Nr. 292 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den kreis Hießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Jerusprech⸗ Anschlüsse für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled1 Adresse sür Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. Geieral⸗ An Rotationsdruck und verlag der Brühl'f zeiger für Oberhe en chen Aniv.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Samstag, II. Dezember 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel; jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2,30 viertel ⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. W Eine schwere Niederlage der Franzosen und Engländer ) Großes Hauptquartier, 10. Dezember. T (Amtlich.) a Westlicher Kriegsschauplatz. Französische Handgranatenangriffe gegen unsere neue Stellung auf Höhe 193 nordöstlich von Souain wurden abgewiesen. Sonst hat sich bei stürmischem Regenwetter nichts von Bedeutung ereignet. ö Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. 1 f Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals v. Köveß hat in den letzten beiden Tagen etwa eintausendzweihundert Gefangene ein⸗ gebracht. Bei der Armee des Generals v. Gallwitz keine wesent⸗ lichen Ereignisse. Die bulgarischen Truppen haben südlich von Stru⸗ mitza den Engländern zehn Geschütze abge— nommen. 5 Oberste Heeresleitung. . Was uns gestern unser deutscher Tagesbericht kurz andeutete, findet heute im neuesten amtlichen Bericht unserer bulgarischen Verbündeten volle Bestätigung. Die Niederlage der Feinde ist größer und entscheidender, als man an⸗ nehmen konnte. Die tapferen Bulgaren haben das fran⸗ zösisch⸗englische Heer bis unmittelbar an die griechische Grenze zurückgeworfen, und jetzt wird vielleicht die ent⸗ scheidende Stunde auch für Griechenland schlagen, das nach einer neuwesten Meldung vorläufig dem feindlichen Mächte⸗ verbande wieder eine ruhige,„freundschaftliche“ Antwort erteilt hat. Die„Entente“ befindet sich jedoch in den größten Verlegenheiten, wenn dies auch aus ihren äußerlichen Kundgebungen nicht recht hervorzugehen scheint. So wird 3. B. wieder einmal demonstrativ in der englisch⸗französi⸗ schen Presse verkündet, der neueste Kriegsrat habe be⸗ schlossen, die Front bei Saloniki unter keinen Umständen aufzugeben. Man will sich demnach aufs Abwarten verlegen, will sehen, ob die Bulgaren an der griechischen Grenze halt machen. Es mag sein, daß die trügerischen Hoffnungen der Bedrücker eines freien, neutralen Staates recht bald ver⸗ fliegen werden. Die Sicherheit des englisch-französischen Heeres hinter der griechischen Grenze ist absolut nicht ver⸗ bürgt. Welch eine beschämend klägliche Rolle würde übrigens das vereinigte Heer der stolzen Großmächte spielen, wenn es hinter dem griechischen Busch ängstlich Zuflucht suchte und dabei gleichzeitig fortfahren würde, mit seinen Beschützern einen süßlich⸗bitteren Notenwechsel zu führen, wie er in den letzten Wochen nicht nur jeden gesunden Geschmack, sondern auch jedes Rechts⸗ und Staatsgefühl der Zuschauer ver⸗ letzt hat! i Die englisch⸗französische Niederlage am Vardar ähnelt außerordentlich der englischen Schlappe in Mesopotamien. Auch an der Grenze Mazedoniens handelt es sich um stark befestigte und von langer Hand vorbereitete Stellungen, die von den Bulgaren in stürmischem Draufgehen genommen worden sind. Man kann die Angaben in dem bulgarischen Heeresbericht annähernd auf der Kartenskizze verfolgen, die wir am Donnerstag wiedergegeben haben. Im deutschen Heeresbericht war gestern nur von einer Schlappe der Eng⸗ länder die Rede, heute erfahren wir, daß zunächst die Fran⸗ zosen an der Front Petrowo—Mirowa schwere Schläge be— kommen hatten. Auf der Flucht haben sie sich sodann noch mehrmals zum Kampfe gestellt, wobei sie immer wieder mit schweren, blutigen Verlusten zurückgeworfen worden sind. Ihre Niederlage ist so groß, daß einzelne ihrer Ab⸗ teilungen zerstreut und erschöpft in den Berglanden umher⸗ irren. Zum Schluß haben aber auch die Engländer das bulgarische Schwert zu fühlen bekommen! Auf der Linie Protan⸗Memioli⸗Kajani wurde die vorläufige Entscheidung erkämpft. 400 Engländer wurden dabei gefangen genommen, 10 Geschütze mit ihren Munitions- wagen erbeutet! Zwischen der griechischen Grenze und der bulgarischen Front liegt jetzt nur noch eine Zone von knapp 20 Kilometer Breite! Dürfen die Engländer und Franzosen hoffen, ihre Niederlage in Mazedonien jemals wieder wett zu machen? Kämpfe dauern noch aan im Vardar⸗Cale. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 10. Dez.(TB. Nichtamtlich.) Amtli wird verlautbart: 10. Dezember 915. 8 85 9 N Russischer Kriegsschauplatz. Stellenweise unbedeutende Aufklärungskämpfe. Sonst Ruhe an der Front. Italienischer Kriegsschauplatz. , An der küstenländischen Front herrschte gestern, von Artilleriefeuer und kleineren Unternehmungen abgesehen, Ruhe. Die Tätigkeit des Feindes vor den befestigten Räu⸗ men von Lardaro und Riva hält an. Nachmittags griff italienische Infanterie unsere Stellungen anf dem Monte Vies und westlich davon(wischen Chiese⸗ und Concei⸗Tal) geichlag wurden unter schweren Verlusten vollständig zurück⸗ e en. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich der montenegrinischen Nordgrenze werden die Verfolgungskümpfe fortgeführt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. *** 9 Die Siege der Bulgaren. Der neue amtliche bulgarische Bericht. Sofia, 10. Dezember.(WTB. Nichtamtlich.) Amt⸗ licher Bericht vom 8. Dezember. Die Verfolgung der englisch⸗französischen Truppen hält auf den beiden Ufern des Vardar und des Flusses Kostorino gegen Godrowa hin an. Unsere Truppen haben im Laufe dieses Tages wichtige Ergehnisse erzielt. Nach der schon gemeldeten Nieder⸗ lage der französischen Bataillone bei Petrowo am 6. Dezbr. zogen die Franzosen in der Umgebung von Petrowo einen Teil ihrer Truppen zusammen, die sich aus der Richtung Demirkapn her im Rückzuge befanden und ließen auch dorthin Truppen aus der Gegend von Gewgheli heran⸗ holen. Heute früh wurde um 7 Uhr der Kampf auf der Front Petrowo—Mirowea wieder aufgenommen. Nach einem ungestümen Sturmangriff bemüchtigten sich unsere Abteilungen mehrerer hintereinander liegender steiler Höhenstellungen und warfen die Franzosen gegen den Vardar zurück. Die Franzosen gaben ihre Stellungen preis, ergriffen die Flucht und ließen Tote und Ge⸗ fangene zurück, die den 45., 188. und 284. französischen Infanterie⸗Regimentern angehören. Nur schwachen Abteilungen gelang es, sich auf dem Rückzuge zu retten. Unsere Kolonne, die durch die Schlucht des Vardar vorrückt, warf die Nachhut der Franzosen bei dem Dorfe Klisura zurück, folgte in⸗ dessen dem Feind auf den Fersen bis zu dem Dorfe Dawi⸗ dowo und erbeutete dabei zwei Maschinengewehre und machte 100 Mann zu Gefangenen. Viele Franzosen sind in den Bergen zerstrent. Die Kolonne, die auf dem linken Vardarufer vorgeht, griff überraschend die bei der Mündung des Dolna-Woda⸗ Flusses sich befindlichen Stellungen des