ur. 306 in g zweltes Blatt f e Erscheint kläglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Areis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Gene zei 6 fal⸗Anzeiger für Gberhessen 3 * Mittwoch, 20. dezember 10¹⁵ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Die Zerschmetterung Deutschlands. Bis in die letzten Tage hinein hat die feindliche Presse für die Zerstörung der Fabel gesorgt, als wolle die„Entente“ in ihrer Gesamtheit oder in einzelnen ihrer Teile die ver⸗ nunftgemäßen Folgerungen aus den Siegen der Mittemächte ziehen und den Regierungen des Vierbundes solche Friedensbedingungen anbieten lassen, welche unserer. ee Kriegslage entsprechen. Die beiden Lords im Oberhause sind in der Tat Prediger in der Wüste geblie⸗ ben. Und auch noch nach der Kanzlerrede vom 9. Dezember, in welcher die wahnwitzigen„Kriegsziele“ der„National Review“, des Daily Chroniele“, des„New Statesman“ usw. niedriger gehängt wurden, hat man es sich namentlich in zusammengefaßt:„... Wir müssen dafür sorgen, daß Deutschland außerhalb seiner und Oesterreich⸗Ungarns Grenzen jeder Macht verlustig geht. Erst wenn wir so weit sind, dürfen wir Frieden schließen in der beruhigen⸗ den Gewißheit, daß sich Deutschland in Zukunft ruhig ver⸗ halten wird; denn es liegt dann in unserer Hand, das Deutsche Reich bei der geringsten Beunruhigung unserer Verbündeten— da es nun keine Kolonien mehr hat, auf welche es sich stützen könnte— durch Zölle vollständig vom Handel der Alten Welt auszuschließen. Wenn wir die Leiden in Betracht ziehen, die Deutschland durch diesen von uns nicht herausgeforderten(1) Krieg über uns, unsere Verbündeten und viele neutrale Staaten gebracht hat, überschreitet die Strafe, nämlich die vollständige Vernich⸗ England angelegen sein lassen, an das siegreiche Deutschland ice der deutschen Herrschaft in Afrisa Asien und Ozeanien, Zumutungen zu stellen, die der psychiatrischen Forschung dankbarere Aufgaben darbieten als der Diplomatie Wieder e„Daily Chronicle“ die Unmöglichkeit eines Friedens etont, vor dem nicht Deutschland seinen Ehrgeiz nach dem Platz an der Sonne aufgegeben habe, währen uns in der letzten, hier vorliegenden„Times“ allen Ernstes die bedin⸗ gungslose Räumung der eroberten Gebiete angesonnen wird, wenn wir von England je wieder die Erlaubnis erhalten wollten, die deutsche Flagge auf der 3 155 See zu zeigen! Schon aus diesen kurzen Angaben aber ist ersichtlich, daß es 0 nicht um beliebige, unverantwortliche und deshalb be⸗ eutungslose Kundgebungen handelt, sondern daß es die angesehensten und einflußreichen Organe der britischen Oeffentlichkeit sind, welche mit dem gleichen Zynismus, wie vor 14 Monaten, ein Kriegsprogramm der schimpflichsten Erniedrigung und restlosen Zerstückelung der überfallenen Kaisermächte vertreten. Diese Tatsache in ihrer ganzen Un⸗ geheuerlichkeit festzustellen und immer wieder zu betonen, ist um so unabweislicher, als es bei uns bekanntlich Leute gibt, welche es mit Ehre und Gewissen vereinbaren zu können glauben, unser Volk in eine falsche Sicherheit zu wie⸗ en, welche einer papiernen„Verständigung“ ohne reale Machtunterlagen mit dem hinterlistigsten unserer Feinde das Wort