3 9 F 28³ Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; ie latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Ferusprech Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled 1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 3333 165. Jahrgang 5 lz General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Mittwoch, J. Dezember 1015 Bezugspreis monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. prizren von den Bulgaren genommen. Neue Angriffe der Italiener zurückgeschlagen. WTB.) Großes Hauptquartier, 30. November. Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie-, Wurfminen⸗ . an verschiedenen Stellen der Front be⸗ rünkt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahnanlagen von Ljachowitschi(östlich von Baranowitschi) an. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Bei Rudnik(südwestlich von Mitrovica) wurden feindliche Kräfte von Teilen der Armee des Generals v. Köveß zurück⸗ geworfen. Hier und westlich der Sitnica von Truppen der Armee des Generals v. Gallwitz wurden zusammen etwa tausend Gefangene gemacht. Bulgarische Kräfte haben am 28. November Prizren genommen. Sie brachten über dreitau sen d Gefangene und acht Geschütze ein. Oberste Heeresleitung. 8* 58 Mit einer sehr kernhaften Ansprache hat gestern Präsident . Dr. Kämpf die Reichstagsverhandlungen exöffnet. Die Sitz⸗ 1 ung war im übrigen keineswegs sen alionell, und die deutsche Volksvertretung zeigte aller Welt, daß bei uns nicht mehr mit großen Worten gekämpft zu werden braucht. Einen sehr packenden Gedanken hat Präsident Kämpf besonders hervor⸗ gehoben: daß Serbien jetzt für den Mord von Sarajewo seine Strafe gefunden hat. In der Tat, Serbien hat die un⸗ mittelbare Veranlassung zu dem großen Völkerringen ge⸗ geben; große Staaten sind ihm beigesprungen, und es ist jetzt vor aller Welt dargetan worden, daß diese großen Staaten nicht vermocht haben, die Bestrafung ihres Schütz⸗ lings zu verhindern. Beinahe anderthalb Jahre haben die Fieeinde an dieses heiße Bemühen verschwendet, all ihre Kräfte, all ihr Ansehen dafür eingesetzt. Und jetzt haben deutsche und österreichisch-ungarische Truppen unter der Führung eines deutschen Feldmarschalls dennoch das Sühnewerk restlos voll⸗ bracht. Das bedeutet eine außerordentliche Stärkung unseres Ansehens in der Welt! Wie erhebend und bedeutungsvoll durchklingen jetzt die Dankesworte des greisen Kaisers Franz Josef an den deutschen Heerführer alle Länder! Der durch so vielerlei persönliches Leid gebeugte Monarch darf am Abend seines Lebens noch den herrlichsten Triumph seines . Landes erleben. Der angekündigte und jetzt vollzogene Wechsel 4 auf österreichischen Ministerstühlen bezieht sich nur auf innere Angelegenheiten und erinnert an die Neubesetzung des ersten Postens im Reichsschatzamt des Deutschen Reichs. Die öster⸗ reichisch-ungarische Monarchie wird neue, sprossende Zweige an ihrem Baum zur Entfaltung bringen. In aller Stille hat der deutsche Reichskanzler seinen Geburtstag begangen; er hat gestern das 59. Lebensjahr vollendet. Der Kaiser hat ihm wiederum, wie vor einigen Jahren, eine wertvolle Vase geschenkt und ihm in nicht überschwänglicher, aber sehr herzlicher Weise seine Glück⸗ wünsche ausgesprochen.„Sie waren mir in dieser schweren Zeit eine treue und bewährte Stütze, deren Erfol ge meine aufrichtigen Glückwünsche ebenso verdienen, wie sie Ihnen von unseren Feinden beneidet werden.“ Man er⸗ innert sich dabei unwillkürlich an die dreisten Schmähworte, die Herr Salandra bei der Kriegstagung des italienischen Parlaments gegen den„mittelmäßigen“ deutschen Staatsmann ausgesprochen hat. Nun, jedenfalls kann diese„Mittelmäßigkeit“ heute auf die genialen Künste der italienischen Phantasten und Schreier wie Zeus vom Olymp herabblicken. Der aiser bestätigt Herrn v. Bethmann Hollweg seine Erfolge, und er hat zugleich im Namen des deutschen Volkes wieder den rechten Ausdruck gefunden, denn auch dieses weiß, daß es an dem treuen, charakterfesten Manne an der Spitze . der Reichsregierung eine vollauf bewährte Stütze hat. Ita⸗ liens große Stütze aber, Herr Salandra, muß heute bei der italienischen Volksvertretung betteln gehen. Er drahtete die Abgeordneten, wie nachstehend näher mitgeteilt wird, an, der„Ernst der augenblicklichen Lage“ erheische ihre Anwesenheit in der Kammer. Wahrscheinlich will er damit seinen Troß und Anhang mobil machen, damit Worterausch und Schönfärberei noch einmal über die wach⸗ sende Ernüchterung, die sich im Volke geltend zu machen be⸗ ginnt, siegen. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht be⸗ weist heute von neuem, daß die italienischen Streitkräfte in den ersten Monaten des Weltkrieges stark überschätzt worden sich 167555 österreichisch-ungarische Riegel hält unbeweg⸗ ich fest! 1*** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 30. November.(Wi. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 30. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Es zeigt sich immer mehr, daß die Italiener in diesen Tagen, koste es, was es wolle, am Isonzo, wenn e en Görz, einen Erfolger zwingen wollen. Gestern waren ihre Angriffe gegen die ganze Front zwischen mein und dem Meere, mit besonderer Heftigkeit aber gegen unsere beiden Brückenköpfe und den Nordteil der Hoch⸗ fläche von Doberdo gerichtet. Vorstöße gegen unsere Bergstellungen nördlich von Tolmein brachen bald zu⸗ sammen. Der Tolmeiner Brückenkopf stand nachmittags unter Trommelfeuer. Hierauf folgten drei starke Angriffe auf den nördlichen, mehrere schwächere auf den südlichen Abschnitt; alle wurden unter größten Verlusten des Feindes abgeschlagen. Ebenso erfolglos waren mehrere Angriffsver⸗ suche auf Pla va. Vor dem Görzer Brückenkopf sind sehr starke italienische Kräfte aller Fronten zusammengezogen. Zum Angriff schritt der Feind gestern nur bei Os lavija. Er wurde zurückgeschlagen; nur ein schmales Frontstück wurde etwas zurückgenommen. Görz erhielt nachts wieder etwa hundert schwere Bomben in das Stadtinnere. Im Abhschnitt der Hochfläche von Dober do setzten nach vierstündiger Artillerievorbereitung Angriffe von besonderer Wucht und Zähigkeit gegen den Monte San Michele und den Raum von San Martins ein. Auf dem Monte San Michele schlug das Budapester Honved⸗Infanterie⸗ Regiment Nr. lacht Massenstürmeblutig ab. San Martino wurde dreimal in dichten Massen angegriffen; hie behaußtete das Nagyvarader Honved⸗Infanterie⸗Regi⸗ ment Nr. 4 in erbittertem Handgemenge seine Stellungen. Auch e des Ortes wurde ein feindlicher Angriff ab⸗ gewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich von Pribojwarfen wir die Monte⸗ negriner gegen Pleylje zurück. An der montenegrini⸗ schen Grenze südwestlich von Mitrovicg überfielen öster⸗ reichisch⸗ ungarische Truppen eine serbische Nachhut und nahmen ihr zweihundertundzehn Gefangene ab. Die Bul⸗ garen nähern sich dem Becken von Prizren. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die From am obęręn Boh„ 1 1. A 5 17 8 e 9 e N 18.. ee ee, 5 ne, 0 W 17 eee 7105 N 7 0 S 4 N e . 