284 Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme n des Sonntags. Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Gießener? General⸗Anzeiger für Oberhe 165. Jahrgasg Staatliche Maßnahmen zur Regelung der Lebensmittelversorgung. Futtermittel. Eine kurze Uebersicht über die Futtermittelpolitik der Re⸗ gierung rechtfertigt sich aus der Erwägung heraus, daß für unsere Nahrungsmittelversorgung, soweit sie kierischer Herkunft ist, Kraft⸗ futtermittel die unerläßliche Voraussetzung sind. Die Intensität der deutschen Viehwirtschaft ruhte zum großen Teil auf aus⸗ ländischer Einfuhr, sie stützte den kapitalistischen Charakter der deutschen Viehzucht. Für rund 1 Milliarde Mark wurde jährlich an Futtermitteln importiert. Der Kriegsausbruch schnitt die Aus⸗ landszufuhr ab, und so war die deutsche Viehwirtschaft auf die deutsche Inlandsproduktion angewiesen; trotzdem ergab die Vieh⸗ zählung vom 1. Dezember 1914 einen normalen Bestand. Nur unter scharfem Rückgriff auf Roggen und Kartoffeln, in teil⸗ weiser Umgehung des Verfütterungsverbotes für diese Produkte, hatte dieser Bestand aufrecht erhalten bleiben können. Unter dem Druck des schnellen Zusammenschwindens der Kartoffel⸗ und Brotgetreidevorräte wurden die Verfütterungsverbote ergänzt und neu eingeschärft. Für den Futtermittelmarkt bedeutete dies eine Verknappung: dieselbe Wirkung hatten die Bestimmungen über schärferes Ausmahlen(Verminderung der Kleie) und die Sicher⸗ stellung des Hafers für die Heeresverwaltung. Die Bereitstellung von zuckerhaltigen Futtermitteln und Futterzucker konnte den Ausfall nicht wett machen. Diese Zustände zeitigten ein Herauf⸗ schnellen der Futtermittelpreise und erzwangen Maßnahmen zur Verminderung der Viehbestände. Eine Organisation der Futter⸗ mittelbeschaffung und Versorgung wurde im Anschluß an die Berufsvereinigung der deutschen Landwirte eingerichtet. Ihr wurde der Erwerb und Vertrieb übertragen. Die vorhandenen Bestände, mit bestimmten Ausnahmen, sollten ihr zu ejnem angemessenen, näher geregelten Preise zugewiesen werden, und von ihr aus sollte die Zuteilung an die Kommunalverbände erfolgen, während diese die Verbraucher zu versehen hätten. Hafer zur Aussaat, und in bestimmtem Umfange als Futtermittel für Einhufer(nach Bek. vom 31. März auch für andere Vieharten), wurde den Land⸗ wirten belassen. Verschiedene Höchstpreisbestimmungen für Hafer und andere Futtermittel wurden nach 17% der andauernd im Fluß befindlichen Verhältnisse abgeändert. Unter Höchstpreis sestellt und beschlagnahmt wurde ebenfalls Gerste(mit Belassung r Aussaat, und bestimmter Reservebestände), bei gleichzeitiger Beschränkung des Brauere verbrauchs. n Der ungünstige Ausfall der Haferernte 1941 veranlaßte neue Maßnahmen und neue Regelungen, vor allem insofern, als für den Haferausfall Gerste herangezogen werden mußte. Damit unter⸗ fielen alle vier Getreidearten gleichmäßig der Beschlagnahme und Bewirtschaftung. Besondere Schwierigkeit bot die Regelung der e insofern, als sie gleichzeitig menschlichem wie tierischem Bedarf dient. Den Kommunalverbänden wurde ein Beschlag⸗ nahmerecht auf die Gerstenernte ihres Bezirks eingeräumt. Die 1 seiner Produktion steht dem Landwirt zu beliebiger Ver⸗ ügung und überweist sie der Zentrale für Heeresverpflegung. Die Reichs⸗ futtermittelstelle(errichtet durch Bek. vom 23. Juli 1915 zur einheitlichen Bewirtschaftung der Futtermittel, ihrer Sicherung und Verteilung) setzt fest, welche gewerblichen Betriebe ein Be⸗ zugsrecht für Gerste erhalten, und gibt dementsprechend Bezugs⸗ scheine aus. Um den Belauf der Bezugsscheine, des Saatgutes und des Saatgetreides mindert sich die Gerstenmenge, die der Kommu⸗ nalverband an die Zentralstelle für Heerespflege abzuliefern hat. Neuere ne e befassen sich mit der Regelung zuckerhaltiger Futtermittel und der Festsetzung von Höchstpreisen für eine Reihe 3 von Futtermitteln. g 5 Mit all diesen Maßnahmen— Höchstpreise, Organisationen, Verbrauchsbestimmungen, Streckung— sind die Grundlinien der 5 Jauttermittelpolitik festgelegt. Es überschreitet den Macht⸗ 1 bereich staatlichen Eingreifens, die Knappheit zu beseiti⸗ 1 gen. Was an erreichbaren Zielen vorhanden ist, ist in Angriff genommen worden, siehe unten die mustergültige Regelung der Balkanfuttermitteleinfuhr), und das sind die Probleme der Ver⸗ teilung und Preisregelung. Bei den unaufhörlichen. unvermeid⸗ 1 lichen Fluktuationen des Futtermittelmarktes— verschuldet durch Ernteausfall, Witterung, Jahreszeit— und den Verschiebungen auf korrespondierenden Märkten— Nahrungsmittelmarkt, Vieh⸗ bestand, Markt der Schlempe und Melasse— ergab sich notwendig ein gewisser Spielraum für das gesetzliche Eingreifen und seinen Ersolg, und damit ein Herantasten an die erreichbare, zweckmäßige frei, die andere Hälfte übernimmt der Kommunalverband, S Sibirien. Von G. von Lessen. 8 Es wurde unlängst berichtet, daß sämtliche in russische Kriegs⸗ gefangenschaft geratene Deutsche und Deutschösterreicher nach Ost⸗ sibirien übe hrt werden sollen, und W. T. B. fügte hinzu, daß durch d Wechsel des Ortes nicht unbedingt eine Ver⸗ schlechterung der Lage der Gefangenen bedingt sei. Die der Mel⸗ dung beigefügte Bemerkung klingt ja gewiß beruhigend, aber welch furchtbaren Klang hat doch das Wort Sibirien für das Ohr eines eden der dort seine Angehörigen in Gefangenschaft weiß. End⸗ lose Schnee- und Eiswüsten, Bleibergwerke voll giftgeschwängerter Luft, Knuten, Kosaken treten vor das geistige Auge, wenn des Landes gedacht wird, das dem Zarismus seit Jahrhunderten dazu dient, seine Feinde, ohne deren Blut zu vergießen, aus der Zahl der Lebenden ausscheiden zu lassen. Sogar im europäischen Ruß⸗ land antwortet der Teilnehmer irgend eines schweren Straf⸗ verfahrens auf die Frage von Personen, die nicht der Zeugen⸗ handlung beiwohnten, ob der Angeklagte zum Tode verurteilt sei: „Ja, aber zum qualvollsten.