Eine Werbung. Eine Neujahrsskizze von Anna Lahr (Frredenau). (Nachdruck verboten.) Hein Holtmann war kein fixer Kerl. Wenn man ihm eine Arbeit austrug, mutzte man sie ihm zweimal erklären. Aber was er glückliche einmal in seinen Kops gekriegt hatte, das saß. „Hein!" Friß Wolpers hatte es in grenzenlosem Staunen aüsgerusen. Und er war selber gleich hinterher wieder zweifelhaft geworden, ob es denn auch wirklich Hein geweseir ioar, den er in der Dämmerung in den Laden der Margnerite Durand hatte treten sehen. Nein, wenn er sich's überlegte, sicher war er seineq Sache durchaus nicht. Es ivar überhaupt nichts sicher an diesem dunstigeil Abend, wo die Gassen voll dichtem Nebel standen, als wäre die ganze Welt eine dampfende Waschküche. Und dann — es sah Hein so gar nicht ähnlich. Andere kauften wohl einmal über ihren wirklichen Bedarf hinaus in der Hoffnung, sie möchten tu dem Lädchen statt ibcc alten Margnerite die feine, scheue, jung.6 Snzatme treffen, die zuiveilen, aber im ganzen enttäuschend selten, bei der Bedienung der Kunden half. Andere taten das. Mer Hein? Uebrigens er selber. Friß Wolpers, hatte er heitte nicht auch etwas kaufen wollen? Was doch gleich? Er konnte sich nicht darauf besinnen. Mer es würde ihm schon wieder einfallen. Er kreuzte die Straße, öffnete die sthmale Ladentür und trat ein, im voraus halb überzeugt, daß er doch wieder nur die schlampige alte MargUerite finden würde. Einen Augenblick lang blendete ihn die kleine Hängelampe. Dann konnte er um sich sehen. Und da — er wollte es kaum glauben — da war es also doch Hein Holtmann geivesen. Tonn da stand er und schloß ein Geschäft ab mit keiner anderen als mit der hübschen Srtzanne. Ganz schnell ging das nicht, denn das Mädchen konnte kein Deutsch und der Soldat kein FranMisch. Sie waren beim Rechnen, wobei sie die Fänger zu Hilfe nahmen. Niedliche kleine Fingcrchen hatte Suzanne... Endlich schient es zu stimmen. Von Heins Stint schwanden die Falten, die ihm das Nachrechnen gemacht hatte, er steckte das Rausgeld ein und sie gab ihm seine! Waare, ein Paar winzige, rotbemalte, mit geschnitzten Linien verzierte Holzschuhchen, aus deren Fußloch je ein gelbseidenes Nadelkissen mit roter Rüsche leuchtete. Während Hein mit seiner ftostroten Tape danach langte, öffnete sich die Stubentür, und Margnerite erschien. Im Nn war auch schon Suzanne durch dieselbe Tür verschwunden. „Oha!" sagte Friß Wolpers. Heilt drehte sich um, erkannte ihn und wurde plötzlich rot. Fritz lachte und Hein sah ihn eine Weile unsicher an. „Es tut nicht gerade nötig," begann Hein endlich, „daß du davon groß redest," und er tippte auf die Schuhchen, die er sorgsam in der Hand hielt wie ein zerbrechliches Spielzeug. Der aitdere klopfte ihm auf die Schulter: „Du bist nicht schlecht, mein Junge, du bist iticht schlecht. Aber das ivird mtr wahrhaftig schwer fallen, nichts davon zu erzählen, daß du Susanne den Hof machst..." Heilt machte große Augen: „Was? Ich Suzanne den Hof Machen?" „Wozu sonst kaufst du denn Nadelkissen, gerade Nadelkissen?" „Einfach weil ich sie brauche!" Damit ging er. Fritz Wolpers kopfschüttelitd hinter ihnr drein. Erstaunt sah Margnerite ihnen nach. „Und was nmchst