r Die vom Rauhen Grund. Roman von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ^ile diese gewaltigen Wandlungen vnrchznführen ml ~5 r gebotenen Elle ivaren nicht Hände genug im Ort und in ytQu.oejt Grund. Von außerhalb, vom Westerwald drüben aver auch noch von weiterher wurde darum .Hilfe herbei geholt. Schwer war es, Unterkunft für diese Landfremder Air schaffen, die die Ortseingesessenen nur scheelen Augeä komme,: sahen. Da zeigte sich des Hannes Rensch betriebsamer Ge- schaftsslnn auf seiner Höhe. Er setzte sich mit einer Kölner Gvoßftrma rn Verbindung, und bald begann ein eifriges Vauen, mrt amerikanischer Schnelligkeit. Fast über Nach! entstand da auf dem letzten Ackerstreifen, der dem Hirschen- geblieben war nach seinem großen Verkauf an die Zeche, ein kleines Wohnhaus nach den: andern. Uu- schon, nur eben notdürftig für seinen Zweck gemacht — etrte lange Doppelreihe kahler Ziegelhäuser, anznschauen wie ern Msernenbau. Aber die Wohnungen darin fanden rm Handumdrehen Absatz, und wieder einnral hieß es im Rauhen Grund: Ja, der Reusch-Hannes — der verstand's! Da kam Geld zu Geld, haufenweis. Aber es war ihm damit noch nicht genug. Wie wenn er angesteckt tvar von dem großen Werden und Wachsen, das er droben auf Christiansglück tagtäglich vor Augen hatte, kam ein fiebernder Unternehmungsdrang auch über den kleinen beweglichen Mann. Eines Tages sahen die Nachbarn zu ihrem Erstaunen auch auf seinem eigenen Grundstück die Bauleute ihr Wesen treiben. Man schüttelte den Kops, was sollte das nur, wieder geben? Bald aber wußte man's: die ganzen Wirtschaftsgebäude hinten auf seinem .Hof ließ der Rensch- Hannes niederreißen. Was sollten ihm die auch noch, nun, wo er keinen Fuß breit Land mehr sein eigen nannte? Nein, den wertvollen Boden konnte man jetzt besser ansnutzen. Und allmählich stiegen die Mauern eines umfangreichen Neubaues aus den Fundamenten auf. Eir: Saal sollte es werden, und drinnen an jedem Sonntag großer Tanz. So etwas hatte noch keiner je in: Rauhen Grund! gehört. Tanzen am heiligen Feiertag? Wie ein Verbrechen wäre das den Alten erschienen! Als das Geriicht davon auch bis zum Pfarrhaus drang, drunten im Tale, schlug es ein wie ein Wetterstrahl. Hellauf schlug die Lohe, und eine halbe Stunde darauf war Burgmann schon droben beim Rensch. „J'st's wahr, was man spricht? Ein Tanzsaal ist's was Ihr da baut?" „Wird wohl so stimmen," nickte der Wirt. „Mann!" Drohend sah cs aus, wie der streitbare Gottesmann sprühenden Micks vor den andern trat. „Seid Ihr denn ganz von Eurem Alten Geist verlassen,, im Rausch der Geldgier, der über Euch geraten ist — Gotö se:'s geklagt! — seit der Unheilsmensch, der Bertsch, hier ins. Land gekommen?" „Mas ereifern Sie sich, Herr Pfarrer? Gibt's denn nicht Lausende von Tanzsälen draußen in der Welt?" „Was schert das uns? Wir wollen nicht mittun mit denen da draußen. Festhalten wollen wir an alter Zucht und Sitte!" i„Die wird von dem bißchen Tanzen auch nicht gleich zugrunde gehen." „Rensch — könnt Ihr nicht sehen? Oder wollt Ihr nur nicht?" ftarffttodjtgett Hände des Pfarrers packten den kleinen Mann bei der Schulter und schüttelten ihn. „Herr Pfarrer, ich muß doch sehr bitten!" Da ließ der weißhaarige Gotteseiserer von ihm ab, aber es brach ihm-wie ein Blitz aus den Augen. „Und Euch Hab' ich konfirmiert und getraut! Schämt Euch, Rensch — im tiefsten Grunde Eures Herzens!" „Ick bin Ihr Konfirmand nicht mehr, Herr Pfarrer, und weiß allein, was ich zu tun habe." Kühl kam es zurück. „Im übrigen — mit Ihrer Auffassung vom Sonntagstanz werden Sie bei unseren jungen Leuten wenig Glück haben. Ich glaub', die kenn' ich besser." „Das wird sich zeigen!" t v,Gew iß, das wird es sich, sobald wein Saal erst fertig ist." . „Dazu wird es nie kommen!" Heftig fuhr Burgmann auf. „Ich werde persönlich bei der Regierung vorstellig werden. Sie werden die Konzession für Ihr Tanzvergnügeil nicht erhalten." >„Da werden.Sie zu spät kommen. Die Hab' ich nämlich schoii. Ein kluger Mann baut vor, Herr Pfarrer!" Und Rensch lächelte vergnügt in sich hinein. Dunkelrot färbte sich Burgmanns Antlitz, bis hoch hinauf unter das silberweiße Haar. So stand er eine Welle in mühsam nur niedergezwungenem Grimm. Dann hob er wuchtig die