Nr. 291 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das »kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen SZelt⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für O Mb. Deutscher Reichstag. 22. Sitzung, Donnerstag, den 9. Dezember, vormittags 10 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. von Bethmann Hollweg, Delbrück, von Tirpitz, Wandel, Kraetke, Helffe⸗ rich, von Jagow, von Lisco. a 5 Die Frledensinlerpellalion. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Albrecht und Genossen(Soz.): Ist der eichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, unter welchen Bedingungen er geneigt ist, in Friedens⸗ verhandlungen einzutreten? Vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg: M. H., ich benutze die erste Gelegenheit, um Ihnen einen Ueberblick über die Lage zu geben. Kurz nachdem der Reichstag im August auseinandergegangen war, hat Bulgarien in den Krieg eingegriffen. Mit allen nur denkbaren An— strengungen hat die Entente seit Ausbruch des Krieges versucht, König Ferdinand auf ihre Seite zu ziehen. Oesterreichisch-ungarische, türkische, griechische Gebiete wurden ihm in liberalster Weise versprochen. Aber nicht nur Territorien der feindlichen und neu— tralen Staaten wurden vergeben, selbst das verbündete Serbien, für dessen angeblich bedrohte Integrität Rußland den Krieg ent⸗ fesselt hat, selbst das verbündete Serbien, für das die Entente zu kämpfen vorgibt, wurde nicht geschont. Damit Bulgarien für die Entente fechte, sollte Serbien ihm Gebietskonzessionen machen von solchem Umfange, daß es sich dazu nicht verstehen konnte. So wurden die Verbündeten unter sich uneinig. Die berechtigten nationalen Ansprüche Bulgariens und Mazedoniens waren, wie bekannt, nach dem letzten Balkankriege zugunsten Ser⸗ biens in erheblichem Maße beschränkt worden. Von Rußland im Stich gelassen, mußte Bulgarien, das die Hauptlast des Krieges getragen hatte, zusehen, wie die Früchte seiner Siege dem serbischen Nachbarn zufielen. Jetzt wird König Ferdi⸗ nand das Wort, das er am Ende des zweiten Balkankrieges seinem Volke gab, wahrmachen. Die bulgarischen Fahnen, die damals nach ruhmvollem Kampfe, aber schwerer Enttäuschung zusammengerollt wurden, flattern heute frei über dem damals verlorenen Lande.(Lebh. Beifall.) (Abg. Liebknecht ruft: Das Sie damals im Stich gelassen haben.— Große Unruhe und Rufe: Ruhe! Ruhe! Abg. Liebknecht wiederholt seinen Zuruf. Große Unruhe, Lärm und Zurufe: Raus, raus!) Anstatt eine Verständigung zu suchen und dem Lande die Opfer eines neuen Krieges zu ersparen, entschloß sich Serbien, nicht nur dem vereinten Angriff der deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Armee die Spitze zu bieten, sondern auch gegen seinen östlichen Nachbar vorzugehen. Serbien vertraute auf die Zusicherung Sir Edward Greys, daß England seinen Freunden auf dem Balkan jede nur denkbare Unterstützung leisten würde. Jetzt ist das serbische Heer zum größten Teil ver⸗ nichtet. Vergeblich haben die Serben auf die versprochene Hilfe Englands und Frankreichs gewartet. Zum zweiten Male hat sich ein kleines Volk für die West⸗ mächte geopfert. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Truppen haben auch in den serbischen Bergen unter Ueberwindung aller Strapazen glänzend gekämpft.(Lebh. Beifall.) Unser heißester Dank gebührt unseren Kriegern.(Erneuter lebh. Beifall.) Und neben ihnen danken wir unseren alten, treuen, bewährten österreichisch-unga⸗ rischen Waffenbrüdern(lebh. Beifall) und auch dem neu ge⸗ wonnenen Freunde, dem bulgarischen Heere.(Lebh. Beifall.) Durch die Siege in Serbien ist die Donau frei gewor⸗ den, die erbindung mit der Türkef her gestellt. Ungehindert können wir unserem türkischen Ver⸗ bündeten die Hand reichen und freuen uns, ihm in dem heißen Kampfe, in dem er steht, in nachdrücklicherer Weise beistehen zu können als bisher.(Lebh. Beifall.) Mit heldenmütiger Tapfer⸗ keit haben die Türken die Wacht an den Dardanellen gehalten(Beifall), deren schnellen Fall Minister As quith schon im Sommer prophezeite. Heute stehen die Dardanellen fester denn je.(Lebh. Beifall.— Abg. Liebknecht: Bagdadbahn!— All⸗ gemeines Gelächter.) Im November wurde England mit Bag⸗ dad getröstet. Aber auch dort haben die Türken ihren alten Kriegsruhm bewährt und den Engländern eine sehr empfindliche Schlappe beigebracht.(Lebh. Beifall.) Der offene Weg nach dem nahen Orient bedeutet einen Markstein in der Geschichte dieses Krieges. Militärisch ist der direkte Zusammen⸗ hang mit der Türkei von unschätzbarem Werte.(Sehr richtig!) Wirtschaftlich ergänzt die Zufuhr aus den Balkanstaaten und der Türkei unsere Vorräte in willkommenster Weise. Darüber hinaus aber sind vor allem die Aussichten in die Zukunft verheißungsvoll. Dank der weitsichtigen Politik König Ferdi⸗ nands von Bulgarien ist eine feste Brücke zwischen den unlöslich verbundenen Kaiser⸗ mächten, dem Balkan und dem nahen Orient geschlagen.(Beifall.) Diese Brücke wird nach dem Frieden nicht, von den Schritten kämpfender Bataillone widerhallen, sondern sie wird Werken des Friedens und der Kultur dienen. Lebh. Beifall.) Die Waffenbrüderschaft und die feste Freundschaft unter den auf unserer Seite kämpfenden Kräften ist nicht ge⸗ schaffen, um die Völker gegeneinander auszuspielen, sondern um in friedlichem Verkehr werktätigen Anteil zu haben an dem Auf⸗ stieg zu lebensvoller Entwickelung der Völker.(Beifall.) Was unsere Gegner politisch und militärisch am Balkan eingebüßt haben, suchen sie jetzt durch Akte der Gewaltpolitik gegen neutrale Staaten wett zu machen.(Sehr richtig!) Freilich bleiben sie damit ihrem von Anfang an verfolgten Prinzip treu.(Sehr richtig!) Zuerst wurde Belgien, dann Serbien be— stimmt, unter keinen Umständen den Weg der Verständigung zu betreten, sondern sich dem Kriegswillen der Entente zu fügen und zu opfern. Jetzt soll Griechenland an die Reihe lommen. ergreift 165. Jahrgang nzei berhe 1 Freitag, 10. Dezember 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul · straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Anfangs behaupteten die Ententemächte, sie seien, als sie in Salo⸗ niki landeten, von Griechenland gerufen. Inzwischen ist es ja Venizelos selbst, der diese Bedingungen abgeleugnet hat. (Hört, hört!) Herr Venizelos hat in der griechischen Kammer aus⸗ drücklich erklärt, die Truppenlandung in Saloniki stehe mit seiner früheren Anfrage bei der Entente wegen etwaiger Truppen⸗ sendungen in keinerlei Zusammenhang.(Hört, hört!) Dennoch begannen England und Frankreich mit Tru ppenlandun⸗ gen in Saloniki und setzten sie trotz energischem Protest fort. Wir wohnen dem interessanten Schauspiel bei, daß England die beherrschende Macht der englischen Flotte als diplo⸗ matisches Drohmittel gebraucht, um die griechische Regierung zur Verletzung der ihr als neutraler Macht obliegenden Pflichten zu zwingen.(Sehr richtig) Zuerst wurde auf diese Weise die wohlwollender 9 eutralität erpreßt. Als man sie im Grundsatz hatte, ging man noch weiter. Von Griechenland wurde gefordert: die Zurückziehung aller griechischen Truppen von Saloniki und Um⸗ gebung, freie Verfügung über diese Hafenstadt zur Einrichtung militärischer Anlagen, die Ueberlassung aller militärisch wichtigen Straßen für Militärtransporte, Freiheit für militärische Maß⸗ regeln aller Art in den griechischen Territorialgewässern(Hört! Hört!) Das versteht die Entente unter wohlwollender Neutralität. (Heiterkeit.) Die griechische Regierung ist trotz der schwierigen Lage, darin sie sich befindet, gewillt, die Neutralikät weiter beizubehalten.(Beifall.) Eine Neutralität, die ihrem ausdrücklich ausgesprochenen Willen entspricht und die sich mit der Würde und Unabhängigkeit Griechenlands und mit seinen Interessen deckt.