; Die vom Rauhen Grund. Roman von Paul G r a b e i u. LopvriLkt 1914 by Greihlcin & La., er Rensch-Mannes im Gefängnis, als ein Bankrotteur und SaMindler! Tagelang sprach man von nichts anderem tm Rauhen Grund. Und ein wildes Frohlocken ging um bei allen denen, die es mit Pastor Burgmann hielten.' War es nrcht gekommen, wre er es so oft vorausgesagt? Ein Ende nnt Schrecken hatte die neue Herrlichkeit gerionimeu Wer wußte, ob nun nicht auch bald der andere an die Reche kam? Und mancher Blick flog hinauf zu den ragenden ä u dem prächtigen, Villenähiv- lichen^Gebaude, rn dem Bertsch wohnte, jetzt nun schoii Jahr Au§) in das Adlige Haus drunten im Grunde war die aufregende Künde gedrungen und hatte die Stille ansgestört, die dort über dem düsteren Gemäuer lastete, seitdem sie den alten Herrn an einem strahlende:: Herbsttag hinans- getraaen hatten zur letzten Ruhe, in die Familiengruft der Grunds neben dem Rödcher Gotteshause. Eke zwar hatte die Nachricht ohne tieferes Empfinden hingenommen. Was ging sie dieser Mensch an, den sie da in Haft genommen? Mochte er mit sich und seinen Mchtern abmachen, was er verschuldet. Nur die armen Leute taten ihr leid, die ihm allzu vertrauensvoll zum Opfer gefallen waren, und sie beschloß, die Not zu linder::, soweit das in ihren Kräften stand. Jetzt, wo sie nach des Oheims Tode Miterbin des ansehnlichen Familienbesitzes geworden war, konnte sie ja den: Triebe ihres Herzens folgen in solchen Dingen — ungehindert. Und dieses Bewußtsein trug zum ersten Male wieder einen lichterer: Schein in ihr Leben, das sonst grau vor ihr lag. Jenes Hoffen, das sich Uoch einmal in ihr hatte regen wollen, im eigenen Hanse Wärme zu verbreiten, hatte sie aufgegeben, seit dem Fehlschlag des erster: Versuchs. Ihr Stolz setzte sich keiner zweiten Mlehnung mehr aus, u:ck ihr Gatte tat ihr seinerseits keinen Schritt entgegen. Sie nahm es hin ohne Vorwurf. Vielmehr mit dem klarenr Bewußtsein: sie selber trug die Schuld daran. Lange genug hatte er ja um sie geworben, still und zart; aber sie hatte sich ihm verschlossen. Nun war es eben zu spät. In diesem Bewußtsein ertrug sie auch noch anderes. Eures Tages war ihr ein Brief zugegangen. Von einer anonymen Schreiberin. Darin stand, daß die häufigen Fahrten ihres Mannes nach Köln einen andern Grund hätten als seine angeblichen Geschäfte. Sie möchte auf ihrer H:U sein. Ihr Mann habe eine Geliebte in Köln. Tief erblaßt war Eke in: ersten Augenblick. Also das war es: Bei einer andern suchte Eberhard, was er nicht gesunde:: im eigenen Hause. Und ihre erhebende Hand griff nach dem Schreiben. In sein Zimmer wollte sie es legen, ihm auf den Tisch. Schweigend, ohne ein Wort. Daß er es fand, wenn er wiederkam von seinem heimlichen Wege. Aber schon an der Schwelle kehrte sie un:. Nein — und ihr Stolz kam ihr wieder. Wollte sie auf eine Verleumdung h:n glauben und verurteilen, die feige im Dunkeln schftch? (Fortsetzung folgt.) oer Crou. Von Franz Rein hold Zenz. Wie ich ihn kennen lernte? Wir kamen als ein Trupp von etwa 2 Dutzend Frenvilligen zur Kaserne mck warteten auf den Feldwebel. Zwe: stunden mochten wir schon die architektonisclren Reize einer völlig leblosen Gebäudefront bewundert haben, als die Batterie mit Gesang vom Exerzierplatz zurückkehrte. Sie marschierte bis zum Appellhof, lvo auch ioir standen, und durste abtreten. Wir standen und warteten, warteten und