Nr. 289 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener gamilienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Ferusprech- Anschlüsse: für die Schristleitung!12 Verlag, Geschäftsstelles! Adresse sir Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. General⸗Anzeiger für Ob Rotatfonsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, 165. Jahrgang nr — erhesse Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen. Mittwoch, 8. Dezember 1915 Bezugspreis monatl. 85 Pf., viertel jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.! durch die Post Mk. 2.30 viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenprets: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssagl: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. 2 0 U e (WTB.) Großes Hauptquartier, 7. Dezember. Amtlich.) 5 75 Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Berry⸗au⸗Basc glückte eine größere Sprengung. Der französische Graben ist mit seiner Besatzung verschüttet. Eine fast vollendete feindliche Minenanlage ist zerstört. Oestlich von Auberive(in der Champagne) wurden etwa 250 Meter des vorderen französischen Grabens ge⸗ nommen, über 60 Mann Gefangene fielen in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkan⸗Kriegsschauplaß. g „J pek ist erreicht, etwa 1250 Gefangene und sechs Geschütze wurden eingebracht. Die Franzosen haben vor der drohenden Umfassung ihre Stellungen am Cerna⸗(Karasu⸗) Vardar⸗Bogen auf⸗ geben müssen. Oberste Heeresleitung. 1 5*** Nun wird die Lage für Montenegro ernst! Der vor⸗ liegende österreichisch-ungarische Tagesbericht teilt mit, daß nördlich von Berane der Angriff fortgeschritten sei. Berane liegt am Lim, an der nach Osten vorspringenden monte⸗ negrinischen Landzunge, nur 35 Kilometer nordwestlich von Ipek, das jetzt von unseren Truppen ebenfalls erreicht wor⸗ den ist. 30 Kilometer südlich von Ipek haben die tapferen bulgarischen Truppen Djakova besetzt. Der neueste bulgarische Bericht läßt uns auch die weitere Frontlinie im Süden, an der albanischen Grenze erkennen: Dibra, Resna wurden ge⸗ nommen, und auch der Fall von Ochrida ist nur eine Frage noch von Stunden. Am Wardar wurden die Franzosen weiter verfolgt. So ist es kein Wunder, daß die öffentliche Meinung in den Ländern der Entente immer mißmutiger wird. Eine sensationelle Meldung der„Frankf. Zei⸗ tung“ will sogar wissen, der König von Montenegro habe in einem von ihm persönlich den bei ihm beglaubigten Vertretern der Mächte überreichten Memorandum die Möglichkeiteines Sonderfriedens Montenegros mit den Zentralmächten erwogen. Er habe dabei ausgeführt, daß bei dem fühlbaren Druck weit überlegener feindlicher Streitkräfte fehr Montenegro, das der Erschöpfung nahe ist, ein aussichtsvoller Widerstand unmöglich sei. Die Vertreter der Ententestaaten hätten schon ihre Ant⸗ wort erteilt: sie drohten einmütig mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und mit Einstellung 1 5 155 Unterstützungen, wenn Montenegro diesen Son⸗ gelüsten nachgeben sollte. Diese Feststellungen der Kriegslage sind wichtiger und für die Aussichten eines Friedens bedeutungsvoller als alles Gerede über Vermittlung, Nachgiebigkeit u. dergl. Gleichwohl ist die neueste Ansprache des Papstes, die wir im 2. Blatte wörtlich wiedergeben, in mehr als einer Hinsicht interessant. Auf den ersten Blick scheint es, als habe der Kirchenfürst nur allgemeine und wenig fruchtbringende Wünsche wiederholt. Aber seine Feststellungen und Vorschläge sind durchaus nicht von der Hand zu weisen. Wenn er den direkten oder in⸗ direkten Gedankenaustausch zwischen den Kriegführenden empfiehlt, so wäre damit wirklich bei der Befolgung dieses Rates der erste Schritt zum Frieden getan. Es würde vor allen Dingen auf die Macht der Tatsachen, auf den wirk⸗ lichen Stand des Kriegsverlaufs der gebührende Nachdruck gelegt werden können. Wer dem Frieden die Wege ebnen will, muß das Gestrüpp der Lüge aus dem Weg räumen. Es ist nötig, vor aller Welt die jetzigen Ergebnisse des Kampfes abzuwägen, festzustellen, wo die Sieger, wo die Besiegten stehen. Danach darf man natürlich nicht verlangen, daß alles beim alten bleibt, sondern die neue Macht verteilung muß nach dem Maßstab der im letzten Jahre offenbarten Machtentfaltung der Völker erfolgen. Das ist die Gerechtigkeit, die beim Einzug des von uns allen ersehnten Friedens triumphieren muß. Auch Zivili⸗ sation und Wohlstand werden auf diese Weise am besten ge⸗ ihen können. Wir dürfen den vor einiger Zeit von einem deutschen Gelehrten hervorgehobenen Vorschlag nicht ganz übergehen, daß in den deutschen Friedensbedingungen die Festnagelung der vielen Auslandslügen über Deutschland, seine Sitten und seine Kultur enthalten sein muß. Wir waren auch von Lüge und Verleumdung ein⸗ gekreist worden und müssen diese englischen Schlingen end⸗ gültig von uns abstreisen. Die Tballeche Ned bedeute einen Fortschritt in der Anbahnung besserer Zustände. Auch der Vatikan hat am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, von lügnerischen Mächten umgeben zu sein. Die Regierung Italiens wird nicht angenehm überrascht sein von dem Freimut der Worte des Papstes, der in setnen allerwichtigsten Aufgaben und Obliegenheiten durch das brutale Eingreifen des italienischen Staates ge⸗ hindert worden ist.„ie Votschafter der Zentralmächte am Vatikan wurden genötigt,. dem Papst das Instru⸗ ment zu seinem Amte der Vermittlung aus der Hand geschla⸗ gen. Deutschland kann nur wünschen, daß die Rebe des Papstes in der Welt weithin gehört wird! Zunächst heißt es: Der Wahrheit Bahn zu brechen, dann wird auch für den Einzug des Friedens die erforderliche Bewegungsfreiheit schaffen, der Phrasen allein nicht dienen können. 2 1 5 50 2 4 Ipet erreich Die Ansprache des Papst — Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht. Wien, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: 7. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Es fanden keine größeren Kämpfe statt. Südöstlicher Kriegsschauplaß. Südlich von Plevlje schlugen wir montenegrinische Vorftä ße ab.. Im Grenzraum nördlich von Berane greifen unsere Truppen die montenegrinischen Hauptstellungen an. Sie er⸗ stürmten gestern mittag die Verschanzungen von Suhodol. Südlich von Novipazar brachten wir abermals 1300 Ge⸗ fangene ein. Der Raum östlich von Ipek war gestern neuerlich der Schauplatz heftiger Kämpfe. Der Feind wurde überall ge⸗ worfen und verlor sechs Geschüte. Heute früh drangen wir in Ipek ein. Diakova wurde von den Bulgaren besetzt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ** 8 Der bulgarische Bericht. Sofia, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 4. Dezember. 