rnoiiiag, den H. Novemher 1SSgBüs {^rs&zRit&ES. LLLLL Die vom Rauhen Grund. Roman von Pan! Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Einige Minuten kletterten sie ununterbrochen. Die ungewohnte Anstrengung machte sich bei Eke doch allmählich fühlbar. Da war es ihr nicht unlieb, als er anhielt. Auf einer schmalen Holzbühne, die bei einem Absatz der Fahrten angebracht war. Senkrecht nach oben und unten strich hier der schwarze Kamin, den sie durchkletterten. „Eine kleine Rast kann uns ja nicht schaden." Er sagte es mit gutmütigem Lächeln und räumte allerlei Gesteinssplitter von der kleinen Bank aus der Bühne. Dicht saßen sie dann nebeneinander. Ihre Ellenbogen berührten sich, und er hörte, wie ihr Atem ging. „Hat Sie's sehr angestrengt?" „Oh — durchaus nicht. Nur etwas ungewohnt dies Leiterklettern." !„Fahren," verbesserte er sie Merzend in der Bergmannssprache. Dann schwiegen sie wieder. Allerlei Gedanken kamen ihm. An den Autoausflug mit Marga Reusch neulich mußte er denken. Auch heute saß er wieder so, allein und nahe einem Mädchen, und spürte den warmen Hauch ihrer Jugend. Und doch nichts von jenem geheimen Vibrieren, dem Verlangen des ausgestörten Blutes. Warum das? War Eke von Grund etwa weniger begehrenswert? Nein — keineswegs. Ihre blonde, helle Schönheit nahm eS gewiß mit Margars pikantem Reiz auf. Aber es umwehte sie ein reiner, kühler Hauch, der jedes heiße Mannesregen in die Schranken wies, es wohl gar nicht auskomme, t ließ. War das die ererbte Hoheit einer Frau aus alten, Geschlecht, oder nur der Ausfluß einer adligen Weibes- natur? Aber ganz gleich — es war einmal an ihr, jenes Hoheitsvolle, vor dem der Mann sich schweigend beugte. Und plötzlich kam es über ihn, ein Unbehagen, daß er neulich, wenn auch nur für eine kurze Spanne, sich von Margas Reiz hatte bannen lassen. Ja, es war ihm beinahe peinlich, daß Eke sie beide im Wagen gesehen hatte. Ob er ihr daher nicht jetzt ein Wort der Aufklärung sagen sollte? Und schon kam es ihm auch von den Lippen: „Das war übrigens neulich ein unerwartetes Begegnen! Steinsiefen wollte mir seine neuen Anlagen droben auf dem Basaltbruch zeigen, und er hatte auch Fräulein Reusch aufgefordert, mitzukommen." Sie hob ein wenig den Kopf. Das klang ja wie eine Entschuldigung! Und ein inneres Abrücken lag in ihrer wort: ^,Ach so — €>te meinen damals auf der Chaussee. Ich hatte gar nicht mehr gedacht an dieses flüchtige Begegnen." Die Stirn bewölkte sich ihm. Seine dumme Offenherzigkeit! Er suchte, aber fand nicht gleich ein gewandtes Wort, um über die Sache schnell hinwegzugleiten. Das Schweigen wollte drückend werden. Da machte sie ein Ende. „Ich denke, wir können nun wohl wieder weiter." Es klang ruhig und freundlich, doch er fühlte deutlich den gewissen Abstand, der sich zwischen ihnen gebildet hatte. Mit einem kurzen Griff faßte er daher nur nach seiner Lampe und trat von neuem sein Führeramt an. 1 Das Klettern auf den Leitern nahm ein Ende. Sie schritten jetzt in einem abgebauten, alten Erzgang hin. Einer Gebirgsklamm glich er, durch die sich ein Wildbach zwängte. Rauschend schoß ihnen das Wasser über die Füße. Dann endlich näherten sie sich den Punkten, wo der Abbau stattsand. Von weitem schon vernahmen sie das metallische Hallen der Fäustelschläge und das dumpfe Prasseln niederbrechender Steinmassen. In