* nr. 205 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöcbentlich Gießener amilienblätter; zweimal wöchentl. Areis⸗ blatt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschästsstelleß1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. c.) Großes Hauptquartier, 14. Dezember. (Amtlich!) 5 Westlicher und östlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Südwestlich und südlich von Pleylje haben die öster⸗ reichisch⸗ungarischen Truppen den Feind erneut zum Weichen gebracht. Dort und in den ostmontenegrinischen Bergen wurden etwa zweitausend fünfhundert Gefan⸗ gene eingebracht. Oberste Heeresleitung. 1*** In der interessanten amtlichen Darstellung aus Sofia über die Vertreibung der feindlichen Truppen aus Maze⸗ donien wird den Engländern ein schlechtes Zeugnis aus⸗ gestellt. Es heißt darin, es müsse„anerkannt werden, daß die französischen Truppen viel tapferer als die englischen kämpf⸗ ten“, Ein Mitarbeiter des Reuter-Bureaus, dessen Bericht wir nachstehend gleichfalls wiedergeben, singt dagegen das Lob der englischen Tapferkeit und spricht auch davon, wie diese auf die Bulgaren„großen Eindruck gemacht“ habe. Nach der erwähnten bulgarischen Darstellung darf man dem⸗ nach von einer doppelten Blamage der Engländer sprechen! Es geht aus dem neuesten Bericht hervor, daß es sich bei den„Operationen am Vardar und Karassu“ um sehr große, bedeutsame Schlachten gehandelt hat, die auch im Rahmen des jetzigen großen Weltkrieges mit seiner Vergröße⸗ rung aller Maße und Verhältnisse bleibenden historischen Wert behalten. Beinahe 200 000 Mann der Feinde, die mit großen Mitteln und Schwierigkeiten ausgerüstet und auf einen fremden Kriegsschauplatz geführt worden waren, sind gleich von vornherein wuchtig geschlagen und geworfen wor⸗ den. Das sind Niederlagen, die mit sehr fetten Ziffern in 1 und Pariser Büchern eingetragen werden müssen. * Her österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 14. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Tätigkeit der Italiener in Judicarien dauert fort. Einzelne kleinere Angriffe des Feindes wurden ab⸗ gewiesen. Der an der Straße nach St. Peter gelegene Stadt⸗ teil von Görz stand wieder unter Artilleriefeuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich von Pleolje erstürmten unsere Truppen die montenegrinischen Stellungen auf der Vrane Gora. Im Raume nördlich von Berane brachten wir neuerlich 2300 Gefangene ein. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * Die Ereignisse auf dem Balkan. Der bulgarische Bericht. Sofia, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Haupt⸗ quartier wird gemeldet: Der 12. Dezember 1915 wird für die bul⸗ garische Armee und das bulgarische Volk von großer historischer Bedeutung bleiben. Heute besetzte unsere Armee die letzten drer mazedonischen Städte, welche sich noch in den Händen der Feinde befanden: Doiran, Gewghelr, Struga. Die letzten Kämpfe mit den Engländern, Franzosen und Serben spielten sich an den Üfern der Seen von Doiran und Ochrida ab. Der Feind wurde überall geschlagen. Mazedonien tist be⸗ freit;: auf mazedonischem Boden befindet sich kein einziger feind⸗ licher Soldat mehr. Ueber die Operationen dieses Tages wird ge⸗ meldet: Nach, der gestrigen Niederlage der Engländer und Franzo⸗ sen auf dem rechten Vardar⸗Ufer, nach dem Durchbruch des Zen⸗ trums nahe des Dorfes Furka zog sich der Feind gegen das neu⸗ trale griechische Gebiet zurück, von unseren Truppen verfolgt bis zur griechischen Grenze. Die Stadt Dorran wurde mit⸗ tags 12 Uhr genommen. Die Bevöllerung nahm unsere Truppen mit unbeschreiblichem Jubel auf. Unaufhörlich durchbrausten Hurrarufe auf den Zaren Ferdinand die Luft. Unsere Soldaten wurden mit Blumen überschüttet. Die Gefangenen, Toten und Verwundeten gehören hauptsächlich der 10. und 22. englischen Division an, bestehend aus der 29., 30., 31., 65., 66. und 67. In⸗ fanterie⸗Brigade, welche endgültig geschlagen sind und auf dem Rückzuge Kanonen, Gewehre usw. zurückließen; das ganze Kampf⸗ feld ist mit Ausrüstungsgegenständen übersät. Bisher wurden 200 gefangene englische Soldaten gezählt. Die Ko⸗ lonne, die die Franzosen auf dem rechten Ufer des Vardar verfolgte, warf die französischen Truppen nach einem kühnen, energischen Angriff aus ihren Stellungen hinaus und drängte sie nach der griechischen Grenze. Um 5 Uhr 20 Minuten nachmittags wurde die Stadt Gewgheli von unseren Truppen besetzt. Die Franzosen haben vor ihrem Rückzuge die Kasernen und die Stadt mit zwei Krankenhäusern angezündet und die Eisen⸗ bahnbrücke über den Vardar südlich von Gewghelr ge⸗ sprengt. Die Gefangenenzahl und die Trophäen sind noch nicht gezählt. Die Armee des Generals Sarrail ist von der Linie Doiran— Gewghels kan die griechische Grenze zurückge⸗ worfen. Es muß anerkannt werden, daß die franzö⸗ 8 88 Truppen viel tapferer als die englischen ämpften. 5 In den zehntägigen Operationen, welche die Geschichte als „Operationen am Vardar und Karassu“ bezeichnen wird, kämpfte gegen unsere Truppen eine Armee von 97 000 Fran⸗ zosen und 73 000 Engländern, im ganzen über 170000 Mann mit 600 Feldgeschützen, 130 Gebirgsgeschützen und 80 schweren. Haubitzen. Die letzlen Reste der serbischen Armee, welche General⸗Anze 165. Jahrgang von Bitolia über Ochrida und Struga nach Albanien zurückweichen, zogen sich nach der Niederlage bei Ochrida auf dem linlen Schwar⸗ zen Drin⸗Ufer zurück, wobei sie alle Brücken über diesen Fluß vernichteten. In der Frühe des heutigen Tages passierten unsere Truppen bei Struga den Fluß Drin. Südlich dieser Stadt griffen sie die serbischen Truppen energisch an, machten 400 Gefangene und nahmen drei Geschütze. Die Verfolgung wird gegen El⸗ bassan fortgesetzt. Die Mobilmachung der bulgarischen Armee wurde am 10. 23.) September verkündet; sechs Tage später begann die Zusam⸗ menziehung der Truppen. Die Kämpfe gegen die Serben begannen am 1.(14) Oktober. 40 Tage später, d. h. am 10.(23.) November war die serbische Armee bei Pristina und Verisowitsch endgültig geschlagen und auf albanisches Gebiet zurückgedrängt. Am 185 29.) November wurden bei Prizrend und Kula Luma die letzten Reste der serbischen Armee gefangen. Am 30. November(3. Dez.) begannen die Kämpfe am Vardar und Karassu gegen die Eng⸗ länder und Franzosen. Im Laufe von 10 Tagen war die Expe⸗ ditionsarmee des Generals Sarrail geschlagen und auf neutrales Gebiet zurückgeworfen, am 12. Dezember war Mazedonien befreit, kein einziger feindlicher Soldat befindet sich mehr auf mazedoni⸗ schem Boden. Dies ist der Tag seiner Befreiung. Die Verfolgung des Feindes ist augenblicklich eingestellt. 5 Folgende Depesche der Kommandierenden der zweiten bul⸗ garischen Armee vom 29. November, Nr. 2007, charakteri⸗ siert die Franzosen, Die Depesche lautet: Die französischen Truppen drängten in den don ihnen besetzten Ortschaften die gauze Bevölkerung zurück und nahmen ihnen alle ihre Güter Lebens⸗ mittel, ee Vieh usw. weg. Da sie jedoch ihren Mißersolg voraussahen, verteilten sie die Nahrungsmittel wieder, den Rest warfen sie auf dem Rügzuge weg. Die besseren Gebäude wurden in Brand gesteckt, so daß die Bevölkerung nach ihrer Rückkehr kein Dach und keine Nahrung mehr finden kann. * Salonik, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die englisch⸗französischen Truppen setzten ihren planmäßigen Rückzug diesseits der griechischen Grenze mit geringen Verlusten fort. Der Zuzug englischer Ver⸗ stärkungen dauert an. Der Eisenbahn verkehr auf der Verbindungs⸗ linie der Orientbahn mit Salonik ist eingestellt. Gewgheli steht in Flammen. 