reden und so die furchtbare Gefahr heraufbeschwö⸗ ren, daß Deutschland angesichts der ihm von allen Seiten 5 unvermindert drohenden Todfeindschaft in seinen An⸗ strengungen nachläßt, bevor es den vollen Sieg errungen 19 Denn diese Todfeindschaft weht uns wie aus den eng⸗ ischen, so auch aus den französischen und russischen Blättern entgegen. Gegen diese gefährlichen Umtriebe richtet sich eine kurze Zusammenstellung der feindlichen Kriegs⸗ Ziele aus der Feder von Dr. Josef Neumann unter dem Titel„Die Zerschmetterung Deutschlands— Die Kriegsziele unserer Feinde im Spiegel i eigenen Aeußerungen“. Natürlich ist es nicht möglich, den Inhalt der kleinen Schrift in dem uns gezogenen Rahmen erschöp⸗ fend zu skizzieren, zumal ihr Wert gerade in der lückenlosen 1 8 der feindlichen Kundgebungen amtlicher und nichtamtlicher, publizistischer und„wissenschaftlicher“ Art hinsichtlich der letzten Kriegsabsichten besteht. Wir wollen uns deshalb darauf beschränken, aus den drei Hauptländern der„Entente“ je eine Probe besonders 1 Art dem anzufügen, was bekannt und noch aller Erinnerung ist. So verdient neben die Aeußerung Lord Hitcheners:„Die Grenze des englischen Reiches in Europa ist nicht der Pas de Calais, sondern die Maß⸗ linie“, besonders ein Vortrag Sir Harry Johnstons vom 24. Februar 1915 in der„Royal Geographical Society“, also in einer rein wissenschaftlichen e gestellt zu werden. Sir Harry hat sein Kriegsziel im Schlußwort so cht die Grenzen des Christentums.“ Das nimmt sich, wenn man von dem blasphemischen Hinweis auf das Christentum absieht, fast noch bescheiden aus gegen die„Drakoni⸗ schen Friedens bedingungen“, welche Onesime Reclus in Paris unter dem lauten Beifall seiner Lands⸗ leute veröffentlicht hat. Danach bebommt England in Eu⸗ ropa von dem zerstückelten Deutschland die Insel Helgo⸗ land, das Protektorat über Hannover sowie Hamburg und Bremen mit dem dahinterliegenden Land. Lübeck steht unter russischer, Frankfurt, Mannheim und Essen unter französi⸗ scher Schutzherrschaft. Rußland erhält Ost⸗ und Westpreußen, Posen und Schlesien. Deutschland muß in zwei scharf von⸗ einander zu trennende nördliche und südliche Hälften ge⸗ teilt werden.„Die Hinrichtung Preußens“ besteht. in der Schaffung kleiner, zusammenhangloser Königreiche. „Es bleibt keine andere Armee als eine Polizeitruppe in jedem einzelnen der kleinen Staaten, es bleibt nichts von der Flotte übrig für all das Land, das an die Ost⸗ und Nordsee stößt.“ Fügt man dieser französischen„Friedensstimme“(die beliebig aus dem reichen Inhalt der Schrift herausgegriffen ist) als 117 7 5 Seitenstück z. B. noch die Programme Menschikoffs in der„Nowoje Wremja“, des Fürsten Abamalek⸗Lasareff, welcher 19„Leitsätze“ aufstellt, und des bekannten Dumamitgliedes Fürsten Svjato⸗ olk⸗Mirsky an, so erhält man wenigstens einen flüch⸗ tigen Einblick in das Kriegsziel der„Entente“. 