“ Das heißt: Auf mehrere Jahre ee Bergwerk ist erkannt worden. Der Ruf Sibiriens, der Ort des Schreckens zu sein, liegt darin begründet, daß es seit seiner Eroberung unter Iwan dem Schrecklichen 1582 durch den Kosakenataman Jermak— der übrigens als Belohnung einen Pelz von der Schulter des Zaren geschenkt erhielt— immer eigentlich nur als Verbannungsstelle diente. Und da nun der Ort des Strafvollzuges— besonders natürlich noch, wenn er der von Väterchens Regierung dazu auserkorene ist— sich selbstverständlich nie starker Neigung er⸗ freut, so ist die Entstehung des vernichtenden Urteils über die Lebensbedingungen der asiatischen Besitzung Rußlands erklärlich. Aber auch einer der zahlreichen, immer vor beabsichtigter Auf⸗ nahme von Geld im Auslande unternommenen, meist aber miß⸗ glückten Versuche des Zarismus, sich in ein 5 1 5 Licht dort zu setzen, hat nur den Erfolg gehabt, viele Schauermären über Sibirien entstehen zu lassen. Es war so vor dreißig Jahren, da berief die Petersburger Regierung einen als äußerst schreib⸗ gewandt bekannten Angehörigen des Landes, das heute unseren Feinden die Munition liefert. Dieser Mann sollte durch sein laut vor aller Welt abgegebenes Zeugnis Väterchens Beamten⸗ schaft von dem peinlichen Vorwurf der grausamen Gefangenen⸗ behandlung weißwaschen. Als freier Bürger verlangte der Mann Einsicht in alles und, um seine Unabhängigkeit später besser dartun zu können, vor⸗ herige Regelung der Auslagen. Da nun der Berufung natürlich eine nach russischer Art vorgenommene, sich bis in die Geheim⸗ sse des Nachtisches erstreckende Prüfung auf Herz und Nieren angegangen war, willigte die Regierung ein. Der Fremd⸗ Gestaltung der Dinge. Das gilt übrigens, vielleicht nicht ganz so ausgeprägt, für alles gesetzliche Eingreifen auf wirtschaft⸗ lichem Gebiet. In der kapitalistischen Verkehrswirtschaft gibt es eben keinen isolierten, im Wirkungsbereich von vornherein be⸗ rechenbaren Eingriff. Jede Regelung zieht notwendig Verschiebun⸗ gen, und damit Neuregelungen anderer Art nach sich. Auf dieses charakteristische Moment aller staatlichen Wirtschaftspolitik soll in einem Schlußaufsatz näher eingegangen werden. Aus dem Reiche. Der Kriegsgewinnsteuerplan im Haushaltsausschuß. Berlin, 1. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Haushalts⸗ ausschuß des Reichstages hat den Gesetzentwurf über die Kriegsabgaben der Reichsbank mit einem Zentrums⸗ antrag angenommen, den Reingewinn aus den Jahren 1915 und 1916 statt zur Hälfte zu Dreivierteln dem Reiche zuzuweisen. Auf die Anregung eines Redners der Fortschrittlichen Volks⸗ partei, den Gesetzentwurf über die Besteuerung von Einzelpersonen zur Erfassung der Kriegsgewinne im Februar oder März dem Reichstage vorzulegen, erwiderte der Stgatssekretär, er glaube, mit Sicherheit die Vorlage bis zu diesem Zeitpunkte in Aussicht stellen zu können. Er denke nicht an eine rohe und brutale Steuer, nach der einfach in allen Fällen 50 Prozent vom Ge⸗ winn genommen werden sollen. sollen berücksichtigt werden. Berlin, 1. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Vor⸗ wärts“ zufolge beschloß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, im Reichstag folgende An⸗ frage einzubringen: Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, unter welchen Bedingungen er geneigt ist, in Friedensverhandlungen einzutreten.. Mannheim, 1. Dez.(Priv.⸗Tel.) In ganz Baden ist laut„N. Bad. Landesztg.“ eine Bierpreiserhöhung von 4 Mark pro Hektoliter in Kraft getreten. Es ist dies die zweite seit Kriegsbeginn. Die erste betrug 3.50 Mark pro Hektoliter. Kirche und Schule. — Lehrerkonferenz. 5 w. Gießen, 1. Dez. Unter dem Vorsitz des Kreisschulinspek⸗ tors Professor Dr. Alles fand heute im Saale des Hotels Groß⸗ herzog die Lehrerkonferenz der Bezirke Gießen⸗Land, Grünberg und Hungen statt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung, indem er den im Felde stehenden, sowie den für das Vaterland gefalle⸗ nen Lehrern ehrende Worte der Anerkennung und Dankbarkeit wid⸗ mete, worauf sich die Anwesenden zu ihrer Ehrung von den Plätzen erhoben. Das von dem Schriftführer erstattete Protokoll der vori⸗ gen Versammlung wurde anstandslos genehmigt. Grüns⸗Reiskir⸗ chen sprach dann in längerem Vortrag über„Krieg und chule“. Den inhaltsreichen Ausführungen sei entnommen: Der uns durch unsere Nachbarn aufgedrängte Krieg, so schwer er in das Leben des Einzelnen auch eingreift, und so viel Jammer und Elend er auch über die Völker bringt, hat uns doch in vielfacher Be⸗ ziehung die Augen geöffnet und dementsprechende Fingerzeige für die Zukunft gegeben, an denen die Schule nicht achtlos vorbeigehen darf. Wenn es auch richtig ist, daß unsere Schule einen nicht ge⸗ ringen Anteil hat, ein Geschlecht mit erziehen zu helfen, das an Mut und Tapferkeit an das Ertragem von Entbehrungen und Leiden jeder Art seinesgleichen in der Weltgeschichte nicht hat, so traten doch in den letzten Zeiten Erscheinungen zutage, die jedem Freund unseres Volkes Stoff zu tiefem Nachdenken geben mußten. Eine durchaus verkehrte, den wirklichen Tatsachen durchaus nicht ent⸗ sprechende Friedensschwärmerei, verbunden mit einer lächerlichen Nachäffung fremden Wesens hatte vielfach Platz gegriffen. Die Vergnügungssucht hatte einen recht bedenklichen Grad erreicht, und die Erziehung in Schule und Haus stand im Begriff, von Ver⸗ eisernem Besen Kehraus gemacht. Er hat gezeigt, daß Disziplin, Unterordnung, Autorität, Abhärtung und Selbstbeherrschung keine überflüssigen Dinge, sondern Notwendigkeit sind, und weil eben der Krieg ein notwendiges Uebel bleiben wird, ist es nötig, diese Tat⸗ sache bei der Erziehung zu berückfsichtigen. Echt deutsch und einfach muß die Erziehung unseres Volkes werden. Eine Jugendpflege un⸗ serer gesamten Jugend muß einsetzen. An den Taten unserer Helden muß die Jugend Kraft schöpfen. Unsere Verwundeten und Toten ling reiste also ab, besichtigte wenig, ließ sich überall durch die Gouverneure und sonstigen höheren Vertreter Väterchens wunder⸗ voll aufnehmen und schrieb, in die Heimat zurückgekehrt, ein Buch, das zwar durch die Schilderung frech erfundener Greuel⸗ taten die Empörung aller Kenner Sibiriens entfesselte, aber in der ganzen Welt gelesen, in viele, übrigens auch die rus⸗ sische Sprache, übersetzt wurde, dem Verfasser ein Riesenvermögen einbrachte. Aber nicht nur die Wahl als Strafort und der, fast kindisch möchte man sagen, anmutende Versuch der Regierung, sich in ein besseres Licht zu setzen, hat Sibiriens Ruf zu einem äußerst schlechten gemacht, sondern die Tatsache, daß alles, was dies Land betrifft, mit einem Schleier des Geheimnisses umgeben wird, vermehrt das Grauen noch. Das Reisen dorthin ist er⸗ schwert, ebenso der Aufenthalt, zudem ist das Gebiet noch wenig erschlossen. Unklarheit herrscht überall und natürlich sagen sich die Leute: wo eine solche aufrecht erhalten wird, muß es viel zu verbergen geben. Selbstverständlich nun soll nicht etwa behauptet werden, daß alles, was von den Schrecken Sibiriens erzählt wird, glatt er⸗ funden ist. So herrscht im Norden des Landes wirklich das Grauen. Hunderte und abermals Hunderte von Meilen zieht sich dort die Tundra, ein mit Moos bewachsenes Moor, hin, ge⸗ ziert durch verkrüppelte Bäume, die, obgleich uralt, kaum die Höhe eines Mannes erreichen. Meterhoch lagert im langen Winter der Schnee, ist das Spielzeug des nie zur Ruhe kommenden Nordwindes. Auch die Bergwerke Sibiriens sind voller Schrecken. Der zu ihnen Verurteilte ist nach