1 5 Mailand(über Bern), 14. Dez. 5 Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Londoner Berichterstatters vom„Corriere della Sera“ soll der Entschluß des Kriegsrates der Verbünde⸗ ten zu gene mfarnen pete am Balkan unter einheit⸗ licher Leitung voraussehen lassen, daß die Leitung des Balkan⸗ feldzuges Joffre übertragen wird. f g 5 Bern, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter des„Corriere della Sera“ drahtet aus Saloniki: Die Alliierten haben die griechisch⸗serbische Grenze überschritten. Es ist also den Angreifern auch der letzte Fuß Erde überlassen worden, der noch in Serbien von den Alliierten besetzt war. Alle fran⸗ zösisch⸗englischen Truppen befinden sich auf griechischem Boden auf der Linie Vardar⸗Höhen am Doiran⸗See. Die Bulgaren haben an der griechischen Grenze Halt gemacht. Neue Truppenlandungen. Paris, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Pa⸗ risien? meldet aus Saloniki: Vier weitere Transport⸗ dampfer mit englischen Truppen sind hier am 12. Dezember angekommen; Tag und Nacht ist eine starke Bewegung im Hafen. Frankreich hat viel schwere Artillerie ge⸗ schickt. Ein großer Teil der hier befindlichen feindlichen Trup⸗ pen wird an die Front gehen. Eiu englischer Bericht. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Reuters Sonder⸗ korrespondent in Mazedonien meldet über die Rückzugsgefechte: Unsere am meisten vorgeschobene Stellung war unter dem Namen Rocky Peck bekannt. Der Angriff der Bulgaren begann am 6. Dezember um 3 Uhr morgens mit einer entsetzlichen Flut von Projektilen, die unsere Laufgräben überschüttete, während explodierende Granaten die Felsen zersplitterten und Stücke davon nach allen Richtungen wegschleuderten. Die Wirkung des Feuers war dadurch sehr stark erhöht. Hierauf rückte bul⸗ garische Infanterie in Massenformation an. Sie mußte dafür büßen, obwohl wir infolge von Hanonenmangel nicht im⸗ stande waren, ihre Glieder, die ganz ohne Deckung vorgingen, entsprechend unter Feuer zu nehmen. Unsere Mannschaften schossen im Schnellfeuer auf die anrückenden Massen, bis sie keine Muniton mehr hatten, und versuchten dann, den Angriff mit dem Bajonett aufzuhalten; sie wurden jedoch durch die Uebermacht überwältigt. Trotzdem machten die erlit⸗ tenen Verluste die Bulgaren sehr vorsichtig. Als sie sich der zweiten Linie näherten, bombardierten sie, nachdem sie sich auf den Zentimeter genau eingeschossen hatten, unsere Laufgräben mit Schrapnells und Granaten. Die Stellung wurde infolge des feindlichen Feuers bald unhaltbar. Wir zogen uns sodann auf unsere dritte Verteidigungslinie zurück, Zwei Kompagnien eines irischen Regiments blieben auf der Spitze des Hügels zurück, welche als Kewi⸗Spitze bekannt ist, und hielten die Bulgaren fast den ganzen Morgen, obwohl sie nur über Gewehre verfügten, auf. Es blieb beinahe niemand von ihnen am Leben, aber ihr Widerstand machte großen Eindruck auf die Bulgaren(7, die aurfgehalten wurden und uns die nötige Zeit gewährten, unsere Verteidigungslinie in Stand zu setzen. An dieser dritten Verteidigungslinie wurden die Bulgaren schließlich aufgehalten. Die Einberufung der bulgarischen Sobranje. Sofia, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.)„Utro“ meldet: Der Ministerrat hat beschlossen, die Sobranje auf den 28. Dezember einzuberufen. Er hat dabei festgestellt, daß! die Lage Bulgariens günstig ist. Der Feldzug gegen Serbien sei glücklich durchgeführt; Bulgarien hat sein Gebiet um 50000 Quadratkilometer vergrößert. Seine Kräfte sind so unversehrt, daß es im Verein mit seinen Verbündeten allen Ereignissen gegenüber gerüstet dasteht. Die Sobranje wird sich in exrster Linse mit finanziellen Gesetzentwürfen be⸗ iger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschästsstelle und Druckerei: Schulstr. 7. fassen, namentlich mit einem Kriegskredit von 150 Millionen. Die Tagung wird alm 4. Januar zu Ende gehen. Die Regierung ist Dezember 1015 Bezugs pre. monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk 0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pi.: durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigentell: Beck, sämtlich in Gießen, mittwoch, 15. Bulgari che ge stellungen über die Befreiung Mazedoniens. verständigt worden, daß sie auf die Unterstützung aller Parteten außer den Sozialdemokraten rechnen kann. In dieser ersten Sitz⸗ ung wird Radoslawow eine Rede über die äußere und innere Politik halten. Ein montenegrinischer Bericht. Cetinje, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher montenegrinischer Kriegsbericht vom 11. Dezember: Vormittags warfen zwei österreichisch-ungarische Flugzeuge sieben Bomben auf Skutari, ohne Schaden anzurichten. Nachmittags warfen fünf andere Flugzeuge sechzehn Bom⸗ ben auf Antivari. Zwei fielen in die Gärten des Land⸗ hauses des Kronprinzen Danilo; eine explodierte auf dem Magazin der Tabakregie, richtete aber nur geringen Schaden an. Durch zwei auf, Duleigno geworfene Bomben wurden einige Zugtiere getötet. „„ Der türkische Bericht. Konstantinopel, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: Von der Jrak⸗Front liegen keine neuen Nachrichten vor. An der Kaukasus⸗ Front wiesen wir Ueber⸗ rumpelungsversuche ab, welche der Feind mit kleinen Abteilungen. an einigen Abschnitten unternahm. Von der Dardanellen⸗ Front wird berichtet: Bei Anaforta beschossen feindliche Panzer⸗ schiffe, die dabei von Beobachtungs⸗Ballons unterstützt wurden, einen Augenblick unsere Stellungen. Unsere Artillerie erwiderte das Feuer und beschoß wirksam die Schützengräben und Batterien des Feindes Bei Ari Burnu ziemlich heftiges Bombenwerfen und Geschützklampf mit Zwischenpausen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr schleu⸗ derte der Feind in der Nacht vom 11. zum 12. Dezember gegen unseren linken Flügel eine ziemlich große Menge Bomben. Am 12. Dezember versuchte der Feind, nachdem er eine Stunde lang Bomben aller Art und Lufttorpedos gegen diesen Flügel geschleudert und ein sehr heftiges Gewehr⸗ und Geschützfeuer gegen denselben gerichtet hatte, einen Angriff, welcher jedoch durch die kräftige Antwort unserer Artillerie, die den Feind zwang, mit großen Ver⸗ lusten nach seinen Schützengräben zurückzukehren, vollständig ab«⸗ geschlagen wurde. Konstantinopel, 14. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Be⸗ richt des Hauptquartiers: An der JIrak⸗Front nimmt die Tätigkeit der feindlichen Artillerie bei Kut⸗el⸗Amara von Tag zu Tag infolge unseres heftigen Gegenfeuers ab. Unsere Truppen näherten sich infolge geglückter Angriffe dicht der feind⸗ lichen Hauptstellung.— An der Kaukasus⸗Front mit Aus⸗ nahme von Scharmützeln der Vorposten nichts von Bedeutung.— Auf der Dardanellen⸗Front beschoß unsere Artillerie er⸗ folgreich feindliche Stellungen bei Anaforta und feindliche Schiffe bei Kemikliliman und zwang sie, sich zu entfernen. Die feindliche Artillerie antwortete nicht. Bei Ari Burnu Minenwerfertätigkeit und ziemlich heftiger, aber aussetzender Artilleriezweikampf. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr fand in der Nacht vom 12. zum 13. Dezember gegen unseren rechten und linken Flügel ein Gefecht mit Bomben und Lufttorpedos statt. Unsere Artillerie beschoß eine feindliche Hau⸗ bitzenbatterie und sprengte das Munitionsdepot dieser Batterie in die Luft. Am 13. Dezember fand ein sehr heftiges Bombengefecht gegen unsere Laufgräben im Zentrum statt. Unsere Artillerie nahm erfolgreich Artilleriestellungen des Feindes unter Feuer, zerstörte ein Blockhaus und zwei Brücken über den Kerevizdere. Aus Aegypten. Kairo, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtliche Mel⸗ dung. Eine Aufklärungsabteilung aus Patruh stieß am 11. Dezember auf 300 feindliche Araber, die gegen Westen hin verjagt wurden; sie hatten 35 Tote, während 7 von ihnen gefangen genommen wurden. Die feindliche Abteilung war mit Gewehren bewaffnet und bestand aus. türkischen Landsoldaten und aus Irregulären. Die Eng⸗ länder verloren 16 Mann an Toten und 3 Offiziere und 15 Mann an Verwundeten. Das Befinden des Königs von England. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Aerzte des Königs haben bekannt⸗ gegeben, daß der Hönig soweit hergestellt ist, daß er seine Arbeit mit gewissen Einschränkungen wieder aufnehmen kann. Der König habe an Körpergewicht verloren, er soll, solange er nicht vollständig genesen ist, alle Strapazen ver⸗ meiden. Aus dem englischen Unterhaus. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im Unter hause sagte Lord Robert a Cecil bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes zur Aus⸗ breitung des Gesetzes über den Handel mit den Fein⸗ den, Zweck der Vorlage sei, den Handel mit feindlichen Firmen in neutralen Ländern, der jetzt gesetzlich möglich sei, zu verhindern. Bisher galten die Untertanen feindlichen Staaten in neutralen Ländern als neutral. Jetzt soll eine schwarze Liste solcher Firmen angelegt werden; die, welche mit ihnen Handel treiben, setzen sich einer Straf⸗ verfolgung aus. Sir Arthur Markham fragte, ob dem Staatssekretär des Aeußern bekannt sei, daß in Blättern neutraler Länder behauptet wird, daß Frankreich und England durch die Ent⸗ sendung von Truppen nach Serbien über griechisches Gebiet die Neutralität Griechenlands verletzten, ebenso wie Deutschland 1914 die Neutralität Belgiens ver⸗ letzte, ferner, daß der deutsche Reichskanzler am 9. Dezember im Reichstag dieselbe Beschuldigung ausgesprochen habe. Er fragte, ob der Unterstaatssekretär etwas tun wolle, um für die Bekanntgabe der Tatsache in den neutralen Länder sorgen, daß die griechische Regierung durch Vermittelung ihres Ministerpräsidenten England ersuchte, pen über Saloniki nach Serbien zu senden, um dadurch Griechenland in die Lage zu versetzen, seinen Vertragspflichten gegen Serbien nachzukommen. Lord Robert Cecil antwortete: Ich weiß, wie solche Behauptungen in der Presse der ne, 1 — 3 Widerspruch, ohne daß die britische Regierung darauf irgend einen Einfluß ausübte. Sollte die Gefahr bestehen, daß die neutralen Länder zu einer irrigen Auffassung über diesen Punkt gelangen, dann werde er dem gegebenen Wink Rech⸗ nung tragen * 8 Schwindeleien bei italienischen Heeres lieferanten. Berlin, 14. Dez.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Florenz: In Floremz, Verona, Bo⸗ logna und anderen italienischen Städten ist wieder eine Reche von Heereslieferanten wegen großer Schwin⸗ deleien verhaftet worden. Sozialistenverhaftungen in Mailand. Berlin, 14. Dez.(Prib.⸗Tel.) Der„Berl. Lokalanz.“ meldet: Den„Baseler Nachrichten“ zufolge ist gestern morgen in Mailand eine große Zahl hervorragender Sozia⸗ listen verhaftet worden, weil sie nachts an vielen Stellen der Stadt ein Friedensmanifest angeschlagen hatte. Aus der italienischen Kammer. Rom, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer vertagte sich gestern bis zum 1. März. In einer kurzen Schluß⸗ ansprache sagte Ministerpräsident Salandra, er sei überzeugt, daß die Kammer einig sei in dem Wunsche nach einem würdigen und ehrenvollen Frieden, der jedoch nur durch den Sieg zu er⸗ . reichen sei. Der Krieg werde lang und hart, aber von unfehlbarem Triumph gekrönt sein. Kammerpräsident Marcora sprach den Wunsch aus, das italienische Volk möge Einigkeit bewahren, die ihm den gewissen Sieg bringen werde. Unter den üblichen Hochrufen auf die Armee und den König wurde der Vertagungsantrag angenommen. ö Aus Holland. Amsterdam, 14. Dez.(WDB. Nichtamtlich.) Der Chefredakteur Schröder vom„Telegraaf“ wurde heute von der Anklage, die Neutralität Hollands in Gefahr ge⸗ bracht zu haben, freigesprochen. ö 5 5 Aeußerungen Wilsons. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ melden aus Washington: Wilson sagte in einer Ansprache an eine Versammlung von Geschäftsleuten in Columbus: Es sieht so aus, als ob wir nach dem Kriege einen Rückhalt an finanzieller und wirtschaftlicher Kraft für die ganze Welt bilden müßten, und als ob wir in den Tagen des Wieder⸗ aaufbaus und der Erhöhung, die Europa bevorstehen, vieles zu leisten hätten, was früher von Europa geleistet worden ist. Ich glaube, daß nach der Wiederherstellung des Friedens die denkenden Männer in allen Ländern Bürgschaften für seine Dauer verlangen werden, daß man dann die Mittel des Rechtes über die Mittel der Gewalt stellen wird. Ich glaube, wenn Amerika sein Gleichgewicht und freundschaftliche Haltung gegen alle Welt bewahrt, so wird es eine bevorzugte Stellung einnehmen und einen vermittelnden Einfluß aus⸗ üben können. Ich spreche nicht von einer Vermittlung der Regierung, sondern ich meine die geistige Vermittlung. London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Daily News“ meldet aus Washington: Das Staatsdepartement teilt mit, daß es den britischen und französischen Botschafter ersucht habe, freies Geleite für die deutschen Attachös Boy⸗ Ed und v. Papen zu erwirken. Es gilt als wahrscheinlich, Daß die beiden Regierungen das freie Geleite nur unter der Bedingung gewähren werden, daß Boy⸗Ed und v. Papen ihr Ehrenwort geben, kein militärisches Kommando im Kriege —(2:2ͤ— zu übernehmen. 3 Der Seekrieg. 5 Zwei englische Hilfskreuzer gesunken. (.d. D. P.) Aus Mytilene wird gemeldet: Einige See⸗ meilen von der Insel entfernt, liefen zwei englische gilfskreuzer, die Patrouillendienste versahen, auf eine Mine und sind mit Besatzung gesunken.