1 Darum ist auf die immer anmaßlicheren Herausforde⸗ rungen des Vierverbandes nur eine deutsche Antwort mög⸗ lich. Es ist uns keine Wahl gegeben! Aus Stadt und Land. Gießen, 29. Dezember 1915. ** Jungvieh⸗ und Fohlenweiden des ober⸗ hessischen Landwirtschaftskammerausschusses. Machte sich im Vorjahre schon ein gesteigertes Interesse für die Jungviehweiden in ihrer Beschickung bemerkbar, so war solches im laufenden Jahre in ganz erheblichem Maße der Fall. Die An⸗ meldungen liefen in solcher Zahl ein, daß schon lange vor Melde⸗ schluß eine Vollbesetzung der Weiden festgestellt werden konnte. Nachste hende stellung ergibt ein Bild über die erfolgten Anmeldungen. ö Normgle ber eee 5 5 1 Bes 7 Fohlen 8 Rinder 8 3 stärke Stuten Wallache 8„. 95 5 Weiden mit ohne mit ohne 8 Fohlen Rinder Abstammung. Abstammung* Abstammung] Tiergarten 30 12028 33 9 229290 ͤ 175 2865 Wernings] 23 70 71 4 16 45] 10 35 45 Lauterbach 20 90 4 25 2 940 24 19 43 Zell 2¹ 75 5 24 2 F zusammen] 94 355[ 44 100[ 17 53 214[161 257 115 Kunst und wWissenschakt. — Prähistorische Funde im Schützengraben. 1 niemals sind so ausgedehnte Strecken europäischen Bodens in so gründlicher Weise durchgegraben und aufgewühlt worden, wie im Stellungskriege, der die Menschen unter der Erde Schutz suchen und leben läßt. Es ist daher keineswegs überraschend, wenn Gegenstände historischer und vorgeschichtlicher Zeiten, Toku⸗ mente vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende, die bislang ungesehen und unberührt im Schoße der Erde ruhten, aufgefunden und ans Licht gezogen werden. So wurden im Laufe der Kriegs⸗ monate, in den vielen Wochen, die in Polen und Rußland, in Flandern und Frankreich von den Soldaten in Erdgräben und Höhlen verlebt wurden, im Osten und Westen, zahlreiche kultur⸗ geschichtlich und historisch interessante Funde gemacht, die eine der wenigen kulturfördernden Begleiterscheinungen des Krieges darstellen. Wie einer von dem gannen vier L Fleisch g ne und ein Uhrmacher— die Räumungsarbeiten, die zur 85 a 5 prähistorischen Tagen an, der Bronzezeit. Auch Vergleicht man in vorstehender Tabelle die normale Besatz⸗ stärke der einzelnen Weiden mit den eingegangenen Anmeldungen, so findet man, daß beträchtliche Zurückweisungen von Fohlen und Rindern erfolgen mußten. Hier das Richtige zu finden, war eine schwierige Aufgabe, die den Vorstand in zwei Sitzungen beschäftigte. Bei der Zulassung der Tiere zum Weidegang und Berücksichti⸗ gung der Anmeldung ging man von dem Grundsatze aus, daß bei den herrschenden abnormen Verhältnissen ganz besonders die 2 cht in den Vordergrund zu stellen sei und darum in erster inie Stuten und Rinder mit Abstammung allen anderen voraus⸗ gehen müßten, bei den Fohlen aber infolge der allzu zahlreichen Anmeldungen sämtliche Wallache zurückzuweisen wären und int übrigen die Reihenfolge der Anmeldungen, wie solche für die einzelnen Weiden erfolgt, zu berücksichtigen seien. Von den für die Weide Tiergarten über die Besatzstärke der Weide hinaus⸗ 3 5 62. Fohlen und 145 Rindern konnten 88 e inder auf anderen Weiden überwiesen werden, während die Fohlen abgewiesen werden mußten. Die Eröffnung der Weiden erfolgte am 3. bezw. 5., 7. und 8. Mai 1915. Besatzstärke und Weidedauer der Provinzialjungviehweiden sind aus nachstehender Zusammenstellung ersichtlich. 88 Besatzstärke 8— 5 1 5—* 2 38 2 2 1 Weidner 3 der Weiden 88 8 S 6 8 8 88 5 855 ha St.] St.] St.] St. St. kg II Tiergarten 51 120 32 1 22 9503/5. 12/10. 162 Zell 288 73 24 14— 2 1175 8.5. 