russischem Gesetz jedes Rechtes entkleidet. Deshalb muß er es dulden, daß man ihn an den Karren schmiedet, dazu noch die schwere Kette mit der Kugel am Fuße nachschleifen läßt. Auch gegen die Schimpfworte und Schläge der entmenschten Wärter ist der Unglückliche aus dem gleichen Grunde machtlos. Ihm bringt nur der Tod, der meist schon nach ein paar Jahren eintritt, Befreiung. Im Süden Si⸗ biriens herrscht hingegen im Gegensatz zu diesen Schrecken des Eisgebiets und der menschlichen Roheit tropische Pracht; nur with Bild zu geben, der Tiger kommt dort vor, der Tee wa a. a Doch das alles bezieht sich ja, Gott sei Dank, nicht auf unsere Stammesgenossen, weder der Norden des Landes, noch die Bergwerke, auch nicht des Südens tropische Hitze sind ihr Teil. Wo die Kriegsgefangenen hausen, herrscht ein gutes Klima und Ueberfluß an allem. Eier und Butter z. B. sind da so billig, daß trotz der hohen Fracht, die der auf die Eisenbahn an⸗ gewiesene Transport von dort bis zu uns kostet, sie sich doch noch wohlfeiler stellen, als die von uns erzeugten. Auch Korn, Ge⸗ müse, Fleisch, von Holz gar nicht erst zu reden, das gleiche Bild. Und durch die Weltenlage, die der Krieg e ver⸗ nzeiger ssen Die verschiedenen Verhältnisse weichlichung angekränkelt zu werden. Da hat denn der Krieg mit Donnerstag, 2. Dezember 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul · straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. ehen und stehen uns nahe, Das sind Vorbilder für unsere 1 8 5 9 Krieg hat Schüler und Lehrer einander näher ge⸗ bracht. Versäume darum der Lehrer nicht, die Zeit in richtiger Wür⸗ digung der großen Ideale des Vaterlandes aulszunützen! Denn die Erhöhung unserer Volkskraft, das muß das Ziel aller unserer Bestrebungen sein. Es gilt um nichts Geringeres als um den Besland des Reichs.— Die dem Vortrag folgende Aussprache brachle keine neuen Punkte. Nach verschiedenen Mitteilungen schloß der Vorsitzende die Tagung. .* Aus Stadt und Land. 1 Gießen, 2. Dezember 1915. a Eröffnung der Bahnstrecke Haiger⸗Siegen. 155 Trotz des Krieges kann Deutschland es sich leisten, an seinen Kulturaufgaben im Innern des Landes weiter zu ar⸗ beiten. Das beweist auch die Fertigstellung des neuen Bah n⸗ zweiges von Haiger nach Siegen, von dem in Nr. 282 des„Gieß. Anz.“ bereits Einzelheiten mitgeteilt wurden. Gestern konnte der neue Bahnzweig dem Betrieb übergeben werden. Zur Eröffnung fand eine Festfahrt statt, wozu die Eisenbahndirektion Elberfeld einen Sonderzug gestellt hatte. Eine große Zahl von Festgästen nahm daran teil, darunter die Regierungspräsidenten von Bake Arnsberg und Dr. von Meister⸗ Wiesbaden, sowie die beiden Eisen? bahnpräsidenten von Frankfurt und Elberfeld. Um ½10 Uhr fuhr der Festzug reich geschmückt von Kreuzthal ab. Auf 7 den einzelnen Stationen wurde unter dem Jubel der Be. völkerung Halt gemacht, wobei die üblichen Begrüßungsakte erfolgten. Die neuen Bahnhöfe, die hübsch dem Landschafts⸗ bilde angepaßt sind, trugen Festschmuck. Kurz nach 12 Uhr lief der Zug in Haiger ein In dem neuen prächtigen Bahn⸗ hof hielt zunächst Regierungsbaumeister Pirath⸗Siegen einen Vortrag über die Geschichte der neuen Bahn, die schon vor 25 Jahren geplant war. Die allgemeinen Vorarbeiten begannen 1907. Für den Erwerb des Bodens wurden 21 Millionen verausgabt. Mit dem 1. April sollte die Strecke 1 bereits vollendet sein, aber der Krieg brachte eine große Hemmung. Vor Beginn des Krieges waren 3000 Arbeiter beschäftigt, in letzter Zeit nur noch 500. Große Kosten ver⸗ ursachte der Bau im Weißbachtal. Es mußten 51 Brücken angelegt werden. 0 g ö 8 5 Von den drei großen Tunnels hat eins eine Länge a von 2651 Meter und ist somit der viertgrößte in Deutsch⸗ land; er kostet 6 Millionen Mark. Die ganze Strecke, die 30,5 Kilometer lang ist, erheischte in ganzer Summe einen Kostenaufwand von 30,6 Millionen Mark und ist als zwei⸗ gleisige Hauptbahn angelegt und wie Referent Piroth ausführte, hauptsächlich zur Entlastung der Rheinstrecken und zu einer schnelleren Verbindung von Nord⸗ und Süd⸗ deutschland bestimmt. Die neue Linie, die eine Kürzung von 27 Klm. gegen bisher bedeutet, verbindet im besonderen das alte Nassauerländchen mit Westfalen und liegt im Bereiche der beiden Eisenbahndirektionen Frankfurt und Elberfeld. Folgende Stationen werden in Zukunft im Reichs⸗ kursbuch neu zu finden sein: Rodenbach, Dillbrecht, Ruders⸗ dorf, Niederdielfen und Siegen⸗Ost. Wir haben es mit einer malerischen Gebirgsbahn zu tun, durch die schöne Punkte 0 des Siegerlandes erschlossen werden. 1 An den Vortrag schloß sich ein gemeinsames Früh⸗ st ü ck im Wartesaal an, gegeben von der Handelskammer Dillenburg und der Stadt Haiger. Nach der Rückfahrt war Festessen in Siegen, veranstaltet von der dortigen Handels⸗ kammer. Kommerzienrat Klein brachte das Kaiserhoch aus. * 1 Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) 0 Ersatz⸗Res. Joh. Heinr. Fend, Landw.⸗Inf-Rg., 118, aus Schlitz.— Landsturmmann Louis Römer aus Langd.— Musk. Heinrich Mohn aus Himbach.— Landsturmrekrut Aug. Lenz aus Effolderbach.— Ers.⸗Res. Heinr. Hormann, Inf.⸗Rgt. 99, aus Beltershain.— Grenadier Erich Gold schmidt, Kaiser Alexander⸗Garde-Gren.-Rat. Nr. 1, aus Wetzlar— Ers.⸗Res. Otlo kommt der ganze Reichtum, denn die Ausfuhr ist abgeschnitten. So unbegreiflich ist es also nicht und braucht auch keine Be⸗ fürchtungen hervorzurufen, daß die Kriegsgefangenen an einen 11 18 werden, wo ihre Verpflegung ohne jede Opfer durch⸗ ührbar ist. 8 1 * Ostpreußen— das biblische Paradies. Abenteurer und Gelehrte haben das Sehnsuchtsland der Mensch⸗ heit, das„verlorene Paradies“, in den fernsten Weltgegenden und Erdteilen gesucht, keiner hat es so in nächster Nähe gefunden, wie weiland Doktor der Gottesgelahrtheit Johann Gott⸗ fried Hasse, Konsistorialrat und Professor zu Königsberg. Er hat den Garten Eden der Bibel in dem so lange geringgeachteten Ostpreußen entdeckt und im Jahre des Heils 1799 ein gelehrtes Werk ans Licht der Oeffentlichkeit treten lassen, in dem er einen umständlichen Beweis für diese seine Behauptung zu erbringen sucht. Das heute sehr seltene, in der Königsberger Stadtbibliothek be⸗ findliche Buch bietet so viel Kuriositätsinteresse, das wir von der barocken Zitatenweisheit des alten Herrn Einiges mitteilen wol⸗ len.„Preußens Ansprüche, als Bernsteinland das Paradies der Alten und Urland der Menschheit gewesen zu seyn; aus bib⸗ lischen, griechischen und lateinischen Schriftstellern gemeinver⸗ ständlich erwiesen,“ ist es betitelt, betont also gleich, daß hier der Bernstein der Wegweiser zum Paradies werden soll.