1 nr. 201 Der Siezener er erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Hießener gamilienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtscaaftüche Seitfragen Fernsprech⸗Anschlüfse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelles 1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die mer bis zum Rotaflonsdruck und N General⸗Anzeiger für Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei N. Lange. Schriftleitung, 165. Jahrgang Oberhessen Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstr. 7. Freitag, 10. Dezember 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2,30 piertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssagl: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Ein neuer Reichstagsbeschluß über Urieg und Frieden. * B.) Großes Hauptquartier, 9. Dezember. mtlich. 85 85 Westlicher Kriegsschauplatz. f Lebhafte Artilleriekämpfe an verschiedenen Stel⸗ len der Front, besonders in Flandern und in Gegend der Höhe 193 nordöstlich von Souain. Ein französisches Flugzeug wurde südlich von Ba⸗ vaume zur Landung gezwungen; die Insassen sind ge⸗ fangen genommen worden. 5 a 1 Oestlicher Kriegsschauplatz. Aͤbgesehen von einzelnen Patrouillengefechten ist nichts zu berichten. 5 Balkan⸗Kriegsschauplatz. 0 Die Kämpfe südlich von Plevlje, südlich von Sje⸗ nica und bei Ipek werden mit Erfolg fortgesetzt. Djakova, Debra, Struga und Ohride sind von bulgarischen Truppenbesetzt. Die Kämpfe am Vardar sind im günstigen Fortschreiten. Oberste Heeresleitung. 1** Die Bedeutung der gestrigen Reichstagssitzung lag nicht sowohl in den beiden großen Reden des Reichskanzlers als vielmehr in der Haltung aller bürgerlichen Parteien und in ihrem Beschlusse, die Stunde abzuwarten,„die Frie⸗ densverhandlungen ermöglicht, bei denen dauernd die mili⸗ tärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen In⸗ teressen Deutschlands im ganzen Umfange und mit allen Mitteln einschließlich der dazu erforderlichen Gebietserwer⸗ bungen gewahrt werden müssen.“ 5 Das ist das weithin sichtbare Ergebnis der sozialdemokratischen Anfrage, ob und unter welchen Be⸗ dingungen der Reichskanzler bereit sei, die Hand zum Frie⸗ den auszustrecken. Hiermit ist der unumstößliche Wille des deutschen Volkes klar und unzweideutig zum Ausdruck ge⸗ kommen. Waren die Ausführungen des Reichskanzlers we⸗ niger bestimmt, weniger scharf umrissen? Mit nichten! Er hat uns nichts blendend Neues vorgetragen, und seine Reden atmeten die ruhige, schlichte Sachlichkeit, die wir an ihm gewohnt sind; es ist sehr töricht, wenn die„Voss. Ztg.“ die Worte des Kanzlers insofern kritisiert, als habe er nicht schwungvoll, nicht hinreißend genug gesprochen. Ist es nicht für das deutsche Bewußtsein erhebend, packt es uns nicht im Tiefsten, wenn der Kanzler mit erhobener Stimme festlegt: „Wir haben ungeheure Erfolge errungen“? Wenn aus dem nichts übertreibenden Munde unseres ersten Beamten so stolz die glänzenden deutschen Siegeszüge gepriesen wurden, und wenn es dabei noch hieß:„Darüber hinaus sind vor allem die Aussichten für die Zukunft verheißungs⸗ voll“ꝰ Der Reichskanzler hat uns und der Welt ein macht⸗ volles Zeugnis der Wahrheit und Klarheit gegeben. Daß er Bekanntes unterstrich, die in der Presse vielfach hervor⸗ gehobenen Siege nochmals besonders heraushob, war unbe⸗ dingt erforderlich, gerade auch vor dem deutschen Volke, das nach der Bestätigung der bisherigen Auffassung über die Ge⸗ samtlage dringend verlangte. Dabei hat Herr v. Bethmann Hollweg sich sorgsam gehütet, als Staatsmann mit Welteroberungsplänen zu erscheinen. Für die erforder⸗ lichen Sicherungen, die wir beim Friedensschluß ver⸗ langen müssen, prägte er neue Bezeichnungen: der Feind darf keine Einfallstore gegen Deutschland offen haben, aber wir führen den Krieg nicht um deswillen fort, weil wir neue Faustpfänder gewinnen wollen, denn wir haben deren genug. Liegt darin nicht im Grunde das, was die sozialdemokratischen Redner gewünscht hat⸗ ten: die Ausstreckung der Friedenshand? Mehr kann die deutsche Regierung nicht tun. Es liegt bei unseren Fein⸗ den, über diese Faustpfänder, die wir beim Friedensschluß auszunutzen berechtigt sind, zu verhandeln, uns Vorschläge zu machen, wie sie der jetzigen Kriegslage Rechnung tra⸗ gen wollen, um zum Frieden zu gelangen. Der Reichskanz⸗ er unterließ es denn auch nicht, den Feinden diese Er⸗ wägungen anheimzugeben. Dabei war es