n Ter Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: biermal wöchentlich Gießener Familienblätter; wenal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitftagen Ferusprech- Anschlusse: für die Schriftlettung 12 Verlag, Geschäftsstelleöl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Hiessen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnununer Der Wechsel im (TB.) Großes Hauptquartier, 16. Dezember. 1915.(Amtlich.) 5 (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplaß. 995 Lebhafte Artilleriekämpfe und rege Fliegertätigkeit auf dem größten Teile der Front. 5 5 5 Bei Vail ly wurden zwei kleine Postierungen, auf dem Südufer der Aisne nachts von den Franzosen überfallen. Leutnant Immelmann brachte gestern über Valen ciennes das slebente feindliche Flugzeug, eine englischen Eindecker im Luftkampf zum Absturz. 5 Der vorgestrige Fliegerangriff auf Mu llhein. Baden) soll nach französischer Darstellung als Ziel di dortigen Bahnhofsanlagen gehabt haben. In deren Näh⸗ ist aber keine der geworfenen Bomben gefallen, dagegen wurde in der Stadt ein Bürger getötet, ein anderer verletzt Der rein militärische Schaden beschränkt sich auf die Zer— störung einiger Fensterscheiben im Lazarett. Oestlicher Kriegsschauplaß. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Russische Abteilungen, die nördlich des Dryswjaty⸗ Sees bis in unsere Stellung vorgedrungen waren, wurden durch Gegenangriff zurückgeworfen. 5 5 In der Gegend der Beresina⸗Mün dung brach ein Vorstoß des Feindes im Feuer unserer Infanterie zusammen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert. Nachts kam es zu kleinen Patrouillenzusammenstößen. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Bei Berestiany scheiterte ein feindlicher Angriff. Ein russisches Flugzeug mußte östlich von Luck im Be⸗ reich der österreichisch⸗ungarischen Truppen landen. Balkan⸗Kriegsschauplaßz. i Die Kümpfe in Nord⸗Montenegro wurden mit Erfolg fortgesetzt. Die österreichisch⸗ungarischen Truppen stehen nahe vor Bilelopolje. Oberste Heeresleitung. 5 Der Rücktritt des englischen Feldmarschalls French beweist, daß etwas faul ist im Staate Dänemark. Das Londoner Kriegsamt glaubte besonders klug zu handeln, wenn es erklärte, der General habe auf seinen eigene n Wunsch von Frankreich Abschied genommen. Aber es wäre weisellos viel unverfänglicher gewesen, wenn man Krank⸗ it und Unpäßlichkeit als Grund dieser„Veränderung“ angegeben hätte. Es ist immerhin möglich, daß so etwas durchaus Menschliches auch einem Feldherrn passiert, und auch ein solch bloßer Vorwand hätte nicht die Aufmerk⸗ samkeit erregt, die jetzt hervorgerufen worden ist, da es heißt, der Feldmarschall habe selbst gehen wollen. Warum eigentlich?, so fragt jedermann höchst interessiert. Was hat denn dem Alten nicht mehr gepaßt? Wenn auf dem Kriegsschauplatz in Flandern und Frankreich die Rose der Hoffnung noch blühte, wenn Aussicht bestände, die Deut⸗ schen zu verjagen und den Krieg auf deutsches Gebiet zu tragen, würde der aus dem südafrikanischen Krieg be⸗ kannte Reitergeneral wohl nicht die Flinte ins Korn ge⸗ worsen haben. Böse Kritiker, sein gespanntes Verhältnis zu Lord Kitchener, die 5 Mißerfolge bei der letzten englisch⸗französischen Offensive haben zusammengewirkt, um diesen Wechsel im Kommando herbeizuführen. Wie Niko⸗ lajewitsch nach den Katastrophen in Rußland verschwinden mußte, so soll ein neuer englischer Führer die schweren Nebelschwaden trüber Stimmung ein wenig beseitigen hel⸗ sen. Ganz besonders ist anzunehmen, daß bei den häufigen Kriegsberatungen, die in der letzten Zeit abgehalten worden sind, Mißhelligkeiten sich entwickelt haben. Die Franzosen mögen dem englischen Befehlshaber, der so wenig ihre Hoff⸗ nungen erfüllte, mit der Zeit immer ärger zugesetzt haben. Die mehrfachen Besuche von Mitgliedern der englischen Re⸗ gierung im Kriegslager Frankreichs haben keine Erfolge sezeitigt, aber wohl Bitterkeiten hinterlassen. Unsere Feinde ühlen allenthalben, daß bei ihnen etwas nicht stimmt, und 5 suchen die Fehler in der Führung, oder der Organisation ieser Führung. Aus diesen Gründen hat man ja auch den General Joffre„befördert“, und heute hören wir, daß dessen Ernennung auch in Italien einen Nachhall gefunden 155 Cadorna hat eine ähnliche Rangerhöhung wie Joffre kommen, und sie wird merkwürdigerweise damit begrün⸗ det, daß Herrn Joffre damit eine Stütze geschaffen werden solle Dieses lebhafte Drauflosorganisieren ins Blaue hinein ist ein für uns erfreuliches Zeichen der Zeit. Wir können ruhig warten, bis die Feinde damit zum Ende gekommen sind Gerade die sehr begründete Vermutung, daß alle die „Beförderungen“ Joffres, Frenchs, Cadornas im Grunde nur verkappte Kaltstellungen sind, da sie ihren bisherigen Feldherrnsunktionen mehr oder weniger enthoben werden, muß der inneren Unruhe in den feindlichen Lagern neue Nahrung geben. Der frühere holländische Kriegsminister General Staal gibt im Amsterdamer„Vaterland“ gleich⸗ falls der Ueberzeugung Ausdruck, Joffre sei in heit Sa 9 und 7795 5 über den französischen rer sagt, e wörtli ür den 11 .— Er 1 11 7 u. 1 e werden in Frankreich schon Stimmen laut, di if. daß man allmählich die Geduld verliert, und die 1 Kunktator⸗Praxis gebrochen werde. Mau wird sagen: die * General⸗Anzeiger 165. Jahrgang 2 brit Franzosen sind anscheinend der Meinung, daß Joffre nicht schul⸗ dig sei, denn er wurde zum Generalissimus ernannt und ihm ist die allgemeine Leitung aller Heere ge jeden. Das ist doch ein Beweis von Vertrauen! Es ist allerdings möglich, daß das der Fall ist. Aber es ist auch möglich, daß dies nicht der Fall ist und daß man, obwohl man der Meinung ist, daß es wünschens⸗ wert sei, einen anderen altlwen General an le ne Stelle zu setzen, eingesehen hat, daß man bei Joffre auf etwas Rücksicht nehmen muß, und zwar dieses: daß sein Name eine Parole geworden sst, die man in hohen Ehren halten muß! Wenn man Joffre einfach pfern würde, würde das auf das Volk und das Heer einen latastro⸗ »halen Eindruck machen und vielleicht eine Entmutigung wecken. die einheilvolle Folgen nach sich ziehen könne. Und darum ist es möglich ich sage nicht, daß es wirklich so ist), daß man seinen Namen um se⸗ en Preis als Parole erhalten will, daß man ihm zwar den Ober⸗ efehl im Westen nimmt, aber unter dem Vorwaude, er sei zu einem zöheren Posten berufen. Was wird der General in seiner höheren Stellung zu tun haben? Wird er irgendwo ein Bureau beziehen, um mit den Vertretern der anderen Mächte zu beraten? f a Der Held von Kimberley und Pretoria wird sichjeden⸗ falls aufs Altenteil zurückziehen. Ein Berliner Mitarbeiter ruft uns über ihn folgende Erinnerungen wach: French hatte sich seinen Namen im 9 gemacht durch die Kavallerieattacke am 15. Februar 1900, mit der er die Stadt Kimberley entsetzte. Auch seine Operationen gegen General Cronje, die Gefechte am Paradeberg sowie bei Pretoria am 10. bis 12. Juni waren für England so glücklich, daß French der berühmte“ Reitergeneral wurde. Nach Beendigung des Burenkrieges machte man ihn zum kommandierenden General des 1. Armeekorps, 1907 zum Generalstabschef. Die Londoner Tantam⸗ schläger riefen ihn beim Kriegsausbruch als den„englischen Häseler⸗ aus und er selbst hat den Mund mehrmals zum Selbst⸗ lob geöffnet, z. B. als er öffentlich erklären ließ, seine Soldaten seien Kopf für Kopf besser als die deutschen, sowohl im Gefecht als in Bezug auf die Ausdauer, und seine Geschütze seien eben⸗ falls besser als die deutschen. Diese„Feststellung“ ist es wahr⸗ scheinlich, die French jetzt die Würde eines Viscount einge⸗ bracht hat. *** f Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 16. Dezember 1915.