Feindes an, die die Franzosen mit zahlreichen Verschanzungen und starken Drahtverhauen stark eingerichtet hatten. Die Franzosen gerieten in Verwirrung und begannen einen sehr ungeordneten Rückzug in Richtung von Gradecz und nahmen in einem furchtbaren Straßenkampf Gradecz selbst. Die Franzosen wurden schließlich um 4½ Uhr morgens ans Gradecz vertrieben und auf Udowoin vollständiger Unordnung und unter Zurücklassung zahlreicher Gefangenen zurückgeworfen. Die Zahl der in diesen Kämpfen ge⸗ fallenen Franzosen ist noch größer, weil es zu zwei Baso⸗ nettangriffen kam. Die Toten und Gefangenen gehören den 244., 371. und 372. französischen Infanterie⸗Regimentern an. Unsere Abteilungen verfolgten die englisch⸗französischen Truppen südlich Kosturino auf Grabowo, Kiri und Valandowo. Nach einem hartnäckigen Kampf, der den ganzen Tag fortdauerte, gelang es unseren Trup⸗ pen, sich der sehr starken englisch⸗französi⸗ schen Stellung auf der Linie Protan— Memi⸗ oli— Kajani bei Petrowo zu bemüchtigen. Die Engländes und Franzosen hatten diese Stellung seit den ersten Tagen ihrer Ausschiffung in Saloniki befestigt und hatten daraus eine Verteidigungslinie ersten Ranges ge⸗ fangenen und eroberten 10 englische Geschütze zosen tragen als Regimentsnummern die der 175. und 176. Infanterie⸗Regimenter und des 2. Zuaven⸗Regiments. Dit englisch⸗französischen Truppen befinden sich in schleuni⸗ gem Rückzuge südlich der Linie Rabrowo.—Valandowo, jenseits des Kosru⸗Dere. In diesem Abschnitt der Front haben die Engländer und Franzosen außerordentlich schwere Verluste erlitten an Toten sowie an Verwundeten, die sie in der Hast ihres Rückzuges nicht mitnehmen konnten. Die macht. Wir machten dort 400 Engländer zu Ge⸗ der mit ihren Munitionswagen. Die gefangenen und toten Fran⸗ Kr Sofia, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vizepräsi⸗ dent der Sobranje, Momtschilow, hat aus Anlaß der großen Erfolge der bulgarischen Armee über die Eng⸗ länder und Franzosen nachstehendes Telegramm an den König gerichtet: i 5 „Nachdem die bulgarische Armee die Heimaterde von der Gegenwart aller Uebeltäter gesäubert hat, empfinden wir aufs tiefste das Glück, vor unseren Truppen auch die stolzen Engländer und Franzosen fliehen zu sehen, die sich noch gestern die Herren der Welt geglaubt. Ich bin stolz, Bulgare zu sein. Außer mir vor Freude, rufe ich: Es lebe der König des geeinten Bulgariens!“ 5 Berlin, 11. Dez. Wie verschiedene Morgenblätter melden, tobt seit dem 7. Dezember eine heftige Schlacht an der griechischen Grengz Ein englischer Vericht über die Kämpfe an der Balkaufront. N London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegs⸗ amt teilte gestern mit: Die Bulgaren griffen am 6. Dezember nach heftiger Beschießung unsere Truppen westlich des Doiran⸗ sees an. In unsere vordersten Laufgräben eingedrungene bul⸗ garische Abteilungen wurden sofort mit dem Bajonett vertrieben. Am 7. Dezember früh griffen die Bulgaren neuerlich an und vertrieben durch ihre Uebermacht unsere Truppen aus ihren Stellungen. Im Schutze der Dunkelheit wurden die Truppen nach einer neuen Stellung zurückgenom⸗ men. Ueber unsere Verluste ist noch nichts bekannt Am 8. Dezember gelang es den britischen Truppen, alle Angriffe ah⸗ zuwehren. Am Abend wurden sie, um den Anschluß an die allgemeine Front zu erhalten, nach neuen Stellungen zurückgezogen. 5 e London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Paris, es bestehe Grund anzunehmen, daß der riegsrat der Alliierten beschlossen habe, die Saloniki⸗ Expedition unter keinen Umständen aufzugeben. Die Haltung Griechenlands. Athen, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d' Athenes. Die Regierung beantwortete den freundschaftlichen Schritt des Vierverbandes in dem i chen freundschaftlichen Ton und erneuerte die notwendigen Versicherungen. Die Antwort wurde den Gesandten gestern nachmittag übergeben. b Grey und Kitchener in Paris. Paris, 10. Dez.(WDB. Nichtamtlich) Präsidenr Poincars empfing heute vormittag Grey und Kitche⸗ ner, die später mit den Ministern und Unterstaatssekre⸗ tären an einem Frühstück im Elysse teilnahmen. 0 0* 5 * a Der Kaiser an der Strypa. Berlin, 10. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Kaiser hat nach einem kurzen Besuch in Lemberg die Truppen an der Strypa besichtigt. v. Mackensen in Wien. Wien, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Am 6. Dezember weilte Generalfeldmarschall v. Mackensen in Wien, um dem Kaiser für die ihm verliehenen Brillanten zum Mili⸗ 4 tärverdienstkreuz erster Klasse zu danken. Wien, 10. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Ueber den Aufenthalt des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Wien meldet die „Neue Freie Presse“: Nach der Audienz beim Kaiser, welche eine halbe Stunde währte, besuchbe der Generalfeldmarschall den Chef der Militärkanzlei des Kaisers, Generaladjutanten Freiherrn von Bolfras. Er empfing sodann den Besuch des Kriegsministers von Krobatin und nahm hierauf das Frühstück bei dem deutschen Botschafter ein. Um 5 Uhr nachmittags fand in Schönbrunn eine Tafel statt, an der der Generalfeldmarschall teilnahm. Er saß zur Rechten des Kaisers, der sich in sehr angeregter Weise mit dem deutschen Heerführer unterhielt. Auch nach der Tafel setzte der Kaiser noch einige Zeit in huldvollster Weise die Unterhaltung mil dem Generalfeldmarschall von Mackensen fort und schüttelte ihm bei der Verabschiedung herzlich die Hand. Der Generalfeldmarschall 5 verließ Wien am selben Abend. Eine Kundgebung der Triester Handels⸗ und Gewerbekammer. Wien, 10, Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Triester Hans dels⸗ und Gewerbekammer hat eine Kundgebung an⸗ genommen, in der sie sich für eine wirtschaftliche An⸗ näherung und Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiche in der Zoll⸗, Verkehrs⸗, Handels⸗ und Industriepolitik, wie in der Verwaltung und Gesetzgebung ausspricht und die Notwendigkeit betont, daß die Grundlagen gegenseitiger wirtschaftlicher Be⸗ ziehungen sowohl zwischen Oesterreich und Ungarn, als zwischen der Monarchie und dem Deutschen Reiche durch langfristige Ver⸗ träge gesichert werden. Eingedenk des gr Aufschwunges, den Reichshafen Triest durch eine weitgehende Fürsorge der Re⸗ gierung und der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches vor dem riege genommen hat, erklärt es die Handelskammer als ihrt Pflicht, nach Beendigung des Krieges mit allen Kräften beizu⸗ Triest einen noch weit erheblicheren Anteil des Orientverkehrs „„ * N 5 * 55 A Aus dem ungarischen Abgeordnetenhaus. Budapest, 10. Dez.(WB. Nichtamtlich.) Im Ab⸗ geordneten haus beantragte Graf Apponyi(oppositionell) in Rückficht darauf, daß der Heldenmut, den die Honvedarmee in dem Krieg bewiesen habe, zu den größten moralischen Schätzen der Angarischen Nation gehört, wie in Riicksicht darauf, daß diese Tapferkeit für das politische Gewicht des Landes schwer in die Wagschale fällt, die Regierung aufzufordern, die Waffentat der Wehrmacht Ungarns amtlich festzustellen und darüber dem Par⸗ lantent zu berichten. Nachdem der Min isterpräsident sich mit dem Antrag einverstanden erklärt hatte, wurde er einstim⸗ mig angenommen. Auf die Anfrage Moritz Esterhazy loppo⸗ . 