staicken. Da ^kam ein kleiner Kanonier vorbei mit ein paar vorlauten Stielaugen und einem ganz smtzigen kleinen Naschen. Der blieb vor uns stehen und sagte so scheinbar ganz für sich in die Gegend hmem: * „Die Hälft^ seines Lebens Steht der Soldat vergebeiis." Wir lachten, und er ging weiter. Dann würde es Mittag Man hatte uns einen Eßnaps verschafft nick zum ersten Male die Kaserne „schmecken" lassen. Nun standen wir wieder ruck warteten was aus 1 in$ werden solle. Ich wußte schon, daß die Kontregarde, m der die Batterie lag, achtunddreißig Fenster hatte, daß siebenundnennzrg Papierschnitzel auf dein Hofe lagen, daß diese beiden Zahlen miteinander multipliziert die Zahl drei- tansendsechshundertsechsundachtzig ergaben, die mir besonders da- dnrch merkwürdig erschien, daß ihre Quersumme dreiundzwanzig betragt, was mit der Zahl der wartenden Kriegsfreiwilligen über- b^ihwwte. Eben suchte ich mir über den inneren, nicht mathematischen Zusammenhang dieses merkwürdigen Ergebnisses klar süh ich ein paar vorlaute Stielaugen auf mich ae- richtet, und eine lächerliche salbungsvolle Stimme predigte- ^Trei Viertel seines Lebens ^>teht der Soldat vergebens." Aus ünserm Lachen kochte diesmal schon eine stille Wut Ter Kanonier m:t den ^tielaugeu mußte sie herausgehört haben, denn er machte sich schleunigst davon. - ^ Die Batterie rückte zum Nachmittagsdienst aus, die Batterie kam vom Nachmlttagsdienst zurück. Wir stauden und warteteii, wir warteten ruck standen. Ich hatte schon zweiundzwanzig Lebeiils'- laufe angehort, hatte nur rn Gedanken die fünfundzwanzig Staaten des Deutschen Reicks die Provinzen Preuße ick mit ihren Ne- gierringsbezirkeli und die Genealogie des preußischen Herrsck-er- hauses zusammengesncht, woraus man allein schon schließen kaun. 767 — welche Zeit verstrichen sein mußte, bis' ich das alles wieder beisammen hatte, als zum dritten Male die Stielaugen.auftauchten und diesmal im Tonfall der aufreizendsten Ironie die Worte ertönten: „Neun Zehntel seines Lebens Steht der Soldat vergebens." Ta hielt es der baumstarke Deutsch-Russe Kowalski nicht Vrehr aus. Er sprang auf die Spottdrossel zu und schrie: „Merrsck, wenn du rwch einmal kommst, ich haue dich zu Knochenmehl." Ter Kanonier hatte sich aber geschickt unter dem ausholenden Mrnre durchgeduckt und Kowalski kam durch seine eigene Wucht zu Fall. Ter Kanonier aber dozierte aus sicherer Entfernung: „Erstens kommt es zweitens anders, Drittens als man viertens denkt." Es war gut, daß uns in diesein Augenblick der Feldwebel an- rief, wir hätten uns allesamt auf den Burschen geworfen und ihn gelyncht. Wir wurden auf die Stuben verteilt. Kowalski und ich wir blieben beisammen. Wen treffen wir aber auf Stube 11, wo wir Unterkommen sollten? Tie Spottdrossel. Wir erfuhren auch ihren Namen: Troll. Anders konnte der Mensch ja gar nicht Heiden, waren doch sogar seine Augenbrauen an der Nasenwurzel zusammemgewachsen, was ein Geburtsmal der Trolle ist. Troll war schon einer von den „alten Leuten" und trieb daher mit uns, den „Hammeln", jeglichen Schabernack. Schon am gleichen Abend fand ich zwischen Strohsack und Zudecke einen Pflasterstein. Am andern Morgen waren meine Aermel zugenäht und Kowalskis Schuhe steckten voller Papier. Bis mittag bekamen wir ihn nicht mehr zu sehen, denn er mußte zum Exerzierplatz und wir, die neuen, wurden eingekleidet. Ich bekam das