(Beifall.) Abgeschlossen ist die Angelegenheit noch nicht. Ich habe es für notwendig gehalten, auf die allerdings ja wohl schon bekannten Vorgänge von dieser Stelle aus noch einmal ausdrücklich hinzuweisen, um damit den Machenschaften entgegen⸗ zutreten, mit denen uns die Entente, vor allen Dingen England, unablässig bekämpft. In unermüdlicher Wiederholung und mit einer raffinierten Regie hat England der Welt die Vor⸗ stellung eingehämmert, es habe in edelmütiger Selbst⸗ losigkeit zur Erhaltung Belgiens eingegriffen und es sei berufen, an Deutschland ein göttliches Straf⸗ gericht zu vollziehen.(Gelächter.) England ist es geglückt, damit in der Welt Geschäfte zu machen. Mit der Zeit hat es aller⸗ dings Belgien als Kriegsvorwand aufgeben müssen; es wurde zu öffentlich bekannt, daß die Einkreisungspolitik Englands, daß die ohne Vorwissen des Parlaments erfolgte Uebernahme von Ver⸗ pflichtungen gegenüber dem an Rußland gefesselten Frankreich dem englischen Kabinett so die Hände gebunden hatte, daß Sir Edward Grey den Entschluß nicht fand, Rußland vor dem Kriege zu warnen, und daß er, als die russische Mobilmachung den Krieg entfesselt hatte— ob willig oder wider⸗ strebend, lasse ich dahingestellt— sich zum Eingriff in den Krieg entschloß, noch bevor Belgiens Neutralität über⸗ haupt in Frage kam.(Sehr richtig) Zuerst war es, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, die„Times“, die öffentlich zugab, daß Belgien nicht der Kriegsgrund war. Um so zäher hielt England daran fest, uns wegen der Neu⸗ tralität Belgiens als die vertragsbrüchige, die Welt unter ihren Militarismus zwingende Nation zu denunzieren, die vernichtet werden müsse. Jetzt hat England und haben seine Alliierten kein Anrecht mehr darauf, dieses Denunziantentum fortzusetzen.(Sehr richtig!) Wer eine Politik der Vergewaltigung betreibt, wie es jetzt die Entente Griechenland gegenüber tut, kann nicht weiter den Scheinheiligen spielen.(Sehr richtig!) Das werden wir genau so oft und nachdrücklich betonen und wiederholen, wie es England bersucht hat, hinter der Verleumdung Deutschlands sein wahres Gesicht zu verbergen.(Sehr richtig!) Uebrigens scheint England anzufangen, das selbst einzusehen. Die„Westminster Gazette“, von der man sagt, daß sie amtlichen Kreisen nahesteht, enthält in einem Artikel vom 30. November das Geständnis, England habe gegen⸗ über Deutschland zu den Waffen gegriffen, weil Deutschland sonst nicht hätte bezwungen werden können. Wes⸗ halb hat das die Entente nicht schon im August 1914 gesagt!? Dann hätte die Welt Bescheid gewußt! Wenigstens weiß die Welt jetzt Bescheid, warum auf Geheiß Englands dieser Krieg fortgesetzt werden muß. Ueber die vermutliche Weiterentwicklung der militärischen Operationen auf dem Balkan stelle ich keine Betrachtungen an. Ich versuche nur, auszuführen, wie sich die gegenwärtige Lage darstellt. Im Osten nehmen unsere Truppen, zusammen mit den österreichisch⸗ungarischen, eine in das russische Gebiet weit vorge⸗ schobene, gut ausgebaute feste Verteidigungsstellung ein, immer bereit zu einem neuen Vorgehen.(Lebhafter Beifall.) Im Westen haben die mit größter Todesverachtung unternommenen Angriffe der Franzosen und Engländer zwar unsere Stellung an einzelnen Stellen eingedrückt, aber der Durchbruch, der unter allen Umständen erzwungen werden sollte, ist mißglückt.(Lebhafter Beifall.) Von dem Umfang des gewaltigen Ringens gewinnt man eine Vorstellung, wenn man bedenkt, daß Frankreich allein dee han pe ni r viel weniger Truppen eingesetzt hat als die waren, mit denen Deutschland den Krieg von 1870%½1 geführt hat. (Hört! Hört!) Es kann nicht genug getan werden, um die Dankesschuld des Vaterlandes gegen unsere Krieger abzutragen(stürmischer Beifall), gegen unsere Krieger, die trotz eines unerhörten Trommelfeuers, krotz einer vielfachen Unterlegenheit mit ihren Leibern dem Feinde einen Wall entgegengesetzt haben, den er nicht hat durchbrechen können.(Beifall.) Unvergängliche Ehre dem Andenken aller, die dort ihr Leben für ihre Freunde gelassen haben. Wie an unserer Westfront ist die österreichisch⸗ ungarische Verteidigungsstellung gegen Italien fest und intakt.(Beifall.) In heldenmütiger Abwehr sind die unablässigen, mit ungeheuren Menschenverlusten verbundenen Angriffe der Italiener abgeschlagen worden. Daß es den Italienern dabei glückt, friedliche Städte, deren Erlösung sie sich zur Aufgabe gesetzt hatten, niederzuschießen, wird ihnen kaum einen Ehrenplatz in der Wellgeschichte sichern.(Sehr richtig!) Lassen Sie mich mit einem kurzen Wort unsere Arbeit hinter der Front 1 streifen. In Nordfrankreich und Belgien sind eine ganze Anzahl bon Mitgliedern dieses hohen Hauses tätig. Die Herren werden mir bezeugen, daß wir uns redlich und mit Erfolg bemüht haben, die Kräfte des wirtschaftlichen Lebens wieder zu beleben. Ueberall haben die Etappen hinter der Front geackert und geerntet. 8 5 Belgien ist es vielfach gelungen, in der Landwirtschaft annähernd normale Wirtschaftsverhältnisse wiederherzustellen. Auch Industrie und Handel sind, wo es irgend ging, neu belebt. In das belgische Geld⸗, Kredit⸗ und Bankwesen ist wieder Ordnung gebracht. Die Verkehrsmittel, Post, Eisenbahn und Schiffahrtswege, sind in Gang gesetzt. Unzählige von den Feinden gesprengte Brücken sind wiederhergestellt. Im Kohlenbergbau ist fast die normale Zahl der Friedensbelegschaft erreicht, so daß im letzten Vierteljahr die Förderung fast 3 Millionen Tonnen ausmachte. Der Arbeits⸗ losigkeit wird durch staatliche und kommunale Notstandsarbeiten entgegengewirkt. Den Arbeitsmarkt normal zu gestalten, ist freilich ausgeschlossen, weil England dem verbündeten Lande die Ausfuhr über See abschneidet und dadurch seine Industrie er⸗ drosselt.(Hört, hört!) Die allgemeine Schulpflicht wird durch⸗ geführt. Die früher vergeblich angestrebte Anwendung der Vorschriften über den Schulunterricht in flämischer Sprache wird durchgesetzt(lebh. Bravo); ebenso haben wir, was bisher in einem Lande mit höchster Industrieentwicklung nicht zu erreichen war, durch 5 strenge Durchführung staatlicher Fürsorge- und Schutz⸗ vorschriften wenigstens für die Anfänge einer Arbeiterfürsorge gesorgt, wie sie seit langen Jahrzehnten bei uns besteht und wie sie nach deutscher Auffassung kein Land mit industrieller Entwicklung entbehren kann.(Beifall.) In Polen, in Litauen, in Kurland fanden wir die entsetzlichsten, von den Russen borgenommenen Zerstörungen, fanden wir einen Zu⸗ stand völliger Auflösung' vor. Neue Polizei⸗ und Verwaltungs- organe waren zu schaffen. Eine neue Justizorganisation mußte ins Leben gerufen werden; das bis dahin völlig vernachlässigte Sanitäts⸗ wesen, namentlich in den größeren Städten, mußte von Grund auf reorganisiert werden. All das ist geschehen. Eine neue ord⸗ nungsmäßige Forst⸗ und Bergverwaltung wurde eingesetzt. Mehr als 4000 Kilometer neuer befestigter Straßen und eine Anzahl neuer Eisenbahnen ist gebaut. Wir haben in Polen, das unter der russischen Herrschaft keinerlei Selbstverwaltung kannte, eine Städteordnung eingeführt, die der Bevölkerung zur Selbst⸗ betätigung im öffentlichen Leben Raum gab. Ueberall wurde der öffentliche Schulunterricht wieder aufgenommen; in Warschau wurde die Universität, wurde eine technische Hochschule als nationale polnische Bildungsstätte eröffnet. M. H., das sind einige Proben aus unserer Verwaltungstätigkeit in den besetzten Ländern. Wohl noch nie in der Weltgeschichte ist in einem Kriege, wo Millionen vorn an der Front im Todesringen stehen, hinter der Front so viel Friedensarbeit geleistet.(Sehr wahr und lebh. Zustimmung.) Diese Arbeit sieht weder nach Hunnen noch nach Erschöpfung aus.(Sehr wahr und lebh. Zustimmung.) Noch ein paar kurze Worte über 5 5 unsere wirtschaftlichen Zustände. Wir haben genug an Lebensmitteln, wenn wir sie richtig verteilen. Das ist die grundlegende, die bestimmende Tat⸗ sache.