2,́10. 147 Lauterbach 39] 75 29— 12 9367. 1/10. 147 Wernings 34 67 24 14 2 902 5./5.] 28./ 9.146 Sd 152 J 335 IU 3 90 g. 5 Herkunft nach entstammten die Weidetiere folgenden eisen: N Fohlen Rinder „13 24 Kreis Alsfeld. „ Büdingen. „Friedberg 29 70 Gießen 260 110 i Lauterbach 46 „ Schotten 6 2 zusammen 109 335 Der Graswuchs hatte von Mitte April ab gut eingesetzt und im Monat Mai sich üppig entwickelt. Allein in der zweiten Hälfte des Mai merkte man schon, daß die Trockenheit im April und im Mai ungünstig wirkte. Als aber der Juni noch keinen Regen brachte, erfolgte Stillstand. Hierdurch wurde der Weidebetrieb sehr nachteilig beeinflußt, und es entstand die Frage, ob unter den obwaltenden Umständen ein Durchhalten des Betriebes möglich wäre. Zur Lösung dieser Frage trat der Vorstand des Ausschusses zu einer Beratung 8 Die Besprechung ergab, daß sämt⸗ liche Weide unter andarernden Trockenheit sehr litten, aut meisten die Weide in Tiergarten. Bei i und Zell war die Lage besser und für die Weide Lauterbach konnte ein län, Betrieb in Aussicht gestellt werden, da auf Ansuchen des 985 Kiepe zu Sickendorf, die Kuratortumsvorsitzenden eiherrlich von Ried ärte, eine größere A auch dem Ausf, „Oberverwalter eselsche Forstverwaltung sich bereit er⸗ 75 8 am beschlossen und 8 5. 5 15. i ierbesttern freigestellt, am 15. Juli achtung, den Tieren das Abweiden des dürren Futter⸗ kömmlich und nährend war, gab neue Hoffnung auf die Möglichkeit der Durchhaltung des Weideketriebes. Endlich im Juli und August erfolgten Niederschläge, wodurch ein üppiger Graswuchs entstand und die Aufrechter des Wei bis Ende September bezw. Anfang Oktober, ja bei Tiergarten bis zum 12. Oktober, ermöglicht wurde. Der 0 der Tiere war während der ganzen ide durchweg Auf der Weide Lauterbach wurden in der ersten Hälfte des einige Fohlen von leichter —. Münchener Kriegsbilder⸗Aus⸗ stellung. Aus München wird uns geschrieben: Die Leitung der Kgl. Graphischen Sammlung(vorm. Kupferstich⸗ Kabinett) hat ihrer im September eröffneten ersten Abteilung der Ausstellung von Kriegsbildern aus dem Bestande der Kgl. bayr. Staatssammlungen jetzt eine Fortsetzung folgen lassen, die am zweiten Weihnachtsfesttage der öffentlichen Besichtigung übergeben wurde. Sie umfaßt Kriegskarikaturen, Sinnbilder des Krieges aus sechs Jahrhunderten, sowie eine ungemein reiche Zusammenstel⸗ lung von Kunstblättern, die einem der drei Kriegsheiligen, St. Michael, St. Georg oder St. Barbara, gewidmet find. Die zwei Säle füllende Ausstellung steht ihrer Vorgängerin nicht nach, sondern bietet an Mannigfaltigkeit sowie in künstlerischer Be⸗ ziehung vielleicht noch mehr als jene. Die Karikaturensammlung enthält vorzugsweise moderne Zei gen, Radierungen, Holz⸗ schnitte und Lithographien, die zum Teil Zeitschriften entnommen find, wie dem„Wieland“,„Krieg und Kunst“,„Front“. Auch die „Liller Kriegszeitung“ ist da mit K. Arnolds„Der bayerische und der britische Löwe“ vertreten. Eine stattliche Reihe bedeutender Künstler haben, wie die Ausstellung bezeugt, ihrem Drang zur satirischen Behandlung der Deutschland erwachsenen Feinde Aus⸗ druck gegeben, und ein wahrhaft üppiger Ideenreichtum entsprießt den