend, sah er wie ein guter Geist auS, d r das Heer begleitete. Der Tod scheute ihn. Die Kugeln streiften ihn nur, schlugen keine tiefen Wunden in sein stahilhartes Fleisch. sKen der Jüngste. Er war der Unermüdlichste, der lauteste Sauger. Ganz verwandelt sprühte er von Witz und guter Laune. Mit einem Scherzwort ritz er die ganze Kompagnie zusammen. „Vater" riefen ihn die Soldaten Es war ein Lrebeswort. . Per manchmal, nachts, saß er im Unterstand und sann^ Sohn? . war er auch im Feld, in der Schlacht? und sorgte sich die MiUter daheun um ihn? Waren sie vielleicht schon auf derselben Straße marschiert? . . . , Er kam nach dem Osten und wieder nach dem Westen. Ein Krieas- jahr war um. Zwei, Kreuze hatte sich der alte Soldat ver- fÄ*® 111 !; 1 ! l a ? €r r kämpfte bei Sonchez in den Höllen- schlachten, blutete, lachte, stiirmte alken voran. An einem Wend mußte sein Bataillon plötzlich aus dem Quartier, um rn em lvüstes Gefecht entscheidend einzugreifen. Die Franzosen gmgen mit verzweifeltem Mute vor. Beim Sturm' verlor der alte Soldat seinen Helm. Sein langer Bart das ge- rtvrlvf 10 wrp^rc a 11 ® 9 raiie Flammen aus seinem glühenden Gesicht. Als Erster erreichte er den Hügel, um den der Kampf ging., Und er sah zrver Franzosen, die mit ihren Gewehrkolben aus einen Deutschen emdrangen, der gestolpert war. Er schlug sie nieder, ems, zwei, ganz schnell, so aus dem Handgelenk. Indessen sprang der deutsche Soldat auf. Der Alte sah ein ernstes, braunes Mannesgeftcht, aus dem ihm etwas Wunderbares grüßte nm "^^k, Kamerad!^ rief der andere und drang vor. Ter Alte blieb ber chm. ,^)chon wich der Feind, floh, schoß zurück. Aus den französiechen Stellungen klap^ perten die Maschinengewehre. Nieder! DieÄellung war behauptet In die Graben zuruck. Aber ehe 'fie untertauchten, reckte sich der ^.A^bF^braune Soldat mrf und drohte, vom Zorn überwältigt, hm,über zum Feind. Da warf ihn der Mte uni Er wußte, tr A f iw. Sn die Brust, ins Herz. Er war sofort tot,^der andere lebte ... * •w m e L ea ^ Qt k bnil x er ^^imal das Leben gerettet hatte, begrub M selbst Er staunte: das Namenstäfelchen auf der Brust des Mten zeigte den Namen, den er auch trug. Aber er wußte nicht, baß es sein Bater toar, der für ihn gefallen . . H nnte Ä ^nmal seiner Mutter davon berichten, denn er hatte keine Mutter mehr . . on. ^ //Sie einen Kran; ans das Grad sm,eS Lebensi-etters. Ahnungslos stand er am Grabe des Baters. Und doch — war das Leben, dieses alten Krlden nicht wunderbar erfüllt, reich ui-ch chon? Kommt es darauf an, zu wissen? In einer höheren L-sb dar man diesen Mten, da er starb, glücklich nennen! ^vein Leben war Segen gewesen. Rückblicke aus ba§ welttriegsjahr sys5. v. Die Eroberung Westrußlauvs. b. Von der Eroberung. Warschaus (5. August) bis zum Fall von Wilna (18. September). Eroberung Warschaus fängt abermals ein neuer Krngsabschnitt an. Aeußerlich prägt sich das schon in einer Neu- emteilung der gewaltigen im Osten fechtenden Truppenmassen ?.!A Bdahiil wurde immer nur von einem nord- und einem ftwostlmien, Kriegsschauplatz gesprochen. Von jetzt ab tritt eine Scheidung m vier voneinander unabhängige Befelüsbereiäie ein. Zusammenfassung der in einem jeden dieser Best'd»eereiä'e ranlpfenden Truppen wird die bisher unbekannte Be^-ick-nnng "Heeresgruppe" gewählt. Die nördlichste dieser Heeresgruppen steht unter Hmdenbnrgschenl Oberbefeh!, daran schließt sich eine neugcblldete unter dem Prinzen Leopold von Banern ei-ee.. nördlich und südlich von Warschau), darauf folgt im südrftl'en Polen die Heeresgruppe ÜNackeusen und hieraus in Galizien der österreichische Befehlsbereich. Doch ist die Heeresgruppe Macken sen stark mit österreichischen und die österreichische stark mit deutschen Truppen untersetzt. Anfang September wird Feldmarschall von Mackensen Oberbefehlshaber der gegen Serbien bestimmten Truppen, und General von Linsingen tritt an seine Stelle. Doch "kommt dies in den amtlichen Berichten «us naheliegenden Gründen erst sehr viel später, etlva Mitte Oktober, zum Ausdruck. Unverkennbar ist in diesem Wschnitt auch das Zahlenverhältnis für die Verbündeten erheblich günstiger geivordcn, teils wohl wegen eigener Nachschübe, teils aber — und zwar aus diesem Grunde hauptsächlich — wegen der ungeheuren bisherigen Verluste der Russen. An Gefangenen hatten sie seit dem Dunajee- Durchbruch rund drei viertel Million Menschen verloren. Dazu die ungeheuren blutigen Verluste nnb die Verminderung des Kampfwertes, welche ein so lange anhaltender Rückzug auch auf die übrig gebliebenen Truppen unvermeidlich ausüben mich. Es war daher ein ununterbrochener Siegeszug, welcher die sechs Wochen zwischen dem Fall von Warschau und demjenigen von Wilna ausfüllte. 6. August. Die Armeen der Generale von Scholtz und von Gallwitz brechen den russischen Widerstand zwischen Lomza und Bugmündung (mittleres Polen). Vorläufiges Ergebnis: 14 000 Gefangene, 6 Geschütze, 69 Maschinengewehre usw. 10. August. Truppen der Arrnee von Scholtz erstürmen Lomza; einschließlich der Kämpfe der beiden vorhergehenden Tage 10 000 Gefangene. , 17. 'August. Die Festung Kowno (Gouvernement Suwalki) wird im Sturm geminunen; 4000 Gefangene. 19. August. Die Festung Neu-Georgiewsk (westlich von Warschau), die einzige der russischen Festungen, bei der es überhaupt zu einer eigentlichen Belagerung kaut, wird im Sturm genommen. 85 000 Gefangene (darunter 15 Generale), über 700 Geschütze und ungewöhnlich viel Kriegsmaterial. . 21.—23. Llugust. Tie Heeresgruppe des Generalfeldmarsämlls Prinz Leopold von Bayern, welche südlich des Narew über die Eisenbahnlinie Bialhstok—Brest-Litowsk auf den Bialowicskaforst vordruigt, macht in diesen drei Tagen 11000 Gefangene und erbeutet 25 Maschinengewehre. 25. August. Brest-Litowsk wird in den frühen Morgenstunden von Westen her durch österreichische 'Truppen unter Feld- marschäll-Leutnant v. Arz und von Nordwesten her durch das 22. braiidenburgische Reservekorps gestürmt. 26. dlugust. General v. Beseler wird zum Generalgouverneur des ganzen unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietes im Osten ernannt. Der Sitz der Verwaltung wird von Kalisch nach Warschau verlegt. 26. August. Tie Festung Olita wird kampflos von den Russen geräumt. 27. August Die russische Front in Ostgalizien wird zwischen Gologorh und Brzezany ui einer Breite von 30 Klm. erneut eingedruckt. 6000 Gefangene, die Zahl steigt am nächsten Tage auf 31. August. Monatsergebnis an Gefangenen und Beute: Von den deutschen Truppen genommen: 2000 Offiziere, 297 000 Mann, 3000 Geschütze, 7000 Maschinengewehre; von den öster- rerchischen Truppen 190 Offiziere, 53 090 Mann, 34 Geschütze, 23 Maschinengewehre. 