(Sehr richtig!) Daß wir im Kriege uns nicht so billig und so reichlich ernähren können, wie im Frieden, das ist klar. Die Not, die als Folge des Krieges in vielen minderbemittelten Familien eingezogen ist, wird von niemandem lebhafter beklagt als von mir. Wo der Ernährer seine Gesundheit verloren hat, oder gar schon in Feindesland begraben ist, wo ein mühsam auf⸗ gebautes Unternehmen, auf das eine Familie ihre Existenz grün⸗ dete, durch die Einziehung des Leiters zusammengebrochen ist, da können wir mit staatlicher Unterstützung nicht alles wieder gutmachen. Ein so gewaltiges, allgemeines Schicksal trifft ein⸗ zelne Existenzen hart. Ich weiß wohl, welche Bürde von Sorgen und Entbehrungen viele deutsche Frauen mit ihren Kindern in dieser Zeit zu tragen haben; ich hege volle Bewunderung für den Heldenmut, für das stille Heldentum dieses Kampfes, für das auch ihnen der Dank des Vaterlandes gebührt.(Lebh. Beifall. Abg. Liebknecht ruft: Und was haben Sie getan?— Zurufe und Ge⸗ lächter bei den bürgerl. Parteien.) Die Maßregeln, die die Regierung zur Linderung der Not und zur Verteilung der Lebensmittel ergriffen hat, sind vielfach als ungenügend oder als verspätet kritisiert worden. Ich will darüber in diesem Augenblick nicht rechten. Man hat bei dieser Gelegenheit ganze Stände für die bestehenden Verhältnisse ver⸗ antwortlich machen wollen. Verfehlungen einzelner kommen vor Aber wo wir den Wucher fassen können, da legen wir ihm ein unsauberes Handwerk. Unsere Feinde bezahlen höhere Preise für die wichtigsten Lebensmittel, für Ge⸗ treide und Kartoffeln, ziehen es aber vor, um das Dogma von der erfolgten wirtschaftlichen Abschließung Deutschlands glaubhaft zu machen, mehr von den Preisen bei uns als von den höheren Preisen bei ihnen selbst zu sprechen. Unsere Feinde können sich beruhigen; wir haben zwar keinen Ueberfluß, aber(mit erhobener Stimme), wir kommen aus! (Beifall und Zustimmung.) 7 Vielleicht ist es interessand, die gegenwärtigen Verhältnisse mit den Vorstellungen zu vergleichen, die man sich vor dem Kriege von seinen wirtschaftlichen Einwirkungen machte. Der langjährige Führer der Sozialdemokratie, August Bebel, hat darüber aus⸗ führlich auf dem Jenaer Parteitage gesprochen. Bebel hat damals für die Zeit bald nach dem Ausbruch des Krieges den Bankerott von hunderttausend Gewerbetreibenden, den Stillstand aller Fa⸗ briken, die nicht für Kriegsbedarf arbeiten, überhaupt eine nicht zu bekämpfende Arbeitslosigkeit, die Unmöglichkeft, die Arbeits⸗ losen zu unterstützen, den Bankerott der Kassen der Gewerkschaften, der Gemeinden, des Staats und des Reichs und eine allgemeine Hungersnot vorausgesagt.(Abg. Liebknecht ruft: Und dle Revolution!— Schallendes Gelächter im ganzen Hause.) Es ist gewiß nicht Bebel allein gewesen, der so dachte; viele von uns werden manche seiner Befürchtungen geteilt haben. Da ist es uns heute, nach ein ⸗m sechszehnmonatigen Kriege wohl erlaubt, zu sagen, daß wir unsere eigene Kraft unterschätzt haben(sehr richtig! und lebhafte Zusmmung), daß trotz aller Entbehrungen die große Arbeit, die Hingabe und die Opferwilligkeit, die von allen Seiten, von einzelnen, von Ver⸗ bänden, von Gederkschaften, von Gemeinden, von Staaten und vom Reiche an den Tag gelegt worden ist, Leistungen hervorge⸗ rufen hat, die wir nicht bloß registrieren, sondern für die wir auch dankbar sind.(Lebhafter Beifall.) Unsere Gegner— ich deutete das vorhin schon kurz an— ziehen aus unserer Lage und aus unseren wirtschaftlichen Zu⸗ ständen den merkwürdigen Schluß, wir stünden unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Seit Wochen ist die Presse der Entente— und diese Artikel gehen zum Teil in die Presse der neutralen Länder über— voll von Artikeln mit sensa⸗ tionellen Ueberschriften:„Deutschland ist geschlagen“, „Deutschland am Ende“,„Deutschland verhungert“. Namentlich das„Friedensbedürfnis Deutschlands“ spielt in diesen Artikeln eine ganz besondere Rolle. Keine irgendwie bekannte Persönlichkeit konnte eine Ortsveränderung vornehmen, ohne nicht als Friedensengel der deutschen Regierung hingestellt zu werden; bald Fürst Bülow ein der Schweiz, bald Staats- sekretär Solf im Haag, letztens Prinz Max von Baden in Stockholm und Kardinal Hartmann in Rom— sie alle hatten den Auftrag zu Friedensverhandlungen, und überall wurde das motiviert mit dem Gedanken: Deutschland ist fertig und muß um Frieden bitten. Dann hat man zur Abwechflung auch wieder mal andere Register gezogen. Nach den serbischen Erfolgen hieß es, der Kaiser werde in Konstantinopel einziehen und von da aus der Welt den Frieden diktieren. Es sollte dort deutscher Kleinmut, es sollte hier angeblicher deutscher Uebermut an den Pranger gestellt werden. An allen diesen Legenden ist auch nicht ein wahres Wort.(Hört, hört!) 0 25 Eingesetzt hatte diese Preßkampagne in dem Augenblicke, wo die Ententepolitik auf dem Balkan zusammen⸗ zubrechen drohte, wo wir den Weg nach Südosten öffneten, wo blutige Durchbruchsversuche unserer Feinde an der Westfront scheiterten. Das ist ja an sich verständlich. Nach so vielen Miß⸗ erfolgen war ein Mittel notwendig, um über die eigene schlechte Lage hinwegzutäuschen. Deshalb wurde der bevorstehende Zu— sammenbruch Deutschlands erfunden und in Umlauf gesetzt. Wo⸗ hin man blickt: Lüge und Verleumdung. Ich muß bei dieser Gelegenheit noch einen besonderen Fall hier festnageln. Als auf Geheiß Englands der General Botha Südwestafrika angriff, erfand er die Mähr von deutschen Angriffen und Eroberungs⸗ absichten auf Südwestafrika, um dann den Ueberfall auf deutsche Kolonien in den Augen seiner Volksgenossen zu recht⸗ fertigen. Bruderblut wurde vergossen; die Burenbevölkerung widerstrebte, an dem Ueberfall teilzunehmen, und ehemalige Waffenbrüder, die für die Ehre ihres Volksstammes eintraten, wurden in den Kerker geworfen. Jetzt sucht General Botha die burische Bevölkerung sogar zum Eingreifen auf dem europäischen Kriegsschauplatz durch die Behauptung zu bestimmen, daß die deutsche Eroberungslust sich auch auf das Heimatsland der Buren erstreckt.(Gelächter.) Ich finde kein Wort, das scharf genug wäre, um gegen diese Anwürfe und böswilligen Erfindungen Verwah⸗ rung einzulegen.(Beifall und Zustimmung). M. H.! Ich habe versucht, Ihnen die Lage auf den Kkiegsschauplätzen draußen im Felde nüchtern zu schildern, wie sie sind. So find . die Tatsachen. Gegen die Gewalt ihrer Sprache vermögen unsere Feinde nichts. In unserer Rechnung ist kein schwacher Punkt, ist kein unsicherer Faktor, der unsere feste Zuversicht erschüttern könnte.(Lebh. Beifall.) Wenn unsere Gegner sich jetzt vor den Tatsachen nicht beugen wollen, dann werden sie es später müssen.(Lebh. Beifall.) Das deutsche Volk, unerschütterlich in dem Vertrauen auf seine Kraft, ist unbesiegbar.(Erneuter lebh. Beifall.) Es heißt unser Volk beleidigen, wenn man glauben machen will, daß wir, die wir von Sieg zu Sieg schrei⸗ en die wir i Feindesland ste hen, unseren Feinden, die noch vom Siege träumen, rr n ige, an innerer moralischer Kraft nachstehen sollten. FFort⸗ gesetzter lebh. Beifall). Nein, wir lassen uns durch Worte nicht beugen; wir kämpfen den von unsern Feinden ge⸗ wollten Kampf entschlossen weiter, um zu voll⸗ enden, was Deutschlands Zukunft von uns for⸗ dert.(Stürmischer, immer von neuem wieder ausbrechender Beifall und Händeklatschen. Abg. Liebknecht ruft: Und die Eroberungspläne? Lärmende Zurufe: Ruhe, Ruhe, raus! Und erneut ausbrechender stürmischer Veifall.) Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung(Inter⸗ pellation) ein. Auf Anfrage des Präsidenten erklärt Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg: Ich bin bereit, die Interpellation sofort zu verantworten. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort 3 Abg. Scheidemann(Soz.): Seit mehr als sechzehn Monaten sind wir Zeugen eines Kampfes, wie die Welt ihn nie zuvor erlebt und hoffentlich auch niemals wieder erleben wird. Unendlicher Dank gebührt unsern Truppen, die Unerhörtes an Strapazen und Entbehrungen ge⸗ leistet haben.