dietener erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis- blatt für n kreis Gießen (Dienstag Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche eitfragen Fernsprech- Auschlasse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. f N General⸗Anzeiger für notationsdruck und verlag der Brühl schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Bec, sämtlich in Gießen. zei berhessen TT ö* Vonnerstag, 9. Dezember 1015 Bezugsprei monatl. 85 Pf., viertel · jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.20 viertel ⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., Aust. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Ochrida von den Bulgaren besetzt. Neue Niederlage der Franzosen im Wardartale. Die Kongreßbotschaft Wilsons. (WTB.) Großes Hauptquartier, 8. Dezember. Amtlich.) 5 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Versuche des Feindes, uns den Erfolg östlich von Auberive streitig zu machen, scheiterten. Außer den Ge⸗ 10 sind dort drei Maschinengewehre in unsere Hand gefallen. Nordöstlich von Souain wurde den Franzosen die Stellung auf der Höhe 193 von einer Ausdehnung von etwa 500 Meter entrissen. Vier Gegenangriffe wurden abgeschla⸗ gen. Ein Offizier, hundertzwanzig Mann sind gefangen ge⸗ nommen, zwei Maschinengepehre erbeutet. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Front der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls a v. Hindenburg wurden vereinzelte Vorstöße schwächerer russischer Abteilun⸗ gen zurückgeschlagen. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Bei Ipek wurden achtzig Geschütze und viel Kriegs⸗ gerät erbeutet. Gestern sind über zweitausend Gefangene ge⸗ macht worden. Oberste Heeresleitung. ** * Wir haben in den letzten Tagen mehrere Reden maß⸗ gebender Staatsmänner lesen und prüfen können, zu denen cuch der Papst gehört, sofern er sich mit den großen politi⸗ schen Ereignissen, die jetzt Europa bewegen, beschäftigt. Heute liegen vor uns die großen Kundgebungen des un⸗ garischen Ministerpräsidenten und des Präsidenten der Ver⸗ einigten Staaten von Nordamerika. Und sodann haben wir wohl auch noch eine bedeutsame Rede unseres Reichs⸗ kanzlers zu erwarten. Vergleiche und kritische Betrach⸗ tungen drängen sich da ganz von selbst auf. Graf Tis za, der unbeugsame Lenker der Regierung in Ungarn, hat na⸗ turgemäß in erster Linie die Lage auf dem Balkan näher in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Die große „Seelenruhe“, mit der er und die Monarchie der Entschei⸗ dungen Griechenlands und Rumäniens harren, hat etwas höchst imponierendes, und man darf sich davon einen star⸗ ken Eindruck auch in Athen und besonders in Bukarest ver⸗ sprechen. Während Tisza von Griechenland keine feindselige Haltung erwartet, im Gegenteil den Tag der vollen Reife des Geschehens abwarten zu wollen erklärt, hat er in Bezug auf Rumänien mit starker Beherztheit verschie dene Möglichkeiten kühl erörtert. Ohne sich eifervoll in die inne⸗ ren Angelegenheiten des Landes einzumischen, hat Tisza doch einige Saiten berührt, die in Rumänien nicht ihren Klang verloren haben können. Er erinnerte an die Politik des Königs Karol, für deren Fortsetzung heute, nach den entscheidenden Schlägen im nahen Osten, eine Menge guter Gründe sprechen.„Wir halten,“ so sagte Tisza mit ruhi⸗ gem Vertrauen auf die Besonnenheit der Leiter des rumä⸗ nischen Staates,„an der Auffassung fest, daß Rumäniens natürlicher Platz an unserer Seite und im Bündnisse mit uns ist. Wir richten demgemäß unsere Politik gegenüber Rumänien ein.“ Liegt in diesen Sätzen eine Anspielung auf die Vorgänge, die vor einigen Tagen ein fvanzösischer Kri⸗ tiker im Auge hatte, als er von einer angeblichen Offen⸗ sive der verbündeten Mittelmächte auf Bessarabien sprach? Wir wissen es nicht, denn unsere Heer⸗ führer pflegen ihre Unternehmungen nicht vorher an⸗ zukündigen. Soviel ist klar, die rumänische Haltung gleicht heute noch der Sphinx, mit der sie öfter verglichen worden ist. Tisza hat indessen noch dem„sicheren Bewußtsein“ Aus⸗ druck gegeben,„daß wie Rumäniens Entschluß ausfallen möge, dieser keinen entscheidenden Einfluß auf das Schicksal der Monarchie ausüben wird“. Das heißt: wir fürchten an der Seite Deutschlands, Bulgariens und der Türkei nicht das Mindeste. . Was die Kongreßbotschaft des Präsidenten Wilson enthält, spiegelt wahrlich nicht im mindesten die heutige Weltlage. Ja, wenn England und seine Bundesgenossen gesiegt hätten, wenn Wilsons Glaube an diesen Sieg seine Rechtfertigung gefunden hätte, würde der Kongreß viel⸗ leicht eine andere rednerische Betrachtung zu erwarten gehabt haben! Was der Botschaft des Präsidenten an gro⸗ ßem politischen Gehalt fehlt, das glaubte er durch tempera⸗ mentvolle, in sehr persönlichem Ton vorgetragene An⸗ llagen gegen amerikanische Mitbürger deutscher Abkunft ersetzen zu können. Denn 85 ist dar 75 er die bösen Deutschen im Auge gehabt hat, als er von fremden Intriguen sprach. Diese heftige Hervorkeh⸗ rung innerer Gegensäße, diese etwas breite und aufdring⸗ liche Moralpredigt, die im Grunde doch Dinge betrifft, die in der Natur der großen weltpolitischen Geschehnisse liegen, die nun einmal nicht ohne Leidenschaftlichkeit erörtert und be⸗ griffen werden können, waren nicht eigentlich staatsmännisch und großzügig. Hat Amerika nicht heute schon Zukunftsauf⸗ gaben ins Auge zu fassen, die wichtiger und weittragen⸗ der sein werden? Und sieht Präsident Wilson nicht ein, daß seine Politik keineswegs vom Geiste wahrer Neutralität geleitet war und darum mit Widerspruch sich abzufinden hatte, der gerade in einem so eigenartig gestuften Volke wie dem amerikanischen lebhaftere Formen annehmen mußte? Die Dinge sind zu bekannt, als daß man sie wiederholen müßte. Da tut es die Berufung auf die eigene Unfehlbarkeit wahrlich nicht! Die aufgekochte Monroedoktrin, wie sie Wilson in seiner Botschaft gepredigt hat, wird kein hinlänglicher Ersatz für das völlige Fehlen eines großen Ueberblicks über die Weltlage sein und darum nur geringes Aufsehen machen. Der Präsident ließ es an einem wirklich positiven Zukunftsprogramm fehlen. Er fühlt es wohl selbst, daß er nicht der Mann sein wird, bei der Lösung der Friedensfrage späterhin entscheidend mitzuwirken. Wilson fühlt eine all⸗ gemeine Lage heranreifen, die, wenn sie Amerika natürlich auch ein großes Uebergewicht bringen wird, doch allzu wenig den Bahnen entspricht, die die Vereinigten Staaten unter ihrem jetzigen Präsidenten eingeschlagen haben. ** E Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Czartorysk vertrieb österreichische Landwehr stärkere russische Erkundungsabteilungen. Sonst nichts Neues. 