selbstverständlich, daß er darauf hinwies, der weitere Kampf, für den die Jeinde die Verantwortung tragen, müsse notwendig dazu 1 daß von Deutschland erhöhte Ansprüche beim Frie⸗ en geltend gemacht würden. Die deutsche Kraft ist un⸗ ebrochen, die militärische sowohl wie die wirtschaft⸗ siche und finanzielle. Und der Kanzler konnte selbst schon während der Reichstagssitzung das Ausland darauf hinweisen, daß in unserem Lande keine Gruppe, keine Partei und kein vernünftiger Mensch sich befindet, der etwa aus dem Gefühl nationaler Entmutigung heraus nach Frieden ver⸗ zangt. In der Tat, die beiden sozialdemokratischen Redner, die den sozialdemokratischen Wunsch an den Kanzler be⸗ gründeten, schlossen sich allen übrigen Parteien an in der viederholten und ausdrücklichen Feststellung, daß wir uns zisher als die Sieger fühlten und der Antrag nur aus dem Bewußtsein heraus entstanden sei, der Stärkere und Aus⸗ ichtsreiche erwerbe sich geschichtlichen Ruhm, wenn er groß⸗ müttig zuerst die Hand zum Frieden ausstrecke. Herr Scheidemann vergaß sogar nicht, das Ausland ausdrücklich vor der falschen Auffassung zu warnen, als ob im deutschen Volke sich jemand fände, der an der deutschen Kraft und Möglichkeit, den Krieg noch länger fortzuführen, irgendwie 5 9 85 Nun, vermutlich werden sich dennoch ausländische 5 5 0 00 117 0 Worte deuteln und es 75 zeugnis von tschlands Schwäche auslegen wollen. mußte der Reichskanzler so unzweideullg sprechen, wie er es getan, und darum haben alle Parteien, außer der Sozialdemokratie, jenes Gelöbnis abgelegt und jene Forde⸗ rungen aufgestellt, die dem Gebot des Tages entsscachen. Pressestimmen zur Reichstags verhandlung. Berlin, 10. Dez. Alle Blätter geben der Ueberzeugung Ausdruck, daß das deutsche Volk auf Inhalt und Verlauf der gestrigen Reichstagssitzung mit Genugtuung zurück⸗ blicken könne.— Der„Berliner Lokalan 3.“ schreibt: Unsere Feinde hatten sich von der sozialdemokratischen Inter⸗ pellation ein kleines Schlachtsest versprochen, auf dem die viel gerühmte und bis jetzt wirklich nicht wegzuleugnende Einigleit Gesamtdeutschlands endlich zur Strecke gebracht werden würde. d Heute stehen sie wieder einmal am Grabe einer Hoffnung. Nicht nur, daß die beiden sozialdemokratischen Redner bei aller Frie⸗ denssehnsucht, der sie Ausdruch gaben, dem nationalen Empfinden unseres Volkes volle Gerechtigkeit widerfahren ließen, der Kanzler den Deutschen Reiches benutzte diese Gelegenheit, um die durch unsere Ueberzeugung auf allen Fronten geschaffenen ehernen Tat⸗ sachen in wuchtiger Aneinanderreihung vor den Augen der Welt vorüberzuführen, die so eine Wirkung erhalten, die im Lager unserer Gegner die nachdenklichen Stimmen vertiefen dürfte. An den entscheidenden Stellen klangen die Worte des Kanzlers hart wie Stahl und sie wurden durch die Gesamterklärung der bürgerlichen Parteien wirkungsvoll unterstrichen. So sind wir durch die gestrige Reichstags verhandlung um einen erheblichen Schritt vorwärts gekommen. Wir wissen, daß, je länger die Feinde uns zwingen, den Krieg fortzuführen, desto schwerer die Bedingungen 0 werden müssen, unter denen ein Friede für sie zu haben sein wird. Wir wissen, daß unsere Feinde weder im Osten noch im Westen überre Einfallstore behalten werden und wir wissen endlich, daß der Reichstag bereit ist, der Regierung zu folgen, wenn sie Gebiets⸗ erwerbungen verlangen sollte, die notwendig sind, um Deutschland/ i militärische, politische und wirtschaftliche Zukunft dauernd zu sichern. Dieser Gewinn des Tages ist wirklich nicht auf der Kredit⸗ seite unserer Feinde zu buchen. 5 Die„Freisinnige Zeitung“ schreibt: Wir glauben, daß die Gegner sich von der sozialdemokratischen Juterpellatton viel versprochen haben; sie sind um eine arge Ent⸗ de täuschung reicher geworden, denn wenn schon die Reden der beiden sozialdemokratischen Abgeordneten absolut nicht dazu geeignet sind, gegen Deutschland ausgenutzt zu werden, so hat die Beratung auch noch Kundgebungen bei der Rede des Reichskanzlers und der Er⸗ klärung der bürgerlichen Parteien gebracht, die den Feinden die Hoffnung keiten nehmen muß. Die„Tägliche Rundschau“ kratischen Rednern das Zeugnis aus, Redner eine erfreuliche V i und allen Volksgenossen be⸗ daß jede Rechnung auf unsere wirtschaftliche Erschöpfung bekundet, daß sie jeden Gedanken s mit Entschiedenheit zurückweisen und insbesondere für die französische Hoffnung auf eine Wieder⸗ eroberung von Elsaß⸗Lothringen kein Verständnis hätten. 