3 ; ^vtember Ter Brückenkopf von Friedrichstadt wird gestürmt; 3400 Gefangene. 3 ’ o?££ te 2} b - er - Die Festung Grodno mit sämtlichen Forts fallt; 3600 Gefangene, 6 schwere Geschütze. 6. September, Oesterreichischer Sieg bei Podkamien (Nord- ostecke von Galizien), zunächst 3000 Gefangene, in den beiden nächsten Tagen weitere 5000. 11. September. Wesentliche, bei den Russen an der Sereth- Lime anaekommene Verstärkungen geben ihnen eine gewaltige zahlenmäßige Uebermacht und ermöglichen ihnen vorübergehende Erfolge über die Oesterreicher. 13. September. Geschlossenes Vorrücken aller drei deutschen < Ortsgruppen im Osten; im Hindeuburgschen Befehlsbereich werden 5200 Gefangene gemacht, 17 Munitionswagen, l3 Maschinengewehre, ^sowie viel sonstiges Kriegsgerät erbeutet. . 1?- September. Zusammenbruch der russischen Gegenoffensive rn Ostgalrzien, dre Russen ziehen sich in Unordnung wiederum an den Sereth zurück. 18 September. Wilna wird von Teilen der Armee des Genoralobersten v. Eichhorn besetzt; 22 000 Gefangene, 3 Geschütze, 72 Maschinengewehre, viel Bagage. Beschränkung macht erst den wahren Meister! Und diese Beschränkung finden wir nach dem Falle Wilnas in dem Plane der deutschen Heeresleitung, sich nämlich in Rußland mit dem blsher Erreichten vorläufig zu begnügen und das Kriegsziel: „Die vollige^Niederwerfung der Gesamtheit unserer Feinde" an anderer stelle zu erzwingen. Das alles natürlich unbeschadet des tzotrebens, auch hier nicht nur unsere Stellungen dauernd zu befestigen und, wo es ohne Einsatz großer Opfer Niöglich ist, auch noch weiter vorzuschieben, sowie namentlich die währeiid des Sommcr- felozuges allmählich herangereiften Früchte (Riga, Tünaburg usw.) nachträglich einzuernken. Schon Anfang September aber fanden- wie wir nachträglich erfahren haben, erhebliche Truppenverschiebuu- gen nach dem Westen statt nnd die Balkan-Armee wird neu gebildet; zweifellos also sind wir mit der Einnahme von Wilna auf dem Punkte angekommen, von dem ab sich unsere Taktik dem moskowitischen Koloß gegenüber ändert. Westrnßland ist erobert und sicher in unserer Hand! Ter Höhepunkt des Krieges ist erreicht! Das inzwischen angebahnte Bündnis mit Bulgarien ermöglicht uns, eine neue, große, kühn entworfene und sorgsant vorbereitete Aufgabe in Angriff zu nehmen! vermischtes. * K »i o b l a il ch als Heilmittel gegen Darm k a t a r r h, Cholera und Dysenterie. Sehr glücklich^ Erfolge mit der Verwendung von Knoblauch als Heilmittel bei gefährlichen Darmerkranknngen hat der österreichische Arzt Dr. Eugen Marcovici erzielt. Er verwendet, ivie cm Bericht der bei Dr. Walther Rothschild in Berlin-Wilmersdorf erscheinenden »Klinisch-Therapeutischen Wochenschrift" mitteilt, nuf Grund älterer, der Wissenschaft bekannt gewordenen Erfahrungen, den Knoblauch zur Erzielilirg einer Hemmung auf die Bakterienentwicklung im Darm. Zuerst ivandte er bei emigeii Fällen von chronischen Darnikatarrhen die gewöhnlichen Knoblauchknocken in rohem Zustande in Gaben von ein bis zivei Knolle», verbunden mit dreimal 0,5 Salol täglich, a»i; und bei allen behandelten Fällen wurde ein Verschwinden der unangenehmen Symptome, ein