Montag, den 4. Gktobrr Die vom Rauhen Grund. Roman von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) -„Danke ’—i es ist mir wirklich ganz gleich, wo Sie mich Unterbringen, Fräulein Magri — aber Sie hören sich wohl lieber Fräulein Marga nennen? Die altväterliche Rnfsorm ist Ahnen offenbar nicht genehm'?" Sie hörte den Spott aus seinen Worten, da sagte sie schroff: „Sie brauchten sich den Kopf hierüber überhaupt nicht zu zerbrechen, wenn Sie mich nennen würden, wie es mir zükäme." „Gnädiges Fräulein also!" „Das wäre wohl in der Tat das passendste --> wäre nicht diese Umgebung hier." Es zitterte aus ihrem kalt ablehnende Ton doch leise etwas Wundes. Forschend sah er auf das verfeinerte, schöne Geschöpf und begriff plötzlich: ihr Stolz litt schwer unter dieser ihr anfgezwungenen Rolle der Wirtstochter. Da erwiderte er ernster: „Sagen wir denn: Fräulein Reusch. Das trifft Nzohl das Richtige." Sie trat indessen zum Fenster und ließ frische Lust hinein. „Es war lange geschlossen," sagte sie wie zur Entschuldigung. Er aber antwortete nichts, sondern verfolgte nur ihre Bewegungen, wie sie jetzt mit erhobenem Arm oie verschobenen Gardinen wieder ordnete. Schön war sie geworden — ganz ohne Frage. Und dieses Rassige, Stolze cur ihr! Wck hatte sie das nur her genommen? Er stellte sich das halbwüchsige, schmale Ding vor, als das er sie gesehen — damals, als er vor zehn Jahren das letztenral hier gewesen in den Ferien, noch als Student. Freilich, ein paar Augen hatte sie schon damals gehabt. Augen, in denen tausend Tenfelchen ihr Wesen trieben. Und plötzlich schoß ihm eine Erinnerung auf. Herrgott ja — daß ihm das erst jetzt wieder ein fiel. Damals am letzten Tag auf der Kirmes! Es war lustig zugegangen -- so die richtige Bowlenstimmung — ba hatte er auch sie, den Backfisch noch im halblangen Kleidchen, in einer ausgelassenen Laune zum Tanz geführt. Weil ihn diese dunkeln Augen aus der Ecke der Halbflüggen her aar zu begehrlich verfolgten ihn, den flotten Studio, der oer beliebteste und vornehmste Tänzer gewesen auf dem ganzen Fest. Und das klein» Ding hatte getanzt, sich in seinen Arm geschmiegt —' ganz warm war's ihm dabei geworden. Da war's denn geschehen: Aie er sie wieder zurückführte ans dein Tanzzelt zu ihrem Platz, da hatte er sie auf dem Wege im Dunkeln plötzlich an sich gezogen, ihren Mund gesucht. Und sie hatte sich nicht sonderlich gesträubt. Im nächsten Moment aber war Lie ihn entschlüpft, " ' Dies kleine Abenteuer stand ihm jetzt wieder so lebeirdia vor der Seele, wie er sie so sah am Feilsten mit den schlanken, geschmeidigen Gliedern. Ob auch sie wohl noch an jenes Erlebnis denken mochte? Und wenn — mit welchen Empfindungen? Berleugnete jetzt die kühl beherrschte Dame den wilden Backfisch von damals? Sein Auge hing an ihr, auch Nun, wo sie sich unerwartet umwandte. Jetzt trafen sich ihre Blicke, und — war es ihm nur so, oder kam da in ihr Auge unter seinem Forschen plötzlich ein unsicheres Flirret! — wie erinnerrmgsbewntzt. Aber doch Wohl nur eine Täuschung, denn Marga Reusch fragte wieder ganz mit ihrem selbstsicheren, zurückhaltenden Tone: „Also, Sie nehmen die Zimmer?" Er bejahte mit einem Kopfnicken und folgte ihr dann wieder hinab ins Gastzimmer. Doch man blieb dort nicht mehr lange zusammerr. Doktor Herling zog seine Uhr und erhob sich. „Gleich eins — da muß ich heim. Aber weißt du wandte er sich an Bertsch: „Komm mit zu Tisch." „Wie — du bist verheiratet?" „Nein, nur eigene Wirtschaft." „Gott sei Dank — ich but nämlich als Tafeldekoration nicht sonderlich zu gebrauchen." „So verwildert da drüben? Also höchste Zeit, daß du wieder in gute Hände kolnmst. Nun kannst du hier ja auch Umschau halten unter den Töchtern des Landes, als wohlbestallter Herr Direktor." Bertsch lachte. „Ich glaube, da habe ich Wichtigeres zu tun." Marga Reusch, die rnit ihrem Britder und Steinsiefen abseits am Fenster stand und wie von ungefähr hernber- gesehen, ließ den Blick langsam wieder abgleiten —. ganz Gleichgültigkeit. „Stolz lieb ich den Spanier!" zitierte Doktor Herling und griff nach seinein Hut. „Na, wir können das Thema ja zu Hanse weiterspinuen." „Ich weiß noch nicht —" Bertsch warf einen Blick zum Fenster —, „ich hatte mir das Essen bereits hier