Moittag. den 20. Dezember Die vom Rauhen Grund. Roman von Paul Grabein. Copyright 1914 by Grelhleln & To., ffi.m.b. Leipzig. Gesetzliche For. rnel für den Schutz des Inhalts in den Vereinigten Staaten von Amerika. (NaKnuck verboten.) . (Schluß.) lAiuch zu dem Hause droben am Waldesrcrnd über EhristianAglück drang die Kunde. Dort standen auf dem Balkon Eke und Gerhard, nahe beieinander. So schauten auch sie hinab auf die steigenden Wasser. Nun drang daA dunkle Gerücht hinauf bis zu ihnen.. „Wie — ein Mensch dort drunten?" Erschrocken blickte Eke Bertsch an. Der schüttelte un- Qtäubig den Kops, nahm aber doch den Feldstecher und) beobachtete scharf die Ruine. Plötzlich aber ein Zu- sam menzucken. „Siehst du was?" Ein betroffenes Nicken. „Es ist so — ein Mann ist dort im Turm." „Großer Gott!" Doch nur eilten Augenblick dieses fassungslose Entsetzen bei Eke. Dann rief sie erregt: „Man rnuß hilr — ans' der Stelle." Aber Gerhard war schon fort von ihrer Seite, bereits drinnen im Zimmer anr Telephon. So horte sie gerade noch seinen Befehl zun: Werk hinüber: „Also sofort das Auto sertigmachen. In drei Minuten bin ich drüben." Und er eilte hinunter zur Garderobe. Doch da trat Eke neben ihn. „Ich begleite dich." 1 „Liebe — das ist Männerwert." „Du gehst in Gefahr. Laß sie mich teilen." „Eke!" Bittend ergriff er ihre Hand. Mer sie beharrte. „Ich lasse dich nun nicht mehr, Gerhard." Da verstummte er. Aber sein Mick traf sie, aufleuchtend in heiligem Glück. Seine Gefährtin — auch in Not und Tod. Schweigend half er ihr in den Mantel, dann eiltet sie hiiraus, hinüber zum Werk. !Aus dem Zechenplatz hielt schon der Wagen init laut arbeitendem Motor. Seine eisernen Flanken vibrierten unter den Stützen; ein edler Renner voll zitternder Begier, los- zustürmen. „Vorwärts — M animal geschwindigkeit!" Und die Maschine sprang an, schoß davon. Eine Staub- tvolke war alles, was den Nachschauenden noch sichbar war. Dias lvar kein Fahren mehr —1 nein, ein Fliegen. Unwillkürlich griff Eke nach einem Halt. 140 Kilometer! D>ie Räder berührten nur noch in sprunghaften Intervallen den Boden. Ein Rasen, ein Stürmen. Rückwärts sausten BfiUme, Wegsteine, die Linie der Chaussee — eine einzige, sich toll abspulende Schnurz Mit ratternder Gier fraß das Auw die Ferne in sich hinein. Kaum gesehen, war sie aujch schon verschlungen. Mehr her —i nur mehr! Und dazu der rasende Herzschlag des Motors. Wie ein dumpfer Wirbel: immer schneller, atem-- raubender, die Seele anpeitschend zu einem Rausch fiebertoll, wie dies Rasen selber. Eine Ekstase sondergleichen^ wir fliegen — hÄt fliegen! Kein Hindernis, keine Entfernung! Nur vorwärts, vorlvärts! Schneller —, noch schneller! Und bei alledem ein Untergpxrnke, ganz klar und doch ohne Schrecken: ein Versagen des Steuers, ein Reißen der Pneumatik, und wir liegen im Staube, mit zerschmettertem Hirn. Aber was tut's? Das Fieber in uns ist stärker, dies dämonisch aufjauchzende Glücksgefühl — dahin- zufliegeu, losgelöst von Erdenschwere, hinausgerückt über alle Grenzen der Natur! Mit neuem Erstarren sah es die dichtgedrängte Menge droben auf den Berghöhen. Was sollte diese tolle Fahrt drunten im Tal, anscheinend geradeaus in die Fluten hinein? Aber jetzt verhielt das Auto und stoppte. Tausende von Augen folgten den beiden Gestalten, die dem .Wagen entstiegen. Eke wußte einen Zugang zu dem Turm, der vielleicht noch gangbar war. Auf dem alten Wall neben dem Graben. Und wirklich — er ragte noch etwa handhoch aus dem schäumend quirlenden Strudel, der die Stätte des Adligen Hauses umbrandete. Aus diesem schmalen Pfade eilten sie hin zu dem Turm. Nun standen sie vor ihm. An dem erhaltenen Stumpf befand sich auch rwch der Anbau mit der Wendeltreppe, die in das obere Geschoß geführt hatte. Durch