1** 8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. Dezember 1915. ö Russischer Kriegssch auplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die vergeblichen Angriffsunternehmungen der Italie⸗ ner gegen einzelne Abschnitte unserer Front im Görzi⸗ schen dauern fort. Solche Angriffe wurden bei Os la vi j a, am Monte San Michele und bei San Martino abgeschlagen. Bei Dolje(nordwestlich von Tolmein) verbesserten unsere Truppen ihre Stellung durch Eroberung eines feindlichen Frontstückes. In Südtirol beschießt die italienische Ar⸗ tillerie einzelne Stellungen in unseren befestigten Räumen von Lardaro und Riva. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf den Höhen südöstlich von Plevl je wurden monte⸗ negrinische Banden zersprengt. Im Grenzgebiet nördlich von Bera ne haben wir den linken Flügel der Monte⸗ negriner zum Weichen gezwungen. Auch die Kämpfe gegen den rechten Flügel des Feindes verlaufen erfolgreich. Auf den Höhen westlich von Ipek warfen wir serbische Nachhuten. Zahl der gestern gemachten Gefangenen zwei Offiziere und tausend Mann. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Eines unserer Unte rseeboote hat am 7. vormittags im Drin⸗Golf einen albanischen Motorsegler, auf dem sich 30 serbische Militärflüchtlinge mit Gewehren, vier Geschützen und Munition befanden, festgenommen und nach Cattaro eingebracht. 5 1 Flottenkommando. auf eine Schwächung Deutschlands durch innere Uneinig⸗ ft Der Rückzug der Franzosen und Engländer auf dem Balkan. Athen, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter des Reuterschen Bureaus erfährt aus amtlicher griechischer Quelle, daß die englisch⸗französischen Truppen den Rückzu g in Richtung nach der griechischen Grenze fortsetzten. Eine deutsche Spende für bulgarische Soldaten. Sofia, 9. Dez.(WB. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Die Blätter verzeichnen mit Dankbarkeit das dem bulgarischen Roten Kreuz von der deutschen Mission zugewendete freigebige Geschenk, as aus einer Million Zigaretten für die im Felde stehenden Soldaten und aus 40000 Zigaretten für die in den Spitälern Sofias behandelten Soldaten besteht. Kaiser Wilhelm und sein Kaschauer Sausregiment. a Budapest, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Haiser Wilhelm richtete am 20. November folgendes Telegramm an den Kommandanten des auf dem Kriegsschauplatze be⸗ 15 Kaschauer Hausregimenks, dessen Chef l „In Wien mit meinem Allerhöchsten Verbündeten, Seiner 0 veranlaßt, der mein Regiment allgemein, besonders zuletzt bei der Ikwa, Herrn Oberstleutuaut, allen „„ Der türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Das Hauptquartier teilt mit: An der IJrakfront nimmt der Wider⸗ stand des Feindes merklich ab. Unsere Truppen schlugen die Aus⸗ fallversuche der Engländer blutig zurück. Sechs von uns erbeutete Flugzeuge sind ausgebessert worden und werden jetzt gegen den Feind benutzt. An der Kaukasusfront griff der Feind ingen Artillerie antwortete, feindlichen Schützengräben und gegen diesen. eine Bomben⸗ und sonstige Munitionsniederlagen der feindlichen Artillerie. Am 8. Dezember beschoß unsere Artillerie ein eng⸗ lisches Flugzeug, das bei Akbach in Flammen aufging. Das Flug⸗ zeug und der Flieger verbrannten vollständig. 171 Die Türken rücken auf Aden. Konstantinopel, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegspressequartier veröffentlicht einen Bericht über die für die Türken siegreichen Kämpfe, die vom Juli bis Oktober zwischen Lahadi und Aden stattgefunden haben. Dis Türken rücken in die Nähe des Isthmus, auf Aden und di Ortschaft Schech Othman. Die englischen Verlufte bei Ktesiphon. London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhause erklärte der Staatssekretär für Indien, Chamberlain: Die britischen Verluste bei Ktesiphon betrugen 643 Tote, 333 Verwunde te und 594 Vermißte. Nach den letzten Berichten waren die gesamten Verluste beim Rückzuge weniger ala 300. Chamberlain sprach sich in Worten warmer Anerkennung üben die Haltung der Truppen aus. in dieser Kasa verloren die Italiener 6000 Mann an Toten und ließen sehr viel Waffen und Munition in der *** Aus dem englischen Parlament. London, 10. Dezbr.