Mittwoch, den 2 \. November Die vom Rauhen Grund. Roman von Paul G r a b e i n. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Neben dein Hauptmann, dein Obersteiger Hannschmidt, stand der Werksdirektor. Auflodernd traf jetzt auch ihn der Bannstrahl aus den Augen des fanatischen Eiferers. Doch er stieß au? einen eiseskalten Glanz in Bertschs Blick. „Wollt ihr das ruhig hinnehmen?" Schneidend klang dessen Stimme Hannschmidt ans Ohr. Finster starrte der Rotbart vor sich hin. Die Stirnader geschwollen. Aber sein Auge streifte den Priesterrock drüben. Ungewiß — unschlüssig. „Fort mit der Fahne! Ans meine Verantwortung!" Da zuckte es in dem verwitterten Gesicht .Hannschmidts auf. „Fahne abbringen — kehrt, marsch!" ' Halblaut, aber scharf kam das Kommando, eine stramme Wendung, und die Abordnung der Grünen'Gilde ging lautlos von: Platze. Ihr nach die zwölf unterm Gewehr und -alles, was sonst noch die Schütz ennui form trug. Als letzter folgte Bertsch. Langsam und ruhig. Burg mann eiferte weiter, mit wild aufbrausendem Grimm. Aber der Eindruck seines Strafgerichts war hin. Statt der Zerknirschung in jeder Brust vielfach nur stumme Schadenfreude. Der andere war der Sieger geblieben. Wieder einmal. Und selbst hier aus seinem eigensten Boden. Da schüttelte der Alte im Dakar die geballten Fäuste in zitterndem Zorn. Warum geschah ihm das, der doch nur [beit Willen des da droben erfüllen wollte, mit heißem, [inbrünstigem Herzen? Wo blieb der Gott, dein er diente, mit seinem rächenden Strahl? Sollten auch seine Altäre noch stürzen, !vie alles, was einstmals hoch und heilig war hier in diesem Lande? * Eberhard von Selbachs Urlaub, den -er aus Anraten seines Oheims ans §rei Monate hatte verlängern, lassen, -ging seinem Ende -entgegen. Noch ein paar Tage, dann mutzte er wieder bei seinem Regiment sein, in der ost- preutztschen Garnison. Wenn er es nicht vorzog, auf die Vorschläge einzugehen, die der Onkel ihm gemacht hatte. Es war Abend. Die beiden Männer faßen allein in der großen Halte des Adligen .Hauses. Auf dem Altan, dem erhöhten, balkonähnlichen Sitz, der auf zwei schweren, wuchtig gewuirdenen Holzfäulen ruhte und zu dem eine Treppe mit altersdunkelm Barockgeländer vom Fußboden heran fführte. Es loar Henner von Grunds Lieblings platz. Hier, auf diesein erhöhten .Herrschaftssitz, hatten seit Jahr- ? milderten von jeher die Herren vom Mliaen Hause ge- essen init ihren Familienangehörigen, während drtrnten am langen Tisch vorm Kamin beim Licht der Kienfackeln das Gesinde versammelt war, bei Spinnrad und Mannes- handarbeit. Wie ein Hauch jener vergangenen Zeiten hing es noch heute hier in der Halle mit ihren geheimnisvollen Schatten in den tiefen Winkeln hinter allerlei seltsamen Mauervorsprüngen. Ein weiches Halbdunkel umhüllte alle Gegenstände. Mir aus dem mächtigen Kamin, wo armdicke Bnchenscheite brannten, kam ein roter Lichtschein. Aber seine Kraft verlor sich bald in den: weiten Raum. Ver- gebens mühte er sich, die Wände emporzndringen, deren ursprünglich- weißer Kalkbewurf vom Ranch der Jahrhunderte einen wunderbar warmen Ton bekommen hatte. Ein Braun, das sich durch alle Abstufungen bis zum tiefsten Schwarz wandelte, wie es hock droben an den ungeheuren Deckenbalken sichtbar war mit einem ölen Rußglanz. Ungewiß dämmerten dort am Gebälk auch abenteuerliche Formen aus —- riesige Speckseiten und Schinken, deren Raucher- du st sich mit dem Geruch der brennenden Holzscheite mischte und ein eigenes Behagen verbreitete. Den Hauch eines kernhast deutschen Hauswesens von uralter Bodenständigkeit. Henner von Grund saß in dem hochgeschnitzten Armsessel und rauchte schweigend vor sich hin. Wie die mächtige Gestalt des Herrn vom Adligen Hause so in sich gesunken, ein wenig nach vorn geneigt, schwer auf den ausgestützten Ellenbogen ruhte, war etwas Müdes an ihm. Seitdem ihn damals die Hand der Vernichtung warnend gestreift, nagte es leise an seiner Lebenskraft. Wie eine seiner Eichen draußen im Walde war er: noch gewaltig anzusehen, aber niorsch im Mark. So saß er still, tief in seine Gedanken verloren, die das Gespräch eben mit den: Neffen wachgerufen hatte. Doch jetzt wandte er diesem das Haupt zu. „Nun — was denkst