Rechte. „Das wir Ihnen kein Segen werden — so wahr ein Gott lebt! Denken Sie an diese Stunde, Rensch." Damit ging er. yuuuii.' yieu|U| yov glenriMUlig uit oiyuucui. ein wenig nachdenklich war er immerhin geworden. Merkwürdig — ganz dieselben Worte hatte ihm an dieser Stelle schon mal jemand gesagt. Die alte, blinde Frau da hinten. Die Reusch-Mutter J^cjnit stillem Kopfschütteln von all den neuen Djiigen^/c^Drk, die um sie herum geschehen sollten. Sehen konE sie jcr nichts davon. All sein Land sollte der Sohn verkauft haben! Von dem stattlichen Grundbesitz, der die Hausmarke der Reuschs draußen in dckk Flur gezeigt, von Geschlecht zu Geschlecht, war nun kein Fuß breit nrehr seu: eigen. Wie ein armseliger kleiner Kötter saß er nur noch auf seinem Hof. Weh hatte das der Reusch-Mutter getan; denn in ihren Adern floß noch echtes Bauernblut. Das Blut freier Männer, die auf ihrer Scholle saßen, soweit die Urkunden und Erinnerungen zurückreichten. Aber sie hatte dazu geschwiegen; der Sohn war ja der Herr im Haus. Doch als nun auch das Rumoren auf dem Hof selber anhub, da litt es sie nicht länger. .„Das bringt keinen Segen, Hannes," — hatte sie zu dem Sohn gesprochen, genau wie eben der Pfarrer —, „das Geld, das dir aus diesem Born fließen soll. Es ist ein trübes Rinnsal, laß die Hand davon. Ich rate dir gut, Hannes — hör' auf mich alte Frau, dies eine Mal wenigstens!" Aber er hatte gelacht. „Was du nicht alles redest, Mutter! Laß den Born sein, wie er will — das Geld, das daraus sließt, ist schön blank. Jeder nimmt's gern. Zudem — tu' ich's nicht, tut's ein anderer. Sollt' ich so dumm sein und dem das Geschäft lassen? — Nein, Mutter!" Da hatte sie geschwiegen, und er nichts mehr gehört von ihr seitdem. Doch jetzt sielen ihm ihre Worte wieder ein. Nachdenklich sann er da einen Augenblick vor sich hin. Keinen Segen — hin, wenn's wirklich so käme? . Aber gleich wieder hatten die Blicke des kleinen, beweglichen Mannes ihren gewohnten, munteren Ausdruck. Ach, Unsinn! Sich eins pfeifend, ging er hinaus zu dem Neubau, ob auch alles flott vorankam. Zu Ostern mußte der Saal fix und fertig sein. Die Feiertage sollten schon ein gutes Geschäft abwerfen. Auch Reuschs Kinder sprachen einmal über den Neubau. Marga war einfach entrüstet. Bisher war der „Hirsch," als ein altpatriarchalisches, weithin im Land angesehenes Gasthaus doch immerhin noch ein Geschäft gewesen, dessen man sich nicht gerade zu schämen brauchte. Doch nun, wo hier allsonntäglich der Spektakel angehen und ganz gewöhnliches Volk sein Wesen treiben sollte, lvar das vorbei. „Einfach unerträglich!" klagte sie zu dem Bruder. „Ich verstehe den Vater nicht mehr? Kannst du das fassen?" Hermann Reusch zuckte die Achseln, die Hände in den Hosentaschen. „Wozu sich aufregen? Mir ist überhaupt der ganze Rummel hier längst zum Halse heraus. Aber wo's eben einstweilen noch sein muß — in Gottesnamen! Der Sonntagsklimbim wird schon was abwerfen, der Alte verrechnet sich ja nie. Und verkaufen wir mal nach seinem Tode das ganze Hubittchen, dann können wir für den Kasten da draußen eine dicke Stange Gold mehr verlangen. Also — mir ist's recht." Marga sah den Bruder tun: groß an. Aber stärker denn je ward da wieder einmal ihr Sehnen: Heraus aus all dem! Und ihre Gedanken gingen zu dem, der allein ihr dazu verhelfen konnte. Trotzdem Gerhard Bertsch nun den Sieg errungen, war :r ihr noch immer nicht näher gekommen. Es war alles wie rüher, ja eher, noch schlimmer. Sie bekam ihn überhaupt! ast nicht mehr zu Gesicht. Ten ganzen Tag über war er auf einem Bureau oder drangen bei den Bauten, bis in bcu Päten Abend hinein. Marga kam oft ein heißer Zorn auf ihn, daß er für luchts anderes Gedanken hatte. Ja, wenn er ein Mensch ohne ledes Temperament gegenüber den Frauen gewesen wäre. Aber sie wußte es doch besser. Aber daß er nun so tagtäglich an ihr vorübergehen konnte, ohne überhaupt einen Blick für sce zu haben — ihr Ehrgeiz krankte schwer darunter. Aber immer mehr nur stachelte das ihren Willen an: Er sollte, er mußte sie begehren! Als eine Schmach würde sie es empfinden, wenn es anders käme. Allerlei Pläne entwarf sie in ihrer Ungeduld, wie sie sich ihrem Ziele nähern könnte. Unmögliche, unkluge Ideen, die cm kühleres Nachprüfen