Die vom Rauhen Grund. Noman von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Als Bertsch in das Steigerzimmer eintrat, war Hann- schiindt dabei, die paar Habseligkeiten zusammenzutragen, die fein Eigentum waren. Er beantwortete Bertschs „Glückauf" nur mit einem düsteren Seitenblick. Kam der, um sich an seinem Triuniph zu weiden — so sollte er sich verrechnet haben. Und er packte weiter an seinen Sachen, als ob niemand da wäre. „Sie habeil wohl schon davon gehört, daß heute Ihre Gewerken Versammlung die Bereinigung Ihrer Grube mit der unsrigen unter niemer Betriebsleitung beschlossen hat?" Wiederuin keine Entgegnung. Ihm dell Rücken kehrend, schnürte der Rotbart vielmehr an seinem Bündel. Da hörte er deir neuen Herrn weiter sagen, ganz ruhig, als wäre nie das mindeste zwischen ihnen vorgefallen: „Ich möchte Hie übernehmen in nleine Dienste." „Was — nrich?" Und Hannschmidt fuhr herum. „Jawohl — warum nicht?" „Run ich dacht' —" iu dem Gesicht des Rotbarts zuckte es grimmig —, „wie ich Ihnen mitgespielt Hab'!" „Freilich, Sie haben es reichlich toll getrieben." „Nun also." Hannschmidts Miene verzog sich wieder in starrer Feindseligkeit. „Da werden Sie wohl doch nicht erwarten von mrr, daß ich mich Ihnen ausliesere -- bloß zur Rache." Und er wollte sich schroff abwenden. Doch da legte sich ihm Bertschs Hand auf die Schulter. „Sie verkennen meine Msichten. Wir waren allerdings Feinde bis jetzt. Ehrliche Feinde. Aber warmn sollen aus denen nicht ebenso ehrliche Freunde werden? Das war' doch nicht das'erstemal im Rauhen Grund. Und ich denke: Halten Sie erst eininal zu meiner Seite, dann gehen Sie auch mit mir durch Dick und Dünn — genau wie Sie's drüben getan haben. Ich l)-abe allen Mspekt vor solcher Treue; heut' kann ich's Ihnen ja sagen. Also wie ift's? Schlagen Sie ein?" Ein langstrmer Wandel ging vor in den Mienen des Steigers. Höchstes Starmen, Mißtrauten, aber dann, nach einem Blick in Bertschs Angen, plötzlich eilt Aufleuchten in dem rauhen, rotbärtigen Antlitz. „Ja, wenn's so ist, Herr Bertsch, dann bin ich Ihr Mann! Und daß auch ich's rnal sage: Bei aller Wut, die ich auf Sie gehabt Hab' — ich halt' doch auch eiireu ganz gewaltigen Respekt für Ihnen. llud nun soll'S mir Lärme macherr, für Sie zrt arbeiten — hier — meine Hand drauf!" Schallend schlug er bei Bertsch ein. Der schüttelte die harte Rechte mrt einem vollwertigen Gegeudnlck und lachte. „Na, da hätten wir also mm Freundschaft geschlossen. Also: Glückauf bei uns arts Ehristiansglück —i Herr Obersteiger Hannschmidt!" Der Rotbart wollte in freudiger Bestürzung über die Beförderung einen unbeholfenen Dmrk Vorbringen; aber Bertsch hob die Hand. „Etwas anderes jetzt, Hannschnridt, wichtigeres. Ihre Leute haben lange genug gefeiert. Das tnuß mm ein Ende haben. Sorgen Sie dafür, daß es noch heut' jeder erfährt: morgen früh wird hier die Arbeit wieder anfgenommerr. In vollem Umfanget" Und noch einen ludentuugsvollen Gang galt es für Bertsch: Zum Adligen Hause drunten, um die Gruben- urkunden und vertraulichen Briefschaften, die der bisherige Repräsentant bewahrt, nun in sein Verwahrsam zu nehmen. Die Begegnung mit Henner von Grund würde nach allem, was geschehen, gerade kein Vergnügen werden; aber auch das mußte sein. So stand denn Gerhard Bertsch nun vor dein Portal des alten Herrensitzes. Es daurte eine geraume Weile, bis das Aiädchen, das mit seiner Karte ins Haus gegängelt war, wieder erschien und ihn hineinführte. In dasselbe Gemach, wo ihn damals Eke von Grimd empfangen hatte, ltnd auch heute fand er sie wieder vor beim Eintreten. Sie erwartete ihn dort offenbar, denn in der Hand hielt sie ein versiegeltes kleines Paket, das sie ihm gleich hiirreichte. „Sie kommen wobl wegen der Grubenpapiere. Hier sind sie." „Vielen Dank! Das war allerdings der Zweck meines Kommens." Dann lächelte er: „Ihr Herr Onkel hat also offenbar kein Bedürfnis, mir noch emmal persönlich zu begegnen, nach diesem Ausgang der Sache." „Allerdings nicht — „Aber es scheint. Sie lmben mir noch einen ftemreu Auftrag anszurichten von ihm?" „Oh — wieso?" „Ich sehe es Ihnen an, Fräulein von