5 8 Am Anfang unserer Operationen gegen Serbien, als unsere ganze Armee westwärts gesandt wurde, hatten die gelandeten französischen Truppen, unterstützt durch serbische Streit⸗ kräfte, bei ihren Operationen im südlichen Mazedonien sich auf der Linie Sonitschka—Glawa—Babina— Planina—Gradsko—Kri⸗ wolac einnisten können, aber wir zögerten nicht, je nach Möglich⸗ keit vorzurücken, verstärkten unsere Truppen an dieser Front und selangten bis Anfang November dahin, den Feind über die Linie Friwolge— Wardar Fscherng zurückzu werfen. Unser Ziel war, die französische Front zu umfassen, um sie nach der Ankunft genügender Kräfte einzuschließen. Die Besetzung des östlichen Abhanges des Radowil Planina brachte uns dem erstrebten Ziele näher, denn die Franzosen sahen sich dadurch von Nordosten, Nordwesten und Südwesten umringt. Sie bemerkten die gefährliche Lage, in die wir sie versetzt hatten, und faßten sofort den Entschluß, sich zurückzuziehen und der sie bedrohenden Katastrophe zu entgehen. Es ist anzuerkennen, daß sie das Rückzugsmanöver in vorbildlicher Art auszuführen ver⸗ standen, denn sie konnten sich aus der Zange, in die wir sie ge⸗ nommen hatten, befreien. Unsere Truppen gingen auf der ganzen Front zur Offensive über und besetzten gegen Miktag die Linie Kriwo⸗ lac—Negotin— Kawadartzi; der Feind zog sich sehr eilig, von unseren Abteilungen bedrängt, zurück. Nach der Durch⸗ führung der Operation auf der Prischtina setzte der Große Gene⸗ ralstab des Feldheeres starke Abteilungen auf Teto wo— Go⸗ stiwar und Kitschewo an mit dem doppelten Zweck, erstens Dibra zu besetzen und den Serben den Rückzug nach Mazedonien, mo sie sich möglicherweise mit den englisch⸗ französischen Truppen hätten vereinigen können, abzuschnei⸗ den, zweitens Ochrida und Struga zu besetzen und so den serbischen Abteilungen, welche in der Umgegend von Monastir und Resna operierten, den Rückgang nach Albanien unmöglich zu machen. Die Abteilung, welche der Besatzung von Monastir den Rückzug abschneiden sollte, wurde über Smilewo auf der Straße Monastir—Resna angesetzt; diese Abteilung zwang durch ihren Vormarsch die Serben, Monastir am 3. Dezember zu räumen. Heute wurde die Stadt durch uns besetzt. Weitere Abteilungen marschieren auf Ochrida und Dibra. Westlich Prizren geht der Vormarsch auf Djakowa weiter. Um Mittag überschritt eine Abteilung unserer Truppen den Weißen Drin und nahm heute abend die Stadt Diabowa in Besitz. Nach ergänzenden Berichten haben unsere in der Umgegend von Prizren operierenden Truppen festgestellt, daß die Nieder⸗ lage der Serben bei Kalu⸗Luma den Charakter einer Katastrophe trug. Auf der haltlosen Flucht von Prizren nach Kula⸗Luma verloren die Serben unterwegs ihre ganze Ar⸗ tillerie nebst Staffeln, Fuhrpark, Kraftwagen, den Wagen des Königs, 320 Omnibusse, eine beträchtliche Menge Bereifungen, Munition aller Art und anderes Kriegsgerät. Bei jedem Schritt vorwärts finden wir Geschütze, die auf Wegen und verlassenen Stellungen stehen geblieben find. Das zeigt, von welcher Panik die aufgelöste serbische Armee ergriffen ist, die vergeblich der Kata⸗ strophe zu entgehen sucht. Die seit zwei bis drei Jahren von den Serben durch die schlimmsten Ausschrettungen bedrückten Al⸗ baner erheben sich und kämpfen mit den Waffen gegen die serbischen Haufen, die durch die Gebirge Albaniens irren. Die neuesten bulgarischen Erfolge. Sofia, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die Operationen am 5. Dezember. Unsere Truppen setzten an beiden Ufern des Vardar die Verfolgung der Fran⸗ zosen fort, die sich zurückziehen. Die Kolonne, die nördlich von Monastir über Smilewo gegen die Straße Monastir—Resna vorrückt, hat nach erbittertem Kampfe die Serben am Bigla⸗ Gebirge geschlagen und die Stadt Res na besetzt. Die Kolonne, die nördlich von Monastir vorrückend, von Kitschewo gegen Ochrida marschiert, bemächtigte sich nach hartnäckigem Kampfe einer stark befestigten Stellung bei den Ortschaften Medowo und Mriamorac; sie morschiert jetzt gegen Ochrida. Die Kolonne, die von Kitschewo gegen Dibra marschiert, hat die Serben nach blutigem Kampfe an der Wasserscheide, welche dem Kamm des Jama⸗ Gebirges folgt, geschlagen und gegen Mittag Dibra besetzt von wo sie Feind in der Mchm 9 auf Struga verfolgt. l. Djakova besetzt. es über die Friedensaussichten. An der Front bei Dickowa, Kula—Luma setzten unsere Truppen die Zählung des von den Serben und den Montenegrinern im Stich gelassenen bedeutenden Kriegsmaterials fort. Ein französischer Bericht über die Kriegslage auf dem Baltan. Athen, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Bulgaren versuchten, eine Brücke über die Cerna zu schlagen; das Unternehmen scheiterte. Die Kälte und die unwegbaren Straßen verhindern den ser⸗ bischen Rückzug in Albanien, wo 100 000 Serben und 20 000 Flüchtlinge konzentriert sind. Französische Besorgnisse. Paris, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Oberstleutnant Rousset äußert sich im„Petit Parisien“ sehr beunruhigt darüber, daß man nichts von Mackensen und Gallwitz hört, die vielleicht schon im Verein mit den Bulgaren gegen den Wardar vorrücken. Ferner sollen nach Blättermeldungen österreichische und deutsche Abteilungen nach Bulgarien unterwegs sein, was besonders zu beachten wäre, wenn diese dazu bestimmt sind, aus den Tälern westlich von Rhodope uns in den Rücken zu fallen. Sind wir nach der Konzentration bei Salonik stark genug, einem doppelten Angriff standzuhalten? Leider ist es ungewiß. In der„Guerre Sociale“ tadelt Hervé die Lässig⸗ keit in der Auffassung der Lage auf dem Balkan. Er weist darauf hin, wie töricht die Annahme sei, daß die Deutschen nach Aegypten gingen, wo sie von beiden Flanken her bedroht wären. In Wirklichkeit, so heißt es weiter, stoßen sie gegen die Russen in Bessarabien vor. Sie haben sich in Serbien konzentriert, um die Alliierten zu vernichten oder zu umzingeln. Wenn England und Italien keine Verstärkungen schicken, so wollen wir auf unse⸗ rer Front wenigstens alle Vorkehrungen treffen, die der deutsche Generalstab an unserer Stelle längst getroffen hätte. Die Re⸗ gierung soll sich nicht einbilden, 285 sie sich, weil sie einen Generalissimus eingesetzt hat, hinter der Verantwortlich⸗ keit anderer verschanzen kann. Wenn der Armee Sar⸗ rails ein Unglück zustößt, wenn die Katastrophe, die noch auf⸗ zuhalten ist, eintreten sollte, wird die Kammer die Regierung keine vierundzwanzig Stunden mehr am Ruder lassen. Die Stellung eines Chefkommandanten der Norost⸗ armee wird, dem„Temps“ zufolge, nicht wiederhergestellt. Joffre behält die oberste Leitung und die Verantwortlichkeit für die militärischen Operationen aufal len Fronten. Dagegen wird ihm ein Offizier im Generalsrang beigegeben, der in ständiger Fühlung mit ihm die Leitung der Operationen auf der französischen Front hat. Während die meisten Pariser Blätter nur die Havas⸗Meldung über die Beratung in Calais bringen, hat die Zensur dem „Matin“ die Schlüsse auf den Inhalt der Beratungen gestrichen; nur im„Petit Parisien“ findet sich die Behauptung, daß die Konferenz beschlossen habe, in Athen unverzüglich Auf⸗ klärungen zu verlangen. Gleichzeitig würden sich die eng⸗ lischen und französischen Truppen aus Mazedonien bei Salonik stark konzentrieren. 5 Die englische Pressekritik. London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Presse kri⸗ tisiert die Führung des Krieges durch die Regierung nach verschiedenen Richtungen.