sofort wieder verwarf. So blieb alles, wie es war, bis ihr eiiies Tages der Zufall zu Hilfe kam. Karl Steinsiefen lud sie ein, ihn auf der ersten Fahrt mit seinem neuen Auto zu begleiten. Auch Bertsch würde mit von der Partie sein, denn sie rooji'it gemeinsam den Basaltbruch droben besuchen. Steinsiefen und sein Unternehmen waren von deni gewaltigen Umschwung der Dinge gleichfalls nicht unberührt geblieben. Bertsch hatte den beabsichtigten Vertrag mit ihm geschlossen, der ihn zu einer Tageslieferung von fünfzig Waggons verpflichtete, vom kommenden Sommer an. Da hatte er droben in dem Basaltbruch alles darauf einrichten müssen. Ein ganz moderner Betrieb großen Stils entstand über den Winter dort oben und war vor seiner Vollendung. Voller Stolz wollte daher Steinsiefen jetzt dies sein Werk Bertsch vorstellen, und auch Marga Reusch. Er hatte sein stilles Werben um sie ja nicht eingestellt, und der Aufschwung seines Unternehmens gab ihm neues Hoffen. Er würde glänzend verdienen. Das, was er ihr nun bieten konnte — da kam kein einziger mehr mit im ganzen Rauhen Grund! Wie, um das jedem sichtbar darzutun, hatte er jetzt das Auto angeschasst, nachdem er drunten in Köln sich im stillen im Fahren ausgebildet hatte. Und selber hatte er die Maschine von dort hierher gefahren. Voller Stolz hielt er daher jetzt mit dem funkelnagelneuen Wagen vor dem „Hirschen". Sein dröhnendes Hupensignal, das Marga und Bertsch benachrichtigen sollte, ließ alles in der.Nachbarschaft zaisammenschrecken. Aus allen Fenstern fuhren Köpfe, Kinder kamen herbeigelaufen und umstanden in dichtem Kreis den Wagen. Scheu horchten sie auf das unheimliche Rattern des Motors und bewunderten doch zugleich den spiegelblanken Lack der Karosserie wie die goldig blitzenden Messingbeschläge. Es war ja das erste Auto, das sich in die Weltabgeschiedenheit dieses stillen Waldtals verirrt hatte. Dann kam Marga. Eilends sprang Steinsiefen ihr entgegen und öffnete dienstbeflissen den Schlag. Erwartungsvoll sah er ihr dabei in die Augen mit dem Stolz des Beisitzers. Marga Reusch konnte sich eines leisen Zuckens um ihre Mundwinkel nicht erwehren. _ Gar zu neu, ganz wie der Wagen, war auch der Fahrerdreß Steinsiesens von hellbraunem Leder. Das roch ja förmlich alles noch nach dem Ansstellungsmagazin. Aber trotzdem — es war doch etwas Nettes, so ein Auto. Und er würde sich sicherlich jederzeit ein Vergnügen daraus machen, sie auszufahren. Da nickte ihm Marga Reusch mit freundlichem Lächeln zu und schwang sich dann leicht in den Wagen. Das Blut schoß Steinsiefen in die Wangen. Noch nie bisher war ihm das von ihr geschehen! Gleich darauf erschien Bertsch. Auch sein erster Blick galt dem Auto. Doch dann streifte er das elegante Fahrerkostüm Steinsiefens. Und er sagte sarkastisch: l„Ja, alles wunderschön — aber können wir uns dir auch mit gutem Gewissen anvertrauen?" „Oho — ich habe mein Fahrerdiplom!" „Na, dann freilich. Also, auf Hals- und Beinbruch!" Während Steinsiefen, begierig, seine Künste zu zeigen, rasch auf den Führersitz stieg, ließ sich Bertsch drinnen im Hmterwagen bei Marga Reusch nieder. „Guten Tag, Fräulein Reusch!" Und er .hielt ihr grüßend die Hand hin. „Lange nicht mehr das Vergnügen gehabt." , (Fortsetzung folgt.) , Tapferer deutscher Jäger. Skizze aus den ostpreußischen Nottagen. Von Paul Burg. ' Sie waren sich ja so lange schon gut gewesen, der breitschultrige! Zrtelsburger Jäger Peter Mertens und die fröhliche, blonde Anna Mahn. Auf dem Wochenmarkte hatte er das frische Masuren-; Mädchen zuerst gesehen. Ihre rote Jacke leuchtete in der Morgensonne, und ihr helles Kopftuch wehte wie eine Fahne im Winde., Seitdem war er immer zuerst an ihren Stand getreten, wenn er für die Kantine einkaufen ging. Sie sprachen zusammen und> wurden gewahr, daß die Schwester der blonden Masurin die Frau seines alten Unteroffiziers war, der freilich letztes Frühjahr abging, um Schutzmann zu werden. Und in der Maienzeit haben sich die beiden heimlich verlobt. Als dann im Sommer die Wetter aufzogen im Balkanwinkel, als es drüben hinter den Grenzen in Rußland bei Tag verdächtig still und des Nachts ungewöhnlich. emsig wurde, kam der Schutzmann Bär wieder in die Stadt und in die Kaserne, -fragte nach dem Jäger Peter Mertens. „Steine tfrau yar nur von der Anna und Dir erzähltu Komm auf den Mend mit mir inS Dorf, wirst schon ein Nacht- zeichen kriegen." 