2 Y ee eee Laa suite Sn 2 — 2 4 See glg and 2 Kaiser Franz Josef an Generalfeldmarschall von Mackensen. Wien, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Seine Kaiserliche und Königliche apostolische Majestät haben geruht, das nach⸗ stehende Handschreiben zu erlassen: Lieber Generalfeldmarschall von Mackensen! Dank Ihrer mustergültigen Führung, der vortrefflichen Mitwirkung der Ihnen unterstellten Kommandanten und der aus⸗ gezeichneten heldenmütigen Leistungen der verbündeten Truppen, wurde der Feind empfindlich geschlagen, ist am Balkankriegsschau⸗ platz ein hocherfreulicher Erfolg erreicht. Führergeschick und zähe Ausdauer der Truppen, die das bisherige Ergebnis errun⸗ gen haben, werden auch die noch übrigbleibenden Aufgaben be⸗ wältigen. Danker füllten Herzens verleihe ich Ihnen, lieber Generalfeldmarschall, die Brillanten zum Militär⸗ verdienstkreuz Erster Klasse mit der Kriegsdekoration, und den Führern der Ihnen unterstellten Armeen, General der Artillerie von Gallwitz und General der Infanterie v. Koe⸗ veß, das Militärverdienstkreuz Zweiter Klasse mit der Kriegs⸗ dekoration. Vermitteln Sie all den Braven, die unter Ihrer 8 ruhmgekrönten Führung Hervorragendes geleistet, meinen Dank und Gruß. Wien, am 23. November 1915. Franz Josef. 5 Wechsel im österreichischen Ministerium. Wien, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben, durch das der Kaiser dem Minister des Innern Baron von Heinold, dem Handelsminister v. Schuster und dem Finanzminister Baron v. Engel die ausgebetene Entlassung vom Amte unter dem Vorbehalt der Wiederverwendung im Dienst in Gnaden gewährt, den Minister des Innern Baron v. Heinold und den Finanzminister Baron v. Engel als Mit⸗ glieder in das Herrenhaus beruft und dem Handelsminister v. Schuster taxfrei den Freiherrnstand verleiht. In dem huld⸗ vollen Handschreiben spricht der Kaiser den Ministern für deren unter schwierigen Verhältnissen entfaltete hingebungs⸗ volle, erfolgreiche Tätigkeit seinen Dank und volle Anerken⸗ nung aus. Gleichzeitig ernennt der Kaiser den gene des Obersten Rechnungshofes, Prinzen zu Hohenlohe⸗ Schillings fürst zum Minister des Innern, den Gouver⸗ neur des Postsparkassenamtes, Ritter v. Leth, zum Fi 5 minister und den Direktor der Oesterreichischen Kreditanstalt, v. Spitzmüller, zum Handelsminister. Aus Italien. 1 Mailand, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Cor⸗ riere“ zufolge hat Salandra gestern an die Abge⸗ ordneten, die teilweise unter den Waffen stehen, fol⸗ 9 gedrahtet: Der Ernst der augenblicklichen age berechtigt mich, die Kollegen zu bitten, an allen Sitzungen der Kammer teilzunehmen. Gestern vereinigte sich in Monte Cittorio eine Gruppe offizieller Sozialisten, die den Abgeordneten Treves damit beauftragte, auf die Mit⸗ teilung der Regierung zu antworten. Die sozialdemokratische Fraktion wird außerdem an den Debatten über die wirt⸗ schaftlichen und finanziellen Maßnahmen, sowie über diß Einschränkung der persönlichen Freiheit teilnehmen. f Eine bulgarische Auszeichnung für Enver Pascha. Sofia, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der König hat Enver Pascha das Großkreuz des St. Alexander⸗Ordens verliehen. 5 Eine japanische Erklärung. 5 New Pork, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk⸗ spruch von dem Vertreter des W. T. B.„New Pork Times“ ver⸗ öffentlicht folgendes Telegramm des ja panischen Mi⸗ 5 nisters des Aeußern Baron Yshii, das der„Times“ durch den hiesigen japanischen Konsul zugegangen ist: Tokio, 26. Nov. Die„New Pork Times“ hat sich durch Kabeltelegramm wegen des Interviews mit einem Vertreter des„Petit Parisien“ befragt. Dies Interview ist unrichtig wiedergegeben worden. Was ich gesagt habe, ist folgendes: Wenn Japan ein Heer nach Europa schicken wollte, so müsse dieses ein großes und mächtiges sein. Aber eine solche militärische Expedition ist infolge vieler unüberwindlicher Schwierigkeiten, die sich ihr ent⸗ gegenstellen, undurchführbar Vom serbischen Uriegsschauplatz. Der bulgarische Bericht. Sofia, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 28. November. In der Richtung von Prizren verfolgen unsere Truppen rastlos die Serben, welche sich in großer Unordnung 5 gegen Montenegro zurückziehen. Auf der Straße Pristina—Prizren liegen allenthalben Ausrüstungsstücke und Kriegsmaterial. Auf beiden Seiten der Straße sieht man zahlreiche tote Pferde und Ochsen sowie beschädigte Wagen und Motorlastwagen. Wir ent⸗ deckten in der Umgegend des Dorfes Suharska eine erhebliche Menge Munition sowie zahlreiche Geschütze, von denen nur noch die Lafetten und Achsen übrig waren. Weiter südlich fanden wir die Trümmer eines Pontonparks einer Pionierkompagnie. Das alles beweist, daß die Reste der serbischen Armee nur noch umher⸗ irrende Massen sind. Im Laufe dieses Tages machten wir 2200 Gefangene und erbeuteten 16 Geschütze und 22 Munitionswagen. Auf der Südfront entwickeln sich die Operationen für uns günstig. Unsere Truppen besetzten am 26. ds. Mts. die Stadt Kichewo, heute nahmen sie die Stadt Kruschawo in Besitz. Die Serben operieren in dieser Gegend nur noch als kleine verein⸗ zelte Abteilungen. Unsere Truppen, die längs der oberen Carna operieren, überschritten diesen Fluß und bemächtigten sich der Brücke und Straße, die nach Bitolia(Monastir) führt. Auf den übrigen Fronten wenig Veränderung. In den täglichen Heeresberichten unseres Großen General⸗ stabs werden die Operationen unserer Truppen nur da skizziert, wo Aenderungen in der Lage eintreten. Im allgemeinen wird nichts erwähnt von den Fronten, wo die Lage unverändert blieb. Dies bezieht sich besonders auf die südliche Front, wo infolge der passiven Haltung der englisch⸗französischen Truppen unsere Berichte nur weniges über die Operationen meldeten, die dort stattgefunden haben. Um jeder Deutung dieses Schweigens in Europa vorzubeugen, die diese vielleicht als ein Zeichen von Mißerfolgen darstellen wollte, gibt der bulgarische Generalstab bekannt, daß die Operationen der englisch⸗ französischen Truppen sich auf das Cernatal beschränkt haben. Die englisch⸗französischen Truppen haben nicht nur um keinen einzigen Schritt vordringen können, über die Stellungen, die sie zurzeit der Ankunft unserer Truppen besetzt hielten, sondern sie wurden sogar un einige Kilometen 9Cĩ§˙ hinter diese Stellungen zurückgedrängt. Alle ihre Versuche, nord⸗ westlich der Cerna vorzugehen, blieben erfolglos. Heute be⸗ findet sich kein einziger Serbe oder Franzose aufdemlinken Ufer der Cerna. Die Brücken des Flusses bis zur Mündung in den Vardar wurden von den Serben und Franzosen auf ihrem Rückzuge zerstört. Paris, 30, Nov.