du mit Nadelkissen?" wiederholte Fritz Wolpers hartnäckig, als sie draußen waren. „Wenn du sie wirklich nicht um Suzannes willen gekauft hast!" „Ach, ihr niit eurer Suzanne!" „Hübsch ist sie doch!" „Hübsch? O ja. Gewiß! Aber so ein Püppchen! Kein Arm voll, weißt du! — Na, also darum habe ich die Dinger lvahrhaftig nickst gekauft, sondern — sondern wegen Grete Voß." „Meine Güte! An die denkst du noch?" „Warum nicht?" „Mich dünkt, ihr habt euch doch so ein drei, vier Jahre oder länger nicht gesehen!" „Länger. Micheli waren es schon vier Jahre, daß ich in Altenhagen war und daß meilre Dante dort mich fragte, was ich zu Grete Voß lneinte. Und das habe ich mir nun in dert Kopf herumgehen lassen." „All die Zett?" . ^ t „Ja, ich habe da immer ab und zu mal an ste gedacht. Und ich meine: ich nehme sie. Und dafür habe ich die Schuhchen gekauft." -„Als Präsent für Grete Voß?" „Ja, ich dachte, es wäre ein netter Anfang, wenn tch tyr die schicke. Ich hält' mir das ja noch ein bißchen überlegt. Aber da ist noch einer, der Grete Voß will." „Da würde ich mich fieilich ein bißchen dranhalten," lackste Fritz Wolpers. Frühling, Solnmer und Herbst waren darüber hingegangen Heins Kompagnie war hierhin und dorthin geworfen worden. Aber als das Jahr sich neigte, bezog sie alte Qsnarttere. Wer gerade abgelöst und in Reservestellung war, konnte wieder bet Margnerite Durand kaufen. Auch Suzanne war noch da und, wenn möglich, noch sparsamer mit ihrer Gegen! oart als früher. Sie war noch immer nicht, was Hein Holtmann „etnen Arm voll nannte, und es schien nicht viel 'Aussicht zu sein, daß ste es je würde. Fritz Wolpers saß neben Hein Holtmann in seinem Qnürtier auf der Bank. „Sag' mal, was ist eigentlich damals aus deinen Schithchen geworden?" fragte er, sich plötzltch erinnernd. „Du weißt doch noch, aus dem Nadelkissen für Grete 'Voß?" Heilt zuckte die Achseln. ' „Hast du nie eine Antwort darauf bekomnten?" „Nein, nie!" „Es ist aber dock) recht lange her. So elf Monate gut wtd gern. Du meintest damals, im neuen Jahr würdest du wohl von Grete Voß hören." > „Ist aber nichts von geworden," entgegnete Hein gleichmütig. Fritz setzte zweimal die Pfeife ab und sagte zweinial nichts. r: ,^Du, Hein, was hast du ihr eint- nn du mir das vielleicht mal Mer das dritte Mal fracste er lich dautals dabei geschrteben? sagen wolltest." „Geschrieben? Nichts." „Was? Du hast doch einen Brief beigelcgt!" „Kein Wort." ^ „Mensch! Und da wunderst dtt dich, daß sie nicht antwortet! Da kann sie doch gar nicht wissen, von lvem das Geschenk wart" — 800 — „MH was!" sagte Hem ungläubig!. Nicht wissen können! Das kvnrtt' sie sich doch wohl denken." „Aber warum Haft du denn nicht geschrieben?" „Ja, weißt du, das ist so 'eine Arbeit. Erst braucht man reines Papier und Tinte. Und hat man 'das, dann kratzt die Feder. Und dann komme id) da überhaupt schlecht mit zustande, weil ich immer alle Wörter anders schreiben, als man denkt. Darum Hab' ich das immer noch ein bißchen aufgeschoben." „So! — Und der andere? Du sagtest, da wäre noch einer, der sie wohl möchte. Wenn der dir nun zuvorgekommen ist, du!" Zum ersten Male kam Bewegung in Heins Blick. „Meinst du?" fragte er unruhig. j „Zeit genug gelassen hast du ihm jedenfalls." „I, das wäre doch! Das wäre mir nun wirklich nicht recht." Er zog die Stirn in schwere Falten. „Ja, da mühte ick nstst doch wohl einmal schreiben." Er war 'noch nicht schlüssig. Aber er erwog: „ . . . doch wohl einmal schrecken." Und oie Falten auf seiner Stirn vertieften sich noch. „Ich tät's," riet der andere. „Ja, ich glaube wirklich, es wäre das Richtige. Bloß — was soll ich schreiben?" „Na, Hein, das ist doch leicht. Neujahr ist ja vor der Tür. Da hast du gleich eine Anknüpfung. So etwa: In oem vergangenen Jahre hättest du doch gesehen, daß es nicht gut wäre, wenn der , Mensch allein sei. So ohne Frau, das wäre doch nichts, besonders ' wenn man im Felde ist: alle die Verheirateten kriegten Strümpfe Und Würste geschickt. Du hättest nichts gekriegt. Ob sie da nicht ein Einsehen haben und deine Frau werden wollte. Sieh, so schreibt man so was. Du mußt auch mal ein bißchen schlank sein. Immer grickeln, das führt zu nichts." „Ja, du hast recht. Ich muß die Sache im alten Jahre noch in die Reihe bringen. Ich will schreiben." Er war nun fast ent- Ichlossen. Wenn ihm nur noch einer das Schreiben hätte abnehmen wollen. Es war eine so unbehagliche Arbeit. Lieber schanzen! „Was ist denn da draußen eigentlich los?" fragte Fritz Wolpers, schob das Fenster e, körperliche und technische Ausbildnng der Truppen selbst, gegen den Truck einer ungeheuren zahlenmäßigen Ueb erlegen heit iwck unentschieden war. Zwar hatten lvir zunächst den unvergeßlichen Sieg bei Daunen^ cn ? r' . ^0- August), Anfang Septeircker denjenigen bei Insterburg, Mitte November bei Wloclawec und Kutno, Anfang! Dezember bei Lodz zu buchen, wohl hatten auch die Oesterreicher bei Krasmk (23. bis 26. August), ia sogar eigentlich bei Lemberg (Ende August), dann wieder nach ihrer Rückwärtsbewegilng bei ^^.^wa (12. Dezember) gesiegt, wohl befanden sich in unseren und österreichischen Gefangenenlagern schon über eine halbe Million gelangen er Missen, denen nur eine verschwindende Aiizahl gefangener Deutscher und eine mindestens recht geringe gefangener 8^/rreicher gegenüberstand, wohl hatten die Russen eigentlich« Schlachtenerfolge kaum aufzuweisen, und dennoch war der Druck der ungeheuren Massen so stark, die durch großen Ueberfluß an Menschenmaternal möglich werdenden U ni flau im? r u ngsm ä rsch e der H[ en '? Lohend, daß die kurz vorher noch siegreichen Oester- reiche und deutschen sich unmer wieder zu weiteren rückwärtigen roewegnngen genötigt sahen. auf.Landgewinn hatten die Russen einen kleinen Ostpreußen besaßen fte zwar nur einen ganz ®^^stnch mit den Städten Eydtkuhnen, Goldap, Lyck Aohanntsburg, dafür aber auch weitaus den größten Zeit k logar den Nordzipfel der Bukowina. An-» ^Esetts hatten bre verbündeten Kaisermächte von Westpolen einen Tn besetzt der westlich ungefähr durch die Linie Soldau (Ost- tn^dck Rills^^/^alizren) begrenzt wurde. Im ganzen nioch- Itmn qnm% irr Abstimmungen sind nicht möglich) Quadratkilometer preußisches und 60 000 Quadrat- r österreichisches Geriet besetzt halten, während die Kaisermachte sicher noch mcht mehr wie knapp 50 000 Quadratkilometer imm°Mn^n°ch"°chcklich ' ^ S8orf)5nin8 ^ Russe» war also ^eeresgruppe, bis zu dem Zeitpunkte, als infolge des ^nnarec-Durchbruches eine völlig neue Lage eintrat. 