0 Italienischer Kriegsschauplatz. Die Geschützklämpfe an der Isonzofront waren gestern heftiger als in den letzten Tagen. Nachmittags schritt der Feind zum Angriff auf den Nordteil der Hochfläche von Doherdo. Gegen den Monte San Michele brach die italienische Infanterie in 2207 Massen vor. Am nördlichen Hange des Berges gelang es ihr, in einen Teil unserer Front einzudringen. Unsere Truppen gewannen durch Gegenangriff in erbittertem Handgemenge ihre Gräben wieder vollständig zurück; im übrigen wurde der feindliche Ansturm durch Feuer unter schweren Verlusten der Italiener zurückgeschla⸗ gen. Auch im Abschnitte von San Martino scheiterten mehrere Vorstöße des Gegners. Abends wurde Sistiana von mehreren italienischen Torpedofahrzeugen beschossen.„ Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Angriffe gegen die montenegrinischen Stellungen nördlich von Berane haben Erfolg. Wir erstürmten an mehreren Punkten die feindlichen Linien. Ipek ist vom Gegner gesäubert. Unsere Truppen erbeuteten 80 Ge⸗ schütze, 160 Munitionswagen, 40 Automobile, 12 fahrbare Feldbacköfen, einige Tausend Gewehre und viel anderes Kriegsgerät. Die Zahl der gestern von der Armee des Generals b. Köveß eingebrachten Gefangenen übersteigt abermals 2000 Maun. Unter ihnen befinden sich 300 Montenegriner. Die Arnauten nehmen überall an den Kämpfen gegen die Reste der serbischen Armee teil. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ein italienischer kleiner Kreuzer versenkt. Wien, 8. Dez.(Drahtbericht.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: Eines unserer Unter seeboote hat am 5. d. M. um 10 Uhr vormittags vor Valona einen italieni⸗ schenkleinen Kreuzer mit zwei Schloten versenkt. Flottenkom mando. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) Der bulgarische Bericht. Sofia, 8. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 6. Dezember: Die Verfolgung der Franzosen auf beiden Wardarufern wird unaufhaltsam von unseren Truppen fort⸗ gesetzt. Die von Kischewo gegen Ochrida vorrückende Kolonne er⸗ reichte die Linie Cerna— Voda—Besocan—Velmei(15 Kilometer nördlich des Ochridasees. In Monastir wurden unsere Truppen feierlich mit großem Gepränge empfangen. Die ganze Bevölkerung war ausgerückt, um unsere siegreichen Truppen mit begeisterten Zurufen zu begrüßen. Die Beute in Monastir betrug: zwei Depots mit Gewehren und Kriegsmaterial sowie Handbomben, ein Depot mit Uniformen, Decken, Automobilen, Benzin und vielem anderen Material. In Dibra wurden 1000 Gewehre, 120 Kisten mit Patronen und 22 Kisten mit rauchlosem Pulver erbeutet, sowie 750 Mann gefangen. In Dibra ist auch ein Lager mit österreichisch⸗-ungarischen Kriegsgefangenen an⸗ getroffen worden, die seit zehn Tagen kein Brot erhalten hatten. 80 von diesen waren halbtot. Es wurde sofort angeordnet, daß sie ärztliche Hilfe und Nahrung erhielten. Sofia, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 7. Dezember. Die Verfolgung der Franzosen beiderseits des Vardar wird von unseren Truppen fort⸗ gesetzt. Wir besetzten die Eisenbahnstation Demirkapu und stehen 12 Kilometer östlich derselben. Unsere Truppen haben das Dorf Grabico(auf der Karte nich auffindbar) von drei Seiten eingeschlossen. Es kam hier zu einem heißen Kampf, der bis Mitternacht dauerte. Eine unserer Kolonnen griff ein feindliches Bataillon bei dem Dorfe Petorz an, südlich der Bahnstation Hudowa, und zersprengte es durch einen Baionettangriff und nahm dessen Lager vollständig in Besitz Unsere südlich 1 mitza operierenden Truppen sind südlich von e 25 gerückt; sie greifen die Franzosen und Engländer auf der ganze Front an. 114 Engländer sind gefangen genommen, zwei Kanonen, zwei Munitionswagen und ein Maschinengewehr erbeutet worden. Es wird erbittert gekämpft. 15 Unsere von Kitschewo und Monastir gegen Ochrida vorrückenden Kolonnen 0 ind 85 die 9 5 und haben die Stadt Ochrida in Besitz g f An der serbisch-montenegrinischen Front dauert das Einsammeln der ungeheuren Mengen von Beute bei Dialowa fort. 18 Kanonen, 100 Munitionswagen, 15 Automobile, vier Fuhrwerke mit Kriegsmaterial usw. wur erbeutet. Montenegrinische Berichte. Cetinje, 6. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Verspätet einge⸗ troffen. Amtlicher Bericht. Am Morgen des 4. e schoß ein österreichisch-ungarisches Geschwader, das aus einem Kreuzer und sieben Torpedobootszerstörern be⸗ stand, San Giovanni di Medua; zwei Dampfer, darunter ein italienischer, sanken, ebenso zehn montenegrinische, mit Lebensmitteln beladene Segelschiffe. Ein französisches Unterseeboot wurde an der Küste nahe Bojana zerstört und die Besatzung gefangen. 5 8 Cetinje, 8. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht. Am 5. Dezember griff der Feind unsere Vorposten bei Tscherre⸗ risch und in der Richtung Plevlje an. Durch hartnäckigen Widerstand hielten sich unsere schwachen Abteilungen den ganzen Tag, um sich sodann auf die Hauptverteidigungsstellung zurück⸗ zuziehen. In Berücksichtigung der Gesamtlage mußten wir den Bezirk von Djako va räumen. An den anderen Fronten keine Veränderung. Am Morgen des 6. Dezember überflogen zwei österreichisch-ungarische Flugzeuge Cetinje und 0 Bomben herab, die nur unbedeutenden Sachschaden aurichteten eine fiel auf den Tennisplatz der englischen Gesandtschaft, eine andere an den Gartenrand der französischen Gesandtschaft und sprengte einige Fensterscheiben. König Nikolaus begab sich sogleich in beide, um die Gesandten Frankreichs und Englands zur besuchen. N Straßenkämpfe in Ipek. Berlin, 9. Dez. In Ipek spielten sich, wie ver⸗ schiedenen Morgenblättern gemeldet wird, infolge des ser⸗ bischen Widerstandes mit den in mehreren Kolon⸗ nen eindringenden österreichisch-ungarischen Truppen heftige Straßenkämpfe ab. Bulgarische Siegesfreude. Sofia, 8. Dez.(WT. Nichtamtlich) Meldung der Agence Bulgare. Die Einnahme von Monastir hat unter der Be⸗ völkerung begeisterten Jubel hervorgerufen. Nach den Freuden⸗ kundgebungen des Vormittags bildete sich nachmittags auf Ver⸗ anlassung der mazedonischen Wohltätigkeitsgesellschaften ein großer Zug, welcher mit einer Musikkapelle an der Spitze sich zum Königspalast und dem Ministerratsgebäude, sowie den Gesandt⸗ schaften der verbündeten Mächte bewegte. Dem König und den Mit⸗ gliedern der Regierung, sowie den Vertretern der verbündeten Mächte wurden stürmische Kundgebungen bereitet. An der Kund⸗ gebung, welche mehr als vier Stunden dauerte, nahmen Tausende von in Sofia wohnenden Mazedoniern teil. In patriotischen Reder wurde die große Freude der Nation, sowie die feste Zu⸗ versicht, daß sich die von ihr ersehnte Einheit verwirklichen werde, warfen acht R ausgedrückt. Ministerpräsident Radoslawow richtete an die 5 Volksmenge eine Ansprache, in welcher er betonte, das Volk sei stolz auf die Erfolge seiner Truppen und auf die Zukunft, welche diese ihm vorbereiten würde. Die Einnahme von Monastir be⸗ deute eine wichtige Etappe in der Aera des Gedeihens, welche für Bulgarien anhebe. Während der Kundgebung ertönten immer wieder Rufe: Es lebe das geeinigte Bulgarien, es leben die Ver⸗ bündeten! 