schäbigste Zeug, das die völlig entleerte Kammer bisher noch nicht hatte loswerden können, und für den Riesen Kowalski waren nur wenige passende Stücke auszutreiben, aber keine ganze Montur. Zum Unglück war am gleichen Nachmittag eine Besichtigung angesetzt, zu der alle Mannschaften ohne Ausnahinke erscheinen sollten. So mußte Kowalski zum Gespött der Menschheit in seinen Lackstiefeln mit himmelblauseidenen Strümpfen, erner Militärdrillichhose, seinem Frackrock, über den Koppel xuib Seitengewehr geschnallt waren und einer Feldmütze, als Behailptung, erscheinen. Das aber nur nebenher. Für Kotoalski wurde sofort das Fehlende beschafft. Wanderbare neue Stiesel brachte er von der Kammer. Ms er sie nachher airziehen wollte, hatte sie der Troll bis obenhin mit Wasser gefüllt. In den nächsten Tagen ging das so fort. Der Dienst war anstrengend, daher war für mittags eine Stunde Bettruhe befohlen. Ms der Unteroffizier „Aufstehn" rief, war Koroalski aus Bettgestell angebunden und ich wußte überhaupt nicht, ob es Tag oder Nacht rvar, denn der Troll hatte meine Brille, die ich versehentlich auf meiner Nase gelassen, mit Gewehxfett eingeschmiert. Es war nicht mehr auszuhalten, der Troll Versauerte uns das ganze Leben. Aber es war ihm nichts anzuhaben. Geschickt wm ein Affe wich er jedem tätlichen Angriff aus, auf einen Schabernack fiel er nicht herein und jedes Schimpfen enttvafsnete er durch sein verdattertes Gesicht, was er dazu machte, oder durch einer! Witz. Sogar der Unteroffizier war machtlos' gegen ihn. Bei einer Instruktions stunde auf der Stube verkroch er sich mnter den aufgestapelten Strohsäcken und bewarf uns mit Papierkugeln, bis es der Unteroffizier merkte. Er rief ihn vor und fuhr ihn an. Da nahm der Kerl die Hacken zusammen und sagte: „Herr Unteroffizier haben eben noch gesagt, in der Nähe des Feindes muß der Soldat vor allem für Deckung gegen Sicht sorgen." Unser Unteroffizier war kein Menschenfresser und ließ ihm vre Antwort hingehen, istellte ihn nur vor uns hin, gab- ihm das Justruktionsbuch und befahl ihm vorzulesen. Ter Troll las, las mit dem ernstesten Gesicht, aber mit so echt pastoraler Phrasierung der einzelnen Sätze, mit einem so widersinnig salbungsvollen Vortrag der nüchternen Jnstruktions- regeln, daß wir uns vor unterdrücktem Lachen die Zunge bluttg bissen. Immerhin, so viel wir über den Troll lachen mußten, so wünschten wir ihm doch eine ordentliche Lektion. Tie glaubten wir gekommen, als eines Tages Unteroffizier Schrnidt, ein nicht allzu- proßes Geisteslumen, auf unsere Bude stieg und den Troll ganz jämmerlich anhauchte, well er ilM nicht gegrüßt habe. Zehn Minuten lang ließ der TroU ihn austoben, stand da, in strammer militärischer Haltung, machte das verdattertste Gesicht von der Welt und nur in seinen vorlauten Stielaugen lag ein gutmütiger Spott. Endlich, als Mterofffzier Schinidt sich im allgemeinen ausgetoot lmtte, wandte er sich nn besonderen an TroU: „Mensch, wie kommen Sie dazu, mich nicht zu grüßen?" „Habe Herrn Unteroffizier nicht gesehen," versicherte Troll tu vollem Ernste. gangen^""tÜQen. Ich bin dicht an Ihnen vorbeige- „Berzeihung; Herr Unteroffizier sind jedenfalls rechts von mir vorbeigegangen, aus dem rechten Auge bin ich aber stark! kurzsichtig." Unteroffizier Schmidt stutzt einen Mgenbllck, dann aber sagt er: . ,,Za, das ist etwas anderes. Das nächste Mal gehen Sic mit deni