2. Vorbereitungen, zu neuen Unternehmungen vri P ;^Wp a ^ 15 ' Verhältnismäßige, überwiegend allerdings nur chembare Ruhe ans diesem Kriegsschauplätze. Ein Teil der deut- chen Truppendrmgt langsam längs der Weichselnebenflüsse Bzura Rawka und Prlrtza vor, da die Russen ihre Hauptstoßkraft nach den decken Flügeln, also nach Galizien und nach der ostpreußischen ^?nze verlegt hatten, wo eine große, aus sechs bis acht KorM ^stbhende neue Armee unter Baron v. Sievers gebildet wurde Ostvreuben^w?^ ^uer Truppen aber brachte Hindenburg nach Ostpreußen, wo er zu einem neuen großen schlage ausholte. 3. Winterschlacht in Masuren (7. bis 14. Februar) sttzlssisch-Polen her zurückgefilhrten Truppen Etlerweile zahlreich eingetroffenen Verstärkungen batte Hlndeiiburg inzwischen zwei neue Arineen, eine bei Tnlsit mtter Generaloberst v. Eichhorn und eine in der Gegerck von Ortels^ “S n^sNeral v Below gebildet. Tie Schlacht beginnt ae?aßt ^.^rdM von drer Seiten in eisernen Klammem ,Am 14. wird das von erner russischen Nachhut gehaltene Lyck gestürmt, wo kurz danach der deutsche .Kaiser eintrifft Die Aussen werden von allen Tellen des Schlachtfeldes auf die Linie Suwalki-Augnstow zurückgedrängt, von wo aus sie in wirrem Dnrcheinaiider nach Osten znrücksluten. Ergebnisse der Schlackst? El.se Befreiung Ostpreußens, 100000 Gefangene, 300 Geschütze, ungeheure Vorräte und Kriegsmaterial. 4- Kleinere Kämpfe bis Ende April % Känlpfe bei Praschnüsch (südwestlich deD Schlachtfeldes Masuren). Nach emem kleinen Gefechte am 22 wird die Otadt am folgenden Tage gestürmt; zusamuren 14 000 gewehren^ 2 ° ® e ^ )u ^ e und em großes Lager von Maschinen- ^ 11. März. Tie Russen sind nach ihrer schweren Nieder- laae in Masuren inztmschen von bereit gehaltenen Reserven ans- Aenommen und durch Nachschübe wesentlich verstärkt worden. Sie versuchen auf der Linie von Augustow bis Praschnüsch an verschiedenen Stellen neue Vorstöße. Unterdessen ist die deutsche ^ Front in der Mitte teilweise einige Kilometer zurückgebogen und die Hauptkraft auf die beiden Flügel gelegt worden, um eine neue Umklammerung einzuleiten. Um dieser Gefahr zu entaehen, gibt der russische Befehlshaber, nachdem er in zahlreichen kleineren Gerechten 12 0Ö0 Gefangene abgegeben und starke blutige Verluste erlitten hat, am 11. erneut Befehl zum allgemeinen Rückzuge. 16-—22. März. Russischer Raubeinfall in den Nordostzipfel ^npreuszens. Memel zwei Tage in russischem Besitz. Fast alle «uS Memel verschleppten Einwohner können befreit und ein? Araber Teil des russischen Raubes diesen wieder abgesagt werden. März-Ergebnis. Sicherung der ostpreußischen Grenze, 66 000 Gefangene, 9 Geschütze, 61 Maschinengewehre. Ter April brachte bis gegen fein Ende nur kleinere, unbedeutende Gefechte. 