Grund. Und ich ahne auch was. Sagen Sie es ntir nur ohne Scheu; Mein nochmaliges Erscheinen hier wird nicht gewünscht!" „So ungefähr freilich. — Aber Sie wissen ja, Herr Bertsch: Mein Onkel ist eine sehr reizbare Natur. Und diese Entscheidung heute —" „Ist ihm aus die Nerven gefallen, das glaub' ich gern." Bertsch lachte unwillkürlich auf. Doch dann sab er sie an, die mit ernster Miene da stand. „Verzeihung — es ist nicht niedere Schrdenfrcude. Und mein Lachen hier ist nickst sehr am Platze. Aber es ging eben mit mir durch. Der Mnrpf tvar nicht leicht, und nun ich ihn gewomren, darf ich's ja offen sagen, zu Ihnen wenigstens, Fräulein von Grund: Er stand aus des Messers Schneide! Ein paar Tage noch — und ich blieb auf der Strecke!" Sie sah ihn mit einem langen Btük an. Dann reichte sie ihnr die Hand. „Ich danke Ihnen fiir Ihr Vertrauen und beghück--' wünsche Sie Ihrem Siege." Er hielt ihre Rechte einen Augenblick zurück. „Dieser Glückwunsch freut mich aufrichtig. Ich weiß, er ist ehrlich gemeint." Es leuchtete aus seinem Blick, wie sie es iwch nie an ihm gesehen hatte. Da forschte sie weiter. „Und nun —** „Jetzt wird es erst recht beginnen. Ich fahre noch heute nach Köln zu den nötigen Konferenzen mit der Bank. Ziemen Tag mehr will ich nun verlieren." Sie sah vor sich hin. ^ „Es muß schön sein, so getragen zu werden von seinem Erfolge. Wer das doch auch einmal empfinden könnte!" Ein verwunderter Blick traf ihn. Da besann sie sich wieder und sah ihn an. „Ich möchte wohl Ihr Werk sehen, wenn alles so weit ist. Es würde mich wirklich interessieren —i gerade so ein moderner, großer Betrieb!" „Kommen Sie doch einmal zu uns. Ich zeige Ihnen jjmt alles." „Wirklich? Würden Sie mich auch einfahren lassen?" „Warum denn nicht?" „Oh, das wäre herrlich!" Er wunderte sich über ihre Helle Freude. „Liegt Ihnen denn so viel daran?" Sie nickte lebhaft. „Es ist ein Wunsch, schon seit meinen Kinderjahren." „Warum sind Sie da aber nicht schon längst einmal eingefahren, wo doch Ihr Onkel Grnbenvorstand war?" „Gerade er wollte es nicht. Frauenzimmer haben in der Grube nichts zu suchen — war seine Ansicht." Er mußte lächeln. Und sie tat ein Gleiches. So trafen sich ihre Blicke in einem geheimen Einverständnis. „Ja freilich — das kann ich mir wohl denken," meinte er dann. „Nun, da diese höckiste Instanz aber fortab für den Erbstollen nicht mehr existiert, so steht ja nichts mehr "" Wege. Also, Sie machen ^hr Wort wahr?" , „Ich komme einmal, wenn's so weit ist — ganz bestimmt!" „Wieder sah er sie an mit jenem warmen Blick. Und gern hätte er noch weiter mit ihr geplaudert. Doch er besann sich, daß seine Anwesenheit in diesem Hause ja nicht erwünscht war. Da schickte er sich zum Gehen an. Schon an der Tür, blieb er aber noch einmal stehen. „Uebrigens — ich habe das kleine Abenteuer broben an der alten Pinge gehabt, vor dem Sie niich neulich warnten." „Also doch!" Es klang erschrocken. Er nickte. „,Aber es ist gut abgelausen, wie Sie sehen." „Gott sei Dank!" In befreitem Aufatmen hob sich ihre Brust. Es entging ihm nicht, und er sah sie an, als ob er ihr noch etwas Besonderes sagen wollte. Aber er begnügte sich dann mit beit üblichen Abschiedsworten. Eke von Grund blieb stehen, wo sie war, in Gedanken verloren, bis sie draußen den schweren Torflügel am Portal zuschlagen hörte. Da erst besann sie sich wieder aus sich. Und schwere Tritte, die jetzt vom Nebenziniiner heraiinahten, mahnten Ne daran, daß man einen Bericht über diese Begegnung erwartete. ^ * Der Herbst und nach chm der Winter 3 ofl ins Land; aber seine Herrschaft war ausnehmend mild. Das kam dem großen Werden zustatten, das aus der alten Erde des Rauen Grunds wuchs. Am Berghang droben über dem Oberdorf. Wie eine sagenhafte Königsburg ans bcm Morgenlandc lUeg es dort empor am dunkeln Waldsanm, hellschimmernd weithin ms Tal als ein Wahrzeichen. Massiges Mauerwerk, hochgezimlt, trntzrge Rilndtürine und himmelänstnrmende schlanke Minaretts — die Hallen, Hochöfen und Kamine der neuen Werksanlagen voii Christiansglück. Oftmals, namentlich des Feiertags nach dem Kirchgang, kamen die Leute des Rauhen