Nr. 206 Der Glehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kxeis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäits stelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. Erstes Blatt 465. Jahrgang . General. Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr.7. Beck, sämtlich in Gießen, donnerstag, 16. Dezember 1015 Bezugspreis monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; fur Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H. Griechenland verhält sich weiterhin neutral. Die Antwort OGesterreich⸗Ungarns an Amerika. Sc.) Großes Hauptquartier, 15. Dezember. (Amtlich.) * Westlicher Kriegsschauplaß. 1 An der Front hat sich nichts von besonderer Wichtigkeit ereignet. a Ein am 12. Dezember auf der Höhe von La Panne auf Grund geratener englischer Dampfer wurde gestern von unseren Fliegern mit beobachtetem Erfolg angegriffen. Der Feind, der mehrere Flugzeuggeschwader gegen Ba⸗ paume⸗Peronne nach Lothringen, auf Müllheim(Ba⸗ den) angesetzt hatte, büßte im Luftkampf oder durch Feuer unserer Abwehrgeschütze vier Flugzeuge, darunter ein Großflugzeug mit zwei Motoren, ein. 8 Oestlicher Kriegsschauplab. Nichts Neues. Balkan-Kriegsschauplaß. Südwestlich von Pleylje ist der Feind über die Tara und weiter östlich über die Linie Grab—Brodarevo zurück⸗ geworfen. Mehrere hundert Mann wurden gefangen ge⸗ nommen Oberste Heeresleitung. E 2 — 2 Es liegt zwar eine unverbürgte Meldung aus Lyon vor, daß die bulgarischen Truppen bereits die griechische Grenze überschritten hätten, allein es wird sich ei um eine französische Sensationsmache handeln. Vorläufig haben die Bulgaren an der Grenze Halt gemacht. Durch die Presse geht heute eine längere Auslassung des bulgarischen Arbeits⸗ ministers Petkow, der einem Vertreter der Presse gegenüber erklärt haben soll, Bulgarien wolle alle Rücksichten auf Griechenland nehmen, da es keineswegs ein Interesse daran habe, griechisches Gebiet zu besetzen. Immerhin könnte der Fall eintreten, daß Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn die Bulgaren aufforderten, an dem weiteren Feldzug gegen die sich in Saloniki verschanzenden Feinde teilzunehmen, und Griechenland könne nicht wohl erwarten, daß auf die Dauer das Verbleiben der Engländer und Franzosen in Saloniki geduldet würde. Das ist 1 der Sinn der Ausfüh⸗ rungen dieses bulgarischen Ministers, und man darf wohl daraus folgern, daß in erster Linie Deutschland und Oesterreich⸗-Ungarn mit Athen über die kommenden Ereig⸗ — nisse verhandeln. Von der anderen Seite verlautet, Griechen⸗⸗ land wolle den Truppen der Zentralmächte den Weg frei⸗ ben und sich in die sich entwickelnden Kämpfe nicht ein⸗ fassen. Damit würde Deutschland und seinen Waffengefähr⸗ ten dasselbe Recht erteilt werden, wie Frankreich und Eng⸗ land. Die feindlichen Mächte sollen ferner sich weitere Garantien verschafft haben, daß sie in Saloniki schalten und walten können, wie es ihnen beliebt. Ueber die Be⸗ deutung dieses Hafenplatzes geben wir aus der Feder eines Sachkundigen an anderer Stelle eine Darlegung wieder. Die ganze Lage ist für die Franzosen und Engländer so peinlich und unglücklich wie nur möglich. Trotzdem wer⸗ den von dieser Seite noch hochtrabende Ergüsse in die Welt geleitet. Nur aus dem nachstehend abgedruckten Herzensschrei des„Temps“ kann man ungefähr entnehmen, wie die Sachen wirklich stehen. Dieser Artikel ist ein rechtes Angstprodukt, und die Griechen, die noch ein letztes Mal so dringend und inbrünstig um ihre Hilfe angefleht werden, werden sicherlich lachen über diese französische Kunst, die Interessen anderer zu beleuchten. Nur wird König Konstantin vermutlich aus einer reineren Quelle schöpfen, was er an Beratungen und Vorstellungen noch braucht. * Der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen hat auf die schroffe Note des Präsidenten Wilson prompt und schlagend erwidert. Die„vorläufige“ Antwort war nötig, da der Ton des Amerikaners und der„ungewöhnliche Weg“, auf dem er seine Ansprüche durchzusetzen sich bemühte, die Welt überraschen und das Ansehen unseres Verbündeten hätte verletzen können, wenn dieser nicht schnell Worte der Abwehr gefunden hätte. Herr Burian führt dem Präsidenten Wilson zunächst zu Gemüt, daß er sein ungestümes Verlangen sehr unzulänglich begründet habe. Es wurden keine Zeugen mit Namen aufgeführt, und Herr Wilson hat sich nicht darüber ausgesprochen, warum er diesen Zeugen mehr Glauben schenkt als dem Kommandanten eines österreichisch-ungarischen Kriegsschiffes. Man kann aus dem Schluß des ersten Ab⸗ satzes der nachfolgend wiedergegebenen Note Burians ent⸗ nehmen, daß die maßgebenden Stellen in Wien keinesfalls gesonnen sind, sich unter dem Druck des Washingtoner Kabi⸗ netts zu beugen, wenn auch die Bereitschaft erklärt wird, in eine Erörterung des Falles der„Ancona“ einzutreten. Die österreichisch⸗ungarische Note hat mehrere Gegen⸗ vorstellungen an die Herren in Was 150 gerichtet. Sie verweist Herrn Wilson auf den korrekten Weg, den er durch einfache Berufung auf Auseinandersetzungen mit Deutschland verlassen hatte. Oesterreich⸗Ungarn will seine eigene, ungekürzte Auseinandersetzung mit dem Weißen sause haben. Nicht als ob ihm die Aktenbogen Wilsons an ich ein großes Wohlgefallen darböten; es ist ein zweifel⸗ ster Genuß, die amerikanischen Theorien noch einmal in weiter Auflage genießen zu müssen. Allein Herr Burian 18 gewichtige praktische Gründe an. Er beansprucht, Oesterreich⸗Ungarn in all den unerquicklichen Erörte⸗ rungen seine volle Selbständigkeit gewahrt wird, und indem er den dampfenden Topf Wilsons zurück weist, begehrt er, ffee und Milch sich selbs mischen zu dürfen; er läßt durchblicken, daß es bei aller Freundschaft zu Deutschland noch keine ausgemachte Sache ei, ob Oesterreich-Ungarn den Kaffee ebenso schwarz lieb: wie der deutsche Reichskanzler und seine politischen Räte. Der amerikanische Präsident wird den Politikern in Wien ihre einfachsten Menschen- und Diplomatenrechte nicht ver— weigern können, nämlich ihre eigene Rechtsauffassung. Ob aus der amerikanisch-österreichisch-ungarischen Besprechung neue Gesichtspunkte und Aufschlüsse über das Recht der Seekriegführung sich ergeben können, dies muß abgewartet werden, bis Präsident Wilson die Kanne von neuem gefüllt und überreicht haben wird. ** * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 15. Dezember. 5 Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Freignisse. Italienisa e Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Südöstliche r Kriegsschauplatz. Die von Plevylze aus vordringenden österreichisch⸗ ungarischen Streitkräfte des Generals v. Köveß haben gestern auch die montenegrinischen Stellungen südlich der Brana⸗-Gora in ganzer Breite genommen. Eine Kolonne drang in der Verfolgung bis an die Tara ⸗Schlucht vor und zersprengte bei Glibaci ein feindliches Bataillon, andere Truppen kamen bis Grab Auf den Höhen unmittelbar östlich von Berane stehen nebft unseren Abteilungen auch Moslims und Albaner gegen die Montenegriner im Kampf. Die Zahl der gestern eingebrachten Gefangenen: 340 Soldaten und 150 Wehrpflichtige. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Saloniki eine Festung? Ein Balkanke ener schreibt uns: Das Reuterbureau läßt einen englischen Offizier aus Griechisch⸗Mazedonien berichten, Saloniki sei in eine wahre Festung mit vielen vorgeschobenen Schanzwerken verwan⸗ delt, die 0 sei durch die Flotte gesichert, die das Meer freihalte und die Stellungen der Alliierten beschütze. Diese Meldung ist ein Bluff, durch den wohl kein Bulgare sich abschrecken läßt, den Vardar hinabzumarschieren. Sie ist ein Bluff in den Augen eines jeden, der Saloniki, dessen Lage und dessen örtliche Verhältnisse kennt. Diese Stadt kann in sechs bis acht Wochen nie und nimmer in eine „Festung“ umgewandeft werden. Dafür ist in der Umgebung 1 nicht der Boden vorhanden. Das flache, sumpfige Mün⸗ ungsgebiet des Vardar würde ungeheure Trockenlegungen, Betonbauten und Zernierungsarbeiten nötig machen, die sich kaum in ein bis zwei Jahren durchführen ließen. Die Hafenanlagen, ein Werk des Franzosen Barlinel und seiner Société du Port de Salonique, die sich im Westen der Stadt den aufgefüllten Ufern entlang ziehen, sind schon für die Friedenszwecke ungenügend. Einer kämpfenden Flotte bieten sie, zumal während der Stürme, die von November bis April toben, keinen Schutz. Nach den vorliegenden unge⸗ schminkten und zuverlässigen Nachrichten haben die Vier⸗ verbändler außer ihren eigenen Postämtern(zum Zwecke der Lügenfabrikation) bis jetzt nur einfache„Kriegslager“ in Saloniki angelegt und zwar die osen in 5 behenden, aber nicht sehr gründlichen Betriebsamkeit gleich zwei Lager für sich, eines am Hafen, das andere in der Nähe des kleinen Kap von Karaburun. Dort wurde auch der französische Flugplatz errichtet. Vom Landungsplatz her leg⸗ u Entente⸗Pioniere ein eigenes Geleis. Aber weiter kamen sie nicht. Mehr verbot die berechtigte Eisersucht der griechischen Heeresverwaltung, die sich ihre Kreise doch Sehe vollständig zerstören lassen wollte. Die griechischen Behörden haben in aller Höflichbeit vieles 1 so daß Saloniki im großen und immer noch so aussieht, wie es aussah, als die ersten Darda⸗ nellentruppen dort ausgeschifft wurden. Eine Vier⸗ verbandsfestung zu werden, dazu wäre noch ein weiter Weg. Den größten Widerstand gegen solche Kriegsziele würden die Alliierten bei der eingesessenen Bevölkerung von Saloniki finden, und wäre es nur ein passiver Widerstand, der keine Straße, keine Bahnstrecke zum Ausbau, keine Festungsanlage zur Errichtung kommen ließe. Die Einwohner von olonift, bekanntlich meist Spaniolen, hassen die englisch⸗französi⸗ schen Eindringlinge und erwarten richts sehnlicher als den baldigen Einmarsch der Bulgaren und ihrer deutschen Freunde für die sie eine geradezu zärtliche Zewunderung zeigen Es ist bei diesen Juden unvergessen, wie würdig und gerecht König Ferdinand von Bulgarien während des ersten Balkankrieges in Saloniki auftrat, wie er seinen Offi⸗ zieren die strengsten Verhaltungsmaßregeln gab, laut deren 1 mit den griechischen Behörden gut zu vertragen, unter Soldaten musberhafte Ordarung das wirtschaftliche Leben zu stören hätten. Unvergessen sind die Leistun der deutschen Kolonie in Saloniki. Im besten ind herzlichsten Zusammenleben mit Schweizern und Oester⸗ reichern haben die Deutschen hier vor dem Kriege 20 Jeßes 1 lang Kulturarbeit geleistet. Der deutsche Klub war der Mittelpunkt der Kolonie; 1903 wurde sein Vereinshaus durch Bomben in die Luft gesprengt, und seitdem ist ein stattlicher Neubau aufgeführt worden. Auch die eigene deutsche Schule, die 1888 als einklassige Anstalt gegründet 1 wurde, und aus einer Vorbereitungsklasse, vier normalen Klassen, zwei Fortbildungsklassen und einer höheren Mäd⸗ 3 chenklasse zu je zwei Jahrgängen besteht, verfügt seit langem 5 über ein stattlihes e Gebäude. Die Schule, die von etwa 100 Knaben und 70 Mädchen besucht war, wird von einem eigenen Schulverein unterhalten, der sich der Unterstützung der Eisenbahnverwaltungen, der deutschen und der österveithischen Regierung erfreute. All dies ist durch den Krieg zugedeckt worden. Aber es kann wieder aufblühen. wenn die Feinde aus Saloniki hinausgeworfen werden. 25 Bern, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Der„Temps“ bespricht in einem Leitartikel die Saloufkisrage und führt aus: Der deve mazedonische Hafen ist nicht nur der Ausgangspunkt der Hilfsexpedition, sondern wird ein Feld des Schachbrettes des europäischen Krieges. Die Alliierten werden dort eine Figur aufstellen, die eine eff J tige Rolle in den Unternehmungen von Ost⸗ ende bis Bagdad zu spielen hat. Die Einigung mit Griechenland gewährt den alliierten Streitkräften alle Er⸗ leichterungen, um die Verteidigung einzurichten und sich 5 auf eine Belagerung vorzubereiten. Ueber die künftigen Operationen heißt es: König Konstant in verpflichtete sich, sie nicht zu behindern. Andererseits ist er entschlossen, sich nicht zu schlagen und zieht deshalb, um jede Konflikts⸗ gefahr zu vermeiden, seine Truppen aus dem zukünftigen 5 Kampfgelände zurück. Er überläßt uns die Verteidigung von Saloniki und läßt nur eine Division in der Stadt zu⸗ rück, einzig zum Zeichen, daß der Hafen nicht aufhörte griechisch zu sein. Die Division hat den Befehl, nicht Kampfe teilzunehmen. Der Artikel will den Griechen vor Augen führen, was sie zu verlieren im Begriffe sind und gibt deutlich zu erkennen, daß er eine Umkehr erwartet. 0 Die Regierungsmänner fordern, fährt der Artikel fort, durch die kommenden Wahlen die Billigung einer Politik, die Griechenland in die dunkelsten Stunden seiner Geschichte zurück ⸗ führt. Wird die Entsagung, die der deutsche Einfluß den gegen⸗ wärtigen Herren der griechischen Geschicke auferlegt, auch dem Schauspiel widerstehen, das die Tätigkeit der Alliierten in Saloniki bieten wird? Werden sie nicht erkennen, daß der Entschluß der Alliierten einen größeren Schutz bietet, als die Bürgschaften Kaiser Wilhelms und König Ferdinands? Man weiß doch in Athen aus Erfahrung, daß die Einhaltung selbst der positivsten Verpflich⸗ tungen immer Sache der Auslegung sein kann und daß die Kasuistik unerschöpfliche Quellen hat. Wir können voraussehen, mit welchen Empfindungen das griechische Volk einem Kampfe auf seinem Ge, biete zuschauen wird und ob es nicht das Bedürfnis fühlen wird. sich trotz des Willens des Königs zu verteidigen. Wegen Griechen⸗ lands und Rumäniens endgültiger Entschlüsse dürfen wir den Bal⸗ kan nicht den Deutschen und Bulgaren ausliefern. Aegypten, In⸗ dien und islamitische Erhebung, darauf zielt der deutsche Plan hin. Auf diesem Wege ist Saloniki eine Etappe. Der Rückzug der Franzosen und Engländer über die griechische Grenze. Saloniki, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Alliierten, die seit Dienstag ihre Be⸗ wegungen miteinander in Verbindung gebracht haben, gehen planmäßig und in vollster Ordnung zurück. Ein eng⸗ lischer Offizier berichtete nach der Schlacht, daß der bulgarische Angriff in sieben sehr dichten Wellen durchgeführt worden ist, wobei mehrere tausend feindliche Soldaten auf einer Front von zweihundert Metern beisammen waren. Am ersten Tage hat Artilleriemangel die Engländer verhindert, sich der Vorteile über die geschlossenen feindlichen n zu bedienen; aber am zweiten Tage brachten die 75⸗Millimeter⸗Kanonen dem Feinde furchtbare Verluste bei. Die Franzosen beschossen Dedelie und zermalmten dieses von den Bulgaren dicht besetzte Dorf zr Staub. Der Feind vermied danach, unserem Rückzuge allzunahe zu folgen. Es wurde ihm auch schwer, seine Artillerie zur Unter⸗ stützung herbeizuführen. Die Verluste der Allierten sind ganz gering. In der Woche deckten die Alliierten ihren Rückzug auf 75 einer Strecke von 22 Kilometern, nahmen alles Kriegsmaterial mit sich und entblößten das Land von Verpflegungsvorräten. un 12. Dezember standen die Alliierten 3 Kilometer von der grie⸗ chischen Grenze. Doiran ist vollständig geräumt worden. Während wir uns gegen Saloniki zurückziehen, landen fort⸗ gesetzt bedeutende englische Verstärkungen Die Berichte der feindlichen Spione haben die Deutschen und Oesterreicher nicht ermutigt, Saloniki anzugreifen, das in eine wahre Festung mit vielen vorgeschobenen Schanzwerken verwandelt worden ist. Die Verpflegung ist durch unsere Flotte gesichert, die das Meer frei hält und die Stellungen der Alliierten beschützt. Rußland und Rumänien. 