1 betreffend die Verwaltung der durch die Armee be⸗ fsetzten feindlichen Gebiete antwortete Graf Tisza, daß während der Kriegshandlungen die Verwaltung den Kommandos der kämpfenden Armee obliegt. Insofern aber ein größeres zu⸗ säammenhängendes feindliches Gebiet in den Besitz unserer Armee gelangt, wird auf diesem Gebiete eine militärische Verwaltung aufgestellt, der ein entsprechendes Personal von Zivilbeamten zꝛs!ungeteilt wird. Die Verwaltung ist dem Armee⸗ Oberkommando Anterstellt. Eine solche Verwaltung ist bloß in den von unseren Truppen in Russisch⸗Polen besetzten Gebieten eingerichtet. In Serbien verfügen heute noch die Etappenkommandos, jedoch wird eine Verwaltung, wie sie hier dargestellt wurde, ehestens ein⸗ gerichtet. Die ungarische Regierung stellte sich auf den Stand⸗ punkt, daß es schon wegen der Sprachenfrage zweckmäßig sei, wenn auß russisch⸗polnischem Gebiet in erster Linie österreichisches Ver⸗ waltungspersonal verwendet wird. Hingegen kommt bei Ein⸗ richtung der Verwaltung in dem besetzten serbischen Gebiet un⸗ garisches Verwaltungspersonal in Betracht. Ohne mich irgendwie in den Wirkungskreis eines Armeeoberkommandanten einzumischen, halte ich schon heute es für meine Pflicht, zu erklären, daß auch bei der Organisierung der Militärverwaltung Serbiens die Tatsache zum Ausdruck kommen muß, daß es sich hier um solche Gebiete handelt, welche in erster Linie in die Interessen⸗ sphäre Ungarns fallen. Was die Finanzen anlangt, so wird es als Grundsatz betrachtet, daß die Kosten der in den eroberten Gebieten tätigen Verwaltung zu Lasten des sogenann⸗ ten Mobilisierungsgebietes fallen und die Einnahmen gemein⸗ same Einnahmen bilden und als Aktivposten des Mobilisierungs⸗ kredites gesucht werden. Die Zollfrage in Polen wurde derart geregelt, daß ein dem früheren entsprechender Zolltarif für solche Artikel festgesetzt wurde, welche aus dem gemeinsamen Zollgebiet in besetzte Gebiete ausgeführt werden, während die von dort stammende Einfuhr gemäß dem normalen Zolltarif verzollt wird. Eine Vereinbarung über die Aufteilung der Einnahmen und der Keosten der besetzten Gebiete zwischen der Monarchie und den Ver⸗ pündeten besteht bezüglich Russisch⸗Polens zwischen den beiden Militäroberkommandanten, die im W. 8 12 45 8 ege der Verhandlungen zu einer Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen umgestaltet wird. Was jedoch deren Inhalt betrifft, kann ich nur mit Zu⸗ stimmung sämtlicher Faktoren darüber Aufklärung geben. Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde zur Kenntnis genommen. Die Nobel⸗Friedenspreise für 1914 und 1915. Kristiania, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Nobelkomitee des Storting hat beschlossen, den reservierten Nobel⸗ Friedenspreis 1914 nicht zu verteilen, sondern gemäß 8 5 der Grundlegung der Nobelstiftung den Betrag des Friedenspreises einem be⸗ sonderen Fonds des Komitees zu überweisen. Bezüglich des Friedenspreises 1915 hat das Komitee beschlossen, den Preis nicht zu verteilen, nach welchem Beschluß der Preis n 8 5 der Grundregeln für das nächste Jahr reserviert leibt. 5„ a Der türkische Bericht. Konstantinopel, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront drangen unsere Truppen im Norden und Westen noch näher an die feindlichen Stellungen bei Kut⸗el⸗Amara heran und brachten dem einde große Verluste bet; sie zwangen Abteilungen, die sich am rechten Ufer des Tigris befanden, zum Rückzug nach Kut⸗ el⸗Amara. Im Osten bemächtigten wir uns einer Brücke über den Tigris und zwangen einige feindliche Abteilungen, nach Kut⸗el⸗Amara zurückzugehen, und feindliche Kanonenboote, zu ent⸗ iehen.. An der Kaukasusfront machten wir in der Gegend von Milo einige feindliche Patrouillen zu Gefangenen, andere ver⸗ nichteten wir. Von den anderen Abschnitten ist nichts zu melden. An der Dardanellenfront beschossen feindliche Panzer⸗ schiffe ber Kimikli Liman kurze Zeit unsere Stellungen. Unsere Artillerie erwiderte und richtete sichtlichen Schaden in den feind⸗ lichen Schützengräben und Artilleriestellungen an. Zwer Granaten trafen die Landungsstelle bei Kimikli Liman und verursachten dort Verluste und Verwirrung. Von fünf Minen, die der Feind am 8. und 9. Dezember in diesem Abschnitt springen ließ, explodierten drei gerade unterhalb seiner Schützengräben, die beiden anderen, ie in einem ungefährlichen Abstand explodierten, verursachten uns bloß einen Verlust von 10 Toten und Verwundeten. Ber Ar! urnu heftiger Kampf mit Artillerie und Bomben. Der Feind schleuderte Lufttorpedos. Ein Kreuzer beschoß in Zwischenvausen unsere Stellungen; unser Feuer zwang ihn, sich zu entfernen. n 2 18 Sedd⸗ül⸗Bahr bewirkte unsere Artillerie die Einstellung der Bombenwürfe und brachte die feindliche Artillerie zum Schweigen. Zwei Kreuzer beschossen wirkungslos unsere Stellungen. 9— a. Das englische Heer. London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Die„Times“ meldet: Asquith wird nächste Woche dem Parlament eine Vorlage unterbreiten, die Armee auf die Stärke von vier Millionen Mann zu bringen. Asquith wird zugleich das Ergebnis der Werbetätigkeit Lord Derbys mitteilen. Das neue spanische Kabinett. Madrid, 10. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas: Das neue Kabinett ist folgender⸗ maßen zusammengesetzt: Präsident des Ministerrates: Ro⸗ manones; Inneres: Alba; Auswärtiges: Villanueva; Finanzen: Urzais; Unterricht: Bureli; Justiz: Barroso; Krieg: General Luque; Marine: Admiral Miranda; Arbeit: Amos Salvador. 8 1 1 Madrid, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Minister⸗ präsident Romanones erklärte folgendes: Das neue Habinett wird die Politik des vorhergegangenen Kabi⸗ netts fortsetzen. Es wird strikteste Neutralität gegenüber allen Kriegführenden beobachten. Es wird alle Anstrengungen unternehmen, um die Lösung des wirtschaft⸗ lichen Problems zu erleichtern, mit dem das Parlament befaßt ist. Es nimmt die ihm von der gegenwärtigen Mehr⸗ heit angebotene Mithilfe an, würde jedoch, falls es zu der Ansicht gelangen sollte, diesen Beistand nicht benützen zu können, eine neue Kammer einberufen. Das neue Kabinett würde zunächst die mit der Landesverteidigung eng ver⸗ knüpfte militärische Reorganisierung und sodann die Fragen bezüglich der Nahrungsmittel⸗, Arbeits⸗, Ausfuhr⸗ und Kreditschwierigkeiten in Angriff nehmen. Dabei werde es keineswegs die der öffentlichen Meinung gegenüber über⸗ nonmnenen Verpflichtungen außer acht lassen; aber die wirt⸗ schaftlichen und finanziellen Probleme seien die dringlichsten. Romanones schloß mit der Versicherung, daß die Regierung eine ausgesprochen liberale Politik verfolgen werde. Eine neue schwedisch⸗amerikanische Passagierdampferlinie. Stockholm, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Svenska