Grunds herauf, selbst solche aus den entlegensten Weilerii und Einzelhöfen, um zu sehen, was \u „i* begnb. Schweigend standen da die Alten, mit offensichtlicher Mißbilligung und doch widerwilligem Staunen. Es war also wirklich, wie ihnen Pfarrer .Burgmann von der Kanzel herab kündete, mit eiferndem Zorn: Eine neue Zeit kam da herangezogen, unaufhaltsam und bedrohlich. i Wer es noch hätte bezweifeln wollen, den belehrte eines Besseren das Wühlen und Graben, das eine lange, schnurgerade Spur zog droben von dem Werk an hinab bis ins Tal und nun immer weiter neben dem Fluß her, bis ganz hinaus aus dem Bannkreis der Berge, wo fern in der Ebene die Schienenstraße der Bahn vorüberzog. An das eiserne Verkehrsnetz, das die Welt druußen umklammerte und fest verband, würde nun auch der Rauhe Gruno augeschmiedet werden. Das bedeuteten die H-ammerschläge, die unermüdlich Dag und Nacht durch die Talsttlle klirrten, nur die stählerneu Fesseln dem trotzigen Sttick Erde auftzuzwingen, das seit Anbeginn aller Erdentage seine freie Ei»genart gewahrt hatte — int kleinen eine Welt für sich. Am allermeisten war es gerade dieser Bia hu bau, der die Köpfe erhitzte. Wie kam der Amerikaner dazu, ihnen ihre Felder und Wiesen zu zerschneiden mit fernem Schienenstrang? Zäher Banerneigensinn stemmte such so dem Werk entgegen, immer wieder anges-acht von dem zornglühenden, weißhaarigen Eiferer ans der Kanzel. Aber stärker war der stahlharte Wille des andern. Für das neue Werk war der Bahnanschluß einfach eine Lebensfrage. Es war nun nicht mehr möglich, wie bei beut bisherigen Kleinbetrieb, das im Hochofen erblasene Eisen ans dem Wagen viele Stunden weit zur Bahn draußen! zu fahren. Dem verschloß man sich auch auf der Regierung» nicht, wo man überh-mtpt jedem wirtschaftlichen Aus streben wohlwollend ge geni'lberstand. So entschied denn eilt beschleunigtes Enteigungsverfahren zugunsten des Werkes. Gerhard Bertsch blieb Sieger, auch hier ; aber neue erbitterte Feinde gesellten sich damit zu den alten. Er war der meist- gehaßte Mann im ganzen Rauhen Grund — er, der doch der Heimat sein Bestes geben wollte. Mer es flimmerte ihn nicht. Ausrecht ging er seinen Weg Wetter, um die Lippen ein überlegenes Lächeln. Und- wie über der Erde, so zog auch drunten untieu Tag die neue Zeit ein. Elektrizität warf ihr Licht in die, Finsternis der Tiefe, bewegte die Förderkörbe im Schacht und die langen Züge der Grubenbahn in den Strecken^ ebenso wie die riesigen Kolben der Pumpen, die das Wasser aus dem Sumpf des Schachtes ansogen und droben über Tag in mannsdickem Strahl auswarsen. Preßluft wurdo in endlosen Rohrleitungen hinuntergejagt zu jedem einzelnen Betriebspunkte, um die Bohrhammer anzutreiben, die nun das langsame, mühselige Werk der Menschenhmtd! ablösten. (Fortsetzung folgt.) Bilder aus der Türkei. Von Otto Lotthammer (Konstantinopel). Ein Keris-Stü ndch e n im türkischen Kaffe-ehau se. Ich kenne kaum einen andern Ott, wo man die türkische Volksseele besser und gemächlicher studieren kann als im Kaffeehanse. Dabei habe ich natürlich nicht die „eleganten" Cafös im Auge, die sich im europäischen Pera befinden. Ich stelle meine Betracht taugen vielmehr in StaMbul an, oder in Skutari und in den Vororten, wo das bodenständige Leben und Treiben noch nicht dem' europäischen „Kulturschema" zum Opfer gefallen ist. Da dem Muslim Wein und berauschende Getränke verboten sind, ein Kulturgesetz, das ihn in mannigfacher Beziehung über die christlichen Europäer erhebt, habeit Kaffee und Tee eine viel größer« Bedeutung mid die Stätten, wo sie dem leckeren Gaumen geboten werden, einen andern Charakter als bei uns. Mer lassen wir den frischen Eindruck sprechen, das unmittelbare Erlebnis! Wir treten in eine der größeren Kaffeewirtschaften von Jedi- kule, einem Stadtteil auf der Stambnler Seite, und nehmen auf der langen, gepolsterten Bank Platz, die sich an der Wand hinzieht. Sie ist reichlich breit und für europäische SißgewohnHecken fast unbequem. Mer sie ist ja auch für den Türken gebaut- der seine Beine unterschlägt, was er vermöge seiner Elefanten^ Hosen leicht bewerkstelligen