die klaffende Bresche, die die Sprengung gelegt, drang ihr Blick frei in das Innere des alten Gemäuers mit seinen mehr als meterstarken Wänden. Hier war einst Henner von Grunds Jagdzimmer gewesen. In Fetzen hing jetzt die braune Ledertapete hernieder. Ein wüster Schutthaufen deckte den Estrich — ab- gestürzte Massen vom Deckengewölbe. Trotz ihres Grauens wollte Eke den Fuß über die geborstene Schwelle setzen — wo weilte nur der Unglückliche, dem die Rettung galt? Aber Gerhard hielt sie zurück. Jeden Augenblick konnte ja ein neuer Nachsturz von oben erfolgen. Und nun rief er laut hinein in die Ruine: „Hierher! Hier ist der Ausweg!" Eine Weile Totenstille in dem verlassenen Gemäuer. Nur das dumpfe Rauschen der Wasser, die da draußen stiegen, langsam, Linie und Linie, aber siegesgewiß. Noch einmal ein Rufen Bertschs, stärker noch, warnender — da endlich ein Geräusch wie von Schritten, von der Wendeltreppe her, und jetzt löste es sich aus dem Dämmerlicht drinnen. Eine hagere Gestalt trat langsam auf die beiden zu, umhüllt von einem wettergeblicheneu, einst schwarzen Pelerinenmantel. Unter dem Schlapphnt glühten mit wirrem Leuchten ein vaar tiefliegende, dunkle Augen. „Tillmann — Ihr!" , Betroffen erkannte Bertsch den Hirten. Doch dann wmkte er ihm, eilig drängend. „Was schafft Ihr hier? Fort — fort!" Aber der Alte schüttelte mit einer ruhigen Gebärde den Kopf. — „Wie? Ihr wollt bleiben?" Nur ein gelassenes Nicken. Eke starrte verständnislos Eberhard an. Der freilich begriff. Schon lange hatte es ja droben in Rödig geheißen, nnt dein Tillmann ging es nicht mehr. Immer verschrobener wurde der Alte. Gänzlich wirr im Kopf. Drum wollten sie nai auch einen neuen Hirten kommen lassen zum Frühjahr. Und der Titlmann sollte ins Armenhaus. Nun sah er -es mit eigenen Augen: die Leute sprachen wahr. Es war nicht mehr richtig mit dem Tillmann. Doch »nährend er es noch dachte — plötzlich ein dumpfes Krachen! Weißer Gischt sprühte hoch aus, an der Außenseite des Turmstumpfs. Unter dem gierigen Nagen der! Wasser hatte sich an der Bruchstelle abermals ein Stück Mauerwerks gelöst. Ein unheimliches Warnsignal. Ein Grausen packte Eke. Ihr Arm streckte sich be- schlvorend zu dem Alten aus. „Um Gottes »Villen — fort, fort!" Der Ruf des Entsetzens lenkte Tillmanns Blick auf die junge Frau, die dort stand im düsteren Rahmen des geborstenen Gemäuers. Eine blonde Lichtgestalt, wie ein Sendbote des Lebens. Und plötzlich sank der Schleier vor seinen Augen. Ein Erinnern kam ihm an die Stunde, wo die dort chm einmal Gutes erwiesen, und langsam hob er die Hand gegen sie. Wie ein Grüßen und ein ernsstesl Mahnen zugleich: Hier ist kein Ort für die, die noch etwas erlvarten vom Leben. „ „Tillmann, nehmt doch Vernunft an!" Noch einmal drängte Bertsch. „Komm mit uns!" Da öffnete sich endlich der schweigsame Mund. Doch nur zu drei kargen Worten: „Wohin? — Ins Armenhaus?" Gerhard verstummte. Aber Tillmann richtete sich jetzt hoch auf. Sein Blick ging herum m dem einstigen Gemach Henner von Grunds, mit einem dunkeln, stolzen Aufslackern. Und es war den beiden, als hörten sie seine unausgesprochenen Gedanken: r" iT J? 1 “!’’ ich, wo ich hingchöre! All mein Leben hindurch Hab ich nnr daran gedacht, daß ich einmal Herr sein sollt rn diese», Haufe Nun ist's doch noch so gekommen. Hab' ich's nicht immer gesagt? As gibt doch noch ein Recht auf der Welt! Der, der mir's streitig gemacht ? m Sinken, vor mir. An seiner Leiche 'ch gestanden. Und jetzt steh' ich hier auf seinem Grund und Boden. Nun ist er mein, ninn bin ich Herr. Und keiner wird mich mehr sorttrerben — keiner! Ni« ans seinem Blick zu Bertsch ^lugen"^ et lt ” rw Glichen in den tiefliegenden 1tm ^ Mb Gerhard es auf. Entschlossen legte sich sein Arm hnmf’r 91 ^ langen Weibes