0 Budapest, 15. Dez. 5 Nichtamtlich.) Der„Pester Lloyd“ meldet aus Bukarest: Nach verläßlichen Meldungen schaffen die Russen den größten Teil der an der bessara⸗ bischen Grenze gegen Rumänien aufgestellten Truppen⸗ körper fort. Die telegraphische Verbindung zwischen Rußland und Rumänien ist eingestellt. Das Schwarze Meer von der russischen 1 zu halten und nirgends! Baltschit Flotte gesäubert. g Berlin, 16. Dez Nach dem„Pester Lloyd“ erzählen in it eingetroffene Reisende, daß die tür kiIch⸗bulgari⸗ b 5 mentarischen Korrespondenz“ zufol . vor Jahresfrist an der Weichsel und Bzura und am Wieprz minister Gallieni hat folgenden Befehl erlassen: land österreichisch⸗ungarische Regierung findet in der sehr geschätzten Note keinerlei Anhaltspunkte dafür, welcher Absicht dieser Hinweis entspringt. Sollte jedoch die Bundesregierung damit bezweckt haben, eine Meinung in der Richtung zu äußern, als wäre der 219 5— 2 51 des Herrn Botschafters der Vereinigten Staaten von 1 . Ve e dere a g diele ad ee muß diese Regierung, um etwaigen Mißverständnissen zuvorzu⸗ 9 che Flotte das Schwarze Meer von der rufsischen Flotte bos se Paß die kürzische Schiffahrt beute ungestört ihre 5 Tätigkeit wieder aufnehmen könne. ee ö** 8 5 Die wirtschaftliche Verbindung Deutschlands und Oesterreich⸗Ungarns. Wien, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Parla⸗ hat die deutsche Arbeiterpartei eine B gedung für eine engere Wirtschaftsgemeinschaft mit dem Deut⸗ schen Reiche beschlossen, in der die Notwendigkeit der Schaffung eines gemeinsamen Zollgebietes mit den Deutschen Reiche betont wird und hierfür Grundsätze festgelegt werden. Ferner wird in ihr verlangt, daß bei der Regelung der zu⸗ künftigen handelspolitischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich⸗Ungarn die Verbände der Angestellten und Arbeiter sämtlicher Richtungen hinzu⸗ gezogen werden. Die„wackeren Schwaben“ Mackensens. Berlin, 16. Dez. Eine warme Anerkennung der Leistungen der württembergischen Truppen enthält der Weihnachtsgruß des Generalfeldmarschalls von Mackensen: Meinen wärmsten Weihnachtswunsch all den wackeren Schwaben, die in den mir unterstellten Heeresteilen und jetzt an der Donau und in den Bergen Serbiens ihre Pflicht bis aufs äußerste 7 715 haben. Württemberg kann auf seine Söhne stolz sein. Wo sie kämpften, ging es vorwärts, and so soll es bleiben bis zum endlichen deutschen Siege. Die Kriegsgefangenenpost. 5 Berlin, 14. Dez. Der französische Kriegs⸗ „Da die Briefe der gefangenen Franzosen, die in Deutsch⸗ interniert sind, trotz Protbestes der französischen Regierung eeiner systematischen Verspätung von 10 Tagen unterzogen wer⸗ 1237 Krie angenen in ankreich getroffen werden soll. Bis auf weiteres werden die Briefe, die von deutschen Kriegsgefangenen abgeschickt werden, oder die für sie ankommen, derselben Verspätung unterzogen werden. Die Kriegsgefangenen Dürfen ihre Familien von dieser Maßregel in Kenntnis setzen.“ Amtlich wird hierzu von deutscher Seite bemerkt: Aus militärischen Gründen erfolgt in Deutschland die A b⸗ sendung der Briefe der Kriegsgefangenen erst 10 Tage, nachdem ssiie geschrieben sind. Briefe in dringenden geschäftlichen und wich⸗ tigen Familienangelegenheiten sind unmittelbar zur Beförderung 0 assen. Für die eingehende Post der Kriegsgefangenen bbestehen in Deutschland keinerlei Beschränkungen. Der französischen (Regierung sind diese Grundsätze Deutschlands für die Behand⸗ lung der Kriegsgefangenenpost mit dem Hinzufügen bekannt ge⸗ geben, daß nunmehr in Deutschland auch die eingehende Post de französischen Kriegsgefangenen erst 10 Tage nach ihrem Ein⸗ treffen ausgehändigt wird. Diese Anordnung bleibt solange be⸗ stehen, bis die Beschränkung der eingehenden Post der Kriegsge⸗ fangenen in Frankreich aufgehoben wird und die französische Re⸗ ierung entsprechende Mitteilung hierher gelangen läßt. 0 9** Die österreichische Antwort auf die * amerikanische Note. 5 Wien, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Minister des Aeußern, Baron Burian, hat an den amerikanischen Botschafter Benfield unter dem 14. Dezember 1915 nach⸗ stehende Note gerichtet: 5 Zu der sehr geschätzten Note Nr. 4137, welche Se. Exzel⸗ lenz der Herr außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika C. Frederich Pente, amerikanischen Regierung in der Angelegenheit der Vore⸗ italienischen Dampfers„Ancona“ unter dem 9. Dezember in ihn gerichtet hat, beehrt sich der Unterzeichnete vorläufig unbeschadet einer eingehenden meritorischen Behandlung der steklamation zu bemerken, daß die Schärfe, mit welcher die desregierung den Kommandanten des an der Sache beteiligten terseebootes zu tadeln vermeint, und die Entschlossenheit, it der die an die Adresse der österreichisch⸗ungarischen Regierung gerichteten Forderungen vorgebracht erscheinen, wohl hätten er⸗ warten lassen, daß die Regierung der Unònion die tatsächlichen. Umstän de des Falles, auf welche sie sich stützt, genau angebe. e unschwer zu erkennen ist, läßt die in der besagten Note ent⸗ altene Tarstellung des Sachverhaltes zahlreichen Zweifeln u m gewährt, selbst wenn sie in allen Punkten zutrifft ind der Beurteilung des Falles die rigoroseste Rechtsauffassung ugrunde gelegt würde, durchaus keine genügende Hand⸗ abe, um dem Kommandanten des Kriegsschiffes oder der sterreichisch⸗-ungarischen Regierung ein Ver⸗ schulden zur Last zu legen. 5 Die Bundesregierung hat es auch unterlassen, die Personen u bezeichnen, auf deren Aussagen sie sich beruft und welchen sie . enscheinlich einen höheren Grad von Glaubwürdigkeit zuzu⸗ erkennen zu dürfen glaubt, als dem Kommando der kaiserlich und königlichen Flotten. Auch was Zahl, Namen und näheres Schick⸗ sal der amerikanischen Bürger anlangt, die im kritischen Augenblick Bord des genannten Dampfers weilten, läßt die Note jeg⸗ ichen Aufschluß vermissen. Die österreichisch⸗ungarische ierung ist gleichwohl im Hinblick darauf, daß das Washing⸗ ner Kabinett nunmehr eine positive Erklärung des Inhalts ab⸗ 5 ben hat, es seien bei dem fraglichen Vorfall Angehörige der ereinigten Staaten von Amerika zu Schaden gelommen, im Prin⸗ bereit, in der Angelegenheit in einen Gedankenaus⸗ ausch mit der Bundesregierung einzutreten. Sie muß ber schon die Frage aufwerfen, weshalb diese Regierung davon bgesehen hat, die in dieser Note aufgestellte Forderung unter Be⸗ ichtnahme auf die von ihr selbst hervorgehobenen besonderen mstände des inkriminierten Vorganges juristisch zu begründen nd an die Stelle einer solchen Begründung den Hinweis auf den chriftwechsel gesetzt hat, den sie in einer anderen Angelegenheit mit einer Regierung geführt hatte. Die österreichisch⸗ mgarische Regierung vermag dem Washingtoner Kabinett auf diesem ungewöhnlichen Wege umso weniger zu folgen, als e keine authentische Kenntnis von allen einschlägigen Korrespon⸗ zen der Bundesregierung besitzt, und sie ist auch nicht der An⸗ sicht, daß ihr diese Kenntnis im vorliegenden Falle genügen lönnte, 'e, soweit ihre Informationen reichen, in wesentlichen Punkten ers geführt sind als der Fall oder die Fälle, auf welche die ierung der Union anzuspielen scheint. 