kann. Der Raum ist mamngfach ge- schmückt. Von der Decke herunter hängen, über dm ganzen Raum verteilt, sußballgroße, buntfarbige Glaskugeln. Sie sind von der Art, nnc man fte vor Jahren in wohlgepflegten Gärten auf Staben stecken sah. Wtr nahmen sie, als wir noch Knaben waren, mm Ziele unserer Katapultgeschosse und ahnten nicht, daß wir dem guten Geschmack zu feinem Rechte verhalfen, lueini sie zu wnf«« teuflischen Lust klirrend zersplitterten. Buntpapierwsetten und Glanzpapierketten durchziehen deu Raum von Glaskugel zu Glaskugel und verbergen auch die Drähte, die sic an der Decke 663 — festhalten. Grellfarbige Oeldrucke an den Wänden zeigen den Vizegeneralissimus Enver Pasck)a und den Sultan. Der ,,Kawetschi" der Kaffeewirt, nähert sich uns mit sreund- ncher Miene und fragt nach unserm Begehr mit dem schlichen ^.Custn-uu" .(Ton auf dem letzten ,u"), das etwa bedeutet „tvas ist gefällig?" Wir habe:: die Wahl zwischen „scheketti Kawe^ und ,,pade Kawe", gesüßtem und ungesüßtem Kaffee. Die Art der Zubereitung erheischt, daß wir uns zuvor für einen von beiden entscheiden. Den Kaffee nachträglich zu süßen ist unbekannt. Welches smd nun die Geheimnisse des Kaffeekochs? Er hat nichts zu verbergen. In einer Ecke des Lokals, abgcgrenzt nur durch eine Act schmalen Ladentisch, ist ein Laboratorium. Dort unterhält er ein offenes, dauerndes Holzkohlenfeuer, über dem ein ziemlich hohes, zylindrisches Messinggefäß, der Wasserkessel, steht. Kochendes Wasser ist immer zur Hand und wird am Boden des Kessels durch einen Hahn abgelassen. In ein tässengroßes Messiuggesäß mit langem Handgriff schüttet er staubfein gemahlenen Kaffee uird Zucker uiid füllt kochendes Wasser auf. Auf denr Holzkohlenfeuer läßt er die Mischung kurz aufwallen und der „schekerli Kawe", den wir gewünscht haben, ist fertig. Er wird uns in einem winzigen Täßchen dargereicht. Behaglich schlürfend, senden wir unsere Blicke auf Kundschaft aus. Da steht vor uns auf dem Tisch, getragen von einem sich nach unten verbreiternden Fuße, eine Messingschale, Qualitätsarbeit, die dem deutschen Werkbund Ehre machen könnte. Ein Aschenbecher! doch man zweifelt noch: die Form ist ungewöhnlich, und wir sind in dem Lande, wo nran rwch ohne manche der uns unentbehrlich erscheinendeli Kultur- errungenschasten auszukommen weiß. Ein wallnußgroßes, aschengraues Etwas auf dem Beckeii der Messingschale zieht unsere Aufmerksamkeit an. Aus jedem Tisch dieselbe Schale mit demselben Inhalt. Die neugierigen Finger werden mit einem Schrei zurückgezogen; das Tageslicht verbarg das glimmende Rot in dem Stückchen Holzkohle, das als Feuerzeug dient; sparsam; denn eine kleine Schachtel Streichhölzer kostet zurzeit 30 Para oder 15 Pfeir- nige; bequem: der Raucher neigt den Kops ein wenig nach vorn, und die Zigarette glimmt. Wie versteht es der Türke seinen „Ke—if" ruhevoll und ergiebig zu gestalten, wie fein weiß er die „Tücke des Objekts" zu umgehen, von der Bischer in seinem Roman „Auch Einer" so anmutig und belustigend zu plaudern versteht! Man vergegenwärtige sich den Allerwelts-Streichholz- ständer mit Aschenteller darunter und beachte seinen Schelmen- blick, der aus den abgewetzten Reibflächen strahlt, wenn Herr Hastig aus Mitteleuropa im Begriffe ist, sich eine Zigarette anzuzünden. Umständliche Muskelarbeit! Ritsch! Das Hölzchen bricht. — Ratsch! Die Zündmasse splittert ab. Ein winziges Fünkchen springt auf den Daumen und bohrt sich brennend in die Haut. Unmut keimt auf im Blick und im Gemüt des Herrn Hastig. Neue Alv, strengung. Ritsch! Der Streich, unsanft geführt, trifft den Teller- raud. Der schwippt ein wenig und streut seinen Inhalt auf Tischtuch und Kaffeegeschirr. Die unappetitlichen Stummel liegen zwischen blendend weißen Zuckerstückchen. Herr .Hastig schnaubt vor Zorn: Indessen: Erneuter Vorstoß gegen das von Schadenfreude in einen: Sonnenstrahl blinkende Zündholz-Arsenal. Ratsch! Das schliddert mit kokettem Wiegeschritt über die Marmorplatte . . In der Hast, es aufzuhalten, stößt Hastig die Kaffeetassen auf der Gegenseite um, deren Inhalt sich auf den Schoß und auf das neue weiße „durchbrochene" des freundlichen Mädchens ergießt, das dem Gefoppten die Sonntag-Nachmittage angenehm verkürzt. Wie weit entfernt ist der Kaffeehaustürke von solcher Unrast, solchem Unbehagen! Er versteht es wie kein airderer mit dem geringsten Kraftaufwand der Ruhe zu pflegen, und das dolce sar niente zu einem wirklich behaglichen Aussehen zu gestalten. Aber mein Bild ist noch unvollständig. Um ganz in die Beschaulichkeit des Kaffeehauses Ko-if einzudringen, muß man das sanfte Gurren, Gurgeln und Glucksen und Rollen der Wasserpfeife hören und die Tabak,,trinkenden" Türken beobachten. (Jn- seiner Sprache sagt er füx rauchen „ttttün itschmek", d. b. wörtliche Tabak trinken.) Meine Nachbarn zur Rechten und Linken und gegenüber sind interessante Studienköpse. Ihre Minen drücken Gelassenheit, Wiinschloschneit, Genügsamkeit, Augenblicksfreude aus, und von diesen Gefühlen ist auch der übrige Körper beherrscht, der in der einmal eingenomni-enen Ruhelage stundenlang verharrt. Die Rechte hält das unterariu lange, starre, plüschüberspannte Ende des Nargileh-Schlauches mit dem Mundstück. Der Schlauche selbst ringelt sich in gefälligen Windungen zur Flasche und beschreibt um dei: Flaschenhals noch einen kecken Schnörkel. Der eine liebt es, die Flasche vor sich auf 'denr Tisch zu sehen. Der Tanz der Luftblasen im Wasser unterhält ihn. Dem andern gefällt es, das Nargileh zu seinen Füßen zu haben. Bon dort tönt ihm das „Glnck-Gluck-Gluck" recht angenehm an sein Ohr. In die vertraute Nargileh-Musik klingt aber noch ein anderer seltsamer Laut hinein: Schnipp, schnapp! Klipp, klapp! Die Ueberraschung ist groß. An der gegenüberliegenden Wand sind Bank und Tischreihe unterbrochen. Ein gewichtiger, breiter Lehnstuhl drängt sich dazwischen. Auf marmornem Bordbrett liegen bunt durcheinander Haarbürsten, Kämme, Rasierpinsel, Seifen- schalen, Spritzslaschen. Ein Warenhaus-Spiegel mit Säulchc::^ garnitur spiegelt das alles freundlich! wieder. .Hier hat der „herber", der Haarschneider, seinen „Salon" eingerichtet, damit der Gast die lästige Mühe des Rasierens so angenehm und vorteilhaft wie möglich, wenige Schritte von seinem „Ke-if"-Winkel entfernt, erledigen kann . . . Schon seit geraumer Zeit hat der Kaffeelvirt die fetten fwl'en wtggcfioü und zwei Gläser Wasser gereicht. Das ist die übliche Zeche im türkischeii Kaffeehausc, selbst bei stundenlarrgeur Verweilen. „Kawetschi, iki kawe katsch Para?" (Wirt, was kosten ziver Kaffee?) „Bir grusch!" (Einen Piaster: d. s. 20 Pfg.) Irr Friedenszeiten bezahlt man sogar nur erneu halben Piaster, also 10 Pfg. Wir zahlen und verlassen, freundlich begrüßt, die Stätte unseres behaglichen Nachmtttagsauseuthaltes. „Allah ihsmarladir" sagt der Wirt und wir grüßen ihn mit der Ueber-setzung „Gott besohlen". Vermischtes. * Die Teuerung in Riga. Wie die Zeitung „Rjetfch," berichtet, erreichte die Teuerung in Riga in den letzten Tagen ihren Höhepunkt. Der neue Polizeimeister erschien selbst auf dem Markte und ließ bei verschiedenen Händlern Protokolle anfnehmen, um fest- znstellen, wie weit' die Marktpreise von den in den Verwaltungsorganen festgesetzten Höchstpreisen abweichen. Es entstand erne gewisse Panik unter den Verkäufern, und mehrere öffneten überhaupt nicht ihre Läden, unter dem Vorwand, daß sie keine Waren hätten. Der Polizeimeister ließ jedoch die Schuppen öffnen, und mit Hurrah begrüßte bas versammelte Publikum die Vorräte an Fleisch, besonders Schweinefleisch, das herausgeholt und sofort zu 58 Kop. statt des früheren Preises von 70—80 Kop. verkauft wurde. Zu gleicher Zeit wurden voir der Polizei Haussuchungen bei Kaufleuten in allen Stadtteilen vorgenommen. Das Ergebnis waren aufgefundene große Partien von Zucker, Mehl, Butter und Streichhölzern. Mit eiuenl Freudengeschrei begrünten die Leute auf der Straße, die aufmerksamst die behördliche): Maßnahmen verfolgten, die überrascheudeu Entoeckungen. Von den letztgenannten Produkten, die als nicht Vorhände): galten, wurde ein Teil requiriert und unter Militärbedeckung nach der Intendantur gebracht; der Rest gelangte zimr Verkauf laut amtlicher Taxe. Der Andrang