an seiner Seite pulste chm warm das Leben entgegen. Fort von hier — von der Schwelle der Vernichtung! arr Wählte ihr Zögern. Bang hing ihr Blick an dem Alten, der dort stand, starr und unbeweglich. „Laß ihn. Er hat recht I" Ernst klang es zu Eke hin. „Diese letzte Stunde grbt ihm, worum ein ganzes Leben ihn betrogen. Gönn' es ihm!" ' Unter den mahnenden Worten wich die qualvolle Spannung in Eke, und wie sie jetzt noch einmal hinsah mflf Tillmann von Grund, den Dotgeweihten in dem totqeweih- der dater, packte es sie an. g-ast ein Schauer der Ehrfurcht. Nur ein armer, wirrer Narr, und doch — j* "At treuer seinem Blut als sie alle vielleicht, die ernst den Namen des Grunds getragen? Da kan, es laut von Men Lippen: „Leb' wohl, Tillniann von Grund — leb' wohl'" ^Der Alte sah nicht mehr her zu thp. Sein Blick wirr wie abaewandt der Welt und all ihrer Nichtigkeit. So schritt er langsam zurück, von wo er erschienen, und entschwand im Dunkel. „Komm!" Mo starker Hand zog Gerhard Bertsch die mit sich die »rnn rhm zu einen war. U"d es war hohe Zeit. Der schmale Damm, ans dem 1 ftc sich zurückflüchteten, war inzwischen schon vielfach durchs brochen. Die Wasser gurgelten hohl in oen Breschen und fraßen gierig weiter an dem nachbröckelnden Erdreich. Tief atmete Bertsch ans, als er glücklich mit Eke drüben »uar^ »mccier: im Bereich des festen Lcuwes. Dort trug sie der» Wagen nach Hanse zurück. Vom Balkon aus sahen sie dann wieder hinab ins weite Tal. Aber ihre Blicke hingen nur an einem Punkts Unverwandt, stumm, in einem gefaßte»:, tiefernsten Er-, warten. Plötzlich aber zuckte Eke zusammen. Ihre Hand wies' hin zu dem dunkeln Tnrmstumpf dort drunten in der» quirlenden Seeflut — ein Wanken oes massigen Gemäuers! Wie ein silberweißer Schleier löste es sich im selben Ailgen- Mtd: von dem düsteren Manerkranz und schwebte kreisend über ihm — die ans ge störten, ängstlich flatternden Tauben. Ein Neigen -—langsam, schwer legte sich der Turm zur Seite. Und nun eine ausgepeitschte Riesenwoge, die hoch znmj Himmel sprang. Verschtvnnden war im Flutengrab das alte Wahrzeichen des Hauses derer von Grmid. Mit ihm der letzte Träger ihres Namens. Stumm faltete Eke die Hände. So sah sie hirraus, bis das »vilde Wirbeln der schäumenden Wasser allmählich erstarb. Ueber dem Strudel kreiste hoch in der Luft noch eine Weile hellschinimernd der Schwarm der Tauben. Als aber die dunkeln Fluten nichts Wiedergaben von dem, toas sie verschlungen, da strichen die Tiere endlich ab. „Nun suchen auch sie sich eine neue Heimat." Es war das erste Wort, das Eke wieder sprach, und dicht schmiegte sie sich an den Mann ihr zur Seite. Doch dam: wies sie hinaus, wo über den Bergen die Sonne versank. Noch glühten in einem letzten heroischen Ausflammen am ALendhimmel ihre pnrpurgoldenen Lebens- ströme. Aber darüber standen düsterschwere Wolkengebilde, langgestreckt — wie riesenhafte Särge. Da sagte sie, aus bekloinmener Brust: „Ist es nicht, als ob auch die Natur trauerte über all das, war hier versank?" Fest legte Gerhard Bertsch seinen Arm um ihre! Schulter. ' uie J ist versunken. Eine Welt voll enger Traulichkeit. Aber ihre Zeit war erfüllt. Und eine neue fteiqi dorthin Eschenst" die sie begruben. — Laß uns! Und er wandte ihr Haupt von der Richtung der sterben- den Sonne fort, zur andern Seite des Tals, wo die Tal- sperre sich erhob. Vom letzten Abendschein ülbergossen, schim- merken die weißen Bauten herüber, und, sie alle überragend, die feierlichen edlen Formen des Kraftwerks. Wie ein Tempel, überstrahlt von der Glut der Opferbrände stiea der gewaltige Bau empor, groß, ernst, in machtvollem Schwelgen Und em Tempel in Wahrheit. In seinen hohen Ha len hütete er die Feuerfunken ungeheurer, schöpferischer Kr-fte die in zuckenden Wellen