du also zu tun?" Eberhard von Selbach sah nachdenklich zu dem Kamin drunten, wo die Holzscheite gerade laut anfknisterten und zuckende rote Lichter über die ausgetretenen Fliesen des Fußbodens rinnen ließen. Dann richtete er sich in seinem Sitz etwas auf. , . ^ „ „Ja, Onkel — ich wäre ja soweit entschlossen. „Alber?" "@fe! Sie kommt doch für die Entscheidung auch in Frage, als dereinstige Miterbin — wenn wir diese Dinge wirklich einmal berühren wollen." „.Ich bin doch kein altes Weib!" „Nun gut. Also, wer weiß, -ob sie damit einverstanden ist, daß ich mich hierhersetze und die Verivaltnng der Gnts- geschäste in die Hand nehnie?" „Was sollte sie dagegen haben? Sie kann doch nur froh sein, wenn ein Mann da ist für diese Dinge." „Ich weiß doch nicht — so über sie hinweg mochte [ich mich keinesfalls entscheiden." ^ . . . Wieder ein Schweigen. Henner von Grund tat ein paar Züge aus seiner Zigarre, dann sah er zu dem Neffen hinüber. ^ ?,Ia, Onkel?" i ^ ' „Mir wollen einmal offen miteinander reden. Natürlich *— das versteht sich von selbst — als Cousin und Cousine könnt ihr hier nicht einträchtiglich beieinander Hausen, wenn ich einmal nicht mehr da bin. .Aber — warum sollt ihr euch nicht heiraten?" ^ „Heiraten?" „Gewiß," — eine dicke Rauchwolke puffte aus Kenners Mund — „eine verdammte Sache. Bin ja auch mit einem groben Bogen drum rumgegangen. Die Frauenzimmer — da trau' der Teufel! Aber mit der Eke ist das doch ein ander Ding. Die Hab' ich in die Finger gekriegt; noch beizeiten, von klein aus. Meine Dressur. Na, und ich denke, es ist geglückt. Ich Hab sie wie einen Mann aufgezogen. Sie hält nichts voll all dem Weibersirlefanz — ich denke, mit ihr kann's eilt ehrlicher Kerl schoir wageu." Eberhard von Selbach antwortete nicht gleich. Es war ihm peinlich, so über diese Angelegenheit zu verhandeln, als wär's ein Geschäft. „Na — die schweigst dich aus?" „Versteh mich nicht falsch, Onkel. Ich. habe vor Eke eine unbegrenzte Hochachtung. Nur — hat sie doch dabei die Entscheidung." „Weshalb sollte sie deinen Antrag ablehncn? Um so Ulehr, wo sie sich sagen muA daß, es mein Wunsch ist, daß ich unfern Fanntienbesitz ungeteilt erhalten möchte. Da ist doch also eine Ehe zwischen euch beiden geradezu die ge* gebene Lösung." „Dias freilich, nur —" „Ach was! Nur nicht so zimperlich. Damit kommt nian nicht weit bei den Weibern. Wer frisch znpackt, der bekommt. Wso red' mit ihr! Am besteil noch heute!" Und Henucr von Grund erhob sich. „Wie denn? Du willst doch nicht etwa! — ?" 1 „Jawohl, ich schicke dir Eke. Auf der Stelle." „Onkel!" Und Eberhard erhob sich bestürzt. „Was soll das lange Hin und Her? Bringt die Sache in Ordnung! miteinander, wie zwei vernünftige Menscheil." Und Henner von Grund wollte zur Tür. „Bitte —: bloß, eins noch!" „Nun?" „Onkel, ich habe so eilt Gefühl, daß, Eke vielleicht schon anders gewühlt haben könnte. Ich möchte mich de,n nicht aussetzeu, daß —" „Ach so, bit meiilst mit denn Bertsch!" Ein leises Mckeu. „Ist nichts zu befürchten. Nein, nein — verlaß dich daraus! Es hat da allerdings mal etwas gespielt. Aber es ist vorbei. Ich habe Eke neulich selber gefragt; wollte doch klar seheil, ehe ich mit dir sprach Und sie hat mir's versichert, auf Ehre ttitb Gewissen: es ist nichts mehr mi* scheil ihr und dem Bertsch." „Jü, dann freilich — " Eberhard voll Selbach atmete freier auf und der Oheim ging. Ein paar Minuten später trat Eke ein. Eberhard kam ihr ciitgegen, vom Man heruntergeschritten. „Der Onkel hat mir gesagt, daß, du mid> gern sprechen wolltest." Ernst und ruhig sah sic zil dem Vetter hin. Der nickte, aber schwieg. Etwas nervös knöpften seine langen, schmalen Hände die uuteren Knöpfe der Litewka zu. Schlank und straff stand er so vor ihr, wie in dienstlicher Haltung vor einem Vorgesetzten. Doch nun richtete er deu Blick entschlossen auf sie. „Du weißt, worum es sich haudelt, du ahnst es." ,-Jch glaube wohl." „Und — lote denkst du darüber?" . Sie erwiderte nicht gleich. Daun aber jragte sie, immer Mit denr gleichen, ruhigen Ernst: r . „Ist es nur der Wunsch des! Onkels, der aus dir spricht?" „Nein, Eke," und? eine leise Röte stieg in sein Antlitz, r,ich wüßte auch nur keine bessere — und liebere