1 Die österreichisch⸗ungarische Regierung darf ohin dem Washingtoner Kabinett anheimgeben, die einzelnen Rechts⸗ sätze zu e welche der Kommandant des Unterseebootes anläßlich der Versenkung der„Ancona“ verstoßen haben soll. Die Regierung der Union hat auch geglaubt, auf die Haltung verweisen zu sollen, welche das Berliner Ka⸗ binett in dem erwähnten Schriftwechsel eingenommen hat. Die stehenden Angelegenheit eine Präjudiz irgendwelcher Art gegeben, kommen, erklären, daß sie sich selbstverständlich volle Frei⸗ heit wahrt, bei Erörterung des Falles der„Ancona“ ihre eigene Rechtsauffassung geltend zu machen Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, die Gefälligkeit Sr. ika mit der ergebensten Bitte in Anspruch zu nehmen, das österreichisch⸗ungarische Regierung das Schicsal der unschuldigen Opfer des bewußten Vorfalles nicht weniger als die amerikanische Regierung und unter allen Umständen aufrichtig beklagt, benützt er zugleich auch diesen Anlaß, um S. Exzellenz dem Herrn Bot⸗ schafter den Ausdruck seiner ausgezeichneten Hochachtung zu er⸗ neuern. 0 Burian m. p. 1„„ 1 Der türkische Bericht. Konstantinopel, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Irakfront wurden die letzten auf dem rechten Ufer des Tigris befindlichen Häuser von Hu⸗el⸗Amara am 13. Dezember erstür mt. Von zwei feindlichen Monitoren, die in östlicher Richtung zu entfliehen versuchten, wurde einer durch unsere Artillerie versenkt, der andere kehrte guf seinen alten Platz zurück. 1 Auf der Kaukasusfront hat sich nichts ereignet. Auf der Dardanellenfront örtliche Feuergefechte aller Art, besonders mit Bomben und Lufttorpedos. Unsere Ar⸗ tillerie zwang feindliche Schiffe, die in der Bucht von Kimikliliman Schutz suchen wollten, zur Flucht. Bei Ari Burnu zerstörten zwei von uns auf dem rechten Flügel zur Explosion gebrachte Minen zwei feindliche Gegenminen. Ein feindlicher Kreuzer beschoß wir⸗ kungslos unsere Stellungen auf diesem Abschnitt und zog sich dann zurück. Unsere Artillerie zwang einen feindlichen Kreuzer sowie ein feindliches Torpedoboot, die sich der unseren linken Flügel zu beschießen, sich zu entfernen und brachte einige feindliche Batterien zum Schweigen. Die türkischen Streitkräfte. Berlin, 16. Dez. Die Türkei wird laut einer Mel⸗ dung des„Berliner Lokalanzeigers“ in kürzester Zeit über eine Streitmacht vonzwei Millionen Mann ver⸗ fügen. Wie der Spezialberichterstatter des„Temps“ mitteilt, wird die eigentliche Tätigkeit der türkischen Armee erst jetzt in voller Kraft einsetzen. Aus dem englischen Unterhaus. London, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses vom Montag sagte Lord Robert Cecil auf eine Anfrage, daß die Regierung beabsichtige, Montenegro zum Ankauf von Lebensmitteln eine Anleihe zu gewähren. Cha m⸗ berlain erklärte auf eine Anfrage, es sei Grund, anzunehmen, daß das Gerücht deutschen Ursprungs unwahr ist, nach dem bisher freundliche Araberstämme in den Kämpfen in Mesopota⸗ mien gegen die Briten Partei ergriffen hätten. Mac Kenna sagte auf eine Anfrage, er sehe keine Schwierigkeit voraus, die notwendigen Anleihen unter freiwilligen Bedingungen zu erheben, sodaß eine Zwangsanleihe nicht notwendig sei. Asguith er⸗ klärte, die Regierung beabsichtige nicht, eine Herabsetzung der Gehälter der Minister und Bezüge der Abgeordneten zu bean⸗ tragen. Der Chefsekretär für Irland, Birrell, sagte, es läge nicht in dem öffentlichen Interesse, mitzuteilen, welche Maß⸗ regeln gegen die Versuche, die Rekrutierung in Irland zu verhin⸗ dern, ergriffen würden. Tennant sagte, die Verteidigung Lon⸗ dons gegen Luftangriffe sei dem Kriegsamt übertragen. Admiral Scott werde das Kommando nicht behalten. Terrell fragte, ob bei dem letzten Gefangenenaustausch wohlgenährte, wohlgekleidete und gesunde Deutsche gegen gänzlich invalide, schlochtgekleidete, in vielen Fällen halbverhungerte Engländer ausgetauscht wurden. Tennant erwiderte: Von den ausgewechselten Deutschen waren 43 dienstunfähig, 60 Mitglieder des Sanitätsdienstes. Die Invali⸗ dität der Deutschen und Engländer hat einander entsprochen. Die Kleidung der Engländer war schlecht, aber einen halbverhungerten ländern nicht wollene Kleidungsstücke weggenommen wurden, er⸗ widerte Tennant, das entspräche nicht seinen Informationen. As⸗ quith sagte auf verschiedene Fragen, die Abkommen des Aus⸗ wärtigen Amts mit neutralen Ländern bedeuteten keine Aenderung der englischen Politik und kein Eingeständnis der Regierung, daß die Blochade nicht durchgeführt werden könne. Asquith lehnte es ab, auf die neuliche Kritik Carsons in einem Briefe an die Presse zu antworten und wich den Fragen aus, ob vor Abschluß des englisch⸗dänischen Abkommens bestimmte Aemter befragt wurden und ob die Frage dem Kabinett vorgelegen habe. Die Vergrößerung des englischen Heeres. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause wurde die Bill, durch welche die Legislaturperiode des gegenwärtigen Parlaments verlängert wird, in zweiter Lesung angenommen. Die Regierung forderte einen ergänzenden Kredit für noch eine Million Soldaten, durch welche die ganze Heeresstärke auf 4 Millionen Mann gebracht wird. Das amerikanische Schiffsbauprogramm. Washington, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reukerschen Bureaus. Der Marinesekretär befür⸗ wortet in seinem Jahresbericht ein fünfjähriges Baupro⸗ 1 das 10 Dreadnoughts, 6 Schlachtkreuzer, 10 Auf⸗ lärungskreuzer, 50 Zerstörer, 15 Hochsee⸗U⸗Boote und 85 Küsten⸗Ul⸗Bodte umfaßt, sowie ferner eine Ausgabe von 6 Millionen Dollars für den Flugdienst vorsieht. Aus der französischen Kammer. Paris, 15. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Kammer erörterte heute die Gesetzes⸗ vorlage betr. 1 die Eröffnung von vorläufigen Krediten für das erste Vierteljahr des Rechnungsjahres 1916; 2. die Er⸗ mächtigung, Steuern und öffentliche Einkünfte während desselben Zeitraumes zu erheben. Im Verlaufe der Beratung forderte der Deputierte Accambrah unerwartet, daß die Kammer sich als Geheimkomitee bilde, um die Regierung über die notwendigen Be⸗ fugnisse des Oberkommandos zu befragen. Ministerpräsident Briand der nicht vorher in Kenntnis gesetzt war, war nicht an⸗ wesend, weshalb Finanzminister Ribot Einspruch erhob. Der Vorschlag wurde darauf mit 327 gegen 154 Stimmen abgelehnt. Uriegsbriefe aus dem Often. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.) Der Kaiser in Wilna. „den 14. Dezember. Etwas nach 8 Uhr traf der Kaiser aus der Richtun Kowno auf dem Wilnaer Bahnhof ein und begab sich na kurzer Begrüßung zum Gottesdienst in die lutherische Kirche von Wilna. Am tannengeschmückten Eingang erwarteten die beiden Geistlichen den 1 der den beiden weiß⸗ haarigen Herren mit großer Freundlichkeit durchaus den Vortritt geben wollte. Inmitten des Gefolges nahm darauf der Kaiser am Gottesdienst teil. Prinz Oskar saß zur Linken, im Halbkreise Feldmarschall Hindenburg, Chef des General- stabes Falkenhayn, Exzellenz Ludendorff, Exzellenz Eich⸗ 12 5 5 Exzellenz e Chef des Abinirafstabes Nach iturgie und Chorgesang betrat der Feldgeistliche die Kanzel zu längerer Predigt, die aus dem Evangelium Stelle zur Unterlage hatte, in der erzählt wird, wie Johan⸗ nes dem Täufer Zweifel an der Sendung Christi kommen: „Bist du's, der da kommen soll!