hinausströmen würdet ! lBe 5 di« Lande — Leben zeugeiid fort und fort, pulsen- ^istreibendes, schaffendes Leben der aufwärts ringenden m r? 1 ? ! Ä te Eke ihr Haucht voll Zuversicht an die breite Brust das Mannes, dessen Augen mit einem stolzen Leuchten RaUhmi^Grundes^ I Unerschrockenheit. Da hörten wir, daß frisch angekommene indische Truppen die uns gegenüberliegenden Stellungen besetzt hätten. An diesem Tage war er ganz gegen seine Gewohnheit merkwürdig verschlossen und ließ sich mit niemand in ein Gespräch ein. Tes Nachts mußte er sich wohl heimlich fortgeschlichen haben, denn am anderen Morgen, als es kaum dämmerte, kam er mit emem Tutzend malerisch aussehender, schokoladebrauner Gestalten ^u,^die sich gefangen gaben. Er hatte sich an ihre-Gräben herar^- geschlichen und mehrmals einen geheimnisvollen, nur in Indien bekannten Vogelruf ausgestoßen. Tie Indier waren dem ihnen bekannten Ruf nachgegangen, bis sie merkten, daß sie in eine Falle gelockt wurden. Unser Held verstand aber ihre Muttersprache, und auf sein Zureden geben sie jeden unnützen Widerstand auf. Für dieses erfolgreiche Unternehmen erhielt er die Gefreitenknöpfe und wurde zum Patrouillenführer ernannt. rvr L^bm zweiten Versuch hätte er beinahe sein Leben eingebüßt. Tie indischen Offiziere hatten wohl Lunte gerochen und paßten scharf auf. Eines Abends nmßte er einen wichttgen Pa- trouulengang machen. Er nahm nrich und noch einen Kameraden f, a i u wlt. Es war uns eingeschärft worden, die allergrößte Vorsicht zu gebrauchen. Ohne unseren Babah wäre aber keiner von uns zurückgekehrt. Wir hörten plötzlich hinter uns jenen verdächtigen Vogelruf, und es dauerte nicht lange, da erscholl von den feindlichen Gräben her die glnche Antwort. Wir glaubten uns verloren. In einem kleinen Gehölz suchten wir Deckung und packten unsere Gewehre, um unser Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Diesmal waren wohl wir in eine Falle gegangen, und wir bezweifelten sehr, daß •<$ uns so gut geben würde, wie den zwölf Indern. « "Ec unser Führer? Hatte er, der sonst so Kaltblütige, den Verstand verloren? In fliegender Hast zog er sich fernen Waffenrock ans, seine Hose und Stiefel, bis er nur noch mit dem Hemde bekleidet dastand. Aus seinem roteil Taschentuch drehte er sich einen Turban. In seinem langen, rvallenden, fast bis an me Krwchel reichenden Hemd, mit dem roten Turban mrf dem ^ipf und seinen vor Aufreming fieberhaft glänzenden Augen machte er einen überaus fantastischen Eindrrlck, und man konnte ihn wohl fttr einen echten Fakir halten. Er flüsterte uns zu, wir sollten uns so gut wie möglich verstecken und uns mäuschenstill Verhalten, auf keinen Fall aber schießen. Nun begann er einen wilden Tanz au ftn führen, wobei er die unglaublichsten Gliederverrenkungen machte uird fremde, "c^^sta übliche Laute aus stieß. Es war noch ziemlich dunkel, 'öttpjuji mußte in seinem leuchtenden Hemd, das zwar schon etwas „feldgrau" geworden ivar, von weiten: zu sehen sein. Bald hörten wir auch ein erstaunliches Flüstern, und nach und nach suchten eine ganze Menge dunkler Gestalten mtf, die sich im Halbkreis um Babath aufstellten, ihn in seinem Tanz aber nicht zu störe:: wagten. Schneller und schneller sprang dieser umher, das Hemd schlug gegen seine dürren Lenden, seine Augen schossen Blitze, und finster und drohend schien er auf die Inder einzureden, die sich unschlüssig und halb' furchtsam anblickten und dabei lebhaft mit den Händen gestikulierten. . Ta^ erscholl plötzlich von oben in der Luft eine fremde, geisterhafte stimme, dam: noch eine, jetzt loar es schon ein ganzer Schwarm, Namen schwirrten durch die Lust. Jetzt schien es. abs wenn sich einzelne Geister wutentbrannt auf die entsetzten und von abergläubischer Furcht bebenden Inder stürzen