5. EinMarfch in Kurl and. . Zwei Kolonnen, eine von Schmaleningken nach Norden und eine von Mmrel nach Osten, gehen am 27. April mit dem! ge- w^nsamen Ziele Schauten vor, ohne zunächst Widerstand zu finden, Schaulen wurde am 30. genommen., » „ Offenbar fand die Unternehmung gerade zu dieser Zeit des- halb statt, um die Russen zu verhindern, ihre Front in West- ganzren, deren Turchstoßung inzwischen hinreichend vorbereitet und für tue allernächste Zeit in Aussicht genommen war, min- deltens nicht zu stärken, möglicherweise sogar zu schrvächen. Der Zweck wurde voll erreicht. Von diesem Zeitpunkte ab wird der Zusammenhang der Vorgänge an Osten so eng, und die Wechselwirkung zwischen verbündeten deutsch-österreichischen Heere so stark, daß das ganze Gebiet nur in einem gemeinsamen Bilde betrachtet werden kann. III. Südöstlicher Kriegsschallplatz. Nussisch-Oesterreichische Kämpfe bis Ende April. 1 . Stand am Jahresbeginn. Der Ursprüngliche FeldzugSplan der Russen wurde von dem Gedanken geleitet, gegen Deutschland zunächst nur mäßige Kräfte meinenden, hingegen gleich im ersten Ansturm mit ungeheuren Massen über Oesterreich herzufallen und dieses zu zermalmen, worauf es dann, so rechnete man, nicht schwer sein werde, auch mit Deutschland tafnda rasa zu machen. An sich war dieser Gedanke naheliegend. Daß er im Grunde genommen gleich von vornherein mißlang, lag daran, daß die Russen trotz ihrer großen Neberzahl in allen Fewschlachten nur Niederlagen erlitten. Immerhin fielen die ersten Schläge für Oesterreich hart genug aus. Schon von Anfang September an mußten sie den größten Teil Galiziens raumen. Heldenmütig stellten sie sich Anfang Oktober zum zweiten Male. Wiederum war der Sieg mit ihnen, und die von ihnen gewonnene Schlacht von Jaroslau zwang die Russen sogar — leider nur für kurze Zeit —, bie Belagerung von Przemysl aufzugeben. Aber letzt nahnr daS Anrücken der russischen Reserven einen gc- ^idezu heuschreckenartigen Charakter an. Umgehungsgefahren nö- tigten die Verbündeten, also auch die Deutschen, zu einem zweiten Ruckzuge, der etwa am 10. November seinen Höhepunkt erreichte. Dann kam die Erlösung. Truppeiiverschiebuncgn vom Westen Nach dem Osten sowie zahlreiche Nachschübe ermöglichten den dritten Angriff gegen die Russen. Er richtete sich gegen das Herz von Polen ilnd gelang voNkommen. Am Jahresschlüsse hatten die Deutscher Russisch-Polen sozusagen bis an die 'Tore von Warschau besetzt. Ten Oesterreichern war die hierdurch bewirkte Verminderung des ihnen entgegen stehenden Druckes insoweit zugute gekommen, als sie in Urrgarn und Galizien ihre Stellungen gegerv- Über dem Novembertiefstand auf der ganzen Linie bis zum Schlüsse des Jahres um 10—20 Kilometer vorschieben konnten, während sie allerdings in der Biikowina nach eine weitere ffeine Ecke hinzu- verloren. So war die Lage am Jahresbeginn: von jetzt ab ging die Wertere Entwrcklung folgendermaßen vor sich: L. Kämpfe vom Jahresbeginn bis zum Dunajec-Durchbruch. - . D^r russische Vormarsch in den Bukowina erreicht tzmen Höhepunkt: der Rückschlag beginnt, und scholi anl nächsten Tage erobern die Oesterreicher die Stadt Kirlibaba und die die Stadt beherrschenden Höhen zurück; die Russen erleiden schwerste Verluste. 25 Januar. Beginn der ersten Karpathenschlacht. Es gelingt Pen Oesterrerchern durchgehends, die Paßhöhen wieder zu gewinnen; innerhalb einer Woche machen sie 10 000 Gefangene. ~ .2. Februar In den Karpathen wird zum ersten Male die Teilnahme der deutschen Truppen am Kanipfe offiziell gemeldet. 