55 ö Besonders eindrucksvoll gestalteten sich die Kundgebungen vor der österreichisch⸗-ungarischen Gesandtschaft. Hier hatten mehrere tausend Personen, fast durchweg Angehörige der besseren Stände, sich mit Fahnen und zwei Musikkapellen ein⸗ gefunden. Mehrere Redner betonten, die Bulgaren hätten den heutigen großen Tag, welcher die endgültige Befreiung Maze⸗ doniens bedeute, hauptsächlich der Mitwirkung der verbündeten Großmächte zu verdanken, wofür sie diesen stets dankbar seien. Begeisterte Hurrarufe auf den Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm, den Sultan und die verbündeten Armeen folgten. In einer Erwiderungsansprache wurden die tapferen bulgarischen Ar⸗ meen, die Vereinigung Großbulgariens und König Ferdinand gefeiert, was neuerlich endlosen Jubel und Beifall erweckte. Die Kundgebung schloß mit der Volkshymne:„Schumi Maritza!“ * 1* 1 Der türkische Bericht. Konstantinopel, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Mittei⸗ lung des Hauptquartiers von gestern abend: An der Irak⸗ Front verhindern unsere Truppen den Feind durch kräftige An⸗ griffe, sich in seinen befestigten Stellungen bei Kut el Amara vollständig einzurichten. Am 6. Dezember näherten sich unsere Truppen mittelst eines sechs Stunden dauernden hestigen Angriffes erfolgreich der Hauptstellung des Feindes. In diesem Kampfe nahmen wir ein Maschinengewehr und schossen ein feindliches Transportschiff durch unsere Geschütze in Brand. Wir stellten fest daß der Feind infolge seiner Niederlage bei Selman⸗ pak eine Kriegsgerät vergrub und Geschütze, Gewehre und Munition in den Tigris warf. An der Dardanellenfront beschoß uns der Feind bei Anaforta unter Mitwirkung seiner Schiffe mit Unter⸗ brechungen aus verschiedenen Richtungen. Unsere Artillerie er⸗ widerte und nahm die Lager, Schützengräben und Transporte mit Bedienungen beim Feinde unter wirksames Feuer. Bei Ar Bur⸗ nu ziemlich heftiger Kampf mit Bombenwerfern und Geschützen. Unsere Artillerie erwiderte kräftig und brachte einen Teil der feind⸗ lichen Batterien zum Schweigen, verjagte einen feind⸗ lichen Kreuzer, welcher sich Ari Burnu zu. nähern ver⸗ suchte, zerstörte feindliche Schützengräben und einen Teil einer g Griechenland augenblicklich mit Schwierigleiten kämpft, auf und Deutschland suchen müsse. Das war die zur Ueberlieferung allem die Politik des größten Staatsmannes, der bisher Bombenwerferstellung. Bei Sedd ül Bahr ziemlich heftsges feindliches Feuer mit Geschützen, Bombenwerfern und Lufttorpe⸗ 5 Unsere Artillerie erwiderte und brachte dieses Feuer zum Schweigen. Von den anderen Fronten ist nichts zu melden. Konstantinopel, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Telegramm aus Bagdad erbeuteten die unter dem tuͤr⸗ kischen Befehl stehenden Krieger zwischen Kermanschah und Sirma in Persien drei Maschinengewehre, und machten 300 Kosaken unter dem Befehl des Offiziers Samanteff zu Gefangenen.— Die Blätter besprechen die von den türkischen Truppen im Irak errungenen großartigen Siege und weisen auf die große Bedeutung, insbesondere auf die moralische Wirkung hin. Der Tanin“ schreibt: Diese Siege stellen einen viel versprechen⸗ den Anfang der neuen Phase des Krieges dar, dessen Schwer⸗ punkt sich mehr und mehr nach Osten verschiebt. . Daest Lago bein eee, 75 J, nmel ole en loc Tl, Zubin Isen * „ e Hen 200 ELLE 2A — Graf Tisza über die Baltanlage. Budapest, 8. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Abgeord⸗ netenhaus. Ministerpräsident Graf Tisza äußerte über die Balkan verhältnisse: Sicherlich erwartet das Haus nicht, daß ich mich jetzt mit der griechischen Frage eingehender befasse, da die jede Regierungserklärung nur störend einwirlen könnte. Wir müssen in vollem Maße Griechenlands jetzige schwierige Lage be⸗ rücksichtigen. Andererseits müssen wir den Ereignissen eine solche Richtung geben, daß Griechenland in der Friedensarbeit eine Stel⸗ lung einnehmen kann, die ihm naturgemäß gebührt.(Allgemeine, lebhafte Zustimmung.) Andererseits glaube ich, kann man den An⸗ schluß Bulgariens an das zentraleuropäische Bündnis auch in Rumänien ohne jedes Bedenken aufnehmen. Ich glaube, die große Mehrheit der ungarischen öffentlichen Meinung und ich jedenfalls hatten die natürliche Orientierung Rumäniens so beur⸗ teilt, daß Rumänien gegenüber der drohenden größten Gefahr einer russischen Expansion die Wahrung seiner Interessen und die Bürg⸗ schaften seiner Sicherheit in einem Bündnis mit der Monarchie großen rumänischen Staatsmänner, 5 8 Schicksal Rumäniens in Händen hatte, die Politik des hochseligen Königs Karol. Ich werde mich jetzt insbesondere von diesem Platze aus jeder Kritik enthalten. Aber wenn ich die einfache Tatsache feststelle, daß leider in der letzten Zeit diese Politik zu schwanken ien, daß in Rumänien auch eutgegengesetzte Strömungen auf⸗ Politik fassung von vielen hätte nehmen sollen, so enthalte ich mich damit jeder Kritik. Es ist schließlich Sache Rumäniens, zu beurteilen, wem es sich im eigenen Interesse anschließen soll. Wir können mit vollkommener Seelenruhe dem Entschlusse Rumäniens entgegensehen, die einerseits das Bewußt⸗ sein gibt, daß zwischen uns und Rumänien eine Gemeinsamkeit wohlverstandener Interessen besteht, andererseitg das sichere Bewußtsein, daß, wie Rumäniens Ent⸗ schluß ausfallen möge, dieser kñeinen entscheiden⸗ den Einfluß auf das Schicksal der Monarchie aus⸗ üben wird.(Lebhafte Zustimmung.) Wir halten an der Auf⸗ fassung fest, daß Rumäniens natürlicher Platz an unserer Seite und im Bündnisse mit uns ist. Wir richten demgemäß unsere Po⸗ litik gegenüber Rumänien ein. Aber wir überlassen es vollständig den politischen Führern des unabhängigen rumänischen Staates, ob sie sich auf diesen Standpunkt stellen und Folgerungen daraus ziehen. wollen oder nicht. Jedenfalls erhöht die Verbindung, die der Bund der beiden mitteleuropäischen Mächte mit Bulgarien und der Türkei einging, den Wert unseres Bündnisses für Rumänien. Denn diese Verbindung gewährt Rumänien an seiner südöstlichen und südlichen Grenze vollkommene Sicherheit, wenn es sich uns anschließen würde. Andererseits bringt sie die Monarchie in die Lage, daß wir mit vollkommener Seelenruhe den künftigen Er⸗ eignissen entgegensehen können.(Zustimmung vechts.)) Tisza wendet sich dann gegen die Acußerung des Grafen Karolhi und erklärt entschieden, er könne die Bemerkung, es sei zweifelhaft, wer den Krieg begonnen habe. nicht unter⸗ schreiben. Die Monarchie sei zweifellos dem Verteidigungs⸗ charakter des Bündnisses treu geblieben. Die Aeußerungen der Ententepresse würden selbst zeigen, daß man auch auf geg⸗ nerischer Seite den Zweibund nicht eines 9 babe be⸗ schuldigen können, nachdem die Monarchie bei Kriegsbeginn als der zweite kranke Mann in Europa hingestellt und ihre Zurück⸗ stellung als eines der Kriegsziele der Entente bezeichnet wurde. Niemals habe es einen gerechteren Existenzkampf gegeben, einen gerechteren Selbstverteidigungskrieg, als den gegenwärtigen. Ueber die Frage des Friedensschlusses sagte Tisza: Wann der Friede zustande kommt, hängt ausschließlich von un⸗ seren Feinden ab. Je später die Feinde zu der. kommen, daß ein weiteres Kriegführen nur ein zweckloses un verbrecherisches Blutvergießen ist, je größere Siege werden wir ernten, bis diese Ueberzeugung eintritt, und je größer die Opfer sein werden, die der Krieg auferlegt, umso schwerer werden für unsere Feinde die Friedensbedingungen sein.