(Voss. Ztg.) * * London, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel⸗ det: Der britische Dampfer„Orteria“(6535 Bruttotonnen) ist versenkt worden. Die Besatzung wurde bis auf zwei getötet und drei schwerverwundete Chinesen gerettet. Aus dem Reiche. Aus dem Hauptausschuß des Reichstags. Berlin, 14. Dez. ffgen. Hauptausschusses des Reichs⸗ tages erwiderte der Staatssekretär des Reichsschatzamtes auf die Anregung eines Zentrumsmitgliedes, allen Ein⸗ kommen bis zu zweitausend Mark Familien⸗ unterstützung zukommen zu lassen, dies würde ins Uferlose gehen. Es würden dann auch solche Personen Unter⸗ stützung erhalten, die sie gar nicht notwendig hätten. Er müsse bitten, die Leistungsfähigkett des Reiches zu berück⸗ sichtigen. Für darüber hinausgehende Forderungen könne er eine Verantwortung nicht übernehmen. Bezüglich der ge⸗ 5 rderten Erhöhung der Mannschaftslöhne und der Verpflegungssätze führte der stellvertretende Kriegs⸗ minister Wandel aus: Die Löhnungsverhältnisse seien als ausreichend zu erachten. Die Verpflegung der Truppen sei anerkannt gut, und nur bei schwierigsten Verhältnissen seien Störungen in der Versorgung möglich. Im allgemei⸗ nen sei sowohl im Westen wie im Osten die Ernährung so, daß sie zur guten Erhaltung ausreiche. Es würden auch Genußmittel, Zigarren und Zigaretten, gereicht. Manch älterer Mann müsse sich allerdings an die gebotene Kost Zunächst gewöhnen. Die Beschwerden würden geprüft. Zur KNontrolle seien Ausschüsse aus Unteroffizieren und Mann⸗ schaften gebildet, die im Felde nicht viel nützen, weil draußen nicht viel zu kaufen sei. Die Lebensmittel würden von Staats wegen geliefert. Die Erhöhung der Verpfle⸗ 5 Fei gelae auf 1,20 Mark sei nicht überall am Platze, da bei gemeinsamer Küche oft billiger durchzukommen sei. 15 5 5 Berlin, 14. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Auf das Tele⸗ gramm des Vereins deutscher Eisen⸗ und Stahl⸗ industriellen an den Reichskanzler hat dieser fol⸗ gendes geantwortet:„Für den mir von der Hauptversamm⸗ lung des Vereins deutscher Eisen⸗ und Stahlindustrieller freundlichst entbotenen Gruß bitte ich Sie, dem Vereine meinen aufrichtigsten Dank zu übermitteln. Mit freudiger Genugtuung unterschreibe ich die Worte, mit denen der Ver⸗ ein aufs neue die bewunderungswürdige Anpassungsfähig⸗ keit und Organisationskraft unserer Industrie bezeugt, an der die Hoffnung unserer Feinde auf eine wirtschaftliche (WTB. Nichtamtlich.) In der heu⸗ VVV 9—— 2 4 Bukarester Abendszenen. 1 Wie in Italien, so ist es auch in Rumämten die„Straße“, die ihren Einfluß geltend zu machen und das Land in ver⸗ brecherische Abenteuer hineinzureißen versucht. Die Bularester Straße organisiert sich, und wo Vernunft und Gründe versagen, versucht sie es mit der Gewalttätigkeit. Guelfo Civinini, der für die Bukarester Straße gewiß alles übrig hat, gibt im„Corriere della Sera“ eine Schilderung von ihrem Treiben, durch die er sie an den Pranger stellt, ohne es anscheinend selbst zu wissen und zu wollen, Die Straße— das ist in Bukarest natürlich die Calea Victoriei, der große Boulevard, der Mittelpunkt der Stadt, wo alle Welt sich trifft, wo die großen Kaffeehäuser liegen, wo das Herz von Birarest klopft. Das ist der Schauplatz des Feld⸗ zuges der„G. D N.“. Diese rätselhaften Buchstaben sind die Abkürzung für„Garda demmitatei nationala“, was zu Deutsch die„Garde der nationalen Würde“ bedeutet.„Wenn der Abend sich herannaht, dann versammeln die„Gedenisten“(über Nacht ist dieses neue Wort entstanden) sich vor dem Kaffee Capscia, das an der Kreuzung der Straße mit dem Theaterplatz liegt, mischen sich unter die lebhafte, immer gleichsam wie zum Festfeiern gestimmte Menge und beginnen ihr Werk. Dieser Bund der Gedenisten nahm seinen Ursprung in einem nahen Kaffeehause, im Kaffee Imperiale, wo sich die ganze Sippe der Franzosenfreunde zu treffen pflegte. Zum großen Teile besteht sie aus einer richtigen Bohsme, aus Klinstlern und Dichtern, die noch von ihren Pariser Erinnerungen zehren, aus Studenten und manchen Professoren, denen Frankreich mehr am Herzen liegt, als ihr eigenes Vaterland. Dort in ihrem Stammkaffee mußten diese rumänischen Franzosenfreunde Abend für Abend das Schau⸗ spiel erleben, daß die deutschfreundlichen Blätter frisch von der Druckerei ankamen und vom Publikum viel gekauft wurden. Zwi⸗ schen 9 und 10 Uhr ist die Stunde, wo die letzten Ausgaben der Zeitungen erscheinen. Bukarest leidet an Zeitungen keinen Mangel, jetzt weniger als je, und beinahe alle Wochen erscheint noch eine neue, die die Gunst der Stunde, das lebhafte Interesse des Pu⸗ blikums für sich ausnützen zu können hofft. Um die gedachte Zeit beginnt das Leben auf der Calea Victoriei seinen Höhepunkt zu erreichen. Die Zeitungsjungen kommen eilends dahergelaufen und rufen mit schrillen Stimmen das Neueste aus. Das war die Stunde des Aergers der Gedenisten. Die„Zina“(Der Tag) und die „Seara“(Der Abend), die„Minerva“ und die Moldava“ des greisen und aufrechten Peter Carp: wagten sie nicht alle die Dinge bei Namen zu nennen, die Niederlagen der großen Entente offen zu verkünden? Das ging nicht mehr an! Also faßten die Hel⸗ den vom Kaffee Imperiale einen großen Entschluß und gründeten den erwähnten„Bund der nationalen Würde“. Das edle Ziel dieses Bundes war, den Verkauf und Umlauf aller Zeitungen mit Gewalt zu verhindern, die nicht auf Frankreich und seine Freunde eingeschworen waren. Die Verschwörer hesorgten sich Kokarden in den Nationalfarben, die die Buchstaben G. D. N. zeigten, veröffent⸗ lichten in den ihnen gesinnungsverwandten Blättern eine gehar⸗ nischte Kriegserklärung und harrten nun der Stunde des Kampfes. Sie warben so viel Freiwillige an, als sie konnten, und dunkle Gerüchte von dem, was geschehen sollte, durchschwirrten die Haupt⸗ stadt, ohne daß man doch recht eigentlich wußte, was zu exwarten stand. Bald sollte die glorreiche Aufklärung erfolgen. Als die Stunde der Abendblätter wieder gekommen war und die Zeitungs⸗ jungen eilig mit den noch nassen Exemplaren die Calea Victoriei herabrannten, da stürzten die Gedenisten, die sich auf drei Punkte der Straße verteilt hatten, aus ihren Stellungen hervor, über⸗ fielen die Zeitungsjungen, entrissen ihnen die Blätter, zerfetzten, verbrannten sie. Im Augenblick entstand ein Tumult. Stimmen⸗ gewirr, erregte Gebärden, geschwungene Stöcke, halb Prügelei, halb Volksfest. Die Gedenisten triumphierten. Sie zogen zum nahen Boulevard Karol, zum Denkmal des rumänischen Nationalhelden, und dort, wo die Kanvnen von) Plewna an die Ereignisse des Jahres 1878 erinnern, dort, wo die Rumänen alles an das mehr als zweifelhafte Verhalten des russischen„Freundes“ in diesem Jahre gemahnt, setzten sie ihre Kundgebungen fort. Sie halten schwung⸗ volle Reden, sie singen die Nationalhymne, aber als die Stelle ge⸗ sungen wird,„Fürs Vaterland und für den König“, da tönen aus der gedenistischen Umgebung Stimmen„und ohne den König!