(WTB. Nichtamtlich.) Oberhaus. Lord Crewe sagte über die Niederlage ber Ktesiphonz Es sei nicht richtig, daß General Townsend n ur eine Droi⸗ sion gehabt hätte; seine Truppenmacht sei beträchtlich stärker gewesen; die maßgebenden Fachleute hatten sie für ausreichend gehalten. Ebenso sei es nicht richtig, daß der General de or 0 auf Bagdad aus eigenem Antrieb unternommen habe. e. nehmung sei seit Monaten geplant un, d sorgfältig vorbereitet ge⸗ wesen. Die schnelle Einnahme von Bagdad wäre ein großes mil i- tärisches und politisches Ereignis gewesen. Weder die T noch ihre Führung verdienten einen Vorwurf, aber die Aufgabe habe sich als schwieriger erwiesen, als urswümalen aver 2 N men worden war, hauptsächlich der bedeutend überlegenen Truppen des Feindes mit seiner starken artilleristischen Bewaff⸗ nung. Der Rückzug in die starke Stellung flußabwärts sei der richtige Ausweg gewesen. Lord Sydenham sagte, die Ursache der Niederlage sei gewesen, daß der Befehlshaber freie Hand ge⸗ * habe. Er habe die Stärke des Feindes unterschätzt, so ei geschehen, was in der letzten Zeit so oft geschah. Der Redner fügte hinzu, er verstehe wohl die politischen, aber keineswegs die militärischen Gründe, die zu einem Abenteuer in solcher Entfernung von der Basis Veranlassung geben konnten. London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Bel⸗ Iairs stellte die Frage, ob die neutralen Länder England ihren Dank dafür ausgesprochen hätten, daß England das Meer von den deutschen Minen gesäubert und den Handelsverkehr zwischen Amerika und Europa durch Beseitigung der Lebensgefahren er⸗ möglicht hahe. Grey erwiderte: Die Regierung hat keine der⸗ artige Anerkennung erhalten. Stewart(Unionist) fragte, ob England nicht gegen die Verhaftung des englischen Konfuls in Schiras durch die Deutschen Vergeltungsmaßregeln ergreifen und deutsche Konzessionsgebiete in den chinesischen Häfen besetzen, so⸗ wie die deutschen Konsuln in China verhaften wolle, um Ver⸗ schwörungen gegen die englischen Interessen zu verhindern. Grey erwiderte, er übersehe die Gefahren der deutschen Umtriebe nicht, aber die Sache könne nicht so einfach erledigt werden, wie Stewart glaube. Auf eine Anfrage über die jüngsten Exeignisse in Per⸗ ien sagte Grey, diese bewiesen, daß die persische Gendarmerie wenig zuverlässig sei. Allerdings hätten sich bisher nur Schiras und of gegen die Regierung erhoben. Er vertraue daß die neue persische Regierung ernstlich bemüht sein werde, die Ordnung herzustellen. Sie habe bereits versucht, wirksame Maßregeln in Hamadan zu ergreifen, wo die deutschen Beauf⸗ tragten eine große Menge von Waffen und Kriegsmaterial auf⸗ gestapelt hätten. Die russischen Truppen seien nicht in Teheran eingerückt. Der persischen Regierung sei mitgeteilt worden, daß dies nur geschehen würde wenn es nötig wäre, Leben und Eigentum der Alliierten zu schützen. Inzwischen seien alle möglichen Maß⸗ regeln gegen die aufständische Gendarmerie ergriffen worden. a London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus. Im Unter hause forderte Snowden(Ar⸗ beiterpartei! Asquith auf, zu versprechen, daß kein durch ein neutrales Land oder die kriegführenden Länder gemachter Vor⸗ schlag zu Friedensverhandlungen, der die Räumung eroberter Gebiete zur Basis habe, ohne das Wissen des Parlaments zurückgewiesen würde. Asquith antwortete, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Rußland seien übereingekommen, feinen Sonderfrieden zu schließen. Wenn ernstgemeinte Frie⸗ dens vorschläge von den feindlichen Regierungen entweder direkt oder durch neutrale Länder gemacht würden, dann würden sie 1 71 von den verbündeten Regierungen besprochen werden; bis dahin könne er kein anderes Versprechen geben. Sollten Frie⸗ densvorschläge gemacht werden, dann würde die Regierung es für wünschenswert halten, das Parlament so früh wie möglich ins Vertrauen zu ziehen. Aus der französischen Kammer. Paris, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Kammer beschloß nach Intenvention Briands mit 443 gegen 98 Stimmen die Vertagung der Interpellation Constant über die Erwägun⸗ gen, die die Regierung dazu geführt haben, über die Er⸗ nennung eines Generalissimus zu beschließen. Ein befremdliches Vorgehen der amerikanischen Regierung. Berlin, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat der deutschen Regierung den Wunsch aus⸗ gesprochen, die Militärattachés und den Marin eattaché der deutschen Botschaft in Washington abzuberu⸗ fen. Da Einzelheiten über die Gründe dieses Ersuchens der ameri⸗ kanischen Regierung noch ausstehen, liegt die Möglichkeit noch nicht vor, nachzuprüfen, welche Gründe die amerikanische Regierung zu diesem Schritt bewogen haben. Der spanische Kabinettswechsel. Madrid, 9. Dez.