N Ur. 504 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonmags.— Beilagen: 3 wöchentlich 5 zwetmal wöchentlRreis⸗ blatt ft den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. wirtschaftliche deitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung l 2 Verlag, Geschäftsstellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gleßen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. les. Zabtgang Seleral Aztiger für Oberhesel Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Montag, 27. Dezember 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel ⸗ A jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeh; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Aeine Aenderungen der Lage auf den Uriegsschauplätzen. (TB.) Großes Hauptquartier, 24. Dezember. (Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Das feindliche Artilleriefeuer war stellenweise lebhaft, befonders in den Vogesen. Ein nächtlicher Handgranatenangriff gegen un⸗ 47 e nordöstlich von Souain wurde leicht abgewiesen. Die Stellung auf dem Hartmannsweilerkopf ist restlos zurückgewonnen, auch aus den Graben⸗ stücken auf dem Nordhange des Berges sind die Franzosen vertrieben. Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. f 4 Oberste Heeresleitung. . Hauptquartier, 25. Dezember. Amtlich 5 Westlicher Kriegsschauplaß. Westlich von La Basss e wurden die feindlichen gegen unfere Stellung vorgetriebenen Minenanlagen durch eine er⸗ folgreiche Sprengung unserer Truppen zerstört. Sonst hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Oestlicher Kriegsschauplatz. An verschiedenen Stellen der Front fanden Patrouillen⸗ gefechte ftatt. Russische Aufklärungsabteilungen, die an unsere Linie heranzukommen versuchten, wurden abgewiesen. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. 8 8 880 Großes Hauptquartier, 286. Dezember. Amtlich i Westlicher Kriegsschauplaß. Bei andauerndem Regenwetter war die Gefechtskätigkeit auf dem größten Teil der Front nur gering, lebhafter in Gegend nördlich von Albert, an einzelnen Stellen der . und in den Vogesen nördlich von Senn⸗ eim. f Oestlicher Kriegsschauplah. Deutsche Patrouillenunternehmungen in Gegend don Dünaburg waren erfolgreich. Stärkere russische Erkun⸗ dungsabteilungen wurden nordwestlich von Czartorysk und bei Berestiany(südöstlich von Kolki) abgewiesen. a Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. 4„. Der Lärm der Waffen hat während der Tage des zweiten Kriegsweihnachtsfestes wenn auch nicht ganz ausgesetzt, so ch weniger in die Klänge von Glocke und Lied hinein⸗ geschallt, als es im vorigen Jahre der Fall gewesen ist. Da⸗ mals bemühten sich namentlich Engländer und Russen an⸗ scheinend mit Fleiß, ihre Unabhängigkeit von der Auffassung des Festes des Friedens durch mehr oder minder geschickte, fütr die Festtage aufgesparte Ueberraschungen zu dokumen⸗ tieren Dabei holten sich allerdings die Engländer bei Festubert blutige Köpfe, und die Russen lernten in Ost⸗ preußen und Nordpolen die deutsche Wachsamkeit auch an Feiertagen in ähnlicher Weise hennen. Weiterhin waren da⸗ mals Galizien und besonders der Uszokerpaß die Schau⸗ plätze schwerster Kämpfe, und am zweiten Weihnachtstag mißglückte kläglich der e Vorstoß in die deutsche Bucht. Heuer nichts von lledem: Durchweg unveränderte Lage und schwache Gefechtstätigteit auf allen Fronten ist das Fazit, das aus den Nach 0 letzten Tage zu ziehen ist. Niemand wird die kurze und am Ganzen gemessen geringe Bedeutung der letzten Mitteilungen der Heeres⸗ leitungen bedauert haben: Größer als die Freude, die ein Erfolg unserer Waffen hätte auslösen können, mag die Genugtuung darüber sein, daß diesmal unseren Lieben, die gum itenmal die Weihnachtskerzen im Unterstand oder im dürftigen Quartier entzünden mußten, der brausende Atem des Krieges den milden Schimmer ihrer bescheidenen Weihnachtsfreuden nicht ernstlich auszulöschen versucht hat. Auch die Tagesberichte der egner wissen kaum etwas neues zu besagen; denn das französische Drehen und Winden um das Eingeständnis des Verlustes des Hartmannsweiler⸗ In* ö f 13 1 kopfs herum kann nicht als neu und itberraschend bezeichnet werden, und es ist nicht belangreich genug, als daß man auch die französischen Berichte nicht wieder mit einem Achsel⸗ zucken aus der Hand legen könnte. Lebhafter als die Kämpfe mit den Waffen sind die Aus⸗ einandersetzungen mit dem Wort geblieben. Das Saloniki⸗ problem ist seiner Klärung zwar um keinen Schritt näher gekommen, aber man muß annehmen, daß es der Gegenstand der gewichtigsten militärischen und politischen Erörterungen zwischen den Verbündeten nicht nur, sondern auch zwischen ihnen und Griechenland war und ist. Berücksichtigt man, daß den Alliierten seit dem 13. Dezember, da sie die griechi⸗ schen Grenze hinter sich brachten und Nutzen aus der deutsch⸗ lgarischen . Achtung vor der Neutralität eines kleinen! Stagtes zu ziehen begannen, die Möglichkeit gegeben war, in Saloniki zu landen und zu bauen, was ihnen notdünkte, so wird man verstehen, daß nicht nur das Problem der Neu⸗ tralität, sondern namentlich auch die Notwendigkeit unseres Zufassens von Tag zu Tag mehr in den Vordergrund treten. Dem Durchhauen dieses gordischen Knotens gilt denn auch so manches Schriftliche, was in der letzten Woche auf dem Balkan und darüber hinaus hin und her gegangen ist. Die zweite Ancona⸗Note Amerikas schlägt nicht nur einen ganz anderen Ton wie die erste an, sondern sie be⸗ deutet auch rein sachlich eine Schwenkung, im Grunde ge⸗ nommen sogar den Beginn eines mastletten Rückzuges. Maskiert deshalb, weil sie betont, die Forderungen der ersten Note„entschieden, aber ehrerbietig aufrecht zu er⸗ halten“, Rückzug aber, weil sie die Begründung der ersten Note— ein diplomatisch seltsamer Vorgang— einfach unter den Tisch fallen läßt. Denn die zweite Note stützt sich nicht mehr auf die in der ersten als maßgeblich e. genaussagen, sondern auf einen Bericht des österreichisch⸗ ungarischen Geschäftsträgers in Washington, den dieser an demselben Tage überreicht habe, als dem amerikanischen Bot⸗ schafter in Wien Burians Antwort zugestellt wurde. Diesen bisher unveröffentlichten österreichischen Bericht wird man vor einer endgültigen Stellungnahme abzuwarten haben. Schon jetzt aber kann man sagen, daß die amerikanische Re⸗ gierung übereilt handelte, als sie am 6. Dezember Forde⸗ rungen erhob, die sie jetzt auf einen Bericht vom 15. stützen muß. Mit Befriedigung wird man feststellen müssen, daß die neue Note keinerlei Drohung oder Befristung enthält, wie Reuter schon in die Welt posaunt hatte. Man wird also die Stellung der k. und k. Regierung mit Ruhe abwarten können, mit derselben Ruhe, mit der man immer noch einer befrie⸗ igenden Antwort Englands auf die unzähligen papiernen Proteste der Unionsregierung in Sachen des neutralen Han⸗ dels usw. usw. entgegensteht. 5 5 Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 24. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 24. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Angriffs versuche der Russen gegen Teile der bessarabischen Front wurden unter schtweren Verlusten für den Feind abgewiesen. g Italienischer Kriegsschauplatz. Der befestigte Raum von Lardarso und unfere Stel⸗ lungen am Brückenkopf von Tolmein wurden von der italienischen Artillerie heftig beschossen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei kleineren Unternehmungen der letzten Tage wurden gegen 600 Gefangene eingebracht. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, e en Wien, W. Dez.(WTB. Pichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: 25. Dezember 1915. 5 Russischer Kriegsschauplatz. Feindliche Kräfte, die sich nach dem gestern abgeschlage⸗ nen Angriffsversuch östlich von Rarancze nahe vor un⸗ seren Stellungen eingegraben hatten, wurden nachts über⸗ fallen und vertrieben. Zwei Maschinengewehre blie⸗ ben in unserer Hand. Sonst keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Das feindliche Geschützfeuer gegen einzelne Stellungen des Brückenkopfes von Tol me in dauerte tagsüber 1 5 5 Auf den Nordhängen des Altissimo wurde der Vor⸗ stoß einer italienischen Kompagnie abgewiesen. An allen übrigen Frontabschnitten verlief der gestrige Tag ruhig. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. a Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmatschalleutnant. 8 0 Wien, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: 26. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Im Sumpfgebiet der Polesie wurden an mehreren Stellen starke feindliche Auftlärungsabteilungen zurückge⸗ worfen. Sonst nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Annäherungsversuche gegen den Südteil der Hochflüche von Doberdo wurden leicht abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. 1 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs 1 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. e — f es lu. Die zweite Ancona⸗Note. Die Bedrohung Aegyptens. Berlin, 25. Dez.(Zens. Bln.) Der militärische Forre⸗ spondent der„Daily News“ schreibt: Seit der Zermal⸗ mung Serbiens und der Verräterei Bulgariens ist Aegypten ein verwundbarer Punkt in unseren Verbi mit Indien geworden. Die Besitzergreifung vom Su ez ⸗ kanal und die setzung von Kafro würde uns zwar keinen Todesstreich versetzen, da das britische Reich unüber⸗ windlich ist, solange wir unsere Seemacht behalten, aber doch entschieden einen schweren Schlag bedeuten. Wir unter keinen Umständen zulassen, daß er uns trifft, 5 wir würden unter seiner Wirkung taumeln. Solange wir einsehen, was der Kampf für uns bedeutet— wir sind ziemlich langsam gewesen, das zu tun— haben wir nichts zu befürchten. Lugano, 26. Dez. Ueber die Vorberei t zur Ver⸗ teidigung Aegyptens telegraphiert der Korrespon⸗ dent des„Secolo“ aus Kairo, da fortgesetzt große in Alexandrien gelandete Kontingente, die in der Haupt⸗ sache aus Australiern und Neuseeländern hen, auf das ganze Land verteilt werden General Maxwell habe die größten Gebäude Kairos für Militärzwecke be⸗ schlagnahmt, der Generalstab sei im Savoy⸗Hotel tiert. Ein Dekret Maxwells enteignet nötig sind, um die Bahnlinie Zagadic⸗Is malta e auszubauen, 1 i b. zwisch Suezkanalbahm, übri egyp S wichtig sei. 10 000 e an der Strecke. An der ägyptischen Westgrenze seien über Sollum auf den Binnenstraßen senussische Banden erschienen. Die englischen Militä 5 seien der Ansicht, daß die Senussen nicht über 5000 Mann zur Verfügung hätten, 6 die Mitud a 4 den Senussen stark e Der Groß⸗ Senusse versichere gebenheit, findet aber Amsterdam, 27. Dez. Wie aus London gemeldet wird, send bei dem Kriegsamt sehr 5 0 tamien und Aegypten An s übergegriffen. Die militärischen im Innern be Landes werden ref Wrrs dend d Sen ae die Fremdenkolonien wo sie unter 2 Schutz stehen Der Handel im aufgehört. hat fa st ganz Durch ein allgemeines Wafsenverbot will man dem sich breitenden Maffenschmucgel ein Ende machen. Die Muntttons. e 1 en ü i sigkei indischen und ägyp⸗ tischen Truppen Zweifel bestehen. 2 1* Die zweite amerikanische Ancona⸗Note. Washington, 22. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die zweite Note der We, Staaten an Oesterreich⸗Ungarn wegen des„Ancona“ Vorfalles lautet: Die Regierung der 15. d. Mts. in Wien überreicht und nach Washington telegraphiert wurde, erhalten. Am 15. Dezember berweice Buren Zwiedinek v. Suedenhorst, der Geschäftsträger der K. u. K. Regierung in Washington, dem Staatsdepartement einen Bericht des öster⸗ reichisch⸗-ungarischen Flottenkommandos über die Versenkung der „Ancona“, in zugegeben und solange sich noch Passagiere an Bord befanden. Das allein ist nach Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten genügend, um den nten des U-Bootes für die absichtliche Verletzung des anerkannten Völkerrechtes und der gänzlichen Außerachtlassung der Grundsätze der Humanität, welche jeder Kriegführende im Weltkriege beachten muß, verantwortlich zu machen. Angesichts dieser anerkannten Grundsätze erachtet sich die Re⸗ gierung der Vereinigten Staaten für berechtigt, die A icht aus⸗ zusprechen daß in der Frage der Versenkung der„Ancona“ weder das Gewicht, noch die Art der ergänzenden Zeugenaussagen, dur welche der Bericht des Flottenkommandos bestätigt wird, noch die Zahl der Amerikaner, die getötet oder verwundet wurden, die Ju 1 5 bilden. seht Falle fen Die Schuld Kommandanten in diefem Es ist eine unleugbare Tatsache, daß Bürger der Vereinigten Staaten durch sein ungesetzliches Auftreten getötet, verwundet oder in Ge⸗ fahr gebracht wurden. Die Bestimmungen des Völkerrechts und die Grundsätze der Humanität, die so durch den Kommandanten des U-Bootes verletzt wurden, find seit so langer Zeit und so allge⸗ mein anerkannt und vom Standpunkte des Rechts und der Ge⸗ rechtigkeit so klar, daß die Regierung der Vereinigten Staaten sich nicht veranlaßt fühlt, ste zu besprechen und nicht begreift, daß die Kaiserliche und Königliche Regierung sie in Zweifel zieht oder be⸗ streitet. Die Regierung der Vereinigten Staaten sieht sich deshalb genötigt, die Kaiserliche und Königliche Regierung für die Tat ihres Kommandanten verantwortlich zu machen und die entschieden, aber ehrerbietig gestellten Forderungen ihrer Note vom 6. Dezember zu wiederholen. Die Regierung der Ver⸗ einigten Staaten hofft von Herzen, daß die obige Erklärung ihrer Haltung die Kaiserliche und Königliche Regierung von der Recht⸗ mäßigkeit ihrer Forderungen überzeugen und daß diese in dem⸗ alle Grundstücke, die Saen denen uren feine Er. Vereinigten Staaten hat die Note Ew. Exzellenz über die Versenkung der„Ancona“, die am wurde, daß das Schiff tor pe⸗ diert wurde, nachdem die Maschinen gestoppt hatten 3 dche,ανα, Megtehiungen, wenge die Oevclliglell Slaaten veran⸗ Iaßten, die Forderungen zu stellen. 