“ Das war die Heldentat der Gedenisten. Unerwidert blieb sie nun freilich von der anderen Seite nicht. Diese tat, was in solchem Falle das Natürlichste ist: sie griff zur Selbsthilfe. Für solche Selbsthilfe bietet sich in Bukarest das gesunde Mittel der „batausch“. Das sind unbeschäftigte Leute, die gegen ein Stück Geld jeden verprügeln, der ihnen bez et wird. Also geschah es, daß etwelche Gedenisten in den nächsten Tagen die Quittung für ihre rühmlichen Leistungen von den kräftigen Fäusten und, Stöcken der„batausch“ erhielten. Zur Antwort setzten sie wieder ihren Feldzug fort und veranstalteten an einem der nächsten Abende an der Bildsäule des Mihal Viteasu ein großes Auto⸗ dafé deutsch⸗freundlicher Zeitungen. So ging die abendliche Unter⸗ haltung der Straße in kavest mit wechselndem 5 weiter, bis die Sache dem Ministerpräsidenten zu bunt wurde. schaffte Ordnung und wies die Helden vom Kaffee Imperiale von der Straße. Seitdem muß das Publikum, das zwischen 9 und 10 auf der Calea Victoriei lustwandelt, die Unterhaltung durch die Gedenisten entbehren. N Aus Stadt und Cand. Gießen, 15. Dezember 1915. Was sollen die daheim uns zu Weihnachten schenken? Ueber diese Frage plaudert Hauptmann Oskar Höcker in der„Liller Kriegszeitung“. Wir entnehmen diesen Wün⸗ schen, die aus dem Felde an die zu Hause Gebliebenen ge⸗ richtet werden, einige beherzigenswerte Darlegungen. Nach⸗ dem er für wollene Strümpfe und gegen Leibbinden, für Zigarren und Kleinigkeiten, aber gegen jegliche„En⸗ gros“-Schenkerei, weil für den Westen überflüssig 1 die Eisenbahngleise sperrend, eingetreten ist, fährt er fort: „Gewiß, es ist ja herzensgut gemeint. Aber an der Gabe ist es eben doch in allererster Reihe die Gesinnung, die uns erfreut. Selbstverständlich erhoffen wir von den uns Nahestehenden ein gutes Wort, einen sinnigen Gruß zum heiligen Christ, der uns des Zusammenhanges mit der Heimat gewiß macht. Aber diese gute Gesinnung läßt sich auch ohne die Kosten des Kaufens oder Erbettelns, ohne die Mühen des Pachkens, ohne die ungeheure Ueberlastung der Feldpost, ohne Liebesgabenzüge beweisen. Wie die daheim am besten beweisen? Sie sollen sich am Stammtisch nicht als große Feld⸗ herren aufspielen, die Hindenburg verbessern n sollen nicht durch ihre überlegene Diplomatie das Ver⸗ trauen in die dafür verantwortlichen Männer erschüttern. Sie sollen sich nicht daheim brüsten, daß sie heimlich— ihr Vetter ist im Großen Geueralstab— die und die Nach⸗ richt über diese und jene baldigst zu erwartende Truppen⸗ bewegung e n, denn die Rederei darüber üst gefährlich. Sie sollen sich nicht darüber entrüsten, daß der Unteroffizier Lehmann das Eiserne schon im Früh⸗ jahr bekommen hat und der Gefreite Schulz noch immer nicht; denn sie können dort in der Wirtsstube die Verhält⸗ nisse hier draußen nicht übersehen. Sie sollen nicht in die Philisterklagen über die Teuerung einstimmen. Das ist doch selbstverständlich, daß nach 16 Monaten Krie das Fleisch und das Mehl und die Butter teurer werden müssen. Aber wie teuer wär's denn geworden, wenn die Franzosen und Engländer am Rhein säßen und die Russen in Königsberg und Breslau? Und sie sollen jeder Regie⸗ rungsmaßnahme mit derselben Selbstverständlichkeit folgen, mit der wir Feldgrauen im Gefecht halblinks schwenken, Niederringung Deutschlands gescheitert ist.“ . wenn's befohlen ist, obwohl wir zunächst glauben, der An⸗ griff müßse halbrechts vorgetragen werden. Am Stammtisch übersieht man die politische und wirtschaftliche Lage, wenn man täglich seine paar Zeitungen genau durchackert und ein geborener Politiker ist und einen Schwager im Magistrat hat, doch ebensowenig klar, wie wir Fel die militärische in der Schützenlinie übersehen können, ob⸗ wohl wir doch auch nicht auf den Kopf gefallen sind. Also, was ihr Männer daheim uns zu? schenken sollt? 0 1 Dieselbe tapfere Gesinnung wie im Herbst 1914, dieselbe stolze Einigkeit, dieselbe Erhabenheit über klein⸗ liches Parteigezänke! n Und ihr Lieben? Ihr Mütterchen und Töchter⸗ chen? Ihr silberhaarigen G ü en und blonden Cousinchen?. 1 Ihr könnt uns viel schenken, wenn ihr— eine jede für ihre Person— gewissenhaft die Vorschriften befolgt, die 1 50 1 5 255 Kalche und Mit⸗ tagstisch und feegese aft erlassen hat.. n Stolz sei es, an ieh oe n Tagen auch wirklich kein Fleisch auf den Tisch zu bringen. Und verachten sollt ihr die armseligen Schleckermäuler, die durch heimliche Einkäufe und törichte Aufspeicherung von Vor⸗ räten den gesunden Gedanken der ausgleichenden Fürsor, im Reich schädigen. Denn es ist ja alles da, was das deutsche Volk braucht— aber das Verteilen und das Strecken der Vorräte ist eine soziale Wohltat, wie sie vom goldenen Zeit⸗ alter des Perikles an bis zum idealsten Zukunftsstaat stets als höchste Weisheit einer gerecht empfindenden Regierung erkannt werden mußte. J Also schenkt uns eure gute Gesinnung!“ * * Aus unserer Redaktion. Heute ist unfer be⸗ währter Schriftleiter für den örtlichen Teil unseres Blattes, Herr Otto Braun, der nach dem Ausbruch des Krieges, am 1. Oktober 1914, bei uns eintrat, zu den Fahnen be⸗ rufen worden. An seine Stelle tritt Herr Franz Reinhold Zenz, der im Zeitungsdienst ebenfalls ausreichende Er⸗ fahrungen gesammelt hat. s * 1 Auszeichnung. Dem Kriegsfreiwilligen im Landwehr⸗ Infanterie⸗Regiment 116 Rudi Fourier wurde unter gleich⸗ zeitiger Beförderung zum Unteroffizier das Eiserne Kreuz verliehen. 0 N L. U. Von der Landesuniversität. Das Königliche Sanitätsamt XVIII. Armeekorps hat durch Verfügung vom 7. Sep⸗ tember 1915 Nr. 11 158 IVb gestattet, daß den in Lazaretten im Großherzogtum Hessen befindlichen Studierenden der Landesuniper⸗ sität Gießen und der Technischen Hochschule Darmstadt, soweit es 5 Kraukheitszustand erlaubt, Gelegenheit gegeben werden kann, orlesungen und Uebungen an den genannten Hochschulen zu besuchen und den hierauf gerichteten Wünschen um Verlegung nach Gießen oder Darmstadt, soweit angängig, zu entsprechen. Dem Wunsche der Landesuniversität entsprechend hat das Sanitätsamt nunmehr bestimmt, daß obige Bestimmung auf alle Studierende ausgedehnt worden ist, die sich in Lazaretten im Großherzogtum befinden, also auch auf solche, die nicht an einer der beiden ge⸗ nannten Hochschulen immatrikuliert sind. 5 * Militärische Ausbildung der Jugend. Am Sonntag fanden für einen Teil der Jungmannschaften Schieß⸗ und Zielübungen auf den Militär⸗Schießständen statt; die übrigen konnten des schlechten Wetters wegen in der Exerzierhalle der neuen Kaserne nur eperzieren und bajonettieren. l n Folgende Warnung vor dem Versand alkoholhaltiger Genußmittel an Soldaten er⸗ geht soeben von der Medizinalabteilung des preußischen Ministeriums des Innern:„Zu Beginn der kälteren Jah⸗ reszeit ist wieder mit dem Anpreisen alkoholhaltiger Liebes⸗ gaben in verschiedenster Form zu vechnen. Im vergangenen Winter sind zahlreiche derartige Erzeugnisse in Ver⸗ kehr gelangt, die vielfach minderwertig und viel zu teuer waren. Vor solchen Zubereitungen wird dringend ewarnt. Aber auch von der Versendung anderer alko⸗ holischer Genußmittel an die Soldaten ist ernstlich ab⸗ zuraten, weil ein unkontrollierbarer Alkoholgenuß den ruppen nur Schaden bringt, indem er die Gesundheit und Widerstandskraft herabsetzt, die Umsicht, Besonnenheit, Aus⸗ dauer und Entschlossenheit beeinträchtigt und die Zucht und Ordnung gefährdet. Es muß allein der Heeresverwaltung überlassen bleiben, die Abgabe von Alkohol an die Truppen nach ihrem sachverständigen Ermessen zu regeln. Wer Alkohol unmittelbar an Soldaten schickt, erweist ihnen keinen Liebes⸗ dienst, sondern schädigt ihre Kriegstüchtigkeit!“ ** Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau schreibt man: Die nächste Freitags⸗Abonnements⸗Vorstellung bringt als letzte Neuheit vor Weihnachten das Lustspiel„Die selige Ex⸗ zellenz“ von Rudolf Presber und Leo Walter Stein. Das liebenswürdige Werk macht gegenwärtig seinen Siegeszug über die deutschen Bühnen und dürfte auch hier— da eine gute Be⸗ setzung der zahlreichen Rollen sich ermöglichen ließ— den gewohn⸗ ten Erfolg erzielen. Jedenfalls kann den Besuchern ein anregender und unterhaltender Abend versprochen werden. 