(Zustimmung rechts und in der Mitte.) N Die Botschaft des Präsidenten Wilson. des Reuterschen Buveaus Die Botschaft des Präsidenten Wilson an den Kongreß spricht sich in sehr heftigen Worten über Komplotte in den Vereinigten Staaten aus. Wilson beschuldigt Deutschland zwar nicht direkt, für die Komplotte verant⸗ wortlich zu sein, spielt aber in allgemeinen Ausdrücken darauf an. Der Präsident sagt, er glaube nicht, daß eine unmittelbare Gefahr für die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern bestehe. Er fährt fort:„Ich muß leider mitteilen, daß die schwersten Drohungen gegen den nationalen Frieden und die Sicherheit innerhalb unserer eigenen Grenzen ausge prochen wor⸗ den sind. Zu meinem Bedauern muß ich zugeben, daß Bürger, die unter anderen Flaggen geboren wurden, aber in Amerika natu⸗ ralisiert wurden, die Autorität und den guten Namen der Regie⸗ rung in Verruf zu bringen und unsere Industrie zu vernichten suchten, wo sie es als im Interesse ihrer Rachgier gelegen betrach⸗ teten, daß sie versuchten, gegen sie Schläge zu führen und unsere politischen Bestrebungen ausländischen Intriguen unterzuordnen.“ Obwohl die Zahl dieser Personen im ergleich zu anderen Fremden und Einwanderern gering sei, haben sie die Vereinigten Staaten doch zu energischen Maßnahmen gezwungen. Amerika habe niemals erwartet, daß Männer deutschen Ur⸗ sprungs, welche bei der Erfüllung ihrer Untertanenpflicht so viele Freiheiten genießen, in böswilliger Absicht sich gegen eine Regierung und ein Volk wenden würden, das sie willkommen hieß und ernährt. Der Präsident fordert den Kongreß auf, Gesetze zu schaffen, die eine ausreichende Bürgschaft gegen dieses Uebel bieten. Solche von Leidenschaft und Treulosigkeit erfüllten anar⸗ chistischen Kreaturen müßten vernichtet werden. Weiter heißt es in der Botschaft: Ich wollte, es könnte ge⸗ sagt werden, daß nur einige Männer durch falsche Gefühle zu einer Ergebenheit gegenüber den Regierungen, unter denen sie geboren wurden, verleitet worden sind, und sich der irrtümlichen Auf⸗ fassung der Prinzipien dieses Landes schuldig gemacht haben. . f. zutauchen begannen, und daß infolgedessen Rumänien nicht den Aber Alatz in diesem Weltkriege eingenommen hat, den es nach der Auf⸗ viele unter uns und zahlreiche Personen im Auslande haben, obwohl sie in den Vereinigten Staaten geboren und erzogen wur⸗ 2 Sn. —— 87 %, Beige N Zaeeesbees, U „. 2 s 6 5 Ju Washington, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung A den. sich und ihre Ehre als Bürger so weit ihrer Sympathie mit der einen oder anderen Partei europäischen Kriege leidenschaftlich Ausdruck gegeden haben, und soweit gingen, selbst Treulosigkeit zu predigen. Ich kann nicht von den anderen sprechen, ohne auch diese zu erwähnen, um dem Gefühle nach tieferer Erniedrigung und Entrüstung Ausdruck zu geben, das jeden Patrioten erfüllen muß, wenn er an diese Dinge und an den Mißkredit denkt, in den uns diese Leute bringen. Der Präsident erklärte hierauf die Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten und sagte: Der zerstörende soll um⸗ grenzt bleiben. Ein Teil der großen Familie der Vo sollte den Friedensprotest aufrecht erhalten, schon um einen allgemeinen wirtschaftlichen Ruin zu verhindern. 75 8 Ueber die Monroe⸗Doktrin heißt es:„Wir halten un⸗ erschütterlich fest an ihrem Geiste. Im Falle Mexikos haben wir die Probe darauf bestanden. Gerade weil wir eine unbelästigt Entwicklung und eine ungestörte Regierung unseren eigenen Grundsätzen von Recht und Freiheit verlangen, sind wir gegen jede Einmengung, von welcher Seite immer sie kommen möge, in unseren Anschauungen. Wir wollen kein stehendes Heer erhalten, außer in einem Umfange, den unsere Erfordernisse in friedlichen und kriegerischen Zeiten verlangen.“ Der Präsident betonte so⸗ dann die Notwendigkeit einer genügend großen Handelsflotte. *** Eine deutsche Denkschrift au die englische Regierung. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ teilt mit, daß die deutsche Regierung, die vor kurzem die bekannten amerika⸗ nischen Zeugenaussagen in der„Baralong“⸗Sache(Ermor⸗ dung der Besatzung eines deutschen U Bootes durch den Kommandanten des britischen Hilfskreuzers„Baralong“) auf dem Amtswege erhalten hat, dem amerikanischen Bot⸗ schafter eine an die englische Regierung gerich⸗ tete Denkschrift übergeben hat, in der es zum Schlusse heißt: Zweifel 0 in dem e Auf Grund des vorstehenden Materials kann es keinem unterliegen, daß der Kommandant des britischen Hilfskreuzers „Baralong“ Me Bride, der ihm unterstellten Mannschaft den Befehl gegeben hat, hilf⸗ und wehrlose deutsche See⸗ leute nicht zu Gefangenen zu machen, sondern sie feige zwer⸗ morden, sowie, daß seine Mannschaft den Befehl befolgt und sich dadurch des Mordes mitschuldig gemacht hat. Die deutsche Re⸗ gierung teilt diese furchtbare Tat der britischen Regierung mit und nimmt bestimmt an, daß diese, nachdem sie von dem Sach⸗ verhalt und den anliegenden Verhandlungen Kenntnis genommen bat, unverzüglich den Kommandanten und die beteiligte Mannschaft des Hilfskreuzers„Baralong“ wegen Mordes zur Ver⸗ antwortung zie hen und nach den Kriegsgesetzen bestrafen wird. Sie erwartek in kürzester Frist eine eußerung der britischen Regierung, daß diese ein Verfahren zur Sühnung des empövenden Vorfalles eingeleitet hat; demnächst erwartet sie eine eingehende Aeußerung über das Er⸗ gebnis des nach Möglichkeit zu beschleunigenden Verfahrens, um sich selbst davon überzeugen zu können, daß die Tat durch eine ihrer Schwere entsprechende Strafe geahndet worden ist. Sollte sie sich in ihrer Erwartung täuschen, so würde sie sich zu schwerwiegenden Entschließungen wegen der Ver⸗ geltung eines ungefühnken Verbrechens ge⸗ nötigt sehen. a Es ist sehr zu begrüßen, daß unsere ee so fest und entschlossen auftritt, um Sühne für die schmähliche Ermordung deutscher Seeleute zu schaffen. Die Herbine von Loos. Berlin, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich. deutsche Allg. Zeitung“ schreibt unter dem 5 losigkeiten unserer Feinde“ u. a.: An dieser Stelle wurde bereits kürzlich der schamlosen Verherrlichung der„H ero⸗ ine von Loos“ gedacht, die die Franzosen jenem 17jäh⸗ rigen französischen Metchen dafür zuteil werden lassen, daß sie bei den Kämpfen um Loos in der Mitte englischer Soldaten„mit eigener Hand“ fünf deutsche Soldaten tötete. Das„Journal Officiell“ bringt einen Tagesbefehl, in dem das Mädchen für die wunderbare Heldentat feierlich belobt wird; erwähnt