— Die„Times“ findet einen Energiemangel darin begründet, daß der neue Kriegsausschuß des Kabinetts noch zu abhängig vom Gesamtministerium sei, in dem keine Einigkeit über die zu erstvebenden Ziele herrsche.—„Daily Chronicle“ verlangt mehr Selbständigleit für den Kriegsaus⸗ schuß, sowie mehr Konzentration, Einigkeit und Entschlossenheit. Von den verschiedenen militärischen Kriegszielen, die nach der Meinung des Blattes im französisch⸗englischen Kriegsrat in Calais zu beraten sein dürften, müsse eins ausgewählt und mit aller Kraft verfolgt werden. Das Blatt hält es für fraglich, ob es sich verlohne, gerade gegen die Türken soviel Kräfte aufzuwenden.— „Daily Mail“ tadelt die Vergeudung von Energie im Kampf gegen die Türken, die gegen die Deutschen aufgewendet werden sollte. Das Blatt stellt zwei Ziele auf, die Zurückdräugung der Deutschen über den Rhein und die Verteidigung des Suezkanals. Neben so schweren Aufgaben könne sich England nicht noch kleine Teilkriege leisten.. Der Wortlaut des Fünfmächte⸗Abkommens. veröffentlicht aus englischen Blättern folgenden Wortlaut des Fünfmächte-Abkommens: „Nachdem die italienische Regierung sich entschlossen hat, der am 7. September 1914 in London zwischen der englischen, französischen und russischen Regierung unter⸗ zeichneten Erklärung, welcher sich die japanische Regierung am 19. November 1915 anschloß, beizutreten, erklären die mächtigt wurden, folgendes: Die britische, französische, italienische, japanische und russische Regierung ver⸗ pflichten sich, in dem gegenwärtigen Krieg Regierungen vereinbaren, daß, sobald Friedensbedingun⸗ gen zur Diskussion gelangen, keiner der Verbün⸗ deten Friedensbedingungen aufstellen wird, ohne vorher die Genehmigung eines jeden anderen Verbündeten dazu zu erhalten. Zur Bestätigung dieses unterschreiben die Unterzeichneten diese Erklärung und heften daran ihre Siegel.“— Gegeben in London am 30. November. Gez. Grey, Cambon, Imperiali, Inouya, Benkendorff. Der Kriegsrat der Entente. Paris, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Unter dem Vorsitz Joffres ist gestern vormittag der erste Kriegsrat der Alliierten ab⸗ gehalten worden. Es nahmen daran der frühere Chef des Berlin, 7. Dez.(Priv.⸗Tel) Der„Berl. Lok⸗Anz.“ einzeln nicht Frieden zu schließen. Die fünf e Unterzeichneten, welche von ihren Regierungen dazu er⸗ R russischen Generalstabes General Gilipinski, der Unter⸗ chef des italienischen Generalstabes General Porro und der Oberst Stefanowitsch als Vertreter Serbiens teil. Auch England und Belgien waren vertreten. London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Asquith teilte gestern im Unterhause mit, daß Maßregeln zu engerer militärischer Zu⸗ sammenarbeit mit Frankreich getroffen worden seien, während über ein Zusammengehen mit den anderen Verbündeten noch verhandelt würde. Es sei nicht im öffent⸗ lichen Juteresse gelegen, Einzelheiten mitzuteilen, die für en Feind wertvoll sein könnten. 8. * 4 der Kampf um die Haltung 5 Griechenlands. Athen, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Es wird mitgeteilt, daß die letzte VBorstellung der Diplomaten der Verbands⸗ mächte bei der griechischen Regierung über Mazedonien und die militärischen Fragen eine Grundlage für eine Verständigung Alte. Die Regierung schlägt vor, einen von den Verban ächten und Griechenland go⸗ bildeten militärischen Ausschuß nach Salonili zu entsenden, um die beiderseitigen Wünsche sestzustellen und die Lage zu besprechen. Acußerungen des Königs der Hellenen. Amsterdam, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Einem hiesigen Blatte zufolge hatte ein Mitarbeiter der Times“ in Athen eine Unterredung mit dem Fönig. Der König sagte, Griechenland sei eben im Begriff, sich von zwei Kriegen zu erholen. Er wünsche um feden Preis zu ver⸗ hitten, daß Griechenland das Elend des europälschen Krieges teile. Er könnte seine Truppen nur marschieren lassen, wenn die Existenz des Landes bedroht wäre. Er versicherte stets, daß Griechenland keine Pläne gegen die Alliierten 5 schmiede Trotzdem wurde er persönlich schlecht behandelt. Griechenlands Lage lasse nicht zu, irgendwelches Risiko zu laufen. Die Balkanpolitik der Alliierten sei nicht genau um⸗ schrieben gewesen. Angenommen, Griechenland hätte sich ihnen angeschlossen und diese hätten später beschlossen, minder kräftig aufzutreten und sich zurückzuziehen, dann wäre es dem Lange ergangen wie Belgien. Griechenland gab bereits durch Entgegenkommen die Neu⸗ trralität auf und setzte sich der Möglichkeit aus, daß die Mittelmächte mit nämlichen Forderungen kamen wie die Entente. Der griechisch⸗serbische Vertrag gelte nur für den Fall, daß eines der beiden Länder von Bulgarien allein angegriffen würde. Unter den gegenwärtigen Umständen hätte die Hilfe Griechenlands für Serbien kaum großen Wert gehabt. Es wären aber 775 Länder verwüstet worden anstatt eines. Der Kön i etonte, daß kein Ver⸗ trag zwischen 5 und Bulgarien bhbestehe. Die Alliierten hätten von Griechenland nichts zu 5 fürchten, aber dieses könne sich nicht binden, solange es nicht das e kennt, das die Alliierten für sich fselbst aufstellen, es werde aber unter keinen Umständen seine Neutralität aufgeben. Eine Friedenserörterung im ungarischen Abgeordnetenhause. 8 Budapest, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Abgeordnetenhaus. Im Verlaufe der Sitzung erörterte Graf Andrassy(oprofitio⸗ nell) die Möglichkeit des Friedensschlusses. Er sagte: Es ist menschliche Pflicht, den Frieden in jedem Augen⸗ blick zu schließen, in welchem dies möglich ist. Ich bin vollkommen überzeugt, daß wir imstande sind, den äußersten Widerstand un⸗ serer niederzuringen und den Krieg fortzusetzen, bis die 1 sind, um Frieden zu bitten. Es wäre jedoch ein Glück, wenn es gelingen würde, noch bevor dieser letzte Zeit⸗ punkt eintritt, Frieden zu schließen. Wenn ich trotzdem nicht für eme Friedensaktion eintrete, so liegt die Ursache darin, daß ich dene bin, daß diejenigen Faktoren, von denen Krieg und Frieden abhängt, es als einen glücklichen Augenblick bezeichnen würden, wenn sie das Schwert wieder in die Scheide stecken könnten. Außerdem hält mich von jeder Friedensaktion der Um⸗ sband zurück, daß ich leider auf der andepen Seite keine An⸗ zeichen bemerke, daß derzeit ein Friedensschluß möglich wäre. Alle Zeichen weisen darauf hin, daß unsere Gegner sich mit dem gegenwärtigen Ergebnis des Krieges noch nicht zufrieden geben werden und daher alles aufbieten, um vielleicht doch das Kriegs⸗ glück noch zu wenden und daß die Erklärungen des französischen 2. 21 55 3 im Ab len Unterhaus a en Friedensschluß unter gegebenen ältnissen weni Wahrscheinlicheit haben. 5 5 Bryaus Friedenspropaganda. London, 7. Dez(WTB Nichtamtlich) Die„Times“ meldet aus Washington: Bryan veröffentlicht ein Mani⸗ fest, das Wilson auffordert, sofortzwischen den Krieg⸗ führenden vermittelnd aufzutreten. ö E„* 7 Der türkische Bericht. 8 Konstantinopel,? Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront näherten sich unsere Truppen am 4. Dezember Kut⸗el⸗Amara und unternahmen in der Nacht zum 5. Dezember mit starken Abteilungen eine Erkundung auf dem rechten Tigrisufer und mit Hilfe überraschenden Feuers einen besche gegen die feindlichen Stellungen. Am 5. Dezember beschoß unsere Artillerie die Stellungen des Feindes, sowie die Umgebung von Kut⸗el⸗Amara. Unsere Kolonnen, die getrennt östlich Kut⸗el⸗Amara vorrückten und ihr Feuer gegen drei Trans⸗ portschiffe und zwei Monitore des Feindes richteten, steckten einen Monitor in Brand und nahmen zwei Schiffe 8 Außerdem erbeuteten unsere ben in der Gegend von Kut⸗el⸗Amara zwei Fracht⸗ kähne. Auf einem derselben fanden wir Flugzeuge und eine Men ge„ Im ganzen erbeu⸗ teten wir bisher an dieser Front sechs feindliche Flugzeuge. Der Feind feuerte, um seine Niederlage vor 5 Eingeborenen zu verheimlichen, einen Sieges⸗ salut von 21 Schuß. g An der Kaukasus⸗Front schlugen wir einen vom Feinde in der Nacht vom 4. zum 5. Dezember gegen unsere Vorposten im Abschnitt von Kale⸗Bogaz unternommenen Ueberfall ab und machten einige Gefangene. In den anderen Abschnitten, von Patrouillen⸗Schar⸗ mützeln abgesehen, nichts Neues. An der Dardanellenfront bei Anaforta nahm unsere Artillerie feindliche Truppen, die Befestigungen auf⸗ führten und Batterien großen und kleinen Kalibers auf⸗ stellten, unter wirksames Feuer Bei Ari⸗Bur nu bescho Lein seindlicher Kreuzer am 5. Dezember 72 Augenblicke ohne Erfolg unsere Stellungen. Unsere Artillerie zwang einen anderen Kreuzer, der sich Kaba⸗Tepe zu nähern ver⸗ suchte, abzudampfen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zerstörte unsere 3 gen des Feindes und verhinderte ihn, das namentlich gegen unseren linken Flügel gerichtete heftige Lufttorpedo⸗Feuer fortzusetzen. Die„Times“ über die Niederlage bei Ktesiphon. London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In einem Leit⸗ artikel über die Hriegsereignisse in Mesopotamien, in welchem sie die verschiedenen, einander zum Teil swibersprechen⸗ den Berichte cg gelangt die„Times“ zu dem Schlusse, daß die britischen Truppen zwar am ersten Gefechtstage die Schlacht von Ftesiphon gewannen, daß sie aber nicht im⸗ sdande waren, ihre Stellungen zu behaupten. Drei Tage lang seien die Briten durch eine sehr große leber⸗ macht zurückgetrieben worden. Jetzt stünden sie genau 100 Meilen weit von Bagdad. Obwohl anzunehmen sei, daß Ver⸗ stärkungen zur Verfügung stehen, müsse das englische Publikum doch einsehen, daß noch geraume Zeit verstreichen werde, ehe die britischen Soldaten die Minaretts der Khalifenstadt zu Gesicht be⸗ kommen würden. Eine russische Niederlage in Persien. Konstantinopel, 7. Dez(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter der Agentur Milli in Bagdad meldet, daß die durch den persischen Nationalausschuß aufgestellte Miliz zwischen Hamadan und Kaswin russische Streit⸗ kräfte, weiche auf 5000 Mann geschätzt werden, an⸗ gegriffen, tausend Mann getötet und die übrigen in die Flucht geschlagen hat. Die glänzenden Erfolge, welche die osmani⸗ schen Truppen im Irak über die Engländer errungen haben, erregten in Persien große Freude. Chwostow zum russischen Minister des Innern ernannt. Petersburg, Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Verweser des Ministeriums des Innern, Chwostow, ist zum Minister des Innern ernannt worden. *** Die Minen au der niederländischen Küste. Amsterdam, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im No⸗ vember wurden an der niederländtschen Küste 47 Minen angespült. Davon 1 05 28 englischen, 15 deutschen und der Rest unbekannten Ursprungs. Im ganzen wurden bisher gefunden 728 Minen, davon 381 englischen, 57 franzöftschen, 112 deutschen und 177 unbe⸗ kannten Ursprungs. 5 Rücktritt des spanischen Kabinetts. Paris, 7. Dez.(Zens. Frkft.) Aus Madrid meldet die Agence Havas: In der Kammer brachte die Minder⸗ heit einen Vorschlag ein, den wirtschaftlichen Fragen vor den militärischen den Vorzug zu geben. Romanones ver⸗ teidigte den Antrag. Der Ministerpräsident Dato weigerte sich, seine Zustimmung zu geben, verließ die Kammer, begab ich nach dem Palais und überreichte dem König die Demis⸗ ion des Kabinetts. 15 Der Seekrieg. London, 7. Dez.(WTB. Nichtamtsich.) Der„Daily Tele⸗ graph“ meldet: Der brstische Indiendampfser„Omeda“ wurde, wie berichtet, vom Feinde versenkt. 49 Ueberlebende wurden gelandet. 5 Offiziere und 47 Laskaren werden vermißt London, 7. Dez(WT Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau veröffentlicht folgende nicht amtliche Mitteilung über das Entkommen des britischen Handelsdampfers„Japanese Prince“ vor einem deutschen Unterseeboote: Der Dampfer begegnete mit großer Besatzung und einer ansehnlichen Zahl von Passagieren kürzlich einem deut⸗ 5 Unterseebopte. Fünselnhalb Stunden bemühte sich das Schiff, diesem zu entrinnen. Es wurde den größeren Teil der Zeit von diesem beschossen. Der Kapitän blieb tapfer auf seinem Posten und manövrierte mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit. Dank seiner Bentühungen und der raschen Mitwirkung der Mannschaft konnte der Dampfer schließlich entkommen. Er wurde nach einem Hafen gebracht. Niemand an Bord ist verletzt worden. Aus dem Reiche. Die nächste Reschstagssitzung. Berlin, 7. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Auf der Tages⸗ ordnung für die 22. Plenarsitzung des Reichstages für Donnerstag, den 9. Dezember, vormittags 10 Uhr, fte t eine e der Mitglieder des Reichstages Albrecht und enossen betreffend Friedensverhandlungen.— Dem„Berl. Lok.⸗Anz.“ zufolge verlautet, daß dem Reichs- tage am Donnerstag auch eine neue Kreditvorlage in Höhe von 10 Milliarden Mark zugehen soll, die alsbald dem Hauptausschuß überwiesen werden dürfte. Die Besteuerung der Kriegsgewinne im Reichstagsausschuß. Berlin, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Haupt⸗ ausschuß des Reichstages hat heute die zweite Ge f tzeslesung über vorbereitende Maßnahmen zur Vesteuerung der KHriegsgewinne vorgenommen. Der Staatssekretär des Reichssch mies stellte fest, daß das vorliegende Gesetz lediglich ein gesetz für Aktien⸗ und andere Gesellschaften zur Sicherung der späteren Kriegs⸗ ewinnabgabe sei. Dem kommenden Besteuerungsgesetz für Kriegsgewinne solle damit keineswegs vurgegeif en werden. Das Prinzip des Gesetzes sei, den Gewinn u erfassen, wo er in die Erscheinung trete. Bei Dopfelbestenerungen in übermäßiger Aude solle im endgültigen Gesetz Entgegen⸗ kommen gezeigt und geprüft werden, inwieweit die Steuer e 5 19 8— 0 get n 1 e in 922 legierungsfassung wiederhergestellt.— In agrap wurde bestimmt, daß als Kriegsgeschäftsjahre drei aufeinan⸗ dersolgende Geschäftsjahre gelten, deren erstes noch den Monat August 1914 mit umfaßt.— Paragraph 5 wurde im ersten Abfatz wie folgt 5„Der durchschnittliche frühere Geschäftsgewinn ist nach den Ergebnissen von fünf den Kriegsgeschäftsjahren vorangegangenen Geschäftsjahren, oder wenn die Gesellschaft noch 1525 so lange besteht, nach den Ergebnissen einer kürzeren Zeit, für welche die Jahres⸗ abschlüsse vorliegen, zu berechnen. Besteht die Gesellschaft schon fünf Jahre, so hat für die Berechnung der D schnittsgewinne das Geschäftsjahr mit den besten und schlech⸗ testen Geschäftsergebnissen auszuscheiden.