9. Februar. In der Bukowina dringen die Oesterreicher bis m Suczawa vor; der Rückzug der Russen nimmt teilweise fluchtartigen Charakter an. ' 1 13 Februar. Die Oesterreicher gehen an mehreren Teilen der Karpathenfront von der Llbwchr zum Angriff 'über. 16. Februar. Die Oesterreicher gewinnen in Südostgalizien die bedeutende Stadt Kolomea (50 000 Einwohner) und in der Bukowina am folgenden Tage Czernowitz zurück. 21. Februar. Die Gesamtzahl der seit dem 1 . Februar ein- gebrachten Gefangenen (Karpathen und Bukowina) beträgt 41000. _ . 21. März. Auf der ganzen Karpathenfront beginnt nach kurzer 5 /.hort nmchte er sich iiämlich bei der hohen rmd höchsten Beamtenschaft .dadurch mißliebig, daß er bei Gelegenheit einer Prüfung der Rechnungen der Fabrik 16 700 Silberrubel als unrichtig strich. Von diesem Augenblicke hatte er begreif!icherweiser den ganzen Tschim gegen sich, und eine unermeßliche'Reihe von Schikanen und Intrigen gegen den deutschen Erfinder war die Folge. >roch hatte Bauer die Geirugtmmg. daß er die Leistungsfähigkeit seines Unter- sseebootes in den russischen Häfen tatsächlich und unwiderleglich erweisen konnte. Schließlich freilich zerschlugen sich auch die russisen ' Aussichten, Bauer wurde mürbe und kehrte in die Heimat zurück. Hauffs Schrift, die wir hier m ihren Hcruptteilen auszugsweise wiedergegeben haben, blieb als das einzige Zeugnis der Leistungen zurück, die Bauer unter den schwierigsten Verhältnstsen vollen-, det hat und die ihm für «immer den Ruhm des ersten Erfinders des Unterseebootes sichern. ____ vermischter. * Der alte Fritz und das K l e i n g e l d. Die gegenwärtige Kleingeldnot gemahnt an zwei Anekdoten, die.über den alten Fritz im Umlauf sind. Es wird erzählt, daß der König einst in Potsdam über den Marktplatz ritt, just in dem Moment, als eine dichte Menge um zwei Streitende stand. Es handelte sich um einen Bäcker und einen Bauern, von dem der erstere Korn gekauft hatte, das er nicht der Verabredung gemäß halb in Kurant und halb in Sechspsennigeru bezahlen wollte, sondern bloß in letzterer Sorte. Der König wollte an Ort und Stelle höchstpersönlich den Handel schlichten und ermunterte den Bauer, doch darauf einzu- gcheu, Geld fei schließlich Geld, und warum er denn die Sechs- pfenniger nicht nehmen wolle. „^a," sagte dann der Bauer kurz, „nennt He se denn?" (nimmt Er sie denn?) Da blieb dem König nichts anderes übrig, als zu lachen und den Auftrag zu erteilen, man möge dem berechtigten Wunsche des Bauern willfahren. . . . Als ein andermal der große König die Berliner Kunstkammer besuchte und sich auch das Münzkabinett zeigen ließ, verlangte er die schönste und prächtigste Medaille zu sehen. Als man sie ihm vor- legte, betrachtete der König sie lange; dann nahm er ein Sechs- psemügsiück aus der Tasche, legte es daneben und sagte: „Wirklich, diese Münze gefällt mir viel besser!" * Was Fords Friedensfahrt ko st et. Was Mr. Ford aus Ehicago mit seiner Friedensfahrt allsrichten wird, ist mehr als zweisclhaft; gewiß aber ist, daß seine Unternehmung schon jetzt eiil hübsches Stück Geld gekostet hat. Die Kosten der Gesellschaftsreise bis zu ihrer Ankunft in