Lösung." Sie holte hörbar Atem. Wie eine dunkle Wolke senkte es sich auf ihre Stirn. Schmerzlich zuckte es nur die Mundwinkel. Doch nun zeigteil ihre Züge wieder die gewohnte 'Klarheit. „Eberhard, ich will rückhaltlos M dir sprechen. Ich! glaube, überschwängliche Morte sind hier beiderseits nicht am Platz. Ich erwarte sie nicht voll dir, aber in du eint Gleiches. Ich nehme au, du schätzest mich, ich bin dir sympathisch als Mensch, und du hast Vertrauen zu lnir. Das gleiche kamr ich dir von mir versichern, aber mehr — ver- steh' mich recht, Eberhard —^ mehr kann ich dir nichitj geben. Weder jetzt, noch später." >,Jch danke dir für deine Offenheit, Eke." Langsam! trat er näher zil ihr heran. „Ich habe nicht mehr erwartet. Aber sollte das nicht auch hinreichen, unr feilt Leben darauf auftubauen? Ich habe manche Liebesheirat gesehen, bet meinen Kameraden —, es ivurden meist recht unglückliche Ehen. Dagegen kann aus Achtung und Vertrauen allmäh^ lich vielleicht doch noch Schöneres anfblühen —" „Noch einmal: Rechne nicht damit!" „Ich tu' es auch nicht, Eke. Was du mir geben kannst! und! lvillst, es soll mir genug sein. Ich werde es stets mit Dank, mit Stolz empfinden, was es bedeutet, tvenn eine Frau wie du mir ihr Lebeil anvertrant." So ernst und ritterlich sagte er es, und seine Augen blickten sie dabei an, klar bis zum Grunde. Da streckte sie ihm die Rechte entgegen. Er nahm sie und führte sie jäu seine Lippen. Aber als er dann seinen Mund auch ihrem! Antlitz näherte, überlief sie ein Zittern. Mit einer leisen! Wendung bot sie ihm statt ihrer Lippen die Stirn dar. So empfing Eke den KUß, mit dem sie sich Eberhard von Selbach zu eigen gelobte. * Das große. Projekt Bertschs war nun wirklich gesichert. Der Zusammenschluß, alter Interessenten nicht nur im Rauhen Grund, sondern selbst weit, draußen im platten Land war erfvlgt zu einer Talsperrenbaugesetlschaft. Die Finanzierung erfolgte unter Führung der Landesbank. Ms Vertreter des loefentlicfji mitbeteiligten Werks Christians-, Mck hatte Bertsch den Vorsitz im Vorstand der neuen Gesellschaft. Und bald ging cs von den Konferenzen im Be-, ratungszimmer der Bank über zur Tat. Drunten im Rauhen Grund, wo sich der Fluß seinen Ausgang zur Ebene crzwängte, setzte es ein. Ein gewaltiges Graben, bei Tag und Nacht. Galt es doch, dem Fluh, dort ein neues Bett zu schaffen, ihn abzuleiten für die Zeit des Sperrenbanes. Und am gleichen Tage begann es auch, auf beiden Talseiten droben in oen Bergen. Den Wald fiel, das nackte Gebirge bot seinen Leib schutzlos den Angreifern dar, die ihn ansrissen in riesigen Steinbrüchen, um das Material zu gewinnen für den Bau drunten an der Sperre. Abermals flutete jetzt eine fremde Menschenwelte in das stille Waldtal und schwemmte hier allerlei Völkerabhub! an. Von fern her, von jenseits der Alpen und aus den Donaulanden, ja selbst aus den Gebirgen des Balkans kamen wetterbraune, landverfahrene Gesellen, die ihr Schicksal Herumtrieb in der Welt, überall dahin, wo man Straßen, Bahnen.oder Kanäle baute. Mit Staunen und Mißtrauen hörten die von: Rauhen Grund das Kauderwelsch all dep fremden Zungen in ihren stillen Dorfgassen. (Fortsetzung folgt.) Margit. Von Annette San o: e r. Ms Margit mit denr Dienstmädchen nach Hanse ging, dachks sie, jeder müsse es ihr anmerken, wie glücklich sie mar. Sie, die nie den Mut fand, miit einer ihrer kleinen, lebhaften Schul- kamcradinnen zu sprechen und deshalb auch von ihnen immer Tinfs? liegen gelassen wurde, die nur deshalb, in die Kindergffellschasi gegangen war, weil Mama darauf bestand, hatte null eine Frcun- din. Ihre Füße tanzten wie von selbst über den schlüpfrigen, schneebedeckten Boden, mrd sie hätte am liebste,: jeder Schneeflocke, die sich dick und schwerfällig aus denr Tanz ihrer Schwestern loslöste, um schwankend zur Erde zu sinken, ihre glühenden Wange,« zärtlich entgegengestreckt, damit sie da zerginge. Ach, wie angenehm das kühle Naß sich anfühlte, tvenn nran so heiß und so glücklich war. Zwinkernd sah sie in die Höhe, wo aus gleichförmig, weißlich-grauer Decke immer neue Flocken lautlos in dichtestem! Gewimmel heruntertaumelten. Sie war tief erregt, ganz au$ dem Gleichgewicht gebracht und