0 n Musikalisch⸗deklamatorischer Abend. Die Dichter, die bei der künstlerischen Darbietung am Donnestag abend zum Worte gehangen, sind zusamt Söhne des Hessenlan⸗ des: Alfred Bock, geboren in Gießen, Stefan George in Bingen, Wilhelm Holzamer in Mainz, Karl Wolfskehl in Darmstadt, Albert H. Rausch in Friedberg und Karl Neu⸗ rath in Mainz.. * Gießener Fröbel⸗Seminar. Das Gießener Fröbel⸗ Seminar veranstaltete am Samstag und Sonntag Aufführungen, bei denen junge Mädchen und Kinder mitwirkten. Die Dar⸗ bietungen fanden allgemeinen Beifall bei groß und klein. Dank dem großen Interesse, das den Aufführungen entgegengebracht wurde, konnten die Veranstalter einen Reinertrag von über 300 Mark an den Kindergarten⸗Verein abliefern. Dieses Geld soll dazu verwendet werden, in absehbarer Zeit einen Volks⸗ kindergarten zu eröffnen. War ein solcher schon vor dem Kriege eigentlich ein Bedürfnis unserer Stadt, so wird er nach dem Kriege erst recht unentbehrlich sein. Einen Beweis dafür liefert der gute Besuch des Kriegskindergartens. in Für die Beförderung von Postkarten mit Abbildungen nach dem Ausland treten in⸗ folge des in der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 1. Dezember 1915 erlassenen und im Reichsanzeiger Nr. 284 vom 2. Dezember 1915 veröffentlichten Aus⸗ und Durchfuhr⸗ verbotes auf Grund des 8 5 der Postordnung vom 20. März 1900 folgende einschränkende Bestimmungen in Kraft. Ver⸗ 2 0 75 880 K rapie mit Abbildun von Städten, adtteilen, geographisch genau bestimm Ortschaften undLandschaften, besonders 125 rragenden Baulichkeiten und Denkmälern Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, der Türkei, Bulgariens und der von den verbündeten deutschen, öster⸗ g reichisch⸗ungarischen, türkischen und bulgarischen Heeren be⸗ setzten feindlichen Gebiete. Nicht unter das Verbot fallen: Postkarten mit Abbildungen der bezeichneten Art nach Oesterreich⸗Ungarn, der Türkei, Bulgarien sowie den von deutschen oder von mit Deutschland verbündeten Truppen besetzten feindlichen Gebieten, wenn die Abbildungen Städte usw. des Bestimmungslandes oder gebietes der Postkarte darstellen, im Feldpostverkehr behörden in feindlichen ee Truppen usw. oder Militär⸗ Im Hichkspietyhaus wird seit gestern ein Lustspiel aufgeführt, das auf ein unterhaltungsbedürftiges Publikum große Anziehungskraft ausübt. Henny Porten spielt darin als Pensionsbackfisch eine Rolle, die von ihrer bisher bewährten Eigen⸗ art abweicht, jedoch glänzend von ihr gemeistert wird.„Nur nicht 1 so heißt das lustige Stück, in dem muntere Pensions⸗ treiche, oft in intim belauschender Weise, dargestellt werden, und wenn auch der„Dichter“ und Erfinder des Films einige Male dem guten Geschmack merkbar auf den Fuß getreten hat, so bleibt doch das Spiel immer harmlos, und die Bekehrung des kleinen Fräuleins von ihrem Männerhaß zur Zuneigung zu einem über⸗ 9 1 1 85 e A e osse ab. Henny Porten besee e Vorgänge dur wungvolle und mildert die Mängel des Films. * Pferdeversteigerung. Montag, den 20. De⸗ zember, vormittags 10 Uhr, kommen auf dem Pferdemarktplatz in Darmstadt etwa 50 Stück kriegsunbrauchbare Pferde zum Verkaufe. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teil⸗ nehmen. 5 g f Landkreis Gießen. UI Lang⸗Göns, 15. Dez. Der Kanonier Wilh. Boller, Sohn des Schreinermeifters Och. Boller, bei dem Fuß⸗Art.⸗Regt. Nr. 3, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. ü. Daubringen, 15. Dez. Der Musketier Ludwig Walter, Sohn von Bürgermeister Walter, im Insanterie-Regiment 186, 10. Kompagnie, erhielt das Eiserne Kreuz. Er befindet sich seit März im Felde. O Dorf⸗Gill, 15. Dez. Von den bei dem Landwehr⸗ Infanterie⸗Regiment 116 stehenden Wehrleuten von hier hat der Unteroffizier Ernst Schäfer, Forstwart, das Eiserne Kreuz und der Wehrmann Heinrich Loth, Milchhändler, die Hessische Tapferkeitsmedaille erhalten. e. Nieder⸗Bessingen, 15. Dez. Ihre Goldene 800 chzeit feierten heute im engeren Familienkreise die Eheleute ohannes Hau und dessen Ehefrau, Charlotte, geborene Köhler. Der Jubilar steht im 80. Lebensjahre und die Jubilarin im 73. Beide sind noch geistig und körperlich gesund. 8 e. Hungen, 15. Dez. Den Heldentod starb der Pionier Heinrich Diehl, Gefreiter im Pionier⸗Bat. 21, Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille. 5 Kreis Büdingen. Fe. Büdingen, 14. Dez. Im Kxeise Büdingen erbrachte die Sammlung des Hessischen Opfertages die Summe von 8016,73 Mark. 97 f Glauberg, 15. Dez. Nach vierzigjähriger Dienst⸗ it verstarb hier der Polizeidiener Jakob Bechtold. Ihm ant ir Gemeinde ihren blühenden Obstbau. Wo der schlichte Mann in langen Jahrzehnten einen leeren Raum fand, bepflanzte er ihn mit Obstbäumen und schuf auf diese Weise die Grundlagen für eine sich jetzt von Jahr zu Jahr mehr lohnende Einnahmequelle seines Heimatortes. Kreis Lauterbach. Fe. Schlitz, 14. Dez. Der Graf Wilhelm von Schlitz, genannt von Görtz, der als Rittmeister à la suite der Armee steht, ist zum Delegierten der freiwilligen Krankenpflege ernannt worden und reiste nach dem westlichen Kriegsschauplatz ab. Starkenburg und Rheinhessen. m. Offenbach a. M., 15. Dez. In der Schreinerei der Firma Peter Schlesinger brach gestern ein Schadenfeuer aus, das von der Feuerwehr nach dreiviertelstündiger Tätigkeit unterdrückt werden konnte. Der durch den Brand angerichtete Schaden ist unbeträchtlich. Kreis Wetzlar. ra. Waldgirmes, 14. Dez. Heinrich Lepper, Landwehr⸗ Infanterie⸗Regiment Nr. 83(8. Komp.) wird als vermißt gemeldet. Hessen⸗Nassau. Fe. Marburg, 15. Dez. In der letzten Sitzung der Pre is⸗ prüfungsstelle des hiesigen Kreises wurde beschlossen, einem Händler, welcher Ware unter Ueberschreitung des festgesetzten Höchstpreises verkauft hatte, eine Verwarnung zu erteilen und ihm bei ferneren Beweisen von Unzuverlässigkeit Schließung des Ge⸗ schäftsbetriebes in Aussicht zu stellen.— Dem früheren Gemeinde- förster Joh. Henkel, zuletzt Oberjäger beim hiesigen Jäger- N e ein Forstaufseheramt in Kurland über⸗ ragen. ra. Aus Nassau, 15. Der Allgemeine Lehrerverein im Regierungsbezirk Wiesbaden errich⸗ tet für seine Mitglieder eine Kriegerdankkasse. Der i Fur er ist für 1916 auf 20 Mark festgesetzt. Weiteres gerichtet hat. soll in der Vertreterversammlung in Limburg am 29. De⸗ zember d. Is. festgelegt werden. ra. Biedenkopf, 15. Dez. Das Königliche Landrats⸗ amt macht bekannt, daß die Menge der bisher vom Kreise abgegebenen Kartoffeln noch ah genügt. Gegen die in spekulativer Absicht Zurückhaltenden soll mit Enteignung vorgegangen werden. Frankfurt a. M., 14. Dez. Zur Feststellung aller in Frankfurt vorhandenen Kartoffelvorräte findet in diesen Tagen auf Anordnung des Magistrats eine Bestand⸗ aufnahme statt, die sich nicht nur auf die Händler, sondern auch auf sämtliche Anstalten, Wirtschaften und Haushaltun⸗ gen erstreckt. Zugleich wird der tägliche Verbrauch an Kar⸗ toffeln und Milch festgestellt. X. Hanau a. M., 15. Dez. Der Stadt Hanau hat die Fabrikantenwitwe Berta Heraeus eine Stiftung in Höhe von 30 000 Mk. überwiesen mit der Bestimmung, daß die Zinsen für erholungsbedürftige Kinder gefallener Krieger Verwendung finden. In erster Linie sind die Wohltaten der Stiftung erholungs⸗ bedürftigen Kindern gefallener Angehörigen der Firma W. C. Heraeus, Platinschmelze und zuzuführen. 