(WTB Nichtamtlich.) Unter Hinweis auf das zahlenmäßige Mißverhältnis der Streitkräfte der Alli⸗ ierten und der Mittelmächte auf dem Balkan fordert„Temps“ an der Spitze der Pariser Blätter dringend Verstär kungen der Landungstruppen in Saloniki. Griechenland sei kein Hindernis mehr in der Freiheit der Bewegungen Hieser Truppen. Es gilt zu handeln, nämlich Saloniki zu halten, „Temps“ stellt fest, daß Italien zwar bereits Truppen nach Saloniki und Durazzo gesandt habe, läßt aber deutlich durch⸗ blicken, daß die Alliierten nach der Rede Orlandos und den zu erwartenden höchst wichtigen Erklärungen Sa⸗ landras bei der Kammereröffnung bedeutend mehr erhoffen. Die vollkommene Solidarität Italiens müsse zu einem vollständi⸗ geren Eingreifen führen als zu dem, was ihm durch die Sorge um Albanien diktiert sei. Italien habe, wie die anderen Alliierten, so starke Interessen, daß das Germanentum nicht durch die Aegäis ans Mittelmeer komme. Die Küste Albaniens gegen einen all⸗ fälligen Angriff zu schützen, genüge nicht. Serbien müsse ge⸗ holfen werden, wieder eine aktive Rolle zu spielen, also müßten die Mittelmächte verhindert werden, nach Saloniki zu kommen.— „Echo de Paris“ droht Griechenland, solange Krieg sei, wird Saloniki besetzt gehalten werden. Nur wenn die Alliierten Sieger seien, könne Griechenland da wieder einziehen. Hristiania, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der mili⸗ tärische Mitarbeiter des„Morgenbladet“ schreibt in einem Artikel „Finis Serbiae“: i Nach den Ereignissen der letzten Tage ist die Lage des serbischen Heeres und der Serben verzweifelt. Die letzten Teile ihres Landes werden bald erobert sein. Ihre Heere oder was davon noch übrig ist, wird gezwungen sein, Zuflucht in Montenegro und Albanien zu suchen. Ihre Wider⸗ standskraft, gar nicht zu reden von der Offensivkraft, ist gebrochen. Das Heer ist außer Spiel gesetzt. Die Ver⸗ bündeten und die Bulgaren können binnen wenigen Tagen den größten Teil ihrer Streitkräfte gegen neue Ziele führen. Jeden⸗ falls ist der erste Teil des großen Krieges auf dem Balkan ab⸗ geschlossen. Der Feldzug wurde von den Verbündeten, und den Bulgaren mit einer Kraft und Tüchtigkeit geführt, die ihn in die Reihe mit vielen hervorragenden militärischen Taten der eersten Zeit des Krieges stellen. Ein Heer von 250 000 Mann, wohl der Tapfersten und Kriegsgeübtesten der Welt, belagern und bis zur Machtlosigkeit verringern und noch dazu in einem Lande, das so geeignet ist für eine hartnäckige und zähe Ver⸗ teidigung wie Serbien, mit den denkbar elendesten Wegen, 1 in wilden Gebirgsgegenden, wo überhaupt keine ege sind und ununterbrochene Regengüsse und Schnee allen Kriegshandlungen und jeder Zufuhr die größten Schwierig⸗ keiten bereitet 5 alles das im Laufe von sechs oder sieben Wochen zu vollbringen, ist eine so großartige Leistung, daß e tapfere Kampf der Serben für ihr Land dagegen Der amtliche französische Vericht. Paris, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht bon gestern abend: Nördlich des Labyrinths vertrieben wir durch einen lebhaften Angriff den Feind aus einem Trichter. Die Verluste des Gegners sind merklich, die unsrigen leicht. Von dem übrigen Teil der Front ist nichts zu melden. Am gestrigen 3 mußte eines unserer Flugzeuge bei Dompevrin auf dem linken Maasufer vor den feindlichen Stellungen landen. Trotz hef⸗ tigen Feuers der deutschen Artillerie wurde das Flugzeug nur wenig beschädigt; der Flieger blieb unverletzt. Belgischer Bericht: Beschießung unserer Stellungen nördlich von Dirmuiden. Unsere Batterien erwiderten das Feuer der feindlichen Artillerie. Zur Vergeltung wurden auf die deut⸗ schen Schützengräben Schüsse abgegeben und Arbeiter in der Rich⸗ tung auf den Grenzstein 12⸗Yser und auf Possele beschossen. Orientarmee: Ruhe auf unserer Front. Die Serben wurden bei Monastir nicht angegriffen. Zwischen dieser Stadt und Kalkandelen wurden die bulgarischen Operationen durch Schnee gehindert. Die Engländer melden die Ankunft einer gewissen Zahl bulgarischer Deserteure in Saloniki. Die Stellung von Kruschewo ist unverändert. Die Serben scheinen die Stel⸗ lungen südlich von Prilep zu halten. Nichtsdestoweniger ist die Lage der serbischen Armee, die jeden Zoll Bodens helden⸗ mütig verteidigt, als sehr kritisch anzusehen. Gestern bega⸗ ben sich 26 bulgarische Soldaten, die zu der dem Kriege stark widerstrebenden Agrarpartei gehören, zu englischen Vorposten der 21 von Strumitza. Nach einer gut unterrichteten Quelle sollen sich deutsche Streitkräfte nach Bulgarien begeben, um den Bulgaren für den Fall eines russischen Einfalls bei⸗ zustehen. Die Haltung Griechenlands. Konstantinopel, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Bezüg⸗ lich der Antwort Griechenlands auf die Note des Vier⸗ verbandes drücken die Blätter, indem sie die schwierige Lage Grie⸗ chenlands anerkennen, die Meinung aus, daß das letzte Wort in dieser Frage den Streitkräften gehöre, die wie eine Lawine von Norden herabkommen.„Tanin“ schreibt: Sicherlich ist es nicht wünschenswert gewesen, daß Griechenland, die Entwaffnung der Ententetruppen fordernd, sich Feindseligkeiten seitens der Entente gussetzte. Morgen wird Griechenland sich vor einer neuen Lage finden, die neue Entschlüsse fordern wird. Da Griechenland ange⸗ sichts der Forderung der Entente nach einer raschen Antwort seine Entscheidung nicht bis zur endgültigen Klärung der Lage auf⸗ schieben konnte, empfand es die Notwendigkeit, sofort zu antworten. Es war jedoch nicht möglich, durch eine negative Antwort eine feindselige Haltung anzunehmen. Griechenland hat, es vorge⸗ zogen, Zeit zu gewinnen, indem es die Entente teilweise zufrieden stellte und teilweise eine reservierte Haltung eingenommen hat. Nach unserer Meinung ist dies das beste Vorgehen gewesen. Griechenland wird seine endgültige Entscheidung am Tage ent⸗ scheidender Ereignisse fassen. Wenn die Ereignisse ihren normalen Verlauf nehmen, wird die Entschließung sicherlich gegen die En⸗ tente fallen. 0 . Kitchener in Paris. Paris, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Präsident Poincars empfing heute vormittag Kitchener. Paris, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des 3 drs Bureaus: Kitchener hatte nach seinem Emp⸗ 355 Poincaré eine lange Unterredung mit nd.. London, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Kitchener ist in England ange⸗ kommen. Am Donnerstag wird ein Ministerrat statt⸗ finden, dem Kitchener beiwohnen wird. 5 Berlin, 1. Dez. Ueber Kitcheners Besuch in Rom wird nach einem Telegramm der„Kreuzzeitung“ aus Wien aus zuverlässiger Quelle berichtet, daß 1 nicht auf die Teilnahme italienischer Truppen am Balkan ge⸗ drängt habe, sondern daß es sich vielmehr um eine Beteili⸗ f g Italiens in der Verteidigung Aegyptens handelte. 5 Nan schien in Rom diesen Gedanken nicht unbedingt abzu⸗ lehnen und an eine mit den Engländern gemeinsame Ver⸗ teidigung Aegyptens und Libyens zu denken. 