„ Russischer Kriegsschauplatz. Im Gebiete des Korminbaches wies die Armee des Erzherꝛogs Josef Fe dinand einen russi chen Vorstoß ab. Südwestlich von Olyka wurde ein feind icher Flieger zum Landen gezwungen und gefangen. Eines unserer Flugzeug⸗ geschwader belegte die an der Bahn Miedwieze—Sarny liegende Eisenbahnstation Antonowka und den Bahnhof von Klewan mit Bomben. Die Aktion hatte Erfolg. Bei Klewan entstand ein Brand. Alle Flugzeuge kehrten trotz heftiger Beschießung unversehrt zurück. Italienischer Kriegsschauplah. An der Tiroler und an der Isonzofront fanden einzelne Geschützkämpfe statt. Im Flitscher Becken bemäch⸗ tigten sich unsere Truppen durch Ueberfall einer italienischen Vorstellung. 4 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen warfen gestern den Feind auch südöstlich von Glibaci in die Tara⸗Schlucht hinab. Andere öster⸗ reichisch⸗ungarische Kolonnen gewannen unter heftigen Kümpfen die Höhen unmittelbar närdsich„ iiesa⸗ podje und das Gelände halben Weges zwischen Rozaj und Berane. 5 Westlich von Ipek hat der Gegner den Rückzug gegen Pla und Gusinje angetreten. Die Zahl der gestern mitgeteilten Gefangenen erhöhte sich auf 900 Mann. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * 7* Der Rücktritt des Feldmarschalls French.“ London, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegs⸗ amt gibt bekannt, daß Sir Douglas Haig zum Nach⸗ folger des Feldmarschalls French als Befehlshaber in Frankreich und Flandern ernannt worden ist French wurde auf sein eigenes Ersuchen seines Postens enthoben und zum kommandierenden Feldmarschall der Truppen des Ver⸗ einigten Königreichs ernannt.— Ferner gibt das Kriegs⸗ amt bekannt: Seit Beginn des Krieges hat Ae French während sechzehn Monaten in ununterbrochener an⸗ gestrengter Tätigkeit unsere Armeen in Frankreich und Flandern mit dem größten Geschick befehligt. Er legt jetzt auf eigenen Wunsch das Kommando nieder. Die Regierung hat ihn in voller Anerkennung seiner hervorragenden Ver⸗ dienste und zum Dank dafür gebeten, die Stelle eines Oberstkommandierenden Feldmarschalls der Truppen des Vereinigten Königreiches anzunehmen. Feldmarschall French hat die Stelle angenommen. Der König verlieh ihm die Würde eines Viscount.(In einesn Teil der Auflage wieder⸗ holt.) Berlin, 17. Dez. Zur Beförderung von Sir John French schreibt Major Moraht im„Berliner e Man zu Recht oder zu Unrecht ihm in England Unfähigkeit vorwarf, soll jetzt nicht untersucht werden. Aber die„Morning Post“ ist nur eine Stimme unter vielen, wenn sie schreibt, daß der Krieg nur eine lange Reihe von Fehlern und 75 chlägen sei. Wenn man in Lon⸗ don entschlossene und fähige Männer sucht, so begehrt man sie nicht nur für die nach englischer Auffassung wichtigeren Sättel im Kriegsamt, sondern wünscht sie auch für die Sättel in Flau⸗ dern und N Die Offiziere des deutschen Heeres, welche der Spitze der britischen Armee nunmehr seit 17 Monaten gegen⸗ überstehen, werfen keinen Stein auf ihn. Ich hörte an der Front vie im belgischen und französischen Etappengebiet oft genug die Schätzung vor dem Gentleman heraus. Der Nachfolger des Be⸗ örderten ist als Führer in großen Kriegslagern ein Neuling. Nan darf in ihm wohl eine Wahl Lord Kitcheners erblicken.— In der„Täglichen Rundschau“ heißt es: Wir glauben einstweilen. daß der Wechsel im englischen Kommando kaum von 2 5 für Oberhessen bis zum Abend vorber. Rotatlonsdruck und verlag der Brühl schen Univ.- Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Heschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Beck, milie in Gießen. 1 Freitag, 17. Dezember 19¹⁵ Bezugsvrein monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pl.; durch die Post Mk. 2.30 viertel jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf. ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; sur Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H. 1 ben Oberkommando im Westen. wesentlichem Einfluß auf den Verlauf der kriegerischen Ereig⸗ zisse sein wird, denn die Mängel in der oberen Führung bei den engländern dürften weniger am einzelnen Manne liegen, als an em ganzen Geist und System. Heerführer im Sinne Deutsch⸗ lands nationaler Kriegführung sind dem Engländer sowohl seiner innersten Natur wie seinem Wesen nach ungemäß⸗ Deutsche Kriegsführung und Heeresleitung im Sinne nationaler Sammlung zu 87 grenzenlosen, 1 Hingabe sind dem englischen Kriegshandwerkertum fremd. 5 Sir Douglas Haig, der im Jahre 1861 geboren ist— — er ist neun Jahre jünger als Marschall French— ist wohl der bekannteste Truppenführer der englischen Armee in Frankreich. Nach der großen Septemberoffensive der Engländer und Fran⸗ zosen schrieb Marschall French in einem Tagesbefehl:„Ich will Sir Douglas Haig, sowie den Korps⸗ und Divisionsgenerälen, die während des Hauptangriffs unter seinem Befehl standen, für die treffliche Führung besonders danken.“ Eine Beförderung Cadornas. Berlin, 17. Dez. Wie das„Berliner Tageblatt“ be⸗ richtet, soll nach Schweizer Blättern Cador na zum Obe r⸗ befehlshaber sämtlicher italienischen Streit⸗ kräfte ernannt werden, um so der überragenden Stellung Joffres einen. Stützpunkt zu bieten. * Der bulgarische Bericht. Sofia, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der Bulgarischen Telegraphenagentur. Amtliche Mitteilung über die Operationen am 14. Dezember: Die Engländer und Franzosen sind auf griechisches Gebiet zurückgewor⸗ fen. Unsere Truppen befinden sich an der griechischen Grenze, 1 nachdem sie vorläufig die Verfolgung des Feindes eingestellt haben. An der ganzen 1 herrscht Ruhe. Wir nahmen dem Feinde 1234 Gefangene, darunter 18 Offiziere, und 14 Geschütze, 62 Munitionswagen, zehn 3 zweispännige Sanitätskarren und viel anderes Kriegsmaterial ab. Von nun an wird der Generalstab Be⸗ richte nur an jenen Tagen veröffentlichen, an welchen be⸗ deutende Operationen zu melden sind. Bulgarien und Griechenland. Sofia, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich Bulgarischen Telegraphenagentur. Nachdem die bulgarischen Armeen durch die Einnahme von Monastir und Resna in die Nähe der griechischen Grenze 1 sind, hat die bul⸗ arische Regierung, von dem Wunsche geleitet, jede Mög⸗ lichkeiten von Zwischenfällen zwischen Vorposten der bul⸗ garischen Armeen und griechischen Grenzwachen auszuschal⸗ ken, der griechischen Regierung den Vorschlag ge⸗ 5 macht, eine neutrale Zone dadurch zu errichten, da die Truppen je zwei Kilometer von der Grenzlinie zurück⸗ N Meldung der J gezogen werden. Seitens der hellenischen Regierung ist die 9 Antwort eingetroffen, daß sie den bulgarischen Vorschlag 2 enischen annehme, und daß der Kriegsminister den h. Behörden die nötigen Befehle erteilt hat, sich mi bul⸗ garischen Offizieren wegen der Errichtung einer neutralen Zone ins Einvernehmen zu setzen. 