1 1 —Königstein i. T, 15. Dez. Die Stadt plant den Ausbau der Rektoratsschule zu einer höheren Lehranstalt. Ebenso soll das Taunus⸗Institut eine weitere Aus⸗ gestaltung erfahren. Ein besonderer Ausschuß wurde von der Stadt mit der weiteren Verfolgung der Angelegenheit be⸗ traut. ch. Vom Mittelrhein, 15. Dez. Am Binger Pegel stand das Wasser gestern auf 3,59 Meter, ist also seit 8 8 mittag um 8 Zentimeter zurückgegangen. Ebenso ist am Oberrhein das Wasser gefallen. Das gegenwärtig herrschende Frostwetter hat diesen Rückgang bewirkt. Dieser hat sich ebenso auch bei den Seitenflüssen des W gezeigt, wo das Wasser ebenfalls stark gefallen ist. Die Mosel, die eine außerordentliche Höhe— in Trier 5,80 Meter— erreicht hatte und den Verkehr der Fleinbahn nicht mehr zuließ, ist ganz ansehnlich zurückgegangen. Immerhin hat der Fluß seit 1910, wo die Höhe in Trier 6,45 Meter betrug, einen solch hohen Stand nicht mehr erreicht. Auch die Nahe geht zurück. Es dürfte nicht mehr lange dauern, und die gewohnten Verhältnisse sind wiedergekehrt. Auf dem AN hatten die Schlepper mit der reißenden Strömung zu ämpfen. — Weilbach, 15. Dez. Die vor kurzem vollzogene Wahl eines Bürgermeisters wurde von der Wiesbadener Regierung für ungültig erklärt. Am kommenden Sonn⸗ tag findet die Neuwahl statt. eb. Vom Hunsrück, 15. Dez. Die Bäche des Hochwaldes sind auf den starken Regen hin furchtbar angeschwollen. Das Wasser stürzt in wahren Kaskaden talwärts, tost und schäumt durch die engen Felsentäler und breitet sich in dem ebenen Ge⸗ läude seenartig aus. Schäden und Stockungen sind dadurch natur— gemäß nicht ausgeblieben, so gut man sich im übrigen auch ent⸗ sprechend der bekannten Wildheit der Hunsrückgewässer ul. Limburg, 14. Dez. Der Kreisausschuß hat mit Wirkung vom heutigen Tage die Einführung vou Petroleum karten beschlossen. * ein⸗ chemisches Laboratorium in Hanau, 4 vermischtes. » Die Weltreise eines deutschen Kriegs gefangenen. Ueber die abenteuerliche Flucht und Wieder— gefangennahme eines in England internierten deutschen Offiziers berichtet die„Daily Mail.“ Der Offizier war in der Schlacht bei Tannenberg in die Hände der Russen geraten, die ihn in ein Kon⸗ zentrationslager brachten. Nach zwei mißglückten Fluchtversuchen gelang es dem Offizier, im Osten Rußlands aus dem Lager zu ent⸗ weichen. Er reiste unter vielen Mühsalen und Gefahren durch Sibirien und erreichte schließlich Mukden. Von dort fuhr er nach Peking weiter. Nach einigen Monaten Aufenthalt gelangte er nach Yokohama und dann nach San Francisco. Endlich kam der unter so abenteuerlichen Umständen entwichene deutsche Offizier nach New Pork, wo er sich auf einem Ozeandampfer einschiffte, um so endlich nach all den Irrfahrten Deutschland zu erreichen. Aber der Dampfer wurde in der Nordsee von den Engländern fest⸗ gehalten, und der Offizier, der fast die ganze Welt bereist hatte, um in die Heimat zu gelangen, geriet so am Ende seiner Fahrt aus der russischen in englische Gefangenschaft. Dic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 13. Dezember 1915. Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen 50 Kg. Schlachtgewicht ½ Kg. 120 124 Pf. 128 140 Mk. Kälber ½ Kg. Schlachtgew. 85-133 Pf. ½ Kg. 120- 124 Pf. Schweine 12 Kg Schlachtgew 78.129 Pf Kg 150— 00 Pf. Getreidepreise in Mann heim: Weizen 100 Kg. 27.00 Mk. Roggen 100 Kg. 23.00 Mk. Märkte. fe. Fraulfurt a. M.. 15. Dez. Schweinemarkt. Auf⸗ getrieben waren 420 Schweine. Es kosteten: Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kiiogramm Lebendgewicht 108,00 00,00 Mk., Voll⸗ fleischige Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 93,00 00,0 Mk., Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 Kg. Lebendgewicht 118 bis 00,00 00,00 Mk., Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebendgewicht 128,00 00,00. Geschäft flott; wird sast geräumt. fe. Frankfurt a. M., 15. Dez. Frucht⸗ und Futter⸗ mittelmarkt. Der Besuch war schwach, Handel und Umsatz gering. Angebot in Futtermittemm wird immer besser. Kokos⸗ kuchen 65—66 Mk., Leinkuchen 7577 Ml., ausländische Kleie 50 bis 52 Mk., Spelzspreumehl 24—26 Mk. Alles bei 100 Kilo. fo. Frankfurt a. M., 15. Dez. Kartoffelmarkt. Kartoffeln 6,10 Mk. per 100 Kilogramm ab Station. Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 Kg.— Pf. Schwarzbrot 2 Kg. 68 Pf. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 17,38%. Nach Abzug von 7 Ortsfremden: 6,32%. 5 Kinder Es starben an Zus. e im 1. Lebens⸗ vom 2 bis J jahr 15. Fahr Diphtherie 10) 5 5 1(00 Pyämie 100 1(˖)—— Lungentuberkulose 1() 1(1)—— Lungenentzündung 1(0) 1(1)— 1 Syphilis des Gehirns 4 5 5. Krankheiten der Blutgefäße 1(])) 1()—— Krankheiten der Verdauungs- organe 2(1) 1(˖¹)— 1 Krankheiten der Harnorgane 1 1—— Krebs 1 1—— Verunglückung durch Ver⸗ l giftung 1(0) 1(0)—— Summa: 11(7) 9(6)— 2(1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2— 5—. 0 8 2 2 22 2 2— 38 Dez. 2.8 2 8 8 2 2 8— 2 2 5 5 1 38 8 5 Wetter 1 E52 8 e * 68 c 8 E 14.22— 2,1J 4,3 81—— 9[Bew. Himmel e e s e 15. 75— 1,3 3,7 88—— 9 Bew. Himmel Höchste Temperatur am 13. bis 14. Dez. 1915 + 3,3 C. Niedrigste„„ 13.%% r Niederschlag: 0,0 mm. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 16. Dez. 1915: Zunehmende Bewölkung, noch meist trocken, etwas wärmer. Die Haltung Griechenlands. i. Köln, 15. Dez. Von der italienischen Grenze wird ge⸗ meldet: Die zwischen Griechenland und dem Vierverband bestehende Lage scheint sich insofern geklärt zu haben, als nach einer Havas⸗ meldung die griechische Regierung den Vierverbands⸗ vertretern mitteilen ließ, sie werde sich einer Verfolgung der fliehenden französischen und englischen Truppen durch bulgarische und deutsche Truppen in griechisches Gebiet hinein nicht wider⸗ setzen. Dag scheinen ernsthafte Meinungsverschiedenheiten darüber zu bestehen, wie groß das von griechischen Truppen zu räumende Gebiet sein muß. Italienischen Meldungen zufolge machte der griechische Gesandee Pallis im Namen der griechischen Regierung und des griechischen Generalstabes da⸗ von Mitteilung, daß eine vollständige Räumung des ganzen Gebietes, welches der Vierverband für sich in Anspruch nimmt, unmöglich sei, wenn nicht die Sicherheit der griechischen Truppen gefährdet werden solle. Ebenso habe die griechische Re⸗ gierung gegen die Uebergabe der griechischen Eisenbahn von Salo⸗ nikt nach Mazedonien Stellung genommen und erkläre, daß die Eisenbahn für die Verpflegung jener griechischen Truppen, welche sich westlich von Saloniki befinden, unumgänglich notwendig sei. Das 5. griechische Armeekorps, das sich zwischen Saloniki und Doiran befunden habe, scheine indessen nach Osten verschoben worden zu sein. Furchtbare Angriffe gegen die Engländer und Franzosen. Kopenhagen, 15. Dez. Nach einem Salonikier Bericht der „Politiken“ fanden die beiden furchtbarsten Angriffe auf das 2 5 5 75 ie. des Doiran⸗ ees statt. Der Rückzug der Engländer und anzosen au griechisches Gebiet wird bestätigt. ef f Die Vorbereitungen in Saloniki. i. Köln, 15. Dez. Laut der„Köln. Zeitung“ beläuft sich nach italienischen Blättermeldungen die Gesamtzahl der bisher in Saloniki gelandeten Truppen des Vierverbandes auf 150000 Mann. Die Befestigung der Stadt wurde mit großer Eile be⸗ trieben. Saloniki soll von den Franzosen und Engländern gehalten werden. Französische Blätter vom 