(Allseitiger Beifall.) Aber von 92 7 zu Tag ist auch das Blutmeer gestiegen, ist der Schmerz und die Not in allen Ländern größer geworden. Ist es da ver⸗ wunderlich, wenn aus allen Ländern die Frage kommt: Wie⸗ lange noch? Ich spreche nach reiflicher Ueberlegung offen aus: Alle Völker wären froh, wenn dem Kriege schnellstens ein Ende gemacht werden würde. Man müßte ja an der Menschheit ver⸗ zweifeln, wenn es anders wäre. Aber die verantwortlichen Staatsmänner wissen noch nicht, wie sie aus der Sackgasse her⸗ auskommen sollen. Da ist es eigentlich selbstverständlich, daß wir als Sozialisten unsere Stimme für den Frieden erheben. Gewiß, wir müssen uns der großen Verantwortung bewußt sein, die auf uns liegt, denn auch wir wissen, daß das sehr leicht mißverstanden werden kann und daß jedes Mißverständnis und jede Mißdeutung verhängnisvoll werden kann. Aber ich fürchte diese Last nicht. Wie liegen denn für uns die Dinge? Das Ziel, das in den Augusttagen des vorigen 85 hier allgemein proklamiert wurde, nämlich das der Sicherung bien feindliche militärische Einbrüche, ist erreicht; ein Blick auf die Karte lehrt das; keiner unserer Gegner kann heute im Ernste glauben, den Krieg in unsere Gaue tragen zu können. In einem Kampfe ae Heinen und mittleren Staaten kann wohl ein Teil auf die Keie gezwungen werden. Bei vinem ganz Europa aufwühlenden Kriege, wie wir ihn jetzt durch⸗ leben, ist das ausgeschlossen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Vom Frieden kann und sollle auch zuerst der reden, dessen militärische Poßkon und wirlschaftliche Stärke ihm gestatten, auch jede Miß⸗ deutung seiner Bereitschaft zum Frieden als Zeichen der Schwäche mit ruhigem Kraftbewußtsem hinzunehmen.(Sehr richtig! bei d. Soz.) Demnach können wir vom Frieden reden, deshalb müssen wir vom Frieden reden.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Die wilden Zertrümmerungs⸗ und Zerückelungspläne unsbrer 1 gegen uns haben wir nicht vergessen. Aber bei un; im ande sind auch Eroberungspläne ausgeheckt worden, an deren Verwirklichung kein politisch reifer Mensch bei uns denken wird und die das deutsche Volk ablehnt. Im Auslande sind diese Pläne dazu benutzt worden, um die Fortsetzung des Krieges immer wieder von neuem als absolut notwendig ba Durch derartige Annexionen würde die innere Einheik und Kraft des deutschen Nationalstagtes nur ge⸗ schwächt werden. Die Kriegsgefahr würde dauernd bestehen, und weitere au de die Folgen. Wir wehren uns deshalb auf das allerentschiedenste gegen die, die aus diesem Kriege einen Eroberungskrieg machen wollen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) l SEbenso scharf weisen wir die Eroberungsab⸗ sichten der Feinde auf Deutschland ab. Von feindlichen Staatsmännern ist als Vorbedingung für den Frieden die Vernichtung des deutschen Militarismus und die Abtretung Elsaß⸗ Lothringens an, Frank⸗ reich hingestellt worden. Darauf sage ich ebenso ruhig wie be⸗ stimmt: Unsere Gegner verstehen unter Milita⸗ rismus etwas anderes als wir. Sie wollen unsere Heere, in denen unsere Söhne und Brüder stehen, vernichten. Was wir als Militarismus bekämpfen, ist eine Angelegenheit, über die innerhalb unserer Landesgrenzen zu entscheiden ist(Sehr richtig! b. d. Soz.), so wie über den franzö⸗ sischen Militarismus und den englischen Marinismus jenseits der Vogesen und jenseits des Kanals zu bestimmen sein wird. (Sehr richtig!) Den Gedanken einer Angliederung Elsaß⸗Lothrin⸗ gens an Frankreich, einerlei, in welcher Form sie erstrebt wird, lehnen wir ab. Neben diesen Eroberungsplänen ist aber auch im Auslande 5 5 die Sehusucht nach Frieden zum Durchbyuch gekommen. Das haben verschiedene Reden im englischen Unterhause und englischen Ober⸗ hause gezeigt. In Italien haben auch die Sozialisten eine baldige Be⸗ endigung des Krieges gewünscht, gegenüber einer Regierung, die den frebelhaftesten aller je geführten Annexionskriege noch be⸗ gonnen hat, nachdem die Schrecken des Weltkrieges schon monate⸗ lang die ganze Welt mit Entsetzen erfüllt hatten.(Lebhafte Zu⸗ stimmung.) Und aus Frankreich berichtete die„Köln. Volks⸗ Zeitung“ in diesen Tagen, daß dort die Friedens stimmung, nachdem die Hoffnung auf Joffres Offensive ge⸗ scheitert ist, riesig zunehme. In einem französischen Feld⸗ postbrief, der veröffentlicht worden ist, heißt es:„Von allen Sol⸗ daten wird der Krieg von ganzem Herzon verabscheut. Ihr leb⸗ haftester Wunsch ist der, nach Hause zurückzukehren und niemals wieder einen Krieg anzufangen. Die Krieger von heute sind die zu⸗ verlässigsten Pazifisten der Zukunft.(Hört, hört! b. d. Soz.) Freilich gibt es bei uns Kriegswüteriche wie in allen Ländern, Ihr Maul⸗ heldentum wächst mit ihrer Felddienstuntauglichkeit.(Zuruf rechts: Unerhört!) Die Argumente der Feinde, daß Deutschland wegen nicht genügenden Menschenmaterials und aus Mangel an Lebens⸗ mitteln zusammenbrechen müsse, langweilen uns mit der Zeit. aß übrigens im Kriege heutzutage es nicht allein auf die Zahl er Mannschaften ankommt, ist doch wohl klar genug durch Hindenburg an der russischen Dampfwalze demonstriert worden.(Sehr gut!) Der Krieg hat in allen europäischen Ländern, auch in den neutralen Staaten, Folgen ge⸗ zeitigt, die schlimm genug sind. Europa richtet sich systematisch durch diesen Krieg zugrunde Seh richtig! bei den Soz.), und Amerika macht ein glänzendes Geschäft.(Sehr wahr!) Wenn das auch endlich England und Frankreich einsehen wollten! 8 5 Der Aushungerungsplan ist gescheitert. Freilich mangelt es an diesem und jenem. Wir werden uns auch noch an die Fleisch⸗ und Fettkarte gewöhnen müssen, deren Ein⸗ führung meine Partei beantragt. Aeußerungen der Unzufrieden⸗ heit bei uns sind im Auslande phantastisch ausgeschmückt worden. Die Volksernährung ist eine Frage der Organisation und eine Frage rücksichtsloser Entschlossenheit. Wehe der eee die hier dauernd versagt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Es ist ein geradezu verbrecherisches Treiben der feindlichen Staatsmänner und Politiker, wenn sie ihren Völkern immer wieder vorgaukeln, daß die militärische Situation sich zu unseren Ungunsten noch wesentlich ändern würde. Wenn im Auslande frei über die Kriegsziele gesprochen werden dürfte, würde mit elementarer Gewalt in allen Ländern der Friedenswille zum Durchbruch kommen. ch habe den Auftrag von unserer deutsch⸗ österreichischen Vruderpartei, hier zu erklären, da sie sich mit uns vollkommen 1 900 weiß in der Pflich zur Vaterlandsverteidigung wie in dem Willen zum Frieden, Der Krieg darf keinen Tag länger dauern, als es unbedingt mug ist. Die Unabhängigkeit des Landes muß gesichert sein, aber für kapi⸗ talistische Sonderinteressen will das Volk auch nicht nur einen einzigen Soldaten opfern.(Sehr richtig! b. d. Soz.)„Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren“ usw. usw. Diese Worte aus der Thronrede vom 4. August sollten an keiner Stelle vergessen werden. Das deutsche Volk schwelgt nicht in Rache⸗ und enen e es sucht seinen freien Platz in der Welt neben den anderen, nicht über den anderen. Mit atemloser Spannung erwartet die ganze Welt die Antwort des Reichskanzlers. Hoffentlich findet er das erlösende Wort, hoffentlich spricht er seine Bereitschaft zu Frie⸗ densverhandlungen aus.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Reichskanzler von Bethmann Hollweg: Diese Interpellation hat im feindlichen Auslande mit Recht viel Aufsehen erregt, zumeist freudiger Natur. Man will in der Frage nach den Friedensbedingungen ein Zeichen des Nachlassens deutscher Kraft und des beginnenden Zerfalls der Einmütigkeit des deutschen Volkes erblicken.(Sehr richtig! rechts.) Nun, ich hoffe, und ich glaube, daß die soeben gehörte Begründung der In⸗ terpellation in der Hauptsache die freudigen Erwartungen nicht ermuntern, sondern ent⸗ täuschen wird.