wollten Tas war zu viel für diese harmlosen Natursöhne. Einer nach den: anderen verließ lautlos diese unheinrliche Stätte Wie aber lrefen, so schnell uns un,ere Füße tragen wollten, Babah noch barfuß und :m Hemd, bis wir unsere schützenden Gräben erreicht hatten. ’ Noch atemlos erzählte er unä dort, wie er, den Aberglauben bfr Inder ausnützend, ihnen erzählt hatte, daß in dem kleinen, Gehölz, wo wir uns versteckt hielten, die Geister jener zwölf für sie auf so rätselhafte Weise verschwundenen, von ihm entführte:: Inder hausten. Er selcht habe sich für einen heiligen Priester ausgegeben, der beauftragt sn, für die Seelen der Dahingeschiedenen zu beten *$$**$!% an leinen Worten zu zweifeln schienen, habe er die Geister selbst antreten lassen, und hierbei zeigte er lachend auf seinen Bauch. Zum Glück hatte er sich chre Namen gemerkt, und so ließ er jeden Geist erst feierlich seinen Namen nennen und dann die heftigsten Drohungen gegen die entsetzt dareinschauenden Inder wegen der Störung ihrer Ruhe ausstoßen. So meister- yast hatte er die Kunst des Bauchredens geübt, daß anscheinend keiner der braune:: Söhne Indiens an der Echtheit der Geisterstimme gezweifelt hatte. Hatten wir unsere Aufgabe nicht vollständig lösen können, )o wurde uns doch die Genugtuung, daß wir in der folgerten! Nacht mit stärkeren Kräften unter Babah's Führung einen gelungenen Überfall ausführten, der eine größere Zahl Gefangener einbrachte. Ber deren Vernehmung machte Babah den Dolmetscher, und dabe: brachte er heraus, daß mehrere von ihnen alte Be- kante aus lener Geisternacht waren. Mit ^Erlaubnis des Hauptmanns führte Babah zum Ergötzen unserer Soldaten noch einmal seine:: grotsken Tanz auf, der bei Tageslicht alles Unheimliche verlor, dafür aber um so komischer wirkte. Den Indern aing ein Licht auf und sie schnauften vor Wut. Babah aber sprach ihnen in ihrer Muttersprache gütlich zu und beruhigte sie bald, indem er ihnen erklärte, daß sie ja nicht in Fe:M»es- sondern in Freundeshand gefallen seien, da doch unser oer Freund und Bundesgenosse des türkischen Sultans, des Oberhaupts aller Mohammedaner, sei. vermischtes. * Htndenburgs Weihnachtsbonbon. Auch Hinden- burg war ein Kadett wie andere und die Ferien für ihn goldene» beißersehnte Zeitabschnitte. Besonders groß war begreiflicherweise stets die Freude auf die Weihnachlsferien, wie auch aus alten Briefen des einstigeii Kadettletns noch deiitltch zu ersehen ist. An Weihnachtswünschen fehlt es darin natürlich nicht. Da erbittet er sich einen Tuschkasten, ein Messer, ein Buch - „womöglich der Waldläufer oder Pfadfinder". Der Wunsch nach einein Album aber erscheint dein Dreizehnjährigen so kühn, daß er selbst drei Fragezeichen und drei Gedankeiislriche dahintersetzt. Eher wagt er zu hoffen, daß die gnadenbringende Weihnachtszeit ihn in den Stand setzen werde, ein anderes schönes Ideal zu verwirkliche!:: Jeder Kadett hatte nämlich das Recht, wenigstens das oberste Fach seines Plltzspindes ganz nach Belieben einzurichten oder auszuschmücken, damit der eigenen Phantasie doch auch ein Tummelplätzchen bliebe. Paul Hindenourg träumte nun von der folgender: Ausstattung, die er mit den Wörter: beschreibt: „Hinten ar: der Wand einen großen preußischer: Adler, in der Mitte auf einer Erhöhung den Alten Fritz mit seinen Generalen, am Fuße derselben eine Menge sthwazer Husaren, vor das Ganze eine Kette gezogen, hinter welcher Kanonen stehen, und vor der Kette zwei Schilderhäuser und zwei Grenadiere zu Friedrichs des Großen Zeiten, doch hierzu fehlen mir die Sacher:; :ch hoffe auf Weihnachten.