5 Die Stimmungsmache in Frankreich. Berlin, 1. Dez. Mehrere Morgenblätter lassen sich aus Geuf melden: Gustave Tery bringt im„Oeuvre“ einen offenen Brief an den Finanzminister Ribot, in dem er die Enthül⸗ lung macht, daß das französische Finanzministerium durch Ver⸗ JVVVVVVVUVVVVVUUVVVVTCCC000T schen Blätter 50 Millionen Francs, an jedes Blatt 7500 Francs, für Aufnahme der Reklameartikel des Ministeriums für die neue Anleihe verteilen ließ. Der Abgeordnete Bernard wird voraus⸗ sichtlich in der Kammer an den Minister eine Anfrage in dieser Sache richten. Eine russische Mission in London. London, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die russische militärische und maritime Mission, die heute in London ein⸗ getroffen ist, besteht aus dem Vizeadmiral Russine, dem Generalmajor Savrainowitsch und sieben anderen Mitglie⸗ dern. Die Mission ist der„Times“ zufolge vor allem mit der Aufgabe betraut, Lieferungen von Munition für die russische Armee und Flotte zu erleichtern. Die Verschuldung Englands an Amerika. London, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Mail“ sagt in einem Leitartilel, der Verkauf amerika⸗ nischer Wertpapiere werde nicht weit reichen, um dis, Ver⸗ schuldung Englands an die Vereinigten Staaten, Ne in diesem Jahre 613 Millionen Pfund Sterling betrage, auszu⸗ gleichen. Das Blatt verlangt eine größere Sparsamkeit und empfiehlt, nachdeutschem Musterflesschlose Tage einzuführen. Der Kampf um die Wehrpflicht in England. London 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Buxeaus. Gestern abend ist eine Versammlung gegen die Wehrpflicht von Londoner Studenten, Australiern, Canadiern und Neuseeländern gesprengt wor⸗ den. Die Eindringlinge nahmen den Flaggenschmuck herunter, zertrümmerten den Stuhl des Vorsitzenden und warfen die ursprünglichen Versammlungsteilnehmer heraus. Hierauf veranstalteten sie eine Gegenversammlung, in der die Entschließung angenommen wurde, den Krieg nicht früher zu beenden, als bis die Bedingungen der Alliierten angenor'⸗ men seien. Ans Aegypten. Kairo, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus. Ein amtliches Comuniqus besagt: Der Scheriff der Senussi behält eine durchaus freundliche Haltung zu der Regierung bei. Aber gewisse feindliche Kreise des Westens reizten einige westliche Araber zu geringfügigen Angriffen auf die Grenz⸗ posten und die Regierung auf. Die Regierung konzentrierte daher kleinere Grenzposten in Matruh, wo reichliche Streitkräfte aufge⸗ stellt sind, um die Araber zu schützen. Die Kämpfe um Kamerun. London, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Amtlich wird über die Kämpfe um Ka⸗ merun mitgeteilt, daß seit dem 23. November westlich Jaunde, dem Sitze der deutschen Verwaltung, heftig gekämpft wird. Hier rücken französisch⸗britische Expeditionstruppen längs der Straße und Eisenbahn nach Edea erfolgreich vor. Eine britische Abteilung drang bis zum Puge⸗Fluß weiter vach Süden vor. Eine französische Abteilung besetzte Makondo. Die deutschen Truppen hatten schwere Verluste. Im nördlichen Kamerun wurden die feindlichen Streitkräfte geschlagen. Auseinandergetriebene kleine Gruppen Flüchtiger werden euergisch verfolgt. Ansehnliche fran⸗ zösische Streitkräfte, die von Franzöfisch⸗Aequatorial⸗Afrika kämp⸗ fen, sich den Weg durch Kamerun bahnten, nähern sich Jaunde von Osten und Südosten. 8 Der Seekrieg. Berlin, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Athener Zei⸗ tungsmeldungen vom 27. November bringen die Nachricht, daß drei deutsche Unterseeboote bei den Orkney⸗ Inseln in ein Netz geraten seien und sich mit der gesam⸗ ten Besatzung ergeben hätten. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht völlig aus der Luft ge⸗ griffen ist. Rotterdam, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Auf der Doggerbank ist der englische Torpedobootszerstörer „Fervent“ auf eine Mine gelaufen und gesunken. Von der Besatzung sind nur fünf Mann gerettet. London, 29. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agen⸗ tur meldet: Der französische Dampfer„Algérien“ ist versenkt worden. Acht Personen sind gerettet, eine Leiche wurde gefunden; 29 Mann werden noch vermißt. Ferner sind der französische Dampfer„Omara“ und der britische Dampfer„Tanis“ versenkt worden; die Besatzung letz⸗ teren Schiffes wurde in zwei Rettungsbooten 2 andet. London, 30. Nov.(WTB. Nichkamtlich.) Lloyds mel⸗ det: Der britische Dampfer„Dotterel“ ist ver⸗ senkt worden. e Aus dem Reiche. Zum Geburtstag des Reichskanzlers. Berlin, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Dem Reichs ⸗ kanzler sind an seinem gestrigen Geburtstage zahlreiche Glückwünsche zugegangen. Der Kaiser„ eine ko stbare BVase zum Geschenk gemacht und folgendes Telegramm ge⸗ sandt:„Ich gratuliere Ihnen, mein lieber Bethmann, von zu Ihrem heutigen Geburtstage, welchen nun schon zum zweiten Male leider im erl. Sie waren mir in dieser schweren Zeit eine treue und bewährte Stütze, deren Erfolge meine aufrichtigen Glückwünsche ebenso verdienen, wie sie Ihnen von unseren Feinden beneidet werden, und wie die Vor⸗ sehung sie Ihnen auch im kommenden Lebensjahre gönnen wolle zum Segen für Kaiser und Reich, e Freude für die 1 Das ist der aufrichtige h ee 0 5 tlhelm I. R.“ Von dem König von Bayern ist nachstehender Glück⸗ wunsch eingegangen:„Zum morgigen Tage, an dem Ew. Exzellenz zum zweiten Male seit Ausbruch des großen Völkerringens Ihr Geburtsfest feiern, spreche ich Ihnen meine herzlichsten und auf⸗ richtigen Glückwünsche aus. Großes haben Deutschlands Heere und Deutschlands Volk in dieser ernsten Zeit geleistet. Uner⸗ schütterlich ist unser aller Zuversicht und unser Wllle, durch⸗ uhalten bis zum siegreichen Ende und zu einem, den großen pfern würdigen und ehrenvollen Frieden. Ludwig.“ Ebenso gedachten der König von Sachsen, die Großherzogin Luise von Baden, der Großherzog und die Großherzogin von Baden und der Herzog und die Herzogin von Braunschweig des Tages. Zahlreiche andere stehende Persönlichkeiten, darunter General⸗ schall von Hindenburg, haben dem Reichskanzler feldmars⸗ ind 5 brieflich oder telegraphisch ihre Geburtstagswünsche ausgesprochen. Der Arbeitsplan des Reichstags. Berlin, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ael⸗ testenrat des Reichstages ist mittags zusammengetreten, um über die Erledigung der vorliegenden Arbeiten zu be⸗ raten. Zunächst sollen auf die Tagesordnung noch folgende Punkte gesetzt werden: 1. erste Beratung über die gesetzlichen Vorschriften über Altersrenten, 2. erste Beratung des Ent⸗ wurfs des Gesetzes über vorbereitende Maßnahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne, 3. Entwurf des Gesetzes über die Besteuerung der Reichsbank. Man einigte sich dahin, diese drei Punkte debattelos an einen Ausschuß zu verweisen. Es ist weiter beschlossen worden, daß das Plenum nach Erledigung der heutigen Tagesordnung sich mittelung der„Societe Générale des Annonces“ an die französi⸗ ö 3 9 1 1 2 1 bis zum 9. Dezember vertagt, um dem Ausschuß Zeit e u Beratun lassen. Man hofft, bis . Weihnachtsferien die Arbeiten 15 ellen. 0 *. 25 Karlsruhe, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) In der heuti⸗ gen Sitzung des Budgetausschuffes erklärte der Minister des Ie, nern, es sei beabsichtigt, die Stelle des stellvertretenden Bundesrats bevollmächtigten in Berlin(Ministerial⸗ 1 direktor) nicht mehr zu besetzen. Der neue Gesandte werde die Ge⸗ 8 schäfte des Bevollmächtigten mitbesorgen. 