“ * Berlin, 7. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der, Reichs⸗ . enthält die Bekanntmachungen über die Fests etzung von Preisen für Gemüse, Zwiebeln und Sauer⸗ krauk, ich über die Festsetzung von Preisen für Sü ß⸗ wasserfische. Kirche und Schule. München, 7. Dez.(MTB. Nichtamtlich.) Die„Baye⸗ rische Staatszeitung“ schreibt zur Ernennung des Mün⸗ 8 Nuntius Msgr. Frühwirt zum kardinal und seiner Berufung in den obersten Rat der katho⸗ lischen Kirche u. a.: Diese hohe Ehre, die dem Kardinal damit Artillerie mehrere zu Bombenangriffen bestimmte Stellun⸗ zuteil geworden ist, kann in allen Kreisen nur Gefühle freu— digster Anteilnahme hervorrufen. Am 19. Dezember wird der nig in feierlicher Weise dem Kardinal Frühwirt in der allerheiligen Hofkirche das Kardinalbarett aufsetzen. Hiermit wird zum ersten Male die feierliche Zeremonie am baye⸗ rischen Königshofe vollzogen. Nach kirchlicher Auffassung den besonderen Vorzug der Barettaufsetzung zu vollziehen, wurde bisher nur noch dem österreichischen Kaiser und dem König von Spanien zugestanden. Wenn sich Kardinal Frühwirt zur Barettaufsetzung nicht nach Rom begibt, so hat dies seinen Grund nicht in den derzeitigen kriegerischen Verhältnissen, da ja die Reise dorthin für ihn ebenso wie für Kardinal von Hartmann, der bekanntlich zurzeit sich in Rom auf⸗ hält, möglich gewesen wäre, vielmehr ist in der Tatsache, daß der Papst den König von Bayern zum ersten Male damitbetraut hat, dem neuernannten Kardinal das Barett aufzusetzen, ein hocherfreulicher Beweis beson⸗ deren Wohlwollens des Papstes für den König, das könig⸗ liche Haus und das bayerische Volk zu erblicken. Aus Stadt und Cand. i Gießen, 8. Dezember 1915. * Amtliche Personal nachrichten. Der Realschüler Ludwig Gerhard und der Schreibgehilfe bei Großherzoglichem Kreisamt Oppenheim Karl Krauch haben am 7. Juni d. J. den Schreibgehilfen Julius Flohr im offenen Rhein bei Oppenheim vom Tode des Ertrinkens gerettet. In Anerkennung des mit Mut und Entschlossenheit ausgeführten Rettungswerkes wird dies hier⸗ mit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.— Uebertragen wurde am 30. November d. IJ. der Selytlaspirantin Elisabeth Heckmann aus Bensheim eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Viern⸗ heim im Kreise Heppenheim. 5 ** Sitzung der Stadtverordneten ⸗Ver⸗ sammlung. Am Donnerstag, 9. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet eine bebe e, Auf der Tagesordnung steht: Mitteilungen. Gesuch der Firma J. B. Noll um Erstreckung der Frist zur Errichtung eines Gebäudes an der Wiesenstraßse. Belegungsplan für den israelitischen Teil des neuen Friedhofs. Festsetzung von Aus⸗ nahmetagen für den Ladenschluß in offenen Verlaufsstellen im 8 1916. e bei Benutzung der Straßen⸗ bahn.„ andwirtschaftlich benutzter Grundstücke. Oeteiligung der Stadt an der Einkaufsgesellschaft südwest⸗ deutscher Städte in Mannheim. Bewilligung eines weiteren Kredits zur Veschaffung von Elektrizitätszählern. Bewilli⸗ gung eines weiteren Kredits für Kriegskosten. 1 für das Rote Kreuz in Bulgarien, Gesuch des Robert Möhring um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Lud⸗ wigstraße 55. Desgleichen des Bäckermeisters Hermann Kuhn um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Haus Neuen⸗Väue 9. Desgleichen des Johannes Carle um Er⸗ laubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Haus Kir straße 20. Desgleichen der Karl Paul Ehefrau um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Haus Bahnhof⸗ straße 62. * Anmeldung feindlicher Vermögen. Die Handelskammer 1 7 uns:„Es wird hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß die Frist zur Anmeldung des im Inlande befindlichen feindlichen Vermögens am 15. De⸗ zember abläuft. Anmeldepflichtig sind 1. die feindlichen Staatsangehörigen, die sich im Inlande aufhalten, 2. die Verwalter feindlichen Vermögens, 3. die Schuldner feind⸗ licher Gläubiger, 4. die Leiter eines inländischen Unterneh⸗ mens, an dem feindliche Staatsangehörige beteiligt sind. Als feindliche Staaten gelten Großbritannien und Irland, Frankreich, Rußland und Finnland, sowie die Kolonien und n Besitzungen dieser Staaten. Anmelde⸗ stelle für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach ist die Handelskammer Gießen, von welcher auch die erforder⸗ lichen Anmeldebogen zu beziehen sind. Wer die Anmeldung unterläßt, macht sich strafbar“ * Vo m„ Kolonialwarenhandel. Eine humorvolle Lage hatte gestern vormittag der städtische Kolonialwarenhandel geschaffen, der im alten Schulhause in der Neustadt um 9 Uhr seine Fortsetzung in zweiter verbesserter Auflage finden sollte. Schon um 8 Uhr rückte die Kundschaft mit Taschen und Körben versehen vor den Verkaufsraum. Das Gedränge in dem Vorraum zur Warenabgabe war wieder flott in Gang gekommen und die Menschen standen bis in die Neustadt, ohne daß jemand ab⸗ gefertigt werden konnte, weil die Vorbereitungen, das auf Vorrat Abpfunden der Waren, noch nicht beendet waren. Nun ist aber in dem alten Schulhause eine Treppe, ders eine Klasse 12—13jähriger Buben unserer Volksschule unter⸗ gebracht, in der um 9 Uhr ein Wechsel des Lehrpersonals vor sich gehen sollte. Es war dieser Wechsel aber nach Lage des Falls unmöglich auszuführen. Der Lehrer konnte von der Straße nicht in das Haus zur Treppe gelangen und der andere Lehrer, der abgelöst werden sollte, konnte die Straße nicht erreichen, weil die kauflustigen Frauen ihre so schön erstandenen Plätze im Vorraum zur Warenabferti⸗ ng nicht aufgeben wollten und trotz des liebenswürdigen ar der beiden Herren— einer redete um Einlaß, der andere um freie Bahn zum Ausgang— wankten die Frauen nicht. Die Herren Jungens oben in der Klasse beobachteten das Spiel mit einer gewissen Schläue. Die helleren Köpfe von ihnen rechneten, daß das Ende vom Liede ein schulfveier Tag werden würde. Aber es kam anders als sie gerechnet hatten. Den Lehrer auf der Straße verließ die Geduld, er telephonierte auf das e und suchte Hilfe bei einem in der Nähe sich bewegen⸗ den inne Nun bekam die Hacke einen iel. Der Zugang zur Treppe wurde soweit frei ge⸗ macht, daß die Herren Lehrer als Sieger aus diesem 9 8 Widerstreit hervorgingen. 159 wischen begann der Verkauf in der n r f recht schnell und ordnungsgemä abwickelte. Am Vormittag allerdings benötigte man noch eines Schutz⸗ manns für die Ordnung. In den mittagstunden ging die Sache schon ohne Schutzmann ben gut. Nun noch einige Hinweise, um die Warenausga se in der Neustadt für die Käufer schneller gestalten zu lönnen. Erstens vermeide man, „leine Kinder als Boten oder Einkäufer dorthin zu schichen. Man schreibe vorher, was man kaufen will, auf einen Zettel, den man einfach nur vorlegt. Bei starkem Andrang tut man recht, sich nicht aufzuhalten, denn die Warenmengen sind so groß, daß noch in 8 Da, verkauft werden kann. Der Zuspruch der Bevölkerung für die städ⸗ tische Warenabgabe wird in 1—2 Tagen 4 5 avflauen und wer dann kommt, hann bequemer seinen Bedarf decken. Es ist unbedingt nötig, den Steuerzettel(am besten den fag des Auch vorzulegen, da 175 nach dem Veschluß des Ausschusses bei dem Verkauf verfahren wird. reich We die Personen, die nach stundenlangem War⸗ ten keine Ware erhielten, weil sie 15 über ihre Einkommen⸗ e nieht ausweisen kennten. Unstatthaft st es, wenn jemand sich dazu hergibt, mit mehreren Steuer⸗ zetteln ausgerüstet, angeblich für Freunde und Nachbarn einzukaufen. Es ist unter anderem vorgekommen, daß eine Frau fünfmal 5 Pfund Seife verlangt hat und dadurch den FFP Verdacht erweckte, daß mit der wirrlich preiswerten Ware unlautere Machenschaften vorgenommen werden. Wir bemerken noch, daß der Verkauf in der Neustadt täglich, mit Ausnal Samslag und Sonntag, nachmittags von 2—6 Uhr vor sich geht. Straßen bahn unfall. 