konnte es gar nicht erwarten, nach Hause zu kommen. Vor lauter Ungeduld begann sie die Laternen bis ans Ende der Straße zu zählen. Erst Waffen sie ganz große, gelbliche Lichtstecke in die weiße Dämmerung, aber je weiter Margits Mgen ihnen folgten, desto kleiner wurde der helle Kreis/ bis man nichts mehr als eine Linie leuchtender Punkte sehen! konnte. Ma'nra würde Jo froh sein, Mama, die sich immer ärgerte, weil sie stets so still und allem war und nie ins Wohnzimmer kommen wollte, wenn Besuch da war. Wer Margit liebte Mamas Besuche nicht, ganz abgesehen davon, daß sie eine tödliche Angst vor srenr- den Menschen hatte. Mit den Andern der Hmrslente zu spielen, war nicht schwer. Doch das erlaubte Mama wieder nicht. Es war nicht fein, wie sie sagte. Dagegen fühlte sich Margit ganz, gelähmt, wenn irgend eine „feine" Dame ein paar gönnerhaft auftnunternde Worte an das „merkwürdige Kind" richtete und« dabei im ganzen Zimmer herumguckte, oder ihr mit der lnn- Lekleideten .Hand oberflächlich über die Haare strich. Dann hatte sie auch gefunden, daß die Ettern immer viel mehr Streit miteinander hatten, wenn Mama viele solche Besuche gehabt hatte. Und das Streiten zwischen Papa und Mama tat so weh. O, wenn -sie nur wüßten, wie weh es tat. Wer da sie nicht sprach, so konnten sie es wohl nicht wissen, und sie selbst schienen nur böse zu sein, doch-keinen Schmerz dabei zu fühlen, wenn sie einander etwas antaten. Mamas schönes Gesicht wurde dann ganz häßlich und Papa sah zum Fürchten aus, wenn er mit der Faust ausschlug. Dann schlich sich Margit mit schwerklopfendem Herzen hmaus, nahm ihre geliebte Puppe-auf den Schoß und drückte sie so zärtlich an sich, wie sie sich dunkel sehnte, von ihren Eltern ans .Herz gedrückt zu werden. Und wenn die lahme Julie da war, die zweimal in der Woche kam, um zu nähen und zu flicken, dann gingt sie zu der. Sie saß dann mit der Puppe im Arm aut Fenstertrittwährend die lahme Julie flink die Nadel durch die Leinwand zog, dabei über ihre große Hornbrille hinweg auf die Arbeit sah und mit ihrem zahnlosen Mund Margit die schönsten Geschichten erzählte. Tie lahme Julie war sehr fromm und alle ihre Geschichten stammten aus der Bibel. Margits. Herz schwoll imm'er vor Mit-« leid mit den irrmen Märtyrern. Am schönsten aber war die Geschichte von unseren!! Herrn Jesu Christ, der sich ans Kreuz schlagen ließ, um die Menschen zu erlösen. Julie erzählte seinen Leidensweg mit allen fürchterlichen Einzelheiten, und Margit sah dann wohl ihre eigenen kleinen .Hände an und wunderte sich, ob das wohl sehr weh tun mochte, wenn man da einen Nagelt durchtrieb. In Gedanken kehrte sie immer wieder zu diesen Dingen zurück, well ihr die Demut, die lächelnd die leidvollen Gebote des Herrn auf sich nahm, ohne daß sie das wie oder warum begriff, eine eigene, tiefinnere Glückseligkeit mitteilte. Ueber diesen Erzählungen mit der Puppe im Arm vergaß sie, daß in einem andern Zimmer Papa und Mam'a sich häßliche Worte sagten, Worte, deren Sinn sie nicht verstand, die aber so ins Herz schnitten. Mama kümmerte sich nicht darunk, was die lahme Julie Margit erzählte, aber wenn sie die beiden beisammen sah, rief sie Margit immer weg, well es sich nicht schickte, sich mit Dienstboten zu unterhalten. Das konnte Margit nicht verstehen, trotzdem sie es sonst immer innen fühlte, wie sie Unrecht getan hatte. So folgte sie eben, ohne zu verstehen. Anr liebsten hätte sie alles auf dieser Welt mit Liebe umfaßt, wenn sie nur nicht so oft geahnt hätte, daß die meisten Menschen ihre Liebe nicht wollten oder nicht brauchten. Dann zog sie sich ganz in sich selbst zurück und schämte sich. Papa und Mama aber, die brauchten sie, wenn sie selbst es auch nicht'so recht merkten. Die wußten oft beide nicht, !vas man tun mußte, um gut zueinander zu sein. Und Margit, die für nichts ein so gutes Gedächtnis hatte, lvie für das, was andere gern mochten oder nicht, trachtete in ihrer Weise immer, die Lücke auszufüllen. Wenn Mama frug, was man morgen kochen solle, daun nannte Margit unweigerlich Papas Lieblingsspeise und lehnte die guten Dsnge. ab, die sie selber gerne aß, aus denen) Papa sich aber nichts machte. Sie wußte, daß Papa Unordnung nicht leiden