“ Mit großer Wärme führte der Geistliche aus, wie dieses in schwever Zeit die schwerste Sünde wäre, da der Glaube an alle aufbauende Kraft des Christentums und der christlichen Kultur ins Wanken käme da das Herz gleich dem Johannes des Täufers von den Eindrücken bewegt würde, diese Welt sei krank, schlecht und faul, in dieser Welt des Krieges gingen die Werte christ⸗ lichen Geistes zugrunde. Wenn man auf manche Erschei⸗ Vorstehende der amerikanischen Regierung mitzuteilen und bei bieser Gelegenheit zum Ausdruck bringen zu wollen, daß die nungen blickt, kann man zu diesem Zweifel kommen, aber di Antwort Christt jet auch die Antsvort für heulr!„Selig, Blatt 2 1 * 5 5 üste näherten, um Eindruck machten sie nicht. Auf die weitere Frage, ob den Eng⸗ Matthäus die wer sich nicht an nir argert.“ Wan muß das neymen, was vorhanden ist, und das at auf deutscher Seite eine solch⸗ Erstarkung und Vertiefung in Gottes Gedanken, daß nad der schweren Zeit ein so großer Strom innerlichst gewonne nen christlichen Lebens über die Welt von Deutschland aus⸗ ehen würde, daß Segen aus Not und Bitterkeit erwachsen önne. Der Kaiser folgte den Ausführungen mit großer olwerrorkfamkeit und zog, nachdem der Gottesdienst zu Ende und das Niederländische Dankgebet verklungen war, den Geistlichen in ein langes Gespräch Nach der Kirche fuhr der Herrscher zum Botanischen Garten, um Parade über die Truppen abzunehmen. Straßen und Plätze waren voll von Tausenden, der jüdischen Bevölkerung Wilnas, während sich die Katholiken in der Nähe der Kathedrale aufgestellt hatten. Generalfeldmarschall Hindenburg und Exzellenz Eich⸗ horn führten beim Vorbeimarsch die erste Kompagnie ein, wie üblich bis zum Kaiser heran, und nahmen dann dicht hinter dem obersten Kriegsherrn Stellung. Größere Teile der Garnison Wilnas stampften vorbei. Danach gin der Kaiser 1 den Schloßberg. Sonne war inzwischen durch den Dezemberhimmel gekommen, die Kuppeln und Türme Wilnas glänzten in einer fast frühlingshaften Luft. Inzwischen hatten sich die Mannschaften, die das Eisern⸗ Kreuz erhalten sollten, in langer Reihe aufgestellt. Der Kaiser trat an jeden Mann heran, der machte kurz seine Meldung, und der Kaiser überreichte ihm das Kreuz mit Händedruck. Das ging gleichmäßig. Recht belebt wurde die Handlung ersi dann, wenn kaiserliche Fragen an den neuen Ritter kamen. „Zu Befehl, Herr Hauptmann,“ sagte ein braver Pionier und fügte, dunkelrot, stramm dazu:„Herr Major, Ver⸗ zeihung.“ Weniger schüchtern war ein Mann, der das Kreuz bekam, weil er sich„wegen Patrouillengehen, Arbeiten am Drahthindernis“ ausgezeichnet hatte. Das Wort„ausgezeich⸗ net“ wollte nicht recht vom Munde. Der Kaiser blieb stehen. „Wo gedient?“„Bei den Königsulanen.“„So, wo bist Du denn her?“„Aus Lüneburg, Euer Majestät, und dann war ich beim ostasiatischen Reiterregiment.“ Der Kaiser sah den Mann an, die blauen Augen strahlten ihm entgegen.„Beim ostasiatischen Reiterregiment? Wie ist's denn jetzt bei der Infanterie?!“„Ach, ich bin ganz zufrieden bei der Infan⸗ terie.“„So ohne Lanze?“„Da nehmen wir den Kolben, Euer Majestät.“„Wart Ihr denn mal dicht dran?“„Ja⸗ wohl, Majestät, bei Kowno.“„Bajonett oder Kolben?“ „Beides, Majestät.“„Na ja— aus Lüneburg!“ Der Kaiser geht lächelnd zum nächsten Mann. Da steht die mächtige Figur Hindenburgs vor dem Lüneburger.„Wann haben Sie gedient?“„98, Exzellenz.“ Der Feldmarschall sieht den Mann mit den starken Augen eine Sekunde an und geht weiter, dem kaiserlichen Gefolge nach. Es entsteht ein Ge⸗ dränge. Da schiebt sich eine Schwester an einen Major dicht beim Kaiser.„Herr Major, ich möchte gern den Blumen⸗ strauß...“„Legen Sie sich man mittschiffs, ich bringe Sie schon durch zu Majestät,“ sagt Prinz Oskar. Der Strauß der Schwesternschaft wird also überreicht. Der Kaiser geht darauf hinüber zu der alten St. Stanislaus⸗Kathedrale, in der ihn der Bischof von Wilna empfängt. Der geistliche Herr und die Pfarrer der Kirche führen den Herrscher zu der Marmor⸗ kapelle, in der der schwere silberne Sarg des heiligen Kasimir ruht und acht silberne Statuen polnischer Könige die Wände schmücken. Dann ze igen sie dem Kaiser das Grab des litauischen Großfürsten Witold. Auf der Stelle litauischen Heiligtums ist diese katholische Kirche ja gegründet. Wunder⸗ voller Orgelklang flutet durch den Raum, so daß der Kaiser den Bischof besonders nach Spieler und Orgel fragt. Vor der Kirche erwartet die litauische und polnische Bevölkerung das Heraustreten des Kaisers, der am Ausgang dem Kirchen⸗ fürsten durch Händedruck dankt. Hochrufe stiegen brausend auf, als der Kaiser wieder in den Wagen stieg. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Aus dem Reiche. ö Der Kaiser. 5 f Berlin, 15. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Kaiser ist nach einer längeren Reise zu den Armeen im Befehlsreiche des Generalfeldmarschalls von Hindenburg und einer Be⸗ sichtigung der Marineanlagen in Libau zu vorübergehendem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Keine Gesamtneuordnung der Kriegsbesoldungsordnung a während des Krieges. Berlin, 15. Dez.(WTB. ali wc Der Haupt⸗ ausschuß des Reichstages hat die Entschließung des Zen⸗ trums auf Schaffung einer Zentralstelle für Lebens⸗ mittelversor gung einstimmig angenommen und sodann über die Reform der Kriegsbesoldungsordnung beraten. Der Stellvertreter des Kriegsministers erklärte, er sei im Benehmen mit dem Reichsschatzsekretär in Erwägung darüber eingetreten, inwieweit und wann die gewünschte Reform durchge⸗ führt werden könne. Die jetzigen Gehaltssätze entsprächen im all⸗ gemeinen denjenigen, die 1870/71 gezahlt worden seien. Viele Offi⸗ ziere des Beurlaubtenstandes hätten kein anderes Einkommen als aus dem Kriegsdienst. Auch einen Unterschied mit aktiven Offizie⸗ ren zu machen, erscheine nicht angängig. Seit langem werde daran gearbeitet, die hohen Kriegsausgaben zu vermindern. Auch bel den Zulagen der Beamten seien verschiedentlich Abstriche gemacht worden. Zu einem Zeitpunkt aber, wo an anderen Stellen Ar⸗ beiter und Beamte Teuerungszulagen erhielten, weitere Abstriche zu machen, sei hart. Offiziere, die in Belgien stehen, seien nur noch die immobilen Gebührnisse belassen worden, während die Mann⸗ schaften ihre mobilen Gebührnisse erhielten. Der Staats⸗ sekretär des Reichsschatzamtes führte aus, im Ein⸗ vernehmen mit dem Kriegsminister sei eine Nachprüfung der Be⸗ soldungsordnung erfolgt nicht nur hinsichtlich der Beamten sondern auch der Offiziere. Eine Gesamtneuordnung der Kriegsbe⸗ soldungsordnung während des Krieges sei eine Unmöglichkeit. Die finanzielle Wirkung der Kürzung der Bezüge der Feldoffiziere namentlich vom Hauptmann oder Major aufwärts, dürfe nicht überschätzt werden. Darauf wurde die Sitzung auf morgen vor⸗ mittag vertagt. 8 7 0 5 Reichsunterstützungen. Berlin, 15. Dez.(WTB. Amtlich) Zur Unter⸗ stützung der Gemeinden und Gemeindeverbände bei der Für⸗ sorge für solche Angestellte und Arbeiter, die in den Betrieben der Textilindustrie infolge der Arbeiterbeschränkungen er⸗ werbslos geworden sind, sind vom Reiche vom 1. Oktober 1915 ab besondere Mittel bereitgestellt, aus denen den Ge⸗ meinden und Gemeindeverbänden wenigstens die Hälfte den Aufwendungen für erwerbslos gewordene Ange⸗ stellteund Arbeiterder Tertilindustrie erstattet wird. Neben dem Reiche wird auch der Staat helfend ein⸗ treten, indem er den Gemeinden und Gemeindeverbänden regelmäßig ein Drittel der fraglichen Aufwendungen ersetzen wird, so daß ihnen höchstens ein Sechstel zu eigenen Lasten verbleibt. Durch diese Hilfsaktion von Reich und Staat werden die Gemeinden in die Lage versetzt, erwerbslos ge⸗ wordenen Angestellten und Arbeitern der Textilindustrie ihre 5 einem dem Bedürfnis entsprechenden Maße zu widmen. a Die staatsrechtliche Stellung Elsaß⸗Lothringens. Berlin, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des verstärkten Haus haltsausschusses de tages wurde die Frage in vertraulicher Weise . Frenzel und Zo deklamatorische Teil des st a a f bnerbalb des Deutschen Reiches „Noch immer sind 1 tsrech .