Telegrammbhran: Anläßlich der bevorstehen⸗ den Eröffnung der neuen schwedisch-amerikanischen Passa⸗ gierdampferlinie Gotenburg— New Pork hat die Reederei gestern in Gotenburg ein Festmahl an Bord des Dampfers„Stockholm“ gegeben. Dem Feste wohnten bei der Minister des Aeußern, der Finanzminister, der Minister des Innern und der Marineminister als Direktor der neuen Gesellschaft. Der Minister des Aeußern hielt eine Rede, in der er der neuen Linie Glück wünschte. Bei dieser Gelegen⸗ heit hob er die Einigkeit in der Leitung der Regierungs- politik hervor, die ausschließlich schwedisch sei. Hetzerei in Amerika. Die Vorgänge bei der deutschen Botschaft in Washington. New York, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funkspruch vom Vertreter des Wolff-Bureaus. Gemäß aus⸗ drücklichen Erklärungen des Staatssekretärs Lansing wird festgestellt, daß das Verlangen nach der Abberufung des Marineattachés v. Boy und des Militäxattachés v. Papen keinerlei politischen Hintergrund hat und daß insbesondere 1 ib after Graf von Bernstorff gänzlich unbetei⸗ igt ist. New Pork, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk⸗ spruch von dem Vertreter des WTB. Die öffentliche Meinung ist durch die fortgesetzt aufgebauschten Presse⸗ meldungen über angebliche deutsche Anschläge auf die amerikanische Neutralität, amerikanische Munitions⸗ fabriken und über amerikafeindliche Umtriebe in Mexiko sowie über mehrere gegen Deutsche eingeleitete Strafver⸗ fahren wegen solcher Straftaten stark gegen Deutsch⸗ land erregt. Die„New York World“ prophezeit in einer Korrespondenz aus Washington eine nahe bevor⸗ stehende deutsch-amerikanische Krisis von ungleich größerer Schwere als nach der Versenkung der„Lusitania“. Amerika habe gefordert, daß Deutschland erkläre, daß es das Völker⸗ recht bei der Behandlung amerikanischer Bürger nicht habe verletzen wollen. Amerika bestehe nach wie vor darauf. Vermutlich werde der Kongreß demnächst Aufschluß über die „Lusitania!-Verhandlungen verlangen. Einige Kongreßmit⸗ kredits nicht teilnahmen. glieder stä im Begriffe, Anträge auf Abbruch rikanisch⸗deutschen Beziehungen einzubringen.„New Pork Tribune“ fragt ironisch, ob denn die Bundesregierung die amtlichen Beziehungen zu Deutschland trotz der deutschen Weigerung, den B Forderungen zu entsprechen, ewig aufrecht erhalten wolle. Die„New Nork World“ ant⸗ wortet darauf in einem Leitartikel, dies sei keineswegs die Absicht der Regierung, die mit Deutschland verhandele, so lange dies möglich sei. Man sei nicht der Meinung, daß der ö Abbruch der Beziehungen den Krieg bedeute. Jetzt sei nich, Zeit für Bluffs. 0 f 5 Die Auseinandersetzung über die Versenkung der„Ancona“. 5 Washington, 10. Dez.(WT. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie verlautet, ist die Note der ameri⸗ kanischen und österreichisch-ungarischen Regierung wegen der Ver⸗ senklung der„Ancona“ kurz, aber energischer als irgendeine der an Deutschland gerichteten Noten. Es wird nachdrücklich gefordert, daß die österreichisch⸗ungarische Regierung eine Gewähr 91 die Sicherheit der Amerikaner gebe Die Note ersucht am Aufklärung über die Beschuldigung, daß das Unterseeboot, nachdem der Dampfer bereits gestopft hatte, Granaten abschoß und einige Passagiere tötete Präsident Wilson hieß Lansings Entwurf gut, ohne ö ran abzuändern. Die Kürze der Note wird dem Wunsch der Vereinigten Staaten zugeschrieben, die Angelegenheit so rasch als möglich zu er⸗ ledigen. Amtliche Personen in hohen Stellungen erklären, daß der Zustand infolge der Berichte über Angriffe von Unterseebooten auf amerikanische Schiffe im Mittelmeer ernste Erwägung erheisch⸗ — Der Seekrieg. London, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Der Marine⸗ mitarbeiter der„Morning Post“ schreibt: In den letzten fünf Wochen sind über dreißig britische, französische und italienische Schiffe, darunter auch Transport⸗ schiffe, im Mittelmeer versenkt worden. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Ein amtlicher Bericht darüber wird selten veröffentlicht; die meisten Nachrichten kamen von Lloyds Agentur. Es ist anscheinend unmöglich, die österreichischen Häfen zu blockieren. Auch die Einfahrt in das Adriatische Meer scheint dem Feinde unverschlossen zu sein. Aus dem Reiche. Die Preispolitik im Reichstag. Berlin, 10. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Im Haupft⸗ dusschuß des Reichstages erklärte bei der Beratung der vom Zentrum vorgelegten Entschließung betreffend die Errichtung einer Zentralstelle für Lebensmittel⸗ versor 2 g der Staatssekretär des Innern, zu einem Ausbau der Reichsprüfungsstelle, in der ja bereits Mit⸗ glieder des Bundesrats, Reichstag und Sachverständige säßen, gerne die Hand bieten zu wollen. Auf eine Anregung, Höchstpreise für Leder festzusetzen, erklärte Staatssekretär Dr. Delbrück, daß Maßnahmen zur Regelung der Le⸗ derpreise vorbereitet würden. Auf die Klagen, daß nur für die Militärausrüstungsgegenstände die Lederpreise her⸗ abgesetzt worden seien, daß aber auch der Privatindustrie die Preise noch viel zu hoch seien und auch in Gerbrinde stark spekuliert werde, legte ein Regierungskommissar die einschlägigen Verhältnisse dar: Seit dem 1. Dezember wur⸗ den seitens der in erster Linie beteiligten Militärverwal⸗ kung Höchstpreise für Leder festgesetzt, eine weitere Herab⸗ setzung der Preise werde im Laufe der Zeit erfolgen. Wie W die Sache sei, zeige der Umstand, daß wegen der Verschiedenheit in der Güte des Leders 150 bis 160 Preis⸗ sätze festgesetzt werden müßten. Die Sozialdemokratie und die Reichstagsverhandlung. Der„Vorwärts“ teilt mit, daß ihm 31 sozialdemokrati⸗ che Abgeordnete eine Erklärung geschickt haben, aus der ervorgehe, daß sie auf dem gestern in der Geschäftsord⸗ nungsdebatte geäußerten Standpunkte des Abgeordneten Haase stehen, also mit der nach ihrer Meinung unklaren und vieldeutigen Rede des Reichskanzlers und mit der Erklärung der bürgerlichen Parteien nicht einverstanden seien. Da die sozjaldemokratische Fraktion des Reichstags 111 Mitglieder zählt, so ergibt sich, daß die weitaus große Mehrheit der Partei mit dem Verlaufe der De⸗ batte und den darin gegebenen Mitteilungen der Regierung im wesentlichen einverstanden sein wird. Die dissentierende Gruppe in der Sozialdemokratie scheint sich gegen die Au⸗ gustsession nicht vermehrt zu haben, denn die Ziffer 31 ent⸗ spricht fast genau der Zahl derjenigen Mitglieder der Frak⸗ tion, die vor fünf Monaten an der Bewilligung des Kriegs⸗ Gießzener Nonzertverein. Konzert in der Stadtkirche. Eine Kirchenaufführung mit zwei großen, würdigen Werken bot der Verein im Zusammenwirken des Akademischen und des Evangelischen Kirchen⸗Gesang vereins, der evangelischen Knaben⸗ und Mädchen⸗Chorschule, unterstützt von Gästen anderer Vereine dar. Mitglieder der Kapelle des Ersatzbataillons unseres heimischen Infanterie⸗Regiments bil⸗ deten das kleine, fast nur aus Streichern bestehende Orchester; Herr Otto Görlach waltete