konnte, und wenn sie aus der Schule kam und nicht alles bereit fand, tveil Mama, die sich um Papas Wünsche gar nicht kümmerte, die Haushaltungsarbeiten anders eingeteilt hatte, dann fing sie stillschweigend selber an, mit ihren kleinen ungeschickten) Händen alles zurechtzustellen. Maina sagte dann wohl: „Es ist doch komisch, was für eine Passion für das Wirtschaften Margit hat." Mer Margit hatte nicht die geringste Passion für das Wirtschaften: sie sah nur, wie Mama sich gar nicht darum kümmerte, daß alles hübsch iir Ordnung >var, wenn Papa nach Hause kam, Und daß Papa sich dann nicht behaglich fühlte. Sb mußte sie das Nötige wohl selber tun. Sie fühlte die Last des Unfriedens, die auf dem Hause lag, so schwer, daß sie alles tat, um sie zumildern. Ms ihrem ahnungsvollen Gefühl heraus, daß sie nicht auch noch dazu beitragen dürfe, Mißstimmung zu' erzeugen, versuchte sie oft, sich Unsichtbar zu nrachen, um nichts zu hören. Wie andere lustige, wilde Kinder, die mit fröhlichem Lärm das Haus füllen, war sie nie. Anmerklich, ohne daß einer in ihrer Umgebung sich Rechenschaft davon gab, hatte sich das Verhältnis verschoben, und die Eltern waren Margits Sorgenkinder geworden. Nun war sie endlich zu Hause. In alter Elle ließ sie sich vom Mädchen die schneeschweren Kleider abnehmen. Beim Eintreten hatte sie die Töne des Klaviers gehört und gedacht, daß Maina eirdlich tvieder einmal Klavier spiele, und daß sie sehr gut aufgelegt sein müsse. Wie schön sich das ttaf. Mer als sie die Tür zuur Eßzimmer öffnete, saß Papa über seine Zeitung gebeugt da und hob nicht einmal den Kopf. Maura umßte sie doch hereinkonr- Men gehört haben. Aber auch, sie rief sie nicht und antwortetet Nicht aus ihren Grnst Keiner frug sie, wie es ihr ergangen war. und es war doch ihre erste Gesellschaft getvesen. Keiner der beiden erbitterten Menschen kümmerte sich um sie, fühlte ihre Gegentvart> oder ahnte, wie dieses Schweigen unt grausamer Nichtachtung alle Freude, allen Glanz aus dem kleinen Gesicht sortwischte. Siü hatte sich lautlos aus ihren Stuhl geschoben und versuchte, schnell ein paar Bissen ihres Abendbrodes zu essen. Aber es tvürgte sie im Halse und sie sah dabei verstohlen zu Papa hinüber oder ins Wohnzimmer hinein. Es war dunkel, nur die Kerzen am Klavier erhellten einen kleinen Ausschnitt. Sie beschienen Mamas Gesicht, und Margit sah, daß trotzdem die Mama die Augen starr auf die Noten geheftet hielt, doch die Tränen über ihre Wangen rollten., >Lie spielte ein Stück, das Margit gut kannte. Aber sie spielte es ganz ausdruckslos, und wenn sie die Seite durchgespielt hatte, sing) sie ohne nmzublättern, iuuner wieder von oben an. Sie schien: gar nicht zu wissen, was sie spielte. Es war entsetzlich anzuhören^ Margit hatte solche Augst, Papa würde es nicht aushalten'^ Als sie fertig war, glitt sie schnell von ihrem Stuhl he rach küßte Papa und küßte Mamas kalte, nasse Wange. Papn brummte etwas Unverständliches und Maina nickte nur, ohne die Augenj von den Noten zu wenden und spielte weiter. Dann Bereitet# Margit schnell ihre Schulsachen für den nächsten Tag vor, ließ sich vom Mädchen waschen, die Haare bürsten und flechten und zu) Bett bringen. Das Licht wurde ausgelöscht, und sie lag allein im' Dunkeln, sie lag eine Weile ganz still, bis die Tränen, die M bis dahin ganz dick in der Kehle gesteckt hatten, sich langsam lösten und sie leise zu weinen begann. Wie glücklich war sie gewest ui und imiTt konnte sie.gar nicht begreifen, daß sie,'glücklich gewesen war.- Nein, alles war ganz anders, wenn man tvieder nach Hause kaust Papa und Mama waren von neuem böse und sahen sich nicht an.. Am Nachmittag in ihrer Freude hatte sie es ganz vergessen, daß es so etwas.gab. Und jetzt, da sie es so deutlich vor sich sah, konntä sie sich nicht mehr freuen. Wenn sie nur jemanden gehabt hätten zu dem sie hätte gehen können,-der lieb zu ihr war und ihr sagte, was sie nur tM könnte, um Papa und Mama begreiflich, zu machen, wie schrecklich es war, wenn man sich nicht gern hatte. So schwer . wie ein Stein lag ihr Herz in der Brust. Plötzlich hörte sie, lote irgend etwas krachend zu Erde flog und Papas wutbebende Stimme schrie: . „Zum Donnerwetter, wird denn