- Auch die anderen berühmten Freuden des lieben Christfestes, die Magenfreuden, wurden von dem künftigen Feldherrn gebührend ausgekostet, und wen,: er und seine Brüder nach fröhlichen Tagen die Heimat wieder verlassen mutzten, dann ließen die beiden sich nicht lange dazu nötigen, reichlich Nasch- werk von: Chrislbaume mitzunehmen. Wurden nun aber im Kadettenhause die beiden Koffer rvieder aus die Kleiderkammer abgegeben, so pflegte,: die Brüder grundsätzlich je einen Bonbon ln ihnen zurückzulassen. „Da war denn Osteri: die Freude groß, daß der Bonbon im Koffer gesurrden wurde, wenn zum Osterurlaub die Koffer rvieder ausgeteilt wurden," schreibt Bernhard v. virrdeuburg im Lebeusbilde des Generalfeldmarschnlls. „Mit der Begrüßung dieses Bonbons versank wie in einem Märchen die lauge Zeit zwischen den Ferien in ein nichts. Die Ferien flössen zusammen, sie waren die Sieger." — Das Gefrierfleisch als hygienisches Nahrungsmittel. Wie man schon in Friedenszeiten, um zu billigem und zugleich frischem Fleisch zu gelangen, ganze Transporte von gefrorenem Fleisch in besonderen Schiffen und Eisenbalm-i wagen ans Argentinien und Australien bezog, so kann es in der jetzigen Zeit von Bedeutung sein, unser eigenes Jnländfleifch aus d:ese Weise zu konservieren, un: die Fleischvorräte möglichst „strecken" uub gleichmäßig verteilen zu können. Deshalb ist es vor: Wichtigkeit, sich über die Wirklmgen, die das Gefrieren deS Fleisches in Geschmack, Nährwert und hygienischer Zuverlässigkeit nach sich zieht, und die Bedingungen, unter denen eine möglich^ Vollkommene Konservierung ftattfindet, klar zu werden. M. Reuter Hot eine Betrachtung dieser Art im „Prometheus" veröffentlicht, die ein sehr günstiges Ergebnis für die Beirrte rinn a des „Eis- flcstsches" ergibt. Es ist vor allem nötig, daß das Gefrieren unmittelbar nach dem Schlachten einsetzt und bis zur Verlvendung des Fleisches aufrecht erhalten wird, wobei ein vollkommenes Durchfrieren bis in den innersten Kern stattfinden muß. Von welcher Dauer ajber dann eine genußfähige Aufbewahrung des Fleische sein kairn, zeigt die Tatsache, daß die Jakuten das seit! Jahrtausenden im Eis der Lena angesrorene M a m m u t f l e i s ch zu gewinnen suchen, um es an ihre Hunde zu verfüttern. Da die beim Gefrieren in Betracht kommenden Temperaturen nicht die geringste lebenerschwerende Wirkung auf die Bakteriell, Fäulniserreger usw. ausiiben, diese im Gegenteil für spätere „Arbeit" nach dem Austauen frisch und leistungsfähig erhalten, ist von hoher Bedeutung, daß nur das Fleisch von unbedingt gesunden Tieren verwendet wird, lind daß auch die Kühlräume peinlichst sauber und von jeder Infizierung durch Menschen oder andere Uebertragnng freigehalten werden. Dagegen ist es unwesentlich, welche Flisch- art oder welche Tierart für die Aufbewahrung herangezogen wird. Für die Verweisung von hygienisch einwandfreiem Fleisch und eine Ueberlvachung der Kühlräume ist in Deutschland durch entsprechende Gesetze und ausübende Kontrollheamte hinreichend gesorgt. Nach dem Auftauen soll das Gefrierfleisch nicht mehr lange Zeit der Luft ausgesetzt werden, auch ist eine Verarbeitung zu Hackfleisch, hauptsächlich im Sommer, dringend zu widerraten, da das durchnäßte Fleisch einen 'überaus günstigen Nährboden für schädliche Keime jeder.Art darstellt. Im übrigen sind die Gefahren der Fleischnahrung, wenn man von solchen sprechen kann, bdim Gefrierfleisch nicht größer als bei dem gewöhnlich zum Verkauf ausliegenden. Trotzdem bestehen immer noch gewisse Vorurteile gegen das Gefrierfleisch, die allerdings dadurch erklärlich werden, daß das Fleisch beim Austauen seine bisherige Frische verliert und leicht welk wird. Diese Erscheinung beruht aber auf einem rein physikalischen Vorgang, dem sog. „Reifungsprozeß", der unter der Einwirkung niederer Temperaturen 'Xvei j^>em Fleisch eintritt und eine Selbstauslösung der elementaren Bestandteile zur Folge hat. Das Gefrieren befördert