(WTB. Nichbamtlich.) Meldung der Agence Havas Romanones ist mit der Bildung des 1 2 Ministeriums beauftragt. 11 ö N Ein französischer Bericht über die Kämpfe in Kamerun. Paris, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber die Opera⸗ tionen in Kamerun bringt der„Temps“ eine amtliche. Mit⸗ teilung des Kolonialministertums, wonach seit Anfang Oktober eine neue Kampfphase mit bemerkbaren Erfolgen eintrat. Der Feind sei, gleichzeitig von allen Seiten angegriffen, auf die beiden Zentralstellungen Joko und Jaunde zurückgegangen. Von Duala ging ein englisch⸗französisches Expeditionskorps unter General Dobell aus. Die Mitteilung des„Temps“ sagt ferner: Am 4. Oktober bemächtigten sich die englischen Abteilungen Sakbajenes, hundert Kilometer von Duala, am 10. Oktober Wum⸗ 5 biagas, am 3. November Ujoks fünf Kilometer von Jaunde. Nachdem die Franzosen im Süden Fuß faßten, zogen sie am 24. Oktober in Sende ein(30 Kilometer) und Eßkg(75 Kilo⸗ meter von Jaunde). Nördlich des Sanaga besetzte General Cun⸗ lliffe Kontscha am 24. Oktober Banja und eroberte am 6. No⸗ pember die sehr starken deutschen Stellungen auf dem Banja⸗ Berge. Oberst Brisset zog am 3. November in Tibati ein, von wo*. 1 1 mit dem wee Cunliffe auf Joko fortgesetzt wurde. Zwei Kolonnen marschieren von Bertnu und Dume auf Tiria. a —— der öeekrieg. London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Der Dampfer„Tunis“ ist ver⸗ senkt worden; die Besatzung wurde gelandet. London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Buregus. Einem Lloyd⸗Telegramm zufolge sind der ita⸗ lienische Dampfer„Dimis“ und das Segelschiff„Pretri Lofaro“ versenkt worden. London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Die britischen Dampfer„Veria“ und„Goulan⸗ dis“ wurden versenkt. Aus dem Reiche. Die Ernährungsfrage im Reichstagsausschuß. Berlin, 9.(WTB Nichtamtlich.) Der Hauptausschuß 5 des Reichstages begann heute abend die Einzelberatung der zur Ernährungsfrage vorliegenden Anträge. Das Zentrum er⸗ fuchte den Reichskanzler, zur Versorgung der Bevölkerung Deutsch⸗ lands mit Nahrungsmitteln schleunigst eine Zentralstelle für Le⸗ bensmittelversorgung beim Bundesrat zu schaffen unter Hinzu⸗ ziehung eines Beirates, der aus vom Reichstag ernannten Mit⸗ gliedern besteht. Die Zentralstelle soll das Recht erhalten, Lebens⸗ mittel zu beschlagnahmen und zu euteignen und sie den Kommunal⸗ verbänden zu überlassen. Staatssekretär Delbrück verwies auf Einrichtung der Reichsprüfungsstelle, die dem Antrage in der Hauptsache entspreche. Die Schaffung einer mit Beschlagnahme⸗ und Enteignungsbefugnis ausgestatteten Zentralstelle beim Bun⸗ desrat sei verfassungs⸗ und verwaltungsrechtlich nicht durchführ⸗ bar. Wenn bezüglich des Ausbaues der Geschäftsordnung der Reichsprüfungsstelle Wünsche beständen, würde er sie gewiß ent⸗ gegenkommend prüfen. Dem Wunsche auf Mitwirkung von Ab⸗ geordneten im Beirat der Reichsprüfungsstelle sei in vollem Um⸗ fange Rechnung getragen. Uebrigens seien sowohl in den einzel⸗ nen Provinzen wie in den Gemeinden Prüfungsstellen geschaffen der in der Bildung begriffen. Im Zusammenwirken dieser Stellen Die Behandlung der Sozialdemokratie in Baden. Karlsruhe, 9. Dez.(W 5 Nichtamtlich.) Im Haus⸗ haltsausschuß des Landtages erklärte auf die Frage eines Abgeordneten der Staatsminister Frhr. von Dusch, daß sich die Stellung der großherzoglichen Regierung zur S o⸗ zialde mokratie angesichts der vaterländischen Haltung dieser Partei im gegenwärtigen Kriege geändert habe. Als Grundsatz solle künftig gelten, daß wegen der Zugehörigkeit zur sozialdemo⸗ kratischen Partei allein eine ungleiche Behandlung in staats⸗ bürgerlicher Beziehung nicht stattfinden soll. Inzwischen ser auch bereits ein Sozialdemokrat zum Bezirksrat ernannt worden. Da⸗ ran zntsse jedoch in einem monarchischen Staate festgehalten werden, daß ein Beamter antimonarchischen Gesinmungen, weil mit dem geleisteten Treueid nicht vereinbar, nicht bekunden dürfe. Eine Unterfuchung der politischen Gesinnung der Beamten werde aber nicht erfolgen.— Der Finanzminister führte aus, daß die badische Staatseisenbahnverwaltung zur Einführung eines Eisenbahner⸗ reverses keine Veranlassung habe. 5 * Berlin, 9. Dezbr.