[lun Elsaß⸗Lotryringens b Deutschen Reich Gers 55 bisher zu gestalten ein werde. Bei Beginn der. gab der Stellvertreter Reichskanzlers folgende Erklärung ab: Es ist 1 daß die Entwicklung der Verhältnisse in Elsaß⸗Lothringen Zweifel darüber hat entstehen lassen, ob der bisherige staats rechtliche Zustand in den Reichslan nach dem Frieden aufrecht zu erhalten sei. Diese Frage ist auch in der Presse schon wiederholt erörtert worden. Auch in den Besprechungen, die der Reichskanzler aus anderen An⸗ lässen mit den leitenden Ministern der einzelnen Bundesstaaten habt 11 5 ist diese Frage berührt worden. Diese gesprächsweise Beha ung derselben hat indessen zu einem bestimmten Pro⸗ amm nicht geführt. Auch die Regierung des führenden Bundes⸗ lagtes ist zu einer Entscheidung darüber, ob und in welcher Weise ieses Problem in Angriff genommen werden solle, noch nicht gelangt. Der Bundesrat ist mit dieser Frage überhaupt noch nicht befaßt worden. Ich bin daher nicht in der Lage, zu dieser Frage namens des Reichskanzlers oder der verbündeten Regierun⸗ gen Stellung zu nehmen. 1 Weihnachtsgrüße des Königs von Württemberg. Berlin, 16. Dez. Das württembergische Kö⸗ gigspaar hat den im Felde stehenden württembergischen Truppen seinen Weihnachtsgruß entboten. Der Gruß des Königs lautet verschiedenen Morgenblättern zufolge: meine tapferen Truppen fern von der Sie aber wenn die Gedanken noch so sehr sich bei den ieben zu 19 05 befinden, die mit Sehnsucht ihrer Männer, Brüder und Söhne gedenken— ein jeder weiß, daß er durchhalten und Opfer ertragen muß, bis ein frohes und schönes Wiedersehen nach ehrenvollem Frieden winkt. Daß dies bald sein möge, erbitten wir von Gott. Und ich bin ewiß, daß alle so denken und empfinden. Einem jeden Krie er im Felde sende ich meinen landesväterlichen innigen Gru 10 5* Berlin, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Haupt⸗ ausschuß des 5 faßte über eine Reihe von An⸗ trägen Beschluß. Es wurden Entschließungen der verschiedensten Parteien gefaßt über Kriegsmaßnahmen, wie Kriegsunterstützungen, Höchstpreise, Butterkarten und an B in eichsversicherungsordnung von auf 65 Jahre. 7 eln 16. Dez. Eine außerordentliche Hauptver⸗ sammlung der Landwirtschaftlichen Zentral⸗ genossenschaftskasse für Deutschland in Berlin erhob gestern den Antrag der Verwaltung, das Aktienkapital von 10 auf 20 Millionen Markt zu erhöhen, zum Beschluß. Die Begründung des 9 0 beleuchtete die Kriegsarbeit der aiffeisengenossenschaften. 5 1 8 iin, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Vorwärts“ folge sind von der sozialdemokratischen Fraktion 65 Mitglieder für die Bewilligung der neuen Kreditvorlage von zehn Milliarden Mark und 41 dagegen. 5 München, 15. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das stell⸗ vertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armee⸗ korps hat ab 16. Dezember für München das Verbot der Milchbeigabe in Kaffeehäusern usw., nach⸗ dem jetzt der Magistrat den Milchverbrauch Münchens ge⸗ vegelt und dabei die Verwendung kondensierter Milch für die Kaffeehäuser genehmigt hat, aufgehoben. erwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen eingang des heimat⸗ blattes. Um eine Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man den feldpost/Bheæug des Gießener Anzeigers für das nächste vierteljahr(CJan.⸗febr.⸗arz) schon jetzt erneuern Alle Postamter nehmen dic Bestellung entgegen. der vierteljahrs⸗ Bezug be⸗ trägt Ik. 3.50 einschlicßlich der Um⸗ schlag⸗bcbuhr. Außerdem vermittelt dic Bestellungen wie bisher auch dic Geschäftsstelle des Gichener Anzeigers Aus Stadt und Cand. Gießen, 16. Dezember 1915. * Auszeichnung. Dem Obermatrosen Josef Fegbeitel wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. * Amtliche Personalnachrichten. Das Ehren⸗ zeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen an Georg Keiser, Peter Jooß, Heinrich Siegel, Peter Winnewisser, Johann Gottfr. Siegel, Ludwig Schlegel, Georg Michel, Ferdinand Diemer., Josef Salomon und Leonhard Heilmann II., sämtlich von Neckarsteinach. —Schlachthofsdirektor Dr. Modde geht auf acht Tage zur Teilnahme an einem Demonstrationskursus über Kriegskrankheiten bei Pferden und Rindern nach Han⸗ nover. Der Kursus wird von Anatomieprofessor Dr. Miesner abgehalten, der auf den Kriegsschauplätzen gewirkt hat und von dort gutes Unterrichtsmaterial nach Hannover hat bringen lassen. Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Lustspielneuheit, die eine sehr figurenreiche Personenliste aufweist, ist fast das gesamte Personal mit Hinzuziehung einiger Hilfskräfte beschäftigt. Die größeren Rollen liegen in den Händen der Damen Rubens, Burghoff, 0 ndervan und der Herren Theiling, Goll, Twor⸗ jowski, Hellmuth, Steinhofer, Eugens und Stettner. Die Spiel⸗ leitung 5 7 Direktor Steingoetter inne. 5 * Mu sikalisch⸗deklamatorischer Abend. Es ser nochmals darauf hingewiesen, daß der vom Allgemeinen Deutschen menverein Ortsgruppe Gießen zum besten der hiesigen riegerfrauen angesetzte Vortragsabend heute, 8 Uhr, im Saale des Gesellschaftsvereins(Sonnenstraße) stattfindet. Der . 0 Abends bringt nur Werke hessischer Dichter zu Gehör. Als Mitwirkende sind Frau Dworkowski, Frau Fer ane e e dene en dl apfel, Fräulein Ingrid Lakers, 9 55 * Hofkünstler Strack⸗Bellachini aus Marburg wird an den Weihnachtsfeiertagen und am 1. und 2 Januar im Cafs Leib Vorstellungen veranstalten. r Ueberführung von Leichen gefallener oder im Felde gestorbener Kriegsteilnehmer— Für die Heimbeförderung von Leichen gefallener oder im Felde gestorbener Kriegsteilnehmer werden von den An⸗ gehörigen bei den Eisenbahnverwaltungen häufig Anträge auf Frachtermäßigung gestellt. Es wird deshalb darauf hin⸗ gewiesen, daß der für das Vaterland Gefallene am ehren⸗ vollsten im Soldatengrab ruht, inmitten seiner Kame⸗ raden, mit denen er stritt und fiel und deren Ruhe nicht um Eines Willen gestört werden darf. Dort haben Kameraden⸗ hände an vielen Grabstätten bereits harmonisch wirkende Anlagen geschaffen, die erhalten bleiben sollen. Unter Wür⸗ digung dieser Verhältnisse darf angenommen werden, daß die Rückführung von Leichen Gefallener auf Ausnahme⸗ fälle beschränkt bleibt. Um die Rückführung von Leichen auch in diesen Fällen nach Möglichkeit bis zur Beendigung des Krieges zurückzustellen, wird auf diejenigen Leichen⸗ sendungen, die erst nach dem Kriege aufgegeben und be⸗ fördert werden, während eines angemessenen, später fest⸗ zusetzenden Zeitraums eine Frachtermäßigung von 50 Proz. gewährt. Während des— 2 ist für die Leichenbeförde⸗ rung die volle tarifmäßige Fracht zu entrichten. * Neue Maßnahmen zur Verhütung un⸗ mäßigen Alkoholgenusses beim Feldheer e sind von zuständiger Stelle teils getroffen, teils beabsichtigt, wie aus einem uns zur Verfügung gestellten Schreiben des Chefs des Feldsanitätswesens aus dem Großen Haupt⸗ quartier vom 16. 10. 