1 Sie fuhren auf flinken Rädern nach deni kleinen Bauerngehöfte, und kwr alte Mahn empfing die Männer bedächtig imd schweigsam, wie es Masurenart ist. „Das geht los gegen uns, glaubt's. Uiid wir hier draußen, wir kriegen cs hart' Er hatte Siebzig mitgemacht und fühlte das alte preußische Kraftbewußtsein in den Knochen. * .. "JA werdet es zuerst spüren." Er blickte ernsthaft auf bid beiden Ortelsburger Jäger mrd ließ es gewähren, daß seine Anna spazierte Mertens bis zum Turrkeln im Baumgarten herum- Drei Tage später waren die beiden Männer wieder zn Besuche. Schwer ging die Lust an diesen: letzten Julitage, und die Schwüle wollte nicht weichen. An diesem Abend traten die beiden jungen Liebesleute vor den Vater hin und baten: „Wir wollen uns trauen lassen mitsammen, che der Krieg kommt, Vater-" Da nickte der Alte und streckte ihnen beide Hände hin. Die beiden lvurden kriegsgetraut, und die beiden Schwäger zogen noch in den Stunden der Mobilmachung hinaus. Die blonde Anna Mahn, die nun Anna Mertens hieß, hatte kein langes Verweilen mehr im Elternhause, wiewohl sie noch kein eigen Heim und Bett das ihre nannte; es kam Befiehl vom Landrat: Die Dörfer müssen bis zuip Abend geräumt werden, weil Gefahr ist, daß die Russen über die Grenze brechen! Das war ein wildes Hasten. Die Frauen packten, was ihnen nötig und nützlich, was ihnen lieb und unersetzlich schien, in Eile und Angst auf den langen Bauernwagcn, der Vater trieb das Vieh zusammen, verscharrte und verschloß, was er geborgen wissen wollte. Noch einen letzten Blick rundum nach dein Hause, das sie alle geboren hatte und gehegt die langen, lieben Jahre, nach dem; trauten Heimatdorfe, ein letzter weher Blick — und dann ging es hinaus in langem, hastendem, buntem Zuge Frauen und Kinder, .Greise, Gesinde, Vieh und die ärmliche, kärgliche Habe aus den ratternden Wagen. Tie Flüchtlinge hasteten die ganze Nacht hindurch, in den neuen Morgen; an allen Wegen schlosse,: sich neues Scharen an, unübersehbar war die Karawane, die aus der masurischen Heimat westwärts und nordwärts drängte, vor den Kosaken zu fliehen. Der Wald nahn: sie auf, bot den Erschöpften erste Rast. Bald drängten sie weiter. Und an den Grenzen deckten ihnen die Jäger den Rücken, boten dem Feinde die Brust und wehrten den wilden Ränbergeschwaderu, solange sie es vermochten; Hunderte tapfere deutsche Jäger gegen aber Tausende mörderische Kosaken. Weichen mußten sie, mußten mit knirschenden Zähnen sich von: Feinde lösen und in den heimischen Wäldern neue, feste Stellungen einnehmen, gegen den Anprall der Russenwogen, die das masurische Land überschwemmten. Traurig zogen Bär und Mertens in dunkler Nacht an dem Hause vorüber, das ihr Glück gesehen hatte. Nun lag es-verlassen und vergessen. Einen harten und heißen, blutigen Tag gab es an der Waldsenke bei Orlau, schon ein gut Stück landein. Stellung muß gehalten werden, hieß es. Die Jäger und Füsiliere besiegelten es mit ihrem Blute. Viele, viele sanken dahin. Dann ging der Marsch auf Hohenstein, im weiten Bogen um die Stadt herum. Ein neuer Feldherr saß im Regimente und schob die schwachen Truppenkörper, die paar Divisionen, immer hin und her, daß die Russen sich Riesenkräften gegenüber wähnten. Er schickte seine Divisionen ins Feuer, in ein heißes Feuer, das tagelang nicht nachließ, immer heißer und höher unter dem brütenden Himmel flammte und dröhnte. Im weiten Umkreise von Ortelsburg bis Gilgenberg und Tannenberg, auf altem Schlachtenboden stand die Schlacht und riß neben jahrhundertalten Kampfes- wunden neue klaffende Narben ins meilenweite Blachfeld. Die, Hölle samt allen Fegefeuern war schier um Waplitz auf die Erde niedergeschmettert. Das war die große Russenschlacht. Ob Hohenstein an der blinkenden Chaussee, wo in zwei langen, laugen Reihen die Ebereschen von den Zweigen glühen, stand die Schlacht eine Stunde lang. Aus einen: kleine,: Gehöft feuerte e:n russisches Maschinengewehr unentwegt in die Flanke der Jäger. Eine Schar Tapferer raffte sich auf und wollte das Wespennest ausnehmen. Mertens war unter ihnen, war ihnen allen