bestellt." „Ach, das läßt sich schon noch rückgängig machen, nicht wahr, Fräulein Marga?" Das Mädchen nickte nachlässig zurück, „Selbstverständlich." „Also komm!" Ein kurzer Llbschied, namentlich kühl von Steinsiesens Seite, dann waren die Freunde draußen. Da wandte sich Bertsch an den Doktor. „Du —, was ist das eigenllich mit dem Steinsiefen, Der tut ja wahrhaftig, als war' er jemand." „Ja, dem ist das Glück in den Schoß gefallen M wirklich sozusagen int Schlaf. Weißt ja, er war immer ein Schlttuunerkovf, Hat's daher nie ah was Rechtem gebracht. — 614 Aber vor zwei Fahren, wie er da mal oben im Wald rumbummelt und von gottweißwas träumt, stolpert ec über einen Stein, und toie er sich den Schaden besieht, ist's der schönste Basalt. Hat der Glückspilz einen kolossalen Steinbruch entdeckt, von dem kein Mensch eine Ahnung gehabt, in allernächster Nähe des Orts!" „Wo?" Und Bertsch blieb stehen. „Droben aus dem Jägerkopf." „Und der Bruch ist wirklich ergiebig?" ,Mlonn, er kann ihn nur nicht genügend ausnnhen. Zu wenig Abnehmer hier in der Gegend. Aber er könnte Pinszig Waggons dem Tag und mehr liefern." „Ausgezeichnet!" In Bertschs hellen Augen blitzte es auf, überlegen. „So werde ich also ein gutes Geschäft machen mit dem Schlummerkopf — sobald's so weit ist." Und sein Technikerblick lag prüfend drüben auf dem Haitg, schätzte Distanzen und Gefälle ab, berechnete und konstruierte, und sah bereits die künftige Drahtseilbahn zur Grube hin mit den hoch durch die Luft schwebenden Mrderkörben — in unermüdlichem Kreisen. „Was sagst du übrigens zu der Magri?" klang es jetzt Von seinem Begleiter herüber. „Hat sich rausgemacht, das Mädel — was?" Irgend eine zustimmende Bewegung bei Bertsch; seine Gedanken waren noch immer bei drin Basaltbruch. . c Ober ste weiß auch, was sie wert ist. Der Steinfliesen wird keine Seide bei ihr spinnen." Bertschs Blick kehrte langsam von der Höhe drüben zurück. „Steinsliesen — so? Hat der Absichten mit ihr?" „Na, das hätt'st du doch schon merken können!" „Und sie?" "Es wird ihr schließlich wohl nichts anderes übrigbleiben. Sie hat sa keine Wahl hier. Der Alte hat ihr im Grunde einen recht schlechten Dienst erwiesen, als er sie nach Wiesbaden ins Pensionat geschickt hat. Nun ist sie zu schade für die Bauern hier." * Irisch nickte. Dann fragte er nach einer Weile gerade heraus: „Warum heiratest du sie nicht?" „Ich — daß mich Gott bewahre!" „So bange?" heirate^^ hoch meine Ruhe haben, wenn ich mal -c/3“ Vilich!" spottete Bertsch. „Die Zipfelmütze über die Ohren ziehen und schnarchen! Philister du!" „Es kann doch nicht jeder ein Heros sein. Uebrigens, wer weiß, ob du selber noch fertig werden würdest mit einem Frauenzimmerchen wie der Magri!" ,Gerhard Bertsch lachte nur, aber es ging wie ein Straffen durch seine starken Glieder. Eine spielende Lust am Kampf und Kräftemessen. ' m einem leisen Seufzer gewahrte es der Arzt; halb Neid halb Bewunderung. Danu schob er die goldene Brille zurecht. "5? r7E angelangt bei meiner keuschen Jung gesellen klau se/ Und er öffnete die Haustür. „Tritt em, Heraklide, über die Philisterschwelle!" Gerhard Bertsch schritt unten auf der zehnten Sole durch das Dunkel der Strecke. Die schweigende Nacht der Tiefe umfmg rhn. Nur das spärliche Licht der Gruben- KchLd^'d»"Ru?Allen.^^' ^ «tuenden Bertschs Schritt, der sonst stets vorwärts drängte in ^lberider Tatkraft, hatte heute etwas Zögerndes, und der Kopf hatte sich ihin gesenkt. In Gedanken wenig ftoher Art. Die Reise nach Köln, von der er soeben heimgekom- immer nicht die Entscheidung ge- bracht. Wohl hatte auf der Landesbank das Gutachten des Sachverständigen über das von ihm festgestellte Erzvorkommen befriedigt. Man war unten auf der zehnten Sole hinter emer Ueberschiebung im Gebirge, vor der bisher stets halt gemacht worden war, auf sein Betreiben weiter vorgedrungen und hatte einen ungewöhnlich mächtigen Erzgang angefahren, der offenbar identisch war mit dem wertvollsten und ergiebigsten des ulten Abbaufeldes. Aber man hegte trotzdem auf der Bank Bedenken, deun dieser Gang markscheidete mit der Nachbargrube, dem Erbstollen. Rcchts- schwierigkeiten waren vo?i dort zu befürchten. „Sobald die Sache auch nach dieser Richtung einwanosfrei geklärt ist, sind wir für Sie zu