Pausen der Ruhe drang der Schall menschlicher Stimmen an ihr Ohr. Sonderbar hohl, wie aus einer Grabesöffnung. Nun blinkte es auch vor ihnen auf, hin und her huschende Lichtlein, und nach einer Biegung plötzlich der sonnige Schein der vielen dort vereinten Azethlenlampen. Ein hohes Gewölbe zeigte sich ihnen, mit phantastischen Schatten an den Rippen der Felsenkuppel. Wie zu einem frohen Feste schien alles gerüstet hier in der Tiefe der Erde. Zu einem Feste der Zwerge. Die schattenhaften Gestalten, die dort hockend vor der Felswand kauerten, verstärkten nur noch den Eindruck. Den Blick staunend nach vorn gerichtet, schritt Eke weiter. Aber plötzlich zuckte ihr Fuß zurück. Unter ihrem Tritt hatte es sich bewegt — und nun ein wildes, fauchendes Zischen. „Nur der Preßluftbohrer," beruhigte sie Bertsch. „Sw haben ahnungslos den Hebel der Leitung berührt." Dann näherten fie sich den Leuten, die wie ratlos dastanden. Bertsch trat zu ihnen. „Na, was macht ihr denn für Gesichter?" Einer drehte sich um. „Der Steiger war eben hier. Der hat uns die Courage abgekauft." „Na, na, warum denn?" „Ja, wir dachten, wir sollten nun stracks fördern. Statt dem sind wir auf eine Kluft gestoßen. Nun können wir wieder ini Stein arbeiten, Gott weiß wie lang, und verdienen nichts." Bertsch schüttelte den Kops. „Eine Kluft — hier, das will mir nicht recht scheinen." Er leuchtete und klopfte schweigend das Gestein ab. Stumm sahen die Männer zu. „Sicher nur eine kleine Rippe, und der Gang setzt dahinter fort." „Wenn's bloß eine Rippe ist, dann sollen wir's stracks packen." * Und mit neuem Vertrauen hoben die Leute beu Boh'^r auf die Schultern. Einer drehte an, und mit ohrenbetäubendem Nattern fraß sich der Stahl hinein ins Gestein. In — 676 beständigem Fluß rann das weiße Bohrmehl aus der Oessnung. — Bertsch griff eine .Handvoll davon aus und betrachtete sie prüfend. „Gut geht's, was?" scherzte er dann nach einer Ruhepause. „Da lacht euch wohl ordentlich das Herz im Leibe?" „Herz im Leibe lachen? Ena —, dafür haben wir doch auch bat Gedinge gemacht." „Was verdient ihr denn hier?" „An hnnnertdreißig Mark dat Monat. Dat is doch meiner Schau nit viel." „Na, doch aber auch nicht gerade wenig, hierzulande. Und es könnten gern noch ein paar Taler mehr werden, wenn ihr selber nur wolltet. Doch ihr macht's euch zu gemütlich, Herrschaften — so nach altem, gutem Brauch. Ihr vergeht aber, es sind andere Zeiten geworden. Wer heutzutage vorwärts kommen will in der Welt, der muß fester zupacken, als Vater und Großvater es getan haben." „Ja, ja, Herr Bertsch, sollen wir Ihnen denn die neuen Schornsteine dg oben gleich ans einmal bezahlen?" Und der Sprecher lachte dem Leiter der Grube frei ins Gesicht. Auch Bertsch lachte. Das war hier noch so der alte Ton, von den Zeiten her, wo Gewerke und Bergmann auf Du und Du standen. Aber er wandte sich nun doch zum Gehen. „Na, nur weiter so, Leute! Und ihr werdet schon noch auf eure Kosten kommen." Wieder an Ckes Seite ging er dahin. Sie kamen noch an mehreren Betriebspunkten vorüber. An einem blieb er stehen. Er kannte den Alten, der dort mit ein paar andern arbeitete, persönlich. Der lag hier schon in der Grube, als Berlschs Vater noch Vergverwalter war. Er trat heran und klopfte dem Alten auf die Schulter. Dieser sah herum und gab ihm treuherzig die