1 9 salscher Wei⸗ chanstellung sprang heute in den frühen Morgenstunden an der Weiche in der Neuen Bäue vor dem Theater ein Wagen der Straßenbahn, der aus der Richtung der Schulstraße lam, aus den Schienen. Der Wagen fuhr quer über Straße und Würgersteig in die Gartenmauer des Hauses Neuen Bäue 20, die stark beschädigt wurde. Wei⸗ terer Schaden wurde, abgesehen davon, daß der Wagen ziemlich mitgenommen wurde, glücklicherweise nicht ange⸗ richtet. Den Triebwagen, der 155 unglücklich eigene Wege . war, brachte ein anderer wieder auf den Weg r Pflicht. Worauf die falsche Stellung der Weiche zurück⸗ zuführen ist, konnte nicht festgestellt werden. Mutwillen erscheint nicht. zumal, wie wir hören, vor einiger Zeit auf dem Ludwigsplatz die Wahrnehmung ge⸗ macht wurde, daß die Weiche mittels eines eingeklemmten Eisenstüches falsch gerichtet worden war. » Umtausch von Goldmünzen. Die Landesstelle ur Förderung des Goldmünzenumtausches und verwandter Cuterländischer Zwecke ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Es ist angeregt worden, in allen Orten des Groß⸗ herzogtums durch Werbevereine den Goldmün⸗ enumtausch und ähnliche vaterländische Zwecke zu för⸗ ern. Die Mitglieder der Landesstelle, welche örtliche Ver⸗ eine gründen und ihnen lostenfrei Werbeblätter und Arbeits⸗ pläne liefern will, bitten Herren und Damen, die bereit, find, sich in den Dienst der danlbaren Aufgabe zu stellen, am Wohnort und in der Umgegend einen Zusammenschluß von Helsern alsbald herbeizuführen. Vereinsmitglieder, die persönlich die Werbeblätter verteilen und sie erläutern wollen, sind gebeten, den Goldmünzenumtausch bei einer Kasse oder bei der Postanstalt des Ortes zu vermitteln oder selbst vorzunehmen und hierbei nach Bedarf und Ermessen befreundete Hilfe 5 8 5 Von der Gründung der Orts⸗ vereine wolle man dem Geschäftsführer der udesstelle, Geheimen Finanzrat Bastian in Darmstadt, Mitteilung machen. Die öffentlichen Sparkassen werden eingeladen wer⸗ den, aus mehreren Personen bestehende Bezirksstellen ein⸗ zurichten und für ein lückenloses Netz von Ortsvereinen in ihrem Bereiche zu sorgen. Jedes Goldstück ist eine Waffe im Wirtschaftskrieg, dessen günstiger Aus⸗ gang von Einfluß ist auf das gewaltige Ringen unserer kämpfenden Brüder. Diese Waffe darf deshalb nicht länger ungenützt im Privatbesitz verbleiben. Das Gold erleichtert 9 57 verbilligt auch unsere Einfuhren. Zur Stärkung unserer wirtschaftlichen Kraft mitgeholfen zu haben, mag der Lohn und die Freude aller derer sein, die sich mit uns zusammen⸗ tun wollen zu gemeinsamer Arbeit. „ Der Gießener Hausfrauenverein hält heute abend 8% Uhr in der großen Aula der Universität eine Mit— gliederversammlung ab. Ein Vortrag ist vorgesehen und ver— schiedene Besprechungen. Gäste sind willkommen. ** Vortragsabend. Der diesjährige Vortragsabend der Musikschülerinnen und Schüler Frl. Minna Körners, der am Sonntag von den Eltern und Freunden der jungen Schar statt⸗ fand, war mit einer patriotischen Feier verbunden. Die Darbie⸗ tungen gliederten sich in zwei Abteilungen, von denen die erste nur dem Klavier, die zweite Chorgesang und Rezitation gewidmet war. Kürzere und längere Musikstücke guter Komponisten wurden vorgeführt. Je nach der Dauer der Ausbildung unterschieden sich natitrlich die Leistungen. Gemeinsam war allen Spielenden Sicher⸗ heit, Klarheit und Genauigkeit der durchschnittlich, mit Ausnahme der vierhändigen, auswendig gespielten Stücke. Schon die Kleinen, die erst einige Monate Unterricht hatten, trugen mit Eifer vor. Bei den älteren Schülern kam neben Genauigkeit und Sicherheit auch eine verständnisvolle und gute Auffassung zu ihrem Recht. In der zweiten Abteilung wechselten gesungene und rezitierte aterlandslieder miteinander ab. Der Chorgesang war rein, die Gedichte wurden schlicht und doch mit warmem Gefühl vorgetragen. Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei schon heute darauf hingewiesen, daß am Dienstag, den 14. Dezember, ein Gastspiel des Neuen Theaters in Frankfurt a. M. mit Schnitzlers neuen drei Einaktern:„Komödie der Worte“ stattfindet. Vorbestellungen nimmt die Theaterkasse entgegen. » Oeffentliche Bücherhalle. Im November wurden 2541 Bände ausgegeben. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1435, Zeitschriften 210, Jugendschriften 264, Literatur- geschichte 15, Gedichte und Dramen 47, Länder- und Völkerkunde 41, Kulturgeschichte 30, Geschichte und Biographien 177, Kunstgeschichte 23, Naturwissenschast und Technologie 129, Heer- und Seewesen 3“, Haus- und Landwirtschaft 16, Gesundheitslehre 25, Religion und Philosophie 20, Staatswissenschaft 27, Sprachwissenschast 11, Fremd- prachliches 20 Bände. Nach auswärts kamen 76 Bände. 1 Postanweisungen für Warschau. Bei der Aus⸗ 2 5 jetzt 100 Rubel gleich 150 Mark gerechnet. Landkreis Gießen. u. Heuchelheim, 8. Dez. Der hiesige Flottenverein übersandte durch Vermittelung des Landesausschusses unseren blauen Jungen eine Weihnachtsliebes gabe von 700 Zi⸗ arren. Dem gleichen Zwecke soll auch eine von einem hie⸗ igen Flottenvereinsmitgliede gespendete Gabe von 100 Mark ienen, die Professor Völzing in Gießen zugeführt wurde.— Dem Kriegsfreiwilligen Otto Hofmann, Vizewachtmeister im hess. Dragoner⸗Regiment Nr. 24, Sohn des hiesigen Arztes Dr. Hofmann, wurde jüngst das Eiserne Kreuz verliehen.— Den Angehörigen des Ersatz⸗Reservisten Julius Krämer ging gestern die Trauernachricht zu, daß der Gatte und Vater in Feindesland gefallen sei. e. Grüningen, 6. Dez. Vor kurzem hatte unser Dörfchen einen Besuch von zwei Damen, die angaben, sie seien aus dem Elsaß und ihr Hab und Gut sei von den Franzosen niedergebrannt und zerstört worden, und sie hätten flüchten müssen, um ihr Leben zu retten. Zum Beweise ihrer Aussagen zeigten sie gefälschte Schreiben vor, dann boten sie den Leuten Tee an, mit dessen Verkauf sie sich ihr Leben fristen müßten. Auf diese Art wurde das Mitleid der Gut— gläubigen mißbraucht. Diese 4 dürften zur Warnung dienen und dazu beitragen, daß den Schwindlerinnen bald ihr Handwerk gelegt wird. 5 g tt. Treis a. L., 8. Dez. Das Eiser ne Kreuz erhielt Unteroffizier Ludwig Lemp, 2. Komp Inf. ⸗Regt. 116, die hes⸗ sische Tapferkeitsmedaille der Gefreite Peter Rabenau, 5. Esk. Drag ⸗Regt. Nr. 23 letzterer ist schon seit vorigem Jahre Ritter des Eisernen Kreuzes.