haben, vorher aber — nichts zu machen!" Mit diesem Bescheide des Bankleiters hatte Bertsch abreisen müssen. Das war das ganze Ergebnis der vier Tage in Köln gewesen, aus die er so gebaut hatte. Volle Verwirklichung seiner Pläne hatten sie 'ihm bringen füllen, und nun das! Diese traurigen Bankmenschen! Kälte Rechenmaschinen. Wenn er ihnen doch von seinem verzehrenden Drang zur Tat, von seinem unerschütterlichen Vertrauen zur Sache etwas in die verschrumpsten Lidern hätte gießen: können. Nur frisch zupacken, und man hatte gewonnen Spiel hier. Aber fing man's so an, wie die in Köln, kam man vor lauter Uebervorsicht und Rückendeckung erst gar nicht zum Angriff, dann ließ man ja den andern Zeit, einem vorzukommen. Es wurde gerade schon genug geredet im Grunde von seinem Vorhaben. Da mußten ja selbst Schlafmützen! die Augen einmal uufgehen! (Fortsetzung folgt.) Aus Hessens vergangenen Tagen. Vortrag, gehalten von Stadtv. Dr. Ebel in der Festsitzung der Stadtverordneten vom 29. September. Der gegenwärtige Augenblick, in dem unsere ganze Aufmerk- >Ekert, unsere ganze Seele gefangen genommen ist von den Geschehnissen des Tages, scheint wenig geeignet, uns rückschauend zu versenken in vergangene Zeiten. Wenn wir niitten in einem Kampfe von unerhörter Ausdehnung und unerhörten Opfern, wie ihn me Geschichte noch nicht ausgezeichnet hat, in einem Kampfe, m dem alle fünf Weltteile Streiter ohne Zahl urrd gewaltiges Aft^Osgerat aussenden, um ein einziges Volk zu vernichten, unsere Blicke lenken in die Tage, deren Gedächtnis wir heute erneuern, dann wollen uns diese Ereignisse, so blutig und bedeutungsvoll tut unsere engere Heimat sie waren, vielleicht klein und unbe- deutend erscheinen, kaum wert, daß man sich ihrer erinnert. Und demwch wird uns eine solche Betrachtung auch in dieser schweren Zeit Befriedigung gewähren können. Sie wird uns mit Stolz erfüllen auf die Tüchtigkeit unseres Hessenvolkes, das in Treue zu fernem Fürstenhause ihm mit Leib und Leben geholfen! hat, eine die Jahrhunderte überdauernde dem Lande Glück und Segen gewährleistende Herrschaft aufzurichten, mit Stolz auf die Tüchtigkeit unseres Stammes, der allen Wechseln des Geschickes znm Trotz sich auch aus den Zeiten tiefster Not immer wieder mit zäher ungebrochener Kraft erhob, um inmitten des deutsckien Kulturvolkes einen Staat zu bilden, den heilte als wertvolles Glied des Reiches niemand missen mag. Und mit Genugtuung dürfen wir den Wechsel der Verhältnisse empfinden. Damals das 2and von Parteiungen zerrissen, fast fortwährend vom Lärm de, Waffen erfüllt, der Bürger nicht sicher seines Gutes und seines Lebens. Heute kämpft Deutschlands geeinte Macht gegen die Heere der ganzen Welt, und dennoch leben wir in der Heimat nicht mel anders als im tiefsten Frieden. Fäden verknüpften für uns Hessen das Einst uiid Jetzt. Dav Fürstenhaus, das den bestächen Staat schuf und heute noch Husens Thron ziert, hat seinen Ausgang genommen vom Lande Brabant. Lange dem Reich entftemdet ist diese Grenzmark heute durch deutsches Blut erobert, und hessische Landesküider halten die Wacht rm Stammland ihres Fürsten. W^den hier Hoffnnngm wach daß sich auf's neue binde, was einst gelöst ward? Noch ist es zu frühe, davon zu sprechen! > * Wenn wir die Bedeutung des Ereignisses, dessen Andenken wir heute feiern, richtig verstehen wollen, müssen wir die Entstehung der Landgrafschaft Hessen in der zweiten Hälfte des 13. Zahrhunderts ein wenig genauer betrachten, ft* r? 1 ! ^l anQ eigentlichen hessischen Geschichte steht ein Fürst, der brs zum Auftreten Philipps des Großmütigen der iikfe hgfte jmb zugleich der volkstümlichste Herrscher geblieben ist« Heinrich I„ das Kind, von Brabant. 