(Sehr richtig! und Bravo!) Gewiß wünschen die Interpellanten den baldigen Beginn von Friedensverhandlungen. Aus den Ausführungen des Vorredners schien mir die Besorgnis herauszuklingen, wir könnten der Möglichkeit eines ehrenvollen Friedens aus dem Wege gehen, vernünftige Friedensangebote, die uns gemacht würden, ablehnen, weil wir alle eroberten Länder behalten oder noch neue dazu erobern wollten. Aber ich muß anerkennen, daß zu seiner Anregung, den Krieg bald zu be⸗ enden und öffentlich zu sagen, wie sich die deutsche Regierung den Frieden denkt, die bisherige Geschichte des Krieges ganz natürlich hinleitet. Wir haben ungeheure Erfolge erzielt. Wir haben unseren Feinden eine Hoffnung nach der anderen genommen. Mit äußerster Zähigkeit haben sie sich, über den Verlust der einen enttäuscht, an die andere ge⸗ gellammert. Solange noch die Hoffnung auf Bulgarien lockte und die Türkei ohne Verbindung mit den beiden Kaisermächten kämpfte, konnten wir nicht erwarten, daß sie die Hoffnung aufgeben und die bisherigen gegen sie gefallenen Entscheidungen der Waffen in der einen oder anderen Weise anerkennen würden. Jetzt, nach der mit Bulgarlen hergestellten Waffengemeinschafk, nach den großen Siegen in Serbien, nach der Eröffnung des Weges nach der Türkei und der damit verbundenen Bedrohung der empfind⸗ lichsten Stelle des cnglischen Weltreiches(fehr richtig!) muß bei unseren Feinden sich mehr und mehr die Erkenntnis festsetzen, daß das Spiel für sie verloren ist.(Sehr richtig!) und muß damit manchem Mann unter uns, der sieht, daß der Krieg nicht auf unsere Kosten ausgehen wird, der Gedanke auf⸗ steigen, warum noch weitere Opfer nötig sind und warum sie der deutschen Regierung keinen Frieden anbieten. Tatsächlich hat keiner unserer Feinde uns Friedensange⸗ boke gemacht. Tatsächlich haben unsere Feinde vielmehr es als ihr Interesse angesehen, uns— ich habe darauf vorhin hin⸗ gedeutet— fälschlich Friedensangebote anzudichten. Beides hat denselben Grund: eine Selbsttäuschung sondergleichen, die wir nur verschlimmern würden, wenn wir mit Friedensangeboten kämen(lebhafte Rufe: Sehr wahr!), statt daß sie uns kommen. Wenn ich über unsere Friedensbedingungen sprechen soll, muß ich mir zuerst die Friedensbedingungen der Feinde ansehen. Unsere Feinde haben im ersten Rausche der Hoffnung,. die sie zu Beginn auf diesen„leichten“ Krieg setzen zu können meinten, ausschweifende Kriegsziele aufgestellt, haben die Zertrümmerung Deutschlands proklamiert(Hört, hört! links), gegen Deubschland wollte mag, wenn nötig, zu diesem Zwecke 20 Jahre kämpfen. Inzwischen ist man dort über eine solche Dauer des Krieges etwas besorgt geworden(Heiterkeit), das Ziel ist trotz aller Ereignisse dasselbe geblieben. Ich verweise auf die in der vielgelesenen„National Review“ aufgestellten Kriegsziele, und so geht es mit wenigen Ausnahmen fast durch die ganze englische Presse.„Statesman“, ein als gemäßigt bekanntes Blatt, enthält unter den Friedensbedingungen die Rückgabe Elsaß⸗ Lothringens, Vernichlung des preußischen Militarismus, Vertreibung der Türken aus Europa usw. Ein früherer Minister verlangt die Abtretung des ganzen Gebiets links des Rheins. Es bleibt eben alles beim alten: Deulschland muß vernichtet werden. So klingt es auch aus der französischen Presse heraus. Noch immer wird Elsaß⸗Lothringen gefordert. Hanotaur hat noch ganz kürzlich im„Figaro“ im Gegensatz zu der sonst üblichen Legende von dem„überfallenen Frankreich“ das offene Belenntnis ab⸗ gelegt, Frankreich habe den Krieg gemacht, um Elsaß⸗Lothringen zu erobern.(Hört, bört!) der Abgeordnete Scheidemann wollte antworten, solche Preßäuße⸗ rungen geben die wahre Stimmung des Volkes nicht wieder. Es mag sein, daß bei den Feinden einzelne nachdenkliche Männer, die sich Rechenschaft von der militärischen Lage abgeben, im Grunde ihres Herzens wünschen, daß dem entsetzlichen Blut⸗ vergießen bald ein Ende gemacht würde. Aber ich sehe nicht, daß diese Männer in den spärlichen Fällen, wo sie sich zeigen. auch durchdringen. Vielleicht gehört ihnen einmal die Zukunft die Gegenwart noch nicht. Die Oberhausreden, auf die der Abg. Scheidemang des näheren eingegangen sst, haben in der englischen Presse, mit sehr wenig Ausnahmen, keinen Widerhall gefunden. Aber sie haben die wilden Kriegsziele herausgefordert, von denen ich vorhin gesprochen habe. Darüber kann ich nicht hinweg. Völlig entscheidend ist aber: Mister Asquith — auch darauf hat der Vorredner schon hingewiesen, hat in seiner Guildhallrede verkündet, seine Kriegsziele seien noch dieselben wie beim Ausbruch des Krieges: die Freiheit der kleinen Völker und die Vernichtung des Militarismus. Ueber die Freiheit der kleinen Völker habe ich mich vorhin schon ausgesprochen. Ueber ein Jahr lang hat die Welt dieser englischen Philantropie glauben müssen. Jetzt, nach Griechenland, wird sie von ihr kuriert sein, und wahrscheinlich sind die kleinen Völker auch kuriert. Wir in Deutschland haben vom ersten Tage an gewußt, daß hinter diesem Schutz der kleinen Völker und der kleinen Staaten sich die Sucht verbarg, die großen Staaten, deren Aufwachsen man so lange mit Neid und Mißgunst verfolgt hatte, ein für allemal abzutun. Das nennt man Ver⸗ nichtung des preußischen Militarismus. einstimmend erklärt, Frankreich würde das Schwert nicht in die Scheide stecken, bevor nicht der deutsche oder preußische Militaris⸗ mus niedergekämpft ist. Daneben hat jeder Alliierte etwas be⸗ sonderes auf dem Herzen. Der englische Kolonialminister will in Elsaß und in Polen die Durchführung des Nationalitätenprinzips. Der Minister weiß gewiß nicht, daß in den Reichslanden von rund 1,0 Millionen Einwohner über 87 Proz. deutscher und noch nicht 11 Proz. französischer Nationalität sind.(Hört! Hört!) Ob nach seiner Ansicht Polen seiner Nationalität nach zu Rußland gehört, ist nicht ganz klar.(Heiterkeit) Es wird ganz interessant sein, aus England zu hören, was nach dem Nationalitätenprinzip z. B. aus Indien und Aegypten werden müßte.(Große Heiterkeit und Beifall.) Briand will außer der Wiederherstellung Serbiens und Belgiens unter allen Umständen Elsaß⸗Lothringen haben. Sasonow hat ziemlich deutlich auf Konstantinopel hingewiesen. Der tat⸗ sächlichen militärischen Sachlage sind die Kriegsziele unserer Gegner und der gegnerischen Regierungen sehr wenig entsprechend. Ich kann aber auch nicht ihre Forderungen etwa als Bluff ansehen, um sie nicht ernst zu nehmen. Unter der Protektion der Regierungen hat man die Völker von Anfang an über die Wirklichkeiten getäuscht (Sehr richtigl), durch die fabrikmäßige Herstellung und Verbrei⸗ tung von Lügennachrichten aller Art unverlöschbaren Haß gegen uns gesät.(Sehr richtig!) Nun sieht man, daß mit alledem keine Siege erfochten werden. Man hat eine Reihe militärische und diplomatische Niederlagen erlitten. Man kann es nicht mehr verbergen, daß wir in Feindesland stehen im Osten und Westen und daß wir den Weg nach dem Südosten geöffnet haben: aber das ceterum censeo, daß Deutschland zertrümmert werden soll, soll trotzdem nicht aufgegeben werden; man hat sich so fest darauf verbissen, daß man davon nicht mehr los kann, und deshalb will man weitere Hunderttausende auf die Schlachtbank führen. Als neuestes Reigmittel zur Aufstachelung blinder 1 Kriegswut gilt die Hoffnung auf den Er⸗ schöpfungskrreg. Daß unsere Lebensmittel reichen, daß es nur darauf ankommt, sie richtig zu verteilen, darüber sind wir alle, auch die Partei des Vorredners, einig.(Sehr richtig!) Ein Gebiet, das von Arras und Lille bis Riga reicht, kann wirkschaftlich nicht erdrückt werden.(Zustimmung.) Wenn uns der Mangel an Lebensmitteln nicht beugt, soll es nach der Ansicht der Feinde der Rohstoffmangel. Wir sind auf eine lange Kriegsdauer mit allem Nötigen versehen. Eine ganze Reihe von Stoffen, die wir vor dem Krieg aus dem Auslande bezogen, können wir jetzt selbst herstellen.(Beifall.) Die dazu erforderlichen Fabriken sind Mir schien. Briand hat damit über⸗ 8 „ 0 ö 1 . 4 6 5 Scham, wir wissen es nicht. in Betrieb.(Beifall.) Von Metallen, hat man gemeint, könnte einmal das Kupfer knapp werden. Wenn wir auf das bereits verarbeitete Kupfer zurückgreifen, reichen wir für viele Jahre. Wolle und Baumwolle haben wir in Belgien und Polen in großen Posten gefunden.