„Er gleicht einem Leuchtturm für das dunkle Meer der Vor⸗ und Urwelt, mit dessen Hülfe man auch an die Wiege der Menschheit tre⸗ ten und das Urland, wo sie auftrat, erblicken kann. Letzteres sucht gegenwärtige Schrift aus der Bibel und dem ganzen Alter⸗ tum zu erweisen. Gelingt es ihr, so ist die Bernsteinküste eine durch ihr graues Alter heilige Stätte, so verdienen die Bernstein⸗ gräbereien Wallfahrten, und alle Reste des Bernsteins sind kost⸗ barere Reliquien, als alle Gebeine der Kirchenheiligen. Es be⸗ ginne nur diese Untersuchung kühl und unbefangen; und man habe nicht den Naturforscher und Chemiker, sondern den Geschichts⸗ forscher und Erklärer der Alten bei Lesung derselben vor Augen!“ Den„Bernsteinbaum“, dessen Harz das„Gold des Nordens“ ist, schildert der Konsistorialrat als einen Baum, größer als alle bekannten Bäume der Erde, dessen Holz„keine Rinde, kein Mark, keine Aeste, keine Knoten“ hatte, dessen Früchte Nüsse mit Scha⸗ F len, ähnlich wie die der Mandeln, waren. Die Gegend, in der es so einzigartige schöne Bäume gab, muß nun das Paradies ge⸗ wesen sein. Das Wachstum so herrlicher Bäun zt Tropen⸗ wärme, also ein paradiesisches Klima, voraus. Dieser Bernstein⸗ baum war der Lebensbaum im Garten Eden, denn sein Harz zbesitzt eine so große elektrische Kraft, daß davon die Elektrizität selbst den Namen bat“(Elektron griechisch= Bernstein.)„Die elektrische Kraft ist aber die größte Lebenskraft für den tierischen 5 . Jebhardt, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 221, aus Rudingshain.— Ers.⸗Res. Lehrer Wilhelm Rau, Inf.⸗Rgt. 138, aus Reiskirchen b. Wetzlar. Gardefüsilier Karl Rau, Gardefüs.⸗Rgt., aus Alsfeld.— Pionier Karl Daum, Garde⸗-Pionierbat, aus Eibelshausen.— 1 Wehrmann Moritz Schäfer aus Weilburg.— Musk. Wilhelm Führer, Juf.-Agt. 166, aus Hohensolms.— Musketier Heinrich Dartmann, Inf.⸗Rgt. 166, aus Oberquembach.— Musk. Karl Will, Inf.⸗Rgt. 168, aus Friedberg.— Wehrm. Fritz Rumpf, Landw.-Inf.⸗Rgt. 116, aus Ehringshausen b. Wetzlar.— Res. Friedr. Rühl, Res.⸗Inf.⸗Agt. 81, aus Oberwetz.— Musk. Karl Böck, Inf.-Agt. 49, aus Kestrich. d Auszeichnung. Dem Gefreiten im Inf.⸗Regt. Nr. 117 Emil Döpfer aus Gießen wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. L. U. Goldenes D 5 * 5 L. U. G oktor jubiläum. Der frühere Provinzialdirektor in Gießen, Dr. Andreas Breidert be⸗ geht heute sein goldenes Doktor jubiläum. Aus die⸗ sem Anlaß hat ihm die hiesige juristische Fakultät sein Doktor⸗ diplom erneuert und es durch Geh. Justizrat Professor Dr. VLieist überreichen lassen. f 5 L. U. Universitäts nachricht, Der Bibliothekar an unserer Universitätsbibliothek und Privatdozent Dr. Hugo Hepding wurde zum außeretatsmäßigen außerordentliche Professor ernannt. * Der Dank des Roten Kreuzes. Der Landes⸗ verein vom Roten Kreuz ersucht uns um Aufnahme folgender Danksagung: Der Opfer tag ist vorüber. An sein Ergebnis knüpfen sich zwar erfreuliche Vermutungen, aber eine mit Zahlen belegte Uebersicht über sein Erträgnis steht noch aus. Trotzdem oder vielmehr gerade weil und so lange wir noch keine Summen kennen, drängt es uns, schon heute allen, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben, herzlich und aufrichtig zu danken. Ein ganzes Land ist beim Opfertag am Werk hel⸗ fender Liebe gewesen. Da mag es verzeihlich sein, wenn wir nicht aller mit Namensnennung dankend gedenken, die in irgend⸗ einer Form mitgewirkt haben. Wir danken den staatlichen Be⸗ jörden, den anordnenden wie den ausführenden, den Großherzog⸗ ichen Ministerien und von den unterstellten Aemtern insbesondere den Kreisämtern und Bürgermeistereien, für ihre tatkräftige För⸗ erung und Hilfe beim Opfertag. Wir gedenken dankbar auch des Entgegenkommens militärischer Dienststellen. Nicht minder danken wir den obersten Kirchenbehörden, den Geistlichen aller Bekennt⸗ nisse, von denen vielen mit warmen Worten der echten Nächsten⸗ liebe und der rechten, höheren Auffassung des Opfertages den Boden bereitet haben. Wir dehnen unseren tiefempfundenen Dank aus auf die Leiter und Lehrer der höheren, mittleren und Volks⸗ schulen in Stadt und Land für jedes Wort der Aufklärung über unser Wirken und Wollen, das sie an das heranwachsende Ge⸗ schlecht gerichtet haben. Auch die wollen wir nicht vergessen, Die ohne amtlichen Auftrag sich selbstlos, freudig und so ersprieß⸗ lich in den Dienst unserer Sache gestellt haben, vor allem die Ausschüsse, deren umsichtige Vorbereitungen und wohlgelungene Veranstaltungen zum Erfolg des Tages geführt haben. Auch un⸗ seren Hilfskräften, der unermüdlichen Verkäuferinnen von Karten Abzeichen, der rührigen Jungmannschaft der Jugendwehr und ihren Führern, den Rednern, Künstlern und Künstlerinnen, kurz allen, die ihre Zeit, Kraft und Begabung in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt haben, danken wir recht herzlich. End⸗ lich, aber nicht zum wenigsten gilt unser Dank allen denen, die trotz knapper Zeiten an der Tür ihrer Wohnungen und auf der Straße eine offene Hand und ein offenes Herz für uns gehabt ö Möge auch ihnen der schönste Lohn im Bewußtsein liegen, daß sie mithelfen durften an einem schönen Werk der Nächsten⸗ iebe in ernster Kriegszeit im Dienste unseres lieben Vaterlandes und die für uns in Sturm und Regen, Schnee und Eis kämpfen, 8 sterben, siegen. * Zur wurde dieser Tage 3 Händlerin, die entgegen en Best Wochenmarktordnung Gemüse auf dem W. arkt aufgekauft hatte. Verkaufsgelegenheit für bedrängte Künst⸗ ler. Der unter ot Landkreis Gießen. O Dorf⸗Gill, 1. Dez. Die am Hessischen Opfertag durch Schulmädchen vorgenommene Sammlung ergab die Summe von 141 Mark. tt. Treis a. d. Lda., 1. Dez. Der Gefreite der Landwehr Wil⸗ helm Preis von hier, zurzeit im Infanterie-Regiment 353, erhielt zu der Hessischen Tapferkeitsmedaille das Eiserne Kreu 2, Klasse. Auch sein Bruder, der Vizeseldwebel Jakob Preis im Infanterie⸗Regiment 254, besitzt beide Auszeichnungen.— Unter⸗ offizier Ludwig Klös von hier, der seit 2. Oktober vermißt war, hat aus russischer Gefangenschaft auf dem Transport nach Sibirien geschrieben.— Als achtzehnter aus unserer Gemeinde fand den Heldentod in Galizien der Pionier Balthasar Muhl von hier. Ve ißt werden der Dragoner Grau und Musketier Adam Schneider seit Mai ds. Js., der Landwehrmann Joh. Heinr. uhn vom Landwehr- Regiment Nr. 87 seit der September offensive. Kreis Alsfeld. up. Ober⸗Ohmen, 1. Dez. Zur Weihnachtsgabe für unsere heimatlichen Truppen bewilligte die Gemeinde 500 Mk. aus der Gemeindekasse. up. Ruppertenrod, 1. Dez. Um unseren tapferen Feld⸗ 2 grauen eine Weihnachtsgabe zu bescheren, ist unsere Ge⸗ 2 Körper, hat eine sehr große Heil⸗ und Gesundheitskraft und konservierende Kraft.“ Dieses Harz und Mark muß also eine lebenspendende Macht gehabt haben; wer davon aß, lebte lange oder ewig; und so ist das Bernsteinland das„Land des langen Lebens.