Hand. „Na, Vatter Brinkmann — Leben noch frisch?" „Oh, dat is ein Kompel! Der springt noch gut," gab ein Kamerad launig für den Alten Auskunft. Bertsch nickte lächelnd dem Sprecher zu und wandte sich dann wieder an Brinkmann. >,Und wie geht's mit der Arbeit, seid ihr zufrieden hrer?" „Oh ia, dat gerät schon. Dat is ein schönes Gangstück hier Lauter noble Ware." Und als der Alte nun das fremde Geftchl neben denk Bergherrn, eine Dame gar, bemerkte, winkte er sie zutraulich heran. „Hier, da können Sie mal wat Feuies sehen." Er deutete auf eine frisch angehauene Kluft, in der es von Quarzkristallen blitzte und funkelte im Schein der erhobenen Lampe. „Dat sin Nester, nit? Wunderschön! Wke dat Strahlen schießt, als wären dat lauter Diamanten und Ordenssterne. Aber so schön wie früher findt man sie doch nicht mehr. Als mein Vater selig noch bergte, da bracht er niich knal als Jungen eine Druse heim. Da waren lauter Figuren drin, alles was auf der Erde vor- komnkt — alles Getier und alle Pflanzen." nV?* 0 !®“; nidjt sagen," nickte Eke dem Alten freundlich zu. Aber Bertsch kannte seine Redseligkeit. Es war ihm inzwischen auch etwas ausgefallen. So mischte er sich denn wleder ins Gespräch. — das?"^bid denn bloß drei Mann hier? Wie kommt „Ja, der Audres-Philipp is heut' nit gekommen." „Warum nicht?" wird wohl nit Laune gehabt haben." & a ? ,e B nb ne f es wieder jener andere herüber. Doch de alte Brinkmann erklärte: „Er ist im Heu. Aber dafür will er morgen doppeln! Y». hoppeln — zwei Schichten hintereinander, sechzeh ?.™ e " l 5j|J r Grube — auch so ein .alter, guter Braucht Leute, macht s euch doch einmal klar: das geht über di Knochen und verschleißt vor der Zeit. Nein — wer sein Ruhe" ^brsahren hat, der hat ein ehrlich Anrecht au J8rvenn der Dienst vorbei ist und nachts zieht man auf Lorckiposten oder Unteroffizierposten. Aber wenns regnet, daß ein kleiner Bach langsam die Unterstände unterspült, und wenn die Armauflagen ab- oröckeln, dann ists anders. Wenn es nachts regnet, so ganz fein regnet und rieselt, und du mußt dastehen an deinem Geniehr Uno nach dem Festst» spähen und in die Nacht horck)en, u:st> hörst Nur den traurigen Regengesang, dann kommt etivas Ausgebranntes ln dein Blut. Wenn du fühlst, wie der Regen durch den Mantel in den Waffenrock und langsam durchs Leuch auf die Laut dringt, »vie der Schumtz an dir klebt .. . Und du horchst, und immer nur der Regen, höchstens dazwischen eine Salve der Russen oder ein bißchen Maschinen^ewebrseuer . . . Tas sind dis Nächte, Wo es manchmal eine Sekunde in dir aufflammt: „Wenn du bloß zu Lause wärst." Und so eine Nacht war es vor dem Tage, an dem Erich Lesse singend starb. Tie Musketiere standen an den Gewehren, so wie die Hühner an den Läufern stehen, wenn ein Landregen das Torf in Melancholie singt, und sie plusterten sich und schütteltet: die Regentropfen aus dem Mantel wie die Hühner und sanken wieder in diese Melancholie uird starrten über der: Sumpf nach Voloczcysno, wo die Russen in den Häusern und hintevm Bahistmmm lagen. Auf einmal fing ein alter Ha:nburger Landwehrmann an, ganz gottsjämmerlich zu fluchen. Da sprach Erich Hesse. Zum erstenmal, daß er mehr als einen Satz sprach. ' „Mensch, glaubst du, irgend einer wäre gern hier draußen? Zu Hause ist es weiß Gott schöner. Mer da wir einmal hier sind, müssen