diesen Prozeß, der beim Auftauen des Fleisches zu Tage tritt, aber es muß betont werden, daß der Nährwert zutage tritt, aber es Muß betont werden, daß der Nährwert des Fleisches in keiner Weise dadurch herabgesetzt wird. * König Nikitas Gesetzbuch. Die Untertanen König Nikitas sind em recht eigenwilliges Volk, das in allen Lebensverhaltnissen mehr auf seine eigene Kraft als auf all das „Geschwätz" vertraut, womit andere Völker ihre „Papierfetzen" (so nennen die Montenegriner die Gesetzbücher) zu füllen pflegen. Jeder rechtschaffene Montenegriner verabscheut und verhöhnt dieses „Gewäsch" von ganzem Herzen. König Nikita aber, der durch abendländische Anschauungen augenscheinlich bedenklich beeinflußt ist, ließ znm Entsetzen feiner Untertanen ein Gesetzbuch verfassen, das zum mindesten ihren größten Exzessen einen Damm entgegensetzen sollte. Ein Studinin dieses Gesetzbuches, aus dem das „S v e n s k a Dag blad et" einige bezeichnende Proben mitteilt, gewährt einen interessanten Einblick in die Kulturznstände dieses Landes. Paragraph 28 lalltet z.B.: „Es ist in Friedenszeiten nicht zlltässig. daß eiile ganze Bande plündernd über die türkische Grenze dringe. Jedes Verbrechen, das ein Monteilegriner im fremden Lande begeht, wird gerichtlich ganz ebenso bestraft werden, als lväre es im eigenen Lande geschehen." Im Paragraph 34 heißt es: „Wer eineil un- schllldigen Montenegriner mit den Füßen stößt oder mit dem Pfeifenrohr (!) schlägt, soll 50 Dukaten Buße zahlen. Falls der Angegriffene aber sofort seinen Angreifer tötet, so soll die Sache als abgetan gelten. Tötet jedoch der Allgegrissene feinen Angreifer erst nach einer Stullde oder nach einem ganzen Tage, so sott er für vorsätzlichen Mord bestraft werden." Dle Blutrache wird in Paragraph 39 lläher präzisiert. „Es ist voil »im an streng verboten, bei Ausübung der Bliitrache an dem Schuldigen auch dessen unschuldigen Bruder zu töten." Paragraph 59 lautet: „Wer ei,len Dieb ivährend seiner Tat niederschießt, erhält eine Belohnung von 20 Dukaten." Zum Schluß sei noch folgendes Verbot des 89. Paragraphen erwähnt: „Der Brauch bei Frauen llud Männern, sich beim Tode eines Familienmitgliedes die Haare abznscheren und das Gesicht zu zerfleischen, m>i wegen der Trauer so entstellt nmher- zllgehen, ist »licht mehr gestattet." vüchertisch. — „H e i m a t d i e n st im e r st e i» K r i e g s j a h r." (2. Kriegs- iahrbuch des Binldes Delltscher Frauenvereine 1918.) Im Anitrage des Bllildes Delltscher Franenvereine heransgegeben und bearbeitet von Dr. Elisabeth Altnlann-Gottheiner. Mit 4 Tafeln und 2 Ab- bildnngen im Text. Preis gebunden Mt. 4,—. Verlag von B. G. Tenbner, Leipzig und Berlin. (Ein Teil des Ertrages ist für den nationale,» Frauendienst bestimmt.) Während draußen in Feindesland deutsche Männer todesmutig Wacht halten, um das Vaterland zu schützen, stehen drinnen delltsche Frauen in heißem Bemühen, die schweren Schickfalsschläge, die der Krieg über ihr Vaterlaild gebracht hat, zu inilderi», die Wlderstalldskraft ihres Volkes zu erhalten und zu festigen. Auch diese im Dienste der Heimat stehenden Kämpierinnen verdienen ein Denkmal ihrer Arbeit. Als dieses darf gelten das unter dem Titel „H e i m a t d i e n st im er st e n K rieg s j ah r" herausgegebene 2.Kriegsjahrbnch deS Bundes Deutscher Frauenvereine, das eine Zusammenfassung alles dessen bietet, was von ben Frauen im ersten Kriegsjahre aus dem Gebiete der sozialen Kriegsfürsorge geleistet wurde. Es redet in seiner Schlichtheit eine eindringliche Sprache von Aufopferungsfähigkeit nild stillem Heldenmut, und ist gleichzeitig ein Hohes Lied auf die D ganisationskraft der deutschen Frau. Es berichtet nach einem von Frau Jenny Apolant bearbeiteten Kapitel: „Organisatlon und Aufgaben der