seines umfangreichen Amtes an der Orgel und das Ganze leitete Herr Professor G. Trautmann, zugleich am Flügel begleitend. Für das Soloquartett in den beiden Werken war das„Stuttgarter Oratorienquartett“ gewonnen worden, bestehend aus den Kammersängerinnen E. Tester(Sopran) und M. Diestel(Alt) sowie den Konzert⸗ sängern H. Ackermann(Tenor) und L. Feuerlein(Baß). L. v. Beethovens Messe in C⸗dur und H. v. Her⸗ zogenbergs Weihnachtsoratorium„Die Geburt Christi“ sind geistliche Chorwerke grundverschiedenen Charakters. Man möchte in Anlehnung an Hermann Kretzschmars Beurtei⸗ lung der Beethoven schen Messe in C⸗dur den Unterschied etwa dahin kennzeichnen, daß dieser Messe gegenüber dem Weihnachts⸗ vratorium entschieden die absolute und relative geistige und reli⸗ iöse Ueberlegenheit zukommt. Und doch ist der Gesamtcharakter ider Werke so verschieden, daß man damit zu viel und zu wenig agen würde. Denn Herzogenbergs Werk mag im Schatten dieser Messe manchem schwach erscheinen, wer aber eben dem Geiste, aus dem dieses Werk geboren ist, wahrhaft gerecht werden will, muß erkennen, daß wir es auch bei Herzogenbergs Werk mit einem pollgültigen Meisterwerk zu tun haben. Aber der Messe Beet⸗ hovens gege⸗ ist das Weihnachtsoratorium Herzogenbergs ein Werk positiv⸗ ch⸗religibsen Charakters, während die Messe aus den Tiefen ew Menschheitsreligion, wenn auch in Anleh⸗ ung an einen kirchlichen Text geschaffen ist. Ueber dieser Größe vergißt man das vergängliche Textwort ganz; es wird durch diese Komposition weit hinausgehoben über alle kirchlich⸗kon⸗ fessionellen Schranken. Beethoven weiß gerade diesem Text eine ungeahnte, hocherhabene Bedeutung zu geben, ihn aller be⸗ schränkten Konfessionalität zu entkleiden, in ihm das Erhabenste und Tiefste alles religiösen Empfindens aus⸗ uspitren und eindringlich zu betonen; er läßt uns die etten Rätsel ahnen, wie er sie ahnt, seine Messe wird so zum erhabensten religiösen Mysterium. Dahingegen wird das innig⸗frömmigen, aber eben doch ganz naiv wiedergegebe⸗ nen biblischen Geschichte. Diese Gestaltung weiß er aber musikalisch so echt zu geben, daß man dieses Gelingen nicht mehr bloße musikalische Kunst nennen darf, nicht mehr bloß aus höchstem musikalischen Können erklären kann. Vielmehr wirkt auch hier eigene religiöse Intuition mit, auch dieses Werk ist aus religiösem Geiste geboren, eben aus dem kindlich⸗frommen Geiste naiven. Glaubens, für den es keine Zweifel gibt, der alles wörtlich nimmt, wie seine Sinne es ihm scheinbar zum Greifen deutlich darstellen. So macht Herzogenberg aus dem Mysterium ein kirchliches Ora⸗ torium zum Dienst in der Kirche, an dem sich allezeit innigst er⸗ bauen wird, wer in diesem Geiste lebt. Der größere Beethoven umfaßt die ganze Menschheit, Herzogenberg umfängt mit inniger Liebe nur die Gemeinde. Aber dies, wie auch der Außenstehende mit Freuden anerkennt, mit einem Gelingen, das nur einem auf⸗ richtig mitfühlenden Herzen möglich ist. „Das scheint mir der tiefe Sinn dieser beiden Werke, über dem ihre musikalische Größe und Bedeutung nicht vergessen sei. Beethovens Messe in C⸗Dur ist, wie H. Wretzsch⸗ mar mit vollem Rechte betont, eine echte, aus dem gleichen Geiste geborene Schwester der„Missa solemnis“, ja sie ist im musikalisch⸗technischen Plane ihr so ähnlich, daß man fast versucht ist, sie als den ausgeführten Entwurf zu dem großeren, umfassenderen späteren Werke zu bezeichnen. Ihre Vorgängerinnen, den Messen selbst Haydn's und Mozart's gegenüber war das Werk für seine Zeit so neuartig, daß Fürst Esterhazy, dem der Meister das Werk gewidmet hatte, nach seiner ersten Aufführung Beethoven mit den Worten empfing:„Aber lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?“ Musikalisch⸗ technisch, wie ihrer geistigen Erfassung nach, war das Werk also für seine Zeit etwas ganz Neues, dem man ächst nicht ge⸗ recht zu werden vermochte. Für uns heute ist diese Messe um ihrer kleineren geschlosseneren Form willen fast grundeinfach gegenüber ihrer späteren und größeren Schwester. Sie ist ein Werk aus einem Guß und trotz aller ins Einzelnste gehenden Betonung der Textworte von so einheitlichem Geiste, daß sie bei ihrer gedrängten Kürze wie eine herrliche Symphonie wirkt. Auch musikalisch ist hiervon Herzogenberg's Werk . Es zerfällt seinem Texte nach in eine große nzahl einzelner Betrachtungen und Episoden, die kein um⸗ fassender Rahmen umspannt. Alte Choräle, Volkslieder sind ver⸗ wendet und eingeflochten und die ganze Musik wird dem naiv⸗ frommen Geiste gerecht, in dem Herzogenberg sein Werk auf⸗ faßt. Diese Beschränkung ist des Werkes musikalische Größe; nirgends findet sich um technisch⸗musikalischer Zwecke willen eine Mysterium der Geburt Christi bei Herzogenberg zu einer zwar Stelle, an der sich der Meister hätte zu einer Stillosigkeit verleiten lassen, wie solcher leider dem modernsten deutschen Musiker R. Strauß stets wieder unterlaufen. 3 Die Aufführung beider Werke, der eine öffentliche Hauptprobe vorausging, zu der man den hier weilenden verwundeten Vater⸗ landsverteidigern freien Eintritt gewährt hatte, verdient alle Lob. Die musikalische Leitung des Ganzen war von bedeutendem, eindringendem Ausdruck, voll Liebe und wärmstem Empfinden. Schon die Hauptprobe hatte ihren zahlreichen Zuhörern, wie man gerade aus den Kreisen der Verwundeten hören konnte, großen Genuß und Erbauung bereitet. Die Chöre gelangen vorzüglich und kamen aufs Beste zur Wirkung; man merkte dem Tonkörper die Kriegszeit nicht an. Insbesondere der Tenor erklang diesmal völlig ausreichend und ebenmäßig, wohleingefügt ins Ganze. Aber besonders schön sangen die Bässe: wo sie zur Höhe klommen, schwebten sie ausdrucksvoll über dem Ganzen und gaben ihm das rechte Gepräge. Es würde zu weit führen, wollte ich an dieser Stelle auf die vielen Einzelheiten der beiden Werke eingehen, die besonders schön waren und auch vollauf gelangen, auch im Alt und im Sopran. Es war eine der besten aller im Laufe der Jahre gebrachten Aufführungen, vielleicht in der Hauptprobe in einigen Beziehungen schöner noch, als in der Aufführung selbst. Orchester, Orgel und Klavier harmonierten ausgezeichnet; gewiß wäre es noch schöner gewesen, hätte sich in dieser Zeit volle Or⸗ chesterbesetzung ermöglichen lassen. Aber, was als Ersatz nur immer 9 werden konnte, das ist geleistet worden; insbesondere die S am Flügel durch Herrn Prosessor Trautmann bot hönheiten, wie man sie wohl selten zu hören bekommt. 5 Ganz vortrefflich war das Stuttgarter Oratorien⸗ guartett, in ihm besonders Sopran und Tenor, aber auch die Altistin sang sehr schön und der Bassist sehr ausdrucksvoll, nur fügte er sich seinem Klangcharakter nach den andern Stimmen nicht so ein, wie es vielleicht erwünscht gewesen wäre Auch hier darf mam sagen, daß wir kaum je hier bei 1 5 Aufführungen eine so gleichmäßig hochstehende Leistung des Vokalquartetts im ganzen gehabt haben. Wir werden das Stuttgarter Ora⸗ torienguartett gerne wiederkehren sehen. Besonders hervor⸗ 1 5 sei die Wiedergabe des wunderbaren Beethoven'schen„Be⸗ nedietus“. 