Gelegenheitsskizzen und auf tiesernstem Untergrunde basieren⸗ den Scherzbildern von Ad. Hengeler, E Pottner, A. Gaul, G. W. Rößner, E. Schilling, M. Liebermann und vielen anderen. Von älteren und alten Künstlern sind haupt⸗ sächlich die Personifizierungen des Todes, des Krieges als Furie oder als Herrscher, die apokalyptischen Reiter oder andere Ge⸗ stalten aus der Offenbarung St. Johannis verwendet. Wir finden da in Originalen und in vorzüglichen Reproduktionen, Entwürfe, wie F. v. Poccis„Der Ritter und der Tod“, von Erler „Das apokalyptische Wed“, P. Breug hel„Der Tod“, Peter Paul Rubens„Die Folgen des Krieges“, Dürers„Ritter, Tod und Teufel“ und seine apokalyptischen Reiter. Unter den Sinnbildern sind überaus fesselnde Entwürfe, die einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt alter und neuerer Meister geben, darunter M. Klingers„Der Krieg“, F. Goya's„Die Greuel des Krieges“, Erlers„symbolische Studien“, P. Breughels phantafievolle Zeichnung„Die großen Fische fressen die kleinen“ u. a. m. Die e ent⸗ stammen natürlich zumeist dem Mi 6„die Kgl. Graphische Sammlung birgt davon unerhört reiche Schätze, von denen die Austellung Proben enthält. Besonders die heilige Barbara und den Drachentöter St. Georg finden wir da in vielen Variationen, durchweg als Messtersch vornehmsder Zeichen kunst. — Der Altjahrsabend. In Schwaben redet man allgemein vom Altjahrsabend und nicht vom Silvesterabend. Wir haben hier eine Verdeutschung vor uns, wie wir sie uns schöner, besser und zweckentsprechender gar nicht denken können. Diese Bezeichnung stellt den letzten Abend des alten Jahres dar, an dem wir den Abschied von diesem fetern, in einem überaus ge⸗ lungenen Gegensatz zu dem Neujahrsmorgen, sowie zu dem ersten 7 Tage des neuen Jahres, den Neujahr. Man sollte überhaupt, so ichreibt uns ein Mitarbeiter, in der heutigen Zeit, in der sich * erfreulicherweise in weiten Kreisen unseres Volkes eine lebhafte Strömung für die Ausmerzung entbehrlicher, fremdsprachiger Aus⸗ drücke kundgibt, unseren Mundarten eine besondere Beachtung schenken, und man wird finden, daß sich dort schon längst eine große Anzahl gut deutscher Ausdrücke eingebürgert hat, während man in der Schriftsprache in diesen Füllen noch den fremd⸗ sprachigen Bezeichnungen den Vorzug gibt. Ist es z. B. nicht wunderhübsch, wenn man im Altenburgischen für„eine Idee (in der Bedeutung,„ein wenig“) ein Merkchen sagt, oder wenn man in Südtirol einen Egoisten einen Icher, in Bayern die Pupille(im Auge) das Kindl, im Elsaß das Karussell Ringel⸗ spiel, in Schwaben den Salon Prangstube und den Diakonus Helfer nennt? Die Schwülmer Mundart kennt überhaupt nicht die Bezeichnungen Portemonnaie, Petersilie, Etage, Gardine, Onkel, Tante, Kusin und Kusine, sondern sie sagt gut deutsch dafür: Geldbeutel, Grünwerk, Stock, Wohnung, Vetter, Base und Ge⸗ schwisterkind. Auch in der Berliner Mundart trifft man einige ausgezeichnete Verdeutschungen an, so den Ausdruck Bibber(von beben) für Gelee. Die Bezeichnung„Silvesterabend“ lt eigentlich eine Abkürzung für die längere Benennung„Abend des Silvestertages“ dar. Der heilige Silvester, der als Papst Silvester I. von 314—335 auf dem Stuhl