3 Saarbrücken, 30. Nov.(WTB. e An; einfacher und würdiger Weise wurde heute hier das Jubi⸗ läum der 100 jährigen Zugehörigkeit des Sgaar⸗ brücker Landes zu Preußen begangen. An der Feier nahmen teil der Oberpräsident der Rheinprovinz, Exzellenz von Rheinbaben, Regierungspräsident Dr. Baltz i Plenum fertigzu⸗ General Exzell Below und di Spißen der 5 5 eneral Exzellenz von Below und die Spi r Zivil und Militärbehörden. Bekanntgegeben wurde, daß vom Kreistag von Saarbrücken 500 000 Mk., von der Firma Röch⸗ ling in Völklingen 100000 Mk., von Freifrau von Stumm⸗ Halberg 100000 Mk. und von Kommerzienrat Böcking 40000 Mk. für Zwecke der Kriegsfürsorge aus Anlaß der Jubiläumsfeier gestiftet worden sind. Vom Saarbrücker Kreistag und von der Saarbrücker Stadtverwaltung wurden Huldigungstelegramme an S. M. den Kaiser abgesandt. Aus Stadt und Cand. Gießen, 1. Dezember 1915. . g Dezember. Karl der Große, der, wie bekannt, den Monaten deutsche Namen gab, hat den Dezember„Heiligmonat“ genannt. Dieser Name bedarf keiner näheren das Weih⸗ nachtsfest, die Feier der Geburt des Hellandes, die in die letzte Woche dieses Monats fällt, beherrscht ja den Monat. Es ist sehr zu bedauern, so schreibt uns ein arbeiter, daß die schönen deutschen Bezeichnungen, die Karl der Große für die zwölf Monate ausfindig 5 hat, später aus der Uebung gekommen sind und daß die altrömi⸗ schen Monatsnamen auch bei uns wieder Geltun h e haben. Eines der wenigen Völker, bei denen si mische Monatsnamen sestseten konnten, sind die Polen; bei ihnen heißt der Dezember grudzien nach dem polnischen Worte gruda(die gefrorene Erde). Im Englischen, Schwe⸗ dischen und Dänischen heißt der Monat december, im Fran⸗ zösischen décembre, im Italienischen dicembre, im nischen diciembre, im Portugiesischen decembro, im Griechi⸗ schen dekembrios und im Russischen dekabr. Diese Zu⸗ sammenstellung zeigt uns, ein wie großes Verbreitungs⸗ gebiet die altrömischen Monatsnamen erlangt haben. Bei allen diesen Monatsnamen muß man noch heute den Fehler mit in den Kauf nehmen, den Cäsar in seiner Kalender⸗ reform dadurch beging, daß er die Namen der zehn alten römischen Monate beibehielt, obwohl er zwei neue an den Anfang des Jahres gesetzt hatte. Gerade bei dem De⸗ zember macht sich dieser Fehler wohl am stärksten bemerk⸗ bar, weil wir das römische Zahlwort decem auch sonst vielfach anwenden, wie in Dezimalb und De⸗ zimalsystem. Bei den Monatsnamen ist es eben ähnlich wie bei den neuen eisernen Kriegssechsern. Obwohl wir seit mehr denn 40 Jahren keine Sechspfennigstücke mehr haben, sondern nur Fünfpfennigstücke, vedet man in dem größten Teile von 5 and immer noch von„Sechsern“ und nennt demgemäß die neuen eisernen Münzen auch„Kriegs⸗ sechser“.— Als die von Karl dem Großen eingeführten deutschen Monatsbezeichnungen schon längst aus der Uebung gekommen waren, entstanden immer wieder neue den che Benennungen für die Monate in unserem Vaterlande. Von diesen entfielen weitaus die meisten auf den Wir erwähnen nur die folgenden: Windmand, monat, Hartmonat(von den harten Frösten), Hasenmann (von den Treibjagden auf Hasen), Wolfmonat, Ehristmonat, Andresmonat, Thomanmonat, Speckman(in Pommern Speckmonat), Slachtmand(am Mittel- und am Niederrhein ⸗ Schlachtmonat), Adventmonat, Lest⸗Monat(— letzter Monat in Bayern), Lesemande(in Hessen; diese Bezeichnung ist wohl aus„letzter Monat“ entstanden). Manche dieser Be⸗ nennungen haben sich in verschiedenen deutschen Mund⸗ arten bis zum heutigen Tage erhalten. Die Be⸗ zeichnungen„Schlacht- und Speckmonat“ beziehen sich auf die Schweineschlachtungen, die auch heute noch auf dem Lande am meisten im Dezember vorgenommen werden. In der Zeit der harten Dezemberfröste sich für die Viehherden die Wölfe am gefährlichsten, der Name Wolfmonat. Die ichnung Thomanmonat darauf Bezug, daß 91 den 21. Dezember der Gedenk des Apostels Thomas fällt. Für die große Bedeutung, die bei uns dem Andreastag mit seinen Liebesorakeln, der spricht pie. Heeg Ade ent fe wurde, pricht die eichnung Andreasmonat für 5 die sich bei Fischart findet f 5 170 Auszeichnung. Dem Sanitäts⸗Unt ier Wilhelm Bonarius aus Geer, der in einem aN Weben steht, wurde das hessische Militär⸗Sanitätskreu Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. 455 * Ehrentage der 222er. 30. November 1914: Im Walde von Ruda wurden die vom Feinde stark besestig⸗ ten Stellungen abends gestürmt, dabei viele Waffen, Mu⸗ nition und Pferde erbeutet und eine Anzahl Gefangener gemacht. 3. und 4. ber 1914: Bei und Mala Mierszonska stößt das Regiment bei der Verfolgung 1 1 meu verschanzten Gegner, greift erfolgreich an, macht 1200 Russen zu Gefangenen und erbeutet 6 Geschütze. Militärische Ausbildung der Jugend. Am Mittwoch abend hielt Geh. Justizrat Prof Dr. Mitter⸗ maier seinen zweiten Vortrag über die Eindrücke, die er gelegentlich eines Truppentransportes nach dem Osten ewonnen 12 5 Seine interessanten Schilderungen von zand und Leuten und dem Leben unserer Feldgrauen auf dem den Jh Kriegsschauplatz wurden mit großem Dank von den Zuhörern 1 Am Sonntag nachmittag 1 auf dem Trieb exerziert und Entfernungsschätzen geül * Den Prüfungskommisskonen für die Prüf der Aspiranten zum Staatsdienst im Piedienngleanh ehen Veterinärfach in Tarmstadt gehören für das Jahr 1915 an: als Vorsitzender: Staatsrat Hölzinger, Vorfttzender der Mi⸗ nisterialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege, als Mitglieder: a) für die Prüfung im Medizinal fach: die Geheimen Ober⸗ medizinalräte Dr. Hauser und Dr. Balser, Geh. Sber⸗ medizinalrat Professor Dr Heyl, Medizinalrat Professor Dr. Dannemann, Direktor der Landes⸗Heil⸗ und Pflegeanstalt bei Heppenheim und Kreisarzt Medizinalrat Dr. Groos in Darm⸗ stadt, b) für die Prüfung im Veterinär fach: Geheimer Ober⸗ medizinalrat Dr. Hauser, Geheimer Obermedizinalxat und Lan⸗ desgestüttsveterinärarzt Professor Dr. Loren 8 Geheimer Ober⸗ rektor medizinalrat Professor Dr. Heyl, Schlachthofdirektor Veterinär⸗ rat Dr. Garth in Darmstadt und Kreisveterinärarzt 1 ling in Mainz. 