unken Auge au mir vorbei." Sollte da ein Mensch ernst bleiben können? Wir platzten alle aus. Unteroffizier Schmidt merkte, daß er eine Dummheit gemacht, sagte nur noch: „Ich werde sorgen 'daß Sie eine Sttmde Nachexerzieren bekommen" und macht sich davon. Trolls oberster Grundsatz hieß: Wer es kann, und sich nicht drückt, _ Ter ist verrückt, der ist verrückt. infolgedessen verkündete er sofort laut und vernehmlich, daß er diese Sttmde Nachexerzieren nicht milmache. Und er machte sie nicht mit. Me er das aber fertig brachte, das ist ein Kunststück für sich. Anderen Tages wurden beim Appell die Namen derer verlesn, die nach dem Dienste die Stunde nachexerzieren sollten. Troll war dabei. gleichen Morgen hatte sich die Sohle meines rechten Stiesels an der Seite etwas abgelöst. Das war mir eine willkommene Gelegenheit, sie auf Kammer gegen ein Paar neue umzulauschen. Mer der Kammerunteroffizier hatte anscheinend Katzenjammer, denn er warf mich mitsamt den Stiefeln zur Tür hinaus. * N, treffe Troll ^uud klage ihm mein Leid, damit seine Findigkeit MHilfe schaffe. „Mensch, gib mir foetite Stiefel her, heut niittag hast du neue. Inzwischen kannst du die meinen anziehen." Ich wußte nicht, 'ttrie Troll mir die neuen Stiefel verschaffen tvollte, aber ich ließ ihn gewähren. Nach dem nächsten Exerzieren blieb Troll mtt den andern Sträflingen zurück. Die Sonne brannte, es war ein heißer Tag. „Troll, heut lernst du schwitzen," dachte ich, als ich beim Abrücken sah, wie^die Zurückbleibenden „gezwiebelt" wurden: Links aufmarschiert, marsch marsch. Rechts aufmarschiert, marsch marsch. Lmks aufmarschiert, marsch inarsch. Wir waren noch kaum auf unseren Stuben, wer kommt da über den Hof? — Troll. Mit einem verschmitzten Schmunzeln im Gesicht, das die Stielaugen bis über die Nasenwurzel vortreibt, kommt er angezottelt. Den rechten Fuß hebt er immer sehr hoch und setzt ihn, mit einem kleinen schnellen Ruck nach rückwärts, wieder zu Boden. Die ganze Sohle hängt herab, und er muß sie jedesmal mit diesen! Ruck Vorschlägen, damit er überhaupt auftreten kann. „Hab ich nicht gesagt, daß ich das Nachexerzieren nicht mit- machte?" lacht er. ' „Ich habe mir einfach die Sohle heruntergetreten." So kam der Troll am Nachexerzieren vorbei imd ich zu einem Paar neuer Stiefel, denn nun wurden die in doppelter Form „abgetretenen" sofort auf Kammer umgctauscht. Trei Tage später wurde ein Transport angefordert, und der Troll kam ins Feld. Ich bin meinem Schicksal gram, die Streiche nicht miterlebt zu haben, die er erst da draußen geliefert haben wird. vermischtes. * Aus d e ni Pferdelazarett. Nicht nur den Menschen, snndern and) ihrer Irenen und virl geplagten Gefährte,», der Werde, nimmt sich die moderne Kricgsheilknnde im Falle der Verwundung treulich an. Natürlich kann im Kriege nicht kur alle kranken Pferde gesorgt werden; so mancher brave Gaul muß schweren Hebens liegen gelassen, mancher andere muß von seinen Leiden durch eine Kugel erlöst werden. In Betracht kommen für das Pferdelazarett diejenigen Pferde, die nach einem Gefecht gefangen oder gesunden werden, sowie solche, die besörderungssä'hig ind und bei denen die Hoffnung auf eine Wiederherstellung begeht. In den Pferdelazaretten befinden sich nach dem „Sportjournal" mehrere hundert, zuwellen selbst 1000 bis 2000 Pferde und viel Kraft und Arbeit wird daran gesetzt, sie wieder selddienstfähig