voran. Jini vollen Lauf sank er tot hin. , Bär ist zum, Abend mit den andern weitergezogen, hat den treuen und .tapferen Schwager nicht einmal mehr mitbeerdigen können. Lag int Schatten des StadtlvUlds, die Büchse in: Arm, siedende Rachegedanken in Herz, und Hirn. Ein Schuß traf ihn Witten in die Brust. Me schlafend lag er unter den hohe,: Bäumen, den Kopf auf die Ha,ch gesenkt. Er wUrd mit 58 tapferen toten) Mehrmännern an dieser Stätte beigesetzt. Aus dein weiten Schlachtfelde, das den unsterblichen Ruhm eines Hiiidenbm'g gebar, war längst der Choral von Leuthcn verklungen, war ein Tag Uw den andern verwiche:: und die Trümmer eines riesenhaften, geschlagenen Russenheeres starrten gen Himmel. Wochenlang lag die kleine Stadt im Tal zerschossen und still, bis von ihre,: Bewohnern einzelne zaghaft wiederkehrten und die Schrecken erblickten. Manche fanden nur die rauchenden, verkohlten Trümwer ihres Hauses, ihres einst blühenden Anwesens. Die Aecker zerstampft, die Giehöste leergeraubt, verwaistet, Kadaver, .Trümwer auf allen Gassen und Wegen. Die Herzen verhärtet, die Gesichter v ersteint, standen die Menschien zwischen Gräber,: und Gerölle, und der Hauch der Verwesung wehte um sie. ' Aufrecht schritt der alte Mahn dem Stellwagen voraus, der semeiHcwe, seine cTöchter heimbrachte. Noch hatte sie keine Nachricht iuick) keine Verlustliste erreicht auf ihrer Irrfahrt in fernen Gegenden. Mit undurchdringlichen Mienen schritt der Alte dem Wenigen vorauf,, das er noch sein nannte. Und fanb die Heimat wieder. Wie eine verglommene Brandfackel sperrte der Giebelbalken des Hauses in den weichen Abendwind. Hof und Scheune, das Haus waren ein einziger Schutthaufen wie alle die Höfe ringsum. Da stand der Alte wie ein starres, erzenes Bild. Pfeifend ging :hinr der Atem aus der Brust, die es fast zersprengen wollte. Die Frauen im Wagen schrien auf und bargen ihre tränenüberströmten! Gesichter in den Händen. Langsam lenkten sie UM und fuhren aus den:' Dorfe, das einmal :hre Heimat gewesen war. In der Stadt zwischen fremden Sot-, daten und lauter Soldaten gab es ein langes Fragen hin und her. Rings um den Markt ragten die Trümmer einst stattlicher Häuser; im irrenden Fackelschein wie Gespenster aus. Endlich fand der alte Mahn einen Beamten, der ihn kannte^ und der ihm Auskunft gab. „Wo sind Sie denn gewesen all die Zeit, daß Sie es nicht erfahren konnten? Der Kreis ist der Rückwanderung noch lange Zeit versperrt, die Heimkehr ist ja verboten vorerst . . „Fragen Sie mich nicht mehr, wo ich gewesen bin. Im Elend." Und geht ins Elend ! dachte der Beamte bei sich, iiberlegte> wie er es dem Alten dennoch beibringen soUte, was alles ge-, schehen war. „Haben nichts erfahren von den Jägern, vott Ihren . . Schwiegersöhnen . . .!?" „Nichts, als daß es viel Opfer gekostet hat. Und das wußte wder im voraus." Da streckte ihm-der andere die Hand hin. „Sie sind ein alter Soldat. Sie werden es verwinden, Vater Mahn. Ja, Ihre beiden Schwiegersöhne sind damals in der großen Schlacht auch gefallen." „Auch gefallen." Gesenkten Hauptes schritt der Alte hina:^, suchte seinen Wagen auf dem trümmerumstandenen Markte und ftihr mit seinen Töchtern, seiner letzten Habe, wieder landein. Ihm !var, als ständen zwei Särge hinten ans dem Wagen, als geisterten die Schatten von abertausend Toten in der Mondscheinnacht. Weit draußen im westpreußischen Lande, bei guten, gastfreundlichen Leuten, hat er seinen Töchtern die furchtbare Kunde nach Tagen und Wochen beigebracht, hat durch den langen, wehen Winter ihr Klagen und Weinen geduldig ertragen und sie beide getröstet, so gut die weichmütige, wortkarge Art der Masuren es vermag. Auf einen Tag im neuen Lenz wurden ihm die beiden Enkel geboren, die er nun wie seine späten Söhne hegt. Ist ihnen ein zweiter Vater geworden und hat un: ihretwillen bloß eine Bitte an den lieben Gott: „Laß mich ihnen noch eine gute Weile leben!" Die beiden Töchter begehrten immer mehr an die Gräber ihrer Männer zu treten als vor die Wiege der Kinder. So ist er denn mit den: Mai aufs neue ostwärts gewallfahrtet, ihre letzte Stätte zu suchen. Wo ob Hohenstein an der langen, hellen Chaussee in: August die Ebereschen so blutrot von den Zweigen rechts und links der Straße prangen, wo