1 * SBet war der Fürst und welches war das Gebiet, das er -um Staate zusammenzufasscn unternahm? Beginnen wir mit dem Land! , . * 3™ Anfänge des 12. Jahrhunderts finden wir große Teile des Oberlahngaues, der sich am Oberlauf der Lahn bis in unsere Gegend erstreckte, und des fränkischen Hessengaues, des Gebietes an Eder, Schwalm und r^ulda, rm Besitz zweier mächtiger Grasen-, des .Wernerstchen und des der Gisonen. Graf Giso IV., dessen Güter hauptsächlich rm Oberlahngau lagen, erbte 1121 die im Hessengau gelegenen Besitzungen des letzten Grafen Werner, starb aber rm folgenden. Jahre selbst als der letzte seines Hauses^ Seme gesamte Hinterlassenschaft ging auf den Gemahl seiner ein- Ligen Tochter, Ludwig III. von Thüringen, den späteren ersten Sanbörafeit, über. Seitdem bildete diese Erbschaft bis zun: Jahre ^247 einen mehr oder minder selbständigen Teil der Ärndgraftn- schvft Thüringen, sie tvar ihr mehr in Personalunion verbunden, als tatsächlich einvcrleibt. Dieses Verhältnis sprach sich schon in vMN Umstande aus, daß das ganze Gebiet, das Land der alten Chatten, das Land zu Hessen, unter der Oberhoheit der Landgrafen meist den zrveitgeborenen Söhnen der Ludowinger als Herrschaft überwiesen wurde, aber jedesmal nach dem Tode eines solcher: Statthalters an die Hairptlinie zurückfiel. Diese zweitge- vorener: Prinzen trugen alle den Namen Heinrich und den Bei- namM Raspe, und wurden, wenn sie in die hessische Herrschaft emgesetzt waren, eomites 833316 , Grafen von Hessen genannt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts neigte sich das Haus der Ludowinger seinem Ende entgegen. Im Jahre 1227 war Landgraf Ludwig, der Gemahl der heiligen Elisabeth, im Begriffe mit Kaiser V'riWrtch II. nach dem heUigen Lande aufzubrecl>en, in Otranto in Apulien an einer verheerenden Seuche gestorben. Er hinter- lreß einen einzigen Sohn, Hermann 8, dem er für die Zeit der Minderjährigkeit seinen ziveiten Bruder Heinrich Raspe als Vormund gesetzt hatte, denselben, der 20 Jahre später als Gegen- kömg Friedrich II. auftreten sollte. Heinrich, eine Persönlichkeit mnstrrttenen Charakters, ließ den junger: Hermann niemals zur Herrschaft gelangen. Er behielt auch nach dessen Großjährigkeits- erNärung Titel, Rang und Herrschaft des Landgrafen in Händen und überlwß dem Neffen nur die Grafschaft Hessen, die eigentlich ihm selber zugekommen wäre. Etwaiger: späteren Konflikten überhob ihn der Tod des kränklichen Jünglings, der neunzehnjährig 1242 ins Grab sank. Außer der Befriedigung seiner Lust an: Herrschen hatte Heinrich nichts gewönne::, denn trotz dreimaliger Ehe starb er bereits nach fünf Jahren kinderlos. Der Mannes- ftamn: der Ludowinger toar mit ihm erloschen, die thüringische Erbsckwft war eröffnet. Als Bewerber traten zwei Enkel Landgraf Herma,ms I. auf. Der eine, Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meißen, hatte als Tockstersohn das bessere Recht für sich und darauf gestützt auch bereits 1243 eine Eventualbelehnung auf Thüringer: vom Kaiser erhalten. Ihm gegenüber im Nachteil war die Tochtep Ludwigs und der heftigen Elisabeth, Sophie, die zweite Gemahlin Herzogs Heinrich von Brabant. Heinrich II., der Großmütige, Herzog von Lothringen und Brabant, Markgraf von Antwerpen, führt sein Geschacht in ununterbrochener Ahnenreihe zurück auf Giselbert Graf im Maasgau, der um die Mitte des 9. Jahrhunderts eine Tochter des Kaisers Lothar I. entführte und zu seiner Gemahlin machte. Durch seine Stammesmutter aber kann er seinen Ursprung von Karl dem Großen und den Pippinen herleiten. Das Haus Brabant ist das älteste der deutschen, das zweitälteste aller europäischen Fürstengeschlechter. Heinrich III. und Sophiens Sohn war Heinrich das Kind, in dessen Interesse der Herzog die Ansprüche seiner Gemahlin auf das Eibe der thüringischen Laridgrafen geltend machte. Unmittelbar nach dein Tode Heinrichs Raspe begab er sich in: Mai 1247 in den Oberlahngau und durchzog Hessen bis nach Hersfeld, Beziehungen anknripferrd, Schenkungen und Privilegien bestätigend. Kaum in seine Heimat zurückgekehrt, stirbt er int Februar des folgerten Jahres. Das vor: dem Gatten begonnene Werk nahm Sophie mit Klugheit, Undicht und Tatkraft auf, und ihr allein ist es zu danken, daß dem dreijährigen Söhnchen das Erbe gerettet wurde. Ohne Zögern mackste sie sich lvenige Wochen nach den: Tode des Herzogs auf den Weg nach Hessen, ergriff Besitz und ließ sich huldigen. Ueber den Umfang ihrer Ansprüche sind wir nicht genau unterrichtet, jedenfalls nahm sie nur Hessen, die Statthalterei des zweitgeborenen ludowingischen Prinzen, sowie die Wartburg mit Teilen der alten thüringischen Erbgrafschaft in Besitz. Die übri- gen thüringischen Mode hat sie Heinrich den: Erlauchten von vornherein überlassen. Heinrich hinderte ebenfalls Sophie keineswegs in der