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Verordnung über die Verjährungsfristen des Seerechts, die Vorlage über die Abkürzung einer Wartezeit in der Angestelltenversicherung, die Vorlage wegen Aenderung der Gebührenordnung für die Untersuchung des im Zollinland eingehenden Fleisches. Aus Stadt und Cand. Gießen, 10. Dezember 1915. * Auszeichnung. Dem Unteroffizier Rudolf Herzberger von hier, im Infanterie-Regiment 116 K. W., wurde am 25. Nov · das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen. * Beförderung. Der Vizefeldwebel Adolf Geisse aus Gießen, im Insanterie-Regiment Nr. 99, wurde zum Leutnant der Reserve befördert,. * Eine öffentliche Belobigung laut Parole erhielt von der Garnison Insterburg Unteroffizier Sauer, der zum etats⸗ mäßigen Unteroffizier befördert wurde. n Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 8. Dezember d. J. den Geometer 2. Klasse Jakob Lutz von Ober⸗Klingen mit Wirkung vom 1. Januar 1916 zum Gehilfen bei dem Revisionsgeometer des Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Ge⸗ werbe, ernannt. Ernannt wurde am 8. Dezember d. J. der Gehilfe Franz Heyl aus Darmstadt zum Gewerbeinspek⸗ tionsgehilfen mit Wirkung vom 16. Dezember 1915 an.— Der Großherzog hat am 8. Dezember d. J. den Finanz⸗ amtmann bei dem Finanzamt Gießen Finanzrat Gustav Berres zu Gießen und den Finanzamtmann bei dem Finanzamt Worms 1 Georg Stammler zu Worms zu Vorständen eines Finanzamts, die Obersteuerkontrolleure Finanzassessoren Wilhelm Ploch zu Offenbach und Wil⸗ helm Ohl zu Bingen zu Finanzamtmännern und die Finanzassessoren Dr. Wilhelm Ullmann aus Nieder⸗ Erlenbach und Karl Uhrig aus Kriegsheim zu Obersteuer⸗ kontrolleuren ernannt. Postpersonal nachrichten der Ob.⸗Postdirek⸗ tion in Darmstadt. Verliehen: Das Eiserne Kreuz erster Klasse dem Ober⸗Postinspektor Gies aus Darmstadt; das Eiserne Kreuz 2. Klasse dem Ober⸗Postinspektor Leonhardy, den Post⸗ sekretären Leoff aus Alzey und Schweitzer aus Darmstadt; die Hessische Tapferkeitsmedaille dem Ober⸗Postinspektor Goedtke von Adlersberg. Aus Anlaß des Scheidens aus dem Dienste der Titel „Ober⸗Postschaffner“ dem Postschaffner Wilhelm Kaffenberger in Jugenheim(Bergstraße). Zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert: Postverwalker Reitz aus Großfeld, Postassisent Altvatet aus Rüsselsheim und Telegraphenassistent Darmstädter aus Darmstadt. Angenommen als Pystgehilfe: Oberrealschü⸗ ler Blum in Mainz und Realschüler Schütz in Darmstadt; als Telegraphengehilfin: Anna Elz in Darmstadt, Therese Nagel in, Gießen und Friedericke Schuch in Offenbach; als Postagent: Kriegsinvalide Karl Nauth in Ebersheim Etatsmäßig ange⸗ stellt: Telegraphengehilfin Moser in Offenbach. Ver setzt: Pesekeetar Ditter von Mainz nach Trier als Ober⸗Postsekretär Postsekretär Zimmermann von Bad⸗Nauhekm nach Mainz, Ober⸗ Postassistent Mäuseler von Langen nach Cüstrin, Postassistent Braner von Osthofen nach Langen. Bestanden die Postsekretär⸗ prüfung: Ober⸗Postassistent Adam Müller in Mainz. Freiwillig ausgeschieden: Postagent Sieben in Ebersheim und Tele⸗ graphengehilfin Schell in Offenbach Fürs Vaterland ge⸗ fallen: Postgehilfe Gerber aus Oppenheim und Telegraphen⸗ gehilfe Diehm aus Darmstadt. * Errichtung einer Provinzialpreis⸗ prüfungsstelle. Für sämtliche 6 Kreise der Provinz stelle mit dem Sit in Gießen gegründet und durch Großh. Ministerium des Innern genehmigt worden. * Der Steuerzettel hat in der Stadtverordneten⸗ versammlung gestern eine merkwürdige Rolle gespielt. Der Nahrungsmittel-Ausschuß hat bekanntlich den Beschluß ge⸗ faßt, daß nur Einwohner mit einem steuerbaren Einkommen bis zur Höhe von 3000 Mk. von den wirklich billigen und guten Nahrungsmitteln, welche die Stadt beschafft hat, kaufen können. Auf Grund dieses Beschlusses hat Stadtbaumeister Braubach, der die Leitung des Waxenverkaufs in der Hand hat, bei dem Verkaufspersonal angeordnet, daß die Vor⸗ lage des Steuerzettels verlangt werden soll. Die Handhabung der Sache selber aber wird von dem die Käufer bedienenden Personal recht schonend behandelt. Die drei Damen, welche in der Hauptsache tätig sind, sind geborene Gießener Kinder und kennen die meisten der Frauen, welche einkaufen können. In vielen Fällen genügt schon der Steuerzettel in der Hand, ohne daß hineingesehen wird, um die gewünschte Ware zu be⸗ kommen. Man kennt die Frau Krause, die Frau Schulze und die Frau Meyer und wie die Einkäuferinnen alle heißen und