wir unsere Pflicht tun, auch wenn wir sie nicht lieben, weil die Pflicht manchmal nichts Schönes ist. Und deshalb Halts Maul und nrach einem es nicht noch smiverer." . . . Es war lang still . . . Mit Mühe brachten wir unsere Mutzpfeise an unterm durchnäßten Mantel . . . Erich Hesse schüttelte das Wasser aus dem Mantel und kam auf mich los . . . „Ein Vergnüge:: ist es ja weiß Gott nicht. Zu Hause, da kann das Regenwetter einem Spaß mache,:. Weißt du, wenn ein paar Nelken auf dem Tisch stechen und der Mgen umsingt das Haus und du stehst am Fenster und siehst über den Garten au s Meer. . ." Junge, Junge, unser Gärtchen, tvenn so die S'oiu:e aus den Nelke» und Aster,: und Reseden liegt Und du sitzt unter der Kastanie und Mutter bringt de,: Kaffee, und du hast das unbe,vußte glück- nche Gefühl, „rch Hab ein weißes Hemd an und einen schwarzen Schlchs drauf und gekämmte Haare". Ich glaub, das Gefühl hat Man letzt erst, wo man tagelang ungeroaschen und verlaust ist. Ist Es d:r nicht auch ausgefallen, wie man hier das Leben lieben lernt. Ich. meine, wie man den Pulsschlag des feinen Lebend hier Mel mtenswer fühlt? Hast du schon einnml, wenn wir in Reserve uegen, auf dem Bauch gelegen drüben im Schloßpark und einer Biene zutschen, wie sie in ein Löwen,,:cml kroch und sich die Flügel n::t den Hinterbeinen strich? Hast du nicht den Atem an- gehalten, wem: ein Trauermantel aus einer Aster sich niederlieh Und d:c Flügel breitete und 'trunken war vor Som:e und Licht, und w:e er s:e zusammenklapvte, die samtenen Flügel. Hörst du da nulst den Blutlaus des Lebens und haben wir nicht ein feineres Gettcht bekommen? Ist es, weil wir den: Tod immer so nahe, such? Sahst du einmal durch die Fichten am Parkrand über die Wiesen nach der Zlota-Lipa, ivenndie Nebel durchs Tal zogen und die Sonne gerade durchbrach? . . . \ Verflucht und trotzdem! Weim man so in: Unterstand sitzt uird freut sich. über eure Wurst von zu Hause, schneckt sie noch besser', wenn unsere Artillerie anfängt -zu funken auf die russische Hegen ^ ^ ^ gemeine Sache, in, Artilleriefeuer zu Ach überhaupt! Es ist doch eine blöde Sack)e. Von unseren: Graben starren die Gewehre hinüber. Hast du das einmal gefühlt, > Denn du nwrgens von Patrouille vder Lorchposten kamst, wie o,ese Tausende Gewehre h:n überstarren trotzig und erbarmungslos über die Brüstung? Denk, drüben starren die Gewehre nach uns. Und hübe,: wie drüben ist Lausel-en und Spähen nach dein Feind und :n den langen Nächten Heimgedenken und Gottahnen. Und so ern Ossip Grabilowitsch oder so ein anderer Kerl liegt auch bei Tage drüben in einem Bauerngärtchen und sieht einem Trauermantel zu oder freut sich über die Onuunentir der Linie einer Blume. Und wenn Befehl kommt zum Stürmen, laufen wir nach vorne und brülle» Hurra und sie schießen uns ab wie Hasen und we,m> w:r rankommen, durchspießen wir sie wie ein Bauer eine Maus rmt der Heugabel, oder die Russen stürmen und es ist umaekehrt. Das will einen: gar nicht in den Schädel, manchmal, diese ganze Sinnlosigkeit . . . Glaubst du nicht, daß die drüben sich ebenso freue,: wie wir, wenn es einmal heißt: Die Kompagnien entladen? Urst» ist es nicht wieder großartig, dieses blinde Vertraue:: auf d:e obersten Führer? Da kommt Befehl: 11/223 feldmarschmäßig antreten. Gewehre umhängen, erste Grrcppe grade aus mit Gruppen rechtsschwenkt ohne Tritt marsch Marschordnung. Und d:e Kompagnie marschiert. „Man loird uns irgendwo braucl-en Kiicher." sagt der Kompagnieführer. „Also Kops hoch und drauf." 