15 an ein hervorragendes Mitglied unseres Vereins hervorgeht: 1. Die Abgabe von alkoholi⸗ schen Getränken an Heeresangehörige im Felde ist in der Weise geregelt, daß die Ausgabe stärkerer alkoholi⸗ scher Getränke verboten ist, ausgenommen in Fällen, wo sie ärztlicherweise für erforderlich erachtet wird. Bemerkt sei hierbei ausdrücklich, daß die Heeresverwaltung nicht auf dem Standpunkt steht, daß stärkere alkoholische Getränke einen Schutz gegen ansteckende Krankheiten gewähren. Ge⸗ stattet sind leichter, unverfälschter Landwein und Bier. 2. Als Liebesgaben werden zwar von den Liebesgaben⸗ annahmestellen ebenfalls stärkere alkoholische Getränke ge⸗ sammelt. Die Annahmestellen dürfen jedoch bestimmungs⸗ gemäß den Feldtruppen nur leichten Wein und Bier zu⸗ führen; ihnen abgelieferte stärkere alkoholische Getränke müssen von ihnen den Lazaretten überwiesen werden und können hier an Stelle von Medikamenten Verwendung finden. 3. Vor dem Versand alkoholischer Getränke in Feldpostpaketen an die Truppen im Felde ist schon im Juni d. J. durch das Ministerium des Innern öffentlich ewarnt. Es wird beabsichtigt, diese Warnung weiter fort⸗ aufend veröffentlichen zu lassen, um ihre Wirksamkeit noch zu erhöhen. 4. Den Truppen werden sehr große Mengen Mineralwasser zugeführt, teils als Liebesgaben, größtenteils aber aus hinter der Front eingerichteten, im Betriebe der Etappen befindlichen Mineralwasserfabriken. So stellt Etappe 6 täglich allein über 100000 Flaschen Wasser her. 5. Alkoholfreie Getränke und Fruchtsäfte werden den Truppen als Liebesgaben, letztere auch im Ver⸗ pflegungssatz, in reichem Maße verabfolgt. 6. Die Benutzung von Firmen⸗Reklame⸗Postkarten in Lazaretten, insbesondere von solchen von Branntwein⸗ und Likörfabriken, wird vom Feldsanitätschef streng gemißbilligt. Schritte, diese Unsitte abzustellen, sind eingeleitet. Landkreis Gießen. gt. Muschenheim, 16. Dez. Aus der hiesigen Gemeinde und Hofgüll stehen zurzeit 115 Mann unter den Waffen. Der hiesige Ortsausschuß vom Roten Kreuz hat nun jedem ein Werh⸗ nachtspaket geschickt. Hierzu gab die Sparkasse 50 Mk., der Konsumverein 40 Mk., der Kriegerverein 50 Mk., der Gesang⸗ verein 20 Mk., Oekonomierat Hoffmann, Hofgüll, 10 Mk. und Frau Schutt, Gießen, früher Neumühle, 4 Kistchen Zigarren. Das Weihnachtsgebäck, das doch hierbei nicht fehlen durfte, wurde von Frauen und Mädchen hergestellt; die Sammlung hierzu im Dorfe ergab 123 Eier, 12 Pfund Mehl, 6 Pfund Butter, 26 Pfund Zucher und 2.74 Mark an Geld.— An das Kreiskomitee wurden abgelie⸗ fert 34 Paar Handschuhe, 1 Faß Gurken, 2 Töpfe Senfgurken, 2 Zuber und 2 Töpfe Honig, 2 Körbe Aepfel, 30 Wirsing und 1 Sack Karotten. SBeuern, 15. Dez. Gefreiter Wilhelm Arnold vom Landwehr⸗Inf.⸗Regt. Nr. 116 erhielt die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille. . Kreis Büdingen. b —PNidda, 16. Dez. Unter Beteiligung von Vertretern aller oberhessischen Bezirksverbände fand hier eine vom Bezirksverband Büdingen⸗Schotten einberufene Hand⸗ werkerversammlung statt, die sich mit dem engeren Zusammenschluß der Handwerker beschäftigte. Hauptlehrer Mockenhaupt⸗ Büdingen sprach in längerem Vortrage über„Die Bedeutung und Notwendigkeit des handwerk⸗ lichen Zusammenschlusses in der Provinz Oberhessen“. Den fesselnden Ausführungen folgte eine längere Besprechung, in der sich nahezu alle Redner für die geplante Organi⸗ sation aussprachen. Ein aus der Mitte der Versammlung gebildeter Ausschuß übernahm die Vorarbeiten zur Ver⸗ wirklichung des Planes. ib Heegheim, 16. Dez. Den Königl. Bayrischen Miltär⸗ Verdienstorden mit Schwertern und die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille erhielt der Leutnant d. Res. Heinz Carl im 1. Bayr. Ulanen-Regiment(Kaiser Wilhelm II.). A Echzell, 15. Dez. Nach langem schweren Leiden starb der Sohn des hiesigen Pfarrers, Karl Strack, Abiturient des Gymnasiums zu Laubach und freiwilliger Krankenträger im Re⸗ servelazarett zu Friedberg. 5 5 Rodenbach, 15. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Musketier Will im Inf.⸗Rgt. 117. 5 1 815 Alsfeld. 88, Aus dem Vogelsberg, 16. Dez. Neben dem Karbid⸗ licht 1 85 5 sich auf dem Lande die Spirituslampe nur zögernd ein, obgleich sie dem ersteren entschieden überlegen ist. Wohl kostet der neue Kriegsbrenner zur Spirituslampe bei seiner trefflichen Konstruktion nur 4 Mark, aber die zu einer solchen Lampe nötigen Nebenteile, wie Zilinder, Glühstrumpf, Einfüllkännchen u. dgl. kosten auch noch einmal nahezu 4 Mark. Und das ist zu teuer! Wenn man für einen Zilinder 60 Pfg. bezahlen muß, den man sonst für 25 Pfg. kauft und für ein Glühstrümpfchen statt 60 Pfg. — 90 Pfg., so wird damit an den Franzen geschnitten, was am Hauptteil geschont ward. Gerade so geht es mit dem Spiritus. Noch immer kann man in den Dörfern keinen Spiritus, die Liter⸗ flasche zu 45 Pfg., bekommen. Wo Spiritus vorhanden ist, da kostet die Flasche ohne Glas 60 Pfg., weil sie noch alten Spiritus ent⸗ hält. Das sind Hemmschuhe für ein Beleuchtungsmittel, das ihre Beseitigung verdient. 0 Von der Ohm, 16. Dez. Um diese Zeit haben wir noch niemals hier im Talgrunde oder im Felde Schwärme von Staren]; gesehen wie jetzt. Vielleicht hat die überaus milde Witterung im Dezember, die in voriger Woche sogar 11 Grad R. betrug, die Stare zurückgehalten. Vielleicht kann aber auch hier der Weltkrieg mitsprechen. Die Stare halten sich sonst um diese Zeit in der Rheintiefebene auf. Dort kann aber wohl der Kanonendonner hörbar sein. Aus dem Ohmtal, 16. Dez. Niemals war das Christ⸗ kündchen guß dem Lande so gabenreich wie in diesem Welttrieg. 5 I. Blatt 8% r i will zurfblerben in dem schönen Wetteiser, den Krie⸗ 1 55 1 Felde eine Weihnachtsgabe zu bescheren.. all herrscht ein edler Sinn im Geben fütr unsere Feldgrauen. e eine Gemeinde zahlt in Geld jedem Wehrmann sein Christkindchen, damit die Angehörigen das Wünschenswerteste kaufen können, die andere bringt in Gaben dar, was jeden Kämpfer erfreuen kann. Keine Gemeinde bleibt zurück im Geben und im Schenken. Kreis Schotten. i Götzen, 15. Dez. Fürs Vaterland starb der Gefreite Thiedemann im Res.-Inf.⸗Rgt. 125 f 4 u. Ober⸗Lais, 16. Dez. In den letzten Tagen war man in ae Gemeinde fleißig an der Arbeit, um den im Felde stehenden Gemeindegliedern durch Zuwendung eines Paketes eine rechte Weihnachtsfreude zu machen. Auf Anregung des Ortsgeistlichen spendeten die Gemeinde und der Kriegerverein für die Weihnachtssendung namhafte Beträge. Außerdem wurden an freiwilligen Gaben über 200 Mark gespendet, so daß über 400 Mk. zur Verfügung standen. So konnte allen Gemeindeglie die draußen im Feindesland stehen oder verwundet in einem Lazarett liegen, ein inhaltsreiches Paket zugesandt werden. Jedes Paket 20 Zigaretten, 1 Paket Briefpapier, 2 Bleistifte, 1 Zigarrenspitze, 1 Wurst, 1 Tafel Schokolade, Weihnachtsgebäck, Nüsse, Aepfel, Heftpflaster, 3 Kerzen, 1 Taschentuch und 1 Paar Filzsohlen. Als besondere Gabe der Kirchengemeinde lag außerdem noch jedem Paket ein Weihnachtsgruß bei. In dem zu unserer Pfarrei ge⸗ hörenden Nachbarort Glashütten wurden ebenfalls Weihnachts⸗ pakete— mit dem gleichen Inhalt wie bei den hiesigen Paketen— ins Feld gesandt. qu. Glashütten, 16. Dez. In den Kämpfen in Galizien fand kürzlich der Musketier Mourdier im Res⸗Inf.