1 Die Vorgeschichte der feindlichen Balkanunternehmung. Bern, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Zur Geschichte bediene 1 der„ über die Fortsetzung der Balkan⸗ Expedition läßt si der„Secolo“ von seinem Pariser Berichterstatter folgendes 3 melden: Zu Beginn der Ausschiffung der Verbandstruppen zögerte England infolge des griechischen Protestes, während Frankreich selbst die Gefahr einer Ministerkrisis auf sich nahm und alle seine Truppen landete. Erst auf das Drängen Frankreichs schiffte England einige Kontingente aus. Ein französisch⸗englisches Zu⸗ sammengehen erschien jedoch wegen der Bedenken Kitcheners wenig sicher. Nach den Reisen Kitcheners und Denys Cochins, auf denen beide in ihrer Abneigung gegen das Balkan⸗Unternehmen bestärkl“ wurden, teilte die englische Regierung am 3. Dezember der Pariser Regierung ihren Entschluß mit, ihre Truppen loniki zurückzuziehen und anderweitig für die Verteidigung Aegyp⸗ tens Maßnahmen zu treffen. Die französische Regierung wies auf alle Gefahren hin, die aus einer Aufgabe Salonikis besonders für die französische Balkanpolitik entstehen konnten. Daraufhin trafen am 4. Dezember englische Minister, darunter Asquith, mit französischen Ministern, darunter Briand, zusammen, bei deren Beratungen jedoch kein versöhnender Ausweg gefunden wer⸗ den konnte. Alliierten statt. Gleichzeitig traf in London ein französischer Mi⸗ nister ein. Der Kriegsrat erklärt bereits in der ersten Sitzung, . einen un⸗ heilbaren Fehler bilden würde Ebenso fand der französische Mi⸗ London viele englische Kollegen, die seiner Anschauung beipflichteten. Daraufhin verlangte die französische Regierung, u London von neuem die Fortsetzung der Expedition, so daß schließlich am 9. Dezember Asquith, Grey und Kitchener nach Paris gingen, persönlich mit Tittoni verhandelten und alsdann mit Briand, Joffre, Gallien! u. a. berieten. Bei diesen letzten Besprechungen wurde endlich daß die Aufgabe der Balkan⸗Expedition militärisch nister in unterstützt von Italien und Rußland, in eine Verständigung über Soloniki und den Orient erreicht. ** * Der türkische Bericht. susfront nichts von Bedeutung.— An der Dardanellen⸗ front war der Feuerkampf, namentlich das Bombenwerfen, schwach im Vergleich zu den anderen Tagen. ben, ohne jedoch nennenswerte Ergebnisse zu erzielen. n Sa⸗ 1 Am 5. Dezember fand in Paris ein Kriegsrat den f b Nur bei Sedd⸗ül⸗ Bahr warf der Feind gegen unser Zentrum ungefähr 3000 Bom⸗ u der . Nacht des 15. Vezember wurden zwei feindliche Transportschiffe, die am Landungshafen von Art Burnu ausgeladen wurden, durch unsere Artillerie in die Flucht gejagt. Ein feindlicher Kreuzer, der ein Feuer gegen unseren rechten Flügel von Sedd⸗ül⸗Bahr eröff⸗ nete, wurde durch vier Geschosse unserer Artillerie getroffen; er entfernte sich auf die hohe See. Ein feindliches Flugzeug wurde gestern von unserer Artillerie heruntergeschossen. 5— unsere Militär- und Marine-Attachés in Washington. Washington, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus: Der britische 1 ist ermächtigt worden, Boy⸗Ed und von Papen be⸗ dingungslos freies Geleit einzuräumen. Die bei⸗ den Attachss beabsichtigen, am Dienstag mit dem Dampfer „Nordham“ abzureisen.— Die Vermählung Wilsons. Berlin, 16. Dez.(Privattelegramm.) Der„Berliner Lokal⸗ Anzeiger“ meldet aus Haag: Wil son heiratet am Samstag. Er gibt zwei diglomatische Festessen, so daß die Ver⸗ treter feindlicher Mächte nicht gleichzeitig eingeladen sind. Eine amerikanische Note an Frankreich. New Pork, 16. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Durch Funkspruch von dem Vertreter des WTB. Eine amerika⸗ nische Note, in welcher gegen das Vorgehen des fran⸗ zösischen Kriegsschi 110 5„Descartes“ gegen amerika⸗ nische Schiffe Einspruch erhoben wird, ist nach Paris ab⸗ egangen. Die Note fordert die sofortige Freilassung der se s Deutschen und Oesterreicher, die von Bord der Dampfer „Coamo“,„San Juan“ und„Carolina“ weggeführt wurden. Der neue schweizerische Bundespräsident. Bern, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die vereinigte Bundesversammlung unter dem Vorsitz des Nationalpräsi⸗ denten Engster wählte zum Bundespräsidenten für 1916 den bisherigen Vizepräsidenten Camille Dec oppet mit 185 von 188 gültigen Stimmen. Der neue Bundespräsi⸗ dent gehört dem Bundesrat seit Juli 1912 an, wo er als Nachfolger Ruchets gewählt wurde. Er stammt aus Suecvaz bei Pperdon und steht im Alter von 53 Jahren. Vor seinem Eintritt gehörte er lange dem waadtländischen Staatsrat an. Zum Vizepräsidenten des Bundesrates für 1916 wurde mit 180 von 187 gültigen Stimmen gewählt der Bundesrat Edmund Schultheß von Villnachern im Aargau, der eben⸗ falls im Juli 1912 als Nachfolger Deuchers in den Bundes⸗ rat eingetreten war. Der neue Vizepräsident ist 47 Jahre alt. Die Behandlung der Gefangenen. 1 Berlin, 16. Dez.(WTB. Amtlich.) Wie wir von Aunterrichteter Seite erfahren, hat die deutsche Regierung vor kurzem der russischen Regierung mitgeteilt, ie bereit, den russischen Kriegsgefangenen die Feier des Namenstages des Zaren am 19. Dezember 1915 zu gestatten, wenn in Gegenseitigkeit den n Kriegsgefangenen in Rußland freigegeben würde, den Ge⸗ burtstag des Deutschen Kaisers festlich zu begehen. Wenn den deutschen Kriegsgefangenen unter dieser Gegen⸗ seitigkeit ermöglicht würde, einen Tag ihres gleichförmigen traurigen Gefangenenlebens festlich zu begehen, so wäre das nur zu begrüßen. Aus dem Reiche. Der Zehnmilliardenkredit im Reichstagsausschuß angenommen. Berlin, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Nach⸗ tragsetat, der den Reichskanzler ermächtigt, zehn Mil⸗ liarden Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen, ist heute abend vom Hauptausschuß des Reichstages ohne Widerspruch angenommen worden. Eine neue Bundesratsverordnung über Bereitung von N Kuchen und Süßigkeiten. N Berlin, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bundesrat bat am 16. Dezember eine Verordnung über die Bereitung von Kuchen, sowie eine Verordnung über die Herstellung von Süßigkerten und Schokoladen erlassen. Die Ver⸗ ordnungen bezwecken eine Vorratsstreckung von Eiern, Sveise⸗ fetten, Pitter, Milch und Sahne. Für die gewerbliche Herstellung 0 5 Kuchen, wer he 110 ane Rensen ordert über die Zusammensetzung des Teigs 1 assen gegeben; die gewerb⸗ liche Herstellung von Backwaren in siedendem Felt, Baumkuchen, Fettstreußel und Eiweiß⸗, Fett⸗, Milch⸗ und Schneecremen ist verboten. Als Triebmittel ist Backpulver gestattet, Hefe wird ver⸗ boten Die Hausbäckerer wird an sich von der Verordnung nicht betroffen, das Ausbacken von Teigen und Massen, die nicht n. Betrieben hergestellt sind, wird aber für ge⸗ werbliche Betriebe verboten. Für Keks⸗, Zwieback⸗ Honig⸗, feffer⸗ und Lebkuchenfabrifen, die von der Reichsgetreibe⸗ stelle mit Getreide oder Mehl beliefert werden, gelten e Vorschriften und die Verordnung nicht, da mit ihnen von der Reichsgetreidestelle bereits ähnliche Abmachungen ge⸗ troffen worden sind. Die Sußigkeitsverordnung gestattet den ge⸗ erbli. Betrieben, in denen Süßigkeiten vertrieben und her⸗ gestellt werden, für das Jahr 1916 nur noch die Hälfte der Zucker⸗ menge zu Süßigkeiten zu verarbeiten, die sie vom 1. Oktober 1914 bis 30. September 1915 hierzu verarbeitet haben. Milch, Sahne und Fett dürfen zur gewerbsmäßigen Hersellung von Süßig⸗ keiten und Schote lde nicht pen werden.