wird dabei noch, daß die„Außergefecht⸗ setzung“ von deutschen Soldaten mit Hilfe einiger englischer Sanitätssoldaten vor sich gegangen sei. Gleichzeitig melden zahlreiche französische Zeitungen die Verleihung des Kriegs⸗ kreuzes an die Heroine. Präsident Poincars selbst hat es sich nicht nehmen lassen, das Mädchen empfangen. Damit erfährt also dieser neue Fall einer e Verletz⸗ ung des Völkerrechts in aller Form die amtliche Billigung. Wir wissen nun, was wir in dieser Hinsicht von französischer Seite künftig zu erwarten haben. Gleicher⸗ maßen werden aber auch die Neutralen ermessen, was es mit den von unseren Feinden in Pacht genommenen Grund⸗ sätzen von Recht, Zivilisation usw. in Wahrheit auf sich hat. Das„Berner Tageblatt“ bekennt in seiner Nummer vom 1. Dezember offen: Begreiflich ist, wenn von deutscher Seite gegen diese Art Teilnahme von Zivilpersonen Ein⸗ sprache erhoben wird und wenn solche irregulären Kämpfer, wenn sie in die Hände der deutschen Truppen fallen, un⸗ erbittlich erschossen werden. Die Teilnahme englischer Sanitäter an der Ermordung deutscher Sol⸗ daten ist ebenfalls ein dunkler Punkt. Offenbar haben die deutschen Kämpfer das Mädchen, weil es sich ihnen neben Sanitätsmannschaften 1 für alt en sie mußten ihren guten Glauben mit dem Leben bezahlen. Solche Dinge sind eine wirkliche Barbarei und unse⸗ rer modernen Kriegsführung unwürdig. Anders können Neutrale nicht urteilen. a 3 Der Seekrieg. New Vork, 8. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Dem Reuter⸗ schen Bureau wird aus Rom gemeldet: Der amerikanische Tankdampfer„Communiparo“ ist bei Tripolis ver⸗ senkt worden Ueber das Schicksal der Besatzung und die Nu⸗ tionalität des U-Bootes ist nichts bekannt.(Falls die Nachricht zu⸗ 5 wird das Schiff Oel, also Konterbande, an Bord gehabt 0 London, 8. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus: Der„Daily Telegraph“ erfährt, daß der briti⸗ sche Dampfer„Commodore“ versenkt wurde.(lt Mann von der Besatzung ist ertrunken. Aus dem Reiche. Eine neue 10⸗Milliarden⸗Kreditvorlage. Berlin, 9. Dez. Bei der neuen 10 Milliarden⸗ Kreditvorlage handelt es sich, wie in verschiedenen Morgenblättern gesagt wird, um eine vorsorgende Maß⸗ nah mit Rücksicht darauf, daß der nächste Tagungs⸗ abschutt des Reichstages erstim März 1916 zu erwarten sein dürfte. Im übrigen sei es gut, so heißt es in den „Vossischen Zeitung“, unseren Feinden durch die neue 10⸗Milliarden⸗Bewilligung schon jetzt vor Augen zu führen, daß es Schwierigkeiten firmen Art für uns in diesem Kriege nicht gibt und nicht geben wird. Eine neue Bundesratsverordnung über den Verkehr 5 mit Butter. Berlin, 8. Dez.(WTB. Amtlich.) Der Bundesrat beschloß in seiner Sitzung vom 8. Dezember eine Verordnung über den Verkehrmit Butter. Die Verordnung bezweckt Die 7„Nord⸗ itel„Scham⸗ in der Hauptsache, einen Ausgleich zwischen Butterüber⸗ großen 3 beft We 5 9 nötigen Stoffen. verminderung festgestellt wird, wird die Nahrungsmenge erhöht. bei seinen Leuten bleiben zu zußgebiete Butterbedarfsgebieten zu schaffen. Die Ver⸗ mittlungsstelle erhält das Recht, von Molkereien, die 1914 mindestens 500 000 Liter Milch oder eine entsprechende Menge Rahm verarbeiteten, bis zu 15 Prozent ihrer monat⸗ lichen Butterherstellung abzurufen und diese Butter den Be⸗ darfsgebieten zuzuweisen. Die Vermittlungsstelle, als die zu⸗ nächst die Zentral⸗Einkaufsgesellschaft m. b. H. in Berlin in Aussicht genommen ist, soll in erster Linie solche Butter⸗ mengen in Anspruch nehmen, über die noch keine Lieferungs⸗ verträge abgeschlossen sind. Reichen diese Mengen nicht aus, so sind die durch Verträge verschlossenen Mengen entsprechend zu kürzen. Die Vermittlungsstelle gibt Butter nur an Ge⸗ meinden oder vom Reichskanzler bestimmte Stellen ab. Die Verordnung enthält ferner Vorschriften über die Ausgabe von Butter⸗ oder Fettkarten. Danach sind die Ge— meinden berechtigt und auf höhere Anordnung verpflichtet, Butter⸗ oder Fettkarten einzuführen und zu bestimmen, daß billigere Butter und Fette der minderbemittelten Bevölke⸗ rung vorbehalten bleiben. Die Verordnung tritt am 1. Januar 1916 in Kraft. * 1 Berlin, 8. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Gutem Ver⸗ nehmen nach ist dem Reichstag ein zweiter Nachtrag zum Reichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1915 zu⸗ bangen, der eine Kreditforderung von 10 Mil⸗ iarden Mark enthält. —— — Aus Stadt und Cand. Gießen, 9. Dezember 1915. Das Gefangenenlager in Gießen. Wenn die„Gazette de Lausanne“, ein gewiß nicht deutsch⸗ freundliches Blatt, einen Artikel voll des höchsten Lobes über ein deutsches Gefangenenlager veröffentlicht, dann trägt das 1 zur Beseitigung der Lügen über die an⸗ geblich schlechte Behandlung der Kriegsgefangenen in Deutsch⸗ land bei; das erwähnte südschweizerische Blatt ist nämlich sehr stark in Frankreich verbreitet. Es schreibt in seiner Nummer 331 vom 1. Dezember:. „Wir wußten, daß eine Lausanner Dame kürzlich ein Ge⸗ fangenenlager in Gießen besucht hatte, und wir fragten sie, was sie gesehen habe. Nachstehend ihr Bericht: Das Lager umfaßt etwa 11 500 Gefangene, meist Franzosen; ich darin auch Russen, einige Engländer und etwa ter. Es besteht aus Schlafräumen, Küchen, Wasch⸗ anstalten, Desinfektionsräumen und Lesesälen. Die Baracken sind aus Holz mit doppelten Wänden und doppeltem Fußboden; unter dem inneren Fußboden zirkuliert die Luft. Zwischen den einzelnen Baracken ist ein schmaler Zwischenraum, und nach den Wegen zu befinden sich Gärten mit Blumen und Gemüsen. Eine Kanalisation erstreckt sich durch das ganze Lager. Jeder Schlafraum faßt 150 Mann und wird mit 10 Oefen 0 Die Strohsäcke sind mit Seegras gefüllt, dessen salzige Ausdünstungen das Ungeziefer länger fernhalten. Wöchentlich findet eine 7 0 Reinigung und monatlich eine vollständige Des⸗ infektion mit Kreosol statt. Am Kopfende eines jeden Bettes befinden sich in einer Kiste eine Schüssel und ein Teller aus emailliertem Metall, Wäsche, sowie Löffel und Gabel, Messer sind nicht gestattet.(Gewiß find Messer gestattet. Redaktion des Gieß. Anz.) Das Ganze macht den Ein⸗ druck verständiger Ordnung und Sauberkeit, ja der Heiterkeit, dank der Blumenkasten auf den Fen ken. Bei ihrer Ankunft im Lager(wenige Tage vor meinem Besuch waren 1200 Mann, die bei Tahure gefangen wurden, an⸗ gekommen). müssen die Gefangenen sich einer Desinfektion unter⸗ ziehen. Die Desinfektionsräume bestehen aus drei Sälen. In den ersten Saal werden die Leute in Massen hineingeführt, sie ent⸗ Heiden sich dort völlig und hängen ihre Sachen an ein Gitter, das in eine Art von Ofen hineingeschoben wird. Die hohe Tempe⸗ ratur und Dämpfe zerstören alle Keime. In einem zweiten Saal werden die Gefangenen geschoren, rasiert, warm gebadet und ab⸗ serieben. Das iert zwei bis drei Stunden. Die Gefangenen ommen dann in einen dritten Saal, wo sie ihre Sachen wieder⸗ linden; dann gehen sie in die Schlafräume. Diese Einrichtung ge⸗ 28 täglich 800 Mann gründlich zu desinfizieren und zu einigen. Die Militär verwaltung besitzt außerdem Fahrzeuge, die in Bedarfsfällen als Desinfektions kam! oder als Wagen zum Verwundetentransport dienen können. Man verwendet sie an der Front, wenn eine ansteckende Krankheit unter den Gefangenen zu befürchten steht. 