⸗Regt. 224 den Tod fürs Vaterland. Er ist das sechste Kriegsopfer in unserer Gemeinde. g Kreis Friedberg. Ab Fauerbach, 15. Dez. Die Hessische Tapferkeits medaille erhielt der Vizefeldwebel Walther. Starkenburg und Rheinhessen. Offenbach, 16. Dez. Oberleutnant der Reserve Wilhelm Klingspor aus Offenbach a. M. vom Infanterie⸗Regiment Hessen⸗Nassau. Marburg, 16. Dez. In einer heute im Pfeifferschen Saale abgehaltenen, zahlreich besuchten Versammlung des land⸗ wirtschaftlichen Vereins, wies der Direktor der land⸗ wirtschaftlichen Versuchsstation zu Harleshausen, Prof. Dr. Hasel⸗ hoff, in einem ausführlichen Vortrag auf die Schwierigkeiten hin, mit denen die Landwirtschaft seit dem Kriegsbeginn zu kämpfen hat. Besonders minderwertig seien die Futtermittel und der Kunstdünger, bei welchen Fälschungen vorkämen, die jeder Be⸗ Wm. Kirchhain, 16. Dez. Am 22. d. M. findet hier eine Sitzung des Kreistages statt. Neben Wahlen zu ver⸗ schiedenen Kommissionen sollen in der Sitzung die erforderlichen Mittel zur Unterhaltung der Landwege im Jahre 1918 bewilligt werden. Weiter werden dem Kreistag in dieser Tagung ein Ent⸗ wurf zum Ausbau des Landweges Neustadt—Wasenberg und ein Kaufvertrag wegen Abtretung einer Grundstücksfläche an die Eisen⸗ bahnverwaltung vorgelegt. Der Kreis Kirchhain will sich dem Zentral-Arbeitsnachweis in Marburg anschließen; die hierfür er⸗ sorderlichen Mittel werden angefordert werden. Zur Deckung der Unterstützungen, die an Familien der in den Kriegsdienst ein⸗ berufenen Mannschaften zu zahlen sind, soll die Aufnahme weiterer Darlehen beschlossen werden. kommunalkasse für 1913 geprüft und festgestellt werden. ra. Hartenrod bei Gladenbach, 16. Dez. Karl Rink von hier starb den Ghrentod für das Vaterland. Ta. Inf.⸗Regt. 35) wurde schwer verwundet gemeldet. Frankfurt a. M., 16. Dez. Vor einem hiesigen Polizeirevier feuerte in der letzten Nacht der felwein⸗ wirt Josef Stein mehrere Schüsse auf sich. Er starb kurz nach seiner Einlieferung in das städtische Kran.— Beim Umsetzen von Straßenbahnwagen in der Station Eckenheim geriet der Schaffner Andreas Platt zwischen fügten. * Frankfurt a. M., 15. Die äftsleitung des„Neuen Theaters“ 12575 den Ku stler 11 3 vom 1. Oktober ab wieder volle Gehälter. Frankfurt a. M., 16. Dez. Zur Erinnerung an den um die Förderung der meteorologischen Wissenschaft hoch⸗ verdienten jetzt verstorbenen Professor Eugen Hart⸗ mann planen die hiesigen wissenschaftlichen Vereine die Er⸗ richtung eines Eugen⸗ und erhält seinen Platz auf dem Gelände des Taunus⸗Obser⸗ vatoriums auf dem Kleinen Feldberge. Der Frankfurter Verein für Luftschiffahrt stiftete als Grundstock 500 Mk. die Zinsen für Spareinlagen vom neuen Rechnungsjahr ab wie 37 Prozent, für gesperrte Einlagen von 3 auf 4 Prozent. hiesigen Lazaretten liegenden verwundeten Krieger. ul. Limburg, 15. Dez. Die umfangreichen Instandsetzungs⸗ arbeiten, verbunden mit verschiedenen Neueinrichtungen der hiesigen evangelischen Kirche sind in endigt sind und dann der Gottesdienst wieder in der Kirche abgehalten werden kann.— Die vom Vaterländischen Frauenverein ab⸗ gehaltenen beiden Konzerte haben einen Reinerlös von 669 Mk. erbracht. Der Betrag dient wohltätigen Zwecken. Vermischtes. 0 Würzburg, 15. Dez. Bei dem Neubau des Unter- acht Arbeiter in die Tiefe; fünf davon wurden die übrigen drei erlitten leichtere Verletzungen. * Gleiwitz 15. Dez.(WTB. Nichtamtli 2 Infolge Tren⸗ nung des Zuges berunglückte der Güterzug 8854 gestern nach⸗ schwer verletzt worden; der Materialschaden ist Störung wird voraussichtlich länger als 24 Stunden Ursache des Unfalls ist noch nicht geklärt. eiche, wie sie bei uns in ähnlichem Umfange nur in der Nähe von fällt. Sechs Arbeiter hatten, wie die„Holzwelt“ berichtet, mit dem Durchsägen des unteren Stammendes drei Tage zu tun. Der Stamm, der nur 3,50 Meter hoch war, hatte unten einen Durch⸗ messer von 2.50 Meter. Der Besitzer der Eiche erhielt für die 23 Festmeter Nutzholz, die der Stamm samt den drei ersten Ast⸗ teilen lieferte, die Summe von 920 Kronen. — enthielt folgende Gegenstände: 1 Pfeife mit Tabak, 10 Zigarren, „Kaiser Wilhelm“ Nr. 116 erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Weiter soll die Rechnung der Kreis⸗ Wilsbach, 15. Dez. Heinrich Hankel 8. Komp. Res.⸗ folgt erhöhen: für jederzeit abhebbare Einlagen von 33% auf Diez, 16. Dez. Die Gefangenen der hiesigen Strafanstalt 5 sammelten aus ihren Arbeitslöhnen 130,71 Mark für die in den mittag gegen 4,50 Uhr in der Kilometerstation 1604 der Nebenbahn 1 Ornesche Gleiwitz. Ein Hilfsschaffner ist getötet, ein anderern Eine Rieseneiche in Oesterreich. Eine Riesen⸗ Leipzig sich befindet, wurde unlängst in Kittlitz in Oesterreich ge⸗ f die Puffer, die ihm lebensgefährliche Quetschungen zu i Hartmann⸗Gedächtnis⸗ baus. Das Gebäude soll wissenschaftlichen Zwecken dienen ra. Weilburg, 16. Dez. Unsere Kreissparkasse wird. ö uche letzter Zeit derart vor⸗ geschritten, daß voraussichtlich zum 1. März 1916 alle Arbeiten be⸗ fränkischen Krüppelheims stürzte das Gerüst ein und riß J schwer verletzt, Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die dauern. Die 8 licher Sohn stud. rer. nat. im Alter von 20 Jahren. In tiefer Trauer Darmstadt, Moosbergstrasse 51. betroffen, dankt herzlichst Todes⸗Anzeige. 5 Heute morgen 6⅛ Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden mein innigst⸗ geliebter Mann, der treubesorgte Vater seiner zwei Kinder, unser guter Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel Ludwig Michel im 37. Lebensjahre. Dir tiestrauernden Hinterbliebenen. Wieseck u. Allendorf a. d. Lda., 15. Dez. 1915. Die Beerdigung findet Freitag, den 17. d. Mts.,. 3 nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause Ober“ garten aus statt. 06698 Danksagung. Am 2. November starb den Heldentod fürs Vaterland mein einziger, hoffnungsvoller, unvergess- Karl Albrecht Weiss 7. Kompagnie Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 221, Elise Weiss, geb. Hartmann. Danksagung. Für die allseitige, überaus wohltuende Teil- nahme anlässlich des schweren Verlustes, der uns im Namen der trauernden Familie: N. Levy. für die Feiertage Spanische Weinhandlung Bahnhofstrasle. soin empfiehlt 2. billigsten Preise N 1 Wasserdichte Westen mit Wollfutter MK. 12 außerordentlich bewührt u. viel verlangt (1 Pfd.-Paket per Post). Westen in Leder, Pelz, Wolle usw. Gummi- und Regen- haut mäntel 18150 Ausrüstungsgegen- stünde für Offiziere, Hannschaften u. Plerds Anlerbgung in eigaer Werkstalt Aug. Kilbinger Seltersweg 79. 9784 verkaufen. Auskunft [[Gaskronen, Gaslamven usw. CarlSchunck fe Vermählte 8 Heinrich Walter Polizeikommissar Kate Walter, geb. Heller Lodz ooo Giessen Prima feinste holländische Schellfische u. Kabliat in tadellos frischester Ware soeben eingetroffen u. billige bel August Wallenfels Lolontalwaren, Delikatessen und Weinhandlung Telephon 262 Gießen 2 Bestellungen erbitte nur frühzei Tate Leib. Marktplatz 17. lig. 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Mts. ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, den 15. Dezember 1915. 1 Der Vorstand. A.: Alb. Lentz. Allerbeste Taschenlampen⸗ SBafferiens für unsere Krieger.— Bei Uebernahme der regelmäßig. Zusendung ins Feld 10 Pfg. für Porto. 01315 Sarl Schun Kriegslieseraut. Gaddhealer bieben Olr.: Hermann Stelngoetter. Freitag, 17. Dezbr. 1915, abends 8 Uhr: d 8. Freitag⸗Abonn.⸗Vorstellg. Gewöhnl. Preise(ermäßigt) Neuheit! Neubeit! Ii ale Uuaellen Lustspiel in 3 Akten v. Rudol Presber u. Leo Walter Stein. Ende 10% Uhr. Soldaten vom Feldwebel abwärts zablen bei allen We 8 1 Alk noxlellungensaufe. u 1 Sperrsik nur balbe Preise