Petri in Rom saß, hat mit dem, was wir als Silvesterfeier zu bezeichnen. pflegen, mit dem Abschied vom alten und mit der Begrüßung des neuen Jahres nicht das geringste zu tun. Der Heilige starb am 31. De⸗ zember 335, und die katholische Kirche ehrte W Heilig⸗ sprechung sein Andenken dadurch, daß sie ihn zum Kalenderheiltgen seines Todestages machte, wie dies auch bei fast allen übrigen Kalenderheiligen der Fall ist, deren Gedenktage nicht ihre Ge⸗ burtstage, sondern ihre Todestage sind. Der protestantische Ka⸗ lender behielt den Namen Silvester für den 31. Dezember bei. Jedenfalls hat für die heutige Zeit der Name Silvester jede Be⸗ zeichnung zu seiner ursprünglichen Bedeutung verloren, denn sonst wäre es nicht gut denkbar, daß man vom Silvesterpunsch, vom Silvesterkarpfen oder gar vom Silvesterball und Silvester⸗ unfug reden könnte. Die Neutralitätsvorschriften im Chica⸗ goer Opernhause. Die Direktion der Oper in Chicago hat einige Verhaltungsmaßregeln erlassen, um unter ihren Künstlern, die den verschiedensten Nationen angehören, einen Weltkrieg im kleinen zu vermeiden. Diese Verordnungen sind auch in allen Künstlergarderoben und hinter der Bühne angeschlagen worden, sie lauten: 1. Man diskutiere nicht über die Kampftüchtigkeit der verschiedenen Armeen, sondern schone lieber die Stimme fülr die Vorstellung, in der man singen soll. 2. Man beunruhige sich nicht darüber, welche Herrscher ihrer Throne verlustig werden, sondern denke statt dessen daran, sein Engagement hier nicht zu verlieren. 3. In den Vereinigten Staaten seid Ihr alle Waffen⸗ brüder, die für den Erfolg der Chicagoer Oper kämpfen. 4. Den Opernkrieg haben wir ohnehin. 5. Die Kunst fragt nicht nach Nationalititen, Ihr könnt also Eure Lungen schonen. 6. Schweigen ist Gold, außer beim Singen. Nur der Regisseur und der Dirt⸗ gent werden als Redner geduldet. 5 1— 5— . Druse befallen und man sah sich veranlaßt, um einer Verbreitung vorzubeugen und den Weideschluß nicht zu behindern, die ge⸗ funden Tiere am 21. September abzutreiben Die Verluste der Weiden betrugen 3 Fohlen und 3 Rinder. Von diesen entfallen 2. auf Tiergarten, 3 Rinder auf Wernings und 1 Fohlen auf terbach, während in Zell, wie auch im Vorjahre, ein Verlust nicht eintrat. Todesursachen waren bei den Fohlen Darm⸗ bezw. Lungen⸗ und Brustfellentzündung, bei den Rindern Darm⸗ entzündung, das Vorhandensein eines Fremdkörpers und bös⸗ artiges Katarrhalfieber. ö 5 Der Erfolg des Weideganges 1915 ist aus nachstehender Zu⸗ 5 sammenstellung ersichtlich: f. Gewichtszunahme[Gewichtszunahme Gesamter b Bezeich⸗ der Fohlen der Rinder Fleischzuwachs der 680882 8% 325 2 2 8 2 2 E Weiden E 3 8. IA K ks Ig l i Ig K lg ba ka Tiergarten 8 171 79 0,67] 12 269, 885 0,1450[1075J 121650258 Zell 7 109 61,4 0,43] 315075 5 0,52 1351 5683 7034251 bauterbacs 5 70 39,4 9.416 154 78 89,54 8555908 679074 Vernings] 2 120 47 0,3925(158 71 0,49 1038 4694 5732163 Von der Einrichtung einer Winterweide für 1915/16 hat man mit Rücksicht auf die bei der Durchführung der Winterweide 1914/15 bei der Futterbeschaffung entstandenen Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten absehen müssen, obwohl man bei anderen Verhältnissen den Wünschen gern entsprochen hätte. Landkreis Gießen. e. Leihgestern, 28. Dez. Ersatz⸗Res. Weißbindermeister und Maler Ph. Brück, der schon seit Ausbruch des Krieges in der Front und jetzt auf dem dritten Kriegsschauplatz weilt, hat die Hessische Tapferkeitsmedaille erhalten. k. Beuern, 29. Dez. Wiederum hat der Krieg ein Opfer aus unserer Gemeinde gefordert. Der Musketier, zuletzt Schütze, Wil⸗ helm Stein, 224. Res.