Kriegsfürsorge in den verschiedenen Städten" über alle einzelnen Zweige der Kriegsfürsorste, über Ernähiungs-, Wohnnngs- »nid Bekleidnngsfürsorge, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Wöchnerinnen-, Säuglings- und Krnderlürsorge, Fürsorge für Krieger-Witwen unb -Waisen, Flüchtiingsfürsorge, kriegSgemä-ße Lebensweise und Kriegsfürsorge au? den» Lande. Die Uebersichlen ützer die Kriegsarbeit des Blindes Deutscher Frauenvereine und die verschiedenen Berufs» Ulld Fachverbände bieten Anlaß z»l lehrreichen Vergleichen zwischen den Arbeitsmekhodel» in»d Hilfseinrichtungen verschiedener Städte und zeigen typische Bilder aus dem Heimat- dienst der deutschen Frauen. Der nur durch starke Erweiterullg seines Umfanges ermöglichten Verarbeituilg des ungehenren Materials tritt der für die Vereine so wichtige Adressenteil und das Kalendarium, das auch in diesem Jahre ivieder auf die Zeit bezügliche Aussprüche bekannter Frauen enthält, zur Seite. — Wilhelm Bölsche. Die deutsche Landschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Mit 145 Bildern und einem farbigen Kunstblatt. Erschieilen in der Sannnlung: „Lellchtende Stunden", — Eine Reihe schöller Bücher — herallsgegeben von Franz Goerke, Direktor der Urania, Berlin. (Vita, Deutsches Verlagshans, G. m. b. H., Berlm-Eharlottenbnrg. Preis: Kartoniert Mk. 1,75, gebundei» Mk. 2,80). — Bölsche's sonniger Geist führt uns in diesen» Bande der „Leuchtenden Stunoen" unter Heranziehung einer Fülle reizvoller Bilder durch die deutsche Landschaft. Delltiich schaut a»ls rtnserem schöllen Heimatbilde das Antlitz vergangeller Erdepochen: Die atieu Massengebirge kristallinischen Ursprungs in »mseren Mittelgebirgel», das Urmeer ans versteinerten Ozeantieren in der Eifel, Reste ll»»erhörter Ueppigkeit in lnlseren Sleinkohlengebieten. Von Deutschlands Wüstenzeit spricht die rötliche Klippe Helgolands, der rostrote Renaissancetrauln des Heidelberger Schlosses. Die großartigen Bilder der Jnralandschastei», der schwäbischen Gaue n»it ihren vor- weitlichen Niesentieren mrd Korallenriffei», ferner als praktische Geschenke urserner Tage: Die gewaltigen Kalilager, die weiße Kreide ans Rügen, der Bernstein der Wälder des Sailllandes, die Braunkohlenlager Böhmeils; weiter die ergreifenden Natnrkunstwerke der Sächsischen Schweiz, u. v. m. ivird uns hier mit ineisterlicher Dar- stellllngskraft vor Augen geführt. — Die „Fliegenden Blätter" (Verlagsbllchhandlung Braun & Schneider, München) haben in der Erkenntnis, daß deutscher Frohsiiln, deutsche Kunst gerade jetzt in beu Tagen schwerster Prüfung und bitteren Leides mlserem Volke in Waffen und zu Hause doppelt nötig ist, sich während der ganzen bisherigen Kriegszeit nach Kräften bemüht, vo»i dem Guten das Beste zll bringen, »vas in Wort und Bild den Soldaten und denen daheiil» nicht mir ein vergessendes frohes Lachen abgeivinnen kann, sonder»i zugleich auch den Völkerkrieg in seinen erhebenden und Milt und Kraft stärkenden Zügen klar beleuchtet. Gleich den literarischen Beiträgen sind es, wie ans dem uns vorliegenden Halbjahrsbande hervorgeht, gerade jetzt im Kriege auch die zahlreichen und schönen Bilder von Künstlern ersten Ranges, die das vaterländische Empfinden erfreuen und befriedigen. Geschmack- und taktlose Beiträge haben »vir nirgends findeil können. Rösselsprung. und nur wenn aus gen gen Pracht inner der sie stei nacht voll er auch gleich daß laus gen des neu der UN ist »ei tag es jahre ist lebens ster in Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß Schwarz. 1) väl nimmt ä2-s 0? e nimmt <12. 2) T c 3 — e 3 Beliebig. 3) Turm oder Lauter gibt matt. Schriitleituna: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühi'schen Unioersitäts°Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.