12. Dezember melden, daß die Konsuln Deutschlands, Oesterreich⸗Ungarns, Bulgariens und der Türkei ihren Landsleuten geraten haben, die Stadt zu verlassen. Die englischen Befestigungen am Suezkanal. Köln, 15. Dez. Die„Kölnische Zeitung“ veröffentlicht einen ihr über Umwege zugegangenen Bericht über die Vertei⸗ digung Aegyptens, in dem es heißt: Durch die Gefälligkeit eine englischen Offiziers war es mir vergönnt, vor einiger Zeit an Bord des englisch⸗ägyptischen Tampfers„Alexandria“ eine Fahrt durch den Suez⸗Kanal zu machen. An beiden Ufern des 160 Kilometer langen Kanals haben mehrere 100 000 Eingeborene und englische Truppen Tag und Nacht mit großer Eile im Sande Schüen⸗ gräben, Stacheldrahtfelder und Wolfsgruben an⸗ gelegt. Besondere Aufmerksamkeit wandte man der westl. Seite des Tanals zu, die am stärksten befestigt ist. Port Said, El Kantara, Imailia, Vera Point, Schalaf, Agron und Suez sind zu starlen Festungen ausgebaut worden. Tazwischen werden noch viele kleine u. größere Forts angelegt, die miteinander verbunden sind. Auf der östlichen Seite des Kanals werden meist nur Gräben angelegt. Zur Verteidigung des Kanals sind auch noch eine große Anzahl Ka⸗ nonenboote und schneller Monitore bestimmt. Vor kurzem hat man mit der Errichtung von Erdwerken in weitem Umkreise von Kairo begonnen. Gegenwärtig ist in Aegypten eine große Truppenmacht versammelt, die sich aus Engländern, Australiern und Südafrika⸗ nern zusammensetzt. Englische Offiziere bezifferten mir die Zahl auf rund 240 000 Mann(2); daneben sind noch 50 000 Verwundete aus den Kämpfen auf Gallipoli, Mazedonien, Mesopotamien und Ostafrika im Lande untergebracht. Zwei englische Divisionen in Skutari. Kopenhagen, 15. Dez. In Skutari sind zwei eng⸗ lische Divisionen eingetroffen. Das Hauyptheer der Serben befindet sich zwischen Skutari, mit beiden Flügeln zur Adria⸗Küste.. Der Telegraph Saloniki—Konstantinopel unterbrochen. Kopenhagen, 15. Dez. Nach Pariser Telegrammen ist die telegraphische Verbindung zwischen Saloniki und Konstanti⸗ nopel unterbrochen. Albanien gegen Essad Pascha. i Wien, 15. Dez. Aus Mailand wird berichtet: Die albanischen Notabeln der Bezirke Elbassan, Tirana, Krjava und Kwasa hätten sich in Tirana als unabhängige Volksver⸗ tretung konstituiert und damit ihren Abfall von Essad Pascha vollzogen. Das interessanteste an dieser Meldung ist, wenn sich die Mailänder Meldung bewahrheitet, daß gerade diese Bewegung von den Bezirken ausgeht, wo Essad Pascha ge⸗ boren ist und sich der Anhängerschaft der Bewohner sicher fühlte. Russisch⸗englische Niederlage in Persien. Konstantinopel, 15. Dez. Der„Sedais Islam“ mesdet aus Teheran, daß bei einem heftigen Kampfe 5 Persern und russisch⸗englischen Truppen bei Kirmanschah un die Perser einen Sieg errangen. Die Gegner hatten über 500 Tote und ebensoviel Verwundete Die Perser machten dabei auch große Beute. Bei einem anderen Kampfe zwischen Kermanschah und Sine wurden die Russen gleichfalls von den Persern geschlagen, von denen 300 Mann, die unter dem Kommando des russischen Generals Samanow standen, gefangen genommen wurden; zwei Maschinengewehre wurden erbeutet. Bei Ispahan fanden große Versammlungen statt, in denen beschlossen wurde, gegen das un⸗ menschliche Vorgehen Englands und Rußlands bei der ganzen zivi⸗ lisierten Welt zu protestieren. 5 Der wankende Kredit der Entente. Paris, 15. Dez. Dieenglisch⸗französische An⸗ leihe ist in New Pork zu 93⅜ angeboten worden, dann wurde sie allerdings mit 95 ¼ notiert. Die Zeichner des Ga⸗ rantiesyndikats scheinen zu verkaufen, da der Termin der Stücklieferungen herannaht. Barks erschütterte Stellung. Stockholm, 15. Dez. Aus russischen Baukkreisen wird dem Korrespondenten der„Voss. Ztg.“ mitgeteilt, daß man dort mit der Möglichkeit des demnächstigen Rücktritts des Finanz⸗ ministers Bark und seiner Ersetzung durch den jetzigen Prä⸗ sidenten der Moskauer Union Bank, Graf Tatischtschef, rechnet. Dieser ist von Goremykin beauftragt worden, eine ausführ⸗ liche Denkschrift über die gegenwärtige Wirtschafts⸗ und Finanz⸗ lage Rußlands auszuarbeiten, die dann als eine Art von Pro⸗ gramm der Krone und dem Ministerrat unterbreitet werden soll. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß Barks Stel⸗ lung, die schon infolge seiner mißglückten Auslandsreise eine starke Erschütterung erfahren hatte, durch das völlige Fehlschla⸗ gen der jüngsten Kriegsanleihe den letzten Stoß erhalten haben dürfte. Was die Semsstwos und den Städtebund anbelangt die bekanntlich im Auftrage der Regierung die gesamte Hilfsaktion für die Flüchtlinge sowie einen großen Teil der Verwundeten⸗ und Krankenfürsorge ausüben, so sollen dort Unterschleife vorgekommen sein, die Eingeweihte auf über 20 Millionen beziffern. Infolge⸗ dessen hat der Ministerrat die jüngst geforderten weiteren Kredite Der em ums Sende! 23 8 e derbe d dee 0 8 c Pf Porto! deen eke been Trusffrei! 8 5 von 10 Millionen abgelehnt, eine genaue Abrechnung über die bisher Summen eingefordert und die angesetzten Kon⸗ gresse der beiden Bunde verboten. ö 1 * SN— 4 N d, N N 2 ä N 2 N 5 0 3= 1 ö .. / 0— 8 5 55 0 5 5 3 1 f„ f 2 1 ö EN f E Ene 0 g 8 1 —.— 7 f A e . 88S— 7 8 1 5 Grösstes und modernstes Vergnügungs- Etablissement am Platze Ab heute! Ab heute Nur bis einschl. Freitag, den 17. Dezember 1915: in ihrem neuesten und erfolgreichsten Lustspiel in 3 Akten Nur nicht heiraten Heiteres aus Hennys Brausejahren) Dazu 6 weitere unbedingt sehenswerte, erstklassige Filmdarbietungen Unter anderem Unter anderem 972²⁰ a Auge um Auge Sete Ln Frauentücke ang Feten jeden Dienstag und Samstag vollständig neuer Glanz-Spielplan Militär vom Feldwebel abwärts auf allen Platzen halbe Preise— Die desamtspleldauer ist 3¼ Stunden zaun Lichtspielhaus: Hllgemeiner deufscher Frauenverein. Ortsgruppe Sießen. Zum Belten der nieligen Kriegerfrauen und-Kinder veranstaltet der verein am 10. Dezember, abends 8 Uhr pünktlich, i vereins(Sonnenstraße) einen Saale des Sesellschafts⸗ 9643 Portrags-Hbend mit musikaliscken und deklamatorischen Darbietungen. Ilit wirkende: Frau Dworkowskl, Frau Rechtsanwalt Spohr, Frdulein Bolzapfel, Frduleln Ingrid Heufert, Herr Dworkowski. Eintrittskarten zu 2 IIlark, 1.50 Ilark, 75 Pfg. und 50 Pfg. lind in det Iluslkalienfandlung von Ernst Shallier und abends an der Kasse zu haben. Aster weg 47. Telefon 2005. Steinstr. 56, 58,60 Haltestelle der Elektrischen(grüne Linie) Asterweg Der Erlös wird der städtischen Kriegsfürsorge überwielen Werkstätten für geschmackvolle Wohnungs- einrichtungen in jeder Preislage nach eigenen sowie gegebenen Entwürfen bei mäßigen Preisen Permanente Ausstellung von über 100 Zimmereinrichtungen Streng reell fachmännische Bedienung Feinste Referenzen- Langj. Garantie Franko-Lieferung TELLUNO: KIRC HENPLATZ Ar. 9 3 Bekanntmachung. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, dass die Stücke der bei uns gezeichneten 5% II. Deutschen Kriegsanleihe von 1015 deren erster Zinsschein am 2. Januar 1916 fällig wird vormittags von 8 bis 1 Uhr an unserem Effektenschalter in Empfang genommen werden können. Mitteldeutsche Creditbank, Filiale Giessen Johannesstrasse 17, gegenüber der Johanneskirche. 97183 u. 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