Besitzerareifuna. Das Verhältnis' beider zueinander war durchaus freundschaftltch, so freundschaftlich, daß Sophie, als im Jahre 1250 ihre Anwefertheit ir: Biabant nötig wurde, denr Markgrafen mit dem Schutz ihres Gebietes auch die Vor- nrundsck>aft über ihreck kleinen Sohn übertrug. Es war der gemeinsame Mainzer Feilst», der beide Parteiei: zusantmenbrächte. Das Erzbistum hatte großen Besitz an Land und Gerechtsten in Thüringer: und Hessen liegen. Sofort nach Heinrichs Raspe Tode traf Erzbischof Siegfried seine Vorbereitungen urst> leistete nun Heinrich den: Erlauchten bei der Uebernahme der Erbschaft ebenso heftigen Widerstand wie der Herzogin. In dem Bestreben, sein in Hessen zersprengt liegendes Land abzurunden und zu einem Territorium zu vereinigerr, ergriff er die Gelegenst, tue sich ihm mit beim Ajussterben der Ludowinger bot, die hessischen Krrchenlehcn, die vielleicht den größten Teil der hessischen Erbschaft ausnrachten, einzuztehen. .Heinrich nahm sich der Interessen seines Mündels ehrlich an rmd lvahrte s:e zugleich m:t seinen eigener:, begünstigt durch Sckstmerrgkeiten, in denen sich Erzbischof Gerhard augenblicklich defarst) Im Ottftädter, Vergleich vom 16. Mai 1254 setzte er >ur Hessen durch, daß jeder Streit un: die Mainzer Lehen bis zur Volljährigkeit des jungen Landgrafen ruhen sollte. Damit war Znt gewonnen zur Befestigung der brabantischen Herrschaft m Hessen, dre wegen Sophiens Eigenschaft als Tochter der heiligen Elisabeth im Laiche ohnehin volkstümlich war. Das gute Einvernehmen zio-ischen den beiden Erbparteier: dauerte noch über das Ende der Bormmchschaft hinaus an. Es äiiderte sich erst durch das Eingreifen des Herzogs Albrecht von Braunschweig, der mittlerweile der Schwiegersohn Sophiens gewvrder: war. Zweifellos hat diese unter fernem Einfluß ihre Ansprüche auf Thüringen gesteigert, die sie in Gegensatz zu dem Markgrafen brachten. Von dessen Seite rmirden ihr nunmehr auch Eisenach und die Wartburg streitig gemacht. Diesen Umschwung in den Verhältnissen benutzte Mainz, mn die Verfolgung seiner alten Ziele wieder aufzunehmen. Hier war im Jahre 1259 Werner vor: Eppen- stern auf den erzbischöflichen Stuhl gelangt, ein energischer Herr, der in Gegensatz zu seinem Vorgänger Gerhard nicht genullt war, um des Friedens willen Sophien gegenüber Nachsickst zu üben. Als d:e Herzogin seinem Verlange:: auf Herausgabe der Kirchen- lehcn keine Folge gab, ging er mit dem Bann gegen sie und den Zungen Lmstigrafen vor, Hessen belegte er mft dem Interdikt. Flir Sophie und ihren Sohn rvar die Lage bedenklich verändert. Zwar hatte sie den mächtigen Herzog von Braunschweig auf ihrer Sette, aber Mainz und Hessen ftarstrei: vereint gegen sie, ihr Land war Pon allen Seiten dem seindlicher: Angriff preisgegeben. . Wiederum wissen wir über die Vorgänge, die sich nun ab- spielten, nichts Genaues, aber Sophie, die immer rwch die Zügel der Regierung führte, trotz der Großjährigkeit des jungen Heinrich, gewann diplomatische Vorteile über ihren mainzischen Gegner. Es gelang ihr, eine solche Zahl lahngauischer und hessischer Edler zr: ftch herüber zu ziehen, daß der Erzbischof angesichts der starken Macht, die s:e ihrn gegenüberstellte, sich zu einem Vergleich entn schloß. Der Vertrag kam im Feldlager vor Langsdorf bei Lich zustande, im Septernber 1263. Ueber die Frage, wer den größten Erfolg hierbei davongetragen hat, sind neuerdings die Meinungen geteilt. Ich glaube aber, daß unter allen Umständen Hessen im Vorteil gewesen ist. Denn wer:n auch Hessen die mairnische Lehenshoheit anerkannte und zwei seiner seither freien allodialen Städte, Frankenberg unb Grünberg, dem Erzstuhl zu Lehen auftragen mußte, so hat Mainz doch seinen Willen nicht durchsetzen und der: Heimfall der Lehen nicht erzwingen können, und gerade darum ging der Streit. Mit einigen Ausnahmen, von denen einzelne Teste auch noch den: Spruch eines Schiedsgerichts unterworfen werden sollten, hat der Landgraf die von ihm beanspruchten Gebiete und Gerechtsamen behalten.. Im entgegengesetzten Falle wäre seine Sache für alle Zeiten verloren gewesen. . Im Oktober desselben Jahres wurde der Verbündete des Landgrafen, Herzog Mbrecht von Braunschweig, bei Wettin von dem Markgrafen von Meißen entscheidend