das Geklimper nie aufhören?" Margit fuhr zitternd in die Höhe und ihre Tränen hörten ans einmal auf zu fließen. Sie fühlte sich ganz kalt werden und ihr Herz mit langsamen, dumpfen Schlägen bis in den Hals hinauf klopfen. So saß sie ganz still mit offenen, nassen Augen: im Dunkeln und horchte. Papa und Mama schrien so laut auf! einander ein, d-aß inan nichts unterscheiden konnte. Manchmal trat eine kurze Paust ein, aber wenn Margit dachte, nun wären sie müde für heute und würden schlafen gehen, dann brach nach einiger Minuten immer wieder einer von beiden mit erneuter Wut koS., Sie waren jetzt im Schlafzimmer, und Margit konnte alles hören, aber keiner von beiden dachte daran. Jeder häßliche, baßer-/ füllte Hohn, aller Hohn, alle grausame Lust, einander tief, tief zu verwunden, Wort für Wort von beiden Seiten hämmerte aufi sie ein. Sie verstand es nicht, aber sie fühlte es. Sie kroch imtey die Decke, nur nichts mehr zu hören, Alber es half nichts. Sie konnte nicht einschlafen. Sie warf sich hin und her, um mit kleinen Geräuschen den Lärm, der aus dem Nebenzimmer drang, zu über- töneir. Auch das nützte nichts. Und nun saß sie wieder aufrecht in ihrem Bettchen, wacher als anr Tage, und die hilflosen Gedanken kamen und gingen. Ihre Zähne schlugen leist aneinander, so fror sie in dem dünnen Nachthemdcheu. Mer ihre Wangen glühten, und die Augen, fieberhaft groß, sahen starr in das Dunkel hinein. Weshalb war es nun wieder so gekonunen? Weshalb nur? Und wie hatte sie sich nur freuen können, wem: Papa und Maura sich weh taten? War es immer so? Mußte inrm'er irgend etwas! sehr weh tun, nachdem man sich gefreut hatte? Mer sie hatte sich doch gefreut, und die Elter ir machten sich Kummer. Konnte man nicht auch das andere für sich allein haben, wenn man das eine gehabt hatte? Nachdem sie die Freude gehabt hatte, sollte doch der Kummer auch sie allein treffen. Aber vielleicht, wenn sie aus ihre Freude verzichtete, hörten die Eltern aus, sich lveh zu tun? Ach ja, das wollte sie tun. Sie wollte Gott bitten, ihre Freude wegzunehmcn und dafisr die Eltcrrr gut zu nrachen. Dann wollte sie immer glücklich sein, und nie etwas anderes verlangen. Die Geschichten der lahnien Julie fielen ihr ein. Früher, wenn Gott böse gewesen war mit den Menschen, dainr hatten sie ihm ihr Liebstes dargebracht und dann war der liebe Gott wieder gut geworden urrd hatte ihnen alles gegeben, worum sie gebeten hatten. Jetzt wußte mau nie mehr gewiß, ob mau bekonrmen würde, was man sich wünschte. Vielleicht, iveuu sie es so versuchte, konnte sie den Eltern helfen. Sie hatte sich zu sehr über ihre wunderbare neue Freundschaft gefreut, deshalb war das Schreckliche tvieder gekommen. Mer, tvenu sie nie mehr mit Annie sprechen oder spielen würde, so gern sie ihre Freundin auch hatte, daunj würde der liebe Gott die Eltern sicher wieder gut machen. Annie würde wohl denken, Margit sei ein böses, falsches Ding, aber je weher das tun tvürde, umso glücklicher mußten ja die Eltern! werden. Sie faltete die Hände und sagte leise vor sich hin: „Lieber Gott, ich null auch immer tuir, tvaS dn tvillst, und nie mehr mit Annie spielen. Ich brauche cs wirllich nicht, mache nur Papa und Mama tvieder gut. Lieber Gott, höre zu und sei gut zu mir." Sie sagte es mehrere Male hintereinander mtb legte sich dann flctröFtel und Volt 5>offmmg hin Md wartete, daß es ruhiger litt Schlafzimmer werden würde. Mer so lange sie auch wartete, der Kampf lieh nicht nach, und immer schwächer wurde ihre beruhigende Gewißheit. Papa schrie und Mama schluchzte, und auf einmal sagte Papa ein so häßliches Wort, daß Margit susammenznckte, als hätte man sie geschlagen. Wie war das nur möglich? Sw hatte Gott doch versprochen, nie mehr mit Ännre zu spielen und ihn gebeten, dafür die Eltern gut zu machen. Konnte er es dafür nicht tun? Was konnte sie ihm denn noch versprechen? In ihrer Angst suchte sie tviederum Kffe bei den Geschichten der lahmen Julie. Wo sollte sie das Richtige finden, wenn nicht bei den Heiligen? Die Nanren hatte sw alle wieder vergessen, aber dw Geschehnisse kannte sie ganz genau. Mer eine dieser Erzählungen nach der anderen ging sie durch, ohne etwas zu finden, was ihr zeigte, was