5 New York, 24. Dez. In Besprechung der zweiten Ancouga⸗Note der Vereinigten Staaten heben die amerikani⸗ schen Blätter nrit Nachdruck hervor, daß sie die letzte Stellung⸗ nahme Washingtons bedeutet und daß die Entscheidung nunmehr bei Oesterreich⸗Ungarn liegt. Die New Yorker Staats⸗ zeitung weist in einem englischen Artikel auf den Wunsch hin, der in der Note betont wird, die friedlichen Beziehungen aufrecht⸗ zuerhalten, und sagt: Das amerikanische Volk kann nur allgemein hoffen, daß der in Wien offen gelassene Weg eingeschlagen werden d. Ein beklagenswertes Ereignis als einen Krieg zwischen Oesterreich⸗Ungarn und Amerika, der vielleicht Deutschland in den Streit hineinziehen würde, könnte man sich kaum vorstellen. New Pork Herald sagt: Die Note ist nicht eine Botschaft an Oesterreich⸗Ungarn allein, sondern an die ganze Welt. „5 Der deutsch⸗österreichisch⸗ungarische Zusammenschluß. 8 Wien, 24. Dez. Dieser Tage hat eine aus mehreren Professoren der Wiener Hochschulen bestehende Deputation bei dem Ministerpräsidenten, dem Unterrichtsminister, dem Minister des Innern, dem Handelsminister und dem Minister des Aeußern vorgesprochen, um eine von 855 deutschen Hochschullehrern Oesterreichs unterzeichnete Er⸗ klärung zu überreichen, in der es heißt: 5 Die Unterzeichneten haben nach reiflicher Erwägung und eingehender Beratung der mit der Neuordnung nach dem Kriege zusammenhängenden Fragen die Ueberzeugung ge⸗ wonnen, daß ein enger unddauernder wirtschaft⸗ licher Zusammenschluß Oesterreich⸗Ungarns mit dem Deutschen Reiche durch eine möglichst weit⸗ gehende Annäherung und durch gemeinschaftliches Auftreten nach außen geboten erscheint, und zwar derart, daß daraus 57 dauernde Interessengemeinschaft hervor⸗ geht. Diese Erklärung ist von einem Begleitschreiben des Initiativkomitees eingeleitet, in dem es heißt: 5 Die deutschen Hochschullehrer Oesterreichs waren bei der Erwägung der Neugestaltung der Verhältnisse nach Friedens⸗ schluß allgemein davon überzeugt, daß die Neuordnung auf jene Kräfte zu stützen sei, die unser Vaterland vor dem Antergang zu bewahren vermochten und unter welchen das innige und verständnisvolle Zusammenwirken Oesterreich⸗ Ungarns und des Deutschen Reiches als entscheidend und unersetzlich sich erwies. Zur Sicherung des Errungenen ist die Erhaltung und Ausgestaltung dieses Zusammenwirkens erforderlich und bei Wahrung der Selbständigkeit der be⸗ teiligten Staaten auch möglich. Die wirtschaftlichen Fragen können für die weitere Sicherung und Festigung der poli⸗ tischen und kulturellen Beziehungen die Grundlage schaffen. * 15 Diese Kundgebung ist ein bedeutsames Merkmal der Ueberzeu⸗ gungen, die in den intellektuellen Schichten verbreitet sind und sich immer mehr vertiefen. Sie wird ein weiterer Anstoß sein, die Regierungen zu veranlassen, die aus dem Kriege sich ergebenden wirtschaftlichen Folgerungen zu ziehen und durch Gemeinschaft ochschullehrern tauchte vor kurzem Hochschullehrer zur Frage des und den der Vereinigung Deutscher Hoch⸗ besprochen. Diese Diskussionsabende, in denen auch f Naumann sprach, trugen dazu bei, den Gedanken in weiteren Kreisen der Hochschullehrer Wurzel fassen zu lassen. Es bildete sich ein privates Komitee von Hochschullehrern, das die Formulierung der Erklärung und die Sammlung von Unter⸗ schriften übernahm und sie in kaum sechs Wochen durchführte. Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Hochschullehrer— man dann von einem einstimmigen Votum sprechen— hat sich der Erklärung angeschlossen. Gegen neunhundert Herren haben i ebung unterschrieben, die übrigen waren infolge der micht zur erreichen. 0* Die bisherigen englischen Verluste. London, 24. Dez. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Verluste der Briten auf allen Kriegsschauplätzen bis zum 9. Dezember betrugen: an Mannschaften 119 923 tot, 338 758 verwundet, 69 546 vermißt, an Offizieren 7367 tot, 13 365 verwundet, 2149 vermißt. „„ Türkische Berichte. Konstantinopel, 24. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront. Artillerie⸗, Infanterie⸗ und Bombenkampf mit Unterbrechungen. erzielte gute Wirkungen gegen feindliche Truppen, die mit Ver⸗ schanzungsarbeiten beschäftigt waren, und zerstörte einen Teil der feindlichen Gräben. Am 22. Dezember näherte sich ein feindliches Torpedoboot den Gewässern von Ari Burnu, warf einige Granaten ohne Erfolg und zog sich dann zurück. Einige unserer Batterien in der Meerenge beschossen gestern bei Sedd⸗ül⸗Bahr die Ausschiffungs⸗ stellen von Tekke⸗Burnu und die benachbarten Boots hüufer. Sie verhinderten dadurch die Beförderung von Truppen, zerstörten sieben Schuppen und versenkten zwei beladene Boote. Die Zahl der bei Anaforta und Ari Burnu dem Feinde abgenommenen Geschütze hat sich auf 10 erhöht, und zwar 8 schwere und 2 Feldgeschütze. Eine Station für drahtlose Telegraphie fiel gleich⸗ falls in unsere Hände. Am 21. Dezember nahmen wir aus den zahlreichen an der Kitste gestrandeten Booten alles Verwendbare und zerstörten sodann die Boote.— Sonst nichts Neues. 5 Konstantinopel, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront macht die Umfaffungsbe wegung gegenüber dem bei Kut⸗el⸗Amara bedrüngten Feind von allen Seiten erfolgreiche Fortschritte. Die Be⸗ schießung der Stellung und der Vorräte des Feindes in Kut⸗el⸗ Amara hat gute Ergebnisse.— An der Kaukasusfront nichts Wesentliches, außer schwachem Feuergefecht.— An der Darda⸗ nellenfront hat unsere Artillerie am 24. Dezember vor⸗ mittags einen feindlichen Kreuzer, der sich dem Meerbusen von Saros zu nähern versuchte, dreimal getroffen, so daß der Kreuzer sich entfernte. Als am Nachmittage ein Kreuzer und ein Torpedoboot einige Granaten auf Kiretsch⸗Tepe, Buschuk Fomikli und Ari⸗Burnu warfen, traf unsere Artillerie einmal das Torpedoboot. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr beschoß unsere Artillerie die feindlichen Schützengräben vor unserem linken Flügel und richtete erheblichen Schaden an. Ein feindliches Flugzeug, bas wir bei Bir⸗el⸗Sabe herabgeschossen haben, wird nach emnigen Ausbesserungen von uns verwendet werden. Der Flugzeug⸗ führer wurde lebend gesangen genommen; es ist der französische Unsere Artillerie brachte drei feindliche Batterien zum Schweigen, L Italien und OGriechcaln-o. Athen, 26. 5(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Griechenland beauftragte seinen Gesandten in Rom, bei der italienischen Regierung einen freundschaft⸗ lichen Schritt zu unternehmen, um Umfang und Ziel der italienischen Unternehmung bei Valona kennen zu lernen. Die italienische Regierung gab die besten Versicherungen ab und erbat sogar die Mitwirkung Grie⸗ chenlands, um das begonnene Werk zu einem guten Ende zu führen. Nach Blättermeldungen werden die Verhand⸗ lungen zwischen beiden Regierungen fortgesetzt. Es besteht Einigkeit darüber, daß die bis zum heutigen Tage von. Griechenland in der Gegend von Valona erworbenen Lan⸗ desteile sichergestellt werden müßten. Die griechische Regierung gegen die Landung von Ententetruppen in Kawala. Sofia, 27. Dez. Bei der Eröffnung der Sobranje am Montag werden sämtliche Parteien die vorgelegten Gesetze ohne Debatte annehmen, die die Regierung unterstützt. Vor der Kammereröffnung werden die Parteien gesondert kleine Beratun⸗ gen abhalten. Der Führer der Agrarpartei, Dimitrow, be⸗ fragte Radoslawow Küber die Lage, um seine Kollegen ent⸗ sprechend unterrichten zu können. Radoslawow erklärte dem Ab⸗ geordneten, nach den Informationen, welche die bulgarische Re⸗ gierung erhalten habe, werde das griechische Kabinett die Lan⸗ dung der Ententetruppen in Kawala nicht zu⸗ lassen. Diesen Beschluß habe die griechische Regierung den Vertretern der Ententemächte in Athen mitgeteilt. Die Be⸗ ziehungen Bulgariens zu Rumänien seien zufriedenstellend. Griechisch⸗bulgarischer Zwischenfall. WB Sofia, 23. Dez.