weiß, daß deren Männer Arbeiter bei der Stadt oder bei Schaffstaedt mit weniger als 3000 Mark Einkommen haben. Es wäre auch ganz undenkbar, die Wünsche von 500 Ein⸗ käuferinnen in vier Stunden auf eine Anweisung, die durch⸗ geblaut wird und meistens 5—6 Artikel enthält, aufzuschrei⸗ ben, den Gegenwert der Waren auszurechnen und dabei pein⸗ lich jeden einzelnen Steuerzettel zu prüfen. Wer den Betrieb, der bis jetzt täglich einen Massenverkehr darstellt, beobachtet, der muß zugestehen, daß das Personal bei der Warenabgabe, um den Verkehr zu bewältigen, tüchtig arbeiten muß und daß es bei diesem Verkehr auch ganz unmöglich ist, jeden Steuerzettel eingehend zu prüfen. Man ist auch seitens der Verkäuferinnen in der Abgabe der Waren entgegenkommend, aber ihr Entgegenkommen hat eine Grenze. Ohne die Mög⸗ lichkeit zu haben, die Einkommensteuerverhältnisse in Zwei⸗ felsfällen an Hand des Steuerzettels nachprüfen zu können, würde der Beschluß des Ausschusses nicht auszuführen sein. Jedenfalls findet die Bevölkerung, die ihre Einkäufe bei der Stadt macht, sich durch die Bedingung, den Steuerzettel vor⸗ zulegen, nicht betroffen. Es ist allerdings auch vereinzelt vor⸗ gekommen, daß Personen abgewiesen wurden, die keinen Steuerzettel vorzulegen in der Lage waren, bei diesen aber hat es sich, wie e ist, auch um Bürgersfrauen ge⸗ handelt, deren Verhältnisse nicht dazu angetan sind, si billige Seife oder billigen Reis zu verschaffen.— Nun 905 einige Bemerkungen an unsere Bevölkerung: Der Hinweis in der Presse, alles vorher auf einem Zettel zu mit der Reichsprülfungsstelle werde man einen Ueberblick über die Preisbildung auf dem Lebensmittelmarkt gewinne. schreiben, was man zu kaufen beabsichtigt, hat schon gewirkt, und die Abwicklung ging infolgedessen gestern schon Oberhessen ist eine gemeinsame Provinzialpreisprüfungs⸗ viel schneller vor sich. Ein Uebelstand ist bei der ag berechnung, daß es keine glatten Pfennigbeträge gibt. Kassierer 2 Abfertigungsstelle kann, da fast bei jedem der 500 täglichen Einkäufer einige Kup„ herausge⸗ geben werden müssen, unmöglich über soviel rotes Geld verfügen wie nötig ist. Es entsteht daher immer, wenn das upfergeld fehlt, ein unliebsamer Aufenthalt. Es iche bei der Abfertigung weit besser, wenn unsere Frauen, el sie in den städtischen Kolonialwarenhandel gehen, sich für 1 Mk. kleines Wechselgeld besorgen, um damit aus⸗ zuhelfen, wenn es nötig ist. Es 1 wiß nur dieses 1 um auch hierdurch eine serung herbeizu⸗ ühren. i * Die Ergebnisse des städtischen Gas⸗ werks für 1914/15 liegen jetzt vor und zeigen, soweit die rein finanzielle Seite in Frage kommt, ein recht befriedigen⸗ des Bild. Aber auch die einzelnen Zahlenausweise des Be⸗ triebs zeigen, daß unser Werk sich in guten Händen befindet, die es verstehen, die Rückschläge, die der Krieg nun einmal bringt, tunlichst auszugleichen. Der Bericht des Werks äußert sich wie folgt: Die im Voranschlag für das abgelaufene Rechnungsjahr vorgesehene Gasabgabe wurde nicht er⸗ reicht, weil mit dem Ausbruch des Krieges Handel und Wandel ins Stocken geriet. Es wurde infolge davon mit der Beleuchtung und auch mit dem Verbrauch von Heizgas spar⸗ samer umgegangen als in Friedenszeiten. Allerdings hat der Petroleummangel zahlreiche neue Anschlüsse gebracht, doch wurde dadurch der Ausfall im Gasverbrauch nicht ausge⸗ glichen. Es darf aber für das laufende Jahr mit einem stark vermehrten Gasabsatz infolge der immer noch sich vermehren⸗ den neuen Anschlüsse gerechnet werden. Die Gasmenge. die in 1914/15 hergestellt wurde, beläuft sich auf 2274 280 Kubikmeter und ging gegen das Vorjahr um 18 270 Kubik⸗ meter= 0,80 Proz. zurück. Von der produzierten Gasmenge entfallen auf Leucht⸗, Koch⸗ und Heizgas 1636 579 Kubikm. gegen, 1618 575 Kubikm. im Vorjahre), auf Motoren⸗ und Industrieheizgas 90092 Kubikm.(116 765 Kubikm.), auf Ballongas 1575 Kbm.(2520 Kubikm.), auf Straßenbeleuch⸗ tung 315 500 Kubikm.(310052 Kubikm.), auf Selbst⸗ verbrauch, Verlust und Verdichtung 230534 Kubikmeter (244 638 Kubikm.). Die Gasmesserzahl hat sich bis zum Schluß des Rechnungsjahrs von 4694 im Vorjahr auf 5072 vermehrt. Die Zahl der Gasflammen die durch die Gasmesser in ihrem Verbrauch kontrolliert werden, ist von 20 623 auf 21.866 gestiegen. Ferner sind in der Stadt 16 Gaskraftmaschinen mit 80 PS(gegen 15 Ma⸗ schinen mit 75 PS) vorhanden. Für die Straßenbeleuch⸗ tung sind am 1. April 1915 910 Laternen mit 944 Flammen vorhanden. Die Kosten dieser Straßenbeleuchtung belaufen sich, was den Gasverbrauch anlangt auf 44 569 Mk.