⸗Inf.⸗Rgt., wurde am 11. Dezember in⸗ 3 folge Zusammensturzes eines Unterstandes verschüttet. Sein älterer 5 Bruder, der jetzt wieder in Rußland kämpft, war durch eine Minen⸗ 5 sprengung in Frankreich in die Luft geschleudert worden und mußte f lange Zeit im Lazarette an Augen und Herz behandelt werden. 5() Eberstadt, 29. Dez. Am 23. Dezember wurde hier der Veteran Holler zu Grabe getragen. Er war der älteste männliche Einwohner unseres Ortes und stand im 88. Lebensjahre. Als 20jähriger Soldat machte er im Jahre 1848 den badischen Feldzug ö mit. Aus diesem wichtigen Teile seines Lebens konnte Holler bis g in seine alten Tage hinein lebensvolle Schilderungen seiner Erleb⸗ 0 nisse geben; da er auch in seinem hohen Alter von seinem guten 8 Gedächtnis nicht im Stiche gelassen wurde. Bei allen Manövern, die sich in unserer Gegend abspielten, vechmete er es sich als eine besondere Ehre an, die Offiziere in seinem Hause zu bewirten. Zu diesen hohen Gästen zählt auch General v. Emmich. In hiesigem . Orte selbst erfreute sich der alte Veteran der Wertschätzung sämt⸗ licher Mitbürger. Der Verstorbene wirkte eine Reihe von 7 segensreich an der 1. Schulstelle und hat sich auch durch außeramtliches Wirken in der Gemeinde große Verdienste erworben. Ein längeres Leiden verursachte den frühen Tod des verdienstvollen Lehrers. * Echzell, 29. Dez. Ein Weihnachtsgeschenk in Form eines Anschlusses an die Elektrische Zentrale erhielten am 24. De⸗ zember die beiden Nachbargemeinden Bisses und Grund⸗ Schwalheim. Kreis Schotten. „* Schotten, 29. Dez. Für hervorragende Tapferkeit erhielt die sächsische Tapferkeitsmedaille und das Eiserne Kreuz der Reservist Merandon im Inf.⸗Rgt. 182. * Gonterskirchen, 28. Dez. Im Gräfl. Laubachschen Forstrevier Gonterskirchen wurde von Förster Georg Konrad Melchior am 28. d. Mts. ein Keiler im Gewichte von 180 Pfund geschossen. Hessen⸗Nassau. [Kirchhain, 29. Dez. Auch unsere Stadt hat sich jetzt ein Kriegswahrzeichen zugelegt, ein Kreuz, das mit einer entsprechenden Feierlichkeit im Saale des Gasthofs Zipfel am Bahnhof genagelt bezw. eingeweiht wurde. 0 Kirchhain, 29. Dez. Die Viehmärkte für das Jahr 1916 finden an folgenden Tagen statt: 11., 25. Januar, 32. Fe⸗ bruar, 21 Märö, 1. Arif, 9, 23. ai, 6, 27 Jun 11. 25. Juli, 22. August, 5., 21. September, 3., 17. Oktober, 14. No⸗ vember, 12. Dezember.— Füllenmärkte werden am 28. Juni und 2. August abgehalten ra. Biedenkopf, 29. Dez. Katasterkontrolleur Kürschner ist zum Sleuerinspektor ernannt worden.