8 a 1 „Die Nahrung wird in gewaltigen Kesseln von 500 Liter Inhalt zubereitet. Mann bekommt einen Liter Suppe. Die Kost ist offenbar nicht sehr abwechslungsreich, aber die Suppe ist nahrhaft und besteht nach wissenschaftlichen Grundsätzen aus den zur Er⸗ Menge und Güte des Brotes (300 Gramm, während die Zivilbevölkerung nur Anspruch auf 250 Gramm hat) bilden den Gegenstand der Klage bei allen Fran⸗ zosen. Sie sehnen sich nach ihrem Weißbrot, aber das verabreichte 1015 ist dasselbe wie für die Zivilbevölkerung und ich habe es nicht Die Gefangenen best in Abteilungen alle Arbeiten des Lagers Zum Küchendienst werden nur solche Leute zugelassen, die nach einer peinlichen ärztlichen Untersuchung als vollkommen gesund befunden werden. Der Leiter des Lagers läßt monatlich zehn Mann von jeder Stube wiegen. Wenn dabei eine Gewichts⸗ Eine gewisse Anzahl Gefangene darf auf ihren Wunsch und nach den Erfordernissen der Landwirtschaft außerhalb des Lagers arbeiten, entweder einer oder zwei bei einem Bauer oder in Gruppen von 15— 20 auf den größeren Gütern. Die bei einem Bauer Arbeitenden werden nur von diesem überwacht, wofür er verantwortlich ist. Sie arbeiten, essen und wohnen bei ihm und teilen mit einem Wort sein Familienleben; sie erhalten einen kleinen Lohn. Die in Gruppen Arbeitenden werden von einem oder zwei Soldaten begleitet, ihre Kost wird ihnen durch fahrbare Küchen gebracht und abends kehren sie ins Lager zurück. Zwischen den Bauern und den Gefangenen entstehen recht herzliche Beziehungen. Ich sah einen Wagen vorbeifahren, auf dem ein Gefangener thronte, den der Bauer gutmütig zog. In den Waschräumen stehen nebeneinander zwanzig Becken aus Ziegeln und Zement, sowie acht große Kessel. Die Gefangenen sind zu gewissen körperlichen Uebungen, die sie gesund erhalten sollen verpflichtet, zu militärischen und turne⸗ rischen Uebungen! auch dürfen sie Spiele treiben. Bei schlechtem Wetter sind die Uebungen fakultativ. Fast alle Gefangenen rau⸗ chen, um sich zu zerstreuen; der Tabak ist nicht teuer: 100 Gramm kosten 35 Pfennig. Am beliebtesten jedoch sind musikalische und literarische Unterhaltungen. Die Gefangenen haben es da bracht, sich Instrumente anzufertigen, auf denen sie allein oder als Orchester mit großer Fertigkeit oder doch mit einem beachtens⸗ derten Gefühl spielen. Ich habe einer Vorstellung beigewohnt, deren Ausstattung ein Franzose besorgt hatte. Ein Belgier spielte dabei das Ave Ma auf einer selbstverfertigten zu ge⸗ ria von Geige. Der Künstler legte so viel Seele in sein Spiel, daß mehreren Zuhörern die Tränen in den Augen standen, Das 1 hatte eine sehr primitive Form, es war eine Art Kasten, der an einem Ende etwas breiter war; der n aus einem Knochen gefeilt. Das Orchester des Gießener Lagers zählt 17 ähnliche Geigen, Mandolinen, Gitarren, Flöten usw. Gesang und Deklamation sind ebenfalls sehr beliebt. Eine besondere Baracke dient als Lesesaal. Die Bibliothek umfaßt französische und englische Bücher und illustrierte deutsche Zeitschriften. Jeder Gefangene darf wöchentlich eine Karte und monatlich zwei Briefe schreiben. Das tt ist in gutem Zustand. Die Leitung hat ein deutscher Arzt, dem ein französischer Arzt zur Seite steht. Dieser wurde vor mehr als einem Jahre gefangen genommen; er bat, dürfen, und er pflegt seine Lands⸗ .... W— 1 7* 7— 5 leute mit väterlicher Hingabe. Mehrere seiner Leute sind so krank— sie trugen die ankheitskeime schon in sich, als sie ins Feld rückten— daß sie nicht mehr transportfähig find. An ihre Familien schreiben sie, sie seien erkältet. Der französische Arzt sagte mir übrigens, daß die Lagerverwaltung mit der größten Sorgfalt über den Gesundheitszustand der Leute wache. Die Besucherin des Gießener Lagers sagte uns, ihre Er⸗ innerungen zusammenfassend: Ohne Zweifel ist die Disziplin sehr streng. Man versteht das, denn anders gäbe es kein Mittel, mit 10000 Menschen zurechtzukommen. Die Gefangenen sind gewiß zu bedauern, und das umso mehr, je länger der Krieg sich hinzieht. Aber mit Rücksicht auf den Krieg, die ungeheuere Zahl der Ge⸗ fangenen, die Hilfsmittel Deutschlands weiß ich nicht, was man mehr für sie tun könnte. Die Sendungen von ihren Familien helsen übrigens dem Mangel an Abwechslung in der Kost ab, und da sie alles brüderlich teilen, haben die, die von Hause nichts be⸗ kommen, ebensoviel wie die begünstigteren.“ * Amtliche Personalnachrichten. Der Groß- herzog hat am 8. Dezember ds. Is. den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Alsfeld Amtsgerichtsrat Dr. Gustav Heyer, zurzeit im Felde, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II, mit Wirkung vom 1. Januar 1916, ernannt.— Der G roßherzog hat am 8. Dezember ds. Js. den Oberamtsrichter bei dem Amts- gericht Reichelsheim Dr. Karl Werner, zurzeit im Felde, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II, unter Erteilung des Charakters als Amtsgerichtsrat, ernannt. * Der Wiederaufbau Ostpreußens mit seinem vielgestaltigen wirtschaftlichen, bevölkerungspoliti⸗ schen und architektonischen Forderungen ist vom ganzen deutschen Volke als eine Kulturaufgabe allerersten Ranges aufgefaßt und unter dem außerordentlich tatkräftigen und verständnisvollen Schutz und der nachdrücklichsten Anteil⸗ nahme der Regierung bereits seit längerer Zeit in feste und wohlerwogene Bahnen gelenkt worden. Die Samm⸗ lungen an Geld, Naturalien, Vieh und Geflügel, die Ueber⸗ nahme der Patenschaft über die wieder aufzubauenden Orte durch deutsche Städte, die weitverzweigte und ausgezeichnet fundierte Ostpreußenhilfe— das und vieles andere zeigt, wie tief der Gedanke, den Volksgenossen im Osten zu helfen und gleichzeitig Kulturwerke zu schaffen, im deutschen Volke Wurzel geschlagen hat. Auch die Stadt Gießen sowie manche Orte in ihrer Umgebung haben bereits wiederholt auf diese und jene Art ihre tätige Anteilnahme an der Hilfe für die verwüsteten Landstriche erkennen lassen. Mitt⸗ lerweile hat man in Gießen auch in Kreisen des Kunst⸗ gewerbes seine Aufmerksamkeit dem dankbaren Gebiet der Mitwirkung an der künstlerischen Lösung der Ostpreußenfrage zugewandt. Wir hatten in den letzten Tagen Gelegenheit, höchst erfreuliche Ansätze davon zu sehen. In den Ausstellungsräumen des Kunst⸗ gewerbehauses Bach, Ecke Plockstraße und Seltersweg, hat Architekt Hans Burg⸗Gießen zwei Zimmer ausgestellt, wie sie den für den umfangreichen Bedarf und gleichzeitig für seine einwandfreie ästhetische Darstellung maßgebenden Grundsätzen restlos zu entsprechen scheinen. Es handelt sich um die Einrichtung eines kleinbürgerlichen oder Arbeiter⸗ Anwesens, bestehend aus Schlafgemach und Wohnküche. Die beiden Räume, in denen das einfachste Material und keinerlei komplizierte Formen vorherrschen, machen den Eindruck einer überaus soliden und bodenständigen Wohnlichkeit, die ihre echten Wirkungen aus feinem, der Umgebung angepaßtem Formensinn und aus der Güte der geleisteten Handwerks- arbeit holen soll, in bestem Sinne also beispielsweise den Forderungen des Deutschen Werkbundes entspricht. Für den Preis von 500 Mark hat der Architekt folgende Einrichtungs- gegenstände zusammengestellt: Geräumige Anrichte, Bank mit Truhe, Küchenstühle, Wandbort, Kleiderschrank, zwei Betten, zwei Nachtschränke, Waschtisch, Spiegel, Zimmer⸗ stühle und kleinerer Zubehör. Als Material wurde grün⸗ grau gebeiztes Kiefernholz, das die Maserung zur Gel⸗ tung kommen läßt, den mit großlinigen tem Leinen erzielt. verwandt. Schmuckwirkungen wer⸗ Eckenkerbungen und buntgesäum⸗ Das Ganze macht einen überaus behaglichen, künstlerisch-gediegenen Eindruck. f Die Wege, die hier eingeschlagen werden, sind nicht nur vom Standpunkte einer feinsinnigen Volkskunstpflege im Rahmen der Pflichten gegenüber der verwüsteten Provinz 85 begrüßen, sondern es wird mit ihnen auch einem andern edürfnis Rechnung getragen, nämlich dem Durchhal⸗ ten des oberhessischen Handwerks, für das man auf diese Art wertvolle Beschäftigung erhofft. Wenn es— und daran ist wohl nicht zu zweifeln— gelingen wird, das Interesse der Oeffentlichkeit für die Aufgabe zu wecken, so dürften einer großen Reihe selbständiger Handwerks⸗ meister, die in den„Oberhessischen Werkstätten⸗Gießen“ zu⸗ sammengeschlossen sind, bedeutsame und lohnende Arbeits⸗ möglichkeiten geschaffen werden. —Konzertverein. Das morgen abend 7½ Uhr in der Stadtkirche stattfindende Chorkonzert vereinigt eine stattliche Anzahl von Mitwirkenden. Die Zahl der Sänger be⸗ trägt an die Hundert, denen sich eine Kinderschar von etwa 60 Knaben und Mädchen zugesellt. Den orchestralen Teil haben in dankenswerter Weise Mitglieder der Kapelle des Ersatz⸗Bat. von unserem Inf.⸗Regt.„Kaiser Wilhelm“ übernommen, während die Orgelpartie wie immer in den bewährten Händen von Otto Görlach liegt. In beiden Werken, Beethovens C⸗Dur⸗ Messe und Herzogenbergs Weihnachts⸗Orato⸗ rium„Die Geburt Christi“, ist das Soloquartett mit- sehr erheb⸗ lichen und dankbaren Aufgaben bedacht, indem es bald selbstän⸗ dig, bald mit dem Chor alternierend, oder mit ihm zusammen erklingend eingreift. Das durchgehende Soloquartett, das diese Werke so abwechselungsvoll gestaltet, erfordert vorzüglich zu⸗ sammengesungene, im Zusammenklang ausgeglichene und abge⸗ tönte Sänger. Die Konzertleitung hat für diese Aufgabe das „Stuttgarter Oratorienquartett“ gewonnen. Seine Mitglieder: Kammersängerinnen Frau Emma Tester und Frl. Marta Diestel, die Herren Herm. Ackermann und Lu dw. Feuerlein gelten als erste Kräfte mit glanzvollem Stimmenmaterial, die das Quartettsingen als besondere Kunst ausüben und sich schon reiche Erfolge auf diesem Gebiete ersungen haben. Frau Tester steht hier noch in bester Erinnerung. Sie sang in der letzten Aufführung der Missa solemnis von Beethoven vor zwei Jahren die Sopransolopartie und brachte sie prächtig zur Geltung. ** Hauptprobe. Die heute abend 7½ Uhr in der Stadt⸗ kirche stattfindende gauptprobe zu Beethovens C⸗Dur⸗Messe und Herzogenbergs Weihnachts⸗Oratorium„Die Geburt Christi“ wird 8 ffentlich sein. Das war ursprünglich nicht vorgesehen. Der Wunsch unserer Musikfreunde nach einer Gelegenheit zu wieder⸗ holtem Anhören solch bedeutender Werke, die in absehbarer Zeit kaum wieder aufgeführt werden können, war für die Aenderung maßgebend. Eintrittskarten sind bei Ernst Challier oder im B von Hubert Heinz, gegenüber der Stadtkirche zu n. a Lic. Dr. Paul Rohrbach, der am 13. Dezember auf Veranlassung der Fortschrittlichen Volkspartei, hier, im Saale des Gesellschaftsvereins(Klubsaal), Sonnenstraße, abends 87/ Uhr, über das Thema„Die Brücke zum Orient“ spricht, ist einer der bekanntesten Auslandspolitiker⸗- und Schriftsteller Deutschlands. Seine Schriften:„Deutschland unter den Weltvölkern“,„Der deutsche Gedanke in der Welt“,„Bismarck und wir“,„Rußland und wir“ usw. dürften kaum in der Bibliothek eines Gebildeten fehlen. Seine große Befähigung auf dem Gebiete der Kolonial⸗ . 8 ö politik wurde von der 3 anerkannt durch seine Er⸗ nennung zum Reichskommissar für Süd⸗West⸗Afrika. N ist Dr. Rohrbech in leitender Stellung in der Zentralstelle für Aus⸗ landsdienst, die der Presseabteilung des Auswärtigen 5 gegliedert ist. In seinem Vortrage über das Thema Die 9 zum Orient“ dürfte der Vortragende die ungeheure Bebeutung ä seres Vorgehens auf dem Balkan beleuchten. Die wirtschaftliche 1 militärisch-taktische Bedeutung einer Verbindung zwischen, uns unseren Verbündeten Bulgarien und der Türkei, wird selbst von unseren Feinden klar erkannt. Die Durchführung dieser Verbin⸗ dung droht die Weltmachtstellung Englands gründlich zu erschüt⸗ tern. In dem Maße, wie diese Gefahr für England wächst, 2 auch die Friedensstimmung in England zunehmen. Das Thema des Vortrages ist demnach äußerst aktuell und wohl geeignet, weiteren Kreisen einen Einblick in die ungeheuren Entscheidungen zu. die durch die jetzige Phase des Weltkriegs vorbereitet werden, un ihre Entschlossenheit, bis zum letzten Augenblick durchzuhalten, aufs höchste zu steigern. Die Eintrittspreise sind angesichts der namhaften Kosten der Veranstaltung mit 1.50 Mk. für reser⸗ vierte und numerierte Plätze der ersten Reihen, 1 Mk. für veser⸗ vierte und numerierte Plätze der weiteren Reihen und mit 50 Pfg. 0 20 115 1 3 e e im Vor⸗ verkauf sind zu en in 1 e nive äts. lung, Seltersweg, und in der Zigarrenhandlung von Richard Buch acker, Neuenbäue.. 5 5 * Der Gießener Hausfrauenverein hält seine Mitgliederversammlung heute, Donnerstag, den 9. Dez., ab, nicht, wie wir irrtümlich bekannt gaben, am 8. Dez. 5 Ihre Silberne Hochzeit seiern morgen die Eheleute Heinrich Launspach und seine Frau, geb. Gehringer, Johannes straße Nr. 3. Landkreis Gießen. Ettingshausen, 9. Dez. Philipp Kühn, Sohn des Georg Heinrich Kühn von hier, der seit Kriegsausbruch in den Vogesen steht, wurde im Sommer zum Unteroffizier beför⸗ dert und erhielt vor kurzer Zeit das Eiserne Kreuz. Ein jüngerer Bruder Karl diente beim Infanterie-Regiment 168 und starb an Kopsschuß im Lazarett in Frankreich den Ehrentod für das Vaterland. Er war ebenfalls mit dem Eisernen Kreuz aus gezeichnet worden. 5 Kreis Lauterbach. 5 M. Lauterbach, 8. Dez. Der seit gestern abend vermißt Rentner und Vorsitzende des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs, Wilhelm Becker, wurde nach längerem Suchen heute nachmittag aus der Lauter zwischen Angersbach und Lauterbach geländet. Ob ein Unfall vorliegt oder ob Becker, der in letzter 1958 sehr leidend gewesen, freiwillig aus dem Leben geschieden ist, onnte nicht festgestellt werden. Der einzige noch lebende Sohn befindet sich gerade seit einigen Tagen aus dem Felde hier in Urlaub. Kreis Schotten. AF Sichenhausen, 8. Dez. Die Hessische Tapferkeits medaille erhielt der Musketier Fischer im Infanterie-Regi⸗ ment 168. A Rudingshain, 8. Dez. Fürs Vaterland starb der Großh. Forstwart Frank, Gefreiter im Res.