(gegen 45 189 Mk.). Eine Nachtlaterne brannte im Jahre 3858 Stunden und kostete einschließlich Glühkörperersatz 70 Mk., eine Abendlaterne brannte nur 1860 Stunden im Jahr und erforderte an Kosten 42 Mk. Zur Herstellung der Gas⸗ mengen wurden im ganzen 7670 Tonnen Kohlen verbraucht. Das Ergebnis aus einer Tonne Kohlen war: 296,53 Kubik⸗ meter Gas, 741,33 Kilogramm Koks, 52,45 Kilogramm Teer und 2,51 Kilogramm Ammoniak. Das Hauptrohrnetz des Werkes betrug am Ende des Rechnungsjahres 42 897 Meter für die Hausanschlüsse und die Laternenzuleitungen 22 242 Meter. Der Gesamtüberschuß des städtischen Gaswerks beträgt 185308 Mk. r er 183 103 Mk.); nachdem 20 682 Mark(gegen 20745 Mk.) zur Verzinsung der Schuld und 23 253 Mk.(22 217 Mk.) zur Schuldentilgung sowie 10000 Mark(15 000 Mk.) zur Abschreibung abgeführt worden sind, verblieb ein Reingewinn an dem städtischen Werk von 131372 Mk.(124529 Mk.), der in die Stadtkasse fließt. Interessant ist bei dieser Zahlenwiedergabe, daß trotz einer geringeren schuß sich n von Gas gegenüber dem Vorjahr der Bruttoüberschuß sich um rund 2200 Mk. heuer höher be⸗ ziffert. Der rechnungsmäßige Reinüberschuß stellt sich jedoch um 6200 Mk. im letzten Jahr höher als im Vorjahr, Die Werkleitung hat also mithin trotz vieler ungünstiger Umstände im letzten Jahre vorteilhafter gewirtschaftet. Man hat z. B. beim eigenen Gasverbrauch infolge vorteilhafter neuer Ein⸗ richtungen wesentliche Ersparnisse gemacht, ist auch nicht, wie andere Gaswerke, im Kriegsjahr mit Kohlen in Verlegenheil gekommen. * Berechtigte zum Einj.⸗Freiw.⸗Dienst⸗ jahr. Nach der im heutigen Blatt erscheinenden Bekannt⸗ machung des Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission werden die im Besitze des Berechtigungsscheines zum einjährig⸗frei⸗ willigen Dienst befindlichen Landsturmpflichtigen, die in 1897 geboren sind, aufgefordert, die Berechtigungsscheine auf Zimmer 4 des Regierungsgebäudes vorzuzeigen. * Alice⸗ Frauenverein. Auf Einladung der Frau Fürstin zu Solms⸗Hohensolms⸗Lich versam⸗ melte sich in diesen Tagen im Schloß zu Lich ein kleiner Kreis von Damen und Herren zu einer Besprechung in Sachen des Alec-Frauenvereins, dem gerade infolge des Krieges in weiten Schichten der hessischen Bevölkerung ein reges Interesse entgegengebracht wird. Man war der An⸗ sicht, daß auch im Kreise Gießen die Bildung von Frauen⸗ vereinen zum Segen der Gemeinden selbst wie auch zur Förderung der 192 gemeinsamen vaterländischen Auf⸗ gaben sicher erfolgen werde, sobald eine allgemeinere inten⸗ sivere Aufklärung über den humanen Zweck dieser Vereine geschehe; haben doch die Gemeinden des Kreises und nicht zum wenigsten die Frauen in ihnen im Laufe des Krieges hervorragende Mitarbeit bewiesen bei allen Anforderungen und Wünschen, die in dieser Beziehung an sie herantraten. — Man äußerte weiterhin den Wunsch, daß die kirch⸗ lichen Frauenvereine oder andere bereits bestehende Gemeindefrauenvereine, die hier und da schon längst stille treue Arbeit geleistet haben, unbeschadet ihrer Eigenart Selbständigkeit und ohne die freie Verfügung über ihre Mittel aufzugeben, sich als außerordentliche Mitglieder anschließen möchten, wodurch es möglich sein würde, sofort in Kürze der Gründung eines Hreisver bandes näher zu treten. Auf allgemeinen Wunsch erklärte sich die Für stin zu Solms⸗Hohensolms bereit, den Vor⸗ sitz zu übernehmen, während Geheimerat Dr. Usinger das Amt eines Schriftführers auszuführen versprach. Er m praktische Vorschläge, wonach der Kreis Gießen in 6 irke zu teilen ist, für die je eine Vertrauens⸗ dame vorgeschlagen wurde, mit der Aufgabe, innerhalb ihres Bezirkes für das Verständnis des Vereinszweckes praktisch zu wirken, so daß hierdurch von vornherein eine Arbeitsteilung und persönliche Fühlung mit den maßgeben⸗ den Persönlichkeiten gegeben ist. Der sriftführer hat be⸗ reits in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreiskomi⸗ tees für Rotes Kreuz und Kriegsfürsorge im Kreise Gießen diese Bezirkseinteilung den Vorsitzenden der Ortsausschüsse für Rotes Kre Wunsche, mit Rat und Tat behilflich zu sein. Auch über andere praktische Fragen, wie über Erledigung der Gesuche um Kriegskinderspende deutscher Frauen wurde beraten und Beschluß gefaßt, das Satzungs. in den Landgemeinden mitgeteilt mit dem .