10 Krlometer. Tas Lederzeug zankt und die Spaten schlagen in alenhem ewigen Tritt wider die Scl-enkel. 15 Kilvnieter, der Tornister reißt, aber der Gleichschritt der Kompagnie hält dich. 20 Kilometer-25 Kilometer, du schiebst dich förmlich weiter zur nächsten Wegkrümnrung, es surrt vor den Ohren, 30 Kilometer, nn langes endloses Torf, du hoffst auf Wasser, aber überall das entsetzlnkie Schild „Cholera". 40 Kilon,eter. Tu glaubst, du kannst nicht mehr, aber es klingt in den Ohren: „Man wird uns :rge,chwo brauchen, Kinder." Endlich: „Kompagnie halt, Gelvehr ab. Setzt die Geivehre zusammen, Bei den Getvehren tvegtreten." Eine Ordonnanz bringt eine Meldung. U:st> nach einer Stunde Rast geht es wieder zürck. Hier fluchts mal und dort. Gott, dn kennst ia den Krampf. Aber 'sein ist das doch, das Gefühl: du bist auch einer unter den Tausenden, die jetzt durch Polen und« Galizien marschiere,: ... Auf den laugen Märschen da Hab ich innner seltsame Gesichte. Unser Fischerdorf an der Ostsee, wo Vater Lehrer ist, seh ich liege,:, wie ich es tausendmal sah, ,oenn ich mit meinem Segelboot von draußen kam . . . Das Meer, wenn es nach einer stürmischen Nacht getigert ist, und ein Segelboot über die Wellenkämme tanzt . . . So ein Mittag in: Sommer, wenn die gelben Kornfelder im elvigei: Rhythnnrs sich wiegen, und dazwischen auf ernem Hügel eine Windmühle, die gleichsam auf das reife Korn wartet . . . Du liegst an: Strand und hörst im Korn den Strich der Sense und siehst im gelben Aehrenfeld,d:e weiße:: Kopftücher der Mägde leuchten und siehst die weitausholenden porwärtsschreiteuden Mä- her . und der Wind schläft langsam ein, daß das Meer ganz sttlle :st :n:d die Möven sich treiben lassen und träumen . . . Ein Abend: Karmosinrot liegt die letzte Sonne auf dem Meer und in den seinen Nebeln. ' Dazwischen ein letztes braunes Segel w:e eine stille sichere Hoffnung, und die Kastanie breitet sich über unfkr Haus . . . das Dorf liegt da, weißt du, so wie man vorm Enstchlafen l:egt, man liegt und stihlt, daß man einschläft und freut sich und will noch sticht schlafen, nur um das feine Gefühl zu haben, und von fern 'die traurige Weise der Handharnwnik« e:nes Fstchers . . . Auf den Märsche,: ist die Heimat in so ganz seinen Bilder,: in me:nem Blut, aber nicht, daß ich mich danach sehne. Nein, so wie Blasen hochsteigen und verplatzen und neue hochsteigen, ohne Sehnen, ohne Wunsch sind die Bilder da. Und auf so einem Marsch, 'als wir durch ein zerschossenes, abgebranntes Dorf marschierten, in dem eine schnrutzige Panjefran nach ihren letzten Habseligkeiten unter der Asche suchte, ist es mir blitzartig klar geworden: Dafür stehen die jungen und alten, die ganze Wehrmacht in Polen und Galizien, in den Vogesen und in Flandern, daß dieser Friede in der Heimat im lieben Deutschland fortbesteht, daß kein Kosak die stillen Tage der Saat und des Reifens und der Ernte mit Schreien und Nag«nka- sch,vingen stört, daß unsere Frauen und Mädchen still ihrer Arbeit nachgehen können, dafür leiden :vir alle Müh und Hunger und Durst . . . Hast du schon mal mit rmch innen gerichteten Augen so ein verwüstetes 'Dorf gesehen; in