1 f 3 25. e g 8 Stadttheater. Man schreibt uns cus dem Theater⸗ bureau: In der nächsten Freitags⸗Abonnemenksvorstellung wird Otto Ludwigs bekanntes Schauspiel„Der Erbförster“ gegeben werden. Die Aufführung dürfte um so mehr interessieren, als das erk im neuen Haus noch nicht gegeben worden ist und der der⸗ 5 eine sehr gute Besetzung in den Hauptrollen glicht. Sißener Butterhändler werden in einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in heutiger Nummer aufgefordert, bis zum 3. Dezember auf dem Stadt⸗ 17 5 anzugeben, wieviel Butter sie in der Zeit vom 1. Juli bis zum 30. September bezogen und in der Stadt Gießer— verkauft haben 4 Streikumden Pumpernickel. In vielen Zeitungen ist vor einigen Tagen eine Entscheidung der Strafkammer erwähnt worden, wonach Pumper n. ckel nicht als Brot anzusprechen ist, sondern ohne Brot⸗ karte als Delikatesse frei verkauft werden darf. Das Frank⸗ surter Polizeipräsidium macht nun darauf aufmerksam, daß diese e von den Verwaltungsbehörden nicht ge⸗ teilt wird und gegen das Urteil Revision angemeldet wurde. Die Angelegenheit ist somit keineswegs endgültig entschieden. Fälle von Abgabe von Pumpernitkel ohne Brot⸗ schein dürften nach wie vor strafrechtlich verfolgt werden. Eine Ausnahme macht nur der Pumpernickel, der aus Getreide hergestellt ist, das von der Reichsgetreidestelle aus⸗ drücklich zu dieser Verwendung überlassen ist. Außerdem muß sich der Pumpernickel in Originalpackung ach i auf der die Herkunft des Getreides ersichtlich gemacht istt J* Der heurige Aepfelwein Auch in der Chronik 1 der Aepfelweinjahre wird das Jahr 1915 in gesegnetem An⸗ denken bleiben. Die großartige Obsternte in allen Gebieten der Heimat schloß von vornherein den Bezug ausländischen 5 Obstes völlig aus und lieferte trotzdem einen Wein, der, wie sich jetzt mehr und mehr herausstellt, so hochprozentig an Zucker⸗ und entsprechendem Säuregehalt ist, wie kaum in Einem Jahre zuvor. Neben der gewaltigen Menge ist der gekelterke Wein von hervorragender Güte. Die Aepfelwein⸗ kelterer, zu denen in diesem Jahre nicht nur die Wirte, sondern auch fast alle Obstzüchter zählen, legten beim Kel⸗ tern besonderes Gewicht auf die Sortenmischung. Der 1915er Aepfelwein dürfte dem verwöhntesten„Geschworenen“ ge⸗ nügen und seinen Geschmack befriedigen. f Landkreis Gießen. f= Burkhardsfelden, 30. Nov. Nach Tagen banger Ungewißheit traf heute Nachricht ein, daß sich der als vermißt geltende Musketier Hermann Be cker in russischer Gefangen⸗ schaft befindet. Il Lang⸗Göns, 30. Nov. Den Heldentod starben von hier bis jetzt 21 Mann; ferner sind zwei Mann vermißt, drei Mann in französischer Gefangenschaft.— Die Hessische Tapserkeits⸗ medaille erhielt der Fahrer Wilhelm Ohly bei der Munitions⸗ olonne des Dragoner-Regiments Nr. 7. b II Holzheim, 29. Nov. Auf dem Felde der Ehre fielen bisher elf einheimische und sieben auswärtige Holzheimer. fl. Lang d, 30. Nov. Dem Gefreiten Otto Schuppe, Maschinen⸗ gewehrzug des Dragoner⸗Regts. 23, wurde die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille verliehen.— Der Opfertag am Geburts⸗ tage unseres Großherzogs brachte hier den Betrag von 120 Mark ein. An den Folgen einer schweren Krankheit v erstarb in einem Feldlazarett der Landsturmmann Louis Römer. .[Weickartshain, 30. Nov. Die Hessische Tapferkeits- medaille erhielt Wilhelm Zimmer im Landwehr-Infanterie⸗ Negiment Nr. 116. 5 5 5 Z. Geilshausen, 30. Nov. Heinrich Wagner III., bei einer Munitionskolonne im Westen, erhielt die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille. 8 1 Kreis Alsfeld. Homberg a. d. Ohm, 1. Dez. Dem Gefreiten der Land⸗ wehr Karl Strauch aus Homberg a. d. Ohm, im Landwehr⸗ 2 75 116, z. Zt. Telephonist beim Stabe, wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Klͤreis Schotten. 8 Sichenhausen, 29. Nov. Gefreiter der Reserve Heinrich Beuler wurde zum Unteroffizier befördert und erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. 0 1 Starkenburg und Rheinhessen. „Groß-Gerau, 30. Noo. An der Eisenbahnstrecke von Mainz nach Darmstadt trug sich heute früh zwischen den Statio⸗ nen Groß⸗Gerau und Nauheim ein schweres Unglück zu. rei jugendliche Arbeiter, die auf dem Wege nach ihrer Arbeits⸗ stelle Bahnkörper benutzten, wurden bei dem unsichtigen Wet⸗ ter von einem Güterzuge überfahren und so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle verstarben.„ Kreis Wetzlar. 8 ra. Kinzenbach, 30. Nov. Lehrer Richard Kuhl, früher in Wißmar, 1955 als Kriegsfreiwilliger im Inf.-Regt. 99, Zabern, ausgerlckt ist, wurde zum Leutnant befördert. 5 ra. Reiskirchen, 30. Nov. Lehrer Wilhelm Rausch (eErsatz⸗Reservist im Inf.⸗Regt. Nr. 138) starb im Alter von 26 Jahren den Ehrentod. a Hessen⸗Nassau. . Marburg, 30. Nov. Auch unserer Stadt ist jetzt 775 An⸗ fsucken zur bleibenden Erinnerung an den Weltkrieg ein erbeu⸗ tetes Geschütz überwiesen worden. Es fand heute seine Auf⸗ stellung auf dem Marktplatze unmittelbar neben dem alten Portal des Rathauses. Mit Rücksicht auf die gestiegenen Lederpreise hatte die hiesige Schuhmacher in nung letzte Woche beschlossen, eeine abermalige Preiserhöhung eintreten zu lassen. Als Fioolge der jetzt eingetretenen Preisregelung auf dem Ledermarkt wurde dieser Beschluß wieder rückgängig gemacht. () Marburg, 29. Nov. Im Fürsten haus fanden am Sonn⸗ abend und heute die Ergänzungswahlen zum Marburger Kreistage statt. Gewählt wurden von den Vertretern der Land⸗ gemeinden die Bürgermeister Ruth⸗ Leidenhofen, Rauch⸗Wit⸗ telsberg, Breitstadt⸗ Hassenhausen und Gutsbesitzer Klingel⸗ höfer⸗Kaldern. Die beiden letzteren gehörten schon seither dem Kreistage an. Die ausgeschiedenen Vertreter des Großgrund⸗ besitzes, Kaufmann Stumpf⸗ Marburg, Rittergutsbesitzer Gene⸗ ralleutnant z. D. Erz. von Heidwolff⸗ Hof Germarshausen und Rittergutsbesitzer Neume her⸗Bürgeln erzielten einstim⸗ mige Wiederwahl.— Wie der Ausschuß für, Kriegsfür⸗ for ge mitteilt, wurden bis zum 1. Oktober 54 297 Mk. freiwillige Gaben gespendet. Betreffs der Verwendung der Gelder sei er⸗ wähnt, daß der Arbeitslohn für Kriegerfrauen allein 7361 Mk. ausgegeben wurden. Die Kriegsvol ksküche am Marktplatze wird immer mehr in Anspruch genommen. Auch die vielen son⸗ stigen Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege beanspruchen andauernd Mittel. Es wurde beschlossen, die Volksspende durch Einholung von Wochenbeiträgen aufzubessern.— Hier ereignete sich der seltene Fall, daf; Vater und Sohn mit dem Eisernen Kreuz in diesem Kriege ausgezeichnet wurden. Es sind dies der Fried⸗ hofsverwalter Feldwebelleutnant Philipps, der im Westen kämpft, und der Unteroffizier Philipps, der sich im Osten diese Auszeichnung erwarb. Vater und Sohn haben sich jetzt im Hei⸗ matsurlaub getroffen. 5— Frankfurt a M., 29. Nov. Der Magistrat hat eine Denkschrift über die städtische Lebensmittel⸗ und Futtermittel⸗Versorgung herausgegeben, die am kom⸗ menden Donnerstag der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wird. Die hochinteressante Schrift bietet ein umfassendes Bild von der Tätigkeit der städtischen ebensmittelkommission während der vom J. November 1914 bis Ende Oktober 1915. Von der rteilungsstelle wurden 193 675 Doppelzentner Weizen⸗ und ehl im Werte von 7 573 225 Ml. und 12 890 Doppel⸗ 6 im Werte von 572 265 Mk. abgesetzt. An e en verkaufte man 1744 Zentner minister Bericht über einen 22ͤ * im Betrage von 246 708 Mk. Die bis zum 1. Februar 1915 be⸗ schafften 5088 Gefrierschweine im Gewicht von 491 785 Ki⸗ logramm kosteten 650 000 Mk. Ferner kaufte man 563 285 Dosen Sckweinefleischkonserven im Wert von 646611 Mk. an. Sämtliche Dauerwaren sind ausverkauft. Andere Kapitel befassen sich mit der Versorgung mit Kartoffeln, Obst, Gemüse, Butter, Fett, Milch und Eiern und dem Einkauf von sonstigen Lebensmitteln. Frankfurt a. M., 30. Nov. Durch das überraschend schnell eingesetzte Tauwetter trat in dem gesamten Betrieb der elektrischen Weichen des hiesigen Hauptbahnhofes heute früh gegen acht Uhr eine Störung ein, so daß sämtliche Apparate den Dienst versagten. Die Folge waren erhebliche Betriebsstö⸗ rungen. Eine Anzahl Züge konnte nicht einfahren und mußte teils vor dem Bahnhof, teils schon auf den letzten Stationen liegen bleiben. Ebenso konnten viele fällige Züge nicht ausfahren. Erst nach zwei Stunden war die Störung behoben. g —Usingen, 30. Nov. Wie die hiesige Polizeiverwaltung bekannt gibt, wurde bei der kürzlich stattgefundenen Getreide⸗ vorratserhebung in den meisten Gemeinden des Krei⸗ ses in leichtsinniger Weise ein großer Prozentsatz der Gesamt⸗ ernte der Behörde verschwiegen. Ter Landrat hat den Kreis⸗ bewohnern zur Berichtigung ihrer Bestandsangaben eine Frist von 48 Stunden gewährt. Vom 1. Dezember an wird gegen die„Ver⸗ 9 mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgegangen erden. — vermischtes. Ein Eiseubahnunglück in Italien. Bern, 30. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des„Secolo“ erfolgte des Nachts wenige Kilometer vor Rom bei Ciampina infolge falscher Weichenstellung ein sehr heftiger Zu⸗ sammenstoß eines Militärzuges mit einem Güterzug. Ein Soldat wurde getötet, 12 schwer verletzt. f Büchertisch. —„Der Flieger von Ypern“. Eine Geschichte aus dem großen Weltkriege. Deutschlands Jugend erzählt von C. F. Stauffer. Mit Bildern von G. Bachem, Fein gebunden Preis Mk. 3.—. Verlag von A. Auton& Co., Leipzig und Berlin.— Die Schicksale eines jungen Mannes werden geschildert, der bei Ausbruch des Krieges in englische Gefangenschaft gerät, der aber aus ihr entflieht, in das deutsche Heer eintritt und als Soldat an den Kämpfen um Ypern zu Lande, zu Wasser und in der Luft her⸗ vorragenden Anteil nimmt. e Grimmelshausen, Simplicius Simplicis⸗ simus, neu herausgegeben von Will Vesper. Verlag von Josef Singer, Straßburg und Leipzig. Gut geb. Mk. 3.—, in Halblederband Mk. 4.50. In einer Kriegszeit wie der heutigen ist es doppelt interessant, den Beobachter einer ebenfalls kriegerischen Zeit zu hören, einen Beobachter, der nicht nur ein unentwegter Abenteurer, sondern ein ganz großer Künstler war. Die Neuher⸗ ausgabe des prachtvollen Romanwerles Simplicius Simplicissimus ist als eine wertvolle Tat zu begrüßen. Einen Abenteurerroman wie diesen hat kaum ein anderes Kulturvolk aufzuweisen. Rein und üppig sprudelt hier die Quelle deutscher Erzählungskunst, die Bilder, die das Buch bringt, sind unvergänglich wie Kupferstiche Dürers. Alfred Boese hat ganz recht, wenn er in seiner deutschen Literaturgeschichte den Simplieissimus in eine Reihe setzt mit den neuesten klassischen deutschen Bildungsromanen, mit Goethes Wil⸗ helm Meister und Goltfried Kellers Grünem Heinrich. Die Neu⸗ ausgabe von Will Vesper, die durch eine lesbare Ortographie und Verdeutschung unverständlicher Worte das Buch genußreich für den modernen Leser macht, wird bei der prächtigen Ausstattung und dem billigen Preis von Mk. 3.— gut gebunden und Mk. 4.50 in Halbleder allen und nicht zuletzt unseren Kriegern im Schützen⸗ graben große Freude machen. — Die Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens(Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart) bietet in ihren schmucken und handlichen Vierwochenbänden, in vielen tausend Familien eingeführt und in Millionen verbreitet, für 75 Pfennig einen überaus reichen und abwechslungsreichen In— halt(240 Seiten) in Wort und Bild, durchweg gute und anregende geistige Kost zur Kurzweil und Weiterbildung. Die Bibliothek kann im Felde auch bei der Feldpost abonniert werden. Handel. Eine ungarische Erdgasgesellschaft. Buda pest, 30. Nov.(WTB Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erstattete der Finanz⸗ ertrag, den er mit einer unter Führung der Deutschen Bank stehenden Gruppe abgeschlossen hat, die behufs Ausbeutung von Erdgas und Mineralöle die Ungarische Erdgasgesellschaft gründen soll. Dieser Finanzgruppe ist der Ausbau der Erdgasleitungen in Klausenburg, Maros⸗Vasarhely und Groß⸗Wardein, späterhin auch in Elisabeth⸗ stadt und Arad überlassen worden. Die Konzession dauert 50 Jahre und wird, falls die Gesellschaft eine Investition von 100 Millionen in den ersten 35 Jahren nachweist, auf weitere 25 Jahre verlängert. Die Regierung erhält als Kaufpreis Aktien der Gesellschaft mit der weiteren Bedingung, daß die Gesellschaft, falls sie einen Rein⸗ gewinn von 10 bis 25 Prozent erzielt, sie davon 10 Prozent und im Falle eines noch höheren Reingewinnes 50 Prozent abzugeben hat. Der Vertrag bezieht sich auf Mineralöl, das etwa gefunden werden sollte. Die Ungarische Erdgasgesellschaft wird mit einem Aktienkapital von 20 Millionen gegründet, das in 20 000 Stück Aktien im Nennwerte von 1000 Kronen zerlegt wird. 4000 Aktien werden der Regierung als Entgelt für die Konzession und für die in den Gasfeldern gemachten Vorarbeiten überlassen. Außerdem wird die Gesellschaft 20000 Stück Genußscheine ausgeben, wovon 8000 dem ungarischen Finanzminister überlassen werden als Er⸗ gänzung des Kaufpreises für Erdgase und Leitungsvorarbeiten. Diese Genußscheine sind am Reingewinn nur beteiligt, falls eine Dividende von 10 Prozent verteilt wird. Märkte. ke. Frankfurt a. M.. 1. Dez. S ch w einemarkt. Auf⸗ getrieben waren 135 Schweine. Es kosteten: Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kiiogramm Lebendgewicht 108,00 00,0) Mk., Voll⸗ fleischige Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 78,00— 93,0) Mk., Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 Kg. Lebendgewicht 118 bis 00,00 Mk., Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebend⸗ gewicht 129,00 00,00. Geschäft flott, geringer Ueberstand. 1e. Frankfurt a. M., 1. Dez. Frucht⸗ und Futter- mittelmarkt. Die Lage ist seit Montag unverändert. Das Angebot besonders in Futtermitteln ist etwas besser, doch ist die Kauflust infolge der hohen Preise nicht groß. Man notierte: Lein⸗ kuchen 7779 Mk., Kleie 51 bis 52 Mk., Kraftfutter 41— 42 Mk., Rapskuchenschrot 5557 Mark., Hopfentreber 41—43 Mk. Alles per 100 Kilo. e. Frankfurt a. M., 1. Dez. Kartoffeln im Großhandel und in loser Ladung ab 6,10 Mk. per 100 Kilogramm. Kartoffelmarkt. Bersandstation Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 2. Dez. 1915: Fortdauer der bestehenden Witterung.. Letzte Nachrichten. Sofia, 1. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Bulgarischer Generalstabs⸗Bericht vom 29. November: Mittags haben unsere Truppen nach kurzem Kampf von entscheidender Be⸗ deutung die Stadt Prizren genommen. 16 000 bis 17000 Gefangene wurden gemacht, 50 Feldgeschütze und Haubitzen, 20 000 Gewehre, 148 Automobile und eine Menge Kriegsmaterial erbeutet. Die Zahl der Gefangenen wüchst un⸗ aufhörlich. König Peter und der russische Gesandte Fürst 1 VVVJVJVVJVJ. 