geschlagen und gefangen genommerr. Nach fast einjähriger Gefangenschaft mußte er sich zu denr Frieden bequemen, der: der Sieger diktierte. Dieser Frieden ist zugleich das Ende des thüringisch-hessischen Erbsolgekrsteges. Zwar kennen wir nickst die Abmachungen, die zwischen Hessen und Meißen gesck)-affen wurden, aber das Ergebnis liegt vor: Heinrich von Brabant verzichtete endgültig auf alle Ansprüche auf Thüringen, einschließlich Eisenachs und der Wartburg. Ms Entgelt erhielt er einige von Braunschweig an Meißen abgetretene Städte, u. a. Mlerst>orf, Eschivege und Witzenhauseru Von welcher Bedeutung diese Errverbung für Hessen werden sollte, werden wir sofort sehe::. ' _ So wau es denn der Herzogin Sophie in einem fast zwanzigjährigen Kampfe geglückt, ihrem Sohn das heimische Erbe zu erkämpfen. Hessen war stir immer von Thüringen losgelöst unb zu einer selbständigen Grafschaft gewandelt. Eine selbständige Grafschaft war Hessen, aber staatsrechtlich rwch kein Fürstentum. Wohl hatten sich Heinrich urst> Sophie Landgraf und Landgräftn von Anbeginn an genannt, aber diesen Titel leiteten sie sich nickst von Hessen, sondern von ihrem Stammland Thüringen ab. Ich kann an dieser Stelle nicht aus die staatsrechtlichen Fragen, auch nicht auf Heinrichs Kampf um die Reichsfürstenwürde eingehen, es genüge zu wissen, daß er bis' zu denr Punkte, an dem wir stehen, nur Fürstengerwsse, int übrigen ein Dynast war, wie andere, ohne herzogliche Gewalt. Erft nach einem Menschenalter, in dem er sich unter fortdauerudcn Kämpfer» mit Mainz die 1263/64 errungene Stellung befestigen mußte, glückte ihm die Belehnung mit dein Fahnenlehen, die Erhebung in den Reichsfürstenstand durch König Wolf von Nassau am 11. Bkai 1292, unmittelbar nach der Thronbesteigung Adolfs. Die Verleihung erhielt er aber nickst auf Grund seiner hessischen Mlode, sorMern der im Frieden nüt Meißen erworbenen Reichsletzn Eschwege und Boineburg. Erst unter seinem Enkel Heinrich bl., i. I. 1373, tmrrde die Landgrafschaft Hesse:: durch kaiserlickren Mt zu einen: reichslehnbarer: unteilbaren Fürsterttum- erhoben» (Schluß folgt.) Max halbe. .(Zu seinen:' 50. Geburtstage, 4. Oktober.) Von Peter Ham echer. Vor zfoanzig Jahren war Halbe eir:en Winter lang durch die Gunst des Erfolges der erklärte König der modernen Richtung. Er hatte jenes wunderschöne, einzigartige Werk geschaffen: „Die Jugend", das plötzlich ir: der Düsternis des Naturalismus euren 616 Frühling erblühen lieh. Mer dieses Werk, dieser einmalige, glüäliclse Wurf, wurde sein Verhängnis. Er blieb der Dichter der Jngend. Und als er's nicht bleiben wollte, als er neuen Zielen znstrebte, stürzte das Publikum den, den es nach gestern erhoben. Tie Jugend ist für Halbe eine Hemmung geworden, die aut seine Entwicklung drückte. Etwas wurde in ihm dnrch diese Dinge gebrochen, das nie mehr heilen wollte. Seine Kraft rang mit jenem En folg. Aber er war der Tochter der „J'ugend" und blieb es. Halbes gerade nnd freie Entwicklung ist ein Opfer seines ersten Erfolges geworden, nnd zugleich ein Opfer der Zeit, in der er lebte. Prof. Litzmani: sagt in seinem Buche über das moderne Drama von der naturalistischen Bewegung der neunziger Jahre: „Sie hat auch das nrit dem Sturm und Drang gemein, da & sre ihre Wortführer schnell verbraucht uud verschlingt. Es ist ein atem- loses .Hasten vorwärts, und wer eben die Avantgarde, führte, ist nwrgen im Gros, übermorgen im Hinterttessen." In seiner „Insel der Seligen" läßt Halbe seinen Dr. Wiegand sagen — und dieses Wort klingt wie ein Bekenntnis —: „Lieber Dubsky, wir alle von unserer Generation, wir sind grenzenlose Verschwender gewesen! Wir sind als Revolutionäre nnd Weltverbesserer auf den Plan getreten! Jedes Geschlecht hat seine Aufgabe zu erfüllen! Unsere lvar es, Sturm zu laufe,: und Bresche zu legen: daß wir dabei am eigenen Glücke zu kurz gekommen sind, daß wir uns vielleicht vor der Zeit verbraucht haben... kein Wunder!" Es war Max Halbes Erkenntnis, daß er in eine Atmosphäre gestellt wurde, die seinem natürlichen Wesen nicht entsprach Er geriet in ein Tempo, in eine Ueberhitzung, die seine Kraft überspannte nnd schnell verbrauchte. Peter Hille hat ihn einmal auf die Formel gebracht: „dramatisch geheiztes Idyll". Er ist eine