1 N 5 Die Mädchen⸗ und Knabenchorschule bewährte sich in Herzogen⸗ berg's Geburt Christi aufs beste. Es lag ihnen besonders ob die Gemeindechoräle zu ersetzen, durch die Herzogenberg das Werk direkt dem kirchtechen Gottesdienste dienstbar macht. Sie trugen besonders durch den letzten Choral mit dazu bei, die weihnächtliche Stimmung recht weihevoll ausllingen zu lassen, in die das ganze Werk die große Zubörerschaft sichtlich mit bestem Gelingen versetzte. N . 9 0 Eine Kundgebung der reichs dentschen waffenbrüderlichen Vereinigung. Berlin, 11. Dez. Zum ersten Male veranstaltete gestern abend laut verschiedenen Morgenblättern die reichs⸗ deutsche waffenbrüderliche Vereinigung eine Tundgebung im Abgeordnetenhause. Oberbürgermeister Wermuth hieß die zahlreichen Gäste willkommen und führte aus, treu geeinte Völker müßten in Not und Tod erst recht aneinander sich halten. Als Hauptredner des Abends entwickelte Abgeordneter Naumann die Richtlinien für die künftige gemeinsame Entwicklung Deutschlands und Oester⸗ reich⸗Ungarns. Er führte aus, im Orient solle keine neue abendländische Ausnutzungspolitik an Stelle der alten treten, keine Germanisierung der Türkei. Die Türkei werde fortan allein den Türken gehören, mit denen uns ehrliche Freund⸗ schaft verbinden dürfte. Die junge bulgarische Nation sei wie zeschaffen zum Vermittlungslande zwischen Etrropa und dem Orient. Schließlich gedachte der Redner auch Ungarns. Un⸗ garn sei auf Oesterreich angewiesen, falls es nicht den Weg nach Moskau gehen wolle. Der Zusammenklang zwi⸗ schen Nord und Süd werde auch nach dem Kriege fortwirken. Abgeordneter Schi 1 sagte: Seit dem Durchmarsch durch Serbien weht eine freie Luft. In Freiheit haben wir uns gefunden, in Freiheit wollen wir zusammenbleiben. Die Brücke nach dem Orient ist geschlagen. Unser Volk ist mit seinem Herzen und Gewissen bei diesem Bündnis. An das abwesende Präsidialmitglied der Vereinigung, Feldmarschall von Mackensen, wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. g Aus Stadt und Cand. Gießen, 11. Dezember 1915. Sonntagsgedanken. In der Natur können wir packende Beispiele sehen, wie viele kleine 7 85 sich vereinigt haben zu einem lebendigen Ganzen. Da sind tausende Zellen vereint zu einem Lebe⸗ wesen. Da ist ein Baum mit unzähligen Blüten, die zu⸗ sammen einen mächtigen Strauß ergeben. Da schweben Milliarden Schneeflocken vom Himmel und bilden eine große, weiße Decke Auch das deutsche Volk ist eine Einheit, aber nicht eine Einheit, die wir beschaulich betvachten können, sondern wir stehen felbst alle darin, sollen lebenskräftige Glieder darin sein. Wir sollen alle fühlen, daß wir verpflichtet sind, zu⸗ 1 80 dieser Einheit auf allerlei Dinge zu verzichten. Ergreifend ist die Art, wie viele, die für das Vaterland streiten, verzichten auf das Eigene, wie viele in der Heimat schwere Opfer bringen als etwas Selbstverständliches. Jeder einzelne hat Teil an dem Glücke des Vaterlandes. Da ist es T ja auch etwas Selbstverständliches, wenn er sich nicht wei⸗ gert, auch sein Teil von der Not des Vaterlandes zu tragen. Aber schon in Dingen, die für sie ganz geringfügig 135 sollten, zeigen immer noch viele, daß sie eines solchen Vaterlunde s nicht wert sind, wie unseres ist. Wenn immer noch Gold zurückgehalten wird, so ist das einmal ein Zei⸗ chen von Rückständigkeit, die in diesem Falle wieder öfter 9005 finden ist, wo man fie nicht sucht. Besonders aber 0 darnrus hervor, daß viele noch nicht wissen, daß sie . eee in der Welt leben, sondern sich verbunden fühlen ol mit anderen Menschen und entsprechend handeln. liches ergehen besoabers dem geltnbe gegenfber, oö iches erscheint, be ers inde gegenüber, obwo man es hat, außergewöhnlich in der Kost zu sparen, oder gar den Pferden, die ib schwer arbeiten müssen, so wenig Hafer zu geben, jetzt ist es für das Wohl des Vaterlandes nötig, auf das, was uns gehört, zu verzichten. Und ebenso muß man sich auch in den Städten einschränken und mehr Geduld haben, wenn manche Dinge nicht mehr in der früher gewohnten Menge vorhanden und 1 5 kaufen sind. Wenn wir uns nur immer wieder vorhalten, wie große Opfer unsere Soldaten bringen, und vor wie Schlimmem sie uns bewahrt haben, dann werden wir auch immer willig sein, uns in das Ganze einzufügen, und werden nicht murren, wenn es oft nicht geht, ohne daß es dem einzelnen rücksichtslos erscheint. Dann bleiben wir, was wir sein sollen: ein einig Volb von Brüdern. ck. J Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Musk. Wilh. Schwarz, Res⸗Inf.⸗Regt. 87, aus Heblos. — Musk. Gustav Gonter, Inf.⸗Regt. 129, aus Heimertshausen. — Feldwebel Karl Jakobi, Res.⸗Inf.⸗Regt. 221, aus Berns⸗ burg.— Gefr. Karl Frank, Res.⸗Inf.⸗Regt. 118, aus Rudings⸗ hain.— Grenadier Wilh. Weil, Res.⸗Inf.⸗Rogt. 262, aus Nie⸗ dershausen.— Grenadier Wilhelm Sackmann, Königin⸗Elisab.⸗ Regt., aus Cölbe. 1* * Auszeichnung. Dem Pionier Karl Sonntag aus 14 857 im Pionier-Regiment Nr. 20, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. ** Goldgeld und Heimaturlaub. In einzelnen Kreisen der Zivilbevölkerung ist immer noch die Ansicht vertreten, daß die Heeresangehörigen Heimaturlaub er⸗ halten, wenn sie selbst oder ihre Verwandten und Freunde Goldgeld sammeln und der Reichsbank zuführen. Diese An⸗ sicht ist unzutreffend, denn diese Bestrebungen haben auf die Gewährung von Urlaub keinerlei Einfluß. Das Zu⸗ ritckhalten von Goldgeld aus diesem Grunde ist daher zweck⸗ los und geschieht nur zum Nachteil des Vaterlandes. Je mehr Gold der Reichsbank zugeführt wird, umso mehr steigt die wirtschaftliche Kraft und das Ansehen des Deutschen Reiches gegenüber dem Auslande. * Verkauf von Kolonialwaren. Von Montag, den 13. Dezember ab findet der städtische Verkauf von Kolonialwaren außer Neustadt 66 auch Asterweg 25 (alte Gewerbeschule) statt und zwar jeden Werktag, mit Aus⸗ nahme Samstags, von 2—6 Uhr nachmittags. Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Starke Anziehungskraft. scheinen die Vorstellungen des morgigen Sonntags auszuüben, namentlich die für die Abend⸗ vorstellung angesetzte Erstaufführung der neuen Gesangs posse „Der Jurbaron“ Die Mustk dieses Werkes ist von Walter Kollo, dem Komponisten von„Wie einst im Mai“, und sie be⸗ sitzt wiederum alle Eigenschaften, um bald populär zu werden. Die beiden Hauptpartien haben in Frl. Zondervan und Herrn Eugens flotte Vertreter gefunden, die namentlich in einigen Tanzduetten, arrangiert von der Ballettmeisterin Fr. Oldini alle Minen guter Laune springen lassen werden. Die Spiel⸗ leitung der Neuheit führt Herr Goll.