auf einem Grabe ein vom Regen zerweichter Jägertschako bei den: niederen Kteuze steht und die Inschrift weiß anfleuchtet: „Hier ruht ein tapferer deutscher Jäger!" da wenige Schritte fern schachten jetzt gefangene Russen den Grund ans und richten wackere Bauleute ein schlichtes Haus auf. Hier; ruht Peter Mertens. Und hier hat sich der alte Mahn mit seinen verwitweten Töchtern und den verwaisten Enkeln eine neue Heimat gegründet. Er kann sich schon des guten Ackerbodens wieder freuen, unb es ist nur noch ein leiser, weher Groll, der ihn beschleicht, tueim er beim Ackern ein Rüst engewehr aufgräbt. Ev ist alt und weiß, daß alles auf Erden vergänglich ist. Mutter uud Kftrd, sie sind ja nun beide geborgen, sind dent Totenhügel des Vaters so nahe! >— Und nahe am Stadtwalde, unter den hochragenden Bäumen, die ganz leise in: Winde rauschen, schläft mit vielen Kameraden der andere Schwiegersohn, der wackere Bär. Es ist eine feierliche Stille um das deutsche Massengrab. Mit losen Fingeri: raschelt der Wind im welken Laube der Eichenkränze an den schlichten/ schwarzen Pfosten der Grab- einfassung, streichelt die verblichenen^.von viele:: Regentropfen, von vielen Tränen verwischten Worte ans den Schleifen der Kränze, die Grüße unwandelbarer Liebe, die um diesen Hügel webt.r ( , - Fest und mutig will ich tragen, was das Schicksal mir beschieden, nriU es N:einen: Kinde sagen, wo der Vater ist geblieben. Wenn leise der Wind weht über deir: Grab, schicken wir Heimatgrüße hinab, rufen wir dir noch zu; V ' „Schi-ls wM, r mein Guter! ! Sanft sei deine Ruh!" vermischtes. * DaS Geld, oder die zahlungsfähige Münze, wurde von aliersher in allen Länden: aus Gold, Silber oder Kupfer her» gestellt. Erst neuerdings ist als weiterer Münzstoff Nickel dazu- gekommen. Vor etlva 60 Jahren allerdings hat der rufstfche Staat einen Versuch gemacht, Geldstücke aus Vlatlna anfertigen zu lassen, doch hat sich diese Art Münze nicht durchgesetzt. Richtig ist, daß man z. B. zur Römerzeit ein Gemisch von Kupfer und Messing zur AuSmünzung verwendet hat. Bekanntlich sind auch die Sousstücke aus der ersten Französischen Republik auS demselben Material her- gestellt. Eiserne Münzen oder Geldstücke, vom Staate hergeslellt, find nur auS dem Altertum bekannt und sollen in Griechenland unter Lykurg entstanden sein, doch sind davon nur schwache Spuren auf die Jetztzeit übergekommen. Das Deutsche Reich hat mit der Prägung der neuen eisernen 5 - P s e n n i g st ü cke also eine neue Bahn betreten, die in Luxemburg insoweit Nachahmung ge- sunden hat, als dieser Staat beschlossen hat, 150 000 2-Sonsstücke < 8 --Pfennigstücke) und 50 000 1-Sousstücke (4-Psennigstücke) in Zink herzustellen, welche durchlocht werden. Durch die Knappheit kleiner Münze in Deutschland und Luxemburg sind also für Münzzwecke zwei weitere Stoffe im Kriegsjahre 1915 zugesührt. * Das Pariser Leben im zweiten Kriegsjahr. Die folgendeil Betrachtungen aus dem Pariser Leben im zweiten Kriegsjahr sind einem Artikel des Berichterstatters der „Times'' entnommen: „Die Mode und die kleiiien gesellschaftlicheii Ver> einiglmgen in Paris werden gegeiiivärtig voni Standpunkte der Geldfrage betrachtet. Jede Familie hat eine Lücke in ihrem Kreis aufzuweisen. imb viele dieser Sticfeu werden niemals wieder au§- gefüllt werden können. Und in den Kreisen, deren soziale Stellung keine direkte Einschränkuiig des Haushalles notwendig macht, haben doch die dilrch den Tod eines geliedten Vaters, Sohnes oder Bruders geschlageiien Wiurden auf ihre Weise ihre Wirkung aus- geübt. Tie kleinen Leute aber müssen sehen, wie sie die hungrigen Kinder und Waisen versorgen können. Eiil alter Alaun, der bei der Straßenreinigung angestellt ist. erzählte mir, daß seine beiden Söhne und sein Schwiegersohn gefallen seieil und unversorgte Kinder zurückließen, deren er sich nunmehr allein annehmen müsse. Die guten Geschäfte aber werden von den wohlhabenden Frauen be- sucht, die sich jetzt ihre Winterkleidung anschaffen. Die am häufigsten geseheue Kleidung besteht aus einem kurzen, weiten Rock, einem langen, bis zu»n Hals reichenden, oben eng geschloffenen Mantel mit Pelzbesatz und Mütze oder große-. Hüten. Die weniger bemittelte Pariserin begnügt sich mit der