Frankreich :oar es ja noch schlimmer. O diese Tausend Gefühlswerte, die der Krieg zerstört. Ja, viel mehr Gefühlswerte, als wirkliche Werte. Das ist viel, viel schlimmer. Denk nur so eine alte holzgeschnitzte Truhe, die schon vom Urgroßvater sich vererbte, aus der Mutter Sonntags den Spitzenkragen kramte, wenn sie zur Kirche ging, das ist für uns Hblz für den Unterstand. Die alten Schränke, in denen die alteiTasse stand, die Grvßvater zur Silberhochzeit geschenkt bekam, kaput, alles kaput. D diese ausgcbraimten Fenster, wie anklagende leere Angenhöhlen, diese verbrannten ansgebrannten Katen, die wie verprügelte Hunde Sagend gegen den Himmel heulen, die verreckten Kühe und Gaule, u:st» dazwischen die armen Bauern, die das 'klcnd verblödet hat. Kranipft sich nicht dein Herz, wenn du emsdenkst, das könnte auch bei uns in Deutschland sein? Aushalten, dann aelingts. Istst» das tröstet einen, daß so viele Edle fallen I In der Heimat, für die wir hier stehen, find Frauen mit der heilrasten Glut im Blute, Und unser Volkstum, das mir hier verteidigen, wird neue prächtige Menschen schaffen ... Seine Pfeife mar ausgebrannt, und bis er sie umständlich uusgeklopft, gestopft und angebrannt hatte, wogten die Nebel über die Zlota-Lipa langsam zurück und cs wurde mählich Tag. Hesse schüttelte den Regen aus denr Mantel und blinzelte verlegen unter seinen großen, umränderten Brillengläsern. Und der Eindruck, daß wir uns beide etwas befangen fühlten, wir waren ja jetzt am Tag wildfremde Menschei;, die der Krieg zusaimnengeführt hatte, wurde noch stärker, als er seine Brille abnahm und die Tropfen von den Gläsern wischte . . . Wir kamen in Reserve. Wir lagen am Mittag im Park, 100 Meter hinter der vordersten Stellung. Tie Russen schossen fast gar nicht. Und plötzlich hebt eine Stimme an: Es wollte sich cinschleichen ein kühles Lüftelein, und langsam noch eine Stimme und noch eine, bis der ganzö Zug singt: Wir sind noch iung an Jahren Müssen auch schon traurig sein, Wir haben viel erfahren, Müssen auch Soldaten sein.- Und Lied um Lied steigt aus dem Hansen lagernder Soldaten. Wie eine Flamme gleichmäßig zum Nachthiminel steigt . . . tvie sich Maasliebchen au Maasliebchen reiht, wenn die Kinder Kränzel binden . . . nachdenklich und traurig. Und als es zu Ende war, sprangen sie hoch, gleich als schüttelten sie etwas ab. Und einer machte einen Witz, als schäme er sich, daß er eben gerührt war. Auf einmal aber ist es da wie ein Fanal und Gelöbnis: Haltet aus! Haltet aus! Lasset hoch das Banner wehn, Zeiget ihm, zeigt der Welt, Wie wir treu znsammenstehn, Äuf daß sich unsre alte deutsche Kraft erprM Wenn der Schlachtruf uns entgegegcntobt Haltet aus im Sturnrgebraus! Haltet aus- Bein; letzten Haltet aus stürzte Erich Hesse lautlos nach vorn. Eine verirrte Kugel war ihm mitten durch den Kopf gegangen. Am Abend haben wir ihn begraben unter der hohen Tanne im Schloßpark an der Zlota-Lipa. '- vermachtes. * Englische Satire gegen d i e Gr e u e lmär ch en. Gerade so, wie Maurice Barröe jüngst kleinlaut beiuerkte, man habe vielleicht doch etwas zu viel mit Grenelmeldungen gearbeitet, regt sich auch jetzt in England der Rückschlag gegen die Greuelphantasten, von denen die englische Presse und Literatur seit Jahr und Tag überquillt. Tie gescheiteren Engländer glauben einfach nicht