— Der 8 rat ferner eine Vero über Zeitungsanzeigen erla wonach in periodischen Druckschriften Angebote über Ge⸗ ge 1 des tägli Bedarfes, insbesondere Naben und suttermittel aller Art, sowie rohe Naturerzeugnisse, Heiz⸗ und euchtstoffe, Düngemittel oder Gegenstände des Kriegsbedarfs nicht angezeigt oder eingefordert werden dürfen. l Die Versorgung der Kriegsbeschädigten. Berlin, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Bei der Be⸗ rechung der Besoldungs⸗ und Rentenfragen im aupt⸗ a ler des Reichstages erklärte der stell vertretende Kriegs⸗ nister die unterstellten Kommandos seien angewiesen, den Kriegsbeschädigten bei der Aufnahme der Berufsarbeit nicht gleich die Rente zu kürzen. Auch solche Kriegsbeschädigte, die bisher cht in militärischen Betrieben waren, sollen Au ahme finden. würde ihn freuen, wenn sich viele melden würden Gesetzent⸗ ürfe betreffend Versorgung und Ansiedlung der riegsbeschädigten seien in Vorbereitung. Gegenüber der 75 einer Aenderung der Grundsätze bei der Renten⸗ abmessung betonte der Staatssekretär des Reichsschatzamtes die chwierigkeiten einer alsbaldigen Aenderung der Kriegs versor⸗ . Er verwies auf seine früheren Aeußerungen hierzu. 5 endgültige Ordnung sei erst nach Friedensschluß möglich wenn die finanzielle Gesamtlage im Reiche einigermaßen über⸗ sehbar sei. Die Reichsleitung 1 0 0 5 sei sich darüber klar, wie wichtig die en der e sei, die um jeden Preis eder lebendige Glieder unserer Volkswirtschaft werden müßten, 5 deshalb, weil es nach dem Kriege sehr an Arbeitskräften für ie große volkswirtschaftliche Wiederherstellungsarbeit fehlen werde. Weeiter bemerkte der stellvertretende Kriegsminister, daß es nicht Grundsatz sei, einen Anstellungsschein an die Mannschaften zu 5 1 2 5 aber er könne gegeben werden. Man wolle sie nicht in die . e. schabsoten der langen Wartezeit. sei es, wenn die Krieg ädigten ihren alten oder einen ähnlichen Beruf ergreifen würden. 9 3FCCC CCC Berlin, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Auf Ver⸗ anlassung der Vereinigung deutscher Ueber⸗ seer, Sitz Frankfurt a. M., ist von einer großen Zahl inter⸗ essierter Firmen dem Reichskanzler folgende Eingabe über⸗ sandt worden: Die unterzeichneten Ueberseefirmen halten es zur Wahrung des deutschen Ansehens im Auslande für erforderlich, daß die feindlichen Mächte im Frie⸗ densschluß gezwungen werden, überall da, wo das Ansehen des Deutschtums in deutschen und fremden Kolonien mit direkter oder indirekter Unterstützung der feindlichen Behörden durch entwürdigende Behandlung Deutscher während des Krieges herabgesetzt und geschä⸗ digt worden ist, in einer offiziellen Form Genugtuung derart zu leisten, daß bei der einheimischen Bevölkerung das Ansehen des Deutschtums voll und ganz wiederhergestellt feld erwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen eingang des peimat⸗ blättes. Um eine Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man den feldpost⸗Bezug des Gießener Anzeigers für das nächstc Vierteljahr CJan.⸗febr.⸗arz) schon jetzt erneuern Alle Fostamter nehmen die bestellung cnigegen. der vierteljahrs⸗öezug be⸗ trägt k. 3.50 einschlietßlich der Um⸗ schlag⸗bebühr. Außerdem vermittelt die Bestellungen wie bisher auch die Ceschäftsstelle des bichener Anzeigers Aus Stadt und Land. a Gießen, 17. Dezember 1915. Kartoffelbeschaffungsstelle für Süd⸗ und . Westdeutschland. Die Kartoffelversorgung der Städte, ins⸗ besondere der minderbemittelten Bevölkerung, vollzog sich bekanntlich nicht in der Weise, wie dies mit Rücksicht auf die Bedeutung der Kartoffel als Volksnahrungsmittel und die vorgeschrittene Versorgungszeit dringend notwendig wäre und wie dies überhaupt im öffentlichen Interesse ge⸗ legen ist. Das von der Reichsbartoffelstelle geübte Bezugs⸗ schein⸗Verfahren ließ sich wegen der verschiedenartigen be⸗ W Maßnahmen nicht immer mit Erfolg durchführen. Diese Tatsache gab Veranlassung, in eine Erwägung dar⸗ über einzutreten, wie sich die Versorgung unter fachkundiger Mitwirkung der mit den süddeutschen Verhältnissen ver⸗ trauten Genossenschaftsverbände und Handelsorganisationen rascher und günstiger gestalten ließe. Die in den letzten Wo⸗ chen abgehaltenen Beratungen ergaben die dringende Not⸗ wendigkeit der Mitwirkung des Handels- und Genossenschafts⸗ wesens, an den vom Reich und den Reichsstellen durchzuführen⸗ den Versorgungsarbeiten. Zu diesem Zwecke wurde die sofor⸗ tige Gründung einer gemeinnützig wirkenden Fartoffel⸗ beschaffungsstelle für Süd- und Westdeutsch⸗ land mit dem Sitz in Frankfurt a. M. beschlossen. Bei ihr sollen in paritätischer Weise die Produzenten und Konsumenten mitwirken und zwar durch Vertretungen der Landwirtschaftskammern und Handelskammern, der Kom⸗ munalverbände, Städte und landwirtschaftlichen Vereini⸗ gungen der südwestdeutschen Bezirke. Auf diese Weise hofft man die Versorgungsarbeiten der Reichskartoffelstelle wirk⸗ sam unterstützen zu können. Der Vorstand besteht aus Ver⸗ tretern der Landwirtschaftskammern und Handelskammern, der Städtevertretungen, des landwirtschaftlichen Genossen⸗ schaftswesens und des Handels, die die e Tätig⸗ keit der Geschäftsführung unter ständiger Kontrolle halten. Die vorläufige Geschäftsstelle der Kartoffelbeschaffungsstelle für Süd⸗ und Westdeutschland zu Frankfurt a. M. befindet sich Fichardstraße 51, Fernsprecher Hansa 717. Es dürfte im Interesse aller beteiligten Kreise liegen, die gemeinnützig wirkende südwestdeutsche Kartoffelbeschaffungsstelle in jeder Weise zu unterstützen und zu fördern und so zur Aenderung der jetzt zweifellos noch vorhandenen Notlage beitragen. * Weihnachtsbäume und Feuersgefahr. Der Verband öffentlicher Feuerversicherungs⸗Anstalten in Kiel schreibt: Um die Weihnachtszeit finden sich in den Tageszeitungen häufig Berichte über durch Weihnachts⸗ bäume verursachte Brände. Rechnet man zu diesen Bränden noch die weit zahlreicheren hinzu, von denen die Oeffentlich⸗ keit nichts erfährt, so ergibt sich eine erschreckend große Zahl von Bränden, die, ganz abgesehen von dem materiellen, 8 Teil eine bedeutsame Höhe