Christiania werden in der vorwegischen Presse ans eine halbe Million Kronen, also etwa 560 000 Mark, a,^gegeben. Allein für drahtlose Telegramme war bis dahin ein Aufwand von 40 000 Mark gemacht worden und an Trinkgeldern für das Personal ans dem „Oskar II." wurdet, 36 000 Mk. spendiert. Und das ist doch erst der Anfang; die Reise der Fordschen Gesellschaft soll ja noch nach Stockholm, Kopenhagen und dem Haag ' gehen und an letzteren^ Orte sollen weitere Friedensfreunde aus einer ganzen Anzahl anderer neutraler Länder zu ihr stoßen. Es ist also als sicher anzunehmen, daß die ganze Expedition Herrn Henry Ford weit über eine Million Mark kosten wird, und wir fürchten, daß ihr Ergebnis dem Dichterworte entsprechen wird: »Ein großer Aufwand schmählich ist vertan." * Das Alt backen wer den des Weißbrotes und seine Verhinderung. Durch den Erlaß des Nachtbackver- botes ist die Suche nach Methoden, welche das Altbackenwerden des Weizenbrotes verhindern sollen, wieder dringend geworden, da die dafür gegebenen Vorschriften z. B. das Rösten der tags vorher; gebackenen Brötchen den Zustand des Frischgebackeriseins keineswegs wieder hersteilen. Das Mtbackenwerden des Brotes beruht Als chemischen Vorgängen, einem sogen. „Altern des kolloidalen Systems." Beim Liegen geht das Weißbrot sehr schnell in euren veränderten Zustand über, indem sich die Wcrsserm>engen in der I Krume, wo sie ursprünglich sehr reichlich, und in der Kruste, wo I sie sehr gering sind, ausgleicheN. In einem geschlossenen Räume, wie z. V. in einer Bwttrvmnrel, wandert das Wass^r aus der Krume in die wasserarme Kruste. Dadurch wirb die weiche, elastische Krume krümelig, während die Kruste :wch längere Zeit ihre Konsistenz beibehält. Je höher die das Brot umgebende Temperatur ist, umso schneller erfolgt das Altbackewverden des Weißbrotes. Das Verhindern des Wasserverlustes uud die Regelung der Temperatur- Verhältnisse muß also dazu führen, ein Altbackcnwerden nicht entstehen zu lassen. Dies ist durch Mikroskopische und kolloidchemische Untersuchungen 'von Verschaffelt ,md K a tz gelungen oder wenigstens in die Nähe gerückt. Wie das Bayerische Jndustrie- nnd Gewerbeblatt mitteilt, kommen mehrere Methoden in Betracht. Man kann das frisch gebackene Brot zur Vermeidung von Wasserverlust bei 50° 0 oder mehr aufbewahren. Die Krume bleibt dann frisch, die Kruste wird weich durch Wasseraufnahme. Wenn solch Brot wieder für kurze Zeit in den Backofen gebracht wird, härtet sich die Kruste uitd wird 'wieder knusprig. Tie andere Methode arbeitet im Gegensatz dazu mit tiefen Temperaturen. In Kühlräumen — die allerdings viel kälter als die für die gewöhnlichen Nahrungsmittel sein müssen und die'Temperatur der flüssigen Luft haben sollen — hält sich das Brot ebenfalls frisch. Llber auch in feuchten, gut ventilierten Räumen, wenn sie etwa 65 Prozent Feuchtigkeit enthalten, kann man dieselben Resultate erzielen. Die Durchfeuchtung des Aufbewahrungsortes wird durch Llnfstellen von Schalen mit gesättigter Kochsalz- oder Chlorkalziumlösung erreicht. Ein 'leicht zu handhabender Apparat, der eine Kochsalzlösung und einer: Ventilator enthält, ist imstande, am Abend zuvor gebackenes Brot knusperig