97 Trubetzkoi sind am 28. November nachmittags ohne Beglei⸗ tung mit unbekanntem Ziel davongeritten. Aller Wahrschein⸗ lichkeit nach wird die Schlacht von Prizren, wo wir die Reste der serbischen Armee gefangen nahmen, das Ende des Feld⸗ zuges gegen Serbien bedeuten. Zum Wiener Kaiserbesuch. i. Köln, 1. Dez. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Wien: Personen, die mit Kaiser Wilhelm während seines Be⸗ suches bei Kaiser Franz Joseph in nähere Berührung kamen, rühmen das gesunde Aussehn, die geistige Regsamleit und die zu⸗ versichtliche, wenn auch ernste Stimmung des deutschen Kaisers. Ebenso bestätigen sie, daß Haiser Franz Joseph trotz seinem hohen Alter von einer staunenswerten. geistigen Rührigkeit ist, die ihn befähigt, den Weltkrieg bis in seine klein⸗ sten Einzelheiten zu versolgen und sich ein entschiedenes Urteil über alle seine Seiten zu bilden. Der Besuch des deutschen Kaisers in Wien war seit langem geplant und wurde nur mit Rücksicht auf den schonungsbedürftigen Zustand Kaiser Franz Josephs bis in den 16. Monat des Weltkrieges hinausgeschoben. Aus demselben Grunde wurde er auch so kurz und einfach wie möglich gestaltet. Der bulgarische Vormarsch gegen Djakova. Budapest, 1. Dez. Der„Az Est“ berichtet aus dem Kriegspressequartier: Die Armee Köveß, die Rudnik be⸗ setzte, steht nur noch 30 Kilometer von Ipek entfernt. Die Bulgaren dringen rasch gegen Djakova vor. Bei Rud⸗ nik wurden 1300 Gefangene gemacht. Der serbische Rückzug auf Durazzo. 5 Haag, 1. Dez. Die„Times“ berichten aus Saloniki: Den deutsch⸗österreichischen Truppen, die jetzt gemeinschaftlich mit den Bulgaren gegen Montenegro vorrücken, gelang es offenbar, sich von den östlich Prilep operierenden französischen Truppen zu lösen. Sie treiben die kleinen Trupps Serben, die sich ihrem Vormarsch entgegenstellen und ihn aufzuhalten versuchen, vor sich her. Die Hauptmacht der Serben geht jetzt in der Richtung auf Duraz zo und Skutari zurück. Es sei zwecklos, noch weiter zu leugnen, daß das ganze serbische Königreich mit Ausnahme des kleinen von den Engländern und Franzosen besetzten Teiles, sich in einigen Tagen in der Macht des Gegners befinden werde. Die Armee Sarrail bedroht. Lugano, 1. Dez. Dem„Corriere della Sera“ meldet Fraccaroli vom 28. aus Saloniki: Die Armee Sarrail, die auf der Front Gradske Strumitza steht, ist der Umklammerung und den Angriffen von Heeren ausgesetzt, denen sie unmög⸗ lich gewachsen ist. An tatkräftige Hilfe von Saloniki aus ist selbst bei den Truppen, die neu ausgeschifft werden, nicht zu denken. Die Lage der Armee Sarrail ist bereits ein Problem, dessen Lösung äußerst schwierig sein wird. Französisch⸗englischer Rückzug nach Saloniki. 8 Lugano, 1. Dez. Der„Corriere d'Italia“ in Rom er⸗ fährt, daß der Rückzug der Verbündeten nach Saloniki bereits begonnen hätte, da sie dem furchtbaren Druck der Bulgaren nicht mehr stand zu halten vermöchten.“ Athen will eine Erklärung. Amsterdam, 1. Dez. Die„Times“ berichten aus Athen: Die griechische Regierung hat Frankreich um eine Erklärung verschiedener Punkte der neuen Note gebeten und wartet die Antwort der französischen Regierung ab, Die türkische Presse über die Balkanlage. Konstantinopel, 1. Dez. Die hiesige Presse gibt ihrer Zuversicht über die weitere Entwicklung der militärischen Lage auf dem Balkan Ausdruck.—„Tanin“ schreibt: Wir haben die innere Linie auf dem Balkan in unserer Hand. Für die Entente kommt alles zu spät. Andere Zeitungen sagen allen neuerlichen Versuchen der Entente, Rumänien zu beeinflussen, einen gründlichen Mißerfolg voraus. Die Japaner auf Formosa. Berlin, 1. Dez. Die„Vossische Zeitung“ erhielt folgen⸗ den Bericht auf Umwegen aus Tokio: In den ersten Monaten des Jahres wurde in Formosa eine Verschwörung gegen die japanische Regierung entdeckt, in deren Folge etwa 1000 Personen in Anklagezustand versetzt wurden. Vor kurzem wurde nun berich⸗ tet, daß der Generalgouverneur von Formosa dem Minister des Innern einen amtlichen Bericht über die Sachlage übersandt hat. Nach diesem Bericht wurden im Tainun⸗Provinzialgericht von 89 Insurgenten 61 zum Tode verurteilt, sechs zu 12 Jah⸗ ren Gefängnis und 22 zu neun Jahren. Kurz darauf wurden von demselben Gericht von 163 Insurgenten 156 zum Tode ver⸗ urteilt, drei zu 15 Jahren Gefängnis, drei zu 12 Jahren und einer zu neun Jahren Zwangsarbeit. In den nächsten Tagen dar⸗ auf sind in der gleichen Sache 55 Insurgenten zum Tode ver⸗ urteilt worden. Nach Blättermeldungen sind eine große Anzahl dieser Todesurteile bereits vollstreckt worden. Amerikanische Steuer auf die Ausfuhr von Kriegsmaterial.. London, 1. Dez. Nach einer Meldung der„Daily News“ aus Washington soll in der Kongreßsitzung der nächsten Woche eine Steuer von mindestens 20 Prozent auf die Ausfuhr von Kriegsmaterial eingebracht werden. Man schätzt, daß diese Steuer etwa 40 Millionen Pfund Sterling einbringen wird, da die Ausfuhr von Kriegsmaterial in den letzten neun Monaten etwa 200 Millionen Pfund Sterling betragen hat. Sie kann jedoch unter Umständen noch ein höheres Ergebnis bringen, näm⸗ lich, wenn als Kriegsmaterial auch Getreide, Schuhe und Leder⸗ waren aller Art, rohe und verarbeitete Baumwolle für die Be⸗ steuerung herangezogen werden. Die amerikanische Friedenspropaganda. Amsterdam, 1. Dez.„Daily News“ bringt ein Reutertele⸗ gramm aus Washington, das augenscheinlich von den anderen eng⸗ lischen Blättern unterdrückt worden ist. Es besagt, daß die un⸗ garische Frauenrechtlerin Josika Schwimmer und die Ameri⸗ fanerin Frau Snowden eine Unterredung mit dem Präsidenten Wilson hatten, die ¾ Stunden dauerte und der eine große Versammlung vorherging, bei welcher Henry Ford seine erste öffentliche Friedensrede hielt. Die ganze Versammlung begleitete die beiden Frauen zum Weißen Hause. Nach einer Version hat Wilson die Frauen sehr ermutigt. Vom Deutschen Reichstag. 5 Berlin, 1. Dez. Die sozialdemokratische Reichs⸗ tagsfraktion soll, wie heute im Reichstage erzählt wurde, die Absicht haben, den Reichskanzler ütber die allgemeine Lage zu inter pellieren. Preis: ½ Flasche M. 1.50 ½ Flasche 93330 I 85 Pfg. 2 Spie Viele Neuheiten! Uhrwferk-, Dampf- und elektrische Bahnen mit all. 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Mts., nachmittags 3½ Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere Frau Annd Bender nach langem, schwerem, in grosser Geduld ertragenem Leiden heute vormittag 9 Uhr in ein besseres Jenseits Die trauernden Hinterbliebenen: Lehrer Bender und Kinder. Launsbach und im Feld, den 29. November 1915. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Dezember, 29. v. Mts. 9843 9350 9823 Statt Karten. Durch einen sanften Tod erlöst wurde plötzlich Sonnabend nachmittag meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante, Sarg Halte stets ein größeres Lager von 8516 S Särgen in allen Preislagen Taail B. Müller, ehllerspabe 28. -Lager Frau Hedwig Rathenow tieftrauernde Gatte: Mar Rathenow und Kinder im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: J. 7 Gas-Lampen geb. unke in ihrem 29. 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