billigen Mütze. Federn und sonstiger kostspieliger Hutschmuck sind vollständig verschwunden. Auch neue Pelze werden wohl kaum gekauft; man begnügt sich damit, die alten aufzufrischen lind umzuarbelteu. Tlinkle Farben sind in der Frauenkleidung vorherrschend. Eine große Rolle spielt selbstverständlich die Trauerkleidung. Die langen Kreppschleier, die im ersten Kriegsjahre in der Provinz üblich ivaren, lverdeu auch hener wohl unverändert bleiben, während sie irr Paris häusig gekürzt und modischer gestaltet werden. Die Preise der Lebensführung nehmen in Paris ständig zu, und alle Bevölkerungsklaffen luüssen der Erhaltiing ihres Haushaltes die älißerste Sorgfalt und Berechnung zuivenden. Nichts wird mehr zli dem Preise verkamt, zu dem es vor dein Kriege erstaildeu werden konnte. Man behalivtet auch, daß diese fortschreitende Tenerllng znill Teil auf die Machenschaften der Geschäftsleute zurückznsühren ist, die sich die Gelegeilheit zunutze ruachen. Es ist eine Gewohnheit der kleinen Kaufleute geworden, stets zu behaupten: „Dlirch den Krieg im Preise gestiegen," mag eS sich mm um Eier, Kerzen oder sonst irgeild etwas handeln. Die Sparsamkeit ist eine sehr uotivendtge Erscheinung geworden." * Englische Backstsche als Soldaten w erber. Da die Rekrutenan,verbring tu England trotz aller möglichen Mittel — wie Bildplakate, Variötö-Neklame usiv. — keineswegs die gewünschten Ersolge auflveist, sehe,l die Werbeämter sich veranlaßt, im,ner neue Lockmittel allszusinnen. um die rvaffenuillttstigeil junacn Leute zum Eintritt in das Heer 511 bewegen. So erschien, wie den Schilderungen englischer Blätter zu entnehmen ist, bei einer der letzten großen Werbeversammlungen, die mtf dem Londoner Tra- falgar-Platz vor der Nclson-Sänle fiattlaub, eine Musikbande von zwölf jllngen Mädchen in schottischen Kleidern, die als „das einzige lveibliche „Dudelsackpfeifer-Orchester in der ganzen Welt" mit viel Pomp und Lärm angeküildigt wurde. Tie zwölf Backfischlein mar- schierten im Kreise um das Nelson-Denkmal, wobei sie schottische Weisen vortrngen. Nachdem die musikalischen Genüsse beendigt waren, stiegen zwei der jungen Damen aus die Plattform des Denk- malS und dielten Werbereden. Das Ergebnis dieses mit dem Mut der Verzweiflung aufgestellten Backsisch-AusgebotS war, wie der „Daily Ehronicle" mit wenig angebrachtem Stolz seststellt, die Meldung von ganzen zwanzig Rekruten. * Eine .Suffragette als amerikanische Präsi- dentengattin Aus Anlaß der bereits gemeldeten Verlobung des Präsidenten W r l s 0 n mit der Millionärstoitwe Frau Galt berichten die Rem Yorker Blätter über den ersten öffentlichen Ausgang des Paares. Präsident Wilson und feine Braut erschienen als Zu schmier hei dem letzten großen Fußballwettspiel in Philadelphia. ^as .Spiel wurde sofort unterbrochen, um den zahllosen Photographen Gelegenheit zu geben, ihre Aufnahmen zu machen. Die Zeitungen hatten eine wahre Armee von Berichterstattern entsandt, die allgegenwärtig waren. Auf besonderen Wunsch der Photographen stellten der Präsident und Frau Galt sich einander gegenüber, wobei sie sich „lächelnd anblickten". Tie amerikanischen Journalisten betonten in ihren Berichten, daß Frau Galt dem Präsidenten und ihrem mit Diamanten geschm'iickten Verlobungsrmg tvcit mehr Interesse zuwandte, als dem Fußball- . ipiet. Frau Galt, die vor einem Jahre mit dem Präsidenten be- ' kannt wurde, ist die Witwe eines vor 8 Jahren verstorbenen reichert JuwelenhäiMers. Sie entstammt einer alten Familie aus dem Staate Virginia und ist 36 Jahre alt. Wie die amerikanische Presse besonders betont, ist Frau Galt eine bekannteSuffra gelte. Es ist wohl das erste Mal, daß eine Suffragette die Negierungsleiters erreicht! . . . Stellung der Gattin eines . _ _ .