— Die Nachmittags⸗ vorstellung bringt bei kleinen Preisen die letzte Wiederholung des fröhlichen Spieles„Als ich noch im Flügelkleide“. — Nochmals sei nachdrücklich auf das Gastspiel des„neuen Theaters“ aus Frankfurt a. M. am kommenden Dienstag hin⸗ gewiesen, das mit Arthur Schnitzlers neuem Einakterzyklus 2 „Komödie der Worte“ eine hochinteressante Darbietung] de bringt. Die Besetzung der Stücke ist vorzüglich. Die Aufführung hatte im Herbst am Kurtheater in Bad⸗Nauheim einen außer⸗ ordentlichen Erfolg. ö Goldene Hochzeit. Die Feier ihrer Golde⸗ nen Hochzeit begehen morgen(Sonntag) Rentner Si⸗ mon Loeb und Frau, Alicestraße 18. Der heute 79 Jahre alte Jubelbräutigam ist in Hohensolms geboren, wo seine Altvordern schon Jahrhunderte ansässig waren. Er hat dort bis vor 10 Jahren, wo er nach Gießen übersiedelte, das Gewerbe als Viehhändler und Metzger betrieben und er⸗ sreute sich in seiner Heimat einer so hohen Achtung, daß ihn seine 1 in den Gemeinderat wählten. Seine Chefrau, Franziska geb. Katz, ist in Garbenteich geboren. Das Jubelpaar erfreut sich hervorragender geistiger Rüstig⸗ keit und nimmt noch regen Anteil an den Geschehnissen besonders des Krieges. e Vortragsabend. Zum Besten der hiesigen Krieger⸗ frauen und ⸗kinder veranstaltet der Allgemeine deutsche Frauen⸗ verein, Ortsgruppe Gießen, am 16. Dezember einen Vortrags⸗ Abend mit musikalischen und deklamatorischen Darbietungen. Als Mitwirkende sind gewonnen: Frau Dworko wski, Frau Rechtsanwalt Spohr, Fräulein Holzapfel. Wie wir hören, wird Frau Käte Schröder⸗Dworkowski den rezitatorischen Teil der Veranstaltung bestreiten. Von der Künstlerin, die 5 Jahre lang dem Düsseldorfer Schauspielhause angehörte, ist nach den Traditio⸗ nen dieses Theaters ein sprachlich besonders eindrucksvoller Vortrag zu erwarten. Zum Vortrag gelangen lyrische und epische Werke der hessischen Dichter: Alfred Bock, Stefan George, Wilhelm Holzamer und Albert H. Rausch. * Zur schnellen Abwickelung des Postschalter⸗ verkehrs während der Weihnachtszeit lann jedermann wesentlich beitragen. Die Einlieferung der Weihnachtspakete sollte nicht lediglich oder vorwiegend bis zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungen tunlichst an den Vormittagen aufgegeben werden. Auch sollte es die Regel bilden, daß die Absender die einzuliefernden Weihnachtspakete durch Postwertzerchen selbst frei⸗ machen. Mit seinem Bedarf an Postwertzeichen müßte sich ein jeder bald versehen. Zeitungen dürften nicht in den Tagen vom 19. bis 24. Dezember am Schalter der Postanstalten bestellt werden. Für die Zahlungen am Postschalter sollte der Auflieferer das Geld abge zählt bereithalten. Die Befolgung dieser Rat⸗ schläge würde der Post und der Allgemeinheit gleichmäßig zum Nutzen gereichen. ** Die Zahl der Postscheckkunden im Reichspost⸗ gebiet ist Ende November 1915 auf 110 966 gestiegen.(Zugang im Monat November 733.) Auf den Postscheckrechnungen wurden im November gebucht 2040 Millionen Mark Gutschriften und 2022 Millionen Mark Lastschriften. Bargeldlos wurden 2205 Millio⸗ nen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Post⸗ scheckkunden betrug im November durchschnittlich 279 Millionen Mark. Im Ueberweisungsverkehr mit dem Auslande wurden 5,5 Millionen Mark umgesetzt. Landkreis Gießen. e. Rödgen, 11. Dez. Dem Wehrmann Heinrich Bellof von hier, Schlachthofarbeiter in Gießen, wurde die Hessische apferkeitsmedaille verliehen; ferner wurde der Unter⸗ offizier Heinrich Stein(Landwirt) von hier mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. 5 * Annerod, 11. Dez. Der seit dem 30. März vermißte Musketier Ludwig Wehrum von hier, Sohn des Pflasterers und Gemeinderats Kaspar Wehrum, hat an seine Angehörigen geschrie⸗ ben, daß er sich seit dem 2. April in russischer Gefangenschaft be⸗ finde, in der es ihm ganz gut gehe. n Daubringen, 10. Dez. Dem Musketier Heinrich Ruth von hier, im Infanterie⸗Regiment 117, wurde an Großherzogs Geburtstag die Hessische Tapferkeitsmedaille ver⸗ liehen. . Kreis Büdingen. a Duden rod, 11. Dez. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Musketier Dobhahn. a Ortenberg, 11. Dez. Das Eiserne Kreuz erhielt der Bäckermeister Ulrich.— Dem hiesigen Zweigverein vom fertre die heute ankfurt nach dem West b dt ü gen, die von Fr 1 m ten abgesandt werden. Die umliegenden e en stifteten namhafte Beiträge. k. Schellenhof, 11. Dez. Das Wohngebäude von Schellenhof bei Einartshausen ist vor zwei Tagen vollständig niedergebrannt. Kreis Schotten. Laubach, 11. Dez. Dem Leutnant Hugo Link im Artillerie-Regiment Nr. 3, der als Lehramtsassessor am hiesigen Gynmasium tätig war, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen, nachdem er schon im Herbst mit der Hessischen Tapfer⸗ keitsmedaille ausgezeichnet worden war.— Eine Weihnachts⸗ kiste mit Geschenken, die die Stadt Laubach ihren Kriegern im Felde zum kommenden Weihnachtsseste spendet, ging dieser Tage durch Bürgermeister Ritter an die Hauptsammelstelle ab. 750 Mark waren hierzu durch Haussammlung eingegangen. Starkenburg und Rheinhessen. ch. Aus Rheinhessen, II. Dez. Für die Reben ist die Frostzeit gut vorübergegangen. Sie haben keinen Schaden erlitten. Die Arbeiten in den Weinbergen, wie Düngen, Zuhacken usw. wurden wieder gufgenommen und kräftig gefördert. Die gegen- wärtig herrschende Witterung läßt die Hoffnung zu, daß es gelingt, eine Menge Arbeit zu leisten und so die Reben dann während dommender Frostzeiten sich ruhig selbst überlassen zu können, auch at man das Vertrauen, daß die Reben gegen die Kälte und den rost genügend Widerstand leisten können. Der neue Wein ist jetzt e Das gilt nicht für alle Gemeinden, denn es machen sich auch Klagen über schwachen Geschäftsgang bemerkbar. Ein belebtes Geschäst herrscht aber vor. Für das Stück 1915er wurden in der letzten Zeit in Guntersblum 630 Mk., iu Heßloch 540 Mk., in Ober⸗Saulheim 560 Mk., in Partenheim 550 Mk., in Alsheim 700 Mk., in Albig 500 Mk., in Osthofen 550 Mk., in Vendersheim 580 Mk., in Weinheim 550 Mk., in Wallertheim 540—550 Mk., für das Stück neuen Rotwein in Nieder-Saulheim 625 Mk. angelegt. Das Stück 1913er kostete in Ober⸗Saulheim 590 Mk., in Udenheim 600 Mk., in Nieder-Olm 675 Ml., in Wolfsheim 600 Mk., das Stück 1914er in Osthofen 600 Mk. Hessen⸗Nassau. ra. Biedenkopf, 10. Dez. Der Magistrat hat auf Vor⸗ schlag der Lichtkommission die im vorigen Jahre angelegte Alu- miniumlichtleitung zum Seewasen verkauft. Der Erlös beträgt 2978 Mk., während sich die Gesamtkosten der Anlage da- mals auf 2673 Mk. beliefen. ra. Wallau, 10. Dez. Dem Regierungs⸗Supernumerar Einj.⸗Unteroffizier Ludwig Berge, Sohn unseres Bürgermeisters, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. ra. Allendorf(Eder), 11. Dez. Auf Grund des letzten Gutachtens des Kirchenbaumeisters, das eine kostspielige und um⸗ fangreiche Reparatur der aus dem Jahre 1646 stammenden Kirche vorsah, beschloß die Gemeindevertretung, eine neue Kirche zu bauen.„ (Hanau, 11. Dez. Gestern morgen fand hier im Dachstock eines Hauses eine heftige Eyplosion statt, durch die ein Brand ausbrach. Die dreijährige Tochter der Woh⸗ nungsinhaberin fand dabei den Tod, die Frau selbst und drei weitere Kinder im Alter von ½ 5 und 7 Jahren wur⸗ den ebenfalls ohne Bewußtsein aufgefunden und in das Landkrankenhaus gebracht. Aus der Rhön, 10, Dez. Auf dem höchsten Berge der waldgebirgigen Rhön, dem 930 Meter hohen Dammersfeld, plant der Rhönklub die Erbauung eines Aussichtsturmes. Vom Dammersfeld, auf dem bisher nur eine Schutzhütte steht, ießt man eine der großartigsten Aussichten auf die deutschen Mittelgebirge; Taunus, Vogelsberg, Thüringer Wald, Fichtel⸗ gebirge, Spessart und das südliche Frankenland. Als Grundstock für n Turm wurden bereits 1500 Mark gezeichnet. 