bis zurr: t nächsten Morgen zu erhalten. Damit würde im Bäckereigewerbe die Nachtarbeit ein für allemal überflüssig werden und trotzdem der Verzehrer seine Befriedigung finden. In Italien ist übrigens seit dem dortigen Nachtverbot ein ähnliches Verfahren eingeftibrt, indem am Abend die Bäcker den schon gegorenen Teig in Mhlräume stellen und ihn frisch ausbacken, was sich gut bewähren soll. Büchertisch. — Die Monatsschrift „Die Frau", herausgegeben von Helene Lange (Verlag W. Mveser, Buchhandlung, Berlin S. 14). widmet ihr soeben erschienenes Dezemberheft der Besprechung der Bevölkerungsftags vom Standpunkt der Frau aus. In einem Aufsatz „Der seelische Hintergrund der Bevölkerungsfrage" kritisiert Dr. Gertrud Bäumer die Vernachlässigung sozial- psychologisck>er Tatsachen. Frau Anna Lindemann-Stuttgart behandelt lntter dem Titel „Hausmutter und Volkskraft" die Bedingungen häuslicher Kultur, die deu Willen zur Elternschaft wieder stärke,: würden. Die Wirkungen der industriellen Frauenarbeit auf oie Bevölkerunasarbeit bespricht Dr. Marie Bernays. Dr. Agnes Blühm bespricht unter dem Titel „Sozialpolitik und Rassenhygiene" die sozialpolitischen Maßnahmen, die znm Schutz der Volksgesundheit und zur Vermehrung der Volkskraft notwendig sind. — D e r R o s e n h o f. Roman von Lisa Wenger. Preis geheftet 3 Mk., gebunden 4 Mk. Verlag August Scherl, G. m. b. H., Berlin. — Lisa Wenger schildert nicht die heutige Zeit der großen Hotels und des internationalen Fremdentreibens. Sie schildert deutsch-schweizerisches Familienleben zu einer Zeit, die mit der unserigen eine gewisse Ähnlichkeit hatte. Das Jahr 1870, in dem der Krieg »wischen Deutschland und Frankreich bte deutsch-schweizerischen und französisch-schweizerischen Sympathien in einen ähnlichen Widerstreit wie die Gegenwart versetzte, bildet den Höhepunkt der Entwicklung des Romans und bestimmt das Schicksal der Heldin, das über Entfremdung, Trennung schließlich doch zu einem guten Ende führt. — Deutschlands Taten zurSee. Die deutsche Betätigung zur See von ihren Uranfängen bis zum Weltkrieg. In 200 Bildern dargestellt von Kapitän z. S. a. D. Wittmer, Vorstand des ReichS-Marinemuseums in Berlin. (Montanus-Bücher, Band 8.) Erster Dreißigtansend - Druck. Verlag von Hermann Montanus, Siegen. Preis Mk. 2,—. — Nr. 3 9 des „Wieland", die als Weihnachtsnummer erscheint, bringt ein farbiges Titelbild von Erich Schilling, ferner farbige Origiualblätter: „Weihnachten 1915" von Olaf Gul- bransson usw. Der literarische Teil bringt ein altes Gedicht aus dem 16. Jahrhundert, den „Weihnachtsmarkt" aus Walther Gott- heils Berliner Märchen, die Skizze „Heimkehrende Herde" von Ernst Szsp usw. Preis des Heftes 30 Pfg. („Wieland"-Verlag, G. m. b. H«, Berlin W. 9.). versleSräLsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Regensburg — Strenguäs — Jagen — Fischerin — Erdbeeren — Reisekleid *»— Gießhübel — Narrenpossen — Nichtswürdigkeit — Langmut — Spiegelberg. , Auslösung in nächster Nummer. { ±-\ i - r —- wfw Auflösung des Dexierrätsels in voriger Nummer: Wilna; Alwin-Lina, Nil, Ali, Mal. Schristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- uud Steiudruckerei, R. Lange, Gießen.