(Von dem Privatkorrespondenten des 5 Ein griechisch⸗bulgarischer Zwischen⸗ fall hat hier lebhaftes Bedauern hervorgerufen, da die bul⸗ garische Regierung bereits früher zu verschiedenen Malen bewies, daß sie gute Beziehungen zu Griechenland zu unterhalten wünscht. Die nähere Prüfung des Vorganges durch die bulgarischen Be⸗ hörden hat zweifelsfrei ergeben, daß keine Verletzung des griechischen Gebietes vorliegt. Das Verhalten der bul⸗ garischen Truppen war durchaus korrekt. Die hiesigen politischen Kreise glauben, daß durch die Aufklärungen, die die bulgarische Regierung der griechischen gegeben hat, der Zwischenfall erledigt ist und keine Trübung des bisherigen guten Verhältnisses beider Staaten sich ergeben wird. Der Zdischenfall entstand dadurch, daß bulgarische Truppen, die auf der Verfolgung der Serben das Westufer des Ochrida⸗ Sees von Norden nach Süden entlang marschierten, bei der Annäherung an Pogradetz, das am Südufer des Sees auf al⸗ banischem Gebiet liegt, von griechischen Truppen, von deren Anwesenheit sie keine Kenntnis hatten, mit Gewehr⸗ schüssen empfangen wurden. Die griechischen Soldaten, die von den Bulgaren gefangen genommen wurden, wurden von diesen wie Freunde behandelt und die Verwundeten wurden gut ge⸗ 2 5 was von dem Kommandanten des griechischen Postens in Leschnitze in einem Brief an den bulgarischen Befehlshaber bestätigt worden ist. Der Kommandant von Leschnitza hat ferner in diesem Briefe zugegeben, daß die Verantwortung für den Zu⸗ sammenstoß auf die griechischen Truppen zurückfällt. Als Beweis ihrer freundschaftlichen Gesinnung gab die bulgarische Regierung der griechischen bekannt, daß sie die Weisung zur Vermeidung derartiger Zwischenfälle von neuem eingeschärft bat. Auffindung wichtiger serbischer Dokumente. Sofia, 24. 112 75(WTB. erbischen Einem Blatte zufolge sind im Palais des serbischen ronfolgers lexander in Nisch zahlreiche wichtige Dokumente gefunden worden, darunter der umfangreiche Briefwechsel Alexanders mit gekrönte Häuptern, ferner einige Hand⸗ schreiben des Zaren. Unter den letzteren befindet sich ein Handschreiben, das die serbisch⸗bulgarischen Beziehungen und die Verhandlungen Bulgariens mit den Ententemächten betrifft. Die gefundenen Briefe, deren Zahl etwa 500 be⸗ trägt, sollen interessante Streiflichter auf die Rolle Ser⸗ biens vor Ausbruch des Weltkrieges sowie auch vor Beginn des serbisch⸗bulgarischen Krieges des Jahres 1913 werfen. Die deutschen Gefangenen in Rußland. Berlin, 26. Dez. Die Versorgung unserer Hrregsge⸗ fangenen in Sibirien, die von den deutschen Vereinen vom Roten Kreuz in Gemeinschaft mit den Organisationen der„Hilfe für kriegsgefangene Deutsche“, insbesondere deren Ausschüssen in Hamburg und Frankfurt a. M.— gegenwärtig in großem Maß⸗ stab durchgeführt wird, nimmt einen erfreulichen Fortgang. Drei ganze Züge mit Liebesgaben(warmes Unterzeug und Gebrauchs⸗ gegenstände, Uniformen, Decken und Stiefel) sind in Westsibirien, im wesentlichen nach Anordnungen der die russischen Lager be⸗ reisenden deutschen Schwestern vom Roten Kreuz von Irkutsk, Omsk, Tobolsk und Tjumen 3 verteilt worden. Nach Mit⸗ teilungen des schwedischen Roten Kreuzes, das den Transport der überwacht, hat ein vierter Zug am 9. Dezember Perm auf dem Wege nach Transbaikalien passiert; sein Inhalt wird voraussicht⸗ lich von Stretjensk aus zur Verteilung gelangen. Ein fünfter Zug ist am 7. Dezember von Petersburg abgegangen und ein weiterer Zug wurde am 11. Dezember im finnischen Hafen Mäntyluoto be⸗ laden Es darf also angenommen werden, daß die große Mehrzahl der Kriegsgefangenen bis zu Weihnachten in den Besitz der Liebesgaben aus der Heimat gelangt ist. Für die in Rußland zurückgehaltene deutsche Zivilbevölkerung sorgen neben den Reichsbehörden ebenfalls die vorerwähnten Wohlfahrtsver⸗ einigungen; auch der Verein für das Deutschtum im Ausland hat vor kurzem dem Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz für diesen Zweck 20000 Mark überwiesen. Eine umfassende Hilfe tut diesen Gefangenen um so mehr not, als die russische Re⸗ gierung es ablehnt, die f Kriegsgefangene geltenden internatio⸗ nalen Bestimmungen auf sie anzuwenden. ö Weihnachtsbotschaft des Papstes. (WTB.) Rom, 25. Dez.(Nichtamtl.) Meldung der„Agenzia Stefani“: Der Papst hob in sseiner Antwortrede auf die Adresse des Dekans des Kollegiums der Kardinäle zunächst hervor, daß auch in diesem Jahr eine trübe Wolke die glückselige Weih⸗ nachtszeit verhülle. In der Tat, sagte der Papst, wenn wir unsere Blicke nach benachbarten und fernen Gegenden wenden, sind wir von dem Anblick dieser Menschenschlächterei er⸗ schüttert. Und wenn wir im vergangenen Jahre unter ähn⸗ lichen Umständen die Ausdehnung der Wirkungen des furchtbaren Streites bedauerten, so müssen wir heute diemaßlose Hart⸗ näckigkeit beklagen, die durch mörderische Vorkommnisse noch verschlimmert wird, welche aus der Erde ein Hospital und ein haus gemacht und den anscheinenden Fortschritt der Zivilisation in eine Rückkehr zum Antiklerikalismus umgewan⸗ delt haben. Der Papst fügte hinzu, daß er mit wohlwollendem und väterlichem Geiste die Wünsche des heiligen Kollegiums für eine weniger unheilvolle Zukunft für den Papst, die Kirche und die Gesellschaft entgegennehme. Er empfange sie umso freudiger, als er den Wert der Gebete erkenne, welche das heilige Kollegium während des Wütens des Sturmes an jenen richte, der allein den Sturm beschwören könne Wie oft, fuhr der Papst fort, haben wir uns während unseres Pontifikats mit unserem Herzen zum Gebete als dem einzigen Heil geflüchtet. Als wir im Augenblicke der größten Erschütterung der Weltgeschichte Hauptmann de Cepon. Der andere Insasse, der englische Leut⸗ naut Lin tscher, ist tot. . 15 55 ur e der Kirche berufen wurden, gaben wir uns ssanng hin, un⸗ 1 väterlicher Wille nicht ohne Frucht für 1 unglück⸗ )) iebesgaben in Rußland leitet und die ordnungsgemäße Verteilung 5 lichen Kleuder bleiben wecoe. Letoer aber war bies vergeblich. Wah⸗ rend 16 Monaten fest in der Verfolgung unseres barmherzigen Zieles ausharren, sahen wir, daß unsere Tätigkeit zum größten Teile unfruchtbar blieb, und obgleich unsere Stimme sich vornahm, nicht zu schweigen, bis sie einen Widerhall in weniger harten Herzen gefunden, sahen wir, wie sie allzu häu⸗ fig ins Leere fiel, vor clamantis in deserto. Jeder Wille, jede Ab⸗ sicht, jedes Ideal zerbrach im Gegenteil an widrigen Umständen, und auch in dieser Hinsicht muß man erkennen, daß wir weng oder nichts vermocht haben. Gleichwohl ist unsere Zuversicht nicht erschüttert. Wir hegen im Herzen als Apostel der Völker eine große Hoffnung. Gegen alles menschliche Hoffen stellen wir unsere uversicht nur auf Gott. 0 Emmichs letzter Gang. Hannover, 25. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Dem toren Helden von Lüttich, General v. Emmich, wurde heute von der Stadt Hannover, deren jüngster Ehrenbürger er war, ein prunkvolles Begräbnis bereitet. In der Kuppelhalle des neuen Rathauses, wo der Sarg inmitten einer prächtigen Trauerdekoration aufgebahrt war, versammelte sich um die Mittagsstunde ein großes Trauergefolge. Der Großherzog von Oldenburg, Herzog Ernst August und die Herzogin Viktoria Luise von Braunschweig waren persönlich erschienen. Als Vertreter des Kaisers legte General von Linde⸗Suden einen mit weißen Rosen geschmückten Lor⸗ beerkranz nieder. Der Sarg war ferner mit Kranzspenden von dem König von Sachsen, dem König von Württemberg, dem Großherzog von Oldenburg, dem Herzog und der Her⸗ ogin von Braunschweig, dem Prinzen Heinrich und dem inzen Waldemar von Preußen, dem Erz 9 Friedrich von Oesterreich, vom 10. Armeekorps, von den einzelnen Regimentern, sowie von der Stadt Hannover und zahlreichen anderen Behörden und vielen einzelnen Persönlichkeiten We Unter dem Geläute sämtlicher Kir locken ewegte sich der Leichenzug, dem die zur Le parade befohlenen Truppen voranmarschierten, durch die von einer nach vielen Tausenden zählenden Menge besetzten Straßen der Stadt nach dem Aegensader Friedhof, wo die Stadt ihrem Ehrenbürger ein Ehrengrab bereitet hatte. Der Geistliche sprach et und Segen und die alve don⸗ nerte über das Grab als letzter Gruß für den tapferen General, der nach ruhmvollem Kampfe für das Vaterland die letzte Ruhestätte in heimatlicher Erde gefunden hat. 1 2 5* 5 1 Deutschlands und Frankreichs Eisenbahnen. Paris, 25. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Journal“ bespricht die Krisis im 1 Wagen verkehr infolge des sehr großen Wagenmangels, der teils durch die Wegnahme von 50 000 Wagen durch die Deutschen, teils durch die Er⸗ höhung des Verkehrs mit im Auslande gekauften Rohstoffen be⸗ dingt sei und eine allgemeine Lebensteuerung im folge habe. Das Blatt verlangt zur Verbesserung des Eisen⸗ bahnverkehrs eine teilweise und allmählich zunehmende Wieder⸗ einstellung gelernter Spezialarbeiter, da diese, besonders die jüng⸗ sten und leistungsfähigsten, eingezogen und an der Front sind. . Schlusse weist der Aufsatz darauf hin, daß in Deutsch⸗ and das Eisenbahnpersonal unberührt gelassen wurde, weshalb die deutschen Eisenbahnen ihre anf aber e erfül⸗ len, während es in Frankreich auf allen Linien bis zum Jahr⸗ gange 1909 und auf den Staatsbahnen sogar bis zum Jahrgau⸗g 1905 einschließlich zu den Waffen gerufen worden ist. Frankreichs Stimmungskrise. Paris, 26. Dez. Im Anschluß an die Enthülrungen Simyans im französischen Parlament über die Betrügereien und Unterschlagungen bei Heereslieserungen, Enthüllungen, die im Parlament und in der Presse ein weites o fanden, bringt „L' Eclair“ vom 18. folgende bewegliche Montor⸗ gueils:„Ist die Zeit vorbei, da man uns nur Erbauliches erzählen konnte? Ein epischer Hauch dur damals alle Be⸗ richte. Das Erhabene war Gemeingut. Es schien nur noch recht⸗ schaffene, wackere Männer zu geben. Der heroische Wind von der Front her hatte alle Sümpfe Wir atmeten die Luft einer gereinigten sozialen Atmosphäre.— Kurz war die Freude. Der irdische Mensch ist wiedererschienen in einigen seiner schlimm⸗ sten Abartungen, sich abzeichnend vom Hintergrund des Helden⸗ gedichts, das unsere Soldaten aus ihrem Heldenmut gewoben haben. Der a die gewohnte Bande der Schwindler Ausbeuter, Nutznießer hervorgebracht Das Vaterland ruft um Hülfe— sie bestehlen es. Sie sind die Vermittler der faulen Lieferungen: der Seitengewehre für die Schützengräben unt Krmngen aus Zink. Der Stiefel mit Papiersohren. Der Schaf⸗ felle, die so verfault zu unseren Soldaten kommen, daß sie weiter⸗ frieren müssen im Winterwind. Der verdorbenen Speisen, der unbrauchbaren Kleidungsstücke, der Schießvorrichtungen, die nur dem wehe tun, der sie W hide Dergleichen ist das gewohnte ache Pertsrencher daf bergelt ge 8 die Seeg den e Preiswucher verz„ die n nur das Geld entziehen, das er so nötig braucht wie das Blut.“ 8 N f Russischer Bericht. Kämpfe in Persien. 5 etersburg, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 25. Dezember: Westfront: Sechs Werst nordöst⸗ lich Buczacz wurde ein feindlicher Versuch, unsere vorgeschobenen Stellungen zu nehmen, abgewiesen. Bei Rarancze(7 Kilometer östlich Czernowitz), nahmen unsere Patrouillen ein feindliches Werk und machten 21 Gefangene; kräftige Wiedereroberungsver⸗ suche des Gegners waren erfolglos. Ka ukasusfront: An der⸗ Küstenfront südwestlich Chopa(35 Km. südlich Batum) nahm eines unserer Motorboote trotz heftigen Feuers von der Küste einen türkischen Segler in der Nähe von Atina(75 Km. südwest⸗ lich Batum) weg, der mit verwundeten und sieben bewaffneten Türken besetzt war. Auf eine zuverlässige Meldung hin, daß der Ort Rabat Keruem(40 Werst südwestlich Teheran) von einer Bande unter Führung von Fidai und dem bekannten Hisch⸗ mett und über 1000 Reitern besetzt sei, wurde eine Abteilung unter dem Oberstleutnant Belomestnoff in der Nacht zum 22 De⸗ zember dorthin gesandt mit dem Auftrage, die Bande zu überfallen und zu vernichten. Belomestnoff stieß bei Rabat Keruem auf zwei Bataillone Gendarmen, 500 Reiter und 200 Bachtiaren des Emirs Hischmett in von Natur starlen, gut ausgebauten Bergstellungen. Trotz heftigen feindlichen Feuers griff Belomestnoff den Feind nach Feuervorbereitung mit allen Kräften umfassend an. Der Feind wurde völlig geschlagen und zerstreut. Er verlor allein an nieder⸗ gesäbelten Leuten 118, darunter zwei Offiziere. N —— Der Seekrieg. Zwei englische Transportdampfer gesunken. Köln, 26, Dez. Die„Kölnische Zeitung“ erfährt aus bester Quelle, daß am 20. Dezember nachts vor Boulogne zwei englische Transportdampfer unterge⸗ gangen seien. f 0 1 Der„Argo“ ⸗Fall. Berlin, 26. Dez. Aus schwedischen Nachrichten geht her⸗ vor, daß das Gerücht aufgekommen ist, 1 die deutschen Tor⸗ bedoboote, die am 21. Dezember den schwedischen Dampfer Argo“ in den schwedischen Gewässern in der Nähe des Utlangen⸗ euchtturms angehalten haben, dies unter sch w edischer Flagge getan hätten. Ties Gerlcht ist, wie von zuständ Stelle mitgeteilt wird, falsch. Die Boote hatten 5 keine schwedische Flagge an Bord. 5 N Aus Stadt und Land. 3 Gießen, 27. Dezember 1915. Weihnachtsfeiern. In der Herberge zur Heimat. Trotz des Krieges und wohl gerade wegen der schweren Zeit hatten sich die Herbergseltern in der Herberge zur Hei⸗ mat für die einkehrenden Wanderer zu dem Weihnachtsfest diesmal besonders gut für die Bescherung am heiligen Abend gerüstet. In dem großen Versammlungssaal der Herberge umstanden wohl 40 ältere Männer den Tannenbaum, der im Lichterglanz schimmerte.