-Inf.-Rgt. 118. A Breungeshain, 8. Dez. Fürs Vaterland starb den Heldentod der Musketier Strauch im Reserve-Inf.⸗Rgt. 228. Kreis Friedberg. Bad⸗ Nauheim, 9. Dez. In dem oberen Stockwerk eines Manufakturwarengeschäfts platzte ein Wasserrohr. Das ausströmende Wasser durchdrang alle Stockwerke und richtete unter den Warenvorräten, besonders an den Wollwaren, großen Schaden an.* . Wölsersheim, 8. Dez. Die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille erhielt der Leutnant d. R. Weber. Starkenburg und Rheinhessen. Bingen, 8. Dez. Der Rhein ist innerhalb drei Tagen stark gestiegen. Am Freitag betrug die Pegel⸗ höhe 1.10 Meter, heute früb 3.18 Meter. Vom oberen Laufe des Stromes wird noch ein weiteres Anwachsen des Wassers gemeldet. Es steht Hochwasser in Aussicht. a Hessen⸗Nassau. Wm. Kirchhain, 8. Dez. In der Stadt wurde das Gerücht verbreitet, die Maul⸗ und Klauenseuche sei aufs neue bei dem Viehbestande eines hiesigen Landwirtes festgestellt worden. Dieses Gerücht entbehrt jeder Grundlage. Bisher sind alle an- gemeldeten Seuchenfälle abgeheilt, Neuerkrankungen nicht gemeldet und die Sperrmaßregeln werden am 12. Dezember aufgehoben. ra. Hachenburg, 9. Dez. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Grasen Alexander von Hachen⸗ burg ist zu einem Zwangsvergleiche Verhandlung auf Freitag, den 17. Dezember vor dem hiesigen Amtsgericht anberaumt. ra. Ufingen, 9. Dez. An Stelle des nach Braubach be⸗ rufenen Bürgermeisters Schurig wählte die Stadtverordneten⸗ versammlung einstimmig Bürgermeister Liß mann aus Neuen⸗ hain i. T zum Bürgermeister der Stadt Usingen. Um den Posten hatten sich etwa 120 Bewerber bemüht. ra. Aus Nassau, 9. Dez. Der Nassauische Städte⸗ tag findet Samstag, den 18. Dezember, in Frankfurt statt. 5 ul. Limburg, 9. Dez. Der Nassauische Raiffeisen⸗ verband hielt gestern vormittag hier im Saale der„Alten Post“ seinen diesjährigen Verbandtag ab. Etwa 100 Vertreter der angeschlossenen Vereine waren erschienen. Den Vorsitz führte der Verbandsdirektor Nolden⸗ Frankfurt. Der Direktor der Land⸗ wirtschaftlichen Zentral⸗Darlehnskasse in Berlin, Schwarz, hielt einen Vortrag über den„Einfluß des Krieges auf die genossen⸗ schaftliche Geldwirtschaft““ Den Jahresbericht erstattete Direktor Nolden⸗Frankfurt. Dem Vorstandsmitglied Bürgermeister Muth⸗ Buchenau wurde für 25 jährige treue Mitarbeit eine Ehrenplakette sowie ein Diplom überreicht. Handel. — Preispolitik. Nachdem das Kohlensyndikat die an⸗ geregte Preiserhöhung für Koks für die Zeit vom Januar bis Ende März abgelehnt hat und nachdem auch der Siegerländer Eisensteinverein seine Preise für das nächste Vierteljahr unver⸗ ändert läßt, wird auch der Roheisenverband zu den bisherigen Preisen für das 1. Quartal 1916 Roheisen verkaufen. Haarzöpfe in größter Auswahl zu billigen Preisen, sowie Kopfwaschen. mit dem neuesten elek⸗ trisch. Trockenapparat und Frisieren 7 Damen ⸗Frisier⸗Geschäft Kaplansgasse 27. 09522 Feldpostbriefe mit Kognak, Rum, Arrak, Li- köre, Hindenburgbitter usw., sowie mit Zigarren u. Zigaret- ten in großer Auswahl! Für Wiederverkäufer billigste En⸗ rog⸗Preise. Plakate gratis. „Kubn, Wein⸗u. Zigarren⸗ bandlg., Kaiser⸗Allee 18. ss Fische Lebende Labnfische, Schell⸗ ische, Kabeljau, Schollen u. Speisemuscheln zu den billig⸗ sten Preisen eingetrossen bei M. Simon, Walltorstr. 43. Schwemmstelnfabrik, älteste auß. Synd., lief. bill. Ia Steine. — Whil. Gies, Neuwied. 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Viele haben sich in kurzer Zeit mit Hilfe meines Verfahrens vom Stotterübel befreit. Innerhalb 14 Tagen gingen bei mir schon über 50 Danksagungen ein. Ein großer Teil dieser Original⸗ Briese liegen in der Sprechstunde zur gefäll. Einsicht bereit. Manche davon hatten schon vorher anderweitig mehrere Kurse ohne den gewünschten Erfolg besucht. Mein Verfabren ist der billigste und einfachste Weg e e des Stotterübels(ohne erufsstörung und Medikamente) Versäume es kein Interessent, meine Sprechstunde zu besuchen. 4s Für die Auskunsterteilung ist eine Gebühr von 1 Mk. zu entrichten. Ich bitte nicht zu verwechseln mit Warnecke⸗Hannover. Sprachheil⸗Institut Hagenburg,(Sch.⸗Lippe). Dir. Steinmeier. Rheumatismus-, Ischias- und Gichtleidende nehmen die glänzend bewährten 5 Petrin- Tabletten Name gesetzlich geschützt 8631 anerkannt bestes Mittel, da vollständig unschäd- lich, ohne jegliche Nebenerscheinungen und sicher wirkend.— Zu haben in allen Apotheken. NB. Rat und Hilfe wird noch erteilt Moltkestr. 7. 855 Roth in Gießen. Eine zierde für jeden Weihnachtstisch bietet das anßergewöbnliche Gegenwartsbuch: Ein deutscher Robinson berausgegeben von Dr. E. Hartmann, Oberlyzealdirektor. Mit 4 Aquarelldrucken von Kunstmaler Mühlberg. Preis in Prachtband mit Titelbild Mk. 4.00. „Dorf und Stadt“, Süddeutsche Wochen⸗Zeitung für jede Familie in Stadt und Land, äußert sich folgendermaßen: Wer hätte sich nicht in feiner Jugend für Robinson Crusoe begeistert und unbewußt mit ibm das Werden und Wachsen menschlicher Kultur durchlebt? Aber Robinson ist ein Engländer und wirsind Deutschez und wir Deutsche haben uns auch unsern Platz an der Sonne und in der Welt erobert, den uns will's Gott die verlogenen und verstohlenen Engländer nicht wieder wegrauben sollen. Darum war es Zeit daß„Ein deut scher Robin son“ geschaffen wurde. Lyzeal⸗ direktor Dr. Ernst Hartmann hat das Verdienst, das in dem soeben erschienenen ersten Band der Sammlung „Deutscher Jugendborn“ getan zu haben. Er erzählt uns mit kundiger Hand von einem jungen Deutschen, der mit seinem Oheim nach Südwest zieht und dort eine Farm gründet, in beißer, schwerer Arbeit zum Manne reift, im Hexeroausstand übermenschlich Schweres exlebt, aber sich durchhält und mit eiserner Energie auf den Trümmern seiner frühexen Farm eine neue gründet, die er zu blühendem Wohlstand emporführt, ein Kulturträger im fernen Afrika, ein Bannerträger des Deutschtums in der Welt der Barbarei. Das mit 4 schönen Aquarellbildern aus⸗ gestattete Buch ist so zeitgemäß, so lebensfrisch und warm geschrieben, so vom Hochgefühl des Deutschtums geschwellt, daß mir kein Zweisel ist, daß es bald sich die Herzen aller Knaben und Jüng⸗ linge erobern wird. Möchte es helfen, sie alle zu tüchtigen, kernhasten Menschen heranzuziehen, wie Rolf Walter, der deutsche Robinson! Das Buch weiter zu verbreiten, es in allen Schulen und Jugendbibliotbeken einzubürgern und auf alle Welbhnachtstische zu legen, balte ich für eine vaterländische Pflicht. Gott sei mit unserem großen deutschen Vaterlande, daheim und draußen in der Welt; Deutschland, Deutschland über alles! 953