zu machen. Mit welchem Erfolge, beweist die Tatsache, daß im Durchschnitt etwa 70 bis 75 H. der ein- gelieferten Pferde in wenigen Wochen das Lazarett wieder als geheilt verlassen können. Sehr oft, z. B. wenn cS sich um die Ent- ernnng einer Kugel oder eines Granatsplitters handelt, find operative Eingriffe nötig. In der Regel heilen derartige Wunden so rasch, daß es durchaus nicht zu den Seltenheiten gehört, wenn ein olches Tier bereits nach einigen Tagen wieder einem Truppenteile zngeteilt werden kann. Aber selbst in Fällen, wo die Werde von Granatsplittern förmlich zerfleischt worden sind, brauchen die Tiere zu ihrer Wiederherstellung meist nur kurze Zeit. Langwieriger sind dagegen im allgemeinen die Fälle, wo eS sich um Ueberanstrengunaen und Entbehrungen handelt. Da hat man viel Tiere, die so entkräftet sind, daß sie sich kaum ans den Beinen halten können und die ständig am ganzen Körper zittern. Viele ind nur noch Haut und Knochen, ganz gleich, ob eS sich um einen chweren Kaltblüter, einen Hannoveraner oder Ostpreußen handelt — sie sehen alle gleich erbarmungswürdig auS. An, meisten tragt zu ihrem Zustand der Mangel an Wasser bei; sie bekommen Fieber * l — 768 und magern zusehends ab. Eine andere Klasse bilden die Patienten, bei denen eS sich um Druckstellen, hervorgerufen durch Sättel und Geschirre handelt und deren Rücken und Flanken viele eiterige Wunden aniweisen. Als Heilmittel werden in den Pferde« lazarelten Ernährungskuren, Licht- und Lustbäder verordnet. Ruhe und gutes Futter spielen dabei natürlich die Hauptrolle. Die Tiere sind in gut erwärmten und durchlüfteten Ställen unterqebracht und erholen sich dann bei sorgsamer Psiege sehr rasch. Gutes Futter und Wasser wirken da manchmal Wunder: man hat Fälle gehabt, daß'körperlich völlig zusaminengebrochene Pferde in etwa 14 Tagen bis 150 Pfund an Körpergewicht zunahmen. Vücherlisch. — S t e i n s G e s ch i ch t e des Weltkrieges. Die beste Kriegsgeschichte für Jung und Alt mit 20 Kunsttafeln unserer Heerführer, zum Teil in Farbendruck. In Prachtband gebunden Mt. 4,—. Verlag von Hermann Montanus, Siegen. - Der bekannte Herausgeber des so erfolgreichen dreibändigen Kriegsbildwerkes „Um Vaterland und Freiheit* entbietet der derltschen Jugend und dem deutschen Volke rechtzeitig zu Weihnachten diese volkstümlichste Geschichte des Weltkrieges. Einen besonderen Reiz enthält das Werk durch die Wiedergabe zahlreicher Feldpostbriefe, die dem Verfasser von allen Seiten, vorzugsweise von jungen Streitern zugegangen sind und die Stimmungen und Gesinirungen dieser Tapferen auis trefflichste festhalten. Der Oberbefehlshaber der 10. Armee, Exzellenz v. Eichhorn, nahm die Widmung deS Werkes an; unsere ersten Feldherren, von Bülow, von Mackensen, von Kluck, von Heeringen, von Beseler, von Mudra, von Emmich und von Francois gaben dem Kriegsbuche tiefempfundene Geleitworte mit auf den Weg. — Fritz Müller. Fröhliches aus d e m Krieg. Mit zahlreichem Bildschmuck von Ludwig Berwald. Auf Feder- leichtpapier gedruckt. (.Der Eichenkranz* Band 1). In vor- nehme,n Geschenkband Mk. 1.50. Verlag der Deutschen Dichter- Gedächtnis-Stiitung in Hamburg-Großbdrstel. — Dieser Krie^ gehört zum größten, was über unsere Erde ging. Und jede echte Größe war noch stets durchädert von Humor. Ob der Verfasser nun schildert, warum die Luise die Russen nicht gesehen hat, oder uns den ersten