„O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit“ erklang es im Chor als Einleitung zu dem Feste. ee Hofmann verlas das Evangelium der frohen Botschaft und hielt daran an⸗ knüpfend eine zu Herzen gehende Ansprache an die Her⸗ gäste, er erinnerte dabei die Leute an die eigene Ju⸗ gend, wo ihnen unter dem heimischen Dach die Liebe der Eltern den Gabentisch bereitet hat, er führte seinen Zu⸗ 6 75 7 vor, wie der Ernst des Lebens wohl manchen Men⸗ schen auf Abwege führen könne, wie viele, die es sich in der Jugend ganz anders gedacht, das Leben hin und her ge⸗ worfen hätte, daß aber das gnadenbringende Weihnachtsfest dazu angetan sei, den Menschen aufzurütteln zu besserem Tun in der Zukunft. Christus sei gekommen zu den Armen, den Mühseligen und Beladenen, um ihnen zu helfen, und wer an Gottes Sohn glaube, brauche nicht zu verzagen. Weihnachtslieder und Gedichte, vorgetragen von den Kin⸗ dern der Herbergseltern Loh, trugen dazu bei, die Weih⸗ nachtsfeier in der Herberge zu verschönern. Zum Schluß nahmen die Gäste an den sestlich gedeckten Tafeln im Saale Platz, wo jeder auf seinem Platz eine Gabe in Gestalt von Strümpfen, Zigarren, Tabak, Gebäck und Aepfeln vorfand. Ein kräftiges von der Herbergsmutter bereitetes Abendessen hielt die te bis zum Schlafengehen noch in fröhlicher Stimmung zusammen. Ein unbekannter Spender, der all⸗ jährlich durch eine Barsumme für die Weihnachtsfeier der Handwerksburschen sorgt, hatte diese auch heuer nicht ver⸗ gessen, ebenso hatten auch unsere Tabakindustriellen es sich nicht nehmen lassen, reichlich Zigarren und Tabak der Herberge zu schenken, so daß die Gäste, die am ersten Feiertage einkehrten, noch mit Rauchbarem bedacht werden konnten. Auch die Kleiderspende aus dem 135 iserer Bürgerschaft war gegen alles Erwarten recht reich⸗ haltig, so daß die Neueinkleidung der Wanderer am ersten Feiertage jeden einzelnen hoch befriedigt hat. Kleider machen Leute, meinte ein alter Stammgast der Herberge, indem er sich wohlgefällig von oben bis unten betrachtete und nachdem die Musterung beendet war, wohlgefällig hinzufügte, er komme sich vor wie ein Graf. Lachend meinte der Herbergsvater zu ihm, er solle sich nun aber auch wie ein Graf aufführen und seinem Anzug keine Schande machen. In den Kasernen. In den Kasernen ging es am heiligen Abend verhältnis⸗ mäßig ruhig her. Die Kompagnien waren durch die Weih⸗ nachtsurlauber stark gelichtet. Es waren auch nicht nur wie in Friedenszeiten junge übermütige Mannschaften, denen es galt, eine Weihna sbescherung herzurichten, sondern auch ältere Soldaten, die das harte Muß und die vater⸗ ländische Pflicht unter die Waffen gerufen hatte. Ernster als sonst war die Stimmung der Mannschaften, die dies⸗ mal am Weihnachtsabend in den Kasernen sich unter den hellbrennenden Lichterbäumen zusammenfanden. Weihe⸗ voll klangen die Weihnachtslieder in den Mannschaftsstuben, in denen der Feldwebel oder der Unteroffizier eine kernige 8 an seine Leute hielt. Dann ging es an die Ver⸗ teilung der Gaben, die durch die Kompagnien beschafft waren. Als dann die Zigarren oder das Pfeifchen in Brand gesetzt waren, kehrte bei der Mannschaft erst die rechte Stimmung ein. Auch in den Wachtstuben der Kasernen waren geschmückte Tannenbäume vorhanden. Landstürmers Weihnachtsabend. Nicht so durch Urlauber gelichtet wie die Kompagnien in den Kasernen, sind für die Festtage unsere Landsturmforma⸗ tionen in der Stadt. Zwar hat man auch hier ausgiebig Urlaub an die alten Soldaten erteilt, aber das Gefangenen⸗ lager und alles was damit zusammenhängt, bedarf der Be⸗ wachung und der Aufsicht. Auch für unsere Landstürmer brannte in der zur Kaserne umgewandelten Stadtknaben⸗ chule an der Nord⸗Anlage und im Barackenlager an der Kaiser⸗Allee, das der Volksmund mit Landsturmhausen be⸗ gei t, der Weihnachtsbaum und versetzte die Mannschaft in festliche Stimmung. Zwar mag es ja den Familienvätern. bitter weh getan haben, daß es ihnen durch den Dienst ver⸗ wehrt werden mußte, das Weihnachtsfest daheim mit ihren Familien begehen zu können. Aber man tröstete sich damit, daß Millionen Kameraden, die draußen in Feindesland . Pflicht tun, auch zufrieden sein müssen. Eins haben Landsturmleute vor den aktiven Mannschaften voraus Wer nämlich zu Weihnachten Dienst hatte, kann zu Neu⸗ jahr 8 Weib und Kind fahren und sich einige Tage von den Strapazen des Dienstes ausruhen. Die Provinzial⸗Siechenanstalt hat, wie alle Jahre, für ihre Insassen eine Weihnachts⸗ bescherung veranstaltet. In dem Frauenbau und in den Ba⸗ racken brannte überall der Weihnachtsbaum. Das Personal] Wei der Anstalt hatte einen Gesangschor gebildet und brachte die gegang Weihnachtslieder recht nett zu Gehör. Die Schwestern ver⸗ lasen das Evangelium der frohen Botschaft. Von der Pro⸗ vinz und für die alten Leute aus der Stadt Gießen waren von der Stadt die nötigen Mittel hergegeben, um den In⸗ validen der Arbeit passende Geschenke zu beschaffen, auch sonst hat es der Siechenanstalt an Gönnern in diesem Jahre nicht gefehlt, welche die Verwaltung in die Lage versetzt haben, die Weihnachtswünsche der alten Leute tunlichst zu erfüllen. In der Anstalt sind zurzeit, wie wir erfahren, etwa 400 Personen, die aus der ganzen Provinz kommen, unter⸗ 9 9 Der Männerbau ist als Lazarett zur Verfügung gestellt. Weihnachten im Provinzial⸗Arresthaus. Am Heiligen Abend gegen 5 Uhr versammelten sich zie Insassen des Provinzial⸗Arresthauses in dem Andachts⸗ raum der Anstalt, in dem ein mächtiger Lichterbaum brannte. Pfarrer Aus feld hielt eine der Feier des Tages ent⸗ sprechende Andacht. Der Feier, die in diesem Jahre etwas einfacher gestaltet war als sonst, wohnten sämtliche Beamten der Anstalt bei. 5 * * Amtliche Personalnachrichten. Der Groß⸗ bherzog hat am 24. Dezember ds. Is. dem Minister des Innern Friedrich von Hombergk zu Vach das Großkreuz des Ver⸗ dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.— Der Groß⸗ herzog hat dem Geheimen Oberbaurat Professor Karl Hofmann Frau zu Darmstadt das Ehrenkreuz des Ludewigs⸗Ordens verliehen. * Provinzialbirektor Geheimerat Dr. usinger und seine Gattin geb. Noll begehen heute das Fest ihrer Silbernen Hochzeit. f . Benzol. Wie uns vom Kreisamte mitgeteilt wird, können die Schwierigkeiten, die noch vor kurzem die hinreichende Versorgung der landwirtschaftlichen Betriebe mit Benzol zum Motorenbetrieb behindert haben, als behoben angesehen werden. Es besteht die Möglichleit, den Bedarf der Verbraucher zu decken, wenn dieser Bedarf rechtzeitig bei der Firma S. Cohen, Frank⸗ furt angemeldet wird, die den Benzolvertrieb der deutschen Benzol⸗ vereinigung in Bochum für den hesigen Bezirk in der Hand hat. * Hofkünstler Vellachin! kveranstaltet heute, 27. Dez., abends 8 Uhr, in Leibs Saal eine Vorstellung. Landkreis Gießen. lv. Londorf, 23. Dez. Friedrich Laub, der Sohn eines in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von hier nach Amerika ausgewanderten hiesigen Bürgers Justus Laub, sandte anfangs dieser Woche 160 Mark aus Amerika, zur Verteilung an die Hinterbliebenen und Angehörigen der von hier im Kriege ge⸗ fallenen und vermißten Krieger. Derartiges Helfen und Gedenken der Auslanddeutschen ihrer in der alten Heimat mit Not und Sor⸗ 1 25 ringenden Stammesbrüder verdient unseren vollen Dank und nerkennung. 