— Das Erträgnis des Opfertages war hier 130 Mark. 1 Kreis Lauterbach. M. Lauterbach, 8. Dez. Der Vorsitzende des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs, Rentner Wilhelm Becker, ist gestern von seinem gewohnten Nachmittagsspaziergang bis heute mittag nicht zurückgekehrt. Man nimmt an, daß dem 69jährigen Manne, der trotz seines hohen Alters gern die um- liegenden Waldungen zu seinen Spaziergängen aufsuchte, ein Unfall zugestoßen ist, zumal in letzter Zeit seine Kräfte sichtlich abgenommen haben. Eine noch in der Nacht und heute vormittag durch die Gendarmerie und Ortspolizei mit mehreren Emwohnern vor— genommene Absuchung des Geländes blieb ergebnislos. Er wurde zuletzt von Einwohnern gesehen, als er den sogenannten Hopfenberg hinauf den Waldweg nach Angersbach einschlug. f . g von Postanweisungen im Generalgouvernement Warschauf de 8** N N Kreis Schotten. Aus dem Vogelsberg, 7. Dez. Aus dem Gebicte des Vogelsberges gehen uns folgende 1 zur: Es dürfte wenig bekannt sein, daß im Vogelsberg, besonders im nördlichen Teil des Gebirges, von den Landbewohnern bis vor kurzem eine aus⸗ gedehnte Zucht von Tanarienvögeln betrieben wurde. In jedem Herbst erschienen in den Dörfern die Händler, kauften die im Laufe des letzten Jahres gezüchteten Vögel auf und ver⸗ schickten sie in großen Mengen ins Ausland Der Weltkrieg hat nun auch diesem Erwerbszweig außerordentlich geschadet. Dazu ist das zur Jucht verwendete aus ändische Futter sehr knapd und sehr teuer. Die meissen Vogelzüchter haben darum diese Beschäf⸗ tigung aufgeben mülssen. Ob nach dem Kriege die Kanarsenzucht ihre ursprüngliche Höße wieder erreicht, nruß abgewartet werden. Allzu günstig sind indessen die Aussichten nicht. Jedenfalls aber würden die Kanarienvögel dann sehr teuer werden. Starkenburg und Rheinhessen. 9 Jugen heim, 8. Dez. Hier erhängte sich ein vier⸗ zehnjähriger Knabe aus unbekannten Gründen. Auscheinend liegt nervöse Ueberreizung vor. — Weinheim, 7. Dez. Die Weinheimer und Viernheimer sind schlecht auseinander zu sprechen; besonders kommt dies zum offenen Ausdruck, wenn sie auf ihrer Fahrt die eleklrische Bahn nach Mannheim gemeinsam benutzen. Da gibt es immer Reibereien, manchmal noch Schlimmeres. Schließlich mußte das Bezirksamt einschreiten, und dieses gab der zuftändigen Elsenbahn— gesellschaft die harte Zwietrachtsnuß zum Knacken auf. Und die Gesellschaft entschied mit salomonischer Weisheit also: Alle Weinheimer haben bei Benutzung der Bahn nur in den Motorwagen und alle Viernheimer nur in den Anhängewagen Platz zu nehmen. Seitdem herrscht Ruhe zwischen den beiden Nachbarn. Kreis Wetzlar. ra. Wißmar, 8. Dez. Wißmar ist bis jetzt noch nicht mit elektrischem Licht versorgt, daher hat die Firma Rinn& Cloos für ihre große Fabrik direkten Anschluß an die Zentrale Wetzlar⸗Lollar genommen. Erfreulicherweise suchen auch Private diese Gelegenheik zu benutzen und scheuen die Kosten für neue An⸗ lagen nicht. 5 Hessen⸗Nassau. IJ Marburg, 8. Dez. Im nahen Dorfe Wehrda machte ein 18jähriger Bursche aus unbekannten Ursachen seinem Leben durch Erhängen ein Ende. — Friedrichsdorf i. T., 8. Dez. Der Briesträger Johann Nett aus Bad Homburg wurde gestern früh im hiesigen Stadtwalde erhängt aufgefunden. Der Lebensmüde, der seit Monaten krank war, hatte sich vorige Woche von Haus entfernt und wurde seither vermißt. 5 Fulda, 7. Dez. Aus Fulda wird uns geschrieben: Die letzten Ueberbleibsel der ehemaligen Fürstlich Fuldaischen Porzellanfabrik sind dieser Tage zum Abbruch gekommen und müssen dem Neubau der Oberrealschule Platz machen. Damit verschwindet eine kulturgeschichtlich merkwürdige Stätte Kurhessens. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war es bei vielen Fürsten Modesache, Porzellan in efgenen Manufakturen herstellen zu lassen. Dieser Zeiterscheinung 1 auch Fürstbischof Heinrich VIII., als er vor nunmehr 150 Jahren— 1765— in Fulda eine solche Anstalt errichtete. Zum Leiter berief er den Brennmeister Nikolaus Paul. Trotzdem dieser ein fal hohes Gehalt bekam, trat er schon im nächsten Jahre in die Dienste ber landgräflichen Porzellanfabril zu Hassel. Die Fuldaer Fabrik entwickelte sich recht günstig; ihre Leistungen waren hervorragend. Hauptsächlich wurden Zier⸗ und Servicefiguren, vielfach mit glanzboller Verzlerung, schön bemalt oder reich vergoldet, hergestellt. Aber eine Lebensfähigkeit besaß das Werk nicht, es mußte völlig vom Fürstbischof unterhalten wer⸗ den. Und schon ztwei Jahre nach Heinrichs Tode, 1790, ließ Fürst⸗ bischof Adalbert III. den Betrieb einstellen. Das Fuldaer Por⸗ zellan war an sich ein hervorragendes Erzeugnis und erlangte päler Weltruf. Von Sammlern wurde es tener bezahlt. Prächtige igurengruppen und kostbare Gebrauchsgegenstände, vor allem vollstäudige Tafelgeschirre, von Fuldaer Porzellan werden heute noch im Fuldaer Museum und in einigen hiesigen Familien wie kleine Heiligtümer geschätzt und aufbewahrt. Vermischtes. Ein Eisenbahnunfall in Köln. Köln, 7. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Heute vormittag 5½ Uhr fuhr auf dem Bahnhof Köln-Ehrenfeld eine Rangierlokomotive einem Güterzuge in die Flanken. Personen wurden nicht verletzt. Der Matexrialschaden ist unbedeutend. Das Geleis Köln-Herbesthal war 2½ Stunden gesperrt. Der Betrieb ist mit Ausnahme einzelner Zugverspätungen nicht gestört worden. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Ein Erdbeben in Italien. Paris, 7. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.)„Information“ meldet unterm 5. Dez. aus Rom: Ein heftiges Erdbeben hat um 2 Uhr früh im Latin die Ortschaften Frosinone, Genne, Coprana und Tivoli heimgesucht. *Der Feldmarschallmit dem Regenschir m. Der sprichwörtlich gewordene Regenschirm Cadornas ist nicht der erste, n ein General, wenn auch nicht gerade im Kugelregen, 11 60 spannt hat. Gewöhnlicher Landregen genügte schon einem englischen General, sich dieser zivilistischen Schutzdeckung zu bedienen. Die Schilderung, wie Wellington, der Jahrzehnte lang der Kriegsgott der Engländer war und den heutigen Ruhm Kitcheners genoß, im Jahre 1817 eine Parade über das englische Besatzungsheer in Frankreich abnahm, beruht auf buchstäblicher Wahrheit. Die Parade fand bei Sedan statt, und die Truppen standen in mehreren Treffen bereit, als Wellington, den die Engländer den„eisernen 8 nannten, herankam, um die Front abzureiten. Statt einer uite glänzender Offiziere folgten ihm zwei„Damen“, die ihrem auffälligen Aufputz nach sehr zweifelhafter Herkunft schienen. Und dieser reitende Feldherr hatte einen Regenschirm aufgespannt, den er sorglich über die Federzier seines Generalshuts hielt. Nachdem 5 der Herzog in großer Ruhe die Front abgeritten, sollte der orbeimarsch beginnen. Wellington sprengte mit seinem Damen⸗ gefolge nach einer kleinen Anhöhe, von wo aus er den Vorbeimarsch überschauen wollte. In diesem Augenblick riß der Sattelgurt an einem der Damenpferde, und es ertönte das Signal: das ganze Halt! Der Schaden wurde repariert, die Kavalkade des Herzogs 9 55 sich auf die Anhöhe, und der Vorbeimarsch konnte nun er⸗ olgen. Märkte. fe. Frankfurt