im Grunde gestrige Natur mit stillen Tränmerzügen, zart und lyrisch, den die Zeit aus sich berausgezwungen und mit sich selber in Widerstreit gebracht. Er hat Gegen war tprobleme in sein Bewußtsein ausgenommen. Aber sein Bestes ist nicht feine Modernität. Was an ihm fesselt und bestrickt, sind Elemente, die eigentlich unmodern sind. Den Erfolg seiner „Jugend" bedingte nicht der Konflikt in seinein An klingen an zeitliche Probleme. Er wurde hervorgerufen durch das eigentlich Poetische des Werkes: durch die Stimmung, die um das tragische Liebesidyll webt. Und ivo .Halbe reiner Stimmwrgsdichter ist, Lyriker, Idylliker, ist er wunderbar und von bezauberndem Reiz. Seine besten Dramen leben von diesem Clement. Schon im „Eisgang", der soziale und psyäw- logische Konflikte mit einer Naturkatastrophe in symbolische Beziehung bringt, ist dies zu spüret:. „Mutter Erde' ist ganz eingetaucht in den Dust der Scholle, der den Hei,Ehrenden betört und betäubt. Im „Sttom" singt das Wasser seinen brausenden Sang in das Leben der Menschen hinein. Das Beste in Halb« sind dies« lyrischen Elemente, imd er ist stark, wo die Heimat in ihnr spricht. Er ist im Grunde ein Mensch der Scholle, den das moderne Leben entwurzelt hat, und der nun keine neue Verwurzelung findet. Ties zeigt sich auch in der Wahl seiner Konflikte und in ferner Vdcnschengestalttmg. Immer lviederholt sich der Konflikt zwischen Heimat und Fre>nde, zwischen Altem und Neuem. Im „Eisgang" ist es die Loslösung von der Scholle. In „Mutter Erde" zieht der Bodeck den heimatlichen Flüchtling wieder an sich. In den „Heimatlosen" spricht der Dichter Gericht über die von ihren: Boden in die grundlose Großstadt Verschlagener:. Im „Haus Rosenhagen" zeigt er das Erwachen des Besitzgefühls und den Kamps um die Scholle. Seine Menschen aber sind fest kontnriert, plastisch und lebendig, soweit sie Menschen ihrer Erde sind; wo sie fest aus den: Boden stehen, in einer Luft, die mit ihnen ems ist, während seine modernen Menschen schemenhaft bleiben. Sie sind wurzellos, nick) so vernrag er sie in ihrem innerster: Wesen nicht m fassen. , Zwei Bestandteil« seiner Seele schaffen in Halbe die Problematik seiner Erscheinung: die Heimat, die das Gestern ist uiw die moderne Großstadt, bie^ das Heute bedeutet. Sie geb^r seiner Erscheinung das Schwankende, Tastende. Aber sie geben ihr auch den .eigenen, schmerzlichen, schwermütiger: Reiz, der über seinen, besten Sachen liegt; sic geben ihr den Ton, die Stimmung. Vermischte-. • V etter: aus Zettl, ngspapier. Der Krieg hat schon so manchen gute» Gedanken entstehen lassen, auf den mau im Frieden nie gekommen rväre. Es ist eine (Großtat deutschen Wesens, daß an seiner praktischen Anpassungsfähigkeit und nie versagender Erfindungsgabe alle schändlichen Pläne unserer Feinde zerschellten. Das ist im Kleinen so wie im Großen. Das Neueste irr dieser Hinsicht sind „Betten aus Zeitungspapier". Freilich, nicht um rveiche Daunen für verwöhnte Reiche handelt es sich dabei, sondern um einen Ers«tz für den not,vendigsten Bestandteil des Coldatenbeltes das Stroh. W« Stroh fehlte, hat man sich bisher, mn den müden Gliedern unserer Krieger eine halbwegs weiche Lagerstatt zu bieten, mit Holzwolle behslien: aber auch diese ist nicht immer zu haben und tut aubeewärtS gut« Dienste. In der nächsten Zeit mirb nun das Stroh weniger reichlich als bisher zur Verfügung flehen. Wir haben eine verhältnismäßig stroharme Ernte gehabt. Der Roggen stand nicht hoch und die Gerste gibt noch weniger an Stroh auS. Was da ist, wird zum größten Teil als Futter Verwendung finden. Nun beißt es, sich bet Zeiten nach einem guten, gesunden und in großer Masse vorbandenen Ersatz umsehen, damit die Bettsäcke unserer Soldaten nicht immer magerer und dünner werden und schließlich an Schwindsucht ganz dahinsiechen. Und da bietet sich als ganz vorzüglicher Ersatz ein von und trotz aller im Kriege erlernten Sparsamkeit noch nicht genügend geivürdigteS Hilfsmittel tar: das ZeitungSpapier. Tie Engländer haben den praktischen Wert dieser gemaltiaen Menge mit Druckerschwärze bedeckter Blätter, die wir achtlos beiseite werfen, schon lange erkannt. An der Spitze vieler englischer Zeitungen liest man die dringendeAuf- forderung, das Papier sorgfältig