5 r. ich, 27. Dez. Der kürzlich von hier als vermißt ge⸗ meldete Kwabe hat sich nun wieder gefunden. Er hat sich von hier nach Frankfurt begeben und hat Fort seine Mutter aufgesucht, die seine Pflegeeltern von seiner Ankunft brieflich in Kenntnis setzte. A Climbach, 26. Dez. Zum Leutnant der Res. im Inf.-⸗Regt. 118 befördert wurde der Lehrer Wilhelm Walter. Hf. Bersrod, 27. Dez. Während unsere Gemeinde am hl. Abend zum Gottesdienst versannmelt war, fiel ein. J flärker Regen, daß die tiefer gelegenen Teile des Dorfes unter Wasser standen. In manchen Wee Gene angerichtet. Die Kirchenbesucher konnten nicht. Me Use. Gestiefelte Männer, denen die Stiefel aber nichts nützten, trugen bald Kinder, Frauen und Greise durch die Le Flut. Beherzte Frauen patschten trotz der Eiseskälte des sers hindurch und nahmen dies Miß⸗ geschick mit Humor hin.— lnser Dorf beklagt das neunte Kriegs⸗ opfer. Ersatß⸗Reservist Christian Schwalb starb an einer im Schützengraben zum Ausbruch 1 Krankheit und wurde auf dem heimatlichen Dorf⸗Friedhof bestattet.— Wehrmann Karl Hofmann im Landwehrregiment 116, seit Beginn des Krieges im Felde, erhielt die Hessische Tapferkeits⸗Denkmünze.— Beim Baumfällen wurde dem Holzhauer Chr. Schwalb, als er einen Span sortwerfen wollte, die linke Hand fast abgehauen. Sie wird trotz der schweren Wunde wahrscheinlich erhalten bleiben.— Unser Bürgermeister Reuschling vollendete sein 73. Lebens⸗ jahr. Er verwaltet sein durch den Krieg erschwertes Amt in voller Rüstigkeit. ö 55 Kreis Büdingen. A Wolf, 27. Dez. Im Westen starb den Heldentod der Landsturmmann Wagner. a Wenings, 27. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Dragoner Kehm im Drag.-Regt. 23. Kreis Alsfeld. e. Homberg a. d. Ohm, 27. Dez. Dem Feldwebel Karl Born von Homberg a. d. Ohm, der seit Kriegsbeginn bei der 5. Kompagnie des Landwehr-Infanterie-Regiments 116 im Felde steht, wurde zu Weihnachten das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. 8 ö Kreis Lauterbach.. i Hörgenau, 27. Dez. Zum Unteroffizier befördert wurde der Lehrer Hofmann im Inf.-Regt. 116. Kreis Schotten. a Bobenhausen, 26. Dez. Das Eiserne Kreuz er⸗ hielt der Kanonier Appel im Feld⸗Art.⸗Regt. 66. . Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Wehrmann Stein. Kreis Wetzlar. F. C. Wetzlar, 27. Dez. Dem Bau⸗ und Sparverein, e. G. m. b. H., ist neuerdings zur Errichtung weiterer Klein⸗ wohnungen von dem Reichsamt des Innern aus dem Reichs⸗ e ein weiterer Betrag von 25000 Mk. zur Verfügung gestellt worden. ö ra. Krofdorf, 27. Dez. Das Winterhalbjahr ist die Zeit des Haushaltungsunterrichts für erwachsene Mädchen. Der Kreis Wetzlar ist bekanntlich bahnbrechend auf diesem Gebiete geworden, die Wanderhaushaltungsschule besteht hier nahezu zwei Jahrzehnte zum Segen seiner 80 Kreisgemeinden. Auch hier in Krofdorf weiß man diese fruchtbringende Einrichtung für an⸗ gehende Hausfrauen wohl zu schützen; zurzeit wird in unserer Gemeinde bereits der dritte Kursus abgehalten. Leider konnten die zahlreichen Bewerbungen, es hatten sich 36 Mädchen ge⸗ meldet, nicht alle berücksichtigt werden. Am 8 November wurde der Lehrkursus mit 24 Teilnehmerinnen unter Oberleitung der Kreis⸗ haushaltungslehrerin Fräulein Müller eröffnet und wird sich auf 7 Wochen, bis zum 8. Jannar, ausdehnen Ein zweiter Winterkursus ist für die Gemeinde Aßlar a. d. Dill vorgesehen, wo gleichfalls zahlreiche Anmeldungen vorliegen. ö 5 Hessen⸗Nassau. Wm. Kirchhain, 27. Dez, Der Obsterkös in diesem st beträgt im se Kirchhain 33 341.25 Mk. Von den Städten ht Kirchhain an erster Stelle mit einer Einnahme von 378.45 Mk., dann folgt Neustadt mit 2377.70 Mk. und Amö⸗ neburg mit 2200 Mk. Von den Landgemeinden steht Anze⸗ fahr an Stelle mit einer Einnahme von 2216 Mk., dann solgt Großseelheim mit 2111.20 Mk. und Allendorf mit 1841.40 Mk. Trotzdem der Kreis Kirchhain an Größenfläche und Einwohnerzahl zu den kleinsten im Regierungsbezirk zählt, beweist der angeführte, gesamte Obsterlös, daß der Obstbau gut efördert wird.— In der letzten Sitzung des landwirtschaftlichen vereins wurden 300 Mk. aus der Vereinskasse als Ost⸗ e für den Kreis Pillkallen bewilligt. 55 Vermischtes. Weihnachten in der Reichshauptstadt. a * Berlin, 27. Dez.(WTB.) Das Berliner Weih⸗ nachtsgeschäft, das im großen und ganzen den Blät⸗ tern zufolge recht gut abschloß, konnte durch den plötzlichen Witterungsumschwung am heiligen Abend nicht mehr wesentlich beeinträchtigt werden. Das Straßenbild war während der Feiertage ebenso wie der Verkehr Bahnen, den Gastwirtschaften, Theatern sehr stark von dem Feldgrau der Urlauber beherrscht. Die Eisenbahn hatte für den Zu⸗ und Abtransport der Feiertagsreisenden große Vorbereitungen getroffen. Viele Doppelzüge waren lange vor der Abfahrt besetzt. Eine Ehetragödie in Rom. Lugano, 27. Dez. Graf Fenaglio, ein bekannter Herren⸗ reiter und Rittmeister im Dragonerregiment Piemonte Reale, fuhr estern mit seiner Geliebten, der Gräfin Alessandri Salnucci, pazieren. Vor der Porta del Popolo überraschte der Gatte der Gräfin, der beiden in einem Automobil gefolgt war, das Gespann, tötete Fenaglio durch einen Revolverschuß und entstellte die Gräfin durch tiefe Messerstiche auf Lebenszeit. Alessandri, der mit seiner wegen Trennung der Ehe prozessierte, wurde verhaftet. * in den Seit „Die schlechte Behandlung im jranzösischen Heere. Während die Franzosen sich alle erdenkliche Mühe geben, die„Barbarei“ im deutschen Heere an angeblichen Beispielen und erfundenen Verichten darzutun, tauchen trotz der Strenge der fran⸗ zösischen Zensur in den Pariser Blättern immer häufiger und immer dringender schwere Anklagen gegen das französische Heer⸗ wesen auß, die die militaristischen Zustände in der vielgerühmten freien Republik in denkbar schlechtestem Licht erscheinen lassen. So bringt die„Humanité“ in einer ihrer letzten Nummern eine Notiz, die die Zunahme von Klagebriefen von, Soldaten aller Waffen⸗ und Truͤppengattungen in schwerster Weise betont.„Die Ver⸗ brüderung in den Schützengräben“, schreibt das Blatt,„von der man so viel spricht, scheint jedenfalls hinter der Front nicht in Blüte zu sein. Täglich erhalten wir aus allen Teilen des Landes Zusehriften von Kriegern, die sich ebenso bitter wie berechtigt über die verdammenswerte Behandlung und willkürliche Quälerei be⸗ klagen, der sie im Dienste ausgesetzt sind. Das Leben der franzö- sischen Soldaten erscheint so in vielen Fällen als. das denkbar traurigste und schmerzensreichste. So heißt es in einer Zu⸗ schrist; man gibt uns Nahrung, die sich nur für Schweine eignen würde. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 28. Dez. 1915: Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, Temperatur wenig Letzte Nachrichten. Die Bulgaren in Monastir. Lugano, 27. Dez. Der„Corriere della Sera“ meldet aus Saloniki: Nach Berichten aus Monastir ist dort ein bulgarisches Kommando eingesetzt und ein provisorischer bulgarischer Gemeinderat eingerichtet. Die jungen Bulgaren werden für das Heer eingezogen. Man sieht einige wenige deutsche Offiziere in der Stadt. Die deutsche Reiterschwadron, die mit den Bulgaren einzog, ist noch da. Am Ende der vergangenen Woche erschienen König Ferdinand und der Herzog von Mecklenburg in Monastir, die von den Truppen und der Bevölkerung herzlich begrüßt wurden. Räuberpolitik der Entente. Konstantinopel, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Agentur Milli. Der Vierverband macht Anstrengungen, die guten Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland zu stören und bedient sich dabei der Venizelospartei als Werkzeug. So kam am 5. Dezember eine Truppenabteilung, welche gegen eine Räuberbande ausgesandt war, die sich bei dem Orte Patritza auf der Insel Vonda gegenüber von Aiwalyk bemerkbar gemacht hatte, in ein Gefecht mit Banden und feind⸗ lichen Streitkräften, die von einem Motorboot und einem Ka⸗ nonenboot in der Bucht von Patritza gelandet worden waren. Bei diesem Gefecht, welches mit der Vernichtung der Banden und der feindlichen Streitkräfte endete, hatten wir einen Verlust von 8 toten Soldaten, acht verwundeten und drei vermißten, so⸗ wie von einem Toten aus der Zivilbepölkerung und fünf Be⸗ amten, die vermißt werden. Unter den Verwundeten befindet sich der Abschnittskommandeur. Dieser Vorfall zeigt, daß der Vier⸗ verband durch Vermittelung der Venizelistenleute, diesmal auch die Griechen an der osmanischen Küste des Aegäischen Meeres zu Verbrechen und Unruhen anstiftete in der Absicht, die guten Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei zu gefährden. Die Wahrheit über Saloniki. Berlin, 27. Dez. Der Korrespondent der„Boff 8 berichtet unter dem 25. Dezember aus Saloniki: Wenn die Eng⸗ länder sich auch bemühen, Saloniki„uneinnehmbar“ zu machen, so haben sie doch vorsichtigerweise auch in Betracht gezogen, daß die Notwendigkeit eines Rückzuges, eines beschleunigten Rückzuges, sich einmal ergeben könnte. Der Hafen von Saloniki würde den Ansprüchen nicht genügen und sie haben daher an einer 0 der 5 1 gelegt. Sie möchten in dem Falle auf Saloniki wohl ganz ichten, aber der große Hafen wird für die Verschiffung des 5 Ma⸗ terials stets unumgänglich notwendig sein. Gleichwohl muß ich die Meldung richtig stellen, die durch die deutschen Blätter gegangen ist, daß ßere Demonstrationen gegen die Entente stattgefunden 159 Aurch Offisterszusammenstöße ischen Militärs haben nicht stattgefunden, obwohl in diesen Kreisen die Stimmun i mehr recht, wer eigentli⸗ in Saloniki herrscht. Noch haben die griechischen Behörden das Heft in Händen und es ist nicht richtig, daß sie alles nach Wunsch der Eindringlinge machen. Die bulgarische Note an Griechenland. Chiasso, 27. Dez. Die Note, welche die bulgarische Re⸗ gierung dem griechischen Gesandten in Sofia vor einigen Tagen übermittelt hat, und in der die bulgarische Regierung der grieche⸗ schen Regierung vorschlägt, eine neutrale Zone an der ser⸗ bisch⸗griechischen Grenze einzurichten nahme von Bitolia und Ressen haben sich die bulgarischen Armeen der griechischen Grenze genähert. Infolge dieser Bewegung be⸗ fürchtet der bulgarische Generalstab, daß zwischen den Vorposten der genannten und den griechischen Grenzwachen 3 schenfälle an der Demarkationslinie entstehen könnten. Von dem Wunsche geleitet, jede Möglichkeit für derartige Zwischenfälle zu vermeiden, ersucht die bulgarische Regierung die griechische Re⸗ gierung, ihre Zustimmung zu der Schaffung einer neu⸗ tralen Zone an der griechisch⸗serbischen Grenze zu geben gleich jener, die jüngst an der griechisch⸗bulgarischen Grenze ein⸗ gerichtet worden ist und daß auch dort die Grenzwachen auf beiden Seiten auf Flintenschußweite von der Grenze zurückgezogen wer⸗ den.— Die Annahme 5 halten. 0 Russische Angriffe an der bessarabischen Front. Czernowitz, 27. Dez. An der bessarabischen Grenz- front, und zwar in den bewaldeten Grenzhöhen, unternahmen die Russen gestern nach Mitternacht einen äußerst heftigen Angriff. Mehrere starke Kolonnen schlichen sich im Schutze der Dunkelheit bis an die Drahtverhaue heran und versuchten sie zu durchschneiden, Kampf. Die Russen trieben, nachdem ihre ersten angreifen⸗ den Truppen aufgerieben waren, immer neue Kolonnen vor, die ebenfalls vernichtet wurden. Bis 6 Uhr morgens 3 wiederholten die Russen ihre Vorstöße mit erfolglosem Re⸗ sultat. Russische Truppenansammlungen in Finnland. Kopenhagen, 27. Dez. Aus Stockholm wird berichtete 1 ist, wie bereits berichtet, die telegraphische Verbin⸗ dung mit Finnle Meldungen von russischen Truppenansammlungen in ansammlungen stattgefunden haben. Man schätzt die Zahl der Truppen, die gegenwärtig in Finnland weilen, auf 200 000 Mann. Selbst in Hammerfors befinden sich starke Abteilungen. Unruhen in Petersburg. Stockholm, 27. Dez. In Petersbur Frauen der Gefallenen oder im Felde Ste zahlungsstelle von Unterstützungen der Hinterbliebenen versammelt, weil, wie die„Birshewija Wjedomostie“ berichtete, Gerüchte im Umlauf sind, daß die Regierung diesen armen Frauen die Unter stützung ganz zu entziehen oder zu kürzen beabsichtige. Bel diesem Zusammenlauf gab es viel Lärm und Geschrei, bis schließ; lich die Polizei einschreiten mußte. 222 haben sich 10000 ae „ lautet: Infolge der Un, Wi? Es entspann sich ein heftiger 2 Finnland wird bestätigt, daß in Finnland bedeutende Truppen⸗ 3 den vor der Aus⸗ f Gelegen beltshäfen an- 5 5 155 5 zwischen griechischen und eng⸗ gereizt ist Man weiß heute nicht . bulgarischen Vorschlages durch die grie⸗ esc Neateneng wird alleen wehr als wobec ge. and unterbrochen. Trotz der bisher gegenteiligen unterfertigten gemacht. Am 24. d. Mts. verschied nach langem, schwerem Leiden Schutzmann Ferdinand Link. Ueber 22 Jahre Amte an. Seine wird Giessen, am 25. Dezember 1915. Namens der Beamten und der Schutzmannschaft des Grossherzoglichen Polizeiamtes Giessen: Hemmerde, Regierungsrat. gehörte der Entschlafene dem trefflichen Charakter- eigenschaften und sein schlichtes Wesen hatten ihn uns zu einem lieben Mitarbeiter und Stets gedacht werden. guten Kameraden seiner in Ehren und Treue 9941 CARL. BERG-· GESSEN Schuhwarengschäft. Mäusburg Nr. 4 Anfertigung nach Maß Lager fertiger Herren- Damen- u. Kinder- stiefel · Einlagen für Senk- und Plattfüße Alleinverkauf der so beliebten Kinderstiefel Marke»Petto« Reparaturen werden prompt ausgeführt 4* 6 Zimmer im mittleren Stock, Garten, Bleichplatz, Gas, elektr. Licht, per 1. April zu vermieten. 06767 Ludwigstraße 24. 2 S Zimmer Sch. 5-Zim.-Wahn., Gas, Bad, Elektr. u. Zubeb, p. 1. April 1916 od. fr. z. verm. Näb. Bahn · keßatr., Beke Wolkeng. 27 I. 2 6 Schöneß⸗Zimmer⸗Wobng. T 1. April zu verm. Goethe⸗ straße 68. Näh. Part. 9871 18 Zimmer- e- Zimmerwohn. 3. 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