“ Es ist auch zugleich das„Goldland“ der Alten, die ätte des„goldenen Zeitalters“, denn man nannte ja den Bern⸗ stein das„Gold des Nordens“. Aus der Bibel beweist der Professor, daß die Menschheit zuerst im Norden aufgetreten ist, g der Strom, der Eden bewässerte, kein anderer gewesen sein kann, als die Ostsee, und kommt zu dem bündigen Schluß:„Es ist historisch gewiß, daß das biblische Paradies und das Urland der Menschheit nördlich in Europa im jetzigen Bernsteinlande war. Denn die Bibel sagt es deutlich aus, und das übrige Alter⸗ tum bestätigt es.“ Eine krause Fülle der wunderlichsten Zitate, Deutungen und Etymologien muß für diesen Beweis herhalten. Die Aepfel der Hesperiden auf jenen„glücklichen Inseln“ des griechischen Paradieses sind natürlich Bernsteintropfen und Ely⸗ ium das Bernsteinland. Die Hyperboreer, die griechischen Para⸗ diesbewohner, find die Preußen, wie die Etymologie Boreer⸗ Borusker⸗Borussen⸗Preußen offenbart. Zu allen Mythen von der Urgeschichte der Menschheit, zur Prometh Ssage so gut wie zur Edda, glaubt der Dr. theol, den Schlüssel gefunden zu haben, ind die Vertreibung aus dem Paradies erklärt er dadurch, daß tt es immer kälter und kälter werden ließ, so daß die Menschen Not und Bitternis des Daseins kennen lernten. Das blitzende Schwert des Cherubs, der Adam und Eva hinaustreibt,* natürlich an den Bernstein und seine elektrische Wirkung.. scheiden schließt Hasse sein gelehrtes 9 Preußen, dem ich nicht als Eingeborener zugehöre, das mir aber aus vieler Rücksicht sehr teuer geworden ist, auf diesen Vorzug— nicht den einzigen, aber auch gewiß nicht den letzten, auf den es stolz sein kann— das älteste und in der alten Ge⸗ schichte berühmteste Land der Erde zu sein, hierdurch aufmerksam gemacht zu haben. Dr. P. L. Werk:„Mir sei es genug, Mackensen drang in die französischen Linien ein und 3 geriet. meinde schon das ganze Jahr über besorgt gewesen. Zu diesem Christgeschenk wurde der Betrag von 1000 Mark verwandt, welcher durch die sonntäglichen und Betstunden⸗Kollekten zusammengekom⸗ men ist. Ta aus der Gemeinde rund 100 Mann eingezogen sind, so entfällt auf jeden Krieger ein Betrag von 10 Mark. Diese Summe wird den Angehörigen der Truppen eingehändigt, damit sie ihnen zu Weihnachten kaufen und senden können, was sie sich wünschen. Die Hauskollekte für das Rote Kreuz, welche an Groß⸗ herzogs Geburtstag erhoben worden ist, betrug 139 Mk. Dazu kommen noch 8 Mark, ein Betrag, der bisher für Brötchen an die Sckulkinder auf Großherzogs Geburtstag ausgegeben wurde, mithin beträgt das Sammelergebnis 147 Mk.— Dem Landwehrmann Fahrer Karl Burg von hier, im 21. Armeekorps, 1. Feldbäckerei⸗ Kolonne, im Osten, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.— Der Husar Karl Kratz, der ebenfalls im Osten steht, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Mit dem Eisernen Kreuz ist er schon vorher ausgezeichnet worden. Kreis Schotten. r. Freienseen, 1. Dez. Der Wehrmann Wilh. Wagner im Landwehr⸗Infanterie-Rgt 87 erhielt das Eiserne Kr euz. — Am Hessischen Opfertag gingen hier 143 Mk. 10 Pfg. ein. Hessen⸗Nassau. (Marburg, 1. Dez. Der Stadt Marburg ist noch ein wei⸗ teres Beutegeschütz überwiesen worden.— Hier wurde ein Mann festgenommen, der außer Diebswerkzeug eine Anzahl Stücke Treibriemen bei sich führte, die jedenfalls ebensalls von emem Diebstahl herrühren. Wm. Kirchhain, 1. Dez. Wie in vielen anderen Städten und Städtchen soll auch hier die Nagelung eines Kriegswahrzeichens zugunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen stattsinden. In einer gestern abend im Sitzungs⸗ zimmer des Rathauses abgehaltenen Besprechung wurden die Ein⸗ zelheiten festgelegt. Die Nagelung soll voraussichtlich am zweiten Weihngchtsfeiertage und mit einer stimmungsvollen vaterländi⸗ schen Feier verbunden werden. () Aus dem Kreise Biedenkopf, 1. Dez. In der Nähe von Gönnern erlegte ein Förster ein wildgewordenes Rind, das vor vier Wochen seinem Besitzer, einem Einwohner von Botten⸗ In der Nacht born, entlaufen war. ul. Bergnassau⸗Scheuern, 1. Dez. von Dienstag auf Mittwoch brach im Vereinslazarett„Hotel Bellevue“, in dem 19 Verwundete untergebracht waren, ein. Brand aus, der großen Schaden anrichtete. Obwohl außer den Wehren von Nassau und Scheuern das Landsturmbataillon zur Hilfe herbeieilte, konnte nicht verhindert werden, daß der Dach⸗ stock des Hotels pöllig und ein Nebengebäude zum Teil ab⸗ brannten. Die Verwundeten konnten rechtzeitig in Sicherheit werden. Die Ursache des Feuers ist noch nicht fest⸗ gestellt. —Gelnhausen, 1. Dez. Mehr als das Dreifache gegen das Vorjahr lösten in diesem Jahre die Gemeinden des Kreises aus dem Dbstverkauf ihrer Gemeindeländereien. Das Jahr 1915 brachte einen Gesamterlös von 22 550 Mark, das Vorjahr nur 7245,30 Mark. Den höchsten Ertrag hatte Bad⸗Orb mit 3008 Mk. 11 Ge⸗ meinden sind noch nicht im Besitz von Obstanlagen. Der Landrat von Wartensleben nimmt bei dieser Gelegenheit Veranlassung, die Gemeinden nachdrücklich auf den Anbau von Obstbäumen auf Gemeindeländereien und an Gemeindewegen hinzuweisen. Aulversitäts⸗ Nachrichten. 1 „Freiburg i. Br., 1. Dez. Die philofophische Fakultä, der Universität Freiburg im Breisgau hat einstimmig beschlossen dem General Gaede, dem Oberkommandierenden im Oberelsaß, und den General der Artillerie v. Gallwitz, der durch den Kaiser 4 la suite des Freiburger Artillerie-Regiments Nr. 76 gestellt wurde, den Grad eines Dr. phil. hon. e. zu verleihen. N — 5— 0 Vvermischtes. Mackensen im Feldzuge 1870. Die folgende Episod aus dem Kriege 1870, die Feldmarschall Mackensen als jungen Kriegsfreiwilligen zeigt, veröffentlicht Paul⸗Louis Hervier in der„Nouvelle Revue“:„Es war im Feldzuge des Jahres 1870, am 5. Oktober in der Ortschaft Toury, als der Prinz Albert von Preußen Freiwillige aufrufen ließ, die eine Rekognoszierung unter⸗ nehmen sollten, bei der die heile Rückkehr der einzelnen Teilnehmer mehr als zweifelhaft erschien. Der junge Mackensen meldete sich als Erster. Er wurde zum Führer der vier anderen Freiwilligen gemacht und bald darauf war die kleine Truppe verschwunden. erkundete, was zu erforschen das Ziel der Patrouille war. Um unbemerkt zurück⸗ zugelangen, trennten sich die fünf Mann bei der Rückkehr und jeder suchte sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Der junge Wacht- meister Mackensen hatte einen so gefährlichen Weg zurückzulegen, daß er fast verzweifelte, jemals wieder die deutschen Linien erreichen zu können. Er war alle Augenblicke genötigt, sich in den Ge⸗ büschen zu verbergen, um nicht von den französischen Kavallerie patrouillen aufgegriffen zu werden. So kam er nur langsam weiter, bis er in eine Schar mißtrauischer französischer Bauern Er versteckte seine deutsche Soldatenmütze— ein Mantel verbarg die Uniform— unter einem Taschentuch und murmelte 1755 geschickt einige französische Worte, die die Bauern, die bereits erdacht geschöpft hatten, täuschten. Und so entfernten sich die Bauern, ohne ihn sestzunehmen. Wenn ste damals gewußt hätten, wem sie begegnet waren, würde Mackensen heute nicht die Armee befehligen, die durch Serbien dringt. Der glückliche Ausgang jener so gefährlichen Begegnung machte den jungen Mackensen tollkühn. Als er im 1 einem französischen Soldaten begegnete, rief er mit ganzer Lungenkraft aus:„Hoch Preußen!