— Förster Hees⸗Dachsen⸗ hausen wurde die Förßerttelle zu Battenberg übertragen. ra. Aus Nassau, 29. Dez. Der Arbeiter P. Sturm, der vor einigen Tagen auf dem Zementwerk Zollhaus schwer ver- unglückte, ist im Krankenhause zu Limburg gestorben. Er hinterläßt eine Fran mit drei unerwachsenen Kindern. Frankfurt a. M., 29. Dez. Die Polizei verhaftete in der Person des 50jährigen Gärtners Ernst Büttner eien Kriegsschwindler. Mit dem Eisernen Kreuze geschmückt, besuchte er zahlreiche Familien, deven Söhne im Felde stehen und erzählte ihnen dabei die größten Kriegs⸗ und Heldentaten. Hier⸗ bei schwindelte er den Leuten alles mögliche ab, soviel, daß er seit September dieses Jahres davon in aller Sorglosigkeit sein Leben fristen konnte. Jetzt erst konnte dem falschen Ritter das Handwerk gelegt werden. 5 Nieder⸗ Marsberg, 29. Dez. Durch ein verheerendes Großfeuer wurden in Wallensen zwei große Bauernhöfe samt allen Erntevorräten eingeäschert. Auch zahlreiches Großvieh und das gesamte Geflügel kamen in den Flammen um. ul.. 29. Dez. Durch einen Posten des Offiziersgefangenenlagers ist ein besser gekleideter Herr fest⸗ 8 worden, der sich später als durchgebrannter riegsgefangener vom Limburger Lager entpuppte. ul. Hersfeld, 29. Dez. Oberlehrer Prof. Roßbach von Weilburg ist mit Wirkung vom 1. April n. J. ans hiesige Gymnasium versetzt worden. ie. Wiesbaden. rktbericht vom 27. Dez. Auftrieb: 528 Rinder(darunter 106 Ochsen, 30 Bullen, 392 Kuhr 5 Märkte. Viehhofma und Färsen), 811 Kälber, 85 Schase, 236 Schweine. Marktverlauf: Rinder lebhaft, ziemlich ausverkauft, Kälber, Schafe und Schweine bei regem Handel geräumt. 1 Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht⸗ 5 Ochsen. gewicht. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht⸗ 8 A wertes im Alter von 4—7 Jahren 7278 130142 Junge, fleischige, nicht ausgemaͤsteie und ältere ausgemäs tete Bullen.* Vollfleischige, ausgew. höchsten Schlachtw. 66—74 114—128 Vollfleischige füng err 0 60—66 105-114 Färsen, Kühe. Vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten ö Schlachtwertes: Vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten 5 Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 65-70 118130 Wenig gut entwickelte Färsen 65-72 114—128 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut 5 entwickelte jüngere Kühe 55-64 105—116 Mäßig genährte Kühe und Färsen„„ 40-55 80— 104 Kälber.. JFeinste Mastkäl ber 9 Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 78-87 131-149 Geringere Mast- und gute Saugkälber..„ 70-77 117129 Geringe Saugkälber..— 6 2—70 105—117 Schafe. Weidemastschafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel. 50—55,00 120125 5 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgew ict—.— Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 7893—.— Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendaswic ttt—.— Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgerset„129.00—.— —— Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise f am 27. Dezember 1915. Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gie ßen Ochsen 50 Kg. S ½ Kg. 120— 124 Pf. 124138 Mk. Kälber ½ Kg Schlachtgew. 119.143 Pf. ½ Kg. 120124 Pf. Schweine] ½ Kg Schlachtgew 78.129 Pf ½ Kg 150— 00 Pf. Getreidepreise in Wan nheim: Brotpreise in Gießen: 7* Nidda, 29. Dez. a Haingründau, 49. Lebensjahre stehende Lehrer Ludwig Metz zu Grabe getragen. 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