a. M., 7. Dez. eu- und Stroh⸗ markt. Auf dem heutigen deu- und Strohmarkt war nichts augefahren. fe. Frankfurt a. M., 8. Dez. Schweinemarkt. Auf- getrieben waren 307 Schweine. Es kosteten: Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kiiogramm Lebendgewicht 108,00 00,0) Mk., Voll- fleischige Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 93,00 00, Mik. Wolfflesschige Schweine von 100 bis 120 Kg. Lebendgewicht 118 bis 00,00- 00,00 Mk., Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Ka Lebendgewicht 128,00- 129,00, Unreine Sauen und geschnittene Eber 103 Mk. Geschäft flott; der Markt wird fast geräumt. fe. Fraukfurt a. M., 8. Dez. Frucht⸗ und Futker⸗ mittelmarkt. Die Lage am Fruchtmarkt zeigt die gleiche Ruhe wie am Montag. ist der Bedarf gering. Futtermittel 43- 45,50 Pk., Viertreber 51,50 56,50 Mk., Leinkuchen 7879 Mk., Kleie 5152 Mk., Kraft- futter 4748 Mk., Kraftkuchen 55-57 Mark. Alles bei 100 Kilo. fe. Frankfurt a. M., 8. Dez. Kartosselmarkt. toffeln ber Berkauf loser Ladung ab Versandstation für die Kar- toffelerzeuger der hiesigen Gegend 6,10 Mk. bei 100 Kilo, E Der Futtermittelmarkt war etwas belebter, doch]? Kar- Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2. 2 3 22 35„ 3 Dez. 252 755 5 S 2715 Wetter 8 25 2 38 33 8 2 SSS 1915 2 ᷣ% ee 7.42— 10, 58 62—— 4 Sonnenschein 7.»— 8,4 70 85—— 10 Regen 8. 786— 11,6 79 77— 7[Bew. Himmel Höchste Temperatur am 6. bis 7. Dez. 1915= Niedrigste 7.„ 19185. Niederschlag: 77 mm. 16. 8,00 U. * „Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 9. Dez. 1915; Wechselnd bewölkt, zeitlveise Regenfälle, Temperatur wenig Lehle Nachrichten. Ein italienischer Kreuzer versenkt. Wien, 8. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: Eines unserer Unterseebvote hat am 5, d. M. um 10 Uhr vormittags vor Valona einen italieni⸗ schen Kreuzer mit zwei Schloten versenkt. *. Die Verhandlungen der Entente mit Griechenland. i. Köln, 8. Dez. Nach der„Kölnischen Zeitung“ 0 5 die „Times“ aus Athen, in Regierungskreisen 1 die Zuver⸗ sicht, daß sich eine Lösung der Meinungsverschiedenheit zwischen dem Vierperbande und Griechenland finden lasse. Die taktischen Einzelheiten einer Zurückziehung der Truppen von Saloniki würden von den beiderseitigen Stäben erkundet und erörtert. Ohne Zweifel werde sich eine Regelung finden lassen. wodurch die Forderungen der Verbündeten erfüllt würden. Niur Offensive an den Dardanellen? „Köln, 8. Dez. Einer Koynstantinopeler Depesche der„Köl⸗ nischen Zeitung“ zufolge hat an den Dardanellen eine große Offensive der Verbündeten begonnen.(Es kann sich daber nur um einen Bluff handeln. D. Red.). 5 Griechenlands ablehnende Haltung. 8 „Bu dapest, 8. Dez. In Sofia wird mit größter Bestimmt⸗ heit behauptet, daß Griechenland die letzten Angebote der Verbündeten abgewiesen habe. Die englische Niederlage in Mesopotamjen. i. Töln, 8. Drz. Nach der„Köln. Ztg.“ bildet nach Lon⸗ doner Berichten italtenischer Blätter die Pieter ge der Engländer in Mesopotamien das Tnagesgespräch in London. Scharf werde kritisiert, daß, nachdem bekannt gewesen sei, daß die Türken Bagdad besetzt hatten und Verstärkungen aus Fonstantinopel schon im Oktober eingetroffen waren, trotzdem englischerseits nur eine Division zum Vormarsch eingesetzt worden sei. Eine hervorragende Rolle soll der Verrat von 12 000 Arabern, die in die englischen Reihen eingestellt waren, gespielt haben. Jetzt hätten sich die englischen Truppen in günstige Stellungen zurückgezogen und Verstärkun gen erhalten. Der aufgeschobene russische Feldzug gegen Bulgarien. Budapest, 8. Dez. i meldet aus Odessa, daß alle Anzeichen darauf hindeuten, daß Ruß⸗ land den Feldzug gegen Bulgarien bis zum Frühjahr aufgeschoben habe. 5 Die Verteidigung Aegyptens. Wien, 8. Dez. Das e Volksblatt“ meldet aus Fon⸗ stantinopel: Meldungen türkischer Blätter zufolge treffen die Eng⸗ länder große Vorbereitungen zur Verteidigun Aegyptens.„Ikdam“ teilt mit, daß bei Tel⸗el⸗Kebir wesilich Ismaili Befestigungen elegt werden. 80 000 Mann sind dort hingebracht worden. Es werden neue englische Truppen er⸗ wartet, da die bisher zusammengezogenen Streitkräfte der Eng⸗ länder zur Verteidigung Aegyptens ungenügend erscheinen. f Die Verwaltung Serbiens. Wien, 8. Dez. Der Korrespondent der„Täglichen Rund⸗ schau“ erfährt, daß eine Einteilung des serbischen Olkupations⸗ gebietes in Verwaltungszonen, wie es in Russisch⸗Polen geschehen ist, bisher nicht 8 0 ist. 5 wird Bulgarien die Verwaltung derjenigen Gebiete überlassen werden, in denen seine Truppen die Mehrheit bilden. Die Frage dürfte jedenfalls zu keinerlei Schwierigkeiten Anlaß geben, da die Mittelmächte geneigt sind, die bulgarischen Wünsche liberal zu berücksichtigen. Italienische Ministerkrise? Wien, 8. Dez. Die„Neue Freie Presse“ berichtet aus Lugano: Die Lage des Ministeriums Salandra ist trotz der Jöstimmung zu seinen Gunsten äußerst kritisch. Eine Krise mit dem Austritt Salandras und noch einigen anderen Mitgliedern aus dem Kabinett 1 nicht unwahrscheinlich. Ihr Erbe dürfte von Ultra⸗Nationalisten und Demokraten vom Schlage des„Secolo“ angetreten werden. Italienische Stimmen Agde die Rede des Papstes. Köln, 8. Dez Die„Köln. Ztg“ meldet:„Corriere della Sera“ und der„Secolo“ greifen die e en des Papstes in einer Besprechung seiner Rede im n⸗ been scharf an. Der„Corriere della Sera“ meint, die Wünsch Papstes für einen baldigen Frieden, wie er sich ihn denkt, bedeuten den Zusammenbruch aller Menschlichkeit. Der„Secolo“ äußert sich noch schärfer: i müsse erkennen, daß die Stel⸗ lung des Papstes zu den Mittelmächten immer günstiger werde. Die Absicht des Papstes, an den Friedensverhandlungen teil⸗ zunehmen, sei zu bekämpfen. 8 Der Sieg der Reaktion in Rußland. Kopenhagen, 8. Dez. Die reaktivnären Kreise in Rußland gewinnen immer mehr die Oberhand. Sie verlangen nicht allein keine Einberufung der Duma, sondern auch Beseitigung der Konstitution und Bestrafung der Blockmit⸗ glieder als Revolutionäre mit der Begründung, daß sie die Prä⸗ rogative des Zaren sich aneignen wollen. Das Organ der konsti⸗ tuttonellen Demokraten„Rjetsch“ gibt ein Gerücht wieder, daß die Reichsduma erst Mitte Dezember einberufen werden 125 und erst wenn die Zusammensetzung des Reichsrates geklärt sein wierde. Das Blatt will aber aus angeblich zuverlässiger Quelle arfahren haben, daß die Reichsduma nunmehr endgültig zum 13. Dezember einberufen werden würde. 8 / Flasche M. 1.50 , Flasche 85 Pfg. „Feldpostpackung ohne Mehr⸗ 9333 D 9 Das rumänische Blatt„Triptatea“ 85 FFFFFCTC(0C0 ee en Freitag, den 10. Dezember, abends 7½ Uhr in der Giessener Stadtkirche Beethovens Messe in C-dur— Opus 86. H. von Herzogenbergs Weinnachts- Oratorium: „Die Geburt Christi“. Leitung: Professor G. Trautmann. Ausführende: Solisten: Das, Stuttgarter Oratorien- quartett“(Kammersäange- rinnen: E. Tester und M. Diestel. Konzertsänger: H. Ackermann u. L Feuerlein) Orchester: 8 51 1 0 Chor: Der Akademische Gesang- des Ersatz-Bat. d. 55 verein, der Evangelische Regts., Kaiser Wilhelm“. 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