erreichenden Schaden, auch eben und Gesundheit zahlreicher Personen in ernstliche Gefahr N Es ist daher dringend geboten, zu Beginn der Weihnachtszeit die Ausmerksamkeit auf die Gefahr der Verursachung von Bränden durch Weihnachtsbäume 6u lenken und zeinige einfache und doch wirksame Vorsichts⸗ maßregeln in Crinnerung zu bringen. Weihnachtsbäume dürfen nicht in der Nähe von Fenster⸗ und Türvorhängen aufgestellt werden, denn der geringste Luftzug, der durch Oeffnen einer Tür, eines Fensters, durch rasches Vorbei gehen und dergl. verursacht wird, genügt, um die Vorhänge in die brennenden Kerzen hineinzuwehen. Als Baumschmuch sollen nur solche Sachen Verwendun finden, die schwer entzündlich sind. Die von Straßenhänblern viel verkauften sog. Wunderkerzen sind durchaus nicht ungefährlich; bei ihrem anne selbst ist größte Vorsicht geboten. Die 1 am Baume selbst müssen so angebracht werden, daß sie senk⸗ 1. recht stehen und über ihnen liegende Zweige nicht anzünden die Kerzen dürfen auch nicht so dicht übereinander 1 5 1 werden, daß die unteren die overen erwarmen, zum Ve biegen und zum Herausfallen aus dem Lichthalter bringen. Kindern sollte das Anzünden oder Auslöschen von Kerzen nie gestattet werden. Für alle Fälle ist— besonders wenn die Bäume längere Zeit stehen und ausgetrocknet sind— ein Eimer mit Wasser, noch besser eine Gießlanne bereit zu 1 55 beben. Brande sofort und ener⸗ isch zu Leibe gehen zu können. gis Werden diese wenigen en de befolgt, so lassen sich zahlreiche Brände um die Weihnachtszeit mit Leichtigkeit vermeiden. Es wäre dies in der jetzigen Zeit um so erfreulicher. 7 i 5 Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Landsturm⸗Gefr. Friedrich Dietz, Pionier⸗Batl. 21, aus Burgsolms.— Musk. Albert Zimmermann, Inf.⸗Regt. 118 aus Wetzlar.— Res. Karl Queckbörner aus Wettsaasen— Leopold Sommer aus Crainfeld— Hugo Schnell aus Rei⸗ chelsheim(Wetterau).— Unteroff Gg. Stieler, Inf.⸗Regt. 353, aus Rainrod— Musk. Georg Kratz, Inf-⸗Regt. 17, aus Wett⸗ saasen.— Musk. Ludwig Kimpel, Maschinengewehr⸗Abteilung 245, aus Ober⸗Widdersheim.— Musk. Jak. Aug. Reuter, Nes.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Niederweisel.— Ers.⸗Res. Phil. Heinr. Baumann, Inf.⸗Regt. 116, aus Erbstadt. ** „Auszeichnung. Dem Hornisten Wilhelm Schreie; aus Gießen, vom Res.-Inf.-Regt. 116, wurde das Eisern e Kreuz verliehen.— Em Gießener, der Ableilungsvetermär Dr. dugo Docter, Hamburg, erhielt die Heslische Tapfer keitsmedaille, nachdem er bereits im Dezember 1914 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. Amtliche Personal nachrichten. In den Ruhe⸗ stand versetzt wurden der Lokomotwführer Heinrich ofmann zu Bischofsheim, der Rottenführer Heinrich Binz zu Nieder Olm, der Weichensteller Justus Raiß zu Bischofsheim und die Bahn⸗ wärter Martin Heil zu Babenhausen, Nikolaus Porth zu Bischofsheim, Friedrich Schäser zu Lampertheim, Theodor Schmitt zu Budenheim und Georg Zumer zu Wiebelsbach, sämtlich in der Hessisch-Preußischen abe vom I;, Jamar 1916 an.— Am 16. Dezember d. J. wurde der Großh. Pfandmeister Heintich Welz zu Michelstadt t. O. vom Tage seines Diensiantrits an in gleicher Viensteigenschaft in den Beitreibungs⸗ bezirk Bingen versetzt. Butterverkauf. Dem Kommunalverband Gießen stehen nur noch sehr beschränkte Mengen Butter zur Ver⸗ fügung, die von heute ab nur in den drei Verkaufsstellen der Firma Gebr. Grieb, Dampfmolkerei, in Paketen von ½ Pfd., zum Preise von 2.20 Mk. für das Pfund verkauft werden. n Keine Geheimschrift bei Mitteilungen an Kriegsgefangene in Feindesland. Der Schriftverkehr der in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten unterliegt in Feindesland einer scharfen Prüfung, auch auf das Vorhandensein unsichtbarer Schrift. Die aus den Briefen Gefangener gelegentlich hervorgehenden An⸗ regungen, dem Antwortbriefe Mitteilungen in einer bestimm⸗ ten unsichtbaren Schrift beizufügen, scheinen zuweilen auf listige Veranstaltung des Feindes zurückzu⸗ führen zu sein, Auf diese Weise versuchen unsere Gegner, die Mitteilungen über Vorgänge und Verhältnisse in Deutschland zu Schlüssen zu benutzen und zu unserem Nachteil zu ver⸗ werten, für sie wichtige Nachrichten zu erhalten. Um so mehr ist damit zu rechnen, daß Mitteilungen in geheimer Schrift entdeckt, und daß durch ihr Bekanntwerden die Interessen des Reiches gefährdet werden. Der Gefangene selbst wird den schwersten Nachteilen in Bezug auf seine Behandlung und seinen Briefverkehr ausgesetzt sein, sobald er überführt er⸗ scheint, unsichtbar geschriebene Nachrichten aus Deutschland heimlich zu erhalten. Deshalb muß dringend davor ge⸗ warnt werden, bei Mitteilungen an die in Kriegsgefangen⸗ schaft befindlichen Deutschen Geheimschrift anzuwenden. * Im Oberhessischen Kunstverein ist unter den gegenwärtig ausgestellten, bereits ausführlich gewür⸗ digten Stücken Raum für mehrere Künstler geschaffen wor⸗ den, auf deren Schöpfungen wir in erster Linie im Ge⸗ danken an das kommende Weihnachtsfest n machen wollen: Sie stellen zum überwiegenden Teil 1 Gelegenheitskäufe von beachtenswerter Eigenart dar. So stellt Minna Weber⸗Lich Batikarbeiten aus, Kissen, Tücher, Lampenschleier und dergleichen in jener veizvollen, aus Java zu uns gekommenen Technik, die ihre zartlinigen Ornamente auf feine Stoffe mit flüssigem Wachs aufträgt; das ganze Stück wird alsdann kingefärbt und nach dem Auskochen des Wachses erscheinen die Ornamente in der ausgesparten Grundfarbe. Die Künstlerin zeigt durchweg Stücke von feinem Farbenklang, deren beschwingte, bei allem Reichtum sicher überdachte Linienführung jenen intimen, persönlichen Hauch atmet, den die Entwicklung unserer Wohnungskultur immer mehr bevorzugt. Neu in der Aus⸗ stellung sind weiterhin farbige Holzskulpturen Franz Scheibers in München, der z. B. mit einer in Linden⸗ holz geschnitzten, stark aus dem Material W hl. Familie sowie mit zwei weiteren, mit liebevollster Klein⸗ arbeit geschaffenen religiösen Statuen Stücke von schlichter, echter Innigkeit bietet. Mit zahlreichen Holzschnitten mitt⸗ leren Formats ist Dr. Daniel Greiner ⸗ Jugenheim ver⸗ treten, der in den Räumen des Kunstvereins kein Unbe⸗ kannter mehr ist. Während es bei einzelnen seiner Blätter schwer hält, zu Idee und Durchführung eine innerliche Stellungnahme zu finden, sprechen andere, wie mehrere groß gesehene, ins Gigantisch⸗Figürliche erhobene Schöp⸗ fungsphasen, eine unmittelbare, starke Sprache. Eigen ist allen Blättern die konsequente, bisweilen, z. B. in der Hexenküche, meisterliche Durchführung der Lichtverbreitung. Mancher wird unter der Sammlung mit. Technik sehr sauber hingesetzter, trotz der beschränkten Ausmaße monumental wirkender Arbeiten einen willkommenen, wert⸗ vollen Schmuck für ein gepflegtes Heim finden können. Ein paar entzückende Radierungen von feinstem Ton und fast minutiöser Nadelarbeit, darunter einen kernhaften, derben Landsknechtskopf unter der Sturmhaube, bringt Heinrich Haberl⸗ München. Auch der Huth schen Radie⸗ rungen und Aquarelle, deren Reichtums im Feuilleton unseres Blattes seinerzeit gedacht wurde, sei in diesem Se noch einmal Erwähnung getan. Wir glau⸗ en, mit diesen Namen dem einen oder andern, der der Kunst, die heuer einen gar schweren Kampf zu kämpfen hat, unter seinem Weihnachtsbaum ein Plätzchen einrichten will, einen brauchbaren Fingerzeig gegeben zu haben. e Prüfungstermine in Nassau. Vom Provinzial⸗ Schulkollegium wurden die für das Jahr ssel vor; 1 9 1 5 Prü⸗ fungstermine an Seminaren und Prdparanden⸗Anftalten im Re⸗ gierungsbezirk Wiesbaden folgendermaßen festgelegt: Lehrerseminar Dillenburg Aufnahmeprüfung 20. September, Entlassungs⸗ prüfung 28. August; Präparandenanstalt Herborn Aufnahme⸗ 1 0 1657 September. An den Lehrerseminaren Montabaur und Usingen finden am 3. bezw. 12. April Aufnahmeprüfungen Neeugpe. eie Ann dee abgehalten, da sämtlsche rüflinge im Felde en. Am Lehrerinnen⸗Seminar ill findet die Aufnahmeprüfung am 3. Ap 8 Auf Antrag des Städtetages sollten für das Rote Kreuz in Ausgabe von Brotmarken. Die Ausgabe der für die Zeit vom 27. ber 1915 bis 9. Januar 1916 gültigen Brotmarkenhefte findet Mittwoch, den 22. De⸗ ember 1915, vormittags von 8—12 und nachmittags von —6 Uhr statt. Die regelmäßige Ausgabe beginnt wieder Samstag, den 8. Januar 1916. Näheres ist aus dem An⸗ zeigenteile dieses Blattes zu ersehen. N Landkreis Gießen. e. Garbenteich, 17. Dez. Am 11. Dezember waren es 25 Jahre, daß Lagerhalter Wehrum die Verkaufsstelle des hiesigen Konsumvereins übernahm. Die schöne Entwickelung, die der Verein während dieser langen Zeit genommen hat, ist nicht zum wenigsten ihm und seiner tüchtigen Frau zu verdanken, die sich stets nüt allen Kräften und mit sichtbarem Erfolg bemüht haben, den Verein auf seine heutige Höhe zu bringen. Kreis Büdingen. b Bingenheim, I.. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Wehrmann Müller im Landwehr⸗Jnf.⸗ Regiment 116.. ib Lorbach, 17. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Wehrmann Schäfer im Landwehr-In- fanterie-Regiment 116. Kreis Friedberg. 5 A Friedberg, 17. Dez. Das Eiserne Kreuz erhielt der Reservist Rothermann im Res.⸗Juf.⸗Rat. 116. a Ober ⸗Eschbach, 17. Dez. Fürs Vaterland starb der Krankenträger Wolf in der Reserve-Sanitäts⸗Kompagnie 52. fe. Vilbel, 17. Dez. Auf die Reklamation der Ge⸗ meindevertretung hin ist Bürgermeister Berg vom erbischen Kriegsschauplatz zurückgekehrt und hat die Ge⸗ chäfte der Gemeinde wieder übernommen. 1 fe. Butzbach, 16. Dez. Das städtische 1 tätswerk schloß im vorigen Jahre mit einem Verlust von 5202 Mk. 8 Starkenburg und Rheinhessen. Von der Bergstraße, 16. Dez. Die diesjährige teiche Weinernte gibt allenthalben zu erheblichen Neu⸗ anpflanzungen Veranlassung. Weinbergbesitzer, die der schlechten Ernten wegen in den letzten Jahren ihre Berge ausgerodet hatten, legen wieder Neuanpflanzungen an. ch. Aus Rheinhessen, 17. Dez. Die Weinberg⸗ arbeiten werden so gut als möglich gefördert. Im freihändigen Weingeschäft zeigte sich in der letzten Zeit ziemliches Leben. Es kam ständig zu Abschlüssen, wobei ansehnliche Posten Wein um⸗ gesetzt wurden. Besonders waren die 1915er gesucht. Bei den letzten Verkäufen wurden für das Stück 1915er Weißwein in West⸗ hofen 560 Mk., in Heßloch 530 Mk., in Dorndürkheim 550 Mk., in Meder⸗Saulheim 540 Mk., in Oppenheim 750850 Mk., in der Umgebung von Oppenheim 600650 Mk., in Alsheim 700 Mk., in Guntersblum 580 k., in Mettenheim 600 Mk., in Partenheim 525 Mk., in Spiesheim und weiteren Orten 540-600 Mk., in Sulzheim 520 Mk.; für das Stück 1915er Rotwein in Alzey 810 Mk., in Nieder-Saulheim 800 810 Mk., im allgemeinen für das Stück Rotwein 800- 1000 Mk. erzielt In Nierstein wurden mehr als 100 Stück 1915er zu 1300- 2500 Mk. abgesetzt. Hessen⸗Nassau. ra. Frankenbach, 17. Dez. Heinrich Schneider aus der 12. Komp. im Res.⸗Inf.⸗Regt. 251 muß als jüngstes Opfer unserer Gemeinde bezeichnet werden. Wm. Kirchhain, 17. Dez. In der gestrigen Stadtver⸗ ordnetenversammlung wurden folgende Beschlüsse 5 ulga⸗ rien von allen Städten kleinere Beträge bewilligt werden. Dem Antrage wurde stattgegeben.— Nach einer Mitteilung der Sozial⸗ kommission in Marburg ist für das Jahr 1916 keine Beihilfe zu den Kosten der Ohmregulierung zu erwarten. Da man hier aber ein großes Interesse daran haben muß, die Ohmregulierung gleichzeitig mit den Arbeiten der Zusammenlegung zu beendigen, hatte der Magistrat beschlossen, an die maßgebenden Stellen eme entsprechende Eingabe zu richten. Diesem Magistratsbeschluß wurde zugestimmt.— Weiter wurde über die am 15. November d. J. abgehaltenen Stadtverordnetenwahlen verhandelt. Die Wahlen der ersten und zweiten Abteilung wurden für gültig erklärt, die Beschlußfassung über die Wahl der dritten Abteilung wurde aus⸗ gesetzt.— Das Schulgeld für die städtische Rektoratsschule wurde für das Jahr 1916 in der bisherigen Höhe festgesetzt. ra. Biedenkopf, 17. Dez. Auf dem Felde der Ehre fielen die beiden Brüder Karl und Heinrich Gerlach aus Niederdieten im jugendlichen Alter von 22 und 20 Jahren. 0 ra, Gladenbach, 16. Dez. Gerichtsvollzieher Mahrt 2 1 beim Uebertritt in den Ruhestand der Kronenorden 4. Klasse verliehen. Frankfurt a. M., 17. Dez. Der Frankfurter Bezirksver⸗ bin Deutscher Ingenieure hat seine außerordentlich wertvolle Bücherei der Freiherrlich Rothschildschen Bibliothek überwiesen und damit den Grundstock zu der ersten öffentlichen tech⸗ nischen Bücherei Deutschlands gelegt. Außerdem ver⸗ pflichtete er sich zur jährlichen Zahlung von 1200 Mk. für Neu⸗ anschaffungen. ö Frankfurt a. M., 16. Dez. Die städtische Straßenbahn⸗ verwaltung hat bis jetzt 1108 Frauen in die verschiedensten Betriebe aufgenommen; etwa 800 davon versehen den Schaffnerinnendienst — Von 2200 eingezogenen Straßenbahnern starben bereits 156 den Tod auf den lachtfeldern.— Die vor etlichen Wochen in Frankfurt eröffnete Sammlung für das Rote Kreuz in Bulgarien ergab bereits rund 150 000 Mark. Bad Homburg v. d. H., 17. Dezember. Im Alter von 58 Jahren starb hier der Gastwirt und erste sozialdemo⸗ kratische Stadtverordnete Homburgs, Georg Kappus. fc. Gersfeld, 17. Dez. Der Hreistag beschloß der Kriegsfürsorgezwecken die Aufnahme eines weiteren Dar⸗ ehns von 400 000 Mk. Aus dem Odenwald, 17. Dez. Bei Lichtenberg plant man die Errichtung eines Hindenburg⸗Steines. Das Mal soll zugleich ein Erinnerungszeichen an das Er⸗ holungsheim in Lichtenberg für verwundete deutsche Sol⸗ daten sein. 5 e. Wiesbaden, 17. Dez. Daß auch die Verhältnisse im deutschen Kur⸗ und Badeleben trotz der Kriegszeit Pienlt 9a und gesunde sind und sich gut entwickeln, dafür ietet Deutschlands erstes Bad, die Kurstadt Wiesbaden, das beste Beispiel. Während im November 1914 hier an der amtlichen Meldestelle 4460 Kurgäste gezählt wurden, brachte der November d. J. 6265 Kurgäste her, mithin hat sich trotz der Kriegszeit der Fremdenverkehr wieder derart gehoben, daß die Zunahme allein in einem Monat een dem November 1914 rund 1805 Kurgäste beträgt. Die tägliche Zunahme an Kurgästen im November 1915 beträgt also 60 Personen. Seit Anfang des Jahres wurden hier 92 000 Kurfremde gezählt. ul. Limburg, 16. Dez. Gestern abend sprach in der Deutschen Kolonialgesellschaft Dr. Paul Rohrbach über„Die russische Katastrophe.