9078„5 wurden zwei Ein heitskisten zur Lieferung Handel. s 225 Berlin, 10. Dez.(WTB. Rich tamtlich; In der heutigen Allgemeinen ektrizitäts⸗ Gesellschaft wurde nach längeren Erörterungen die 4 ordnung genehmigt.⸗Für einige der beantragten Satzungsän 151 gen ist die Einbersfung einer neuen Hauptversammlung 3 weil die zur Beschlußfassung nötige Hälfte des Aktienkapitals nicht vertreten war. Der Antrag auf Erhöhung der Dividen de auf 12 Prozent wurde abgelehnt. Von der Verwaltung wurde 1 9 teilt, daß die Umsätze in den drei ersten Monaten des 1 7 8 50 schäftsjahres 100 Millionen Maxk gegen 87 Millionen Mark un der Wert der Aufträge 334 Millionen Mark gegen 323 Millionen Mark im Vorjahr betragen. Das Bankguthaben habe eine weitere mäßige Erhöhung erfahren. Zu dem Gewinne des ade Geschäftsjahres hätten Gewinne aus Finanzgeschäften nicht bei⸗ getragen. Kriegsgewinne spielten nur eine kleine Rolle. Der 1 ergebe sich in der Hauptsache aus dem Fabrikations⸗ geschäft. 5 Hauptversammlung der Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 12. Dez. Trüb und regnerisch, Temperatur wenig geändert. Letzte Nachrichten. Der Kaiser an Mackensen. 1 Danzig, 11. Dez. Der Kafser hat an den General⸗ feldmarschall v. Mackensen ein Handschreiben ge⸗ richtet, in dem es heißt: 5 4 Mein lieber Feldmarschall! Wiederum stehen Sie am Abschluß einer großen Kampfhandlung, durch die es den in treuer Waffen⸗ gemeinschaft kämpfenden deutschen) österreichisch⸗ungarischen und bulgarischen Heeren gelungen ist, einen mit zäher Ausdauer kämp⸗ fenden tapferen Gegner niederzuwerfen. Ein gewaltiges Strom⸗ hindernis wurde mit einer unvergleichlichen Schnelligkeit über⸗ wunden, die Hauptstadt des feindlichen Landes mit stürmender Hand genommen und die feindlichen Truppen auf allen Fronten, wo sie sich auch gestellt hatten, geschlagen. Ten Führern aller Armeen, ihren Stäben und Truppen, gebührt hierfür unvergeßlicher Dank. Ihnen, mein lieber Feldmarschall, in dessen Händen die Fñöden der Leitung sich vereinigen, wünsche ich meine Anerkennung dadurch Ausdruck zu geben, daß ich Sie zum Chef des dritten westpreußischen Infanterre⸗Re⸗ f giments Nr. 12 9, das setzt unter Ihnen wiederum schöne Er⸗ folge errungen hat, ernenne, indem ich auch weiß, daß Sie mit diesem tapferen Regiment auch als Kommandierender General des XVII. Armeekorps noch Beziehungen verknüpfen und es gewiß i Ihren Wünschen entspricht, diese Verbindung noch enger gestaltet zu sehen.( danziger Zeitung.) Der Schrecken in Saloniki. i Amsterdam, 11. Dez. Aus Saloniki erfährt der Korre⸗ spondent der„Vossischen Zeitung“: Nach Mitteilungen eines englischen Kommandeurs an der e eee Front auf dem Balkan sind bereits Maßnahmefegetrof⸗ fen, um die teilweise Einschiffung der Truppen jederzeit bewerkstelligen zu können. Im Hafen von Saloniki sind etwa 100 Transportdampfer zusammen⸗ gezogen; die Zahl der Anlegestellen wurde verdoppelt. Von der Hafenstation zur Front wurden mehrere Schienenwege angelegt, um Geschütze und Material zu befördern. Die Lazarettschiffe sind 9 aber nach Saloniki zurückgesandt; nur ein Hilfslazarett befindet sich dicht hinter der Front. Die Verwundeten werden in be⸗ reitstehenden Lazarettzügen nach Saloniki gebracht und von dort mit Dampfern nach den großen Lazaretten auf den griechischen Inseln oder nach Aegypten gebracht. Daß den Schwierigkeiten dieser Transporte viele Verwundete erliegen, ist. Es herrscht großer Mangel an Lebensmitteln unter den Truppen, die 1915 schon seit Wochen von Zwieback und Konserven leben. Die Unlust wird täglich stärker, schreibt der General, und allem Anschein nach wird es das beste sein, die Expedition abzubrechen. Er schreib wörtlich: Wir haben hier mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie sie nirgends in dieser Größe sich gezeigt haben und die fortwährend urteilen, wie es scheint, da man noch fortwährend neue Truppen schickt, die wir hier nicht brauchen kön⸗ nen. Vergeßt doch nicht, daß wir Krieg führen, auf ein Land gestützt, das neutral bleiben will und wir um jeden Kanonen schuß sozusagen um Erlaubnis bitten müssen. Ihr erwartet von uns Erfolge, während wir uns nicht frei bewegen können. Das alles entmutigt die Truppen, die sich fortwährend in größter Ge⸗ fahr befinden. Wenn die Lage nicht bald geklärt wird, fürchte ich ein schreckliches Ende. 0 869788 1 5. 45 „Liebesgabe“ Altbewährt gegen: Husten, Heiserkeit, Pastillen Verschleimung, Influenza 5 Man achte auf den Aufdruck„Königl. Ems“ 7 und weise Nachahmungen zurück.„ Bettenfrage für Gesunde und Kranke? Ist am besten gelöst, wenn die unter D. R.⸗G.⸗M. Nr. 420 684 und D. R.⸗G.⸗M. Nr. 420685 der Möbel⸗ und Betten⸗ fabrik Th. 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Is., nachmittags 35, Uhr auf dem Bahnhof Reiskirchen festgesetzt. f 05 Einwendungen gegen den Entwurf, welche sich auf Ansprüche wegen Verlegung und Aenderung öffentlicher Wege, An⸗ und Zufahrten auf Grundstücke, Einfriedigungen, Wasser⸗ Vorflut⸗ verhältnisse usw., sowie die Herstellung von Schußzvorrichtungen zur Sicherung gegen die aus dem Bahnbetrieb entstehenden Ge⸗ fahren und Nachteile beziehen, sind bei Meidung des Ausschlusses spätestens im Termin vorzubringen; es empfiehlt sich, sie schrift⸗ lich vorher bei der Bürgermeisterei einzureichen. Gießen, den 10. Dezember 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. V.: Langermann. 5 5„. 5 er 18bruch der Maul⸗ und Klauenseuche in Eberstadt. Die Seuche ist erloschen. Die Sperrmaßregeln sind auf, 8 Steben, g eee 855 55 W Großherzogliches Kreisamt Gie *. Hemmerde. 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Eintritts⸗ karten zu 1.50 Mk. für reservierte und numerierte Plätze erster Reihen, Der Erlös wird der städtischen Krlegsfürsorge überwiesen 0 5 für 1.— Mk. für reservierte und numerierte Plätze weiterer Reihen und für J 1 0 in der Ferber'schen Universitäts⸗ Buchhandlung, Seltersweg, Trotz der enormen Schuh- und Lederpreise ist es mir gelungen, einen und in der Zigarrenhandlung von Richard Buchacker, Neuen Bäue 9555 groben Posten(ca. 20 Dutzend) ö N in Der Vorstand der Fortschrittlichen Volkspartei Gießen amen-Sfiefel billig 1[Cafe Ernst Tuduis Kindergarten verein 55 Weihnachts-Aufführun KOxSTLERKOMZERT Saale des Gesellschaftsvereins zu erwerben, und verkaufe solche, solange der Vorrat reicht, zu nachstehenden Preisen: Serie I. Chevreaux-Damen Stiefel elegante, breite Form, mit Lack- Een,%% e. N Serie II. Chevreaux-Damen- Stiefel moderne Form, mit Lackkappen 12⁰⁰ 36832 Samstag., den 11. Dezember, nachm. 6 Uhr Sonntag, den 12. 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