(Beifall.) Baumwolle bekommen wir jetzt auch über die Donau.(Beifall.) Mit dem Gummi halten wir Haus. Wir stellen mit bestem Erfolg künstlichen her, und wenn er einmal knapp werden sollte— glaubt jemand im Ernst, uns wegen Gummimangel niederzuzwingen?(Große Heiterkeit.) a Und nun die Erschöpfung an Menschen. Der Abgeordnete Scheidemann hat selber sehr zutreffend darauf hingewiesen, wie die Geschichte dieses Krieges gelehrt hat, daß es auf die Zahl allein nicht ankommt. Ganz unerfindlich ist es, wie Frankreich, dasselbe Frankreich, das jetzt den Jahrgang 1917 ein⸗ beruft, das den Jahrgang 1916 schon größtenteils eingesetzt hat, wie dieses Frankreich von der Erschöpfung des deutschen Menschen⸗ materials sprechen kann. Wir sind bei Heranziehung der Dienst⸗ pflichtigen lange nicht so weit gegangen wie Rußland, auch nicht wie Frankreich, das die Wehrpflicht über das 45. Lebensjahr aus⸗ gedehnt hat. Bei der uns noch zur Verfügung stehenden Zahl von Wehrpflichtigen denken wir nicht daran, die Grenze weiter zu stecken.(Hört, hört! und Beifall.) Unsere Ver luste sind nicht nur relativ, sondern auch absolut gerin⸗ gex als die französischen.(Beifall.) Wir haben 30 Millionen Einwohner mehr als Frankreich. Unsere Verluste, wenngleich geringer als die französischen, sind unendlich schwerwiegend und schmerzlich. Herr Bryan hat der französischen Frauen, ihrer Tränen und ihrer Tapferkeit gedacht,— glaubt jemand, daß die deutschen Frauen nicht ebenso tapfer sind, ihr Vaterland nicht ebenso heiß lieben? Unsere Feinde sollen es versuchen, uns zu vernichten,— wenn wir um Haus und Hof kämpfen, geht uns der Atem nicht aus.(Stürm. Beifall.) Wohin der gegen uns geschürte Haß führt, sieht man mit Schaudern an dem „Baralong“ Fall. (Lebh. Sehr richtig!) wo eine englische Schiffsbesatzung in scheuß⸗ licher Weise die hilflose Mannschaft eines deutschen U-Bootes er⸗ mordet hat.(Große Bewegung und lebh. Pfuirufe.) Die se gräßliche Mordtat ist in der englischen Presse völlig totgeschwiegen worden(hört, hört!), ob aus Auf den Geist ihrer Marine sind die Engländer immer stolz gewesen, wie wollen sie diese gräß⸗ liche Mordtat verantworten, diesen kalten Mord an unbewaffne⸗ ten, hilflosen, wehrlosen Kriegern? Er wird für alle Zeiten in der Geschichte als eine Schande dastehen. Ich will diesen Fall nicht berallgemeinern, obwohl in der englischen Presse manche Zeug⸗ nisse für die rohe Auffassung des Kriegerhandwerkes stehen. Ich erinnere z. B. an die Berichte des„Daily Chronicle“ aus dem englischen Hauptquartier, in denen die Lust der englischen Sol⸗ daten an der Hinschlachtung der Deutschen in so scheußlicher Weise dargestellt und verherrlicht wurde, daß ich mich scheue, die Hauptworte nur in den Mund zu nehmen. Bei unseren Truppen ist die Tötung des Gegners nicht Scherz und Sport. Wir ver⸗ schmähen solche Niedrigkeiten. Unsere Truppen tun ihre Pflicht als ehrliche, anständige Männer und darum erst recht als brabe Soldaten.(Stürm. Beifall.) Wenn einmal die Geschichte die Schuld an dem ungeheuerlich⸗ sten aller Kriege erwiesen hat, dann wird sie das entsetzliche Unheil aufdecken, das Haß, Verstellung und Unkenntnis angerichtet haben. (Hört, hört! links.) Solange diese Verstrickung von Schuld und Unkenntnis bei den feindlichen Machthabern besteht und ihre Geistesverfassung die feindlichen Völker beherrscht, wäre ein Friedensangebot von unserer Seite eine Torheit (lebh. Zustimmung), die die Kriegsdauer nicht ver⸗ kürzt, sondern verlängert.(Zust.) Erst müssen die Masken fallen! Noch wird der Vernichtungskrieg gegen uns ge⸗ predigt. Damit müssen wir rechnen. Mit Theorien, mit Friedens⸗ äußerungen von unserer Seite kommen wir nicht vorwärts.(Zu⸗ ruf des Abg. Liebknecht: Eroberungsplänel) Kommen Friedens angebote, die der Würde und der Sicherheit Deutschlands entsprechen, so sind wir allezeit bereit, sie zu diskutieren.(Lieb⸗ knecht: Eroberungspläne!) In dem vollen Bewußtsein der großen, von uns erstrittenen und unerschütterlich dastehenden Waffenerfolge lehnen wir jede Verantwortung für die Fortsetzung des Unheils ab.(Zuruf des Abg. Liebknecht: Eroberungs⸗ pläne! Heftiger Widerspruch rechts. Rufe: Raus! Zurufe: Steckt den Kerl ins Irrenhaus!) Es soll nicht heißen, daß wir den Krieg nur um einen Tag verlängern wollen, weil wir noch dieses oder jenes Faustpfand dazu erobern wollen. (Zuruf des Abg. Liebknecht: Dazu!). In meinen früheren Reden habe ich auf die allgemeinen Kriegsziele hingewiesen. Ich kann auch heute nicht auf Einzel⸗ heiten eingehen, ich kann nicht sagen, welche Garantien die Kaiser⸗ liche Regierung z. B. in der belgischen Frage fordern wird, welche Machtunterlagen sie für diese Garantie fordern muß. Aber eins sollen sich unsere Feinde selber sagen: je länger und erbitterter sie den Krieg führen, um so mehr wachsen unsere Garantien. (Stürmischer, anhaltender Beifall.). Wenn unsere Feinde für alle Zukunft eine Kluft zwischen Deutschland und der übrigen Welt aufrichten wollen, dann sollen sie sich nicht wundern, daß auch wir unsere Zukunft danach ein⸗ richten.(Lebhafte Zustimmung und anhaltender Beifall.) Weder im Osten, noch im Westen dürfen unsere Feinde von heute über Einfallstore verfügen, durch die sie uns von morgen ab erneut und schärfer als bisher bedrohen.(Abermalige Zustimmung, erneut einsetzender stürmischer, langanhaltender Beifall im ganzen Hause, auch auf den Tribünen.) Es ist ja bekannt, daß Frankreich seine Anleihe an Rußland nur unter der ausdrücklichen Bedingung ge⸗ geben hat, daß Rußland seine polnischen Festungen und Eisen⸗ bahnen gegen uns ausbaut(Sehr richtig!), und ebenso ist es bekannt, daß England und Frankreich Belgien als ihr Aufmarschgebiet gegen uns betrachteten. (Sehr richtig!) Damit müssen wir uns politisch und militärisch und wir müssen auch wirtschaftlich die Möglichkeit unserer Erhaltung sichern. (Lebh. Zust.) Was dazu nötig ist, muß erreicht werden.(Zust.) Ich denke, es gibt im deutschen Vaterlande niemand, der nicht diesem Ziele zustrebt.(Hört, hört! links, sehr richtig.) Welche Mittel zu diesem Zwecke nötig sind, darüber müssen wir uns die Entscheidung vorbehalten. Wie ich schon am 19. August d. J. ge⸗ sagte habe: Wir sind es nicht, die die kleinen Völker bedrohen; nicht um fremde Völker zu unterjochen, führen wir diesen uns aufgezwungenen Kampf, sondern allein um die Zukunft unseres Lebens und unserer Freiheit.(Zuruf des Abg. Liebknecht: Es ist nicht wahr! Gr. Unruhe und Rufe: Raus! Zurufe des Abg. Liebknecht: Staatsinteressen! Er⸗ oberungen!) Fur die deutsche Regierung ist dieser Kampf dasselbe, was er bon Anfang an war und was in allen unseren Kundgebungen unverändert festgehalten wurde: Der Verteidigungskrieg des deutschen Volkes! Dieser Krieg darf nur mit einem Frieden be⸗ endet werden, der nach menschlichem Ermessen Sicherheit gegen seine Wiederkehr bietet. Darin sind wir alle einig. Zuruf des Abg. Liebknecht: Nein!) Das ist unsere Stärke.(Brausender Beifall im Hause und auf den Tribünen. Zuruf des Abg. Liebknecht: Eroberungspolitik!) Das Haus tritt in die Besprechung der Interpellation ein. Abg. Dr. Spahn(Ztr.): Im Namen der sämtlichen Mitgliedervereinigungen dieses hohen Hauses mit Ausnahme der Herren Inlerpellanten habe ich zur Interpellation folgende Erklärung abzugeben: Die Beendigung dieses uns aufgedrungenen Krieges wünschen auch wir. Wir blicken dabei voll Bewunderung und Dankbarkeit auf den ununterbrochenen Siegeszug aller unserer Truppen, die in Gemeinschaft mit unseren tapferen österreichisch-ungarischen, bulgorischen und türkischen Verbündeten von Erfolg zu Erfolg schreiten, ihre ruhmreichen Fahnen weit in Feindesland hinein⸗ getragen und soeben das serbische Heer zertrümmert haben. Wir vertrauen auf die unbeugsame, allen Angriffen unserer Feinde gewachsene und überlegene Stellung unserer Heere in Ost und West, die uns mit unseren Verbündeten den vollen Erfolg des Krieges verbürgen.