mehr daran; öffentlich ausgesprochen dark ja das nicht werden, aber dem humoristischen Zeichner W. Heath R o b i it I o ii konnte man nicht gut verwehren, sich ln seinen Ze;ch- nungen über die Greuelmärchen von Grund au8 lustig zu machen. Unter diesen Zeichnungen befinden stch mehrere, die wirklich sehr lustig sind und den wackeren Schwindelhuber John Bull gründlich abiühreu. Nein, was diese Deutschen nicht alles für Schandtaten auszudenken wissenl Auf eiuem Bilde sieht man sie, wie ste uuter den; Schutz der Nackt uninitttlbar vor den englischen Schützen-- gräbeu Zwiebeln pflanzen. Durch den tiefen Sand wühlen sie sich heran, die Zwiebeln an den Spitze»; ihrer Bajonette tragend, die sie dann vor de»; englischen Schutzwällen in die Erde senke»;. Tie Folge»; sind schrecklich; schon trete»; den; eitlen und andere»; Tommy die Träne»; in die A;;ge>;, die Taschentücher gerate»; ii; Be»vegu»;g — die Engländer sind kampfunfähig gen;acbt! Heilerer, aber m; Enderiolge gleichartig, ist die Verweudu»;g von Lachgas seitens der De»itschen. Ungeheure Heiterkeit beinächtigt sich daraufhin der Eilgläilder, die aller Vorsicht vergessend und laut lache»;d aus ihre»; Schützengräbe»; austaucheu. Aber die Phantasie des Zeichners kennt auch grausaine Kampfmittel. Vielleicht das schlimmste darunter ist die Verwendung der deiitschen Mnsik zur Besieguilg des Gegners. An mächtigen Angeln erscheinen über de»; englischen Schützengräben große Grammophone, aus de»;en sich die Wellen deutscher Musik aus dei; englischen Soldaten ergieße»;. Er ist verloren. Widerstandslos sieht man ihi», de»; dicken Bauch gen Hiinmel geleckt, vlatl au; Boden liegen. Ganz verschmitzt ist aber vollei;dS die Anwendung des „Frostbeulenseruins" durch die Deutschen. Während sich über der Erde die Insasse»; der Schützen- gräben betnalle»;, grabe»; diese listigem Feinde eu;e»; unterirdischen Schacht, der bis unmittelbar u»;ter Le»; englischen Schützetlgraben führt, und bringen do;t das gedachte Frostbeulenser»im zur Entwickelung. Bald »nackt eS durch die Erddecke hi»;durch seine Wirkung geltend, und die ariue»; Tommies wissen sich vor Frostbeiilen n»cht u;ehr zu het'e';, Hüpfen in ihre»; dualen von einem Fuße auf beit anderen, und sehen sich so wehrlos den 'Angriffen des tückischen Feindes auSgesetzt. Ja, so sind die Deutschen! vüchertischc — Unartige Mufentlnder. Ein buntes Sträußchen lustiger Pflanze»;, aus Treibhaus beeten alter und neuer Zeit gepflückt und geivunden von R i ch a r d Z o o z m a n n. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 662 Seite»;. 2,50 Mk., geb. 3 Mk. — Diese Sammlung heiterer Gedichte war, wie der Herausgeber in einem launigen „Nachvorwort" betont, lange vor Beginn des Krieges geplant und begonnen morde»;. Ihr Erscheinen im jetzigen Augenblick könnte zunächst befremden. Allein wir baden auS de»; Schützengräben so oft und so dringe»»d de»; Ruf nach humoristischen; Lesestoff vernon'inen. daß wir jede Bereicherung dieser Ltteralurgattung von Herzen willkommen heißen dürfen. Ueberhauvt ist ja in diesen enfften Zeitläuften unleugbar ein allgemeines Bedürfnis nach "Ablenkung und Zerstreuung vorhanden. Die Seele hält eben eine dauernde Spannung »lickst a»»s. — Tie Sammlung, für deren Güte schon der Name des vielerfahre»;en Herausgebers bürgt, erstreckt sich über einen Zeitrauin von 