Ausgang eines Verwundeten mit seiner Krankenschwester miterleben läßt, ob er uns zu der Urgroßmutter führt, die 21 Urenkel im Felde stehen hat — i nun er erwärmt er uns das Herz, zeigt uns, wie groß d,eser Krieg vo,n deutschen Volke ge- tragen wird — und läßt uns zuweilen herzlich lachen, wie in der Erzählung »Wenn . . in der ein echter Münchener aus dem Volke schildert, wie alles anders gekommen wäre, w e n n der König Ludwig II. von den Schongauer Bauern im Schlosse Schwanstein bewacht worden wäre, statt nach Schloß Berg über- führt zu werden. Ludwig Berwald hat das Buch mit prächtigen Zeichnungen versehen. — S p e in a n n s K u n st - K a l e n d e r, der sich in kunstliebenden Kreisen freundlichste Sympathien erworben hat, erschien soeben für 1916 (Spemann, Stuttgart, 2 Mk.). Neben den alten Meistern bringt der mit Geschmack und Sorgfalt redigierte Kalender ahlreiche Reproduktionen von Werken lebender Künstler. — EManuel Erespels Reisen in Kanada und Schiffdruch bei der Rückkehr nach Frankreich. So lautet der Titel des 25. Bändchens der von W. Tiehl heraus^ gegebenen Hessischen Volksbücher. Ter Held desselben war ein Onkel des bekannten Rats Crespel, des Freundes Goethes, welcher in Laubach sich anbaute und dort starb, und dessen Namen noch heute dort genannt wird und durch Tr. 'SU. Röschens Veröffentlichungen neu ausgefrischt worden ist. Und daraus hat K Esselborn das Recht hergeleitet, die Briefe des Peters Emanuel Crespel an seinen Bruder in Frankfurt m neuer, glatter Ueberselwng aus dem Französischen in den Hessischen Volksbüchern erscheinen zu lassen. Und der Inhalt des Buches rechtfertigt vollauf die sonst etwas gewagt erscheinende Verknüpfung. Tenn hier werden uns so abenteuerlich-schaurige Ereignisse in schöner Sprache und herzlicher Weise erzählt, daß sie sich würdig den Robinsonadcn anreihen und Phantasie und Gemüt mit unwiderstehlicher Kraft packen. Monatelang sausen die unglücklichen Schiffbrüchigen auf einer öden Insel in Schnee und Eis, im Kampf gegen Kälte und Hunger ihr Leben von spärlichen geretteten Vorräten fristend, mit Mut und Gottvertrauen um ihre Existenz ringend. Bon 54 kommen schließlich nur 6 mit dem Leben davon, von Indianern gerettet. Ties der kurze Umriß des auf etwa 100 Seiten Erzählten, das, erschütternd und doch wieder befreiend wirkt, weil über die Grütze der Leiden die Seelengröße und Glaubensstärke der Leidenden triumphiert, vorzüglich geweckt und gestärkt diirch Peter Emanuel Crespel. Eine Einleitung, die auch über den Ursprung der Familie Crespel fl!°rdfrankrci'ch> Sluskmft gibt, und Aumerkiingei! am «lflutz machen das Büchlein besonders wertvoll, dura) denen Herausgabe sich K. Esselborn wirklich ein Verdienst erworben hat' so daß die bedeutungsvolle Nr. 25 der Hessischen Vo-.woucher damit einen würdigen Inhalt bekommen hat. Der Preu» ist auMr- ordcntlich niedrig: 70 Pfg. für das ungebundene, 1 Mt. für da* gebundene Exeiftplar. Zu beziehen von dem Herausgeber, Prof. I). Dr. W. Diehl zu Friedberg, der gern auch 'Abonnements auf die Hessischen Volksbücher zu 3 Mk. das Jahr entgegennimmt. Druck und Ausstattung sind, wie wir's an den Hessischen Volksbüchern, um die uns manche Landschaft beneidet, die aber bei unS scheints immer noch nicht die rechteWürdigung gefunden haben, nicht anders gewöhnt sind, sehr gut. Das Buch ist mit Kopfleisten von Mathilde Sittmann geschmückt, ^deren