(Lebh. Beifall.) Wir blicken auf die nicht zu erschütternde wirtschaftliche und finanzielle Kraft unseres Volkes und Landes, die uns Ernährung und Rüstung ausreichend sichert. Mögen unsere Feinde sich erneut zum Ausharren im Kriege ver⸗ schwören, wir warten in voller Einigkeit mit ruhiger Ent⸗ schlossenheit, und lassen Sie mich einfügen, in Gottgertrauen die Stunde ab, die Friedensverhandlungen ermöglicht, bei denen für die Dauer die militärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Interessen Deutschlands im ganzen Umfang und mit allen Mitteln einschließlich der dazu erforderlichen Gebiets⸗ erwerbungen gewagt werden müssen.(Stürm. Beifall und Hände⸗ klatschen bei den bürgerlichen Parteien.) Ein Antrag der Abga. Bassermann, auf Schluß der Aussprache wird (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten, wildem Geschrei steigert.) Westarp. usw. angenommen. die sich teilweise zu Präsident Kaempf: 5 Der Schluß der Beratung ist angenommen. Abg. Haase(Soz.): Es ist ein schnöder Bruch der Geschäftsordnung. Man will die Minderheit vergewaltigen. Abg. von Payer(Fortschr. Volkspartei): Es wollte niemand Herrn Landsberg das Wort aßbschneiden. Es liegt ein Versehen des Schriftführers vor. Abg. Ledebour(Soz.): Das ist ein unerhörtes Verfahren. Abg. Dr. Landsberg(Soz.) Deer ganze Vorgang beruht anscheinend auf einem Versehen im Bureau. Ich hatte die Absicht, hinter dem Redner der Mehr⸗ heitsparteien zu sprechen, da wir Sozialdemokraten doch hier keine Monologe halten wollen, und hatte mich deshalb zunächst von der Rednerliste streichen lassen. Als ich aber mit dem Abg. Dr. Spahn eine Verständigung erzielen konnte, habe ich mich erneut als erster Redner zum Worte gemeldet. Es liegt also offenbar ein Ver⸗ sehen des Bureaus vor, das sie ausgenutzt haben. Mit Ihrem Verhalten machen Sie einen Riß in die Einigkeit des deutschen Volkes. Abg. Scheidemann(Soz.): Das Verhalten der Mehrheit ist empörend, kurzsichtig und unverantwortlich. Die interpellierende Partei soll nach allge⸗ meiner Uebereinstimmung unter allen Umständen am Schluß der Debatte das Wort erhalten. Sie haben die Uebung durchbrochen. Ich erhebe schwersten Protest dagegen. Abg. Bassermann(ul.): 5 Von einer Absicht, dem Abg. Landsberg das Wort nicht zu berstatten, kann bei den bürgerlichen Parteien absolut nicht die Rede sein.(Lachen bei den Soz.] Wir bedauern das Mißver⸗ ständnis, haben es aber nicht verschuldet. Ein Schlußwort, wie der Vorredner es erwähnt hat, gibt es nur bei Initiativanträgen, nicht bei Interpellationen. Abg. Schulz(Reichspartei): Uns trifft an dem Mißverständnis nicht ein Funken von Schuld. Da hier ein Versehen vorliegt, beantrage ich, die Dis⸗ kussion nochmals zu eröffnen und dem Abg. Dr. Landsberg das Wort zu erteilen. 5 Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die interpellierende Partei muß unter allen Umständen das letzte Wort haben. Abg. Stadthagen(Soz.): Wir müssen Gelegenheit haben, im vollsten Maße unsere Meinung zu sagen. Abg. v. Payer(Vp.): Wir konnten nicht wissen, daß durch ein Versehen des Büros das Wort des Abg. Dr. Landsberg unter den Tisch gefallen ist. Die Gerechtigkeit verlangt, dem Abg. Dr. Landsberg das Wort nachträglich zu erteilen. 5 Der Antrag des Abg. Schultz⸗ Bromberg(Rp.) auf Wiedereröffnung der Aussprache wir d angenommen. Abg. Landsberg(Soz.): Ich will hoffen, daß der unerfreuliche Vorgang von soeben bald vergessen sein wird, daß wir am luß den Saal verlassen können, ohne noch an den Vorfall zu denken.(Lebh. Beifall.) Hoffentlich wird auch in Zukunft sich die Mehrheit niemals wieder einer Minderheitspartei gegenüber so benehmen wie heute.— Bei Beginn des Krieges sahen wir die Kultur Deutschlands be⸗ droht. Das hat uns die Waffen in die Hand gedrückt. Die Sorge um die bedrohte Kultur nötigt uns jetzt, zum Frieden zu mahnen. Nicht bloß bei uns hat man den Eindruck, daß der psycho⸗ logische Moment gekommen ist, um dem Frie⸗ dens gedanken 55 zu treten. Auch in England redet man vom Frieden. Und der Papst hat in einer, einen großen Aal erkennen lassenden Rede im Konsistorium davon gesprochen. ulturelle Güter stehen auf dem Spiele, und wirtschaftlich kann man sagen: Die veruneinigten Staaten von Europa haben den Vereinigten Staaten von Amerika Platz gemacht.(Sehr richtig!) Vom Reichskanzler kann man ja nicht verlangen, daß er flötet, wenn die Staatsmänner im feindlichen Auslande die schwersten Geschütze auffahren.(Sehr richtig). Hätte der Reichs⸗ kanzler so gesprochen wie Briand und Asquith, etwa von der Vernichtung des französischen Militarismus und des englischen Marinismus, so wäre meine gesamte Fraktion in die allerschärfste Oppositionsstellung gegen ihn getreten. Wir wollen die Vernich⸗ tung unsexes eigenen Landes verhüten. Aber wir wollen auch kein anderes Land vernichten. Der Reichskanzler hat nicht Worte ertönen lassen, wie wir sie von den Herren Briand und Asquith haben hören müssen.(Abg. Liebknecht: Doch!— Allgem. Gelächler.) Das hängt von der geistigen Beschaffenheit des Ein⸗ zelnen ab.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen). Wohl aber hätte der Reichskanzler als Staats⸗ mann des Staates, dessen Heere den Krieg in alle mit uns in Krieg liegenden Länder haben hineintragen können, dessen Heere einen undurchdring⸗ lichen Gürtel um das deutsche Valerland gezogen baben, detaillierte Friedens bedingungen nennen kön⸗ nen, zumal die Worte des Reichskanzlers erkennen lassen, daß seine Friedensbedingungen sich sehr gut hören lassen können. Ueber die Erklärung der Parteien gehe ich hinweg. Wir haben nicht die Fnterpe een an die Parteien gerichtet, sondern an den Reichs⸗ anzler. Aus den Worten des Reichskanzlers haben wir auch nicht den Inholt der Erklärungen der bürgerlichen Parteien beraus⸗ gehört.(Die Abgs,. Liebknecht und Ledebour rufen: Doch!)— Aber ich bitte Sie. meine Herren, geben Sie doch dem Auslande nicht Waffen in die Hand!(Stürm. Beifall und Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen.) Das wird nicht Ihre Absichk sein, aber die Wirkung ist es. Der Reichskanzler hat die Länder, die wir augenblicklich besetzt halten, als Faustpfand bezeichnet; nach meiner Kenntnis werden Fauftpfänder zurückgegeben. Der Reichskanzler hal sich ferner grundsählich zum Friedensschluß be⸗ reit erklärt. Auch das ist eine Erklärung, die in wohltuendem Gegensatz zu den Ausführungen der Herren Briand und Asquftß steht. Selbstverständlich fügt er hinzu: einen„ehrenvollen Frieden“, Einen onderen Frieden will natürlich kein deutscher Mann.(All⸗ seitiges Bravol) Der Reichskanzler hat ferner eine Sicherung gegen frivole Angriffe für die Zukunft verlangt. Wenn es eine solche Siche⸗ rung gibt, dann wollen wir sie alle.(Sehr richtig!) Die Frage ist nur: worin besteht diese Sicherung? Ich will heute nur sagen, worin sie nicht besteht. Sie besteht nicht in der Fort⸗ führung dieses Krieges bis zur völligen Erschöpfung aller Krieg⸗ führenden, denn es würde sonst eine Desperadostimmung in der ganzen Welt entstehen, die in dem Worte zum Ausdruck kommen würde: besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Keine Sicherung würde ferner die Unterjochung und Ver⸗ gewaltigung eines Volkes mit eigener geistiger Kultur sein. Groß⸗ mut der Staatsmänner hat sich noch immer bewährt. Wären 1866 gewisse Annexionspläne nicht durch einen zielbewußten genialen Staatsmann unterdrückt worden— wäre dann das Jahr 1870 möglich gewesen? Ich sollte aber meinen, daß es wohl eine sehr weitgehende Sicherung gegen wiederholte Angriffe geben kann, ich zweifle keinen Augenblick, daß dieser furchtbare Ader⸗ laß zur Mehrung der friedlichen Gesinnung der Völker bei⸗ tragen wird, und wer weiß, wie nahe wir vor Verträgen über Rüstungsbeschränkungen stehen, die nicht nur den Völkern große Ersparnisse bringen, sondern die vor allen Dingen das Miß⸗ trauen beseitigen helfen, das immer wieder zu blutigen Zu⸗ sammenstößen führt. Der Reichskanzler hat