sie tun sollte . Bis sie sich ganz betäubt vor schreck an den alten Mann erinnerte, von dem Gott verlangt Hatte, er solle ihm sein eigenes Kind darbringen. Wenn der das willig hatte tun wollen, und nicht einmal um etwas anderes dafür gebeten hatte, dann wußte sie es auch tun. Denn das sah sie cveurltcu, von selbst wollte der liebe Gott die Eltern nickt wieder gut machen Und bitterlich weinend, stand sie ans ihrem Bette auf und ging mit nackten Fristen in die Ecke, Ivo ihre geliebte Puppe fast. Sie drückte sie leidenschaftlich an sich und flüsterte ihr lesick armselige Liebesworte zu, weil sie nie andere gehört hatte. „Du darfst nickst böse sein, ich must es ja für Maina nick Papa tau. „Du weißt ja, ichl habe Dich so furchtbar lieb.", „Ich werde 2 . 1 m nie vergessen, nie, nie-und es wird Dir auch nickt febr weh tun. ' Und dann die Puppe in ihren Armen sanft wiegend, dachte sw nach, wie sie es eigentlich tim sollte. Zündhölzchen zum Verbrennen hatte sie nicht. Zerschlagen würde einen solchen Lärm mache«/ daß alle es hören rurd hereinkommen würden. Und dann würden sie fragen, was ihr foenu einfiele,-die teuere Puppe zu zerbrechen, und sie konnte doch nicht sagen, warum. Da müßte sie sich ia m den Tod schämen, und es war ja auch etwas, was nur Gott und sie allein wissen dursten. Dann fiel ihr ein, sw wurde ihr Kuck znm Fenster hiucmswerfeu, das war wohl das Beste. Der Schnee müßte jetzt ganz hock liegen, und da würde es sich nicht so weh tun. «Tastend fand sic einen Stuhl und trug ihn letze an's Fenster. Aus dem Sessel stehend, hielt sie mit der einen Hand die Puppe fest au sich gedrückt, mit der anderen öffnete sie bebutsani das rMtzter, zog mühsam das Rouleau hoch und öffnete den äußeren Flügel. Eiskalte Lust schlug ihr entgegen und drang durch das dünne Hemdchen. Lautlos, friedlich und dicht sielen die Schneeflocken noch immer herab, die weiße Decke, die auf der Erde und ans allen Vorsprüngen lag. milderte das sterncnlose Dunkel zii einem ungewissen Zwielicht. Die kleine weiße Gestalt am Fenster wartete und sah nichts davon. Bebend vor Kälte stand sie aus dem Stuhle, während der Luftzug ihr Hemdchen ins Zimmer zurückwehen wollte. Heimlich hatte sie gehofft, der liebe Gott Würde irgend etwas senden, !nm ihr Kind zu erhalten, wie er es damals denr alten Mann gesandt hatte. Aber es kam nichts und init einem harten, stoßweisen Schluchzen, das ihr aus der Kehle drang, warf sie ihr Kind endlich hinab. Zitternd horchte sie hinunter, aber sie hörte keinen Ton. Es war Wohl weich gefallen. Dann kletterte sie langsam und todmüde vom Sessel herab. An die Möglichkeit, daß nun nicht alles gut geworden sei, dachte sie garnicht, aber sw könnt« sich auch nicht freuen. In halber Bewußtlosigkeit, die ihre Mieder lähmte und ihre Einbildungskraft merkwürdig in die Irre führte, schlich sw frostbebend M ihrem Bettchen zurück. Aber in dem Augenblick) da ihr Köpfchen sich schon halb im Schlaf zur Seite neigte, wurde sie durch einen durchdringenden Schrei Mamas Wieder geweckt. Mühsam riß sie die Angen auf. Das hatte sie doch nur geträumt, das konnte doch nicht wahr sein. Hatte sie nicht dem lieben Gott alles, altes gegeben, was sie hatte? Was konnte sie ihm denn noch geben? Aber vielleicht war das nicht das Rechte gewesen? Was konnte aber das Rechte sein? Wer hätte noch mehr gegeben, als der aste Mann? Ja, da war einer, unser .Herr Jesu Christ. Der hatte um der andern willen sein eigenes Leben hingegeben. Mer das konnte der liebe Gott doch nicht haben wollen, daß sie starb, um ihre Eltern zu erlösen? Sie wurde ganz- dumm vor Angst bei dem Gedanken. Doch die leidenschaftlichen, wilden Stimmen nebenan rissen au ihr. Sie bebte und zitterte, aber Schritt für Schritt kam sie dem Stuhle am Fenster näher. Es war, als wäre der Gedanke nicht mehr in ihr. sondern irgend etwas Allmächtiges außer ihr, das sie zum Fenster zerrte. Sie wollte schreien vor Schreck, vor tödlicher Furcht, aber sie wimmerte nur kleine, klägliche Jammerlaute, die die beiden Menschen drin nickt hörten, und hob ihnen zwei schwache Arme entgegen, die sie nicht sahen. Da drin tobte noch immer der rasende Haß und wühlte sich gegenseitig giftige Wunden ins Gemüt. .Halb