erste ein Bild des Paters E. Krespel nach einem alten Stich gibt, deren letzte daÄ Haus des Rats Crespel in Qaubach darstellt, das jetzige Gräfliche Stift. * Interessant ist der im Nachwort des Herausgebers, der Sammlung, Prof. D. Dr. -Diehl, geg ebene Rückblick auf die ^ersten 25 Bändchen. Danach umfassen diese insgesamt 2959 Seiten, aben 27 053 Mk. Herstellungskosten verursacht und sind in 2 007 Exemplaren abgesetzt worden, wovon ein volles Vierteltausend unfern Feldgrauen im Felde und in den Lazaretten zu- gckommen ist. Diese Zahlen zeigen, daß bei der Auswahl der behandelten Stoffe guter Blick und geschickte Hand dafür gesorgt haben, dfe Sammlung zu wahren Volksbüchern zu machen und daß des Herausgebers Hoffnung, auch das Erscheinen des 50. Bandes zu erleben, jkaum trügerisch sein wird. Gietzerrer Hausfrauen-Verein. Auch hier möchten wir, wie in der letzten Mitgliederversammlung, auf die M ie s musch e l aufmerksam machen. Sie ist nahrhaft und wohlschmeckend und bietet an fleischfreien Tagen einen willkommenen Ersatz für Fleisch. So z. B. „gedämpfte Muscheln", die wie folgt zubereitet werden. Die gereinigten und gewässerten Muscheln werden mit einigen zerschnittenen Zwiebeln und einer Prise Pfeffer ohne Wasser in einem zugedeckten Topf auf ein lebhaftes Feuer gesetzt. Der Topf darf nur etwas über die Hälfte gefüllt sein, da die Muscheln sich öffnen und dann mehr Platz einnehmen. Während des Dämpfens schüttele man den Inhalt des Topfes häufig tüchtig um. Wenn alle Muscheln sich geöffnet haben, nimmt man sie mit einem Schaumlöffel heraus, tut etwas gehackte Petersilie darüber und ißt sie aus der Schale. Wochen kttchcnzett el. S o n ,n t a a : Tomatensuppe mit Reis, Schmorbraten mit Rosenkohl und Kartoffeln, 'Pudding von Puddingpulver. Montag: Gerstenflvaensuppe, Fleischklöße üud Kartoffelbrei. Dienstag: Gemüsesuppe, Kartoffelnudeln mit Tomatentunke, Reis mit'Aepfel. Mittwoch: Kartvffelsuppe, Krautwürstchen oder gefülltes Kraut mit Salzkartoffeln. Donnerstag: Grünkernsuppe, Sauerkraut mit Kartoffelbrei und Leberklöße. Freitag: Fleischbrühsuppe, Kardofselklöße von gekochten Kartoffeln mit gekochtem Obst. Samstag: Fleischbrühsuppe mit Gerste, Rindfleisch nnd Kartoffel gemüse. Backwerk. Nußmakaroni: 2 Eiweitz, 125 Gramm Puderzucker, 125 Gramm Haselnüsse, 1 Messerspitze Zimmt. Die zu Schnee geschlagenen Eiweiß werden mit dem gesiebten Puderzucker und Zimmt i/ 4 Stunde gerührt. 2 Eßlöffel dieser Masse lässt man zurück und vermischt das übrige mit den geriebenen Haselnüssen. Mari formt Kugeln, legt sie auf ein eingefettetes Blech und gibt auf jede! Kugel etwas von der zurückgelassenen Masse. Die Makronen werden bei schwacher Hitze mehr getrocknet wie gebacken. 5cherzräL?el. Ich kenne ein Haustier mit glattem Fell, Das ist wohl gar manchem im Wege. Wenn's schlummert, da ist's ein gar lieber Gesell, Da scheint es so sanft und so träge. Ein gräulicher Rachen ist seine Wchr Und fürchterlich sind seine Zähne. Trotzdem wwd's geneckt, nun ergrimmet es sehr, Nun zeigt sich das Lamm als Hyäne. Ich glaube, vom Zahnweh gepeinigt wird Das arme Geschöpf, denn urplötzlich, Wenn jemand ihm unsanft die Hauer berührt, Da heult es oft ganz entsetzlich. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Strom, Stroh. Aug. GoeU. - Rotationsdruck nnd Verlag der Brühl'fchen UniverfckätS-Buch- und Cteindruckerei, R. Lange. Gießen