“ Der große Saal war überfüllt. — Bei der diesjährigen Haussammlung für die Waisen wurden 2022,82 Mk. gesammelt. fc. WHassel, 17. Dez. Zu drei Wochen Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Mk. wurde die Milchhänd⸗ lerin Asmus von hier verurteilt, da sie an vier Tagen im Dezember Milch verkauft hatte, welche 1 40 Hundert⸗ teile Wasser enthielt. Ebenfalls zu 100 Mk. Geldstrafe wurde die Landwirtsehefrau Auna Zuschlag verurteilt, weil die von ihr in den Handel gebrachte Butker mit 22 v. H. Wassergehalt hergestellt war und so in den Handel ge⸗ bracht wurde. Wegen Betrugsversuch erhielt der Bäcker⸗ meister Sippe vom Schöffengericht eine Geldstrafe von 200 Mk., da die frischgebackenen Brote des Bäckermeisters Mindergewich von 20—70 Gramm hatten. sier 75 — Aniversitäts⸗Nachrichten. Frankfurt a. M., 17, Dez. Zum Vorsteher des Neuro⸗ logischen Instituts der Universität Frankfurt wurde Prof Dr. Kurt Goldstein, Privatdozent für Neurologie und Psychiatrie er⸗ nannt. Gerichtssaal. N rei Aachen ch.) In dem Spi eipzig, 16. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In dem Spio⸗ nadeb rege Grünberg⸗Rosenfeld wurde am Abend das Urteil verkündet. Jeder der beiden Angeklagten wurde wegen versuchten Verbrechens im Sinne der 88 89 und 91 des Strafgesetzbuches zu 1 Jahr 4 Monaten 14 Tagen Gefängnis ver⸗ urteilt. Auf die Strafe wurden 4 Monate 14 Tage der Unter⸗ suchungshaft angerechnet. Der Reichsanwalt hatte 11 Monate Zuchthaus beantragt. Zugunsten der Angeklagten wurde berück⸗ sichtigt, daß der Schaden verhältnismäßig geringfügig gewesen sei. wie die Engländer die deutsche 3ivilbevölkerung in Duala gefangen nahmen. Ueber das aller Ritterlichkeit spottende, hinterlistige Verhalten der Engländer nach der Besetzung von Deutsch⸗Kamerun(Sep⸗ tember 1914), das für die Kriegführung der„Gentlemen“ beson⸗ ders kennzeichnend war, berichtet nachträglich der in Duala ge⸗ faden enommene und nach vielen schmerzensreichen Monaten endlich freigelassene Zivil⸗Missionar von Duala, H. Stahl, in den beiden neuesten Heften der Umschau. Da es für die Duala⸗ Leute eine sinnlose Metzelei und Gefährdung der Frauen und Kinder bedeutet hätte, der schließlich von zwei Seiten kommenden 20—25 fachen Uebermacht der Engländer noch weiteren Widerstand zu leisten, wurde in Duala am 26. September die weiße Flagge gehißt, und zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kamen die ersten Engländer an Land. Zwei Tage später beraubte das englische Kommando die Deutschen in Duala mit List ihrer körperlichen Freiheit.„Ich selbst,“ schreibt der Missionar Stahl in seinem interessanten Bericht,„komme mir beim Rückblick auf jenen, 28. September wie blind vor. Ich hatte mir nämlich unsere Lage und das Verhalten der Engländer uns gegenüber nach der Besitz⸗ ergreifung Dualas etwa folgendermaßen vorgestellt: Die Sieger werden nicht nur sofort für Ruhe und Ordnung und für genügenden Schutz sorgen, sondern werden auch angesichts unsexer numerischen Schwäche uns nicht anders denn großmütig,„gentlemanlike“, und mit aller Rücksicht behandeln, schon um unserer gemeinsamen Hautfarbe willen, so daß den Eingeborenen die Kriegführung der Weißen gewissermaßen imponieren muß. Man wird uns selbstverständlich in keiner Weise hindern, unsere Missionsarbeit in Schule und Gemeinde und auf den zahlreichen Außenstationen nachzugehen und die Leute wieder zu sammeln, so daß in kurzer Zeit auch in dieser Hinsicht die Ordnung wiederhergestellt sein, wird.“ Aber schon am nächsten Tage sollten der Missionar und seine Landsleute erkennen, was die Engländer— einst das erste Bibel⸗ und Missionsvolk— heute sind:„Im Laufe des Vor⸗ mittags ging das Gerücht durch die Stadt, es sollen sich alle Deutschen zwecks Feststellung ihrer Personalien im Regierungs⸗ hospital melden. Ich ging gegen Mittag durch einige Straßen der Stadt, wobei mir auffiel, daß fast kein Deutscher mehr zu sehen war. Gegen 3 Uhr ging mein Stationsgenosse, Missionar Walther, in den Hospitalhof, um sich zu melden. Aber er kam nicht wieder, sondern schickte mir durch einen Jungen ein paar flüchtig geschriebene Abschiedsworte. Immer noch hielt ich's für ganz ausgeschlossen, daß man uns Zivilpersonen von Duala weg⸗ führen werde. Um aber näheres über die Lage zu erfahren, machten meine Frau und ich uns auf den Weg zum nahen Regierungshospital. Ich bat einen Engländer um Aufschluß über unsere angebliche Meldepflicht. Der erwiderte, wir hätten durchaus nichts zu befürchten, wir hätten nur unsere Namen anzugeben, dann könnten wir wieder nach Hause gehen.“ Ohne Verdacht zu schöpfen, schritten der Missionar und seine Frau durch die Bajonette der zahlreichen schwarzen Wachen zum Hoftor hinein, um ihre Meldung zu machen.„Aber wozu sind hier so viele unserer Landsleute versammelt? Und wozu stehen auch hier drinnen im Hof so viele schwarze Soldaten mit aufgepflanzten Seiten⸗ gewehren? Jetzt erst steigt ein leichter Verdacht in mir auf, daß man uns am Ende doch anders als„gentlemanlike“ behan⸗ deln könnte. Aber nein, das ist nicht möglich! Immerhin halte ich's für ratsam, mit meiner Frau wieder zum Tor hinaus zugehen, so lange es noch Zeit ist. Nun erst werden mir endlich die Augen geöffnet: Während uns nämlich beim Hereingehen die Soldaten völlig ignoriert hatten, fassen sie uns nun beim e wollen an den Armen, und einer droht mir, mich niederzuschießen, wenn ich noch einen Schritt weiter gehe. Keine Beschwerde, kein Bitten hilft. Ein englischer Offizier hört uns zwar an, zuckt aber nur die Achseln. Inzwischen kommen schwarze Wachen und stellen uns Deutsche alle in Marschreihen auf. Alles ist in großer Auf⸗ regung. Geschäftig eilen englische Unteroffiziere mit der Peitsche unter dem Arm hin und her. Mit hilflosen Blicken irren einige deutsche Frauen an den Reihen der Männer auf und ab. Schwarze Hausjungen stehen weinend, oder auch starr und erstaunt blickend, abseits; einigen gelingt es, ihren Herren wenigstens noch ein Paketchen mit Leibwäsche in unsere Reihen hereinzubieten. Die meisten von uns aber haben nichts, als was sie auf dem Leibe tragen; man hatte uns schmählich in eine Falle gelockt. Vermischtes. Eine Hungersnot auf den Salome⸗FInseln. Berlin, 16. Dez.(Privattel.) Der„Berl. Lokalanz.“ meldet aus Rotterdam: Der„Times“ wird aus Melbourne gemeldet, daß auf den Salomo⸗Inseln 4000 Eingebo⸗ rene infolge der Dürre verhungert sind. Ganze Dörfer seien entvölkert; niemand begrabe die Toten. Feuersbrunst in einem Krankenhaus in Sosia. Sofia, 18. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Um Mitter⸗ nacht brach infolge von Kurzschluß in dem nahe von Sofia gelegenen Alexander⸗Krankenhaus eine Feuersbrunst aus, der ein Seitengebäude zum Opfer fiel. Dank der werktätigen Hilfeleistung der Aerzte und des Sanitätspersonals gelang es, alle in dem Gebäude untergebrachten Verwundeten, mehr als 300, rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Eine Läuse⸗Geschichte vom„alten Dessauer“ Da die Läuse jetzt in der Kriegszeit einen durchaus salonfähigen Gesprächsstoff bilden, darf man auch an eine Anekdote vom„alten Dessauer“ erinnern, die von diesen Tiorchen handelt. Ofen scheinen sie schon während des Siebenjährigen Krieges untrennbar vom Kriegersmann gewesen zu sein. Einst traf Leopold Fürst von Anhalt-Dessau, der bekanntlich preußischer Feldmarschall war, einen seiner Soldaten, der vor seinem Feldzelt saß und sorgfältigst seine Kleider musterte.„Kerl, was machst du da?“ rief er ihn an.— „Ich lause!“ antwortete der Soldat.—„Da tust du recht, mein Sohn! Aber so wirst du wohl nicht fertig werden! Hier hast du einen Taler, kauf' dir ein neues Hemd!“— Dies hörte ein anderer Soldat, der heimlich vorauseilte, sich eine Strecke weiter, wo Leopold ebenfalls vorbei mußte, niedersetzte und sich ebenso beschäf— tigte wie sein Kamerad. Der alte Dessauer merkte wohl die Ab- sicht, fragte aber dennoch den Soldaten:„Was suchst du denn so eifrig, Kerl?“—„Läuse!“ antwortete jener.—„Nun,“ antwortete Leopold,„so gehe nur dort weiter hinauf. Da sitzt ein anderer Soldat, der hat welche!“ Briefkaften der Redaktion. Großmutter. Da in der Schule der Westanlage gleich⸗ zeitig eine Brotkartenausgabe eingerichtet ist, so wäre eine bessere Aufsicht über die Kleidungsstücke doppelt am Platze. Einen juristi⸗ schen Anspruch auf Wiederersetzung des gestohlenen Mantels ihres Enkelkindes können Sie nicht erheben. Amtlicher Wetterbericht. Meteorologische Beobachtungen der —— 2 2 2— Dez. 88 8 8 2 8 5 S8 8 S S 3 1915 8* 8 5 2 16%’[[[ Bew. Himmel 16%%% 0„ e%„ 1 1— 2, 3,7 94—— Bed. Himme 1 Höchste Temperatur am 15. bis 16. Dez. 1915= + 1,1 C. Niedrigste„ 15,„ Id,(ies. eee Niederschlag: 0,0 mm. ——— 18 Letzte Nachrichten. Abzug der Ententetruppen aus.„ Budapest, 17. Dez.„Az Est“ berichtet aus Sofia! In⸗ formierte Kreise sind überzeugt, daß die Entente ihre Truppen [pätestens bis Ende des Jahres vom Balkan ent⸗ fernen wird. Die Niederlage der serbischen und der Entente⸗ truppen übt ihre Wirkung nicht nur auf Rumänien, sondern auch auf Rußland aus, das seine Truppen von der bessarabischen Grenze teilweise schon zurückgezogen habe. Die gefährdete Westgrenze Aegyptens. 5 Rotterdam, 17. Dez. Die anhaltenden Angriffe der Araber gegen die Westgrenze Aegyptens, worüber nach⸗ einander zwei amtliche englische Meldungen Einzelheiten mit⸗ teilen, machen England in Aegypten, das bisher seine Aufmerksam⸗ keit lediglich dem Suez⸗Kanal zugewandt hatte, einen Strich durch Bericht die Mitteilung, daß die 12000 westlich von Matruh au Araber mit Kanonen und Maschinengewehren aus⸗ gerüstet gewesen seien, woraus sich die verhältnismäßig schweren Verluste der kleinen britischen Garnison(8 Tote und 38 Verwundete) erklärt. Die Westgrenze Aegyptens ist eine lange Linie, die ziem⸗ lich offen liegt, Nur in Fajun haben die Engländer eine Gar⸗ nison, neben einigen Verteidigungsposten der ägyptischen Küsten⸗ wache, aber im ganzen ist das langgestreckte Niltal gegen Ein⸗ brücher organisierter Beduinenbanden unverteidigt und überhaupt nicht zu verteidigen, ebenso wie das Tal, durch welches die Ver⸗ bindungsbahn mit Karthum und dem Sudan führt. Eine neue Reise Kitcheners nach Aegypten? Berlin, 17. Dez. Aus London erfährt der Amster⸗ damer Berichterstatter der„Vossischen Zeitung“, daß Kit⸗ chener sich in allernächster Zeit nach Aegypten begebe, wo er die Oberleitung der Operationen übernehmen werde. — Gleichzeitig wird dem„Berliner Lokalanzeiger“ berichtet, die Flotte des Vierverbandes solle eine einheitliche Leitung bekommen und zum Oberbefehlshaber solle ein englischer Ad⸗ miral ernannt werden. 15 sten Sonntag einen Waffenstillstand beobachten wollen, damit die grie⸗ chischen Truppen, die sich noch in dem Operationsgebiet befinden, Gelegenheit haben, ihre Wahlpflicht auszuüben.(7) ö Die mobilisierte russische Industrie. 0 Stockholm, 17. Dez. Ein vernichtendes Urteil hat der Ausschuß des Reichsrates über die rufsische sogenannte mobilisierte Industrie gefällt, die be⸗ kanntlich Deutschland totsicher vernichten sollte. Eine vom Aus⸗ schuß angestellte sorgsame Untersuchung ergab nämlich, daß die in den sogenannten kriegsindustriellen Ausschüssen organisierten russi⸗ schen Industrien erstens viel höhere Lieferungspreise verlangen, welche die bisher üblichen wesentlich übersteigen, zweitens aber kaum den zehnten Teil der von ihr übernommenen Aufträge zum Termin ausgeführt haben. In seinem Bericht an die Landes ver⸗ teidigungskommission führte der Ausschuß aus, die bisherige Tätig⸗ keit der mobilisierten russischen Industrie werde von den weitesten Gesellschaftsschichten und ernsten Industriellen selbst einmütig ver⸗ die Rechnung. Höchst verblüffend wirkte im gestrigen amtlichen 5 75 1 f urteilt.— Was werden nun die Herren Gutschkow, Morosow, 1 * 8 Rjabuschinski und all die anderen sagen, die so oft verkündet haben, die deutschen Heeresmassen würden an der mobilisierten russischen Industrie zerschellen?. Der 70. Geburtstag des Geheimrats v. Bode. Berlin, 17. Dez. Dem Generaldirektor der Königlichen Museen, Geheimrat von Bode, ist laut„Berliner Tageblatt“ seinem 70. Geburtstag vom Herzog von Braunschweig das worden. Bode ist gebürtig aus Braunschweig. . . Seliesteste OHeihhach ges chene . 9 Preis Salem Gold Ne 35 4A 5 6810 372 A S G S 10 Pfd. Stck. 8 1 9 . 0 9 Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 18. Dez. 1915: unehmende Ve wöltung neeist trocken, etwas wärmec. e 2 8. A Sri Seer. 4 eee e eee Verdienstzeichen für Kunst und Wissenschaft in Gold verliehen alem Aileinum 1 5 Schwägerin und Tante Giessen(Kaiser-Allee 117), den 15. Dezember 1915. Die Beerdigung findet Sonntag. Allen die schmerzliche Mitteilung, dass meine liebe, gute Gattin, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Frau Elisabeth Römer, geh. Schmitt am 15. d. Mts., abends 6½ Uhr, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 53 Jahren in dem Herrn entschlafen ist. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Am „ Philipp Römer Ernst Römer, zurzeit im Felde Otto Römer, zurzeit im Felde Hermann Römer, zurzeit im Felde Elisabeth Jochim, geb. Römer Luise Römer Theodor Jochim Luise Römer, geb. Weissbach Minna Bömer geb. Thielmann und 4 Enkel. den 19. d. Mts., mittags 1 Uhr, von der 9745 N e ö Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste sagen wir auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank. 06706 Familie Muhl. Gießen, den 16. Dezember 1915. Danuksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teil 5 9 nahme bei dem uns so schwer betroffenen e Verlust sagen wir innigsten Dank. Johanna Pfeiffer und Kinder 9870 kletert in seger gewunschten Gummisch uhe ada an 115 n Turnschuhe —. 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