“ Dann ver- schwand er im Buschwerk. Der französische Soldat schoß sein Ge⸗ wehr ab und der Knall rief andere Soldaten herbei. Es sah aus, als sollte das verwegene Abenteuer für den jungen Mackensen ein schlimmes Ende nehmen. Aber er bekam nur eine Schramme ab und erreichte im übrigen wohlbehalten die deutschen Linien. Am Abend dieses ereignisreichen Tages wurde der kühne Patrouillen⸗ führer durch eine Einladung zur Abendtafel des Prinzen Albert von Preußen belohnt. Und einige Wochen später erhielt er das Eiserne Kreuz.“ Wenn man mit dem Kaiser spricht. In dem kaiserlichen Jagdschloß zu Königswusterhausen 1755 zu 80 des alten Kaisers Wilhelm ein alter, braver Förster, der sich auf kunst⸗ volle Holzschnitzerei verstand, und als er einmal einen Spazier- stock geschnitzt hatte, dessen Griff einen Hirschkopf mit Geweih zeigte und den alle als ganz besonders gelungen rühmten, saßte sich der Förster, ein königstreuer Mann, ein Herz und übersandte den schönen Stock seinem kaiserlichen Herrn als Geschenk. Die Gabe wurde gnädig angenommen, und alsbald erfolgte als Gegen- gabe mit einem Schreiben aus dem Kabinett des Kaisers eine goldene Uhr. Nicht lange darauf sollte in Königswuster⸗ hausen der Kaiser zur Jagd erscheinen, und der alte Förster be⸗ reitete sich vor dem Kaiser für die Uhr zu danken. Er baute sich in schlaflosen Nächten eine prächtige Rede zusammen, die er auch vor seinen Angehörigen und Freunden sehr gut konnte. Aber als dann der Kaiser erschien und der alte Förster die erbetene Audienz erhielt, war die ganze schöne Rede plötzlich aus seinem Gedächtnis verschwunden. Der Förster stand vor dem Monarchen und konnte minutenlang kein Wort hervorbringen. Erst als der Kaiser zu ihm ermutigend sagte:„Na, mein lieber Behrens!“ brachte er die Worte heraus:„Majestät— Uhr! Uhr!“— Der Kaiser klopfte dem guten Alten auf die Schulter und sagte: N ja, 51 775 Behrens, Stock, Stock!“ Und damit war die Audienz beendigt. Eine Erinnerung an Goethe. Zum 5. Dezember 1815, zu dem Tage, an dem sein Sohn ugust in die Loge „Amalia“ aufgenommen wurde, hat Goethe sein„Symbolium“ gedichtet. Es wurde zum erstenmal in den„Gesängen für Frei- maurer zum Gebrauch aller deutschen Logen“ veröffentlicht. Die Schlußstrophe des Gedichtes lautet: Hier winden sich Kronen In ewiger Stille, Die follen mit Fülle Die Tätigen lohnen! 4 —— Wir heißen euch hoffen. Diese schöne Mahnung an die Tätigen:„Wir en ch hoffen“ ist auf merkwürdigem Umwege und in eigenartiger Ab- änderung in Deutschland zum geflügelten Wort geworden. Carlyle hat sie vor 50 Jahren, zu seiner Rektoratsrede am 2. April 1866, frei mit„work and despair not“ wiedergegeben. Unter der deutschen Uebersetzung dieser orte: Arbeiten und nicht verzweiseln“ hat dann Langewiesche 1902 eine Aus⸗ wahl Carlylescher Werke verlegt, und hierdurch erst ist das Goethe⸗ Wort in der fremden Fassung„geflügelt“ geworden. Für„arbeiten und nicht verzweifeln“ bezw.„kämpfen und nicht verzweifeln“ haben wir Deutschen heute den prägnanten Ausdruck„Durchhalten“ eprägt. Darin findet gleichzeitig die u Goethesche 5„Wir heißen Euch hoffen“ ihre Erfüllung. f pp p p— p——————ç—ꝙ% 22 Büchertisch. — Meyers Historisch⸗Geographischer Kalender für das Jahr 1916. XX. Jahrgang. Mit 366 er⸗ läuterten, die Geschichte des Weltkrieges 1914/1915 chronologisch begleitenden Abbildungen, historisch und geographisch denkwürdigen Landschafts- und Städtebildern, Porträten, interessanten Dar⸗ stellungen aus dem Gebiete der Literatur-, Natur⸗, Kultur- und Kunstgeschichte, Gedenktagen, Sprüchen, Gedichten und itaten, einer Jahresübersicht mit astronomischen 1 5 einem Register und einem Kalendarium auf der Rückseite. Als Abreißkalender eingerichtet. Preis 2 Mark. Verlag des Bibliographischen In⸗ stituts in Leipzig und Wien.— Der Kalender ist ein Kriegs⸗ kalender geworden, Tag für Tag verfolgen wir in ruhiger Rückschau noch einmal die großen Ereignisse des gewaltigen Völker⸗ ringens, dessen Zeuge wir waren, in knappen Tagesnotizen werden wir an jedes einzelne, wichtige Ereignis des Weltkrieges erinuert, Bildnisse der Heerführer, Ansichten der Oertlichkeiten, in denen sich die Kriegsereignisse abspielten, Darstellungen von Kriegsmaterial und technischen Kriegsmitteln ziehen in bunter Folge an uns vor⸗ über, und kerndeutsche Aussprüche bedeutender Männer beleben stimmungweckend und erhaltend den großen Wissensstoff, der hier mitgeteilt ist. 0 „Schwert Siegfrieds wider Albions Gold! Vaterländischer Roman von Heinrich Vollrat Schu⸗ macher. Deutsches Verlagshaus Bong& Co., Berlin W. 57. Der mit einer reichen Engländerin verheiratete preußische General- stabsoffizier, der junge, von Genuß zu Genuß flatternde Lebe⸗ mann aus Berlin W., der arbeitsharte Mann aus dem Volke, der lebenslustige österreichische Kavalier, die abenteuernde Polin, das moderne, seelenlosem Flirt ergebene„Puppchen“, das die Beute eines ränkevollen Japaners wird, die arbeitende Frau des Mittel⸗ standes, das Ausländertum in Deutschland in Gestalt eines Eng⸗ länders, Amerikaners, Serben, Japaners, Russen,— alle diese Typen des deutscheit Gesellschaftslebens, wie sie sich vor dem Kriege zeigten, ziehen in ihren vielfachen Wechselbeziehungen an uns vorüber. 15 Luut Kriminal⸗ und Detektiv⸗Romane Bd. 90:„Am toten See“ von Robert Kohlrausch, Preis geheftet M. 1.—, in Lwd. geb. M. 1.80(Verlag von Robert Lutz in Stuttgart). Bücher ins Feld! So lautet der Ruf, den man allenthalben vernimmt. Auch Kriminalromane! wagt der und jener laut zu sagen, während im stillen Tausende die Wünsche ihrer Angehörigen im Felde nach solcher Literatur schon längst erfüllten. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß unsere Truppen im Feld und die Verwundeten in den Lazaretten haupt⸗ sächlich Unterhaltungslektüre nötig haben, vor allem aber span⸗ nende Romane, die ihre Gedanken von all dem Furchtbaren um sie herum ablenken, zwingend ablenken, oder die ihre körperlichen und seelischen Schmerzen vergessen lassen, erklärt kein Gerin⸗ gerer als Heinrich Lhotzky: Sendet auch Kriminalromane ins Feld! Natürlich denkt er nur an gute Kriminalromane und nenn! ausdrücklich die oben angeführte Sammlung des Stuttgarter Ver⸗ legers Lutz, die das Allerbeste auf diesem Gebiete veröffentlicht. „Am toten See“ ist ein guter Roman dieser Art. Der Aufbau und die Entwicklung der Handlung, die Charakteristik der handelnden Personen und die Zeichnung der norddeutschen Landschaft be⸗ weisen, daß ein deutscher Dichter diesen deutschen Kriminalroman geschaffen hat, welcher vermöge seiner guten chaften und der großen Spannung, die er erregt, als ganz vortr liche Unter. haltungslektüre bezeichnet werden kann. —— Handel. Essen, 1. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Beirates des Rheinisch⸗Westfälischen Kohlen⸗ Syndikats wurden die Umlagen für Oktober für Kohlen mit 6, Prozent(wie bisher), für Koks mit 3 Prozent(wie bisher) und für Briketts mit 4 Prozent(wie bisher) bestätigt und für November und Dezember für Kohlen auf 4 Prozent, sür Koks auf 0 Gen Pro⸗ „ zent und für Briketts auf 4 Prozent festgesetzt. Schließlich erinnerte der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Kirdorff, daran, daß die heutige Tagung des Beirates die letzte sei, da die Einrichtung des Beitrates in den neuen S ndikatsvertrag nicht übernommen worden sei.— Die im Anschlusse daran abgehaltene Zechenbesi tzer⸗Ver⸗ sammlung setzte die Beteiligungsanteile in Kohlen, Koks und Briketts für Dezember auf 80 Prozent(wie bisher) fest. Sodann sand die erste Zechenbesitzerversammlung des neuen Syndikats statt, in der die Richtpreise ab 1. Januar 1916 festgesetzt wurden. Die Versammlung beschloß, die Richtpreise auf der ganzen Linie unverändert zu lassen, ihre Gültigkeit jedoch auf die beiden Monate Januar und Februar zu beschränken. Schließlich wurder noch sämtliche Verkaufsbeteiligungen für Januar 1916 auf 80 Pro zent sestgesetzt. a 5.— Uirchliche Nachrichten. 5 Israelitische Religionsgemeinde. a Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlagez. 5 Samstag, den 4. Dezember 1915? Vorabend: 4.30 Uhr. 1 Morgens: 9.00 Uhr. Predigt. 5 Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbataus gang: 5.15 Uhr. —— Israelitische Neligionsgesellschaff. wee geteert. befensea Sabbatseier am 4. Dezember 1915: Freitag abend 4.00 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatausgang 5.15 Uhr. Wochengottesd ienst morgens 7.00, abends 4.00 Uhr. ———ů Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 'n 2 2 0 de. e 5 8 4 ISS„ S S S etter 1 f 8 5 S 8 48 14 8 8 F 1.2%— e i 15 88 68 9 e 15 Sonnenschein 2.75— UV Regen Höchste Temperatur am 30. Nov. bis 1. Dez. 1915 0 Niedrigste 50.„„.„ Niederschlag: 2,1 mm.. udn Drucksachen aller Art lletert in jeder gewünschten Ausstattung prelswert da Brühl'sche Universitäts- Pruckerei. Schul 1„ 15* Nr. W. IV. 145/10. 15. K. R. A. Nachstehende Bekanntmachun lichen Kriegsministeriums auf mit Strafe bedroht sind 1. Inkrafttreten. des 1. Dezember 1915 in — 8 2. Farben, insbesondere 13 1. wollene und halbwollene Strümpfe und sonstige gestrickte g und gewirkte Sachen(im nachstehenden kurz„Wirk⸗ und Stricklumpen“ genannt gesetzen höhere Strafen verwirkt sind, bestraft: scha schäft Über ihn abschließt; l 2. wer der Verpflichtung, die beschlagnahmten Gegenstände zu und pfleglich zu behandeln, zuwi 3. wer den nach 8 5 erlassenen Ausführungsbestimmungen zu⸗ verwahren widerhandelt. 8 Anttlicher Teil. Bekanntmachung, betreffend Beschlagnahme, Veräußerung und ver⸗ arbeitung von wollenen und halbwollenen Wirk und Strickwarenlumpen und von wollenen u. halbwollenen Abfällen der Wirk- und Strickwarenherstellung. wird auf Ersuchen des König⸗ lichen 5 rund der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf vom 24. Juni 1915(Reichs⸗ Geesetzbl. S. 357) mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß e eee nach§ 6 dieser Bekanntmachung gen dieser Bekanntmachung treten mit Beginn Kraft. Veo der Bekanntmachung betroffene Gegenstände. N Von dieser Bekanntmachung werden betroffen: alle gestrickten, gewirkten, gehäkelten und trikotartigen wolle⸗ nen und halbwollenen Lumpen und Abfälle, sortiert und un⸗ sortiert, auch mit Seide untermischt, in weißer und in allen 4*) Mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark wird, sofern Aich nach allgemeinen Straf⸗ 1. wer unbefugt einen beschlagnahmten Gegenstand beiseite⸗ fft, beschädigt oder zerstört, verwendet, verkauft oder kauft oder ein anderes Veräußerungs⸗ oder Erwerbsge⸗ lumpen genannt). nahmt. und erwünscht. erfolgen. die unmittelbare oder mittelbare Die lichen. erhältlich 5 2 2. wollene und halbwollene Trikotstrümpfe und Trikotagen(im 8 nachstehenden kurz„Wirk⸗ und Stricklumpen“ genannt), 3. wollene und halbwollene Schals und Zephirs(im nach⸗ stehenden kurz„Wirk⸗ und Stricklumpen“ genannt), 4. neue Fabrikationsabfälle der unter Ziffer 1 bis 3 genann⸗ laßt ist. rhandelt; ten Gattungen(im nachstehenden kurz„Wirk⸗ und Strick⸗ 4 83 Von der Bekanntmachung betroffene Personen. Von dieser Bekanntmachung werden alle Personen betroffen, welche sich gewerbsmäßig mit dem Ein⸗ und Verkauf oder der son⸗ stigen Verwendung und Verarbeitung von Wirk⸗ und Strick⸗ lumpen(8 2) befassen(also nicht z. B. Haushaltungen). 8 4. Beschlagnahme Alle in 8 2 bezeichneten Gegenstände werden hiermit beschlag⸗ Trotz der Beschlagnahme ist das Sortieren von Lumpen erlaubt Trotz der Beschlagnahme sind ferner alle Veränderungen und Verfügungen zulässig, die mit Zustimmung der Kriegs⸗Rohstoff⸗ Abteilung, Sektion W. IV., des Königlich Preußischen Kriegs⸗ ministeriums, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, 9 5. Veräußerungserlaubnis. „Trotz der Beschlagnahme ist die Veräußerung der in 8 2 be⸗ zeichneten Gegenstände zu Heeres⸗ oder Marinezwecken erlaubt. Als Veräußerung zu 0 räu betriebe, welche von der Kriegswollbedarf lin mit dem Ankauf der in 8 2 bezeichneten Gegenstände für die Zwecke des Heeres⸗ oder Marinebedarfs beauftragt sind. 5 Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Kriegsministeriums wird eine Liste der von der Kriegswollbedarf⸗ Aktiengesellschaft in Berlin beauftragten Sortierbetriebe veröffent⸗ u. Diese Liste ist auch bei der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung, Sektion W. IV., des Königlich Prenßischen Kriegsministeriums 6. Verwendungserlaubnis Trotz der Beschlagnahme ist die Weiterverarbeitung der in 9 2 bezeichneten Gegenstände erlaubt, sofern diese vor Inkrafttreten dieser Bekanntmachung bereits gewolft waren. Erlaubt ist ferner das Mischen, Reißen, Färben und Karboni⸗ sieren sowie jede andere Art der Verwendung und Verarbeitung der in§ 2 bezeichneten Gegenstände zur Herstellung solcher Ganz⸗ und Halberzeugnisse, deren Anfertigung unmittelbar von dem Königlich Preußischen Kriegsministerium, dem Reichs⸗Marineamt, dem Bekleidungs⸗Beschaffungsamt oder durch Vermittlung der Kriegswollbedarf⸗Aktiengesellschaft in Berlin oder des Kriegs⸗ Garn⸗ und Tuchverbandes E. V. in Berlin ausdrücklich veran⸗ 8. Freigabeanträge und Anfragen. Für Freigaben ist die Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung, Sektion W. IV., lich zuständig. Die . Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung Kriegsministerlums ist berechtigt, Ausführungsbestimmungen 3 dieser Bekanntmachung zu erlassen. Frankfurt a. M., den 1. Dezember 1915. Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps. des Königlich Preußfschen Kriegsministeriums in Berlin ausschlleß⸗ Anfragen und Anträge sind mit der Aufschrift„Wirk⸗ und Stricklumven“ an die Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung, Sektion Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, zu richten. W. IV., 8 8. Ausführungsbestimmungen. des Königlich Preußischen. Marinezwecken gilt nur erung an solche Sortier⸗ Bekanntmachung. Betr.: Ausführung der Gewerbeordnung; hier: Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. An den Sonntagen vor Weihnachten(5., 12. und 19. De⸗ zember l. Is.) dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe bis 7 Uhr abends, jedoch nicht über 10 Stunden, beschäftigt werden. 5 Der Gewerbebetrieb in den offenen Verkaufsstellen ist eben⸗ falls bis 7 Uhr abends gestattet. Gießen, den 1. Dezember 1915. Großherzogliches Polizeiamk Gießen. Hemmerde. ⸗Aktiengesellschaft in Ber⸗ Königlich Preußischen Gieß Bekanntmachung. Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß am 10., 11., 13., 18., 20. bis 24. und 31. Dezember l. Is. die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspausen der Gehilfen, Lehr⸗ linge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen keine Anwendung finden. An diesen Tagen ist offenen Verkaufsstellen ein Geschäfts⸗ betrieb bis 10 Uhr abends gestattet. en, den 1. Dezember 1915. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hemmerde. dle durch Staub und Schmutz übertragen, finden auf der ungepflegten A ie einen geeigneten Nährboden, Juckreiz und Haarausfall sind olgen. Schwarzk 0 Haar gesund und kräftig. Haarausfall herbe führen, werden in gehemmt uad abgetötet. krei, das Haar üppig und glänzend. Zur Stärkung des Haarwuchses, auch zur Erlelchterung der Frisur nach der Kopfwäsche behandle man regelmäsig den Haarboden mil „Peruyd-Emulsion“, Flasche M. 1,50 Probefl. 60 Pf. Echältlich in Apothe. J Durch wöchentlich ei- malige Kopfwaschungen mit opf-Schampoon(Paket 20 Pf) erhalten Sie Ihr Schädliche Keime, die den ihrer Entwicklung Die Kopfhaut wird schuppen- en, Drogerien, Parfümerie: u. Friseur-Oeschäften. 21. Tehumg 5. Kl. 6. Preuss. Siddeutscne g 1282. Königlich Preuss.) Klassen- Lotterie Ucchung vom 1. Dezember 1915 vormittags. E Je 8 Nommer sind zwei glelch hohe Ge- en, und wor je elner auf die Lose gleteher Nummer in den beiden Abtollangen I und II Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. 0 (Onne Gewähr.) Nachdruck verboten.) 5* 8 soo es νν 1027 133 376 640 726 2082 185 227 e 84 371 L800] 709 11 850 913 49 3046 84 401 24 61 L500] 628 4092 90 150 203 J[1000] 483 Laoool 84[1000] 500 38 677 5120 439 607 782 881 94 291 6078[10001 a1 121 284 604 67 77 651 721 884 61 90 710% 250 71 307 8 40 401 86 607 674 110001 767 804 8222 748 9089 100 24% 879 98 618 71 22 70 L000 o 2 180 S 645 7 723 7 888 988 11068 812 41 731 80 80 924 12000 222 24 04 871 488 607 24 818 28 77½ 844 919[1000] 13101 212 82 1800] 444 Loo 88 580 88[6001 614 49 61 74 734 893 14072 70 28% o 848(8000 7 1000] 441 80 668 702 947 11000] 8 15263[1000 400 6e 80 565 716 18178 828 doof 428 600 734 65 883 87(10001 17014 82 379 411 91 680 8% 708 867 976 18081 190 366 429 527 618 56 . 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Ziehung 5. Kl. 6. Preuss.-Süddeutsche (232. Königlich Preuss.) Klassen- Lotterle Ziehung vom 1. Dezember 1915 nachmittags. Auf jede gerogene Nummer sind zuwel glelch hohe de- Winne gefallen, und zwar je elner auf dle Lose glelcher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Nur die Gewinne über 240 Mark eind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Jachdruck verboten.) 55 287 55 297 628 885 9183 1013 206 22 18 520[500] 733 50 2108 213 334 422 500 30 51 88 719 74 3222 318 63 441 89 748 1500] 883 4040 460 74 567 675[1000] 803 18 31 5117 318 613 678 884 55 65 999 6179 433 578 679 7186 70 13000] 865 83 958 7396 457 62 501 18 610 780 848[3000 88 926 28 8081 147 64 446 619 6% 644 48 500] 69 11000] 84 778 817 L500] 9017 212 65 643 889 992 t 10104 52 68 214 919 11009 224 66 411 22» 88 21 66 601 1% 888 L10001 845 1217 211 329 45 88 745 82 829 1500] 904 45 13048 440 85 92(500 829 11000] 48 14058 110 403 21 7286 6 1600] 819(5001 30 1023 27 76 101 267 317 739 928 16299 442 829 98 17027 79 182 227 690 L80001 18106[1000] 210 2000] 73 443 618 53 743 893 920 70 19109 288 50 66 305(5000) 43 447 500 I1000] 58 865[5000] 924 67 20120 256 306 15 484 511 663 830 46 959 80 21003 44 388 407 816[1000] 80 22275 soo] 519 882 738 916 23004 134 240 77 30a 405 761 67/4 981 24051 203 98 340 449 761 25087 225 48 311(1000 27[600] 780 50 72 900 28016 144 257 601 79 894 27009[800] 586 638 713 33 890 28017 40 74 82 182 251 410 12 47 561 29011 140 225 316 586 650 796 832 30058 77 228[500] 370 418 91 801 745 31020 87 576 766 839 83 996 3207 350 60 531 613 755 23078 291 945 34042 86 15001 487 618 22 170 851 T1000] 786 35082 594 688 85 746 9 840 36092 112 303[500] 813 680 784 878 500] 961 37267 828 500 7 02 50 897 925 62 3003 113 258 868 520 749 39047 166 225 11 500 30 690 733(8001 45 40 61 697 40582 621 726 41139 69 13000] 340 572 7389 78 957 4217/1 391[1000] 683[30001 72 610 055 67 43067 391% 441 866 624 32 37 818 244 44261 831 L500 985 84 45018[1000] 101 324 60 821 81 48008 21 60 186 359[1000] 61 76 487 554 60 7 7 47082 474 88 620 11000] 821 48148 240 56 57(1000 912 80 76 519 59 71 846 946 49035 165 291 315 50 soo 402[10] 22 e 638 820 57 940[1000] 89 50061 110000] 158 72 78 221 27 30 310 844 43 684 765 936 51040 148 62 74 244 61 388 722 20 (600 30 904 52030 66 323 50 492 662 621 711 40 61 53125 248 354 79 426 697 833 36 924 54147[1000] 98 249 474 584 617 96 772 55288 300 3 86 438 40 94 559 70 696 816 917 56172 463 80 541 1 80 882 88 986 94 57463 94 651 682 82 58046 208 L000] 808 33189 307 664 701 8 34 872(500 60043 212 413 639 72 778 61071 296 425 85 510 [so] 48 771 918[5001 38 Ls000] 47 81 62018 29 54 203 28 30 586 11000] 820(500 54 63103 40 55 99 294 326 669 722 842 67 980 64139(3000! 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