rasches Wtederauftreten des Appetits und eine vorteilhafte Einwirkung aut den gesamten Organismus ohne irgendwelche Nebcnstörungen erzielt. Des weiteren hat Marcovici in einem Wiener Garmsonsspitale 40 schwere und mittelschwere Fälle von Dysenterie behandelt, und zivar wurde diesmal ein Präparat gebraucht, welches aus ausgesilchten, gesunden Knoblauchknocken hergestellt >var, die bei möglichst niedriger Temperatur getrocknet wurden. Die trockenen Knocken wurden zu feinem Pulver vermahlen, von dem 0,4 mit 0.1 Salol zu Tabletten gepreßt wurde. Dieses kknoblauchpräparat, das mit dem Namen Allphen bezeichnet wird, erwies eine außerordentlich günstige Wirkung ans die behandelten Dysenteriesäcke. Die gleiche Erfahrung wurde bei weiteren 30 Fäcken dieser Krankheit tm Asolierspitcile Wiesel bürg gemacht. Daselbst hat nun Marcovici im Verein mit Dr. Max Schmitt auch noch 24 Fälle von Cholera mit Allohen behandelt, und zivar mit so günstigem Erfolge, daß bte Krankheits- erschcimmgen innerhalb von 3 bis 6 Tagen verschwunden waren. Die Rekonvaleszenz war kurz und ohne folgenden chronischen Darmkatarrh. Es scheint hiernach, daß die Heilkunde im Knoblauch, zumal in der Form des Ackpheupräparates, ein sehr beachtenswertes Mittel im Kampfe gegen die Darmerkrankuugen gewonnen hat. * Die größte B o g e n b r ü ck e der Welt. Der Ban der größten eisernen Bogendrücke der Welt wurde, ivie der „American Scientific" berichtet, im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten aus- gesührt. Die Brücke wird die Gleisdämme der Pennsylvania- und der New-Haven-Bahnen in New Port verbinden. Zu diesem Zivecke muß der East River überquert werden, und dies geschieht durch den netten Brückenbau, der atts Stahlbogen in einer Spannungsweite von über 300 m besteht. Die viergleisige Brücke, die nahezu fertiggestellt ist. steckt aber nur einen Teil des ganzen ViadtlkteS dar, der selbst der größte auf beiben «Seiten des Ozeans sein wird. Die gaitze Konstruktion, die die beiden genannten Eisenbahnlinien verbinden lvird und von Lang Jslaitd nach The Broux führt, muß sich über eine Länge von 6185 m erstrecken. Die Herstellung des gesamten Baues erfordert nicht weniger als 72 000 Tonnen des besten Stahls. Demnach ivird die Brücke an Materialverbratlch, an Größe. Geivicht und Kostenailfivand einen Weltrekord bedenlen. "Aufrichtig! Allch Frankreich ist in diesen Kriegszeiten keineswegs dllrch Ueberfluß an Lebensmitteln gesegnet, tute sich aus folgendem, vor einem Pariser 33iftualtenlabeu angebrachten Plakat entnehmen läßt: „Täglich A»rkilnst einer Ladung \ a st rischer Eier 51 t billigen Preisen l . . Logogriph. Mit e bin ich am Wagen tief verborgen, Doch ich allein nmß alle ßciften tragen; Dil hättest keine Nacht und keinen Morgen, Wollt' ich einmal der Welt den Dienst versagen. Mit t bin ich ein Ding au§ Holz und Eisen, Vernichtet ist, ivas ich einmal erfasse. Mit en siehst bu mich auf Schweizerreisen An einem See als Berg mit hohler Gasse. (Auflösung in nächster ^innrer.) Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer i Weiß Schwarz 1. Dg5 — c 6 Db 5 nimmt e 5 2. L li 4 — d 8 f K a 5 — b 5 3. Sf 7 — d 6 f ffltatt. Schristleitung: Aug. Goetz. Notatioiisdruck und Verlag der Vrühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.