im Vertrauen darauf, daß die mili⸗ tärische Lage Deulschlands vor Mißdeutungen schützt, seine Be⸗ reitwilligkeit zum Abschluß eines ehrenvollen Friedens aus⸗ gesprochen. Von unbilligen Bedingungen, die er dem Gegner zu ertragen zumutet, habe ich aus seiner Rede nichts vernommen, und das ist für mich das Entscheidende. Was unter Sicherungen im einzelnen zu berstehen ist, darüber wird später zu sprechen sein; Hauptsache ist, daß die Verhandlungen beginnen, und kein Staatsmann kann die Einleitung von Friedensverhandlungen mit dem Hinweis darauf ablehnen, daß ihm das als Zeichen von Schwäche ausgelegt werden könnte. So können wir uns wohl der Hoffnung hingeben, wenn sie auch erst in ganz dünnen und schwachen Umrissen vor uns auftaucht, daß für die miteinander im Kriege liegenden Völker die Erlösung recht bald kommen wird. Täuscht uns diese Hoffnung, weil unsere Gegner den Frieden nicht haben wollen, weil sie nach wie vor erklären, daß sie auf der Vernichtung der deutschen Wehrkraft und auf Annexionen bestehen, so werden sie sich überzeugen müssen, daß unser Ruf nach Frieden nicht hervorgegangen ist aus Sorge um den Ausgang des Krieges für uns(Lebh. allseitige Zustimmung). Sie werden dann sogar eine Steigerung unserer Kraft merken, denn, wenn es überhaupt möglich ist, den Mut und die Ausdauer unserer Krieger zu stärken, dann wird das Bewußtsein, das sie haben dürfen, diese Wirkung baben— das Bewußtsein, daß, was sie noch zu ertragen haben, auf das Schuldkonto unserer Gegner kommk.(Lebh. allseitige Zustimmung, Widerspruch der Abgg. Liebknecht und Ledebour.) Ich bin von der Fraktion als Redner bestimmt und nicht Gu Liebknecht und Lebeßong Sie!(Stürmischer Beifall und Hendeklatschen im ganzen Hause.)] Eins möchte ich zum Schlusse noch feststellen— nicht, um irgend jemanden zu kränken, sondern um völlige Klarheit zu schaffen. In der französischen Deputierten⸗ kammer ist neulich gesagt worden, Frankreich habe nicht die Ab⸗ sicht, sich auf Kosten Deutschlands zu bereichern, nur Elsaß⸗ Lothringen wolle man selbstverständlich zurücknehmen. Ich will erklären, daß wir für solche Ausführungen einfach kein Verständ⸗ nis haben.(Lebh. Beifall.) Es wird Aufgabe der deutschen Re⸗ gierung sein, dafür zu sorgen, daß gewisse Hoffnungen auf eine Wiedereroberung von Elsaß⸗Lothrin⸗ 1 völlig vernichtet werden.(zLebh. Beifall.) Ich chließe, indem ich sage: Wer das Messer erhebt, um Stücke aus dem Körper des deutschen Volkes zu schneiden, der wird, mag er ansetzen wo er will, ein in der Verleidigung einiges deutsches Volk treffen, daß ihm das Messer aus der Hand schlagen wird, (Stürmischer Beifall und Händeklatschen im ganzen Hause.) Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Präsident Kaempf ö tritt der Auffassung entgegen, die aus dem Verlauf der Ge⸗ schäftsordnungsdebatte möglicherweise erstehen könnte, als ob diese Debatte durch ein Mißverständnis oder einen Irtum eines der Schriftführer entstanden sei. Im weiteren erbittet er die Er⸗ mächtigung, Tag und Tagesordnung der nächsten Sitzung fest⸗ zusetzen. a Abg. Liebknecht(Soz.) beantragt, wegen seiner Anfragen die nächste Sitzung morgen stattfinden zu lassen, denn Freitag und Dienstag sind—(Zuruf rechts: fleischlose Tage!— Heiterkeit.) die Tage, die für die kleinen Anfragen bestimmt sind.(Lebh. Widerspruch.) Abg. Dr. Spahn(Zentr.) bittet, auf die Arbeiten des Hauptausschusses bei der Ansetzung der nächsten Sitzung nach Möglichkeit Rücksicht zu nehmen. Es lasse sich noch nicht übersehen, wann die Arbeiten im Ausschuß entsprechend fertiggestellt seien. Es bleibt bei dem Vorschlage des Präsidenken, daß er die nächste Sitzung anzuberaumen hat. 5 Schluß: 172 Uhr. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige daß uns unser liebes Todes⸗Anzeige. Nachricht, Söhnchen, Enkelchen und Pate im zarten Alter von 6 Monaten durch einen 06580 Heinrich plötzlichen Tod entrissen wurde. Heinrich Burger, z. Zt. in Frankreich und Frau Dies zeigen tiefbetrübt an: Georg, Heinrich Burger Familie Jobaunes Schmandt. Klein⸗Linden(Franksurter Str. 117, Watzenborn, den 10. Dezember 1915. Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3¼ Uhr statt. Aus der Landrichter zeichnete Behörde 1. Fünf Unterstützungslegate von je 500 Mk. jähr⸗ lich an bedürftige elternlose Studierende Rechtswissenschaft Großherzogliches der aus den Starkenburg und Oberhessen, ein Unterstützungslegat von jährlich 500 Mk. an eine bedürftige nicht kinderlose Witwe eines richterlichen Mitglieds Amtsgerichte oder Landgerichte der Provinzen Starkenburg oder Oberhessen, vorzugsweise als bei Provinzen einem Dr. Müller' schen Stiftung zu Darmstadt sind durch die unter— der Beihilfe zur Erziehung minderjähriger Kinder zu vergeben. zeichneten Behörde einzureichen. Darmstadt, den 15. November 1915. Bewerbungen um diese Legate sind binnen vier Wochen bei der unter Ministerium der Finanzen, Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen. 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Jahlstunden: von 8—1 Uhr vormittags. Die Unterstützungen dürfen nur an den vorgenannten Tagen abgeholt werden. 19606 Die im November 1898 geborenen Land⸗ srurmpflichtigen der Stadt Gießen müssen sich am 15. Dezember 1915, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr im alten Rat⸗ haus am Marktplatz zur Landsturmrolle melden. Auswärts Geborene haben bei der e 75 Geburtsschein vorzulegen. Gießen, den 7. Dezember 1915. ö Der Oberbürgermeister. f Kell Auf Grund des§ 47 Abs. 1 in Verbindung mit § 49 Lit. e der Bundesrats verordnung vom 28. Juni 1915 wird für den Bezirk der Stadt Gießen folgendes 1 Mehl darf zum Verkauf oder Verbacken nur an 4 solche Bäcker abgegeben werden, die sich unterschriftlich verpflicktet haben, an die versorgungsberechtigte Bevöl⸗ kerung ausschließlich nur solches Mehl, das ihnen von 7 der städtischen Mehlverteilungsstelle gelten und nur Brot, das aus solchem Mehl erbacken ist, abzusetzen. 2. Das den Bäckern von der Mehlverteilungsstelle gelieferte Mehl zur Herstellung von Brot für die Heeres⸗ verwaltung(Proviantamtmehl) ist stets gesondert von dem für die EStwübevolferung bestimmten aufzubewahren Aufschrift kenntlich zu machen. Die Verwendung von Stadtmehl für die Heeres⸗ verwaltung oder umgekehrt von Proviantamtmehl für die Zivilbevölkerung ist verboten. 3. Die Bäcker sind verpflichtet, Lagerbücher zu führen, aus denen zu jeder Zeit der Bestand an den vorhandenen Mehlsorten ersichtlich ist. Sie müssen den von der Stadtverwaltung Beauftragten jederzeit Zu⸗ tritt zu den Geschäftsräumen und Einsicht in die Lager⸗ bücher gestatten. 4. Die Bäcker sind verpflichtet, den Bezug von be⸗ schla 05 2 sofort spätestens aber binnen 24 Stunden nach Eintreffen unter Vorlage der Rech⸗ nungen, Frachtbriefe usw., der städtischen Mehlvertei⸗ lungsstelle zu melden. 5. Zuwiderhandlungen werden gemäß 88 57, 58 der Bundesrats verordnung vom 28. Juni 1915 bestraft. 6. Diese Verordnung tritt mit ihrer ee lichung in Kraft. 595B Gießen, den 2. Dezember 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Die Landesverteilungsstelle für Futtermittel Darmstadt hat abzugeben: 5 Kleie(ausländische) zum Preise von 30,00 31,00 Mark die 100 Kilogramm ohne Sack ab Mainz, Futtermais(ausländischer) zum Preise von 51 Mark die 100 Kilogramm ohne Sack ab Mainz, Reisfuttermehl(siamesisches) zum Preise von 45,50 Mk. die 100 Kilogramm ohne Sack ab Mainz,. Ma pe ne enn egg e en 88 Mt. die 100 Kilogramm ohne Sack ab Mainz, Sonnenblumenkuchen(ausländischer) zum Preise von 41 Mk. die 100 Kilogramm ohne Sack ab Mainz, M(Häcksel und Tortmele laut Preisliste die den örtlichen Verteilungsstellen un⸗ term 5. November zuging. Zuckerfutter(nämlich Rohzucker vergällt) ist voll⸗ ständig verteilt und können Bestellungen darauf nicht mehr entgegengenommen werden. Ich fordere sämtliche Viehhalter hiermit auf, ihre Bestellungen auf obige Futtermittel innerhalb drei Ta⸗ gen bei mir einreichen zu wollen. 95978 in