der Käufer wuchs von Minute zu Minute, so daß der Polizeimeister auordnete, die Leute nur einzeln und per Karte vorzulassen und keinem mehr als 2 Pfund Zucker zu geben. Bald bildeten sich vor aller: Kolonialwarengeschästeu Ketten von Käufern, die der Reihe nach anzukommen suchten. Merkwürdigerweise wurden die meisten Vorräte bei den Kleinhändlern vorgefunden und die größte Partie sibirischer Butter bei einem Eisenhändler. Natürlich waren die schwer vermißten Lebensmittel in wenigen Stunden vergriffen. Bezeichnend für den Grad der Lebensmittelnot in Riga ist n. a. die Tatsache, daß die Eiseubahnverwaltnng auf mehreren Linien selbst Verkaufsstellen errichtete, um ihre Beamten mit den nolweickngfter: Nährmitteln zu versorgen. . * Armer Norick! „Er war ein Bursche von unendlichem Humor" — er, der fast ein halbes Jahrhundert lang der König des Berliner Kalauers gewesen ist. Armer Porick, nun liegt er mit Zerschmettertem Schädel da, das Opfer eines betrunkenen Wagenführers. Der Mund, der sich so unendlich komisch verziehen konnte, das Gesicht, dessen bewegliche einzelne Teile jeden zum Lachen reizten, schmerzvoll im Tode verzerrt. Die Tragik des Komikers! Selbst in dieser furchtbaren Zeit, wo alles nur zu leicht das Lachen verlernt, wird man besonders in Berlin, aber auch über die Stadtgreuzen hinaus, den Tod des „u r k o m ischen Bendix" als einen Verlust empfinden. Er war, wenn nicht ein Wahrzeichen Berlins, so doch eine von den Sehenswürdigkeiten, um derentwillen so mancher Provinzler nach Berlin gekommen ist in dem Gedanken: „Das muß ich mir auch einnml ansehen." Nun schweigt dieser schlagfertige Mund auf immer. Aber viele seiner Scherze werden ihn überdauern: „Der Spiegel, so gut wie neu, haben erst drei Leute 'reingeguckt." Die Menagerie, in der es hieß: „Der Ochse ist der Esel unter den Tieren" oder: „Das Zebra unterscheidet sich vom Tiger nur dadurch, daß sie beide gestreift sind. Sehr drollig war auch eine Soloszene, die Benoix in den siebziger Jahren auf die Bretter brachte. Er trat als Käsehändler auf: „Leicht gesagt, für'n Sechser Käse, aber es fragt sich, was für 'ne Nummer!" Denn für sein Geschäft genüge ihm nicht die italienische Buchführung, er habe eine deutsche, eine schweizer, holländische, limburger Buchführung und sogar eine extra für bie Drcierkäse. Sein „Moabiter Contre" erlangte weite Berühmtheit: „An die Wand" = en avant, „Schönhauser Allee" = Chaine anglaise, „Schatze kratze" = Chassez croisez, „Stangenpomade" = Grand promenade, „Kuddelmuddel" = Moulinez. — Als Sterngucker band er dem Publikum erst den großen und daun den kleinen Bären auf. Sehr sein war die Wendung: „Wer Geld hat, dem gehört die halbe Welt oder, wie der Franzose sagt, dem: monde." Aber nicht nur von der Bühne herab hat Bendix seinen Witz erprobt. Lauge Jahre hindurch hat er einst jene in ganz Deutschland viel belachten Versrcklamen der „Goldenen Hundertzeh):", eines Berliner .Herrengarderobegeschäfts, gedichtet, in denen die politisdieu und Berliner Lokalereignisse auf geschickte Weise mit dem Geschäft der Firma verwoben waren. So lautete z. B. eine derartige Reklame gelegentlich eines Besirches des berühmten Erfinders Edison in Berlin: „Edisons Bekenntnis: Herr Edison, der große Mann — Sah sich Berlin mit Freuden an! — Der Postverkehr, die Feuerwehr, — Der Mollen- 664 markt, das Militär, — Elektrisch Licht und Telephon — Entzückten den Herrn Edison. — Er machte auch zu Doktor Siemens — Von unserer Weltstadt viel des Rühmens — Und sagte: Was hier angelegt — Und Zeichen deutschen Geistes trägt, — Begreife ich und kann's versteh'n, — Doch wie die Goldne Hundertzehn — Die allerfeinsten Wintersachen — Zu solchem Schleuderpreis kann machen — Und doch seit 25 Jahren — So groß dasteht, wie ich erfahren, — Und sich vergrößert noch allstündlich, — Das ist für mich selbst unerfindlich." * Der „kranke Mann". Seit einem Jahr kämpft jetzt gerade die Türkei an unserer Seite und hat in dieser Zeit glänzende Proben ihrer Lebens- und Leistungsfähigkeit abgelegt. Gewiß zum größten Erstaunen Rußlands, loo Nikolaus I. bereits 1853 das Land als einen „Schwerkranken" bezeichnete, der einem „unter den Händen sterben könne". Der damalige englische Premier Lord Russell aber, dem diese kaiserliche Aeußerung durch einen diploina- tiscyen Bericht bekannt wurde, lvar entsclfieden ein besserer Prognostiker. denn er antwortete, „die Auflösung des Patienten Ivürde vielleicht doch noch länger, vielleicht noch hundert Jahre, dauern". Russell stand mit seiner Ansicht allerdings ziemlich allein, da Dichter und Staatsmänner dainals und lange vor seiner Zeit beit Sultan und sein Land als „kranken Äläann" hinzustellen pflegten. Um so interessanter ist es im gegenwärtigen Augenblick, wo der „kranke Ätann" sich völlig gesund und lebensfähig gezeigt hat, an die Russellsche Voraussage zu erinnern. Vielleicht hat Russell die Lebensdauer dieses „Kranken" sogar noch zu kurz ein- geschatzt. * Der unwillkommene Ministerreichtum. Die Utnordnung. die Erschütterungen und Verwicklung in der französischest. Politik haben im Verlaufe des Krieges die Zahl der Minister, Staats- und Untersekretäre nachgerade zu einer imponierenden Höhe anschwellen lassen. Das Publikum und die Presse Frankreichs scheinen allerdings — und nicht ganz unbegreiflicherweise — von diesem Reichtum nicht gerade begeistert zu sein. Wenigstens kann nran dies ans einem Klagelied schließen, das im „Journal des Dabats" über den Tiplomatenüberfluß angestimmt wird: Die in den Kreisen unserer Parlanrentaricr herrschenden Zustände haben eine Vervielfachung des Portefeuilles hervorgerusen, die von Publikum und Presse unangenehm empfunden wird. Wir besitzen gegenwärtig 14 Minister und 6 Unterstaatssekcetäre, und es ist zu befürchten, daß diese Zahlen noch steigen werden, denn es gibt viele unbefriedigte Kandidaten Die hierdurch hervorgernfenen Koste»! geben genügend Anlaß zur Beunruhigung. Die Republik könnte mit 6 Ministern ebenso geleitet lvcrden wie mit 14, und dies wäre zumindest billiger. Ebenso sind nur für Krieg und Marine Unterstaatssekretäre erforderlich. Leider aber ist tvvhl kaum eine Einschränkung zu erwarten, inan »nuß im Gegenteil befürchten, das; auch der Friede in diesem Punkt keine Besserung bringen wird. Den»! nach dem Kriege »oerden ja wohl die Minister zum Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften, zur Neubevölkerung des Rindviehbestandes und noch andere aus dein Boden wachsen, die wir mit Rücksicht auf die Zensur nicht näher bezeichnte wollen . . ." * Französische Soldaten geographie. Im Felde, mtb ganz besonders im lange währenden Stellungskamvf, so schreibt das .Journal des Täbats", erweist sich die Notwendigkeit, die feindlichen Zielpunkte für Artillerie und Jntanterre genau zu benennen. Neben der offiziellen Benennung der verschiedenen Oert- lichketlen durch den Generalstab hat stch auch eure 'eldständige Soldatengeographie ausgebildet, die den einzelnen Stellnnaen und Zielpnnkten Namen verleiht, die in den allgeineinen Sprachgebrauch der in Frage kommenden Mannschaften übergehen. Der lange Aufenthalt in den Felvstellnngen ge»vöhnt die Soldaten daran, der äußeren Gestaltung der Landschaft ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Daher tauten die Soldaten die Oertlichkeiten »ncist nach mehr oder minder de»:tlich erkennbaren bestimlnten Aehnlich- keiten. So gibt es einen »Stieselwald", dessen Baumbestand sich im Landschastsbild wie die Umrisse eines Niesenstiesels darbietet, einen »viereckigen Wald" und eine »Trapez-Waldung". Sehr oft spielt arrch die Verspottung des Gegners in bie'eu Benennungen eine Rolle. So »verden die feindlichen Schützengräben oft mit höhnischen oder herausfordernden Bezeichn,nrgen belegt. Manchmal erweisen die Soldaten sich auch nngeivollt als (Geologen. Wenn daS kreidehaltige Erdreich, das sich oft unter dein bewachsenen Boden befinde , z»l Wällen aufgeworfen wird, erhält die Stellung den Namen »Weißes Werk". So gibt es im Westen eine große Anzahl von Stellungen, die von den Soldaten Weißes oder Graues Werk genannt iverden. Oft nimmt der Soldat irn Felde bei der Namenwahl auch auc Geschichte seine Zuflucht. So findet »nan die seit- faulste »Feldgeogravhie". Im