auszuheben und da und dort ab- zulicsern. Das Gleiche soll nun auch bei un8 geschehen, damit unsere Soldaten in diesem Winter weicher gebettet werden können. Durch eine kriegSininisierielle Berfügmig ist, wie wir hören, die Anregung gegeben, alles Zeitungspapier, soweit es in den Hans- haltungen entbehrlich ist, zu sammeln und den Garnisonverwaltungen der einzelnen Städte und Bezirke zu übergeben. TaS ZeitungS- Papier dient dann, in Schnitzel zerschnitten, als Ersatz für Lagerstroh; mit den Schnitzeln werden die Bettsäcke gestopft. Unsere Krieger erbalten dadurch eine weniger harte- nnd vor allein gesunde Lagerstätte, denn das lästige Ungeziefer, das im Stroh gern Unterschlupf sucht, meidet ja glücklicherweise das Papier. Also: Ihr Hausfrauen, und alle, die ihr ein warmes Herz für unsere Soldaten habt hebt jedes Stückchen Zeitungspapier aus und liefert eS an die Garnisoiwerwaltungen ab! Ihr helft dadurch mit, daß unsere Krieger nach den Mühen und Anstrengungen deS TageS eine hygienisch einwandfreie und gute Lagerstatt finden, um auSzuruhen und neue Kräfte für die heilige Sache des Vaterlandes zu sammeln! * A m u l e t t e bei den Türken. Diese werden ziemlich allgemein als Schutzlnittel gegen den bösen Blick getragen,, dessen Wirkungen in südlichen Ländern gefürchtet finb. Kinde?» insbesondere soll der böse Blick schädlich, ja rötlich sein können. Keine Mutter bringt ihr Kind inS Freie ohne Schlitz hiergegen, d. h. obiie Talisinail oder Tie türkische Legende führt de«: Talisiiiail auf die Zeit Mohammeds zurück. Die Talisrnane sind von verschiedener Größe. In der Regel sind es abgerlmdete, viereckige Plättchen von hartem Stein, Achat, Carneol, Jaspis usw. mit einem Bannspruch, der meistens auf Allahs Macht, Güte nnd Hilis- bercttschast sich bezieht. Die besondere Wirkung eines Talisman hängt von der Heiligkeit der Inschrist ab, oder er n:uß einem heiligen Scheich gehört haben oder a»§ Mekka gekommen und dort an den: schwarzen Stein der Kaaba gerieben sein. Ein wirksames Dtittel gegen den bösen Blick soll der Alaun abgeben, und gar oft wird ein kleines, glattes Stück, mit Oiiaslen verziert, obelr an der Mütze des Kindes befestigt. Alls dieselbe Weise und zu demselben Zweck wird eine Quaste mit kleinen Muscheln und Kügelchen gebraucht. Kamele und Pferde tragen stets eine Schnur »nit Glaskügelchen, Muscheln oder Steinche>: um den Hals als Schutz gegen das böse Auge. Dergleichen Zieraten sollen offenbar den Blick auf sich lenken und ans diese Weise beivirken, daß der Gegenstand, den sie zu schützen bestimmt sind, der Beobachtung lind dem Neide entgeht. Jedenfalls hält die türkische Mutter ihr Kind, das sie mit Amuletten geschmückt hat, geleit gegen alles Unheil. Der Fremde täte nicht gut daran, ein hübsches Türkenkind aus nächster Nähe freundlich anzuschauen oder zu bewnitdern. Entschlüpst ihm gar der unvorsichtige Ausruf: „Ne Gtizel tschodschuh 1“ (Welch süßes Kind!), so muß er, um das angestistete Unheil zu mildern, entweder das Kind anspucken oder mindestens ein Maschallah (wie Gott will) ansrllfen. Nimmt der Türke das Kind eines anderen uf den Arin, so sagt er: »Im Namen GosteS des Allbarm- ^rzigen, des Erbariners". Hiermit sind alle bösen Einwirkungen ^schworen. viichertisch. — Kürschners Bücherschatz. Der neueste, soeben er- schienerle 1027. Baiid der Sammlung bringt einen überaus iesseln- bett und spannenden Roman von Wilhelm Berger „Ebbe nnd Flut", der mit vollem Recht unter die besten Schöpfungen des bekarmtei: Erzählers einzureihen ist. Bei dem bittigel: Preise von 20 Psg. wird sich auch dieser Band von „Kürschners Bncherschatz" viele Freunde errverben und namerltlich viel an unsere in: Fetndeä- lande kämpfenden Truppen gesandt werden. Geographischer verschredrätsel. Sachsen — Berlin — Leitnieritz — Troppau — Wels — Pose,: — Mannheim. Vorstehende Namen sollen derart u,:tereinal:der geschoben werden, daß eine Bnchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, de» Namen eines Alpenpasses ergibt. .Auflösung in nächster Nummer. .Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer.: Bei guten: Wind ist leicht segeln. SLristleitung: Aug. Goetz. - RotatioilSdruck und Verlag der Briihl'schen UntversitätS-Buch-- und Etelndruckerei, R. Lgnge, Gießen