besinnungslos stand sie wieder ans denr Stahl. Noch lauschte sw zurück. Dann stand ein Fuß auf dem kalten, nassen Schnee, der den Fenstersims bedeckte. Sie schrak zusammen, aber das vermehrte nur den Todesschauer und brachte sie nickt mehr zur Besiummg in die Wirklichkeit zurück. Der zweite kleine nackte Fuß folgte. Mid während nebenan die zwei Menschen in zügelloser blinder Wut auf einander eindrangen, sauste hier ein kleiner, weißer Körper verlassen und willenlos in die Tiefe, hinab. vilcherttsch. — Ernst Elias Niebergall. „DesB n'r s ch e n H e i m- kehr oder Der tolle Hu n d", Lustspiel in vier Aufzügen. In der Mundart der Darmstädter verfaßt von E. E. Stress. Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von K. N 0 a ck. Darmstadt. 1815. A. Bergstraeßers Holbuchhandlung (W. Kleinschmidt). Preis Mk. —.60. - Ter 100. Geburtstag des Darmstädter groben Humoristen E. E. Niebergall war der Anlaß, daß seine Werke eine erhöhte Beachtung und Wertschätzung erfuhren. So wurde der „Datkerich" in der letzten Zeit in verschiedenen Ausgaben neu aufgelegt und erlebte in ersrecclicher Weise 2lufstthrungen in Darmüadt, im Großh. Holtheater. wie in einer ganzen Reihe von anderen deutschen Städten. Das älteste Stück, „Der tolle Hund", war dagegen nicht mehr neu zu erhalten. Es ist deshalb ein Verdienst von A. Bergstraeßers Hofbuchhandlung (W. Kletn- schmidt), dieses G e g e n st ü ck $ u ur „Datterich" in einer neuen, auf die Nrausgabe zurückgreisenden, von deu Drückfehlern und Schäden früherer Ausgaben gereinigten Gestalt sedein Verehrer Niebergalls zugänglich gemacht zu haben. — V 0 m «V ö l ke r k r k e g" (herausgegeben von Dr. E. H. Vaer, Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart) sind nunmehr die Helte 51 und 52 erschienen, die an die Darstellung gewaltiger Ereignisse Herangehen, nämlich der Kämme auf den russischen 'Kriegsschauplätzen von Ende Februar bis zur Wiedereroberung von Przemysl. Konnte dieses Stück Weltgeschichte würdiger eröffnet werden als mit dein Charakterbild Hindenburgs, mit ebensoviel. Liebe als Ehrfurcht hingezeichnet? Die Aufgabe, aus einer Fülle knapper Tagesberichte heraus den Verlanl der Kriegs- Handlungen in einfachen, übersichtlichen Linien aulzustellen,, ist wieder wohlgelnngen, und mit Genuß sehen roii; das, was sich Tag für Tag unter Unsicherheit und Spannung entwickelte, in planvollen Zusammenhängen vor uns, erkennen den Vorinarsch in Kurland als ersten Schackzug in dem glänzend angelegten Wettkampf, dessen entscheidender Vorstoß unter dem Namen der Schlacht bei Tarnow-Gorlice der Geschichkd angehört. An der Erläuterung ein- zelner besonders interessanter Operationen sieht man staunend, wie vie Arbeit der verschiedenen Abteilrlnaen eines Heeres gleich denr Getriebe einer sinnreich gebauten Maschine zusammenwirkt. Unter den aussschrlichen Schilderungen, die der „Völkerkrieg" immer den wichtigsten Vorgängen widmet, finden wir mehrere der klaren Berichte aus dem deutschen Hauptquartier, in denen manches kleine Meisterstück deutscher Führilng und deutscher Kainpseslust nut feinem Behagen erzählt ist, so die deutsche Gegenoffensive zum russischen Angriff aus- Grodno und die Kämpfe des Generals v. Litzmann bei Komno. In farbenreichen Bildern, entworfen unter dem frischen Eilidruck des Erlebnisses, zeigen uns die Mitkämpfer die wilde Abwechsliiiig des Krieges: da erzählt einer von den Mnhsalen aus grundloseri Moraslstraßen, ein anderer von einem Sturmangriff, wie Nitr ein deutsches Gemüt ihn erlebeii kann; flotte Briefe eines Reiters wiffc,r voii kühnen Streilzügeii und nmnch blutige,n Anprall zu sagen ; der Brand voii Szarple siridet einen Meister für seine Beschreibung. Mit tiefer Teilnahme liest man vo,i der Ueber- raschnlig der Stadt Me,net durch den russischen Einsatt. Die meisten dieser Schilderungen, .avie aiich die sehr ausführlich dargeslellte winiiahme von Libmk^sind durch schöne Bilder veranschaulicht; Uebersichtskärtchen sind überall ziir Hand. — Jedes Heft kostet 3 y Pfennig. _ Schach Aufgabe. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer: Wal, V.'Zerbst — zer, Walzer. Kchrlstleitung: Ai,g. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gieße»