Nahmen dieser Bezeichnungen der einzelnen Felostellunaen fiildet nran an der Westfront z. B. ein »Lübeck"- uiib ein Weichselwerk" dicht nebciiemanber. Auch berühmte Persönlichkeiten müssen bei diesen Feldtcmsen Pake stehen. * Der prophetische Knabe. Die Zahl der berühmtest Ll . te vermehrt ficij in Frankreich in geradezu erstaunlicher Weise. Alle Augenblicke entdeckt man eine neue Person, die etwas getan oder gesagt hat, ivas „einzig 'dasteht". Nunmehr berichtet die Zeitung „La Presst' twn einem erst 10 jährigen Bürger einer ^-tadt in Mittelfrankreich, dessen prophetische Weisheit in alter Munde ist: „Als die Mobilisation bekannt gemacht wurde, liefen die Zeitrmgsverkänfer dirrch die Straßen, indem sie die Extras blätter ausschrien. Plötzlich riet ein zehnjähriger Junge: Der Krieg ist ausgebrock>en! Ter Friede wird im März 1916 geschlossen werden!" Diese Worte riefen ein tiefes Staunen hervor. Vergeblich fragte man den Jungen, wie er zu diesem Ausruf komme. Er wußte keine Erklärung und begnügte sich damit, immer tvieder scinü Prophezeiung zu wiederholen. „In einigen Monaten", bemerkt der „Gaulois" hierzu, „tvird man wissen, ob der Junge recht hatte. Und man empfindet ein wenig Furcht bei diesem Gedanken. Wer weiß, was kommen wird? . ." * Eine englische Kritik der türkischen Soldaten. Die folgende dleußerung eines Mitgliedes des Generalstabes der englischen Dardanellcnarmee wird im „Daily Cbronicle" veröffentlicht: Die türkischen Soldaten sind hervorragende Leute und tapfer wie Lörven. Und sie kämpfen so vornehm und den, Bestimmungen des Völkerrechts entsprecl>end, wie man überhaupt verlangen kann. Wenn sie englische Soldaten gefangen nehnren, kleiden sie sie nach Bedarf neu ein und verpflegen sie auf die beste Weise. Ter feindlichen Verwundeten nehmen sie sich mit aller Sorgfalt an. Ich sah türkische Soldaten, die sich trotz mehrfacher Verwundungen immer von neuem in den Kamps stürzten, ohne stch um ihre Schmerzen zu kümmern. __ 1 , * Amerikanischer Krieashnmor. Der Zar soll zwei Millionen neuer Soldaten aufsbellen. Kein Wunder, baß man in Deutschland fürchtet, mit den Lebensmitteln nicht auszukommen. (New Vork Morning Telegraph). Japan hat erklärt, daß es den Russen soviel Granaten sckstiMr will, als sie brauchen., Vor einigen Jahren hat es sogar mehr geschickt, als ihnen an-f genehm war. (Nashville Southern Lnmberman). Der Zar legt Wert darauf, von nun ab an der Spitze seiner Armeen zu laufen^ (Kansas City Times). Es scheint ausgeschlossen, daß der Zar ist den Zeitungen eine Schlacht verliert. (Boswn Tvanscript). vüchLttisch. — F e l d »n a r s ch a l l von Mackensen. Demnächst erscheint im Berlage von August Scherl, G. m. b. H., das Lebensbild des Feldinarschalls, von Wilhelm Nenner ver aßt. Der Bio- grgpy konnte aus der besten Quelle schöpfen, da ihm die Familie seines Helden bereitwilligst Nachrichten, Briefe, Familienbilder ufiv. zur Beringung stellte. Die dadurch gegebene Gewäyr völliger Zu- ocrläfftqfe;t kommt auch bann zum Ausdruck, daß Feldmarschall von Mackensen die Widmung des Buches enlgegeugenommen bat. Trotz der schönen Ausstattung imb der zahlreichen Bildertafeln, die dem Buche beigefügt werden, hat der Verlag beit Pre»S auf nur 1 Mk. festgesetzt. — Johannes Jeg-erlehner, Grenzwacht der Schweizer. Erzählung. (Grote'sche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Band 121.) 235 Seiterl 8°. (Berlin, G. Grote.) Der Schweizer Dichter Johannes Jegerlchner ist Regimentskommandeur im eidgenössischen Heere. Er erlebt den Kriegszustand der 'Schweizer Soldaten also in der persönlichsten Weise mit und gibt nun darüber in der marmhast kernigen Art seines Wesens mtb seiner edlen, festgeprägten Prosa einen bunt anschaulichen Bericht in der Form einer handlungsreichen Erzählung. Er fülyrt in den Kreis eines schweizerischen Infanterien Regiments, fcküldert dessen dNobilntachnng im Walliser Land, den Beginn der GrenMacht im Jura mit pem Blick nach dein blutgetränkter Simdgan, anstrengende Uebnngsmärsche quer durch ixe Heinrat, deren blühende Naturwunder in herrlichen Bildern aufstrahlen, den Schanz- und Postendienst