^ • il l e t n e Ursachen — gr 0 ß"e Wirk u it n e n. Es war am Nachmittage de« Heiligen Dreikönigstages in, Jabre 1792, da Hefen ans dem Wallgraben der französischen Festung Auxonne fünf Offiziere Schlittschuh. Als eS dunkel zu werden begann, schnallte einer der Läufer, ein junger Artillerieoffizier, die Schlitrfchube ab. Er habe, sagte der junge Leutnant zu den Kameraden, seinem Blirschen befohlen, das Abendbrot für ihn bereit zu halten, das wolle er nicht versäumen. Die Kameraden scherzien, verlachten ihn, baten ihn, noch 311 bleiben, er aber ging, um daS bestellte Abendbrot nicht im Stich zu lassen. Dies Abendbrot rettete dem jungen Leutnant das Leben und kostete Millionen Menschen das ihre. Tenn kaum hatte sich der junge Artillerieleutnant entfernt, w brach das Eis des Wallgrabens und die vier Offiziere ertranken. Der Gerettete aber war — Napoleon B 0 naparte. ' Besteuerte Verbrechen. Seit der .Kaiser Vespasian sur die AenntzMiq der römischen Kloaken Steuern erhob, haben die r-U-Lri C1 . löeu italienischen Regierunaen eine bemerkenswerte Geschicklichkeit bewiesen, die Schattenseiten des menschlicheil Lebens für den Fiskus mltzbar zu machen: selbst aus dem Verbrechen wußten sie Kapital zu schlagen. Wie der „Economista d'Jtalia" berichtet, führte Papst Johann XXII., der in der erstell Hälste des 13, Jahrhunderts lebte, einen regelrechten Tarif für den Erlaß emes Mordes, eine» Ehebruchs, eine» Straßenraubes ein. Tie päpstlichen Kasse,l machteil damit so vortcesfliche Geschäfte, daß sich beim Tode Johanns »lach den Anfzeichiilingen des Chronisten Giovanni Vtllani im päpstlichen Schatze an gemünztem Golde 18 Millionen Goldgnldkil und mehr vor'andeli, ,vähre,ld der lllaeblaß a>r Geschirr, Kreuzen, Kronen, Mitren lisw. aus Gold mindeste,ls auf 7 Mllllonen Goldgtilden geschätzt werden koilnte, so daß der Wert der gesamten Verlassenschast über 25 Millionen Goldgulden betrug. Das Systein wurde von Alexander VI. um 1.-00 wieder auf. genommen und von Leo X. beibehalten ln,d noch im September 1610 ivurde til Rom eine allgemeiile Bestellernng vo»l Fanst- schlagen und Messerstichen eingeführt, die Folgendes festfetzte: 25 Scudi Strafe hat der zu erlegen, der Faustschläge anSteilt. bei denen fern Blut fließt, 50 Scudi, wenn die Schlägerei blutig verläuft. Werden Edelleute verprügelt, so lvird ein blutiger Verlalif mit 100 Sclldi, ein uubliitiger mit 50 Scudi Strafe belegt. Woraus ganz nebenbei die interessante Feststellung erhellt, daß adliges Blut 50 Sclldi mehr wert war, als die gleiche Menge plebejischen Blutes. , . vilchertisch. m r“ ürschiler 8 B l"l chers ch a tz" (Hermann Hillger Verlag, Berlin-Lelpzig) bringt im nenefien, 1031. Band einen ausgezeich- n^en Kriminalroman von Stephan von Kotze, „Schwarz in Schivarz", dessen überallS spannende und fesselnde Handlung sich zuill Teil iil Aegypten auf einem Schiff, das durch den Suezkai,al nach Allstralien fährt, lmd dann in Alistralien abfpielt. — Die Hefte 47 u n d 48 des „V ölkerkrieg" (Heraus, gegeben vo.l Dr. C. H. Baer, Verlag von I. Hoffmann. Stut'gart) sind erschienen. Die Zusammenstellung der „Fliegerangriffe auf deutsche Ltädte" zeigt ben großen Umfang, den dieser Ausläufer des Krieges angenonlme,l hat, gibt zugleich durch viele Einzel- 4 schilderungen ein lehrreiches Gesamtbild vom Verlauf, Bedeutung lind Abwehr dieser Ailgriffe. Was über „die amtliche Krtegs- berlcbterstattlmg der Franzosen und Engländer" an schlagenden Beispielen beigebrachr wird, ist nicht nur für den Zeitungsleser, sondern noch ,nebr für jene unentbehrlich, die die Geschichte des Krieges ans den Qnelleil stlldieren. In denl fortlaufenden Kapitel „von deutschen Fürsten und Heerfübrern" unterhält der „Völkerkrieg" einen Ehrensaal für jene Männer, mit deren Namen die Geschichte nnb die Erfolge dieses Krieges lmzertrenilllch verbunden bleiben werden. „Ter See- und Handelskrieg bis znr Torpedierung der Lusitania" — welch reiches Gebiet beschreitet d^r Ehronist in diesem Kapitel, aber wie weiß er es auch 51 t meistern und zu ordnen und dem Leser aus all den vielen, Tag für Tag auf- tailchenden Nachrichten ein übersichtliches, klares Bild zu schaffen k Vor solcher Riesenarbeit, wie sie in diesen beiden Heften zu leiste,t war. hat sich der ordne,lde, beherrschende Sinn des Herausgebers trefflich bewährt. __ Logogriph. Mit V ein tücbtiaer Komponist, Mit D a>n Haus es 511 finden ist. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert EmeS schickt sich nicht für alle! Sehe jeder, ,vie er's treibe, Sebe jeder, ivo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle. Goethe. Schristleitung: Aug. Wo-!,. - RotalionSdruü und Verlag der Bruh,'!chen Universilä-S-Buch- und Stelndruck-rrl. 91. Lange. Slcös/v'