800 Jahren und enthält von 450 Autoren rund 1200 Beiträge, von denen etwa 260 bisher ungedruckt waren. Es ist erstaunlich, welche Fülle von Laune. Humor, Schalkhaftigkeit und Uebermut hier zwischen zwei Buchdeckeln zulannnengedrängt ist, und es ist nicht minder erstaunl;ch, daß es der VerlagSbandlung n;ogl;ch war, einen jo niedrigen Preis für den schmucken Band anzusetzen, der manche andere derartige Sannnlnng aus dem Felde zu schlagen berufen sein dürste. — Kamps hinter der Front. Kriegsaussätze für Deutschtum in Beben und Kunst. Von Dr. Karl S 1 o r ck. Geschmackvoll gebunde»; Mk. 2,50. Porto 20 P»g. Muth'sche Verlagshandlung, Stuttgart. — WaS der Verfasser u;; Lause des erste»; Kriegs- jahreS und darüber hinaus an packende»; Aussätzen in Zeilschristen und Zeitungen veröffentlicht hat. ist in; vorliegenden, hübsch auS- gk-statteten Bande in sorgfältiger Auswahl und ver»nehrt durch Neues vereinigt. Der Inhalt bringt neben zahlreichen Tagebuch- blättern größere Aufsätze über beivußtes Deutschsein. Auslauddierterei, deutsche Mode über deutschen Geist und deutsches Lied. Krieg und Kunst, über die schweizerische Neutralität, über den ttalienischel; Verrat u. v. ;;;. Der Leser erhält auf solche Welse ein klares Spiegelbild unseres nationalen Lebe»;S während des Weltkrieges. In langen Friedensjahre»; bereits ist der Verfasser immer und überall für unser Deutschtum ei»;gesta»;den. so ist auch seu; Kriegs- buch von unentwegtem Kamps für unsere deutsche Sv>ache, Literatur, Kunst, Musik und Theater, von mutvollem Eintreten für unsere gute Sache gegenüber unseren Feinden und gegenüber manchen Neutralen getragen. Der „Kampf hinter der Front" bietet den Dahetmgebliebene»; nicht nur einen spannenden Lesestoff, er bestärkt sie zugleich in treuem Ausharreu. Allerseelen. Ich steh am Wald im fahlen Abendschein, Mit meinem Gott und meinem Leid allein. Die leeren Bäume zittern leis i»n Rund, Feuchtkalte Nebel steige»; aus vom Grund Blaß, schwebend, wie arme Seelen. In feinen Floren liegt die nahe Stadt. Und wer ein Grab in ihren Mauern hat, Darin ein Liebes schläst, »veiht Kranz ihm oder Licht. Ich weiß ein Grab, wett — weit! — Das find ich nicht. — Und heute ist Allerseelen. — DaS große Heimweh schnürt mir eng die Brust. Daß du nickt wlederkominstl — Ich hab's gewußt — Doch brach der Sturm manch starken Ast im Holz, ES betet still der deutsche Wald voll Stolz Für alle, die geiällei;. — So zieht mein Grüße,; fremden Fernen zu Kein Schlachtendonner stört dir mehr die Ruh. Vielleicht, daß hier und da ein Tränletu tropft In eines Kriegers Bart. Die Sehnsucht ftopft/ Tenn heute ist Allerseelen. Und meine Hände falten innig sich, An deutschem Waldkreuz bete ich für dich. Die Sterne klingen dir, hoch, über meiner Nacht — So wei t du auch, daß heiß mein Herz gedacht An dich — zu Allerseelen. Sophie Nebel von Türkheim. versteckratje!. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Andernach — Napsk»;chen — Berggipfel — gefällt — Vergißmeinnicht — Weitsichtigkeit — Vomburg — Stammhalter — Tamenkrieg. .Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Eck cr?.Ar.ilmcsr»rl8 in voriger Nummer: Anna — Lena — Alaun — „alle" — Ella — Null; das Schlüffelwort heißt: „Ulanen". Sckristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälL-Buch- und Steindruckerei, R. Lgnge, Dleßer^